Autor Thema: Kapitel II: The show must go on  (Gelesen 714 mal)

Beschreibung: Das Erwachen in einer neuen Welt

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Changeling

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #15 am: 15.07.2017, 13:20:18 »
Der riesige Troll hat Ayleens heftige Reaktion auf Ricky beobachtet und ist einen Schritt weit vorgetreten, um sich zwischen die beiden zu stellen. Doch dann scheint sie sich wieder unter Kontrolle zu haben, und er bleibt stehen. Ein Grollen kommt aus seinem breiten Brustkasten, das irgendwo zwischen drohend und gereizt liegt, dann wendet er sich schweigend um und stapft wieder weiter voran. Laura an hat bei der Szene zunächst ein überraschtes Gesicht gezogen, grinst aber gleich darauf frech und scheint sich regelrecht über die Röte in Ayleens Gesicht zu amüsieren. Sie hopst offenkundig völlig unbeschwert weiter, umkreist den stoisch schweigenden Eddy mehrere Male und singt dabei leise und mit bemerkenswertem Talent ein Lied, das man im letzten Sommer im Internat von Gatsburg immer wieder heimlich auf den Schülerzimmern gehört hat[1]. Dazu macht sie Tanzbewegungen, die mit ihrem kurzen Rock ziemlich gewagt wirken. Ihre kräftigen Beine scheinen sich unermüdlich zu bewegen, als sei ihr die Musik ins Blut gefahren. Ayleens verächtliche Geste lässt sie nur noch breiter grinsen.

Eddy nickt zögerlich zu Ayleens Worten. Auch er bewegt sich beim Gehen rhythmisch, als würde er dabei einer Musik lauschen, die nur in seinem Kopf erklingt. Bei dem Troll denkt man allerdings eher an einen Militärmarsch, wenn man ihn so sieht mit seinen langen, mächtigen Gliedern, die gleichmäßig vor und zurück schwingen, während der schwere Streitkolben an seiner Seite baumelt. Ricky wirft er einen kurzen Blick zu und erwidert ihm, ohne anzuhalten: "Das mag schon sein. Aber hier kann dir jeder sofort dein Blut ansehen" wobei er auf die Beine und die Hörner des Satyrs weist und bedeutungsvoll nickt. "Und ich glaube nicht, dass sie einen Unterschied zwischen dir und einem deiner Vorfahren machen. Vielleicht BIST du einer deiner Vorfahren und weißt es nur nicht mehr. Goibniu erzählte mir, dass es mit uns nicht ist wie mit den Menschen. Wir werden in gewisser Weise wiedergeboren, und manche von uns können sich an Dinge erinnern, die weit vor ihrer Geburt lagen."

Gerade setzt Laura Ann an, eine – ihrem Gesichtsausdruck nach recht respektlose und vorlaute – Bemerkung einzuwerfen, als es die Schüler alle gleichzeitig spüren: Ein Beben unter ihren Füßen! Leise erst und kaum wahrnehmbar, schwillt es rasch an, bis sie es nicht nur fühlen, sondern auch hören können. Ihre Zähne scheinen in den Kiefern zu wackeln, als es zu einem dumpfen Dröhnen wird, und dann entdecken sie auch plötzlich eine riesige Staubwolke am Horizont, die zusehends wächst. In ihrem Inneren: ein breiter, ausgedehnter Schatten – etwas Dunkles, das den Staub aufwirbelt und sich ihnen zu nähern scheint. Undeutlich ist Bewegung zu erkennen, während das Dröhnen immer lauter wird und die Erde so stark erzittert, dass sie bis auf Eddy zu taumeln beginnen. Der Troll steht breitbeinig vor ihnen und beschattet die Augen mit einer Hand. Sogar die vorlaute Laura Ann ist mit offenem Mund wie angewurzelt stehengeblieben.
 1. Nämlich Girl Happy – das tatsächlich erst nach 1960 erschien, aber so schön in die Szene passte ;-)

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #16 am: 17.07.2017, 16:52:08 »
Ricks Verteidigung wird von Ayleen zunächst ignoriert, ebenso Lauras Verhalten. Nur einmal noch provoziert er ein Stehenbleiben mit herumwirbelnden Kopf und schmalen, funkelnden Augen. Dann geht sie aber weiter und schnaubt leise: "Mein erster..." und reibt sich verräterisch übers Gesicht. Eine Aussage Eddys lässt sie dann doch zögern: "Wie funktioniert das mit der Erinnerung?" Doch sie wird von Donner und Beben teilweise übertönt. Sie sieht sich um und fixiert die Staubwolke, ohne in Unruhe oder Hektik auszubrechen. Stattdessen entspannen sich ihre Gesichtzüge, lassen sogar etwas wie Freude erahnen. "Büffel! Eine ganze Herde. Welch majestätischer Anblick - und wie schade, dass sie bei uns ausgerottet worden sind." Sie versucht abzuschätzen, wohin die Gruppe sich bewegen müsste, um nicht in die Zugrichtung der Herde zu geraten. Wenn sie sich richtig erinnerte, mussten sie ansonsten nur ein möglichst großes und ruhiges Objekt darstellen, um nicht als Gefahr wahrgenommen zu werden - sprich: ruhig beieinander stehen.
« Letzte Änderung: 22.09.2017, 18:52:11 von Ayleen Chepi Anitsiskwa »

Ricky

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #17 am: 21.07.2017, 03:49:20 »
Ricky übersieht absichtlich Ayleens weitere Reaktion auf seine Neckerei.

Er erwärmt sich jetzt auch mehr für das Gespräch mit Eddy.
"Wiedergeburt? Nicht wie Menschen?
Willst du sagen, meine Eltern sind nicht meine Eltern?
Und wer ist eigentlich dieser Goibniu, den du ständig erwähnst? Irgendwer von hier?"
Ricky sieht gerade beim Thema Eltern echt besorgt aus.
Aber dann bemerkt auch er das sich nähernde Beben.
"Ja, Rinder! Vielleicht können wir die Viehtreiber fragen, ob sie was von Tifanny gesehen oder gehört haben."
Schon will er sich in Richtung der Herde auf den Weg machen.
"Hoffentlich ist das keine Stampede."

Changeling

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #18 am: 21.07.2017, 11:57:47 »
Ayleen hat das Gefühl, dass einzig Laura Ann mitbekommen hat, wie sie sich die Wange gerieben hat. Der Blick der Satyrin enthält aber nicht nur den Spott, den das Mädchen vielleicht schon erwartet hat – Laura Ann scheint ihr auch ein kaum merkliches, verständnisvolles Nicken zu schenken, und ihre meergrünen Augen strahlen dabei eine Wärme aus, die sie an ihrer Mitschülerin noch nie bemerkt hat. Eddy hingegen hat keine Augen mehr für die Szene, und ebenso wenig antwortet er auf ihre Frage. Der hünenhafte Troll hat nur zu Ricky gewandt gebrummt: "Phelps. Das ist sein wahrer Name: Goibniu[1]." Nun scheint er voll auf das fixiert, was sich ihnen da in majestätischer, aber auch bedrohlicher Größe nähert. "Schnell! Auf den Felsen dort!" brüllt er mit tiefer Stimme und übertönt gerade so das anschwellende Donnern unzähliger Hufe, das den Boden erzittern lässt.

Tatsächlich entdecken sie, mit den Blicken der Richtung seines Arms folgend, einen einsamen Findling, der knapp zwei Meter hoch aufragt. Im Schatten des Steinbrockens sprießen ein paar Büsche in die Höhe, der auf der entgegengesetzten Seite in die Höhe ragt wie eine Felsnase. Die Staubwolke nähert sich mit beängstigender Geschwindigkeit, und auch Ricky bemerkt jetzt mit Schrecken: Wenn sie noch die rettende Höhe erklimmen wollen, müssen sie schnell machen! Denn ganz gleich, ob dort hinter der Herde irgendwo Treiber sind oder nicht – diese Masse an mächtigen Leibern ist wie eine Naturgewalt, die nicht so einfach zu stoppen wäre. Laura Ann lässt sich das nun nicht mehr zweimal sagen: Mit einigen Sätzen ist das Mädchen bei dem Felsen und gewinnt seine Höhe mit zwei gewagten Sprüngen, die an eine Bergziege erinnern
[2]. Eddy hingegen, der wohl zu massig wäre, als dass auf dem Felsen genug Platz für ihn bliebe[3], drückt sich an die Rückseite des Findlings, stemmt die Füße mit den schweren Stiefeln ein und winkt den beiden anderen Schülern, sich zu beeilen[4], bereit, sie zu stützen, falls es nötig wird[5].
 1. Aussprache: "govʴnʴu" → Wer sich vom Charakterhintergrund her mit europäischer Mythologie auskennt, kann Intelligence + Occult würfeln, bei Kenntnissen über keltische Mythologie sinkt die Schwierigkeit auf 5
 2. 2 Erfolge gegen 7
 3. Nur 1 Erfolg gegen 6
 4. An dieser Stelle bitte jeder einmal Dexterity (wahlweise Strength) + Athletics, um hochzukommen...
 5. ...und zwar dank Eddys Hilfe nur gegen Schwierigkeit 6. Bei Ricky wird ein Botch als 0 Erfolge gewertet, da er Satyr ist und damit Würfe auf Athletics nicht botchen kann.

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #19 am: 23.07.2017, 10:43:09 »
Ayleen rollt mit den Augen bei Rickys Fragen und beginnt hastig: "Goibniu ist Herr Phelps in der anderen Welt, das hat Eddy schon erzählt. Und das sind keine Rindviecher, sondern echte Büffel. Die leben wild in Herden und...Hey, bleib hier!" Gerade will sie den fortlaufenden Satyr aufhalten, da kommen schon die Worte des Trolls dazwischen. "Nicht nötig, wir müssen nur...", will sie ihn gerade korrigieren und wird etwas lauter, um das Hufdonnern zu übertönen, da sind auch schon alle unterwegs. Leicht verärgert schüttelt sie den Kopf und folgt den anderen zum Felsen. Sie findet geeignete Stellen zum Festhalten und kommt gut voran, mühelos ist es jedoch offensichtlich nicht. Den zur Hilfe angebotenen Arm Eddys quittiert sie nur  mit einem abschätzien Blick und besteht nonverbal darauf, alles alleine zu machen. Oben angekommen richtet sie ihre Kledung, Ausrüstung und Haare, stellt sich an einen Platz möglichst weit oben und entfernt von Ricky. Von dieser Warte beobachtet sie die Büffelherde und versnkt regelrecht in der Betrachtung.
« Letzte Änderung: 22.09.2017, 18:52:41 von Ayleen Chepi Anitsiskwa »

Ricky

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #20 am: 23.07.2017, 20:12:28 »
Auch Ricky wird schnell klar, daß sich ihnen hier vielleicht doch eine Gefahr nähert.
Und als die anderen sich auf den Weg zu dem einsam stehenden Felsen machen, wendet auch er seinen Lauf in diese Richtung.
Wow! Ich fühl mich großartig. Irgendwie macht die Bewegung doppelt Spaß., schießt es dem Jungen durch den Kopf, der sich sonst eher wenig für sportliche Betätigung interessiert hat.
Kurz nach  Laura Ann kommt er am Felsen an. Da er noch so richtig in Schwung ist, muß sich Eddy kurz ducken, als der Satyr mit einen großen Sprung über ihn hinweg setzt. Ricky entfährt ein lautes, lebensfrohes "Wooooohooooo!!", während er so über den Troll zu fliegen scheint. Kurz darauf muß er sich aber gleich wieder bremsen und hüpft ähnlich elegant wie Laura am Fels hinauf.[1] 
 1. 4 Erfolge gg. 7, da braucht er Eddys Hilfe ebenfalls nicht.
« Letzte Änderung: 23.07.2017, 20:23:31 von Ricky »

Changeling

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #21 am: 24.07.2017, 14:25:09 »
Während Ayleen zwar nicht übermäßig elegant, doch mit sicheren Griffen den Felsen erklimmt, stellt Ricky erstaunt fest, wie schnell und kraftvoll ihn seine neuen, ungewohnten Beine vorankatapultieren. Sogar über Eddys turmhohe Gestalt trägt ihn der Schwung knapp hinweg, und seine Hufe schlagen kleine Splitter aus dem Findling, als er aufkommt. Ein Gefühl fast wie in einem Traum, in dem man fliegen kann...[1] Laura Ann, die seine artistische Einlage beobachtet hat, gibt einen bewundernden Pfiff durch die Zähne von sich, während Ayleen versucht, sich so weit von dem Satyr wie möglich auf ihrem Zufluchtsort niederzukauern – ein schwieriges Unterfangen, bietet doch der Fels den dreien gerade so Platz. Doch Laura Ann scheint nichts dagegen zu haben, dass sie damit in der Mitte zu liegen kommt, als sie sich flach an den Felsen pressen. Hinter ihnen stößt Eddy einen unterdrückten Fluch aus, reibt sich seinen mächtigen Schädel, den wohl ein Huf Rickys gestreift haben muss, und lehnt sich an die Rückseite des massiven Felsblocks.

Dann sind die Bisons heran und strömen wie eine Sturmflut links und rechts an der kleinen Felsinsel vorbei, die aus den riesigen Leibern mit den dicken Höckern herausragt wie aus einem wirklichen Gewässer. Eine scheinbar endlose Lawine dunkler, zotteliger Schemen schiebt sich voran, lässt die Erde ununterbrochen erbeben und wirbelt Staubmassen auf, die den vier Schülern Atem und Sicht nehmen. Laura Ann hustet wild herum, während Eddy den Kopf unter die Achsel schiebt und keuchend und grollend etwas von sich gibt, das über den Lärm der riesigen Herde hinweg wie Schimpfwörter klingt. Die Geräuschkulisse macht minutenlang jede Unterhaltung unmöglich, und erst als ihre Glieder in den unbequemen Positionen auf dem Felsen langsam steif zu werden beginnen, entdecken sie in der Flut der Tiere hier und da wieder erste Lücken, die größer und größer werden, bis sie schließlich nur noch einzelne Nachzügler sehen und noch einmal in eine tüchtige Staubwolke eingehüllt werden, die den Bisons folgt.

Dann, das Klingeln in den Ohren lässt nach, das Zittern der Erde schwächt sich ab, die Herde wird allmählich von einer dunklen Wand aus Leibern zu einem langgezogenen Strich am Horizont, ist es Laura Ann, die – wenig überraschend – als erste das Schweigen bricht: "Mann, so was hab' ich noch nie gesehen..!" hustet sie und reibt sich die tränenden Augen, um in trockenem Ton anzufügen: "Hoffentlich ist Tiffy denen nicht begegnet." Was nicht über ihren besorgten Tonfall und den offensichtlichen Eindruck hinwegtäuschen kann, den das Schauspiel auf sie gemacht hat. Selbst Eddys kantige Züge wirken nicht ganz so steinern und unerschütterlich wie noch einige Zeit zuvor, als er die Augen mit einer Hand beschattet und den Büffeln hinterher späht.
 1. Tatsächlich ist er für einen Moment sogar davon überzeugt, dass noch viel phantastischere Dinge denkbar wären - jedenfalls hier, wo immer das sein mag...

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #22 am: 26.07.2017, 04:50:09 »
Angesichts der Staubwolke bleibt Ayleen lieber aufrecht stehen und balanciert den bebenden Felsen aus. Rickys akrobatische Einlage versucht sie zu ignorieren, soweit es geht. Nachdem die Herde vorbeigezogen ist, gibt sie sich einige Mühe, sich wieder herzurichten, den Staub aus der Kleidung zu klopfen und ihre Ausrüstung auf Vollständigkeit zu prüfen. Lauras Bewunderung für den Anblick teilt sie zwar, kann sich jedoch ein bissiges Kommentar nicht verkneifen: "Kein Wunder, das sowas unbekannt ist, wurden die Büffel doch bei uns alle gejagt und getötet durch eure Vorfahren - oder in deren Auftrag." Die Bitterkeit ist kaum zu überhören.

Die Indianderfee sieht sich um, ob sie Jäger oder überhaupt irgendwelche Verfolger wahrnehmen kann, bevor sie sich auf den Weg nach unten macht. Statt zu klettern rutscht und läuft sie balancierend über die rauen Oberflächen, ohne ihre stolz aufgerichtete Tänzerhaltung zu vernachlässigen. "Gehen wir weiter.", stellt sie mit Bestimmtheit in der Stimme fest.
« Letzte Änderung: 22.09.2017, 18:53:00 von Ayleen Chepi Anitsiskwa »

Ricky

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« Antwort #23 am: 08.08.2017, 03:29:29 »
Ricky ist über die Masse an Tieren baff erstaunt. Trotz Staub und Vibration des Felsens schaut er immer wieder gebannt auf die Tierherde, die scheinbar endlos lange an ihnen vorbei rennt. Ihn überkommt ein Gefühl, als sollte er mit diesen mächtigen Büffeln über die Prärie laufen oder sie sogar reiten. Aber noch traut er sich das nicht. Vielleicht ein anderes Mal.

Als sich die Herde dann schließlich verzieht und sie wieder mit einander reden können, hüpft er vom Felsen hinunter.
"Tiffany ist bestimmt nichts passiert. Die würde den Bisons bestimmt auch ausgewichen sein.", versucht er alle zu beruhigen.
Als Ayleen dann aber ihre bissige Bemerkung fallen läßt, platz dem Jungen der Kragen. "Wie oft soll ich dir noch sagen, daß meine Eltern erst vor ein paar Jahren nach Amerika gekommen sind! Es waren wohl kaum meine Vorfahren, die deine geliebten Bisons erschossen haben!
Und warum machst du uns dafür verantwortlich, was irgendwelche Leute deinen Vorfahren angetan haben?! Wenn ich persönlich dir oder irgendwelchen anderen ein Unrecht angetan habe, dann kannst du mich dafür anklagen. Bis dahin solltest du vielleicht erst mal bei dir selbst Fehler suchen."
Auf einmal sieht Ricky gar nicht mehr so freundlich aus, als er jetzt mit gefletschten Zähnen in ihre Richtung starrt. Kurz ballt er noch die Fäuste, entspannt sich dann aber wieder. "Beeil dich lieber!", gibt der Satyr noch unwirsch von sich, bevor auch er losgeht, ohne dabei zunächst Rücksicht auf langsamere Begleiter zu nehmen.

Changeling

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« Antwort #24 am: 08.08.2017, 12:19:42 »
Mit einem waghalsigen Sprung nimmt Laura Ann den Abstieg von dem Felsen in Angriff und kommt, dank ihrer Ziegenbeine, ohne große Probleme im Gras auf[1], wo sie sich noch einmal schüttelt wie ein nasser Pudel und mit einem sichtlichen Schauer der riesigen Herde nachblickt, die am Horizont langsam verschwindet. "Ich hoffe es" murmelt sie düster auf Rickys ermunternde Worte. "Tiffy kann ein echter Kumpel sein, aber sie war noch nie sonderlich mutig oder sportlich" erklärt das Satyrmädchen. Eddy ist derweil wieder hinter dem Findling hervorgetreten und klopft sich den Staub in großen Wolken aus seiner schweren Kleidung.

Als Ayleen und Ricky sich in die Haare geraten, sieht er mit einem Stirnrunzeln auf. Ein leises Grollen kommt aus seiner mächtigen Brust hoch, das lauter wird und sich schließlich in einem donnernden "RUHE! ALLE BEIDE!" Luft macht. Nachdem er einige Schritte auf die anderen zugemacht hat und sie so auf eindrucksvolle Weise überragt, knurrt er sichtlich gereizt: "Wir haben hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen – Tiffany hat kaum eine Chance, wenn wir sie nicht finden und zurückbringen. Also spart euch eure Streitereien auf, bis wir alle wieder zuhause sind!"
[2]

Laura Ann, die alle mit einem sehr losen Mundwerk kennen und die sonst selten etwas vernünftiges im Sinn hat, nickt nach kurzem Zögern und unterstützt den Troll: "Er hat recht: Wir müssen zusammenhalten. Wer weiß, was uns hier noch alles erwartet." Trotz ihrer Worte und eines vorsichtigen Blicks rundum zeigen sich aber im Moment weder Jäger, die den Bisons folgen würden, noch sonst jemand – sieht man von einigen Vögeln ab, die am Himmel kreisen. Sogar die wilden Tiere scheinen sich vor der Masse an zottigen Leibern vorerst in Sicherheit gebracht zu haben, und die Prärie liegt scheinbar verlassen vor ihnen.
 1. Ricky kommt nicht umhin, zu bemerken, dass sie unter ihrem kurzen Rock scheinbar nicht viel trägt – jedenfalls hat er unter dem flatternden Stoff im Augenblick ihres Sprungs für einen kurzen Moment neben einem sehr appetitlich gerundeten Hinterteil den Blick auf etwas, das verdächtig nach einem kurzen, haarigen Ziegenschwanz aussieht...
 2. Eddys Wurf auf Einschüchtern ergab einen Erfolg. D. h. vollkommen eingeschüchtert sind eure Charaktere nicht, aber so ganz ohne Wirkung ist die körperliche Präsenz des Trolls auch nicht – ihr dürft euch selbst überlegen, wie ihr darauf reagiert.

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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« Antwort #25 am: 09.08.2017, 15:36:40 »
Als Ayleen unten auf die anderen wartend von Ricky angefahren wird, werden ihre Augen schmaler und ihr ganzes Gesicht verzieht sich subtil in Richtung Ärger und Wut. Gerade will sie zu einer Antwort ansetzen, da brüllt Eddy dazwischen und versucht den aufflammenden Streit zu unterdrücken. So eindrucksvoll sein Erscheinen und Auftreten ist, ist Ayleen eine Menge Übles durch ihre Mitschüler gewohnt und hat ihre Selbstbescherrschung bis zur Selbstverleugnung trainiert. Sie erinnert sich wieder daran und gewinnt die Fassung zurück. Kurz wechseln sich Enttäuschung, Resignation und Bitterkeit in ihrer Miene ab - für aufmerksame Beobachter - bevor so etwas wie kalte Verachtung Platz findet. Sie schluckt ihre Worte herunter und bedenkt die Anwesenden mit diesem Blick, bevor sie sich abwendet und in dem ihr angenehmsten Wanderschritt die Reise wieder aufnimmt.

Ricky

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« Antwort #26 am: 15.08.2017, 04:40:08 »
Als Eddy aufbrüllt und sie anfährt, zuckt Ricky erschrocken zusammen und macht einen kurzen Satz von dem großen Troll weg. Faßt stolpert er, als er den Marsch wieder aufnimmt, kann sich aber gerade noch fangen.
Widerworte gibt er dem einschüchterndem Sportler nicht, grummelt aber leise weiter vor sich hin.
"Ich bin nicht der, der hier andere angreift."

Changeling

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« Antwort #27 am: 15.08.2017, 09:50:20 »
Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, brummt Eddy etwas Unverständliches und wendet sich, ähnlich wortkarg wie Ayleen, um weiter zu marschieren. Nur Laura Ann bleibt bei Ricky zurück und stößt ihm den Ellbogen leicht in die Seite. Dabei wispert sie: "Nimm's nicht so schwer... dem Großen geht's sicherlich um Tiffy. Außerdem müssen Jungs sich immer mächtig aufblasen." Bei den letzten Worten grinst sie frech und reicht dem Jungen ihre Hand. "Komm schon – sonst lassen uns die zwei beleidigten Leberwürste hier glatt stehen" meint das Mädchen leise und nickt nach vorn, wo die schlanke Gestalt Ayleens und Eddys mächtige schon einen gewissen Vorsprung haben – die eine durch ihre energischen Schritte, die andere durch die langen Beine.

Auf ihrem weiteren Marsch werden die vier begleitet von dem leisen Chor des Grases, durch das gelegentlich der Wind streicht, um es zum Klingen zu bringen. Die Sonne scheint hell auf sie und wärmt sie angenehm. Nach und nach kommt es ihnen so vor, als nehme das Gras einen tiefer grünen Ton an und würde saftiger, und schließlich fühlen sie, wie der Boden unter ihren Tritten zu federn beginnt: Es wird feuchter.

Tatsächlich sehen sie wenig später vor sich das glitzernde Band eines kleinen Flusses auftauchen, und Eddy, der wohl am weitesten schauen kann, meint unvermittelt: "Endlich! Jetzt müssten wir bald auf Zeichen einer Siedlung stoßen." Ganz sicher scheint er sich aber nicht zu sein, denn er hält nach allen Seiten Ausschau, bevor er wieder ausschreitet. Auf den ersten Blick sind keine offenkundigen Anzeichen von einer Siedlung zu entdecken
[1]. Laura Ann hat derweil im Gehen einen Strauß mit bunten Blumen gepflückt, die sich immer wieder im Gras finden, und eine davon in ihr Haar gesteckt. Sie wirkt im Gegensatz zu dem Troll recht sorglos und entspannt – offenbar genießt sie dieses Abenteuer in vollen Zügen.
 1. Wer möchte, kann Perception + Survival würfeln, Standardschwierigkeit.

Ricky

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« Antwort #28 am: 23.08.2017, 03:52:44 »
Der Satyr läßt sich widerstandslos mitziehen, ist er doch eh schon am Gehen.
"Ich nehm es nicht schwer.", gibt Ricky zurück. "Es ist eher so, daß ....daß Ayleen mir Leid tut. Sie wirkt so unnahbar, so einsam. Und das ist wahrscheinlich so, weil sie ... sie so denkt wie eben.
Sie verurteilt alle Nicht-Indianer deshalb, weil sie keine Indianer sind. Aber ist das nicht genau das, was ihren Vorfahren auch passiert ist? Eben nur andersrum.
Ich sag ja gar nicht, daß sie das, was vorgefallen ist, vergessen soll. Aber die Schuld soll sie denen geben, die das damals gemacht haben.
Ich bin vor ein paar Jahren auch noch in einem Land gewesen, wo die einen die anderen auf Grund ihrer Volkzugehörigkeit verfolgt haben.
Warum können wir nicht einfach alle in Frieden miteinander leben. Einander helfen, wenn es nötig ist.
Und warum können wir nicht einfach auch mal verzeihen?
Ayleen .... sollte erkennen, daß wir nicht das Böse sind. Daß wir ihre Freunde sein wollen. Daß wir sie so akzeptieren können, wie sie ist."
Ricky seufzt schwer.
Trotz des Sonnenscheins und der schönen Umgebung wirkt er niedergeschlagen und traurig.

Doch während des Marsches hellt sich sein Gemüt langsam wieder auf. Immer wieder pfeift er mit dem Gras und läßt seine Hände hindurchgleiten.
Und der weicher werdende Boden belebt seine Schritte. Ist es am Anfang nur das einfache Nachfedern werden seine Schritte dann und wann zu kurzen Sprüngen.
Als sie sich dann dem Fluß nähern, sagt er zu allen:" Wir sollten uns am Wasser etwas ausruhn. Und sehen, ob wir das Wasser trinken können. Ich bin ganz schön durstig."

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel II: The show must go on
« Antwort #29 am: 01.09.2017, 04:38:09 »
Auf dem Weg zum Fluss bleibt Ayleen still und marschiert erhobenen Hauptes. Sie lauscht den Worten der anderen, kommentiert aber nicht weiter, außer in Gedanken: "Habt ihr eigentlich eine Ahnung, was eure Separation von weißen und nichtweißen bedeutet? Was es heißt, die Mutter vor den eigenen Augen von selbsternannten Milizen erschossen zu sehen, nur um verurteilt zu werden für 'Unruhestiftung' und den eigenen Anwalt im Krankenhaus zu besuchen? Natürlich habt ihr und eure Eltern keinen Anteil daran, die Tatsache zu ignorieren, dass uns kaum die Luft zum Leben gelassen wird!" Eigentlich ist sie bald mehr verärgert über sich - wie hatte sie nur so viel von sich durchscheinen lassen können? Mit Verraten der Themen, zu denen sie ehrliche Emotionen hat und in denen sie anders als die dominierende Kultur denkt, macht sie sich unnötig angreifbar. Sie vermutet, dass die Veränderung und die Vielzahl neuer Informationen sie doch angestrengt hat. In Zukunft würde sie mehr darauf achten.

Die Indianerin ignoriert noch eine ganze Weile den Rest der Reisegesellschaft und wird daher durch ihre Begleiter kaum abgelenkt. Ihre Blicke schweifen umher und nehmen die grandiose Landschaft ebenso in sich auf wie die Rickys, bleiben aber, als man sich dem Fluss nähert, an einem Platz hängen, an dem das Gras niedergetreten scheint und sich nur unvollständig wieder aufgerichtet hat. Verschiedene weitere Anzeichen wie große, flache Steine nahe des Ufers und die generelle Gestalt der sanft ausgebuchteten Stelle mit ruhig fließendem Wasser lassen sie vermuten, dass hier ein idealer Platz ist, den sich traditionell lebende Indianerinnen wohl für das Waschen aussuchen würden. Und die Wäsche besorgt man immer flussabwärts von einer Siedlung.
Sie tritt hier- und dorthin und fixiert mit ihren Blicken ihre Funde, ohne sich herabzubeugen. Im Maximum schieben ihre Mokassins oder ihr Bogen etwas aus dem Weg. Unvermittelt bricht sie ab und verkündet: "In dieser Richtung liegt es." Ohne weiter auf die anderen zu achten, dreht sie flußaufwärts und nimmt den Fußmarsch wieder auf. Da sie jedoch immer noch erschöpft ist, verlangsamt sich ihr Schritt ein wenig.
« Letzte Änderung: 03.09.2017, 04:50:31 von Ayleen Chepi Anitsiskwa »