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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 81624 mal)

Beschreibung: Die Seuche von Ansdag

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Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #615 am: 30.05.2018, 12:47:40 »
Da sich auch bei den anderen Zustimmung erkennen ließ, sagte Aeryn kurzerhand: "Also gut, dann lasst es uns so machen... vielleicht bringt uns das zumindest einen Schritt weiter."

Die Elbin machte sich also auf den Weg, um nocheinmal Jan aufzusuchen und sich bei ihm nach Uthers Aufenthaltsort zu erkundigen. Wahrscheinlich würde er es nicht genau wissen, aber zumindest einige Anhaltspunkte würde er ihnen schon geben können, hoffte sie.

"Jan! Wir müssen Uther finden. Es gibt Wichtiges mit ihm zu besprechen, wo er uns hoffentlich weiterhelfen kann. Kannst Du mir sagen, wo wir ihn am ehesten finden können?"

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #616 am: 01.06.2018, 15:14:11 »
Abdo, der während des Wortwechsels scheinbar teilnahmslos da gestanden hat, erweckt plötzlich zum Leben. In Wirklichkeit kann er den Gesprächen über Flüche, Magie und das Feuernetz immer noch nur bruchstückhaft folgen und versank daher in seine eigenen Gedanken, in denen er noch einmal zu ihrem ersten Zusammentreffen mit Ninae zurückversetzt ist. Der Name "Uther", den er aus dem Gespräch aufschnappt, weckte eine Erinnerung an das Geschwätz der jungen Frau, das er damals verständnislos aufgenommen hat. Nun jedoch treffen die Einzelteile in seinem Geist aufeinander und bilden schlagartig ein neues Bild.

"Was ist mit Uthers Schwester?" fragt er plötzlich und blickt in verwunderte Gesichter. "Sie hätte doch allen Grund, dem Abt zu grollen."

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #617 am: 01.06.2018, 19:10:08 »
Rogar wiegt den Kopf leicht. "Wenn sie die tatsächliche 'Berührte' ist, kommt zu dem Hass auch Furcht ums Leben dazu. Und dann könnte Uther sie auch wissentlich decken.", gibt er brummelig zu bedenken. Ihm selbst gruselt es regelrecht bei soviel Unehre, doch die jungen Menschen riskierten mit ihren 'Hexenjagden' auch eine erhebliche Ressourcenverschwendung. Da überrascht ihn sein Gedankengang auch nicht mehr. "Nid ydynt hefyd yn byw'n ddigon hir i weld a phrofi canlyniadau eu masnach. Er bod rhywfaint o amser hir yn meddwl yn rhyfeddol o dymor byr."[1], denkt er, Aeryn hinterherblickend.[2]
 1. 
Dain (Anzeigen)
 2. EDIT Gaja: Aeryn hat das Zelt bereits wieder verlassen, s. ihren Post oben.
« Letzte Änderung: 07.06.2018, 17:12:39 von Gaja »

Tristan

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Der Weihort
« Antwort #618 am: 01.06.2018, 21:18:46 »
"Jeg er fredelig", raunt Tristan seinem Weib zu. "Se, nu sker det for dig som mig på øerne: du er altid bekymret, jeg kunne sige noget galt eller gøre noget forkert eller endda starte en kamp lige nu."[1]

Dann wendet er sich an Kjartan. "Es beleidigt die Toten nicht, wenn man sich nimmt, was man selbst zum Überleben braucht. Wir auf den Inseln kennen die seltsame Sitte nicht, deren ihr auf dem Festland frönt, nämlich den Toten alles mögliche mit ins Grab zu geben, von Waffen über Hausrat bis hin zu Speis und Trank. Zum einen ist unser häufigstes Grab die See oder feindlicher Boden, da bietet sich so etwas gar nicht erst an, zum anderen gilt bei uns jedwede Verschwendung als Frevel. Es gilt in unserer Gemeinschaft das eherne Gebot: Unter Brüdern nimmt sich jeder nur das, was er braucht! Oder anders gesagt: wer etwas am dringendsten braucht, der soll es sich nehmen. Und der Tote braucht seine Sachen sicherlich am wenigsten."[2]

Nachdem das geklärt ist, fügt er ein wenig enttäuscht hinzu: "Ich hatte mir nur schon Hoffnungen gemacht, es gäbe hier in der Gegend vielleicht eine von Rûngardern gegründete Siedlung. In den letzten zwanzig Jahren gab es immer mal wieder Versuche, aber wir haben nie erfahren, was aus den Leuten wurde. Euer Sax hätte ein willkommenes Lebenszeichen sein können, doch bringt er wohl eher Todeskunde. Dieser Holmjar war nicht zufällig von den Inseln?"
 1. Värangsk: "Ich bin doch friedlich. Schau, nun ergeht es dir so wie mir auf den Inseln: du bist in ständiger Sorge, ich könnte etwas unpassendes sagen oder tun oder würde gar gleich einen Streit anfangen."
 2. Die Toten zählen in Dalaran als Mitglieder der Gemeinschaft.
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« Letzte Änderung: 02.06.2018, 10:30:26 von Tristan »

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #619 am: 02.06.2018, 13:05:52 »
Mit Rückfragen über den möglichen Fokus konfrontiert, ärgert Freydis sich, dass sie diese nicht zu beantworten weiß. Zweifellos hat Undis ihr wesentlich mehr darüber erzählt als das Wenige, an das sie sich jetzt erinnert! Etwas über die Beschaffenheit eines solchen Fokus zum Beispiel, so entsinnt sie sich dunkel. Musste der Fokus vielleicht etwas besonders Wertvolles sein? Oder eine magische Substanz? Etwas, dass dem Berührten sehr am Herzen lag? Ein Tieropfer? Ach, es will ihr einfach nicht einfallen.

Weil sie es damals nämlich gar nicht hat wissen wollen. Die eigenen Kräfte machten ihr (ganz zu schweigen von den Mitmenschen) auch so schon Angst genug, waren so schon schwer genug zu bändigen, als dass sie sich auch noch mit Flüchen befassen wollte. Die Finger davon lassen, wie die alte Lehrmeisterin ihr dringend riet, das würde sie, und da wäre es besser, man wusste gar nicht erst so genau, wie die Sache überhaupt funktionierte! Deshalb hat sie damals nicht richtig zugehört, als Undis ihr alles über Foki erzählte.[1]

Aber das will sie hier in der Runde natürlich nicht zugeben.

Rogars Frage nach Aufzeichnungen erntet einen derart verwirrten Blick Solveigs, dass dem Dain abermals bewusst wird, wie wenig er über die Welt der Menschen weiß. Gut, er hatte daheim auch einmal einen Lehrmeister gehabt, der sich darüber mokierte, bei ihnen werde noch jeder Furz festgehalten—in Stein für alle Ewigkeit—wenn die Person, der er entfleuchte, auch nur halbwegs angesehen war. (Wenn Rogar sich recht erinnerte, folgte dieser Spruch als Ermahnung auf eine abfällige Rede eines Schülers—war es nicht gar seine eigene gewesen?—über die Elben, welche, obwohl sie von den Dain die Schrift erlernt hatten, diese nur so selten anwandten. Stattdessen lebten sie frivol in den Tag hinein![2]) Was Rogar daraus jetzt als Lehre ziehen kann: offenbar ist sein Volk auch darin einzigartig, nämlich in seiner Sorgfalt, um nicht zu sagen Akribie, alles schriftlich festzuhalten, sei es Wissenschaft oder Historie.

"Aufzeichnungen?" echot die Heilerin. "Nein, also, außer den Mönchen selbst macht hier niemand Aufzeichnungen. Wozu auch? Es erinnert sich jeder hier im Ort, der es miterlebt hat, nur allzugut an jene, die der selbstherrlichen Willkür des Abtes zum Opfer fielen. Uther wird euch Auskunft geben können, da ihr ihn sowieso aufsuchen wollt, oder auch jeder andere im Ort, der sich der Vierzig nähert."[3]

Abdos Frage dagegen lässt sie erblassen. (Dabei ist sie wahrlich schon blass genug.)

"Uthers Schwester? Woher wisst ihr—" Solveigs Blick geht zu den fünf Heilerinnen hinüber, die noch immer mit ihrem Zaubersang beschäftigt sind, und senkt dann abermals die Stimme. "Woher auch immer: sie ist keine Berührte, kann gar keine sein, wie ich doch erklärte: weder Fee noch Feenspross kann mit dem Feuernetz etwas anfangen, ihre Magie ist die der Erde, ist natürlich, das Netz aber künstlich. Wieso Menschen oder auch Zwerge—Verzeiht, ich meine natürlich Dain—geboren werden, die sich dazu hingezogen fühlen, weiß ich nicht, jedenfalls kommt es bei den Elben nicht vor oder nur bei solchen, die Menschenblut beigemengt haben, und dasselbe gilt für die Kolkar, unter denen es menschen- wie auch zwergenblütige Berührte gibt."[4]

Für dieses Wissen sieht sich die Heilerin wohl mit etlichen erstaunten Blicke konfrontiert, weshalb sie errötend erklärt: "Mein Va—Lehrmeister kennt sich damit aus. Sein Großvater erinnerte sich nämlich noch gut an die Zeiten, und konnte ihm davon berichten, bevor es das Feuernetz gab. Jedenfalls bringt nur Zwergen- oder Menschenblut Berührte hervor."

Auch dies sind seltsame Behauptungen in Freydis' Augen. Wie, das Feuernetz gab es nicht schon immer? Aber klar, wenn es tatsächlich erschaffen wurde, dann muss es ja eine Zeit davor gegeben haben. Aber so kurz soll das erst her sein, dass Solveigs Urgroßvater sich daran erinnert? Da scheint ihr etwas nicht zu passen. Zu Zeiten des Propheten gab es schon Berührte, was um die dreihundert Jahre her ist, und schon lange davor, wenn ihre Bücher nicht allesamt lügen.

"Jedenfalls ist Uthers Schwester keine Berührte und wäre außerdem zu einer solchen Tat auch in jeder anderen Hinsicht nicht fähig", bekräftigt Solveig abschließend.

~~~

Draußen muss Aeryn sich erst einmal in alle Richtungen umschauen, denn der Gesuchte steht keinesfalls mehr dort, wo sie ihn zurückließ, doch bald entdeckt sie ihn in der Nähe einiger Büsche. Zu ihm hingeeilt, platzt sie sogleich mit ihrer Frage heraus, und erkennt erst danach, warum Jan die Nähe der Büsche aufgesucht hat.

"Uther?" antwortet er jedoch völlig ungerührt. "Nun, ich würd's mal bei ihm daheim probieren. Das fürstliche Familiengut liegt ein Stück weit außerhalb von Ansdag, Richtung Süden."

 1. Das hätte es für ne 20 gegeben, aber der Wurf war ja bloß eine 19...
 2. Die Elben haben die Schrift NICHT von den Zwergen gelernt, die Zwerge bilden sich dies nur ein. Zumindest einige Zwerge.
 3. Verstehe nicht, worauf Du Dich hiermit beziehst: "Auch wenn er versteht, dass die Begeisterung nicht groß ist, dass Kind eines anderen großzuziehen, das Leben der Frau und des Kindes so zu verschwenden wie beschrieben findet er ziemlich abstoßend."
 4. EDIT: bei den Kolkar kann es Zwergen- oder auch Menschenmischlinge geben.
« Letzte Änderung: 02.06.2018, 18:50:14 von Gaja »

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #620 am: 02.06.2018, 14:08:59 »
Mit gerunzelter Stirn hört sich Lîf die Aussagen der anderen und die Auskunft Solveigs an. Der junge Rotschopf wirkt sehr ernst. Nur bei der Antwort Tristans auf ihre Mahnung muss sie kurz schmunzeln und streicht sich eine vorwitzige Haarlocke aus der Stirn. Sie piekt ihrem Mann verstohlen grinsend einen Finger in die Seite, wispert: "Hold kæft!, ikke alle må vide!"[1] und scheint sich für einen Moment in ein unbeschwertes Mädchen zu verwandeln, dem der Schalk aus den Augen blitzt. Doch das ist nur vorübergehend: Einen Herzschlag später ist das muntere Feuer in ihren Augen wieder erloschen, und sie grübelt über das Gehörte.

Solveigs Reaktion auf die Erwähnung von Uthers Schwester lässt sie die Heilerin sehr eingehend mustern. Nachdenklich streichelt sie dabei ihre langen, schweren Zöpfe. Dann kräuseln sich kurz ihre Lippen, doch sie sagt nichts dazu, sondern wendet sich an die anderen: "Bestimmt wird uns ein Gespräch mit Uther einige unserer Fragen beantworten helfen. Außerdem wäre es vielleicht ganz gut, sich auf dem Weg zu ihm aufmerksam umzusehen – ihr habt ja gesehen, dass sich solches Übel unweigerlich auch an Pflanzen und Tieren bemerkbar macht. Nur sollten wir uns auf jeden Fall beeilen, denn wie jedes Geschwür wächst auch dieses... und die Heilung wird schwerer, je weiter es vorangeschritten ist."
 1. Värangsk: Still, das muss nicht jeder wissen!
« Letzte Änderung: 02.06.2018, 19:26:49 von Lîf »

Freydis

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Der Weihort
« Antwort #621 am: 03.06.2018, 01:01:45 »
Plötzlich sind Freydis` Augen wieder fast himmelblau und nur mit Mühe kann sie sich davon abhalten die Stimme zu heben so dermaßen regt sie die ungeheure Ungerechtigkeit auf die in den Worten der Heilerin steckt.
"Hingezogen fühlen?" zischt sie Solveig an. "Hingezogen? Glaubst Du ernsthaft wir hätten eine Wahl? Glaubst Du wir haben es uns ausgesucht gefürchtet und gehasst zu werden weil wir andauernd eine latente Bedrohung für uns selbst und andere sind? Nicht wir sind es die das Netzt berühren, es berührt uns! Und wie kann dein Großvater von einer Zeit vor dem Feuernetz faseln, wo es Berührte gibt seit Askyrs Zeiten, seit Jahrhunderten, vielen Jahrhunderten gibt.  Nicht einmal Elben[1] oder Dain werden so alt!"
Offensichtlich um Fassung bemüht atmet sie tief durch und fährt in normalerer Stimme fort ehe die Heilerin sich und ihren Ahnen verteidigen kann. "und wenn Uthers Schwester keine Berührte ist, weißt Du dann von anderen Berührten hier in der Gegend? Leuten, die fürchen mussten von dem Abt bei lebendigem Leibe verbrannt zu werden wenn er herausgefunden hätte was sie sind? Denn wenn wir den Fluch brechen wollen müssen wir den Fokus finden und dazu müssen wir wissen wer den Fluch gewirkt hat. Ich halte es übrigens für wahrscheinlich, dass derjenige nie beabsichtigt hat den Fluch über den Abt hinaus wirken zu lassen, für mich sieht das so aus als hätte jemand in Wut oder Angst die Kontrolle über den Fluch verloren, mit furchtbaren Folgen. Zumal er oder sie bestimmt kaum ausgebildet oder trainiert ist." Sie erinnert sich an die vielen, vielen Stunden die sie über Jahre mit Undis daran gearbeitet hat ihre Gabe kontrollieren zu können, das furchtbare Erlebnis mit dem Gewitter und adere Gelegenheiten bei denen sie, wenn auch nur kurz, die Kontrolle verloren hat und ihr schaudert bei dem Gedanken an den Schaden den ein Berührter ohne solches Training gänzlich unbeabsichtigt anrichten könnte. So jemand wäre eine Gefahr für sich selbst wie für alle anderen in seinem Umfeld. "Wie ein Krieger, der im Griff starker Emotionen nicht zu kontrollieren vermag gegen wen er sein Schwert richtet." gehen ihr Undis`Worte durch den Kopf während sie ein Gefühl der Dankbarkeit für die alte Berührte durchströmt. 
 1. EDIT Gaja: ElBBBBBBBBBen
« Letzte Änderung: 04.06.2018, 18:10:39 von Gaja »
"The storm is up, and all is on the hazard."

William Shakespeare, Julius Cæsar (1599), Act V, scene 1, line 67.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #622 am: 04.06.2018, 18:14:33 »
Solveigs Augen verengen sich während Freydis' Wutausbruch. Als die Berührte endlich fertig ist, schweigt die Heilerin zunächst. Sie könnte jetzt natürlich das offensichtliche sagen. Sie könnte darauf hinweisen, dass sie es sich ebensowenig ausgesucht hat, so geboren zu werden, wie sie es wurde, und dafür gefürchtet und gehasst zu werden. Doch sie begnügt sich mit einer Klarstellung.

"Ob Berührte oder Feenbalg, Kräuterweib oder Baumschwester, Dämonenanbeterin oder Geisteskranke, glaubst du, Halfir hätte da einen Unterschied gemacht? Sorens dritte Frau war keins davon und fiel seinem flammenden Eifer zum Opfer! Die Diener des Einen sehen Unterschiede, wo sie sie sehen wollen, und nirgends sonst. Die Schwestern dort"—ein verstohlener Blick geht zu den Heilerinnen hinüber—"vermeinen im Ernst, es sei etwas völlig anderes, was sie dort tun, als wenn Lîf oder ich dasselbe bewirkten. Nur Zauber nennen sie es nicht, denn Zauber sind böse. Sie dagegen sprechen Gebete oder erflehen die Gnade des Einen oder bitten um ein Wunder, welches Er ihnen dann gewährt. Von daher kann ich wirklich nicht sagen, wer hier in Ansdag sich mehr als andere vor dem Abt gefürchtet hat, denn jedes Weib hatte Grund dazu und manch ein Mann! Und offenbart hat sich mir auch kein Berührter, denn wer in dieser Gegend würde es schon wagen? Dem engsten Familienkreis vielleicht, wenn überhaupt!

Und wenn dich das Wort 'hingezogen' so sehr stört, dann bedenke, dass ich mir natürlich nicht vorstellen kann, wie es ist, berührt zu sein, und daher zu einem Wort greifen musste, das meiner eigenen Erfahrung entstammt. Das ist wirklich kein Grund, mir ins Gesicht zu springen."


Eine zweite Sache hatte Freydis missverstanden.

"Nicht mein Großvater, sondern der Großvater meines Lehrmeisters hat diese Dinge noch miterlebt und seinem Enkel davon erzählt. Und ja, es gibt Wesen, die älter werden als Elben oder Zwerge. An die Zeiten lange vor Askyr erinnerte er sich, vor den ersten Berührten, vor Erschaffung des Feuernetzes. Wie lange das her ist, kann ich leider nicht sagen, denn Zeit ist etwas, das die Langlebigen ganz anders empfinden als wir. 'Viele, viele Wechsel ist es her' kann bei ihnen alles heißen: vor fünfzig Jahren, vor dreihundert, vor tausend. 'Noch bevor das Land auseinanderbrach', erklärte er stattdessen, 'bevor Ha-iadok im Meer versank'. Das sagt mir aber leider nichts und mein Lehrmeister will mir auch nichts weiter dazu erklären. 'Vergangen und vergessen', wehrt er bloß ab, 'und hat auch nichts mit den Dämonen zu tun. Um die müssen wir uns kümmern, nicht um alte Geschichten."

Ihren Zuhörern sagte 'Ha-iadok' und 'bevor das Land auseinanderbrach' genausowenig wie Solveig mit einer Ausnahme: Rogar von den Dain. Denn in Geschichtsschreibung sind die Dain, und waren es seit jeher, Meister. Leider hat Rogar selbst, so sehr er auch mit dieser Errungenschaft seines Volkes prahlt, sich selbst noch nicht so recht mit dem Studium der Geschichte befasst, sodass er wirklich nur das allgemeinste Wissen in dieser Hinsicht besitzt.

Immerhin reicht dies für folgende Erkenntnis: dass mit Ha-iadok ja wohl das historische Land gemeint sein muss, welches bei ihm daheim als Hakad bekannt ist. Die Hakadi, wie sie bei den Dain hießen (die Menschen machten daraus die Akadier), waren seinerzeit, neben den Elben, Riesen und den Dain, die vierte große Kultur, als die Menschen sich noch in Felle kleideten, als Werkzeug gerade einmal den Faustkeil kannten, und sich gegenseitig mit Holzkeulen die Köpfe einschlugen. (Hier nur eine leichte Übertreibung. Tatsächlich besaßen die Menschen damals schon Bronzewaffen und diverse Gerätschaften und wussten auch bereits, wie man Stoffe webte.) Vor zweieinhalb bis drei Jahrtausenden jedenfalls verschwanden die Hakadi dann mit einem Schlag aus der zwergischen[1] Geschichtsschreibung, als ihr Land im Meer versank.

Und die Hakadi waren nicht die einzigen, die der Zorn der Natur damals traf. Ganz Dalaran wurde von Erdbeben geschüttelt, Vulkane brachen aus, Erdspalten öffneten sich, Höhlensysteme stürzten ein, schreckliche Fluten setzten Flachland unter Wasser, Küsten brachen fort, neue Gebirgsketten drückten aus dem Boden, neue Inseln entstanden. Denn als das Meer ganz Hakad mit Mann und Maus verschluckte, lugte hernach, als einzige Überbleibsel dieses weiten, mächtigen Landes, nur noch Albion und die Rûngard-Inseln aus dem Wasser. Und wenn Rogar sich recht erinnert, dann gibt es einige unter den zwergischen Historikern, auch wenn es nicht die Mehrheitsmeinung ist, diese Katastrophe, die geschätzte zwei Drittel der dalaranschen Landmasse vernichtete, sei durch das Feuernetz erst ausgelöst worden.[2]
 1. Auch wenn es Rogar ärgert: im Erzähltext (gelegentlich auch in Äußerungen) bleibe ich bei der Bezeichnung Zwerge. Es ist einfach zu anstrengend, immer daran denken zu müssen, dass die Dain lieber als Dain bezeichnet werden wollen, und Dain lässt sich auch so überhaupt nicht vernünftig deklinieren.
 2. Das alles gibt es für Geschichte ungelernt, also = 10.
« Letzte Änderung: 06.06.2018, 11:25:07 von Gaja »

Abdo al'Mbabi

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Der Weihort
« Antwort #623 am: 06.06.2018, 13:55:50 »
Abdo schwirrt einmal mehr der Kopf, als die Frauen mir Begriffen wie Berührte, Feuernetz und Feenbalg um sich werfen. Für den Ya'Keheter ist es einerlei, wie sie ihre Kräfte nennen und woher sie sie beziehen - es gibt sie offensichtlich (im Gegensatz zu seiner Heimat) und das genügt ihm. Als es um die Schwestern geht, scheint ja auch Solveig eher der Meinung zu sein, dass Zauber Zauber ist, egal wie man es nennt.

Daher überzeugt ihn Solveigs Aussage, wenn auch mit Vehemenz getroffen, dass Uthers Schwester nicht verantwortlich für den Fluch sein kann, auch nicht wirklich. Wieso soll das nicht möglich sein, nur weil sie Feenblut (was das sein soll, hat Abdo ebenfalls nicht verstanden) in sich trägt? Schließlich ist ihre Mutter ein normaler Mensch, und wieso sollte sie die Fähigkeit nicht von deren Seite geerbt haben. Ohnehin scheint Solveig in dieser Angelegenheit nicht neutral zu urteilen, doch Abdo beschließt, wegen ihrer Verbindung zu Uthers Schwester vorerst nicht nachzubohren; es scheint ihm nicht zielführend zu sein.

Denn egal, ob sie beteiligt ist, Uther selbst oder sonst jemand aus der Familie: Den Prinzen selbst aufzusuchen ist wohl kaum die schlechteste Wahl. Und so stimmt er den anderen schließlich zu.
"Wohl denn, dann lasst uns Uther aufsuchen. Doch eines wisst: Ihr werdet mich nicht davon abhalten, mit euch zu gehen! Zumindest nicht, ohne mich an Händen und Füßen zu fesseln - und dagegen werde ich mich wehren."

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #624 am: 07.06.2018, 16:30:26 »
Als Rogars Idee mit 'Uthers berührter Schwester' abgeschmettert wird, zeigt er keine Reaktion. Es war seiner Ansicht sowieso grenzwertig, Anschuldigungen auch nur verbal zu formulieren, wenn man zu wenig Wissen hat. Über den Mangel an Aufzeichnungen schüttelt er nur leicht den Kopf und versucht sich zu erinnern, ob er im Kloster etwas mitbekommen hat, was auf ein Strafregister hindeutet.

Als die Berührte der Gruppe ausfallend wird, nimmt Rogar einen Schritt Abstand und beobachtet genau, auch wenn er sich relativ sicher ist, Nebeneffekten ihrer Magie widerstehen zu können. Nur ist er eben verletzt. Außerdem interessiert es ihn, wie Menschen mit Angriffen auf die Ehre umgehen, bisher wirkten sie eher nachlässig. Mit den nun hochschaukelnden Emotionen wirkten sie wie eine Schar Jungdain auf ihn.[1] Die Worte des dunkelhäutigen Gruppenführers wirken ebenfalls angespannt und wenig hilfreich, seiner bescheidenen Meinung nach.

Mit einem Räuspern versucht er sich Gehör zu verschaffen. "Kommt, etwas ruhiger bitte! Fräulein Solveig, gerade, wenn man unwissend jemanden verletzt hat, kann man es zurücknehmen oder sich entschuldigen. Fräulein Redwaldsdottir, nachdem sie sich erklärt hat, könnt ihr eure Verärgerung zügeln und euren Ton entschuldigen?" Er zögert kurz, dann ergänzt er: "Einen Teil von eurem Wissen kann ich bestätigen. Zweiundzwanzig Generationen brach das Land auseinander und ein Kontinent versank. Die Katastrophe forderte etwa Zweidrittel der bekannten Landmasse und erschuf nur einige neue Inseln. Ebenso verschwand ein Volk." Bei letzterer Aussage bleibt ein grübelnder Blick auf Solveig, bevor er sich Abdo zuwendet: "Sicher ist Eile geboten, da sich der Fluch weiter ausbreitet, aber die Heilerinnen bestehen auf unser Hierbleiben. Eine Trennung ist im Anbetracht der Überfälle, die auch in näherer Umgebung stattgefunden haben, gefährlich."
 1. EDIT Gaja: Aeryn ist schon längst wieder aus dem Zelt gelaufen, s. ihren Post ganz oben.
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« Letzte Änderung: 07.06.2018, 17:15:01 von Gaja »

Kjartan

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Der Weihort
« Antwort #625 am: 08.06.2018, 10:57:31 »
Kjartan nickt Tristan zu und deutet ein entschuldigendes Lächeln an. "Gut, dass Ihr das so seht. In meiner Gegend wird es anders angesehen und es ist verpönt, sich der Sachen der Toten zu bemächtigen. Daher reagiere ich vielleicht etwas gereizt. Bitte entschuldigt! Aber über Holmjar kann ich weiterhin nur Wages berichten. Er hat von seiner Vergangenheit nur in Andeutungen gesprochen. Er sagte, er sei von den Inseln. Das stimmt also. Aber er sagte nicht, dass er sich hier niederlassen wollte. Im Gegenteil, er schien so viel Abstand zwischne sich und den Inseln bringen zu wollen, wie möglich. Er sprach schlecht von seiner Familie und den Menschen von den Inseln überhaupt. Er war rastlos und ohne einen Ort, an dem er sich heimisch fühlte. Vielleicht haben wir uns deshalb so gut verstanden. Beizeiten wirkte er sogar verwirrt auf mich. Ich frage mich, welche Schrecken er gesehen haben mochte. Er schien den Kampf gegen die Kholkar seiner Heimat vorzuziehen, ist das nicht seltsam? Aber er war ein tapferer Krieger, ein selbstloser Gefährte und ein guter Freund. Er fehlt mir sehr. So kurz ich ihn auch gekannt habe. Ich bedaure sehr, dass ich ihn mitten in der Wildnis begraben habe und nicht einmal die Stelle weiß. Bestattet man Eure Leute überhaupt? Werden sie nicht verbrannt?"

Tristan

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Der Weihort
« Antwort #626 am: 11.06.2018, 13:56:11 »
"Was macht es, wo seine Gebeine verscharrt liegen?" fragt Tristan, ehrlich erstaunt."Er selbst wird in der Halle der Krieger sein und sich auf die letzte Schlacht vorbereiten, und dazwischen sitzen sie schmausend beisammen und stoßen auf die Zurückgebliebenen an—also auch auf dich—mit Met und gutem Bier."

Kjartan und er finden sich an den Rand der Gruppe gedrängt, da Freydis und Solveig und auch Rogar plötzlich mehr Platz einzunehmen scheinen. Tristan sieht aber keinerlei Grund dazwischenzugehen.

Nach den rûngardschen Bestattungsmethoden gefragt, antwortet er bereitwillig: "Das kommt darauf an. Wer nicht auf See oder in der Fremde stirbt, aber auch keinen eigenen Wunsch geäußert hat, der wird halt irgendwo verscharrt oder, ist der Boden gefroren, auf See bestattet. Feuerbestattungen kommen auch vor, aber selten, denn Holz ist knapp bei uns. Dann gibt es manche, die an einem bestimmten Ort liegen wollen. Oder es will einer in einem Boot auf Wasser verbrannt werden, um sowohl Hai als auch Wurm zu entkommen. Ein anderer wünscht, seine Leiche möge auf die Klippen gelegt werden, auf dass die Seeadler sich an ihr laben, in der Vorstellung, diese könnten seine Seele danach gleich ein Stück weit mit in die Lüfte nehmen und sie müsse also nicht den Weg durch die Wolken allein bezwingen. Wie sind wir auf das Thema gekommen?"

Jedenfalls hat Kjartans Frage gezeigt, dass er wohl kein Anhänger des Einen war, auch wenn er offenbar eine ganze Weile in ihrem Kloster verbrachte. Zu unschuldig klang seine Frage nach der Feuerbestattung, welche unter den Pfaffen ein böser, heidnischer Brauch gilt. (Hexen aber werden verbrannt im Namen des Einen—man muss nicht verstehen, wie das in ihren Köpfen einen Sinn ergibt.)[1]

"Dein Kamerad Holmjar scheint jedenfalls nicht von Jarlsö, Seeholm oder Ingla zu stammen, denn in den letzten Jahren hat sich dort kein junger Bursche mit seiner Familie überworfen und zum Festland hin abgesetzt. Ach, jetzt weiß ich wieder, wie wir auf das Thema kamen: ihn selbst wird es kaum reuen, in der Wildnis in Gajas Schoß begraben zu sein, fernab von den Totengärten des Einen. Und wenn er noch so schlecht von der Heimat spricht, wird er doch unsere Lebensart und in den meisten Dingen auch unsere Ansichten geteilt haben.

Wenn man nur einen Denkfehler in den Lehren der Pfaffen finden wollte"
, so schließt er nachdenklich, "dann wäre das für mich, dass sie zu viel Pomp und Wirbel um den Tod veranstalten, als sei dieser etwas, das es zu feiern gelte, und nicht das Leben. Was leugnen sie auch, dass die Seele des Verstorbenen noch unter den Seinen verweilt, bis er sich sicher ist, sie kommen ohne ihn zurecht? Was leugnen sie, dass die Ahnen noch immer Teil unserer Gemeinschaft sind, uns weiterhin leiten und begleiten, nicht anders, als lebten sie noch? Zählt nicht ein Leben voller Taten mehr als der Tod?"
 1. Entschuldigt die Wiederholung, will nur Kjartan darauf aufmerksam machen.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #627 am: 11.06.2018, 14:17:23 »
Als Rogar sowohl Solveig als auch Freydis zurechtweist wie zwei kleine Kinder, lässt Solveig tatsächlich von Freydis ab und wendet sich stattdessen ihm zu. Ihre Stimme, die längst wieder ruhig und sachlich geworden war (statt erbost gezischt), hebt sich nun.

"Vielen Dank für Eure Meinung, werter Herr Rogar, auch wenn ich sie nicht teile. Vielmehr stimme ich in diesem Fall den weisen Worten Javruds, unseres Propheten mit vollem Herzen zu: 'Es möge niemand seinen Eifer darauf verwenden, Anklage oder Verletzung in Worten zu suchen, die freundlich oder sachlich gesprochen wurden, denn mit rechtem Willen wird man stets einer solchen fündig, und seien die Worte noch so unschuldig oder hilfsbereit gemeint.' Doch nicht einmal er hat den blutigen Sippenfehden ein Ende bereiten können, denn auf nichts verstehen sich die Leute in Dalaran besser, als Verletzungen zu wähnen, wo keine beabsichtigt waren, und ihr Dain scheint uns Menschen darin ebenbürtig. Doch ich sage: Es liegt nicht an dem Unwissenden, jedes Wort zu vermeiden, an dem vielleicht ein anderer Anstoß nehmen könnte, denn jedes einzelne Wort unserer Sprache könnte bei einem so Gesonnenen Anstoß erregen. Sollen wir deshalb nur noch schweigen? Doch halt, auch daran nähme jemand Anstoß! Außerdem weiß ich nicht, wie bei Euch eine Entschuldigung aussieht. Reicht nicht meine bereits gegebene Erklärung, es nicht bös' gemeint zu haben?

Im übrigen sind Fräulein Redwaldsdottir und ich bereits erwachsen und haben dazu in unserem Leben eine jede schon so manche Herausforderung gemeistert, an der andere kläglich scheiterten, daher werden wir es wohl schaffen, auch unser kleines Missverständnis ganz unter uns aufzuklären. Sollten wir aber Gefallen daran finden, uns noch eine Weile lang weiter zu streiten, in welcher Lautstärke auch immer, so ginge Euch dies dennoch nichts an. Was fällt Euch ein, uns wie Kinder zu behandeln? Das hier ist mein Grund und Boden. Wenn hier also jemand das Recht hätte, einen anderen zu ermahnen oder belehren, dann ich."


So wütend hat noch niemand die Heilerin gesehen. Beide Arme hat sie in die Hüfte gestemmt, ihr Gesicht ist gerötet und die Wolfsaugen blitzen vor Zorn. Lîf, die neben ihr steht, meint gar zu spüren, wie sich die Luft um Solveig herum merklich abkühlt, als würde sie die Hitze daraus entziehen und in sich selbst sammeln.

"Ist hier alles in Ordnung?" fragt da Schwester Hildegerd in ihre Runde.

Unbemerkt von jenen, deren Aufmerksamkeit auf den kleinen Streit gelenkt war, haben die drei Schwestern mit ihren Novizinnen den Zaubersang, oder vielmehr ihre Ansingung des Einen (oder wie auch immer sie selbst es nennen wollen), beendet und Hildegerd hat wieder Zeit für die Gefährten. Sie sieht allerdings noch erschöpfter aus als zuvor.

"Waren hier noch Fragen offen?"

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #628 am: 12.06.2018, 06:52:29 »
Aeryn hatte sich bei Jan nochmals bedankt und wieder den Weg zu den anderen gefunden.

"Also, wahrscheinlich finden wir Uther auf dem Familiengut. Das befindet sich im Süden von Ansdag. Wegen mir können wir aufbrechen und nachsehen, ob er dort ist. Vielleicht gibt es dort auch einen Schmied, der mit mit ein paar Pfeilspitzen aushelfen könnte."

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #629 am: 12.06.2018, 10:30:22 »
Der aufkommende Streit, der so spürbar in der Luft liegt, lässt Lîf die Stirn runzeln. Alles können sie jetzt gebrauchen, nur nicht Zwist und Hader! Bei den Mannsleuten immerhin klärt sich die Angelegenheit recht schnell wieder, wofür sie Tristan dankbar zunickt. Zwischen Rogar und den beiden Weibern dagegen wird der Ton aggressiver, und die junge drudkvinde setzt schon dazu an, ihrerseits scharf zu tadeln – als ihr einfällt, wie gut die anderen mittlerweile ihr eigenes flammendes Temperament kennengelernt haben. Also besinnt sie sich auf ihr Erbe als Ulmentochter, schluckt den Jähzorn hinab und legt eine Hand auf Solveigs Unterarm. "Ich bitte euch" mahnt sie, hält kurz inne und wiederholt betont:

"Ich bitte euch, denkt doch daran, dass wir eine gefahrvolle und schwere Aufgabe vor uns haben. Wir können es uns nicht leisten, unseren beleidigten Gefühlen nachzugeben – so schwer das auch fällt!" Indem sie von einem zum andern blickt, fährt sie ruhig fort: "Ich bin sicher, niemand hier wollte den andern belehren oder zurechtweisen. Wir alle sind angespannt, die Lage ist bedrohlich, da ist ein unbedachtes Wort von jedermann zu verstehen und zu verzeihen." Dann lächelt sie allen[1] versöhnlich zu, ganz zur weisen Frau werdend, zu deren Aufgaben es zählt, Hader und Zwist zu besänftigen, die Wunden der Seele wie die des Leibes zu heilen. Der nahenden Schwester gibt sie ein überzeugt klingendes "Ja, Schwester, alles in Ordnung" zur Antwort.

Auf Hildgerds Frage wiederum sieht sie sich in der Runde um. "Mir fallen keine offenen Fragen ein, die wir hier im Moment noch klären könnten?"
 1. ...mit einer 13 in Diplomatie... (EDIT Gaja)
« Letzte Änderung: 12.06.2018, 15:24:12 von Gaja »

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