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Autor Thema: Devil's Night  (Gelesen 12385 mal)

Beschreibung: Das Ingame

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Devil's Night
« Antwort #45 am: 22.05.2012, 23:32:08 »
Die Kollegen

Macallan drückte auf den Knopf der Klingel und ein eher enervierendes Signal ertönte. Sie hörten wie sich drinnen jemand aus einem quitschenden Sessel erhob und langsam zur Tür schlurfte. Ein Riegel wurde zurückgeschoben und der Schlüßel im Schloß umgedreht. Die Tür öffnete sich einen Spalt breit - gerade so viel wie die schmale Kette erlaubte - und ein paar Augen erschien, die von einem verhärmten Gesicht eines Mitte vierzigjährigen Schwarzen umrandet waren. Als er erkannte, wer da auf seiner Veranda stand, schloss er die Tür wieder, um die Kette zu lösen, und machte dann die Tür ganz auf.

Copper hatte eine Verwaschene Jogging Hose und ein hängendes Feinripp-Unterhemd an und in seinem Mundwinkel brannte eine Zigarette. Das Haar war kurz und in Ansätzen ergraut und etwas wirr und schweißig. Der Körper wirkte entkräftet,Hautfalten hingen von den Oberarmen herunter. Er wirkte matt und ohne Antrieb. Ein leichter Bier-Geruch ging von ihm aus, doch betrunken war er nicht.

Von der Wohnung konnten sie nicht viel erkennen. Die offene Tür gab nur den Blick frei auf den Flur, der in einem schmutzigen grünbeige gestrichen war. An der Garderrobe hingen nur zwei Jacken und ein Hut. Daraus ließ sich ableiten, dass er hier alleine wohnte. An Möbeln war da nur noch eine Kommode. Aber viele Sachen lagen hier herum. Stapel von Altpapier, ein Staubsauger, ein Hundekorb und Kartons. Aus der Wohnung drang Zigarettenrauch.

Copper trat in die Tür. "Ja, ich hab' sie schon erwartet. Was wollen sie wissen?", sagte er müde und resigniert. Mit keinem Wort und keiner Geste bedeutete er ihnen, einzutreten. Anscheinend wollte er alle Infos an der Tür geben. Anscheinend war es ihm egal, dass jeder sehen konnte, dass die Polizei ihn befragte. Andererseits, ungewöhnlich war das hier auch nicht so sehr.
« Letzte Änderung: 22.05.2012, 23:36:45 von List »
"Man muss auch das Allgemeinste persönlich darstellen."
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Devil's Night
« Antwort #46 am: 30.05.2012, 15:57:09 »
James Brown

James Brown hatte Glück und konnte einen der wenigen Parkplätze vor dem  DPD bekommen. Er stieg aus und führte den Mann in das Gebäude, wo schon jetzt wieder reger Trubel herrschte. Die Atmossphäre in diesem Großraumbüro hatte etwas von einer Bahnhofsvorhalle: viele Stimmen redeten durcheinander, Telefone klingelten, viele Menschen liefen durcheinander, darunter Punks, Prostituierte und andere Randsständige. Brown sah nach, ob einer der Vernehmungsräume frei war und fand einen. Dann nam er die Personalien und die Aussage des Schwarzen auf:

Zunächst wiederholte der Schwarze seine Aussage nur und sah Brown dann trotzig an. Doch Brown lies nicht locker und insistierte mehrmals, dass der Schwarze, dessen Name Ben Amoria war, noch mehr gesehen hatte und drängte den Mann, noch mehr ins Detail zu gehen. "Hören S'e, mehr hab ich wirklich nich' gesehen. Wie gesagt, Shehu war Benzin holen gegangen, wahrscheinlich bei der Tankstelle nahe dem Brinkman-Gelände. In der Zwischenzeit kam der Alte raus und sie haben ihn verprügelt, bis aufs Blut. Und als er dann bewusstlos auf dem Boden lag, da bekamen sie Angst, denn der Alte kannte ja unsere Gesichter. Da kam Shehu zurück und als er sah, was passiert war, da hat er geflucht und geschrien, was für Idioten wir seien und dass wir jetzt alle tief in der Scheiße sitzen würden. Ich weiß nicht mehr, wer, aber irgendjemand sagte dann, dass wir das Gebäude anzünden sollten und der Alte darin verbrennen sollte. Dann sähe es wie ein Unfall aus.", der Mann schwieg für einen Moment. "Hören Sie, das war 'ne absolute Scheißidee, okay? Es ist doch Wahnsinn, den Alten zu verbrennen, wegen Körperverletzung, insbesondere weil da sowieso Aussage gegen Aussage gestanden hätte. Aber... kein Plan... irgendwie hatten wir wohl das Gefühl, wir steckten zu weit drin und... Mann!... irgendwie hatten wir nicht mehr geradeaus denken können. 's ging zu schnell, wissen S'e? Ich...", sagte er und brach dann sofort ab. Er schaute Brown misstrauisch an, dann seine Hände. "Wissen S'e was? Ich sag jetzt gar nichts mehr.", entgegnete er nur noch. Und dabei blieb es auch.

Als das Verhör geendet hatte, versah Brown das Dokument mit seiner Unterschrift. Dann führte er den Mann wieder aus dem Großraumbüro, in das Untergeschoß,wo auch einige Zellen waren. Das kalte, sterile Licht der Leuchtstoffröhren ließen den Trakt jedesmal von Neuem so fremdartig wirken, dass er sich eher wie in einer Rechtsmedizin als im Polizeipräsidium fühlte. Der Mann hatte natürlich auch begreifen, was Brown vorhatte und protestierte heftig: "Hey, was soll das, Mann? Ich hab' Dir alles erzählt, was ich weiß! Du Arschloch willst mir einen Strick drehen! Ich habe wirklich nichts getan und weiß auch nichts mehr. Du suchst Dir nur einen Sünden-Nigger, dem Du den ganzen Scheiß anhängen willst." Er zog an seinen Fesseln, doch eine Chance hatte er nicht. Dann war er in einer dieser weiß gekachelten Zellen verschwunden. Ein ziemlich beleibter Polizist zog sich befriedigt die Hose über den Bauch und setzte sich wieder hinter den Schreibtisch, nachdem er die Zellentür verschloßen hatte.

Ab jetzt lief die Frist von 72 Stunden. Brown wußte, dass er den Mann nicht länger festhalten dürfte, außer er konnte einem Untersuchungsrichter die Dringlichkeit klar machen.
« Letzte Änderung: 06.06.2012, 14:52:23 von List »
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Marguerite Moulin

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Devil's Night
« Antwort #47 am: 31.05.2012, 17:52:05 »
"Alles was sie wissen." antwortete Ian, er hatte die Erfahrung gemacht, dass es am Anfang durchaus seinen Vorteil hatte keine konkreten Fragen zu stellen, sondern erstmal den Anderen erzählen zu lassen. Nachhacken bzw. das Gespräch in die richtige Richtung lenken konnte man immernoch.

Sein Blick glitt an dem Schwarzen hinunter. Typisch konnte man fast sagen Jogginghose und Feinripp. Mit Mühe hielt er sich zurück den Kopf zu schütteln. Es wäre der Situation nicht zuträglich. So stand er da und wartete auf die Antwort. Wenn Ian auch nicht wirklich übergewichtig war sondern eher durchtrainiert, Muskeln mit einer leichten Fettschicht überzogen; Sumoringerstatur wie er es gerne nannte, hatte seine Masse einen Vorteil. Trotz der unwirtlichen Temperaturen fror er nicht. Aus einer seiner Tasche kramte er einen Notizblock und einen Stift hervor.
„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“

James Doherty

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Devil's Night
« Antwort #48 am: 06.06.2012, 13:12:26 »
"Können wir reinkommen?", schon James Ians Worte eine Frage hinterher, da der Mann nicht gewillt war, die Tür von alleine zu öffnen. James blickte vorbei an dem Hundekorb und schaute, welche Größe jener hatte und ob es sich lohnte, einen Hund als Ausrede zu nutzen, dass er die Tür nicht öffnen musste.

James blickte aus den Augenwinkeln zu Ian und hoffte inständig, dass der Mann die Aufforderung Ians nicht zu ernst nahm und jetzt versuchte, sein gesammeltes Wissen ungeordnet vorzulegen und zu beschreiben. Doherty erinnerte sich zu gut an einen Soldaten, der jeden Befehl, nachdem man versucht hatte ihn mit Gewalt in der Ausbildung zu brechen, auf das Wort genau ausgeführt hat und so die Befehlsgebenden vor ein schwerwiegendes Problem stellte. Leider erschoss sich der aufmüpfige, junge Mann bevor er zurück in die Staaten gebracht werden konnte. Deswegen versuchte James das Gebiet etwas einzugrenzen, in dem er eine mehr oder weniger rhetorische Frage stellte. "Ich schätze, Sie[1] wissen, warum wir hier sind?"
Er hoffte, diese Worte reichen würden, den antriebslosen Mann zum Öffnen der Tür zu überzeugen. Er kannte diese Antriebslosigkeit, die der dunkelhäutige Mann ausstrahlte, auch wenn er sie noch nicht zuordnen konnte. Wahrscheinlich wussten seine beiden Kameraden mehr als er, aber noch hatten sie ihn nicht über den Mann aufgeklärt. Er würde sich selbst ein Bild machen müssen.
 1. Natürlich nutzt man diese Siezformen im englischen Kulturkreis nicht wirklich, aber ich gebe mich dort auch der deutschen Sprachgewohnheit hin.
"Der Scharfsinn der Polizei ist die Gabe, alle Menschen eines Diebstahls für fähig zu halten, und das Glück, dass sich die Unschuld mancher nicht erweisen lässt." - Karl Kraus

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Devil's Night
« Antwort #49 am: 06.06.2012, 15:13:56 »
Der Mann nahm die Fragen ohne Regung auf und nahm die Zigarette aus dem Mundwinkel. Asche fiel auf die Veranda, aber das schien den Mann nicht zu stören. "Ne, können S'e nicht.", antwortete er auf Ians Frage, ob sie eintreten dürften. Es klang nicht etwa wie eine resolute Abweisung, sondern eher wie eine Feststellung. Jedenfalls bewegte er sich nicht. Ian konnte sehen, dass der Hund etwa mittelgroß gewesen sein musste und einmal schwarzes, langes Haar besessen haben musste, das an dem speckigen Frotteehandtuch, mit dem das Körbchen ausgekleidet war, noch deutlich sichtbar war. Der Hund war nicht zu sehen und Ian konnte sich nicht erinnern, Hundegebell gehört zu haben, als sie klingelten. Er fragte sich, ob der Hund nicht längst entlaufen oder tot war.

"Natürlich weiß ich, wer sie sind. Hab' ja gesagt, dass ich sie erwartet habe.", sagte der Mann weiterhin und eine Stille entstand, denn weder fing er an, zu erzählen, noch stellte irgendjemand noch eine Frage. Der Regen prasselte auf das Dach und von dort plätscherte er gesammelt auf die Veranda. Schließlich fing der Mann doch zu erzählen an, während er mit den Augen zwei junge Männer auf der gegenüberliegenden Straßenseite verfolgte, die vorbeirannten. "Um's kurz zu machen: Ich hatte Nachtdienst auf dem Gelände und saß in der Videozentrale. Ich habe in letzter Zeit Schlafprobleme. Also, ich schlafe zu viel. Das kommt von dem Elavil[1]. Also bin ich irgendwann - jedenfalls vor Mitternacht - eingepennt. Ich bin dann wieder aufgewacht und blickte auf die Monitore und beim Rechnungsgebäude war da ein Rauschen. Also habe ich die Taschenlampe genommen und bin raus. Vor dem Rechnungsgebäude war eine Menschenmenge versammelt - und das Rechnungsgebäude stand schon in Flammen. Ich bin nicht näher dran gegangen, denn die Leute gröllten und schrien und schienen 'ne richtige Mordswut zu haben. Darum bin ich wieder zurück in die Zentrale und habe von dort die Polizei angerufen. Ich wartete in der Zentrale, bis die Beamten meine Personalien aufgenommen hatten und bin dann nach Hause gegangen. Ich fühlte mich, wie vor den Kopf geschlagen und ein bischen benommen. Dass der Kohler wohl in dem Haus war, das habe ich erst in den Nachrichten gehört. Mann, scheiße! Wenn ich das gewusst hätte! Aber, was hätt' ich denn machen soll'n? Ich war allein' und die waren viele. Scheiße Mann, der Kohler is' verbrannt...", berichtete er und so langsam wurde er lebhafter - zuletzt sprach aus seiner Stimme eine Mischung aus Schuldbewusstsein und hilfloser Wut. Er führte die Zigarette wieder an den Mund und nahm einen tiefen Zug und blies ihn gleich wieder aus. "Scheiße, da ist der Kohler verbrannt...", wiederholte er dann noch einmal, als könnte er nicht fassen, was diese Worte bedeuteten.
 1. 
Köpfchen, durchschnittlich (Doherty weiß es automatisch) (Anzeigen)
« Letzte Änderung: 06.06.2012, 15:25:10 von List »
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James Brown

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Devil's Night
« Antwort #50 am: 08.06.2012, 10:07:01 »
James blickte von seinen Unterlagen auf. Er hatte seinen Stift beiseite gelegt und lehnte sich endlich, nachdem einiges an Zeit schweigend verstrichen war, in seinem Stuhl zurück. Durchdringend blickten den Mann die Augen von James Brown an. "Gut, ich glaube dir." sagte er schlussendlich. Mit einer schnellen Bewegung klappte er die Akte, in der sein Notizblock lag zu, heftete den Stift daran und stand auf. "Ich werde sehen, was ich tun kann. Du hast uns wohl sehr weiter geholfen. Aber du weißt selbst, was ihr getan habt." Die letzten Worte waren eindeutig ein Vorwurf und auch nur als solcher zu erkennen. Dann verließ Brown das Verhörzimmer und ging den Gang entlang, parallel zu dem Großraumbüro in dem mittlerweile die letzten Kollegen ihre Arbeit aufgenommen haben. Sein Ziel war das Zimmer von Bittner. Er wollte ihm sofort den Verhörbericht übergeben, dass die notwendigen Unterlagen sofort an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden würden.

Dabei machte er einen Zwischenstopp an der Kaffeemaschine, nachdem das Holen des Kaffee's vorher so jäh unterbrochen wurde und gönnte sich einen schwarzen Kaffee. Und doch, er schmeckte einfach nicht so wie bei seiner ehemaligen Einheit. Einfach alles war anders hier. Niemals hätte er in Chicago alleine den Mann festnehmen müssen. Und was machten seine Kollegen mittlerweile? Er wusste es nicht. James fühlte sich in seinem neuen Zuhause noch immer nicht wohl. Der Kaffee schmeckte nun noch bitterer und hatte einen unangenehmen, unfreundlichen Eindruck und so kippe Brown den halben Becher der braunen Brühe in den Ausguss, machte einen Strich auf der Kaffeeliste und nahm seine Akte wieder zur Hand um wirklich Bittner's Büro aufzusuchen.
Dort klopfte der Chicagoer Polizist.

Marguerite Moulin

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Devil's Night
« Antwort #51 am: 13.06.2012, 19:38:28 »
"Dass heißt sie können uns nicht sagen, ob jemand das Gelände betreten hat der dort nicht hingehört, oder jemand es verlassen hat?" fragte Ian nach. Er war sich der Antwort zwar sicher, aber vielleicht würde er es auch als Rüge auffassen, die durchaus angebracht. Wenn der Wachdienst schlief könnte man ihn gleich entlassen und sich das Geld sparen.

"Gibt es etwas wie ein Buch wo sich Besucher eintragen müssen wenn sie das Gelände betreten?" kam es dem Polizisten in den Sinn. Vielleicht ließe sich so wenigstens etwas herausfinden und der Besuch wäre nicht vollkommen sinnlos gewesen.
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Devil's Night
« Antwort #52 am: 16.06.2012, 11:55:22 »
Die Kollegen

Der Mann zeigte sich verwirrt über die Frage von Marshall. "Haben Sie mir nicht zugehört? Es war Nacht und der Mob war in böser Absicht auf das Geländegekommen. Ich verstehe Ihre Fragen nicht. Würden sie sich in ein Gästebuch eintragen, wenn sie irgendwo einbrechen würden?", gab er mit einem Kopfschütteln zurück.
« Letzte Änderung: 16.06.2012, 11:56:06 von List »
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Devil's Night
« Antwort #53 am: 16.06.2012, 12:25:29 »
James Brown

Erst nachdem er geklopft hatte, hörte Brown, dass Bittner am telefonieren war. "Moment, bitte!", rief Bittner und führte dann leiser noch einige Sekunden lang das Gespräch zu Ende[1]. Dann rief er Brown herein.

Man sagt, dass der Arbeitsplatz viel über den Charakter eines Menschen verrät. In Bittners Büro waren die Sonneblenden tagsüber stets ein wenig zugezogen. Die Büromöbel waren so angeordnet, dass der Raum weder leer noch voll wirkte. An der rechten Rückwand war der Schreibtisch und davor zwei Stühle. Der Schreibtisch war stets penibel aufgeräumt, ebenso wie der Rest des Büros - was einer gewissen Leistung gleichkam, wenn man bedachte, wie viele Fäden hier zusammenliefen. Persönliche Gegenstände fanden sich hier wenige, aber dafür ausgesuchte. Kamelie[2] auf der Fensterbank und Buntnesseln[3] in einem Topf auf dem Boden. In einem der Schränke waren im obersten Fach Bücher von Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Robert Musils und Robert Walser[4]. An der Wand hing schließlich ein gerahmter Kunstdruck des Bildes: 'La trahison des images' von René Magritte[5].

Bittner blickte auf. "Nun, Mr. Brown, was kann ich für Sie tun?", fragte er nüchtern.
 1. 
Durchschnittliches Wahrnehmen (Anzeigen)
 2. 
 3. 
 4. 
Durschnittliches Köpfchen (Anzeigen)
 5. 
« Letzte Änderung: 16.06.2012, 12:30:40 von List »
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James Doherty

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Devil's Night
« Antwort #54 am: 17.06.2012, 16:38:22 »
Elavil. James unterschätzte immer wieder, wie viele arme Seelen die Hölle gesehen hatten oder sich zumindest so stark einbildeten, sie gesehen zu haben, dass sie fortwährend am Tropf der Pharmaindustrie hingen. Dabei war James selbst so ein armer Tropf, der so viel gesehen hatte, was er nicht sehen wollte. Der sich an alles mögliche erinnerte mit seinem fast schon eidetischem Gedächtnis und die Bilder lebhaft vor Augen hatte, wann immer seine Mittelchen nicht ausreichend wirkten. Was war es wohl, was dieser Mr. Copper so stark erinnerte oder was ihn zerfraß, dass er sich mit Elavil über Wasser hielt? Es war vor der Tür ein ungünstiger Ort, um sowas anzusprechen, erst recht vor Ian Marschall und Rex Macallan, also schluckte James den Gedanken herunter.

"Sicher nicht.", beantwortete James die letzte Frage von Copper, bevor Ian diese mehr rhetorische Frage beantwortete und bemühte sich um lockere Höflichkeit. "Aber vielleicht haben Sie die Tage zuvor schon hin und wieder mal zwischen ihrem Dämmern oder wenn Sie wachten, Personen in der Nähe des Geländes gesehen, welche nicht dorthin gehören. Oder haben sie im Mob einprägsame Gesichter gesehen? Typen, welche die Menge aufgehetzt haben oder zuerst Brandbeschleuniger oder so einen Mist anschleppten? Kohler ist vielleicht verbrannt darin und es geht hierbei auch um ihren Job, Mr. Copper. Dass ist doch scheiße, wenn alle denken, sie könnten als Nachtwächter nicht arbeiten, nur weil sie noch nicht auf ihr Elavil ordentlich eingestellt sind. Helfen Sie uns, Copper. Vielleicht können wir auch dann was für sie tun in der Hinsicht.[1]"
Diese Stadt war ein Wrack und es war ein ungewöhnlicher Vorzug in dieser Stadt einen Job zu haben, gerade wenn man ein Schwarzer war. Vielleicht hangt es deswegen an einem Job. Vielleicht war das der Grund, warum er die weißen Polizisten nicht im Haus haben wollte, dass sie Weiße waren mochte reichen, vielleicht hatte er was zu verbergen. James ließ es kalt, er war lange nicht mehr im normalen Polizeidienst gewesen, er musste erstmal wieder warm werden, auch wegen des kalten Regens.
 1. Überzeugen: passabel (+2)
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Devil's Night
« Antwort #55 am: 23.06.2012, 22:06:53 »
Der Mann hörte Doherty aufmerksam zu und sein Mund öffnete sich ein wenig und die Augen traten hervor, als sich eine grausige Erkenntnis bei dem Mann einstellte. Doherty konnte förmlich hören, wie es im Kopf des Mannes zu rattern begann. Die Asche seiner Zigarette wurde länger und drohte abzufallen. Er wischte sich mit der Handfläche die Stirn ab, als er nun zu schwitzen begann. "Heilige Mutter Jesus...", keuchte er. "Nein... - oder doch, ja, scheiße sie haben Recht. Natürlich wird man auf mich zukommen und die Leute werden mir Fragen stellen. 'Es war Ihre Aufgabe, für Schutz zu sorgen', werden sie sagen. Und sie werden mich aus dem Job kanten und mir eine Mitschuld geben. Ja, verdammt, ich werde hier zum Sündenbock gemacht, weil ich es nicht verhindert hab'. Oh Scheiße, verdammt. Ich kann da doch jetzt nichts machen. Was soll ich denn machen?." Die Asche fiel von der Spitze und Copper blickte erstaunt-verwirrt zu Boden, als ob die Asche seine Befürchtung nur bestätigen würde. Er schien jetzt Recht außer Fassung zu sein, doch Doherty spürte dass er sein Ziel nicht verfehlt hatte. Sicherlich war der Mann jetzt kooperativer. Doch Doherty dachte auch an das Elavil und dass der Mann wahrscheinlich unter einer Angst-Störung litt. Er dürfte den Bogen jetzt nicht überspannen.

Irgendwo fuhr ein Wagen mit quitschenden Reifen an.
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James Brown

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Devil's Night
« Antwort #56 am: 25.06.2012, 10:36:32 »
James Brown

"Ich habe das Verhör eines ersten Verdächtigen und Mitwirkenden bei Unruhen um das Fabrikgelände von Kohler Industries abgeschlossen, Deputy Chief." erklärte James Brown, während er seinem Vorgesetzten das Protokoll des Verhörs vorlegt. Dann schildert er, was der Verhörte zu sagen hatte. Auf die genauen Umstände der Festnahme verzichtet James Brown sowohl in diesem Gespräch wie auch in dem Protokoll. "Im Rahmen der Umstände würde ich vorschlagen, ein milderndes Urteil aufgrund der Kooperationsbereitschaft des Mannes walten zu lassen. Meines Erachtens nach, hat der Mann gesagt, was er weiß." Erklärt der etwas ältere Polizeibeamte seinem Vorgesetzten.
"Es ist ein erster Ermittlungserfolg und wir haben einen Namen."

James Brown steht aufrecht vor dem Schreibtisch von Bittner und blickt dem Mann in die Augen oder auf die Verhörakte in seinen Händen.
« Letzte Änderung: 25.06.2012, 10:37:13 von James Brown »

James Doherty

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Devil's Night
« Antwort #57 am: 25.06.2012, 21:01:57 »
James machte eine beruhigende, beschwichtigende Geste mit der Hand und blickte sich ruhig nach dem Auto mit den quietschenden Reifen um[1], um dann wieder zurückzuschauen zu Copper. "Wenn Sie uns helfen und uns noch mehr berichten, werden wir Sie sicher entlasten können. Gehen wir davon aus, dass diese Menge an Menschen so plötzlich kamen und so zahlreich und derartig wütend, dass Sie gar nicht in der Entstehung die Polizei hätten rufen können. Was genau haben Sie dabei beobachtet? Jeder Hinweis ist sehr hilfreich und jeder Hinweis wird uns helfen, Ihre Situation zu bewerten und Ihnen zu helfen." James war irgendwie nach einem Kaffee, das Gespräch war nicht wirklich nach seiner Art, aber seine Kollegen war im Moment eher ruhig, also sprach James weiter. Copper war nur ein weiterer, armer Bastard, der im Laufe seines Lebens von diesem Moloch Detroit geschluckt wurde. Und trotz aller Beteuerungen würde er seinen Job wohl verlieren, selbst wenn er als Nachtwächter weitestgehend schuldlos war und hilflos und man die Arbeitgeber überzeugen könnte. Als diese Mühe wäre vergebens, wenn Kohler als Konzern diesen Brand gar nicht überlebt, abgewickelt würde und alle Arbeiter in diese mickrige Fürsorge aus Lebensmittelscheinen und Taschengeld gedrückt würden. Wahrscheinlich würde Copper sich dann nicht mal mehr das Elavil leisten können, wenn er den Job verlor. Und wer weiß, was bei diesem armen Bastard ohne das Medikament wartete. Und alles nur, weil er schon in dieser Spirale aus Angst und Antriebslosigkeit war. Was sollten sie also tun? James war der Meinung, dass sie so tun müssten, als wären sie das, was Polizisten gerne im allgemeinen Bild sein wollen: Freund und Helfer. Für Copper selbst konnten sie nichts tun[2].

James machte einen Notizblock und einen Stift schreibbereit. Damit waren ihm die Hände gebunden und er würde im Moment keine Fotos machen können. Er nahm sich vor, zumindest nach dem Gespräch das Gebäude später noch von außen zu fotografieren und eine Fallmappe anzulegen mit allein Hinweisen. Er blickte den ängstlichen Copper freundlich an. Kurz überlegt er, ob er weiteres Eis brechen kann, wenn er selbst die Einnahme von solchen Medikamenten erwähnt und wie es ihm einen Job gekostet hat. Persönliche Schicksale verbanden. Aber James kommt nicht daran vorbei, dass es Rex, den internen Schnüffler, nichts anging. Dass er dabei war, hieß doch nur, dass wieder korrupte Polizisten am Werk waren. James zuckte die Schultern. Er würde nachher im Telefonbuch blättern, dazu notierte er sich schonmal Name und Adresse und würde am Telefon einen neuen Zugang suchen, wenn er jetzt in persona keinen fand. "Also. Haben Sie irgendwelche besonders lauten Jungs gesehen? Einprägsame Gesichter? Womit das Gebäude angezündet wurde? Haben Sie eine Schätzung, wie groß der Mob war?"
 1. Wahrnehmen: überwältigend (+5)
 2. Der Absatz ist nur zur Verdeutlichung des Aspektes "Der geborene Fatalist"
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Devil's Night
« Antwort #58 am: 03.07.2012, 15:05:38 »
Allmählich wurde der Mann wieder ruhiger, schon wieder ein wenig zu still. Er war jetzt in sich zusammengesunken und die Arme hingen kraftlos an seinem schlaffen Körper herunter. Die Glut der Zigarette hatte jetzt den Filter erreicht und war erloschen. Er nahm die Zigarette aus dem Mund, betrachtete den Stummel und warf ihn dann über die Veranda in den ungepflegten Vorgarten. "Ich bin der Nachtwächter.", sagte er. "Ich komme, wenn alle anderen schon gegangen sind. Naja, verstehen Sie? Ich kenne die Jungs aus der Belegschaft nicht. War auch nicht auf der Betriebsfeier. Also, erkannt hab' ich niemanden.", erklärte er und schwieg eine kleine Weile.

Doherty sah über die Schulter und konnte eben noch einen heruntergekommenen Dodge 'Colt' erkennen, der an ihnen vorbei fuhr. Der Fahrer war ein Schwarzer in weißem Feinripp-Unterhemd. Ende der Straße hörte er eine junge, schwarze Frau 'Arschloch' hinter ihm her rufen. Sie trug Shorts und ein Träger-Top. Sie ging wieder in ihr Haus. Es gab mehrere Varianten, was passiert sein konnte und Doherty entschied, dass keine der Varianten für sie von Belang war. Nur Ausdruck des allgemeinen Niedergangs.

"Gesichter hab' ich schon gesehen. Vielleicht, wenn Sie mir ein Foto zeigen, oder so.", sagte der Nachtwächter und holte Doherty wieder ins Jetzt zurück. Dann hellten sich seine Züge wieder etwas auf. "Da fällt mir noch etwas ein. Da war noch jemand. Ich hab Sie nur kurz gesehen, als sie an ihrer Zigarette zog. Sie stand beim Fabrikgebäude und beobachtete, was der Mob tat. Ich glaub', sie ging, als das Gebäude angezündet wurde.", eröffnete er und blickte die Beamten erwartungsvoll an.

Drinnen kündigte der Sprecher der Show die Werbeunterbrechung an.
« Letzte Änderung: 03.07.2012, 15:11:36 von List »
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James Doherty

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Devil's Night
« Antwort #59 am: 10.07.2012, 21:11:13 »
James pustete innerlich durch. Es war zäh und er gewöhnte sich nur schwer daran, dass er jetzt wieder in polizeilicher Art die Befragung durchführen musste. Zudem kam, dass sie noch kaum Ansätze hatten und so erst die allerersten Spuren aufdeckten. Sie wussten, dass die Halle angezündet wurde und das Brandbeschleuniger zum Einsatz kam. Aber das alles war nicht genug, um schon irgendjemanden an einer Aussage festzunageln und tief in Psyche und Beweggründe eines Menschen hineinzukommen. James störte sich gerade daran, dass er nicht die Bewegungsfreiheit hatte, die er als sich als Journalist nehmen konnte, und das obwohl er eher als Journalist denn als Polizist unterwegs war. Irgendwie war es eine vertrackte Situation, James war müde, wenig konzentriert, genervt von seinen Kameraden und der Uhrzeit und genervt davon, dass er auf einmal mitten in einem möglichen Mordfall war. So hatte er sich diesen Freitag ganz und gar nicht vorgestellt. Zudem hatte er an diesem Morgen schon zu viel Kaffee getrunken, zu viele Zigaretten geraucht und zu wenig gegessen. Der fallende Regen und das vom Dach laufende Wasser schwächte den Drang, pinkeln zu müssen, nicht gerade ab. Und dann gab Copper seine Informationen auch nur scheibchenweise her. Copper ahnte wohl selbst nicht, dass er damit ein geborener Lobbyist gewesen wäre. Müde notierte Doherty sich, den Nachtwächter nochmal einzuladen, sobald sie mehr Informationen hatten und Bilder von Verdächtigten, hielt dann den Stift weiter schreibbereit.

"In Ordnung, Mr. Copper. Dann beschreiben Sie uns doch bitte die Person. Dann können Sie ihre Show weiterschauen und noch ein Bierchen trinken, und wir können weiter unseren Job machen." Doherty war zudem angekotzt, dass Copper seine Fragen nicht beantwortete. Er stellte die Frage einfach nochmal "Und können Sie sagen, wie groß der Mob in etwa war?"
James brauchte eine Pause, und das obwohl er kaum gearbeitet hatte. Er füllte sich nass, kalt, leer und ausgelaugt. Warum auch immer. Er hatte doch sogar geschlafen, zumindest ein paar Stunden. Es kribbelte in den Fingern des ehemaligen Soldaten. Seine Medikamente vertrugen sich wahrscheinlich nicht mit so viel Nikotin und Koffein. Egal. Sie mussten die Befragung durchführen und dann schauen, was die Spurensicherung geschafft hatte. Sie brauchten mehr Input, mehr Infos. Aus Copper bekamen sie wohl vorerst nicht mehr raus, es sei denn, sie würden Ian von der Leine lassen. Aber das war eindeutig zu früh dafür.
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