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Autor Thema: Der Weihort  (Gelesen 72393 mal)

Beschreibung: Episode 1

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Lîf

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Der Weihort
« Antwort #810 am: 12.07.2020, 11:52:10 »
Lange denkt Lîf nach, und den meisten mag es scheinen, als träume die junge Frau in den Tag hinein, statt sich sinnvolle Gedanken zu machen. Einzig Tristan, der sie besser kennen wird, könnte erkennen, dass sie sich auf einer Art Schwelle zwischen Traum und Grübeln befindet. Erinnerungen ziehen vor ihrem inneren Auge vorüber, und sie durchlebt jene Momente noch einmal, was sich in ihrer Miene schwach widerspiegelt: Andeutungsweise wechseln sich auf ihren Gesichtszügen Freude, Rührung, Zorn, Angst, Enttäuschung, Ungeduld... all jene Eigenschaften, die sich bei ihr zuweilen im Übermaß äußern und die er kennen – und lieben? – gelernt hat. Dabei steht sie fast reglos, macht nur gelegentlich ein unentschlossen wirkendes Trippelschrittchen zur Seite wie ein nervös tänzelndes Pferd, schließt immer mal wieder die Augen, während sich ihre Lippen lautlos bewegen, einem Kind gleich, das einem Geschichtenerzähler das Märchen nachspricht, mit dem dieser seine Aufmerksamkeit fesselt.

Endlich sieht sie wieder auf, in ihre Augen kehrt der klare Blick zurück, aber auch eine gewisse Unsicherheit. Sie nimmt die Umgebung in sich auf, als müsse sie sich neu orientieren. Da streift ihr Blick Tristan, versichert sie nochmals seiner Anwesenheit, und sie entspannt sich sichtlich. "Eine Halluzination" meint sie nachdenklich. "Es muss eine Halluzination sein – eine sehr machtvolle... Verzauberung, die seine Sinne und nur seine verwirrt. Er ist der einzige, der diesen Trug wahrnehmen kann – und der oder die die Fäden zu diesem Zauber geflochten hat." Ihr Blick wandert zu Freydis, als sie in einem leicht fragenden Ton fortfährt: "Das könnte womöglich dieselbe Person sein, die für die Geschehnisse im Kloster verantwortlich ist, sofern wir annehmen, dass sie dazu in der Lage sei..." Nun wendet sich Lîf Uther erstmals ganz zu. "...oder jemand, der es aus Liebe zu Euch getan hat, um Euch vor Schmerz zu bewahren. Ein Wesen, das Euch wohl will, weil ihr ihm nahesteht. Aber auch eines, das uns Menschen nicht vollkommen verstehen kann und darum nicht einzusehen vermag, dass Handeln aus Liebe nicht immer im Sinne desjenigen ist."

Kurz verstummt sie, ehe sie vor Uther hintritt. Den anderen wirft sie noch einen Blick zu, der zu besagen scheint, dass es keinen Sinn mehr hat, ihre Absichten zu verschleiern. "Ich bitte Euch, lasst uns versuchen zu klären, ob wir uns irren oder nicht. Ich bin mir so gut wie sicher, dass Ihr nicht krank seid – aber ich glaube auch, dass jemand Euch Wissen vorenthält. Wissen, das schmerzhaft und bitter ist. Das geschieht aus guter Absicht heraus, doch es hindert Euch auch daran, klar zu sehen und zu handeln, wie es ein Mann tun sollte, zumal einer, den seine Leute jetzt brauchen! Ich weiß, Ihr habt die Kraft dazu, und ich spüre in Euch die Unrast, weil man Euch davon abhalten will, zu handeln, wie es Euch Ehre und Pflicht gebieten. Seht in mir für den Moment kein Weib, sondern einfach eine, auf die sehr altes Wissen gekommen ist. Erlaubt mir den Versuch, Euren Blick zu schärfen, auf dass Ihr selbst entscheiden könnt, was Euer Herz Euch zu tun aufträgt." Die drudkvinde spricht ruhig, ohne Hektik oder Drängen, aber doch eindringlich genug, um erkennen zu lassen, wie ernst es ihr mit dieser Bitte ist. Auf seinen Versuch, das Thema zu wechseln, geht sie erst gar nicht ein. "Ja, Ihr spürt die Wahrheit bereits, da drinnen" deutet sie auf die linke Seite seiner Brust, "aber Ihr vermögt sie noch nicht zu sehen. Wünscht Ihr nicht, den Dingen ins Auge zu sehen wie ein Mann, statt an einem Gängelband geführt zu werden wie ein Kind, und sei es von noch so liebevoller Hand?"

Rogar, Apothekarius

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Der Weihort
« Antwort #811 am: 13.07.2020, 19:00:59 »
Rogar ist  froh, dass er Uther überrumperln kann, und auch wenn das Ergebnis seines Experimentes nicht das erhoffte ist, so ermöglicht es weitere Erkenntnisse. Auf seine Beschreibung, was er sieht, bekommt Uther als Erklärung: "Und für unsere Augen, werter Herr, ist das Bett leer und ich habe meinen Helm direkt auf die Matratze gestellt." Der Aufforderung, den Helm herunterzunehmen, kommt der Dain nur so langsam nach, dass er und der Mensch gleichzeitig den Helm berühren. Dabei stellt er sich endlich vor: "Bevor es untergeht, ich bin Rogar, ein Apothekarius vom Volk der Dain. Ich möchte ebenfalls den Geschehen in dieser Gegend auf den Grund gehen und begleite diese Gruppe daher." Nachdem er den Heöm zu sich genommen hat, teilt er mit vollem Ernst mit: "Ihr braucht keine Sorgen zu haben, auch in eurer Wahrnehmung wird euer Vater nicht aufwachen." Um seine Worte zu unterstreichen, zieht er einen metallbehandschuhten Finger an der Kante des Helmes lang, was ein fieses metallisches Kreischen zur Folge hat. "Wer teilt euch mit, was euer Vater in seinen wachen Momenten für Anordnungen trifft? Eure Frau?", setzt er die Befragung ungerührt fort.
 
Auf die abwehrenden Worte zum Thema Hexen antwortet der Apothekarius sachlich: "Zauberkundige Wesen gibt es in eurer Umgebung durchaus, wir hätten gerne eine Übersicht. Der Abt hat uns nicht auf diesen Gedanken gebracht, er wird leider nie mehr sprechen - die Ahnen mögen sich seiner annehmen. Es ist stark zu bezweifeln, dass er Kromdag irgendeine Mitteilung gemacht hat." Rogar lässt seine Worte wirken und ergänzt dann: "Die Korrespondenz eures Vaters mit dem Abt wirft ein seltsames Licht auf all dies Geschehen, mögt ihr uns bitte helfen, sie zu verstehen?"

Er hatte den Blick Lifs aufgefangen, offen und ehrlich zu sein, und setzt dies mit dainscher Direktheit um. Zu ihrer Analyse nickt er bestätigend, sie wirkt auf ihn in sich logisch. Als sie Uther zu überzeugen versucht, macht er eine einladende Geste und überlässt ihr das Feld - für den Moment.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #812 am: 20.07.2020, 13:23:01 »

Rogars Ansprache lässt Freydis zusammenzucken. Sie antwortet nicht sofort, sondern ringt blinzelnd um Worte.

"Mir ist nicht so gut", stammelt sie endlich. Schwindelig... übel und... eine Wut... kocht in mir... auf ganz alberne Dinge. Ist mein Gesicht heiß?" Sie fasst sich an die Stirn, doch ihre Hand sinkt sogleich wieder, begleitet von einem ratlosen Schulterzucken. "So eine Rage...Wäre ich ein Tier, zischend und fauchend stünde ich vor Euch, die Zähne gefletscht, die Krallen ausgefahren, bereit zum Sprung, blind für alles außer Eurer Kehle... Eindringlinge... in meinem Revier... muss sie töten... zerfleischen..."

Erschöpft bricht sie ab. Schweißperlen stehen auf ihrer Stirn, laufen ihr gerötetes Gesicht hinab.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #813 am: 20.07.2020, 17:26:19 »
Uther lauscht Lîfs Worten ruhig und, soweit sie es beurteilen kann, aufmerksam. Kurz meint sie, ein Zögern in seiner Gestik, einen Zweifel in seiner Miene zu entdecken. Auch Rogar lässt er ausreden, doch dessen Worte scheinen eher auf Mißfallen zu stoßen. Uther antwortet nicht sofort, sondern tritt abermals ans Bett und nimmt dessen Inhalt stirnrunzelnd in Augenschein. Dann streckt er gar die Hand aus und betastet, äußerst behutsam, den Strohsack. Sein Stirnrunzeln verstärkt sich.

"Also wenn hier einer halluziniert", wendet er sich an Lîf, "dann seid das wohl Ihr[1]. Das Seltsame ist, Ihr erscheint mir aufrichtig. Ansonsten müsste ich mich fragen, was Ihr für ein seltsames Spiel treibt. So aber will ich mal annehmen, Ihr seid verzaubert. Da stellt sich doch die Frage, wer dies getan haben könnte und zu welchem Zweck. Offenbar soll mir hier eingeredet werden, mein Vater sei tot oder verschollen, und Abt Halfir gleich ebenso" – ein misstrauischer Blick geht in Rogars Richtung – "und ich müsse endlich das Ruder in die Hand nehmen? Darum haben mich in der Tat im letzten Jahr mehrere gebeten, darunter soviele Weiber wie Männer. Zauberkundig sind davon aber nur meine Schwester und... sagt, auf dem Weg zum Kloster oder wohl eher auf dem Rückweg, seid Ihr da vielleicht am Bach jemandem begegnet? Einer hübschen jungen Frau vielleicht oder auch dreien?"
 1. Uthers Willenswurf, um die Illusion anzuzweifeln = 4 (nat. 1)

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #814 am: 24.07.2020, 23:22:19 »
Aeryn seufzt schwer und holt tief Luft.

"Das führt doch so zu nichts. Lassen wir die Ruhestätte seines Vaters in Frieden und gehen in seine Kammer, um weiter zu sprechen," erinnert sich die Elbin an den mehrfachen Vorschlag Uthers. Vielleicht war in seiner Kammer irgendetwas zu entdecken, so ihre Hintergedanken.

"Hier kommen wir so oder so nicht weiter."

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #815 am: 25.07.2020, 15:07:24 »
Uthers Reaktion lässt Lîf kurz hoffen, dass er sich von dem Bann befreien kann, dann muss sie leise seufzen, als es ihm offenbar doch nicht gelingt. Worte scheinen nicht auszureichen... Dazu kommt Freydis' Zustand, der ebenfalls besorgniserregend wirkt, wenn auch auf gänzlich andere Weise. Mit dem Gefühl, sich zerreißen zu müssen, eilt sie zu der Berührten, legt ihr eine Hand auf die Stirn und  sagt besorgt: "Wahrhaftig, ganz heiß... ich werde Euch gleich etwas kühlendes geben. Aber Ihr solltet Euch auch eine Weile hinlegen und ausruhen. Kalte Wickel mögen auch helfen." Leiser fügt sie hinzu: "Fühlt Ihr all das, so plötzlich? Kann es sein, dass diese Empfindungen nicht aus Euch heraus kommen? Dass Euer Herz... mit dem eines anderen schwingt?[1]" Mit dem Herzen von jemandem, den wir womöglich auch sprechen sollten - wenn es uns gelingt, ihn zu finden, schießt es ihr durch den Kopf. Sie nickt Aeryn zu. "Das klingt vernünftig. Frau Freydis muss überdies ruhen. Dürfen wir dafür die Gastfreundschaft dieses Hauses annehmen?" wendet sie sich Uther zu und ergänzt: "Natürlich werden wir Euch auch gern von allem erzählen, was uns begegnet und widerfahren ist."
 1. Ich sage einfach mal, Begriffe wie "Resonanz" sind für eine Frau wie Lîf zu trocken-wissenschaftlich.

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #816 am: 27.07.2020, 13:55:41 »
"Ach, wunderbar!" sagt Uther erleichtert, bevor auch er, dank Lîf, auf Freydis' Unwohlsein bemerkt. "In meiner Kammer könnt Ihr Euch setzen oder auch niederlegen, wenn Ihr möchtet", schlägt er ihr vor. "Ein Schluck kühles Wasser mag Euch auch guttut oder manchmal hilft auch ein Stück Brot. Bestimmt ist es nur der Marsch durch die Hitze gewesen. Wäre es eine Nebenwirkung des Zaubers, müsste es Euren Gefährten ja ebenso ergehen. Also bitte folgt mir."

Und da auch Abdo und Rogar der Elbin recht geben, dass sich hier nichts klären lässt, solange Uther unter einem Bann steht, folgt die Gruppe dem Hausherrn in den Gang hinaus.

Freydis lässt sich gerne von Lîf aus Sorens Kammer geleiten. "Schwingen?, murmelt sie dabei verwirrt. "Herz?" In der Eingangshalle scheint es ihr etwas wohler zu gehen, jedenfalls atmet sie tief die frische Luft ein, welche die Eingangstreppe hinabweht.

"Deine Frage vorhin...", erinnert sie sich. "Vonwegen der Halluzination. Ja. Sowas gibt's auch bei uns. Es könnte also dieselbe Person für das hier verantwortlich sein, wie für den Fluch im Kloster. Nur viel mehr kann ich dir dazu nicht sagen, weil so etwas mein Ding nicht ist, weder Flüche noch irgendwelches Betören oder Verzaubern. Mich hat immer nur interessiert, was sich direkt in einem Handgemenge einsetzen lässt. Vor Flüchen hat mich meine Lehrmeisterin ausgiebig gewarnt, deswegen weiß ich darüber zumindest etwas, aber das andere Zeug... nun, es hat mich halt einfach nicht interessiert."

Uther führt die Gefährten in den hinteren der beiden schmalen Gänge gegenüber vom Eingang, welcher nach etwa zehn Schritt in einer geschlossenen Tür endet. Die Wände im vorderen Drittel sind noch aus Holz, danach durchgehend gemauert. Wie schon der Blick aus dem Fenster von Sorens Kammer vermutet ließ, besteht der rückwärtige Teil des Hauses wohl ganz oder größtenteils aus akadischem Mauerwerk. In der Mitte des Ganges steht linkerhand eine Tür offen. Essensduft steigt der Gruppe in die Nase. Drinnen hört man jemanden schlürfen und schmatzen. Ein Blick hinein zeigt – Kjartan an einem der beiden Tische, vergnügt aus einem Teller Eintopf löffelnd.

"Äh ja", bemerkt Uther, nach kurzem Stirnrunzeln. "Eine Stärkung kann ich Euch natürlich auch anbieten." Mit der linken Hand deutet er einladend in Richtung Kjartan und der beiden Esstische, mit der Rechten weiter geradeaus, in Richtung seiner Kammer.

"Ach, da seid ihr ja!" ruft Kjartan erfreut. "Einen Moment, ich bin gleich fertig!" Und er löffelt noch ein wenig hastiger, während er sich bereits von der Bank erhebt. "Sss wirklich lecker", brabbelt er mit vollem Mund. "Nur'n biss'n heiß..."

Bei diesem Anblick scheint Freydis wieder das Würgen zu kommen. Sie wankt trotz Lîfs stützender Hand; ihre Wangen glühen.

Doch der Rest der Gruppe drängt weiter, allen voran die Elbin, welche sich erst von der geschlossenen Tür am Ende des Ganges aufhalten lässt und erwartungsvoll zum Hausherrn zurückblickt. (Wobei auch Rogars und Abdos mangelnde Geduld mit Kjartan deutlich wird; Mienen blicken grimmig, es wird verhalten in den Bart gegrummelt.) Uther nimmt dies als Antwort auf seine gestikulierte Frage und führt seine Gäste weiter in den hinteren Teil des Hauses.
« Letzte Änderung: 03.08.2020, 16:08:59 von Gaja »

Aeryn

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Der Weihort
« Antwort #817 am: 02.08.2020, 12:54:49 »
"Vielen Dank, Uther."

Vor[1] der Kammer des Erben angekommen sind, versucht Aeryn nocheinmal das Gespräch in die Richtung zu lenken, auch wenn sie keine Hoffnung hat, Uther davon zu überzeugen, dass sein Vater höchstwahrscheinlich schon eine ganze Weile tot ist, so lässt sich vielleicht doch noch etwas Brauchbares aus ihm herausbekommen.

"Lassen wir mal das mit der Täuschung außen vor. Nehmen wir die Situation doch, wie sie ist." Oder zumindest, wie er meint, wie sie ist... "Euer Vater ist schon eine ganze Weile schwer krank und es ist keine Erholung in Sicht. Er ist aber auch nicht tot, weswegen Ihr nicht das Amt als sein Nachfolger einnehmen könnt, auch wenn es offensichtlich das ist, was der Bevölkerung am besten gefallen würde, wie Ihr ja sagtet, wurdet Ihr schon desöfteren bedrängt."

"Dann wäre doch die Frage, die es zu klären gilt, wer hat einen Vorteil durch diese aktuelle Situation? Wer könnte nicht wollen, dass Ihr die Amtsgeschäfte übernehmt? Und wem wäre es ein Dorn im Auge, wenn Ihr es doch tätet? Da muss es doch noch mehr außer dem Abt geben."

"Irgendetwas stimmt hier nicht, ich denke, das ist auch Euch klar. Magie ist im Spiel, so oder so. Ob es nun Ihr seid, der getäuscht wurde, oder wir es sind, vor denen die Wahrheit verborgen wird, das spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist, dass uns allen klar ist, dass hier irgendjemand etwas im Schilde führt. Und es ist daher auch sehr wahrscheinlich, würde ich sagen, dass die Krankheit Eures Vaters keinen natürlichen Ursprung hat. Jemand möchte genau diese Situation, wie sie gerade ist, so lange beibehalten, wie möglich."

"Denkt bitte einmal darüber nach... wem alles nutzt es etwas, wenn die Dinge so bleiben, wie sie gerade sind?"
 1. Edit Gaja: Ihr standet eigentlich vor der Küche und selbst mein ooc angekündigter Schub vorwärts kann euch nichts bis IN die Kammer hinein bringen. Daher habe ich meinem Post oben noch einen Absatz hinzugefügt, der euch wenigstens VOR die Kammer bringt.
« Letzte Änderung: 03.08.2020, 16:12:52 von Gaja »

Gaja

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Der Weihort
« Antwort #818 am: 03.08.2020, 18:30:13 »
Der hintere Teil des Hauses bietet einen ziemlich erstaunlichen Anblick. Einen Stall hätte man vielleicht noch erwartet, aber keine... Straße? So völlig aus dem Nichts heraus... Geradeaus normaler Fußboden wie im restlichen Haus, rechts davon plötzlich: ein gepflasterter Weg! Verwittert, von Wagenrädern zerfurcht führt er eine acht Schritt breite Rampe hinab. Das insgesamt zwölf auf zwölf Schritt große Areal ist beidseits mit einer hüfthohen Mauer gesichert.[1]

Ein halbes Dutzend schmaler Fenster in der Westwand erhellen den Blick in die Tiefe. Etwa doppelt mannshoch, jedenfalls für einen Zwergen (und die Hakadi erreichten knapp Zwergengröße, bei halber Breite) ist die untere Ebene, der Boden ähnlich wie im Gang vor dem Brunnen halb festgestampftes Erdreich, halb zerbrochene Steinfliesen. Direkt unter der Hauswand führt eine schmalere Rampe weiter hinab, doch nicht einmal der Zwerg oder die Elbin können ausmachen, was dahinterliegt, bei all dem Gegenlicht.

Linkerhand, gegenüber der Rampenmitte, führt eine doppelflügelige Tür vermutlich zu Uthers Gemächern (jedenfalls eilt er zielstrebig darauf zu), während geradeaus, etwa in der Mitte der Südwand des Hauses, rechts und links je eine Tür schräg abgeht.

Für Aeryn, die sich mit menschlichen Behausungen nicht auskennt, ist der Anblick weniger beeindruckend. (Alte Ruinen hat sie auch schon oft genug gesehen.) Sie interessiert sich mehr dafür, wer hinter der ganzen Verwirrung hier stecken könnte. Wer profitiert davon, den Tod des alten Soren zu verheimlichen – denn dass er tot ist bezweifelt die Elbin nicht – und Uther daran zu hindern, Amt und Hof zu übernehmen?

Uther will gerade die Tür zu seinen Gemächern aufstoßen, da lässt Aeryns lange Rede ihn innehalten. Einmal unterbricht er sie, um klarzustellen: "Einigen im Ort würde es gefallen, wenn ich endlich von Vater übernähme, egal auf welche Weise, doch das sind nicht unbedingt die mächtigsten noch die angesehensten. Dafür gibt es so manche, denen ist es gerade recht, dass ihr Fürst zu alt und zu schwach ist, um ihnen in ihre Angelegenheiten reinzupfuschen. Die Gefahr durch die Räuber nehmen die meisten Leute einfach nicht ernst genug, sonst würden sie vielleicht anders denken."

Über Aeryns abschließende Frage denkt er eine ganze Weile lang nach.

"Außer dem Abt fällt mir da niemand ein, der ein derart starkes Interesse daran hätte, dass ich es ihm eine solche Intrige zutrauen würde. Aber halt, deutete Euer Begleiter, Herr Rogar, nicht vorhin an, Abt Halfir sei 'bei den Ahnen'? Und Ihr wolltet mir erzählen, was da passiert ist. Aber dann könnte ich mir nur noch vorstellen, dass jemand verhindern  möchte, dass ich eine Jagd auf die Räuberbande organisiere. Und dass würde bedeuten, dass sie Spione oder Helfershelfer ganz in der Nähe haben."

Als letzte betreten Lîf und Freydis, angeführt vom plappernden Kjartan, gefolgt vom stillen Tristan, den rückwärtigen Teil des Hauses. Ihnen bleibt gerade genug Zeit für einen staunenden Blick über die seltsame "Straße", da geht Freydis stöhnend in die Knie.

"Feuer", keucht sie. "Es brennt... so heiß... ich bekomme kaum... Luft!"
 1. Die Karte in Stunde der Krähen ist akutualisiert.

Lîf

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Der Weihort
« Antwort #819 am: 05.08.2020, 14:43:09 »
Kurz ballen sich die schlanken Hände des Rotschopfs zu Fäusten, und dem frustrierten leisen Stöhnen Lîfs ist anzuhören, wie sehr es sie ärgert, ihren leidenschaftlichen Appell an den Mannesstolz Uthers wirkungslos verpuffen zu sehen. Donnerschlag und Feenstaub – und sie hatte schon gehofft, den verflixten Bann durchbrechen zu können! Für den Moment jedoch ist sie von ihrem Frust abgelenkt, da Freydis' Zustand sie an ihre Pflichten als Heilerin erinnert. Sie legt einen Arm um die Berührte, um sie behutsam zu führen, aber jederzeit kräftig zupacken zu können, sollte ihre Patientin ohnmächtig werden oder straucheln. Ein wenig irritiert ist sie, als Freydis plötzlich und recht übergangslos auf ihre frühere Frage zurückkommt. Dennoch hört sie sich natürlich an, was die Berührte über die Zauberei von Ihresgleichen zu sagen hat, und murmelt: "Ich verstehe... und da wir bei dem Verzauberten offenbar alle miteinander nichts entscheidendes ausrichten können, bleibt uns als Ansatzpunkt wohl nur noch der Zauberer. Oder die Zauberin..." Gemeinsam mit Freydis folgt die drudkvinde Uther, entdeckt kurz nach ihm Kjartan – und kann sich eines kopfschüttelnden Grinsens nicht erwehren. Bei der Großen Mutter, geht es ihr durch den Kopf, er ist fast so unbekümmert, als sei er mehr ein großer Junge als ein Mann... eine Nebenwirkung seiner ganz persönlichen Verzauberung vielleicht..? Jedenfalls ist sie diesmal eher amüsiert als verärgert über Kjartans Eigenmächtigkeit, zumal Uthers Miene zu dem ganzen ihr geradezu köstlich vorkommt.

Dennoch hält sie sich zurück mit einem Kommentar, heischt doch auch Freydis erneut ihre Aufmerksamkeit. Sie zieht die Berührte enger an sich, um ihr mehr Halt zu geben, dreht sie aber dabei so, dass der Körper Lîfs für sie den Blick auf den essenden Kjartan verstellt und sie womöglich den Geruch seiner Mahlzeit nicht allzu direkt in die Nase bekommt. Mit einer Hand durchsucht sie die zahllosen Taschen ihrer Schürze nach einem Mittel, das fiebersenkend und beruhigend wirkt. Heilfroh, dass Aeryn es nun übernimmt, mit Uther zu sprechen – vielleicht höhlt steter Tropfen ja auch hier den Stein – nickt sie ihrer Reisegefährtin dankbar zu, während sie versucht, sich um Freydis zu kümmern und sich nach einer geeigneten Liegegelegenheit für die Wankende umzusehen. Die architektonisch erstaunlichen Beobachtungen, die sich hier machen lassen, scheinen die junge Frau dagegen kaum zu beeindrucken, wie man es an ihr bei totem Gestein schon so oft gesehen hat – ganz im Gegensatz etwa zu einem stattlichen alten Baum oder einem blühenden Feld, auch einem fröhlich murmelnden frischen Quell, die sie in Entzücken versetzen können. Sie wirft nur einen kurzen Rundumblick, ehe sie sich erkundigt: "Herr Uther, bitte sagt, wo können wir sie hinlegen? Sie braucht nun wirklich dringend Hilfe, und ich muss sehen, ob ich ihr helfen kann." Seine Antwort auf Aeryns Vorstoß hat sie zwar gehört, beschließt dieses Feld aber ihren Gefährten zu überlassen, denn der Zustand der Berührten scheint ihr im Moment die drängendere Pflicht für eine Dienerin der Großen Mutter.

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