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Autor Thema: Kapitel 3: Der hungrige Sturm  (Gelesen 9499 mal)

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Mondragor

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« am: 06.12.2019, 14:51:26 »
Kapitel 3: Der hungrige Sturm


~~~

Schließlich standen einige Tage später alle Mitreisenden der Karawane am Nordufer des Flusses zur Abreise bereit. Es waren nun 22 Personen, die sich teils seit ihrer Kindheit kannten, von denen die meisten jedoch erst in Kalsgard zu den anderen gestoßen waren. Sie würden sich zusammenraufen und zu einer Gemeinschaft werden müssen, wollten sie die Widrigkeiten der Reise meistern.

Auch Jehanna, Solitaire, Rumar und Arashi hatten Ameiko erst hier in der Stadt kennengelernt, doch für sie schien es, als würden sie bereits seiner einer Ewigkeit zu der eingeschworenen Gruppe gehören. Der Zauber des Siegels hatte sie weit enger mit den Amatatsus verschweißt, als es viele Jahre gekonnt hätten.

Die fünf Wagen setzten sich, gezogen von zähen Nordlandpferden, langsam in Bewegung. Ulf saß neben Vankor auf dem Bock des vordersten Wagens, gefolgt von Sandru und Koya, dahinter die restlichen Karren. Auch Shalelu, Garridan und die Magiekundigen reisten jetzt noch auf den Wagen mit - später, wenn sie in die Wildnis gelangen würden, würden sie die meiste Zeit damit verbringen, die Umgebung abzusichern und Gefahren wenn möglich frühzeitig zu erkennen.


Doch noch waren sie nahe bei der Stadt und die Straße gut ausgebaut, und es waren noch weitere Reisende auf ihr unterwegs.
"Bis Turvik führt noch die Handelsstraße." teilte Ulf den Mitreisenden mit. "Genießt die Reise, denn es wird der einfachste Teil. Bis dahin sind wir etwa fünf Tage unterwegs, und dort können wir uns noch einmal gut mit allem versorgen, was wir brauchen. Danach geht es weiter nach Norden über die Sturmspeerhügel - eine relativ leicht zu querende Hügelkette, die im Osten und Westen in das Sturmspeergebirge übergeht, wir reisen also quasi durch eine Schneise. Danach durchqueren wir die wunderschönen Wälder der Taiga, bis die Vegetation nach und nach karger wird und wir die Tundra erreichen. Sie zieht sich bis zu den Ausläufern des Reifdurstgebirges, und dort betreten wir schließlich die Krone der Welt.

Aber keine Sorge, ich kenne etliche Siedlungen auf dem Weg, in denen ich freundlich aufgenommen werde. Die Ladung, die ich mit Sandru besprochen habe, können wir dort gegen Nahrungsmittel und andere Waren eintauschen. Wir sollten eigentlich bis zu den Bergen keine größeren Probleme bekommen. Die eigentliche Reise beginnt an den Reifdurstbergen."
« Letzte Änderung: 05.01.2020, 14:25:19 von Mondragor »

Rumar Endan

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #1 am: 26.12.2019, 18:54:13 »
Im Gegensatz zum Rest der Gruppe fiel Rumar die Entscheidung, Ameiko weiter zu begleiten, wirklich schwer. Es war nicht so, dass er das nicht wollte. Er wünschte sich nicht viel mehr als noch einmal ein wirkliches Abenteuer zu erleben, bevor er zu alt un gebrechlich dafür war.  Ein Held zu sein und dabei zu helfen Minkai zu befreien. Er wusste, dass diese Zeit langsam ablief. Doch er hatte auch Verpflichtungen. Vor vielen Jahren schon hatte er sich der Heilung von Kranken und dem Helfen Hilfsbedürftiger verschrieben. Er lebte nun schon eine lange Zeit in Kalsgard und kannte viele der Menschen dort. Er wusste, dass eine ganze Menge von ihnen auf seine Hilfe angewiesen waren. Außerdem musste er noch immer für seine Verbrechen von vor vielen Jahrzehnten zahlen. Die Götter waren noch nicht beschwichtigt. Er musste nur an seinem verwesenden und kranken Körper herabblicken, den er stets vor den Blicken anderer versteckte, um den Beweis dafür zu finden. Trotzdem entschied er sich schließlich dazu, Ameiko zu unterstützen. Vielleicht war es einfach dieser seltsame, magische Bund, der ihn dazu zwang. Vielleicht lag es auch daran, dass er auch bei dieser Aufgabe viel Gutes tun und seine Sünden so büßen konnte. Unabhängig davon wusste er einfach, dass es das richtige war.
Es galt sich also für die lange Reise und das kalte Land vorzubereiten. Es gab außerdem noch einige Dinge zu klären. Er wollte nach der langen Zeit nicht einfach ohne ein Wort verschwinden. Einige Stunden verbrachte er also einfach damit, alte Bekannte zu besuchen. Ihnen zu erklären, dass er fort musste und vielleicht nicht wiederkommen würde. Sie zu beraten und an die richtigen Stellen weiterzuleiten. Auch die Kirche besuchte er und erklärte den Priesterinnen und Priestern sein Anliegen. Er ließ auch eine beträchtliche Summe Gold dort, damit man trotz seiner Abwesenheit noch helfen konnte.[1] Schließlich zog es ihn zu den Händlern, um sich auf die Reise vorzubereiten. Mit den Schätzen, die sie gefunden hatten, konnte er sich eine ganz neue Ausrüstung kaufen. Eine Weste und Handschuhe, die ihm dabei helfen würden, seine Kameraden und die Karawane zu versorgen. Einen neuen Heilstab und eine Menge Tränke und Schriftrollen. Solitaire war so nett und stellte ihm ein magisches Stirnband her. Auch neue Kleidung kaufte er unter anderem ein.
Nachdem alles geregelt, eingekauft und alle wichtigen Personen über seine Abwesenheit aufgeklärt waren, wandte sich Rumar in einem langen Gebet samt Zeremonie den Göttern zu. Er bat sie um weitere Unterstützung auf seinem Weg. Um Schutz für die Karawane und um Vergebung für diesen Weg, den er betreten hatte. Zu seiner Überraschung spürte er deutlich, dass die Götter seine Entscheidung guthießen. Er wurde von einem warmen Licht erfüllt und sein Geist von neuem Wissen und magischer Kraft geflutet. Er nickte dankbar. Seine Zweifel waren wie weggewischt. Er wusste nun, dass er das richtige tat. Mit der Unterstützung der Götter konnte er gar nicht versagen. Er musste Ameiko und den Amatatsus helfen und er würde alles dafür geben.
"Ich bin froh, dass ihr unser Führer auf dieser Reise seid.", erwiderte er Ulf schließlich am Tag der Abreise. Der Mann war sehr erfahren und die Karawane gut ausgerüstet. Sie würden es schaffen. Sie mussten. Zumindest schien der Anfang ihrer Reise nicht sehr beschwerlich zu werden. Aber Rumar wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie auf die ersten Probleme stoßen würden. Er war bereit dafür.
 1. Ich streiche mir 500G

Mondragor

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #2 am: 05.01.2020, 14:50:35 »
Tag 37
Wirkliche Hindernisse ergaben sich auf dem ersten Abschnitt ihrer Reise nicht, und so erreichten sie guten Mutes am siebenunddreißigsten Tag seit ihrer Abfahrt eine Weggabelung am Fuße der Reifdurstberge.
"Das dort ist die Straße in die Reiche der Mammutherren." teilte Ulf ihnen mit. "Hier vereinigen sich die beiden zum Pfad von Aganhei, der uns schließlich über die Krone der Welt führen wird. Die eigentliche Reise fängt hier an."
Mit einem etwas mulmigen Gefühl betrachteten die Reisenden der Karawane das Bergmassiv, das sich vor ihnen auftat. Jeder hoffte, dass das, was er an Ausrüstung für die Widrigkeiten des Nordens eingekauft hatte, ausreichend war, denn es würde lange dauern, bis sie wieder in wärmeren Gefilden weilen würden.

Es war gar nicht einmal ein besonders hohes Gebirge, was sich nun vor ihnen erhob, doch es hob sich dennoch beeindruckend von der flachen Tundra ab, durch die sie bis hierhin gereist waren. Der Pfad, dem sie folgen würden, nutzte einige der besser passierbaren Pässe, aber dennoch sahen sie bereits jetzt den ersten Schnee vor sich, denn die Schneegrenze lag vielleicht noch hundert Schritt oberhalb ihrer Position.
"Das wird nicht besser." stellte Ulf nüchtern fest. "Der Sommer ist vorüber, nicht die beste Zeit für die Reise. Aber sonst hätten wir bis zum Frühjahr warten müssen. Ihr werdet euch auf kurze Tage und Märsche durch stundenlange Dämmerung einrichten müssen, denn der Winter wird uns sicher auf unserer Reise noch einholen. Dann geht die Sonne überhaupt nicht mehr richtig auf hier im hohen Norden."
Tatsächlich hatten die Abenteurer bemerkt, dass die Tage in den letzten Wochen sehr viel schneller kürzer geworden waren, als sie es von ihren Heimatregionen her kannten.

~~~

Tag 45
Trotz des Schnees ging die Reise zunächst flott voran, und der Pfad war gut befahrbar; während des Sommers hatte es offenbar nicht allzu oft geregnet, und durch zahlreiche Karawanen war der Weg breit und gut festgetrampelt. Ab dem fünften Tag seit der Weggabelung jedoch, als sie den höchsten Teil des Pfades erreicht hatten, wurde der Weg doch deutlich schlechter, und die Karawane kam deutlich langsamer voran als zuvor.
Doch schließlich hatten sie auch diese Widrigkeit hinter sich gebracht, und gelangten aus den Bergen in eine schneebedeckte Hügellandschaft.
Wie Ulf den Reisenden mitteilte, waren dies die Hügel von Urjuk, einst Heimat einer Sammlung von Riesenreichen, bevor die Einwohner weiter nach Süden in wärmere Gefilde zogen. Heute jedoch war hier nur noch eine verlassene und trostlose Gegend, in der es nur wenige humanoide Bewohner gab. Dennoch kehrten viele der Riesen hierher zurück, um in der Heimat ihrer Vorfahren begraben zu werden.

Solitaire

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #3 am: 05.01.2020, 21:01:30 »
Während die Karawane sich noch in einfach zu befahrendem Gelände befand, nutzte Solitaire die Zeit vor allem, um die letzten Gegenstände fertigzustellen, die sie in Kalsgard nicht mehr vollständig beenden konnte. Es war etwas anstrengender, verglichen mit einem ruhigen Platz in der Stadt, und es dauerte dementsprechend auch etwas länger, aber sie hatte diese Aufgabe bewältigt, noch bevor sie an dem großen Gebirge angekommen waren.

Mit einem etwas skeptischen Blick auf ihre Nahrungsvorräte, immerhin war die gesamte Truppe, die mit der Karawane unterwegs war, mittlerweile auf zweiundzwandzig Köpfe gestiegen, dazu noch das Eidolon und Phoebe, wobei letztere bei der Nahrung nicht ernsthaft ins Gewicht fiel, und natürlich auch die Zugpferde, wunderte sich die Zauberin, wie lange diese wohl reichen würden. Die Reise war lang, mehrere Monate würden sie unterwegs sein. Mit dieser Frage im Kopf ging sie daher an einem Abend zu Ulf, der sich von ihnen allen am besten in der Gegend auskennen dürfte.

Der Gebietskundige hatte sie bereits von Anfang an aufgefordert, möglichst viel Nahrung während der Reise zu suchen, und die Vorräte nur anzufangen, wenn es wirklich nötig war. Das hatte durchaus auch dazu beigetragen, dass Solitaire sich darüber wunderte.

"Ulf, eine Sache frage ich mich, seit wir unterwegs sind. Wir haben doch nicht einmal annähernd genug Nahrung dabei, um die gesamte Reise zu bewältigen. Werden wir denn auf der Krone der Welt auch auf Siedlungen treffen, wo wir unsere Vorräte aufstocken können?"

Einige Zeit verbrachte die Varisierin bei ihren Nachtlagern auch damit, sich mit Koya über varisische Traditionen und die Wahrsagerei zu unterhalten. Die alte Priesterin hatte viel Erfahrung als Wahrsagerin und Solitaire hatte selbst einiges Interesse und auch einige Übung darin.

Als sie den schneebedeckten Pass überwunden und das Hügelland dahinter erreicht hatten, nahm sich Solitaire am Abend etwas Zeit, um ihre Turmkarten herauszuholen und die Zukunft damit zu deuten. Sie mischte die Karten, während sie einen Zauber wirkte[1], der ihnen die Kraft verlieh, in Geschehnisse aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu blicken. Sie legte drei Reihen von je drei Karten aus, welche positive, undeutliche und negative Ereignisse der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft symbolisierten.

Als erste Karte für die positive Vergangenheit deckte sie Die Verlorenen auf. Diese war das absolute Gegenteil dessen, wofür die Position stand in der sich die Karte in der Anordnung befand. Normalerweise deutete sie auf eine Leere und den Verlust der eigenen Identität hin. Allerdings war die Karte hier falsch ausgerichtet und stellte somit das Gegenteil dar, Geistesschärfe selbst unter Zwang. Für Solitaire war gleich klar, dass hiermit nur der Bund gemeint sein konnte, den sie durch das Siegel mit Ameiko und den anderen eingegangen war. Dieser hatte ihr eine klare Richtung vorgegeben, die sie zuvor in ihrem Leben vermisst hatte.

Die zweite Karte zeigte die positive Gegenwart. Der Bronzene Zwerg symbolisierte Durchhaltevermögen. Das würde ihr bei der langen Reise sicherlich helfen.

An dritter Stelle verbarg sich die positive Zukunft. Die Königinmutter. Sie setzt sich für die Unterprivilegierten ein, wenn die Mächtigen sie im Stich lassen. Dazu steht sie für das Wissen, ist aber nur gewillt es zu teilen, wenn man ihr folgt. Ein gutes Zeichen, ihr Ziel war es schließlich, Ameiko auf den Thron zu verhelfen.

Das Dornenlabyrinth zeigte ihre undeutliche Vergangenheit. Es steht für einen Gegenstand oder eine Person, allerdings bereits vor langer Zeit verloren oder getötet. Es war nicht schwer dies mit der Amatetsu-Familie in Verbindung zu bringen, die in der Vergangenheit viel Leid ertragen hatten müssen.

Als nächste Karte wurde Das Theater für die undeutliche Gegenwart aufgedeckt. Eine Prophezeihung, die aber so ungewiss war, dass man sie nicht direkt einordnen konnte.

Der Schlosser war schließlich das Symbol für die undeutliche Zukunft. Irgendwo würde er helfen, einen Weg zu öffnen, indem er die Mittel bereitstellte, die benötigt waren, vielleicht in der Form eines ungewöhnlichen Gegenstands.

Der Wanderer stand für die negative Vergangenheit. Für gewöhnlich sah er Wert auch in Sachen, die andere nicht weiter beachteten. In der unteren Kartenreihe war er allerdings falsch ausgerichtet und deutete daher eher darauf hin, dass man den wahren Wert einer Sache oder Person oder auch Situation nicht erkannt hatte. Ob dies wohl mit dem seltsamen Helm zu tun hatte, den sie bei den Ulfen gefunden hatten, und der sich irgendwann einfach in Luft aufgelöst hatte?

Als Karte für die negative Gegenwart deckte Solitaire Die Hochzeit auf. Eine Verbindung zwischen Personen, aber manchmal auch Ideen oder Königreichen. Hier würde sie sicherlich auf die bunt gemischte Gruppe zeigen, mit der die Varisierin jetzt zusammen war und es wohl auch bleiben würde. Und auch wenn niemand von ihnen diese Verbindung als schlecht bezeichnen würde, es war natürlich auch eine Belastung für alle, insofern machte es durchaus Sinn, die Karte in dieser Position vorzufinden.

Mit der letzten Karte galt es etwas über ihre negative Zukunft zu erfahren. Der Schlangenbiss wurde aufgedeckt und passte zudem auch perfekt an diese Position. Gift, entweder in seiner reinen Form oder aber als Metapher. Solitaire würde sich vorsehen müssen, denn irgendwo lauerte etwas auf sie.
 1. Harrowing

Arashi

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #4 am: 06.01.2020, 13:20:24 »
Sobald Karlsgard außer Sicht war atmete Arashi laut auf. Während der Fahrt kletterte auf einen der Karawanenwagen und sprang mit einem "Endlich." auf den Lippen herunter. Bevor er auf dem Boden aufschlug und sich die Beine brach verwandelte er sich in eine silberne Sturmmöwe und stieg gen Wolken empor. Zwar war er nicht lange in der Stadt gewesen, doch für den Druiden war dies schon fast zu lange gewesen.

Still betend dankt er Gozreh dafür den Wind unter seinen Flügeln zu spüren. Mehrere Stunden kreist Arashi selbstzufriedend über der Karawane, bevor er wieder landet und sichtbar zufriedend auf dem Wagen vor sich hindöst. An den folgenden Tagen war Arashi nur selten auf den Wagen der Karawane zu sehen. Entweder kreiste er seine Bahnen am Himmel über der Karawane oder lief in großen Kreisen als Wolf um die Reisenden umher. Natürlich war das Gefühl nicht genau das Gleiche wie wirklich frei zu sein, doch er war nicht ungebunden und so war es das Beste was Arashi erhalten konnte und dem Druiden war es genug.

~~~

"Ab hier beginnt also der Spaß.", murmelte Arashi zu sich selbst als er an der beginnenden Taiga steht, dem ehemaligen Reich der Riesen. Noch gut sind die Mühseligkeiten ihm in Erinnerung als er hier in Richtung Karlsgard durchgekommen war. Und er hatte immerhin Teile der Reise auf Flügeln hinter sich gebracht. Die freie Wildbahn war sein Revier, wie würde es wohl für die Städter sein?

Mondragor

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #5 am: 06.01.2020, 16:37:20 »
Ulf lächelte, als er Solitaires Frage hörte.
"Es war schon mein Ernst, als ich euch bat, nebenbei zu jagen und Wurzeln zu sammeln. Aber hier sollten wir auch noch auf genügend Siedlungen treffen, um unsere Vorräte so aufzufrischen. Dazu gibt es einige Nomadenstämme und Pelzjäger, auf die wir unterwegs vermutlich treffen werden.

Die traditionelle Route führt uns von hier aus in einem großen Bogen westlich an den Gaarjuk-Hügeln vorbei in die östliche Seenlandschaft von Hasanaliat. Auf diesem Weg passieren wir mehrere Siedlungen der Erutaki, wo wir Vorräte auffrischen könnten. Ich würde dennoch eine andere Route weiter östlich nehmen. Sie führt uns durch die weniger besiedelten Bärbein-Seen, aber spart uns an die hundert Meilen. Keine Angst, die Gegend wimmelt von kleineren, teilweise auch bewegten Siedlungen.
Schwieriger wird es danach, wenn die beiden Pfade sich wieder treffen. Es gibt zwei Wege, die wir durch das ewige Eis nehmen können, und beide führen uns an eine letzte Siedlung, in der wir Vorräte aufnehmen können. Iqaliat oder Unaimo. Hier sollten wir alle anderen Waren losschlagen und allen vorhandenen Platz mit Vorräten füllen, denn danach stehen uns beinahe 1500 Meilen unbesiedeltes Gelände bevor. Zwar können und müssen wir auch dort auf die Jagd gehen, aber gleichzeitig sollten wir möglichst sorgsam mit unseren Vorräten umgehen. Wenn wir diesen Teil überwunden haben und in Ul-Angorn angekommen sind, wird es wieder einfacher; der Rest der Reise sollte dagegen ein Kinderspiel sein.

Also um es kurz zusammenzufassen: Bis zum ewigen Eis müssen wir uns um unsere Vorräte nur bedingt sorgen."

Solitaire

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #6 am: 06.01.2020, 22:08:22 »
Solitaire war durchaus erleichtert, als Ulf ihr von den verschiedenen Siedlungen berichtete. Es würde sicherlich auch interessant sein, die Bewohner dieser entlegenen Gegend anzutreffen.

"Tausendfünfhundert Meilen? Wie lange wird das dauern? Zwei Monate bestimmt, oder? Bis wir dort sind, werden wir uns wirklich noch etwas dafür überlegen müssen. Aber das hat ja noch etwas Zeit."

Jehanna Grau

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #7 am: 08.01.2020, 15:28:28 »
Für Jehanna war es merkwürdig gewesen Karlsgrad zu verlassen. Der Ort war zum ersten Mal seit sehr langer Zeit so etwas ähniches wie eine Heimat für sie gewesen. Sie hatte das nicht geplant, aber irgendwie hatte sie sich doch an das Leben in dieser Stadt gewöhnt. Aber dieses Gefühl verflog auf der Straße recht schnell wieder, denn wenn sie ehrlich war, hatte sie sich dort doch schon immer am wohlsten gefühlt.
Jetzt mit einer so großen Gruppe unterwegs zu sein war für die junge Frau zunächst zwar ungewohnt, aber sie passte sich schnell an und fand ihren Platz in der Karwane. Meistens war dieser irgendwo in der Nähe der Wagen, die sie genau wie die Umgebung im Blick behielt, um die Sicherheit zu garantieren. Die Landschaft hier war für sie etwas neues. In der Vergangenheit war sie meistens recht direkt von Siedlung zu Siedlung gereist und in stärker bevölkerten Gebieten geblieben. Ohne geregeltes Einkommen, nur auf die eigenen langen Finger angeweisen, lebte es sich unter vielen Menschen einfach sehr viel besser. Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr, schließlich hatte sie einen anderen Platz bei dieser bunt zusammengewürfelten Truppe um Ameiko gefunden.
Der Kontakt mit dem Sigel schien aber irgendetwas in Jehanna ausgelöst zu haben. Oder war es vielleicht etwas anderes? Sie wusste es nicht, aber ihre Kräfte veränderten sich, wurden stärker. Sie vermochte mit ihren Gedanken jetzt einen kräftigeren Schild zu formen und ihre Augen leuchteten wie Kohlen, wenn sie dies tat. Sie strahlten genauso hell wie ihr Haar und die kälter werdenden Winde vermochten nicht, ihr bis ins Mark zu dringen. Die Hitze in ihren Adern verhinderte das. All dies war anstrengend für Jehannas Geist wie Körper, aber das hinderte sie nicht daran, ihre Talente weiter zu schulen. In dieser Wildnis erwarteten sie sicher Bedrohungen und da sollte sie sich ihrer eigenen Fähigkeiten besser so gewiss sein, wie möglich.
We come into this world alone, and we leave the same way, the time we spend in between ... time spent alive, sharing, learning ... together ... is all that makes life worth living.

Rumar Endan

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #8 am: 10.01.2020, 02:47:48 »
Selbst nach vielen Tagen war die Reise für Rumar nicht einfacher geworden. Gewissensbisse plagten ihn und er hatte das Gefühl, die Menschen in Karlsgrad im Stich gelassen zu haben. Selbst die 500 Goldmünzen, die er gespendet hatte, würden schneller aufgebraucht sein als man glauben mochte. Gleichzeitig war es auch sein alter Körper, der ihm Probleme machte. Zwar war er für sein Alter noch recht fit und besaß auch die magischen Stiefel, die das Reisen selbst bei den Negativtemperaturen angenehm machten, aber das reichte nicht ganz. Er spürte schnell seine Knochen und musste sich wirklich anstrengen, nicht zurückzufallen. In manchen Fällen musste er auch eine Pause auf den Wagen machen. Alles in allem lief es allerdings ganz gut.
Die Zukunftsaussichten, die ihnen Ulf in Aussicht stellte, waren ziemlich unangenehm. Kurze Tage, noch niedrigere Temperaturen und kaum Sonne. Dazu würden sie schon bald sehr sparsam mit ihren Vorräten umgehen müssen. Zumindest letzteres machte ihm nichts aus. Er war es gewohnt, wenig Nahrung zu sich zu nehmen oder sogar zu fasten. Gebete waren für Rumar natürlich an der Tagesordnung. Sollte das Interesse bestehen, konnte er auch einen kleinen Gottesdienst oder eine Predigt halten - schließlich war er eine Weile lang Priester gewesen. Gesammelte und gejagte Nahrung reinigte er mithilfe von Magie. Nur im sicherzugehen. Auch Wasser konnte er herbeizaubern aber das würde wohl bei dem vielen Schnee kein Problem werden.
Rumar freute sich nicht unbedingt auf die Reise, doch er fühlte sich verpflichtet, Ameiko zu helfen. Hätte er die Wahl gehabt, dann hätte er sein letztes Abenteuer anders bestritten aber beschweren tat er sich nie. Stoisch folgte er der Gruppe und würde trotz allem sein Bestes geben. Es stand viel auf dem Spiel und nur wenn sie alles gaben, würden sie Erfolg haben.

Mugin Sanderbarrel

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #9 am: 12.01.2020, 00:29:55 »
Mugin war die letzen Tage in Karlsgrad fast jeden Tag unterwegs um nach magischen Gegendständen, ihren Materialien oder Reagenzien für Tränke zu suchen. Und wenn er nicht auf dem Markt war dann verbrachte er seine Zeit in einem der Wagen wo er ein kleines alchemisches labor aufgebaut hatte. Wenn der Gnom an der Arbeit war hielten die meisten Karawanenmitglieder einen größeren Abstand, nicht aus Rücksicht, sondern wegen des Gestanks. Wie Mugin diesen jeden Tag für mehrere Stunden aushalten konnte war für die Anderen unerklärlich.
Während der Reisetage half er meist dabei aus Nahrung zu sammeln, wobei besser gesagt, er begleitete das Eidolon das die ganze Arbeit hatte. Der Gnom selbst war kein guter Jäger und beim Sammeln von Beeren und Wurzeln war er häufig von anderen weniger essbaren Kräutern abgelenkt.
Die Kälte konnte er nicht ausstehen und schon früh begann er seine Fellmütze zu tragen welche er am ersten Tag in Karlsgrad gekauft hatte.

Das Eidolon machte über die ersten Tage nach dem Sieg über die Ogerin einige Veränderungen durch. Anfangs war besonders die ätzende Flüssigkeit die in Rinnen von ihren Zähnen und Klauen tropfte ein Problem. Hier und da hinterließ sie rauchende Löcher auf den gepflasterten Straßen von Karlsgrad, aber nach und nach bekam sie auch dies unter Kontrolle, nur um von Mugin ein Amulet geschenkt zu bekommen. Obwohl sie wusste das sich wohl ihre natürlichen Waffen entzünden würden, erschreckte sie sich beim ersten Aktivieren heftig. Doch die Flammen waren volkommen ungefährlich, zumindest für sie.
Sie war froh der Karawane aushelfen zu können wo sie nur konnte. Das Jagen auf freien Feld war zwar anspruchsvoll aber machte ihr auch viel Spaß. Nur Mugin ging ihr mit seinem Gejammer über die tiefen Temperaturen auf die Nerven. Er sollte sich gefälligst nicht so anstellen, immerhin war sie ja quasi nackt und frohr nicht.

Mondragor

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #10 am: 12.01.2020, 13:40:37 »
Noch während Mugin sich beim Eidolon über die Kälte beschwerte, riss die Wolkendecke auf und zum ersten Mal seit einigen Tagen strahlte die Sonne auf sie herab. Zwar war es noch immer kalt für die aus Varisia stammenden Reisenden, doch für die bisherigen Verhältnisse auf der Reise waren die Temperaturen durchaus milde, und die Sonne ließ ihre Herzen alle ein wenig höher schlagen und gab ihnen neuen Mut.[1]

Selbst die Zugtiere schienen durch die Sonne angespornt, und so kamen sie gut voran auf dem sich durch die Hügel schlängelnden Weg. Doch sie waren nicht allein: Arashi war es, der auf der Rückkehr von einem Erkundungsgang plötzlich einen Riesen auf einem der Hügel sah, der reglos die Karawane beobachtete. An seiner Seite erkannte Arashi einen Wolf, groß wie ein Bär, mit schneeweißem Fell - doch beide taten nichts, und so beließ der Kundschafter es dabei, nach seiner Rückkehr den anderen zu erzählen, was er gesehen hatte. Denn schon bald würde es dunkel werden und sie mussten einen Platz für ihr Nachtlager finden.
 1. Schönes Wetter hält 4 Tage an (bis einschl. Tag 48), in dieser Zeit hat die Karawane +2 auf Security und Resolve Checks.

Garridan

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #11 am: 12.01.2020, 17:35:47 »
Garridan war auf der Reise in erster Linie damit beschäftigt, sich zu wundern, vieles zu lernen und sich mit dem Schwert zu beschäftigen.
Das erste was ihn wunderte war, dass ihm die Temperaturen gar nichts ausmachten, egal wie kalt es wurde, er fror nie wirklich. Suishen erklärte ihm, dass dies von ihm käme und Garridan dafür ruhig dankbar sein konnte, was er auch war. Das nächste war die Landschaft. Je weiter sie kamen, desto mehr beeindruckte ihn, was er sah. Er war nie auch nur annähernd so nah an ein so hohes Gebirge gekommen, geschweige denn dort hinaus gestiegen. Die Aussicht war atemberaubend, die Luft viel "reiner", es roch anders und die Pflanzen und Tiere waren ihm völlig fremd. Nun verstand er, was es bedeutete, wenn man sein angestammtes Land verließ. Egal was man glaubte zu wissen, sobald man in eine völlig andere Umgebung kam, war man ein Unwissender, wie die meisten anderen auch. Er fragte Ulf immer wieder Löcher in den Bauch, nach Pflanzen, die essbar oder giftig waren, welche Tiere man jagen konnte und welche den Aufwand nicht lohnten und er erprobte das gelernte bei jeder Gelegenheit. Er wollte vorbereitet sein, wenn sie in noch größere Höhen kamen.

Nach all den Hinterhalten, Angriffen und Kämpfen war sein Herz leicht wie eine Feder auf dieser Reise und er hatte beinahe das Gefühl, dass es ewig so weiter gehen würde. Aber dann entdeckte Arashi einen Riesen. Garridan fad es etwas verwunderlich, dass er einfach so dort gestanden hatte,  ein Riese war ja nun wirklich nicht zu übersehen. Er würde Ulf fragen, sobald sie das Lager aufgeschlagen hatten. Also half er dabei, einen guten Lagerplatz zu finden und auch gleich einige Plätze für die Wachen.

Solitaire

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #12 am: 19.01.2020, 23:50:11 »
Als Arashi ihnen von dem Riesen erzählte, war Solitaire schon ein wenig erleichtert, dass dieser offenbar kein Interesse an ihnen hatte. Jedenfalls hatte es den Anschein gehabt. Natürlich konnte man nie wissen und sie würden hier draußen ohnehin vorsichtig sein müssen und stets genug Wachen aufstellen, aber es war dennoch erleichternd, dass der Riese nicht mehr getan hatte, als sie zu beobachten. Wahrscheinlich ist so eine Karawane auch nicht etwas, was man hier ständig sieht, dachte sie sich.

Garridan

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #13 am: 21.01.2020, 15:17:04 »
Als sie schließlich ihr Lager aufgeschlagen hatten, sprach Garridan Ulf auf den Riesen an.
"Was sagst du zu dem Riesen mit seinem Tier, ist das normal hier oben, leben sie hier und sind sie eine Bedrohung für uns?"

Arashi

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #14 am: 21.01.2020, 20:42:55 »
"Was auch immer der Riese zu bedeuten hat. Wir sollten wohl die Wachen verstärken. Was auch immer der Riese will, in dieser Umgebung ist nicht viel zu holen. Wer weiß auf was für Gedanken der kommt. Heute nacht kann ich als Eule die Umgebung halten. So kann ich einen größeren Radius im Auge behalten. Schlafen kann ich morgen.", gab Arashi zu bedenken. Ob der Riese eine Bedrohung war oder nicht, sicher war sicher.

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