Autor Thema: Die Zeit der Rache  (Gelesen 208 mal)

Beschreibung: Eine klare Winternacht in Edo

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Taris

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Die Zeit der Rache
« am: 23.11.2017, 15:27:53 »
1. Akt: Eine klare Winternacht





Es war bereits ein gutes Jahr vergangen seit der Shōgun Lord Hikomotō Nishio, dem Herrn der zwei Männer und der Ehemann der Frau, die sich in dieser mondlosen Winternacht einzeln dem kleinen verwitterten Tempel nördlich von Edo näherten, den Befehl gegeben hatte, Seppuku zu begehen und sich in sein eigenes Tanto zu stürzen, weil er vor den Augen des Shōguns sein Schwert gezogen hatte, um den finsteren Lord Kôno Kazumorō anzugreifen. Der Zorn von Lord Hikomotō war zwar verständlich gewesen, hatte dieser doch öffentlich die Ehre und Treue seiner Frau in Frage gestellt, doch er war dabei ein Opfer des verschlagenen Planes von Lord Kôno geworden, der die Naivität des jungen Daimyō ausgenutzt und die Attacke absichtlich provoziert hatte. Der Shōgun hatte nur das Gesetz befolgt, denn so eine ungeheure Tat, solch eine Gefährdung des Shōguns konnte nicht ungestraft bleiben. Das wussten auch seine Frau und seine Gefolgsleute. Die Schande jedoch, dass der Besitz und die Ländereien von Lord Hikomotō an Lord Kôno gingen, sie - die treuen Diener von Lord Hikomotō - herrenlos wurden und Lord Kôno völlig unbeschadet aus seinem Komplott, das er nur aus Neid auf die Jugend und den edlen, gütigen und stolzen Charakter von Lord Hikomotō angezettelt hatte, hervorgegangen war, musste unbedingt getilgt werden.
Ein Jahr lang hatten sich die Drei vorbereitet, gewartet und Lord Kôno in falscher Sicherheit gewogen. Sie hatten Spott und Beschimpfungen über sich ergehen lassen, um auf die perfekte Gelegenheit zu warten, Lord Kôno Kazumorō in seinem Anwesen in Edo, der Hauptstadt des Shōgunats, anzugreifen. Als Versammlungsort hatten die Drei den alten Familientempel des Hikomotō-Clans gewählt. Allein ihre Anwesenheit auf den ehemaligen Ländereien ihres Fürsten, konnte ihren Kopf kosten, hatte Lord Kôno dies doch höhnisch allen Gefolgsleuten des durch seine Intrige in den Selbstmord getriebenen Lord Hikomotō  versprochen, wenn sie es wagen sollten, jemals wieder einen Fuß auf dessen frühere Güter zu setzen. Dies war den drei Rōnin jedoch gleichgültig, denn sie hatten ihrem Leben schon abgeschworen. Es galt nur noch eine letzte Aufgabe zu erfüllen: Lord Kôno Kazumorō musste sterben und die Ehre des Hauses Hikomotō wiederhergestellt werden.
« Letzte Änderung: 07.01.2018, 11:45:41 von Taris »

Taris

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1. Akt: Eine klare Winternacht
« Antwort #1 am: 25.12.2017, 14:03:41 »
Auf dem Weg ließen die Drei das vergangene Jahr noch einmal vor ihrem geistigen Auge Revue passieren.

Hikomotō Mai kam als erste an dem Tempel an, der einmal ihrer Familie gehört hatte. Wagemut war nicht immer ihr hervorstechendstes Attribut gewesen, doch seit ihr Mann gestorben war, gab es nur noch einen Gedanken in ihrem Kopf: Rache. Doch wenn sie ihren Plan durchsetzten wollten, würden sie einen Plan von dem Gebäude beschaffen müssen. So war es Mai gewesen, die sich in das Anwesen geschlichen hatte. Es ging hauptsächlich darum die Räume zu untersuchen: wo kam man durch, welcher Raum war das Schlafgemach, die Küche und vor allem wo waren Wachen postiert. Mai hatte einen halben Tag im Anwesen verbrachte und  versucht sich so gut es ging alles einzuprägen. Das in den Außenbezirken von Edo gelegene Anwesen ihres Feindes war eine kleine Festung, auch wenn die Wachtürme fehlten. Es war ein größerer ummauerter  Komplex, an dessen Außenmauer ringsum einstöckige Gebäude angesiedelt waren. Es gab einen Stall, ein Badehaus und diverse Nutz- und Wohnräume, sodass auch die Familien der Samurai und höheren Diener dort leben konnten. Frei auf dem parkähnlichen Gelände waren auch ein Teehaus und ein Tempel aufgestellt worden. In der Mitte des Anwesen stand dagegen eine kleine Burg, die von einem Wasserlauf umschlossen war und die nur über eine Brücke betreten werden konnte. Offenbar war sie schon deutlich älter als der Rest der Anlage, die erst in jüngerer Zeit mit dem Aufstieg von Fürst Kono erweitert worden war. Sie hatte einen ummauerten Vorhof, über den es zum inneren Bereich ging. Das größte Gebäude in dem Anwesen war der dreistöckige Wohnturm der Burg. Nach Mais Einschätzung konnten grundsätzlich sehr viele Wachen und Diener in dem Anwesen unterkommen, wie viele tatsächlich da waren, konnte sie aber zunächst nicht bestimmen. Mai hatte am nächsten Tag erneut versucht in das Anwesen einzudringen, doch sie wurde direkt von einer der Wachen abgefangen. Ihre Verkleidung als Dienstmagd war nicht gut genug gewesen und logischerweise wurde das innere des Wohnbereichs besser bewacht als das Äußere. Glücklicherweise hatte sich die Witwe des verstorbenen Fürsten noch einmal aus der Situation herausreden können ohne Aufsehen zu erregen. Einige Wochen später hatte sich Mai erneut durch Konos Anwesen geschlichen. Diesmal war ihre Verkleidung gut genug gwesen, als dass sie selbst in die Burg selbst vordringen konnte. Zu ihrem Erschrecken hatte sie eine Frau beobachtet, die gerade eine Bedienstete zur Schnecke machte. Im Nachhinein hatte sie erfahren, dass dies die Mätresse von Kono gewesen war. Dies hatte sie sehr beunruhigt, denn die Frau hatte augenscheinlich magische Kräfte und es ging eine dunkle Aura von ihr aus. Die arme Dienerin hatte völlig unfähig gewirkt, sich den anmaßenden Worten der Frau zu widersetzen, obwohl sie ihr eigentlich nicht ihr, sondern der Frau von Fürst Kono Gefolgschaft schuldete.
« Letzte Änderung: 03.01.2018, 12:23:30 von Taris »

Taris

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1. Akt: Eine klare Winternacht
« Antwort #2 am: 25.12.2017, 14:05:43 »
Matsukura hingegen hatte sich selbst zum Fokus ermahnt, nach der unschönen Unterredung mit Frau Kikkawa.
Er hatte sich an die Lehren seines alten Meisters erinnert. Diese Lehre besagte, dass der erste Schritt immer das sorgfältige Beobachten sein musste. Und so war der Ronin zu dieser und jener Stunde in der Nähe des Hauses umhergewandert, scheinbar in tiefer Kontemplation versunken, um das Anwesen und das Umfeld des Anwesens zu beobachten. Sein Blick war scharf gewesen, doch er hatte sich auch unscheinbar, heruntergekommen und desinteressiert verhalten.

Dabei hatte er sich auch die eher unauffälligen Gegenden ausgeschaut, sich in den Dämmerungsphasen und des Nächtens genähert und auch erhöhte Punkte gesucht, von denen er sich einen brauchbaren Überblick über die Anlage hatte verschaffen können. Er war gar nicht darum herumgekommen, zu bemerken, dass die Wachen gelangweilt und aufmerksam wirkten. Dass sie auf dem Innenhof nicht einmal Rüstungen hatten, hatte davon gezeugt, dass sie dieser Tage nicht mit einem Angriff oder einer Gefahr rechneten. Das Überraschungsmoment würde auf ihrer Seite sein.

Nachdem er die Bewegungen der Wachen und ihre Anzahl grob studiert hatte, hatte sich der Ronin weiter auf seine Augen verlassen. Nichts hätte ihn dazu bewegen können, sich jetzt schon mit den Bewohnern dieses Komplexes in sozialer Art zu beschäftigen, schließlich hatte er sich von sich selbst befürchten müssen, zu diesem Zeitpunkt die Nerven zu verlieren und die Klinge zu ziehen, wenn etwas schief ginge. Und dann würde er den Fehler seines Herren auf tragische Weise wiederholen müssen. Stattdessen hatte er an den unterschiedlichen Positionen, von denen er das Haus aus beobachten konnte, meditiert und sich Gedanken gemacht, wie er nur mit der Gabe der ruhigen, aber zielführenden Beobachtung weitere Informationen gewinnen konnte. Während er also auch weiter die Wachen beobachtet hatte, bemächtigte sich seine Erfahrung seiner Beobachtungsgabe. Jahrelang hatte er für seinen Herren temporäre Fortifikationsanlagen im Feld konzipiert und auch an den Sicherheitsmaßnahmen der eigenen Festung mitgearbeitet. In Häuserkämpfen hatte ihm sein Wissen über die Baukunst immer geholfen, und so hatte er sich erhofft, dass er aufgrund dieses Wissens den Hausaufbau Konos verstand und so leichter die oder zumindest einige Schwachstellen der gesamten Anlage identifizieren konnte. Doch nach einer Weile hatte er bemerkt, dass einer der Wachen ihn auf dem Dach gesehen und ihn seinerseits beobachtet hatte. Nur seiner Willensstärke war es zu verdanken gewesen, dass er noch zwei Stunden in Meditationspose gesessen hatte und so als Meditierender und nicht als Spion durchgegangen war. So hatte er wieder unbehelligt verschwinden können, bevor sein Auftauchen bleibenderen Eindruck hinterlassen hatte. Da die Entdeckung durch die Wachen seine Beobachtungsposten kompromittiert hatte, hatte er in der Folge davon absehen müssen, einfach nur durch Beobachtung voranzukommen.

Doch sobald die Phase der Beobachtung vorüber war, hatte alles nach den ersten Aktivitäten gerufen.
Zwar hatte durchaus eine große Gefahr in der Tat bestanden, doch er ließ aufgrund seiner großen martialischen Fähigkeiten sein Schwert daheim. Wie viele am Wesen des Krieges und des Kriegers interessierte Samurai hatte er sich in den Sanften Weg einweisen lassen und seit jeher hatte er sich darum bemüht, das Nachgeben, um zu siegen als Prinzip zu beherrschen. In diesem Fall hatte er augenscheinlich nachgegeben, weil er in aller Heimlichkeit und ohne Schwert in das Anwesen eingedrungen war, allerdings war dies nur eine List gewesen, denn er hätte sich auch mit der Faust, einem Armhebel oder gar einem Würgegriff wehren können. Und so hatte er doch versucht, in direktem Kontakt mit dem Zielort weitere informationen zu sammeln, auch wenn es ihm erst zu gefährlich gewesen war.

Dass Spionage seit jeher ein großer Part der Kunst des Krieges gewesen war, hatten viele Samurai nicht ausreichend beherzigt. Viele neuere Denkrichtungen hatten sich mit der Form und Ästhetik des Schwertkampfes, mit dem höfischen Zeremoniell und einseitig mit der Rolle der Loyalität des Samurai befasst, nicht so Matsukura, der seine Augen offen gehalten hatte für jedwede Strömung, Denkrichtung und Philosophie zum Thema Krieg, Waffe und Information. Er hatte sich in der Kunst der Heimlichkeit, der Subtilität und der Zurückhaltung geschult. Wohl die einzige Sache, in der er seinem Herren überlegen gewesen war.

Und so hatte er das Anwesen durchschritten auf leisen Sohlen, mit unendlicher Geduld und viele der Räumlichkeit in Augenschein genommen, sich endlich einen Eindruck des Hauses machen können, nachdem sein theoretisches Denken über das Haus gescheitert gewesen war. Nach Abschluss seines erfolgreichen Rundganges war es dann Zeit gewesen, endlich wieder einmal Hikomotō Mai aufzusuchen, die er seit dem Tod seines Fürsten kaum mehr gesehen hatte. Doch sie kannten sich gut genug, um zu wissen, dass sie ihr Wissen ergänzen konnten und so war es ihnen gelungen, gemeinsam eine Karte des Anwesens zu Planungszwecken zusammenzufügen. Befähigt, eine wahre Strategie für ihren Rachefeldzug zu entwickelt.
« Letzte Änderung: 03.01.2018, 12:29:03 von Taris »

Taris

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1. Akt: Eine klare Winternacht
« Antwort #3 am: 25.12.2017, 14:09:37 »
Auch Iwamori Dokai dachte darüber nach, was er in Erfahrung gebracht hatte.

Seine Gedanken waren vor allem von dem Wunsch nach Rache bestimmt. Rache war in Dokais Herzen, Rache war in Dokais Gedanken, Rache war auf Dokais Klinge. Kôno Kazumorō  hatte seinen Herrn hintergangen, er hatte seinem Herrn die Ehre geraubt und die Unverfrorenheit besessen den Namen des Kaisers als Klinge zu missbrauchen. Für diesen Feigen Angriff verdiente Kazumorō den Tod und Dokai würde diesen bringen. Doch ein direkter Angriff würde nicht erfolgreich sein, auch Dokai der kein Gelehrter war, verstand dies nur zu gut, es gab zu viele Hindernisse. Doch bevor man diese Hindernisse aus den Weg räumen konnte, musste man erst herausfinden, wer genau diese Hindernisse waren.

Dies hatte er nach Kräften getan. Iwamori Dokai hatte sich vorsichtig bei seinen alten Kontakten über die wichtigsten Leute in Kôno Kazumorō's Umgebung, seine Samurai, seine Berater, seine Shinobi informiert. Dokais erste Untersuchung hatte interessante Informationen zutage gebracht, so hatte er erfahren, dass nicht alle Bediensteten auf dem Anwesen Konos so harmlos waren wie sie zu sein schienen, da sich eine beträchtliche Anzahl von Shinobi in ihren Reihen befanden. Auch hatte er herausgefunden, dass sich mindestens sechzehn Samurai, zu jeder Tages und Nachtzeit, auf dem Gelände aufhielten.
Doch es waren nicht nur schlechte Nachrichten, die Dokai hervorbrachte, so hatte er erfahren, dass Kono bei seinen Nachbarn sehr verhasst war. Er rechnete sich aus, dass sie - falls sie den Angriff auf das Anwesen bemerken sollten - die Truppen des Shoguns sehr wahrscheinlich nicht zur Hilfe holen würden.
Nach Ansicht des Ronin waren Konos Nachbarn, ein Brunnen, der noch einiges an Wasser führte, wenn man behutsam genug vorging. Wie Dokai es vermutet hatte, waren sie tatsächlich ein Quell an Informationen, doch das Schicksal seines Fürsten hatte sie aufgescheucht, wie das Wild im Wald, welches beim Klang einer Bogensehne das Weite suchte, wodurch das Einholen von weiteren Informationen nicht so leicht von statten ging, wie er es sich erhofft hatte. Trotz mehrfacher Zusicherung seiner Verschwiegenheit hatte der Ronin nur geringe Fortschritte erzielen können, natürlich hielt er seine Emotionen im Zaum und blieb höflich, alles andere hätten seinem Meister und seinem Fürsten Schande gebracht. Dokai hatte sich vielmehr in Geduld gebübt als er die Nachbarn des Verräters bearbeitet hatte, ihnen gut zugesprochen und ihre Angst vor Kono geschürt hatte, denn wer konnte mit Sicherheit sagen, dass sie nicht sein nächstes Opfer waren.
Die Nachbarn des Verräters hatten sich dabei sich eine ergiebige Quelle an Informationen erwiesen, Dokai hatte gut gewählt. Der Ronin hatte erfahren, dass die meisten Wächter im Hause Konos nicht viel taugten. Sie waren vom Einfluss ihres Meisters geblendet und glaubten, kein Pfeil würde sie je treffen. Sie waren arrogant genug, um den Einfluss ihres Herrn mit ihrem eigenen zu verwechseln und waren auch dem Sake sehr zugetan.
Des weiteren hatte Dokai in Erfahrung bringen können, dass Lord Konos Frau mit ihrem Gemahl nicht in Harmonie lebte und das sie seinen Zorn und seine Ambitionen so sehr fürchtete, dass sie kaum ihr Zimmer verließ. Beflügelt durch diese reiche Ernte, hatte sich Iwamori Dokai respektvoll bei den Nachbarn Konos bedankt, er hatte hier alles in Erfahrung gebracht, was er hier in Erfahrung bringen konnte. Ihm blieb nur Konos Diener mit äußerster Vorsicht direkt zu befragen, aber es hatte sich keine gute Gelegenheit mehr hierzu ergeben.
« Letzte Änderung: 03.01.2018, 12:35:38 von Taris »

Taris

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1. Akt: Eine klare Winternacht
« Antwort #4 am: 03.01.2018, 12:36:56 »
Fern von den hellerleuchteten Anwesen und Häusern der großen Samurai-Clans tauchte das kleine Gebäude in dem leichten Schnellfall vor den Dreien auf. Nur wenig Licht schien aus ihm hervor und erste Spuren des Verfalls hatten bereits eingesetzt. Der alte Priester, der noch immer hier lebte, begrüßte sie schwach und gebot ihnen, einzutreten. Es war soweit. Die Nacht der Rache war gekommen.

Hikomotō Mai

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Die Zeit der Rache
« Antwort #5 am: 09.01.2018, 15:43:19 »
Sorgsam zog Mai ihren Mantel fester um ihre Schultern. Einerseits um nicht erkannt zu werden; selbst hier, wo es keine beobachtenden Augen geben solle; und um sich gegen die kühle Nacht zu schützen. Es war ein merkwürdiges, kaum zu beschreibendes Gefühl wieder bewusst ihren Boden, den Boden, der ihrem Mann gehört hatte, zu betreten, als wäre es ihr eigener.

Den alten Mönch gegenüber deutete sie eine leichte Verbeugung an. Immerhin ging er ein Risiko für sie ein, aber er war einfach nur ein alter Diener, jemand der ihr Loyalität schuldete. Nachdem sie sich ihrer Sandalen entledigt hatte suchte sie sich einen Platz von der aus sie den Eingang im Blick behalten konnte und schloß die Augen, bis ihre Mitstreiter eintrafen. Im Kopf ging sie immer und immer wieder ihre Informationen durch und versuchte sich darüber klar zu werden, wie sie es schaffen sollten, schaffen würden Rache zu üben.

Matsukura Tadakatsu

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Die Zeit der Rache
« Antwort #6 am: 09.01.2018, 17:19:50 »
Leise knirschte der Schnee unter seinen Holzschuhen. Die Geta hielten den kalten Schnee von seinen Füßen fern und ein geübter Beobachter mochte feststellen, dass er sich gewandt und ungewohnt leichtfüßig auf diesen hölzernen, einfachen Schuhen bewegte, obwohl jeder Schritt fest und entschlossen wirkte. Er war kein Tänzer, sondern ein Mann, der sich alsbald seinem eigenem Tod stellen würde.

Die Schwerter waren frisch geschliffen, seine Haare und seinen Bart hatte er das erste Mal seit einer langen Zeit wieder einigermaßen gepflegt. Hygiene, auch im Akt des Sterbens, verstärkte die Wirkung eines würdevollen Abgangs. Nur einen neuen Kimono hatte er sich nicht zugelegt. Er trug dieselbe Kombination aus zwei verschlissenen Kimonos, die er seit dem Ende seines Fürsten immer trug.

Als das Gebäude in Sicht kam, bemerkte er, dass er fror. Aber das zeichnete sich nicht in seinem Gesicht ab. Stattdessen griff er eine eingenähte Innentasche und nahm einen rot angemalten Go-Stein hervor und betrachtete ihn, während er die letzten Schritte ging. Er hielt ihn gegen das dämmrige Licht, welches immer wieder vom Schneefall unterbrochen wurde. Dann steckte er den Stein wieder in die Tasche, als er Hikomotō Mai sah. Vor ihr und dem Mönch verneigte er sich tief und respektvoll, legte dann jedoch demonstrativ seine Hand an seine Schwerter.
"Herrin, der Morgen der Rache ist angebrochen."
Eine Frage stellt sich, // war dein Leben zu rächen? // Die Antwort ist Blut. - Todesgedicht von Matsukura Tadakatsu

Iwamori Dokai

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Die Zeit der Rache
« Antwort #7 am: 09.01.2018, 19:32:01 »
Zielstrebig bewegte sich der Mann, der den Namen Iwamori Dokai trug durch den Schnee, anders als mach andere Samurai besaß er keine elegante Ausstrahlung, auch tänzelte er nicht leichtfüßig über den Schnee, seine Bewegungen glichen eher denen eines Raubtiers, das selbstsicher seiner Beute nachsetzte.

Der Samurai schreitete in voller Rüstung durch den Schnee, er war für den Kampf gerüstet, das war Iwamori Dokai immer, in seinen Auge konnte man Vorfreude sehen, den Iwamori Dokai sehnte sich nach dem Schlachtfeld, dies war auch nichts neues, doch dieses Schlachtfeld war anders als die davor, den in seinen Augen war nicht nur Vorfreude zu sehen sondern auch Trauer und Zorn, dieses Schlachtfeld würde sein letztes sein.

Und so teilte sich der Vorhang aus Schnee wie durch ein Schwert zerschnitten, als er über die Schwelle trat die in die Heimstatt seines Herren. Der Samurai neigte sein Haupt vor dem Mönch und dem anderen Samurai und verbeugte sich vor der Dame Hikomotō Mai, das was sie zu tun hatten bedurfte keiner weiteren Worte, heute würden sie seinen Fürsten rächen, heute würde das Blut des heimtückischen Kôno Kazumorō fließen.
« Letzte Änderung: 09.01.2018, 19:36:19 von Iwamori Dokai »
"None of you are yet samurai. Defend your homes with honor, die for your cause, and perhaps then you will be worthy of the word."

Taris

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Die Zeit der Rache
« Antwort #8 am: 10.01.2018, 15:16:36 »
Der alte Priester ließ sich es sich nicht anmerken, falls er beim Wiedersehen der Ehefrau und alten Verbündeten seines verstorbenen Herren Freude verspürte. Er war ein Einsiedler und kein besonders gesprächiger Mann und beließ es bei seinen Worten und Gesten beim allernötigsten. Vielleicht wollte er auch einfach nicht die konzentrierte Stimmung stören, denn er verstand auch ohne dass dies erwähnt werden musste, welche schwere Aufgaben vor den dreien lag und welches Opfer sie bereits zu geben waren. Sein Schweigen war seine Art, den beiden Männern und der Frau seine Achtung entgegenzubringen. Er kümmerte sich daher zunächst darum, das in einer Schale in der Mitte des Raumes brennende kleine Feuer am Laufen zu halten und nur ab und zu murmelte er einige religiöse Worte vor sich hin.
Es dauerte eine ganze Weile bis er schließlich das Wort ergriff. "Herrin," sagte er leise zu Hikomotō Mai. "Ich habe lange überlegt, ob ich Euch dies zeigen soll, aber Ihr sollt wissen, dass ein Teil Eures Ehemannes noch immer hier ist." Mit diesen Worten warf er eine Hand voll Kräuter in die Feuerschale, die sofort in stark nach Harzen und Ölen riechenden, bläulichen Rauchwolke aufgingen, die sich binnen weniger Sekunden verflüchtigte. Für einen kurzen Moment jedoch hatten Iwamori Dokai, Matsukura Tadakatsu und Hikomotō Mai den Eindruck, im Rauch das gequälte Gesicht von Lord Hikomotō Nishio zu sehen, das sich vor Schmerzen wand.

Hikomotō Mai

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Die Zeit der Rache
« Antwort #9 am: 14.01.2018, 16:44:57 »
Etwas erschrocken schaute Mai auf die Rauchwolke mit dem Gesicht ihres Mannes. Zuerst fiel ihr nichts ein als sich in diese Richtung zu verbeugen, auch um ihr Gesicht zu verbergen. Einerseits um den Anderen ihren Schrecken nicht zu zeigen und anderseits um nicht zu offenbaren, dass es eigentlich keine Gefühle für ihren Mann gab, auch wenn es eigentlich allgemein bekannt war, nur ihr Mann schien es nicht gewusst zu haben.

Mai musste mehrere Mal tief durchatmen um sich wieder zu beruhigen bevor ihren Oberkörper wieder anhob: "Rache... deswegen haben wir uns hier versammelt um die Ehre meines Mannes und unsere wieder herzustellen. Eure Pflicht hat euch hierher geführt und ich danke euch, dass ihr sie nicht vergessen habt; im Vergleich zu manch anderem."

Mai begann langsam zu erzählen, hauptsächlich, über ihre Erfahrungen in Konos Anwesen: "Wir werden in das Anwesen eindringen müssen. Die Wachen werden ein Problem sein, auch wenn sie euren Fähigkeiten nicht gewachsen sind. Wir werden sehen müssen wie wir einen Vorteil herausholen können. Den Lieferanten für Lebensmittel habe ich ausfindig gemacht. Wir könnten versuchen in die Saelieferung für die Wachen ein Kraut zu schmuggeln. Es gibt solche die sie unachtsamer machen würden ohne, dass es jemand merkt. Wir müssten nur eine Kräuterfrau mit den entsprechenden Reserven finden."

Matsukura Tadakatsu

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Die Zeit der Rache
« Antwort #10 am: 15.01.2018, 06:43:46 »
Matsukura musste sich bemühen, seine Fassung zu behalten, als eine Emanation des Schmerzes und des Leids in den Flammen auftauchte; die verzerrte Fratze seines Herren durch Feuer und Rauch wahrnehmend. Doch auch, wenn es nur eine Emanation war - und eine kraftvolle Erinnerung, weshalb sie sich hier versammelt hatten - war Demut gefordert, sodass Matsukura sich lange verbeugte im formvollendeten Winkel, wie die Etikette es vorschrieb.

Als das Aufwallen aus Erinnerung und Pein vorüber war, hörte er seiner Herrin zu. Matsukura kam nicht umhin, innerlich zu bemerken, wie ungewöhnlich es für eine Frau war, diesen entscheidenden Schritt zu gehen. Seine eigene Frau hatte nicht die Stärke besessen, ihn durch diese Zeit zu begleiten und hatte versucht, ihn davon abzubringen. Doch Hikomotō Mai war anders. Sie erkannte die Bedeutung ihres verstorbenen Mannes und die Sache der Ehre an. Das rang Tadakatsu Respekt ab. Und hatte ihr Wort auch einen gewissen Vorrang vor seinem und Iwamoris; zumindest für ihn selbst.

"Habt Dank für eure Worte, Herrin. Doch noch haben wir die Tat nicht für uns sprechen lassen. Erst, wenn das Notwendige getan ist, will ich selbstzufrieden sein.", bemerkte er durchaus selbstkritisch. Schwer liegt sein Gespräch mit seiner Frau auf seinen Schultern, doch er will sich das nicht zu sehr anmerken lassen. Also hebt er die Verbeugung vor dem Feuer auf und versucht Tatendrang zu versprühen. "Ist noch etwas zu tun, außer ein letztes Gebet zu sprechen, unsere Ahnen um Beistand zu bitten und dann zu blutig Werk aufzubrechen?"
Seine Hand wanderte zurück an den Griff seines Katana.
« Letzte Änderung: 15.01.2018, 06:44:46 von Matsukura Tadakatsu »
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Iwamori Dokai

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« Antwort #11 am: 15.01.2018, 19:00:11 »
Als Iwamori Dokai den Geist seines Fürsten sah. konnte er nicht an sich halten. Was er sah war für ihn unerträglich, seinen Fürsten in solch einem Zustand zu sehen, gefangen durch die Ketten der Schande, voller Wut und Schmerz, nicht Fähig auf die nächste Ebenen weiter zu ziehen. Der treue Gefolgsmann konnte nicht anders als vor der Erscheinung auf die Knie zu gehen, während er mit seine Stirn mehrmals auf den Boden Schlug und seinem Herrn versicherte, dass er Ihn rächen und seine ehre wieder herstellen würde.

Als er sich endlich erhob, waren seine Augen leicht gerötet. Er hörte die Worte der Lady Hikomotō Mai und nickte zustimmen, auch er wusste das die Wachen des Schurken dem Sake stark zu sprachen und weder Matsukura Tadakatsu noch ihm im Kampf gewachsen waren, auch wenn er den anderen Samurai persönlich nicht gut kannte, hatte er bereits von seine Findigkeit im Kampf gehört.

"Die Aussage der Herrin Hikomotō Mai, waren klar und direkt, sie bedürfen keiner weiteren Worte meinerseits."
Mit diesen Worten verbeugte sich der Samurai vor Ehefrau seines Fürsten.

Wie viele andere, wusste auch Iwamori Dokai um die Gefühle der Lady Hikomotō Mai zu seinem Herren oder das Fehlen dieser, doch dies war unwichtig, in den großen Häusern bei den Lords und Ladys waren Gefühle nur eine Nebensächlichkeit, es ging um Politik, um Macht, aber auch um Ehre und Loyalität und genau diese Ehre und Loyalität stellte Hikomotō Mai hier zur schau, das war alles was zählte.
"None of you are yet samurai. Defend your homes with honor, die for your cause, and perhaps then you will be worthy of the word."

Taris

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Die Zeit der Rache
« Antwort #12 am: 15.01.2018, 19:32:30 »
Nachdem die drei Verschworenen eine Weile in aller Stille und konzentriert in die Flammen geschaut hatten, ergriff der Priester zum Abschluss noch einmal das Wort. "Der Worte sind fürwahr genug gewechselt...es ist alles gesagt, was gesagt werden musste. Ich kann weder gut heißen, noch verurteilen, was ihr vorhabt, doch da ihr bereits fest entschlossen seid, zu tun, was die Ehre befiehlt, hoffe ich, dass euer Unterfangen um Lord Hikomotō Nishio Seele Willen Erfolg hat. Lasst mich nun für euch beten." Der Mann deutete den beiden Männern und der Frau sich zu setzen. Mai kniete sich daraufhin auf eine Reisigmatten während die beiden Männer einen Schneidersitz einnahmen. Der Priester nahm ihnen gegenüber Platz und sprach dann ein längeres Gebet, bei dem er um das Wohlergehen der Seelen der drei Ronin und des verstorbenen Lord Hikomotō im Jenseits bat. Dann war es vorbei. Der Priester stand auf und verbeugte sich zum Abschied. "Lebt wohl", sagte er noch als Iwamori Dokai, Matsukura Tadakatsu und Hikomotō Mai den vom Geruch von Rauchwerk erfüllten Tempel verließen und hinaus ins Freie traten, wo sie unter einem sternklaren Himmel die kalte, aber auch erfrischende Winterluft umfing. Sie schauten sich noch einmal an, nickten einander zu und machten sich dann auf Weg. Die absolute Stille der Nacht wurde nur von dem leisen Knirschen des Schnees durchbrochen, den die festen Schritte der Drei in der weißgedeckten Landschaft hinterließen.