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Online-RPGs andere Systeme => 7te See: Théah => Thema gestartet von: Mondragor am 28.03.2021, 17:58:24

Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 28.03.2021, 17:58:24
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Freiburg! Zwei Tage waren sie nun geritten, seit sie Leon zurück nach Hause gebracht hatten, und nach und nach war der Wald lichter und die Straßen breiter geworden. Und nun konnten sie schließlich am Horizont die Spitze des Wachturmes erkennen, dieses uralten Gebäudes syrnethischen Ursprungs, das das Zentrum dieser unglaublichen Stadt darstellte.

Freiburg war ein Experiment, und diejenigen, die schon länger ohne Nachrichten unterwegs waren, hatten womöglich nur eine schwache Ahnung davon, was diese Stadt ausmachte. Es waren gerade einmal vier Jahre seit ihrer Gründung vergangen - wobei natürlich auch vorher bereits Menschen hier gesiedelt hatten. Doch vor dem Krieg gab es gerade einmal den Turm, das Güldentor, der einer der kaiserlichen Paläste war. Geplagt von Krieg und Misswirtschaft, verwahrloste die Siedlung vollends, bis der Imperator dem herrschenden Baron kurz vor seinem eigenen Tod den Titel und die Siedlung nahm und sie Niklas Träge übergab.

Dieser jedoch hatte zunächst kein Interesse daran und überließ die Gegend weitgehend sich selbst, während sich immer mehr Veteranen und Flüchtlinge am Fuße des Turms ansiedelten. Ohne eine ordnende Hand jedoch versank auch diese Siedlung wieder im Chaos, und als Träge Jahre später zurückkehrte, fand er weitestgehend nur zerstörte Ruinen vor. Diesmal jedoch überließ er sie nicht sich selbst, sondern fasste gemeinsam mit seiner Vertrauten Wilma Probst einen Plan, so unerhört, dass die wenigsten auch nur im Traum daran gedacht hätten, dass die Stadt überhaupt diese vier Jahre überlebt.

Er legte ein Fundament, das er Freiburg nannte, doch teilte es schlicht unter Kaufleuten, Architekten, Denkern, Gelehrten und anderen Organisatoren auf. Aus der Regierung dieser Stadt hielt Träge sich immer noch weitgehend heraus, doch zusammen mit Wilma Probst gab er dem ganzen Gebilde einen losen Rahmen von Regeln zur Schlichtung von Konflikten und beobachtete, was passieren würde. Und tatsächlich schienen sich die unterschiedlichen Interessengruppen irgendwie zusammenzuraufen und die Stadt zum Prosperieren zu bringen. Es ist letztendlich eine Stadt in der Eigenverwaltung ihrer Bürger, mit einem Fürsten, der sich in die Belange der Stadt kaum einmischt, und die zusammengehalten wird vom "freien Kodex" - ein eigentlich unmögliches Experiment mitten in einer Welt voller Monster. Doch vielleicht ist gerade das der Grund, weshalb das Experiment bisher funktioniert: Denn das, was außerhalb der Stadtmauern lauert ist allemal schlimm genug, um im Zweifel besser mit einem Kompromiss leben zu können.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 02.04.2021, 11:35:47
Es wirkte, als seien die Feierlichkeiten der dankbaren Dorfbewohner und das Bewusstsein, sich durch eine glänzende Heldentat ausgezeichnet zu haben, für Louis ein wahres Lebenselixier: Zwar begannen die tieferen seiner Wunden nur sehr allmählich zu heilen, doch hatte der Montaigner offenbar bereits nach kurzer Zeit wieder jeglichen Gedanken an jene düsteren Dinge abgeschüttelt, die sie erfahren hatten. Die Schatten, welchen sie sich noch stellen müssten, schienen ihn im Gegenteil regelrecht zu beleben. Schon bei dem Fest war er wie ein bunter Paradiesvogel unter Sperlingen und Tauben aufgefallen, indem er äußerst fröhlich mitgetan hatte bei Speise und Trank, mehr als bereitwillig Geschichten aus seinem Leben sowie die Heldentaten anderer Musketiere erzählt und so manchem hübschen Dorfmädchen – unter Beachtung äußerst steifer Anstandsregeln, aber dennoch mit selbstbewusster Keckheit – Komplimente gemacht, die so manches Mal am Rande der Frivolität standen.

Doch die Energie, welche ihn zu einem zeitweise anstrengenden, insgesamt aber äußerst unterhaltsamen Begleiter machte, versiegte auch auf dem Weg nicht, den sie hernach einschlugen. Selten einmal war er schweigsam, und der Tatendrang des Edelmanns äußerte sich nicht nur in seinen eigenwilligen Kommentaren und Satzkonstruktionen: Auch körperlich schien der schlanke, aber zähe Fechter gewillt, sich seine Tage nicht von den Schmerzen vermiesen zu lassen. Vor allem übte er bei jeder Gelegenheit seine Fechtkünste mit der herrlichen Klinge, die er nunmehr stolz in dem Wehrgehänge an seiner Hüfte trug. Als sich nun die Spitze des Wachturms hinter dem Horizont zu erheben begann, wies er mit der behandschuhten Linken nach vorn und meinte gutgelaunt: "Excellente, mes amis! Endliesch wieder eine Stück civilisation..! 'ier werden wir siescherliesch alles finden, was uns vonnöten iest, n'est-ce pas?" Er ließ offen, ob er einen Medicus meinte, einen Schneider, ein Badehaus oder womöglich all dies zugleich.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 02.04.2021, 20:27:57
Als die kleiner gewordene Gruppe schließlich den ersten Blick auf Freiburg erhaschte, erhob Tristan die Stimme.
"Das ist also Freiburg. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit, mir die Stadt anzusehen, doch wir müssen es schaffen, zu Niklas Träge vorgelassen zu werden. Wir müssen ihm von der Burg berichten, damit er dafür sorgt, dass dort nun nicht Anarchie herrscht, und wir müssen ihn überzeugen, etwas gegen Roswitha von Wirsche zu unternehmen. Immerhin sagt man, dass die beiden nicht gerade freundschaftlich verbunden sind.
Aber zunächst müssen wir zu Träge vorgelassen werden, was vermutlich schon nicht ganz einfach werden wird."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Friedrich Alfred von Dent am 08.04.2021, 05:29:51
Die Ereignisse in der Burg und der Kampf gegen die Baronin wollten Friedrich nicht loslassen. So sehr er sich auch anstrengte, seine Gedanken wanderten immer wieder zurück an diese Zeit und vor allem die Visage der Baronin. Immer wieder sah er das Ding vor sich, in das sie sich verwandelt hatte. Die Nachricht, dass Roswitha von Wirsche hinter dieser Sache steckte, machte es für ihn nicht besser. So hatten er und die gesamte Gruppe zwar ein deutliches Ziel aber es füllte die Gedanken des alternden Kreuzritters auch mit weiteren Theorien und Bildern, die sich nun mit Roswitha befassten. Wenn schon die Baronin ein solches Monster gewesen war, was war diejenige, die vermutlich überhaupt erst für ihren Fluch verantwortlich gewesen war, für ein Wesen? Was für ein dunkles und abartiges Geheimnis steckte hinter dieser Sache?

Natürlich war Friedrich froh darüber, dass Ingrid begnadigt und Leon zurück zu seinem Dorf gebracht worden war. Er war wirklich erleichtert, dass es Leons Heimat nicht schlecht ergangen war. Doch trotz all des Lobs, des Danks und des Festes im Anschluss, konnte er die eiskalten Gedanken nicht von sich werfen. Wie zäher Honig klebten sie an ihm und egal was er versuchte, er schaffte es nicht, sie zu entfernen. Zwar war Friedrich nie ein großer Partymensch gewesen aber während des Festmahls war er selbst für seine Verhältnisse recht distanziert und kalt. Auch Alkohol wollte ihm anfangs kaum helfen, auf andere Gedanken zu kommen. Erst spät am Abend und nach einigen Getränken tat der Alkohol seine Wirkung. So war Friedrich zumindest für eine kurze Zeit befreit von all den dunklen Gedanken und Erinnerungen.

In den zwei Tagen, die sie nach Freiburg ritten, raffte sich Friedrich wieder etwas auf und schaffte es zumindest einen Teil der Gedanken von sich zu schütteln. Es war schwer auch den Rest loszuwerden. Seine Verletzungen würden ihm noch etwas erhalten bleiben und so hatte er immer etwas, dass ihn direkt an die Burg und ihre Baronin erinnerte. Zumindest brachte ihn der Anblick Freiburgs auf andere Gedanken. Eine seltsame aber durchaus interessante Stadt. Er hatte davon gehört und darüber gelesen. Es würde ihm ein Vergnügen sein, sich dieses lebende Experiment selbst anzusehen. Auch, wenn sie nur eine kurze Zeit hier verbringen würden. Der Plan stand fest. Er würde nur nicht ganz einfach werden. "Mit welchen Problemen werden wir rechnen müssen?", informierte sich Friedrich direkt. "Und an wen müssen wir und wenden? Wer entscheidet in einer solchen Stadt, wenn der Fürst sich nicht einmischt? Eine Art Rat?"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 08.04.2021, 12:02:26
"Gute und wichtige Fragen." antwortete der Baron nachdenklich. "Und natürlich habe ich mir bereits einige Gedanken darüber gemacht. Politik ist ein langsames und strategisches Spiel, und eine unüberlegte Handlung kann vieles zerstören, selbst wenn man denkt, man sei unter Freunden. Wir werden also nicht einfach zu Niklas Träge gehen können, ihm von Wirsches Machenschaften berichten, und dann glauben, dass er uns helfen wird."

Er ritt nun etwas langsamer und blickte sich um, um sicherzugehen, dass niemand sie belauschte; doch der Wald lag hinter ihnen, und die Graslandschaft, durch die sie ritten, war weit und übersichtlich, so dass er weiterredete.
"So sehr ich mich selbst stärker einschalten würde, muss ich doch zu Beginn wohl Zurückhaltung wahren. Wirsche hat mit Sicherheit ihre Spione in Freiburg und wir sollten tunlichst vermeiden, meine Anwesenheit hinauszuposaunen. Selbst wenn Roswitha inzwischen womöglich nicht mehr annimmt, dass ich tot bin, ist es klüger, dass ich mich zunächst im Hintergrund halte.
In der Zwischenzeit müsst ihr versuchen, uns die wichtigen Persönlichkeiten geneigt zu stimmen. Weitaus die wichtigste von allen ist Wilma Probst. Sie ist das Oberhaupt von Träges Hof, seine rechte Hand, und die Person, die am meisten dafür tut, um die Ordnung in Freiburg aufrechtzuerhalten. Doch auch sie kann nicht ohne die Unterstützung der verschiedenen Machtgruppierungen regieren, die in der Stadt vertreten sind. Da sind zum einen die Kaufleute zu nennen, natürlich die wichtigen Adelshäuser, die Gelehrten der Universität, das Militär sowie die Verschiedenen Organisationen und Gesellschaften. Alle zusammen bilden die komplexe Gemengelage, die Freiburg ausmacht, wobei keine dieser Gruppen einen einheitlichen Block bildet.

Eure erste Aufgabe ist es, ein Gefühl dafür zu bekommen, wer die wichtigsten Akteure der verschiedenen Blöcke sind und sie auf unsere Seite zu bringen. Wenn wir genug Rückhalt bei diesen Gruppen haben, werden Wilma Probst und Niklas Träge uns unterstützen, da bin ich sicher. Doch das wird eine Weile dauern - wir müssen uns darauf einstellen, eine Weile in der Stadt zu bleiben. Doch lasst uns zunächst eine Unterkunft suchen und ein erstes Gespür für die Stadt entwickeln."


Es war allen noch etwas unklar, was genau sie in Freiburg erwarten würde. Sie würden wohl damit beginnen müssen, mit Menschen in der Stadt zu sprechen, um zu erfahren, mit wem sie eigentlich reden mussten, um etwas zu erreichen. Jeder machte sich auf seine eigene Art Gedanken über die Aufgabe, die vor ihnen lag, und so kam nach und nach Freiburgs Stadtmauer in Sichtweite, und sie erhielten, da sie sich von einer kleinen Anhöhe näherten, eine bessere Vorstellung der Stadt. Sie war tatsächlich kreisrund, und drei ungeheuer breite Straßen teilten die Stadt kerzengerade in sechs gleich große Bezirke, angeordnet wie Kuchenstücke. Im Zentrum von allem stand der riesige Wachturm, der nur durch syrnethische Magie vor dem Zusammenfall bewahrt wurde - ein komisches Gefühl, da niemand in Théah wirklich verstand, was es mit dieser Magie auf sich hatte.

Sechs große Straßen führten von außen durch große Eingangstore in die Stadt; auf einer von diesen befanden sich nun auch die Reisenden. Hier, in der Nähe Freiburgs, war auf dieser Straße jede Menge Verkehr, als zahlreiche Händler und andere Reisende die Stadt besuchten oder verließen.
Sie betraten Freiburg aus nordöstlicher Richtung, und Tristan klärte sie darüber auf, dass sie nun zwischen dem Hochquartier zu ihrer Rechten und dem Greifenviertel zu ihrer Linken hindurch ritten. Das Hochquartier, und das war auf den ersten Blick ersichtlich, beheimatete die reichen und einflussreichen Bewohner der Stadt. Die Anwesen waren prachtvoll und zahlreiche private Wachen waren zu sehen, die das Quartier vor unerwünschten Besuchern schützen sollten.

Das Greifenviertel zu ihrer Linken barst dagegen fast vor Leben. Hier ballten sich die Händler auf verschiedenen Märkten, und Herbergen und Tavernen aller Art boten den Reisenden Unterkunft. Dies war auch ihre erste Anlaufstelle, und mehr oder weniger zufällig wählte die Gruppe eine Herberge mit dem Namen "Zum Adlerhorst" aus, die ihnen auf den ersten Blick sympathisch erschien. Sie machte einen gutklassigen und ordentlichen Eindruck und sie würden dort unter anderen gutsituierten Bürgern oder niederen Adligen nicht besonders auffallen, weder in die eine noch die andere Richtung.
Nachdem sie sichergestellt hatten, dass die Pferde gut versorgt waren, und sie ihre Zimmer in Augenschein genommen hatten, trafen sie sich in einem separaten Gastraum, um sich ein wenig zu stärken und die nächsten Schritte zu besprechen.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 09.04.2021, 15:54:13
Louis hatte zu den Ausführungen des jungen Barons genickt und bemerkt: "Bel et bien, Sire, das scheint mir weise zu sein! Kenne deine Gegner, wie schon der scheniale Stratege von Montaigne, Henri de Sanssunzi, stets empfohlen 'at." Der Musketier schien den Einzug in die Stadt nichtsdestotrotz zu genießen, auch wenn aufmerksamen Beobachtern auffallen würde, dass ihm wohl der nicht ganz einwandfreie Zustand ihrer Garderobe, das rissige Leder der Stiefel, kurz, das sichtlich von einer langen Überlandreise zeugende Äußere der Gruppe dabei einen kleinen Wermutstropfen bedeutete. Dementsprechend nutzte er auch die erste Gelegenheit im Gasthaus, sich zu erfrischen und zumindest den Staub der Straße zu beseitigen. Nachdem sich der Montaigner halbwegs wieder präsentabel fühlte, ging er daran, sich eine ordentliche Mahlzeit kommen zu lassen, und würde der Beratung wohl mit einer Gänsekeule oder einem ähnlichen Happen in der Hand beiwohnen, um sich gebührend zu laben. "Eh bien", meinte er kauend, "was sollten unsere ersten Schritte sein, mes amis?"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 14.04.2021, 09:15:10
Erich ritt mit gemischten Gefühlen in die Stadt ein, auf der einen Seite freute er sich die Wildnis mal wieder hin sich zu lassen, auf der anderen Seite war er nicht so der Freund von großen Menschenmengen. Erich war froh sich den Staub der Reise von den Kleidern zu klopfen, aber viel mehr freute er sich auf ein herzhaftes Essen und ein kühles Bier.

Als sich dann wieder alle im Gastraum trafen um sich zu besprechen überlegte Erich erst einmal was den aus seiner Sicht das beste wäre um hier in Freiburg an neue Informationen zu kommen. "Ich könnte mal schauen ob ich Kontakt zu einem Ordensbruder knüpfen kann, vielleicht ergeben sich dort wichtige Informationen. Falls sich dort nichts ergibt könnte ich mich mal versuchen in den Reihen der Militärs um zu hören. Es wäre wohl das beste wenn wir versuchen zu Erst einmal möglichst viele verschiedene Quellen an zu zapfen um dann zu sehen wo wir die brauchbarsten Verbündeten finden. Oder hat jemand einen anderen Plan?"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Friedrich Alfred von Dent am 15.04.2021, 05:36:09
Geduldig und vor allem sehr interessiert, hörte Friedrich dem Baron zu. Das war alles sehr viel komplexer und schwieriger als Anfangs angenommen. Wenigstens mussten sie dieses Mal nicht gegen ein weiteres Monster kämpfen. Denn auch wenn er das zu seinem Lebensinhalt gemacht hatte, war ein bisschen Pause und ein anderweitig geartetes Problem gern gesehen. In der Stadt Zeit zu verbringen und das Vertrauen wichtiger Persönlichkeiten zu erlangen, klang nach einer netten Abwechslung nach dem letzten Abenteuer. So ritt Friedrich gut gelaunt in die Stadt ein und machte sich, sobald sie in der Herberge angekommen waren, erst einmal etwas frisch.
Zurück im Gastraum und ausgestattet mit etwas herzhaftem zu essen und zu trinken, konnte es dann auch an erste Planungen gehen. Für ihn war ziemlich schnell klar gewesen, an welche Personen er sich wenden konnte. "Am besten wäre es wohl, wenn wir uns erst einmal generell umhören. Wir wissen noch nicht, wer hier das Sagen in den verschiedenen Gruppierungen hat. Wenn wir das wissen, können wir uns aufteilen. Wir sind alle sehr verschieden und das ist ein großer Vorteil." Er nickte Erich bei seinem Vorschlag zu. "Während Erich sich an den Orden und das Militär wendet, könnte ich mich den Gelehrten an der Universität oder den Adelshäusern zuwenden. Ich bin zwar immer noch etwas eingerostet und habe einen anderen Weg eingeschlagen aber trotz allem noch adelig. Ein Von Dent." Er räusperte sich. "Allerdings würde ich die Gelehrten bevorzugen. Wie sieht es mit euch aus?" Wobei er den Rest der Gruppe ansah, die sich noch nicht gemeldet hatten.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Jelena Sejm Petrasowna am 15.04.2021, 07:54:44
Als Baron Tristan auf Jelenas Frage nach der Ordnung in der Schreckensburg seine vorsichtige Antwort gab, bestätigte sie diese mit einem bedauernden Nicken. Die Ankündigung, als nächstes nach Freiburg zu Reisen, traf auf wesentlich positivere Zustimmung. Zunächst kümmertsie sich um ihre Wunden. Solange Ingrid und Marie noch bei ihnen waren, kümmerte sie sich um die beiden und unterstützte sie. In ihren Augen war die Schuld zwar nicht abgetragen, aber Marie sollte darunter nicht auch noch leiden. Entsprechend beglückwünschte Jelena Ingrid zur Vergebung durch Tristan. Das Louis nicht auf ihre Frage nach dem Amulett ihrer Gegnerin antwortete, merkte sie sich und nahm sich vor, ihn später erneut zu fragen. Sie protestierte weder gegen den Wunsch nach einer Erholungspause, noch gegen den Aufbruch, um Leon zurückzubringen.

Trotz das ihr ihre Verletzungen anzumerken waren, kümmerte sie sich um die Pferde und die Versorgung der Gruppe. Unterwegs ritt sie vor, um den Weg zu finden. Da sich andere bereits um Leon kümmerten, ließ sie ihn allein. Die Freude seiner Eltern und das herzliche Willkommen in seinem Dorf gaben ihr ein warmes Gefühl. Trotzdem hielt sie sich  - wie immer bei solchen Gelegenheiten - mit dem Feiern zurück. Eine Freundin großer Gefühle und -ausprägungen schien sie nie zu sein. Weder große Mengen an Essen noch Trinken verschwanden in ihrer kleineren Gestalt. Sie investierte dafür einige Zeit und Energie darin, Leon und die Dorfbewohner davon zu überzeugen, ihre Retter niemandem genau zu benennen oder zu beschreiben. Die angebotenen Geschenke weist sie energisch zurück, sie nimmt sich sogar ein wenig Zeit, mit Sammeln und Jagen einen Teil der vertilgten Mahlzeit zu ersetzen.

Die dunklen Erinnerungen und die Visionen der vergangenen Tage schien sie recht gut wegzustecken, zumindest war ihr nichts anzumerken. Vielleicht war sie so manches aus ihrer dunklen Heimat gewohnt oder ihr Dievas lenkte sie ab. Auf der Reise nach Freiburg war sie wieder in ihrem Element - sie kümmerte sich um die Pflege der Tiere, führte die Gruppe und kundschaftete. Wann immer möglich oder nötig organisierte sie die Versorgung der Gruppe oder suchte geeignete Rastplätze. Auf dem Weg ließ sie sich immer wieder gerne von den Ortskundigeren belehren, was es mit Freiburg auf sich hatte. Wann immer über die Politik philosophiert wurde, beteiligte sie sich eifrig und zog Vergleiche zum sarmatischen Bund oder Ussurien.



Beim Einzug in die Stadt Freiburg amüsierte sie sich sichtlich über Louis Freude und beobachtete die Leute, die ihnen begegneten oder ins Sichtfeld kamen. Wer waren sie und wie hielten sie sich? Sie war eindeutig fasziniert von den neuen Eindrücken.

Sie hatte auf dem Weg Tristan zugehört und seinem Vorschlag, sich bedeckt zu halten, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, mit Nachdruck zugestimmt. Auch wenn sie Louis Zitat inhaltlich zustimmte, irritierte sie der Zusammenhang. Schließlich ging es doch vorrangig darum, Freunde zu gewinnen anstelle von Feinden. Ihre gerunzelte Stirn wurde jedoch gleich mit einem Schulterzucken weggewischt.

Im Ess- und Versammlungsraum hielt sie es bei einem spärlichen, frischen Mahl samt schwachem Bier. Erichs und Freidrichs Worte ließen sie aufhorchen: "Verzeiht, ihr gehört einem Orden an? Welchem? Und ist es wirklich gut, dass sie euch sehen, wenn ihr eigentlich einen Baron vergiftet habt und für tot gehalten werdet? Ansonsten stimme ich zu, jeder kann wahrscheinlich in dem Bereich, der ihm liegt, am ehesten an Informationen kommen. In meinem Fall zweierlei Landsleute und Händler."

Sie wartete Erichs Antwort ab, bevor sie fortfuhr: "Je nach Rolle, die wir verkörpern wollen, sollten wir vielleicht auch nach Gelegenheiten Ausschau halten, ein wenig Geld zu verdienen. Dabei kann man Kontakte knüpfen, Gerede über die einflussreichen Persönlichkeiten aufschnappen und sich gegebenenfalls bereits einen Namen machen - im guten wie im Schlechten. Mit dem Geld können wir dann unseren Aufenthalt finanzieren, unseren Auftritt aufpolieren," - Sie schob ihren ramponierten Ärmel hoch, sodass die noch nicht verheilten Brandwunden sichtbar wurden. - "und 'Aufwandentschädigungen' berappen." Wie sie so völlig ruhig über Korruption und Bestechung sprach, ließ tief blicken. Sie schien solche Dinge für vollkommen normal zu halten und sich nicht mal groß daran zu stören.

Sie schob mit dem Besteck ihr Essen ein wenig hin und her, bevor sie mehr mit der Sprache herausrückte: "Mit etwas Glück lebt ein wenig angeheiratete Verwandschaft meiner Mutter hier. Mir war nicht klar gewesen, das ich hier vorbeikommen würde, hatte jedoch vor Aufbruch auf meine Reise gesammelt, wo ich verwandte, offene Ohren finden könnte.[1] Mit viel Glück finde ich auch jemand, mit dem ich über meinen Dievas sprechen kann. Steht die Stadt wie der Rest der Eisenlande Magie skeptisch gegenüber?"

Mit einem Seufzen legte sie ihr Besteck ab, schob die Reste ihrer Mahlzeit fürs Erste von sich und suchte den Blickkontakt mit möglichst vielen Anwesenden: "Ich hatte bei unserer ersten Begegnung erwähnt, dass ich in den Eisenlanden in einer familiären Angelegenheit unterwegs bin. Wie es der Zufall will, entpuppte sich Freiburg als das Ziel. Eine meiner Cousinen - Valerija - musste vor zehn Jahren in Schuldnerdienste treten und der Gläubigerin hierher folgen. Wir haben nie wieder etwas von ihr gehört und sind in Sorge. Sie ist Lilijas Untergebene. Lilija trägt eine entstellende Narbe im Gesicht oder verbirgt diese, hat Thomas von Fahrenbach geheiratet und kam mit ihm hierher."
Sie holte noch einmal tief Atem und setzte dann mit Nachdruck fort: "Bei meinen Erkundigungen nach ihr habe ich Folgendes in Erfahrung gebracht: Thomas von Fahrenbach ist einflussreich, vor allem, da er das Gewerbe der käuflichen Liebe kontrolliert. Viele der Mädchen sollen unfreiwillig für ihn arbeiten, er holt sie aus allen Ländern, und lockt sie mit Versprechungen nach Freiburg oder lässt sie einfach mit Gewalt verschleppen. Hier zwingt er sie zu unaussprechlich Dingen, heißt es. Fahrenbach lässt sich gut dafür bezahlen, aber vor allem hat er so ein beträchtliches Erpressungspotenzial gegenüber einem Teil der Freiburgischen Gesellschaft angesammelt. Es ist nicht klar, warum Niklas Träge nichts unternimmt, während Wilma Probst wohl was tun würde, wenn sie nicht um den Frieden in Freiburg fürchten würde."
Sie sackte ein wenig in sich zusammen und schätzte mit ein wenig Resignation: "Wenn wir es mit ihm und seinen Geschäften zu tun bekommen, müssen wir vorsichtig sein, was er über uns herausbekommt. Und eine einsame Ausländerin wie ich könnte gut in sein 'Angebot' passen."
 1. Ausgabe eines Heldenpunktes für Großfamilie
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 15.04.2021, 16:38:41
Während er weiter seiner Mahlzeit zusprach, hörte sich der Montaigner schweigend die Kommentare der anderen an, denn so gern er selbst eine Unterhaltung führte: Seine gute Kinderstube verbot ihm das Reden mit vollem Mund. Weniger kritisch war es dagegen, nach dem Herunterschlucken eines Bissens seine Worte mit Gesten der Geflügelkeule zu untermalen, die er gerade bearbeitete - was dank der köstlichen, aber etwas fettigen Sauce daran einige sichtbare Spuren auf dem Tisch hinterließ. "Bon, das 'ört siesch vernünftieg an" ließ sich der Musketier vernehmen und erklärte Erich: "Iesch werde versuchen, eine rendez-vous zu erlangen, bei dem iesch les nobles meine Aufwartung machen kann. Dann könnt Ihr Eusch an die Respektabilitäten von der Universität 'alten."

Jelenas Geschichte erlaubte ihm einige weitere Bissen, die dem Musketier allerdings beinahe im Halse stecken blieben. "Mon Dieu!" rief er sichtlich erzürnt aus. "Incroyable..! Welsche Schurkerei - diesem Burschen ge'ört die 'andwerkskunst gelegt!" Indem er mit der triefenden Keule auf Jelena wies und dann eine schwungvolle Bewegung ausführte, um sie wie mit gezogenem Degen galant zu grüßen, meinte er entschlossen: "Mademoiselle, es wird mir ein Ehre sein, jeden 'alunken persönliesch aufzuspießen, der es wagt, 'and an Eusch zu legen!"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 26.04.2021, 20:15:55
An dem Abend im Adlerhorst wurde also eine generelle Strategie entwickelt, wie die Gruppe in Freiburg vorgehen wollte. Das wenige, was der Baron ihnen über die Stadt erzählen konnte, reichte bereits aus, um ihnen die Komplexität der Lage zu zeigen. Es war also nicht damit getan, an die Tür des Herrschers zu klopfen und ihn zu bitten, etwas gegen Wirsche zu unternehmen; dazu war die Gemengelage in der Stadt zu komplex und auch zu labil.

Erich war einer der ersten, der ein konkretes Vorgehen vorschlug, und sich im Militärviertel der Stadt, dem Stein, umhören wollte; dies war dann auch das erste, was sie am kommenden Tag angehen würden. Als der nächste Morgen dann anbrach, machten er und Friedrich sich auf den Weg zum Stein. Diese Quartier war nach der gleichnamigen Militärfestung benannt, um die herum es gebaut war - beides war deutlich älter als die Stadt selbst und damit auch das älteste Viertel Freiburgs. Während des Krieges war der Stein beinahe vollständig entvölkert worden, doch inzwischen war er wieder aufgebaut worden und diente nun als gemeinsames Hauptquartier aller militärischen Einheiten, die in Freiburg aktiv waren.

Als sie den Stein betraten, fühlte Erich sich sofort heimisch: Überall trafen sie auf Uniformierte, die auf irgendwelchen Dienstgängen unterwegs waren, und immer wieder passierten sie Kampfakademien und Duellschulen, die hier im Laufe der Zeit entstanden waren. Eine ganze Straße war der Waffenschmiedegilde gewidmet, oder wurde besser gesagt von ihr unterhalten - und selbst bis in weit entfernten Gegenden der Eisenlande war der Ruf des Eisenarms, wie die Straße genannt wurde, gedrungen. Wer immer eine gute Waffe suchte - hier würde er fündig werden.

Als die beiden das Viertel durchstreiften, stob in einiger Entfernung plötzlich die Menschenmenge auseinander, und ein Trupp Soldaten kam ihnen entgegen: Zwanzig Männer und Frauen, die derart synchron marschierten, als wären sie eine einzige Person. Schon von weitem spürten sie die Aura des Respekts, womöglich auch der Furcht, die die beeindruckende Einheit verströmte. Niemand kam auch nur auf den Gedanken, den Soldaten den Weg zu versperren, und etliche meist bewundernde, manchmal auch kritischere Blicke ruhten auf ihnen.
Erich und Friedrich wussten sofort, um wen es sich hierbei handeln musste: Die legendäre Eisengarde, oder vielmehr die Freiburger Eisengarde-Einheit, denn seit dem Krieg gab es keinen übergeordneten Anführer mehr. Die Frau, die in der ersten Reihe marschierte und die Abzeichen einer Anführerin trug, musste daher Selene von Hoff sein, als Kommandeurin einer der sieben Eisengarden selbst eine lebende Legende.

Das Hauptquartier der Kreuzritter, zu dem Erich strebte, war nur noch eine Straßenecke entfernt. Das hatten sie recht schnell in Erfahrung bringen können; auch wenn die Gesellschaft weitgehend im Verborgenen handelte, wussten Friedrich und sein Freund doch, wonach sie fragen mussten, und so fanden sie schnell heraus, an welche Pforte sie klopfen mussten. So traten Erich und Friedrich zu zweit in den kleinen, weitgehend ungeschmückten Raum, als ihnen geöffnet wurde.

"Wer seid ihr, und was sucht ihr hier?" wurden sie mehr oder weniger unwirsch von einem mittelalten Mann gefragt, dessen Gesicht die Narben vergangener Kämpfe zeigte. Ein Auge blickte sie neugierig an, während das andere - wenn überhaupt noch etwas davon übrig war - hinter einer Augenklappe verborgen war.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 26.04.2021, 23:11:24
Die anderen drei wollten in der gleichen Zeit damit beginnen, Jelenas Spur zu folgen. Zwar war es durchaus eine private Angelegenheit, die sie antrieb, doch bei Erfolg könnten sie auch der einen oder anderen Persönlichkeit in der Stadt einen großen Gefallen tun. Louis ließ es sich ohnehin nicht nehmen, die Ussurerin auf einer womöglich gefährlichen Mission zu begleiten, und Hannah schloss sich den beiden ebenfalls an.

Sie hatten noch nicht näher über Jelenas Plan gesprochen, so diese einen hatte, doch nun war es an der Zeit, dass die junge Frau entscheiden musste, wie sie vorgehen wollte.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Friedrich Alfred von Dent am 28.04.2021, 05:39:39
Neugierig hörte Friedrich der Geschichte zu, die Jelena erzählte. Es war wohl nicht einfach, davon zu erzählen aber es konnte ihnen dennoch weiterhelfen. Im Moment waren so gut wie alle Informationen nützlich und diese ganzen Verbindungen und möglichen Kontakte konnten ihnen vielleicht die ein oder andere Tür öffnen. Zumindest aber konnte man nur hoffen, dass sie ihre Cousine finden konnte. Er nickte also und stimme Louis zu. Im Laufe des Abends wurden die Pläne etwas konkreter und schon am nächsten Tag würden sie damit loslegen. Erich und Friedrich sollten zusammen den Orden kontaktieren. Die anderen wollten sich um die Cousine oder eine anderen möglichen Kontakt kümmern. Da Louis und Hannah bei Jelena waren, machte sich Friedrich auch keine Sorgen. Zwar konnte Jelena gut auf sich selbst aufpassen aber dieser Thomas von Fahrenbach hörte sich nach einem gefährlichen Mann an.
Viel weiter musste sich der Gelehrte allerdings im Moment nicht um das Thema kümmern. Noch nicht. Denn er war mit Erich zusammen unterwegs, um im Militärviertel die Kreuzritter zu kontaktieren. Auch wenn Friedrich selbst nicht ganz so interessiert an dem ganzen Thema war wie sein Freund, so musste er doch staunen, als er durch den Stein liefen. So viel militärische Aktivität und sehr viel mehr Soldaten, als er anfangs angenommen hatte. Egal wo man hinsah, konnte man Akademien und Schulen entdecken, die einem das Handwerk zu töten lehrten. "Vielleicht sollten wir uns hier mal in Zukunft genauer umsehen.", meinte Friedrich halb ernst und halb als Scherz. Es konnte ja eigentlich nicht schaden, ein bisschen zu trainieren und dazuzulernen. Auch dem Eisenarm konnte er eine genauere Untersuchung widmen. Seine Armbrust war schon alt, vielleicht war es an der Zeit, eine neue zu besorgen?
Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als eine Einheit Soldaten an ihnen vorbei lief. Nicht nur irgendeine Einheit. Das musste die Eisengarde sein, angeführt von Selene von Hoff. Sicherlich eine Frau, mit der jeder Eisenländer gerne Mal einen Abend verbringen würde. Friedrich eingeschlossen. "Unglaublich dieses Viertel.", sagte er atemlos. Er musste mehr Zeit hier verbringen.
Doch sie hatten auch eine Aufgabe zu erfüllen und er konzentrierte sich wieder darauf. Das Hauptquartier war nicht weit entfernt und wer schon so lange bei den Kreuzrittern war, wie Erich und er, der hatte kein Problem den richtigen Weg zu finden. So betraten sie zusammen auch kurz darauf einen kleinen Raum. Ein einzelner Mann erwartete sie hier. Kampferfahren und etwas unfreundlich. Nicht überraschend bei den Kreuzrittern. Friedrich wollte den Anfang machen und das Eis brechen, auch wenn Erich sicherlich das Gespräch führen sollte. "Dies ist Erich Janina Graustein und ich bin Friedrich Alfred von Dent.", stellte er sie kurz vor. "Wir sind vor kurzem angekommen und suchen Hilfe." Da Friedrich keine Zeit verlieren wollte, zeigte er seinen Ring und die Handfläche vor, wie es das alte Ritual wollte. "Einst zog der Stern nach Süden..."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 28.04.2021, 07:44:53
Erich ging auf die Frage von Jelena ein, denn mehr wie das er einem Orden angehörte musste sie zu diesem Zeitpunkt nicht wissen. Und er vertraute darauf das seine Ordensbrüder nicht verraten würden, denn die weltliche Gerichtsbarkeit war innerhalb des Ordens nicht wirklich immer anwendbar, da galten ganz eigene Regeln. Aber was machte sich Erich Gedanken über seine Vergangenheit, denn das was er da von Jelena zu hören bekam war viel verwerflicher wie die Zugehörigkeit zu einem geheimen Orden. Aber Erich wollte nicht über Jelena urteilen, im Gegenzug erlaubte er sich aber auch auf Ihre Frage zu schweigen und das Thema des Orden einfach unbeantwortet zu lassen.

Als Erich und Friedrich dann am nächsten morgen in Richtung des Steins aufbrachen waren diese Gedanken von Erich bezüglich Jelena dann jedoch schon wieder verflogen. Im Militärviertel angekommen wurde Erich sofort von vielen alten Erinnerungen an seine eigene Ausbildung übermannt. Sellenweise waren es harte Zeiten und alles andere als Lustig, aber überwiegend triumphierten die guten Erinnerungen. Das Gefühl der Kameradschaft und des gegenseitigen auf einander verlassen können lag hier wieder sofort in der Luft und durchströmte Erich. Erich war selbst etwas überrascht wie viele Streitkräfte sich hier versammelt hatten, mit so viel hatte auch er nicht gerechnet. Als er dann zwischendurch von Friedrich angesprochen wurde brauchte Erich einen Moment bis er Antworten konnte, so sehr war er noch in seine Gedanken gefangen "Ja du hast Recht. Wir sollten hier später auf jeden Fall noch einmal her kommen. Das Viertel ist wirklich spannend und vielseitig" Auch Erich war vom Anblick der Eisengarde und Selene von Hoff beeindruckt. Er hatte schon viel von ihnen gehört, aber nichts kam dem wirklich nahe, was sie eben zu Gesicht bekommen hatten.

Als sie dann den Raum betraten hatte es Friedrich offensichtlich sehr eilig um zum Punkt zu kommen, so das Erich erst einmal gar nicht wirklich Zeit hatte zu reagieren. Er sagte daher nichts und zeigte nur ebenfalls seinen Ring und seine Handfläche um sich zu erkennen zu geben, das Losungswort hatte Friedrich ja bereits genannt, jetzt mussten sie nur noch abwarten wie die Wache reagierte.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 28.04.2021, 13:16:46
"... doch jetzt wacht er wieder über seine Heimat." vollendete ihr Gegenüber den Satz, und seine Miene hellte sich auf. Merklich freundlicher fuhr er fort.
"Zwei Brüder! Es freut mich, ein paar freundliche Gesichter zu sehen. Sicherlich habt ihr viel zu erzählen von euren Reisen, und ich bin bereits gespannt darauf, alles zu hören. Aber sagt: Seid ihr in einer speziellen Mission für uns unterwegs, oder kommt ihr eher zufällig nach Freiburg? Oder seid ihr nur wegen den Einsamen Straßen hier?"

Kurz überlegte er, als hätte er etwas vergessen, doch dann fiel es ihm ein:
"Ach, ich Dösbaddel. Jetzt habe ich ganz vergessen, mich vorzustellen. Siegmund Meier ist mein Name, ich bin einer der Kontaktleute der Ritter hier in Freiburg."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 28.04.2021, 15:34:06
Erich war froh das die Wache sie nun einlies und vor allem das sie scheinbar nun wirklich unter Brüder waren und er offen reden konnte "Nun man könnte fast sagen das wir nur auf der Durchreise sind" begann Erich das Gespräch "Doch lass uns erst einmal eintreten und uns es etwas gemütlicher machen denn ich Glaube wir haben einiges zu besprechen, und etwas feuchtes um die Kehlen vom Staub zu Befreien wäre auch nicht schlecht" scherze Erich dann während sie rein gingen und sich an einen Tisch setzten "Ich will nicht lange um den heißen Brei drum herum zu reden, wir sind hier auf der Suche nach Informationen und auch nach der Unterstützung im Kampf gegen die Baronin Wirsche. Ich weiß nicht in wie weit du über sie informiert bist, aber da gehen gerade ganz üble Dinge um die absolut gegen all das Wiederstreben für was unser Orden steht." Erich wartete dann einen kurzen Moment um zu sehen wie Siegmund reagierte "Aber sag was hat es mit dieser Einsamen Straße auf sich? Gibt es aktuell Probleme oder Nöte bei denen ich oder wir beide dem Orden helfen können? Du weißt ja, es geht immer frei nach dem Motto eine Hand wäscht die andere, und immer alles im Sinne des Ordens um das böse zu bekämpfen und die Monster nieder zu strecken."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 28.04.2021, 18:37:20
Siegmund blickte Erich zunächst verdutzt an und fing dann plötzlich schallend an zu lachen.
"Habt ihr die letzten Wochen unter einem Stein gelebt?" scherzte er. "Die ganze Stadt spricht davon - ich hatte ehrlicherweise erwartet, dass die Kunde auch weit über die Grenzen gelangt ist.

Also, wo fange ich an? Die Einsamen Straßen sind eine Künstlergruppierung, die drüben im Reinhagen beheimatet ist. Ihr wisst schon, beim großen Amphitheater - dem Reinhagen eben. Die richten da jetzt eine Art Gladiatorenkämpfe aus und nennen es Kunst. Naja, ist nicht nach Jedermanns Gusto, einige halten es für geschmacklos. Aber viele sind auch komplett aus dem Häuschen deswegen. Und jeder kann mitmachen; es soll den ganzen morgigen Tag dauern. Ich dachte, ihr wärt vielleicht hergekommen um zuzusehen, oder sogar teilzunehmen. Es hat auf jeden Fall einen Haufen Schaulustige in die Stadt gelockt, aus den gesamten Eisenlanden und sogar darüber hinaus."


Siegmunds Reaktion machte deutlich, dass er sich auf die Festivitäten wohl eher freute - doch dann wurde er nachdenklicher und kam auf den ersten Teil Erichs Frage zu sprechen.
"Roswitha von Wirsche, ja. Es gibt viele Gerüchte, und jeder weiß, dass in Wirsche einige unheimliche Dinge vor sich gehen. Wir sind Kreuzritter, wir haben uns dem Kampf gegen die Schrecken verschrieben - natürlich macht mir das Sorgen. Aber Beweise, dass die Eisenfürstin dahintersteckt, gibt es keine - und sie ist erfolgreich: Ihr Territorium blüht auf, und es vergrößert sich. Das sehen die Nachbarn allerdings weniger gern. Doch sie ist mächtig. Wer sich ihr von den Eisenfürsten entgegenstellt, riskiert eine Menge, schlimmstenfalls den Verlust seines Fürstentums.
Wenn ihr also Unterstützung gegen sie sucht, müsst ihr einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Und wen wollt ihr fragen? Wir Kreuzritter sind zu wenige, und in die Politik mischen wir uns gewöhnlich nicht ein. Das Drachenblut? Vielleicht, aber das könnte zu Verstimmungen mit der Eisengarde führen. Ihr müsstet Niklas Träge persönlich dazu bringen, gegen Wirsche vorzugehen, also Wilma Probst. Und er bräuchte Unterstützung von anderen Eisenfürsten.

Aber ich sollte nicht soviel über solche Dinge sprechen. Wie gesagt, wir sind unpolitisch."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Jelena Sejm Petrasowna am 29.04.2021, 00:46:51
Der Verlauf des Planungsgespräches hatte Jelena irritiert. Sie bekam keine Antwort auf die Frage nach dem Orden Erichs und Friedrichs, nicht mal eine, warum die Information verweigert wurde. Verärgert dachte sie daran, dass sie ihnen Gegenüber, was ihre Magie und den Dievas anging, so offen gewesen war, wie möglich. War das nun die Retourkutsche, jetzt, wo sie sich um den Erhalt des Vertrauens bemüht hatte? Immerhin hatte sie Unterstützung für ihren Ansatz und sogar für ihre private Angelegenheit bekommen.

So nutzte sie den morgendlichen Weg durch den Trubel der Stadt, um ein paar Worte loszuwerden: "Ich danke euch für eure Unterstützung. Bitte lasst uns vorsichtig sein, wenn wir es mit von Fahrenbach zu tun bekommen. Noch ist das alles, was ich sagte, nur eine Geschichte, welche ich erzählt bekommen habe. Ich bin auch dafür, neben meiner Cousine auch anderen seiner Opfer zu helfen, dafür brauchen wir aber Beweise, Zeugen oder zumindest einen Anlass wie einen Angriff auf uns."

In einer stilleren Gasse wandt sie sich an Louis: "Sagt, woher wusstet ihr, dass das Amulett der fürchterlichen Kreatur, die mal eine Baronin war, ihre Kräfte verlieh? Warum habt ihr es eingesteckt?" Sie beobachtete scharf seine Reaktion, um mögliche unnatürliche Einflüsse zu bemerken.

Wieder zurück auf einer größeren Straße sah sich das Halbblut nach Milizionären oder Personen um, die im Namen der Stadt arbeiteten. Den anderen erklärte sie: "Der Herr, den wir suchen, heißt Gotfried Achternbusch. Er hat meine Tante mütterlicherseits geehelicht, nachdem sie einige Jahre bei einem ihrer Onkel in Posen aufgezogen worden war. Galinda war ihr Name. Meine Mutter hat den Kontakt mit ihr gepflegt, konnte mir jedoch nie ganz erklären, was Gotfried eigentlich für die Stadtverwaltung tut - irgendwas mit Feuerwache, Nachtwache, so in der Art." Sobald sie eine Person der Satdtverwaltung gefunden hatte, wollte sie diesen nach Gotfried Achternbusch fragen.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 29.04.2021, 12:08:27
Für die kleine Missstimmung zwischen Jelena, Erich und Friedrich schien Louis unempfänglich – jedenfalls hatte der Montaigner weiter seiner Mahlzeit zugesprochen, ohne dass sich seine blendende Laune merklich geändert hätte. Nachdem man schließlich aufgebrochen war, hatte der Musketier dann zunächst vor der nicht geringen Herausforderung gestanden, dass er allein zwei Damen begleitete. Sitte und Anstand hätten von ihm als Edelmann eigentlich gefordert, sowohl Jelena als auch Hannah den Arm als ritterlicher Beschützer zum Geleit zu bieten. Da er jedoch einer solchen Aufgabe nur nachkommen konnte, wenn seine Waffenhand frei war, hatte er sich endlich dazu entschlossen, vor den beiden eine kurze Verbeugung zu machen und sich mit den Worten "Mesdemoiselles, iesch 'offe Verzeihung zu erlangen dafür, dass iesch miesch niescht imstande sehe, einer der reizenden Damen zu geben die Vorzug vor die andere!" an die linke Seite des Trios zu setzen, wo er seinen Degen ungehindert würde ziehen können.

Auf Jelenas Bedenken nickte er und beruhigte sie: "Aber gewiss doch, Mademoiselle Schelena – wir werden walten lassen, mh, wie sagt man le tact? Die rieschtige Maß von 'öflieschkeit. Es iest gar niescht anders mögliesch, wenn man kommt aus Montaigne!" versicherte er, indem er die Hand aufs Herz legte. Ihre vertrauliche Frage dagegen ließ ihn erstaunt die Augenbrauen hochziehen, ehe er erwiderte: "Ah, rieschtieg, die amulette! Nun, womögliesch ein inspiration, ein... Eingebung..?" Heftig seinen Schnurrbart zwirbelnd murmelte der Musketier: "Als iesch die amulette nahm, es kam mir vor, als ob iesch sähe une femme. Ziemliesch groß, und Schatten rundum... doch gerade als sie siesch umdrehte zu mir – zeste! Sie war weg. Da 'abe iesch gedacht, besser die Ding niescht dort zu lassen." Er wirkte nachdenklich, nachdem er sich wieder an die Vision erinnert hatte. Die Erklärungen Jelenas zu Achternbusch quittierte er nur mit einem kurzen Nicken.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 29.04.2021, 12:40:29
Es benötigte nur wenige Fragen an Passanten um herauszufinden, dass sämtliche Ämter, die die Ordnung in der Stadt aufrechterhalten sollten, im Insitutionsquartier beheimatet waren. Auf dem Weg dorthin kamen Jelena, Hannah und Louis zum ersten Mal direkt am Wachturm vorbei und gelangten aus dem Staunen kaum mehr heraus. Selbst Louis hatte ein ähnlich imposantes Bauwerk noch nie gesehen und musste zugeben, dass selbst montaignische Baumeister - selbstverständlich die besten ganz Théahs, wenn nicht der ganzen Welt - nicht in der Lage wären, so etwas zu errichten.
Das galt natürlich ebenso für diejenigen der Eisenlande, und so gesellte sich zum Staunen durchaus auch ein ungutes Gefühl, ob der Turm nicht doch jeden Moment zusammenbrechen konnte, wenn die Syrneth-Kristalle womöglich doch einmal aufhören würden zu funktionieren - schließlich konnten selbst die Gelehrten nicht so richtig sagen, auf welche Weise und warum sie das taten.

Schließlich konnten die drei sich jedoch von dem Bauwerk losreißen und betraten das Institutionsquartier. Auch dort gelangten sie im Zentrum des Viertels zu einem atemberaubenden Bauwerk, auch wenn es mit dem Wachturm in keinster Weise zu vergleichen war. Doch die Drachenkathedrale war von Menschenhand gebaut und thronte über dem zentralen Platz des Quartiers, um den herum sich auch die städtischen Ämter befanden, allen voran das Hauptquartier des Stabs des Eisenfürsten, geleitet von Wilma Probst.
Ein Stück weiter in Richtung der Stadtmauer befand sich, wie sie durch Nachfragen herausfanden, die Freiburger Universität. Und auch der Kerker Freiburgs war im Institutionsquartier zu finden.

Am Kathedralenplatz jedoch erregte ein weiteres Haus die Aufmerksamkeit der drei Besucher. Es war eher von unscheinbarer Größe, doch vor dem Haus stand ein junger Bub neben einem Stapel Papier, der beinahe so groß war wie er selbst. Immer wieder näherte sich ihm ein Passant und bekam für ein paar Münzen eines der Papiere. Welche Bedeutung das ganze hatte, erschloss sich den dreien nicht - wurden hier etwa wissenschaftliche Abhandlungen verkauft?
Ein Schild zierte das Haus mit der auch nicht gerade vielsagenden Aufschrift Freiburger Gazette.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Jelena Sejm Petrasowna am 02.05.2021, 07:01:12
Louis Auftritt beim Aufbruch quittierte Jelena mit einem Lächeln und winkte ab: "Ich danke für diese Aufmerksamkeit, sie ist nicht notwendig. Ich bin nur die ledige Tochter eines Fuhrmanns, aus einer Familie von ... Umherziehenden." Anschließend bervorzugte sie die Mitte des Trios, gegebenenfalls an engen Stellen sogar die Position vorne.

Für seine Zusage angemessener Zurückhaltung Fahrenbachs gegenüber dankte sie. Die Erklärung bezüglich des Amuletts mit der Eingebung schien ihr einzuleuchten, immerhin hatten er und sie beide die Visionen bei den Ruinen im Wald erfahren. "Eine ... Frau? Groß, und schattenumwoben? Vielleicht sollten wir uns das Amulett in einer ruhigen Stunde und fern von fremden Blicken noch einmal ansehen. Aber es war nicht Wirsche wie beim Tod der Kreatur, oder?", versuchte sie die weiteren Worte aufzugreifen.

Jelena hatte es besonder sschwer, sich von der eindrucksvollen Architektur (vor allem der magisch verstärkten) loszureißen. Was würde sie nur dafür geben, mehr darüber zu erfahren und das Wissen zurück nach Ussura zu bringen! Sie konnte der Versuchung nicht widerstehen und fragte ihren Dievas, ob er ihr was zu den Syrneth verraten könnte und würde.

Als sie in Zentrum des institutionsquartiers den eigenartigen Verkauf von Schriftstücken entdeckten, ging Jelena direkt zu dem Buben und fragte: "Hallo Kleiner, was verkaufst du denn da?" Gleichzieitg versuchte sie einen Blick auf die Seiten oder das Deckblatt zu werfen, um die Antwort zu verifizieren.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 04.05.2021, 00:09:44
"Na die Gazette!" antwortete der Junge, als würde das irgendetwas beantworten. Als er die verständnislosen Blicke Jelenas und der anderen bemerkte, fügte er langsam und laut hinzu: "Die ZEITUNG! Das Neueste vom Tage. Nur 10 Kreuzer."

Jelena, nun neugierig geworden, drückte dem Jungen die Münzen in die Hand und nahm sich eins der Exemplare. Direkt sprangen ihr die Worte:
"Das Turnier! Kunst oder Obszönität?"
in überdimensionalen Lettern ins Auge, untertitelt in kleineren Buchstaben mit:
"Handel und Gastronomie freuen sich über das Geld der Reisenden, doch es gibt auch kritische Stimmen: Zieht ein solches Waffenspektakel die Opfer des Krieges in den Schmutz?"

Offenbar enthielt das Blatt Bekanntmachungen aktueller Ereignisse - so etwas kannte die eine oder der andere in Form von Flugblättern. Dies hier schien jedoch etwas anderes zu sein: Eine Mischung aus Bekanntmachung und Kommentar. Außerdem enthielt das Blatt noch deutlich mehr Artikel als nur diesen einen, es füllte einige Seiten.
Plötzlich jedoch fiel Jelenas Blick auf etwas, was ihr unglaublich erschien:
"Träger Träge: Warum die Zeit reif ist für einen neuen Eisenfürsten."
Unter dieser Überschrift folgte ein langer Kommentar, in dem der Autor ausführlich darlegte, weshalb Niklas Träge einen miserablen Job bei der Administration Freiburgs machte und warum jeder Tag, an dem Träge im Amt verblieb, das Scheitern Freiburgs wahrscheinlicher machte. Sofort blickte Jelena sich um und erwartete, dass jeden Moment eine Einheit der Stadtwache das Gebäude umstellen würde, doch nichts dergleichen deutete sich an. Viele Bürger lasen hie und da in der Zeitung, doch niemand wirkte, als hätte er ein Problem mit einem solch verräterischen Pamphlet. Und dort: Da standen zwei Gardisten; einer der beiden deutete grinsend auf die Zeitung!

In fast jeder anderen Stadt Théahs, da war Jelena sich sicher, würde ein solches Machwerk mit Hochverrat gleichgesetzt und längst hätte die Armee das Gebäude besetzt und jeden, der dort arbeitete, in den Kerker geworfen. Wusste der Eisenfürst etwa überhaupt nichts davon?

Nachdem sie den Schock einigermaßen überwunden hatte, überflog Jelena kurz die anderen Überschriften. Vieles davon waren kurze Abschnitte, die ein bestimmtes Produkt oder einen Laden über alle Maßen lobten. Auch das erschien Jelena merkwürdig, doch sie vermutete, dass jemand dafür bezahlte, dass ein solcher Artikel erschien. Andere waren eher von lokalem Interesse und berichteten beispielsweise von einem entlaufenen Hund, der glücklicherweise und durch die "heldenhafte" Mithilfe eines Mitbürgers wieder seinen Weg nach Hause gefunden hatte, oder vom sechzigsten Geburtstag, den ein respektiertes Mitglied der Gesellschaft feierte.

Ein paar der Artikel fielen der Ussurerin ins Auge: Im Wirtschaftsteil war von heftigen Kontroversen die Rede, da die atabische Handelskompanie Sklaven in die Stadt importieren wollte. Im Wissenschaftsteil wurde von Drohungen gegen die Universität gesprochen, die in den Wahrheitspapieren einen allzu häretischen Artikel veröffentlicht haben solle. Und der Kulturteil berichtete außer über das Turnier auch über das neue Stück Jean Lemaires, das im Sylvester Schauspielhaus seine Premiere hatte.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 06.05.2021, 13:52:40
"Ah, das zu sagen – absolument unmögliesch! Iesch sah sie nur von 'inten und von die Seite" bedauerte der Montaigner mit einem Schulterzucken, nickte dann aber: "Bien sûr! Iesch versteh niescht viel von derlei 'exerei, vielleischt seht Ihr mehr." Auf dem weiteren Weg achtete er darauf, den beiden Frauen mögliche Zudringlichkeiten etwa in Form von Bettlern, Hausierern und anderen unverschämten Zeitgenossen energisch vom Hals zu halten. Dieweil wanderten seine Blicke auch zur Genüge über die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die ihm das eine oder andere wohlgefällige Nicken entlockten, wiewohl diese – naturellement – nicht mit den höchsten Errungenschaft Montaignes mithalten konnten.

Deutlich weniger begeistert zeigte er sich von den Zeilen, die sie in der spontan erworbenen Zeitung zu lesen bekamen. "Mon dieu... wie despektierliesch! Wäre iesch diese Monsieur Träge, iesch würde mir derlei niescht bieten lassen!" Sichtlich schockiert murmelte er in seiner Muttersprache vor sich hin. Einzelne Worte wie "parbleu" oder "incarcérer" ließen allerdings auf seine Empörung schließen. Endlich fielen seine Augen auf einen weiteren Artikel, und er zwirbelte seinen Schnurrbart, wobei sich seine Miene aufhellte. "Was sehe iesch da? Eine Stück in die théâtre? Ah, la culture, enfin!" Indem er die Zeilen überflog, runzelte der Musketier die Stirn. "Alors... Jean Lemaire. Nach dem, was man über ihn 'ört, die Aufführung dürfte siescherliesch... provocant sein."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Friedrich Alfred von Dent am 12.05.2021, 19:05:15
Da nun sichergestellt war, dass sie unter sich waren, konnten sie frei heraus sprechen. Friedrich setzte sich an den Tisch und hörte dem kurzen Austausch zwischen Erich und Sigmund zu. Es wurden direkt Nägel mit Köpfen gemacht. Erich verlor keine Zeit, erklärte ohne große Umschweife warum sie in der Stadt waren und bot seine, oder besser, ihre Hilfe an. Ja, eine Hand wäscht die andere. Natürlich waren sie bereit hier auszuhelfen, denn ihre Forderung und Bitte war auch nicht ganz ohne. Sigmund fand es ziemlich lustig, dass sie nicht genau wussten, wie weit die Kunde um Roswitha herumgekommen war. Mit seiner Frage war er ja gar nicht so falsch. Wie viele Tage waren sie eigentlich außerhalb jeglicher größeren Städte gewesen? Friedrich wusste es nicht genau aber hielt es auch für unwichtig, das herauszufinden. Viel wichtiger war es, was sein Ordensbruder da erzählte.
"Es geht hier um mehr als Politik.", antwortete Friedrich nach dem kurzen Monolog seines Gegenübers. "Roswitha von Wirsche ist kein normaler Mensch mehr. Schon lange nicht mehr. Als Kreuzritter haben wir geschworen, das Böse und jegliche Monster zu vernichten. Es gibt vermutlich wenig auf das dieses Wort mehr passt als auf Roswitha von Wirsche." Friedrich überlegte kurz, wie viel er erzählen sollte. Er entschloss, die Wahrheit zu sagen. Sie waren schließlich im Orden und wenn sie Hilfe wollten, durften sie nicht mit Lügen anfangen. "Du scheinst gut informiert. Sicherlich hast du schon viele Gerüchte und Geschichten über die Baronie Baderbaasch gehört. Sie sind alle wahr. Baronin Baderbaasch war kein Mensch mehr, als wir sie vernichtet haben. Schwarze Magie hat sie in etwas viel Schlimmeres verwandelt. Sie hat Menschen geopfert und ihre Lebenskraft ausgesaugt, um am Leben zu bleiben." Friedrich schüttelte den Kopf und erzählte die Geschichte. Er ließ nichts von der Konfrontation mit der Baronin aus. "Wichtig ist vor allem, dass Roswitha von Wirsche für all das verantwortlich war. Wir müssen sie aufhalten und brauchen jede Hilfe, die wir kriegen können. Dies ist kein politisches Problem mehr. Sie ist eine Gefahr für die gesamten Eisenlande."
Er seufzte. Es war ein großes Unterfangen und sie hatten gerade einmal angefangen. "Vielleicht sind diese Gladiatorenkämpfe das richtige, um etwas Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen." Womit er vor allem in Richtung Erich sah. "Wenn du einen hohen Platz belegst, vielleicht sogar gewinnst, dann wird man dir sicherlich viel Respekt zollen und dich anhören." Er selbst war nicht der richtige für so etwas. Doch Erich war wie geschaffen für ein solches Turnier. "Wenn du erst einmal die Aufmerksamkeit des Drachenbluts, vielleicht sogar von Niklas Träge auf diesem Weg erlangt hast, haben wir einen schweren Teil bereits hinter uns." Er wandte sich noch einmal an Sigmund. "Wir verlangen viel aber du verstehst nun sicherlich, wie wichtig unsere Mission ist. Wenn du uns irgendwie helfen kannst, nehmen wir diese Hilfe gerne an. Natürlich würden wir uns revanchieren, wie Erich bereits anbot."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 16.05.2021, 16:08:28
Bei der Erwähnung Baderbaaschs und dem darauffolgenden war Siegmund deutlich interessierter.
"Du meinst die Baronie Düster." berichtigte er Friedrich. "Die Baronin war eine geborene Baderbaasch. Und ja, ich kenne die Geschichten, das Land befindet sich schließlich nicht weit entfernt von hier.

Und ihr habt sie vernichtet?"
fügte er mit einer Mischung aus Staunen und Anerkennen hinzu. "Bitte, ihr müsst mir mehr darüber erzählen, was für eine Art von Kreatur aus ihr geworden ist. Ich werde einen Bericht dazu verfassen und ihn von unseren Eisensängern im ganzen Land verteilen lassen. Jeder Erfolg gegen die Schrecken gibt den Leuten neuen Mut."

Etwas leiser fügte er hinzu: "Es war an der Zeit, dass jemand etwas gegen Düster unternimmt, doch niemand wollte sich in IHRE Belange einmischen." Das Wort IHRE betonte der Kreuzritter mit deutlicher Ehrfurcht. "Ich hoffe für euch, dass SIE es euch nicht übel nimmt, dass ihr euch in die Belange des Waldes eingemischt habt."

Sachlicher fuhr er fort: "Woher wisst ihr, dass Roswitha von Wirsche hinter all dem steckt? Habt ihr Beweise dafür? Dann kann ich womöglich ein paar Hebel in Bewegung setzen und euch mit wichtigen Persönlichkeiten in Verbindung bringen."

Zu den Kämpfen stimmte er Friedrich bedingt zu. "Sollte einer von euch bei den Kämpfen siegen, kann euch das sicher einige Türen öffnen. Aber eher nicht beim Drachenblut, denn nach allem, was man so hört, halten sie nicht allzu viel von dem Turnier. Doch solltet ihr gewinnen, habt ihr sicherlich das Ohr der Adligen und einiger Künstler, die letztendlich für sie arbeiten. Das könnte am Ende wertvoller sein als das Drachenblut - aber glaubt nicht, dass es einfach wird, dort zu siegen; es haben sich einige Kämpfer mit Ruf angemeldet."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 17.05.2021, 10:11:28
Erich lauschte den Erzählungen von Friedrich und nickte immer wieder zustimmend wenn er von dem letzten Kampf berichtete. Als dann Siegmund wieder das Wort ergriff und die beiden mit weiteren Fragen löcherte war es diesmal Erich der die Antworten gab "Nun Siegfried, was genau da aus der Baronin geworden ist kann ich dir auch nicht sagen, vielleicht kann Friedrich das etwas näher bezeichnen. Ich kann dir nur erzählen das sie ein grausames Monster geworden ist das in dunklen ritualen die Lebensenergie anderer Abgesaugt hat und sich mit Toten und Geistern umgeben hat. Sie selbst war wohl vermutlich selbst so etwas wie eine Untote oder was auch immer geworden. Das Roswitha mit darin steckt haben wir mit eigenen Augen gesehen als Ihr Geist aus den sterben Überrest der Baronin entwich. Roswitha zeigte uns kurzfristig ihre hässliche Fratze und löste sich dann in Luft auf. Mehr an Beweisen können wir noch nicht nachweisen, der Rest ist alles nur Gerüchte und Vermutungen."

Erich musste sich kurz schütteln als er das ganze noch einmal vor seinem inneren Auge so vor sich sah und sich an diese dunkle kalte Magie erinnerte die er selbst zu spüren bekommen hatte.

"Laß uns lieber mal wieder zu eher weltlichen und vor allem greifbaren Dingen kommen. Was genau müsste man tun um sich bei diesem Schauspiel an zu melden? Meinst du wirklich das es im sinne des Orden wäre wenn ich daran teilnehmen würde? Kennst du die genauen Regeln des Kampfes? Wird dort mit echten Waffen gekämpft und wird dort echtes Blut vergossen? Oder ist das alles nur ein großes Theater mit viel Kunstblut und großer Dramatik? Es wäre zumindest ein Ansatz den wir verfolgen könnten, vielleicht schaffe ich es ja wirklich dort ein wenig Aufmerksamkeit zu erlangen und somit die Türen zu gewissen Personen zu öffnen. Ich hasse zwar das ganze Getue mit den Diplomaten und den Hoheiten der Politik, aber in diesem Fall zählt das große Ziel was dahinter steckt. Und wenn das die einzige Möglichkeit ist das wir gehört werden, dann soll es halt so sein."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 19.05.2021, 16:12:43
Nachdem sie die Zeitung ausgiebig gemustert hatten, setzten Jelena, Hannah und Louis ihre Erkundung fort. Mangels besserer Ideen starteten sie ihre Suche im Hauptquartier des Stabs, denn diesem sollten die anderen Ämter wohl unterstellt sein. Zumindest eine Auskunft, wo sich das Hauptquartier der Feuer- und der Nachtwache befand, sollte man hier bekommen können.

Das Gebäude, ebenfalls am Kathedralenplatz befindlich, war für Besucher und Antragsteller an diesem Tag geöffnet, und so traten sie in den Eingangsraum. Erschrocken stellten sie fest, dass sie offenbar nicht die einzigen waren, die mit einem Anliegen erschienen waren. An der Seite des großen Raumes saßen fast zwei Dutzend Frauen und Männer auf einfachen Holzbänken, und schnell wurde klar, dass sie wohl darauf warteten, an die Reihe zu kommen.

Jelena, die vorangeschritten war, wurde von einer mürrisch dreiblickenden Dame, die hinter einem kleinen Holztisch saß, in einem gelangweilten Tonfall angesprochen: "Wenn Sie ein Anliegen haben, nehmen sie das und setzen sich, bis Sie aufgerufen werden." Gleichzeitig gab sie der Halbussurerin eine kleine hölzerne Scheibe, auf der die Zahl '57' eingeschnitzt war.

"Die Zweiundvierzig!" rief in diesem Moment ein junger Mann und hielt zur Verdeutlichung die beiden Ziffern in die Höhe. Eine junge Mutter mit einem vielleicht fünfjährigen Kind kniff die Augen zusammen, um die Schilder besser erkennen zu können, blickte auf ihre eigene Holzscheibe und sprang dann wie von der Tarantel gestochen auf.
"Ich, hier!" rief sie aufgeregt, worauf der junge Mann sie skeptisch anblickte.
"Ganz ruhig, die Dame. Schalter drei ist frei. Bitte gehen Sie dorthin!" wies er die Frau in die richtige Richtung und half mit einem kurzen Fingerzeig nach.

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Siegmund nickte verständig, doch sein Blick war kritisch. "Ich zweifle nicht an dem, was ihr gesehen habt, und auch nicht daran, dass Roswitha Wirsche zu so etwas fähig sein könnte; doch das wird nicht ausreichen, um Niklas Träge davon zu überzeugen, ihr den Krieg zu erklären. Doch es gibt viele Gruppierungen, die in Freiburg etwas mitzureden haben, und wenn ihr genug von ihnen von eurer Sache überzeugen könnt, dann wird sich Träge dem kaum entgegenstellen.
Das Turnier ist dafür womöglich wirklich eine gute Opportunität. Und der Orden wird kaum etwas dagegen haben, wenn du teilnimmst. Gekämpft wird mit stumpfer oder belederter Klinge, es soll dabei keine Toten geben. Allerdings bleibt es natürlich bei einem Restrisiko, und blaue Flecken wird man sich auf jeden Fall einfangen. Es wird auch kein Kunstblut vergossen, aber es gibt Regeln, die den Sieger bestimmen.

Wenn ihr euch anmelden wollt, müsst ihr direkt zum Amphitheater im Reinhagen gehen. Dort kann sich jeder Kandidat registrieren."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 20.05.2021, 16:33:04
Louis Augen wurden immer größer, je länger sie sich in dem Hauptquartier aufhielten. Er hatte seinen Begleiterinnen ungeachtet aller Beteuerungen, dass es unnötig sei, die Türen aufgehalten. Der Musketier nahm seine Aufgabe des Ehrengeleits offenkundig äußerst ernst und war in Sachen Galanterie wohl auch auf vertrautem Gelände. Was er hier zu sehen bekam, mutete ihm aber 'öchst ungewöhnliesch an, gelinde gesagt. Insbesondere das Verfahren mit den nummerierten Märkchen ließ ihn ungläubig den Kopf schütteln. Nachdem er irgendeinen Bauern oder einfachen Bürger barsch genötigt hatte, sich seiner guten Kinderstube zu entsinnen und für die beiden Damen beiseite zu rücken, damit sie bequem sitzen könnten, murmelte er Jelena zu: "Mon dieu, 'ier wird über'aupt niescht darauf geschaut, wer wieschtieg iest und wer niescht – es geht einfach der Rei'e nach, als sei eine gentilhomme zu vergleischen mit jedem da'ergelaufenen crétin – da iest einfach barbare!". Sichtlich indigniert zwirbelte der Montaigner seinen prächtigen Schnurrbart.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Jelena Sejm Petrasowna am 21.05.2021, 12:27:24
Nachdem der Dievas still geblieben war im Bezug auf ihre Frage nach Syrneth gab sie diesen Gedankengang fürs Erste auf. Stattdessen widmete sie sich dem Studium der sogenannten "Zeitung". Sie war beeindruckt von der Fülle an Informationen, die man für das geringe Geld bekam. Auch wenn sie nicht alles interessierte, beneidete sie Freiburg schon jetzt um so eine Institution. Nicht mal im sarmatischen Bund hat es eine vergleichbare Freiheit gegeben. Ein wenig mulmig war ihr schon dabei, solch krasse Worte gegen die Obrigkeit mit sich herumzutragen, aber sie tat es, schließlich war sie darauf eingeschworen worden, sich nicht von Angst leiten zu lassen. Auf die Geschichte mit dem entlaufenen und wiedergefundenen Hund reagierte sie mit einem Lächeln, Louis Kommentar zu dem Theater ließ sie fragen: "Hättet ihr Interesse, das Stück zu sehen?" Mit etwas Grübeln ging sie noch einmal alle Texte durch, auch die, die für Produkte warben, um Ansatzpunkte für Möglichkeiten zu entdecken, Einfluss in dieser Stadt zu bekommen. "Das Turnier zieht wahrscheinlich zu viel Aufmerksamkeit auf sich für uns. Das respektierte Gesellschaftsmitglied mit 60 Jahren sollten wir uns merken, vielleicht können wir ihn für uns einnehmen." Und so weiter und so weiter kommentierte sie die Texte.

Den Weg zum Hauptquartier verbrachte Jelena in grübelnder Stille. So wurde sie von dem Nummernschild und Louis Auftritt überrumpelt. Im Gegensatz zum Montaigner war sie nicht gekränkt, immerhin hatte sie im sarmatischen Bund solche Gleichbehandlung (im Gegensatz zu Ussura) bereits kennengelernt. Vorsichtig versuchte sie einzuwenden: "Auch wenn ich glaube, dass hier ein Missverständnis vorliegt: Würde die Tatsache, dass manche Leute aufgrund ihrer Geburt bevorzugt behandelt werden, nicht Groll von den anderen provozieren? Warum sollte der ehrliche Handwerker sich nicht beschweren können, falls ein verdorbenes Ratsmitglied ihn um seinen Lohn für die Arbeit betrogen hat?" Entsprechend bat sie den Gentleman, die Bürger in Ruhe zu lassen, sie würde sowieso versuchen, das "Anliegen" direkt zu klären.

Und so wandt sie sich der gelangweilten Dame erneut zu und versuchte, ihr Abwechslung zu verschaffen (sobald das Kärtchenverteilen dies zuließ): "Verzeiht, wir sind nicht von hier und mit dem Prozedere nicht vertraut. Wir wollten wissen, wo die Nacht- oder Feuerwache zu finden ist. Wir wollten mit Herrn Gotfried Achternbusch sprechen. Ist dies ein Anliegen, welches es wert ist, einen dieser wertvollen Plätze zu blockieren?" Sie setzte ein entschuldigendes Lächeln auf und versuchte, entweder an die Großherzigkeit der Dame oder zumindest an ihr Bedürfnis heranzukommen, möglichst in Ruhe gelassen zu werden.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 21.05.2021, 13:41:17
Die Frau blickte erneut auf: "Der Name sagt mir nichts. Die Hauptfeuerwache ist nur zwei Straßen von hier entfernt, es gibt aber eine Wache in jedem der Viertel - sonst wäre der Weg im Ernstfall zu weit. Mit der Stadtwache ist es ähnlich; das Hauptquartier ist im Stein, aber es gibt Wachtstationen in jedem der Sektoren. Wenn ihr eine bestimmte Person sucht, die dort Dienst tut, fragt ihr am besten in der jeweiligen Zentrale; die haben dort die Stabslisten."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 21.05.2021, 15:59:29
Danke Siegmund, das sind interessante Informationen. Sag, weißt du noch mehr zu dessen Regeln des Turniers? Vielleicht melde ich mich ja wirklich dort an." meinte Erich etwas nachdenklich. Ein gutes Training wäre dieses Turnier bestimmt, und vielleicht könnte man dort wirklich neue Kontakte knüpfen.
"Aber mal noch was ganz anderes, weißt du ob der Orden uns in der Sache mit der Baronin vielleicht doch noch irgendwie weiter helfen kann? Oder hast du noch andere Quellen die wir vielleicht anzapfen könnten? Denn wie du ja selbst gesagt hast ist das ein größeres Unternehmen bei dem wir viele Unterstützer brauchen. vielleicht müssen wir auch etwas ungewöhnliche Wege gehen. Wenn du uns hier weiter helfen könntest, dann würde ich auf jeden Fall in deiner Schuld stehen. Jeder Information oder jede weitere Kontaktperson die vielleicht helfen kann ist hier wichtig. Das ganze ist für uns alleine zu groß, ja selbst für den ganzen Orden ist die Aufgabe vermutlich zu groß, wir brauchen unbedingt weitere Verbündete."

Nach einer kurzen Pause fällt Erich dann noch eine weitere Sache ein die ihm auf dem Herzen lag "Sag, kennst du hier gute Heiler denen du vertraust? Der letzte Kampf steckt einigen meiner Freunde doch noch recht in den Knochen. Und wer weiß wie dieses Turnier ausgeht, vielleicht werde ich dann auch einen Heiler benötigen. Und wie sieht es hier in der Stadt eigentlich aus mit offiziellen Dokumenten und Nachweisen? Ich habe da im Moment ein kleines Problem, es könnte sein das es von Nachteil ist wenn man meinen Namen außerhalb dieses Raumes bzw außerhalb des Ordens erfährt. Wir sind mehr oder weniger in geheimer Sache hier unterwegs. Es ist also alles gerade nicht ganz so einfach"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 22.05.2021, 11:45:11
"Comment? Missverständnies..?" Der Montaigner war sichtlich höchst verwundert. "Es wäre doch in 'öchstem Maße läscherliesch, jeden... wie sagt man mediant... Bettler gleischzusetzen mit Menschen edler 'erkunft, n'est-ce pas?" Auf Bitten Jelenas beherrschte sich der Musketier allerdings und begnügte sich damit, den ungalanten Lümmeln böse Blicke zuzuwerfen. Auf und ab marschierend wartete er darauf, dass die Ussurerin ihre Angelegenheit regelte, wobei er gelegentlich in seiner Muttersprache vor sich hin murmelte und fassungslos den Kopf schüttelte. Offenkundig konnte er nicht nachvollziehen, wie sie sich das Funktionieren einer Gesellschaft ohne ordnende Hierarchie vorstellte. Bauern und Barone, auf gleicher Stufe?! "Ridicule... grotesque!!" brummte er ein ums andere Mal. In welch unzivilisierte Gegend hatte sein Drang nach Abenteuern ihn bloß geführt!
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Jelena Sejm Petrasowna am 24.05.2021, 09:43:56
Jelena dankte Louis leise dafür, ihre Bitte um Rücksicht umzusetzen. Seine verwunderte Frage zum Gleichsetzen beantwortete sie mit einem grübelnden Gesichtsausdruck: "Ich meine...ich weiß nicht, was die richtige Lösung ist, aber Menschen, die ausreichend verzweifelt sind und glauben, sonst keine Chance zu haben, erlittenes Unrecht korrigiert zu bekommen, neigen zu Verzweiflungstaten - Diebstahl, Raub oder Mord. Irgendwo müssen sie ihre Beschwerden loswerden können und Vertrauen haben, Gehör zu finden." Mit kurzem Abstand erklärte sie sich: "Ussura und der sarmatische Bund sind in diesem Punkt diametrale Gegensätze, und während die Sarmaten über die Runden kommen, hat Ussura Reformen nötig."

"Vielen Dank, damit haben Sie mir sehr geholfen. Und ich bitte um Entschuldigung, Ihnen Umstände gemacht zu haben.", teilte die Abenteurerin der Empfangsdame mit für ihre Antworten. Sie gab auch das Holzschild mit der Nummer zurück und wartete kurz, ob es noch etwas gab, bevor sie sich mit ihren beiden Gefährten auf den Weg zur Hauptfeuerwache machte.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 26.05.2021, 12:57:50
"Mit den Regeln habe ich mich bisher nicht beschäftigt." gab Siegmund zu. "Es wird aber auf keinen Fall nach Duellregeln ausgetragen und ist frei für jedermann. Und ich glaube, die Wahl der Waffen ist frei, zumindest in einem gewissen Rahmen. Oder werden die Waffen ausgelost?
Entschuldigt, ich habe das Ganze nicht so sehr verfolgt; ich bin mir aber sicher, dass nicht zum Tode gekämpft wird. Das war eine der Voraussetzungen, um überhaupt die Genehmigung zu bekommen.

Was einen Arzt betrifft,"
so fuhr er nach einer kurzen Pause fort, "so würde ich dir empfehlen, dich zur Universität zu begeben. Das dortige Lehrkrankenhaus hat einen hervorragenden Ruf, auch wenn es mit Heimstatt natürlich nicht mithalten kann. Aber wenn ich richtig informiert bin, ist Chaim Ledovid persönlich gerade in der Stadt und hält eine Vorlesung an der Universität. Ich vermute allerdings, dass er zu viel zu tun hat, um sich auch noch um Kranke zu kümmern."[1]

~~~

Jelena verließ mit ihren beiden Gefährten das Hauptquartier und folgte der Beschreibung zur Feuerwache, die bereits von weitem durch einen roten Helm zu erkennen war, der über der Pforte angebracht war. Es handelte sich um ein großes Gebäude mit einer breiten Wagenzufahrt zu einem offenen Innenhof. Dort sahen die Besucher mehrere schwere Transportkarren, die mit großen Fässern beladen waren - offensichtlich Löschwasser, das an die Stelle des Brandes gebracht werden konnte. Nebenan befanden sich Pferdeställe, und gerade war ein großes Treiben zugange, da wohl gerade ein Trupp von einem Einsatz zurückgekehrt war. Überall setzten und legten sich die schweißtriefenden Männer (und einige Frauen, wie Louis überrascht feststellte) mit rußgeschwärzten Gesichtern auf den Boden, um sich von den Strapazen zu erholen, während andere, die offenbar beim Einsatz nicht dabei waren, umherliefen, um den Erschöpften Wasser und eine Stärkung zu bringen, was dankbar angenommen wurde. Wieder andere kümmerten sich um die Pferde, die nicht weniger erschöpft schienen, hatten sie doch mehrere Tonnen schwere Wagen in aller Eile hinter sich herziehen müssen.
 1. Du weißt über Heimstatt und Ledovid, was in der Gazette (https://games.dnd-gate.de/index.php/topic,9258.msg1063892.html#msg1063892) beschrieben ist.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 26.05.2021, 20:08:55
Louis kam aus dem Staunen nicht heraus. Die offenbar institutionalisierte Brandwache veranlasste ihn zu einem verblüfften "Mon dieu, das iest 'öchst bemerkenswert..!", begleitet von einem energischen Zwirbeln seines Schnurrbarts. "Wisst Ihr" wandte er sich an seine Begleiterinnen "iesch bin mir noch niescht siescher, ob dies die Stadt der Wunder iest oder die Stadt der Verrückten. So etwas 'at die Welt noch niescht gesehen, mein Wort darauf!" Indes, überlegte der Montaigner mit gerunzelter Stirn, wäre eine solche Einrichtung womöglich sogar wert, in seine Heimat exportiert zu werden. Welch frappierender Gedanke: Ein Feuer, ein Brand brach inmitten der hölzernen, strohgedeckten und sonstwie zunderartig brennbaren Behausungen einer großen Stadt aus – und man hatte Leute zur Verfügung, die Wasser an Ort und Stelle brachten und anderer Leute Häuser löschten, statt sich damit zu beschäftigen, ohne Rücksicht auf Verluste die eigenen Besitztümer außer Reichweite der Flammen zu bringen und damit jeden Löschversuch zunichte zu machen. Wirklich frappierend und dabei derart simpel... es stellte eine geradezu himmelschreiende, unglaubliche Schande dar, dass dieses Verfahren nicht von einem Montaigner erfunden worden war!
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 30.05.2021, 09:49:58
"Nun gut, wenn es sonst nichts gibt was wir für den Orden tun können, dann wird es wohl das beste sein wenn wir uns als nächstes dieses Turnier mal näher ansehen. Oder hast du noch weitere Informationen für uns? Gibt es noch weitere Personen die uns bei unserer Aufgabe vielleicht unterstützen können? Erich war sichtlich etwas geknickt, er hatte sich irgendwie etwas mehr erhofft. Aber es war ihm auch klar das die Mühlen der Politik sehr langsam mahlten, und das es auf dem Parkett der Diplomatie sehr glatt war. Also mussten sie wohl einen Schritt nach dem anderen machen. Und bei dem Turnier war Erich wenigstens in einem Bereich in dem er sich auskannte, einen direkten Gegner vor sich zu haben und es mit einer Waffe aus zu tragen war auf die ein oder andere Art wenigstens eine Ehrliche und direkte Art, da wusste man wenigstens was einen erwartet.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Jelena Sejm Petrasowna am 30.05.2021, 18:24:37
Auch Jelena war von der Feuerwache fasziniert. Sie hatte ein kleines Nebengebäude der Stadtwache erwartet, in dem die Feuerwächter koordiniert werden für ihre Rundgänge. Sobald sie etwas bemerkten, würden sie Alarm schlagen und die menschen der Umgebung sich um die Rettung ihrer Hausstatt kümmern - so gut sie eben konnten. das hier war etwas ganz anderes. Die Feuerwache hielt auch Mensch und Material für die Brandbekämpfung bereit. Und davon sollte es zusätzlich noch eine pro Bezirk geben? Wer kam für das Material auf und waren das alles freiwillige oder verpflichtete Kräfte, die das hier noch neben ihrem Lebensunterhalt verrichteten? Sie musste sich sichtlich fassen und innerlich bremsen, um nicht völlig in Nachforschungen über diese Erfindung aufzugehen. Und sie durfte nicht vergessen, wozu Matuschka sie verpflichtet hatte - "Lasse dich nicht von deinen Emotionen beherrschen!" "Ich stimme zu, das ist faszinierend! Vielleicht findet sich die Zeit, mehr darüber zu erfahren.", gab sie gegenüber Louis zu.

Sie passte einen der weniger erschöpften, weniger verdreckten Feuerkämpfer ab, in der Hoffnung, einen Ranghöheren zu erwischen, und begann: "Verzeihen sie, ich sehe so etwas zum ersten Mal. Das ist beeindruckend, dass ihr die Feuer alleine und trotzdem erfolgreich eindämmt! Habt ihr einen Moment Zeit? Ich suche Herrn Georg Achternbusch, meines Wissens ist er bei der Nacht- und Feuerwache?" Dabei hatte sie ein ehrlich beeindrucktes, freundliches Lächeln auf dem Gesicht.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 05.06.2021, 22:48:54
"Nun, ein wenig weiter kann ich euch vielleicht noch helfen." entgegnete der Kreuzritter Erich. "Ich kann euch zumindest etwas über den Rat sagen. Also den Rat der Stadt Freiburg. Offiziell hat dieser zwar keine Macht und Niklas Träge ist der absolute Herrscher über die Stadt, aber jeder weiß, dass Träge sich aus den Regierungsgeschäften weitgehend heraushält und Wilma Probst das Regieren überlässt. Und zumindest die besser informierten wissen, dass Träge, oder auch Probst, die Stadt niemals gegen die einflussreichen Gruppen regieren kann. Dazu ist die Stadt viel zu fragil. Deshalb gibt es den Rat. Er gibt den wichtigen Gruppierungen Freiburgs eine Stimme - und es ist wohl dem taktischen Genie Wilma Probsts zu verdanken, dass diese Gruppen sich bis heute immer wieder zusammenraufen. Und natürlich dem Umstand, dass die meisten von ihnen mehr zu verlieren hätten, wenn Freiburg scheitert, als wenn man sich manchmal in einen unbefriedigenden Kompromiss fügen muss.

Zwölf Köpfe zählt der Rat, plus Wilma Probst, die zwar offiziell kein Teil des Rates ist, aber an seinen Sitzungen teilnimmt. Aus den militärischen Gruppierungen sind Selene von Hoff, die Anführerin der Eisengarde, und Jürgen Geldern, ein ranghohes Mitglied des Drachenbluts, im Rat. Der Handel wird durch Gerrit van Ruttvegen von der Vendelschen Liga und Liane Schröder, Vertreterin eines der größten Handelshäuser der Stadt, vertreten. Hildegard Schmidt, die Vorsitzende der Waffenschmiedegilde, und Werner Weber, der Präsident der Tuchmachergilde, halten die Fahne des Handwerks im Rat hoch.
Dazu gibt es selbstverständlich Vertreter der Adelshäuser, nämlich Gitta von und zu Castell, Walter von Stein, Franziska von Schönborn und Thomas von Fahrenbach. Und zu guter Letzt haben der Leiter des Sylvester Schauspielhauses, Jean Lemaire, sowie der Präsident der Universität, Peter von Weierstraß, noch jeweils einen Sitz im Rat.

Es ist sicherlich nicht einfach, aber wenn ihr es schafft, diese Leute zu überzeugen, dass Roswitha von Wirsche eine so große Gefahr darstellt, dass Freiburg dagegen vorgehen sollte, dann wird sich Wilma Probst dem nicht verweigern."


Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 08.06.2021, 23:21:55
Die erste Versorgung der Einsatzkräfte schien erfolgt zu sein, und so blickte der Mann Jelena interessiert an. Er war noch recht jung, maximal Mitte zwanzig, schien jedoch kein ganz einfacher Wachmann zu sein. Beim Anblick der beiden Damen und des offensichtlich gut situierten Herren nickte er freundlich. Stolz schwang in seiner Stimme, als er antwortete:
"Ihr habt Recht, die Feuerwache Freiburgs ist in ihrer Art einzigartig, soviel ich weiß. Der Fürst gründete sie auch wegen der Erfahrungen mit der Siedlung Güldentor, dem Vorläufer Freiburgs. Die Stadt damals ist im Krieg vor die Hunde gekommen, und es waren nicht zuletzt die zahlreichen Feuer, die dafür gesorgt haben. Natürlich gibt es den Fluss, aber im Ernstfall dauert es einfach zu lange, bis die Menschen genügend Wasser herbeischaffen können, um einen Brand zu löschen. Und Freiburg ist wie Güldentor dicht bebaut, so ein Feuer greift schnell um sich, wenn die Witterung es will.
Also hat Träge, oder vielmehr Wilma Probst, den Rat überzeugt, eine Feuerwache zu finanzieren. Wie sie das angestellt hat, weiß ich nicht. Wir haben jederzeit Löschwasser hier, und die Gelehrten der Universität haben beeindruckende Pumpen entwickelt, mit denen man das Wasser direkt aus den Fässern auf das Feuer spritzen kann. Die meisten Kräfte sind Freiwillige, die bei Bedarf ausrücken; es gibt aber auch ein paar feste Mitglieder der Feuerwache, die sich um Organisation, Verwaltung, Ausbildung und solche Dinge kümmern. Ich selbst bin einer der Ausbilder."


Der junge Mann dachte einige Momente nach, nachdem er diese Erklärung gegeben hatte.
"Einen Georg Achternbusch kenne ich allerdings nicht. Vielleicht geht ihr rein und fragt Klaus Dressler. Er ist der Kommandant und bereits seit vielen Jahren dabei; schon vor der Gründung Freiburgs hat er die Bekämpfung der Feuer so gut es ging koordiniert."

Jelena bedankte sich bei ihrem Gegenüber und betrat dann mit ihren beiden Begleitern das Gebäude der Feuerwache. Sie fanden schnell den gesuchten Kommandanten, der an einem Schreibtisch saß und über irgendwelchen Papieren brütete. Bei der Frage nach Georg Achternbusch[1] war eine Erinnerung sichtbar.
"Georg sucht Ihr? Da habe ich leider schlechte Nachrichten für euch, denn er ist vor drei Jahren umgekommen. Tragischer Fall war das. Er war Brandinspektor, hat Gebäude darauf inspiziert, wie gut sie gegen das Übergreifen von Feuer gewappnet sind, und Vorgaben der Stadt überprüft, vor allem bei öffentlichen Gebäuden wie Gasthäusern und solcherart. Eines Tages hatte er einen tödlichen Unfall, der nie wirklich aufgeklärt werden konnte. Viele denken immer noch, dass es kein wirklicher Unfall war, sondern er den falschen Leuten im Weg stand. Die Stadt bezahlt seiner Witwe sogar eine Rente, weil der Tod als 'im Dienst verstorben' gewertet wird. Aber wie gesagt, aufgeklärt wurde das Ganze nie. Und Georg könnt ihr nur noch auf dem Friedhof besuchen."
 1. Ich bleibe bei dem Namen, in deiner PN hieß er noch Gotfried.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 09.06.2021, 11:35:02
Louis hielt sich bei dem Gespräch gegen seine sonstige Gewohnheit etwas im Hintergrund, war es doch Jelenas Anliegen, um das es sich handelte. Der Montaigner blieb daher zwar in Hörweite, spazierte aber dabei ein wenig auf und ab, um sich Wagen, Fässer und Zugtiere zu betrachten. Noch hatte er nicht ganz die Verblüffung über diese seltsame, auf den ersten Blick wahnwitzige, aber irgendwie doch bei näherer Betrachtung gut scheinende Einrichtung überwunden. Erst als man sich zum Kommandanten der Wache begab, schloss er sich wieder seinen Begleiterinnen an. Die Auskunft indes war in der Tat nicht die erwünschte, weswegen der Musketier an Jelena gewandt meinte: "Las! Es scheint, 'ier iest niescht mehr viel auszurieschten, mademoiselle..." Nachdenklich zwirbelte er seinen Schnurrbart. "...immer'ien... wir könnten seiner Witwe unsere Aufwartung machen, oui? Das wäre siescherliesch ein Gelegen'eit, ihr Euer Beileid 'inauszuspreschen und, alors... ein Unter'altung zu führen."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Jelena Sejm Petrasowna am 16.06.2021, 17:35:57
"Das ist in der Tat eindrucksvoll!", bestätigte Jelena die Beschreibung des Feuerbekämpfungs-Ausbilders, "Könnte man vielleicht einen Blick auf diese besonderen Spritzen werfen?" Nach einem kurzen Wortwechsel folgte sie dann jedoch seinem Rat und suchte den Kommandanten auf, um ihm höflich und freundlich die Frage nach ihrem angeheirateten Onkel zu stellen. Die sehr informative Antwort ließ sie sofort ins Grübeln verfallen. So kam ihr Louis zuvor und sie musste sich wieder auf die Situation konzentrieren. "Das ist zwar bedauerlich zu hören, Herr Kommandant, aber trotzdem vielen Dank für die Auskunft. Sollte man mehr über die Umstände von Georgs Verscheiden erfahren wollen, wohin wende ich mich am besten? Und wo kann ich seine Witwe finden?"

Nach den Antworten verabschiedete sie sich freundlich und erst dann antwortete sie ihrem Kameraden: "Seht mir nach, dass ich nicht sofort reagiert habe, ich wolte nicht alles vor Ort ausbreiten." Unauffällig achtete sie darauf, ob niemand auf die kleine Gruppe achtete. Dann setzte sie fort: "Georgs Witwe sollte Galinda sein, meine Tante mütterlicherseits. Ich hatte zuletzt vor Jahren mit meiner Mutter über die beiden gesprochen. Sie hatte mit Galinda Kontakt gehalten und sich Sorgen gemacht, da sie sich mit dem - wie drücke ich es aus - unsteten Mann Georg verbunden hat? Immerhin wird sie wohl noch seinen Namen tragen, wenn sie Rente erhält." Die Halbussurin sah zur Seite: "Ich hoffe, Mutters Beschreibungen von mir in ihren Briefen an Galinda werden das Treffen nicht erschweren." Dann kam ihr der Gedanke, dass sie eigentlich eine ähnliche Lebensgeschichte mit leichtem Bruch mit der Familie mit sich brachte. Darüber konnte man vielleicht eine Gemeinsamkeit finden. So machte sich die kleine Gesellschaft auf den Weg, Galinda Achternbusch aufzusuchen.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Friedrich Alfred von Dent am 18.06.2021, 05:15:10
Es wurde schnell klar, dass der Orden sich nicht einmischen würde. Das war eine Angelegenheit, um die sich Freiburg als Ganzes kümmern musste und dabei würde oder konnte der Orden nicht helfen. Sie mussten also einige der machttragenden Personen überzeugen und das würde keine einfache Aufgabe werden. Zumindest schien Erich einen Weg für sich gefunden zu haben, um Eindruck zu schinden und Kontakt aufzunehmen. Friedrich hörte bei dem Gespräch nur am Rande zu. Er würde ohnehin an dem Turnier nicht teilnehmen. Das war eine Sache, für die Erich sehr viel besser geeignet war als er selbst, auch wenn er sich durchaus wehren konnte. Wenigstens hatte ihnen Siegmund mit einigen Informationen weiterhelfen können und das würde das weitere Vorgehen etwas leichter machen. Gerade die Aufzählung und die nähere Erklärung des Rates waren wichtige und hilfreiche Informationen für sie. Da es sich um einen Rat handelte, mussten sie sicherlich nicht alle Zwölf Menschen überzeugen. Es reichte vermutlich, eine Mehrheit auf ihre Seite zu ziehen. Trotzdem würde es bei dem, was sie verlangten, nicht einfach werden.
"Danke Siegmund, du hast uns sehr weitergeholfen. Wenn es sich der Orden noch einmal überlegen sollte, oder du mehr Informationen für uns hast, kannst du uns gerne benachrichtigen. Wir verweilen momentan im Adlerhorst." Für Friedrich war die Sache damit erst einmal erledigt. Sein Ordensbruder Siegmund hatte ihnen geholfen so gut er konnte. Nun war es Zeit, irgendwie mit den Ratsmitgliedern Kontakt aufzunehmen. Erich hatte ja bereits einen Weg dazu gefunden. "Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir weiterziehen. Sehen wir uns dieses Turnier an, vielleicht gibt es da ja schon eine Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen." Friedrich würde seinen Freund zumindest bis zu diesem Punkt begleiten. Er spürte allerdings, dass er mehr Erfolg beim Adel oder dem Präsidenten der Universität haben würde. Vielleicht sollten sie sich aufteilen.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 21.06.2021, 14:51:37
Der Feuerwächter schien durchaus angetan von dem Interesse an seiner Arbeit und zeigte Jelena gerne die Spritzen, auch wenn er durchaus amüsiert davon schien, dass eine Frau etwas über Technik wissen wollte. Allzu viele Details über die Funktionsweise konnte er ihr jedoch auch nicht nennen, da sein Wissen dazu nicht allzu weit reichte - die Ironie dieser Tatsache blieb ihm wohl selbst verborgen.

Nachdem sie die Informationen erhalten hatte, die sie suchte, machte sie sich auf den Weg, ihre Tante aufzusuchen, wobei Louis und Hannah sie weiterhin begleiteten. Die Beschreibung, die der Kommandant ihr gegeben hatte, führte sie in einen Abschnitt des Viertels in der Nähe der Stadtmauer, der deutlich älter wirkte als der Teil, aus dem sie gerade gekommen waren. Die Gebäude hier waren kleinere, bescheidene Häuser, die sich in engen Gassen dicht aneinander schmiegten und selten ein zweites Stockwerk hatten. Dennoch sah man hier keine Anzeichen von Verfall - die Häuser waren bescheiden, aber gut instandgehalten, und manche hatten offenbar erst in den letzten Jahren einen neuen Anstrich erhalten. Doch selbst hier besaßen die Gassen Namen, so dass sie die Adresse, die ihnen der Kommandant genannt hatte, schnell fanden.

Nachdem sie durch Herumfragen in der Nachbarschaft das Haus, in dem Galinda Achternbusch leben sollte, ausmachen konnten, hämmerte Jelena mit der Faust gegen die hölzerne Eingangstür; doch auch nach einer Weile kam keine Reaktion von innen, so dass die drei schon enttäuscht kehrtmachen wollten. In diesem Moment jedoch schreckte sie eine weibliche Stimme auf: "Wen oder was sucht ihr denn hier?"

Die Stimme stammte von einer stämmigen Frau, die sicherlich die vierzig Lenze bereits überschritten hatte, und die die schmale Gasse gerade erst betreten hatte. Ihre Haare, die von grauen Strähnen durchzogen waren, hatte sie zu einem Dutt zusammengesteckt; ihr Gesicht ließ außer ihrem Alter auch Züge erkennen, die eher in Ussura zuhause waren. Die Frau trug recht schmucklose Kleidung in Erdtönen, doch ein Kennerblick würde eine gute Qualität zeigen. Besonders die schweren Stiefel würden sie bei guter Pflege wohl ihr ganzes Leben lang begleiten können.

Sie blickte die drei mit gerunzelter Stirn an: "Ihr seht nicht so aus, als würde es sich für euch lohnen, bei einer alten Frau in diesem Viertel einzubrechen. Also: Was wollt ihr hier?"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 22.06.2021, 10:26:06
Nachdem sie nun einiges an Informationen erhalten hatten wandte Erich sich an Friedrich "Was meinst du alter Haudegen, wollen wir mal wieder weiter ziehen? Oder brennt dir noch etwas auf der Zunge das du gerne los werden willst? Wo sollten wir am bestens als nächstes hin gehen? Gibt es einen Ort den du noch aufsuchen willst? Ich werde vermutlich mal zusehen ob ich mich an diesem Turnier anmelden kann, aber das hat keine Eile."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 22.06.2021, 19:53:43
Die technischen Details, soweit der Feuerwächter sie überhaupt zu schildern vermochte, langweilten Louis, weshalb sich der Musketier auch nur sehr nachlässig an der Besichtigung der Spritzen beteiligte. Sehr viel eifriger und mit typisch montaignischer Galanterie begleitete er Jelena und Hannah auf dem Weg zur Tante der ersteren. Aufmerksam sah er sich um und schien recht angetan von dem aufgeräumt wirkenden Viertel, das sie nun durchquerten. Vor dem Hause Achternbusch angelangt überließ er es wiederum der Ussurerin, den Kontakt mit ihrer Verwandten zu suchen. Allerdings schien niemand öffnen zu wollen, was er mit einem ungeduldigen Füßescharren quittierte. Die langen Stulpenhandhschuhe hatte er ausgezogen und hielt sie locker in der Rechten, um sie als weiteres Zeichen seiner Ungeduld auf die linke Handfläche klatschen zu lassen.

Umso überraschter fuhr der Edelmann herum, als die kleine Gruppe so unvermittelt angesprochen wurde. Ein argwöhnischer Blick unterwarf die Sprecherin einer raschen Musterung von Kopf bis Fuß. Da er sie aufgrund ihrer Kleidung als dem respektablen Bürgertum zugehörig einstufte, deutete der Montaigner eine leichte Verbeugung an – doch als er sich vorstellen wollte, blieb ihm für einen Moment das Wort im Halse stecken, ehe er die Augenbrauen hob. "Iesch muss doch sehr bitten, madame..! Ihr sprescht mit eine Edelmann und zwei demoiselles von eine untadelige Schrei! Iesch bin Louis de Fromage Puant, mousquetaire et gentilhomme, und muss miesch sehr gegen die Verdacht verwahren, eine bandit zu sein!" Mit einer Verbeugung gegen seine Begleiterinnen fügte er hinzu: "Natürliesch muss iesch auch les demoiselles 'iergegen in Schutz nehmen. In der Tat, wäret Ihr eine Mann, iesch müsste satisfaction fordern."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 24.06.2021, 21:48:20
Die Frau schien nur wenig beeindruckt von seiner Vorstellung zu sein - hatte denn in dieser Stadt niemand Respekt vor dem Adel? Sie blickte ihm direkt in die Augen, statt sie, wie es jeder auf diese Weise angesprochene in seiner Heimat getan hätte, zu senken, und antwortete ihm.
"Ich würde mich bei Euch entschuldigen, werter Gentilhomme" sagte sie ruhig. "Doch ich habe Euch ja gerade nicht für Banditen gehalten. Daher ja meine Frage, die Ihr noch nicht beantwortet habt."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Jelena Sejm Petrasowna am 25.06.2021, 15:24:22
Im Gegensatz zu ihren Begleitern war Jelena mit großer Aufmerksamkeit bei den technischen Errungenschaften bezüglich der Spritzen. Als ihr jedoch klar wurde, dass ihre vertiefenden Fragen keine hinreichenden Antworten bekommen werden, zog sie die Besichtigung nicht weiter in die Länge.

Das Viertel, in das sie auf dem Weg zu ihrer Tante gelangten, sagte der Halbnomadin trotz einer gewissen Enge zu. Das ihr Klopfen unbeantwortet blieb, enttäuschte sie nur mäßig. Ruhig wandte sie sich an die anderen: "Dann fragen wir die Nachbarn und versuchen es später noch einmal." Bevor sie den Plan in die Tat umsetzen konnte, wurden sie angesprochen. Sie fuhr herum und betrachtete die Sprecherin intensiv. Irgendwie hoffte sie, Ähnlichkeiten mit ihrer Mutter oder zumindest ihrem Volksstamm zu finden. Es blieb ernüchternd wenig.

Ein wenig nervös fingerte sie ein kleines, altes und feingeschnitzes Holzkästchen Schnupftabak hervor. Sie wollte gerne das traditionelle Begrüßungsritual des Tabaktausches, so wie es die Familie ihrer Mutter stets gehalten hat, anbieten, doch war sie unsicher, ob es wirklich angebracht war. Sie kam sich wie ein naives kleines Mädchen vor. Nach kurzem Zögern erinnerte sie sich daran, das Furcht ihr Handeln nicht bestimmen durfte und mit einem gewinnenden Lächeln bot sie das Kästchen an. Dabei beruhigte sie in Louis Richtung: "Bitte, es ist nichts Persönliches, nur eine Redensart." Wieder in Richtung der älteren Dame begann sie in einem Ussurisch mit östlichm Akzent: "Tetya Galinda Susdal' Mikhaylova, ili vy by predpochli, chtoby vas nazyvali Galindoy Akhternbush? YA Yelena Seym Petrasovna, srednyaya doch' vashey sestry Ksenii. Poka my znayem drug druga tol'ko cherez vashu perepisku. YA ... my tol'ko chto pribyli v gorod i nuzhdayemsya v znaniyakh i pomoshchi kogo-to, kto znayet eto mesto po razlichnym voprosam? No, mozhet byt', nam sleduyet vernut'sya k ayzenlandskomu yazyku iz vezhlivosti ko vsemu, chto moim tovarishcham razresheno slyshat'."[1]

Sie trat nahe genug heran, dass die Dame das Kästchen ergreifen konnte, ohne weitere Begrüßungsgesten anzukündigen. Die Familie ihrer Mutter war immer zurückhaltend mit Herzlichkeit gewesen. Außerdem ließ sie ihrem gegenüber genug Zeit, etwaige Missverständnisse zu ihrer Person auszuräumen. "Dies ist Hanna Waldeck.", stellte Jelena kurz die dritte im Bunde vor: "Ich habe ihn und sie auf der Reise hierher kennen- und schätzen gelernt und in einem Anliegen arbeiten wir auf das gleiche Ziel zu. Aber bevor wir dazu kommen, wollen wir dir unser herzliches Beileid für den Verlust von Georg bekunden. Wie geht es dir und dem Rest deiner Familie?", erkundigte sie sich freundlich.

 1. 
Ussurisch (Anzeigen)
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Friedrich Alfred von Dent am 28.06.2021, 03:01:08
Mit einem Lächeln wandte sich Friedrich seinem Freund zu und nickte. "Ja, ich denke, wir können weiter. Ich komme mit dir, wenn du dich bei dem Turnier anmelden willst. Danach möchte ich mein Glück beim Adel versuchen oder aber dem Präsidenten der Universität. Ich denke, das ist eher mein Fachgebiet." Er strich sich mit einer Hand durch den Bart. "Gehen wir zuerst zum Turnier. Wir haben ja genügend Zeit." Mit diesen Worten setzte sich Friedrich wieder in Bewegung.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 29.06.2021, 11:03:51
Die selbstbewusste Antwort der Frau ließ Louis zwar kritisch die Augenbrauen in die Höhe ziehen, doch immerhin: Man konnte ihre Worte mit einiger Großzügigkeit als einer Entschuldigung ausreichend ähnlich verstehen, um seinem Ehrgefühl genüge zu tun. Da dasselbe Ehrgefühl ihm auch Galanterie gegenüber dem weiblichen Geschlecht gebot, räusperte er sich und deutete eine kurze Verbeugung an. "In diese Fall iesch akseptiere Eure Erklärung, madame. Die werte demoiselle Schelena 'at Eusch soeben erzählt, worum es geht - wie iesch vermute" merkte der Montaigner ob des ihm unverständlich Wortschwalls der Ussurerin an. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Iesch darf Eusch auch meine Mitgefühl für die Verlust versieschern, die Eusch getroffen 'at, madame..!"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 30.06.2021, 01:00:55
Die ältere Frau stutzte kurz, als sie die Schnupftabakdose sah und schien dann wie vom Donner gerührt, als Jelena ihre Geschichte erzählte. Einen kurzen Augenblick blieb sie reglos stehen, dann griff sie nach der Dose, überlegte kurz und schlang dann ihre Arme um die junge Frau, die ihre Nichte war.

"Yelena! Kseniya dochka! YA mogu dozhit' do togo, chtoby uvidet'! Vy nastoyashchaya ledi."[1]
Sie ließ Jelena wieder los, trat einen Schritt zurück und begutachtete ihr Gegenüber von oben bis unten, dann lächelte sie deren zwei Begleiter an.
"Verzeiht mir bitte, Herr Fromahsch! Aber wenn Ihr so aufgewachsen wärt wie ich, wärt Ihr auch vorsichtig, wenn ein adlig Gekleideter vor Eurer Pforte warten würde. Doch wenn Ihr ein Begleiter meiner Nichte seid, dann kann ich Euch wohl vertrauen.
Aber Jelena, wieso diese formale Anrede? Wir sind doch Familie! Ja, ich weiß, Ksenja hatte immer einen Stock im Hintern, wie man hier sagt. Aber bei mir musst du nicht so vorsichtig sein.

Aber kommt doch herein, wir trinken einen Vodka zusammen! Ich muss gestehen, ich habe in den meisten Dingen die Gebräuche meines verstorbenen Gatten und dieses Landes angenommen. Aber ich habe immer eine Flasche echten ussurischen Vodkas im Haus. Ich kenne einen Händler, der ihn mir direkt aus der alten Heimat besorgen kann."
sagte sie mit einem Zwinkern.

"Wen oder was suchst du denn? Ich kann dir sicherlich behilflich sein; ich denke, ich kenne die Stadt beinahe wie meine Westentasche."
 1. 
Ussurisch (Anzeigen)
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 30.06.2021, 01:19:28
Währenddessen verabschiedeten sich die beiden Kreuzritter von ihrem Ordensbruder und gingen von dort aus zum Reinhagen, in dem sich das große Amphitheater befand. Das Viertel lag direkt nördlich des Steins, so dass sie schnell dorthin gelangten, und das Theater selbst war nicht zu verfehlen. Vor dem gewaltigen Oval, das rundum von Tribünen umschlossen war, befand sich ein großer, von Bäumen beschatteter Platz, auf dem zumindest zu dieser Tageszeit nicht allzu viel Betrieb war. Hier fand allerdings auch kein Markt statt, sondern es schien eher eine Flaniermeile zu sein, die sich dann füllte, wenn eine große Veranstaltung im Reinhagen stattfand. 

Insgesamt war dem Viertel anzumerken, dass hier vor allem Künstler, Ateliers und Schauspielhäuser ihr zuhause hatten. Die Architektur war ein wenig ausgefallener, die Schilder an den Häusern ein wenig kreativer, und die Hektik des Alltags in den anderen Vierteln war hier ein wenig weniger ausgeprägt.

Leer war der Platz jedoch nicht: An einer Stelle fand sich eine kleine Menschenmenge, und es war dort, wo die Anmeldungen für den Wettkampf entgegengenommen wurden. Die meisten, die hier warteten, schienen jedoch selbst nicht teilnehmen zu wollen, sondern beobachteten nur interessiert die Teilnehmer. Jedesmal, wenn eine Person an den Tisch trat, hinter dem ein streng blickender Mann die Namen in eine Liste eintrug, erhob sich unter den Zusehern ein Applaus und es wurden recht offen die Siegchancen diskutiert.

Wenige Meter daneben hatte eine geschäftstüchtige Eisenländerin einen kleinen Grill aufgebaut, auf dem eine Reihe von rotbraunen Würsten zischten und knapp vor dem Bersten zu sein schienen. Als Erich und Friedrich sie passierten, rief sie ihnen zu: "Grillwurst im Brötchen, die beste in Freiburg!"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Friedrich Alfred von Dent am 02.07.2021, 06:04:17
Zum Glück lag ihr Ziel nicht weit entfernt und sie konnten es innerhalb kurzer Zeit erreichen. Das Viertel gefiel Friedrich sehr. Er sah sich neugierig um und nahm sich ein bisschen Zeit, die kunstvollen Verzierungen und Gegenstände anzusehen. "Schade, dass wir so viel zu tun haben. Ich würde mich hier gerne mal genauer umsehen.", kommentierte er den kleinen Spaziergang. Vielleicht hatte er dafür Zeit, wenn das alles vorbei war. Für den Moment gab es wichtigeres zu tun.
Sie erreichten einen schattigen Platz auf dem anscheinend die Anmeldung für den Wettstreit stattfand und das unter ziemlichem Zuspruch und Applaus. Na das war mal eine nette Aufnahme. Kaum näherten sie sich der Menschenmenge, da wurden sie von einer Frau auf die besten Grillwürste der Stadt aufmerksam gemacht. Friedrich hob eine Augenbraue. "Das werden wir sehen. Ich nehme zwei, gute Frau." Er nickte Erich dabei zu. Er würde sicherlich nichts dagegen haben.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Jelena Sejm Petrasowna am 04.07.2021, 09:56:24
Der überraschend herzliche Empfang löst bei Jelena ein kurzes, aber herzliches Lachen aus, mit dem sich die ganze Anspannung löst. Sie erwidert die Umarmung und meint: "Ledi? Skazhem, vyrosli. A mama vse yeshche v poryadke, ty mozhesh' schitat', chto tebe povezlo s ottsom, kogda on otkryl rot dlya chego-to drugogo, krome pit'ya, yedy ili kryakhteniya."[1]

Sie gab ihrer Tante Gelegenheit, mit den anderen zu sprechen, bevor sie die Einladung vernahm. Die Aussicht auf Alkohol ließ sie wieder ein wenig nervös werden. Hoffentlich reichte ein Gläschen aus Höflichkeit, sie durfte nicht die kontrolle verlieren. Trotzdem sagte sie: "Danke für das Angebot, es ist zu gütig! Wir wollen dir aber so ein klares Wässerchen nicht wegtrinken, ein Glas zum Genuß vielleicht? Danach können wir uns über unser Anliegen unterhalten." Gleichzeitig versuchte sie ihren Begleitern zu signalisieren, dass es üblich war, zunächst den Alkohol zu teilen, bevor man ins Geschäft kam - und das Vodka ordentlich Wirkung hatte.

Nachdem sie es sich drinnen gemütlich gemacht, den Schnaps genossen sowie ein wenig über Familie und Reisen ausgetauscht hatten, fing Jelena an, zu ihren Anliegen zu kommen: "Nun, nochmal danke für dein Hilfsangebot, aber hör erstmal, worum es geht. Das erste ist politisch, und nicht ungefährlich: Wir sind den finsteren Plänen Roswitha von Wirsches mehrfach in die Quere gekommen und haben uns einer Gruppe angeschlossen, die eine Allianz von Eisenländern gegen sie schmieden möchte. Welche Persönlichkeiten müsste man hier in Freiburg überzeugen, um die Stadt gegen Wirsche einzunehmen?" Sie gab Galinda Zeit, das Gesagte zu verdauen und beobachtete ihre Reaktion.

Erst später kam sie mit ihrem eigenen Anliegen um die Ecke: "Das andere ist privater Natur: Du kennst nicht zufällig eine Valerija, die in den Diensten von Liljia von Fahrenbach aus dem sarmatischen Bund steht? Ihre Familie hatte den Kontakt zu ihr verloren und nun ist Valerijas Mutter verstorben, deretwegen sie seit über zehn Jahren in Lilijas Schulddiensten steht. Ich wollte Valerija informieren und nachschauen, wie es ihr ergangen ist." Mit einem gewissen Hintergedanken an ihren inneren "Gast" fügte sie hinzu: "Vielleicht reicht es auch schon zu wissen, wo man Sarmaten hier in der Stadt findet, könnte ja sein, dass sie zu denen Kontakt pflegt."

Irgendwann schob sie auch noch die folgende Frage ins Gespräch: "Wir würden uns gerne einen positiven Ruf und ein wenig Kleingeld verdienen. Wüsstest du, wo ein paar Kämpfer mit Wildnis- und Tierkunde, Heilkunde, Fahrkünsten, akademischer Ausbildung oder charmantem Auftreten sowas erringen könnten?" Bei der Aufzählung ihrer Fähigkeitn hatte sie ein Schmunzeln im Gesicht.
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Ussurisch (Anzeigen)
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 04.07.2021, 10:49:10
Nach dem kurzen Weg durch die Stadt hatten Friedrich und Erich den gesuchten Ort ohne Probleme gefunden. Als Friedrich anbot sich um das leibliche Wohl zu kümmern nickte ihm Erich anerkennend zu "Ja etwas zu essen könnte ich jetzt auch gebrauchen. Halte mir auf jeden Fall eine Wurst warm bis ich mich angemeldet habe."

Mit diesen Worten wandte sich Erich dann von seinem Freund ab und ging zur Anmeldung rüber "Bin ich hier richtig wenn ich mich für das Turnier anmelden möchte?"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 04.07.2021, 11:13:11
Es kam Louis sichtlich schwer an, sich so wenig an dem Gespräch beteiligen zu können, doch wahrte der Musketier eine stramme Haltung. Den Hut hatte er kurz gelüftet, die Linke ruhte wieder auf dem Griffstück der Danseuse. So hörte er mit würdiger Miene zu, reimte sich zusammen, was die ihm unverständlichen Teile der Konversation wohl in etwa beinhalteten, und begnügte sich mit einem bestätigenden Nicken an den passenden Stellen von Jelenas Vortrag. "Wir wären für 'ilfreische Ratschläge in der Tat dankbar, madame" fügte er hinzu.
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 04.07.2021, 23:35:49
Friedrich stand nach dem Austausch einiger kleinerer Münzen mit einer duftenden Wurst in jeder Hand da, denn Erich wollte wohl nicht riskieren, dass ihm die fettige Tunke auf das Hemd tropfte, bevor er sich zu dem Turnier angemeldet hatte. Friedrich hingegen nahm einen vorsichtigen Bissen, und sein Herz machte einen Sprung. Sicherlich hatte er auf Banketten schon köstlichere Gaumengenüsse gekostet als dies hier, doch nach den doch eher kargen Rationen, die sie seit ihrem Aufbruch aus Naumburg unterwegs zu sich genommen hatten, erschien ihm diese saftige Wurst mit einer würzigen Soße wie der Himmel auf Erden!
Sicher, das Essen bei Perchta war ebenfalls hervorragend gewesen, doch der Besuch bei ihr erschien ihm inzwischen beinahe wie ein Traum zu sein und manchmal zweifelte er daran, ob sie tatsächlich dort gewesen waren.

In Windeseile war seine Wurst verputzt, und er blickte auf seine andere Hand, in der er die zweite für Erich hielt. Eine würde sicher noch in ihn hineinpassen, und schließlich war die Verkäuferin ja noch da.

Erich schritt derweil unter dem Jubel der Menge, die sofort registriert hatte, dass dort ein weiterer Aspirant auftrat, auf den Mann mit der Liste zu.
"Ah, ein weiterer Recke, der sich mit den Besten messen will!" begrüßte ihn dieser und zückte die Feder. "Wen darf ich eintragen?"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 05.07.2021, 00:09:31
Die vier versammelten sich im Haus der Tante um einen kleinen Tisch, der sich in der Küche befand. Sie stellte jedem ein kleines Glas hin und füllte es mit einer klaren Flüssigkeit, wobei Louis sich fragte, was für ein Aufhebens sie um solch eine winzige Menge machte. Er erklärte sich die Größe des Glases damit, dass es sich wohl um Frauenportionen handeln musste, und kippte den Vodka mit einem einzigen Schluck herunter, nur um einen Moment später mit den Tränen zu kämpfen, als seine Kehle in Flammen stand - oder so schien es ihm. Jelena, die wusste was kam, näherte sich dem Getränk deutlich vorsichtiger und nippte zunächst nur, um ihre Tante nicht vor den Kopf zu stoßen.

Dann jedoch kamen die Anliegen Jelenas zur Sprache, und Galinda hörte aufmerksam zu. Auf die erste Frage antwortete sie zunächst mit einem Schulterzucken. "Die große Politik ist nichts für mich, und auch wenn ich schon lange in den Eisenlanden lebe, ist mir der Streit zwischen den Eisenfürsten fremd - ich bin froh, wenn ich meinem Geschäft nachgehen kann, immer genug zu essen habe und ein Dach über dem Kopf. Wer irgendwo wem den Kopf einschlägt, ist dabei für mich zweitrangig.
Allerdings ist es kein Geheimnis, dass in Freiburg nichts gegen den ausdrücklichen Willen von Wilma Probst geschieht. Und auch der Rat hat einiges zu sagen, doch weiß ich nicht viel über die Ratsmitglieder.

Einer von ihnen ist jedoch Thomas von Fahrenbach, und da komme ich auf deine zweite Frage. Was immer du von seiner Gattin Lilija willst, überleg es dir zweimal! Ich kann dich nur vor diesen beiden warnen, es sind keine guten Menschen. Von einer Valerija weiß ich nichts, aber wenn sie in deren Diensten steht, dann ist es womöglich das beste, wenn du sie nicht mehr findest, weil sie nicht mehr unter den Lebenden weilt. Das könnte das leichtere Schicksal sein."


Die Farbe vollends aus ihrem ohnehin schon bleichen Gesicht gewichen, und sie schien ernsthaft um Jelenas Wohl besorgt zu sein. Sie schenkte sich - und jedem, der nicht ablehnte - erneut ein und leerte ihr Glas in einem Zug. Erst dann kehrt wieder etwas Farbe in ihr Gesicht zurück und sie antwortete auf das dritte von Jelenas Anliegen.
"Ich weiß nicht, wen du da beschreibst, aber ein solches Multitalent findet sicherlich überall eine Anstellung. Freiburg ist eine prosperierende Stadt, allenthalben werden hier Männer und Frauen für alle möglichen Anstellungen gesucht. Durch mein eigenes Metier kann ich dir sagen, dass jemand, der in den Heilkünsten bewandt ist, sich an das Krankenhaus der Universität wenden kann - dort werden immer wieder helfende Hände benötigt, und man kann dort außerdem noch einiges lernen."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 10.07.2021, 10:11:05
Erich streckte sich ein wenig um noch etwas größer und beeindruckender aus zu sehen "Ihr dürft vermerken das Alfred Jelena Stein beabsichtigt am Turnier teil zu nehmen. Doch sagt mir noch an wen kann ich mich wenden um die genauen Regeln dieses Turnier zu erfahren? Es gib schließlich unzählige Varianten eines Turnier. "
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 15.07.2021, 14:13:17
"Die Regeln!" seufzte der Angesprochene, und es hatte den Anschein, als ob ihm die Frage unglaublich lästig wäre.
"Alle wollen immer die Regeln kennen. Kunst kennt keine Regeln! Sind es nicht Regeln, die die Kreativität des Geistes beschränken und uns von der wahren Entfaltung abhalten?"
All das zeterte der Mann eher vor sich hin, als dass es an Erich gerichtet wäre. Jetzt jedoch schien er sich wieder an seinen Besucher zu erinnern.
"Entschuldigt bitte, manchmal gehen die Gäule mit uns durch. Ursprünglich planten wir Spiele in einer anarchischen Ursprünglichkeit: Die Gräuel des Krieges sollten dem Publikum ohne einen Schutzfilter dargebracht werden. Wir wollten eine Schlacht darstellen, bar jeder Regeln!

Kurz gesagt: Es gab Widersprüche. Niklas Träge befürchtete wohl, dass eine solche Veranstaltung ein schlechtes Licht auf Freiburg wirft. Natürlich! Wie kann auch ein Politiker die Freiheit der Kunst verstehen!
Wir mussten das Konzept komplett neu entwickeln, und dann kamen noch die Duellantenschulen mit ihren Bedenken, dass wir auf keinen Fall sanktionierte Duelle durchführen dürfen.

Nun, wir haben uns nun für einen anderen Weg entschieden: Wir werden die Gladiatorenkämpfe der Antike wieder aufleben lassen. Es wird ein rundenweises Ausscheidungssystem geben. Jeweils zwei Teilnehmer treten in Begegnungen (Duell dürfen wir es nicht nennen) gegeneinander an, der Sieger kommt eine Runde weiter. Die Begegnungen werden ausgelost. Das ganze wird weitergeführt, bis am Ende die letzten verbliebenen Kämpfer im Finale stehen.
Die Waffen werden in jedem Duell den beiden Gegnern zugelost aus einer Auswahl typischer antiker Gladiatorenwaffen, wie zum Beispiel der Dreizack. Die Waffen sind ausnahmslos abgestumpft, um schwere Verletzungen weitgehend auszuschließen.

Ich hoffe, das hat die meisten Fragen beantwortet."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 16.07.2021, 11:44:28
Erich hörte sich den Vortag des Mannes an und nickte zwischendurch immer mal wieder bestätigend. "Nun gut das soll für den Anfang ausreichend sein. Dann weiß ich ja was auf mich zukommen wird. Eine letzte Frage hätte ich dann aber doch noch. Wie viele Kämpfer haben sich angemeldet? Und wann genau muss ich mich wo melden damit ich erfahre welches Los ich gezogen habe?"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Friedrich Alfred von Dent am 18.07.2021, 05:40:06
Es war das reinste Erlebnis, diese Wurst zu verspeisen. Sicherlich nicht das, was er früher gewohnt gewesen war aber nach all der Zeit unterwegs durchaus ein Gaumenschmaus. An Wegrationen würde er sich nie gewöhnen können. Er sollte die Zeit hier ausnutzen und sich diese Köstlichkeiten gönnen, solange er noch konnte. Einen Moment blickte er zwischen der Verkäuferin und der zweiten Wurst in seiner Hand hin und her, entschied sich schließlich dazu, diese auch noch zu verputzen.
"Werte Dame, wärt ihr wohl so freundlich.", wandte er sich dann mit einem breiten Grinsen an die Verkäuferin. "Ich konnte nicht an mich halten und bräuchte noch eine Wurst." Erich wäre sicherlich ziemlich wütend, wenn er wiederkommen würde und seine Wurst fehlte. Während Friedrich also darauf wartete, dass ihm ein dritter Snack zubereitet wurde, wollte er die Situation nutzen. "Sagt, wie oft gibt es hier solche Turniere? Werden sie regelmäßig abgehalten? Ist es Tradition?"
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Mondragor am 19.07.2021, 00:12:00
Noch während Erich seine Frage stellte, bemerkte er die große Tafel in der Nähe, auf der das Programm der Veranstaltung geschrieben stand. Wie ihr Ordensbruder bereits erwähnt hatte, fand das Turnier am morgigen Tag statt. Alle Teilnehmer hatten sich am Morgen zur neunten Stunde einzufinden, wenn die Lose für die erste Runde gezogen würden, sowohl was die Gegner als auch die Waffen betraf. Eine Stunde später würden dann die Wettkämpfe beginnen, bis dahin hatten alle Zeit zur Vorbereitung.
Insgesamt hatten sich wohl etwa fünfzig Teilnehmer gemeldet, eine Zahl, die sich in der ersten Runde auf 32 reduzieren und dann in jeder weiteren Runde halbieren würde. 

Friedrichs Gesprächspartnerin zuckte die Schultern. "Tradition? Nein, aber das ist wohl auch nicht möglich in einer so jungen Stadt. Vielleicht wird es ja eine Tradition, wer weiß? Aber das ist das erste Turnier seiner Art hier, und ob ein weiteres stattfinden wird, kann ich Euch nicht sagen."
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Erich Janina Graustein am 22.07.2021, 08:58:54
Nachdem Erich sich zum Turnier angemeldet hatte und erst einmal die wichtigsten Fragen geklärt waren kehrte er zu seinem Freund Friedrich zurück der gerade noch am Stand der Dame mit den Würsten stand und sich mit Ihr unterhielt.
"Na wie sieht es aus? Gibt es noch was von den Würsten, oder hast du alle alleine gegessen?", meinte Erich dann mit einem breiten Lächeln auf den Lippen und klopfte seinem Freund auf die Schultern
Titel: Kapitel 3: Freiburg
Beitrag von: Louis de Fromage Puant am 24.07.2021, 12:11:00
Der Montaigner marschierte eine Weile lang mit heftigem Räuspern auf und ab, bis das Brennen in der Kehle sich weit genug gelegt hatte, um sprechen zu können. "Meine ergebenste Dank, madame, für Eure... Willkommenstrunk" keuchte er schließlich und grinste verzerrt, um dann deutlich leiser zu murmeln: "Sacré, was für eine Gesöff..! Das ist ja schon eine Waffe..." Trotzdem er ab und zu noch ein trockenes Hüsteln hören ließ, hörte er dem Vortrag Galindas jedoch aufmerksam zu. "Mh", brummte er und zwirbelte nachdenklich seinen prächtigen Schnurrbart, "diese Fahrenbach scheint eine Mann zu sein, die man niescht so einfach vor die Kopf schlagen sollte. 'ier iest die äußerste Vorsiescht geboten, n'est-ce pas?" Als man auf mögliche Anstellungen zu sprechen kam, runzelte er indes indigniert die Brauen. Für einen Edelmann seines Ranges kam es natürlich nicht in Frage, sich in den bezahlten Dienst eines anderen nehmen zu lassen! "Ihr wisst niescht zufällig, wo eine Edelmann kann 'ier – wie sagt man honorer de sa présence – sein Aufwartung machen?" erkundigte er sich stattdessen.