Autor Thema: Sur Demande  (Gelesen 3428 mal)

Beschreibung: Wünsche und Erwartungen an das Szenario

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Menthir

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« am: 29.05.2013, 12:52:47 »
"So verschieden die äußere Bildung der Menschen ist, so verschieden ist auch ihre innere Natur, ihr Leben und ihre Wünsche." - Karoline von Günderrode

Ein Spielleiter hat häufig andere Ansprüche an das Spiel, welches er mit seinen Spielern teilt. Selbst ein Spieler lässt sich mit dem nächsten nur schwerlich vergleichen. Gerade in diesem Zustand relativer Anonymität (ich kenne nur einen Spieler persönlich, aber dennoch vorwiegend aus digitaler Begegnung) sind diese Vorstellungen noch schwer zu fassen und zu erkennen. Wir tauschen uns nur über die Schrift aus, die zwar gewisse Interpretationen zulässt und doch bar jeder Gestik und Mimik ist, Tonlagen und Erregung nur emulieren kann und uns vieler Methoden der Parasprache beraubt.

Deswegen bitte ich darum, dass Sorgen und Nöte geäußert werden, aber auch Wünsche formuliert werden. Freilich jedoch unter der Prämisse, dass dies kein reines Wunschkonzert ist, sondern immer in Verhandlung aller mit allen zustande kommen sollte, aber nicht immer kann. Diese Plattform soll nicht dazu anregen, alles zu verdammen, was einem zuerst unbequem vorkommen mag oder nur das Spiel alleine dem eigenen Gusto anzupassen. Es soll aber dazu anregen, anzuregen! Mich anzuregen und auch die Mitspieler anzuregen, in dem man das Spiel aktiv mitprägt, gleichwohl im positiven und meist konstruktiven Austausch.

Solche Wünsche und Anregungen können mannigfaltiger Natur sein und können sich im Laufe eines Onlinespieles, alleine durch seine Dauer, regelmäßig verändern. Das darf genauso nachverfolgt werden (muss jedoch nicht), wie auch der Spielleiter an diese Dinge erinnert werden muss. Beispielsweise wenn ich zu viele philosophische oder theologische Ergüsse von mir geben sollte, wenn ihr gerne zur Abwechselung wieder eine sehr bodenständige oder gar zünftige Szene hättet, die Fäusteschwingen oder zumindest ein anderes Gesprächsniveau beinhaltet.

Genauso gefragt sind jedoch auch Erwartungen an die eigene Person, falls sich jemand welche aufstellt und die im Laufe des Spiels zu erfüllen gedenkt. Vielleicht kann die Spielrunde dabei helfen. Ich erinnere daran, dass der Spielleiter hier bisweilen (innerhalb gewisser Regeln) weniger Macht als bei vielen anderen Spielern hat, und die Spieler eben diesen Anteil dazubekommen.

Um einen kurzen Beginn zu machen, fasse ich zuerst nochmal die Erwartungen zusammen, die ich an eure Charaktere bezüglich des Charakterbaus habe.

[Es ist] mir wichtig, dass lediglich drei Grunddinge eingehalten werden.
1. Es muss zumindest etwas mit der Zeit zu tun haben und reinpassen [...]. Also ich hätte ungern einen Neandertaler in der Gruppe. Ein Archäologe, der gerade im Neandertal forschte (der homo neanderthalensis wurde 1856 entdeckt, passt also in die Zeit) und jetzt in Frankreich eigentlich an der Cro-Magnon-Erforschung beteiligt ist, wäre dagegen wieder passend.
2. Dein Charakter muss Charakter haben, aber...
3. ...trotz aller Ecken und Kanten (er darf (und soll häufig auch) anderer Meinung als Spielwelt-NSCs und SCs sein), muss er trotzdem so gruppenkomtabil sein, dass ein Zusammenspiel stets möglich bleibt, frei nach dem vielleicht etwas zu romantischen Motto:

[1]
 1. Es ist keine Pflicht sich zu streiten und eben nicht gewünscht, Streit in der Art eskalieren zu lassen, dass der Spieler äußert, dass er nur so handelte, weil sein Charakter es nicht anders könnte. Konsequenz im Charakterspiel ist das eine, aber bitte nicht hinter eingebildeter Konsequnz verstecken. Gerade nicht, wenn die Szene eben keine zwangsläufige Konsequenz ist, weil sie beispielsweise in der ersten Begegnung gleich überschäumt. Hier erwarte ich ein gewisses Fingerspitzengefühl und im Zweifelsfalle eine Kompromißbereitschaft. Jeder soll das Recht haben, seinen Charakter auszuspielen und nur, weil man selbst einen autokratischen Grantler spielt, muss es nicht zwangsläufig bedeuten, dass die anderen Charaktere sich dem dann anzupassen haben. Anspielen und anspielen lassen heißt hier die Devise. :)

Und zum Abschluss die goldene Regel zum Charakterbau:

Spiele nur einen Charakter, auf den du Lust (welche Art von Lust, also ob positiv (weil du bspw. so einen Charakter mögen würdest) oder negativ (weil du so einen Charakter bspw. aus tiefsten Herzen hassen würdest) ist gleich) hast und in den du dich reinknien willst! :)
« Letzte Änderung: 31.05.2013, 13:19:59 von Menthir »
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Menthir

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« Antwort #1 am: 04.06.2013, 23:46:17 »
Der Spielleiter hat eine bescheidene Bitte, was die Gestaltung eurer Hintergründe in der Kurzbiographie angeht.
Jeder von uns hat wahrscheinlich schon unzählige Hintergründe geschrieben oder gegebenenfalls konzipiert. Manchmal mögen sie den Ansatz gehabt haben, das ganze Leben eures Schützlings in wenigen oder ausreichend vielen Worten darzustellen und manchmal ist eine sehr grob umrahmte Geschichte aus dem Leben eures Schützlings entstanden, welche ihn aber zutiefest geprägt hat.

Die typische Darstellung, wie wir sie auf dem Charakterbogen finden, lädt eigentlich zu fünf Episoden ein, die jede für sich einen Aspekt begründet. Dies ist an sich schon eine spannende Idee und lässt sich beim Charakter gut sehen. Doch ich habe in den letzten 18 Monaten Duzende dieser Darstellungen in der Hand und bin seitdem immer bestrebt, auch noch andere Ansätze für die Hintergründe zu wählen und diesmal möchte ich einen Ansatz aus meiner wissenschaftlichen Erfahrung wählen, den einer der Spieler unter euch auch schon beim ersten Mal angewendet hat (Alfred Nobel).

Ich möchte, dass eure Hintergrundgeschichtsteile in einer besonderen Form dargestellt sind. Mit Form meine ich nicht Format, sondern die Art und Weise der Darstellung an sich. Und zwar möchte ich darum bitten, dass eure Hintergrundteile als Ego-Dokumente dargestellt sind. Ich selbst habe meine erste Veröffentlichung über ein Egodokument geschrieben und habe mich im Laufe der Zeit relativ häufig mit diesem Typus der Überlieferung beschäftigt (alleine auch deswegen, weil ich auch Zeitzeugengespräche führe etc.). Dies brachte mich heute im Gespräch mit einem Kommilitonen auf die Idee, dies auch im Rollenspiel mal so zu probieren.

Ego-Dokumente können ganz unterschiedlich sein. Einträge in einem Tagebuch, ein Brief, ein Prozessbericht, in dem eine Aussage der Selbstwahrnehmung nachzuweisen ist. Der Wikipediaartikel wird euch das wichtigste zu diesem Begriff nahebringen. Im Idealfall besitzt jeder Charakter für seine fünf Hintergrundabschnitte ein unterschiedliches Ego-Dokument (bspw. ein Tagebucheintrag, ein Prozessakteneintrag, ein Testament, ein Brief und ein Gnadengesuch). Natürlich dürfen sich zwischen den Charakteren die Ego-Dokumentarten doppeln. Also jeder Charakter darf gerne einen Tagebucheintrag haben.
Wie ihr diese füllt und welche Arten ihr nutzt, das ist eurer Kreativität überlassen. Ich würde mich aber freuen, wenn ihr diesen Ansatz wählen würdet. :)

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List

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« Antwort #2 am: 05.06.2013, 18:34:46 »
Ich bin eigentlich recht angetan von der Idee eines Hintergrunds aus der Ego-Perspektive. Und ich verwende das "eigentlich" nur, weil es etwas mehr Aufwand und Hirnschmalz bedarf, um den Hintergrund auch gleich mit dem Innenleben des Charakters zu verbinden. Sollte sich aber lohnen.

Nun habe ich aber eine Frage, nämlich, wie sich die Charaktere in einer "Gruppe" zusammenfinden und wie viel gemeinsame Zeit angedacht ist. Ich frage deshalb, weil ich gerne mit Paul jeweils den halben Tag zur Verfügung hätte für "missionarische Arbeit" (das muss nicht unbedingt immer ausgespielt werden, ist aber wichtig für den Charakter).
« Letzte Änderung: 05.06.2013, 18:36:01 von List »
"Man muss auch das Allgemeinste persönlich darstellen."
- Hokusai

Menthir

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« Antwort #3 am: 05.06.2013, 18:49:47 »
Nun habe ich aber eine Frage, nämlich, wie sich die Charaktere in einer "Gruppe" zusammenfinden und wie viel gemeinsame Zeit angedacht ist. Ich frage deshalb, weil ich gerne mit Paul jeweils den halben Tag zur Verfügung hätte für "missionarische Arbeit" (das muss nicht unbedingt immer ausgespielt werden, ist aber wichtig für den Charakter).

Das können wir variabel handhaben. Es ist noch nicht abschließend geplant, wie ich das Zeitmanagement der Gruppe gestalte. Normalerweise leite ich immer relativ kurze Zeiträume und die dafür relativ intensiv, insofern könnte Paul seine missionarischen Arbeit wahrnehmen, ohne dass sich das weitergehend berührt (würde dann aber eine untergeordnete Rolle spielen, was ich an sich nicht möchte, wenn es für deinen Charakter so eine Rolle spielt - So durfte der Dozent Samuel Weissdorn auch eine Vorlesung beispielsweise in der zu beendenden Runde halte. :)). Wenn ich jedoch diesmal mehr Tage leite, dafür diese etwas weniger intensiv, werde ich das Zeitmanagement so aufstellen, dass Paul an jedem Tag seiner missionarischen Arbeit nachgeht. Ich werde es sicherlich nicht immer ausspielen, aber ganz sicher in der einen oder anderen Szene anspielen. :)
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Sébastien Moreau

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« Antwort #4 am: 17.06.2013, 20:57:40 »
Ein kleines, etwas spätes Feedback meinerseits:

Ich finde die Idee, den Hintergrund durch Ego-Dokumente zu gestalten, gut. :) Das gibt einem selbst als Spieler die Möglichkeit, mehr in das Innenleben des Charakters hineinzutauchen, und hilft, sich besser mit ihm identifizieren zu können - auch wenn diese Form natürlich komplizierter ist.
Der Rest der Gruppe wird es da mit seinen etwas gebildeteren Charakteren sicher ein Stück einfacher haben als ich mit meinem Proletarier. Dies ist natürlich kein Vorwurf oder eine Beschwerde, doch die ein oder andere Option wird durch diesen Umstand bestimmt wegfallen müssen. Ich bin selbst gespannt, wie ich das wohl realisieren werde.
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Menthir

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« Antwort #5 am: 17.06.2013, 21:19:02 »
Ein kleines, etwas spätes Feedback meinerseits:

Ich finde die Idee, den Hintergrund durch Ego-Dokumente zu gestalten, gut. :) Das gibt einem selbst als Spieler die Möglichkeit, mehr in das Innenleben des Charakters hineinzutauchen, und hilft, sich besser mit ihm identifizieren zu können - auch wenn diese Form natürlich komplizierter ist.
Der Rest der Gruppe wird es da mit seinen etwas gebildeteren Charakteren sicher ein Stück einfacher haben als ich mit meinem Proletarier. Dies ist natürlich kein Vorwurf oder eine Beschwerde, doch die ein oder andere Option wird durch diesen Umstand bestimmt wegfallen müssen. Ich bin selbst gespannt, wie ich das wohl realisieren werde.

Vielen Dank für das Lob. :)

Bezüglich der vielleicht geringeren Möglichkeiten kann ich dich beruhigen, denke ich. Ich arbeite gerne und viel mit Ego-Dokumenten und habe beispielsweise auch Selbstzeugnisse aller Art aus dem 30-jährigen Krieg betrachtet und bearbeitet, vor allem mit dem Fokus auf ländliche oder ungebildete Bevölkerung. Sicherlich ist die Quellenlage aus Gründen der großen Schriftunkundigkeit spärlicher, aber auf jeden Fall nicht weniger interessant. Wenn du Hilfe bei der Diversifizierung der Ego-Dokumente für deinen Charakter brauchst, bin ich dort auch gerne behilflich. Ich freue mich sehr auf die Ergebnisse. :)
Paul hat es für sich ja schon schön gelöst in den bisher behandelten Lebensstationen. :)
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Sébastien Moreau

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« Antwort #6 am: 17.06.2013, 21:39:40 »
Ich denke, der größte Ausschlussfaktor wäre beseitigt, wenn wir voraussetzen, dass Sébastien lesen und schreiben kann. Das würde vieles einfacher machen. Mit den Bildungsverhältnissen in Frankreich zu der Zeit bin ich nicht sonderlich vertraut, muss ich zugeben, da ich mich bisher auf England konzentriert habe, aber in Anbetracht dessen wäre es es für mich auch kein Problem, wenn Sébastien es nicht oder nur sehr schlecht kann.

Unabhängig davon bin ich für jede Hilfe dankbar, auch weil ich mir, gerade über die Art der Dokumente, die sich anbieten würden, nicht sicher bin. :)
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Menthir

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« Antwort #7 am: 17.06.2013, 22:16:33 »
Ich denke, der größte Ausschlussfaktor wäre beseitigt, wenn wir voraussetzen, dass Sébastien lesen und schreiben kann. Das würde vieles einfacher machen. Mit den Bildungsverhältnissen in Frankreich zu der Zeit bin ich nicht sonderlich vertraut, muss ich zugeben, da ich mich bisher auf England konzentriert habe, aber in Anbetracht dessen wäre es es für mich auch kein Problem, wenn Sébastien es nicht oder nur sehr schlecht kann.

Unabhängig davon bin ich für jede Hilfe dankbar, auch weil ich mir, gerade über die Art der Dokumente, die sich anbieten würden, nicht sicher bin. :)

Im 19. Jahrhundert kannst du ruhig annehmen, auch wenn du Sprachen jetzt nicht als Fertigkeit belegt hast, dass dein Charakter grundlegende Kenntnisse im Lesen und Schreiben, zumindest in seiner Muttersprache hat. Der Begriff Muttersprache ist auch in Frankreich natürlich schwierig, und das jetztige Französisch der Franzosen ist auch eine gewisse Nationalisierungsleistung, welche sich erst seit der französischen Revolution anschiebt. Diese schiebt jedoch auch die Notwendigkeit an, auch der einfachen Bevölkerung Lesen und Schreiben beizubringen, auch um sie bspw. politisch etwas verfügbarer zu machen (Flugblätter). Als städtische Franzose beschleunigt sich die Alphabetisierung durch Industrialisierung etc. und spätestens ab den 1860er ist die Alphabetisierung einer grundlegenden Fortschrittsmarker in ganz Europa. Als Teil der Landbevölkerung könnte man sicher über Illiteralität diskutieren, aber für unseren Fall sollte es problemlos sein, dass dein Charakter schreiben kann.
Als kurzen Einstieg in dieses Thema empfehle ich Jürgen Osterhammel - Die Verwandlung der Welt, ab Seite 1117 lässt sich in Auszügen (ein paar Seiten nicht freigegeben, aber die Tendenz ist erkennbar) über die Alphabetisierung im 19. Jahrhundert nachlesen.
Wir vereinfachen das aber und nehmen das bereits ausgebildete Französisch an, trotz der ganzen Dialekte und Sondersprache (wie Bretonisch). Sébastien darf also gerne Lesen und Schreiben können, wenn auch vielleicht nicht auf Nobelpreisniveau. :)

Ich gebe bisher nur einen Vorschlag, um zu zeigen, was ich mir vorstellen kann und nehme dafür ein für mich augenscheinliches Beispiel. Dein Aspekt "Meine Faust, mein Freund" ließe sich schön über ein Verhörprotokoll bei der Pariser Polizei beschreiben, in dem Sébastiens Selbstbild deutlich werden könnte, in dem er dem verhörenden Polizisten unverblümt seine Haltung zur Gewalt unter besonderen Umständen schildern könnte. Es könnte aber auch ein verdecktes Verhörprotokoll sein, bspw. durch einen lauschenden Polizisten, der in wörtlicher Rede wiedergibt, was Sébastien einem Vertrauten über das Nutzen seiner Faust beichtet. :)
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Sébastien Moreau

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« Antwort #8 am: 18.06.2013, 14:47:02 »
Danke. :)
Gut, dessen, dass Sébastien, wenn er des Schreibens mächtig ist, keine wortgewandten Abhandlungen schreiben kann, war ich mir bewusst. Aber ich denke, zumindest Grundkenntnisse wären praktisch, daher werde ich diese voraussetzen.
So etwas wie Tagebucheinträge würden bei Sébastien aus dem Rahmen fallen, aber gerade für den erwähnten Aspekt wurde sich ein Verhörprotokoll gut eignen, das finde ich auch. :)
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Menthir

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« Antwort #9 am: 18.06.2013, 15:50:37 »
Inwiefern fallen Tagebucheinträge aus Sébastiens Rahmen? Von seinem Typ her oder von seiner Schreibkundigkeit? Ich denke, dass die Qualität der Schrift kein Gradmesser des Willens einer Person ist, sich der eigenen Erlebnisse zu erinnern. Die meisten Menschen nehmen ja auch einen Fotoapparat mit in den Urlaub, obgleich sie keinerlei oder nur geringe Kenntnisse in der Photographie haben. :)

Als Beispiel für das Tagebuch eines jungen Mannes im 19. Jahrhundert kann Ferdinand Leeb: Erlebnisse eines Wanderburschen, 1875–1880 stehen. Dies ist sehr kurz, kann aber eben einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten geben.

Wenn das Tagebuchschreiben typmäßig nicht zu Sébastien passt, werden wir sicher genügend andere Möglichkeiten des Ego-Dokumentes finden. :)
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Sébastien Moreau

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« Antwort #10 am: 18.06.2013, 21:18:00 »
Entschuldige. Ich meinte damit, dass es weniger zu Sébastiens Typ passt, Tagebuch zu schreiben. Obwohl... Nun, akribisch regelmäßig würde er so eine Angewohnheit zwar nicht praktizieren, aber es wäre schon denkbar, dass er Ereignisse und/oder Gedanken, die sich von seinem alltäglichen Leben abheben und ihn in besonderer Weise beschäftigen, niederschreibt. Vielleicht passt dies ja doch besser, als ich im ersten Moment dachte.
Danke für den Link. Ich finde solche Quellen immer wieder interessant zu lesen. :)
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Sternenblut

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« Antwort #11 am: 19.06.2013, 13:18:20 »
Wie genau sich Samuel entwickelt, kann ich noch nicht abschließend sagen, obwohl ich einige spannende Ideen habe.

Ich würde aber unglaublich gerne Amelie Beauchamp einbringen - siehe aktueller Hintergrund, 31.12.1857, Silvesternacht.

Da sie ja nach Frankreich zurück gekehrt ist, würde das perfekt passen, und es würde Samuels stärksten inneren Konflikt ansprechen.
"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realismus." - Alfred Hitchcock

Menthir

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« Antwort #12 am: 19.06.2013, 13:19:54 »
Wie genau sich Samuel entwickelt, kann ich noch nicht abschließend sagen, obwohl ich einige spannende Ideen habe.

Ich würde aber unglaublich gerne Amelie Beauchamp einbringen - siehe aktueller Hintergrund, 31.12.1857, Silvesternacht.

Da sie ja nach Frankreich zurück gekehrt ist, würde das perfekt passen, und es würde Samuels stärksten inneren Konflikt ansprechen.

Das lässt sich doch einbinden. :) Ist notiert.
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Finster

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« Antwort #13 am: 19.06.2013, 14:31:06 »
Wird die bespielte Zeit in der Kampagne auch den 18. Januar 1871 beinhalten? Es wäre nicht unbedingt notwendig und ich kann auch nicht wirklich einschätzen, ob es nicht von der Kampagnenthematik an sich zu weit entfernt ist, aber mir wäre ein Herzenswunsch erfüllt, wenn Carl die Reichsgründung miterleben dürfte. Carl hat mir soviel Freude bereitet und da wollt ich einfach mal versuchen was für ihn rauszuhauen ;)
Iucundi acti labores

Menthir

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« Antwort #14 am: 19.06.2013, 15:28:24 »
Wird die bespielte Zeit in der Kampagne auch den 18. Januar 1871 beinhalten? Es wäre nicht unbedingt notwendig und ich kann auch nicht wirklich einschätzen, ob es nicht von der Kampagnenthematik an sich zu weit entfernt ist, aber mir wäre ein Herzenswunsch erfüllt, wenn Carl die Reichsgründung miterleben dürfte. Carl hat mir soviel Freude bereitet und da wollt ich einfach mal versuchen was für ihn rauszuhauen ;)

Entschuldige, aber die Frage will ich etwas ausführlicher beantworten, auch wenn ich das Ergebnis als Ausblick an den Anfang stelle.
Das wäre nur in einer Retrospektive möglich, insofern kann und werde ich es gerne aufnehmen. Allerdings wird die Szene nicht im laufenden Spiel vorkommen, da wir mit dem Beginn der Kommune starten werden.

Ich habe mir desbezüglich schon ein grobes Raster erstellt, wie ich die Tage abhandele, obgleich ich noch nicht sicher bin, ob ich eher einen großen Teil der Kommune abbilde oder wieder nur einen Auszug aus dem Ganzen. Das werde ich aber bis Ende des Monats entschieden haben. Ich bin auch am überlegen, erstmals mit einer Art Reißbrett zu arbeiten und die Geschehnisse genauer zu planen, auch wenn ich da natürlich unglaublichen Gefahren unterliege. Wahrscheinlich werde ich am Ende wieder ein einfaches Knotenpunkt-System nutzen. Also einfach nur mögliche Ausgänge darzustellen und trotzdem Raum für andersartige, nicht von mir bedachte Lösungen der Spieler zu erhalten. So bleibt immerhin das Wissen, dass andere Wege hätten auch gegangen werden können. :)

Was ich mir aber gut vorstellen könnte, wäre, wenn jeder Charakter als Einstiegsbeitrag eine Szene beschreibt (Länge nach Gutdünken), die für einen Charakter in jüngster Zeit (vielleicht innerhalb der letzten sieben Jahre) extrem prägend, tragisch oder voller nachgetrauter Euphorie gewesen ist. In diesem Sinne könnte Carl sich selbst in die Szene der Reichsgründung bringen, aber natürlich nur mit Einschränkungen, deren Rahmen ich im folgenden anreißen werde.

Von meiner Seite aus gibt es den grundsätzlichen Ansatz, dass ich in diesen pseudo-historischen Szenen versuche, die Charaktere am großen Ganzen teilhaben zu lassen, aber eben keine Stationen der wirklichen Geschichte nachzuspielen. Es gibt Verweise auf sie, aber keine Kopien oder modifizierten Fälschungen dieser Gemälde realer oder als plausibel bezeichneter Vergangenheit. Große Menschen können getroffen werden, aber letztendlich zeichnen wir nicht die Geschichte nach, sondern im Rahmen vorskizzierter Geschichte erzählen wir die Geschichte eurer Charaktere.
Wenn du im Rahmen von FATE jetzt daran teilnehmen möchtest, kannst du es gerne einbinden, aber um solche zentralen Szenen einzubauen, fehlt mir etwas die Motivation, der Pathos und alles wird überzogen von meinen Zweifeln und der Sorge, meinen eigenen historischen Anspruch (der allgemein gilt) ins Lächerliche zu ziehen mit solchen Darstellungen. Das heißt, Historie als Fundament und Nährboden für die Kampagne gerne, aber kein Nachspielen von Szenen.
Ich hoffe, man sieht mir die Entscheidung nach. Sie ließe sich sicher auch diskutieren (und ich mich damit überzeugen), aber ich denke, dass dieser Ansatz nicht ganz unsinnig ist, da schließlich die Spielercharaktere im Vordergrund stehen sollen und keine historischen Szenen per se.
Es könnte argumentiert werden, dass die Charaktere ja zentrale, integrale Elemente dieser besonderen Szenen (Reichsgründung im Spiegelsaal von Versailles oder in einem anderen Setting bspw. die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten oder eine zentrale Rolle in der Teilnahme der Treffen von Jalta und Potsdam etc. etc.) sein könnten. Diese Argumentation sehe ich aber nur ein, wenn die Charaktere Teile großer Massen sind und dort im Rahmen ihre eigene Geschichte entwickeln können. Aber ich habe nicht vor auf Krampf eine völlig abweichende alternate history zu schaffen, nur damit ein paar Spieler Hitler töten, JFKs Tod verhindern oder auf der "Gründungsurkunde" der USA stehen können. Genauso wenig will ich das Wirken großer und bedeutender Persönlichkeiter in einen Vordergrund rücken, auch wenn es manchmal sehr verlockend ist (und glaubt mir, Bismarck ist sehr, sehr verlockend.  :cheesy:). Und auch wenn es für die Charaktere verlockend ist, bei der Reichsgründung oder dem Unterzeichnen dabei zu sein, ändert dies meine Meinung bisher nicht.
Diese völlig abdriftenden alternate histories können auch sehr interessant sein, ist aber für die Rahmen unserer Runden nicht vorgesehen, da die aufgezeichnete Geschichte somit ihren Ansatz als Leitfaden durch die Welt wieder verlöre. Aber gerade darauf beziehen wir uns ja allenthalben, oder es war in der Vergangenheit zumindest von mir so konzipiert.
Zusätzlich interessiert mich weniger die Geschichte der hohen Herren, sondern die Geschichte eurer Charaktere. Umso beeindruckender finde ich dort die Leistung Alfreds, dessen Charakter weder wie ein leere Relikt der Geschichte wirkt, noch wie eine leere Hülle, die nur die Aufschrift und das Aussehen Alfred Nobels trägt, sich aber im Spiel wie jemandes benimmt. Da ist schon, trotz der Anklänge der alternate reality (das war eher, um die Angst am Setting zu nehmen und es nicht zu steif wirken zu lassen), sehr authentisch nach den Infos, die es über Alfred Nobel gibt. Und dennoch wirkt es nicht platt und wie ein eigenes Werk. Jetzt könnte man darüber diskutieren, wo ich da die Grenze ziehe, schließlich ist Alfred Nobel eine der großen Gestalten des 19. Jahrhunderts. Ich ziehe die Grenze in den Konsequenzen für den Lauf der Geschichte. Die Charaktere verändern Geschichte und schreiben eigene Geschichte, und doch werden sie den Lauf der Welt nicht komplett ändern (Wer darauf seine Hoffnung legt, den muss ich leider enttäuschen  :wink:). Alfred Nobel wird den Sprengstoffunfall Emil Nobels nicht verhindern können, weil es zentraler Part der nobelschen Biographie ist. Ebenso die Geschichte mit Bettina von Suttner, weil immer noch vermutet wird, dass sie eine maßgebliche Rolle in der Entstehung des Nobelpreises spielt. Das ist für mich die Grenze.
Da ergibt sich eben auch eine gewisse Furcht, dass solche Szenen ausarten. Carl darf also gerne Gast bei Zeremonie sein, ich werde sie aber nicht bespielen, weil es in ganz andere Richtungen gehen kann (und ich Spieler innerhalb von Szenen nicht zu Dingen zwingen möchte), gleichzeitig gibt es ein paar Zwänge. So kann Carl - trotz Fate - nicht bestimmen bspw. Bismarck oder Wilhelm zu erschießen, so unwahrscheinlich das Szenario für Carl jetzt auch ist.

Unsere Runden sind quasi biographische und hoffentlich spannende Auszüge der Lebensgeschichte der dargestellten Charaktere und in dem Rahmen spielen wir. Sie sind jedoch keine Superheldengeschichten von Captain Borussia, Gadget Nobel, Thousand-Face and so on. ;)
Sie sind Menschen im Strom der Zeit mit ihrem Möglichkeiten, Nöten, Zwängen, Problemen und Erfolgen. Und in diesem Rahmen würde ich es von meiner Seite aus gerne lassen, ohne euch hoffentlich damit einzuschnüren.

Verzeihe, dass ich deinen Beitrag dreist genutzt habe, um meine Gedankengänge dahinter zu offenbaren. :)

Edit: Mit einer Ausnahme! Einen historischen Charakter zu spielen, macht ihn nicht immun gegen das Sterben in meinen Runden. :)
« Letzte Änderung: 19.06.2013, 15:35:12 von Menthir »
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