Autor Thema: [IC] Prolog: Nacht  (Gelesen 2192 mal)

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Daeinar

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[IC] Prolog: Nacht
« am: 16.03.2008, 12:53:04 »
Mol, 2. Dravago, 999 YK

Es ist fast Mitternacht, als Vosker auf den Hauptplatz von Diamantsee zugeht. Vor zwei Tagen ist Dravago angebrochen, und die Sichel des Lavendelfarbenen Mondes der Hirten wird nun langsam aber stetig wachsen. Man sagt, wer im Fernpfeil , so nennen die Druiden der Eldeenreiche diesen Monat, geboren sei, verspüre oft eine besondere Verbundenheit zur Natur.

Der Wandler spürt in diesem Moment nichts davon. Nach einigen Stunden im Wilden Hund hatte ihn plötzlich das Bedürfnis überkommen, an die frische Luft zu gehen. Nun kehrt er von seinem Ausflug zurück, in der Absicht, noch eine Weile dort zu verbringen.
Er wirft einen unwilligen Blick auf das Haus des Scherrifs zu seiner Rechten und geht unwillkürlich ein paar Schritte weiter links. Der Platz vor ihm liegt im Mondschein und aus den umliegenden Gebäuden dringt mehr oder weniger viel Lärm. Aus dem Wilden Hund, wie immer, mehr. Er ist erst wenige Schritt über den Platz gegangen, als er die Stimme hört:

„Guten Abend, Bruder“.

Der rauhe Ton lässt ihn Merrin Sandovar erkennen, noch bevor Vosker sich zu diesem umdreht. Im Mondlicht hat der andere Wandler etwas tierisches an sich. Er sieht deutlich wilder aus als der fast menschlich wirkende Vosker, doch im Kern ist der Leiter der Kundschafter von Tolliver Trask, dem Hauptmann der Garnison, wohl  ein guter Kerl. Er lächelt nun, als er auf Vosker zutritt und schaut auf das Haus des Scherrifs.

„Er ist ein Arsch. Aber was will man machen.“ Er zuckt mit den Schultern und blickt die Straße, die zum Ring der Menhire hinaufführt entlang.  „Ich muss noch eine Runde machen. Begleite mich doch. Wir haben uns lange nicht unterhalten. Die Gilde macht sich fast ein wenig Sorgen um dich.“

Er schaut Vosker freundlich, doch erwartungsvoll an: "Nun komm schon. Vor Mitternacht bist Du wieder hier."

Vosker Tarkad

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[IC] Prolog: Nacht
« Antwort #1 am: 16.03.2008, 19:58:42 »
Sorgen? Oder traut man mir nur nicht genug, unbeaufsichtigt im Wilden Hund zu verweilen

Vosker behält seine Gedanken wohlweislich für sich. Selbst wenn er recht hätte, hätte er dieses Misstrauen selbst verschuldet, dass weiß er nur zu gut. Und tief im Inneren weiß er auch, dass sie allen Grund haben, ihm zu misstrauen, er traut sich ja selber nicht über den Weg.

"Hat der Sheriff euch mal wieder Probleme gemacht?" Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Soldaten der Garnison und der Sheriff  und seine Bande nicht besonders gut miteinander können und Merrins Worte lassen Vosker vermuten, dass es zu einem neuerlichen Kompetenzstreit gekommen ist. Vosker versteht nichts von diesen Dingen. Druiden kennen eine klare, kompetenzgesteuerte Hierarchie, die Nickligkeiten der Politiker Sandspitzes sind ihm daher ein Buch mit sieben Siegeln.

"In Ordnung, ich komme mit. Ein paar Schritte werden mir gut tun, und deine Unterhaltung ziehe ich der im Hund jederzeit vor. Nicht, dass sie mich dort vermissen werden."

Daeinar

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[IC] Prolog: Nacht
« Antwort #2 am: 17.03.2008, 19:00:11 »
Merris nickt dem anderen Wandler knapp zu und verlässt mit diesem den Platz in Richtung Nordwesten. Zur Linken der Straße erhebt sich die Garnison als dunkler Schatten gegen den Nachthimmel, als die beiden Mitglieder der Bronzeholzgilde den langsamen Anstieg in Richtung des Rings der Menhire antreten.

"Heute noch nicht", kommt einige Minuten später die Antwort auf Voskers Frage recht plötzlich. "Es ist oft nicht einfach, das Richtige zu tun, wenn Dich niemand darin bestärkt... aber oft denke ich, was auch immer unter Siberys Antlitz geschieht... wir sollten uns mehr Mühe geben, das Richtige geschehen zu machen."

Bevor die Straße sich gabelt und die beiden Wandler den Weg nach Osten einschlagen, den Ortskern Diamantsees umrundend, blickt der Kundschafter noch einmal über den Ort, der von hier aus friedlich erscheint. Er blickt Vosker an und seine leuchtenden Augen verraten in diesem Moment welch scharfe Sinne sein Blut dem Wandler mitgegeben hat.

"Man kann nicht einmal sehen, wie schmutzig der See ist. Wie viele Jahre wohl noch veregehen müssen, bis die Schatten des Letzten Krieges sich auch von diesem Ort erheben? Ganz von allein werden Sie es wohl kaum tun."

Vosker Tarkad

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[IC] Prolog: Nacht
« Antwort #3 am: 17.03.2008, 22:30:37 »
Vosker zieht die frische Luft in vollen Zügen ein.

"Das wichtigste ist, dass man ihn hier oben kaum noch riechen kann. Unten am Ufer verliere ich fast meinen Orientierungssinn, ich weiß gar nicht, wie die Menschen es schaffen, davon so unbeeindruckt zu bleiben. So schlechte Sinne haben sie nun auch wieder nicht."

Vosker ballt beide Hände zu Fäusten, Zorn zeichnet sein Gesicht, dass dadurch einen raubtierhaften Ausdruck erhält, den man sonst nicht zu sehen bekommt.
"Ich kann nicht mal meinen Taran mit mir in die Stadt nehmen, da ihm der Gestank wohl nur schlecht bekommen würde. Und ich kann nichts dagegen tun. Nicht, solange den Mächtigen das Erz aus dem Boden lieber ist als die Schönheit der Natur, in der sie leben könnten, wenn sie nur etwas mehr Verstand hätten."

Daeinar

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[IC] Prolog: Nacht
« Antwort #4 am: 19.03.2008, 20:29:52 »
"Das ist auch eine Art, die Dinge zu sehen", meint Merris nachdenklich. "Aber bist Du dir sicher, dass deine Sinne dir Sicherheit geben?"

Sie gehen ein Stück weiter und sind nun um Osten des Städtchens auf dem Rückweg zum Hauptplatz. "Weisst Du Vosker, manchmal frage ich mich, was Du hier tust. Ich habe nie verstanden, wieso Du nach Diamantsee gekommen bist. Jemand muss das für eine gute Idee gehalten haben - aber ich habe den Eindruck, die Stadt ist für dich ebenso voller Gefahren, wie für die Natur, die sie zerstört."

Ernst schaut er den anderen Wandler an: "Dieser Zorn steht dir nicht. Wenn Du wirklich etwas ändern willst, dann solltest Du erst einmal dich selbst finden. Ich könnte mit Tolliver sprechen. Du könntest mich ein paar Tage begleiten, wenn ich die Stadt verlasse."

Vosker Tarkad

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[IC] Prolog: Nacht
« Antwort #5 am: 19.03.2008, 22:01:34 »
"Warum ich hier bin?" Vosker unterdrückt den Wunsch, ein weiteres Mal zornig aufzufahren. "Offenbar, weil jemand mich für geeignet hielt, mit den Minenleitern dieser Stadt zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen, die es dem See erlaubt, sich von der Verschmutzung zu erholen."

Der Wandler atmet tief durch, bevor er leise weiterredet.
"Sieht so aus, als hätte dieser jemand mich unterschätzt. Und jetzt sitze ich hier fest, muss mir das Leiden der Natur an diesem Ort täglich mit ansehen, und kann nichts tun, weil mich niemand anhören will. Ich könnte genauso gut woanders sein."

Gedankenverloren zerknackt Vosker einen Floh zwischen seinen Fingern. "Muss ich mir wohl von Taran eingefangen haben. Weißt Du was, wenn dein Kommandant zustimmt, würde ich tatsächlich gerne mit Dir mitkommen. Wahrscheinlich hast Du recht, und ich brauche einfach nur eine kleine Pause."

Daeinar

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[IC] Prolog: Nacht
« Antwort #6 am: 20.03.2008, 19:58:34 »
Merrss nickt knapp und antwortet: "Gut. Wir werden sehen." Gemeinsam gehen die beiden Wandler zurück zum Hauptplatz. "Wieder da. Nun hat die Nacht dich wieder. Du hörst von mir." Merris reicht Vosker zum Abschied die Hand.

In diesem Moment schwingt die Tür des Wilden Hunds auf und jemand spurtet hinaus, in Richtung des Hauses des Sherrifs.

"Cubbin! Mord! Cubbin!"


Merris kneift die Augen zusammen und peilt durch das Zwielicht die Person an. "Rastophan. Einer von Kullens Leuten. War mir nie bewusst, dass die es so mit dem Gesetz haben." Er kratzt sich kurz am Kopf, während er offensichtlich nachdenkt. "Tolliver wird mir dafür eine Predigt halten, aber ich glaube, ich wir sollten uns das einmal ansehen."

Vosker Tarkad

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[IC] Prolog: Nacht
« Antwort #7 am: 22.03.2008, 11:36:05 »
Vosker ist jetzt gerade alles andere als nach Ärger zu Mute, dennoch nickt er, wenn auch etwas zögerlich.
"In Ordnung, lass uns nachschauen, was da los ist."

Um Tollivers Reaktion macht er sich dabei weniger Sorgen, als um die des Sheriffs. Und außerdem gefällt ihm der Gedanke, dass das ganze etwas mit Kullen und seiner Bande zu tun haben könnte, ganz und gar nicht. Seine Besuche im "Wilden Hund" haben ihn gelehrt, dass mit denen nicht gut Kirschenessen ist.

Daeinar

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[IC] Prolog: Nacht
« Antwort #8 am: 22.03.2008, 16:13:01 »
Als die beiden Wandler den Wilden Hund betreten herrscht dort ein ziemlicher Aufruhr. Zeitgleich mit den beiden Neuankömmlingen tritt jemand durch die Hintertür ein.

"Die Hunde sind geflohen! Die verdammten Untotenliebhaber können im dunkeln sehen!" Der untersetzte Mann hat eine Narbe im Gesicht, die von seiner linken Schläfe bis zum Kinn läuft. "Merovinn Bask", meint Merris mit unterdrückter Stimme. "Noch einer von Kullens Leuten. Bleib hinter mir und halt dich zurück."

Unter den seltsam feindseligen Blicken der Besucher des Hunds bahnen die beiden Wandler sich einen Weg durch die Menge, die sich im hinteren Teil der Kneipe um die Ursache des Aufruhrs geschart hat. "Erst ein Karrn, jetzt die Tiere...", kann Vosker aufschnappen, ohne jedoch den Urheber ausfindig machen zu können.

Der Anblick auf dem Boden der Kneipe ist in der Tat unappetitlich. Dort liegt ein Junge, vielleicht soeben volljährig, wenn überhaupt, in seinem eigenen Blut. Er ist aschfahl, das Messer, dass für die eigentlich eher kleine Wunde verantwortlich ist, liegt neben ihm. Keine zwei Meter von ihm bettet eine Elfe soeben einen Mann mittleren alters, der dem Jungen ähnelt, mit dem Kopf auf ein blutverschmiertes, zusammengeknülltes Handtuch. Der Mann ist ohnmächtig und scheint einige Zähne verloren zu haben.

Merris schaut fragend auf die Szenerie und eine steile Sorgenfalte entsteht auf seiner Stirn. In diesem Moment blickt die Elfe ihn an und lächelt schwach. "Merris, richtig? Ich bin Tiira. Aus Sharn. Ich würde ja, aber..." Hilflos hält Sie ihm eine blutverschmierte Hand hin.

"Schon gut", meint dieser, immer noch leise. "Könnt Ihr mir sagen was hier geschehen ist?" Die Elfe nickt: "Der Junge und seine Freunde hatten wohl zu viel getrunken. Fingen an, den Karrn und seinen Freund, einen älteren Gnom, zu beschimpfen. Ganz schöner Brocken, der Mann. Ist kurz laut geworden, dann war Ruhe. Später kam der Vater", sie deutet mit dem Kopf auf den ohnmächtigen Mann "und wollte dem Karrn dann mal zeigen, was ne Harke ist. Mit seinen zwei Freunden da drüben. Hat sich wohl verschätzt. Der ist nichtmal ins Schwitzen gekommen, glaube ich. Der Sohn hat dann ein Messer genommen - und sich glatt selbst aufgespiesst. Der Karrn hat sogar noch versucht ihn zu retten. Die Leber, dummer Sache, da war nicht mehr viel zu machen." Sie schaut sich in der Kneipe um, dann meint Sie: "Und noch was: Ich glaube nicht, das jemand hier das so gesehen hat, wie ich."

"Danke",
antwortet Merris knapp. Dann wendet er sich an Vosker. "Der Sheriff wird gleich hier sein. Nebenan im Lazares Spielhallen ist Melindé beim Drachenschach. Hol Sie, schnell, bitte. Wir könnten ihre Talente hier gebrauchen. Sag ihr, ein Dummkopf hat sich von einem Karrn umbringen lassen. Und mit ein bischen Pech werden jetzt einige Dummköpfe versuchen, einen Karrn umzubringen. Ich versuche in der Zeit noch schnell, die Jugendlichen auszuquetschen."

Daeinar

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[IC] Prolog: Nacht
« Antwort #9 am: 22.03.2008, 22:30:46 »
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