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Online-RPGs Pathfinder => Dalaran => Thema gestartet von: Khenubaal am 21.12.2016, 21:48:53

Titel: Der Weihort
Beitrag von: Khenubaal am 21.12.2016, 21:48:53
Episode 1: Der Weihort

Zitat
"Nicht das Gefühl oder die Absicht zählt, nur die Tat selbst. Ein Mord aus Liebe ist nicht weniger verwerflich als ein Mord aus Hass. Die schrecklichsten Taten auf der Welt wurden aus Liebe begangen. Liebe ist eine schlechte Ausrede für ein Gewaltverbrechen."

Das überlieferte Wort des Propheten Javrud


(http://fs5.directupload.net/images/161221/un7qclxd.jpg) (http://www.directupload.net)

Eine Gruppe von sieben Reitern auf ihren Rappen folgt in loser Zweierreihe dem matschigen Pfad. Rechts und links, vor und hinter ihnen erstreckt sich Ferslands helles Grün in einem Grasmeer. Der Wind treibt Wolken über den Sommerhimmel, verschleiert die Sonnenscheibe, um sie kurz darauf wieder freizugeben. Aber die Wolken sind von der hellen Art, kein Dunkles Grau am Firmament - es sieht nicht nach Regen aus. Und unten über dem Gras ist auch der Windzug nur noch zu einem Hauch geschrumpft. Ein guter Sommertag in Dalaran.

Der Blick ist frei gen Westen. Ritte man in diese Richtung, und das sechs volle Tage, käme man an die Ausläufer und den ewigen Nebel von Loch Leskos. Im Osten, etwa einen halben Tagesritt entfernt, brandet das Gras an seine Grenzen - ein Ufer aus Nadelbäumen: Wacholder, Fichte, Kiefer - der Urdan-Wald. Er zieht sich über den Horizont, erklimmt den Rücken der Bergkette dahinter bis zur Baumgrenze, dann erobern Moos und Stein den steilen Hang, um ihrerseits an den Spitzen dem ewigen Schnee zu weichen. Die Bergkette von Onur.

Der Pfad, den die Reiter nehmen, führt gen Süden. In wenigen Meilen wird er sich gabeln. Der Hauptstrang zieht dann weiter geradeaus. Noch ein halber Tagesritt von da an, und man erreicht den Gjolkard-Wall. Die Große Mauer zu Jongot. Gebaut gegen die Dämonen, aber anders als die Wälle im Westen von Linsberg nicht als erste Verteidigungslinie an den Berghängen, sondern als letzte Linie, falls Jongot fallen sollte. Das Grau des Walls sticht bereits am Herizont hervor - ein Mahnmal für die Lebenden, nicht zu versagen. Doch das ist nicht das Ziel der Gruppe.

Sie wird an der Abzweigung den zweiten Pfad nehmen, der nach Südosten zum dünnen Küstenstreifen zwischen Gjolkard-Wall und den Bergen abbiegt. Auch hier nur ein halber Tagesritt von da an, bis man unweit der Küste das Dörfchen Ansdag erreicht - das erste Ziel ihrer Reise.

* * *

Fürst Ayrin hatte sie alle in Kromdag angeworben, jeden auf seine Weise. Nur Talahan schien er von früher zu kennen - den mürrischen Recken, mit stuppigem schwarzen Vollbart mit grauen Strähnen und ebensolchem Haar, und der nach unten offenen Dreieckstätowierung auf der Stirn, die ihn als Paladin der Behadrim kennzeichnete. Ihm hatte er die Führung der Gruppe anvertraut. Der Auftrag war einfach und verworren zugleich: Zwei Karawanen, beide auf dem Weg nach Ansdag am südlichsten Punkt der Fersländer Küste, die Karren beladen mit dringend benötigter Handelsware für das Große Festland hinter dem Meer, seien gemäß einem Boten des örtlichen Fürsten nie angekommen. Aegon Ayrin hatte daraufhin einen Späher ausgesandt, die Gegend zu erkunden und die Spur der Karawanen aufzunehmen. Doch das war nun vor fast einem Mond gewesen und der Mann blieb verschwunden. Irgendetwas stimmte nicht.

"Ihr müsst im Süden nach den Rechten sehen", hatte Ayrin gesagt. "Der Krieg im Norden bindet all unsere Mittel. Der Herzog und seine Söhne brauchen all ihre Kraft, um die Waage an der Front im Gleichgewicht zu halten. Kippt sie zugunsten des falschen Königs, bevor die Zwartjod in Bächland anlanden und die zweite Front eröffnen können, wird Kromdag brennen. Die Bulvaj können sich jetzt nicht um irgendwelche Karawanen im Süden kümmern. Und wir können auch keine Männer von der Front entbehren, um in den Grassteppen oder im Wald von Urdan nach irgendwelchen Banditen zu suchen.

Ihr müsst nach Ansdag. Sprecht mit dem örtlichen Fürsten, wenn ihr wollt. Soren, der dritte seines Namens - oder war er schon der vierte?; einerlei. Soren aus dem Hause Villag herrscht laut Gesetz über Ansdag, aber das ist nichts als Geschwätz. Die Behadrim haben sowohl den Fürsten, als auch die beiden kläglichen Hundertschaften der Dorfbevölkerung fest im Griff. Das Kloster von Ansdag ist der wahre Regierungssitz und die Gottesmänner und ihre beiden Paladine sind es, die dort nach den Rechten sehen. Sprecht also auf jeden Fall mit dem Abt, wenn ihr dort ankommt.
"

Talahan hatte missmutig die Karte auf dem Tisch des Besprechungsraumes gemustert. Zwei Ortschaften waren dort zwischen Gjolkard-Wall und den Bergen von Onur an der Küste eingezeichnet: Ansdag im Norden, an die Ausläufer der Berge geschmiegt, und Sydhavn im Süden, im Schatten des Walls.[1] "Natürlich haben die Kuttenträger dort alles fest im Griff", hatte der Recke zu Verblüffung der anderen gesagt. "Es ist immerhin der Weihort. Ein viel zu großer Name für ein dreckiges Örtchen am Strand, aber wenn sich der Prophet dazu herablässt, in einer nahegelegenen Bergquelle aus eigener Hand die Weihe zu empfangen, tragen die umliegenden Holzhütten wohl immer viel zu große Namen."

Ayrin hatte den Kämpen scharf angeblickt. "Das mag wohl sein. Diese deine Meinung sparst du beim Besuch im Kloster aber aus. Einen Zwischenfall mit den Behadrim können wir gerade gar nicht gebrauchen." Dann geht der Blick des Fürsten zu den anderen Anwesenden. "Wir brauchen die Erträge aus dem Handel mit dem Großen Festland, um diesen Krieg zu finanzieren. Und wir brauchen Ruhe im Süden. Das Land darf nicht brennen, so lange unser Herzog und unsere Männer im Norden die Front halten. Geht nach Ansdag. Bringt alles in Erfahrung und forscht nach. Ich brauche Meldung, spätestens in einem Mond, aber ich brauche nicht noch mehr Fragen. Ich brauche Antworten. Kehrt vor Ablauf der Frist nur zurück, wenn ihr das Rätsel gelöst habt, oder wenn ihr genau wisst, wo der Feind sitzt und sicher seid, mehr Männer für die Lösung zu brauchen."

Daraufhin hatte Ayrin zwei zusammengeschnürte Lederbörsen aus einer Kiste geholt und auf die Karte geschmissen. Klirrend waren die Bündel zu Ruhe gekommen. "Hundert Silberlinge. Das soll eure Ausgaben decken. Dazu stelle ich jedem ein Pferd zu Verfügung, der selbst keins hat. Nehmt es und verschwindet, und ich setze ein Kopfgeld auf euch aus, dass drei mal so hoch ist und werbe drei mal so viele Männer für die Jagd an. Nehmt es und kehrt ohne Erfolg zurück, und wir lassen es dabei bewenden. Kehrt mit Antworten oder besser gleich der Lösung zurück, und die Belohnung wird das Dutzendfache sein."[2]

Talahan hatte zwischen den Börsen auf dem Tisch und seinen neuen Weggefährten hin- und hergeblickt. "Und bessere Leute konntest du nicht finden?", hatte er schließlich Ayrin gefragt. Der Fürst hatte seinen Blick erwidert und geschnaubt. "Nein - sonst hätte ich ja dich nicht angeheuert, alter Wolf."

* * *

Und so waren sie aufgebrochen vor sieben Tagen - ein dunkelhäutiger Fremder, eine Bogenschützin aus dem Ersten Volk, ein Diener des Loch Leskos, eine Druidin des Alten Glaubens und ihr Mann, ein erfahrener Nordmann, wie es schien. Und mit dabei auch eine hagere Nordfrau, schweigsam und zugeknöpft, und der griesgrämige Paladin, der vor dem Strategen des Herzogs die eigene Religion verurteilte. Fürwahr ein bunter Haufen. Aber sie hatten einen Auftrag, der sie einte. Und schon bald würden sie Ansdag erreichen.[3]
 1. 
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 2. Noch etwas regeltechnisches: Alle Chars bekommen gratis einen Skill-Punkt auf Reiten. Außerdem ist Reiten für alle Klassen ein Class-Skill.
 3. 
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Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 22.12.2016, 13:30:12
An letzter Stelle in der Abfolge der Reiter befinden sich der Nordmann und sein Weib. Die junge Frau mit der auffälligen roten Haarmähne sitzt im Frauensitz, die Beine seitwärts, auf ihrem Pferd und hält sich mit beiden Händen am Sattelknauf fest, während ihr Gemahl das Tier am Zügel mitführt. Es ist im Verlauf der Reise klargeworden, dass Lîf, die offenkundig ein Kind erwartet, das Reiten einige Mühe bereitet. Dennoch hat sie die Strapazen des Weges klaglos durchgestanden und stolz jede Hilfe der Mitreisenden abgelehnt. Als eigenartig wankelmütig haben diese sie kennengelernt – wenn sie manchmal mit einem sanften, fast verträumten Lächeln ihren Blick über das weite Land, den fruchtbaren Schoß Gajas, schweifen ließ, ein anderes Mal dagegen in nur halb unterdrücktem Ton Streitgespräche mit ihrem Gemahl Tristan führte, bei denen ihre großen, ausdrucksvollen Augen dunkel vor Zorn wurden.

Ein Rätsel muss sie wohl auch ihm geblieben sein, denn wo sie sich noch am gestrigen Tag dankbar von ihm vom Pferd heben ließ, straft sie ihn und die restliche Gruppe heute seit dem Morgen mit eisigem Schweigen. In sich gekehrt sitzt sie auf ihrem Pferd, die vollen Lippen gelegentlich leise Gebete zur Großen Mutter murmelnd. Dabei ist sie in Wahrheit nicht so abwesend, wie sie äußerlich erscheint: Als Priesterin des Landes und des Lebens reichen ihre Sinne bis tief in den Schoß der Mutter und weit hinaus über Wälder, Moore und Berge... Lîf spürt, zum ersten Mal seit ihrer Entführung durch die Inselclans, wieder den heimatlichen Boden unter sich und um sich. Wie eine warme Umarmung umgibt Gajas mütterlicher Segen sie, und sie fühlt das Leben um sich herum wie auch in ihrem eigenen Schoß sich regen und wachsen! Doch wer von den Mannsleuten könnte diese tiefe Verbundenheit mit der Großen Mutter nachempfinden, ja, wer von den Weibern, die keine Weisen Frauen sind, noch keine Kinder geboren haben...

Es ist eine Welt, die so viel reicher, bunter, lebendiger ist – wirklicher – als die, welche sich Augen und Ohren bietet! Der Blick der werdenden Mutter gleitet über den fernen Saum des Urdan-Waldes, folgt seiner schmalen Linie am Horizont. Ihre Augen liebkosen das, was für sie Ursprung, Schutz und Ziel aller Sehnsüchte ist – ihre Heimat. Die Bäume, die kraftstrotzend und gesund in die Höhe ragen, die sanft im Wind sich wiegenden, endlos dahinrollenden Wellen des Grases, die glitzernden Bänder schmaler Bäche: Alles Geschenke der Großen Mutter an ihre Kinder... Und wie jedes Mal, wenn sie sich in den Weiten der Natur verliert, beginnt ihre Wut nach und nach, unsichtbar für den unwissenden Beobachter, zu verrauchen. Schlägt das Herz in ihrer Brust wieder ruhiger, beginnen Wärme und Sanftmut sie zu durchfließen, wenn sie sich eins mit Gaja selbst fühlt, der alles heilenden, für alle sorgenden Urmutter.

Und Lîfs Blicke beginnen auch den Rücken ihres Mannes – des Vaters ihres Kindes – immer öfter zu streifen, mit einem Ausdruck, in dem ihr verletzter Stolz und ihre Zuneigung zu ihm widerstreiten. Ihr fällt wieder ein, wie heftig und wohl auch ungerecht sie reagierte, als er ihr am gestrigen Abend, während des Nachtlagers, noch einmal all seine Argumente aufzählte: Dass diese Mission überaus gefährlich werden könne, dass es seine Pflicht sei, sie und das Ungeborene zu schützen, dass sie nie gelernt habe, mit einer Waffe umzugehen und in Sicherheit besser aufgehoben sei... All die Argumente, die den Zorn wieder in ihr aufflammen ließen – gerade wegen der nüchternen Vernunft, die ihnen innewohnt. Gerade weil sie nicht – noch immer nicht – gewusst hatte, was sie dagegen sagen sollte. So wurde sie einmal mehr spitz, ja, verletzend, maßlos in ihrem Zorn, der so plötzlich über sie kommen kann wie über eine Bärin, die ihre Jungen verteidigt.

Lautlos seufzend wendet sie ihren Blick wieder zur Seite. In Momenten wie diesem gesteht sie sich ein, dass die Männer im Clan – in dem Clan, dem sie in den letzten Jahren gehörte – wohl teilweise recht hatten: 'Dies Weib hat eine so spitze Zunge, dass ein vernünftiger Mann nur mit ihr streitet, wenn sie einen Knebel trägt.' So hatten sie gespottet. Und wenn ihr, so wie jetzt, bewusst wird, wie sehr sich wohl Tristan als der Gemahl einer Wildkatze fühlen muss, dann werden ihre Wangen schamrot. Und sie bedauert ihre harschen Worte, ihre unfairen Angriffe mit Worten, immer in dem Bewusstsein, dass er sie wohl kaum jemals schlagen würde und also ihre Attacken erdulden muss. Jetzt sehnt sie sich danach, in seinen kräftigen Armen zu liegen und die Wärme auf sich übergehen zu spüren wie aus dem lebendigen Erdboden um sie herum. Unbewusst legt sich ihre Hand flach auf ihren Bauch, der sich bereits leicht wölbt. Und sie weiß, dass sie diesem Mann überallhin folgen wird, ganz gleich, in welche Gefahr er sich begeben mag!

Schon hat sie die Worte auf der Zunge, ihn zu sich zu rufen, um sich mit ihm auszusöhnen wie so viele Male zuvor, da fällt ihr Blick auf die Große Mauer, und sie erstarrt im Sattel. Eine Mauer, die der Verteidigung dient, gewiss – doch gebaut aus kalten, toten Steinen, die dem Erdboden oder dem Gebirge, der Wurzel ihres Seins, entrissen wurden. Eine schwere, leblose Barriere, die sich über das Land legt wie die eiserne Fessel um den Hals eines Sklaven... Lîf erinnert sich nur zu gut daran, wie es ist, eine Sklavin zu sein. Und ihre sanftmütige Stimmung weicht der Entschlossenheit.

Wälle und Mauern, Schwerter und Schilde: tote Dinge, Kriegsdinge! Geschaffen, nicht um Leben zu gebären oder Wunden zu heilen, sondern um zu töten, zu vernichten und Leid und Verwüstung zurückzulassen! Sie hebt den Blick zum Himmel, dann senkt sie ihn zu Boden und murmelt ein weiteres leises Gebet: "Große Mutter – ich, Deine Dienerin, schwöre, dass ich nicht ruhen werde, bis der Frieden über den Krieg triumphiert und die Wunden heilen können, die sie Dir und Deinen Kindern geschlagen haben..!" Mit einem tiefen Durchatmen drückt sie ihren schmerzenden Rücken durch, strafft sich im Sattel und richtet ihren Blick nach vorn, auf ihr nächstes Ziel.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 22.12.2016, 14:00:30
Missmutig sitzt Abdo auf seinem schwarzen Reittier und zieht sich die Kapuze seines Mantels wieder einmal etwas tiefer über die Stirn. Seit beinahe einem halben Jahr ist er nun schon in dieser fremden Welt, und noch immer hat er sich nicht an die Temperaturen gewöhnt. Er mustert nacheinander seine Gefährten, die mit der Kälte offenbar keine Probleme haben. 'Wie würden sie sich wohl in Ya'Kehet fühlen?'

Die Kälte ist jedoch nicht Ursache seines Verdrusses; dieser rührt vielmehr von seiner aktuellen Lage. Er sollte nicht hier sein und hinter irgendwelchen verschwundenen Karawanen herjagen, während seine Heimat in Trümmern liegt. Er sollte gegen die Shetani kämpfen, die die Leute hier Dämonen nennen, und Unterstützung und das Wissen um ihre Schwachstellen mit nach Hause bringen. Nicht dass er wüsste, wie er seine Heimat jemals wieder erreichen soll - nachdem er wochenlang schiffbrüchig im Meer trieb, bevor er an diesem Kontinent gelandet ist, von dem in Ya'Kehet niemand je gehört hatte, könnte sein Zuhause in jeder Himmelsrichtung liegen.
Bevor er sich um seine Rückkehr kümmern kann, muss er allerdings ein Mittel gegen die Shetani finden, und davon ist er immer noch genauso weit entfernt wie vor Wochen, wenn nicht sogar weiter. Sofort nachdem er die Erzählungen von den "Dämonen" gehört und erkannt hatte, dass es sich dabei um eben jene Shetani handeln muss, die Ya'Kehet zerstört hatten, machte er sich auf den Weg, um sich dem Kampf gegen diese Monster anzuschließen. Doch weit kam er nicht - nach einem Überfall und beinahe all seiner Habseligkeiten beraubt landete er schließlich in Kromkat, und niemand wollte einen wie ihn, der so anders aussieht, dorthin bringen, wo der Kampf gegen die Shetani tobt. Und selbst wenn er zu Fuß dort angelangt wäre, hätten sie ihn dort wohl kaum mit offenen Armen empfangen. 

Was blieb ihm also übrig, als das Angebot Fürst Ayrins anzunehmen? Wenn er eines gelernt hatte in den letzten Wochen, dann war es der Umstand, dass sein Aussehen ihm hier keine Türen öffnen würde. Und wenn nicht ein glücklicher Zufall dazu geführt hätte, dass er ausgerechnet den Dieb stellte, der einen Adligen bestohlen hatte, würde er wohl immer noch mittellos Richtung Westen wandern.

Um eine Möglichkeit zu finden, sein Ziel zu erreichen, soviel weiß Abdo nun, muss er sich zunächst beweisen. Und wenn das heißt, verschwundene Karawanen ausfindig zu machen, dann wird er all sein Können und Geschick dazu einsetzen. Wenn er diese Aufgabe bewältigte, würde Fürst Ayrin ihm sicherlich ein Empfehlungsschreiben für die Verteidiger gegen die Shetani mitgeben.
Die Aufgabe selbst scheint ihm einfach zu sein. All das Gefasel über politische Verstrickungen versteht der dunkelhäutige Mönch zwar nicht, aber er und seine Gefährten müssen das Schicksal zweier Karawanen und eines weiteren Mannes, der auf eine ebensolche Suche geschickt wurde, in Erfahrung bringen. Keine komplizierte Aufgabe, und die Gruppe scheint auf den ersten Blick auch dazu geeignet zu sein, es mit den vermuteten Räubern aufzunehmen.

Bis auf ihre Namen weiß Abdo jedoch noch fast nichts über seine Mitstreiter. Auch wenn diese ihn, wie er es inzwischen gewohnt ist, zunächst eher zurückhaltend behandeln und ihm verstohlene Blicke zuwerfen, so muss er sich selbst doch eingestehen, dass es vor allem er selbst ist, der die Abgeschiedenheit sucht und sich zurückzieht. Zu oft hat er aufgrund seiner Andersartigkeit Ablehnung erfahren, so dass er nun schon selbst jeden unnötigen Kontakt vermeidet. Doch es ist nicht so, als ob er es nicht verstünde - auch er fremdelt selbst nach mehreren Monaten noch mit diesen bleichhäutigen Leuten.
 
Als ihm dieser und andere Gedanken durch den Kopf schießen, geht plötzlich ein Ruck durch den Mönch. 'Was denke ich mir eigentlich dabei, hier verschämt am Rande zu sitzen und mich in Selbstmitleid zu suhlen?' Ihm wird klar, dass diese Mission nur erfolgreich sein kann, wenn sie alle zusammenarbeiten - und wie sollen die anderen ihn kennenlernen und akzeptieren, wenn er ihnen nicht einmal die Gelegenheit dazu gibt?
Abdo lenkt sein Pferd zu den am nächsten bei ihm reitenden Gefährten - der Frau mit dem Feuer im Haar und ihrem Mann - und spricht das erste Mal seit dem Beginn ihrer Reise mehr als einzelne Worte, wobei sein Suli zwar inzwischen fast fehlerfrei ist, aber dennoch eine für die anderen fremdartige Färbung hat, die keiner von ihnen zuordnen kann. 

"Seid gegrüßt, Freunde, und möge Aris seine Hände schützend über euch halten! Mein Name ist Abdo al'Mbabi, und mein Herz ist voller Stolz und Freude, mit euch in die Schlacht ziehen zu dürfen."
Seine Worte begleitend legt er die Handflächen flach vor sich zusammen zum traditionellen Gruß seiner Heimat, und blickt erwartungsvoll, wie sie ihn behandeln würden, in die Gesichter der beiden Einheimischen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 22.12.2016, 14:51:08
"Dein komisches Gefühl—", hatte Sven Blutaxt ihn gefragt.

"Lîfs!" stellte Tristan klar.

"Also gut, Lîfs komisches Gefühl, das hat nicht zufällig etwas mit dem Ziel unserer Fahrt zu tun?" Deutlicher hatte der Drachenführer nicht werden müssen, Tristan verstand auch so, was der Mann ihm unterstellen wollte.

"Weil es ein Kloster ist, meinst du? Weil du glaubst, ich hätte ein Problem damit, Mönche des Einen Gottes niederzumähen?" Er lachte ungläubig. Dann suchte er nach den richtigen Worten. Normalerweise sprach er nicht darüber. Zu Lîf ja, einmal. Dann nie wieder. Vor den Kameraden: niemals. Der alte Ole trat heran, schien gespannt zu warten. Er war damals als einer der ersten in die Kapelle gestürmt, in der Tristan den Gott seiner Kindheit um ein gnädiges Ende bat. Ole war einer von fünfen, zwei davon längst tot, die ihn hatten singen hören an jenem Ort, der nur Stille erlaubte. "Sieben Jahre lang haben sie mir das Leben zur Hölle gemacht. Sollen sie doch brennen!" rief Tristan. Dann etwas versöhnlicher: "Aber die Novizen, wenn wir da einen retten könnten, so wie Ole und die anderen mich damals gerettet haben, dagegen hätte ich nichts. Für die meisten wird's zu spät sein, die meisten werden von den Lehren der Mönche schon ganz und gar vergiftet sein. Den schwachen Geist durchdringt diese Lehre nämlich leicht, heuchelt ihm vor, Balsam zu sein, stark zu machen, indem sie ihn von der Last befreit, eigene Entscheidungen treffen zu müssen. Das geht so lange, bis derjenige sich Freiheit nicht einmal mehr vorstellen kann, bis er sich völlig in seine Knechtschaft ergibt und sogar Gefallen daran findet. Aber lass mich versuchen, ob nicht einer wenigstens, oder zwei, zu retten sind."

Und falls Sven Blutaxt selbst nach dieser Rede noch Zweifel hegte, so wurden ihm diese in Sundheim ausgetrieben, denn Tristan stürmte ihm zur Seite voraus und Sven sah mindestens drei Mönche unter seinem Schwert fallen und auch beim Plündern und Feuer legen zeigte Tristan nicht das leiseste Zögern oder einen bislang verborgenen Rest an Pietät. Nur den Novizen gegenüber zeigte er Gnade. Sofern sie ihn ließen. Die älteren ließen ihn nicht. Zwei der jüngeren trug er eigenhändig aus dem brennenden Gotteshaus.

~~~

Tristans Tag begann hoffnungsfroh. Sein Weib war gut gelaunt, weil er sich heute Arbeit suchen wollte. Sie heilte ihm die gebrochenen Rippen, ohne ein weiteres Wort über den Vorfall des gestrigen Tages zu verlieren, und der Streit schien fast vergessen. Er selbst konnte sowieso nur daran denken, was sie ihm gestern erst verraten hatte: Vater! Er wurde Vater! Und Lîf lachte über sein Entzücken. Vielleicht sonnte sie sich auch ein wenig in seiner Aufmerksamkeit, obwohl es ihr daran normalerweise eigentlich nicht mangelte. Solange er bei ihr war und nicht auf Fahrt. Wie er ja wohl demnächst wieder sein würde, sollte Ayrin ihn tatsächlich anheuern. Ich werde um Vorschuss bitten müssen, damit mein Weib so lange in einer Herberge hier in Kromdag unterkommt.

Doch dann kam alles anders. Zunächst einmal wollte Lîf ihn zu Fürst Ayrin begleiten, um zu hören, was für ein Auftrag das denn sei. Darin sah Tristan noch keinen Schaden. Er war auch gar nicht der einzige, der eine Frau mitbrachte—dachte er zunächst, obwohl eine der beiden ihn gleich stutzig machte. Eine Elbin? Wie kommt eine Elbin nach Kromdag? Tristan hatte noch nie eine gesehen. Er wusste überhaupt nicht viel über Elben. Einige Lieder kannte er, Märchen, ein Epos. Und natürlich das, was die Mönche von Gotburg erzählten, welche die Elben gleich einmal zu Kreaturen des Bösen erklärten. Allein schon dass diese sich "das erste Volk Gajas" nannten galt als schlimmste Ketzerei. Der Feind meines Feindes... dachte Tristan daher, ganz allgemein, beim Anblick der Elbin. Von ihr begriff er als erstes, dass sie nicht als Begleiterin eines der anwesenden Männer hier war, sondern weil sie sich selbst für den Auftrag meldete.

Eine Frau auf Fahrt? dachte er spöttisch, noch gänzlich unbesorgt, dass es so weit kommen könnte. Ayrin würde ja wohl kaum eine Frau für diese Mission anheuern. Doch dann tat der Fürst genau das. Nun, vielleicht weiß er mehr über Elben als ich? Vielleicht ist es bei Elben so üblich? Dann aber schien es so, dass auch die zweite Frau, die Tristan als Begleiterin, vielleicht gar Beraterin des Fürsten eingeschätzt hatte, gekommen war, um sich anheuern zu lassen. Und als Tristan um seinen Anteil am Vorschuss bat, damit seine Frau hier in Kromdag bis zu seiner Rückkehr unterkäme—oder hätte Fürst Ayrin die Möglichkeit, sie derweil sicher unterzubringen?—da meldete sich Lîf mit einem ganz anderen Plan zu Wort, bei dem Tristan die Kinnlade herunterfiel.

"Aldrig! Du bliver her i sikkerhed, Lîf. Husk... du ved, hvad!"[1]

Wer den anschließenden hitzigen Streit zwischen den beiden gewann, ließ sich leicht daran erkennen, dass Fürst Ayrin sieben Pferde holen lassen musste, um seine Söldner loszuschicken. Und dieselbe Person, die den Streit gewann, saß auch wesentich besser zu Pferde. Zumindest zu Beginn.

~~~

Während des Rittes hat Tristan kaum Zeit, über seine Lage nachzudenken; es kostet seine ganze Konzentration, um sich auf diesem schaukelnden Etwas festzuhalten. Ein Drache schaukelt natürlich auch, aber wenn man Wind, Wellen und das Wetter kennt, und dazu die Eigenarten des jeweiligen Bootes, so gibt es da selten unerwartete Bewegungen. Ein Blick übers Wasser zeigt: dort vorn sind die Wellen höher, gleich fährt uns also eine Bö ins Segel! Und man ist vorbereitet. Beim Reiten aber nutzt es absolut nichts, die Landschaft vor sich im Auge zu behalten: das Mistvieh tut, was immer ihm gerade einfällt. Seine nächste Bewegung ist niemals vorhersehbar und dem Steuer gehorcht es nur widerwillig, wenn überhaupt. Umhergeworfen wie auf See nur im wildesten Sturm wird man in seinem Sattel! Immer wieder geht Tristans besorgter Blick zu seiner Frau. Das kann nicht gut für das Kind sein!

Und er hadert mit sich: Warum habe ich nicht doch versucht, mich beim Kirchenbau anheuern zu lassen! Dann hätte es mich halt meinen Stolz gekostet! Besser den als... als... Den Gedanken will er nicht zu Ende denken, lenkt sich schnell ab: Und ausgerechnet nach Ansdag sind wir unterwegs, dem unsäglichsten Pfaffendorf von allen! Eigentlich weiß er nicht wirklich was darüber. Die Mönche in Gotburg haben wohl davon erzählt, aber Tristan hat zu der Zeit besonders schlecht zugehört. Mehr, als Talahan erzählt hat—dass der Prophet dort geweiht wurde—weiß er auch nicht.[2] Vielleicht wurde der ganze Ort ja von einem anderen Insel-Clan niedergebrannt, dann müsste ich sagen: Bravo! Und nicht versuchen, sie zu enttarnen. Was tu ich hier bloß? Warum habe ich nicht darauf bestanden, dass wir bei meinen Fahrtenbrüdern und den anderen Überlebenden bleiben? Meinen Verstand muss ich verloren haben, als ich einwilligte, dass wir zwei allein losziehen!

Als Tristan bemerkt, dass seiner Frau die Reiterei doch schwerer fällt, als sie selbst erwartet hat—oder zugeben will!—steigt er wortlos von seinem Pferd und führt beide Tiere am Halfter. Ohne zu fragen, aber auch ohne Vorwurf. (Fast ist er ein wenig froh über diese Ausrede, nicht reiten zu müssen. Aber nur fast. Die Sorge um Lîf überschattet sein Gesicht und seine Gedanken.)

Während der einwöchigen Reise spricht Tristan überhaupt sehr wenig. Wenn, dann mit seiner Frau, mal hitzig, mal beschwörend, mal versucht er es wohl, soweit ein Außenstehender das beurteilen kann, mit zärtlichen Worten, aber immer halblaut und in seiner komischen Sprache, die nur aus Vokalen und kehligen Presslauten zu bestehen schien, bei welch letzteren man sich fragen muss, warum er nicht längst zu heiser ist, um überhaupt noch krächzen zu können.

Eines aber stellt er gleich zu Beginn der Reise klar und jedes Mal von neuem, sollte einer der männlichen Mitstreiter sich seiner Frau allzu nah nähern, und dazu muss Tristan nicht einmal den Mund aufmachen. Er stellt sich nur neben sie, manchmal auch halb vor sie, eine Hand am Knauf seines Sax'[3], die andere in die Hüfte gestemmt. Sein finster entschlossener Blick erledigt den Rest: Finger weg von meinem Weib![4]

Der Mut der jungen Frau—gerade mal halb so alt wie ihr Mann wirkt sie—muss wohl bewundert werden. Wie furchtlos sie sich ihm Abend für Abend entgegenstellt und Streit mit ihm sucht. Umgänglichere Männer als der ihre hätten wohl längst zugeschlagen. Vielleicht verlässt sie sich auch ganz auf ihren Zustand? Dass ein Mann seine Frau niemals schlagen wird, solange sie sein Kind unter dem Herzen trägt?

Und so begegnet Tristan auch am siebten Tag dem dunkelhäutigen Mann, der sich als Abdo al'Mbabi vorstellt, mit gewohnt abwehrender Haltung. Als Tristan hat er sich schon in Anwesenheit des Fürsten vorgestellt—dessen Frage nach seinem Clan hatte Tristan mit 'Hjallason' beantwortet—genau wie Abdos Name ihm bereits bekannt ist. Deshalb versteht er nicht so recht, was dieser mit einer erneuten Vorstellung bezweckt. Machte er einen Scherz? Mit einer Schwangeren will er "in die Schlacht" ziehen? Auch dass der Mann sie als "Freunde" bezeichnet, wenn man sich noch gar nicht kennt, kommt Tristan herablassend vor. Andererseits spricht der Mann mit starkem Akzent und sein Aussehen lässt ebenfalls darauf schließen, dass er wohl von sehr weit weg kommt. Vielleicht sollte man erst einmal Sprachschwierigkeiten und eine Unkenntnis der hiesigen Sitten annehmen, bevor man Streit mit ihm sucht. Von Streit hat Tristan nämlich erst einmal genug nach der letzten Woche.

"Wer ist Aris?" Auch er spricht mit einem leichten Akzent. Eigentlich ist es nur die Satzmelodie, die Betonung einzelner Worte, der ein oder andere Laut, der ihm zu tief in der Kehle zu stecken scheint. Das 's' gerät ihm auch ein wenig zu scharf. Zusammen könnte dies daran zweifeln lassen, dass er Suli als Muttersprache gelernt hat. "Wieso sollte dieser Aris seine Hände schützend über uns halten wollen? Wir kennen ihn doch gar nicht. Und woher täte er die Macht dazu nehmen?"
 1. Värangsk: "Niemals! Du bleibst hier in Sicherheit, Lîf. Denk an... du weißt schon an was!"
@ alle: Leute mit Suli als Muttersprache dürften bis zu 40% verstehen, wenn jemand Värangsk spricht.
 2. knowledge (religion) = 9 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1022211#msg1022211)
 3. das auf den Rûngard-Inseln übliche Gürtelmesser eines freien Mannes—in Kurzschwert-Länge
 4. Intimidate = 17 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1022232#msg1022232)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 23.12.2016, 13:32:13
Überrascht schaut Lîf dem seltsamen dunkelhäutigen Mann entgegen, der sich Tristan und ihr so unverhofft zuwendet. Sie hört schweigend seiner Einleitung zu, die in dem fremden Akzent und wohl auch fremden Begriffen von Höflichkeit und Etikette folgend für die junge Frau recht eigenartig anmutet. Sie lässt sich jedoch von ihrer Unsicherheit nichts anmerken. Vielmehr legt sie wieder eine Hand fest auf den Sattelknauf, um sicher zu sitzen, und legt die andere beruhigend auf die Schulter ihres Mannes, dessen abwehrende Reaktion sie gar nicht erfühlen müsste – sie ist schon allein am Heben seiner Schultern und dem leichten Einstemmen der Beine, der ganzen gestrafften Körperhaltung, zu sehen, selbst von hinten. "Bevare roen, mand[1]" ermahnt sie ihn leise und fügt dann auf Suli hinzu: "Er wird sich kaum vor aller Augen auf dein armes Weib stürzen oder dich herausfordern, um mich zu rauben, meinst du nicht auch..?" Dabei funkeln in ihren Augen, die sie kurz auf den Fremden richtet, sowohl eine leise Freundlichkeit als auch verhaltener Spott.

Denn sie kennt sie alle miteinander, diese Mannsleute..! Ewig müssen sie in kleinen oder auch großen Gesten ihre Kraft und ihren Mut zur Schau stellen, stellen sich ihnen in Gegenwart von Weibern die Kämme auf wie kampflustigen Hähnen, gelüstet es sie danach, ihre Kräfte miteinander zu messen... Und es schmeichelt ihr zwar einerseits, wie sich Tristan sofort schützend vor sie stellt, doch andererseits fühlt sie sich auch von ihm bevormundet wie ein kleines Kind, wenn er sie von jeder noch so kleinen Gefahr abzuschirmen sucht. Das versetzt ihrem Stolz jedes Mal wieder einen Stich, und ihr angekratztes Selbstbewusstsein verschafft sich über ihre spitze Zunge ein Ventil. Daher gleitet ihr Blick auch von ihrem Gemahl sofort wieder zurück zu dem Dunkelhäutigen, dessen Grußgeste sie mit einem neugierigen Blick wahrnimmt und mit einem Neigen ihres Kopfes erwidert.

"Ist das dein Gott, dieser Aris?" fragt sie ihn freundlicher, als man es angesichts ihrer kühlen Haltung bis eben noch erwartet hätte. Dabei huschen ihre Augen ganz kurz zu Tristan, um zu erkennen, ob sie ihn mit ihrer Reaktion erfolgreich necken und ärgern konnte. Nur um ihm zu zeigen, dass sie sein Weib sein mag, aber dennoch ihren eigenen Willen hat! Schnippisch wirft sie ihren Kopf zurück, dass die rotgolden in der Sonne schimmernde Haarpracht durcheinander wirbelt. "Unsere Namen wirst du wohl schon gehört haben: Das ist Tristan, und ich bin sein Weib. Mich nennt man Lîf" fügt sie gleich noch hinzu, um ihre Selbständigkeit zu unterstreichen und dem Fremden entgegenzukommen. Womöglich gilt es ja in seiner Heimat als höflich, sich wiederholt vorzustellen? Über Lîfs Lippen kommen die Worte flüssig und geübt, ihr hört man an, dass Suli ihre Muttersprache ist.
 1. Bleibe ruhig, Mann
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 23.12.2016, 14:00:30
"Langsam Junge, hab mehr Geduld." Hjalmarr hatte voller Tatendrang zu stark an dem verzurrten Seil gezogen, welches um die Aufhängung des neuen Mühlensteins gewickelt war. Behutsam griff sein Vater um ihn, sicherte seinen Griff und half ihm den richtigen Zug zu finden. Nach und nach zogen sie das Gewicht gemeinsam empor.

Der Mann lächelte. Nur eine Erinnerung an längst vergangene Tage. Aber eine Gute. Hjalmarr saß entspannt, die Beine angewinkelt, auf einem dünnen Laken einer hölzernen Pritsche, Rücken und Kopf gegen die unebene Steinwand gelehnt. Er hatte seinen Gedanken freien Lauf gelassen. Verpassen würde er ohnehin nichts. Unterdrücktes Schluchzen, plötzliches Gekreische und ein verrücktes Lachen hallte in unregelmäßigen Abständen durch die Stille und erinnerte ihn daran, nicht alleine zu sein. Sein Blick fiel auf die eisernen Stäbe unweit zu seiner Linken. Ein gut gerüsteter Mann – die Hand am Schwertknauf – ging mit gemächlichem Schritt an seiner Zelle vorbei. Hjalmarr nickte grüßend, doch bekam er nur einen finsteren Blick zurück und musste unweigerlich lächeln. Diese Reaktion kannte er, immerhin zog sein Äußeres doch etwas Aufmerksamkeit auf sich, hatte man ihm vor einigen Jahren in den Gassen dieser Stadt die linke Backe bis zum Ohr aufgeschlitzt. Die Wunde verheilte nur sehr langsam und schmerzte seither, entzündete sie sich doch des Öfteren. Zusammen mit der riesigen Wunde verpasste man ihm seitdem den Spitznamen "Der ewig Lachende".

Es könnte schlimmer sein. Hjalmarr hatte schon viele Zellen von innen gesehen, doch das Gefängnis von Kromdag befand sich in einem außerordentlich guten Zustand und war zudem sauber und warm. Vermutlich war es deshalb so gut besucht. Wie dem auch sei, früher oder später würde er auch aus diesem Kerker einen Weg heraus finden. So wie immer. Gerade hatte er sich entschlossen etwas Schlaf nachzuholen, da drangen gedämpfte Worte an sein Ohr, die seine Aufmerksamkeit erregten. Er blinzelte. Lord Ayrin und Raubzug waren dann doch genug, um aufzustehen und näher an die Stäbe seiner Zelle zu schleichen, in der Hoffnung das Gespräch etwas besser zu verstehen. Zwei der Insassen in den gegenüber liegenden Zellen neben ihm schienen sich zu kennen. Hjalmarr presste sich an die Wand und lauschte. Unter vorgehaltener Hand flüsterten sie aufgeregt und schon nach kurzer Zeit musste der junge Mann unweigerlich grinsen. Gelassen setzte er sich aufrecht zurück auf das Zellenbett.

Als die nächste Wache auf ihrem Rundgang an seiner Zelle vorbeikam, stand er auf, trat etwas näher an die Gitterstäbe und rief der Wache, so höflich er konnte, nach. "Hey du, sag deinem Lord ich habe wichtige Informationen für ihn. Wenn er nicht begierig danach ist, seinen Wohlstand aufzugeben, sollte er mich anhören. Und zwar noch vor dem nächsten Mond, sonst wird es zu spät sein!" Verschlagen blinzelt er zur Seite und erkennt den düsteren und panischen Blick des Insassen schräg gegenüber. Unheimlich spreizte sich seine Backe, als er ihm überlegen zu grinste, während die Wache innehielt. Solange würde es wohl doch nicht dauern, bis er wieder die frische Stadtluft riechen würde.

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Es war nicht ganz, was er sich erhofft hatte, aber immerhin war er aus der Zelle raus. Hjalmarr rieb sich die Handgelenke, als ihm die Ketten abgenommen wurden. Harsch drückte einer der Wachhabenden ihm eine abgenutzte Rüstung mit eisernen Beschlägen in die Hand. Ein paar alte Leinenkleider lagen bereit und eine Schüssel mit Wasser stand neben einem Krug und einer Schale mit Seife auf einem hölzernen Tisch in einem kleinen Quartier, welches offenbar lange nicht benutzt wurde.

Einige Minuten vorher hatte man ihn aus der Zelle geführt und ein Treffen mit Lord Ayrin bekanntgegeben, der seiner Warnung vor ein paar Tagen erst keinen Glauben schenken wollte, doch nun scheinbar Opfer dieses Raubzugs wurde. Scheinbar konnte der Dieb jedoch gefasst werden. Nun würde er ihm aus purer Großzügigkeit die Freiheit schenken, doch mit einer kleinen Bedingung, die er bald erfahren sollte.

"Wasch dich, bevor du Lord Ayrin gegenüber trittst. Und zieh dir die frischen Kleider an. Lord Ayrin wird nicht nur dich empfangen." Mürrisch stellte Hjalmarr die Rüstung beiseite. Was sollte das bedeuten, er würde ihn nicht alleine empfangen. Dann blickte er abwartend zu der Wache, die sich an der Tür postierte und ihn misstrauisch anstarrte. So wie es aussah, würde sie sich nicht vom Fleck bewegen. Die Augen rollend drehte der Mann sich um und zog sich die dreckige Sträflingskleidung über den Kopf.

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In der Nacht vor ihrer Abreise hat es geregnet und die Luft ist diesig. Hjalmarr zieht den alten Mantel, den er vor wenigen Stunden nach seiner Freilassung erhalten hat, tief ins Gesicht. Den ganzen Vormittag ist er in Gedanken versunken, bevor er seine Mitstreiter mustert. Vor ihm reitet eine Elbin, ein Südländer mit seltsamem Namen, eine junge Frau und hinter ihm ein junges Paar. Nachdem nun der Mann beschlossen hat die Zügel seiner Frau mit zu führen, die es offensichtlich nicht gewohnt war, solange auf dem Rücken eines Pferdes zu sitzen, kommen sie noch langsamer voran. Hjalmarr mustert beide über die Schulter hinweg aus dem Augenwinkel. Er wirkt mehr wie ein Seefahrer, als ein Reiter. Seine Züge und Handgriffe verraten ihn. Auch sie ist nicht aus dieser Gegend. Ihr temperamentvolles Auftreten gleicht dem der Frauen aus Lesdag, doch der Akzent ist ein Anderer. Sein Blick verfolgt ihre Hand und eine Schwere umfängt ihn, als sie sie gedankenverloren auf ihrem Bauch verweilen lässt. Eine Schwere, die er nur schwach unterdrücken kann. Eine Erinnerung spielt sich vor seinen Augen ab, die seine Kehle zuschnürt, doch er muss unweigerlich einen Moment lächeln. Als der Südländer zu ihnen spricht, wendet Hjalmarr sich wieder von Beiden ab, immerhin hat ihr Gemahl Tristan ein offenbar schwaches Nervenkostüm und er möchte vermeiden, einem werdenden Vater einen Pfeil zwischen die Augen jagen zu müssen. Dennoch, seine Frau sieht unwohl drein und letztendlich siegt seine Sorge über ihr Befinden, oder eher um das des Ungeborenen, obgleich eine solche Reise für einen Schwangere sowieso hirnrissig erscheint.

Hjalmarr stemmt sich etwas in die Steigbügel, zieht das Sattelfutter unter dem Leder hervor und beugt sich nach hinten. "He da, Tristan war euer Name, richtig?" Dann wirft er ihm das gefaltete Fellpolster zu "Legt das unter den Sattel eures Weibes. Das Polster sollte dick genug für einen angenehmeren Ritt sein." Ohne auf eine Antwort zu warten, dreht er sich wieder um und fügt an Lîf gewandt hinzu. "Und ihr solltet versuchen euren Rücken gerader zu halten, dann ist es weniger anstrengend."

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Hjalmarr ist müde und das stetige Schaukeln des Pferdes verbessert seine Situation nicht gerade. Er hält die Zügel locker und gähnt herzhaft. In den letzten Stunden hat er jegliches Wort mit seinen Mitreisenden, die ihm von Lord Ayrin zur Seite gestellt worden sind, um seine Schuld für die Freilassung aus den Kerkern Kromdags zu begleichen, vermieden. Nun, nicht ihm direkt, sondern diesem stumpfen Bullen namens Tallahan. Zu ihm hält er den größten Abstand und führt sein Pferd auf dem vorletzten Platz der kleinen Gruppe. Das Symbol auf der Stirn des Paladins gefällt ihm nicht, und ohne es offen zu zugeben, zollt er ihm unterbewusst den meisten Respekt, was er selbst nicht so ganz nachvollziehen kann. Er kennt die Einstellungen der Gefolgsleute des neuen einen Gottes und möchte tunlichst vermeiden ihm in die Quere zu kommen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 23.12.2016, 16:38:56
Über einen Mond ist es her, seit Aeryn aufgebrochen war. Ihr Weg hatte sie von ihrer Heimat in Linsberg zunächst zum Fenden geführt. Diesem war sie dann einige Tage nach Süden gefolgt, bis sie zu einer Furt kam, wo eine Überquerung des Flusses möglich war. Natürlich wurde diese bewacht, schließlich befindet sich Fersland mit dem Herrscherclan und seinen Getreuen im Krieg. Jedenfalls waren das die Nachrichten, die den Elben zugetragen wurden, von befreundeten Dorfbewohnern und Waldmännern, die seit Jahrzehnten mit ihnen Tauschhandel trieben. Da sie kein Interesse daran hatte, sich vor den Soldaten zu erklären, wartete Aeryn die Nacht ab und nutzte ihre gute Sicht und ihre Geschicklichkeit, um sich an den Wachtposten vorbeizuschleichen. Am nächsten Morgen war sie bereits weit entfernt. In Fersland selbst sind Elben eher selten, da sie die großen Wälder als ihre Heimat bevorzugen, die es dort nicht gibt.

Auf ihrer Reise kam Aeryn an zahlreichen Dörfern, mal kleiner, mal größer vorbei. Gelegentlich ging sie sogar auf die Dorfbewohner zu, vorsichtig und behutsam, in der Hoffnung, sie würden ihr gegenüber nicht feindselig reagieren. Manche erinnerten sich an das Bündnis der Elben und Menschen und sahen sie immer noch als Freunde an, während andere ihnen Feigheit oder Schlimmeres vorwarfen. Oftmals hatte sie Glück, wenn auch nicht immer. Von den offeneren Menschen erfuhr sie ein wenig mehr über den Bürgerkrieg und dass sie sich am besten nach Kromdag begeben solle, wenn sie ihre Hilfe anzubieten gedenkt. Sie bekam auch Beschreibungen mit auf den Weg, wie sie am besten nach Kromdag gelangen würde.

Der Weg war lang und die junge Waldläuferin ging nicht auf der direkten Route, insbesondere weil sie größere Ansammlungen von Soldaten meiden wollte. Sie zog sich oft in kleinere Wälder zurück oder nahm Umwege in Kauf, um nicht entdeckt zu werden. Nach einigen Wochen erreichte sie schließlich ihr Ziel: Kromdag.

Natürlich wurde sie direkt am Tor aufgehalten, Elben sind schließlich keine besonders häufigen Gäste, doch der Wachhauptmann wusste von Lord Ayrins Gesuch und nachdem Aeryn sich erklärt hatte, ließ er sie zu ihm führen. Sie musste einige Zeit warten, ehe sie schließlich dem Lord gegenübertreten durfte, zusammen mit einem ziemlich bunten Haufen von Menschen, die aus ähnlichen Gründen dort waren.

Aeryn lauschte den Worten des Lords und erkannte hier eine Gelegenheit, ihre Hilfsbereitschaft den Menschen gegenüber zu beweisen. Ein erster Schritt auf einem langen Weg, an dessen Ende vielleicht Vertrauen, vielleicht sogar Freiheit lagen. Daher stimmte sie zu, die Aufgabe zu übernehmen, auch wenn der Lord dies wohl ohnehin als gegeben ansah.

Seit einer Woche reisen sie nun zusammen. Es ist angenehm, in einer Gruppe unterwegs zu sein, auch wenn ihre Reisegefährten keine Elben sind. Mehr Augen, die nach Gefahren Ausschau halten, und da sie in einer offiziellen Sache unterwegs waren, würden auch die Soldaten ihnen keine Probleme bereiten.

Die Elbin hatte sich als Aeryn vorgestellt und als Waldläuferin und Bogenschützin. Ansonsten hat sie nicht viel gesprochen, aber wenn sie etwas gesagt hat, dann in nahezu perfektem Suli. Sie ist klein und insgesamt eher zierlich, auch wenn sie scheinbar keine Mühe damit hat, ihre Rüstung und ihre verschiedenen Waffen neben ihrer übrigen Ausrüstung zu tragen. Die Geschmeidigkeit und Anmut, mit der sie jede ihrer Bewegungen ausführt, sucht ihresgleichen. Sie wirkt zurückhaltend, was aber wenig verwundert, da sie sich hier doch in gänzlich fremden Gefilden herumtreibt. Ihre Augen sind stets aufmerksam und beobachten nicht nur die Umgebung, sondern auch ihre Begleiter genau. Wenn ihnen die Sonne einmal grell entgegenschien und die meisten schützend ihre Hand vor die Augen halten mussten, oder die Kapuze tiefer ins Gesicht ziehen, merkte man, dass sie das grelle Licht überhaupt nicht zu stören scheint. Manchmal, meist wenn sie das Nachtlager aufgeschlagen hatten, fand sie etwas, vielleicht ein verwelktes Blatt, welches sie für längere Zeit betrachtete. Ihre Geduld in diesen Dingen scheint schier unendlich zu sein.

Während der Reise hat sie oft Nahrung und Wasser gesucht, um ihre Rationen nicht unnötig zu erschöpfen. Sie hat ihre Funde am Lager immer bereitwillig geteilt und für sich nur genug zurückbehalten, um ihren eigenen Hunger zu stillen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 23.12.2016, 18:31:55
Den älteren, siech wirkenden Mann hat Tristan von Anfang an im Auge behalten. So einen Kerl mit auf Fahrt zu nehmen wäre daheim niemandem eingefallen. Tristan beginnt, an Lord Ayrins Verstand zu zweifeln—oder seinen Absichten. Wenn schon die Hälfte ihres seltsamen Trupps Frauen sind, hätte man dann nicht wenigstens auf der anderen Seite gesunde Männer schicken sollen? Schön, halbwegs drahtig und wendig scheint der Kerl ja zu sein, aber mit einem Bein im Grab zu stehen. Irgendeine Seuche schleppt dieser Hjálmarr mit sich rum, die seinen Körper fast so aussehen lässt, als sei er schon drei Tage tot.

Und was tut der Kerl? Tritt gleich am ersten Abend an Lîf heran, hält ihr irgendein schmuddeliges Fell hin. Und das nicht etwa unwissend—das könnte Tristan ihm verzeihen—sondern obwohl er Lîfs Zustand erraten hat. Das zumindest schließt Tristan allein schon aus der Geste, weniger aus den Worten.

"Bleib meiner Frau mit deiner Seuche fern!" zischt er Hjálmarr an, während er Lîf hinter sich zieht. "Und behalt dein Fell für dich."

Am nächsten Morgen aber legt er die eigene Felldecke über Lîfs Sattel und hebt sie hinauf. Zu seiner Überraschung lässt sie dies ohne Widerrede oder spöttischen Seitenblick geschehen. Tatsächlich meint er, dass sie ihre Hand etwas länger als nötig auf seiner Schulter liegen lässt, in einer zärtlichen Geste.

~~~

Seit einer Woche versteht Tristan seine Frau nicht mehr. Egal was er sagt oder tut, sie fährt die Krallen aus und faucht ihn an. So ist Lîf noch nie mit ihm umgesprungen. Nicht einmal in den Arm nehmen lässt sie sich und auch vor seinen Liebkosungen weicht sie zurück. Was macht er nur falsch?

Vielleicht gar nichts. Vielleicht ist sie nur deshalb so ungehalten, weil wir in die falsche Richtung reisen. Weil wir nicht längst bei ihrer Familie angekommen sind.

Doch kaum ist er zu diesem Schluss gelangt, treibt sie neue Spitzen in sein Fleisch—wie einen dummen Jungen ermahnt sie ihn vor allen Leuten, wechselt absichtlich in die Sprache des Festlandes, damit es auch ja alle verstehen!—und gibt ihm dabei zum ersten Mal, absichtlich oder unabsichtlich, einen Hinweis für ihren Ärger.

"Er det årsagen?" fragt er. "Fordi du tror, jeg lader dig ned? Fordi jeg var ikke der, da ... Fordi jeg har gjort mere af det, hvad ville synes min ride brødre om mig, i stedet for hvad du sagde?"[1]

Oder will sie mir damit sagen, ich solle nicht von mir auf andere schließen? Bloß weil ich sie auf den ersten Blick besitzen wollte und zu diesem Zweck geraubt habe, würde das nicht jedem Mann gleich einfallen? Würde es überhaupt nur einem Seeräuber wie mir einfallen? Aber was trägt sie mir das noch immer nach! Die Alternative wäre für sie doch genauso unerträglich gewesen wie für mich.

Eine seiner Vermutungen allerdings sieht er durch ihre Worte bestätigt: Sie muss mich für einen rechten Nichtsnutz halten. Kein Haus und Hof, kein Hab und Gut, auch keinen Pfennig Geld, kein rechtes Handwerk außer Plündern, und Essen gäbe es auch keines an unserem Feuer, wenn unsere elbische Weggefährtin nicht so selbstlos mit uns teilen würde.

Dafür erntet Aeryn übrigens stets seinen Dank, mal in knappen Worten, mal nur ein Nicken, und auch der dazu gesenkte Blick verrät, dass hier jemand seinen ganzen Stolz hinunterschlucken muss, damit seine Frau etwas anständiges zu essen hat.
 1. Värangsk: "Ist es deshalb? – Weil du denkst, ich habe dich im Stich gelassen? Weil ich nicht da war, als... Weil ich mir mehr daraus gemacht habe, was meine Fahrtenbrüder von mir denken könnten, statt darum, was du sagtest?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 23.12.2016, 22:28:42
Abdo merkt schnell, dass er offenbar in ein Wespennest gestochen hat. Er vermutet zwar, dass das Aufbrausen von Tristan mehr mit irgendwelchen Eheproblemen als mit ihm zu tun hat, aber dass sich durch seine wenigen Worte direkt ein Streit zwischen den beiden entwickelt, ist ihm dann doch etwas peinlich, und man sieht ihm seine Unsicherheit deutlich an, wenn auch niemand der anderen dank seiner Hautfarbe dass Blut erkennen kann, das ihm in den Kopf schießt. Einmal mehr ist Abdo froh, dass das Gelübde seines Ordens ihm die Heirat verbietet.

Immerhin ist Lif freundlich zu ihm, und er nickt ihr dankbar zu.
“In der Tat, Aris ist der Eine, der Schöpfer, und ich entschuldige mich, wenn meine Worte euch Unbehagen bereitet haben. Ich bin nicht sicher, ob seine Macht ausreicht, um euch hier zu beschützen, aber ich wollte euch damit nicht beleidigen.
Es scheint so, als sollten wir die nächsten Tage gemeinsam verbringen, und ich dachte, es wäre gut, wenn wir uns etwas aneinander gewöhnen. Ich habe den Fehler meines Handelns erkannt, dass ich für mich selbst geblieben bin, doch vielleicht ist es noch nicht zu spät, dies zu ändern.“


Als sich kurz danach auch der grimmig aussehende andere Bärtige einschaltet, nutzt Abdo die Gelegenheit, einerseits auch ihn anzusprechen, zum anderen dieser Fehde zwischen Gatten und Gattin zu entrinnen.
“Auch Ihr mögt gesegnet sein! Ich hoffe auf ein erfolgreiches Abenteuer. Wollt ihr mir erzählen, welcher Umstand euch in diese Gruppe geführt hat?“
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 24.12.2016, 12:30:49
Die Geste Hjálmarrs hat Lîf nicht beantworten können, denn ehe sie sich versah, hatte sich bereits Tristan nach vorn geschoben und ihr das Wort abgeschnitten. Halb gerührt von seiner Fürsorglichkeit, halb aber auch erzürnt darüber, wie er über ihren Kopf hinweg entschieden hatte, war ihr wenig anderes übrig geblieben, als vorerst zu der Angelegenheit zu schweigen. Nachdem ihr Gemahl die Schwangere jedoch am nächsten Tag selbst in ähnlicher Weise versorgt und auf ihr Pferd gehoben hatte, war ihr Blick mehrfach zu dem wahrlich nicht sehr schönen Mann geglitten, um den seinen zu suchen. Da Tristan ihr Pferd am Zügel führte, war es ihr nicht möglich, es zu dem Fremden zu lenken, der ja schließlich Mitgefühl und Verständnis für ihre Lage gezeigt hatte– wenn auch in einer etwas holprigen Weise.

Dennoch hat sie es sich, allen wütenden oder warnenden Blicken ihres Mannes zum Trotz, nicht nehmen lassen, Hjálmarr freundlich zuzunicken, als er ihr einmal näher kam, und ihm im Vorbeireiten gesagt: "Deine Verletzung dort sieht böse aus, Fremder... Wenn sie dir Ungemach bereiten sollte: Ich bin ein Kräuterweib und verstehe mich auf das Versorgen entzündeter Wunden. Auch kenne ich Kräuter, die den Schmerz lindern." Womit in den Augen der Bauerntochter genug des Dankes zum Ausdruck gekommen war. Sie ist keine Freundin langer, gedrechselter Dankesreden. Lieber hilft sie tatkräftig, wo ihre Fähigkeiten gebraucht werden sollten.

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Trotzig presst Lîf die Lippen zusammen und hebt das Kinn, als Tristan sie – wiederum die anderen ausschließend – anspricht. "Jeg er din kone, ikke din ejendom![1]" zischt sie dann zurück. Obwohl, oder gerade weil ihr klar ist, dass beides für die Männer gleich gilt, unter denen er so lange gelebt hat. "Den store moder beskytte mig, uden dig bevormundest mig. Jeg er ikke en lille pige mere![2]" Sie schaut ihn mit flammend roten Wangen und blitzenden Augen an. Dann keucht sie leise, presst sich eine Hand auf den Bauch und schließt für einen Moment die Augen. Erst nach ein paar tiefen Atemzügen scheint es dem Rotschopf wieder besser zu gehen.

Auch sie ist sich natürlich bewusst, dass ihre Worte nicht vollkommen der Wahrheit entsprechen. Ohne Tristans Schutz würde es sehr schwer für sie werden, noch schwerer als ohnehin schon. Und sie hat sehr wohl bemerkt, welche Mühe es ihm bereitet, seine Scham zu überwinden und die Gaben Aeryns anzunehmen. Was bleibt ihnen schon anderes übrig, hier, auf dem Land, wo er wenig Erfahrung hat, und mit Lîfs Schwangerschaft, die sie zunehmend unbeweglicher macht? Sie ist auf seine Hilfe angewiesen wie er auf die anderer, und beide müssen sie ihren Stolz überwinden. Dennoch ist gerade in ihr wieder der Zorn darüber aufgeflammt, womöglich nicht als eigenständige Person behandelt zu werden. Und ihre Wut, so schnell sie verrauchen kann, ist etwas, das die junge Frau manchmal selbst erschreckt in seiner Heftigkeit.

All diese Gedanken schießen ihr durch den Kopf, bevor sie sich dem Dunkelhäutigen wieder zuwendet und ihm erwidert: "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen... wir sind nicht beleidigt. Mein Mann macht sich nur Sorgen um mich, das ist alles." Womit sie dem eigenartigen Fremden einerseits die Bereitschaft zu einem freundlichen Miteinander signalisieren möchte, denn schließlich müssen sie wohl noch eine ganze Weile miteinander auskommen, und sich andererseits in einer vielleicht etwas kindlichen Weise an der Erkenntnis erfreut, dass sie mit ihren Worten ganz unbewusst den Spieß herumgedreht und für Tristan mitgesprochen hat, ohne ihn zuvor zu fragen. Das bereitet ihr in diesem Moment eine diebische Freude, und ihre Augen funkeln herausfordernd, als sie zu ihrem Gemahl blickt.
 1. Ich bin dein Weib, nicht dein Eigentum!
 2. Die Große Mutter beschützt mich, auch ohne dass du mich bevormundest. Ich bin kein kleines Mädchen mehr!
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Khenubaal am 25.12.2016, 12:11:12
Talahan reitet schweigend an der Spitze des kleinen Zugs, den Blick auf den Weg vor sich gerichtet - wie immer. Seit dem Aufbruch aus Kromdag hat der Paladin nur gesprochen, wenn es darum ging, seine Reisegefährten anzuleiten: Tempoveränderungen, Lager aufschlagen, Lager abbrechen, Einteilung der Nachtwachen, nützliche Hinweise für bevorstehende Reiseabschnitte - stets sachlich, stets sinnvoll, und die Entscheidungen mit Rücksicht auf Lifs Schwangerschaft und die Schwierigkeiten von Abdo, Tristan und Freydis; so viele Worte wie nötig, so wenig, wie möglich. 

Der Mann hat sicher bereits mehr als vierzig Sommer erlebt. Silberne Strähnen ziehen sich funkelnd durch den kurzen Vollbart, verblassen an den Schläfen zu grauen Linien und spränkeln das mit einem Lederband zum Zopf zusammengebundene Haupthaar. Nur die buschigen Augenbrauen sind immer noch vom kraftvollen Schwarz, bekränzen grüne, wache Augen und eine Hakennase. Die Haut ist wettergegerbt und ledrig, mit Furchen und Schrammen. Eine Narbe zieht eine Schneise durch den Bartwuchs auf der rechten Wange und einen rötlichen Strich über die Nase.

Über den Lederwams liegt ein altgedientes Kettenhemd. Kein Schaben, kein Klirren - nicht verwunderlich, nachdem man am Lagerfeuer des dritten Tages gesehen hat, mit welcher Sorgfalt der Mann die Ketten reinigt und ölt. Die Paladine der Behadrim sind bekannt dafür, ihr Kriegswerkzeug perfekt in Schuss zu halten. Es ist fast wie ein Gebet für sie, sagt man, denn es sind nicht nur Waffen, sondern die Werkzeuge, mit der sie Urian selbst bekämpfen. In gewisser Weise also heilig. Nur dass dieser Paladin in all der Zeit seit dem Aufbruch aus Kromdag nicht beim Gebet gesehen wurde.

Stählerne Schulterplatten, ein ebensolcher Halsschutz und Waffenrock ergänzen den Schutz. Der stahlbeschlagene Rundschild mit dem gebrochenen Reifkreuz der Behadrim ist auf seinen Rücken geschnallt. Ein mächtiger Bihänder, sowie mehrere Dolche und ein kürzeres Schwert baumeln am Sattel des stämmigen Hengstes, neben den beiden Reisetaschen, Kochwerkzeug und dem zusammengerollten Nachtlager.

Das Tempo ist nun behäbiger, da Tristan abgestiegen ist und die beiden Pferde am Zaumzeug führt, und so sind Abdos Worte über Aris, den Einen Gott von Ya'Kehet auch vorne zu vernehmen. Freydis und Aeryn, die hinter dem Paladin reiten, sehen, wie er den Kopf senkt und diesen leicht schüttelt. "Selbst am anderen Ende der Welt ist man vor euch also nicht sicher...", murmelt er.

Dann dreht sich Talahan im Sattel um und spricht Abdo an: "Wenn du nun mehr erzählen willst, Südmann, dann darf ich vielleicht auch etwas fragen? Dieser Gott, von dem du sprichst - wer brachte ihn in eure Lande? Waren es auch die Behadrim? Und was sagt er euch über die Dämonen? Gibt es bei euch solche Kreaturen überhaupt, oder hat euch das Schicksal verschont?"

Abdo ist überrascht durch die plötzliche Ansprache. Aber vielleicht ist es ja auch zum Besten so. Besser spät, als nie.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 25.12.2016, 13:07:40
Wie in Abdos Heimat scheint auch hier zu gelten, dass die Frauen besonnener und klüger handeln als die Männer; zumindest nimmt sich der Mönch vor, seine Fragen in Zukunft eher an Lif zu richten als an ihren Ehegatten. Er ist froh, dass Frauen auf diesem Kontinent wohl gleichberechtigt als Krieger angesehen werden wie die Männer - etwas, dass er in seiner Zeit auf Albion nicht vermutet hatte. Doch in dieser Gruppe sind beide Geschlechter zu beinahe gleichen Teilen vertreten, und die Jagdkünste der "Elbin", wie die anderen sie nennen, sind denen jeden Mannes überlegen, den er in seiner Heimat gekannt hatte. Dort hatte erst die Verwüstung dazu geführt, dass jede Frau und jeder Mann im Überlebenskampf benötigt wurde, und das starre Patriarchat von zuvor durchbrochen worden war.

In seine Erinnerungen an die Heimat dringen plötzlich die Worte des Anführers der Gruppe an sein Ohr, und er beschleunigt die Schritte seines Pferdes ein wenig, um an dessen Seite zu kommen. Vor allem die Nennung der Dämonen fesselt seine Aufmerksamkeit sofort und er nimmt die Gelegenheit gerne wahr, um vielleicht mehr über diese Wesen zu erfahren.
"Die Wesen, die ihr Dämonen nennt, heißt man bei uns Shetani - zumindest wenn die Beschreibungen stimmen, die ich von ihnen gehört habe. Und sie sind der Grund, weshalb ich in dieser fremden Welt geladen bin." Der Schmerz steht dem dunkelhäutigen Mann dabei in das Gesicht geschrieben.
"Bis vor einer Generation war unser Land friedlich und eine Blüte der Zivilisation! Die begabtesten Künstler und Wissenschaftler machten mit ihren Werken die Stadt Surail zu einem Anblick, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Aber dann fielen die Shetani ein; woher sie kamen, weiß niemand. Aber überall, wo sie auftauchten, hinterließen sie Tod und Verwüstung. Es dauerte nur wenige Jahre, und ganz Ya'Kehet und alle bekannten Lande waren unter ihrem Ansturm gefallen."
Abdo muss sich eine Träne aus dem Augenwinkel wischen, bevor er fortfährt.
"Ich selbst war damals ein kleines Kind, aber selbst ich kann mich noch an die Pracht erinnern. Seitdem zogen sich die Menschen in einige wenige Siedlungen zurück, wo wir einen endlosen Überlebenskampf gegen die Shetani führen. Ich wurde mit einigen anderen ausgesandt, um Hilfe zu suchen, und vor allem Wissen über die Schwächen der Shetani. Ein Seher hatte eine Vision von einem fremden Land, in dem die Menschen seit Jahrhunderten die Shetani in Schach halten, doch wir wussten nicht, wohin wir uns richten sollten. Unterwegs erlitten wir Schiffbruch, und schließlich war nur noch ich übrig, fast verhungert, ohne zu wissen, wo ich mich befand. Dann wurde ich von einem Schiff gerettet. Erst nach einigen Monaten erfuhr ich von den Dämonen, und machte mich sofort auf den Weg nach Westen. Doch unglückliche Umstände haben dazu geführt, dass ich vom Weg abgekommen bin und mich dieser Expedition angeschlossen habe. Eine Aufgabe, die ich jedoch zur Perfektion auszuführen beabsichtige, bevor ich mich dem Kampf gegen diese Dämonen anschließe."

Der Mönch macht eine längere Pause, und spürt die verwunderten Blicke der anderen Mitglieder der Gruppe auf sich, ob des ungewohnten Redeschwalls des bisher so stillen Mannes. Dann erinnert er sich an die anderen Fragen, die der Paladin gestellt hat.
"Von Behadrim habe ich bisher noch nichts gehört. Aber wie können sie einen Schöpfer irgendwohin bringen? Aris war immer schon da, denn er hat alles erschaffen. Doch er muss unzufrieden gewesen sein mit uns - vielleicht waren wir zu arrogant? Sonst hätte er uns nicht die Shetani geschickt, um uns zu bestrafen."

Der Mönch schweigt über seine Zweifel, die ihn immer wieder heimsuchen. Welche Art von Gott denn so etwas wie die Shetani zulassen kann, und ob sich das Volk von Ya'Kehet nicht womöglich in Aris getäuscht hat. Doch das sind Gedanken, die er mit einem Fremden nicht einfach teilen würde.

"Aber du weißt scheinbar mehr über diese Dämonen: Hast du gegen sie gekämpft? Kannst du mir mehr über sie sagen?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 25.12.2016, 19:29:23
Eigentum! Er hat Lîf niemals wie sein Eigentum behandelt, nicht einmal in den knapp drei Monaten, da sie es, den Gesetzen der Inseln nach, tatsächlich gewesen ist. Er war immer gut zu ihr. Und auch jetzt versucht er schon die ganze Zeit, Geduld mit ihr zu haben. Seit Tagen wartet er darauf, dass sie sich wieder fängt, wieder sein liebes Weib wird. Als sie das letzte Mal derart verletzend zu ihm sprach, im Methaus von Hóp, da tat es ihr noch am selben Abend schrecklich leid. Und eigentlich hat sie ihm darauf versprochen, nie wieder vor allen Leuten so mit ihm zu reden. Gelten die alten Versprechen ihr etwa nichts mehr?

Sie entgleitet mir. Mit jedem Tag auf dem Festland entgleitet sie mir ein Stück mehr. Und ich weiß nicht, wie ich sie halten kann.

Ihm kommt ein schrecklicher Gedanke.

War das von Anfang an ihr Plan? Zurück zum Festland, zurück zu ihrem Clan zu reisen, um dort Schutz zu suchen—Schutz vor mir?

Zwar kennt er sich mit den Gepflogenheiten des Festlandes kaum aus, doch soviel weiß er noch von der eigenen Mutter: auf dem Festland, genau wie auf den Inseln, bleibt eine Frau auch nach ihrer Heirat Mitglied des väterlichen Clans. Das heißt, sie kann dort jederzeit Schutz suchen, auch vor dem eigenen Ehegatten.

Aber wenn Lîf mich loswerden will, warum erzählt sie mir dann, dass sie schwanger ist? Sie kann sich doch denken, dass ich ihr die Sache dann erst recht schwer machen werde. Außer, sie hat es so geplant, dass ihr Vater und die Brüder sie zur ehrbaren Witwe machen? Dann ist sie mich fein los und kann heiraten, wen der Vater ihr bestimmt?

Dem herausfordernden Blick seiner Frau begegnet Tristan mit einem ungläubig-entsetztem.

"Jeg troede, vi ville have været glad", bringt er mit Mühe heraus. "Var vi ikke glad i de sidste to år?"[1]

Ohne eine Antwort abzuwarten beschleunigt er seinen Schritt und schaut von jetzt an stur nach vorne.

Dem Gespräch zwischen Talahan und Abdo lauscht er schweigend.[2]
 1. Värangsk: "Ich dachte, wir wären glücklich gewesen. – Waren wir nicht glücklich in den letzten beiden Jahren?"
 2. knowledge (religion) = 14 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1022347#msg1022347) - Was haben die MÖNCHE von Gotburg denn so über Dämonen erzählt, warum die hier sind, was man gegen sie tun muss, wer schuld an der ganzen Situation hat...? Vielleicht gibt es aber auch die ein oder andere Legende / Überlieferung, die Tristan seither aufgeschnappt haben könnte?
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 26.12.2016, 12:46:10
Die Erwiderung Tristans überrascht Lîf, die mit einem wütenden Protest, einer Zurechtweisung oder ähnlichem gerechnet hat und genau darauf auch vorbereitet war. Doch dass ihr Mann eher betroffen scheint, lässt sie den schon zum Widerspruch geöffneten Mund wieder schließen. Und ehe sie sich von ihrer Überraschung erholt hat, schaut die junge Frau nur noch auf seinen Rücken. Auch der Fremde hat sich wieder nach vorn gewandt, dem schwer gerüsteten Talahan zu, dessen Nähe ihr unangenehm ist, verkörpert er doch eine Philosophie, die der ihren mehr und mehr die Gläubigen zu nehmen droht. Verblüfft starrt sie auf die diversen Männerrücken vor sich und presst dann die Kiefer zusammen.

Schweigend sitzt sie auf ihrem Pferd, indem sie versucht, dessen Bewegungen einigermaßen auszugleichen. Denn irgendwo tief in ihr regt sich zwar schon wieder das, was ihre alte Lehrmeisterin als das Große Mütterliche bezeichnete: der Wunsch und auch die Verpflichtung, zu vergeben, den Streit zu beenden und die Wunden zu heilen, die Worte geschlagen haben. Sie spürt die Verbindung zu der alles nährenden, alles beschützenden Göttin. Doch sie schafft es in diesem Moment trotzdem nicht, gegen ihren Stolz anzukommen. Nicht vor den Augen aller!

Einmal mehr hat sie das Gefühl, nicht für voll genommen zu werden, zumal es ihr einen schmerzhaften Stich versetzt, mit ihrem Verhalten gegenüber dem eher enttäuscht als erzürnt scheinenden Tristan wie ein trotziges Kind dazustehen, das den Streit sucht. Das Wissen, dass sie das in diesem Fall ihrem Temperament zuzuschreiben hat, macht die Sache nicht besser. Und ihren Mann zu sich zu bitten, um ihm die Sache zu erklären, dafür ist sie noch nicht bereit. Stattdessen versucht sie ihren schwindenden Zorn damit am Leben zu erhalten, dass sie sich auf die Punkte konzentriert, an denen sie seine Fehler zu erkennen glaubt.

Er hat nicht einmal verstanden, wie ich mich fühle, wenn er vor jedem fremden Mann als mein Beschützer auftritt, als sei ich jedermanns mögliche Beute... So wie ich die seine war. Als würde ich das Weib eines jeden werden, der mich haben will, und ihm Kinder gebären – weiß er denn nicht, wie viel es bedeutet, dass ich sein Kind unter dem Herzen trage, ich, die ich alle Wege kenne, einen Weiberschoß unfruchtbar zu machen?! Weiß er denn nicht, dass das allein deshalb so ist, weil ich mich für ihn entschieden habe..?!

Es fällt Lîf schwer, aber sie kann das Feuer auf diese Weise noch eine ganze Weile in sich am Lodern halten und lässt dabei ihren Blick wieder in die Ferne schweigen. Obwohl man es ihr nicht ansieht, lauscht sie aber dennoch den Worten der Unterhaltung, die sich vor ihr zwischen Talahan und dem dunklen Fremden entwickelt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 26.12.2016, 15:46:36
Aeryn lässt das Paar lieber ungestört, sie hatten wohl einiges zu erdulden und sind schnell gereizt, etwas, was sie aus ihrem Volk nicht wirklich kennt. Sie hofft, dass sich das alles wieder einstellt, wenn sie an ihrem Ziel angekommen sind. Spätestens, wenn sie sich mehr auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren müssen.

So findet sie sich unweigerlich eher in den vorderen Reihen der kleinen Truppe wieder, wo sie überhört, wie Abdo mit Talahan über die Dämonen spricht. Ein Thema, welches sie aus ihrer stillen Beobachtung reißt und sie bewegt, ebenfalls etwas beizutragen.

"Die Dämonen gibt es seit einigen hundert Jahren hier," erklärt sie dem dunkelhäutigen Fremden. "Mein Volk kämpft ebenso wie die Menschen gegen sie, jedoch hat der Streit unter den Stämmen einen Keil zwischen unsere Völker getrieben. Im Süden, bei dem großen Wall, dort sind sie zuerst aufgetaucht, erzählt man sich. Einige von uns haben diese Zeiten noch erlebt, und die Zeiten davor, wo alles noch in Ordnung war. Ich selbst bin aber zu jung dafür. Dämonen hingegen habe ich schon einige gesehen."

"Im Westen gibt es auch Dämonen, in den Bergen. Immer in den Bergen. Von dort aus strömen sie in das Land hinunter, wie ein reißender Fluss. Vernichten alles, was ihnen in den Weg kommt. Dort hielten die Dain sich lange Zeit auf, haben sich aber längst zurückgezogen, oder sie wurden von den dämonischen Horden überrannt. Man weiß es nicht genau. Sie werden immer stärker und die Verteidiger immer weniger. Es muss Einigkeit herrschen, denn wenn sich unsere Völker auch noch untereinander bekämpfen, dann wird der Feind am Ende siegreich sein."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 27.12.2016, 22:37:31
Hjalmarr erwidert einen Tag darauf vom Rücken seines Pferdes den Blick der jungen Frau, die er zugegebener Maßen als attraktiv empfindet und nickt ihr kurz für die anerkennenden Worte zu. Den Mund verzieht er dabei nicht, das ist nicht nötig, denn er lächelt ständig, wenn auch grotesk. Vermutlich spricht sie ihn deshalb auf seine alte Wunde an. Sein starrer Blick klebt an den Rücken der restlichen Gruppe. "Ich danke euch, aber dies wird nicht mehr verheilen, egal welches Kraut ihr auch nutzen würdet." Dann wendet er sich zu ihr, dabei streift sein Blick mit fester Miene den Ausdruck Tristans und er fügt verschwörerisch hinzu. "Das ist keine Wunde, sondern ein Mal. Ein Mal, dass ich bis an mein Lebensende tragen werde." Ohne weiter darauf einzugehen dreht Hjalmarr sich um und versucht mit den anderen Schritt zu halten, als sie etwas Tempo zulegen

~~~

Hjalmarr entweicht ein gepresstes ironisches Lachen, als Aeryn die über die Verteidigung der Grenzen Dalarans spricht, doch er ignoriert das Gefasel über Einigkeit. "Was tut ihr dann hier, Aeryn? So spricht man euren Namen doch aus nicht. Warum seid ihr hier und nicht an der Seite eurer Berater, um für eure eben geforderte Einigkeit zu kämpfen?" Seine raue Stimme verdeutlicht seine düstere Stimmung, die den Mann in den letzten Tagen ereilt hat. Je näher sie dem Wall gekommen waren, umso schlimmer wurde es.

Er mustert die Elfe und versucht ihr Verhalten zu verstehen, während er auf eine Antwort wartet.

Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 28.12.2016, 00:34:57
Aeryn sieht den Mann mit der grässlichen Narbe an, aber eine wirkliche Reaktion zeigt sie nicht, als er seine Frage stellt.

"Ich bin losgezogen, um herauszufinden, was es mit den Erzählungen zu tun hat," erklärt die Elbin. "Den Erzählungen von einer Rebellion gegen den Teufel, der auf dem Thron sitzt. Solange dieser Zustand anhält, wird es immer nur noch schlimmer."

"Das hat mich hierher geführt, und wenn ich kann, werde ich gerne helfen. Und irgendwo muss man ja anfangen, also warum nicht hier?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 30.12.2016, 02:14:34
Freydis war von der Bitte Lord Ayrins die Expedition in den Süden zu begleiten nicht wirklich begeistert gewesen, zuweit würde sie dieser Auftrag von Kromdahl und der Front mit den Gelspad entfernen. Als sie dann noch erfuhr wer die Gruppe anführen sollte war sie kurz davor gewesen abzulehnen. Die milde ausgedrückt ablehnende Haltung der meisten Behadrim gegenüber berührten wie ihr ist ihr aus diversen Büchern und Berichten nur zu bekannt.
Andererseits hatte sie ihren Auftrag zumindest vorläufig erfüllt gehabt und gerade begonnen sich zu langweilen und so eine Ahnung gehabt, dass sie ohnehin gehen würde.
Also hatte sie Lord Ayrins Garantie, das ihr von den Behadrim keine Gefahr drohe akzeptiert und zugesagt, dass Vertrauen Lord Ayrins und damit Herzog Kirks I. zu gewinnen war schließlich eines der Ziele mit denen die junge Berührte nach Fersland gereist war.
Das hatte sie aber nicht daran gehindert sich den anderen lediglich als Freydis Sturmkrähe vorzustellen. Allerdings hat sie nur ein Geheimnis daraus gemacht wer sie ist, nicht was sie ist. Jeden Abend hat sie wenn die anderen die Fackeln entzündeten lediglich den Streitkolben von ihrem Rücken genommen und dessen oberes Ende mit einem kurzen Moment der Konzentration zum leuchten gebracht  und einem aufmerksamen Beobachter könnten die gelegentlich schmerzhaft verkrampften weißknöcheligen Hände oder die zusammengebissenen Zähne aufgefallen sein wenn sie einmal mehr mit den Schmerzen zu kämpfen hat. 
Allerdings hat sie ihre Mitreisenden aufmerksam beobachtet um sich ein Bild von ihnen zu machen, schließlich sollen sie in den kommenden Tagen zusammenarbeiten.
Die Rollen die Lord Ayrin Aeryn, Tristan und  Talahan zugedacht hat sind ihr ziemlich klar, Elfen haben einen schon legendären Ruf als Waldläufer und Spurenleser und die beiden Männer wissen offensichtlich gut mit dem Schwert umzugehen. Aus dem dunkelhäutigen Fremden wird sie nicht recht schlau, aber er macht zumindest einen selbsbewussten und durchtrainierten Eindruck auch wenn er keine sichtbare Waffe trägt.
Was den Strategen aber geritten hat den offenbar kranken Mann mit der aufgeschlitzten Wange und eine Schwangere mit auf die Reise zu schicken ist ihr eher schleierhaft,  auch wenn sich Lifs Anwesenheit sich vielleicht durch ihr Ehe mit dem Rûngarder erklären lässt.
"Sie hat recht." kommentiert sie nun das Gespräch der Elfe mit dem entstellten Mann. "Seit der verdammte Ursupator den Thron gestohlen hat er sich noch nicht einen Tag um den Kampf gegen die Dämonen gekümmert. Stattdessen haben seine Kolkar freie Hand während sie plündernd und mordend über das Land ziehen. Wenn Gelspad auf dem Thron bleibt ist es nur eine Frage der Zeit bis Dalaran überannt wird. Wenn auch die See Albion und die anderen Inseln eine weile schützen mag, soweit ich weiß hat noch niemand herausgefunden wie gut Dämonen schwimmen können." dabei klingt sie nicht wie man erwarten könnte zornig sonder eher lakonisch bis zynisch.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Khenubaal am 30.12.2016, 23:08:34
Bei Abdos lauten Überlegungen, Aris wäre unzufrieden mit dem Volk gewesen und hätte die Shetani daher geschickt, zieht der Paladin überrascht die Brauen zusammen, verkneift sich aber einen Kommentar. Als der Ya'Keheter dann aber fragt, ob Talahan selbst gegen die Dämonen gekämpft habe, nickt dieser mit einem grimmigen Grinsen. Unwillkürlich fährt eine Hand hoch zur Narbe an der Wange, die behandschuhten Finger betasten das Mal. Da beginnt auch schon Aeryn zu sprechen und der Kämpe hält sich zurück, hört ihren Ausführungen ebenso wie denen von Hjalmarr und Freydis zu.

Schließlich meldet aber auch er sich zu Wort: "Da hörst du es, Südmann. Die Viecher kommen aus den Bergen. Linsberg hat zu leiden, aber die größte Ballung" - Talahan deutet mit der Rechten Richtung Gjolkard-Wall - "findest du hinter dieser Mauer. Das heißt: noch ein bisschen weiter. Dort liegt das Herzogtum Jongot und dahinter die Berge von Jonmarr. Die ersten Dämonen sind dort aufgetaucht, Jahrzehnte lang kamen sie nirgendwo sonst heraus - nur da. Und auch heute noch ist das ihr aktivstes Gebiet. Der Wall ist die letzte Verteidigungslinie. Wenn Herzogtum Vander und die Clans von Jongot fallen, soll er die Dämonen aufhalten, bis die anderen eine Verteidigung organisieren können."

Der Paladin hält inne, fährt sich wieder mit den Fingern durch den Bart. Dann schaut er zurück. "Ich habe heute viel von Einigkeit gehört, der es angeblich bedürfe. Ich habe da meine Zweifel, ob das helfen wird. Die Kuijts saßen ein knappes Jahrhundert auf dem Thron von Arteus und hatten ein geeintes Dalaran. Und die Dämonen sind trotzdem immer noch da und ihre Zahl größer, als je zuvor. Ändert natürlich nichts daran, dass Wejt I. ein selten hinterhältiger Bastard ist..."

* * *

Der restliche Weg zum Weihort verläuft ereignislos. Die Pferde tragen ihre Reiter im leichten Gallop über die letzten Meilen und schon bald durchbrechen braune Streifen wie ein Flickenteppich das Grün der Steppe - die ersten gesäten Felder von Mais und Starkweizen, die wie Vorboten die Siedlung hinter der nächsten Biegung ankündigen, kommen in Sicht. Der Urdan-Wald ist so nah, dass einzelne Bäume bereits klar zu erkennen sind und Erlstav[1], der erste und kleinste Gipfel der Bergkette, wirft seinen Schatten über den Pfad.

Ein kleiner Bach plätschert lautstark seinen steinigen Pfad entlang. Das klare Bergwasser wirft die Sonnenstrahlen im kalten Weiß zurück. Bevor die ersten Hütten des Dorfes in der Ferne auftauchen, deutet Talahan noch einmal nach links auf den Hang des Erlstav. Als die anderen Gefährten seinem Blick folgen, erkennen sie oberhalb der Baumgrenze eine kleine, steinerne Festung, die sich trotzig an die steile Felswand klammert. Die Feste ist weit entfernt und nicht gut zu erkennen - doch sie ist da. "Sirssudo", erklärt Talahan. "Die heilige Feste. Angeblich hat dort der Prophet seine Weihe empfangen. Eine kleine Enklave der treusten und gläubigsten Männer soll den Ort bewachen. Seit mehr als einem Jahrhundert ist der Kontakt streng reguliert. Wer das Heiligtum betritt, verlässt es nie wieder."

Einige der Gefährten nicken - kennen die Geschichte aus Erzählungen und Büchern[2]. Abdo dagegen hört diese zum ersten Mal. Doch bevor jemand nachhaken kan, schälen sich auch schon die ersten Hütten des Weihorts aus den Grün- und Blautönen des Horizonts. Der Paladin richtet seinen Blick wieder nach vorn. "Da wären wir", murmelt er. "Seid wachsam. Wir haben keinen einzigen Bauern auf den Feldern angetroffen. Und auch keinen einzigen Hirten - nur zwei unbewachte Herden. Das gefällt mir nicht."

* * *

Auch das Dorf selbst scheint auf den ersten Blick wie ausgestorben. Zwei Dutzend Hütten zu beiden Seiten des Pfades sind schnell passiert. In Dorfmitte schneidet ein weiterer Weg den ersten im rechten Winkel, der Treffpunkt ist ein eingestampfter, staubiger Platz, bekränzt von einem Halbkreis an hölzernen Hütten und Häusern.

Wege gehen in alle vier Himmelsrichtungen und verzweigen sich. Hütten säumen ihre Ränder. In der Mitte des Platzes stehen drei hölzerne Tränken, zu einem Dreieck geformt. Ein brauner Rappen ist unweit an einen Pfahl vor einem der Häuser angebunden. Es wiehert, als es die Neuankömmlinge bemerkt. Ein Geräusch, dass ob der sonstigen Stille gespenstisch laut erscheint. Dann wird es von einem Summen abgelöst. Nein - es ist nicht ein Summen. Die Gefährten suchen nach der Quelle des Geräuschs und erkennen eine Moskitowolke über dem Kadaver eines weiteren Pferdes am gegenüberliegenden Ende des Platzes.[3]

"Bei den Neun Höllen" murmelt der Paladin. Unwillkürlich geht seine Rechte hoch und er tippt mit Zeige- und Ringfinger gegen das Zeichen auf seiner Stirn. Die Art, auf die die Gläubigen des Einen Gottes diesen um Schutz ersuchen. Gleich nachdem er die Geste vollendet hat, verzieht der Kämpfer wütend den Mund und lässt den Arm wieder sinken.

Da fällt sein Blick wieder auf eine der Tränken und er fixiert etwas mit den Augen. Auch die Gefährten bemerken es nun. Ein schmächtiger Mann kniet mit dem Rücken zu ihnen vor einer der Tränken, hat sich vornübergebeugt und scheint aus selbiger zu trinken. Die einzige Menschenseele, die die Gruppe bisher ausmachen konnte.

Talahans Pferd wiehert auf, der Kämpe muss es mit einem "Hoo!" beruhigen. Wind kommt auf, treibt kleine Strohbälle über den Dorfplatz, pfeift in den Baumkuppen. Eine gute Meile entfernt is bereits die Brandung des Großen Meeres zu hören. Der Paladin beruhigt seinen Rappen, lehnt sich nach vorn und ruft: "Gruß, Bauer! Was ist hier los, dass niemand sich blicken lässt?" Keine Antwort. Der Mann rührt sich nicht.
 1. Edit Gaja: Berg umgenannt (Ersta=>Erlstav)
 2. Skill-Check auf Knowledge (religion) oder Knowledge (history) DC 12
 3. Wer mag, kann sich umsehen, ob er sonst noch etwas oder jemanden bemerkt via Skill-Check auf Perception. Ich antworte dann in Abhängigkeit vom Ergebnis.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 31.12.2016, 04:19:17
Aeryn hatte bereits bei der ersten Warnung ihres Anführers diesem kurz zugenickt und den Bogen bereitgemacht. Während sie sich langsam durch das Dorf bewegen, blickt die Waldläuferin sich aufmerksam um[1]. Die Elbin sucht vor allem aber auch nach Spuren am Boden, um vielleicht daraus schließen zu können, was hier vorgefallen sein könnte[2].
 1. Wahrnehmung 18 (20 gg. Menschen)
 2. Überleben 24 (26 gg. Menschen)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 31.12.2016, 11:14:52
Hjálmarr bleibt stumm auf seinem Pferd sitzen, lenkt es jedoch in die vordere Reihe, um mehr erkennen zu können. Dieser Ort hält eine seltsame Stimmung bereit und der Behadrim hat vermutlich Recht mit seinen Worten. Hier scheint Seltsames am Werk zu sein. Der Mann über dem Trog könnte auch ein Betrunkener sein, der in seinem Suff die Tränke der Gäule mit seiner Flasche verwechselt hat und dann dort eingeschlafen ist. Die Tatsache, dass in einem Bauern Nest jedoch um diese Zeit sonst kein reges Treiben herrscht und ein Pferd im Staub der Straße verendet, ist nicht so einfach zu erklären.

Sein Blick schweift über die Häuser um ihn herum. Alles scheint dunkel und verlassen.[1] Über die Tröge hinweg besieht er sich den Pferdekadaver und versucht offensichtliche Wunden und somit die Todesursache zu erkennen.[2]
 1. Perception 3
 2. Heal 15
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 31.12.2016, 11:40:30
Die Ausführungen des Paladin und der anderen Mitglieder der Gruppe machen Abdo nicht unbedingt Hoffnung darauf, schnell Hilfe für Ya'Kehet zu erhalten. Im Gegenteil sieht es eher so aus, als würde Dalaran dem Ansturm der außerweltlichen Brut ebenfalls nicht mehr lange standhalten können. Dennoch kann er in dem Gespräch einiges über den hiesigen Kampf erfahren, wenn auch immer wieder die Rede auf die politische Situation im Lande zu sprechen kommt, die ihm beim besten Willen eher den Kopf verdreht, als dass er sich merken könnte, wer hier gegen wen kämpft oder intrigiert. Er muss der Elbin, bei deren Andeutung ihres Alters er zunächst schwer schlucken musste, dabei recht geben: Solange die einzelnen Häuser hier gegeneinander Krieg führen und keine einheitliche Front gegen die Dämonen bilden, sieht es schlecht aus für Dalaran. Offenbar ist vielen der Herrschenden die Schwere der Situation gar nicht bewusst.

* * *

Schon auf dem Weg zu ihrem Ziel wird deutlich, dass irgendetwas hier nicht stimmt. Auch wenn Abdo ob der fehlenden Verwüstungen nicht annimmt, dass Shetani hier gewütet haben, so verheißt die Stille dennoch nichts Gutes, und die Aufmerksamkeit des Mönches ist geschärft, als sie das Dorf erreichen.[1] Der Kadaver des Pferdes fällt ihm sofort ins Auge, und es bedarf keiner großen Intelligenz, um zu wissen, dass auch mit dem über die Tränke gelehnten menschlichen Körper etwas nicht stimmen kann. Nachdem die Figur auf den Gruß des Paladins nicht reagiert, steigt Abdo mit einem Schwung von seinem Pferd ab und nähert sich der Gestalt zu Fuß, wobei er sich bereitmacht, jederzeit auf einen möglichen Angriff zu reagieren. Als er nur noch einen Schritt hinter dem Mann steht, fasst er diesen an der Schulter ...
 1. Wahrnehmung 17
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 31.12.2016, 13:34:44
Das Gespräch über Dämonen lässt Tristans Miene immer finsterer werden. Und hierhin hast du dein schwangeres Weib geführt, in die Nähe von all dem! Wie konntest du das zulassen?

Die Vermutung des Fremden über die Herkunft der Dämonen aber lässt ihn aufhorchen. Aris scheint ja der Name seines Volkes für den Einen Gott zu sein, so wie Abdo ihn als Schöpfer, der schon immer da war, beschreibt. Der Eine Gott also soll die Dämonen geschickt haben, um die Menschen für ihre Arroganz zu strafen? Sie sind seine Heerscharen? Mit welchem Auftrag? Abdos Beschreibung seiner Heimat nach könnte man denken: die Menschheit auszulöschen.

Irgendjemand müsste diesem Abdo sagen, dass er so etwas hierzulande besser nicht in Gegenwart gläubiger Anhänger des Einen Gottes sagen sollte, wenn er von ihnen nicht gesteinigt oder erhängt werden will. Doch ihr Paladin schweigt dazu.

Die Mönche von Gotburg haben viel über Dämonen geredet und gegen jeden gewettert, der sich ihrer Meinung nach mit einem solchen eingelassen hatte. Das Leben, laut ihrer Lehre, sei ein ständiger Kampf gegen diese von Urian geschickten Kreaturen und ihre Anhänger auf Erden. Und beides sahen sie überall. Denn der Kampf sei nicht nur ein äußerlicher, er fände auch im Inneren jedes Menschen statt. Ein Trunksüchtiger schlägt seine Kinder? Ein Dämon müsse in diesen Mann eingefahren sein, dessen Schwäche ausgenutzt haben. Ein Weib lässt sich vom Nachbarn betten? Der Dämon der Fleischeslust müsse ihr ausgetrieben werden! Allein lebenden Kräuterweiblein, besonders den erfolgreichen, sagten sie dagegen gerne eine Buhlschaft mit einem Dämon nach oder gar mit Urian selbst, als Bezahlung dafür, dass er ihr übernatürliche Fähigkeiten verlieh. Überhaupt war 'Fleischeslust' in ihren Augen immer eine Schwäche, die den Dämonen Tür und Tor zur menschlichen Seele öffneten.[1] Dementsprechend hart wurden die Novizen bestraft, die man dabei erwischte, wie sie das natürlichste ihre Bedürfnisse stillten.

Und jetzt erfährt Tristan mal so eben nebenbei, dass die Dämonen nur aus den Bergen kommen, dass sie sich von einer hohen Mauer abhalten lassen, also keinesfalls körperlos und allgegenwärtig sein können.

Es ist wohl alles Unfug, was die Mönche ihm damals eintrichtern wollten. Angefangen mit ihrem Einen Gott, den 'Vater im Himmel', der alles erschaffen haben soll. Nun, vielleicht hat er die Welt erschaffen, aber die Menschheit? Die Elben? Die Zwerge? Auch die Tiere? Die soll 'er' geboren haben? Welch absurder Gedanke! Leben kann nur eine Frau geben. Das Leben, ihr aller Leben, hat Gaja geboren.

Aber die Lehre der Mönche braucht die Dämonen, erkennt Tristan, um den Gläubigen mit Angst und eingeredeten Schuldgefühlen zu Demut und willenlosen Gehorsam zu zwingen. Mich täte es nicht wundern, wenn der Glaube an den Einen Gott zurselben Zeit aufkam, in der die Dämonen bei uns einfielen. Ich muss unsere Elbin mal fragen, vielleicht weiß sie es aus Geschichten ihres Volkes. Wer weiß, vielleicht war es am Ende der Prophet selbst, der diese Kreaturen in die Welt rief, weil diese sich nur mit ihrer Hilfe zu seinem Glauben bekehren ließe, der aus jedem freien Mann einen Knecht Gottes macht! Zumindest aber scheint der Unterschied zwischen unserer und Abdos Heimat zu sein, dass wir den Dämonen seit Jahrhunderten standhalten, die seine aber innerhalb einer Generation überrannt wurde, am Ende weil dort der Glaube an Aris, den Einen Gott, offenbar allgegenwärtig ist. Die Knechtschaft geht bei ihnen schon so weit, dass sie die Schuld für die Dämonen bei sich wähnen! Damit wären es nicht die Anhänger des Einen Gottes, sondern Gaja selbst und die Kraft, die sie durch ihre Anhänger erhält, die sich bei uns den Dämonen seit jeher entgegenstellt.

Es gibt aber noch eine andere, banalere Erklärung.

"Ich denke, die Dämonen sind hier, weil sie hier sein wollen. Sie wollen unsere Welt für sich erobern. Vielleicht ist ihre eigene bedroht oder einfach zu klein geworden für ihre anwachsenden Scharen. Es ist weder unsere Schuld noch Gajas noch die des Einen Gottes. Wir Menschen, Elben und auch die Dain sind diesen Kreaturen bloß im Weg."

Und die einfachste Erklärung ist meist die richtige.

Der Anblick der heiligen Feste[2] kurz darauf jagt Tristan einen Schauer durch den Leib, weit mehr als zuvor der Anblick des Dämonen-Walles. Talahans Erklärung trägt einiges dazu bei. Wer würde sich dort einsperren lassen wollen, an diesem düsteren Ort—freiwillig! Und doch besteht ein guter Teil des Schauers aus Ehrfurcht, so sehr Tristan sich dagegen wehrt. Ganz leugnen kann er die Existenz und die Macht des Einen Gottes nicht.

~~~

Auf dem verlassenen Dorfplatz hilft Tristan als erstes Lîf vom Pferd, damit sie kein so leichtes Ziel abgibt, dann zieht er Schwert und Schild, stellt sich deckend vor sie, in ihrem Rücken das Pferd, und schaut sich um. Lugt jemand aus einem Türspalt hervor oder zwischen Fensterläden hindurch? Der Bauer dort—trinkt er oder hängt er ertränkt über dem Trog? Wirkt der ganze Ort nicht wie nach einem Überfall, nur ohne Brandschatzen und allzu wildem Plündern?[3]
 1. Hoffe, das passt so, Meister. Die Mönche von Gotburg waren ja ein wenig extrem in ihren Ansichten, vonwegen absolutes Schweigegebot für Novizen. Sonst korrigier mich bitte.
 2. knowledge (religion) = 12 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1022439#msg1022439)
 3. Perception = 19 (nat. 20)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 31.12.2016, 21:52:00
Lîf hat bei Talahans Worten nachdenklich genickt – die Geschichte hat sie bereits in ihrer Jugend gehört, und später von ihrer Lehrmeisterin[1]. Und auch wenn sie ihr nicht gefällt, ist sie doch davon überzeugt, dass sie einen sehr wahren Kern enthalten muss. Als die Hütten in Sicht aufgetaucht sind, hat sie sich umgeblickt und die Stirn gerunzelt. "Da seid Ihr nicht allein, Paladin!" hat sie leise genug gesagt, um nicht von ihm gehört zu werden. Denn ihr konnte eine solche Situation ebenso wenig gefallen wie dem heiligen Krieger, auch wenn sie in vielerlei anderer Beziehung sicherlich keine vergleichbare Position beziehen würde – sie roch zu sehr nach dem Tod, dem Widerpart all dessen, das die Große Mutter geschaffen hat.

* * *

Im Dorf angelangt richtet sich der Rotschopf leicht im Sattel auf und schaut sich aufmerksam um, obwohl von ihrer Position aus nicht allzu viel zu erkennen ist[2]. "Große Mutter, steh uns bei..." murmelt sie und legt eine Hand auf die Stelle, an der sie eine polierte kleine Wurzel an einem Lederband unter ihrem Kleid um den Hals trägt. Ihre Augen folgen Talahan, während er sich dem Mann zuwendet, und dann auch dem Mönch, der sich dessen regloser Gestalt nähert. Ein kurzer Blick streift ihren Mann, als er ihr aus dem Sattel hilft. Dann sieht sie sich erneut um. Ihre Augen suchen nach dem Rappen und bleiben auf dem Tier ruhen. "Was hast du miterleben müssen..?" fragt sie leise und macht einen Schritt in seine Richtung. Dabei hebt sie eine Hand leicht an, als wolle sie das Pferd anlocken oder beruhigen.
 1. Wissen (Religion) 14
 2. Wahrnehmung 13
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Khenubaal am 01.01.2017, 13:24:58
Ruhig un mit geübten Schritten übernimmt Aeryn die Vorhut. Die Spitze des angelegten Pfeils zeigt schräg nach unten, Kopf und Schussrichtung schwingen parallel nach links und rechts, während die Elbe die Gassen und dann den Platz abschreitet. Sie kann zunächst nicht viel Ungewöhnliches erkennen: die Spuren auf den Pfaden entsprechen dem typischen Muster der Dorfgeschäftigkeit, nur dass sie ein wenig alt scheinen, als ob seit einigen Tagen viel weniger Menschen hier unterwegs waren, als sonst. Aber es gibt weder tiefe Eindrücke von Soldatenstiefeln der durchreitenden Reiterkollonen, noch Blut- und Kampfspuren im Matsch des Platzes.

Dann sieht sie ein silbernes Spiegen in der Ferne und fokussiert die gegenüberliegende Gasse auf der anderen Seite des kleinen Platzes. Zunächst hatten die drei Tröge den Blick auf den schmalen Durchgang zwischen einem größeren Haus, wohl der Taverne des Ortes, und einer kleineren Hütte versperrt, doch jetzt erkennt die Elbe ein bräunlichen, aufgedunsenen Leib im Matsch. Es ist ein Schwein, der Körper st aufgedunsen, der Mund offen. Es liegt in einer Lache, wahrscheinlich Blut und andere Körperflüssigkeiten. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich n der Oberfläche, tauchen die Szenerie in ein grässliches Licht. Der Mund des Tieres scheint offen, der Bauch aufgeschlitzt - oder abgenagt? Das Darmgeflecht und weitere Innereien ergießen sich aus der aufgerissenen Bauchdecke wie der Inhalt eines kaputten Warenwagens in die Nässe. Ein halbes Dutzend Ratten krabbeln im Fleischeslabyrinth herum, drücken sich an den Darmschläuchen entlang hinein in die Rippenkammer, knabbern, fiepsen. Es ist ekelerregend.

Der tote Rappen zeigt keine so offensichtlichen Verletzungen. Hjalmarr erkennt einige blaue Flecken, die auf Schläge oder innere Blutungen hindeuten und auch einige offene, blutige Geschwüre, doch keine Kampfverletzungen. Weiße Striche ziehen über den toten Leib - zu den Fliegen haben sich auch Maden gesellt. Der Mann am Trog rührt sich immer noch nicht. Ein Klirren zerreißt die unvollkommene Stille, lenkt die Aufmerksamkeit der Männer und Frauen auf sich. Talahan hat seinen Bihänder aus der Rückenscheide gezogen, kneifit die Augen gegen die schrägen Strahlen der Abendsonne zusammen und besieht Gassen und Fenster. Ganz leicht lässt er sein Pferd Abdo folgen und deckt den Rücken es Südländers, immer bereit, einzugreifen.

Derweil nähert sich Abdo dem regungslosen Mann. Er ist noch einen halben Dutzend Schritte von ihm entfernt; erkennt, dass die Hände sich nicht am Rand des troges festklammern, sondern eher an gekrümmten Fingern herabhängen. Kurz schaut sich der Ya'Keheter um, erblickt Tristan. Dieser nickt ihm zu - auch er hat es erkannt.

Während sich Abdo weiter an den Mann heranpirscht, schaut der Rungarder zu den Fenstern und Türen der umstehenden Häuser. Zunächst scheint alles verlassen. Eine Bewegung! Aber das ist Lif, die sich dem verängstigten Pferd nähert, das eben geschnaubt hatte. Das einzige Wesen bis jetzt, das Lebenszeichen von sich gibt. Sie legt eine Hand an die Schnauze des Stute und diese hört auf, herumzutänzeln, beruhigt sich ein wenig.

Tristan will bei dem Bild lächeln, da sieht er einen Schatten aus den Augenwinkeln. Hinter einem der schweinsblasebespannten Fenster scheint sich etwas zu tun...

Abdo ist am Mann am Trog. Der Kopf schwimmt mit dem Gesicht im Wasser, goldenes Haar wellt sich an der Oberfläche, wie Algen...

Tristan sieht Silhouetten hinter dem Fenster auftauchen, ein Klicken, als würde jemand den Rahmen lösen...

Abdo greift die Schulter des Mannes, zieht ihn zurück, den Kopf aus dem Wasser. Der Körper kippt kraftlos nach hinten und der Mönch fängt ihn auf. Das Gesicht ist nun nach oben gen Himmel gerichtet. Es ist kein Mann, ein Junge, von vielleicht zwölf oder dreizehn Wintern. Die Augen sind geschlossen, das Gesicht trotz der kalten Nässe gerötet. Abdo weiß sofort, dass er noch nicht tot ist - der Körper glüht förmlich, so heiß ist er.

Ein wildes Trommeln, dass die Pferde scheu zu machen droht und die Aufmerksamkeit aller gewinnt. Tristan hat's gesehen. Ein Mann hat den Fensterrahmen abgenommen, schaut heraus, trommelt wie wild mit den Fäusten gegen die äußere Hauswand. Hinter ihm huschen weitere Schatten. "FASST IHN NICHT AN! LASST IHN IN FRIEDEN ZU GOTT GEHEN!", schreit er.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 01.01.2017, 14:50:31
Aeryn ist es ein Rätsel, was hier vorgefallen sein muss. Spuren von Kämpfen, oder gar von Eindringlingen, die dies angerichtet haben könnten, kann die Elbin keine ausmachen. 'Was ist hier geschehen?' fragt sie sich in Gedanken, während sie sich stets in alle Richtungen umblickend, langsam voranschreitet. 'Sind sie alle dem Wahnsinn verfallen?' Es war die beste Erklärung, die sie im Moment hatte. Schritt für Schritt geht sie leise und geschmeidig voran, hält sich dabei immer wenigstens ein halbes Dutzend Schritte von den ekelerregenden Kadavern entfernt. Der Bogen ist gespannt und kann jederzeit einen Pfeil in Richtung eines plötzlich auftauchenden Feindes feuern.

Dann durchreißt ein Schrei die gruselige Szenerie. Die Waldläuferin wirbelt herum, um zu sehen, wo der Mann sich befindet, der sie gerade angeschrien hat. Im ersten Moment kann sie die Worte nicht ganz einordnen, bis ihr klar wird, dass er nicht sie sondern Abdo damit meint. Die Elbin verharrt schließlich auf der Stelle, zielt in Richtung des Fensters und wartet ab, was weiter geschieht, jederzeit bereit, ihren Gefährten beizustehen, wenn es dazu kommen musste.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 01.01.2017, 15:39:20
Leise hat die Druidin auf das scheue Pferd eingeredet, hat ihm mit einer Hand sanft über die Nüstern gestrichen und begonnen, in eines der nervös zuckenden Ohren des Tiers zu flüstern, ihre Lippen fast in der Mähne vergraben. Dabei hat sie sich ganz leicht gegen die Flanke, den Hals des Tiers gelehnt, so dass ihr leicht gerundeter Bauch sich gegen den Tierleib presst. Innige Berührungen, ein Streicheln, ein Handauflegen, lassen fast den Eindruck entstehen, sie rede mit dem Pferd wie mit einem Freund oder einem Geliebten. Ihre Aufmerksamkeit ist ganz auf ihr Tun konzentriert, weiß sie doch ihren Mann hinter sich – und dass sie auf Tristans Schutz vertrauen kann. Gerade hat sie einen leisen Singsang angestimmt und die Hand zu einer komplexen Geste erhoben[1], als sie das Trommeln vernimmt und den Mann entdeckt, der in Richtung der Gruppe brüllt. Langsam kehrt der Fokus in Lîfs leicht abwesend wirkenden Blick zurück, und sie mustert den Fremden von ihrer Position aus, während ihre Hände beruhigend das Pferd streicheln, das erneut zu tänzeln beginnt. Ihre Lippen flüstern leise: "Sei ruhig, mein Schöner, ruhig..." und hauchen einen Kuss auf das Fell des Pferdes, ohne dass ihr Blick sich von dem Mann abwendet.
 1. Ich wollte eigentlich Mit Tieren sprechen (http://prd.5footstep.de/Grundregelwerk/Zauber/MitTierensprechen) zaubern, spare das aber mal wegen der Unterbrechung auf
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 01.01.2017, 16:31:35
Als Abdo sich der Gestalt nähert und den Kopf im Wasser treiben sieht, ist ihm klar, dass dem Mann nicht mehr zu helfen ist. Doch kaum berührt er ihn, stößt er einen kurzen Schrei der Überraschung aus: Der Junge, denn darum, das erkennt der Mönch nun, handelt es sich, ist offenbar noch am Leben!
Gleichzeitig beginnt in der Nähe das Geschrei eines Mannes, doch der Mönch hat zunächst nur Augen für den Jungen. Er legt diesen auf den Boden und dreht ihn auf die Seite, damit er das Wasser ausspucken kann, doch Abdo ist sich nicht sicher, ob es nicht bereits zu spät ist. Verzweifelt ruft er in Richtung Lîfs, die unterwegs bereits zu erkennen gegeben hat, dass sie in der Heilkunde bewandert ist: "Der Junge lebt noch! Hilfe, um Aris' Willen!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 01.01.2017, 21:50:41
Freydis hat in den Büchern ihrer Mutter genug über den Weiheort gelesen[1] um schon als sie sich dem Ort näherten zu wissen, dass hier etwas ganz und gar nicht in Ordnung war.
Nervös sieht sie sich nach einer Erklärung um als die Gruppe den verlassenen Dorfplatz erreicht.[2]
Sie versucht sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen als sie vom Rücken ihres Pferdes steigt und den Streitkolben vom Rücken nimmt. Zum ersten mal in ihrem Leben wünscht sie sich den Lektionen des alten Gerbold, dem Waffenmeister auf Burg Ravensklippe über dem Umgang mit der Waffe mehr Aufmerksamkeit und Zeit gewidmet hätte. Was ihr als langweilig, anstrengend und nicht wirklich notwendig erschienen war, wann sollte sie als das best behütete Geheimnis und mit ihren zunehmenden Fähigkeiten in der Magie das schon brauchen, mag hier den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.
Als auch der Palladin seine Waffe zieht, wird sie noch nervöser, dieser Mann, der in Situationen wie dieser soviel mehr Erfahrung hat erwartet offenbar einen Kampf. Den Streitkolben mit der rechten fest umklammert vollführt die junge berührte mit der linken Hand   eine rasche Abfolge komplexer Gesten die in der wie zur Abwehr mit der Handfläche nach aussen gestreckten Hand enden.[3]
Da sie von Heilung keine Ahnung hat reagiert sie nicht auf Abdos Hilferuf, ist aber bereit Líf und Tristan zu
begleiten. Das der Mann am Fenster auftaucht erfüllt sie fast mit Erleichterung: Überlebende konnten ihnen immerhin erklären was hier vorgefallen war und womit sie es zu tun hatten. Nach einem Angriff sieht es selbst für ihre ungeübten Augen nicht aus, eher nach einer Seuche die Tier und Menschen angefallen hat. Furcht vor Ansteckung würde erklären, warum sich niemand um die Kadaver gekümmert hat. Bei dem Gedanken muss Freydis schlucken. Nichts in ihrem Arsenal ist geeignet sich gegen eine Seuche zu wappnen. "Mutter Gaya schütze uns!" fleht sie in Gedanken.
 1. Knowledge(History) 21
 2. Perception: 16
 3. Zauber: Mage Amor
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 01.01.2017, 22:03:58
"Ob das der Gaul von Lord Ayrins Späher ist?" fragt Tristan, als er schützend hinter seine Frau tritt. Etwas länger als notwendig bleibt sein Blick an Lîf hängen, wie sie sich mit ihrem ganzen Leib zärtlich an das verängstigte Tier schmiegt.

Wenn ich vor ihr eingestünde, dass ich schon die ganze Zeit, seit wir auf dem Festland unterwegs sind, mindestens ebenso viel Angst habe wie der Gaul da, ob sie sich dann mit derselben Innigkeit an mich schmiegen würde?

Im nächsten Moment aber gilt seine volle Konzentration wieder der grausigen Szene auf dem Dorfplatz. Der Gaul vor ihm, trägt er am Sattel oder Zaumzeug irgendwelche Erkennungszeichen, die auf Lord Ayrin oder das Haus Bulvaj deuten? Nicht, dass Tristan sich mit sowas auskannte, er würde Talahan auf seine etwaigen Funde aufmerksam machen müssen.

Dann das Haus, vor dem das Tier festgemacht war—ein Gasthaus? Oder was?

Der Schreihals dort drüben—irre? Wie war sein Blick? Stand ihm der Schweiß auf der Stirn? Seine Kleidung: teuer, ordentlich? Oder gewöhnliche Arbeitskleidung, vernachlässigt? Überhaupt, was ist das für einer, dass er sich hier als Anführer aufspielt, der auf diese seltsame Art Verstärkung herbeitrommelt?[1]

"In Frieden zu Gott gehen?" murmelt er spöttisch. "Bei Gott gibt es nur Einsamkeit und Stille. Das verwechseln manche gern mit Frieden."

Als Abdo Lîf um Hilfe anruft, zuckt Tristans besorgter Blick sofort zu ihr zurück.

"Wahnsinn, Seuche, kannst du erkennen, was hier los ist, drudkvinde?" fragt er sie halblaut.

Dass er sie mit ihrem offiziellen Titel anspricht, kehrt mit einem einzigen Wort die Machtverhältnisse zwischen den beiden ins Gegenteil: statt dass er als Mann seinem Weib befiehlt, was zu tun sei, ordnet er sich als Clansmann dem Urteil und Ratschluss seiner Druidin unter.

"Aber bitte, falls es eine Seuche ist... nicht anfassen...", kann er sich dennoch nicht versagen, sie zu ermahnen.
 1. Perception = 19 (nat. 20) (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1022544#msg1022544): Tristan sucht an Pferd, Haus und Schreihals Hinweise. (Neu gewürfelt.)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 03.01.2017, 12:27:45
"Gut möglich – aber das arme Tier ist völlig verschreckt" meint Lîf auf Tristans Frage, und aus ihrer Stimme klingt eine Mischung aus Trauer und Mitleid einerseits, jedoch auch Zorn über das, was immer hier geschehen sein mag. Erst der Ruf des Mönchs lässt die junge Druidin innehalten und genauer zu ihm hinüber schauen. Sie löst sich von dem Pferd, dem sie noch einmal beruhigend die Flanke tätschelt, dann eilt sie los, ohne zu zögern. Auch wenn sie als Gaya-Anhängerin sicherlich einiges gegen seine Wortwahl zu sagen hätte, in einem ruhigeren Moment, so ist sie als Priesterin der Großen Mutter dem Leben und der Heilkunst verpflichtet. "Ich werde mir das ansehen, bleibe du hier" ruft sie ihrem Gemahl noch rasch zu – denn so selbstverständlich, wie sie sich ihm anvertrauen würde, käme es zu einem Kampf, so selbstverständlich übernimmt sie auch die Entscheidung hier. Und sie will ganz sicherlich nicht, dass er mit einer möglichen Seuche in nähere Berührung kommt. Dies ist ihre Aufgabe, und ihr wird die Göttin auch beistehen.

Bei Abdo angelangt, schürzt sie ihr Kleid und kniet sich neben ihm auf den Boden. Sie musterte die reglose Gestalt, die der Mönch hält, befühlt die Halsschlagader, hebt vorsichtig ein Augenlid des Jungen und beginnt ihn auf Anzeichen einer Krankheit zu untersuchen[1] Dabei schaut sie auch aufmerksam nach Wunden, die womöglich unter der Kleidung verborgen oder schon älter und infiziert sind. Auch Zeichen von Hunger sucht sie einzuschätzen: Hat der Unbekannte noch etwas Fett auf den Rippen, oder zeugt seine Gestalt davon, dass er geschwächt ist, vielleicht deshalb erkrankte? Um Tristans besorgte Blicke in ihrem Rücken kümmert sie sich nicht, obwohl sie sie fast körperlich spüren kann. 'Dies, mein Gemahl, ist mein Schlachtfeld, und ich stelle mich meinem Feind so wie du den deinen...' Schließlich beugt sie sich tiefer und sucht ihren Patienten zu Bewusstsein zu bringen.
 1. Heilkunde 23
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 03.01.2017, 16:58:57
Hjalmarr zögert. Seine Hand am oberen Wurfarm seines Bogens festigt sich. Unsicher blickt er zwischen der Gestalt am Fenster und dem wohl nur spärlich am Leben seienden Jungen hin und her. Er war kurz davor von seinem Pferd zu springen, um den Zustand des Kindes zu deuten, doch Lîf kam seiner Unentschlossenheit zuvor, wofür er fast etwas dankbar war. Automatisch rutschen seine Füße tiefer in die Steigbügel und seine Beine klammern sich für einen besseren Halt fester um den Rumpf des Pferdes. Langsam bringt er das Tier dazu sich etwas in Richtung des Hauses zu drehen, bis er eine perfekte Position hat. Ruhig streicht er über die Mähne. Von hier aus würde er einen potentiellen Angreifer binnen weniger Sekunden aufhalten und niederstrecken können.

Vorwurfsvoll richtet er das Wort an den Dorfbewohner.
"Seid ihr von Sinnen? Der Junge lebt noch! Was hat das zu bedeuten – wieso wollt ihr, dass er stirbt?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 03.01.2017, 18:02:26
Komplett fokussiert auf die reglose Gestalt ignoriert Abdo alles, was um ihn herum vor sich geht, und fokussiert sich ganz darauf, Lebenszeichen von dem Jungen wahrzunehmen. Als nur wenige Augenblicke später die Druidin an seine Seite kommt, überlässt er der erfahrenen Heilerin sofort die Führung. Einige Augenblicke beobachtet er, wie die rothaarige Frau den Körper des Jungen untersucht, dann richtet er sich langsam auf und dreht sich ruhig in Richtung des Schreihalses um. Den beinahe Ertrunkenen weiß er in guten Händen, und sollte Lîf Hilfe benötigen, würde sie das sicherlich deutlich sagen.

Während nun auch Hjálmarr sich einschaltet und das Wort an den Dorfbewohner richtet, nimmt Abdo die Szenerie in sich auf und ruft sich dessen Worte ins Bewusstsein, die er soeben noch ignoriert hat.
"Der Schutz jeden Lebens hat allerhöchste Priorität. Wann immer ein Mensch in Not ist, ist es die Pflicht eines jeden Anständigen, ihm zu helfen!" Die Worte seines Meisters sind Abdo allgegenwärtig, und das Verhalten dieser Dorfbewohner lässt einen heiligen Zorn in ihm aufflammen. Er richtet sich zu seiner vollen Größe auf und lässt dabei seinen warmen Mantel zu Boden gleiten, unter dem er nur ein leichtes ärmelloses Hemd und eine dünne Hose trägt. Er weiß inzwischen um die Wirkung seiner schwarzen Hautfarbe bei den Einwohnern Dalarans, und sein mächtiger Bizeps sowie der Oberkörper, über dessen Muskeln sich das Hemd spannt, ergeben einen beeindruckenden Anblick. Auch wenn der Mönch offensichtlich unbewaffnet ist, macht er dennoch einen bedrohlichen Eindruck und wirkt nicht so, als würde ein Kampf ihn schrecken.
"Wer seid Ihr, dass Ihr einen Knaben dem Tode überlasst, ohne einzuschreiten? Wer seid Ihr, dass Ihr Euch anmaßt, über Eures Gottes Willen zu entscheiden? Und wie könnt Ihr es wagen, uns aufhalten zu wollen, wenn wir einem hilflosen Jungen das Leben retten?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Khenubaal am 06.01.2017, 20:59:04
Schnell besieht sich Tristan den angebundenen Rappen. Er scheint gesund zu sein. Keine Verletzungen, auch kein Auslauf, der auf etwas hindeuten könnte. Es wiehert noch einmal, als Lif von ihm ablässt, doch die drudkvinde hat es offensichtlich geschafft, dem Tier die größte Angst zu nehmen.

Die Aufregung des Mannes im Fensterrahmen ist dagegen fast schon mit den Händen greifbar. Er scheint ein einfacher Bauer zu sein. Muskulöse Hände und ein breites Kreuz zeugen von harter Arbeit, blondes Haar schimmert auf sonnengegerbter Haut, ein stuppiger Vollbart und ebensolches Haar verbergen den Großteil des Gesichts, ein grobes Leinenhemd den Oberkörper.

Hinter seinem Rücken lugt der Kopf einer Frau hervor. Ein verängstigter Blick, die Hand am Arm ihres Mannes, als wolle sie ihn zurückhalten. Und Schmerz in den Augen? Das Fenster gehört zu einer der einfachen Hütten. Tristan sieht auch in den Fenstern einiger anderen Häuser Schatten huschen, doch niemand sonst den Rahmen ab.

Aeryns zielsicher ausgerichteter Pfeil und Hjalmarrs harsche Worte lassen ihn verstummen. Erschrocken macht er einen Schritt zurück, als er die Pfeilspitze auf die eigene Brust ausgerichtet sieht. Es scheint, als würde die Frau - seine Frau? - ihn wieder ins Innere zurückziehen wollen.

Derweil besieht sich Lif den Jungen. Sobald sie ihn angefasst hat, fällt auch ihr als erstes auf, wie stark er glüht. Die Haut ist gerötet, der Körper scheint leicht, wie bei einer schweren Vergiftung. Die Haut ist rissig. An vielen Stellen gibt es daumennagelgroße Abschürfungen. Eiter bedeckt wie ein milchiger Film das ungesund blasse, rosane Fleisch darunter.

Der Atem des Jungen ist flach, doch er scheint noch nicht lange mit dem Kopf unter Wasser gewesen zu sein. Keine Erstickungserscheinungen. Als sie eines des Lider anhebt, schreckt selbst die Druidin kurz zurück. Die Pupillen sind so stark blutunterlaufen, dass sie bereits mehr rot als weiß sind und der sanfte Druck auf die Haut lässt eine große Menge Tränensekret auslaufen. Anscheinend sind die Tränenbeutel ebenso voll, wie das Gewebe rundherum geschwollen. Das Auge zeigt rudimentäre Lichtreflexe, jedoch schwach.

"Ihr könnt ihm nicht mehr helfen! Es ist zu spät. Er will nur zu Gott, also lasst ihn!" Es ist wieder der Mann im Fensterrahmen. Er hat all seinen Mut zusammengenommen und schreit nun Hjalmarr seine Antwort entgegen. Die Frau zerrt an seinem Arm. "Bitte, Rani. Lass' sie!"

Talahan schüttelt nur stumm den Kopf und schürzt die Lippen. Sein Blick geht zu Lif, während die Drudkvinde weiter den Jungen untersucht. Da schreitet Abdo an den beiden vorbei, entblößt die gewaltigen Muskelwülste unter der olivfarbenen Haut und schreit dem Mann seine Fragen entgegen. Der Ya'Keheter ist wahrlich ein beeindruckender Anblick. Mit offenem Mund weicht der Mann zurück. Mit Zeige- und Ringfinger der Rechten tippt er sich gegen die Stirn und murmelt ein Stoßgebet zum Allmächtigen. Auch seine Frau macht das Zeichen nach. "Oh, bei Gott, dem Einen, Rani! Ein Dämonenbote! Wir sind wahrlich verloren!", ruft sie.

Der Mann nickt völlig verstört, dann huscht ein kleiner Schatten an den beiden vorbei, der Kopf eines kleinen Mädchens taucht am unteren Rand des Türrahmens auf - goldene Locken klingeln. "HILF IHM, GUTER HERR! BITTE, HILF IHM!, ruft sie mit lauter Stimme. Da greift auch schon die Rechte des Mannes nach ihrer Schulter - "Helga!" - und zieht sie zurück in die Dunkelheit des Hütteninneren.

Wie gebannt schauen die Gefährten auf das Schauspiel. Plötzlich durchbricht eine Stimme das Gewirr: "Das ist sein Vater."

Überrascht blicken sich Talahan, Lif und Abdo um. Insinktiv hebt der Paladin die Schwertspitze. Nur wenige Schritt von ihnen entfernt steht eine schlanke Frau, doch ihr Anblick ist verstörend. Das Gesicht ist mit weißem Puder bedeckt - schwarze Linien ziehen sich von der Stirn bis zum Kinn - sie ähnelt mehr einem Geist, als einem Menschen. Die Kleidung: Mit schwarzen Lederriemen verstärktes Leinen, dass rudimentären Schutz bietet und die Bewegungen nicht behindert. Sie hebt abwehrend die leeren Hände. "Sein Vater", ruft sie wieder.

Der Paladin lässt die Schwertspitze leicht absinken. "Was soll das sein? Sprich! Klar und schnell!", ruft er bestimmt.

Die Frau schaut ihn mit zusammengezogenen Brauen wütend an. "Euer Dunkler hier hat gefragt, wer der Mann da sei, dass er sich anmaßt, über den Jungen zu entscheiden. Dieser Verrückte ist sein Vater, der ihn zum Sterben rausgeschickt hat."

Bei diesen Worten taucht der Mann wieder im Fenster auf. "HALT DICH FERN VON MEINEM SOHN, DU HEXE, HÖRST DU! LASS IHN IN FRIEDEN!", schreit er voller Zorn und Verzweiflung.

Die Frau würdigt ihn keines Blickes und schaut weiter Talahan an. "Und ich bin die Heilerin, die ihn lieber lebend sehen will", schließt sie die Erklärung ab. Dann geht ihr Blick zu Abdo und dann zu Lif, die immer noch den Jungen in den Armen hält. "Wenn ihr ihm wirklich helfen wollt, helft mir, ihn in meine Hütte zu bringen, wo ich ihn behandeln kann. Es ist nicht weit", sagt sie.

(http://fs5.directupload.net/images/170106/gbupk6np.jpg)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 06.01.2017, 22:58:55
Aeryn hat, nachdem klar geworden ist, dass keine direkte Gefahr von den Leuten ausgeht, und sie einfach nur Angst haben, den Pfeil von der Sehne genommen und den Bogen gesenkt. Sie nimmt die ganze Szenerie in sich auf, als sich die Menschen anschreien, und versucht ein wenig Sinn in das ganze Gewirr zu bringen.

Der Sohn des Bauern ist offensichtlich von einer schweren Krankheit befallen, und die Familie weiß nicht, wie man ihm helfen könnte. Der 'Hexe' vertrauen sie nicht, soviel ist klar. Dennoch, auch wenn es der eigene Vater ist, so hat er in den Augen der Elbin nicht das Recht über den Tod des Jungen zu urteilen. Leben muss erhalten werden, sofern es möglich ist. Durch ihre Langlebigkeit und die verhältnismäßig geringe Zahl an Nachfahren hat das Leben jedes Einzelnen bei den Elben einen sehr hohen Stellenwert. Und auch, wenn es sich hier 'nur' um einen Menschen handelt, so sieht Aeryn auch in diesem Leben einen hohen Wert, den es zu schützen gilt. Notfalls auch vor seinem eigen Fleisch und Blut, wenn es dazu kommen sollte.

"Gebt ihm eine Chance!" ruft sie der Bauernfamilie entgegen. "Lasst die Heilkundigen versuchen, sein Leben zu retten. Wenn Gaia seinen Geist zu sich ruft, dann ist es sein Schicksal zu gehen. Aber vielleicht schenkt ihm die Mutter noch mehr als diesen einen Tag, wenn man ihm die Chance gibt, gegen seine Krankheit anzukämpfen. Vielleicht ist er stark genug, sie zu überwinden. Überlasst sein Schicksal denen, die sich um sein Leben sorgen, und kapituliert nicht vor der Angst vor seiner Krankheit. Das Leben ist ein Geschenk, welches man nicht achtlos wegwerfen sollte."

Die Elbin wartet einen Moment ab, um ihre Worte wirken zu lassen. Dann erhebt sie erneut die Stimme in Richtung der Bauernfamilie.

"Während man sich um ihn kümmert, könntet ihr uns erzählen, was hier vorgefallen ist. Euch plagen Sorgen, die über das hinausgehen, was wir hier sehen können, fürchte ich. Kommt nur heraus, ihr braucht vor uns keine Angst zu haben. Wir werden euch nichts antun, sofern ihr uns keinen Grund dafür gebt."

In diesem Moment blickt sich die Elbin einmal unter ihren sehr verschiedenen Gefährten um, in der Hoffnung, Zustimmung in Form eines Kopfnickens oder einer ähnlichen Geste zu erhalten. Sie konnte nicht wirklich für die anderen sprechen, aber so, wie sie sie bislang kennengelernt hatte, glaubt sie nicht, dass sie hier zuviel verspricht.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 07.01.2017, 14:28:35
Schweigend sieht sich Lîf die verschiedenen Symptome an und wiegt den Kopf bedenklich. "Bei der gnädigen Göttin – der Junge braucht wirklich dringend Hilfe..!" murmelt sie sichtlich besorgt. Sie lässt sich nicht sonderlich von dem wortreichen Streit hinter ihrem Rücken beeindrucken, da der Kranke nicht nur ihr Pflichtgefühl anspricht, sondern auch ihr Mitgefühl erregt. Nur die Aufforderung, ihn seinem Schicksal zu überlassen, lässt sie ihren Kopf zornig zurückwerfen, dass ihre Mähne wie ein Wirbel aus rötlichen Tüchern um sie fliegt. Ihre Wangen sind gerötet, und ihr Busen hebt sich unter einem tiefen Atemzug, als sie sich umwendet und schon ansetzt, die schicksalsergebenen Dörfler wegen ihres mangelnden Vertrauens in die heilende Kraft der Großen Mutter auszuschelten. Doch noch ehe sie den Mund geöffnet hat, erschallen bereits die Stimmen des Mönches und der Elfe, und Lîf nickt grimmig zu ihren Worten, innerlich ein Dankgebet an ihre Herrin formulierend, die da aus den Herzen ihrer Gefährten gesprochen hat. Auch Hjálmarr nickt sie kurz zustimmend zu, der mit seinem Verhalten ebenfalls Unterstützung signalisiert.

Dann beugt sie sich wieder über den Jungen, wobei sie bereits in den zahlreichen Taschen ihrer großen Schürze wühlt, die typisch für Kräutersammlerinnen ist. Zielsicher bringt sie einige Beutelchen mit getrockneten und zerriebenen Blüten, knorrig aussehenden Knollen und runzligen Früchten zum Vorschein, die sie neben ihren Knien am Boden ausbreitet. In einer behutsamen Bewegung streicht sie die Strähnen des Jungen aus seiner Stirn und beruhigt sich langsam wieder. Doch noch immer ist ihr Gesicht gerötet von der Empörung, als sie aufblickt, denn die Frau mit dem eigenartigen Aussehen hat in ihrer Stimme einen Klang, der etwas in der Druidin klingen lässt wie eine Saite. Wer ist dieses Weib, das so selbstbewusst spricht und dabei von den Dörflern als Hexe bezeichnet wird – Hexe! Ein Wort, das Lîf hassen und fürchten gelernt hat, denn allzu oft schon ist sie selbst so bezeichnet worden, von den Unwissenden, von jenen, die nicht glauben wollen, dass Gaya ihre Dienerinnen dazu anhält, zu heilen, nicht zu schaden – es sei denn, Sie selbst und Ihre Kinder würden bedroht, was auch von einer Drudkvinde mit aller Gewalt beantwortet würde, derer sie fähig ist!

Langsam wendet sie sich im Knien um und mustert die Fremde, die sich selbst als Heilerin bezeichnet[1]. Eine Schwester im Geiste..? schießt es der jungen Frau durch den Kopf, und unwillkürlich huscht ihr Blick zu Tristan, sucht seine Reaktion auf die eigenartige Gestalt abzuschätzen. Aeryn nickt sie gemessen zu. Dann spricht sie das fremde Weib an: "Wenn du eine Jüngerin der Heilkunst bist, so sind wir Schwestern. Ich bin Lîf und diene der Großen Mutter." Sie unterstreicht ihre Worte, indem sie eine kreisförmige Geste über der linken Brust macht, gefolgt von einer leichten Berührung ihrer Lippen: Ich trage mein Herz auf der Zunge – üblich unter ihresgleichen, um sich gegenseitig das Vertrauen anzubieten, und womöglich auch ihrem Gegenüber bekannt...
 1. Motiv erkennen 18
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 07.01.2017, 20:16:20
Tristans fragender Blick geht zu seiner Frau. Er begreift noch immer nicht, was hier los ist. Hätte der Junge eine furchtbare Seuche, wäre die Hysterie der Eltern verständlich, allerdings würden sie dann ja wohl eher davor warnen, den Jungen anzufassen und die Krankheit so zu verbreiten; statt dessen ist von Gott, Hexen und Dämonen die Rede. 'Ein Dämonenbote! Wir sind wahrlich verloren!' schreit die Frau beim Anblick Abdos wie von Sinnen. Doch wenn es dämonisches Wirken ist, das die Eltern hinter dem Zustand ihres Sohnes befürchten—Besessenheit, eine dämonische Pest—was soll dann das Geschrei des Vaters: 'Er will nur zu Gott! Lasst ihn in Frieden zu Gott gehen'! Müsste er sich in diesem Fall nicht besonders um die Seele des Sohnes sorgen?

"Har alle her paddehatte spist undtagen pigen?" murmelt Tristan bei sich.[1]

Genauso widersprüchlich erscheint ihm die zweite Frau: Hexe wird sie gerufen, Heilerin nennt sie sich selbst und gibt sich doch alle Mühe, mit ihrer weißen und schwarzen Schminke im Gesicht, wie eine Hexe zu wirken oder zumindest wie jemand, der mit "heidnischen" Kräften im Bunde ist, was für fanatische Anhänger des Einen Gottes das gleiche ist wie Dämonenbuhlin. (Die Frage, ob sie überhaupt ein Mensch ist, erscheint dagegen berechtigt. Ihre Augen sehen wölfisch aus, ihr Haar ist weiß, obwohl sie sonst jung erscheint—oder hat sie es sich mit Kreide oder dergleichen gebleicht?—und ihre Ohren, so meint er zu erkennen, auch wenn die Spitzen vom Haar verdeckt werden, laufen spitz zu. Dazu hat sie eine seltsame—knöcherne?—Erhebung an Stirn und Nasenwurzel.)

Doch um diese Frau kümmert Lîf sich bereits, also denkt Tristan lieber einen Schritt weiter: Wenn sie gemeinsam der stadtbekannten "Hexe" zu deren Hütte folgen, den Jungen gegen elterlichen Willen dorthin verschleppen, und sich dazu auch noch herumspricht, sie hätten einen "Dämonenboten" in ihrer Mitte, ganz zu schweigen davon, dass sie hier alle von Gaja und der Großen Mutter reden, dann trommelt der fromm geifernde Vater  womöglich eine Meute zusammen, die mit Äxten und Mistgabeln bewaffnet gegen die Fremden ins Feld zieht.

Also steckt Tristan sein Sax zurück in den Gürtel (das Messer ist schnell genug wieder gezogen, den Schild behält er in der Hand) und tritt neben Aeryn, die soeben an die Eltern appelliert, natürlich auch sie in Gajas Namen. Als sie geendet hat, schließt Tristan sich daher ihrem Appell an—in der Sprache, die hier im Ort wohl eher gesprochen und verstanden wird: er zitiert aus den Worten des Propheten.

Zu Beginn ist er noch sehr überrascht, wie leicht die Worte aus den verstaubtesten Tiefen seines Gedächtnisses emporsteigen, gespenstergleich, und ihm ohne Stocken oder Grübeln, wohl aber mit einem leichten Schauer, von den Lippen gehen. (Sieben Jahre seines Lebens hat er damit verbracht, sie zu großen Teilen auswendig zu lernen; in den letzten anderthalb Jahrzehnten aber hat er sie nicht mehr laut rezitiert und seit mindestens einem Jahrzehnt keinen Gedanken mehr daran vergeudet.)

Er wählt aber auch einfach die erste passende Stelle aus der heiligen Schrift, die ihm in den Sinn kommt: von dunkelhäutigen Seefahrern ist dort die Rede. Hünenhaft, todesmutig und—für seinen Zweck weniger günstig: verschlagen—überqueren sie das Meer und überfallen ein dalaranisches Küstendorf. An dieser Stelle bricht Tristan ab, bevor die sogenannten "Manilaner" noch schlimmeres anstellen. Jedenfalls ist damit belegt:

"Dies ist ein Mann, du dummes Weib. Sperr doch die Augen auf! Ein ganz einfacher Mann, mit dem Schiff angekommen aus einem fernen Land, wo die Sonne den ganzen Tag senkrecht vom Himmel brennt. Anders als seine Vorfahren kam er hierher, ins Dorf des Propheten, um Rat zu suchen."

Das zweite Zitat handelt von der Pflicht eines jeden Gottesfürchtigen, sich um die Hilfsbedürftigen zu kümmern, seien es Kranke oder Blinde, Hungernde oder Obdachsuchende, Waisenkinder oder Greise. Auch diese Stelle passt zwar einigermaßen—und ist eine der bekanntesten—bleibt aber zu allgemein, um sich ihrer jetzigen Lage zwingend aufzudrängen. (Aber vielleicht sieht er das nur zu kritisch. Wollte er selbst etwas passendes schreiben, wären seine Ansprüche nun einmal wesentlich höher.) Dafür wird Tristans Vortrag selbstsicherer, seine Stimme lauter, die Haltung und Gebärden drohender: ganz der Wanderprediger, zu dem die Mönche von Gotburg ihn hatten erziehen wollen!

Und als er zum Schluss mit all den Qualen der Hölle droht, die demjenigen bevorstehen, der Gottes Gebote missachtet—hierbei allerdings erinnert er sich nicht so recht an den Zusammenhang, in dem es auftaucht, und muss daher hoffen, dass dieser entweder passt oder niemand in Hörweite sich daran erinnert—da erzittern um ihn herum die Leichtgläubigen und die Frommen in wollüstigem Schauer vor dem Zorn Gottes und seines Propheten.[2]

Dann eilt Tristan den beiden Heilerinnen hinterher, die sich inzwischen wohl längst, mit dem kranken Jungen und entsprechendem Gefolge, auf dem Weg zur Heilerhütte befinden.
 1. Värangsk: "Haben hier alle außer dem Mädchen Fliegenpilze gegessen?"
 2. Intimidate = 18; (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1022799#msg1022799)
Wissen (Religion) = 11.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 08.01.2017, 01:49:41
Freydis Angst verfliegt ein Stück bei Abdos beeindruckendem Auftritt. "Wahrlich ein stattliches Mannsbild - und nicht unattraktiv auf seine exotische Weise." geht es ihr eher unfreiwillig durch den Kopf. Seiner ehrlichen Empörung und seinen Fragen kann sie allerdings nur aus vollem Herzen zustimmen.
Der Auftritt der Hexe oder Heilerin überrascht sie aber noch viel mehr, denn nach allem was sie über die Behadrim und ihren Glauben gelesen und gehört hat hätte sie es für unmöglich gehalten, dass jemand der so aussieht an diesem Ort für länger als einen Tag toleriert würde ohne sich auf der Folter und schließlich auf dem Scheiterhaufen wiederzufinden.
"Du wirst schon sehen, es ist ein großer Unterrschied zwischen der Welt in deinen Büchern und der Welt da draußen." hatte die alte Undis ihr immer wieder Kopfschüttelnd erklärt. Einmal sehr sieht die junge Berührte die Worte ihrer Tutorin bestätigt.
Daher hält sich ihre Überraschung tatsächlich im Grenzen als ein Rúngarder, für sie, wie für die meisten Bewohner Albions, dessen Schiffe und Küsten häufig Ziel der Überfälle der Inselpiraten sind, ist Tristan leicht als solcher zu erkennen, anscheinend die Worte des einen Gottes zitiert.
Die "Hexe" hat allerdings ihre Neugier geweckt, so dass sie sich Tristan anschließt, als er den beiden Heilerinnen und ihrem Patienten folgt. Dabei verstaut sie das Zepter wieder auf ihrem Rücken, die unmittelbare Gefahr ist ausgeblieben und die Heilerin scheint bei klarem Verstand zu sein und wird ihnen eher als die verängstigte Bauernfamilie erklären können was hier eigentlich los ist.
Aber Freydis ist nach wie vor nervös und sieht sich auf dem Weg zu Hütte der Heilerin/Hexe beständig um, allerdings muss sie sich anstrengen um mit den Tristans längeren Beinen Schritt zu halten.[1]
 1. Perception: 14
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 09.01.2017, 00:12:41
Als Abdo bemerkt, dass der schreiende Mann nur ein einfacher Dorfbewohner ist und keine Anstalten macht, sie in irgendeiner Weise zu bedrohen, entspannt er sich schnell wieder und will sich gerade zu Lîf umdrehen, als der Anblick des kleinen Mädchens ihm einen Stich versetzt. Auch wenn sie jünger ist, glaubt er zunächst, Leifs Tochter Hilda wiederzusehen, die ihm in seiner Zeit in Albion soviel Freundschaft und Wärme entgegengebracht hat, als er sie am nötigsten hatte. Unwillkürlich werden Erinnerungen in ihm geweckt, als er halb verhungert und ohne die Sprache zu kennen auf seinem Lager lag, und sie ihn jeden Tag freudestrahlend dazu brachte, seine Mahlzeit einzunehmen, und so lange auf ihn einredete, bis er schließlich begann, erste Worte zu verstehen. 

Ihr Flehen bestärkt Abdo darin, den Jungen zu retten, koste es, was es wolle, und so kehrt er wieder zu Lîf zurück, um zu sehen, ob seine Hilfe benötigt wird. Gerade in diesem Moment taucht die andere Frau auf, fremdartig bemalt - oder zumindest fremdartig für ihn. Der Mann ist also der Vater des Jungen, was das Mädchen zu seiner Schwester macht; so langsam fügt sich das Bild zusammen. Denn die Druidin macht einen eher besorgten Eindruck, was wohl bedeutet, dass der Zustand des Jungen eher kritisch ist. Die angebotene Hilfe der neu aufgetauchten Frau ist dem Mönch daher sehr willkommen, und das Verhalten von Lîf deutet darauf hin, dass sie das ebenso sieht. Mit einem Nicken gibt er der Heilerin zu verstehen, dass er sich um den Jungen kümmert und hebt ihn dann vorsichtig auf, um ihn zur Hütte der bemalten Frau zu tragen.

Die Predigt, denn anders kann man das wohl nicht bezeichnen, die Lîfs Gatte in der Zwischenzeit den Bewohnern des Dorfes hält, nimmt der dunkelhäutige Mann nur am Rande auf. Zwar bekommt er durchaus mit, was Tristan über ihn sagt, doch beschließt er, die Worte nicht zu kommentieren, auch wenn sie ihm eher beleidigend erscheinen. Was der junge Mann dann jedoch weiter erzählt, macht Abdo zum ersten Mal wirklich deutlich, was er bisher nur am Rand hier und da mitbekommen hat: Anders als in seiner Heimat, wo der Glaube an Aris unbestritten ist, scheint es hier eine Reihe von rivalisierenden Religionen zu geben, die wohl nicht immer friedlich miteinander auskommen.
Über Religion war in Leifs Haus nur wenig gesprochen worden; natürlich hatte Abdo schnell erkannt, dass die Familie andere Götter anbetete als Aris, doch dieser lehrt, dass man die Menschen nach ihren Taten bewerten solle, und der Mönch sah keinen Grund, seine Gastgeber zu irgendetwas bekehren zu müssen, nur weil sie Aris in anderen Formen und mit anderen Namen anbeteten.
Dass die Religionen hier in diesem Land jedoch solche Kontroversen erzeugen, hat er erst seit dem Aufbruch aus Kromdag erfahren, denn immer wieder führten die Gespräche unter den Teilnehmern ihrer Expedition auf das gleiche Thema und dabei zu Spannungen. Abdo hat noch bei weitem nicht verstanden, um was es bei den verschiedenen Standpunkten eigentlich im Detail geht, doch längst fragt er sich, wie es sein kann, dass die Menschen hier im Angesicht der Bedrohung durch die Shetani derart viel Energie für den Streit aufwenden können, welchen Namen sie Aris geben.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 10.01.2017, 12:36:15
Hjálmarr beobachtet grimmig die Szene und stimmt seinen Gefährten stumm zu, als diese harsch auf den Bauern einreden. Er bemerkt, wie er mit gerunzelter Stirn unterbewusst den Kopf voller Unverständnis schüttelt, immerhin geht es hier um ein Kind. Noch schlimmer, es geht scheinbar um sein Kind, seinen Sohn, wenn man der plötzlich auftauchenden Frau mit der seltsamen Gesichtsbemalung trauen kann. Zumindest ist sie die Einzige, die sich um das Leben des Jungen schert. Hjálmarr spürt den Zorn in ihm aufkeimen, während er den Bauern anstarrt und wendet sich schließlich ab.

Mit einem Satz springt der junge Mann von seinem Pferd, führt es mit schnellem Schritt zu Abdo und reicht ihm die Zügel. Er hat eine Entscheidung getroffen und selbst wenn niemand dies für Gut heißen wird – obgleich er sich sicher war, dass die meisten seiner Reisegefährten es befürworten werden – er kann und wird den Jungen nicht einfach seinem Schicksal überlassen.

Einen Moment später steht er neben Lîf. Die Blicke Tristans, die ihn fast schon automatisch erfasst haben, als er in das nähere Umfeld seiner Frau eingetreten ist, ignoriert er völlig.
"Eure Mittel hier scheinen begrenzt. Wir haben vermutlich keine Wahl. Sehen wir, was sie tun möchte." Dann blickt er auf den Kranken in Abdos Armen. Wie lange er wohl in dem Trog hing? Seine Haut ist nass und heiß, sein Atmen kurz und schwach. Es scheint wirklich schlimm um ihn zu stehen. Jede Emotionslosigkeit weicht aus Hjálmarrs sonst so starrem Blick und er wirkt aufrichtig besorgt. Doch so schnell dies zu erkennen war, so schnell besinnt er sich wieder und beginnt zu handeln. "Ich nehme ihn. Falls er wirklich krank ist, ist es besser so, glaubt mir!" Dies ist kein Angebot gewesen, sondern eine Feststellung, doch Hjalmarr wartet einen Moment auf Abdos Reaktion.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Khenubaal am 12.01.2017, 16:57:31
Als Aeryn das Wort an die Menschen in den Hütten richtet, wird sie immer wieder unterbrochen. "Das ist keine Krankheit!", "Er will ihn nur vor dem Urian retten!" schallt es hinter geschlossenen Fenstern hervor. Offensichtlich hören auch andere Dorfbewohner zu. "Es gibt keine Rettung!" schallt es aus einer der Hütten, doch dann ist eine laute Ohrfeige zu hören und eine Frauenstimme fährt ein: "Halt den Mund, Dummkopf! Die Kinder hören dich."

Dann sagt Aeryn, die Dorfbewohner sollen keine Angst vor der Gruppe haben und rauskommen, und hysterisches Gelächter kommt zugleich aus mehreren Kehlen. Der Vater des Jungen - Rani, wie ihn sein Weib genannt hatte - bemerkt den fragenden Blick der Elbe durch die Schweinsblase des wieder eingesetzten Fensters. Als sein lauter und dennoch trauriger Lachanfall zu Ende ist, schreit er ihr entgegen: "Wir haben keine Angst vor euch, Spitzohr! Wir haben Angst vor dem Fluch des Urian, der hier wütet. Deswegen kommen wir nicht raus, bis die Behadrim uns zu Hilfe kommen. Aber steht ihr nur weiter rum da vorne und redet. Schon bald wird euch die Seuche dahinraffen."

Da tritt Tristan hervor und zitiert die Worte des Propheten und der Mann hält inne und muss mehrmals schlucken. Auch die anderen Dorfbewohner verstummen, je mehr der Rungarder zitiert.[1] Wahrscheinlich flüstern sich manche etwas zu, doch so etwas ist hinter den geschlossenen Fenstern nicht zu hören und so scheint völlige Ruhe eingekehrt zu sein, als Tristan endet. Hinter den Fenstern erkennt er zum Teil bedröppelte, zum Teil beeindruckte Gesichter, dann fixiert er die als "Hexe" bezeichneten Frau. Der Neuankömmling erwidert trotzig seinen Blick, und er sieht, dass sie ihn mit einer Mischung aus Neugier und Argwohn beäugt.

Hinter den Rücken von Talahan, Tristan und Aeryn kümmern sich die Übrigen um den kranken Jungen. Auch Lif fallen die äußerlichen Unterschiede des Neuankömmlings zu den herkömmlichen Gesichtern der Menschen auf. Die knöcherne Erhebung über der Nasenwurzel und die weißen Haare, ebenso wie eine leicht veränderte Form der Ohren. Doch ansonsten scheint die Frau normal auszusehen. Die weiße und schwarze Farbe auf dem Gesicht ist wohl genau das - Farbe. Wichtiger als das Äußere ist der Drudkvinde aber das Innere der selbsternannten Heilerin. Nachdem sie ihr Zeichen gemacht hat, wartet Lif auf eine Reaktion und beobachtet die Frau. Diese bemerkt die Geste. Sie wiederholt sie nicht, nickt jedoch knapp. "Für Gaya und die Ahnen" murmelt sie fast lautlos einen häufigen Leitspruch der Druidinen. Eine einfache Geste, doch sie wirkt ehrlich und bestärkt Lif in ihrem Vertrauen in den Neuankömmling.[2]

Als Abdo Lif den Jungen abnimmt und aufsteht, verstehen es alle, als stumme Einigung zum Aufbruch. Abermals nickt die bemalte Frau. "Man nennt mich Solveig - meine Hütte steht nur hundert Schritte vom Dorf entfernt in nördlicher Richtung", sagt sie. "Folgt mir"

Nur wenige Schritte sind getan, da tritt Hjalmarr an Abdo heran und bittet ihn, ihm den Jungen zu übergeben. Die bemalte Frau bemerkt das. "Mir egal, wer ihn trägt, aber macht schnell."

So bricht die kleine Truppe auf und macht sich auf den Weg durch die nach Norden führende Gasse. Solveig geht vor, Lif folgt und beäugt weiter den Jungen. Sie ist sich inzwischen sehr sicher, dass es sich um eine schwere Vergiftung des Körpers handeln muss. Die nässenden, eiternden Wunden und die geschwollenen Glieder deuten ebenso darauf hin, wie das hohe Fieber. Allerdings kann sie die genaue Ursache nicht einordnen. Es scheint, als habe sie diese Art von Vergiftung noch nie gesehen.[3]

Hjalmarr und Abdo laufen neben ihr und tragen den Patienten. Freydis schließt die kleine Prozession ab. Der Berührten geht einiges durch den Kopf. Der Weihort - Ansdag - in den Geschichten der Behadrim ein erhabener Ort. Der Flecken, an dem der Prophet aus eigener Hand die Weihe empfing. Heiliger Boden. Das heißt, das stimmte nicht ganz. Sirssudo - die Feste der Behadrim am Hang des Berges: sie war um eine kleine Bergquelle herum gebaut worden und genau in dieser hatte der Prophet lange vor dem Bau die Weihe empfangen. Doch da lässt es sich schlecht hausen. Der Bergbach verlief - so stand es in den Büchern - von da an lange unterirdisch, bevor am Fuß des Berges unweit von Ansdag wieder an die Oberfläche brach. Da hatten die Behandrim - um die Quelle herum - ihr Kloster von Ansdag errichtet. Wenn sie sich recht entsinnte, war das Dorf Ansdag, der Weihort, keine Meile vom Kloster entfernt entstanden.[4] Unbewusst geht der Blick der Albionerin nach Norden, sie versucht das Kloster in der Ferne auszumachen, doch Bäume versperren die Sicht. Dafür fixiert sie den kleinen Gemüsegarten des nächstgelegenen Hauses. Der Boden sieht verdorben aus - Schimmelpilz liegt wie ein weißer Teppich über der Krume. Kohl und Karotten sind schwarz und deformiert.Als ihr Blick umhergeht, bemerkt sie weitere Felder dieser Art - dann die Hütte der bemalten Frau in der Ferne.[5]

Nur wenige Augenblicke später erreicht die kleine Prozession das Haus der bemalten Frau. Wie von ihr geschildert, steht es etwas abseits zwischen mehrere alten Kiefern. Es ist ein geräumige - alt aber stabil - mit einer kleinen Terasse vor der Tür. Vom Dach der Terasse hängen mehrere Beutel und Ahnenzeichen. Auf einem Beistelltisch liegen Kräuter. Lif nimmt sofort den typischen Geruch der Heilpflanzen wahr. In einem kleinen Holzgefäß gären einige zu Muß zerstoßen zu einer Salbe.

Solveig macht knarrend die Tür auf und geht hinein. Die anderen folgen ihr. "Legt ihn da auf den Tisch", sagt die Frau und deutet auf einen großen Eichentisch mitten im Zimmer. Ein schneller Blick offenbart, dass auch drinnen fast jede Fläche des großen Raumes für Tinkturen und Muße aller Art, sowie für Ahnenzeichen genutzt wird. Das hier ist das Zimmer eines Kräuterweibes, keine Frage. Zwei Türen führen weiter. Eine steht offen - Ein Bett ist zu erkennen, indem jemand liegt. Vielleicht ein Patient. Die andere Tür ist zu.

* * *

Aeryn und Talahan beobachten vom Dorfplatz aus, wie die Prozession das Haus der Heilerin knapp 200 Schritt von ihnen entfernt betritt. Hinter den Fensters sind immer noch Silhoutten von neugierigen Gaffern zu erkennen. Eine ungewöhnliche laute Fliegenwolke zieht an den beiden vorbei, macht sich auf zum Pferdekadaver auf der anderen Seite des Platzes.

"Bitte helft uns, wenn ihr wirklich könnt! Vertreibt die Dämonenseuche", schreit eine Frau aus einem der Häuser. Sie blickt dabei zu Aeryn, vielleicht ein verspäteter Appel nach ihren Worten zu beginn.

Talahans Pferd wiehert. Der Mann lenkt das Tier zu Aeryn und beugt sich hinunter. "Ich glaube, wir werden derzeit niemanden hier rauslocken. Lass uns lieber sehen, was die anderen machen", schlägt er vor.

 1. Ergebnis Intimidate 18
 2. Ergebnis Sense Motive 18
 3. Ergebnis Heikunde 23
 4. Ergebnis Knowledge (History) 21
 5. Ergebnis Perception 14
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 12.01.2017, 20:34:27
Tristans Gemurmel kann Lîf von ihrer Position aus nicht verstehen, doch verraten Tonfall und Miene ihres Mannes der jungen Frau, was ihn bewegt. Sie macht eine begütigende Geste in seine Richtung, ehe sie ihre Utensilien wieder verstaut und sich in die Höhe stemmt, um Solveig und den Männern zu folgen. Die furchtsamen Bewohner des Örtchens scheint er im Griff zu haben, wie sie hört – auch wenn sie missbilligend die Stirn runzelt, als er die Schriften derer zitiert, die Mutter Gaya nicht als die Große Göttin anerkennen wollen. Da sie ahnt, was sie mit einem lauten Protest lostreten würde, schweigt sie jedoch dazu, zumal Solveig es ebenso hält. "Ein kräftiges Mannsbild, gesund und sicherlich eine Freude in den Augen der Großen Mutter – wie es wohl in seiner Heimat aussehen mag? Ob dort alle Kerle so gut gebaut sind? Und die Weiber? Dann wäre es ein gesegnetes Land..." geht ihr beim Anblick des Mönches durch den Kopf, bevor sie sich an Hjálmarr wendet und ihm antwortet: "Ja, für den Jungen ist es sicherlich das beste."

Denn die leise Entgegnung hat sie davon überzeugt, dass sie es bei der Fremden mit einer Schwester im Geiste zu tun hat. Ganz gleich, wie deren Äußeres wirken mag: Die Wege der Großen Mutter sind vielfach verschlungen, Ihr ist zueigen, Ihren Kindern jede Gestalt zu geben, die Ihr gefällt. So beeilt sie sich, Schritt zu halten. Denn die Vergiftungssymptome des Leidenden wollen ihr ganz und gar nicht gefallen. Gifte können ihr Werk sehr rasch tun... und Solveig, die mehr zu wissen scheint, hat es ja offenkundig eilig, ihm zu helfen. In der Behausung der sogenannten Hexe angelangt, tut der Rotschopf einen tiefen Atemzug und fühlt sich umgehend zuhause. So roch es auch bei ihrer Lehrmeisterin..! Einen kurzen Blick wirft sie in Richtung des zweiten Kranken, den das fremde Kräuterweib zu behandeln scheint, doch wendet sie sich ihm nicht zu. Das zu tun, ohne um ihre Meinung gebeten worden zu sein, hieße andeuten, die andere Heilerin sei womöglich nicht imstande, ihm zu helfen. Sie konzentriert sich lieber auf den Jungen und darauf, was Solveig anstellen wird, um ihn zu behandeln.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 12.01.2017, 21:52:22
"Ich glaube, diese Leute brauchen unsere Hilfe dringender als die anderen. Da können wir ohnehin nichts tun als zusehen und hoffen, dass es noch nicht zu spät für den Jungen ist," meint Aeryn zu Talahan.

Dann richtet sie sich nocheinmal an die Dorfbewohner.

"Wenn ihr nicht rauskommen wollt, dann lasst uns doch zu euch hereinkommen," schlägt sie vor. "Wir würden wirklich gerne erfahren, wie sich das alles hier zugetragen hat. Und vielleicht gibt es ja einen Weg, wie wir euch helfen können, dieser Plage Herr zu werden. Aber dazu müsst ihr uns schon erzählen, was ihr wisst. Vor allem, was geschehen ist während dies alles hier begonnen hat."

Langsamen Schrittes geht die Elbin auf das Haus zu, aus dem sie die Stimme der Frau zuvor vernommen hatte, die ihr im Moment zumindest am Vernünftigsten erscheint.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 13.01.2017, 00:39:02
Lîfs und das eigene Pferd führend, bildet Tristan die schweigende Nachhut. Er wartet auf Erklärungen. Doch weder Lîf noch Solveig äußern sich unterwegs zu der Krankheit des Jungen. Als die Hütte der Heilerin in Sicht kommt, holt er die Frau mit ein paar Schritten ein und fragt: "Was ist das denn jetzt für eine Seuche und wie lange grassiert sie hier schon?" Nach einer kurzen Denkpause setzt er nach: "Und wie lange warten die Leute hier schon vergebens darauf, dass die Behadrim ihnen zu Hilfe eilen? War schon mal jemand bei denen und hat direkt angefragt? Gab es seither überhaupt Kontakt mit dem Kloster?"

Denn die Hilfe ist ja offenbar mehr als überfällig, so sein Hintergedanke bei der Frage. Dafür drängen sich ihm zwei mögliche Gründe auf: entweder diese 'Dämonenseuche' hat als erstes das Kloster getroffen und dort alle dahingerafft, oder aber man hat sich dort aus Angst vor der Seuche verbarrikadiert und denkt gar nicht daran, irgendwelchen Dörflern helfen zu wollen. So oder so verflucht Tristan sich dafür, seine Frau auf diese Reise mitgenommen zu haben.

~~~

Während Tristan seine Frau dabei beobachtet, wie sie sich um den kranken Jungen kümmert und in der Hütte der anderen Heilerin regelrecht auflebt—trotz der ernsten Lage leuchten ihre Augen, entspannt sich ihre Haltung, sie atmet auf—da begreift er endlich, was sein erster, sein größter, eigentlich sein einziger Fehler gewesen ist. Kein Wunder ist sie so wütend auf mich und braust bei jeder Kleinigkeit gleich auf!

Und da es für ihn momentan nichts zu tun gibt, außer zwischen Fenstern und Tür zu patrouillieren, um die nähere Umgebung der Hütte im Auge zu behalten—natürlich wandert sein Blick dabei auch immer wieder durch die volle Stube—bleibt Tristan viel Zeit zum Nachdenken.[1] Zum Beispiel darüber, was zu tun ist, um die Sache mit Lîf zu klären. Denn klären muss ich das mit ihr. Sobald wir mal kurz für uns sind, muss ich das aus der Welt schaffen.

Weiter kommt er mit seinen Überlegungen erst einmal nicht.
 1. Perception = 14 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1023138#msg1023138).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 13.01.2017, 17:26:06
Als Hjálmarr den Mönch auf dem Weg zur Hütte bittet, ihm den Jungen zu übergeben, lässt Abdo ihn ohne Widerspruch gewähren. Der Mönch selbst ist nicht sonderlich bewandert in der Heilkunde, und wenn der Bärtige sich in solch resoluter Weise einsetzt, wird er wohl seine Gründe haben, so dass sich Abdo dessen Kompetenz beugt.

Erleichtert von seiner Last, versucht er, auf dem Weg zur Hütte Sinn in die Szene zu bringen, die sich gerade abgespielt hat. Offenbar haben die Menschen hier keine Ahnung, womit sie es eigentlich zu tun haben. Während sie auf der einen Seite von einer Seuche sprechen, sagen sie fast im gleichen Atemzug - oder waren es andere? - es sei keine Krankheit. Dann ist vom Fluch des Urian die Rede; immerhin soviel hat Abdo inzwischen über den Glauben in diesen Ländern herausgefunden, dass er weiß, dass der Urian in der hiesigen Mythologie die Verkörperung des Bösen darstellt. Und schließlich darf natürlich auch die Dämonenseuche nicht fehlen.

Zwar liegt Ya'Kehet in Trümmern, doch das aufgeklärte Wissen vergangener Zeiten ist noch längst nicht verblasst. Dass die meisten Krankheiten eine natürliche Ursache haben und durch Keime oder ähnliches verursacht werden, ist den Einwohnern Ya'Kehets noch immer wohlbekannt. Dass mangelnde Hygiene die Ausbreitung vieler Krankheiten begünstigt, ebenso. Wenn sich der Mönch hier jedoch umblickt, scheint das den Bewohnern dieses Ortes nicht unbedingt bewusst zu sein. Statt die faulenden und stinkenden Kadaver zu beseitigen, verschanzen sie sich aus ihrem Aberglauben heraus lieber in ihren Hütten, wodurch sie die Lage vermutlich noch verschlimmern. Die Haltung der Leute hier erscheint ihm wie aus den Erzählungen seines alten Lehrers Mahmut zu stammen, in denen dieser von früheren Zeiten erzählte, als die Menschen jegliche Schicksalsschläge durch böse Geister und übernatürliche Mächte zu erklären versuchten. Eine Haltung, die allerdings, wie er sich eingestehen muss, in den letzten Jahren wieder Aufwind bekam. Ein Gedanke kommt ihm plötzlich in den Sinn: "Wahrscheinlich sind es schlechte Zeiten, die die Leute anfällig für Aberglauben machen."

Währenddessen hat die kleine Prozession die Hütte der merkwürdig gezeichneten Heilerin erreicht und sie und Lîf machen sich gemeinsam daran, den Jungen zu behandeln. Da Abdo hierbei zunächst nicht gebraucht wird, sieht er sich etwas in der Hütte um und wirft auch einen längeren Blick in das Nebenzimmer, in denen ein weiterer Kranker liegt, wobei er sich Mühe gibt, dessen Ruhe nicht zu stören. Die zahlreichen Tinkturen und Kräuter, die fast jeden Flecken des kleinen Raumes ausfüllen, geben der Hütte eine merkwürdig gespenstische und beengende Aura, und der Mönch kann dabei durchaus nachvollziehen, weshalb die Bewohner des Ortes wohl eine eher ambivalente Haltung zu ihrer Heilerin pflegen. Dennoch scheinen die beiden Frauen zu wissen, was sie tun, und Abdo schickt ein kurzes Gebet an Aris, in dem er ihn um Ruhe und Weisheit für die Heilerinnen bittet.

Nachdem er sich umgesehen hat und sicher ist, dass die beiden Frauen wohl eine Weile beschäftigt sein würden und keine Störung gebrauchen können, beschließt er, sich anderweitig nützlich zu machen. Ihm ist klar, dass Tristan seiner Frau wohl nicht von der Seite weichen wird - und es ist sicherlich sinnvoll, wenn einer von ihnen hierbleibt, um die Heilerinnen gegebenenfalls unterstützen zu können, doch er wendet sich mit seinem Vorschlag an Freydis und Hjálmarr: "Ich denke, hier können wir im Moment nichts tun. Tristan soll hierbleiben, falls die beiden Hilfe benötigen, aber wir sollten damit anfangen, die Kadaver in dem Dorf zu beseitigen. Wenn hier wirklich eine Seuche umgeht, dann müssen wir die Leichen verbrennen und für soviel Sauberkeit wie möglich sorgen. Außerdem sollten wir uns dort umsehen und dafür sorgen, dass alle sauberes Wasser haben."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 15.01.2017, 18:30:00
Neugierig und fast überwältigt von all den verschiedenen Gerüchen und Eindrücken sieht sich Freydis in dem Haus der Heilerin um, wobei sie sorgfältig darauf achtet nichts zu berühren.
"Da hast eine Menge mehr zu lernen." geht es ihr durch den Kopf als sie realisiert, dass sie die wenigsten
Kräuter, Medikamente und Tinkturen in diesem Raum benennen könnte oder auch nur eine Idee über ihre Wirkung und Anwendung hat.
Ihr wird erst  bewusst, dass sich ihr Verstand mit dem Inneren des Heilerhauses beschäftigt um nicht über den Horror draussen vor der Tür nachdenken zu müssen, als Abdos Worte zu ihr durchdringen. Der Mönch hat recht, der Zusammenhang zwischen mangelnder Hygiene und der Ausbreitung von Krankheiten ist auch in Dalaran nicht unbekannt, die große Göttin selbst lehrt, das die gegenwart des Toten neuen Tod bringt nicht umsonst hat die Feuerbestattung lange Tradition auf Albion und auch in Rest von Dalaran.
Die Berührte nickt dem dunkelhäutigen Mann zu. "Ihr habt recht. Ich werde euch begleiten, wenn ihr erlaubt."


Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 16.01.2017, 14:05:52
Nachdem sie den Jungen auf das Bett der seltsamen Heilerin gelegt haben, besieht sich Hjálmarr die unzähligen kleinen Ingredienzien in den Regalen und Ablagen. Es erinnert ihn an die Hütte des alten Aegir, draußen an den flacheren Ufern ein ganzes Stück südwärts von Lesdag. Früher war Hjalmarr oft bei ihm und hat seine Funde aus dem Leskos bestaunt. Eingeweide und Weichteile hatte er in kleinen Gläsern eingelegt, um, wie er sagte 'Für Notfälle gerüstet zu sein', was auch immer das heißen mochte.

Neben getrockneten Kräutern und Wurzeln erkennt er auch Teile von Insekten, größer als seine Hand und Pulver in verschiedensten Farbtönen. Trotz der zuvorkommenden Reaktion der Frau ist dem jungen Mann nicht ganz wohl bei der Sache, und als Abdo ihn anspricht, ist er froh, diesen Ort schnell wieder verlassen zu können. Er nickt ihm und der jungen Frau wortlos zu und tritt ins Freie.

Draußen wartet er bis die Tür geschlossen wird und die drei sich auf dem Weg zurück zu dem Behadrim und ihrer anderen Gefährtin machen. Erst dann bricht er das Schweigen.
"Was haltet ihr von dieser Situation? Eine Seuche oder Heimsuchung in einem bedeutungsschweren Dorf mit einem Kloster der Behadrim in der direkten Nachbarschaft."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Khenubaal am 17.01.2017, 23:19:57
Als Tristan seine vielen Fragen stellt, schaut die gezeichnete Heilerin mit zusammengekniffenen Augenbrauen auf. "Ganz schön viele Fragen auf einmal. Wie wäre es, wenn ihr mal sagt, wer ihr seid? Wie heißt du? Ich habe euch meinen Namen genannt und in meine Hütte gebeten."

Ihr Blick geht zu Lif und wird weicher. Sie greift mit den Fingern in eine grobe rote Paste und beginnt, damit die Stirn, den Hals und die Brust des Jungen einzureiben. Mit einem Blick gibt sie Lif zu verstehen, dass dankbar wäre, wenn diese hilft. "Berberitze", murmelt sie. Ein fiebersenkendes Mittel, wie jede Heilerin weiß. "Heilt ihn zwar nicht, aber wenn wir das Fieber nicht senken, wird er die Abenddämmerung nicht erleben." Lif muss der Aussage leider zustimmen. Auf einem Beistelltisch steht auch abgekochte, bräunliche Brühe. Lif kann nicht einschätzen, was es sein soll. Neben dem Tisch steht ein großes Faß, dessen Geruch eindeutig und überraschend ist - Bier. Des weiteren erkennt sie auch Tinkturen aus Eichenrinde und Heidelbeere gegen Vergiftung, sowie weitere Heilmittel im Haus - im Gegensatz zum Bierfass zu erwarten in einer Heilerhütte.

Schließlich ist die Brust des Jungen eingerieben. Die gezeichnete Heilerin bedankt sich bei Lif mit einem Nicken und greift zum Krug mit der bräunlichen Brühe. Ihr blickt fällt dabei auf Tristan und sie schürzt die Lippen. "Die ersten Krankheitsfälle sind vor vier Tagen aufgetaucht, aber 'losgegangen' ist es in der Sturmnacht vor einer Woche, wenn ihr mich fragt", beantwortet sie nun dch seine Fragen. "Es war eine Sturmnacht; hat gedonnert und geblitzt als würde Askyr selbst die Wolken peitschen", erwähnt sie einen der im ganzen Land bekannten Ahnen - Askyr, den Sturmboten. "Irgendwas ist da im Kloster geschehen. Pater Halfir hat geschriien wie am Spieß. Animalisch - war durch den Donner hindurch zu hören. So, als wäre er Wahnsinnig geworden vor Schmerz"

Solveig gießt etwas von der braunen Brühe in eine Tasse und drückt diese Lif in die Hand. Selbst greift sie nach dem Kopf des Jungen und hebt ihn leicht an, damit die andere Heilerin den Trank einflößen kann. Jetzt kann Lif den Geruch zuordnen - Bier und abgekochte Berberitze. Zweites ist verständlich, aber wozu das Bier?

"Die braven Lämmchen sind natürlich sofort in Panik verfallen, haben was vom Urian gefaselt. Aber nach draußen und zum Kloster, zum Nachfragen - das hat sich keiner getraut", fährt Solveig fort. Dann richtet sie sich auf. "Ich wäre gegangen, aber die Behadrim wollen mich nicht an ihrem Kloster sehen. Und Jan wäre gegangen. Aber er war in der Nacht nicht hier.

Am nächsten Morgen. Da sind sie hin. Haben gewartet, dass die Priester das Tor aufmachen und zum Morgengebet einladen. Aber niemand kam heraus. Pater Halfir nicht und die anderen auch nicht. Das Tor auf das Klostergelände blieb geschlossen. Drei Tage später hatten sie ihren Mut so weit zusammen, dass sie reingehen wollten. Das Tor aufbrechen. Hatte ich schon an Tag eins vorgeschlagen. 'Sakrileg' haben sie gerufen. Als sie sich dann zusammengerauft haben, gingen die ersten Krankheitsfälle los. Jetzt geht keiner mehr vor die Tür, geschweige denn ins Kloster.
"

Als Solveig Lifs fragenden Blick hinsichtlich des Trankes bemerkt, lächelt sie. "Ja - Bier. Ich weiß, nicht das Beste für einen Kranken, aber ich habe keine Wahl. Ich denke, die Seuche kommt aus dem Wasser des Bachs. Sie hat zuerst die Mönche erwischt, wo der Bach aus dem Berg entspringt, und dann später uns die Strömung runter. Ich trinke seit drei Tagen nur noch Bier. Wasche mir die Hände damit. Versorge die Kranken. Der Vorrat des Wirts - er ist tot und braucht ihn nicht mehr. Und die nächste Frischwasserquelle ist anderthalb Tagesritte entfernt", bei der letzten Bemerkung schaut sie zu Abdo hinüber, der vorgeschlagen hatte, für sauberes Wasser zu sorgen.

"Meine Lehrerin sagte das immer", murmelt sie zu Lif. "Wenn es nicht die Luft ist, sind es die Männer. Wenn es nicht die Männer sind, ist es das Wasser."

"Kluge Frau, die alte Sunga - ich kannte sie gut" - ein rauchiges Krächzen aus dem Nachbarzimmer, vom Krankenbett an der Wand. Lif und Tristan war es so erschienen, als würde der alte Mann dort schlafen, aber anscheinend lag er nur mit geschlossenen Augen. Nun setzt er sich mühsam auf und entblößt schadhafte Zähne in einem müden Lächeln. Das graue Haar reicht über die Schultern, ist verfilzt und mit dem Alter rar geworden. Die Haut spannt sich trocken und furchig, wie altes Leder über die Knochen. Blaue Linien durchziehen unregelmäßig Gesicht und Hals, Schultern und Brust, Arme und Beine. Als hätte ein tolles Kind mit Kreide Schlangenlinien über den gesamten Körper des Mannes gezogen, nur dass die Linien unter der Haut liegen und hervorstechen, als wären sie aus Metall oder einer fremden Flüssigkeit und nicht aus Kreide. Im Gegensatz zum Jungen auf dem Behandlungstisch ist dieser Mann nicht aufgedunsen, sondern völlig ausgelaugt. Als würde ihn etwas von innen zerfressen.

* * *

Abdo, Freydis und Hjalmarr bekommen gerade noch Solveigs Vermutung bezüglich Wasser als Ursache der Seuche mit, bevor sie ins Freie treten. Für einen Augenblick erleben die drei die frische Sommerluft und die Sonnenstrahlen sehr bewusst - ein Kontrast zur Enge und der Gerüchemelange der Hütte.

Dann fällt ihr Blick wieder auf die pilzbefallenen Gärten der Hütten am Rand von Ansdag. In der Ferne ist Talahan auf seinem Rappen zu sehen. Das Pferd wedelt mit dem Schweif, verscheucht die Fliegen, die sich immer wieder heranwagen. Dann hört Abdo das vertraute Geräusch sich nähernder Hufschläge und erspäht einen einzigen Reiter, der von einer leichten Anhöhe im Osten auf den Dorfplatz zuhält. Er scheint von einem größeren Haus zu kommen, so hoch, als hätte es zwei Etagen und über dem Rest des Dorfes thronend.

* * *

Widerwillig nickt Talahan, als Aeryn darauf besteht, doch auf dem Dorfplatz zu bleiben. "Dann hoffen wir wider besseres Wissen, dass die verängstigten Bauern nichts Dummes anstellen", murmelt er.

Als Aeryn sich der Hütte nähert, aus der sie die Frauenstimme vernommen hatte, knarrt die Tür. "Bist du verrückt? Lass sie nicht rein!", ruft eine Männerstimme. "Beruhige dich - ich gehe raus", gibt die Frau zurück. "Das wird dein Tod sein, Frida!", schreit der Mann wieder. "Ich habe dir gesagt, rede nicht vom Tod!", gibt die Frau zurück. Dann erscheint sie vor der Türschwelle, tritt heraus und schlägt die Tür zu.

Es ist eine Bäuerin nahe ihrem vierzigsten Sommer. Arme und Beine sind muskulös und breit, gezeichnet von entbehrlichen Jahren und harter Arbeit auf dem Feld und mit dem Nutzvieh. Das Gesicht ist breit und freundlichen, die Haare mögen einst strahlend blond gewesen sein, sind aber früh größtenteils dem Grau verfallen. Aeryn ertappt sich beim Gedanken, dass diese Frau vor nicht einmal fünfzehn Wintern eine Schönheit gewesen sein muss, schlank, mit hübschem Busen, strammen Schenkeln, einem wunderschönen Gesicht und langen Haaren. Doch fünfzehn Jahre auf dem Feld und mehrere Geburten können den Körper einer Menschenfrau sehr wohl verändern.

"Es hat vor einer Woche begonnen", murmelt sie. "Ein Sturm, wie der Zorn Gottes. Und Pater Halfir schrie, wie... wie...", sie bricht ab, sucht nach Worten. "Ich weiß, das darf man nicht sagen, aber er schrie wie ein Dämon. Unmenschlich. Seitdem zeigen sich die Behadrim nicht. die Klostertore bleiben geschlossen. Wir müssen Gott erzürnt haben, dass unsere Priester verschwunden sind. Und nun rafft uns diese Seuche dahin."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 18.01.2017, 01:23:00
Aeryn blieb einige Schritt weit von der Türe entfernt stehen, sie will die Bewohner nicht unnötig verängstigen oder bedrohlich auf sie wirken. Als der Mann seiner Frau zuruft, dass sie nicht vor die Türe gehen solle, weil das ihr Tod sei, meldet sich die Elbin aber doch zu Wort. Sie schüttelt dabei nur den Kopf ob der menschlichen Ignoranz.

"Ganz im Gegenteil. Es wird euer aller Tod sein, wenn ihr euch weiter hinter euren Türen und Fenstern verschanzt. Wenn nichts unternommen wird, dann wird es auch nicht besser werden. Und irgendwann geht euch die Nahrung und das frische Wasser aus, was wollt ihr dann tun?"

Frida, die Frau, lässt sich aber offensichtlich nicht so sehr von den Vorkommnissen einschüchtern, wie die anderen Dorfbewohner. Anerkennend nickt Aeryn ihr zu, als sie heraustritt. Sie lauscht aufmerksam den Worten der Bäuerin und vor allem bei dem 'Dämon' wird sie hellhörig. Natürlich gibt es Geschichten von Dämonen, die andere Körper in Besitz nehmen, oder vielleicht waren es auch nur unmenschliche Schmerzen, die den Klang seiner Stimme derart verzerrt haben. Jedenfalls klingt es für die Waldläuferin so, als ob die Ursache für das Übel im Kloster zu finden ist.

"Dieser Pater Halfir, ist das der Abt des Klosters? War denn schon jemand im Kloster, um nachzusehen, was dort vorgefallen ist? Falls nicht, würden wir uns das wohl einmal näher ansehen."

"Und was ist mit dem Fürsten? Ist Soren Villag darüber unterrichtet worden, was hier vor sich geht?"

Wo sie schoneinmal jemanden vor sich hatte, die auch bereit war, mit ihnen zu reden, vielen Aeryn in dem Moment auch wieder die Dinge ein, die ihnen von Aegon Ayrin aufgetragen worden waren. Einen Versuch war es wert. Vielleicht wusste die Frau ja etwas oder könnte sie zumindest in eine Richtung führen, die ihnen weiterhalf.

"Noch etwas. Habt ihr von den beiden Karawanen gehört, die hierher kommen sollten und die ihr Ziel nie erreicht haben sollen? Oder einem Späher, der deren Verbleib aufklären sollte? Das muss schon einige Wochen her sein, also noch vor diesem Sturm und dem Ganzen hier."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 18.01.2017, 15:53:50
Auch Tristan blickt Abdo nach, als dieser die Hütte verlässt. 'Tristan soll hierbleiben'—hat er mich damit gerade herausgefordert? Was spielt der Kerl sich auf, als hätte er in Talahans Abwesenheit den Befehl! Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen, sonst nimmt er sich bald alles heraus. Doch dann wird Tristan erst einmal von Solveigs Erzählung abgelenkt. Als die drei Gefährten sich dann auf den Weg zurück ins Dorf machen, scheint ihm der glaubwürdige Moment verpasst, sich der Provokation zu stellen. Beim nächsten Mal wird er rascher reagieren müssen, will er nicht in den Ruf eines Schwächlings geraten.

Allein mit den beiden Frauen—weder der bewusstlose Junge noch der kranke Alte zählen in seinen Augen als Mann—entspannt Tristan sich sichtlich.

"Vielleicht gab es durch den Sturm einen Erdrutsch in den Bergen, durch den giftiger oder verseuchter Dreck in den Bach geschwemmt wurde", mutmaßt er. Berge gibt es daheim zwar nicht, aber Unwetter, die öfters auch mal ein Stück Steilklippe wegschwemmen. "Und wer weiß, was für halb verweste Kadaver da jetzt allerorts am oder im Wasser liegen, das kann auch nicht gesund sein. Man müsste den Flusslauf absuchen und all das wegräumen."

Die 'Hexe' macht einen vernünftigen Eindruck und wenn es stimmt, dass der Abt des Klosters hinüber ist, gibt es niemanden außer ihr, an den sie sich so recht wenden könnten, zwecks Information und sonstiger Unterstützung. Es gilt also, sich mit ihr gutzustellen. Lîf gelingt dies ja schon mühelos.

"Tristan heiße ich", antwortet er daher auf Solveigs Frage. Um dem schlechten ersten Eindruck entgegenzuwirken, den er auf sie offenbar gemacht hat, bietet er ihr einen Wissenshappen über sich zur Versöhnung an: "Feenbalg hat man mich daheim genannt so wie dich Hexe. Weil ich so hübsch singen kann, dass die blutrünstigsten Seeräuber vor Ergriffenheit auf die Knie fielen, statt mich in Stücke zu hacken. Du siehst, die Sache ist eindeutig: ich wurde in der Wiege vertauscht. Anders lässt sich die Sache nicht erklären."

Eine Weile lang beobachtet er schweigend das Tun der beiden Heilerinnen und denkt nach.

"Als erstes sollten wir aber wohl doch zum Kloster und schauen, was dort Sache ist", kommt er endlich mit sich zu einem Ratschluss. "Vor toten Mönchen hat bei uns niemand Angst."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 18.01.2017, 20:02:40
Lîf ist hin- und hergerissen. Einerseits empfindet auch sie Tristans Fragen als sehr drängend und kann gut nachvollziehen, dass eine Frau, die wie Solveig unter dem Verdacht der Hexerei steht, sehr empfindlich auf ein solches Bedrängen durch quasi völlig Fremde reagiert. Andererseits hat sie auch Verständnis für ihren Mann und seine durchaus berechtigte Wissbegierde. Sie versucht daher zu vermitteln, indem sie der Gezeichneten nach Tristans Erwiderung ihre übrigen Begleiter leise vorstellt und ihr versichert: "Du siehst, auch wir schweben stets in der Gefahr, der Hexerei bezichtigt zu werden... Wir sind gewiss nicht mit feindlichen Absichten in dein Haus eingetreten, Schwester, und ich danke dir in unser aller Namen für deine Gastfreundschaft!" Die junge drudkvinde blickt Hjálmarr und Freydis nach, als sie die Hütte verlassen, und widmet sich dann dem Kranken. Ohne lange zu fragen oder zu zögern geht sie Solveig zur Hand. Sie müssen sich nicht wortreich austauschen – unter Heilerinnen sitzen die wichtigsten Handgriffe ohne nachzudenken, und ihre Arbeit geht rasch voran.

Während sie der anderen Frau hilft, den Jungen zu behandeln, denkt sie über die Worte ihres Mannes nach. Zwischenzeitlich meint sie zu Solveig: "Was ich an Wasser mitführe, soll dir gehören, Schwester." Dass eine Heilerin sauberes Wasser bei der Ausübung ihrer Pflichten entbehren muss, entsetzt sie. "Und ich werde die Große Mutter bitten, uns mehr reines Wasser zu schenken" fügt sie gedankenverloren an, denn das Schicksal der Menschen hier geht ihr zu Herzen. Wenn sie nur den Jungen ansieht – und dann auch noch hört, was die Gezeichnete über die Vorfälle in der Sturmnacht zu sagen hat... Die Natur scheint ihnen zu zürnen. "Wer ist dieser Jan?" fällt ihr mit einiger Verspätung ein, so sehr beschäftigt sie die Frage nach dem Warum.

Erst das leise Gemurmel Solveigs lässt sie ihre Sorge für einen Moment vergessen und lächeln. "Eine weise Frau..." bemerkt sie nicht minder leise. Da unterbricht die Stimme aus dem Nebenraum sie, und sie späht zu dem dürren Mann, der dort liegt und gar nicht schläft, wie sie dachte. Mit wachsendem Interesse betrachtet sie die blauen Linien auf seinem mageren Körper. Sie wendet sich an Solveig: "Was hat er? Hast du die rechte Medizin für ihn?" Offenkundig scheint er ja nicht an demselben Übel zu leiden wie ihr momentaner Patient. Zu Tristans Entschluss nickt sie kurz, doch äußert sie sich dazu nicht weiter. Hier sind die Männer der Gruppe gefragt. Sie fragt sich ohnehin, warum ein Weib wie Solveig unter all den Leuten im Dorf diesen nahe liegenden Schritt als erste befürworten musste. Sind die Menschen hier so mutlos?
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 18.01.2017, 23:15:47
"Ich glaube nicht dass es umbedingt einer dämonischen Erklärung bedarf." antwortet Freydis auf Hjalmars Frage und deutet auf den nächsten der pilbefallenen Gärten. "Ich würde das nicht essen wollen und kann mir vorstellen, das was immer die Garten befallen hat auch im Wasser und damit in all jenen ist, die es getrunken haben." ihre Stimme wird zynisch.  "Aber diese ahnungslosen Narren glauben lieber an einen Fluch ihres Gottes anstatt wenigstens zu versuchen etwas gegen die Ursache zu unternehmen." Dann fällt ihr der ankommende Reiter auf und sie deutet mit einer Kopfbewegung in seine Richtung. "Aber da kommt vielleicht noch jemand der etwas mehr bei Verstand ist und uns sagen kann was hier wirklich vorgeht."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 19.01.2017, 10:51:56
Behadrim, alter Glaube, Gaia ... Abdo hat zwar einiges aufgeschnappt während der Zeit, die er nun in Dalaran verbracht hat, aber vieles von dem, was den Menschen hier offensichtlich ist, stellt ihn immer wieder vor Rätsel. Diese Behadrim, deren Kloster sich hier befindet, dienen Aris, dem einen Gott - auch wenn sie ihn anders nennen. Wieso also scheinen so viele Menschen sich vor ihnen zu fürchten? Ihr Orden scheint doch dem seinen recht ähnlich zu sein. Und wenn sie Aris' Werk vollführen, kämpfen sie für das Gute und die Ordnung auf der Welt.
Und doch ... auch seine Kameraden auf dieser Reise lassen immer wieder kleine Anzeichen erkennen, die ihm die Behadrim nicht in einem rein hellen Licht erscheinen lassen.

Wirklich erstaunt hat ihn jedoch, dass in diesem Land wohl viele Menschen noch alten heidnischen Traditionen anhängen, etwas, dass er in Ya'Kehet nur aus uralten Überlieferungen kannte. Bereits die erste Reaktion dieses Tristan auf seinen harmlosen Gruß hat ihn vorsichtig werden lassen, das Thema Religion weiter zu vertiefen. Zu unklar ist, wie heikel ein solches Gespräch werden könnte. Dennoch: Irgendwann, in einer ruhigeren Minute, muss er einen seiner Mitreisenden dazu befragen.

Doch im Augenblick stellen sich ihm akutere Probleme. Wenn die Heilerin mit dem merkwürdigen Aussehen recht hat, bestätigt sich seine Befürchtung, dass unreines Wasser zu der angeblichen Seuche hier geführt hat. Die Entfernung zur nächsten Quelle jedoch ist mit eineinhalb Tagesritten viel zu groß, um die Problematik auf diesem Weg zu entschärfen. In drei Tagen würden sich bei den meisten hier ähnliche Symptome zeigen, wenn sie weiterhin das Wasser trinken würden. Und das bisschen, was sie mitbringen könnten, würde nur einen Tropfen auf dem verseuchten Stein bedeuten.

Draußen stimmt er daher Freydis zu: "Frisches Wasser holen können wir nicht, wenn die Heilerin die Wahrheit gesprochen hat. Und daran zweifle ich nicht." fügte er schnell hinzu. "Also müssen wir die Ursache herausfinden und bekämpfen. Es kann kein Zufall sein, dass dieses Kloster geschlossen bleibt. Vor allem, wenn es flussaufwärts von hier liegt. Wir müssen dorthin reisen und nach dem Rechten sehen."
Seine düstereren Gedanken behält der Mönch jedoch lieber für sich. Diese Behadrim sollten die Anzeichen einer Vergiftung mit unreinem Wasser erkennen können. Wenn dort niemand mehr antwortet, muss etwas Schlimmeres geschehen sein. Ist das Kloster sogar die Ursache der Verseuchung?
"Zuerst sollten wir uns aber um die Leute hier kümmern, die Kadaver verbrennen, und die Menschen vor dem verseuchten Wasser warnen. Zumindest erhitzen oder mit Wein mischen sollten sie es, bevor sie es trinken, um das schlimmste zu verhindern."

Auf Freydis Bewegung hin sieht nun auch der Schwarze den Reiter, und nickt nur zustimmend zu ihrem Vorschlag, mit ihm zu sprechen, während die drei sich weiter dem Dorf nähern.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 19.01.2017, 19:59:26
Tristan vergisst einen Moment lang seine beharrliche Patrouille zwischen den Fenstern und der Tür, um fasziniert zu beobachten, wie schnell die beiden Heilerinnen ein Band knüpfen. Schon nennt man sich Schwester! Und dass Solveig so offen von dem Geschehen hier erzählt, das liegt gewiss an Lîfs Anwesenheit. Wie hart der Blick der Fremden ist, wenn er Tristan streift, wie weich, wenn sie dagegen seine Frau anschaut!

Als Lîf ihrer Heilerinschwester ohne zu zögern ihre Wasservorräte verspricht und dazu noch, ihre Göttin um mehr zu bitten—an diesem Ort, wo die Anhänger des Einen das Sagen haben!—passiert etwas seltsames. Statt böse über diesen doppelten Leichtsinn zu werden, wird der Platz in Tristans Brust plötzlich ganz furchtbar eng. Sein Herz, so scheint es, kann das Gefühl gar nicht mehr fassen, das er für Lîf empfindet, und so fließt es über und füllt seinen Brustkorb und der Druck legt sich auf seine Lungen und steigt ihm bis in die Kehle und im Magen wird es ihm ganz flau.

Er durchquert den Raum mit zwei Schritten und schließt sein Weib in die Arme. Seine Wange an ihre Schläfe gepresst, sagt er ihr ins Ohr: "Jeg er ikke overrasket over, at Gaja har valgt dig. Du kan ikke hjælpe, men at give. Du har sådan et stort hjerte, du bare nødt til at give."[1]

Warum ihm letzteres imponieren sollte, weiß er selbst nicht, aber das tut es, genauso wie die gemeinsame Arbeit der beiden, die kaum ein Wort benötigt, um sich zu verständigen. Wie anders ist der Umgang unter Fahrtenbrüdern. Ein ständiges Rangeln um seinen Platz, ein Imponieren und Konkurrieren...

Nach diesen Worten löst Tristan sich wieder von seinem Weib und kehrt zu seinem Patrouillengang zurück.

"Obwohl ich nicht ganz verstehe", wendet er sich kurz darauf, und abermals ein wenig abrupt, an Solveig, "warum du hier an diesem Ort bleibst und den undankbaren Menschen hilfst, die dich als Hexe verschreien. Ist das nicht sehr gefährlich für dich?"

 1. Värangsk: Es wundert mich nicht, dass Gaja dich erwählt hat. Du kannst nicht anders, als zu geben. Du hast so ein großes Herz, du muss einfach geben."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 23.01.2017, 10:10:08
Hjalmarr grinst verschmitzt bei dem Gedanken, dass das Wasser an dieser Misere Schuld sein soll, doch abwegig ist es nicht. Alles was aus dem Boden dieses Landes entspringt ist zwar im Grunde rein, und meist sorgen ihre Bewohner dafür, dass dieser Zustand nicht lange währt, doch wie jede Naturgewalt gibt und nimmt auch das kühle Nass, wenn der Siedepunkt erreicht ist. Kein Lebewesen kann ohne Wasser überleben, zu oft wird es einfach für selbstverständlich und immer da angesehen, zu wenig Respekt ist vor dieser unbändigen Kraft in den Köpfen der Unwissenden vorhanden. Ob auch in diesem Landstrich Ahnen hinter den Quellen und Seen stehen. Hat dieses Dorf die Herren der blauen Massen erzürnt und ist dies nun ihre Bestrafung? Falls ja, muss hier schreckliches Geschehen sein, was eine solche Ausrottung rechtfertigen würde.

Dann wird der junge Mann aus seinen Gedanken gerissen, als Freydis sie auf den Reiter aufmerksam macht. Sein Blick bleibt nur kurz auf der Gestalt hängen und schweift dann wieder hinüber zu dem Herrenhaus, aus dem er kommt. Hjalmarr zieht die Augenbrauen nach oben und beschleunigt seinen Schritt etwas.

"Ich glaube, wir bekommen Besuch vom hohen Adel dieses dem Untergang geweihten Dorfes. Hören wir uns an, was er in einer solch schweren Stunde zu verkünden hat." Spöttisch seufzend muss der junge Mann lachen, was sich durch seine hässliche Narbe im Gesicht zu einem ungesunden Röcheln wandelt.

"Ob sie uns zu einem Umtrunk laden, um unsere Hilfe zu erkaufen?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Khenubaal am 26.01.2017, 14:31:44
Als Aeryn ihre Fragen an Frida stellt, senkt die Bäuerin zunächst den Kopf. "Sicher - unsere Vorräte gehen zu Neige. Aber jeder der rausgeht - all die Leichen... jeder, der rausgeht, steckt sich irgendwann an. Die meisten wollen warten, bis Hilfe eingetroffen ist."

Die Frage nach dem Gottesmann ist ihr sichtlich unangenehm. "Ja - Pater Halfir ist unser Abt. In der Nacht... da ist keiner hingegangen. Ihr müsst das verstehen: die Schreie waren so unwirklich, so unmenschlich. Und dazu der Sturm. Das konnte man von den Leuten nicht erwarten..." Frida versucht ihre Mitmenschen zu verteidigen, doch so wie ihre Stimme stockt, macht sie sich und diesen selbst wohl Vorwürfe. Dann hält sie inne, fängt sich und hebt den Kopf, schaut Aeryn und Talahan an. "Wir sind am nächsten Morgen hin. Aber das Tor zum Klostergelände war verschlossen. Wir warteten bis zur Stunde des Morgengebets, wenn immer Bruder Jarus aufschloss. Doch niemand kam. Nicht Bruder Jarus, nicht Pater Halfir und auch niemand sonst. Egal, wie lange wir warteten, oder riefen. Einzubrechen wagten wir nicht. Das wäre ein Sakrileg gewesen. Jetzt, wo die Seuche ausgebrochen ist, wünschte ich, wir hätten es getan, aber jetzt traut sich keiner mehr heraus."

Bei der Erwähnung des Fürsten huscht ein spöttisches, trauriges Lächeln über Fridas Gesicht: "Soren, der alte Tattergreis hatte schon vorher kaum die Kraft, sich um Ansdag zu kümmern. Von dem erwarte ich keine Hilfe. Dann eher noch von den heidnischen Ahnengeistern, als von dem..."

Dann stockt sie und bricht ab, ihr Blick geht den Hang hoch Richtung Hufgetrappel. Auch Talahan und Aeryn folgen dem Blick und bemerken den Reiter, der sich dem Dorfplatz nähert. Während Aeryn ihre letzte Frage stellt und sich nach den Karawanen erkundigt, erreicht der Reiter den Hofplatz. Es ist ein junger Mann mit buschigen Augenbrauen und braunem Vollbart. Lockiges Haar quillt unter dem einfachen Spitzhelm herunter. Der Sichtschutz ist hochgeklappt, gibt den Blick frei auf grüne Augen und eine markante Nase. Das Wams ist einfach, abgenutzt, aber gut in Schuss und verschnürt. Metalerne Schulterschützer und ein ebensolcher Wappenrock glänzen in der Sonne. Die Hose endet in Reiterstiefeln. Der Rundschild ist auf dem Rücken. Eine Auswahl an Klingen und Wurfäxten ziert die Seite des Rappens.

"Mein Prinz", murmelt Frida und senkt den Kopf. "Wie schön, Euch zu sehen." Aeryn hört die Anrede und erkennt auf der Brust des Reiters zwei Fische, die im Kreis hintereinander schwimmen. Es sieht so aus, als würden die beiden jeden Augenblick die Schwanzflosse der anderen verschlingen.

Talahan bemerkt den Blick der Elbin. "Das Wappen des Hauses Villag", murmelt er.

Der junge Mann nickt knapp. "Ich nehme an, nicht schöner als sonst, Frida", gibt er zurück. Dann schaut er sich nach den Neuankömmlingen um. Neben Talahan und Aeryn haben auch Abdo, Freydis und Hjalmarr wieder den Dorfplatz erreicht. Als sein Blick die Berührte streift, bleibt er für einen Augenblick haften - als würde er sie wiederzuerkennen versuchen, so kommt es Freydis vor - doch dann schweift er weiter.

"Ich bin Uther Villag", sagt er schließlich. "Mein Vater schickt mich, um nach den Rechten zu sehen und zu Fragen, was euer Begehr in Ansdag ist. Falls ihr von offizieller Stelle kommt, so soll ich euch unterstützen", sagt er laut, während er nacheinander die Gefährten anschaut. Schließlich wendet er sich wieder an Aeryn. "Und um eure Frage zu beantworten: Wir haben beide Karawanen erwartet, doch sie trafen nie ein. Und auch kein Bote aus Kromdag. Dafür wissen wir von Überfällen auf mehrere kleinere Handelstrecks auf der befahrenen Route."

* * *

Bei Lifs Angebot, das Wasser der Gefährten anzunehmen, schaut Solveig überrascht und dankbar auf. "Hab' Dank, Schwester. Deine Gaben sollen nicht vergessen werden", murmelt sie. Tristan kommt es so vor, als würde zum ersten Mal etwas Weiches in der Stimme der gezeichneten Frau mitschwingen.

Vielleicht liegt es auch an seinen nun vorsichtiger und bedachter gewählten Worten. Solveig nickt mehrmals, als er spricht. "Ja, in den letzten Jahren ist der Einfluss der Behadrim immer weiter gewachsen. Seit dem Tod meiner Lehrerin, Sunga, war es schwierig. Aber ich habe der Frau des jungen Fürsten das Leben gerettet, als eine Kehlkopfentzündung sie fast dahingerafft hätte. Seitdem hat er dafür gesorgt, dass die Kuttenträger nicht zu sehr gegen mich hetzen. Und: Es ist eben meine Heimat", erklärt sie. Als Tristan dann den Bach und das Kloster als Untersuchungsziele angibt, nickt sie abermals. "Das ist auch meine Vermutung, ja. Irgendetwas verunreinigt das Wasser. Aber ich schließe inzwischen auch dämonisches Wirken nicht aus", murmelt sie.

Als Lif und Tristan sie überrascht anschauen, zuckt sie mit den Schultern. "Ich bin die Letzte hier, die sowas annehmen würde, aber was ich in der Nacht gehört hab', hab' ich gehört. Das war nicht Pater Halfir. Außerdem: diese Krankheit, diese Vergiftung - sie ist wie keine andere, die ich je gesehen habe. Und außerdem..." Sie stellt sich zu Lif und deutet auf den mit blauen Linien durchzogenen Mann. "Du hast doch gefragt, was er hat", sagt sie.

"Hey, Kleines. Zeig' nicht mit dem Finger auf mich - ist doch unhöflich!", gibt der Greis zurück, doch sein Lächeln verrät, dass er lediglich einen Witz macht.

Solveig grinst. "Dieses Großmaul hier, ist der Graue Barnas. Einer von Dreien hier im Dorf, mit genug Verstand, sich von mir behandeln zu lassen." Sie hält kurz inne und schaut zu Lif. "Aber wenn wir nicht bald eine Lösung finden, wird ihm das auch nicht helfen. Du hast gefragt, was dieser Mann hat. Hätte ich es selbst nicht gesehen, hätte ich es auch nicht glauben können. Er hat das Gleiche, wie der Junge auf dem Tisch. Wenn man das Fieber und die Vergiftung nicht behandelt, dann sterben die Menschen daran. Dann sieht man all das hier nicht. Aber ich habe es behandelt. Bei der dicken Dana, bei Ilf und bei Barnas. Nach etwa ein, zwei Tagen gehen die Schwellungen und das Fieber, die Vergiftungssymptome zurück, aber Brechreiz kommt auf und Durchfall - Verlust von Flüssigkeit und Masse in jedweder Form. Als würde der ganze Körper zurück zu Gaja schmelzen. Die Menschen verdorren."

"Ts, ts, ts", neckt Barnas. "Das ist aber nicht nett, Mädchen." Der alte Mann gibt sich Mühe, fröhlich zu klingen, doch er scheitert kläglich damit.

"Entschuldige Barnas", gibt Solveig zurück. Nach kurzer Pause fährt sie fort. "Die Dicke Dana und Ilf. Beide hatten auch diese blauen Linien. Jeweils ungefähr einen Tag. Zuerst Dana. Zum Abend hin wurde ihr ganz kalt und sie war zu schwach, um sich zu bewegen. Ich dachte, sie erlebt den Morgen nicht mehr, aber dann..." Solveig hält inne, bricht ab.

"Erzähl weiter", sagt Barnas.

Die Heilerin nickt. "Ich bin Nachts aufgewacht, weil Glas zebrochen ist. Ich war schnell auf den Beinen, habe mich ungesehen. Da war ein Fauchen, Krächzen. Ich habe gerade noch rechtzeitig den Umriss in der Dunkelheit erkannt, um ihren Händen - nein - Krallen auszuweichen. Sie wollte mich beißen, mir die Haut von den Knochen reißen. Ich griff nach dem Messer und stach auf sie ein, aber es schien ihr nichts auszumachen. Sie griff immer wieder nach mir. Erst als ich ihr die Klinge durchs Auge in den Schädel rammte, hörte sie auf."

Erstmal kehrt Stille ein. Solveig braucht noch ein paar Sekunden, bis sie wieder fortfahren kann. "Was mit Ilf ist, weiß ich nicht. Als er das mit Dana gesehen hat, ist er fortgerannt. Naja - fortgestolpert. Aber ich konnte ihn da nicht einholen. Wenn er auch zu seiner Dämonenkreatur geworden ist, dann... dann ist es vielleicht wirklich besser, ich behandle die Leute nicht, sondern lasse sie am Fieber sterben. Aber wie soll ich das tun? Ich habe geschworen, dass ich Leben schützen werde - bis wir die Heilung finden", sagt sie trotzig.

Der alte Greis schüttelt den Kopf. "Mir egal, was du geschworen hast, Mädchen", sagt er. "Wir haben es abgemacht. Bevor es heute ins Bett geht, fesselst du mich, und sollte ich der Dicken Dana nacheifern und hier Krächzer von mir geben, dann jagst du mir dein Messer direkt ins Auge - verstanden?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 26.01.2017, 15:18:39
Aeryn nickt Frida ein paarmal zu, während sie ihr erzählt, was geschehen ist. Natürlich war es für einfache Bauersleute wie sie eine weitaus größere Überwindung, sich derart großen Problem zu stellen. Es ist nur natürlich, dass sie sich in ihren Häusern verbarrikadiert haben. Allerdings, wie die Elbin bereits zuvor sagte, würde es ihnen auf Dauer auch nicht helfen. Aber jetzt war ja Hilfe da, sie waren da, und hoffentlich würden sie die Sache wieder in Ordnung bringen und den Dorfbewohnern wieder ein normales Leben ermöglichen können.

Als dann noch Uther Villag angeritten kommt, um seine Hilfe anzubieten, ist Aeryn hocherfreut. Offensichtlich war es bis zum Fürsten durchgedrungen, dass hier Hilfe benötigt wurde, und er war auch gewillt, etwas zu tun.

"Ihr kommt gerade recht ..." Aeryn sucht einen Moment nach einer passenden Anrede, dann fällt ihr ein, was Frida gesagt hatte. "... Prinz."

"Wir sind in der Tat mit einer Aufgabe von Fürst Ayrin betraut worden und von Kromdag aus hierher gereist, um den Verbleib der verschwundenen Karawanen aufzuklären. Doch wie es aussieht, gibt es hier noch weitaus mehr Probleme als das. Wir müssen dringend Zutritt zum Kloster erlangen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Die Priester sind womöglich alle tot. Jedenfalls hat man seit einer Woche nichts mehr von ihnen gesehen und die Klostertore blieben seitdem verschlossen. Und dann gibt es auch noch eine Seuche, die Mann und Tier dahinrafft, deren Ursache noch unklar ist," fasst die Elbin in Kürze die wesentlichen Probleme zusammen, die ihnen bislang bekannt sind.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 26.01.2017, 16:43:33
Zustimmend neigt Lîf bei Solveigs Worten ihren Kopf. "Ich bin eine Dienerin Gayas wie du – ich gehorche nur Ihrem Befehl" meint sie mit dem Anflug eines Lächelns. Sie beugt sich über den Kranken, um ihm mit sanfter Geste das wirre Haar aus der Stirn zu streichen, als ihr Mann sie umdreht, in seine Arme schließt und ihr leise ins Ohr flüstert. Für die Dauer eines Herzschlags steht sie reglos, als wisse sie gar nicht recht, wie sie reagieren soll. Doch dann legen sich ihre Hände auf seinen Rücken, sie erwidert seine Umarmung und wispert zurück: "Gudinden har hendes kærlighed plantet i mit hjerte. Jeg er bare hendes hånd."[1] Dabei legt sie ihre Wange an seine Brust, schaut zu ihm hoch, und zum ersten Mal seit Tagen werden auch ihre Züge weicher. Mit einem ebenso weichen, warmen Leuchten in den Augen lässt sie ihn die Umarmung lösen und sieht ihm nach, wie er einige Schritte geht. Oh ja, sie hat ihren Streit mit ihm, und ganz gewiss wird sie nicht so einfach nachgeben – er muss sich noch warm anziehen! Aber doch zeigt er manches Mal etwas, das nicht nur das Weib in ihr betört, sondern sie auch glauben lässt, dass er in seinem Herzen wirklich anders ist als die rauen Kerle, unter denen sie zu leben gezwungen war, seit sie sie entführten. Er ist ein guter Mann, unter der Schale, die er sich unter diesen Spießgesellen zugelegt hat...

Dann wendet sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer Schwester im Geiste zu und nickt kaum merklich zu deren Worten. So ist das Schicksal einer Gayadienerin: Ihr ist ein göttlicher Auftrag gegeben, der sie anhält, die Liebe und Wärme der Großen Mutter an die Menschen weiterzugeben, all ihrer Dummheit, ihrem Hass und ihrer Ungerechtigkeit zum Trotz. Weiber wie sie kämpfen nicht minder hart oder zäh als ein Mann mit der Waffe in der Hand – nur auf andere Weise. Es ist der Kampf gegen die Böswilligkeit, die Missgunst und den Unglauben... und oftmals gegen den eigenen Stolz und Trotz. Sie kann Solveig gut verstehen, das Dilemma der Gezeichneten. So hört sie auch sehr aufmerksam zu, als die andere Frau die dämonischen Kräfte schildert, die offenbar in den Kranken schlummern. "Sie scheinen vom Hauch des Bösen berührt..." murmelt sie leise, während sie den tapferen Alten mustert, der trotz seiner schweren Erkrankung so sehr darum kämpft, munter zu erscheinen. Dass er dabei auch ein wenig aufschneidet, nimmt sie ihm nicht übel. So sind die Männer eben... Doch sie fühlt mit den Erkrankten, in ihrem Blick liegen dieses Mitgefühl und eine gewisse Neugierde gemischt, als sie sich ihm nähert und die Zeichnungen auf seinem Körper sehr eingehend betrachtet. Dabei streckt sie die Hand aus, wird ihn jedoch nicht berühren, so er vor ihr zurückschreckt.

Die junge Frau wendet ihren Blick schließlich wieder Solveig zu. "Ich glaube, er hat recht: Wir sollten ihn sorgfältig fesseln, um sicherzugehen. Doch ehe wir nicht alles versucht und keinerlei Hoffnung mehr haben..." Ihre rote Mähne wirbelt herum, als sie mit blitzenden Augen den alten Mann ansieht. "...werden wir den letzten Schritt nicht ins Auge fassen. Das lasse ich nicht zu!" Nun klingt sie entschlossen. Als Tochter Gayas ist Lîf nicht weichlich, noch hätte sie Skrupel, einen Leidenden auch durch den Tod zu erlösen oder andere vor seiner Raserei zu schützen, wenn es unumgänglich ist. Da sie dessen aber noch nicht sicher ist, steht ihr Schwur, das Leben zu wahren und zu hegen, an allererster Stelle. "Noch ist nicht sicher, dass wir dir nicht helfen können, Alterchen – und solange wir das nicht wissen, wirst du nicht mehr davon sprechen" meint sie dann und blickt ihn ernst an, auf ihre Autorität als Heilerin pochend, auch dem Älteren gegenüber, den sie seines Alters wegen respektieren muss. "Bitte, Schwester: Erzähl mir alles, was du noch über diese Seuche weißt" sagt sie dann zu Solveig, während sie schon ihr Kopftuch fasst und es enger um ihre Haarmähne schlingt, damit die rote Pracht bei der Arbeit nicht im Wege ist. "...und wo du diese Dana hingebracht hast, nachdem sie tot war" fügt sie leise hinzu, ganz auf die Aufgabe fixiert, die vor ihnen liegt und in ihren Augen einem göttlichen Befehl gleichkommt.
 1. Värangsk: Die Göttin hat Ihr Liebe in mein Herz gepflanzt. Ich bin nur Ihre Hand.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 27.01.2017, 17:50:24
Eine kurze Berührung, ein warmer Blick: endlich eine Reaktion von Lîf nach einer Woche Dauerfrost! Sein Herz wird ihm leicht—und dann ist sie wieder da, die kalte Schulter.

Was gäbe ich für einen hitzigen Ausbruch! Die sind mir noch tausend Mal lieber als die Kälte...

Während die beiden Frauen mit dem Alten beschäftigt sind und nebenbei hier und dort hantieren, tritt Tristan zu dem—noch immer bewusstlosen? oder regt sich dort was? flattert ein Lid?—Jungen, geht in die Hocke und beginnt zu erzählen. Nach wenigen Worten holt er die Flöte dazu, denn diese Geschichte wirkt, seiner Erfahrung nach, musikalisch untermalt immer besser. Es ist das erste Mal seit Sundheim, dass Tristan zur Flöte greift. Weder gespielt noch gesungen hat er seither, selbst als man ihn darum bat. Nicht einmal zum Broterwerb in ihrer Not hat er es in Betracht gezogen.

"Zu Beginn war das Eis. Wüst und öd war die Welt. Kein Licht gab es, keine Wärme, kein Leben. Nichts regte sich außer den tumben Reifriesen, deren Körper und Gedanken aus Eis bestanden, die weder Gefühl noch Verstand noch ein schlagendes Herz besaßen und statt fünf Sinnen einen einzigen, das Gehör, mehr brauchten sie nicht, und ihre Sprache war der pfeifende Wind, ihre Rufe sein Heulen in Gletscherspalten. Nicht einmal Gaja, die man später die Große Mutter nannte, hätte sie als Leben bezeichnet."

Die Erzählung gelingt ihm leidlich, das Flötenspiel weniger, denn hier sind seine Erwartungen an sich selbst größer.[1] Aber wie immer um diese Jahreszeit wollen seine Hände nicht so, wie er will. Auf Fahrt hat das nie etwas ausgemacht, da verlangten die Brüder nach einfachen, lustigen Weisen, die sie betrunken mitgrölen konnten. Dass Tristans vom Rudern steife Finger mal daneben griffen oder er ein paar Töne ausließ, bemerkte keiner von ihnen. Daheim auf Jarlsö dauerte es dann immer den halben Winter, bis seine Hände schwielenfrei waren und die Finger durch unermüdliches Üben wieder ausreichend gelenkig und Tristan endlich auch wieder solche Melodien spielen konnte, die aus seiner Seele sprachen.

"Und so verbrachte die Göttin ein ganzes Zeitalter allein in der Kälte und der Dunkelheit. Eines Tages aber begann ihr Leib anzuschwellen. Ein Berg erhob sich in ihrer Mitte, streckte sich hoch und immer höher in die kalten Lüfte empor, bis er an seiner Spitze schließlich aufbrach und einen riesigen Feuerball zum Himmel hinaufspie. So enstand die Sonne. Und ihre Wärme schmolz das Eis zu Wasser, welches sich in Bächen, Flüssen, schließlich in Meeren sammelte. Und überall, wo Wasser war, ergrünte das Erdreich. Doch noch immer spie und spuckte der Berg Feuer. Funken sprangen zum Himmel hoch und wurden zu Sternen, flüssiges Feuer lief die Berghänge hinab, immer langsamer, zäher, kälter werdend, bis sich endlich sechs Riesen daraus erhoben, halb Flamme, halb Lavastein. Dieses waren Gajas erste Kinder: die Sonne und die Feuerriesen."

Warum er ihm die Geschichte erzähle? Weil er seine Meinung hören wolle, so von Mann zu Mann. Erscheint Lîf, sein Weib, einem nicht manchmal—so auch jetzt, wie sie sich vor dem grauen Barnas aufbaut mit blitzenden Augen in rotem Gesicht und der Widerschein des nahen Herdfeuers tanzt in ihrem flammendrotem Haar—als sei sie die fleischgewordene Wiedergeburt des Brandbjergs in der Mitte der Welt, kurz vor seinem Ausbruch, zumindest aber Nachfahrin eines Feuerriesen, jedenfalls eine entfesselte Naturgewalt? So fragt Tristan den Jungen ganz leise an dessen Ohr.[2]

Er erhebt sich, steckt die Flöte zurück unter seine Kleidung und setzt den Gang durchs Zimmer fort. Dabei denkt er über Solveigs Worte nach und auch die des grauen Barnas. Seine Schlussfolgerungen spricht er unumwunden aus: "Also müssen wir im Kloster nicht nur mit toten Mönchen rechnen, sondern auch mit solchen Ungeheuern. Zu Beginn werden sie ihre Kranken ja wohl noch versorgt haben." Er bleibt stehen, sucht Solveigs Blick. "Im Ort gab es auch Fälle, stimmt's? Deshalb wollte der Vater nicht, dass wir uns um seinen Sohn kümmern. 'Lasst ihn in Frieden zu Gott gehen!'—sprich: nicht zu einem Monster werden. Das meinte er damit."

Nachdenklich reibt er sich den Kiefer und hat schließlich noch eine Frage. "Du sprichst von Krallen und Fauchen. Ja, hat diese Dana sich richtig verwandelt? Dann kann es doch keine Frage mehr sein, ob die Ursache natürlich oder dämonisch ist. Oder waren die Veränderungen nicht so eindeutig? Was hat deine Untersuchung der Leiche ergeben?"

Schnell ist Tristan an der verschlossenen Tür, hinter welcher er Danas Leiche wähnt, und drückt die Klinke.
 1. Perform (oratory) = 16; perform (wind) = 17 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1023733#msg1023733)
 2. Wenn Lîf die Ohren spitzt, kriegt sie's mit.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 28.01.2017, 13:27:03
Als die kleine Gruppe um Abdo den Dorfplatz erreicht, sind Talahan und Aeryn bereits in ein Gespräch mit einer der Dorfbewohnerinnen vertieft, bevor der berittene Neuankömmling die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Seinen Worten und auch seiner Aufmachung entnimmt der Mönch, dass es sich um einen lokalen Würdenträger handelt, offenbar den Sohn des Fürsten.
Jedoch ist Abdo überrascht, dass der Prinz die schlimme Lage dieser Dorfbewohner mit keinem Worte benennt. Wenn der Fürst Kunde von ihrer Ankunft in Ansdag hatte, so muss er auch Kenntnis über die Seuche haben. Wo also ist die Hilfe, und wenn sie nur aus Soldaten besteht, die die Leichen der Toten verbrennen? Wieso kommt dieser Mensch seiner heiligen Pflicht nicht nach, seinen Schutzbefohlenen zu helfen?

Aeryn allerdings scheint an dieser Tatsache nichts zu finden - war solch ein Verhalten in diesem Land vielleicht normal? Je länger er hier ist, desto mehr wundert Abdo sich darüber, dass es den Einwohnern von Dalaran offenbar so lange gelungen ist, den Shetani zu widerstehen.
Nichtsdestotrotz hält der Mönch es an der Zeit, den jungen Prinzen an seine Pflichten zu erinnern.
"Prinz Uther Villag, seid gegrüßt! Wie meine Gefährtin bereits sagte, ist der eigentliche Grund unseres Hierseins im Moment nicht wichtig, denn hier wütet eine Seuche, wie ihr als Schutzherr dieses Ortes ja sicherlich wisst. Wir haben inzwischen herausgefunden, dass das Wasser des Flusses schuld an der Krankheit ist. Irgendwo im oder in der Nähe des Klosters muss etwas den Fluss verseuchen, weshalb wir dringend dorthin reisen müssen, um die Ursache herauszufinden und die Verseuchung zu beenden."
Das müsste als Erklärung der Situation eigentlich ausreichen, findet Abdo, und so fährt er fort:
"Ihr solltet den Leuten sagen, dass sie das Wasser aus dem Fluss nicht weiter trinken sollen, wenn es sich vermeiden lässt. Auf Euch werden sie hören. Wenn es denn nicht anders geht, sollen sie das Wasser vorher erhitzen oder mit Alkohol mischen, um die bösen Geister zu vertreiben." Abdo hat beschlossen, dass diese Menschen auf Geister wohl eher reagieren würden als auf eine rationale Erklärung. "Und um Aris Willen, sorgt dafür, dass jemand die Kadaver außerhalb des Dorfes verbrennt. Schickt Eure Soldaten! Umso schneller wir zum Kloster aufbrechen, desto schneller wird das Wasser wieder sicher sein."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 09.02.2017, 09:44:32
Hjalmarr begutachtet den jungen Mann auf seinem hohen Ross argwöhnisch. 'Der hohe Adel des Dorfes. Polierte Rüstung, maßgeschneiderte Kleidung und gutgeschliffene Waffen. Wie man es erwarten würde von Leuten, die glauben, sie seien etwas besseres. Vermutlich haben diese Waffen noch keinen Kampf gesehen. Was ihr Wappen wohl zu bedeuten hat...' denkt er bei sich und kann sich ein verschlagenes Grinsen nicht verkneifen.

"Nun Abdo, ich denke König Villag," betont der Lesdager übertrieben, "beschäftigt gerade genug Soldaten, die seinen Hof schützen können, denn sonst hätte er längst sicher allen voran mit seinem Sohn das Kloster gestürmt, um die Behadrim um Hilfe zu ersuchen, aber auch um herauszufinden, was dort in der Nacht des tobenden Sturms geschehen ist. Liege ich mit meiner Annahme richtig, Prinz?" Hjalmarrs schneidender Tonfall ist leicht zu erkennen, jedoch wartet er trotz seiner angebrachten Spitze gespannt auf eine Antwort.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 14.02.2017, 19:34:01
Derart aus drei Richtungen bestürmt, lässt der Fürstensohn den Blick mehrmals abschätzend über die vor ihm Versammelten schweifen, vielleicht um sich die Zeit zu verschaffen, die ernst gemeinten Anfragen vom Spott zu sortieren. Vielleicht ist er es auch einfach nicht gewohnt, dass Fremde ihn so formlos ansprechen und bedrängen, ihm gar—ohne sich vorzustellen oder ihren Rang kundzutun—Vorschläge unterbreiten, die in ihrer Direktheit Anweisungen ähneln. Doch anstatt dies anzusprechen, schluckt er sichtbar, und nur an seiner säuerlichen Miene lässt sich erraten, wie ihm das geschmeckt hat, was er da gerade ungesagt schlucken musste.

"Also erst einmal stimmt es nicht, dass die Klostertore seit einer Woche geschlossen sind", widerspricht er zunächst der Elbin. "Als mich gestern ein Auftrag meines Vaters dorthin führte, wurde ich eingelassen, und mir ist auch nichts Ungewöhnliches dort aufgefallen. Wenn ihr eure Zeit unbedingt verschwenden wollt, reitet dorthin und überzeugt euch selbst. Haben die Leute hier im Dorf euch etwa erzählen wollen, die Priester seien alle tot? Ich frage mich, woher sie das wissen wollen, wenn sie ihre Häuser nicht verlassen und sogar die allernötigste Arbeit auf den Feldern liegenlassen."

Das letzte klingt ein wenig scharf, doch sofort hält er inne, als schelte er sich selbst, und fährt darauf in gemäßigterem Ton fort: "So fromm die Leute hier auch sind, so abergläubisch sind sie gleichzeitig. Hinter jeder Dürre, jeder Krautfäule, jeder Mutterkorn-Vergiftung, jedem verendeten Schaf wird gleich dämonisches Tun oder zumindest ein Hexenwerk vermutet. Was soll es diesmal gewesen sein? Woran starben der Gaul dort und das Schwein da drüben: Dämonenseuche oder bösem Zauber?" Sein tiefer Seufzer kommt von Herzen. "Auch wenn man es ihnen so recht eigentlich vielleicht nicht verdenken kann. Die Angst sitzt uns allen im Nacken." Mit einer halben Drehung des Kopfes deutet Uther nach Süden, Richtung Gjolkard-Wall, momentan natürlich nicht zu sehen, da man direkt vor einer Häuserreihe steht.

"Zweitens haben die Mönche längst die Ursache für die Verunreinigung des Flusses gefunden und beseitigt—eine unglückliche Anhäufung von Tierkadavern auf halber Strecke zwischen Kloster und Dorf, geschuldet dem Sturm und einem Dummkopf, der seine Schafe nicht sicher genug untergebracht hat, sodass der Bach, als er über die Ufer trat, die halbe Herde mitriss. Drittens sind zehn der zwölf Gefolgsleute meines Vaters bereits seit fünf Wochen unterwegs, um die Räuberbande zu jagen, die hier ihr Unwesen treibt. Vor acht Tagen kam Rapport, man sei endlich dem Lager auf die Spur gekommen, von dem aus die Angriffe gestartet würden—seither nichts mehr. Und dabei ist es nur eine Tagesreise dorthin. Also wenn Fürst Ayrin euch tatsächlich damit beauftragt hat, nach verschwundenen Karawanen zu fahnden—endlich jemanden, es wurde auch Zeit!—dann tut doch bitte genau dies, statt nach den Ursachen der 'Dämonenseuche' zu suchen, welche nur in den Köpfen der Leute existiert. Ich kann euch alle Information mitgeben, die mich bisher erreicht hat, und einen Mann, der die Gegend kennt und euch zum vermuteten Räuberversteck führen kann. Was sagt ihr?"

Uther bemüht sich sogar um ein Lächeln.

~~~

"Halt!" ruft Solveig noch, da hat Tristan schon die Tür aufgestoßen und einen Schritt in den Raum dahinter getan. Er befindet sich in einer Schlafkammer. In einer sehr unordentlichen Schlafkammer. Das Bett ist wild durchwühlt, überall, auch auf dem Boden verstreut, liegen weibliche Kleidungsstücke. Das heißt, wenn man etwas genauer hinschaut, sind sie zu einem gewissen Anteil mit männlichen vermischt. Womöglich gehörten diese dem bereits erwähnten Jan, der in der Sturmnacht leider nicht hier gewesen ist, dem Solveig aber den Mut zutraute, zum Kloster zu eilen, um nach dem Rechten zu sehen?

Viel zu lange steht Tristan da, vor diesem eindeutig privatem Refugium. Da er sich für einen gänzlich anderen Anblick gewappnet hat, benötigt er einfach so lange, um das Gesehene zu verarbeiten und den richtigen Schluss daraus zu ziehen: Rückzug! Bevor die Tür aber wieder ins Schloss fällt, bemerkt er noch den großen Spiegel an der Wand direkt über dem Bett. Ein schönes Stück mit filigran verziertem Silberrahmen. Als erfahrener Seeräuber fragt er sich nicht: Wo hat Solveig den her? sondern nur: Was mag der wert sein? Auf so kurzen Blick schwer zu schätzen. Von dem Erlös jedenfalls wären Lîf und er mühelos bis zu ihren Eltern gekommen. Bei sparsamem Wirtschaften hätte man wahrscheinlich ein halbes Jahr davon leben können.

"Entschuldigung", sagt er. "Ich hatte geglaubt, die dicke Dana befände sich dahinter."

Solveig antwortet nicht sofort. Sie hat genug damit zu tun, nach Luft zu schnappen.

"Hinten", bringt sie schließlich hinaus, "im Garten. Beerdigt. Hätte sie lieber verbrannt, aber Feuerbestattungen sind hier verboten. Heidnischer Brauch. Böse! Das Verbrennen von lebendigen Hexen dagegen ist natürlich gottgefällig." Luft ein. Luft aus. Luft ein. Der Blick streift Lîf, doch selbst das lässt Solveigs Miene nicht milder werden. Diesmal nicht. "Eine Schaufel findest du im Verschlag hinter meiner Hütte. Bedien dich! Richtung Meer, gleich bei den Dornensträuchern, da musst du graben!"

Lîfs erste Frage scheint Solveig darüber völlig vergessen zu haben. Und Tristans sowieso.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 15.02.2017, 09:55:11
Aeryn stutz zunächst, als der Sohn des Fürsten seine Erklärungen darbietet. Es klang alles ein wenig zu gut, um wahr zu sein. Frida hatte ihnen erzählt, dass sie am Tag nach dem Sturm beim Kloster waren und seitdem wahrscheinlich nicht mehr. Vielleicht gab es tatsächlich eine einfache Erklärung dafür, dass die Klostertore an diesem Tag verschlossen waren und die Priester bis heute nicht ins Dorf gekommen sind. Vielleicht ging dort wirklich alles seinen normalen Gang und Prinz Uther hatte die Wahrheit gesagt.

Ihre erste Reaktion ist ein Blick in Fridas Richtung. Sie hatte ihnen schließlich erzählt, dass das Kloster geschlossen war. Wie reagierte die Frau auf Uther Villags Worte, die sie im Prinzip der Lüge bezichtigten? Sie hatte zumindest bislang nichts dazu gesagt. Im Endeffekt würden sie sich selbst ein Bild machen müssen, aber da kommt Aeryn ein Gedanke, etwas was Fürst Ayrin ihnen mit auf den Weg gegeben hatte.

"Das sind gute Nachrichten, Prinz. Ihr solltet es den Leuten nachsehen, wenn sie in Zeiten wie den unseren, in denen Dämonen von allen Seiten in unser Land eindringen, ihr Wirken überall dort sehen, wo eine einfachere Erklärung bislang nicht vorhanden ist. Natürlich werden wir uns dieses Räuberversteck ansehen, deswegen sind wir schließlich hier. Aber zunächst sollten wir zum Kloster, um mit dem Abt zu sprechen, so wie Fürst Ayrin es uns aufgetragen hat. Vielleicht wollt ihr uns ja begleiten?"

Dass sie gewisse Zweifel an seinen Worten hat und diese durch einen Besuch beim Kloster überprüfen will, sagt die Elbin natürlich nicht. Aber sie ist gespannt darauf, wie er reagieren wird. Wird er ihnen ausreden zum Kloster zu gehen, die Dringlichkeit der Räuber in den Vordergrund stellen? Etwas in dieser Richtung würde sie jetzt eigentlich erwarten. Außerdem ist da immer noch Frida, vielleicht hat die Bäurin auch noch etwas zu dem Gespräch beizutragen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 17.02.2017, 14:45:49
Abdo blickt sich um: Was er sieht, konterkariert die beschwichtigenden Worte des Edelmannes. Selbst wenn er mit seinen Aussagen recht hat, durfte das doch keine Entschuldigung dafür sein, diesen Leuten hier nicht zu helfen. Denn dass hier Krankheit und Elend herrschen ist offensichtlich. Was der Mann sagt, passt jedoch zu Abdos Vermutung, dass irgendwo etwas den Fluss verseucht hat. Wenn das Problem nun tatsächlich gelöst ist, umso besser.

Dennoch erinnert er sich auch an die Worte des Fürsten, der das Geschlecht der Villag mehr oder minder als unwichtige Provinzler beschrieben hat, die unter der Fuchtel der Mönche im Kloster standen. Daher stimmt er Aeryn zu, dass sie zunächst mit dem Abt sprechen sollten.
"Das ist richtig, unser Auftrag lautet, zunächst mit dem Abt zu sprechen. Am besten schickt Ihr Euren Mann mit uns mit, so dass wir uns im Anschluss direkt zu den Räubern aufmachen können. Dennoch wäre es gut, wenn jemand helfen würde, hier aufzuräumen und die Dorfbewohner zu beruhigen. Wenn Ihr keine Männer entbehren könnt, sollten wir anpacken. Umso schneller können wir uns unserem eigentlichen Auftrag widmen. Am besten wird es sein, außerhalb des Dorfes einen Scheiterhaufen zu errichten, auf dem wir die verseuchten Tierkadaver verbrennen können."

Abdo sieht sich noch einmal um und blickt dann erwartungsvoll zu seinen Gefährten. Weitere Worte erscheinen ihm überflüssig, nun müssen Taten folgen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 18.02.2017, 15:12:23
Als Tristan auf die Tür zu tritt und Solveigs Ruf hinter ihm erschallt, schaut Lîf auf. Auch sie öffnet den Mund und rafft schon ihr Kleid, um ihm energischen Schrittes nachzugehen, da hat er die Tür bereits geöffnet. Mühsam beherrscht presst sie die Lippen zusammen. Männer..!! Konnte er seine Ungeduld nicht zügeln?! Sie brauchen doch das Vertrauen ihrer Schwester im Glauben dringend – und da platzt er einfach so ohne deren Erlaubnis in diesen Raum hinein... Sie schließt für einen Moment die Augen und seufzt lautlos, da er viel zu lange in der Türöffnung stehen bleibt und Solveigs Empörung so offensichtlich wird, dass man keine empathische Begabung braucht, sie zu spüren. "Ich entschuldige mich bei dir für Tristans Voreile, Schwester. Er meinte es gewiss nicht respektlos, sondern wollte nur helfen" sagt sie leise zu Solveig gewandt. Es kratzt schwer an ihrem Stolz, um Verzeihung für den Fehlgriff ihres Mannes zu bitten, doch alles andere wäre ein Hemmnis für die Ausübung ihrer Pflichten als Heilerin an diesem Ort.

Daher schluckt sie ihren eigenen Zorn mit einiger Mühe hinunter, blickt zwischen beiden hin und her und bringt es zu ihrer eigenen Überraschung fertig, in sanftem Ton zu ihm zu sagen: "Bitte, schließ die Tür wieder, Mann. Wir müssen unsere Gastgeberin und ihre Wünsche achten." Dann schaut sie zurück zu Solveig. Immerhin hat sich nun auch Tristan bei ihr entschuldigt, und einen sehr großen Schaden – abgesehen von der Verletzung der Gefühle der Frau – hat er nach Einschätzung des Rotschopfs ja nicht angerichtet. Kaum merklich nickt sie ihm beruhigend zu, als die Hexe ihn anfährt, denn sie weiß, dass er fast ebenso stolz und reizbar sein kann wie sie selbst. "Vielleicht kannst du ja den anderen draußen helfen? Das hier im Haus ist Weiberarbeit, also überlass es am besten uns Weibern." Um doch noch eine Antwort zu erhalten, aber auch um die Wogen noch weiter zu glätten[1], wendet sie sich schließlich wieder an Solveig: "Diese Seuche – bitte, ich möchte gern alles darüber wissen, damit ich helfen kann."
 1. Falls ich Diplomatie oder ähnliches würfeln soll, bitte bescheid sagen
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 19.02.2017, 14:32:59
Freydis erkennt das Wappen der Villag sofort als sie mit Abdo und Hjalmar zum Dorfplatz zurückkehrt.
Normalerweise würde sie das Wappen eines kleinen nicht Albionschen Klans nicht umbedigt erkannt haben,
Aber erstens herrschen die Villag über den Ort an dem angeblich der Prophet des einen Gottes dass erste mal Dalaranschen Boden betreten hat und zweitens hat Soren, "der Vielgeliebte" sich einen zweifelhaften Ruf erworben.[1] "Fünf Ehefrauen, aber nur ein überlebendes Kind." ginng ihr durch den Kopf was sie über den alternden Fürsten Soren gehört und gelesen hat. "Das ist dann wohl Uther, der Erbe, über dreißig, seit was, drei Jahren?, verheiratet und noch kein Erbe bekannt? - der letzte aus einem sterbenden Haus, und wenn das hier typisch für die Art ist wie sich die Villag um die Menschen unter ihrer Obhut kümmern, können sie kaum früh genug aussterben." denkt sie verächtlich. Weder ihr Vater noch ihr Bruder hätten solche Zustände je in Edthgo-Landen geduldet, weder die Unordnung noch die Unwissenheit und den Aberglauben der Bevölkerung. "Allerdings würde Redwald seine Autorität auch nicht von eine Horde hergelaufener Mönche und Priester unterwandern lassen, wie Soren es getan hat. - und wenn das hier typisch für den "Segen" des einen ist, dann möge Gaja Albion und Dalaran davor bewahren."
Skeptisch und eisig musster sie den Erben des Hauses Villag als dieser sich und sein Haus rechtfertigt.
Zu gerne würde sie ihn fragen, warum, wenn die Ursache der Pestilenz bereits bekannt und beseitigt ist, erst jetzt jemand die Dörfler informiert und von ihrer Panik erlöst. Warum keine Hilfe im Dorf ist die beim Aufräumen und bei der Pflege der Kranken und der Beerdigung der Toten hilft. Aber erstens würde das wohl kaum helfen und zweitens ihre eigene Tarnung gefährden. Sie hat nicht die Absicht, sie leichtfertig als Adelige zu erkennen zu geben. Also überlies sie Abdo das Wort. Als der aber vorschlägt das Kloster aufzusuchen schüttelt die Berührte den Kopf. Sie wird sich nicht frewillig in die Gewalt einer Horde Fanatiker des einen Gottes begeben, schon gar nicht inmitten einer Krise in der die Herren fast sicher nach einem passenden Sündenbock suchen. "Ich bezweifle sehr, dass ich in dem Kloster willkommen wäre. Ich bleibe lieber hier und helfe Solveig und Liv wo ich kann."
 1. Knowledge Nobility 20. Komplette Antwort, s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1024469#msg1024469). [Edit Gaja].
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 19.02.2017, 17:44:44
Es wird vieles gesagt, vieles wohl auch verschwiegen. Besonders Freydis scheint für jedes Wort, das sie ausspricht, fünf zu verschweigen, denkt sich Aeryn. Aber ihr besonderes Augenmerk gilt Frida und deren Reaktion auf die Neuigkeiten. Das Gesicht der einfachen Bauersfrau zeigt eine Abfolge von Gefühlen. Offenbar hat sie nie gelernt, diese zu verbergen. Bei Uthers Worten weiten sich zunächst ihre Augen und der Mund steht ihr offen, als traue sie ihren Ohren nicht, was sie da zu hören bekommen. Dann schaut sie verwirrt. Dann verunsichert. Dann runzelt sie die Stirn, als denke sie nach. Der verwirrte Ausdruck kehrt zurück, dennoch schüttelt sie leicht den Kopf. Als im Gespräch eine längere Pause entsteht, öffnet sie den Mund und holt tief Luft, doch nach einem Blick in Uthers Richtung schließt sie ihn wieder und sieht zu Boden.

Uther beachtet die Frau nicht, sondern schaut die Gesandten aus Kromdag einen nach dem anderen an. Etwas scheint ihn zu ärgern, denn seine Miene wird schon wieder säuerlich. Nur kurz lässt er die vier über den Grund rätseln, dann platzt er heraus: "So, euer Auftrag lautet also, zunächst mit dem Abt zu sprechen! Nicht mit dem eigentlich zuständigen Fürsten! Wer hat denn dem Haus Bulvaj einen Treueeid geleistet: Halfir oder Vater?"

Freydis muss zweimal hinschauen, um sich sicher zu sein, dass dem Mann dabei kein Geifer von den Lippen tropft. Da scheint einer ihre Meinung über Pfaffen zu teilen! Ihre Blicke treffen sich. Ein seltsames Gefühl der Vertrautheit verbindet Freydis auf einmal mit dem ihr fremden Mann—trotz oder vielleicht wegen der abfälligen Gedanken, die sie sich vor einem Augenblick über ihn und sein Haus gemacht hat. Doch dann ist das Gefühl auch schon wieder verflogen.

Leicht errötet, fährt Uther fort: "Schön, wenn das euer Auftrag ist, dann will ich euch da nicht reinreden. Aber zum Mitkommen sehe ich keinerlei Anlass. Was ich dagegen tun kann: hier im Dorf für das Verbrennen der Tierleichen zu sorgen. Ihr wollt nicht wirklich den halbverwesten Gaul da bis zum Dorfrand schleppen? Helft mir nur, ihn hier in die Mitte des Platzes zu zerren, und das Schwein dazu, dann sollen die Leute hier Stroh und Feuerholz rausgeben, und schon ist die Sache erledigt. Schau nicht so erstaunt, Frida. Ich bin kein Tattergreis wie mein Vater, ich kann mitanpacken."

Und er krempelt sich bereits die Ärmel hoch.

"Und wegen des Räuberlagers... Heute wollt ihr da bestimmt nicht mehr los." Er nickt in Richtung Sonne, die bereits deutlich im Westen steht. "Ich schicke euch also morgen meinen Mann hierher ins Dorf. In den 'Bunten Hahn'?"

~~~

Solveig schickt Tristan noch einen bösen Blick hinterher, dann schüttelt sie den Kopf und gleichzeitig damit den Ärger ab. Zumindest glättet sich ihre Miene und ihre Stimme klingt ruhig, als sie Lîf antwortet.

"Ich habe dir schon fast alles gesagt, was ich weiß. Am schlimmsten gewütet hat die Seuche unter dem Vieh, da ist gut die Hälfte verreckt, nämlich alles Vieh, das am Bach getränkt wurde. Das, welches nur Regenwasser bekam, blieb bis jetzt verschont. Dafür findet man überall wilde Tiere, Eichhörnchen, Hasen, Marder, Füchse, Bachstelzen—alle verendet. Sogar die Ratten. Von den Leuten im Ort hat es ein gutes Dutzend dahingerafft. Einzelheiten weiß ich aber nur von den dreien, die meine Hilfe suchten. Dana kam als erstes zu mir. Drei Tage nach dem Sturm habe sie am Bach Wäsche gewaschen, erzählte sie. Plötzlich sei das Wasser, ihre Hände, die Wäsche, alles schwarz gewesen. Ein schwarzer Teppich sei da auf dem Bach geschwommen, wie Algen oder Öl, aber es sei weder noch gewesen, obwohl es sich ähnlich widerlich anfühlte. Wäre sie nicht so auf ihre Arbeit vertieft gewesen und hätte früher einmal davon aufgesehen, hätte sie den Teppich vorher bemerkt und würde vielleicht noch leben..."

An dieser Stelle schleicht sich ein Zittern in Solveigs Stimme und sie wendet sich ab. Eine geraume Weile bleibt es still, da mischt der graue Barnas sich ein. "Es war nicht deine Schuld, Mädchen. Du hast getan, was du konntest—und was du musstest." An Lîf und Tristan gewandt, erklärt er noch: "Vorletzte Nacht ist's passiert und dieser Nichtsnutz von Jan war natürlich wieder nicht da. Wie immer, wenn man ihn braucht."

"Weil ich ihn zum Kloster Hildridsrast geschickt habe!" protestiert Solveig, herumwirbelnd.

Der Alte lacht. Genau diese Reaktion hat er offenbar erreichen wollen.

"Jetzt unterbrich mich nicht ständig", schimpft Solveig und fährt, nach kurzem Nachdenken, nahtlos in ihrer Erzählung fort: "Bei Barnas war's ähnlich. Eins seiner Schafe war ins Wasser gestürzt, er ist hinterher und fand sich plötzlich in so einem schwarzen Giftteppich. Du siehst, was das bedeutet, nicht wahr? Man muss das Gift nicht einmal trinken, es wirkt schon bei Hautkontakt. Barnas ist sich zwar nicht sicher, ob ihm nicht Spritzer in den Mund gekommen sind, aber Dana hatte bloß ihre Hände im Wasser. Und Ilf, Ilf hat seinen nassen Hund gestreichelt, der im Bach geschwommen war. Da war es allerdings schon dunkel, ihm ist im Wasser also nichts aufgefallen, aber daheim hat er entdeckt, dass das Fell des Tieres mit schwarzem Schleim bedeckt war.

Man kann also fast verstehen, warum die Leute sich nicht mehr aus ihren Hütten trauen. Das alles ist so seltsam. Die pilzbefallenen Gärten auf der dem Bach zugewandten Seite des Dorfes—wie soll man die erklären? Und Danas Verwandlung! Sie war nackt, muss sich selbst die Kleidung vom Leib gerissen haben, und ihre Haut war schuppig oder borkig, jedenfalls ganz hart, fast wie ein Lederpanzer. Und stark war sie plötzlich. Gekreischt hat sie, das einem das Blut in den Adern stockte, aber kein Wort gesprochen. Nur tierhafte Laute von sich gegeben. Und sie war... sie war... hungrig. Sie hat mir Krallen in den Arm geschlagen und wollte mich in die Kehle beißen."


Zum Beweis schiebt Solveig ihren rechten Ärmel hoch und lockert auch den Verband darunter. Drei parallele, frisch verschorfte Kratzer finden sich darunter. Der Verband geht vom Ellebogen bis fast zur Schulter hoch.

"Jedenfalls weiß ich mir auch keinen Rat mehr. Deshalb habe ich Jan vorgestern mittag, noch bevor das mit Dana passierte, ins Kloster Hildridsrast geschickt. Dort gibt es Heilerinnen. Echte Heilerinnen, keine solche Quacksalber wie die Mönche vom Kloster hier, die einem Menschen bei gebrochenem Arm noch Buße und viel Beten verordnen würden. Aber die Reise nach Hildridsrast dauert anderthalb Tage hin und ebenso viele zurück. Jan kann frühestens morgen mittag zurück sein. Ich hoffe, er kommt mit einer Heilerin zurück. Oder mit einem halben Dutzend. Oder mit Brid. Ja, ich hoffe, er bringt Brid mit."

Dann ergreift sie plötzlich Lîfs Hände. "Ich bin froh, dass du hier bist, Schwester! Du hilfst mir, ja? Ich kann eben nur an einem Ort sein. Solange ich mich um meine Patienten kümmere, kann ich nicht nachschauen, was da los ist am Bach. Ich hab ja versucht, die Männer im Dorf zu organisieren, aber es hat keiner auf mich gehört. Und Jan ganz allein den Bach hinaufschicken, wollt' ich auch nicht. Aber ihr seid zu siebt! Ihr könntet nachschauen! Sechs zum Schutz und eine, die weiß, wonach sie ausschauen muss! Werden die anderen auf dich hören? Du musst ihnen klar machen: alles, was wir über die Ursachen herausfinden, bevor die Hilfe von Hildridsrast eintrifft, kann die Suche nach einem Heilmittel nur beschleunigen und damit Leben retten!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 19.02.2017, 20:50:04
Tristans erste Reaktion auf Solveigs Schelte und, schlimmer noch, die Ermahnung seiner Frau ist tatsächlich der Gang zur Haustür. Schön, wenn er Danas Leiche ausgraben soll, um eine Antwort auf seine Frage zu erhalten, dann macht er das halt! Aber wieso entschuldigt Lîf sich für mich? fragt er sich, als hinter ihm die Tür ins Schloss knallt, dass die Hütte wackelt. Als sei ich ein kleines Kind, das es eben noch nicht besser weiß! Dabei hatte ich mich doch längst selbst entschuldigt. Das muss ja wohl reichen! Hatte der schöne Karl am Ende doch recht, als er meinte, ich hab' mein Weib nicht im Griff? Darf man sich als Mann so etwas gefallen lassen?

Auf halbem Weg um die Hütte herum gelangt Tristan zu dem Schluss: Sie schämt sich meiner. Eine Last bin ich ihr. Ihr rüpelhafter Inselmann, der sich so gar nicht zu benehmen weiß. Keine Tischmanieren, der grobe Kerl, und außer Plündern nichts gelernt! Am liebsten wäre sie mich los.

Als Tristan vor dem erwähnten Werkzeugverschlag ankommt, meldet sich sein Verstand zurück. Zunächst mit dem dringenden Zweifel, ob die Heilerin ihre Aufforderung zum Ausgraben der Leiche ernst gemeint hat. Zum zweiten: Lîf hätte ihn in Kromdag verlassen und sich das letzte Stück zu ihrer Familie mit Leichtigkeit allein durchschlagen können. Wenn sie es gewollt hätte. Also wollte sie es nicht. Vor einer Woche zumindest wollte sie es noch nicht.

Tristan kehrt in die Hütte zurück. Dort erzählt Solveig gerade von einem schwarzen Schleim, der im Bach schwamm, als der graue Barnas ein Schaf aus dem Wasser retten wollte. Tristan lehnt sich mit verschränkten Armen gegen die Wand und lauscht. Ab und zu schaut er zu dem kranken Jungen hinüber. Er schläft. Sogar halbwegs ruhig. Nur ab und an wirft er stöhnend den Kopf herum.

Als Solveig bei ihrer Bitte angelangt, tritt Tristan neben seine Frau. "Einer hört auf sie", sagt er. Das meint er ernst trotz der Selbstironie, die in seinen folgenden Worten mitschwingt: "Das haben wir dir ja soeben vorgeführt." Zu Lîf gewandt fügt er hinzu—in einem Tonfall, den sie nicht zu deuten vermag: "Bitte, wenn du hier dann alles geklärt hast—ich muss mit dir reden. Ich wart' draußen."

Diesmal zieht er die Haustür leise hinter sich zu.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 20.02.2017, 12:52:50
Prinz Uthers Worte klangen wie eine hohle Ausrede und der klägliche Versuch einer Vertuschung der wahren Umstände, doch kann Hjalmarr nicht mehr in seinem Blick und seiner Gestik lesen. Das Einzige, auf was er sich stützen kann, ist sein Bauchgefühl. Als der Adlige so erzürnt auf den Besuch im Kloster reagiert, muss der Lesdager grinsen.

"Wer sagt denn, dass wir nicht wünschen, auch mit eurem Vater Soren zu sprechen. Der Dritte seines Namens, oder war es doch der Vierte?" rezitiert er hämisch Fürst Ayrin, "Wie dem auch sei, wir befolgen nur die uns dargelegte inoffizielle Rangfolge und sprechen daher zuerst mit dem Abt des hiesigen Klosters." fügt Hjalmarr kaltschnäuzig hinzu, wohl weißlich um den Prinzen noch etwas mehr aus der Reserve zu locken.

Er hustet und wischt sich mit der Rückhand über die schreckliche Narbe, ehe er wieder mit gewohnter düsterer Miene weiter fortfährt. "Unser Auftrag dient nicht dazu, den Treueeid eurer Familie oder die Aufrichtigkeit der Behadrim auf die Probe zu stellen. Wir sind hier, um für eure Probleme eine Lösung zu finden und dabei ist es dienlich jede Möglichkeit oder Verbindung zu ergründen, das seht ihr sicher ähnlich."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 20.02.2017, 13:23:52
Noch ein wenig verunsicht ob des plötzlichen Wutausbruchs, der wahrscheinlich sogar mehr den Behadrim als ihnen galt, findet Aeryn im Verlauf des Gesprächs doch, dass Prinz Uther scheinbar auch eine ganz anständige Seite hat. Jedenfalls ist die Elbin für's Erste mit seinen Worten zufrieden und nickt diesem zu.

"Hervorragend! Das halte ich für eine sehr gute Idee," kommentiert sie seinen plötzlichen Arbeitseifer und das Angebot, den Führer am Morgen ins Dorf zu senden, der ihnen helfen soll, das Räuberlager zu finden.

Dass er seinen eigenen Vater als 'Tattergreis' bezeichnet zeugt zwar nicht gerade von viel Respekt, aber viel weiter denkt Aeryn darüber auch nicht nach. Wichtiger sind ihr die Dinge, die hier geschehen müssen, damit den Leuten geholfen werden kann. Und genau das dürfte jetzt ja passieren.

Die Waldläuferin versucht währenddessen noch einen Sinn in Fridas Reaktionen zu bringen. Sie würde mit der Frau nochmal unter vier Augen sprechen müssen. Irgendetwas war da noch, was ihr nicht ganz ins Bild passte, und sie hat auch schon eine Idee, was das sein könnte. Aber das hat Zeit für später.

"Und wie bereits gesagt, ist es unser konkreter Auftrag, mit dem Abt zu sprechen. Und natürlich auch mit eurem Vater, ..."

... dem 'Tattergreis', ... fallen ihr Uthers Worte in diesem Moment wieder ein.

"... wobei ich nicht annehme, dass er uns viel mehr sagen können wird als Ihr es gerade getan habt. Aber natürlich ist ein Besuch schon rein aus Höflichkeit angebracht. Vielleicht morgen, nachdem wir hoffentlich mit der Hilfe Eures Mannes das Räuberlager ausfindig gemacht haben. Mit etwas Glück können wir dann ja schon eine gute Nachricht überbringen."

Eher an ihre Gefährten als an Prinz Uther gewandt, sagt die Waldläuferin noch: "Zum Kloster hingegen würde ich gerne noch heute gehen, wir sollten uns beeilen, die Sonne steht schon tief."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 21.02.2017, 16:36:53
Nachdem es aus Abdos Sicht keinen Grund für weitere Diskussionen gibt, beginnt er ohne Umschweife, dem Fürstensohn zu helfen, die Kadaver auf einen Haufen zu zerren. Mit nacktem Oberkörper, um sein Hemd nicht durch die Fäulnis der meist von Insektenscharen bedeckten Tiere zu ruinieren, beginnt er schnell ob der Anstrengung zu schwitzen und muss Uther nachträglich zustimmen, dass es besser ist, das Feuer hier in der Nähe aufzuschichten. Zwar wird der Gestank des verkohlenden Fleisches für die Dorfbewohner sicherlich keine angenehme Sache sein, doch wenn sie heute noch zum Kloster gelangen wollen, dürfen sie keine Zeit verlieren. Durch den gemeinsamen Einsatz kommen sie immerhin schnell voran.

Während der Arbeit gehen Abdo vor allem Gedanken über das sogenannte Kloster durch den Kopf. Während seiner ersten Zeit in Dalaran wurde natürlich auch über sein Leben in Ya'Kehet gesprochen, und nachdem Abdo ihm von seinem Orden erzählt hatte und worin seine Aufgabe bestanden hatte, hatte Leif gesagt, dann sei er wohl ein Mönch. Das Wort hatte Abdo bis dahin natürlich nie gehört und Leifs Aussage daher einfach hingenommen, aber inzwischen, nach dem, was er zwischen den Zeilen so über diesen hiesigen Orden aufgeschnappt hat, ist er sich nicht mehr so sicher, ob die Beschreibung wirklich auch auf ihn passen würde. Zumindest ist er gespannt, was ihn dort erwartet - mit Sicherheit etwas anderes als sein Orden zuhause.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 22.02.2017, 21:22:34
"Hm, geht Dir also doch gegen den Strich wie die Behadrim hier die Macht und Autorität übernommen haben, die Du eigentlich eines Tages erben solltest." denkt sich Freydis beim Ausbruch des Prinzen.
Der hatte allem Anschein doch mehr Mumm und Tatkraft in den Knochen als sein Vater, aber hatte er die Wahrheit über die Ursache der Vergiftung und ihre Beseitigung gesagt? Oder war die Schafherde nicht die Ursache sondern blos das erste Opfer der Vergiftung gewesen? Mit eisgrauen Augen mussterte die Berührte den[1]. Es wollte irgentwie  nicht so recht zu seiner Geschichte passen, dass erst jetzt jemand im Dorf nach dem rechten sieht.
"Und wenn er lügt, oder die Möche ihn belogen haben, komme ich wohl nicht umhin mit ins Kloster zu gehen, abers selbst wenn, sei Vorsichtig und lass sie nicht wissen was Du bist wenn es nicht umbedingt sein muss." antwortet die warnende Stimme der alten Undis.
Ihr Blick fällt auf das herrenlose Pferd, dass Lív bei ihrer Ankunft beruhigt hatte. Der Braune steht immer noch angebunden am Pfahl an dem auch Freydis ihr Pferd angebunden hat ehe sie Lív und den anderen zur Hütte der Heilerin gefolgt ist. Sie lächelt kalt.  Hier ist ein Weg den Prinzen und seine Geschichte auf die Probe zu stellen.
"Prinz Uther, wisst ihr wessen Pferd dies ist? Es war schon hier bei unserer Ankunft und scheint mir nicht das Pferd eines Bauern zu sein. Und wenn ihr niemanden hergeschickt habt, wo ist sein Reiter?"
 1. Sense Motive: 13
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 23.02.2017, 19:32:58
Schweigend hört Lîf den Schilderungen Solveigs zu und versucht sich auf deren Worte zu konzentrieren. "Ein schwarzer Teppich... wie Algen oder Öl..." murmelt der Rotschopf nachdenklich und lässt eine lange, matt schimmernde Haarsträhne mehrmals durch die schlanken Finger gleiten. Schließlich nickt sie nachdenklich. "Du hast recht – das klingt sehr bedenklich, Schwester. Ich werde dir beistehen, so gut ich kann!" Mit offenkundiger Sorge mustert sie die sichtbar werdenden Teile der Kratzer am Arm der Gezeichneten, streicht mit den Fingerkuppen darüber und prüft, ob sie gut verheilen oder womöglich die Spuren eines unter der Oberfläche schwärenden Prozesses an sich tragen[1]. Sie wirkt noch immer besorgt, nickt aber nochmals tief, als Solveig ihre Hände ergreift. "Wir werden zusammenstehen, wie es der Wille der Göttin ist, Schwester" stellt sie fest, und ein weiches Lächeln gleitet wie ein Lichtstrahl über ihre ernsten Züge. "Eine gute Idee!" meint sie dann.

Auf Tristans wütenden Abgang hat sie derweil nur mit einem leisen Seufzer reagiert. Doch als er nun zu den beiden Heilerinnen zurückkehrt und klarmacht, dass er sie bei ihrer Aufgabe nicht allein lassen wird, kann sie nicht anders, als auch ihm ein Lächeln zu schenken, so warm, wie man es selten bei ihr sieht. Seine ironischen Worte kommentiert sie nicht, senkt nur kurz den Blick und verbirgt ein Schmunzeln. Doch seine Aufforderung, ihm zu folgen, lässt sie wieder ernst werden und nicken. "Ja. Ich komme gleich" meint sie leise und ohne die in letzter Zeit häufig demonstrierte Bissigkeit, und ihr Blick folgt ihm, bis er die Tür hinter sich geschlossen hat. Mit einer Miene, in der sich so unterschiedliche Gefühle mischen, dass sie schwer zu deuten sind, wendet sie sich Solveig zu. "Er ist ein guter Mann, im Grunde seines Herzens. Wir streiten oft, aber an Tagen wie heute tut es mir aufrichtig leid. Manchmal denke ich, er hat ein besseres Weib verdient. Sanfter vielleicht..." Sie zuckt ratlos die Schultern.
 1. Heilkundewurf für die Einschätzung der Kratzer: 20
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 23.02.2017, 20:13:27
Als die Männer zu Werk gehen, um die Tierkadaver zu verbrennen, sieht Aeryn ihre Chance früher als erwartet gekommen, um nocheinmal unter vier Augen mit Frida zu sprechen. Sie geht auf die Bäurin zu und nimmt sie beim Arm, um mit ihr ein paar Schritte zu gehen. Dabei spricht sie leise zu ihr, Prinz Uther musste es nicht unbedingt mitbekommen, was sie mit ihr bereden wollte.

"Frida. Ich konnte nicht umhin, zu bemerken, dass Du sehr überrascht über die Ausführungen des Prinzen warst. Ich wüsste gern, was dahintersteckt. Du hattest ja gesagt, dass ihr beim Kloster gewesen seid, und dass ihr die Tore geschlossen vorgefunden hattet. Ich habe keinen Grund, an Deinen Worten zu zweifeln. Warst Du selbst dort? Oder hast Du es nur von anderen erfahren? Wenn letzteres, wer war beim Kloster, um dort nachzusehen? Wer hat die Kunde überbracht? Vielleicht... Vielleicht ist doch noch etwas mehr dran an dieser ganzen Sache, als Prinz Uther uns glauben lassen will. Ich wäre Dir auch sehr verbunden, wenn dieses Gespräch hier unter uns bleibt."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 24.02.2017, 15:29:46
Hjálmarrs erneute Spitzen tut der Fürstensohn diesmal mit einem Achselzucken ab. "Jedenfalls ist er der letzte mit diesem Namen, wenn er so weiter macht", kommentiert er trocken. Nur der ihn misstrauisch beäugenden Freydis fällt der Seitenblick auf, den Uther Hjálmarr im Fortgehen noch schenkt, und sie schließt daraus: Aha. Das hat er sich für später gemerkt.

Insgesamt weiß sie nicht so recht, was sie von Uthers Auftritt halten soll. Ein wenig pompös. Großspurig. Klar, er will zeigen, dass er Herr über die Lage ist—und ist's wahrscheinlich nicht. Wenn er die Wahrheit gesagt hat, dann waren es die Mönche des Klosters, die sich gekümmert haben, und ihnen wird die Dankbarkeit der Leute gelten. (Die fernen Räuber werden sie nicht halb so sehr interessieren, damit wird Uther sich die Herzen seiner Untertanen nicht erobern können, selbst wenn seine Männer die Missetäter stellen.) Hat er aber nicht die Wahrheit gesagt, müsste man sich nach dem Grund fragen. Ein naheliegender wäre, dass er der Panik ein Ende setzen will, welche die Leute von Ansdag hinter geschlossenen Türen festhält, während auf den Feldern die Wintergerste überreif auf ihre Ernte wartet. Viel gehört nicht dazu, sich die Hungersnot im kommenden Winter vorzustellen, wenn das Getreide verkommt. Aber das wäre nur Freydis' erster Gedanke, befände sie sich an Uthers Stelle. Ob er ein Mann ist, der das naheliegende sieht, kann sie nach so kurzer Zeit noch nicht beurteilen.[1]

Aeryns Zustimmung dagegen nimmt Uther mit einem wohlwollenden Nicken zur Kenntnis, auch wenn ihre folgenden Worte ihn die Stirn runzeln lassen, doch er entscheidet sich dagegen, die Elbin zu korrigieren[2]. "Mein Vater ist krank", erklärt er lediglich.

Dann macht er sich mit Abdo, Hjálmarr und Talahan zusammen an die Arbeit. Nachdem er rasch ein paar Seile aus einem nahen Stall besorgt hat, ist zunächst der Gaul und dann das Schwein dran. Zu dritt und dank der Seile hat man diese beiden Kadaver bald an die Stirnseite des Platzes geschafft, welche sich zur Dorfwiese öffnet, die sich ihrerseits bis zum Bach hin erstreckt. Der Platz ist gut gewählt. Die beiden am nächsten gelegenen Häuser sind Steinbauten und mit Holzschindeln gedeckt, nicht mit Stroh. Funkenflug sollte kein Problem sein, zumal kaum einmal ein Windhauch ihre überhitzten Gesichter erfrischt. Binnen Kürze sind alle vier nassgeschwitzt und der Kadavergeruch sitzt fest in ihren Nasen. Immer verlockender wird der Gedanke auf ein Bad im nahen Bach nach getaner Arbeit!

Nach dem Pferd und dem Schwein wird's einfacher. Die vier tragen zusammen: zwei Ziegen, drei Schafe und vier Lämmer, siebzehn Hühner und einen Hund. Letzteren hätten sie fast übersehen. In einem Verschlag für Feuerholz hat er sich in die hinterste und dunkelste Ecke verkrochen; Abdo, der ihn entdeckt hat, duckt sich hinein, befestigt das Seil an einem Vorderlauf und zieht das Tier ins Freie. Es ist ein großer, schwarzer Hütehund. Nein, fuchsbraun war das Tier einmal, doch sein Fell ist verklebt mit schwarzem, getrockneten Schleim. Ein zweiter Fund gelingt ebenfalls nur dank Abdos scharfer Augen: ein komplettes Rattennest.[3]

Uthers Versuche, weitere Helfer zu rekrutieren, schlagen leider fehl. Die Hitze, die dreckige Arbeit, das scheint ihm doch aufs Gemüt zu schlagen. Je öfters er Ausreden zu hören bekommt oder gar nur ein Kopfschütteln zur Antwort, desto mehr verliert er die Geduld mit den Leuten, desto deutlicher zeigt er seine Verachtung für die Feigheit und schicksalsergebene Untätigkeit der Dorfbewohner.

"Verdammt noch mal, seid ihr Männer oder was? Was glaubt ihr denn, wer euch und eure Familien schützen soll, wenn ihr selbst dafür nicht einmal einen Finger krumm macht!" platzt er schließlich heraus. "Nicht einmal so viel wollt ihr tun, ihr feigen Hunde!"[4] Zu seinen drei Helfern murmelt er errötend. "Ist doch wahr! Ganze drei Burschen im ganzen Ort waren bereit, bei der Räuberjagd zu helfen, dabei sind die Räuber eine Gefahr für alle. Immer dreister werden die Überfälle, immer näher wagen sie sich an Ansdag heran. Wo soll das enden? Und der gute Pater predigt derweil von der Kanzel herab, man solle auf den Schutz des Einen Gottes vertrauen, er helfe den Notleidenden und erhöre die Gebete der Schwachen. Von der irdischen Obrigkeit aber braucht man keinen Schutz erbeten, nein, man darf ihn fordern, dazu seien sie ja schließlich da! Ja wie, ganz ohne Männer, die mitanpacken? Allein soll ich die Räuberbande stellen? Wie lächerlich diese Forderung ist—und wie weit sie mit ihren Gebeten kommen— werden die Leute erst merken, wenn die Räuber demnächst vor Ansdag stehen!"

"Oh, keine Sorge", meldet sich Talahan unvermittelt zu Wort. "So weit wird Pater Halfir es nicht kommen lassen." Einen Schreckmoment lang starrt der Prinz ihn nur ungläubig an; offenbar überlegt er noch, ob er da recht gehört hat. Talahan wartet so lange, bis der Prinz zu einem Entschluss gekommen und sein Gesicht entsprechend dunkelrot angelaufen ist, bevor er nachsetzt: "Ist die Situation erst einmal so weit eskaliert, tauchen im letzten Moment die Krieger des Lichts auf und retten alle. Und die Bevölkerung jubelt ihren Rettern zu. Und die Retter bleiben. Zum Schutz."[5]

Die Erklärung lässt Uther erschauern. Drei Burschen, die im nahen Stalleingang lungern (und in deren Richtung Talahan vornehmlich gesprochen hat), scheinen nicht zu begreifen, wovon überhaupt die Rede ist. Sie rühren sich nicht.

Und so ist die einzige Hilfe, die man von den Dorfbewohnern einzufordern schafft, einige Karren Feuerholz, Stroh und ein kleines Töpfchen Fackelpech.

~~~

Bei all diesem Ärger verwundert es nicht, dass Uther den Zuruf Freydis', wem denn das Pferd gehöre, nicht mitbekommt. Antwort erhält sie trotzdem.

"Gehört 'nem Pilger", ertönt eine männliche Stimme hinter ihr. Als sie sich umdreht, sieht sie ein bärtiges Gesicht durch einen Spalt der Fensterläden lugen. "Vor neun Tagen bei uns abgestiegen. Gleich am nächsten Morgen auf zum Kloster, noch nicht zurück. Das Vieh ist uns letzte Nacht aus dem Stall getürmt. Vielleicht bringt Ihr's ums Haus? Hättet eine Übernachtung gut bei uns." Freydis' Blick geht nach oben, wo ein bunt bemaltes Schild, mit wohlwollender Phantasie, einen Hahn zeigt.

Derweil wird Aeryn am Arm in eine Ecke abseits aller Fenster- und Türöffnungen gezogen. Statt aber die Fragen zu beantworten, kommentiert Frida zunächst den Wutausbruch des Prinzen: "Geschämt habe ich mich für unser ganzes Dorf. Man kann von Uther halten, was man will, aber in der Sache mit den Räubern hat und hatte er recht. Zwei Dutzend Männer hätten wir ihm mitschicken sollen. Mindestens. Das ganze dumme Gerede über Zuständigkeiten. Zwei Burschen aus unserem Dorf waren beim letzten Handelstreck dabei, ihre Leichen derart in Stücke gehauen, dass die eigenen Mütter sie kaum wiedererkannten!"

Sie fängt sich wieder. "Am Tag nach dem Sturm waren wir beim Kloster oben, aber es hat uns keiner geöffnet. Seitdem wird nur geredet, wir sollten noch mal hin und einbrechen, falls sich abermals keiner zeigt, aber dann fingen die Probleme hier im Ort an und keiner traute sich mehr raus. Es könnte stimmen, was Uther sagt." Sie schaut unsicher. "Aber warum hat sich seither keiner der Mönche in Ansdag gezeigt? Warum ist Hensgars Pilger noch nicht wieder aufgetaucht? Und wieso..." sie schluckt, "wieso hat Ilf seine ganze Familie getötet? Wieso, wenn dies keine Dämonenseuche ist, hat er sich in einen Dämon verwandelt und seinen beiden Schwestern die Kehle durchbissen? Der Mutter mit bloßen Händen die Eingeweide aus dem Leib gerissen? Eine ersoffene Schafsherde soll das erklären können?"

~~~

So sehr Solveig bemüht ist, ihre Erleichterung zu verbergen, so wenig gelingt es ihr. Sie mag eine kompetente Heilerin sein, aber mit dieser Situation, so ganz ohne Unterstützung, wäre wohl jeder überfordert.

"Danke", sagt sie leise. Dann warnt sie noch einmal: "Aber fasst das Zeug nicht an, ja? Hast du feste Handschuhe? Sonst nimmt meine. Hier." Aus einem kleinen Schubladenschrank holt sie ein Paar dünner Handschuhe aus glattem, geschmeidigen Leder heraus und drückt sie Lîf in die Hand. Nur kurz wird ihr Blick skeptisch: als Lîf ihren Mann lobt. Ein Blick zur Tür, dann wieder zu Lîf. "Die meisten Männer haben nicht die Frau, die sie verdienen", lautet, doppeldeutig, ihre Schlussfolgerung.

Die Kratzer an Solveigs Arm scheinen gut zu verheilen. Aber erstaunlich tief sind sie! Das lässt sich mit 'langen Fingernägeln' auf jeden Fall nicht erklären, das sieht mehr nach einem Raubtier aus. Jedenfalls nicht infiziert, soweit Lîf beurteilen kann. Das darf man Solveig ja wohl auch zutrauen, dass sie Wunden zu reinigen weiß. Vielleicht wäre der Biss gefährlicher gewesen? Bei tollwütigen Tieren ist es ja so, dass der Biss—der Geifer in der Wunde—die Krankheit auf den Menschen überträgt. Und so wie Solveig die nächtliche Attacke beschrieb, war Dana ja wie toll gewesen und hat ihre Heilerin—ihre Freundin?—beißen wollen.[6]

Aber dann ist es Zeit zu gehen, will man heute noch den Bach hinauf und wieder zurück nach Ansdag. Schon im Gehen begriffen, erinnert Lîf sich an ihr Versprechen und händigt Solveig ihren gefüllten Wasserschlauch aus. Ihr Mann trägt zwei und morgen früh kann sie Gaja um die Gabe des Wassers bitten.[7]

"Viel Glück", verabschiedet sie sich von Solveig und dem Grauen Barnas.

"Dir auch", wünschen die beiden ihr.

Als Lîf vor die Hütte tritt, sieht sie ihren Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Schatten einer Eiche auf und ab marschieren.

 1. Freydis: Sense Motive 13
 2. Die anderen wissen, warum er die Stirn runzelt und was er hier nicht korrigiert: er sagte vorhin, dass es zum Räuberlager eine Tagesreise ist. Da kann man schwerlich am selben Tag abends beim Soren vorsprechen.
 3. Abdo: perception 24
 4. Uther: Diplomatie 8
 5. Talahan: Diplomatie 10
 6. Lîf: Heilkunde 20
 7. Nur ein Vorschlag: Tristan hat know direction, Lîf könnte diesen also verlustlos gegen Create Water eintauschen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 24.02.2017, 15:53:53
"Lîf, Liebes, komm her, wir müssen was klären", ruft Tristan, als er seine Frau erblickt, und winkt sie herüber.[1] Gehorsam tritt Lîf näher, schaut ihn an. Sie sieht müde aus. So müde, dass ihr für mehr als ein rebellisches Funkeln in den Augen und eine trotzig vorgeschobene Unterlippe keine Kraft bleibt. Offenbar rechnet sie mit einer Mahnrede. Bei seinem Tonfall kein Wunder. Wie zu einem Kind! Genau das, was er ihr vorhin still zum Vorwurf gemacht hat. Das fängt ja gut an. Vielleicht sollte er das ganze Gerede lieber vertagen und sie einfach nur in den Arm nehmen.

Schon tritt er mit dieser Absicht auf seine Frau zu, da hält er inne. Mit einer Umarmung wäre es diesmal nicht getan und auch die leidenschaftliche Vereinigung, sonst ein bewährtes Mittel zur Versöhnung, würde den Frieden zwischen ihnen langfristig nicht wieder herstellen. Zu viel Unausgesprochenes steht zwischen ihnen. Deshalb bleibt Tristan eine Armlänge vor Lîf stehen und sucht ihren Blick. Dieser ist wesentlich leichter zu finden als die richtigen Worte.

"Ich weiß, dass du für meine Fahrtenbrüder nichts übrig hast und für ihre Familien auf Jarlsö nur wenig mehr", beginnt er ungeschickt und verstummt gleich wieder. Verflucht, klingt das vorwurfsvoll! In meinem Kopf klang das ganz anders. Ach könnte ich die Zeile nur ausstreichen und neu schreiben! "Und ich versteh das natürlich auch", versichert er rasch, denn schon sieht er Gewitterwolken auf ihrem Gesicht aufziehen. "Du wurdest geraubt, deine Schwestern geschändet, deine Freiheit sahst du verloren, selbst als mein Weib noch, weil du von deinen eigenen Zielen abgehalten wurdest, auch wenn ich hoffe, dass dir die Ausbildung bei der alten Esja ein Trost war, den du mir ein wenig zugute—" Er unterbricht sich. Was er sich erhofft, dass Lîf ihm anrechnet und zugute hält, tut hier nichts zur Sache. Außerdem war sein Verhalten ihr gegenüber bis vor kurzem tadellos; erst auf der gemeinsamen Reise quer durch Fersland hat er sich einen, vielleicht auch zwei Fehler geleistet.

"Was ich sagen wollte, das alles seh' ich ja ein. Nur versteh' du bitte: bei mir selbst war es ganz anders. Für mich waren sie meine Retter, haben mich aus unerträglicher Gefangenschaft befreit. Die ersten beiden Jahre unter ihnen waren zwar auch nicht immer schön, aber dann war Olav tot und ich mein eigener Herr. Ich ging mit auf Fahrt, hatte auf einmal Kameraden, wurde als einer von ihnen anerkannt... Auch wenn mir die Dinge, mit denen sie sich vergnügten, schnell langweilig wurden oder manchmal gar abstießen; egal dass ich mich so manches Mal aufs Festland zurückwünschte, weil ich dort als Sänger und Spielmann ganz andere Möglichkeiten gehabt hätte als auf den Inseln, deren Bewohner Grölen mit Gesang verwechseln und meinen, Poesie ist alles, was sich reimt; trotz allem, was man sonst noch gegen das Leben und die Lebensweise dort vorbringen könnte: Jarlsö war meine Heimat, Gisle war mein Jarl und Gunmarson mein Clan. Und egal wie rauh dir die Sitten vorkamen, wie hart oder gar ungerecht die Gesetze: sie waren einfach und für jeden dieselben und ich kannte sie genau. Ich wusste immer, was ich zu tun hatte. Jeder von uns wusste das. Das Leben ist sehr leicht auf diese Art, verstehst du? Und obwohl ich ab und an auch lieber anders gehandelt hätte: den Preis habe ich gern gezahlt für meinen festen Platz in der Gemeinschaft, meinen Status als freier Mann. Und dann gewann ich auch noch dich als Weib und dachte, mein Glück sei vollkommen!"

Jetzt hat er es endlich fast heraus, was er eigentlich sagen will, und schreckt dann doch wieder zurück: statt über seine Verlorenheit hier und jetzt zu reden, bleibt sein Blick in die Vergangenheit gerichtet.

"Aber dann verlor ich alles. Außer dir, ja—Gaja sei Dank außer dir!—aber entscheiden hießest du mich zwischen dir und den meinen. Denn wäre ich bei meinem Clan geblieben, wärst du sicherlich ohne mich gegangen, und ich werfe dir das auch gar nicht vor: natürlich willst du zurück in deine Heimat! Zurückgewinnen, was dir vor zwei Jahren erst genommen wurde!"

Nein, verflucht, das kommt ganz falsch heraus, das klingt schon wieder nach Vorwurf, dabei wollte ich mich doch eigentlich entschuldigen. Wie schwer kann das sein? Warum brauch' ich so viele Worte dafür?

Er schnaubt unglücklich und schaut kopfschüttelnd zu Boden. Sein Gesicht verschwindet dabei fast vollkommen hinter den wirren Strähnen seiner Haare.

"Ich hätte dir nicht verbieten dürfen, deinen Beruf auszuüben", gesteht er, den Kopf noch immer gesenkt. "Der freche Kerl, der dich betatscht hat, war's nicht, warum ich es tat, und auch nicht die Sorge, du könntest dich bei einem Kranken anstecken. In diesen Dingen hätte ich dir gern geglaubt, dass du weißt, was du tust! Nein, der Dämon, der mich ritt, war ein anderer. Eifersucht muss man ihn wohl nennen oder treffender... Scham? Es ist doch nun mal so", hier hebt er den Blick und späht durch die Haarsträhnen hindurch zu Lîf hinüber, "dass ein Mann seine Frau—seine schwangere Frau!—zu versorgen hat und nicht umgekehrt. Wie hätte ich so vor deine Eltern treten können? Der Gedanke ließ mir keine Ruh', aber Rat wusste ich mir keinen. Du siehst ja, in was für eine Situation ich uns hier gebracht habe! Ich kenn mich auf dem Festland eben gar nicht aus. Ein Fisch aus dem Wasser bin ich, gestrandet in einer fremden Welt, deren Sitten und Gesetze ich nicht kenne, in der ich weder Platz noch Aufgabe habe noch die geringste Ahnung, wie ich mir beides erstreiten soll! Und für dich, für dich ist es Heimat, du findest dich gleich wieder ein, warst bloß zwei Jahre fort, brauchst mich hier eigentlich zu gar nichts mehr..."

Der letzte halbe Satz ist ihm so herausgerutscht. Das hat er Lîf eigentlich nicht offenbaren wollen: seine panische Angst, sie zu verlieren. Doch gilt es nicht genau dies zu klären? Ob sie bei ihm bleiben will oder nicht? Vor Tod oder Wahrheit weicht nur der Feigling zurück! 'Ich bin dein Weib, nicht dein Eigentum', hallen Lîfs Worte in seinem Kopf wieder. Mit leisem Stöhnen geht er in die Knie, beide Hände auf ihrem Bauch, und presst sein Gesicht dagegen. Eine geraume Weile bleibt er so vor ihr knieen, bevor er zu ihr aufblickt und sich, den Schlüsselbund von ihrem Gürtel lösend, wieder erhebt.

"Als ich dich vor zwei Jahren fragte, ob du meine Frau werden willst, um dich vor Übergriffen meiner Fahrtenbrüder zu schützen, da kam es dir vielleicht so vor, als böte ich dir die Wahl zwischen Strick und Henkersbeil." Er hält ihr die Schlüssel hin, die nichts mehr öffnen, seit Haus und Hof ein Raub der Flammen wurden. "Früge ich dich heute—was wäre deine Antwort? Willst du mein Weib bleiben, obwohl ich nichts mehr bin und nichts mehr habe, oder soll ich dich zu deiner Familie hochbringen und wir sagen, dein Mann sei bei dem Überfall ums Leben gekommen. Dann wärst du frei. Dann könntest du dir einen jüngeren, tüchtigeren Gatten suchen, einen biederen Fersländer und nicht so einen Taugenichts von den Inseln: Gutsherr ohne Gut, Seeräuber ohne Schiff, Sänger ohne Namen, doppelt so alt wie du, mit nichts, was er dir anzubieten hat, außer seiner treuen Liebe."
 1. Alles, was er sagt, auf Värangsk. Bei so viel Text und unter uns zweien spar ich mir den Googlator.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 24.02.2017, 17:16:10
Die harte Arbeit ist zwar schweißtreibend, aber auch erstaunlich befriedigend für Abdo. Endlich hat er das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, nachdem er in den letzten Monaten viel zu oft frustriert feststellen musste, dass die sprachliche und kulturelle Hürde ihn immer wieder vor Verständnisprobleme stellt und verhindert, dass er sich in einer Art und Weise einbringen kann, die ihm sinnvoll erscheint. Ohnehin waren seine körperlichen Stärken, seine Kraft und sein Geschick im Kampf, wenig gefragt, und er ist zufrieden, seine Muskeln wieder einmal einsetzen zu können.

Die Anstrengung und der Schweiß macht ihm dabei weniger aus als man vom äußerlichen Anschein vermuten könnte - noch immer hat er sich an die Kälte in diesen Landen nicht gewöhnen können, und so ist die Hitze, die er selbst durch die körperliche Arbeit generiert, ein Segen für ihn. Dennoch freut er sich darauf, den Schweiß später abzuwaschen - bis er den von schwarzem Schleim verkrusteten Hund findet. Was immer im Wasser gewesen sein mag: Dies sieht nicht nach einer Verunreinigung durch verendete Kadaver aus. Auf das Bad im Fluss wird er wohl verzichten.

Die Entdeckung des Hundes bestärkt aber auch wieder seine Zweifel, ob das, was der Fürstensohn gesagt hat, wirklich der Wahrheit entspricht. Ohnehin zweifelt er mehr und mehr an diesem Mann. Ein Fürst, so hat er verstanden, ist der Anführer seiner Untergebenen. Doch diesen Mann hier scheint niemand zu respektieren, und vermutlich, so wie er sich aufführt, hat er den Respekt der Menschen auch nicht verdient. Auf der anderen Seite hat Uther recht, wenn er beklagt, dass die Menschen sich nicht einmal zu ihrem eigenen Schutz aufraffen. In vielem erkennt der Mönch Verhältnisse wieder, wie es sie in seinem eigenen Land einst gab. Als die Shetani einfielen, so erzählte man ihm zumindest, haben viele nur dagesessen und darauf gewartet, dass andere ihnen halfen. Standen nicht füreinander ein. Sie waren diejenigen, die den Ansturm nicht überlebt haben.
"Möge den Menschen hier ein solches Schicksal erspart bleiben."

Beim Aufräumen der Kadaver kommt Abdo plötzlich ein überliefertes Gedicht in den Sinn, und er beginnt, es vor sich hin zu murmeln:
"Vidonda vya ukoma visofunikwa
Ambavyo kwa mda mrefu vilifichama
Sasa viko nje kufyonzwa na inzi wa kila aina
Na vinanuka vibaya.
Lakini inzi kila mara hufyonza wakifikiri
Nani watamwambukiza."
[1]

Der Inhalt lässt seinen Mut sinken. Der Aussatz könnte auch für das Verkommen der Gemeinschaft stehen, und die Fliege für die Shetani-Plage. Ist auch dieses Land dem Untergang geweiht? War es ein Fehler, hierher zu kommen, um nach Rat und Unterstützung zu suchen? Erlebt er hier womöglich zum zweiten Mal, wie eine Zivilisation der Verwüstung zum Opfer fiel?

Noch ist es jedoch nicht soweit, und das Aufstoben eines Schwarmes von Fliegen macht Abdo deutlich, wo er seine Inspiration gefunden hat. DIESE Seuche würde sich nicht ausbreiten, wenn es in seiner Macht steht, etwas dagegen zu tun. Zuerst in kleinen Schritten, indem er hilft, die Kadaver zu beseitigen; und dann an der Quelle, die irgendwo in der Richtung des Klosters zu finden sein muss.



Auf andere Gedanken kommt Abdo durch das Gespräch seiner Mithelfer. Langsam aber sicher setzt sich das Puzzle über die Behadrim in seinem Kopf zu einem Bild zusammen, doch das Bild gefällt ihm ganz und gar nicht. Priester, die predigen, man solle das Unheil geschehen lassen und nichts dagegen tun, weil es Gottes Wille sei? Eine Religion, die scheinbar mehr wie eine Eroberungsmacht agiert? Soll das wirklich möglich sein, oder spricht nur der Frust über sein eigenes Schicksal, welcher Art es auch sein mag, aus den Worten Talahans? Auch diese Antworten wird Abdo am ehesten im Kloster finden. Sobald der Scheiterhaufen fertig ist, und das Feuer entzündet, sollten sie hier aufbrechen, und keine weitere Zeit verlieren.

"Aris gibt uns eine Stimme" schaltet er sich in das Gespräch ein. "Doch sprechen müssen wir selbst. Aris gibt uns Hände, doch müssen wir sie zur Arbeit nutzen, um ihm zu gefallen. Und Aris gibt uns die Fähigkeit zu denken, doch unsere Entscheidungen müssen wir selbst treffen. Wir müssen danach streben, die richtigen Entscheidungen zu fällen, aber wir können nicht erwarten, dass Aris dies für uns erledigt."
Er lässt die Worte im Raum stehen und fährt mit seiner Arbeit fort, als wäre das Thema damit ein für alle Mal erledigt.
 1. Etwa: Die Wunden des Aussatzes liegen offen, Wunden die so lange verdeckt waren. Nun offen in freier Sicht für jede Fliege daran zu saugen, und stinkend. Aber jedesmal, wenn eine Fliege daran saugt, fragt sie sich, wen als nächstes zu infizieren.
Ich hatte von Beginn an Suaheli als Sprache für Abdo im Sinn (auch Shetani ist ein Suaheli-Wort), und auch dieses Gedicht ist Suaheli.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 25.02.2017, 20:09:27
Dankbar hat Lîf die Handschuhe angenommen, die ihr die Heilerin überließ, und sie in ihrem Bündel verstaut. Nachdem die Schwestern im Geiste voneinander Abschied genommen haben – von Seiten Lîfs mit dem ehrlichen Segenswunsch, die Göttin möge Solveig beistehen – tritt sie nachdenklich vor die Hütte. Diese seltsame Seuche beginnt immer eigenartiger zu wirken. Dunkle Kräfte scheinen am Werke, die jede Dienerin Gayas offenkundig herausfordern. Sie beschließt, ihrem Gebet am kommenden Morgen die inbrünstige Bitte um die Führung der Großen Mutter hinzuzufügen, damit auch sie keine falschen Entscheidungen treffen wird[1]. Sie entdeckt Tristan bei der Eiche und geht langsamen Schrittes zu ihm, ihren Mann eingehend musternd.

In der Tat erwartet sie eine Art Donnerwetter, hat sie doch vor Solveig wahrscheinlich den Eindruck erweckt, als seien die Verhältnisse zwischen Mann und Weib, wie sie bei den Jarlsöern üblich sind, in ihrem Falle umgekehrt. Daher spannt sie sich auch instinktiv an und wirft ihr schimmerndes Haar mit einem Ruck zurück, als sie vor ihm stehenbleibt. Zwar ist sie müde und fühlt sich ausgelaugt, doch noch immer willens, ihre Position zu behaupten! Das weiche Lächeln, mit dem sie ihm in der Hütte nachgeschaut hat, verbirgt sie nun vor ihm – aus Angst, er könne es als Zeichen des Nachgebens, der Unterwerfung deuten. Doch dann hebt er an zu sprechen, und Überraschung tritt in ihre verschlossenen Züge. Mehrmals setzt sie zu einer Entgegnung an, schließt jedoch immer wieder den Mund, wenn Tristan weiter spricht, sichtlich mit den Worten ringend. Er, der weiß die Göttin ein weit gewandterer Redner ist als sie, die sie stets eine Frau der Tat war, keine, die mit klugen Worten überzeugen kann.

Endlich senkt sie langsam den Blick, die Hände um einen der langen, starken Zöpfe ihrer roten Locken gelegt, der über ihre Schulter bis über Brust und Bauch reicht. "So habe ich es noch nie gesehen..." bekennt die junge Frau betroffen und starrt zu Boden. Heimat... dieses Wort, das für sie so viel bedeutet. Heimat, und Freiheit natürlich: die Dinge, die sie sich sehnlichst gewünscht hat, als Sklavin in der Fremde. Dass sich mit beidem für Tristan anderes verknüpfen könnte, kam ihr nie in den Sinn. Es versetzt ihr einen spürbaren Stich, dass sie, ein Weib, nun gestehen muss, ein Mann, ein rauer, in Teilen auch harter Mann, sei ihr in Sachen Verständnis und Mitgefühl über. Er hat ihr Unbehagen erkannt, kann es sogar mit seinen Worten benennen, während sie, der doch von der Großen Mutter die Gabe das Fühlens in besonderem Maße geschenkt wurde, gegen seine Bedürfnisse und Sehnsüchte so blind gewesen sein soll..?!

Sie hält den Blick gesenkt und presst die Lippen aufeinander, bis sie nur noch einen schmalen Strich bilden. Die Erkenntnis ist beschämend für sie, doch während sie sich stets wütend gegen die übermäßige Unterdrückung des Weibes auf Jarlsö gewehrt hat, kann sie nun, da ihr eigenes Handeln, oder Versäumnis, der Grund für ihre Beschämung ist, nur stumm und hilflos vor Tristan stehen, all ihrer Argumente und ihres Kampfeswillens beraubt. Verlegenheit, Trotz, Verwirrung und Scham spiegeln sich in ihren Zügen wider. Als er ihr auch noch Gefühle und Beweggründe gesteht, die sie so nie erwartet hätte, ist sie vollkommen unfähig zu einer Erwiderung.

Und so hebt sie anstelle einer Antwort auch nur ihren Blick, als er geendet hat, schaut ihm tief in die Augen. Darauf nimmt sie ihm langsam, ganz langsam den Schlüsselbund wieder aus der Hand und birgt ihn an ihrem Busen. Und endlich fasst sie sanft mit beiden Händen seinen Kopf, heißt ihn mit leichtem Druck, erneut die Wange an ihren vorgewölbten Bauch zu legen, und drückt ihn so an sich, den Kopf wieder gesenkt, so dass ihre starken Zöpfe über Tristan fallen wie zwei kupferne Lianen. "Ich trage dein Kind unter dem Herzen, und ich danke der Großen Mutter dafür" sagt sie dann schlicht, mit leiser Stimme, und streichelt ihm über Haar und Schultern, immer wieder.
 1. Bei der nächsten Gelegenheit wird sie Know Direction für Create Water eintauschen
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 26.02.2017, 21:59:30
Mit großer Sorge beobachtet Tristan das Mienenspiel seiner Frau, bei dem sich mehr Gefühle, als er benennen kann, in rasanter Folge abwechseln, teils in Widerstreit zu geraten scheinen. Am Ende hat es ihr die Sprache verschlagen. Er versteht nicht, warum. Denkt sie noch darüber nach? Fragt sie sich: soll ich's wagen? Er wappnet sich für die Antwort. Doch dann nimmt sie erst seinen Schlüsselbund (und hängt ihn dort zurück, wo er hingehört), dann seinen Kopf (und drückt ihn an sich) und wiederholt als drittes ihren Entschluss von damals, diesmal als freie Frau, dass sie sein Weib sein will.

Lange Zeit atmet Tristan nur ihren Duft ein und lauscht dem Herzschlag in seinem Ohr. Er weiß, dass es sein eigener ist, aber er möchte sich einbilden, es sei der Herzschlag des Kindes. Daraus entwickelt sich eine von wohligen Gefühlen getragene Gedankenkette, die recht bald in der Feststellung mündet: Verflucht noch mal, es ist aber auch schon viel zu lange her, dass wir das eheliche Lager geteilt haben! Dies lässt ihn den Kopf, der so bequem gebettet ist, dann doch heben und den Blick halbherzig durchs Gelände schicken, ob nicht ein geeignetes Gebüsch irgendwo in der Nähe...?

Statt dessen sieht Tristan eine Rauchsäule über Ansdag aufsteigen. Er erhebt sich, zieht Lîf kurz in die Arme. "Von jetzt an also Seite an Seite, ja?" schlägt er vor. "Das wollt' ich doch von Anfang an. Niemals als Eigentum..." Bedauernd löst er sich und nickt in Richtung des Rauches. "Die anderen sind mit ihrer Arbeit fertig. Wir sollten schauen, wie's jetzt weitergeht."

Unterwegs ins Dorf fällt ihnen wieder das verwelkte, mit Schimmel überzogene Gemüse in den Gärten auf.

"Vielleicht war es gar nicht mein Fehler, der uns an diesen gefährlichen Ort geführt hat, sondern die Große Mutter selbst. Vielleicht hat sie dich hierher gerufen, und mich zu deinem Schutz, weil sie deine Hilfe braucht. Weil sie leidet. Weil sie hofft, du kannst dieser Seuche ein Ende bereiten."

Sein Blick schweift vom Gemüsebeet über die Landschaft und bleibt am fernen Kloster hängen, das sich von steilem Bergeshang streng und mit mahnendem Fingerzeig über das geduckte Ansdag erhebt.

Vielleicht war es ja auch der Eine Gott, der unsere Schritte hierherlenkte—aus Rache für Sundheim.

Tristan hütet sich, diese Worte laut auszusprechen, aber vielleicht bemerkt Lîf den Schauer, der ihn überkommt.

"Und dann wären da ja noch die Räuber...", brummt er—und hält inne, weil ihm ein Einfall kommt. Er zieht sein Gürtelmesser und hält es seiner Frau hin, mit dem Griff voran. "Du solltest lernen, dich zu verteidigen. Halt, keine Sorge, ich will keinen Kämpfer aus dir machen", erklärt er rasch, als er ihr alarmiertes Gesicht sieht, "aber mir wäre wohler, du könntest einen Gegner wenigstens kurz beschäftigen, bis ich oder ein anderer zur Stelle sind. Was meinst du?"

Lif überlegt. Tatsächlich hat sie schon oft ein Sax in der Hand gehabt und kann leidlich damit umgehen. Auf den Inseln war es das gebräuchliche Messer für alle möglichen Arbeiten. Die alte Esja hat damit Kräuter geerntet, Weidenzweige entrindet und auch schon einmal einen Weg durchs Unterholz geschlagen. So gesehen traut Lîf sich durchaus zu, von ihrem Mann angeleitet zu erlernen, wie man das Messer im Kampf schwingt, zur Verteidigung. Aber will sie das?[1]
 1. Angebot an Lîf, das Du natürlich auch ausschlagen kannst: Momentan hast du gar keine Waffe dabei. (Ausnahme Holzfaust, ja, hab' ich gesehen) Mit ST 8 und GE 10 ist natürlich weder im Nah-, noch im Fernkampf viel zu wollen. Ich frage bloß, ob du nicht doch eine Waffe tragen willst, für den Notfall. Wenn nicht das Sax, könntest Du Tristan um seine Schleuder bitten. Übrigens, von wegen weapon proficiency: auf deiner Liste steht der Krummsäbel, aber es gibt in Dalaran keine Krummsäbel (nur in Ya'Kehet). Das Sax (= einschneidiges Messer in Kurzschwertlänge, s. Bild (http://www.melbar.eu/Mittelalter-Shop/Blankwaffen/Schwerter-Bilder/showImage_2_Maldon-Sax-scharf-kampffaehig_M2M404119.php)) wäre ein angemessener Ersatz dafür. Und wie beschrieben: mehr Werkzeug als Waffe.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 27.02.2017, 11:19:59
"Wir werden auf jeden Fall heute noch zum Kloster gehen und dort nach dem Rechten sehen. Dann wissen wir hoffentlich mehr darüber, warum die Priester und Mönche sich nicht mehr gezeigt haben, und ob..."

Leiser spricht sie weiter. "... ob der Prinz die Wahrheit gesagt hat."

Als Frida ihr dann von Ilf und seiner Familie erzählt, reißt Aeryn die Augen auf.

"Er... er hat sich in einen Dämon verwandelt? Hast Du ihn mit eigenen Augen gesehen? Was ist denn weiter passiert? Wo ist Ilf jetzt? Sollte der arme junge an der Tränke sich deswegen das Leben nehmen, damit soetwas mit ihm nicht passiert? Erzähl mir mehr davon!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 27.02.2017, 14:41:00
Die junge Frau schließt selbst die Augen, während Tristan vor ihr kniet, die Wange an ihren Bauch gelegt, und beide schweigen. Über das Kind, das werdende Leben, in ihrem Schoß, sind sie miteinander inniger verbunden, als sie mit Worten ausdrücken kann – es fühlt sich einfach richtig an. Endlich sieht er wieder auf, und sie nickt auf seine Worte. "Seite an Seite, Mann und Weib, wie es Gayas Wille ist" bestätigt sie ihm und fügt nach einer kurzen Pause mit einem kaum merklichen Lächeln hinzu: "Und ich gehorche Ihr darin gerne." Sie legt ihren Kopf an seine Brust, als er sie an sich zieht, und genießt für einige kostbare Momente das Gefühl, in seinen Armen geborgen zu sein und die schwere Verantwortung ihrer Aufgabe vorübergehend nicht auf ihren Schultern zu spüren. Doch schon nach viel zu kurzer Zeit findet er in die Realität zurück und zieht auch sein schwangeres Weib mit sich. Wiederum nickt sie, fest und entschlossen diesmal. "Ja, es wird Zeit, dass wir handeln. Viel zu schwer lastet das Übel über diesem Landstrich – es muss abgewendet werden!" Mit Widerwillen schweift ihr Blick über die ungenießbaren Gartenfrüchte, die man allenthalben sieht. Ein Gräuel für eine Priesterin des Lebens, wie sie es ist...

Tristans Worte indes, die kurz darauf die Stille zwischen ihnen unterbrechen, lassen Lîf wieder lächeln. Sie streicht sich mit einer kühnen Geste die roten Locken aus der Stirn, die sich vorwitzig aus ihren Zöpfen gelöst haben, und meint: "Ja, vielleicht hat Sie uns gelenkt, ohne dass wir es merkten. Und wenn es so ist, dann muss ich alles daran setzen, dieser Seuche zu begegnen und Leute hier von ihr zu befreien." Sie bemerkt den Schauer, der ihren Mann erfasst, und legt ihre Hand beruhigend auf seinen Unterarm. "Und ich bin gewiss, dass ich mit deiner Hilfe dieser Aufgabe werde nachgehen können. Ich könnte mir keinen besseren Beschützer vorstellen." Statt einer Antwort reicht er ihr jedoch sein Sax, was sie zunächst verwirrt zu ihm aufschauen lässt. Dann jedoch begreift sie und nimmt die Klinge widerstrebend entgegen. "Ich will mich in diesem Punkt deinem Wunsch beugen, denn du bist der Mann und weißt besser um Kämpfe und Gefahren bescheid. Aber wenn es mir irgend möglich ist, werde ich diese Klinge niemals gegen ein denkendes Wesen richten" meint sie leise, während sie die Waffe in ihrer Schürzentasche verstaut, wo sie sie jederzeit rasch greifen kann[1].

Denn es behagt ihr ganz und gar nicht, bewaffnet zu sein! Doch sie sieht ein, dass Tristan nicht unrecht hat: Die Zeiten sind alles andere als sicher, und dass Kinder, Alte und unbewaffnete Weiber für die Kämpfer tabu sind, glaubt sie schon seit geraumer Zeit nicht mehr – das wäre angesichts ihrer Erfahrungen naiv. "Ich kann dir allerdings nicht garantieren, dass ich eine gelehrige Schülerin sein werde, obwohl ich gelobe, mich zu bemühen" murmelt sie dann noch, während die beiden ihren Weg wieder fortsetzen. Ein allgemeines Unbehagen ist ihr anzumerken, gleichwohl Tristans Zuspruch ihr gut getan hat. Eine Heilerin, die gezwungen ist, zur Waffe zu greifen... Die Göttin mag wissen, wohin sie diese Mission noch führen wird.
 1. Ich habe mir das Sax notiert und die Werte eines Kurzschwerts angenommen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 01.03.2017, 13:15:21
Hjalmarr rinnt der Schweiß in Strömen die Stirn hinunter. Der salzige Geschmack, den er durch die vernarbte Wunde schmecken kann, erinnert ihn für einen Moment an das stürmische Wasser des Loch Leskos und lässt seine Gedanken schweifen, während er Abdo dabei hilft die Kadaver der toten Tiere zusammen zu suchen. Er hat sein Leben nicht auf einem Schiff zugebracht, doch vermisst er die stürmische See, das tosende Rauschen in seinen Ohren und die eiskalte Brise, die einem direkt in die Glieder fährt. Hier brennt die Sonne unerbittlich und lässt jede Tätigkeit noch anstrengender wirken.

Sicherheitshalber überprüft der Lesdager die engen Gassen zwischen den Häusern und kommt nicht umhin, die Unterhaltung zwischen Aeryn und der Frau aus dem Dorf zu hören. In der Nähe stehen einige Stapel leerer Fässer und Kisten, welcher er sich annimmt, jedoch mit einem Ohr dem Gespräch lauscht. Kniend zerrt er die leeren Behältnisse auseinander. Als sie die Verwandlung in einen Dämon erwähnt, hält er inne und dreht sich zu den beiden um. Die Augenbrauen tief ins Gesicht gezogen und eine Hand auf den Boden gestützt raunt er hinüber. "Menschen verwandeln sich nicht einfach in Dämonen, und schon gar nicht die Kinder. Das, was ihr dort gesehen habt, muss etwas anderes gewesen sein."

Hjalmarr ist sich selbst nicht sicher, woher er diese Gewissheit nimmt. Vielleicht möchte er sich auch nur nicht ausmalen, was es bedeuten würde, wenn dem tatsächlich so wäre.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 01.03.2017, 15:16:21
"Soll mir recht sein." antwortet Freydis dem bärtigen Mann, anscheindend der Gastwirt des Ortes.
In Anbetracht des fortgeschrittenen Tages wird die Gruppe wohl ohnehin in Ansdag, oder zumindest nicht weit entfernt von dem Dorf übernachten müssen. "und das Pferd braucht Versorgung, besonders wenn sein Reiter nicht wieder auftauchen sollte." Der Qualtät der Unterkunft traut sie zwar nicht so recht, aber es konnte nicht Schaden das innere des Gasthauses zumindest in Augenschein zu nehmen.
"Ich hoffe da ist auch Platz für mein Pferd?" fragt sie während sie bereits beide Tiere losbindet.
Ohne die Antwort abzuwarten macht sie sich ein Pferd an jeder Hand auf den Weg um das Gebäude.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 02.03.2017, 18:17:22
Die Blicke, die Abdo für seine Rede über Aris' Gaben an den Menschen erntet, sind ungefähr von der Qualität wie jener, mit dem Tristan ihn auf der Reise bedachte, als der Ya'Keheter in Aris' Namen grüßte. Die jetzigen scheinen allerdings deutlich verwirrter: Hä, was quatscht der Kerl da? Wer ist dieser Aris? Wieso sollten wir ihm gefallen wollen? Wir kennen ihn doch gar nicht. Und wie kann er uns eine Stimme und die Fähigkeit zu denken gegeben haben? Nun haben die drei Burschen dort im Stalleingang ja schon Talahans Pointe nicht verstanden, vielleicht darf man sie nicht als Maßstab nehmen.

Talahan passt kurz darauf einen unbelauschten Moment ab, um Abdo zu erklären: "Wenn du einfach so von Aris sprichst, dann denken die Leute, du meinst damit einen der Ahnen wie Askyr den Sturmboten oder Hrothgar den Gastfreundlichen. Hier bei uns hat der Eine Gott keinen Namen. Nur die falschen Götter."

Von Aeryn aufgeregt nach Details bedrängt, hebt Frida schon zu einer Antwort an, da geht Hjálmarr mit seiner laut geraunten Bemerkung dazwischen, das alles könne so ja wohl nicht stimmen. Wie zuvor bei Uthers Auftritt lässt die Bauersfrau sich zunächst verunsichern. Gehetzt schaut sie sich in alle Richtungen um, doch ist nicht klar, ob sie jemandem sucht, der ihr beipflichten könnte, oder im Gegenteil ungebetene Zuhörer befürchtet.

"Also nein, ich habe es nicht mit eigenen Augen gesehen, aber mein Schwager, Hensgar, der ist mit zwei Burschen rüber, nach dem Rechten sehen, als wir letzte Nacht von dem Lärm wach wurden. Die beiden Schwestern waren schon tot, die Mutter schrie noch, aber da wühlte er schon in ihrem Gedärm—fraß es, behauptet mein Schwager, stopfte es sich mit beiden Händen ins Maul! Dass es Ilf war, erkannte er nur daran, dass ihm das linke Ohr zur Hälfte fehlte, das hat ihm als Junge mal ein Hund abgebissen, den er zu arg geärgert hatte. Ansonsten hatte Ilf nichts menschliches mehr an sich. Ausgezehrt bis auf die Knochen, aschgraue Haut, gelbe Augen, Reißzähne im Gesicht, Krallen an den Händen..." Frida legt den Kopf schief und überlegt, ob sie noch etwas wichtiges vergessen hat. "Als er meinen Schwager entdeckte, warf er den Kopf in den Nacken und heulte so fürchterlich, dass beide von Hensgars Burschen vor Angst davonliefen. Dann stürzte er sich auf ihn! Der Knüppel hat ihm gar nichts ausgemacht!"

An dieser Stelle wirft sie einen trotzigen Blick in Hjálmarrs Richtung, der wohl heißen soll: Und, klingt das etwa nicht nach einem Dämon? "Gott sei Dank sind noch andere Nachbarn herbeigeeilt, sonst hätte Ilf unseren Hensgar auch noch zu Tode gebissen. Aber entkommen konnte er. Ist in die Nacht verschwunden, schneller als die Männer ihm nachgucken konnten. Das ist noch ein Grund, warum wir uns nicht aus unseren Häusern wagen: weil er noch da draußen ist. Und vielleicht auch, warum Gus sich ertränken wollte: aus Angst, sich auch in einen Dämon zu verwandeln. Aber ich weiß nicht, wie klar der arme Junge da noch denken konnte."

Derweil lernt Freydis Fridas heldenhaften Schwager Hensgar in voller Lebensgröße kennen. Die beiden Pferde im Schlepptau, zieht sie ein wenig mühsam das zertretene Gatter der kleinen Umzäunung neben dem Gasthaus auf. Da öffnet Hensgar schon die obere Hälfte der Stalltür und gleich darauf die untere. Locker um einen Kopf überragt der Gastwirt die junge Frau. Seine Schultern und Oberarme wären eines Schmiedes würdig, auch wenn er insgesamt eher hager wirkt, wohl auch wegen seiner Körpergröße. Freydis folgt ihm in den geräumigen Stall, wo ein Bursche sich um die Pferde kümmert. Im völligen Gegensatz zu draußen ist es hier drinnen sauber und ordentlich. Bis auf zwei weitere Tiere sind die Boxen leer, obwohl Platz für ein rundes Dutzend wäre.

"Um die Jahreszeit habe ich sie ja normal draußen", erklärt Hensgar, "aber seit letzter Nacht..."

Als Freydis nachhakt, erzählt der Gastwirt bereitwillig: Durchgegangen seien die Viecher ihm letzte Nacht, hätten draußen Zaun und Gatter zertreten. Die beiden dort drüben hätten seine Burschen rasch wieder eingefangen. Da habe noch keiner gewusst, was los war. Er selbst dachte, ein Bär müsse sich ins Dorf verirrt haben, dass die Tiere so verschraken. "Statt dessen trieb ein Wandler sein Unwesen. Tut es noch! Wenn ihr wirklich heut' noch ins Kloster hoch wollt, seht' zu, dass ihr vor Einbruch der Dunkelheit eine Unterkunft habt. Hast ja gesehen, wie er den Gaul draußen zugerichtet hat. Mit bloßen Händen!" endet der Mann kopfschüttelnd.

Freydis erkundigt sich auch nach dem Weg zum Kloster und erfährt, dass einige Stellen so eng und steil sind, dass man nur als erfahrener Reiter den Weg zu Pferd wagen sollte. Pilger würden natürlich schon aus Pietätsgründen zu Fuß gehen. "Im Dunklen sollt' man beides besser lassen."

Wegen der Unterbringung der Tiere ist man sich schnell einig. Auch an Zimmern gibt es freie Auswahl. Hensgar verspricht hoch und heilig, den Tieren nur Regenwasser zu geben. Noch sind die Tränken und Wassertonnen voll. Und er steht zu seinem Wort: die erste Nacht für sie alle auf Kosten des Hauses.[1]

"Feuer", sagt er noch, als Freydis sich bereits zum Gehen wendet. "Vor meiner Fackel hatte der Wandler mehr Respekt als vor meinem Knüppel. Davor wich er zurück. Nur ein Stück und er kam auch gleich wieder an, wütender als zuvor, aber mir hat's die nötige Zeit verschafft, bis Verstärkung kam. Ich glaub', das Licht tat ihm in den Augen weh."

Als Freydis wieder ins Freie tritt, brennt am östlichen Ende des Dorfplatzes schon der Scheiterhaufen. Wenig später tauchen im Norden Lîf und Tristan auf. Der ein oder andere Gefährte muss zweimal hinschauen, um seinen Augen zu trauen: tatsächlich, die beiden gehen engumschlungen und wenn sie sich anblicken, huscht ein Lächeln über beide Gesichter, mehr ein Leuchten in den Augen als ein tatsächliches Hochziehen der Mundwinkel, aber dennoch unverkennbar. So traut wie jetzt hat noch keiner der Anwesenden das ungleiche Paar gesehen. Ein krasser Gegensatz zu der grauslichen Arbeit, die Abdo, Hjálmarr und Talahan hier in der vergangenen Stunde geleistet haben.

~~~

Als die Gefährten kurz darauf gemeinsam in Richtung Osten aufbrechen, steht die Sonne in ihrem Rücken abermals ein deutliches Stück tiefer.[2] Zunächst führt der Weg am Bach entlang, der sich durch die Wiesen und Felder schlängelt, vielerorts überschattet von Bäumen oder hohem Gebüsch. Kleinere Schleifen des Gewässers kürzt der Weg dabei ab und so hält man zu Beginn fast schnurstracks auf das Kloster zu.

Unterwegs tauschen die Gefährten sich aus. Lîf und Tristan erzählen, was sie von Solveig noch über die möglichen Ursachen und schrecklichen Auswirkungen der Seuche erfahren haben, Aeryn und Freydis teilen ihre Beute an Wissensbrocken aus Fridas und Hensgars Schilderungen, Abdo beschreibt den Auftritt des Fürstensohns, während Hjálmarr noch einmal seine Meinung wiederholt: in was immer Ilf sich verwandelt hat, es war sicherlich kein Dämon. Als das Kloster schließlich unmittelbar über ihnen aufragt, wiederholt Talahan seine Vermutung, dass Pater Halfir womöglich vorhatte, so lange zu warten, bis die Situation mit den Räubern so weit eskaliert ist, dass die lokale Bevölkerung gar nicht mehr in der Lage wäre, mit der Bedrohung noch fertig zu werden—um dann die Kavallerie (in Form von Kriegern seines, Talahans, Ordens) herbeizurufen und sich als Retter zu präsentieren. "Alles Strategie", glaubt Talahan.[3]

Aus der Ferne beeindruckt vor allem der Erlstav, der mit seinem schneegekrönten Gipfel dreimal so hoch aufragt wie der kleine Vorberg, auf dem das Kloster steht, doch je näher man heran ist, desto beeindruckender wird der Vorberg selbst und vor allem die schiere Steilwand, oberhalb deren das Kloster sich befindet. Da muss man heute noch hinauf!

"Das ist der Wächter", gibt Talahan dem Vorberg einen Namen.

Beeindruckend ist auch der Wasserfall. Das, was hier unten als etwa 8 Schritt breites Bächlein durch sonnige Wiesen gluckst, stürzt sich dort geschätzte 200 Schritt den schroffen Felsen hinab.[4] Lange bevor die Gefährten den Fuß des Wasserfalls erreichen würden, biegt der Weg nach Süden ab und führt sie eine geraume Weile unter dem Steilhang entlang. Dann beginnt, in umgekehrter Richtung, der Aufstieg. Möglich, dass der ein oder andere hier bald flucht, dass man sich das angetan hat: zu Fuß gehen! Zu Pferd säße man jetzt gern! Doch bald muss auch der unwilligste Bergsteiger zugeben: huch, die Stelle da, die wäre mir doch zu eng, zu abschüssig zum Reiten, oder auch nur zum Mitführen eines Tieres, das weder mich noch die Berge kennt. An zwei dieser Stellen finden sich eine Serpentine weiter oben hölzerne Kranvorrichtungen, die den sicheren Transport nennenswerter Warensmengen ermöglichen. Endlich ist die letzte Serpentine erreicht. Nur noch wenige hundert Schritt und die Gefährten stehen vor dem Tor des Klosters.[5]
 1. (1) Eure Pferde kommen bei Hensgar unter. Einfach, weil sie beim Kloster nur im Weg wären. Um etwaige Wasserprobleme können wir uns hinterher kümmern. (2) Wer will kann schon ein Zimmer nehmen. Oder ihr nehmt zusammen schon mal eins, um Gepäck zurückzulassen. Bitte ggf. notieren, was ihr zurücklasst und wie hoch eure Belastung dann noch ist. Seid ihr alle leicht belastet, erhöht sich die Reisegeschwindigkeit entsprechend.
 2. Wie ooc bereits gesagt: es ist ca. 17:00. Gutes Licht bis 21:00. Marschdauer pro Strecke ca. 1h.
 3. Dieser Absatz soll garantieren, dass jeder Char alles, was ihr als Gruppe bisher erfahren habt, in der weiteren Folge des Abenteuers weiß, sprich jeder Spieler die Details vorne nachschauen kann, ohne sich zu fragen: äh, war ich da überhaupt dabei? Es soll euch aber nicht davon abhalten, besonders wichtige Dinge, die ihr erfahren habt, den anderen auch besonders ans Herz zu legen / mit ihnen zu diskutieren.
 4. 1 Schritt = 0,75 m (= 1/2 "Kästchen")
 5. Ich stoppe hier, falls ihr unterwegs noch etwas tun wollt oder vor dem Klopfen an der Klostertür noch Vorbereitungen zu treffen habt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 03.03.2017, 10:34:21
Von den Reaktionen der Umstehenden auf seine Worte nimmt Abdo erst Notiz, als Talahan ihn anspricht. Zunächst blickt er den Paladin nur verwirrt an, als verstünde er gar nicht, von was der Mann eigentlich spricht. "Aber wie kann es sein, dass euer Gott keinen Namen hat, wenn ihr ihn doch Gott nennt? Ist das kein Name? Wenn Ihr mich fragen würdet, was Gott in meiner Sprache heißt, würde ich Aris sagen. Ich verstehe aber nicht, weshalb ihr andere Kreaturen "Gott" nennt. Bei uns gibt es nur Aris, und niemand anderes kann ebenfalls Aris sein. Das wäre Frevel.
Wenn Ihr wollt, kann ich IHN Gott nennen, aber würde ich IHN dann nicht auf die gleiche Stufe mit denen stellen, die Ihr ebenfalls Götter nennt?"


~~~

Die Neuigkeiten, die die anderen auf dem Weg zum Kloster mit ihm teilen, saugt Abdo wissensdurstig in sich auf. Er ist froh, dass er sich nicht dazu entschlossen hat, einen Teil seiner Sachen im Dorf zu lassen, denn was immer den Fluss verunreinigt hat: Es können nicht einfach nur tote Tiere gewesen sein. Etwas viel Schlimmeres muss den schwarzen Schleim verursacht haben, wenn Menschen dadurch in Bestien verwandelt wurden. Also hat der Fürstensohn gelogen, was zumindest Zweifel über den Zustand des Klosters erlaubt. "Es ist besser, so gut wie möglich vorbereitet zu sein."

Die Meinung Hjálmarrs bestärkt der Mönch: "Ich habe noch nie gesehen, dass Menschen sich in Shetani - Dämonen, wie ihr sie nennt - verwandelt hätten. Und ich habe schon vieles gesehen. Dämonen stammen aus einer Anderwelt, und nicht von hier. Was immer diese Menschen verwandelt hat, es muss etwas anderes sein. Was es nicht unbedingt weniger gefährlich macht."[1]

Als sie sich dem Kloster nähern, bewundert Abdo den Wasserfall. Eine solche Menge an Wasser, die einfach so in die Tiefe stürzt - wenn die Menschen in seiner Heimat das sehen könnten, wo man an vielen Orten weit in die Tiefe graben muss, um an Wasser zu gelangen. Eine Weile betrachtet er fasziniert das Spektakel, bis er seinen Kameraden hinterhereilt, um wieder aufzuschließen. Der Weg bereitet ihm dank seines in seinen Augen eher leicht gepackten Rucksacks nur wenige Probleme, und so bietet er denjenigen seiner Gefährten, die augenscheinlich näher an die Grenze ihrer Kondition gelangen an, ihnen Teile ihres Gepäcks abzunehmen.

Als sie schließlich die letzte Kurve vor dem Kloster umrunden, warnt der Mönch die anderen nochmals: "Seid wachsam - ich glaube nicht, dass Uther uns die ganze Wahrheit gesagt hat. Was immer diese Dorfbewohner verwandelt hat, könnte hier ebenfalls geschehen sein; anders kann ich mir den Schrei nicht erklären, der aus dem Kloster gedrungen sein soll."
 1. Dämonenwissen 13. Komplette Antwort, s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1025322#msg1025322). [EDIT Gaja].
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 03.03.2017, 12:42:41
Hjalmarr ignoriert die Worte über die sogenannten falschen Götter. Jetzt ist nicht die Zeit für eine derartige Diskussion, auch wenn es ihm mehr abverlangt, als er sich zugetraut hat. Während die Gruppe sich um Talahan sammelt, ehe man zum Kloster weiterreist, entdeckt der Lesdager das junge Pärchen, erstmals entspannt und zu einander hingezogen, seid sie aufgebrochen sind. Den drei Schwestern sei Dank, immerhin würde nun das Gezeter aufhören, oder zumindest weniger werden.

In Gedanken versunken folgt Hjalmarr der kleinen Gruppe etwas abseits mit Blick auf die fernen Waldgrenzen und die umliegenden Felder, die sanft im Wind wiegen, als sie das Dorf verlassen.

"Weniger gefährlich mit Sicherheit nicht," führt er Abdos bestärkende Worte fort, "wenn man sich vorstellt, wie ein Mensch einem anderen den Unterleib aufreißt. Doch dieser Blutdurst erinnert eher an eine Art Tollwut, wie sie bei Tieren vorkommt. Außerdem, dieses Heulen... ein Mensch, der in die Dunkelheit der Wälder flieht und in der Nacht zu jagen scheint, die Sonne verabscheut. Ein Mensch der sich wie ein Tier verhält, wie ein Wolf?" Der Lesdager lässt die Andeutung unkommentiert stehen und beobachtet weiterhin die Umgebung, während sie dem Karren-bewährten Pfad folgen.

Als sie in die Nähe der Klostermauern kommen, muss selbst Hjalmarr das beeindruckende Bauwerk honorieren. Dennoch ist er froh den Anstieg hinter sich gebracht zu haben. Ein Blick auf die schützenden Mauern und das geschlossene Tor, verrät, dass niemand zum Gruße erschienen ist. "Wollen wir einfach eintreten oder gebietet es die Ehrfurcht zu klopfen?" fragt er zynisch in Richtung Talahan.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 03.03.2017, 20:38:48
Nach der Aussprache mit ihrem Mann wirkt Lîf, zumindest für die aufmerksamen Beobachter unter ihren Begleitern, merklich ausgeglichener als zuvor, auch wenn ihr die Sorgen wegen ihrer aktuellen Probleme noch immer ins Gesicht geschrieben stehen. Die junge Heilerin hat versucht, den Gefährten anschaulich zu schildern, wie Solveig die Seuche einschätzt und welche Gefahr die Infizierten offenbar darstellen. Zugleich hat sie deren Berichten aufmerksam zugehört, begierig, alles in Wissen zu sammeln, das sie bekommen kann. Abdos und vor allem Hjálmarrs Bemerkungen entlockten ihr ein nachdenkliches Stirnrunzeln, doch hat sie sie ihrerseits nicht kommentiert. Dafür versucht sie auf dem Weg auf weitere Hinweise einer Verderbnis zu achten, wie sie in der Umgebung des kleinen Ortes ihre Spuren hinterlassen hat[1].

Während nach und nach das Kloster näher kommt und schließlich mit seinen Mauern vor ihnen aufragt, hält sie sich dicht bei Tristan. Ein Unbehagen hat von ihr Besitz ergriffen, das sie zwar nicht davon abhält, den Pflichten nachzukommen, die ihr die Große Mutter auferlegt hat, sie aber dennoch immer wieder zögern lässt, den Blick zu dem Gemäuer hoch gerichtet, das ihr düster und bedrohlich erscheint, selbst im Tageslicht... Ist es doch schließlich ein Ort, an dem jene ihrem Glauben huldigen, die sich Töchtern Gayas wie ihr gegenüber oftmals so unduldsam zeigen. Sie kann sich nicht helfen: Ihr nötigt der Anblick dieses mächtigen, aber wenig Respekt vor Mutter Erde beweisenden Bauwerks keine frommen Empfindungen ab! Ihre Lippen kräuseln sich kurz, als Talahan seine Vermutungen bezüglich des Paters äußert. Immerhin, ein ehrlicher Mann scheint er zu sein... geht ihr dabei durch den Kopf.

Die Steigung des Steilhangs nimmt die Schwangere trotz ihrer relativen Unbeholfenheit klaglos und recht ausdauernd, auch wenn sie sich dabei gelegentlich auf Tristans stützenden Arm verlassen muss. Viel Kraft schenkt ihr jedoch auch das wundervolle Rauschen des Wasserfalls – Zeichen einer belebten Natur, erfüllt von Gayas Kraft, so ganz anders als die leblosen Steinmauern des Klosters! In Sichtweite der Pforte angelangt, keucht sie dennoch verhalten. "Du meinst, die Mönche könnten uns angreifen?" fragt sie nach einigem Durchschnaufen Abdo und späht misstrauisch in Richtung ihres Ziels. Dann wartet sie gespannt darauf, was Talahan Hjálmarr antworten wird, und tastet zugleich nach ihrer Schürzentasche, in der sich nun Tristans Sax befindet. Große Mutter, gib, dass er nicht recht hatte, mir die Waffe zu geben! betet sie dabei stumm.
 1. Wahrnehmung: 13
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 05.03.2017, 20:51:38
Freydis hörte dem Bericht des Gastwirts mit Interese zu. Hensgar schien ihr klareren Kopfes zu sein, weniger bereit als seine Nachbarn die Ereignisse den Dämonen zuzuschreiben.
"So so, Empfindlich gegen Licht und Feuer. Das müsste sich recht gut ausnutzen lassen."
"Werds mir merken und die anderen warnen. Habt Dank!" nickte sie dem Gastwirt zu ehe sie sich auf dem Weg nach draussen machte dabei in Gedanken diejenigen ihrer Zauber durchgehend die Wirkung gegen den Wandler zeigen würden, wenn es nötig werden sollte.
Talahans Theorie über die Strategie des Abtes klang durchaus einleuchtend in den Ohren der Berührten.
Es wäre beileibe nicht das erste perfide politische Manöver dieser Art und welch besserer Weg Zungang zu Herzen und Hirnen der Menschen zu finden, denn als Retter in der Not aufzutreten. Ausserdem dürfte der Paladin ja seine Glaubensbrüder kennen.
An körperliche Anstrengung nicht gewohnt keuchte Freydis als sie endlich die letzte Serpentine erreichten.
Das Lív trotz ihres Zustandes klaglos die Anstrengung durchstand nötigte der Berührten Respekt ab. Die Heilerin war eindeutig zäher als es auf den ersten Blick schien.
Je näher sie dem Kloster kam, desto nervöser wurde sie aber auch. Geschichten von Anklagen, Folter und Scheiterhaufen gingen ihr durch den Kopf. Unauffällig sucht ihre Hand unter dem Mantel das Gefühl des Ringes der unter ihrer Kleidung an einer Lederschlinge um ihren Hals hängt. Des Ringes mit dem Rabenwappen der Edthgo, ihr einziger Beweis ihrer wahren Identität in diesem fernen Land. Einer Identität, die sie möglicherweise sogar vor dem Scheiterhaufen bewahren konnte.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 06.03.2017, 21:52:42
"Ich weiß nicht, was die Mönche tun werden. Aber ich bin lieber vorbereitet." Abdo ist vermutlich der einzige unter den Anwesenden, der die Mönche dieses Klosters überhaupt nicht einschätzen kann, und die Erzählungen der anderen ergeben ein Bild, das ihn nicht zwingend darin bestärkt, dass er es bei ihnen mit Freunden zu tun hat. Vor allem aber sind es die Erzählungen der anderen über Verwandlungen in Monster gepaart mit dem Schrei, der vor einigen Tagen aus dem Kloster drang, der ihn Vorsicht walten lässt.
"Wenn Solveig die Wahrheit gesprochen hat, ist es nicht sicher, ob diese Mönche überhaupt noch menschlich sind. Denn dass der junge Prinz uns etwas verheimlicht hat, halt ich für absolut offensichtlich. Am liebsten wäre ich gar nicht so offen zum Tor geritten, aber wer immer diesen Ort errichtet hat, hat Wert darauf gelegt, dass niemand sich der Festung ungesehen nähert. Daher, verehrter Hjálmarr, gebietet es wohl die Höflichkeit, dass wir anklopfen. Überraschen werden wir hier niemanden."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 08.03.2017, 13:13:07
Die Elbin nickt. "Warum nicht. Wir wissen nicht, ob es sich hier bei allem nur um ein großes Missverständnis handelt, ob Prinz Uther uns angelogen hat, oder ob die Priester Prinz Uther getäuscht haben. Ich denke, Frida hat die Wahrheit gesagt, dass sie hier waren und die Tore verschlossen vorgefunden haben. Und diese Geschichte mit Ilf, der sich in irgendeine Bestie verwandelt hat und seine eigene Familie ermordet hat. Sie hatte auch etwas von einem unmenschlichen Schrei erwähnt, den sie des Nachts vom Kloster her gehört hatten, als der Sturm tobte. Wir sollten auf alles vorbereitet sein."

Aeryn blickt sich daraufhin die Mauern des Klosters an, um einzuschätzen, ob sie diese wohl erklimmen könne. Sind dort vielleicht Bäume in der Nähe der Mauer, oder könnte man mit einem Seil nachhelfen. Wenn sie eine geeignete Stelle gefunden hat, versucht sie auch gleich, dort hinaufzuklettern, um sich von oben einen besseren Überblick verschaffen zu können. Dabei will sie sich natürlich versteckt halten, um nicht aufzufallen, für den Fall, dass die Priester doch noch ganz normal hier wohnen, oder auch für den anderen Fall. Eigentlich ist es immer gut, nicht aufzufallen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 09.03.2017, 23:17:08
So ganz traut Tristan dem plötzlichen Ehefrieden nicht. Immer wieder geht sein Blick zu seiner Frau, ob diese ihn nicht doch böse oder herausfordernd anfunkelt. Und die Erleichterung darüber, dass sie es nicht tut, steht ihm jedes Mal ins Gesicht geschrieben. Später dann, als Ansdag hinter den Wanderern zurückbleibt und Tristan genug damit zu tun hat, nach potentiellen Gefahren Ausschau zu halten, tastet seine Hand immer wieder nach der ihren; ein leichter Druck ihrerseits beruhigt ihn rasch. Hab' ich also doch inmitten der vielen Worte irgendetwas richtiges gesagt, auch wenn Líf mir nichts davon bestätigen wollte, aber auch nichts leugnen! Doch schließlich bleibt auch für den kurzen Händedruck keine Zeit mehr, als die Umgebung seine (und auch Lîfs) gesamte Aufmerksamkeit beansprucht.

Das Tempo, das die Gefährten vorlegen, erlaubt es Lîf leider nicht, den Bach so genau zu inspizieren, wie sie gerne hätte. Zwar entdeckt sie fast ein Dutzend Stellen, an denen Gras und Kraut ähnlich verfault und verschimmelt aussieht wie die bachnahen Gemüsegärten in Ansdag (nebst diverser toter Kleintiere in der Nähe), aber nur dreimal liegen diese nahe genug an der Straße, dass Lîf die anderen bitten mag, ihr die Zeit für einen etwas genaueren Blick zu gönnen. Allgemein finden sich die verdorbenen Stellen immer dort, wo die Strömung bei Hochwasser schwimmenden Unrat angetrieben hätte, der dann bei sinkendem Wasserspiegel in Mulden zurückblieb. Die genauere Inspektion zeigt Lîf in den ersten beiden Fällen nichts, was sie nicht schon gesehen hat, aber bei der dritten Inspektion ruft Tristan plötzlich "Hoppla!" und gleichzeitig sieht Lîf es auch: inmitten der zu braunem Schleim verfaulten Wiesengräser, im Schatten einer siechen Eberesche, die ihre vertrockneten Blätter fallen lässt, als wäre es schon Herbst, wächst ein Hexenring daumengroßer, knochenbleicher Pilze.[1]

Zu gerne würde Lîf sich einen der Pilze zur Probe holen, um ihn Solveig zu zeigen, aber sie sieht auf die Schnelle keinen sicheren Weg, wie sie in die Nähe gelangen könnte. (Und falls sie auf den Gedanken käme, es einfach zu wagen, dort mitten hineinzumarschieren, würde eine starke Hand sie gleich, ebenso behutsam wie energisch am Kragen packen und zurückhalten.) Vielleicht würde sie morgen eine Lösung dafür finden oder Solveig einfach kurz hierhin führen.

Als das Kloster keine hundert Schritt entfernt vor ihnen aufragt und Lîf seine Nähe sucht, lächelt Tristan. Wenn sie an diesem Ort stürben, wenigstens wären sie einander wieder gut.
 1. Ergebnis Lîfs Wahrnehmung 13 +2 von Tristans Aid Another (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1025775#msg1025775).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 10.03.2017, 19:55:53
(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12786)
Ein Grund, warum das Klostergebäude den Gefährten derart düster vorkommt, mag es sein, dass sie zum ersten Mal auf der Wanderung gegen die Sonne blicken. Bislang war diese immer in ihrem Rücken oder in den Serpentinen mal links, mal rechts gewesen, doch der Anstieg hat sie ein Stück am Kloster vorbeigeführt, sodass sie sich ihm nun aus dem Osten nähern, der nahe Gipfel des Wächters und die wolkenverhangenen Höhen des Erlstavs nun mehr hinter ihnen. Der Wind ist deutlich frischer hier oben als unten im Dorf, die Vegetation kümmerlich: sommerdürres Gras zwischen Dornengestrüpp, einige Haseln, hier und da eine windzerzauste Hainbuche oder ein geduckter Ahorn.[1]

Vergeblich sucht Lîf hier nach Anzeichen von Verderbnis; sie findet nicht einmal den Bach wieder. Wie kann das sein? Ist man nicht direkt oberhalb des Wasserfalls? Sein Tosen jedenfalls ist bis hierher zu hören! Auch Abdo, Aeryn, Hjálmarr und Tristan wundern sich darüber. Nur Freydis und Talahan wissen Bescheid. Letzterer denkt momentan noch über Hjálmarrs Worte nach.

"Die Tollwut selbst könnte ein derartiges Verhalten schon erklären", schlussfolgert der Gotteskrieger, "oder aber der Wahn, aber Krallen und Reißzähne? Angenommen, die Dörfler übertreiben damit nicht: bei solchen Verwandlungen ist immer Magie am Werk." Sein Blick geht halb misstrauisch, halb erwartungsvoll zu Freydis.

Doch Freydis stellt plötzlich fest, wie wenig sie weiß. Wie wenig sie sich zu fragen und zu forschen getraut hat. Zu sehr hat sie sich ein normales Leben gewünscht, hat versteckt, verheimlicht, verleugnet, was sie ist. Geschichte, Geographie und Politik hat sie studiert, aber keine Magie. Ja, natürlich war da das praktische Training, natürlich hat sie sich mentale Tricks und Techniken angeeignet, die sie ihre Schmerzen und Visionen besser überstehen ließen, aber die großen Fragen hat sie nie gestellt: das Woher, das Warum, das Wie, das Wozu oder auch nur das Wer. Magiegeschichte? Unerträglich! Was soll sie sich das Herz damit beschweren, über all die Berührten zu lesen, die in den vergangenen Jahrhunderten qualvoll starben, weil sie ihre Fähigkeiten nicht zu meistern lernten, oder über jene, die trotz anfänglichem Erfolg schließlich dem Wahn verfielen? Und dann sind da noch die, die von Kirche oder aufgebrachtem Pöbel bei lebendigem Leib verbrannt wurden! An diese Zukunftsperspektiven wollte Freydis nicht ständig erinnert werden. Nur das Was hat sie ein wenig interessiert: was ist möglich? Aber da hielt Undis mit Antworten sehr zurück, sprach gerne kryptisch etwas von einem Weg, der für jeden anders verliefe und den jeder selbst finden müsse. Über Werwölfe, Verwandlungen oder derlei Flüche jedenfalls hat sie ihrer adligen Schülerin nie etwas erzählt und diese Themen waren Freydis auch in keinem Buch begegnet. Keinem ernsthaften. Das ist nämlich das Problem mit Büchern über Magie: die meisten sind von deren Gegnern geschrieben, die selbst keinerlei Ahnung davon haben, die bestenfalls zu deuten versuchen, was sie mit eigenen Augen gesehen oder zumindest meinten, gesehen zu haben; schlechtenfalls sind es reine Hetzschriften mit kaum einmal einem Körnchen Wahrheit in einem Berg voller Unrat. Bislang hat Freydis sich nicht überwinden können, mehr als ein paar Seiten solcher Bücher zu lesen, und echte Magiebücher, von einem Berührten geschrieben, sind so selten, dass sie in ihrem Leben nur eines jemals in der Hand gehalten hat und das nur für wenige Augenblicke.[2]

Daher hat Freydis jetzt für Talahan keine Antwort parat. Will sie ehrlich sein, kann sie nicht einmal zur Bestätigung nicken.

So nähern sich die Gefährten ihrem Ziel. Etwa fünfzig Schritt vor dem Gebäude gabelt sich der Weg. Der breitere Teil führt geradeaus weiter auf den südlichen Anbau des Klosters, welcher für jeden, der auch nur ein wenig Ahnung von Sakralbauten hat, leicht als Kapelle zu erkennen ist; einer der beiden zierlicheren Seitentürme erhebt sich über dieser. Ein schmalerer Weg führt an Kapelle und Hauptgebäude vorbei zu einem zweiten Tor direkt vor dem Nordturm. "In dem Gebäude kommen Pilger und sonstige Gäste unter", weiß Talahan über den nördlichen Anbau.

Es ist keine Menschenseele zu sehen. Das heißt erst einmal noch nichts, wie Tristan mit einem Wort erklärt: "Vesper." Und nur für den Fall, anwesende Gaja-Gläubige könnten dabei an Essen denken, präzisiert er: "Also die Zeit, wo man gemeinsam betet und die Worte des Propheten aufsagt." Er nickt in Richtung Kapelle. "Essen gibt's erst kurz vor Sonnenuntergang." Für diese Bemerkung erntet der Rûngarder einen überraschten Seitenblick Talahans.

Aeryn dagegen, die ihre eigenen, unausgesprochenen Pläne hegt, nutzt diese Information sofort aus und huscht vor, um am südlichen Tor zu lauschen, doch sie hört nichts. In der Kapelle herrscht Totenstille. Nicht einmal ein Husten ist zu hören, geschweige denn die vielstimmig rezitierten Worte des Propheten. Schade. Eine solche Gebetsversammlung wäre ihrem Plan sehr entgegen gekommen. Doch sie will es trotzdem versuchen. Jetzt, so dicht vor dem Gebäude, blendet auch die Sonne nicht mehr. Sie sucht nach einer günstigen Stelle—sowohl halbwegs vor Blicken geschützt, als auch mit entsprechenden Handgriffen—an der sich die Mauer erklimmen ließe. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Das ist ja mehr eine Festung als ein Gotteshaus! Gut zwölf Schritt dürfte die Mauer hoch sein, fensterlos, und der Stock darüber mit Überhang! Die Steine messen eine Elle auf zwei, sind glatt behauen und nahezu fugenlos zusammengefügt. Niemals ist dies Menschenwerk! Riesen müssen hier Hand angelegt haben!

Doch Aeryn lässt sich nicht von ihrem Plan abhalten. Auch wenn sie nirgendwo eine Stelle entdeckt, an der ein Seil mit Haken (wie sie eines in Abdos Gepäck erspäht hat) Halt finden würde, meint sie, der Baum dort würde ihr helfen, wenn sie nämlich von dort aus den kleinen Vorsprung erreichen könnte... Gesagt, getan, gestürzt. Etwas verdutzt liegt die Elbin im Gras, unverletzt und soweit bei Sinnen, dass sie denkt: wie gut, dass es kein Dornenstrauch war oder blanker Fels.[3] Von einem zweiten Versuch sieht sie ab, denn so ein Glück hat man nur einmal. Mauern sind viel schwerer zu erklimmen als Bäume oder Felsen, nimmt sie vielleicht als Lehre mit auf den Weg.

Viel verpasst hat sie durch ihre Aktion nicht. Ihre Gefährten sind inzwischen vor dem nördlichen Tor angekommen, aber scheinen sich noch nicht einig geworden zu sein, wer klopft und ob überhaupt geklopft werden soll und wenn ja, ob man vorher schon Waffe und Schild parat haben soll.[4] Sie bekommt gerade noch mit, wie Talahan die Sache mit einem bissigen Kommentar entscheidet: "Stünden wir vor der Tür einer Fischerhütte und begehrten Einlass, würde jeder hier ohne zu zögern klopfen. Welch arroganter Flegel müsste man sein, um es nicht zu tun!"

Damit tritt er vor und betätigt den gusseisernen Türklopfer.

Dass hinter ihm die Leute nach eigenem Gutdünken die Waffen zücken oder auch nicht, scheint ihn nicht weiter zu kümmern.

Eine geraume Weile lang passiert nichts. Talahan klopft ein zweites Mal, ein drittes. Dann endlich öffnet sich ein Sichtfenster in der Tür und ein Mann lugt hinaus. Dunkles Haar, dunkle Augen, dunkle Robe, die Miene weder neugierig noch einladend, eher gelangweilt, die Stimme träge, fast schon monoton:

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12783)
"Ja, was ist denn? Wer seid ihr und was wollt ihr hier zu so später Stunde?"

 1. Das kleine Bild zeigt den Blick natürlich von der verkehrten Seite, von Ansdag aus gesehen.
Nebenbei: Tristan hat seine "Camping-Ausrüstung" (im Status "das Notwendigste" genannt) bis auf die Wasserschläuche in Ansdag gelassen. Falls Lîf ihren Teil mitschleppt, lässt er sie sogar, mit einiger Mühe, Abdos Angebot annehmen. Er selbst ist nämlich schon ohne das Zeug fast im mittleren Bereich. Das Reisetempo war also nicht durch Gepäck verlangsamt.
 2. Sorry für den langen Text. Das soll Dich nur überzeugen, mit Freydis doch möglichst bald einen Punkt in knowledge (arcana) zu investieren...
 3. Kletter-DC um 5 verfehlt, selbst wenn Abdo ihr sein Seil geliehen hätte, daher Sturz. Stealth mit 20 aber sehr gut. Mit etwas Glück hat keiner der anderen den Sturz bemerkt...
 4. Sorry, wenn ich euch hier die Entscheidung abnehme, welches der beiden Tore ihr zuerst erprobt, aber ich hatte ursprünglich gedacht, ihr kommt von der Seite her (wo's nur ein Tor gibt, s. Karte (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8910.msg1025850#msg1025850)), aber heute dann beschlossen, dass es geographisch mehr Sinn macht, ihr kommt von oben her. Dafür wollte ich jetzt aber nicht noch einmal den Betrieb aufhalten.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 11.03.2017, 15:10:48
Abdos Antwort lässt Lîf zweifelnd an den schroff wirkenden Mauern hinauf sehen. Dies alles erscheint ihr nichts weniger als einladend... "Ich bete, dass sich das als unnötige Vorsicht herausstellt" murmelt der Rotschopf verhalten. Ihre Gedanken wandern zurück zum Hinweg, der der Schwangeren schwerer fiel, als sie es sich hat anmerken lassen – denn der Stolz ist tief im Blut ihrer Familie verankert. "Wir müssen nachher noch einmal zurück zu diesem Hexenring. Ich muss mir das näher ansehen" wispert sie Tristan zu. Die ganzen Anzeichen des Zerfalls, die sie entdeckt hat, geben ihr nämlich das Gefühl, dass hier machtvolles Unheil am Wirken ist. Und die Pflanzen sind ihrer Fürsorge ebenso anvertraut wie Mensch und Tier. Ihr Auftrag, der Befehl der Großen Mutter, hat Vorrang vor allem anderen, weswegen sie auch nicht mehr darauf eingeht, wie ihr Mann sie mit einem entschlossenen Griff davon abhielt, ihrer Wissbegierde nachzugeben. Für dieses Mal hat sie ihm gehorcht, wohl wissend, dass ihr ungestümes Temperament ihr in dieser Angelegenheit eher ein Hemmnis als eine Hilfe ist.

Abgesehen davon hat die kurze Aussprache mit ihrem Gemahl sie wieder ein Stück weit mit ihm versöhnt, auch wenn sie es niemals so offen zeigen würde. Und sie spürt das kleine Leben in ihrem Bauch sich regen – die Frucht seiner Lenden, der Segen der Göttin in ihrem Schoß, eine stete Erinnerung daran, dass sie diesen Mann trotz aller Zwistigkeiten liebt, der einmal ihr Herr war, aber mittlerweile etwas anderes, viel bedeutenderes für sie geworden ist. "Ob er überhaupt ahnt, was er mir bedeutet? Oh Herrin, hilf..! Ich habe oft das Gefühl, wir redeten verschiedene Sprachen, er und ich... Und er kann beinahe so dickköpfig sein wie ich." Ihr Blick streift Tristan kurz, als ihre schlanke Hand gedankenverloren über ihren runden Bauch streicht. Dann reißt sie sich mühsam wieder von ihren persönlichen Angelegenheiten los und mustert die Umgebung. Das Fehlen des erwarteten Bachlaufs irritiert die Heilerin.

Sie wendet sich Talahan zu, als er das Wort ergreift, und schürzt die Lippen. Ja, der Mann hat recht: Dies hier geht nicht mit rechten Dingen zu! Doch dass er gleich auf den Gedanken kommt, die Schuldigen bereits zu kennen, ist wieder einmal typisch für den engstirnigen Charakter der Anhänger seines Gottes. Wie die Gottheit, so die Gläubigen: unbelehrbar, unerschütterlich in der eigenen Selbstsicherheit, rasch und kompromisslos im Handeln. "Typisch Mann!" schießt ihr durch den Kopf, und die junge Frau schnaubt leise durch die Nase. Um wie viel vernünftiger und gütiger können doch Weiber sein – und doch ist es meist der Mann, der das Sagen hat..! Missmutig wandert ihr Blick über die Mauern von Haupt- und Anbauten des Klosters, bis sie schließlich vor dem Tor stehen und Talahan den Türklopfer benutzt. Als sie schon denkt, das Klopfen sei erfolglos, öffnet sich das kleine Fensterchen, und sie späht neugierig in das Gesicht des Mannes, der hinausschaut. Misstrauisch runzelt sie die Stirn. Diese träge, ja fast gleichgültig wirkende Begrüßung für einen Diener seines Gottes wie Talahan scheint zu einem Mönch nicht recht zu passen[1]...
 1. Motiv erkennen auf den Mönch: 13
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 13.03.2017, 19:42:57
Mittlerweile is auch die Elbin wieder bei der Gruppe. Von ihrem Sturz lässt sie sich natürlich nichts anmerken. Ein paar Flecken von Gras und Erde fallen auf ihrer Kleidung eher weniger auf und die blauen Flecken darunter ohnehin nicht. Neugierig schaut sie in Richtung des Tors. Dort war tatsächlich einer der Klosterbrüder zu sehen. Sie zuckt mit den Schultern und wartet gespannt darauf, wie das Gespräch mit ihm verläuft. Dabei mustert sie den Mann aufmerksam, hält aber auch ein Auge auf die Umgebung. Man weiß ja nie, was für Bestien hier im Unterholz lauern könnten.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 14.03.2017, 00:04:02
Abdo beobachtet den Versuch der Elbin, die Mauern des Klosters zu erklimmen, mit verhaltener Neugierde. Ihm ist nicht ganz klar, was die Frau damit bezwecken möchte, sonst hätte er angeboten, es selbst zu versuchen. Seine Vermutung, dass sein eigenes Klettergeschick das Aeryns übertraf, wurde zumindest soweit bestätigt, als dass sie recht unsanft auf dem Boden aufschlägt.
Das alles nimmt der Ya'Keheter zwar zur Kenntnis, bleibt aber fokussiert auf sein eigentliches Ziel, das Kloster. Nachdem die Gruppe einen Moment vor den Toren gewartet hat, fasst sich Talahan schließlich ein Herz und klopft. Eine Weile tut sich nichts, und gerade als Abdo sich innerlich darauf vorbereitet, doch selbst einen Versuch zu starten, die Mauern zu überwinden, wird ihnen geöffnet, und ein albern aussehender Mann mit Halbglatze empfängt sie in etwas, das nach Abdos Meinung nur ein Schlafgewand sein kann - dabei ist es immer noch heller Tag!

Die etwas unhöflichen Worte des Mannes verschlagen den Mitgliedern der kleinen Gruppe einige Momente die Sprache, und es ist Abdo, der sich als erster fasst und, im Gegenzug ebenfalls auf die meisten Höflichkeitsfloskeln verzichtend, antwortet: "Seid gegrüßt, Gottesmann! Wir kommen aus Kromdag und wurden von Fürst Ayrin geschickt, um das Verschwinden mehrerer Karawanen aufzuklären. Sein Befehl lautet, auf jeden Fall mit dem Abt eures Klosters zu sprechen. Könnt Ihr diesem bitte unser Kommen mitteilen?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 14.03.2017, 11:44:58
"Verschwundene Karawanen?" echot der Bruder. "Das klingt für mich nach einer Aufgabe für die weltliche Obrigkeit. Habt Ihr schon mit Fürst Soren oder seinem Sohn gesprochen?" Etwas arg verspätet, wie Lîf findet, nickt der Mönch grüßend in Talahans Richtung und setzt, mehr pflichtschuldig als aus einem entsprechenden Empfinden heraus, die Anrede "Bruder" hinzu.[1]

"Haben wir", entgegnet Talahan ebenso knapp. "Doch unser Befehl lautet, auch mit dem Abt zu sprechen."

"Pater Halfir ist momentan unpässlich", sagt der Mönch. "Kommt in ein paar Tagen wieder." Und schon hebt er die Hand nach der Tür des Guckloches, um es wieder zu verschließen.
 
 1. Lîf, bisher hat der Mönch noch nicht viel mehr getan, als durch ein kleines Guckloch gegrüßt, deswegen kann ich noch nicht viel zu Deinem Sense Motive sagen. Ich werde Deinen Wurf aber in Erinnerung behalten und im Verlauf des weiteren Gesprächs ggf. weitere Hinweise einstreuen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 14.03.2017, 18:26:34
Hjalmarr hat sich etwas außer Sicht rechts neben dem Tor platziert und greift nun schnell nach der Klappe des Gucklochs, wohl darauf achtend bei entsprechendem Kraftaustausch keine eingeklemmten Finger davon zu ziehen. Sie haben keine Zeit für seltsame Praktiken und Formalitäten des Alltags. Dort unten im Dorf sterben und verwandeln sich scheinbar Menschen in wilde Bestien, ohne das jemand etwas dagegen tut. Als seine Hand die Klappe in ihrer offenen Position hält, schiebt er sich etwas ins Sichtfeld.

"Es geht nicht nur um verschwundene Händler und ihre sabbernden Maultiere. Ich versichere euch, dass diese Angelegenheiten von äußerster Dringlichkeit sind und keinen Aufschub zulassen. Geht und überbringt unser Gesuch eurem Pater, denn in ein paar Tagen wird es vermutlich schon zu spät für die Dörfler Ansdags sein. Hier geht es um ihre Sicherheit und auch um die eure!" Mit ernster, durchdringender Miene blickt er dem Mönch durch den hölzernen Ausschnitt direkt in die Augen.[1]
 1. Einschüchtern 10
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 14.03.2017, 20:04:42
Freydis hält sich bewusst zurück. Darauf bedacht möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken überlässt sie ihren Gefährten das Wort. Nur bei Aeryns missglücktem Kletterversuch schleicht sich die Andeutung eines Lächeln auf das Gesicht der Berührten. Zu selten verliert die sonst so gewandte Elfe so die Kontrolle.

Der Mönch wäre ihr auch mit besserem Benehmen schon durch seinen Glauben suspekt, dass er in solchen Zeiten Besucher dermaßen gelangweilt begrüßt und sein Benehmen kaum besser wird nachdem er erfahren hat auf wessen Befehl sie hier sind erregt erst recht ihr Misstrauen. Freydis runzelt die Stirn und ihre Augen sind fast himmelblau als sie den Mönch mustert, aber schlau wird sie aus ihm nicht.[1]
 1. Sense Motive 5
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 15.03.2017, 00:48:27
Dieser Landstrich und seine Bewohner machte Abdo mehr und mehr zu schaffen: Hat denn jeder hier etwas zu verbergen? Für ihn, dessen ganzes Dasein auf den Werten Wahrheit und Rechtschaffenheit basiert, ist es nur schwer nachzuvollziehen, dass hier offenbar jeder Mensch, auf den sie treffen, irgendwelche düsteren Geheimnisse hegt. Sein erster Eindruck von diesen sogenannten Mönchen lässt ihn erschüttert zurück, denn Nächstenliebe und die Pflicht, anderen zu helfen, scheint dieser Mann nicht zu kennen. Immerhin scheint er Abdo in der langsam einsetzenden Dämmerung und durch die kleine Luke nicht genau erkannt zu haben, sonst wäre seine Entgegnung vermutlich noch ablehnender ausgefallen - zumindest lassen diesen Schluss Abdos bisherige Beobachtungen zu.

Dennoch versucht der Ya'Keheter noch einmal, mit Worten zu dem Mönch durchzudringen, nachdem Hjálmarr dafür gesorgt hat, dass er die Klappe nicht so schnell wieder schließen konnte, wie er wohl erwartet hat.
"Euer Abt hat sicherlich einen Vertreter, mit dem wir sprechen können? Die Anweisungen des Fürsten waren sehr deutlich."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 16.03.2017, 11:13:30
Dicht neben Tristan stehend, mustert Lîf das Tor, die umgebenden Mauern und das Gesicht des Mannes in der kleinen Öffnung der hölzernen Barriere. Sie spürt regelrecht, wie sich zwischen dem Mönch und Talahan eine unausgesprochene Aura von Steifheit und Misstrauen, womöglich sogar Ablehnung aufzubauen beginnt. Das ist gewiss nicht der Empfang, den der Anführer der kleinen Reisegruppe erwartet hat – um das zu erkennen, muss man über keine große Empathie verfügen. Schweigend folgt der Rotschopf dem Gespräch, in dem auch Abdo eine recht aktive Rolle übernimmt. Sie konzentriert sich dabei aber nach wie vor auf den Mönch, der ihr immer seltsamer vorkommt.

Regelrecht überrascht ist sie, als der Mann selbst Talahan mit ein paar dürren Worten abfertigen und das Gespräch einfach beenden, sie also von der Klosterpforte abweisen will. "Eine sehr freundliche Aufnahme..." bemerkt sie leise zu ihrem Mann. "...die sind sich ja nicht mal untereinander grün." Gespannt beobachtet die junge Druidin, wie sich die Überzeugungsversuche der anderen entwickeln. Doch selbst greift sie nicht ein. So wie ihr der Mönch als Vertreter eines in ihren Augen falschen Glaubens nicht geheuer ist, hat sie das sichere Gefühl, der Sache der Gruppe mehr zu schaden als zu nutzen, sollte sie zu sehr in Erscheinung treten und dem Mann durch Gesten, Worte oder andere Anzeichen als Dienerin der Großen Mutter offenbar werden.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 16.03.2017, 13:42:50
Hjálmarrs hitzige Worte lässt der Mönch unbeeindruckt an sich abprallen. Auch als ersterer die Faust gegen das Türchen stemmt, um das Schließen des Gucklochs zu verhindern, verzieht der Mönch keine Miene. (Übrigens hat Talahan fast gleichzeitig die Hand gehoben, wohl mit ähnlichem Ziel, doch Hjálmarr war schneller.) Nach kurzem Gegendrücken—Erstaunliche Kraft für so ein Mönchlein, denkt Hjálmarr, "der stemmt täglich wohl doch mehr als bloß die Schreibfeder—gibt er kommentarlos auf. Lediglich sein kühler Blick bleibt kurz an dem Lesdager hängen, dann gleitet er schon weiter zu Abdo, der es noch einmal mit Vernunft versucht. Diesmal blickt der Mönch den Ya'Keheter voll an und dennoch spiegelt sich auf dem blassen Gesicht keinerlei Überraschung. Das ist nicht die Reaktion, die Abdo von den Menschen in Dalaran gewohnt ist.

(Hilda zum Beispiel ist anfangs ganz überrascht gewesen, dass ihre Hände nicht schwarz wurden, wenn sie ihn anfasste, wo er doch so schmutzig sei. In Kromdag fiel ihm auf, dass die Leute Abstand zu ihm hielten und dass sie, stieß man doch einmal im Gedränge aneinander, erschrocken ihre Kleidung nach Flecken absuchten. In Ansdag hat man ihn gar für einen Dämonenboten gehalten.)

Doch hier legt der Mönch einfach nur den Kopf schief und scheint über Abdos Worte nachzudenken. So steht er eine ganze Weile lang da, als gäbe es einiges dabei abzuwägen. Obwohl, denkt Lîf, es lässt sich so gar kein Ringen um Für und Wider in seiner Miene erkennen, sein Blick geht weder in sich noch in die Ferne wie bei jemandem, der Argumente sucht oder verfolgt. Trotzdem gelangt der Mann zu einem Schluss. Er nickt Abdo zu.

"Das wäre Bruder Edgar, unser Bibliothekar. Er ist gleich hier vorne im Skriptorium. Mit ihm könntet Ihr sprechen, wenn Ihr wollt."

Der Gedanke, das düstere Gebäude zu betreten, lässt Freydis erschauern. Damit hat sie gerechent, darauf ist sie vorbereitet. Worauf sie nicht vorbereitet ist: selbst an diesem Ort klingen die Worte "Bibliothek" und "Skriptorium" in ihren Ohren wie sehnsüchtige Verheißung, erfüllen sie mit wohliger Vorfreude.

Aeryns Gedanken, wesentlich prosaischer, befassen sich dagegen immer noch mit der Frage, wie man hier denn heimlich einsteigen könnte. Also, direkt am Tor ist die Mauer etwas niedriger und es gibt auch keinerlei Überhänge oder Überbauten, da käme man schon mit Seil und Haken gut rauf. Nur heimlich wäre das dann nicht mehr—auch wenn sie keine Wachen erspäht, kann man hier aus diversen Fenstern einblicken—und man wäre auch noch nicht im Gebäude selbst.

Tristan als einziger hat sein Schwert gezogen. Auch er hat die Augen auf die Umgebung, weniger auf den Mönch gerichtet. Als Lîf ihn auf die Art des Empfanges anspricht, spuckt er aus. "En god munk er den, der brænder"[1], kommentiert er ebenso leise. Sein Tonfall ist dabei so bitter, die Miene so böse, dass Lîf sich unwillkürlich fragt, ob ihr Mann tatsächlich dazu imstande wäre: Mönche bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Jedenfalls ist es gut, dass sie beide im Hintergrund stehen und sowohl Tristans Gesten als auch der böse Spruch dem anwesenden Klosterbruder entgangen sein dürften.[2]

Derweil steht der Mönch da und macht von sich aus nicht die geringsten Anstalten, das Tor zu öffnen. Offenbar wartet er noch auf die Entscheidung der Gruppe.
 1. Värangsk: Ein guter Mönch ist der, der brennt.
 2. Intimidate "nur so": 13.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 16.03.2017, 14:00:09
Aeryn ist tatsächlich etwas verwundert über das Angebot des Mönchs. Sie glaubt noch nicht daran, dass hier alles seinen rechten Weg geht. Aber so würden sie zumindest schonmal Eintritt in das Kloster erlangen, was ihnen auch einige Einblicke geben sollte. Den merkwürdigen Geruch hat sie noch im Hinterkopf und wird sich den Mönch auch genau anschauen, sobald das Tor einmal geöffnet wird, nimmt sich die Elbin vor.

"Dann öffnet endlich das Tor, damit wir mit dem Vertreter eures Abts sprechen können," ruft die kleine Waldläuferin hinter den großen Schultern der Männer, die vor dem Guckloch stehen.

Vielleicht ist es auch eine Falle. Er hatte lange gezögert, bis er das Angebot gemacht hatte. Ohne groß darüber nachzudenken, nimmt Aeryn ihren Bogen von den Schultern und macht ihn bereit. Man weiß ja nie, und manchmal kommt es auf jede Sekunde an. Daher will sie für den Fall der Fälle gewappnet sein.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 20.03.2017, 18:31:57
"Das wollen wir", bestätigt Talahan, was Aeryn bereits nach vorne gerufen hat. "Also lasst uns endlich herein."

Darauf geht, sofern Hjálmarr es zulässt, die Luke zu und man hört ein Gewurschtel hinter der Tür, ein Hantieren mit diversen Riegeln und Schlössern. Endlich öffnet sich eine im Tor eingearbeitete mannsbreite Tür, durch welche die Gefährten einzeln eintreten.

Vor ihnen liegt ein zunächst schmaler, dann sich weitender und trotz der späten Stunde noch recht sonniger Hof oder vielmehr, wie sie nach wenigen Schritten erkennen, kein bloßer Hof, sondern ein üppig angelegter Klostergarten. Spalierobst bedeckt die dem Süden und dem Osten zugewandten Mauern; Efeu die dem Norden zugewandte. Dazwischen reihen sich ordentliche, mit Weidengeflecht umsäumte Gemüse- und Kräuterbeete. Streng getrennt davon: die Heilkräuter. Bohnen und Gurken ranken kreisförmig angeordneten Holzstangen empor. In einer geschützten Ecke finden sich mehrere Bienenstöcke, relativ zentral dagegen ein Brunnen.

"Bruder Edgar gab's hier schon, als ich vor gut zehn Jahren als Pilger hier war", erklärt Talahan. "Auch wenn er damals noch nicht den zweitwichtigsten Posten belegte, fiel er mir schon als tüchtig und hilfsbereit auf."

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12807)
Lîf hält weiterhin Ausschau nach Anzeichen von Verderbnis, entdeckt aber lediglich ein paar leichte Sturmschäden: abgeknickte Ranken bei den Bohnen, von Hagel zerschlagene Früchte und Blätter bei den Gurken, eine mit Blättern verstopfte Drainage. Einen so großen und beeindruckenden Kräutergarten hat Lîf noch nie gesehen: auch wenn er für ihren Geschmack zu streng geometrisch angelegt ist, kann sie eine gewisse Bewunderung nicht leugnen.

Drei Türen führen vom Hauptgebäude in den Klostergarten, eine von dort in den Gästetrakt. Ein zweites Tor geht am  gegenüberliegenden Ende des Hofes Richtung Norden. Auf genau dieses steuert ihr Führer schlurfenden Schrittes zu, dass sich manch einer schon fragen mag: Wie, will er uns gleich wieder herausführen? Doch dann biegt der Mönch doch im letzten Augenblick ab und öffnet die nördlichste Tür zum Gebäude. Er wendet sich mit einer letzten Bitte an die Besucher: "Sprecht drinnen nur mit Bruder Edgar und stört die anderen Brüder nicht bei der Arbeit. Sie arbeiten an einem wichtigen Manuskript und benötigen all ihre Konzentration. Einige von ihnen haben auch ein Schweigegelübde abgelegt. Lenkt sie bitte nicht ab."

Damit tritt er ein. Die Gefährten aber bleiben zunächst einmal im Eingang stehen, denn nach dem hellen Hof müssen sich ihre Augen an das Dunkel des Skriptoriums erst gewöhnen—trotz der vielen Kerzen und Standleuchter, die ringsum aufgestellt sind. Und so hören sie zunächst das Kratzen der Federn über Pergament, das Knarzen der Schemel und Schreibpulte, das gelegentliche Husten oder trockene Räuspern, bevor sie die sechs Brüder ausmachen können, die, tief über ihre an beiden Längsseiten des Raumes verteilten Schreibpulte gebeugt hocken und konzentriert ihrer Arbeit nachgehen. Der Geruch, welcher Aeryn bereits bei ihrem Führer auffiel, schlägt ihr hier dreimal so stark entgegen. Sogar die anderen finden, dass es hier im Skriptorium muffig riecht, irgendwie feucht und erdig. Nun gut, es ist ein kleiner Raum mit gerade einmal zwei winzigen Fenster, aber sieben Männern, die hier schon den ganzen Tag hocken und von denen man nicht weiß, wie sie es mit der Reinlichkeit halten. Vielleicht hat es nichts zu bedeuten.


(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12804)


Bruder Edgar sitzt an einem großen Tisch an der Stirnseite und blickt erst auf, als ihr Führer ihn anspricht. Nachdem er dessen getuscheltem Bericht gelauscht hat, winkt er sie ungeduldig heran, während sein Ordensbruder sich zur Linken der Gefährten durch eine Seitentür zurückzieht und sich nicht einmal mit einem Kopfnicken von ihnen verabschiedet. Unter ihren Schritten raschelt der aus Binsen geflochtene Läufer, als sie sich dem großen Pult nähern.

Der Bibiliothekar ist ein hagerer Mann mit schütterem grauen Haar und einer prächtigen Adlernase. Die grauen Augen blicken die Besucher klug, wenn auch ein wenig kurzsichtig an.

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12806)
"Bruder Jarus sagt, Ihr kommt aus Kromdag?" begrüßt er die Gefährten, kaum haben diese sein Refugium erreicht. "Fürst Ayrin habe euch geschickt wegen der Überfälle auf die großen Karawanen und kleineren Händlerzüge? Wieviele Soldaten hat er Euch mitgegeben?"


Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 22.03.2017, 14:36:18
Der erste Eindruck, den Abdo von diesem Kloster hat, deutet nicht darauf hin, dass sich hier ähnliche Vorfälle ereignet haben wie im Dorf. Der kleine Garten im Innenhof wirkt gut gepflegt, und Abdo ist beeindruckt von dessen klaren Struktur und Ordnung, wenn er auch mit den Pflanzen selbst nur wenig anfangen kann.

Auch im Innern des Gebäudes herrscht Ordnung und nichts außer ihrer eigenen Ankunft scheint die Stille des Arbeitsraums zu stören. Das Kleidungsstück, dass ihm beim Anblick des Mönches aufgefallen ist, scheint wohl doch kein Schlafgewand zu sein, sondern eine Art Uniform dieser Menschen, denn jeder der Mönche trägt das gleiche, kuttenartige Gewand. Hier tun sich nun doch Parallelen zwischen seinem eigenen Orden und den hiesigen Mönchen auf, denn beide waren wohl dem Sammeln und Bewahren von Wissen verpflichtet, und Abdo beneidet die hiesigen Gläubigen darum, in aller Ruhe an ihren Büchern arbeiten zu können, ohne dass der ständige Kampf gegen die Shetani deren Zeit in Anspruch nimmt. Frauen sieht der Ya'Keheter merkwürdigerweise nicht, aber womöglich sind diese auch nur mit einer anderen Aufgabe betraut.

Der Mann, der als Bruder Edgar vorgestellt wurde, kommt schnell zur Sache - nach dem Verhalten des Prinzen und des anderen Mönches eine erfreuliche Abwechslung, da es endlich einmal nicht so wirkt, als würde er etwas verheimlich wollen. Nachdem sich eine Weile niemand geäußert hat, ergreift schließlich Abdo die Initiative.
"Seid gegrüßt, Bruder Edgar! Abdo al'Mbabi ist mein Name, und wir Ihr richtig sagtet, hat Fürst Ayrin uns geschickt und beauftragt, mit Eurem Abt zu sprechen. So sind wir zu euch gelangt. Was Soldaten anbelangt, muss ich Euch enttäuschen, aber wir haben im Ort ein weiteres dringliches Problem vorgefunden, nämlich eine Krankheit, die sich unter den Bewohnern ausbreitet. Wir hatten Hoffnung, dass Ihr uns dabei unterstützen könnt."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 22.03.2017, 22:35:58
Freydis ist von dem ordentlichen Innenleben des Klosters beeindruckt. Hier drinnen macht es einen weitaus einladenderen Eindruck als von aussen, nicht unähnlich der Burg in der sie aufgewachsen ist.
Die Berührte freute sich auf die Gelegenheit die Bibliothek der Mönche zu sehen zu bekommen, aber trotz der Vorfreude und dem einladenen Eindruck des sonnigen Hofes kann sie sich des Gefühls nicht erwehren dass hier etwas nicht stimmt.
Das Innere der Bibliothek alamiert sie noch mehr. Die Feuchtigkeit die hier vorherscht würde niemand der Bücher liebt dulden. Schimmel würde die kostbaren Werke binnen kürzester Zeit unrettbar schädigen.
Sie runzelt die Stirn und hat zunehmend Mühe ihre Nervosität zu verbergen.
Wäre dies die Burg eines Adeligen würde sie diesen Bruder Edgar zur Rede stellen, aber hier will sie keine Aufmerksamkeit erregen, also überlässt sie weiterhin ihren Gefährten das Reden, aber sie beschließt zumindest einige ihrer Gefährten zu warnen. Sie lässt sich zu Tristan und Líf zurückfallen.
"Der er noget galt her. Det er alt for våd til et bibliotek!"[1] flüstert sie in stark akzentuirtem Värangsk, sie hat viel in der alten Sprache gelesen, aber nur sehr selten Gelegenheit gehabt sie zu sprechen oder zu hören.
Misstrauisch schnuppert sie und sieht sich in der Schreibstube um.[2]
 1. Värangsk: "Irgentwas stimmt hier nicht. Es ist viel zu feucht für eine Bibliothek!"
 2. Perception 23  (EDIT Gaja)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 23.03.2017, 07:44:56
Aeryn ist für den ersten Moment von der Normalität, der sie hier im Kloster begegnen, doch ein wenig irritiert. Hatte sie doch etwas anderes erwartet. Aber dann war da wieder dieser Geruch, der ihr schon am Tor aufgefallen war. Sie konnte es nicht einordnen, aber es fühlte sich irgendwie auch falsch an. Irgendetwas ging hier auf jeden Fall vor sich, und sie mussten herausfinden, was es war. Sie durften sich nicht von der falschen Freundlichkeit der Priester und Mönche in die Irre führen lassen. Sie mussten auf der Hut sein. Der Feind stand direkt neben ihnen.

Naja, jedenfalls denkt die Elbin, dass es nicht schaden kann, hier ein wenig Vorsicht walten und die Augen offen zu lassen.

Es würde auch durchaus Sinn ergeben. Die Dorfbewohner waren direkt am nächsten Morgen hier gewesen und man hatte die Tore geschlossen gelassen. Mittlerweile ist etwas Zeit vergangen, und wenn ihre Vermutung stimmt, dass sich hier ein Bild zeigt, welches sie lediglich beruhigen und von irgendetwas ablenken soll, was sich hier abspielt, dann hat man die Zeit genutzt, um diese Scharade aufzuziehen. Der Fürstensohn wurde bei seinem Besuch dann getäuscht, hat auch sicher nicht genau hingesehen und sich schnell mit der Sache zufriedengegeben.

Sie durften sich nicht so leicht abwimmeln lassen. Oder doch? Vielleicht war es auch besser, die Klosterbewohner in Sicherheit zu wiegen, und nocheinmal einen anderen Weg in das Kloster hinein zu suchen.

So in Gedanken lässt Aeryn die anderen mit Bruder Edgar sprechen. Sie bewegt sich neben Talahan und zieht ihn ein Stück zur Seite, während der Bruder gerade mit Abdo spricht und dadurch hoffentlich abgelenkt ist. Leise sagt sie zu ihm: "Ihr sagt, ihr kennt Bruder Edgar von früher. Fällt euch etwas an ihm auf? Irgendetwas stimmt hier nicht. Es riecht so seltsam modrig und erdig. Hier. In einem Scriptorium. Nehmt Ihr das auch wahr?"

Dann lässt die Elbin aber auch schon wieder ab von ihm und versucht sich weiter auf den Geruch zu konzentrieren. Geht er von den Mönchen aus? Kann sie ihn auch aus Bruder Edgars Richtung wahrnehmen? Ist er irgendwo stärker oder schwächer? Aber sie hat Schwierigkeiten, sich genau zu konzentrieren[1].
 1. Wahrnehmung 11
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 23.03.2017, 13:58:54
Mit einer Miene, aus der zumindest Tristan leicht ersehen kann, wie unwohl sie sich fühlt, beobachtet Lîf die vergleichsweise langwierigen Verhandlungen am Tor, bis sie endlich von dem Mönch eingelassen werden. Der Rotschopf zögert einen kurzen Moment, als sich einer nach dem anderen in Bewegung setzt, folgt den anderen aber dann. Die relativ enge Pforte, durch die sie eintreten, geben ihr das Gefühl, sich mit dem Durchschreiten des Portals in das Maul eines großen Raubtiers zu begeben, zumal die dicken Mauern sich einengend und geradezu erdrückend von allen Seiten in ihr Blickfeld schieben. Unbehaglich zieht sie ihren Umhang enger um sich. Umso überraschter ist die junge Frau allerdings von dem schönen Garten. Fachkundig gleitet ihr Blick über Beete und Bienenkörbe, und sie muss widerstrebend zugeben, dass die Mönche sich offenbar nicht so vollständig von der Großen Mutter abgewandt haben, wie sie erwartet hat.

Im Vorbeigehen bückt sie sich ein- oder zweimal, um ihre Hand liebkosend über einige der grünen Triebe streichen zu lassen. Das lässt sie etwas ruhiger werden. Sie beugt sich aber auch zu ihrem Mann und meint leise: "Vi er ivrige efter at se, om denne Edgar er så nyttige som Talahan siger... jeg ville blive overrasket, hvis nogen."[1]. Von dem Mönch auf die Bitte um Schweigsamkeit hingewiesen, öffnet sie fast automatisch den Mund zu einer Entgegnung, um zu demonstrieren, wie wenig sie sich von einem Anhänger seines Gottes sagen lässt, schließt ihn aber dann doch wieder stumm, nachdem sie sich darauf besonnen hat, wie sehr sie der Sache der kleinen Gruppe mit Trotz schaden könnte. Dennoch wirkt ihre Miene alles andere als beeindruckt, während sie sich die Schreiber betrachtet. Worte in Büchern! Wie sollten sie die Schönheit des Lebens und die Wahrheiten erfassen können, die man allein im Kontakt mit der Schöpfung der Großen Mutter erspüren kann?!

Und sonderlich gesund wirken die schmalen, blassen Gestalten auch nicht auf sie – was Wunder: Wie soll aus einem Knaben ein ganzer Kerl werden, wenn er immer die Sonne meidet und nur die Feder bewegt, statt tüchtig zu arbeiten, aber auch zu essen? Den Müttern, die ihre Jungen in die Obhut dieser dürren Uhus von Mönchen geben, sollte schon dafür das Hinterteil von ihren Männern verbläut werden – aber die, denkt sie sich resigniert, werden wohl leider auch kaum anders denken. Edgars kurzsichtiges Blinzeln bestätigt sie in ihrem Urteil, als sie endlich vor dem Bibliothekar stehen, und Lîfs Lippen kräuseln sich kurz. Sie hält sich aber wiederum an Tristans Seite im Hintergrund, wohl wissend, dass ihre negative Wahrnehmung leicht gegenseitiger Art sein könnte. Daher verschränkt sie auch die Arme unter der Brust und überlässt die Antworten auf Edgars Fragen Talahan und denjenigen ihrer Gefährten, die sich in dieser Umgebung unbeschwerter zu bewegen scheinen. Als Freydis zu ihr und Tristan kommt und sie plötzlich auf Värangsk anspricht, schaut sie ein wenig überrascht und lässt dann ihren Blick erneut umher streichen. Dazu schnuppert sie herum, nun auf den erdigen Geruch aufmerksam werdend[2].
 1. Värangsk: "Wir dürfen gespannt sein, ob dieser Edgar tatsächlich so hilfsbereit ist, wie Talahan meint... mich jedenfalls würde es wundern."
 2. Wahrnehmung 20 bzw., je nach geforderter Fertigkeit, evtl. 23
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 28.03.2017, 15:21:10
Hjalmarr zieht seine Hand zurück, als der Mönch die Klappe schließt und tritt einen Schritt zurück. Ein flüchtiger Blick verrät auch in den Augen seiner Gefährten die leichte Anspannung. Seit er von diesem Kloster gehört hat, lag für ihn immer ein Schleier der Ungewissheit über diesem Ort des so heilig gesprochenen einen Gottes der Behadrim. Mit den Geschichten der Dörfler und den letzten Ereignissen verdunkelte sich sein Eindruck dieses Ortes zusehens und nun soll hier alles seinen gerechten Gang gehen? Hjalmarr ist nicht überzeugt, doch folgt er dem Mönch vorerst stumm und hält die Augen nach Ungewöhnlichem offen. Bisweilen scheint alles normal zu sein, auch wenn er noch nie ein Kloster von innen gesehen hat. So sieht es wohl aus.

Das Mauerwerk ist kalt, die Gänge verwinkelt und karg. Das Kratzen des Drecks unter den Rindsohlen ihres Führers hat gerade begonnen angenehm monoton zu klingen, als er hinter Aeryin die düstere Schreibstube betritt, die auf den ersten Blick doch eher einem Weinkeller gleicht. Er nickt Bruder Jarus kaum merklich zu, als dieser sie zu dem Stellvertreter vorschickt. Langsam schlendert Hjalmarr zwischen den Tischen und Stühlen hin und her, wirft kurze Blicke auf die angefertigten Abschriften und bleibt schließlich an dem Pult von Bruder Edgar stehen. Natürlich hat man ihnen aufgetragen niemanden zu stören, doch legt der Lesdager diese Bitte fast mit kindlichem Ungezwungenheit aus. Immerhin hat er niemanden angesprochen.

"Keinen." wirft er noch vor Abdos Ansprache trocken und knapp ein, während er einem der Mönche gelangweilt, aber dennoch aufmerksam und mit dem nötigen Abstand über die Schulter blickt. Dann fügt er ohne Umschweife an, nachdem Abdo fertig gesprochen hat "Was hat es mit dem Geschrei des Paters vor einer Woche[1] in der Nacht des schweren Gewittersturms auf sich?" Dabei achtet er gezielt auf die Mimik des Bruders.[2]
 1. EDIT Gaja
 2. Sense motive 12
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 28.03.2017, 22:58:57
(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12819)
Hjálmarr schlendert seinen Gefährten gelangweilt hinterher, oder zumindest tut er gelangweilt. (So richtig offen hat er seine Augen nicht. Er wähnt sich in düsteren Gängen, dabei durchschreiten die Gefährten einen wunderschönen Klostergarten und treten gerade einmal durch eine einzige Pforte und stehen bereits in der Schreibstube. Die allerdings ist mit Kerzen erhellt, nicht mit Tageslicht. Hätte man nicht einfach größere Fenster einbauen können?) Die Mönche, über deren Schulter er blickt, ignorieren ihn. Keine der sechs Federn hält irritiert inne, keine Hand zuckt, keine Konzentration bricht. Die Arbeiten sehen durchaus prächtig aus, ob man lesen kann oder nicht.

Bei Bruder Edgar angelangt, lässt sein kryptischer Einwort-Einwurf diesen nur die Stirn runzeln; die folgende Frage aber überrascht gegenfragen: "Das hat man bis ins Dorf gehört? Trotz Sturm? Donnerwetter." (In Abdos Ohren klingt die Überraschung aufgesetzt; ebenso die folgende Anteilnahme.[1]) "Ja, das war schlimm. Er hatte sich verletzt und die Wunde war brandig geworden. Da hilft nun einmal nichts außer das Gliedmaß absägen."

Nahtlos fährt der Bibliothekar an Abdo gewandt fort: "Eine Krankheit breitet sich im Dorf aus? Das ist schlimm", kommentiert er die Neuigkeiten. "Aber so schlimm kann es auch wiederum nicht stehen, sonst hätte man ja nach unserem Infirmar geschickt. Aber dass ihr keine Soldaten dabei habt, das ist schade, denn die Räuber sind inzwischen wahrhaft eine Plage. Auch wenn ich kein großer Gärtner bin, sei mir der Vergleich gestattet: Unkraut reißt man besser aus, sobald es sich zeigt, und lässt es nicht erst groß und stark werden und so den nützlichen Pflänzlein Wasser, Licht und Nahrung rauben. 'Lass uns endlich unsere Ordensritter herbeirufen', habe ich Abt Halfir inbrünstig beschworen, doch er wollte noch abwarten. 'Soren hat längst nach Kromdag geschickt', erklärte er mir, als die erste Karawane ausblieb und später bei der zweiten: 'Jetzt wird Ayrin handeln müssen.' Da sagt Ihr wohl zu recht, dass ich enttäuscht bin, dass er nur vier Mann geschickt hat und das auch erst jetzt. Ein Dutzend Wachen konnten den großen Handelszug nicht vor den Räubern schützen, was wollt Ihr da erreichen? Habt Ihr schon mit Uther gesprochen, dem Sohn unseres örtlichen Fürsten? Er war wie ich von Anfang an für Handeln statt Abwarten und überblickt die Lage besser als sein Vater, der nie ein entschlossener Anführer war und im Alter jetzt auch noch zu Zerstreutheit neigt."

Eine Pause folgt dieser langen Rede, in der erst einmal niemand etwas zu antworten weiß. Zu schnell hat der Bibliothekar die Worte heruntergeleiert, zu sprunghaft wechselten sich dabei die Themen ab. Er sprach von etwas banal-alltäglichem wie Unkrautrupfen im gleichen Tonfall wie von Krankheit oder Räuberplage. Und weil niemand gleich antwortet, fällt ihm auch noch ein Nachsatz ein: "Abdo al'Mbabi ist Euer Name, da kommt Ihr wohl von weit her? Eure Züge sind ja auch sehr fremdländisch. Kommt Ihr vom großen Festland? Wurdet Ihr wegen der ausbleibenden Handelsschiffe ausgesandt?"

Abdo blickt sich nach Talahan um, der während Edgars Rede einmal empört einwarf: "Um Räuberbanden kümmert sich normalerweise der Fürst vor Ort. Ayrin hat genug mit dem Krieg zu tun! Und Sorens Bote war alles anders als kohärent...", ohne dass Bruder Edgar dafür in seiner Rede innegehalten hätte. Doch jetzt, da Talahan die Gelegenheit zum Einspruch hätte, lauscht er mit geneigtem Kopf etwas, das die Elbin ihm ins Ohr raunt. Abdo sieht sich überraschend in der Rolle des Sprechers. Wie ist er nur dazu gekommen? Der Bibliothekar jedenfalls sieht ihn erwartungsvoll an.[2]

Von Aeryn auf den seltsamen Geruch angesprochen, saugt Talahan überrascht in drei verschiedene Richtungen Luft ein und zuckt dann ratlos mit den Schultern, als verstehe er nicht, was sie meine. Als alter Kämpe hat er es sich angewohnt, die meisten Gerüche auszublenden—Schweiß, Blut, hervorquellendes Gedärm oder einfach nur viel zu viele ungewaschene Leiber auf zu engem Raum: das sind die normalen Gerüche im Soldatenleben, neben Bohneneintopf mit viel Zwiebel. Doch selbst jetzt, wo er aktiv schnuppert, scheint er nichts zu bemerken. Menschen haben ja sowieso einen schlechteren Geruchssinn als Elben und Talahans ist mit den Jahren wohl sehr abgestumpft. Allerdings fällt Aeryn selbst auch nicht mehr zu dem Geruch ein als vorhin beim Tor, auch wenn er jetzt intensiver ist: feuchter Waldboden.

Auch Freydis muss ihren ersten Einfall revidieren: Es riecht nicht nach Schimmel. Trotzdem: die Feuchtigkeit kann nicht gut sein für das Schreibmaterial, das ringsum gelagert wird, oder für die Schriftrollen und Manuskripte, die sich linkerhand in vier großen Regalen neben dem Schreibtisch des Bibliothekars befinden. Sie blickt sich suchend um, kann aber nicht ausmachen, woher die Feuchtigkeit stammen könnte außer von den Männern selbst. Schwitzen diese etwas besonders stark? So warm ist es heute doch gar nicht, eigentlich eher kühl hier drinnen—für jemanden, der von draußen kommt und eine Bergwanderung hinter sich hat. Aber sie entdeckt keine Schweißperlen auf den Stirnen der Mönche, kein schweißnasses Haar.[3]

Dann wird sie durch die Inschriften abgelenkt, die in die Kopfleisten eines jeden Regals eingeritzt stehen: Sinnsprüche über das Wissen, wie es sich für diesen Ort geziemt, doch erscheinen sie Freydis eher wissensfeindlich. "Bemühe dich nicht, alles wissen zu wollen, sonst lernst du nichts", fängt es noch eher harmlos auf dem linken Regal an. Daneben wird gewarnt: "Solange du das Wissen suchst, musst du die Weisheit missen." Darauf wird man wortreich ermahnt: "Wer wenig weiß, geht häufig fehl; wer zu viel weiß, kommt nicht vom Fleck, denn vor jeder Entscheidung scheut er zurück in banger Sorge: kenne ich alle Fakten? habe ich alles bedacht? kein Detail übersehen? Wie in allem gilt es auch beim Wissen: auf das gesunde Maß kommt's an." Der letzte Spruch sagt provokant: "Mehr wissen zu wollen, als man braucht, ist Gier, ist Futterneid, ist Völlerei!"

Freydis zuckt zusammen, als jemand direkt neben ihr verächtlich schnaubt. Tristan ist neben sie getreten und hat wohl ebenfalls die Inschriften gelesen. Ein Inselpirat, der lesen kann? Die Welt ist voller Wunder. Dazu teilt er offenbar ihre Meinung zu diesen Sprüchen. Bevor sie ihn ansprechen kann, ist er aber schon wieder an der Seite seiner jungen Frau, die ihm schon beunruhigt nachgeblickt hat, obwohl er sich ganze drei Schritt von ihr fortgewagt hat.

Lîf denkt gerade wieder an die Worte ihres Mannes draußen im Klostergarten. "Så hjælpsom som den strenge far, der uddanner sin søn med slag", lautete seine Antwort auf ihre Bemerkung. "Alt til sin fordel, selvfølgelig, at han er en anstændig mand. Senere, når sønnen er allerede takke ham for det."[4] Sie weiß, dass Tristan als Junge einige Jahre in einem Kloster verbracht hat und dass er nicht gern über die Zeit spricht. Ein einziges Mal hat er es über sich gebracht, ihr davon zu erzählen, in knappen Worten und mit hohler Stimme. Erst vorhin vor Solveigs Hütte hat er ihr dann offenbart, dass er sein Leben dort als so schlimm empfand, dass der brutale Überfall der Rûngarder Piraten ihm glückselige Befreiung war. Ein guter Mönch ist der, der brennt... Lîf überkommt ein Schauer. (Es ist aber auch sehr kühl hier drinnen, wenn man aus der Sonne kommt.)

Den seltsamen Geruch, auf den Freydis sie anspricht, identifiziert Lîf mühelos. Vielleicht liegt das daran, dass sie sich gerade erst Gedanken darüber gemacht hat, ob die Mönche auch genug zu Essen bekommen. Jedenfalls riecht es hier nach Pilzen. Frischen Pilzen, keinem Pilzeintopf. Wie gerne wäre sie jetzt im Wald, ein leichtes Weidenkörbchen am Arm, auf der Suche nach derlei Köstlichkeiten! Zuletzt war es die alte Esja auf Jarlsö, die Lîf zum Pilze Sammeln begleitet hat und ihr auch einige zeigen konnte, die Lîf noch nicht kannte. Es gibt auch heilkräftige Pilze, doch diese sind knifflig in der Anwendung, denn der Grat zwischen Gift und Heilmittel ist hier meist besonders schmal. So ganz von ungefähr kommt es nicht, wenn Heilerinnen vom unwissenden Volk (oder der oft ebenso unwissenden Obrigkeit) als Giftmischerinnen verkannt und verschrieen werden.

Lîf schnuppert noch ein paarmal, bis sie sich sicher ist: der Geruch scheint von den Mönchen selbst auszugehen.
 1. Hjálmarrs Wurf hat nicht gerreicht; Abdos ja.
 2. Sorry, Talahan ist mir ein bisschen lästig. Ich hoffe, es ist nicht allzu platt und offensichtlich, wie ich ihn immer aus dem Weg bugsiere, damit die Spieler selbst das Geschehen steuern...
 3. Bitte Zusatzhinweis im Würfelfaden hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1026869#msg1026869) beachten.
 4. Värangsk: "So hilfsbereit wie der strenge Vater, der seinen Sohn mit Schlägen erzieht."—"Alles zu seinem Wohl, natürlich, auf dass er ein anständiger Mensch wird. Später einmal wird der Sohn es ihm schon danken."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 01.04.2017, 13:59:16
Indem sie für einen Moment ihre Vorsicht vergisst, verzieht Lîf das Gesicht, als sie etwas von abgesägten Gliedmaßen hört. Diese unwissenden, arroganten Narren..! Statt sich auf die uralten Weisheiten heilkundiger Weiber zu verlassen, die das Wissen der Großen Mutter seit undenklichen Zeiten von Mutter zu Tochter weitergeben, leugnen sie beharrlich, dass es Heilmittel gibt, von denen sie nichts wissen – und das selbst um den Preis bedauernswerter Krüppel, unter ihren Fleischermessern von kraftvollen Kerlen und fruchtbaren Weibern zu bloßen Schatten ihrer selbst gemacht..! Man sieht der Miene des jungen Kräuterweibes für einige Momente deutlich an, was sie von der Aussage hält. Doch immerhin kann der Rotschopf sein streitlustiges Mundwerk im Zaum halten. Sie stößt lediglich ein leises Schnauben aus, während sie Tristan einen Blick zuwirft. Den weiteren Ausführungen des Bibliothekars hört Lîf jedoch nur noch mit halbem Ohr zu. Zu sehr beschäftigt sie der eigenartige Geruch, dessen Quelle sie verwirrt.

Während ihr Mann sich mehr für die Schriften interessiert, mustert sie nun eingehender die Mönche, wobei sie sich auch auf diese Aufgabe zu konzentrieren versucht, weil Tristan selbst ihr, einer erklärten Gegnerin der Klosterleute, gelegentlich ein unbehagliches Gefühl beschert, ja, beinahe ein wenig Angst macht, wenn sich seine Wut auf die Mönche so zeigt. Kurz stiehlt sich ein verträumtes Lächeln auf ihre Lippen, als sie sich selbst beim Pilzesammeln sieht, um für Tristan und sich eine wundervolle Mahlzeit aus den köstlichen Geschenken Gayas zu bereiten, dann runzelt sie jedoch die Stirn, beäugt die Männer noch genauer und schnuppert weiter:[1] Kann es sein, dass der Pilzgeruch von ihren Mündern ausgeht? Haben sie etwas zu sich genommen, das derart intensiv riecht? Oder tragen sie etwas bei sich..? Die junge Frau ist ratlos. Um einem der Schreiber ganz nahe zu kommen, tut sie so, als habe sich der Saum ihres Kleides an seinem Pult verhakt, und bückt sich, um den Stoff scheinbar wieder lösen, während sie intensiv die Luft einzieht.
 1. Falls dafür nochmals Wahrnehmung zu würfeln ist: 10 (seufz...)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 01.04.2017, 17:35:11
Freydis schnaupt verächlich als sie die Inschriften liest. "Was man davon hat, konnten wir ja heute im Dorf trefflich sehen. Durch Unwissenheit verursachte Panik und Tatenlosigkeit und die einzige die das nötige Wissen hat und sinnvolle Maßnahmen ergreift wird dafür als Hexe verdächtigt und riskiert buchstäblich ihr Leben um diesen unwissenden Narren zu helfen!" sie schüttelt innerlich den Kopf. "Der größte Vorteil im Kampf, ist stehts dass, was der Feind nicht über dich weiß!" zitiert sie in Gedanken Jork Kuit, den ersten König von Dalaran. Wissen ist der Schlüssel zu gutem Regieren, zu Siegen auf dem Schlachtfeld - aber das ist es wahrscheinlich was diese Priester wirklich im Kopf haben: Sie halten die Leute dumm, ungebildet und abergläubisch. Schafe, die leicht zu beinflussen und zu beherrschen sind!" Wut wallt in der Berührten auf und die blaugrauen Augen nehmen fast die Farbe eines klaren Sommerhimmels an. 
In einer Zeit in der Dalaran mehr denn je Einheit und eine starke und mutige Bevöllkerung braucht kommen diese scheinheiligen Mönche und Priester daher und spalten nicht nur das Land in alten und neuen Glauben sondern verwandeln auch noch Dörfler in abergläubische hilflose Schafe und das alles nur um sich und ihrem Gott Macht zu zu schanzen.
Plötzlich will sie eigentlich nur noch raus aus diesem Kloster. Ein paar Werwölfe die diese scheinheilige Bande masakrieren kämen gar nicht so unrecht. Und so es nur als Beweis für die "Schafe", dass ihr Gott keineswegs mehr Schutz zu bieten hat als Gaja. Und was hat es mit den Farben auf sich? Beim Weg durchs Skriptorium hat sie den ein oder anderen Blick über die Schultern der Schreiberlinge erhaschen können und entweder sind die Brüder seit kurzem farbenblind oder ihre Kunstfertigkeit lässt gewaltig zu wünschen über. Jedenfalls weichen verschiedentlich Farben ganz offensichlich von dem ab, was sie sein sollten, beissen sich mit benachbarten Farben. Noch ein Hinweis, das hier eindeutig etwas nicht stimmt.
Aber auch wenn sie innerlich kocht, überlässt sie weiter Abdo und Talahan das Wort. Livs Manöver zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich und sie tritt hinzu wie um der Schwangeren zu helfen. 
"Vær opmærksom på farverne! Kan du se det?"[1] flüstert sie.
 1. Svaerensk: "Achte auf die Farben! Siehst Du es?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 02.04.2017, 00:11:13
Abdo ist selbst erstaunt über seine forsche Art, aber als er dann den anderen das Wort überlassen will, stellt er erschrocken fest, dass irgendwie alle mit etwas anderem beschäftigt sind. Die einen sehen den Mönchen über die Schulter, die anderen unterhalten sich untereinander, und plötzlich muss er, der Ausländer, der der hiesigen Sprache ohnehin nur einigermaßen mächtig ist, das Gespräch führen.

Sein Gesprächspartner, Bruder Edgar, macht sich jedenfalls schnell verdächtig. Die Geschichte mit dem Abt wirkt zu sehr auswendig gelernt, und ob ein amputiertes Bein tatsächlich den Begriff "unpässlich" verdient, den der Torsteher verwendet hat? Auch das folgende klingt wieder genauso wie das Abwiegeln des Fürstensohnes. Worte, die bewirken sollen, dass man keine Fragen stellt und schnell wieder verschwindet. Und ein schneller Themenwechsel. Die gesamte Situation stinkt nach Lügen.

"Ja, schlimm, das alles." antwortet er dem Mönch mit kaum verhohlenem Sarkasmus, seine eigenen Worte verwendend. Er unterlässt den Hinweis darauf, dass die Dorfbewohner sehr wohl jemanden geschickt hatten, doch die Freundlichkeit ist aus seinem Tonfall entwichen.
"Fürst Ayrin hat uns geschickt, weil wir die Besten sind. Außerdem solltet Ihr die Frauen nicht unterschätzen. Wir werden uns schon um die Räuber kümmern. Aber Ihr stimmt mir sicher zu, dass der Schutz der Dorfbewohner gerade wichtiger ist. Mich überrascht, dass Ihr nichts von der Seuche wisst, wo Ihr doch deren Ursache beseitigt habt. Ihr könnt uns doch sicher zu der Stelle führen, damit wir Hinweise sammeln können, wie die Krankheit am besten zu heilen ist?
Und wenn es nicht zuviel verlangt ist, würde ich gerne Eurem Abt die Aufwartung machen und für ihn beten."

Aris würde ihm diese kleine Täuschung verzeihen, denn dass sein Gegenüber ihn angelogen hat, was den Abt betrifft, scheint ihm klar zu sein. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu dem Schluss zu kommen, dass auch dieser die merkwürdigen Symptome der Dorfbewohner aufweist, und der Ya'Keheter ist entschlossen, zu dem Mann vorzudringen - auf welche Weise auch immer.

Um Edgar nicht komplett vor den Kopf zu stoßen, beantwortet Abdo noch recht einsilbig die Fragen zu seiner Herkunft: "Ich weiß nichts von Handelsschiffen, und ja, ich komme aus einem großen festen Land. Ob es das gleiche ist, das Ihr meint, weiß ich nicht. Ich bin wegen der Shetani hier, die Ihr Dämonen nennt."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 06.04.2017, 19:55:46
Abdos sarkastischer und auch—trotz etwas versöhnlicherem Ausklang—aggressiver Tonfall erregt Talahans Missfallen weitaus deutlicher als Bruder Edgars. Letzterer verzieht keine Miene, während ersterer erschrocken zum Tisch drängt und erklärend eingreift: "Aber die Dorfbewohner waren hier, Bruder Edgar, am Tag nach dem Sturm, doch die Tore blieben ihnen verschlossen. Als dann ein paar Tage später die Krankheit ausbrach, ging alles zu schnell, und seit der ersten Verwandlung traut sich keiner mehr aus dem Haus. Inzwischen suchen sie nicht nur in ihren Häusern Schutz, sondern auch in allerlei Aberglauben. Eure Hilfe wäre dringend vonnöten! Keinesfalls handelt es sich um eine gewöhnliche Seuche, vielmehr bin ich überzeugt, dass schwärzeste Magie im Spiel ist! Ich weiß, Ihr habt hier einer der größten Sammlungen verbotenen Wissens in ganz Fersland. Als ich vor zehn Jahren hier war, hat sich besonders ein Bruder Meirik dafür interessiert. Vielleicht ist ihm in seinen Studien ein ähnlicher Zauber, wie er gerade in Ansdag geschieht, schon untergekommen. Wenn also Pater Halfir nicht zu sprechen ist, dann lasst doch bitte Bruder Meirik kommen."

Auch diese Rede nimmt Bruder Edgar reglos entgegen. Weder sieht man ihm an, ob Talahans Vermittlungsversuch ihn besänftigt, noch ob die Neuigkeiten ihn beunruhigen.

"Verwandlung?" fragt er lediglich. "Wieso sprechen wir plötzlich von Verwandlung, wenn zuvor von Seuche die Rede war?" (In Abdos Ohren klingt seine Überraschung abermals aufgesetzt. Künstlich. Insgesamt täte der Ya'Keheter sich schwer, in Bruder Edgars bisheriger Reaktion ein einziges Gefühl verlässlich zu benennen. Ist das normal? Versuchen die hiesigen Mönche ihren Geist derart zu disziplinieren, dass sie immer die Ruhe bewahren und keinerlei Gefühle aufwallen lassen? Oder kommt es ihm zu recht komisch vor?)

Talahan berichtet also von Ilfs Verwandlung und dem nächtlichen Überfall auf seine Familie. Den Gefährten fällt auf, dass der Gotteskrieger dabei Solveig sorgsam heraushält, obwohl die erste Verwandlung ja in ihrer Hütte stattfand.

"Das klingt schlimm", wiederholt Bruder Edgar. "Nun, aber zum Abt kann ich Euch wirklich nicht vorlassen. Wenn Ihr unbedingt darauf bestehen wollt, ihn bei seiner dringend notwendigen Bettruhe zu stören, dann könnte ich vielleicht ein oder zwei von Euch zu ihm vorlassen, aber ich müsste darum bitten, die Waffen hier zurückzulassen. Euer Angebot, für seine Genesung zu beten, schlage ich natürlich nicht aus."

Dies alles spricht er in Abdos Richtung, bevor er sich an Talahan wendet. "Bruder Meirik hat unser Kloster verlassen. Er wollte die nächste Stufe seines Glaubens verwirklichen und ist in die heilige Feste gegangen. Von dort, wie ihr wisst, kehrt niemand zurück."

Derweil hat Lîf keinerlei neue Erkenntnisse über die Geruchsquelle gewonnen. Ob sich ihre Nase näher an den Köpfen oder den Füßen der Mönche befindet oder irgendwo in der Körpermitte, wo vielleicht Taschen in der Kleidung versteckt sind: es riecht nach frischen Waldpilzen. Sie lässt sich von Freydis aufhelfen und tritt wieder zu ihrem Mann.[1]
 1. Es zählt noch die 20. Es ist immer noch dieselbe Situation, dieselbe Zielperson, dieselbe Fragestellung. Mindestens ein Parameter müsste sich verändern, damit ein neuer Wurf gerechtfertigt wäre, sonst zählt im guten wie im schlechten der erste Wurf weiterhin. (Abdos Sense Motive von 15 gilt auch noch, s. 2. Absatz).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 07.04.2017, 16:31:41
"Was ist das hier nur für ein Land?" fragt sich Abdo nach der abermals ausweichenden, ja schon hinhaltenden Antwort. In Ya'Kehet konnte die Menschheit nur überleben, indem sie zusammenhielt gegen die anrollende Welle der Shetani. Sicher, auch dort gibt es Schurken, doch von einem Mann Gottes hat Abdo einfach mehr Kooperation erwartet - gerade wenn es um scheinbar übernatürliche Bedrohungen geht. Dennoch hält er sich vorerst mit einer weiteren Antwort zurück, denn immerhin hat Edgar gerade das Angebot gemacht, zum Abt vorgelassen zu werden.

"Ich habe mich in meiner Heimat ebenfalls dem Dienst an dem einen Gott verschrieben" erwidert Abdo daher mit sorgfältig ausgewählten Worten. "Ich trage keine Waffen. Ich nehme das Angebot gerne an." Alle weiteren Worte erscheinen ihm verschwendet, und den Ausführungen zu Bruder Meirik kann Abdo ohnehin nicht folgen: Eine Festung, in die man geht, um eine neue Stufe des Glaubens zu erreichen? Und nicht mehr zurückkommt? Er verwirft den Gedanken - hier und jetzt geht es um andere, wichtigere Dinge. Erwartungsvoll blickt er Edgar an und wartet darauf, dass Talahan und er zum Ende des Gesprächs kommen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 09.04.2017, 16:29:37
Leise murmelt Lîf in Tristans Richtung: "Svampe skov... de har alle lugte af vilde svampe..."[1] Auch die nahebei stehende Freydis, der sie kurz dankend zugenickt hat, mag ihre Worte hören, auch wenn ihr die Aussprache der Heilerin womöglich Schwierigkeiten bereitet. Sie beobachtet die Mönche und ihre Gefährten weiter, bis sie ganz plötzlich einen Entschluss fasst und zu Talahan tritt. Ohne jemandem eine Chance zum Eingreifen zu geben, hakt sie bei Edgars Worten ein und meint mit bescheiden gesenktem Kopf – was die stolze junge Frau gehörige Selbstüberwindung kostet: "Herr Talahan... womöglich ist es Vorsehung, dass Ihr genau jetzt hier seid, wo die Situation so bedrohlich scheint und der ehrwürdige Abt darniederliegt. Eure Erfahrung in den Heilkünsten und die göttliche Gunst durch Eure Fürsprache werden ihm gewiss Linderung bringen – wünscht Ihr, dass ich Euch begleite und zur Hand gehe?" Dabei sucht sie sich den Anschein zu geben[2], als sei sie nicht mehr als eine einfache Gläubige, die den Behdarim-Vertreter als Dienerin oder Krankenpflegerin zu begleiten gewohnt ist. In Tristans Richtung macht sie hinter ihrem Rücken eine kurze, beschwichtigende Geste.
 1. Värangsk: "Waldpilze... sie riechen alle nach Waldpilzen..."
 2. Bluffenwurf: 9 (es wird nicht besser...)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 10.04.2017, 12:49:37
Aeryn ist sich nachwievor nicht sicher, was sie von der Situation halten soll. Vielleicht würden die anderen beim Besuch des Abts etwas mehr erfahren. Sie ist sich nur in einem Punkt sicher, hier ist nicht alles so wie es scheint. Die Mönche verbergen etwas, es ist nur die Frage, was das ist.

Während die anderen Bruder Edgar bedrängen, um zum Abt vorgelassen werden, oder sich in der Nähe der Mönche aufhalten, sieht die Elbin ihre Chance gekommen, sich durch den Eingang des Skriptoriums wieder in den Kräutergarten zurückzuziehen. Draußen gab es noch weitere Türen, vielleicht würde man dort etwas finden, was ihnen weiterhilft, diese ganze Sache aufzuklären. Natürlich versucht sie dabei möglichst nicht aufzufallen[1].

Draußen bewegt sich die Elbin entlang der rechten Wand, soweit möglich, bis sie am anderen Ende des kleinen Innenhofs angekommen ist, wo eine weitere Tür in südliche Richtung in das Gebäude führt. Aufmerksam schaut sich die Waldläuferin um und lauscht[2].
 1. Stealth 11
 2. Perception 16
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 11.04.2017, 12:02:20
Abdo ist vor der Kopf gestoßen ob Lîfs plötzlicher Einmischung. "Da halten die sich aus allem raus und lassen mich mir hier den Mund fusselig reden, und jetzt plötzlich drängelt sie sich vor?" Der dunkelhäutige Mann wirft Lîf einen mehr als bösen Blick zu, wendet sich dann jedoch grummelnd ab.
"Dann werde ich hier für seine Gesundheit und sein Seelenheil beten. Gibt es einen Andachtsraum, so dass ich Eure Brüder nicht störe?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 11.04.2017, 15:35:27
'Weil wir die Besten sind' Gerade noch ist es Hjalmarr möglich ein Lachen zu unterdrücken. Man hat ihn hier her beordert, nicht etwa aufgrund seiner Reputation, sondern weil er für das Herzogtum entbehrlich ist. Sicher kann er sich nicht beschweren aus den nassen, kalten Zellen Kromdags heraus zu sein, doch leistet er hier nur den Preis für seine Freilassung, obgleich ihm der amtierende eiserne Krieger indirekt sein Leben verdankt. In Gedanken schüttelt er verständnislos und gleichgültig den Kopf über das ungleiche Tauschangebot, doch ihm blieb eben keine Wahl. Verhandlungen gehörten noch nie zu seinen Stärken, aber zumindest haben sie ihm in diesem Fall den Galgen erspart.

Die Worte des Bruders waren Schall und Rauch in seinen Ohren. Er kann nicht erkennen, was diese Reaktion in ihm hervorgerufen hat – möglicherweise auch nur der Trotz an diesem verseuchten Ort festzusitzen, bis das Problem gelöst war – doch das offen dargelegte Desinteresse am Zustand der nahen Dorfgemeinschaft, die gerade in diesen Zeiten die Unterstützung einer Glaubensgemeinschaft bitter nötig haben, macht ihn wütend. Seine Gedanken schweifen zu dem fast toten Jungen in der Tränke und augenblicklich wendet der Lesdager sich ab, um dem Bruder keine Worte entgegen zu werfen, die er später bitter bereuen würde. Ihm ist egal, wie sehr der alte Sack, der in seinem Geiste sofort eine feiste, fette Gestalt angenommen hat, seinen Schlaf benötigt – immerhin geht es hier um Menschenleben und selbst der eine Gott hat sich verschworen diese Seelen zu beschützen. Wie zu erwarten alles nur leere Worte und haltlose Reden.

"Glaubt ihr wir würden euren Pater im Schlaf erstechen?" antwortet er knapp, ohne zurück zu blicken. "Sprecht ihr mit ihm, ich sehe mich in der Zwischenzeit mal etwas um." Ohne auf die Zustimmung der Mönche zu warten, begibt sich Hjalmarr zur Tür und verlässt den Raum.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 11.04.2017, 16:44:23
"Ein Andachtsraum?" erwidert Bruder Edgar.  "Nun, das wäre die Kapelle. Ihr seid herzlich eingeladen, dort zu beten."

Hinter Abdo murmelt Tristan, offenbar erstaunt, in seiner Sprache, die der Ya'Keheter nicht versteht, doch ein Wort hört er heraus: Vesper. Davon war vorhin schon die Rede. Laut Tristan müssten die Mönche zurzeit eigentlich alle zum Vespergebet in der Kapelle versammelt sein. Aber woher will der Mann das wissen?

Hjálmarrs verärgerter Auftritt (nebst türknallendem Abmarsch) unterbricht Abdo in seinen Gedanken. Zu seiner Rechten schaut Talahan dem Mann nach und seine Miene verdüstert sich. Kaum wieder dem Bibliothekar zugewandt, platzt dem Gotteskrieger der Kragen.

"Ich denke gar nicht daran, meine Waffen abzulegen", empört er sich. "Wollt Ihr mich beleidigen? Ich bin ein Ordensritter! Ihr kennt mich! Und dass Bruder Meirik in die heilige Feste gegangen ist, das könnt ihr mir auch nicht erzählen. Er, der Naturkundler, der am liebsten bei Wind und Wetter im Wald unterwegs war, soll sich freiwillig in ein enges Gemäuer eingesperrt haben lassen, im höchsten Gebirge, wo kein Baum mehr wächst? Jetzt rückt endlich heraus mit der Sprache: was geht hier vor?"

~~~

Der Klostergarten liegt noch immer verlassen da, als Aeryn sich hindurchschleicht. Kein Geräusch außer dem Wind und vereinzeltem Vogelsang dringt an ihr Ohr. Trotzdem zuckt sie immer wieder zusammen: zu laut klingen ihre Schritte in ihren eigenen Ohren, zu viele Fenster blicken auf den Hof hinaus, und als sie versucht, hinter dem ganzen Grün Deckung zu suchen, bleibt sie an einem überraschend dornenbewehrten Zweig hängen, sodass der ganze Busch raschelnd in Bewegung gerät. (Dabei fällt ihr auf, dass er recht viele überreife oder gar bereits vertrocknete Beeren trägt. Schade! Denn eine schnelle Kostprobe zeigt: sie sind wirklich lecker, die dunklen Beeren. Wer lässt denn so etwas gutes verkommen?)

Sie setzt ihren Weg fort. Jeden Augenblick rechnet sie damit, dass ein Mönch ihr in den Weg tritt und sie zur Rede stellt, was sie denn hier allein herumzustreifen habe, doch sie gelangt auf die andere Seite des Gartens, ohne dass ihr jemand begegnet. Die Tür dort ist nur angelehnt. Sie hält ihr Ohr an den Spalt und hört—nichts.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 11.04.2017, 17:36:05
Erstaunt blickt Abdo den Paladin an, der doch eben noch so verbindlich mit dem Mönch geredet hat. Plötzlich braust er auf, als wäre er tödlich beleidigt worden, nur weil er seine Waffe ablegen soll? Die Faszination für Waffen ist allerdings etwas, was Abdo, der von Kindesbeinen an gelernt hat, sich auch ohne eine solche zu verteidigen, noch nie nachvollziehen konnte. Womöglich hat Talahan irgendeine Art von emotionaler Beziehung zu seiner aufgebaut, wer kann das schon wissen?

Gleichwohl blickt Abdo Bruder Edgar erwartungsvoll an: Auf eine solch direkte Konfrontation wird der Mönch doch auf irgendeine Art und Weise reagieren müssen? Denn die Frage, die Talahan stellt, brennt natürlich auch ihm auf den Lippen: Was geht hier vor? Ihn verwundert auch, dass die schreibenden Mönche dies alles mit solch stoischer Ignoranz quittieren - nicht einer blickt einmal auf, um sich das Spektakel anzusehen. Ist dies Diszipliniertheit oder steckt etwas anderes dahinter?

Dem Ya'Keheter geht jedoch schnell auf, dass Talahan nach diesem Ausbruch vielleicht nicht die geeignete Person ist, um den Abt zu besuchen - falls Edgar ihn überhaupt noch dorthin lässt.
"Talahan, beruhigt Euch! Ist es nicht normal in diesem Land, das Krankenlager eines Mannes unbewaffnet zu betreten? Lasst mich an Eurer Stelle gehen, Ihr seid zu aufgeregt, das könnte sich auf den Patienten übertragen."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 11.04.2017, 20:11:45
Aeryn zuckt kurz mit den Schultern. Die Beeren verstärken ihren Verdacht nur, dass die Mönche nicht mehr das sind, was sie einmal waren. Vorsichtig schiebt sie die Türe weiter auf, um einen Blick hineinwerfen zu können.

Sie ist zwar darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden, aber wenn sie doch ein Mönch zur Rede stellen sollte, so würde sie sich ihm nicht unterordnen. Sie waren im Auftrag des Fürsten unterwegs, um die Vorkommnisse hier in der Gegend zu untersuchen. Dem hatten sich auch die Ordensbrüder unterzuordnen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 12.04.2017, 22:34:02
"Ich?" ruft Talahan. "Ich rühre mich hier nicht vom Fleck, bevor Bruder Edgar mir nicht Rede und Antwort steht!"

"Und ich", meldet sich eine leicht akzentbehaftete Stimme von hinten, "lasse mein Weib an einem Ort wie diesem hier ganz sicher nicht aus den Augen." Schon legt sich ein kräftiges Paar Hände auf Lîfs Schultern und zieht die forsche junge Frau wieder einen Schritt zurück. Lîf bleibt keine Zeit für einen Protest, denn nun wird auch der Bibliothekar laut.

"Ihr sprecht von beleidigen?" spiegelt Bruder Edgar Talahans Empörung. "Ja, wer beleidigt hier denn wen? Ich bitte Euch lediglich darum, für einen Krankenbesuch Eure Waffen abzulegen, Ihr aber bezichtigt mich der Lüge! Was hier vor sich geht? Pater Halfir hatte einen schweren Unfall, Bruder Meirik ist bereits voriges Jahr in die heilige Feste gegangen und eine dreiste Räuberbande überfällt Händlerzüge! Das ist die Lage, so wie ich sie überblicke. Mehr wird Pater Halfir Euch auch nicht erzählen können! Aber bitte, wer den Abt sprechen will, den will ich nicht daran hindern. Und wer beten will: die Kapelle ist nicht zu übersehen. Einfach außen herumlaufen. Das Tor ist offen."

Nach diesen Worten erhebt sich der Bibliothekar ein wenig zu schwungvoll (ein Fäßchen Tinte gerät kurzzeitig in Gefahr, entscheidet sich dann aber doch, nicht umzukippen), schiebt geräuschvoll die Bank zurück und begibt sich ein paar Schritte zur Tür, durch die zuvor Bruder Jarus verschwand. Wer seiner auffordernden Handbewegung mit dem Blick verfolgt, sieht, dass Bruder Jarus dort in eben diesem Augenblick wie gerufen erscheint. "Bruder Jarus geleitet euch gern", beendet der Bibliothekar das Gespräch. "Eure Waffen könnt Ihr neben dem Durchgang ablegen."[1]

Die fünf verbleibenden Gefährten blicken einander an. Die heftige Reaktion des Bibliothekars kommt ihnen seltsam vor. Er scheint Talahan zu imitieren. Die steife Haltung, das vorgestreckte Kinn, die fordernden Gesten... eins zu eins vom Ordensritter kopiert! Nur Talahans rote Gesichtsfarbe lässt sich wohl nicht nachahmen. Anteilnahme zu heucheln macht ja wenigstens noch Sinn, könnte Abdo sich denken, aber wozu Wut vortäuschen?[2]

Die sechs Mönche derweil lassen sich von nichts irritieren. Noch immer sind sie über ihre Schreibarbeiten gebeugt und kritzeln eifrig weiter.

~~~

Vor Aeryn liegt ein großer, dunkler Raum. Selbst ihre Elbenaugen benötigen etwas Zeit, sich anzupassen. Anders als im Skriptorium brennt keine einzige Kerze, auch wenn es irgendwo weiter hinten im sich weitenden Raum wohl ein schmales Fenster geben muss. Jedenfalls lichtet sich das Dunkel allmählich zu einem schwachen Dämmerlicht, das so gerade eben ausreicht, die nächste Umgebung zu erahnen. Zu ihrer Rechten führt ein schmaler, von hohen Schränken einseitig gesäumter Gang zu einer Tür; ein breiterer Gang führt geradeaus, von welchem linkerhand nach wenigen Schritten eine Tür abgeht. Von rechts strömt der Elbin ein übermächtiger Kräuterduft entgegen, allen voran der warme Heuduft der Kamille, aber auch schärfere Töne mischen sich darunter. In den brusthohen Regalen dort lagern wohl, in allen möglichen Kästchen und Töpfchen, die Heilmittel des Klosters. Etwa ein Dutzend Schritt voraus öffnet sich der Gang in einen großen Raum. Mehr kann Aeryn von hier aus nicht erkennen, also spitzt sie die Ohren: alles still. Sie schnuppert noch einmal: rechts die Kräuter, aber was ist mit links? Links, da riecht es irgendwie nicht so gut. Ein vorsichtiger Schritt in diese Richtung, ein Schieflegen des Kopfes: summt da etwas hinter der Tür?

~~~

Hjálmarr marschiert ohne klares Ziel vor Augen—nur raus aus der stickigen Stube will er!—in den Klostergarten hinaus und tritt dort, nach einigem wahllosen Wandeln zwischen Kräutergängen, durch die erste Tür, die ihm unterkommt. Er blinzelt im Gegenlicht. Direkt gegenüber, auf der anderen Seite des großen Saales, fällt die Abendsonne durch ein für hiesige Verhältnisse recht großes Fenster, bestimmt dreiviertel Elle breit und zwei hoch. Ein Schritt zur Seite und abermaliges Blinzeln offenbart ihm, dass er sich in die Bibliothek verirrt haben muss. Zumindest schaut er auf sechs Reihen Regale, die sich von etwa der Mitte des Raumes bis zu den Fenstern gegenüber erstrecken. Er meint, gerade noch einen schlurfenden Schritt gehört zu haben, doch jetzt ist es still. Kein Mensch ist zu sehen. So recht eigentlich weiß Hjálmarr nicht, was er hier will.[3]
 1. Wer immer dem Bruder Jarus folgen will, kann seine Waffen ablegen und es tun. Talahan wird sich da nicht vordrängeln und auch Tristan wird sein Weib nicht gewaltsam zurückhalten können.
 2. s. Würfe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1027414#msg1027414).
 3. Auf Deinen Wunsch habe ich gewürfelt, welche der drei Türen vom Hof aus gesehen du genauer untersuchst.
@ Hjálmarr: Aus meiner Sicht ist noch nicht geklärt, ob H. lesen und schreiben kann, da du keine Erklärung dafür hattest, wo er (bzw. der Müller-Vater) es gelernt haben könnte. Auf meine Nachfrage (s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8875.msg1026873#msg1026873)) hattest Du nicht geantwortet. So wie ich euch gerne versprochen habe, dass alles, was ihr bzgl. eurer Chars mit Khenubaal ausgemacht habt, bei mir auch gilt, möchte ich im Gegenzug aber auch nicht alles neu verhandeln müssen, was er bereits durchgesetzt hat: Lesen und Schreiben ist wirklich eine ganz besondere und seltene Fähigkeit, die nicht einfach jeder Bäcker, Müller, Fischer beherrscht. Denk Dir halt was aus! Vielleicht warst Du mal längere Zeit mit einem straffällig gewordenen Gelehrten/Geistlichen in derselben Zelle eingesperrt? Oder Du gibst den übrigen Punkt doch für "Feensprache" aus.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 13.04.2017, 10:55:08
Da sie sich durchaus bewusst ist, dass hier hinter jeder Tür Gefahren lauern könnten, beschließt Aeryn zunächst etwas Unterstützung zu holen. Hatte sie da nicht gerade zuvor Hjálmarr gesehen, wie er ebenfalls das Gebäude in den Kräutergarten verlassen hatte? Wo war er wohl hingegangen? Das ließ sich sicher leichter herausfinden, als was hier im Kloster nicht stimmt.

Daher tritt Aeryn erneut in den Klostergarten hinaus und schließt die Türe leise, um nachzusehen, wo der Mensch sich gerade aufhält, und ob sich vielleicht sogar noch jemand ihnen anschließen könnte, ohne großes Aufsehen zu erregen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 13.04.2017, 14:45:41
Abdo kann sich wirklich nur noch über die Entwicklung wundern. So wie er es verstanden hatte, war ein Kloster doch ein Ort zur Andacht, zur Arbeit und zur Ruhe. Dass sich hier plötzlich ein lautstarker Streit entwickelt, an dem sich auch der fromme Mann beteiligt, und dies auch noch so plötzlich, lässt ihn vergleichsweise ratlos zurück.

Dennoch nutzt Abdo nun die Gunst der Stunde und geht auf Bruder Jarus zu. "Waffen trage ich keine." tut er dem Mönch kund und zeigt nach traditionellem Brauch seine offenen Handflächen. "Aber ich würde gerne mein Gepäck ablegen, bevor ich zum Abt gehe." Bei den letzten Worten streift er den Rucksack ab, den er immer noch auf dem Rücken trägt und legt ihn neben dem Durchgang ab.
"Lîf, kommst du nun mit? Die Augen einer Heilerin schaden gewiss nicht."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 13.04.2017, 15:32:43
Die gesamte Situation lässt Lîf langsam aber sicher daran zweifeln, ob sie wach ist oder einen absurden Traum hat. Kaum hat sie Talahans heftige Attacke gegen den Mönch und das damit verbundene Ignorieren ihrer Worte – Männer eben..! – verdaut, da fühlt sie sich auch schon von Tristan gehalten und hört zugleich Edgar seinerseits laut werden. Immer mehr glaubt sie sich in einer Art Tollhaus und beginnt sich zu fragen, ob vielleicht etwas in der Luft liegt, das die streitbare Stimmung so anfacht. Ein Zauber – oder ganz einfach die Sporen von Pilzen..? Ihre Augen huschen zwischen den beiden Streithähnen hin und her, und sie spannt sich in Tristans Griff spürbar an, hält sich aber dennoch mühsam selbst zurück. Es hat keinen Sinn, weiteres Öl ins Feuer zu gießen, indem sie mit ihrem feurigen Temperament sich auch noch an der Diskussion beteiligt.

Und dann fällt ihr Edgars seltsames Gehabe wieder auf. Sie schaut über die Schulter hoch zu ihrem Mann und hebt bezeichnend die Augenbrauen. Als der Streit schließlich vorerst ein Ende gefunden zu haben scheint und ihr dunkelhäutiger Gefährte sie direkt anspricht, nickt sie entschlossen. Mit sanftem Nachdruck schiebt sie Tristans Hände von ihren Schultern, wendet sich ihm zu und sagt leise: "Ingen vil vove at skade mig. Alle ved, at du beskytter mig."[1] Damit greift sie in ihre Schürzentasche und zieht Tristans Leihgabe hervor, um ihm die Klinge zu geben. "Auch ich bin unbewaffnet" verkündet sie dann mit einem spöttischen Unterton, da die Mönche anscheinend fürchten, selbst ein Weib könne ihren Abt angreifen. "Außerdem ist meine Sache das Heilen, nicht das Schlagen von Wunden" fügt sie leiser hinzu.
 1. Värangsk: Niemand wird wagen, mir etwas anzutun. Jeder weiß, dass du mich schützt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 13.04.2017, 23:19:28
Während Hjálmarr noch unschlüssig dasteht, geht irgendwo rechts von ihm eine Tür und es nähern sich Schritte. Möchte er unbemerkt bleiben, ist es noch nicht zu spät, wieder in den Hof hinauszutreten oder sich rasch hinter ein paar halbhohe Regale zu ducken, die noch vor den großen Regalreihen quer dazu stehen.[1]

~~~

Kurz denkt Lîf, Tristan würde sie nicht gehen lassen. Als sie dann auch noch sein Sax aus ihrer Schürze hervorzieht und ihm zurückgibt, schüttelt er verzweifelt den Kopf. "Hvorfor tager du ikke det ... det var godt skjult ... Fordømt, forhåbentlig har de fast bundet til abbeden, uanset hvad han vender!" murmelt er.[2] Nach einigem Zögern nimmt er das Messer aber doch an und steckt es an seinen Gürtel. Sein Blick wandert zu Abdo und wieder zurück zu Lîf. Dann gibt er sich einen sichtlichen Ruck, darauf aber seinem Weib noch eine Warnung mit auf den Weg: "Stol ikke på dem. De kan lide at tale om sandhed, men ligger så smukke som alle andre. For dem, sandheden er hvad der er tilbage, når man bringer til tavshed alle stemmer undtagen sine egne."[3] Damit lässt er sie schweren Herzens ziehen.

"Führ diese beiden zu Pater Halfir", weist der Bibliothekar seinen Glaubensbruder an. Bruder Jarus nickt den Genannten zu und verschwindet abermals durch die seitliche Tür. Abdo und Lîf folgen ihm und betreten kurz darauf die Bibliothek, welche verlassen im Halbdunkel daliegt. Rötliches Abendlicht fällt durch drei hohe Fenster zu ihrer Rechten, doch außer dem ersten verstecken diese sich hinter mehreren Regalreihen und verraten sich nur durch zwei helle Streifen weiter vorne, in denen der Staub tanzt. Kein Laut ist zu hören außer den eigenen Schritten.[4]

So durchqueren die drei den stillen—manche würden ihn erhaben nennen—Saal des Wissens und treten auf der gegenüberliegenden Seite durch eine zweite Tür. Vor ihnen befindet sich ein langer, rechterhand ein kurzer Gang, jeweils mit zwei Türen. Obwohl sich ihre Augen bereits an das Halbdunkel der Bibliothek gewöhnt haben, ist es hier nun so finster, dass sie kaum die Hand vor selbigen sehen. Die einzige Lichtquelle ist ein Fenster irgendwo ganz hinten, hinter einer weiteren Ecke. Ihr Führer trägt weder Kerze nach Fackel, bewegt sich aber zielsicher nach rechts und öffnet die Tür am Ende des Ganges. Dahinter befindet sich ein Treppenhaus. Eine Wendeltreppe führt hinauf in den Turm und hinab in den Keller. Fensterschlitze erhellen die eine, an der Wand befestigte Öllichter die andere Richtung. Nach einer einladenden Handbewegung macht Bruder Jarus sich daran, die Treppen hinabzusteigen.

~~~

Freydis, Talahan und Tristan bleiben im Skriptorium zurück, zusammen mit dem Bibliothekar und seinen sechs eifrigen Schreibern. Für einen Augenblick weiß niemand, was er sagen soll.
 1. In letzterem Fall bitte ich um einen Stealth-Wurf.
 2. Värangsk: "Warum nimmst du es nicht... es war doch gut versteckt... Verdammt, hoffentlich haben sie den Abt gut verschnürt, in was auch immer er sich verwandelt hat!"
 3. Värangsk: "Trau ihnen nicht. Sie nehmen gern das Wort 'Wahrheit' in den Mund, aber sie lügen so prächtig wie alle anderen Menschen. Für sie ist Wahrheit das, was übrigbleibt, wenn man alle Stimmen außer der eigenen zum Schweigen bringt."
 4. Hjálmarr Stealth = 13; Lîf und Abdo perception 12 und 10; Jarus gewürfelte 4, s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1027519#msg1027519).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 14.04.2017, 22:08:19
Nur höchst ungern hätte sich Freydis von dem beruhigenden Gewicht ihres Streitkolbens getrennt,
dafür ist es zu offensichtlich, dass mit den Mönchen etwas nicht stimmt.
Bei Bruder Edgars ausbruch wird ihr klar wie ihr die Situation vorkommt. "Schauspieler!" fährt es ihr durch den Kopf "Nicht wie echte Mönche, sondern wie Schauspieler die so tun als ob!" Entweder täuschen die Brüder Normalität vor, oder etwas noch viel monströseres geht hier vor.[1]
Auf jedenfall hat die junge Berührte eine Idee wie sie unauffällig ein bischen nach der Wahrheit stochern kann.
Sie lehnt sich eine Mischung aus Langeweile und Neugierde vorspielend über die Schulter eines der Schreiber und deutet dann auf dessen Werk. "Entschuldigt Bruder, aber sollte dieses Violett nicht den gleichen Ton haben wie jenes? So wie es jetzt aussieht verträgt es sich gar nicht gut mit dem orangerot." kommentiert sie dann Erstaunen häuchelnt.[2] Dabei klopft ihr Herz so schnell, dass sie überzeugt ist kaum besser zu Schauspielern als die Mönche, so nervös ist sie.
 1. Sense Motive 23
 2. Bluff: 24
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 15.04.2017, 14:04:39
Stumm nickt Lîf ihrem Mann zu und drückt sachte seine Hand. Wenn er die Befürchtung hat, sie könne den Mönchen echtes Vertrauen entgegenbringen, kennt er sie schlecht! Dennoch: Auch wenn ihr die Einladung nach einer Art von Falle zu riechen scheint, kann sie sich dem Gedanken nicht verschließen, dass sie wissen müssen, was mit dem Abt los ist – und ganz abgesehen davon ein womöglich siecher Mensch ihre Hilfe braucht. Ihre Pflicht als Heilerin zu verleugnen hieße aber die Große Mutter erzürnen. Daher ist sie entschlossen, sich dem fremdländischen Gefährten anzuschließen und der Sache auf den Grund zu gehen. Sie hat keine Angst, zumal sie noch immer ein wenig darauf zählt, dass sie es immerhin mit Menschen zu tun haben, die ein unbewaffnetes Weib wohl nicht so einfach angreifen würden.

Sie erwidert also Jarus' Nicken und geht ihm an Abdos Seite nach, die Hand auf ihren gewölbten Bauch gelegt und tief durchatmend, obgleich sie sich im Moment nicht sonderlich unwohl oder erschöpft fühlt[1]. Man weiß schließlich nie, ob es nicht noch nützlich sein kann, wenn die Mönche die Schwangere harm- und hilfloser wähnen, als sie es wirklich ist. Auf dem Weg blickt sie sich aufmerksam um und schnuppert immer wieder, ob sie den eigenartigen Pilzgeruch außer von den Brüdern ausgehend auch anderswo wahrnehmen kann. Kurz zögert sie, als es in den finsteren Gang geht, doch folgt sie dem Mönch weiter. Ein Stirnrunzeln dürfte wenig später auch Abdo nicht verborgen bleiben, denn dass der Abt in einem Kellergewölbe untergebracht sein soll, erscheint ihr höchst seltsam. Doch sie rafft ihr Kleid und macht sich daran, die Treppenstufen langsam und vorsichtig zu nehmen, ihre Sinne aufs äußerste gespannt.
 1. Bluffenwurf: 19, siehe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1027546#msg1027546).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 16.04.2017, 10:43:22
Hjalmarr ist es eigentlich gleich, ob er hier nicht sein durfte. Regularien und Verbote haben ihn noch nie groß geschert, und dennoch, als er das Geräusch ein paar Regal Reihen weiter hört, nimmt er reaktiv die Spannung aus den Beinen und sackt hinter einem halbhohen Sekretär zusammen. Neugierig lugt er er langsam um einen Kante und erkennt die Rücken von Lief und Abdo. Einer der Mönche, Hjalmarr hat seinen Namen bereits vergessen, führt die Beiden. Scheinbar haben sie sich entschieden mit dem Pater zu sprechen. Leise folgt er dem Gespann einen Moment später bis zur Tür und bemerkt das dunkle, kalte Treppenhaus, in welches der Bruder seine beiden Gefährten geleitet. Eigentlich war sein Plan die Erkundung des Gemäuers, doch der Weg in die Keller schien für einen Krankenbesuch des Kloster-Oberhauptes nicht der Richtige. Misstrauisch beschließt der Lesdager ihnen mit etwas Abstand und besonderer Vorsicht zu folgen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 18.04.2017, 12:24:33
Abdo macht keine weiteren Anstalten zu warten und folgt ihrem Führer durch die seitliche Tür in die Bibliothek. Ein kurzer Blick über die Schultern vergewissert ihn, dass Lîf sich glücklicherweise entschieden hat, ebenfalls mitzukommen. Falls der Abt Zeichen der Seuche tragen würde, kann die Heilerin diese sicherlich besser erkennen; schließlich hat sie nach ihren eigenen Worten bereits eine andere von der Krankheit Gezeichnete gesehen.

Die Anzahl der Bücher in der Bibliothek erfüllt ihn mit einem warmen Gefühl - in Ya'Kehet konnten die Anhänger des Ordens nur einen kleinen Teil der vorhandenen Bücher retten, und jedesmal, wenn ein weiteres Buch auf einer Mission gefunden wurde, war dies eine Tag der Freude für den gesamten Orden. Er selbst ist zwar kein Gelehrter, und die hiesige Sprache bereitet ihm weiterhin mehr Probleme, als ihm lieb ist - vor allem die Runen, die zur Niederschrift der Sprache verwendet werden, machen ihm zu schaffen - doch Abdo nimmt sich vor, wenn es sich irgendwie einrichten lässt, die Bibliothek zu besuchen und sich in das eine oder andere Buch einzulesen.
Jetzt allerdings liegt sein Fokus woanders, und er folgt Bruder Jarusm, der keine Pause einlegt, durch den Raum und einen weiteren dunklen Korridor zu einer Treppe. Hier gibt es zumindest wieder eine schwache Beleuchtung und Abdo folgt dem Mönch in kurzem Abstand treppabwärts.

Der Gedanke, dass es merkwürdig sein könnte, einen Kranken im Keller zu pflegen, kommt dem Ya'Keheter nicht - schließlich sind seine Landsleute seit Jahren gezwungen, einen Großteil ihres Lebens unterhalb der Erdoberfläche zu verbringen, wo sie vor den umherziehenden Horden einigermaßen sicher sind.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 18.04.2017, 15:02:54
Da Hjálmarr so schnell wieder verschwunden ist, wie er aufgetaucht war, ist die Elbin zunächst etwas unschlüssig, was sie nun weiter tun soll, entscheidet sich am Ende aber dafür, nochmal zu der Türe zu gehen, um weiter zu beobachten, was sie dort zuvor für ein Summen gehört hatte. Vielleicht ist es ja einfach nur ein Ort, wo die Klosterbrüder Bienenstöcke haben, um Honig zu sammeln. Sie nimmt sich reichlich Zeit, wenn sie wieder dort ist, um die Eindrücke zu ergründen, die ihre Ohren in dem Raum auffangen können.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 18.04.2017, 15:37:19
Das Summen klingt nicht nach Bienen. Bienen fliegen ruhiger, zielbewusster. Außerdem hat Aeryn die Bienenstöcke des Klosters draußen im Hof gesehen, warum sollte es im Inneren weitere geben? Vielleicht ein Wespennest in einem unbenutzten Raum? Würde man wohl direkt neben der Krankenstube auch nicht dulden. Und eigentlich klingt es auch eher nach den erratische Flugkünsten von Schmeißfliegen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 18.04.2017, 18:06:41
Nachdem sie sich das Summen eine Weile länger angehört hat, kommt Aeryn eine andere Idee. Das würden sie untersuchen müssen, aber dazu müsste sie zunächst die anderen informieren. Daher begnügt sich die Elbin zunächst damit und macht lediglich eine mentale Notiz, später zusammen mit dem Rest nocheinmal hier nachzusehen. Dann kehrt sie zurück zur Schreibstube, um zu sehen, wie die Lage dort mittlerweile ist.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 20.04.2017, 22:44:02
Als Freydis einen der Schreiber anspricht und auf Farbfehler seines Manuskriptes aufmerksam macht, hält dieser inne. Und nicht nur er, bemerkt Freydis hellhörig: alle sechs Federn im Raum hören abrupt auf, über Pergament zu kratzen. Gerade noch ist Freydis, ist die ganze Gruppe, außerordentlich beeindruckt von der Disziplin und dem Diensteifer der Schreiber gewesen, welche sich nicht einmal durch die lautstarke Auseinandersetzung wenige Schritt neben ihnen hatten irritieren lassen, jetzt lassen alle sechs sich durch die einfache Ansprache eines von ihnen ablenken; jetzt lauschen alle sechs mit geneigtem Kopf Freydis' Worten. Der Angesprochene schaut auf seine Arbeit, die anderen fünf zu den beiden herüber, dabei alle sechs mit der gleichen, ausdruckslosen Miene. Irgendwie hat Freydis nicht das Gefühl, dass der Mann neben ihr überhaupft versteht, was sie meint. Antworten tut er nicht.

Talahan versucht es derweil noch einmal mit Vernunft.

"Nun kommt schon! Wir sind jetzt unter uns. Ob Ihr's glaubt oder nicht, der junge Mann, der sich da schüchtern im Hintergrund hält, zitiert den Propheten so inbrünstig und wortgetreu, dass es uns beiden die Schamesröte ins Gesicht triebe, wollten wir versuchen, uns mit ihm darin zu messen. Also sagt endlich: was ist hier los? Wir sind gekommen, um zu helfen."

"Uns helfen wollt ihr?" fragt Bruder Edgar. Wer ein bisschen Einbildungskraft besitzt, könnte meinen, er klingt überrascht, dabei ist's wohl nur die hochgezogene Augenbraue, die einen auf diese Idee bringt. (Ein Schauspieler, denkt Freydis abermals, doch seine nächsten Worte lassen sie schaudern. Ganz leise spricht er sie.) "Uns helfen könnt ihr ganz leicht. Ob ihr es wollt ist eine andere Frage."

Nach diesen Worte bückt er sich und öffnet eine Lade an seinem Schreibpult.

Während Aeryn in umgekehrter Richtung durch den Klostergarten huscht, fällt ihr zum ersten Mal auf, dass an einem der schmalen Fenster im zweiten Stock tatsächlich ein Späher lauert, der, kaum treffen sich ihre Blicke, mit einem raschen Schritt in die Obskurität zurückweicht. Im Skriptorium angelangt, drängen sich ihr drei Beobachtungen gleichzeitig auf: dass von den ihren nur noch Talahan, Tristan und Freydis anwesend sind; dass Freydis gerade—verbotenerweise!—einen der Schreiber über die Schulter weg anspricht; dass der Pilzgeruch wenige Augenblicke später (oder hat sie bloß nicht eher darauf geachtet) plötzlich an ihr hochbrandet, dass ihr fast übel davon wird. Ein einziger Schreckmoment ist ihr gegönnt, dann krachen Schemel, Manuskripte, Tintenfäßchen zu Boden, als die sechs Schreiber sich synchron erheben und ihre Pulte öffnen und hineingreifen.

Freydis, deren Augen an die Lichtverhältnisse im Skriptorium besser angepasst sind als Aeryns, erkennt noch vor der Elbin, was die Schreiber da aus ihren Pulten ziehen: Knüppel.[1]

~~~

Immer weiter in die Tiefe windet sich die Treppe, die Bruder Jarus Abdo und Lîf—und ohne sein Wissen auch Hjálmarr—hinunterführt und danach weiter, einen Gang entlang. Die Sinne der Gefährten sind aufs Äußerste angespannt. Das einzige Licht hält Bruder Jarus, der das letzte Öllicht am Fuße der Treppe aus der Halterung genommen hat; Hjálmarr kommt nur tastend und lauschend voran.

Sie alle hören: mehr Schritte, als sie Personen um sich wissen. Mindestens drei Paar schleichende Schritte wähnen der Ya'Keheter und die junge drudkvinde hinter sich; Hjálmarr dagegen so ein oder zwei Paar vor sich. (Genau drei, denkt sich Abdo, doch zwei davon schleichen derart im Takt miteinander, dass es fast wie eine Person klingt. Der dritte Schleichter dagegen tut sich schwer: sein Rhythmus ist unregelmäßig, mal hält er zögernd inne, mal eilt er voran, um aufzuholen, mal stolpert er. Die anderen zwei stolpern nicht und zögern nicht.) Kurz nachdem (bzw. bevor) man einen Seitengang passiert hat, haben diese zwei sich zu den eigenen Schritten dazugesellt und begleiten sie nun getreu, trotz etlicher Türen und zwei weiteren Abzweige, bis der Gang schließlich immer abschüssiger und unebener wird. Längst besteht der Boden nicht mehr aus Steinfliesen, sondern aus nacktem Fels. Die Luft wird immer schwerer, immer feuchter; feucht sind auch die Wände. Gemauert, ja, noch sind sie es—doch wie lange noch? Die Decke ist es nicht mehr: Fels oder Erdreich, von massigen hölzernen Querstreben gestützt.

Weit vor ihnen ertönt ein Glucksen und Plätschern.
 1. Kampf eröffne ich morgen. Komme heute abend nicht mehr dazu. Muss die Karte neu bearbeiten, weil ja nur vier statt sieben von euch da sind, etc. Initiative habe ich schon gewürfelt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 21.04.2017, 09:51:30
Nachdem die Treppe immer tiefer führt, wird auch Abdo langsam misstrauisch. So tief in der Erde würde doch kein normaler Kranker behandelt werden? Mussten sie den Abt hier unten festhalten, weil er zu einem wilden Tier mutiert war, so wie er es bereits befürchtet hat? Dass der Gang am Fuße der Treppe nun unbeleuchtet ist, trägt nur zu seinem noch weiteren Unbehagen bei.

Plötzlich bemerken seine durch die Dunkelheit geschärften anderen Sinne, dass er verfolgt wird - oder besser, dass ihnen dreien Schritte folgen: Drei Paar, um genau zu sein, wobei eines nicht zu den beiden anderen zu passen scheint. Hat der Mönch sie etwa in eine Falle gelockt? Sind dies zwei Attentäter, die ihm und Lîf den Hals umdrehen sollen, um das fürchterliche Geheimnis des Abtes nicht zu enthüllen?

Eine Weile folgt er ihrem Führer schweigsam und denkt darüber nach, welche Optionen er nun hat, doch mehr und mehr wird deutlich, dass dies hier unten kein gutes Ende nehmen kann - inzwischen sind die drei offenbar in einer Art Stollen, der direkt ins Erdreich getrieben wurde, unterwegs, weit unterhalb der Klostermauern.

Der Ya'Keheter sieht nur eine Möglichkeit: Er muss den Spieß umdrehen und das Überraschungsmoment für sich nutzen, und die Verfolger stellen, bevor die Falle endgültig zuschnappt. Doch hier unten in der Dunkelheit gestaltet sich das Ganze schwierig. Er tritt etwas näher an den Mönch heran, wie um ihm eine Frage zu stellen, versucht dann jedoch, ihm mit einem schnellen Griff die Lampe zu entreißen. Doch der Mönch scheint das Vorhaben geahnt zu haben und weicht Abdos Hand mit einer kurzen Bewegung aus.[1]
Dennoch wirbelt der Ya'Keheter herum und ruft in Richtung der Dunkelheit:
"Wer da? Zeigt euch!"
 1. Misserfolg beim Kampfmanöver
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 21.04.2017, 13:17:48
Die junge Frau ist dem Mönch mit wachsendem Misstrauen gefolgt. Diese Umgebung sieht alles andere als geeignet aus, um einen Kranken hier zu beherbergen, und es missfällt ihr auch zunehmend, sich von Sonnenlicht und lebenden, atmenden Pflanzen fort immer tiefer unter die Erde zu bewegen. Gerade hat sie sich entschlossen, Jarus anzusprechen, um ihn zur Rede zu stellen, als sie der Schritte hinter der kleinen Gruppe gewahr wird und erst einen Moment lang lauscht, um dann Abdo einen Blick zuzuwerfen. Im Gegensatz zu dem Dunkelhäutigen macht sie noch keine aggressive Bewegung. Doch in der Hoffnung darauf, dass keiner der anderen ein schwangeres Weib als ernstzunehmenden Gegner ansieht, versucht sie sich an der Wand entlang näher zu Bruder Jarus zu drücken, da Abdos Aufmerksamkeit ja offenkundig mehr auf die sich nähernden Schritten gerichtet ist. Sie traut dem Mönch nämlich nicht und duckt sich wie eine sprungbereite Katze, während sie Jarus im Blick behält. Zugleich nehmen ihre Hände, wohl kaum sichtbar für die beiden Männer, eine braune Farbe an, mit einer rissigen Oberfläche wie alte Borke, aus der kurze spitze Dornen hervorragen[1]
 1. Eine freie Aktion für Holzfaust (http://prd.5footstep.de/Grundregelwerk/Klassen/Kleriker#Domäne-der-Pflanzen)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 21.04.2017, 22:44:37
Hjalmarr hält inne. Vor ihm ertönen plötzlich Schritte. War das ein Schatten, den er gerade gesehen hat? Er bleibt abrupt stehen und rührt sich nicht. Es ist stockdunkel, wie bei den Sirenen können diese Mönche hier unten etwas erkennen? Diese Fragen beschäftigen Hjalmarr nur minder, als er Abdo hört, der in den Gang hinein ruft. Schnell zieht er seinen Bogen vom Rücken und spannt einen Pfeil.[1] So leise wie möglich wartet er ab und versucht auszumachen, ob einer der aufgetauchten Verfolger seine Richtung ändert und sich ihm nähert.[2] In Gedanken verflucht er diesen Ort. Sie hätten sich nicht trennen dürfen oder auf den Vorschlag des Mönches eingehen dürfen. Es war so offensichtlich, dass hier etwas nicht stimmte und nun sind sie ihnen scheinbar direkt in die Falle gelaufen.
 1. Bogen ziehen, Pfeil spannen
 2. Perception 12
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 21.04.2017, 22:53:17
Überraschungsrunde (Skriptorium)

Während Talahan den Bibliothekar noch ungläubig anstarrt und Tristan noch immer besorgt seinem Weib hinterherblickt, stürzen sich im vorderen Bereich des Skriptoriums bereits die Gegner aufeinander.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 21.04.2017, 23:14:03
Aeryn sieht sich von einem Moment auf den anderen von Gegnern umringt. Zeigen sie endlich ihr wahres Gesicht! denkt sie für einen kurzen Moment. Dann folgt aber auch gleich ein anderer Gedanke. Das sind ganz schön viele, und nur ein Teil von uns befindet sich noch hier im Scriptorium.

Ihren über Jahrzehnte geschulten Reflexen verdankt es die elbische Bogenschützin, dass sie schneller reagiert als die Mönche - oder was auch immer sie sein mochten. Sie kämpft den widerlichen Gestank nieder und versucht sich davon nicht ablenken zu lassen. Ihre Aufmerksamkeit gilt vor allem den Gegnern, zu denen ganz sicher auch Bruder Edgar gehören wird. Dennoch bewegt sich die Waldläuferin geschwind näher an den großen Schreibtisch heran, hinter dem der Mönch sich befindet[1], während sie in einer fließenden Bewegung ihren Bogen bereitmacht[2].
 1. Bewegung nach C2
 2. Waffe ziehen als freie Aktion während der Bewegung wegen GAB +1
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 22.04.2017, 20:48:19
Freydis war misstrauisch und nervös gewesen seit sie den Fuß in das Kloster gesetzt hatte und so
braucht die junge berührte keine elbischen Reflexe um schneller als die Mönche zu reagieren.

Sie weicht zu Bruder Edgars Tisch zurück.[1]Dabei durläuft ihre linke Hand eine Serie komplexer Gesten ehe sie wie zur Abwehr nach aussen streckt, genau so, wie sie es bei ihrer Ankunft im Dorf getan hat.[2] "Oh ja, im Kloster ist alles in bester Ordnung." kommentiert sie sarkastisch.[3]
 1. Bewegung nach c4 d3 (wg. Ü-runde - Anmerkung Gaja)
 2. Zauber: Mage Amor
 3. Edit Gaja: Namen korrigiert (Edgar, nicht Eckard)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 22.04.2017, 22:38:25
Zwei der Mönche sind mit einem Schritt heran und schlagen auch sofort zu. Der eine trifft mit voller Wucht den überraschten Ordenskrieger von hinten (verfehlt aber den Kopf, der Herr sei gelobt!), der andere mit fast ebensolcher Wucht Tristans Schild. (Vor dem Tor draußen hat er's sich umgeschnallt und seither noch nicht wieder abgelegt, auch wenn er das einst gezückte Schwert längst wieder am Gürtel hängt.)

Derweil umrundet Bruder Edgar seinen Schreibpult, einen schweren Flegel in der Hand, duckt sich unter dem Kerzenständer hinweg und nähert sich Talahan von der anderen Seite. Auch die restlichen vier Mönche drängen heran—lautlos.[1]
 1. Mönch 1 + 4 machen einen 5-foot step und Angriff, Rest nur move. Mönch 1 auf Tristan trifft genau nicht; Mönch 4 auf Talahan trifft für 6 Schaden.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 22.04.2017, 22:38:55
1. Runde (Skriptorium und Keller)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 22.04.2017, 23:10:30
Als die Gegner an ihm vorbeidrängen, den fliehenden Frauen hinterher, fährt Tristan herum. Während er noch sein Schwert zieht, öffnet sich sein Mund schon zu einem Schrei. Doch es ist ein seltsamer Schrei: aufgerissen hat er den Mund so weit wie nur möglich, mit voller Macht scheint er die Luft aus geschwellter Brust hinauszustoßen, verzerrt vor entfesseltem, fast animalischem Zorn ist seine Miene, und doch hört keiner der Anwesenden einen Laut. Mit einer Ausnahme. Einer der heranstürmenden Mönche schreit auf vor Schmerz und schlägt die Hände über seine Ohren, doch zu spät: leblos sackt er Freydis geradewegs vor die Füße.[1]

Aus beiden Ohren läuft dem Mann Blut—oder ist es Blut? Es sieht zähflüssig aus und eher gelblich orange statt sattem Rot, doch für genauere Betrachtung bleibt keine Zeit. Eine ganz andere Frage schießt Freydis gleichzeitig durch den Kopf. Wie, was? Tristan kann zaubern?[2]
 1. move: Waffe ziehen;
SA: zaubert ear-piercing scream (http://www.d20pfsrd.com/magic/all-spells/e/ear-piercing-scream/) auf Mönch 2.
=> Der Mönch schafft seinen fortitude save nicht. Schaden 6. Mönch sterbend.
 2. Hat er auf der Reise nicht ein einziges Mal, nicht mal ein kleiner cantrip.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 22.04.2017, 23:42:56
Aeryn zielt genau[1] auf den Mönch, der direkt neben Freydis steht, nachdem Tristan einen von ihnen bereits erledigen konnte.

Leider ist sie aber noch von dem schrecklichen Gestank so abgelenkt, dass sie ihr Ziel weit verfehlt[2]. Etwas verärgert über ihr Ungeschick, legt die Waldläuferin direkt einen neuen Pfeil auf die Sehne, der hoffentlich sein Ziel besser finden wird als der erste.
 1. MA: Bullseye Shot; +4 auf Angriff
 2. SA: Angriff geht mit natürlicher 1 daneben
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 23.04.2017, 03:35:37
Aber die Frage nach Tristans Magie muss warten. Um sich den Gefährten zu nähern haben sich die Mönche auf dem Gang zwischen den Pulten zusammengedrängt und genau darauf hat Freydis gehofft.
Während sie zum Pult zurückweicht[1] verfärben sich ihre Augen zu einem leuchtenden Himmelblau. Dannvollführt sie mit beiden Händen eine Geste als würde sie die herannahenden Mönche mit Sand bewerfen und zischt "Blive blændet af de farver!"[2]. Aber es ist kein Sand der die Brüder trifft, nein, eine grelle, wirbelnde Vielfalt von Farben entfährt den Händen der Berührten, trifft sie und fährt ihnen blendend in die Augen.[3] Dann zieht die Berührte ihren Streitkolben aus der Halterung auf ihrem Rücken. Und das ist kein primitiver hölzerner Knüppel wie ihn die Mönche tragen sondern eine Kriegswaffe aus dem besten Stahl Albions.[4]
 1. 5 ft Schritt nach c3
 2. Väransk: Seid geblendet von den Farben!
 3. Standart Action: Color Spry (http://www.d20pfsrd.com/magic/all-spells/c/color-spray/), 15 feet Cone von d4 nach f4 und d6
 4. Movement Action: Waffe ziehen
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 23.04.2017, 14:32:09
Derweil unten im Kellergewölbe

Kaum hat Abdo seine Herausforderung in den dunklen Gang hinter ihnen geschmettert, da kommen auch schon zwei Gestalten um die Ecke gelaufen: der eine keulenschwingend und geradewegs auf Abdo zu, der zweite, schmächtigere und auf ersten Blick unbewaffnete ist seinem Kumpan zwei Schritt voraus und stürzt sich ohne Zögern auf Lîf. Er packt sie, zieht sie zu sich heran und versucht, ihr die Arme auf den Rücken zu drehen.[1] Womit er nicht gerechnet hat: dass die junge Schwangere doch nicht ganz so unbewaffnet ist, wie sie ausschaut.[2]

Bruder Jarus, noch immer Herr der einzigen Lichtquelle, kramt inzwischen in den Falten seines Gewandes nach dem verborgenen Dolch.[3]
 1. B: 2 moves, um zu Abdo zu gelangen; Waffe vorher gezogen. G: move: 6 Felder; SA: grapple, mit 18 vs. 9 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1027787#msg1027787) geglückt. => Lîf ist grappled. Befreien = SA, entweder Escape Artist oder Kampfmanöverwurf gg. G's CMD.
 2. Lîf bekommt einen GA. Das Ergebnis ändert aber nichts daran, dass sie grappled (http://www.d20pfsrd.com/gamemastering/conditions/#TOC-Grappled) ist, außer, sie haut ihren Angreifer mit einem Hieb um. Dazu wäre aber schon ein kritischer Treffer nötig.
 3. SA: draw concealed weapon. Keine Sorge, seine Initiativeposition ist eigentlich NACH Hjálmarr, aber da er noch nichts machen kann (und H. auch nicht an ihn rankommt), habe ich es hier schon mal beschrieben. Hjálmarr, Abdo und Lîf können jetzt alle handeln, (ausnahmsweise so) als wären sie im selben Block.
@ Hjálmarr: im Dunkeln gilt eigentlich halbe Bewegungsrate, aber da du dich aufs Licht zubewegst und alles gerade und eben ist, darfst du mit voller Bewegungsrate um die Ecke.[/b]
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 23.04.2017, 15:20:25
Obwohl die drudkvinde schon fast mit einem Hinterhalt gerechnet hat, überrascht sie das schnelle Vorgehen der so unkriegerisch aussehenden Mönche doch. Sie stößt einen Schreckensschrei aus, als der eine auf sie zu eilt und an den Oberarmen packt. Kurz bevor sie sich gegen seinen Griff stemmen muss, um nicht von ihm überwältigt zu werden, gelingt es ihr noch, mit ihrer dornenbewehrten Hand einen raschen, ungezielten Rückhandschlag nach seinem Gesicht zu machen[1]. Keuchend ringt sie dann um ihre Bewegungsfreiheit, wobei sie ein stummes Gebet an die Große Mutter sendet, dass ihrem Ungeborenen nichts geschehen möge. Die Gefahr für sich selbst realisiert sie als Kampfesungeübte noch gar nicht so recht.
 1. EDIT: Trefferwurf 12 statt 10 wie hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1027813#msg1027813) angenommen, da "grappled" noch nicht gilt
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 23.04.2017, 16:12:22
Abdo stößt einen ya'kehetischen Fluch aus, als plötzlich die beiden Mönche aus der Dunkelheit auftauchen und er zu überrascht ist, um den einen rechtzeitig davon abzuhalten, Lîf zu schnappen. Diese ist jedoch nicht so wehrlos, wie sie aussieht, und verpasst ihrem Angreifer einen schmerzhaften Schlag ins Gesicht.

Abdo sieht sich währenddessen gleich zwei Gegnern gegenüber, die ihn zu allem Überfluss auch noch eingekreist haben - denn instinktiv spürt er, wie auch Bruder Jarus nach einer Waffe greift. Hoffend, dass Lîf sich ihrem Gegenüber für den Moment alleine erwehren kann, drückt er sich mit dem Rücken an die Wand, um seine beiden Angreifer im Blick zu haben[1] und versucht dann eine Kombination von Fausthieben auf den mit der Keule bewaffneten regnen zu lassen.[2] Doch sei es die Dunkelheit oder die Tatsache, dass er seit längerem schon seine Kampfkünste nicht mehr außerhalb von Übungseinheiten genutzt hat: Beide Fäuste landen im Nichts, und seine Lage hat sich gerade um einiges verschlechtert.
 1. 5ft Step auf D9
 2. Flurry of Blows auf B: 9/9
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 23.04.2017, 19:06:00
Hjalmarr folgt den Schritten als er die beiden Silhouetten um die Ecke verschwinden sieht und beschleunigt seinen Schritt, als er Abdo fluchen hört. Um die Ecke angekommen, erkennt er nur die Rücken zweier Mönche, und es wird ihm schnell klar, was hier vor sich geht. Wütend zieht er einen Pfeil auf und lässt ihn gezielt auf die Beine der Angreife von der Sehne schnellen. Es ist zu gefährlich auf den Oberkörper zu zielen, solange sie so nah an seinen Gefährten stehen. Doch das schlechte Licht tut sein übriges und der Pfeil rechts neben den Mann gegen die Wand.[1]
 1. Fehlschlag mit 7
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 24.04.2017, 13:53:31
Im Skriptorium oben prasseln die Schläge vor allem auf die beiden Kämpfer ein, die ja auch an vorderster Front stehen. Während aber die drei Gegner um Talahan—zwei davon blinzeln noch unter dem Nacheffekt von Freydis's Zauber[1]—alle ins Leere hauen, wird Tristan, der nun völlig von Gegnern umstellt ist, getroffen.[2] Doch diesen blassen Schreibern fehlt die Kraft, um einen Rûngarder Piraten viel anhaben zu können, und so lacht Tristan dem Kerl nur höhnisch ins Gesicht. "Mennesket består af krop og ånden. Forsømmer du den ene, også lider der anden!" ruft er.[3]

Auch Freydis hat Glück im Unglück: zwar gelingt es einem der Mönche nicht nur, ihren Zauber abzuschütteln und an Tristan vorbeizudrängen, sondern auch, ihr eins mit dem Knüppel überzuziehen—aber der Rûngarder hat recht: es sind die dünnen Schreiberärmchen doch zu schwach für einen ordentlichen Hieb.[4]

Und dann hat auch Talahan sein Schwert endlich in der Hand. Als erstes führt er es mit einem gewaltigen Rundumschlag einmal quer durch den Schreiber links vor ihm und weiter in Richtung Bibliothekar, bei dem der den Schlag aber teilweise mit seinem Flegel parieren kann. Trotzdem heult er auf unter dem Treffer.

Eigentlich hätte Blut spritzen müssen. Vor Talahan liegt ein zweigeteilter Mönch auf dem Boden. Der Ordensritter und auch Bruder Edgar müssten eigentlich in Blut gebadet dastehen, doch klebt nur eine zäh-glibbrige, bernsteinfarbene Masse an Talahans Klinge.[5]
 1. @Freydis: bitte noch im Status abstreichen, dass Du einen Stufe 1 Zauber verbraucht hast.
 2. M1, 3, 6: five-foot step; M1+6 auf Tristan, M1 trifft für 2 Schaden; M4+5 und Edgar auf Talahan hauen alle daneben (s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1027856#msg1027856)).
 3. Värangsk: "Der Mensch besteht aus Körper und Geist. Vernachlässigst du das eine, leidet auch das andere!"
 4. M3 trifft Freydis für 1 Schadenspunkt.
 5. move: Waffe ziehen; SA: Cleave auf M5 + Edgar, trifft beides für 8hp.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 24.04.2017, 16:10:25
2. Runde (Skriptorium und Keller)

Derweil im Keller könnte Lîf nun doch auf den Gedanken kommen, sich Sorgen um sich selbst zu machen, denn mit einer Kraft, die man dem schmächtigen Mönchlein gar nicht zugetraut hätte, hält der sie trotz ihrer Gegenwehr weiterhin gepackt und zerrt sie mit sich davon, an Bruder Jarus und Abdo vorbei, als Ziel die dunklen Gänge voraus.[1] Dabei hält er Lîf wie einen Schild vor sich in die Richtung, aus der gerade ein Pfeil geschossen kam.[2]

Der zweite Mönch schlägt mit dem Knüppel nach Abdo, verfehlt diesen aber.
 1. Lîf (Runde 1) SA Entfesseln = 7 reicht nicht (KEIN Abzug auf Befreiungsaktion selbst, nur auf alles andere, was du versuchen könntest);
G (Runde 2) SA: grapple aufrecht erhalten gelungen (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1027873#msg1027873); Aktion: fortzerren.
@ Abdo: Du erhältst einen GA auf G, als er Lîf an Dir vorbeizerrt. Dessen Aktion wird dadurch aber nicht unterbrochen—außer, Du haust ihn um.
 2. G. versucht, Lîf als cover gegen Fernkampf zu benutzen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 24.04.2017, 16:11:24
Aeryn zieht sich weiter zwischen den großen Schreibtisch und das Regal an der Wand zurück[1], während sie erneut auf den Mönch anlegt, der gerade Freydis attackiert hat. Die Waldläuferin nimmt sich wieder Zeit zum Zielen[2], in der Hoffnung, ihn endlich zu erwischen.

Diesmal ist ihr Pfeil auch deutlich zielgenauer und rast geradewegs auf den Mönch, oder was auch immer er sein mag, zu[3].
 1. 5-Fuß-Schritt auf B2
 2. MA: Bullseye Shot; +4 auf Angriff
 3. SA: Angriff trifft RK 19-21, Schaden 4-6; siehe Würfelthread
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 24.04.2017, 19:18:48
Tristan hätte keine Zeit auf das Verhöhnen des Gegners verschwenden sollen. Solchermaßen abgelenkt, führt er sein Schwert mit wuchtigem Schwung ins Leere.[1]
 1. SA: Angriff auf M1 = 10  (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1027860#msg1027860) => Schaden 8, aber leider daneben.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 24.04.2017, 23:50:19
Abdo hat nicht viel Zeit, sich über den missglückten Angriff zu ärgern, denn im nächsten Moment schon beginnt der andere Mönch, Lîf in den Gang hinein in die Dunkelheit zu ziehen. Die Art und Weise, wie die junge Frau dabei ihre Hände schützend auf ihren Bauch legt, öffnet ihm plötzlich die Augen: Trägt sie etwa ein Kind unter dem Herzen? Plötzlich ergibt einiges einen Sinn, vor allem die überfürsorgliche Art ihres Ehemannes.
Die Erkenntnis setzt noch einmal zusätzliche Kräfte in Abdo frei: Für einen Moment gibt der Mönch seine Deckung frei, und der Ya'Keheter nutzt die sich bietende Gelegenheit, um dem Gegner einen Schlag mit der Handkante gegen den Kehlkopf zu versetzen: Volltreffer![1]

Ohne auch nur eine Hand zur Abwehr erheben zu können, sackt der Angreifer in sich zusammen, während Abdo sich sofort wieder den anderen beiden zuwendet - nun jedoch mit einem deutlich günstigeren Zahlenverhältnis.
 1. Treffer bei GA mit 19 für 10 Schaden.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 25.04.2017, 11:55:15
Schnell greifen seine Finger einen weiteren Pfeil aus seinem ledernen Köcher, der an seinem Gürtel baumelt. Hjalmarrs Augen haben sich immer noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt und so geht ein weiterer Pfeil daneben und prallt an der gegenüber liegenden Wand ab.[1]
 1. 7 verfehlt den vorderen Mönch erneut, langsam wirds echt nervig...
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 25.04.2017, 13:46:41
Als Bruder Jarus einen seiner beiden Helfer zu Boden gehen sieht (einen derart tödlichen Schlag mit der Handkante hat er noch nicht gesehen, hat niemand hier in Dalaran je gesehen!) und ihm auch noch aus dem Nichts Pfeile um die Ohren fliegen, tut er das einzig sinnvolle: er löscht mit einer flinken Handbewegung die Lampe und eilt im Schutz der Dunkelheit davon.[1]
 1. swift action: Licht löschen; 2 moves im Dunkeln; keine GAs.
Lîf und Abdo könnten auf perception würfeln um zu hören, ob er geradeaus flieht oder abbiegt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 25.04.2017, 15:46:22
Mit zusammengebissenen Zähnen hat Lîf gegen den Mönch angekämpft. Trotz ihrer Gegenwehr hat er ihr die Arme schmerzhaft auf den Rücken verdreht und ihr damit die Möglichkeit genommen, ihre Hände nochmals gegen den Mann einzusetzen. Obwohl er von ihrem ersten Treffer ein übel zugerichtetes Gesicht hatte, ist er zu ihrem Erstaunen und Entsetzen noch nicht einmal zurückgetaumelt, geschweige denn zu Boden gegangen. Unaufhaltsam hat er sie mit sich geschleift, während sie versuchte, sich mit den Füßen einzustemmen. Als ihn unvermittelt Abdos Schlag trifft und endgültig fällt, taumelt sie für einen Moment, von ihrer eigenen Kraft weitergetragen.

Doch dann sieht sie, dass ihr fremdländischer Gefährte nach wie vor von zwei bewaffneten Gegnern umringt ist. Blindlings will sie sich auf Jarus stürzen, der ihr am nächsten ist, als der verräterische Mönche urplötzlich die Lampe löscht und alles im Dunkel versinkt. Obwohl sie perplex innehält, als sie kurz darauf den Saum seines Gewands für einen Moment spürt und dann rasche Schritte hört - Wie kann er ohne Licht sehen? Ein Zauber..? - zögert der Rotschopf aber nicht lang und greift nach dem kleinen Talisman, den sie an ihrem Busen trägt, um ein rasches Gebet an die Große Mutter zu sprechen, ihren Hornkamm aus der Schürze zu ziehen und in die Höhe zu halten[1]. Einen Herzschlag später scheint der kleine Kamm hell auf und erleuchtet ihre nächste Umgebung.
 1. Aktion: Licht (http://prd.5footstep.de/Grundregelwerk/Zauber/Licht) zaubern, mit Fokus
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 25.04.2017, 16:28:42
Gerade als Abdo sich vergewissert hat, dass Lîf nicht unter dem Mönch begraben wurde, löscht ihr Führer die Lampe, die der Ya'Keheter ihm nicht entreißen konnte und macht sich aus dem Staub. Abdos erster Impuls ist es, ihm hinterherzurennen und zur Rede zu stellen, doch im Dunkeln würde er vermutlich mehrmals stolpern, und es sicherlich nicht schaffen, dem Mönch, der sich hier sicherlich auskennt, zu folgen.
Außerdem steht weiterhin ein Angreifer vor ihm, und es ist ihm auch nicht verborgen geblieben, dass aus dem Gang hinter ihnen mehrere Pfeile in ihre Richtung geflogen sind.

Als er gerade abzuschätzen versucht, wo genau sich der zweite Mönch befindet, erhellt plötzlich ein Lichtschein die Umgebung - Lîf hat offenbar eine Art Zauber gewirkt. Sofort nutzt er die zurückgewonnene Sicht, um sein vorheriges Ziel erneut mit Fäusten zu traktieren, und obwohl der Mönch es schafft, erneut einem Schlag auszuweichen, trifft ihn der zweite mit voller Wucht und lässt ihn einen kurzen Moment taumeln.[1]
 1. Flurry of Blows: Ein Miss, ein Treffer für 10 Schaden (Angriff 20)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 27.04.2017, 18:54:25
Leider kann Abdo nicht ausmachen, in welche Richtung Bruder Jarus flieht, zu sehr lenkt ihn die Sorge um seine Mitstreiterin, die noch ungeklärte Herkunft der Pfeile und die plötzliche Helligkeit nach ebenso plötzlicher Dunkelheit ab. Lîfs Lichtzauber kommt gerade rechtzeitig um die Flucht des letzten Gegners zu erhellen. Dieser nutzt Abdos kurze Desorientierung zu einem vorsichtigen Schritt rückwärts und eilt dann den Gang hinunter, den sie gekommen sind.[1]

Hjálmarr kann ihn leider nicht aufhalten. Er könnte dem fliehenden Mann aber hinterhereilen (in völliger Dunkelheit) oder hinterherlauschen: läuft er geradeaus? Nimmt er dort hinten den Abzweig?[2]

~~~

Oben im Skriptorium ist der Kampf dagegen alles andere als beendet. Zwar fällt Aeryns Pfeil einen weiteren von ihnen, aber dessen verbliebene Kumpane bäumen sich zu einer letzten Kraftanstrengung auf, dass die Schläge nur so von allen Seiten auf die beiden Männer an der Front einprasseln. Die meisten Angriffe gehen ins Leere, doch das schreckliche Geräusch von berstenden Knochen zeigt: einer nicht. Von einem mächtigen Keulenhieb am Kopf getroffen—geführt von jenem Mönch, den er zuvor wegen seiner fehlenden Körperkraft verhöhnt hat—geht Tristan röchelnd zu Boden und rührt sich nicht mehr.[3]

Freydis steht da wie vom Donner gerührt und weiß einen Moment lang nicht, was sie tun soll.[4]

Talahan röhrt vor Wut und schwingt sein Schwert abermals kraftvoll durch die Reihen der (schwindende) Zahl seiner Gegner. Und wieder zerlegt er einen der Schreiber säuberlich, doch der Bibliothekar steht noch. Auch die beiden Brüder jenseits der Leichenreihe machen keine Anstalten, aufzugeben, vielmehr drängen sie heran.[5]
 1. B: withdraw
 2. Perception-Wurf, wenn Du magst.
 3. M1+ M6 Angriff auf Tristan (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1028096#msg1028096), M6 kritischer Treffer (bestätigt) für 11 Schaden, Tristan auf -2hp; M4 und Edgar auf Talahan, beide daneben.
 4. @ Freydis: da Deine beschriebene Aktion in zweierlei Hinsicht nicht durchführbar war und ich nicht einfach irgendwas für Dich tun wollte, habe ich Dich in Talahans Initiativeblock verzögert. Du kannst diese Runde also noch agieren.
 5. Talahan cleave auf M4 (und Edgar) (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1028099#msg1028099), treffen beide, für 12 und 6 Schaden
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 27.04.2017, 20:15:47
Da die verbliebenen Angreifer sich für den Moment aus dem Staub zu machen scheinen und sie den Pfeil aus der Dunkelheit in der Verwirrung nicht bewusst wahrgenommen hat, drängt Lîf sofort wieder zurück in die Richtung, aus der sie kamen. "Schnell - Tristan und die anderen sind in Gefahr!" ruft sie Abdo zu und macht Anstalten, mit dem hoch erhobenen, hell leuchtenden Kamm in der Hand loszustürzen. Die Sorge um ihren Mann lässt sie jede Vorsicht in den Wind schlagen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 27.04.2017, 21:51:57
Freydis entgeht knapp dem Schlag ihres Angreifers und will kontern als der "Mönch" bereits von Aeryns Pfeil durchbort wird. Knisternde blaue Blitze zucken plötzlich um den Streitkolben[1] der Albionerin als sie auf den nächsten "Mönch" losgeht[2]aber dem wesen gelingt es den Streitkolben mit seinem Knüppel abzulenken und die Blitze verschwinden wirkungslos.[3]
 1. Bloodline Ability: Thunderstaff (Dalaran-Version)
 2. Movement Action nach d4
 3. Verfehlt mit 9
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 27.04.2017, 22:02:19
3. Runde (Skriptorium)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 27.04.2017, 23:45:37
"Kannst Du etwas für Tristan tun?" fragt Aeryn, offensichtlich an Freydis gewandt, die neben ihr steht.

Ohne eine Antwort abzuwarten, legt die Elbin einen weiteren Pfeil in die Sehne und zielt[1] auf einen der beiden Gegner in der Nähe des zu Boden gegangenen Menschen.

Einen Augenblick später saust der Pfeil los in Richtung des Mönchs[2].
 1. MA: Bullseye Shot; +4 auf Angriff
 2. SA: Angriff trifft RK 14-16, Schaden 5-7; siehe Würfelthread
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 28.04.2017, 00:23:07
Lif hatte offenbar den gleichen Gedanken wie Abdo: Wenn sie hier unten angegriffen werden, gilt das oben vermutlich ebenso. Zeitgleich laufen sie so schnell es geht dem fliehenden Mönch hinterher, wobei Abdo zumindest mit einem Auge Ausschau nach dem versteckten Angreifer hält, den er in der Dunkelheit vermutet.

Nach ein paar Schritten jedoch erkennt er, wer wohl die Pfeile abgeschossen hat, als Hjalmarr in den Schein von Lifs Licht gerät.
“Schnell zu den anderen, sie sind in Gefahr“ ruft er dem Bärtigen zu und eilt weiter den Gang entlang.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 28.04.2017, 17:29:27
Als Tristan zu Boden geht, hat Aeryn plötzlich freie Schusslinie auf seine beiden Gegner, was sie sofort dazu nutzt, den linken der beiden mit einem gezielten Kopfschuss zu erlegen, wodurch sie den zweiten auf sich aufmerksam macht. Böse zischend und mit erhobenem Knüppel will er sich auf sie stürzen, über Tristan und den Leichnam eines seiner Kumpane hinweg, doch dazu muss er an Freydis vorbei. Diese, frustriert von ihrem vorigen Fehlschlag, schlägt mehr reflexartig als gewollt nach ihm und überrascht sich selbst, als sie ihm mit krachendem Hieb den Schädel einschlägt. (Wie zuvor das Blut sieht auch die Hirnmasse ihrer Gegner nicht sonderlich menschlich aus, vielmehr besteht sie aus einem milchig-grauem Glibber, der einer gestrandeten Qualle ähnelt.)

Nun völlig auf sich gestellt, schlägt der Bibliothekar noch einmal mit der Kraft der Verzweiflung nach Talahan—und trifft ihn sogar—bevor dessen Klinge auf ihn niedersaust und er sich mit einer Explosion aus Fleischfetzen und dunklem, zähflüssigem Schmodder vom Diesseits verabschiedet, welche alles und jeden innerhalb von zwei Schritt um ihn herum von Kopf bis Fuß mit seinen Überresten einsaut. Talahan versucht noch, aus dem Weg zu springen, doch zu spät: ihn erwischt die volle Ladung.[1]

Und plötzlich ist es still—bis auf das Röcheln des Sterbenden.[2]


Kampf beendet
 1. Edgar trifft Talahan für 3 Schaden; Talahan trifft Edgar für 10 Schaden; Talahan schafft seinen Reflexwurf nicht, s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1028149#msg1028149)
 2. Con-Check (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1028171#msg1028171) zum Stabilisieren nicht geschafft, ein weiterer Schadenspunkt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 28.04.2017, 17:39:48
"Auf der anderen Seite des Kräutergartens habe ich auch noch einen Raum entdeckt, wo sie vielleicht die Leichen der echten Mönche aufbewahren. Jedenfalls hatte ich den Eindruck... daher bin ich schnell zurückgekommen, offensichtlich gerade rechtzeitig."

Langsam sinkt Aeryns linker Arm, in dem sie ihren Bogen immer noch fest umklammert hält, in Richtung Boden. Einen kurzen Moment wartet sie ab, hat den Raum im Auge, aber es regt sich nichts mehr.

"Tristan! Ist einer von euch der Heilkunst befähigt? Ich kann es versuchen, aber meine Kenntnisse sind nicht die besten..."

Der Blick der Elbin wandert dann erst rüber zu Talahan, den es ganz schön erwischt hat. Über und über voll mit dem widerlichen Glibber ist er.

"Alles in Ordnung, Talahan? Was sind das bloß für seltsame Dinger!? Lebende Pilze, die die Gestalt von Menschen annehmen können?!? Irgendetwas in der Richtung muss es ja sein..." mutmaßt die Waldläuferin.

Und dann fällt Aeryn plötzlich noch etwas ein.

"Wo sind eigentlich die anderen? Sie sind sicher auch in Gefahr!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 30.04.2017, 19:05:33
Freydis schüttelt auf die Frage der Elbin nur den Kopf. Medizin war ihr in ihren Studien nicht wirklich untergekommen. "Ihr kennt euch mit Heilung wahrscheinlich besser aus als ich." meint sie bedauernd während sie sich bereits vornimmt diesem Zustand bei nächster Gelegenheit abzuhelfen. "Lív kann mich sicher genug lehren um zumindest Zeit zu gewinnen bis jemand wie sie sich kümmern kann."
Angewiedert sieht sie auf den Schleim an ihrem Streitkolben hinab ehe sie die Waffe an der Robe ihres letzten
Gegners abwischt. "Nicht die leiseste Ahnung. Nicht mal ob es einen Zusammenhang zwischen diesen", sie
zögert, "diesen Dingern und den Ereignissen unten im Dorf."
"Jedenfalls nicht auf dem Weg zum Abt." antwortet sie auf die nächste Frage. "Wir werden sie suchen müssen!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 30.04.2017, 22:39:56
Talahan antwortet nicht sofort. Die Lippen fest zusammengepresst, sucht er nach etwas, mit dem er sich den dunklen Schleim aus dem Gesicht wischen könnte; die eigenen Hemdsärmel taugen nicht dazu, denn sie sind ebenfalls damit eingesaut. Ihm scheint ein Einfall zu kommen und er eilt in Richtung Ausgang, doch besinnt er sich besser, als er durch einen Spalt in den Hof lugt: es lockt der Brunnen, aber auf dem Weg dorthin wäre der Kämpe nach fast allen Seiten exponiert. Er tritt zurück in den Raum und entdeckt endlich auf einem der niederen Regale einen Krug Wasser. Diesen leert er sich ins Gesicht und danach reicht's ihm gerade noch zum Säubern der Hände. Endlich wagt er es, sich dem Verletzten zu nähern—aber nur bis auf einen Schritt.

"Ihr müsst meine Hände sein", wendet er sich an Aeryn. "Ich will es nicht riskieren, hiervon etwas in seine Wunde zu bringen." Die eigenen Wunden erwähnt er nicht, sondern ergeht sich gleich in Anweisungen, wie Tristans Blutung zu stoppen sei. Entweder aber drückt er sich dabei so ungeschickt aus oder Aeryn stellt sich ungeschickt an—mal abgesehen davon, dass keiner von ihnen (unbesudelte) Bandagen dabei hat und Aeryn sich mit dem Lappen behelfen muss, mit dem sie normalerweise ihr Schwert reinigt—jedenfalls scheinen ihre Bemühungen nicht viel zu bewirken.[1]

Zunächst traut Aeryn sich kaum ran: Nase und Kiefer, vielleicht auch der Wangenknochen, sind gebrochen (der gesplitterte Kieferknochen ragt gar durch das zerfetzte Fleisch) und ein langer Holzsplitter vom Knüppel des Gegners steckt in Tristans Hals—da soll sie draufdrücken? Wo denn? Soll sie den Splitter rausziehen oder macht sie es damit nur schlimmer? Bevor sie zu einem Entschluss kommt, kommt der Bewusstlose lange genug zu sich, um sich selbst mit fahrig-zitternder Hand den Splitter rauszureißen. Ein Blutschwall ergießt sich über Aeryns Hände. Erschrocken presst sie den Lappen auf die Wunde. Warm. Das Blut ist so warm. Sie schließt die Augen und drückt. Er wird es nicht schaffen, denkt sie mit jedem Herzschlag, der mehr warmes Blut in ihren Lappen pumpt. Und dann ist plötzlich Schluss. Sie drückt weiter, will nicht wahrhaben, dass der Gefährte—so wenig sie von ihm wusste—tot ist. Aus irgendeinem Grund muss sie an ihre Eltern denken. Ein Lied klingt in ihrem Ohr—hat die Mutter es gesungen? Aeryn könnte es nicht beschwören, aber ihr wird ganz warm ums Herz, wie einem Kind im Arm der Mutter.

Irgendwann sinkt sie zurück auf die Fersen und lässt den Lappen sinken. Doch als sie, traurige Gewissheit suchend, auf Tristan hinabblickt, sieht sie, dass er noch atmet. Die vom Wunde vom Holzsplitter hat nicht nur aufgehört zu bluten, sie ist nicht mehr zu sehen.[2]

Talahan, der sich inzwischen halbwegs von den Schleimresten befreien konnte (indem er den gesamten Inhalt seines Wasserschlauches über sich geleert und sich dann mit einem vormals sauberen Hemd aus seinem Pack abgetrocknet hat) traut sich endlich heran.

"Ach, gut, das sieht ja gar nicht so schlimm aus, wie ich dachte", stellt er fest. "Aber bevor ich mich selbst daran versuche, den Kieferknochen zu richten, sollten wir schauen, ob die anderen noch leben. Lîf wird es mir nicht danken, wenn ich ihr die Arbeit womöglich nur schwerer mache."

Nach diesen Worten legt er Tristan eine Hand auf den Scheitel und spricht leise ein kurzes Gebet. Die nächstgelegenen Wunden schließen sich und der Verletzte kommt stöhnend zu sich.[3]

"Wer hilft ihm auf?" fragt Talahan. "Ich geh' voraus."

Mit gezogenem Schwert marschiert Talahan in Richtung der Tür, durch die Bruder Jarus mit Abdo und Lîf verschwunden ist.

~~~

Hin und wieder hören Abdo, Hjálmarr und Lîf noch Schritte, die ihnen vorauseilen, einmal meint der Ya'Keheter auch eine Bewegung voraus zu erspähen, auf der Schwelle zwischen Halbdunkel und Finsternis, doch sie erreichen die Treppe, ohne den Geflohenen einzuholen. Als sie die Stufen erklimmen, geht Abdo voraus und Hjálmarr sichert nach hinten, doch sie hören nichts außer dem eigenen pochenden Herzschlag und auch oben angekommen, im Gang, zeigt sich kein einziger Mönch.

Von gleichen Teilen Hoffnung und banger Vorahnung getrieben, drängen die drei in die Bibliothek.

~~~

Zur selben Zeit öffnet sich auch die gegenüberliegende Tür. Das erste, was Lîf erblickt: Tristan, von zwei Kameraden gestützt, blutüberströmt, nur so gerade eben bei Sinnen.[4]
 1. Talahan first aid (mit Aeryns aid another) nur 11 vs. DC 15; take 10 konnte er nicht nehmen, weil er selbst schleimgebadet dasteht und deshalb wohlweislich nicht selbst Hand anlegen will.
 2. Tristan hat sich selbst stabilisiert, s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1028265#msg1028265). Die nat. 20 erschien mir bemerkenswert genug, um die Sache auch als bemerkenswert darzustellen.
 3. Talahan lay on hands (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1028266#msg1028266), heilt 5 Punkte. Tristan auf +2.
 4. Lîf, Abdo + Hjálmarr kommen von rechts, die anderen von links. Alle sind nun in
Raum 5A (Anzeigen)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 30.04.2017, 23:11:14
"Gaya sei Dank, da seid ihr ja!" ruft Aeryn, als ihre anderen Gefährten wieder auftauchen.

"Wie ihr sehen könnt, sind die Dinge hier in der Zwischenzeit eskaliert. Diese... Dinger... haben uns angegriffen, aber sie mussten schnell feststellen, dass wir keine leichte Beute sind. Tristan haben sie allerdings ziemlich übel zugerichtet, zum Glück konnten wir ihm aber noch helfen. Er ist allerdings immer noch etwas wackelig auf den Beinen. Wie ist es euch ergangen?"

Aeryn sieht zu, dass Tristan erstmal einen anständigen Platz findet, wo er sich niederlassen kann und steuert in diese Richtung.

Da sich Lîf dann sicher selbst um ihn kümmern will, lässt die Elbin den verletzten Mann auch gerne in der Obhut der Heilerin, während sie selbst zuhört, ob die andere Gruppe ähnliche Erfahrungen mit den Mönchen gemacht hat. Es ist ja schließlich davon auszugehen, dass hier niemand mehr wirklich "lebt".

"Auf der anderen Seite des Kräutergartens habe ich noch einen Raum entdeckt, als ich mich vorhin einmal umgesehen habe, wo ich vermute, dass sie dort Leichen deponiert haben. Den sollten wir uns nachher mal ansehen."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 01.05.2017, 11:11:34
So eilig, wie es ihr möglich ist, hastet Lîf voran, ohne sich um die Bewegungen in der Finsternis zu kümmern. Die Zähne zusammengebissen, den leuchtenden Kamm hoch über dem Kopf, treibt der Rotschopf die Männer immer wieder zur Eile. Endlich haben sie die Bibliothek wieder erreicht, und eine böse Vorahnung legt sich wie eine kalte Hand auf ihr Herz. Dann stehen sie unvermittelt ihren Reisegefährten gegenüber, und ihre Augen weiten sich. "TRISTAN..!!" Noch ehe jemand reagieren kann, stürzt sie auf ihren blutbesudelten Mann zu, den Kamm achtlos fallen lassend.

Zum ersten Mal, seit sich die eigenartige Gruppe zusammengefunden hat, wird man ihre schlanken Hände zittern sehen, als sie ihm vorsichtig eine verklebte Strähne aus der Stirn wischt. "Min kærlighed, hvad der skete med dig..?"[1] flüstert sie fassungslos. Ihre Blicke gleiten über seine blassen Züge, dann kniet sie neben ihm nieder, legt ihm ihre Hände auf Stirn und Brust und senkt den Kopf, um ein Gebet zur Großen Mutter zu sprechen[2].
 1. Värangsk: Geliebter, was ist mit dir geschehen..?
 2. EDIT Gaja: Weil Tristan Knochenbrüche erlitten hat, müsst Lîf diese hier eigentlich zuerst richten (wie beschrieben sowohl in meinem folgenden wie auch in Lîfs nächsten Beitrag). Den Zauber, den sie hier schon gewürfelt hat, habe ich dorthin verschoben, u.a. da ich diese Situation als Beispiel in den Sippenregeln (7. Hausregeln zu Magie und Heilen) für das Heilen von schweren Verletzungen heranziehe.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 02.05.2017, 09:41:59
Den Mönch haben sie unterwegs verloren - allerdings hat Abdo auch nichts anderes erwartet; schließlich gibt es in einem solchen Gemäuer sicherlich jede Menge versteckte Gänge, Nischen und anderes, in denen sich ein Ortskundiger verbergen kann. Wichtig ist für den Ya'Keheter ohnehin zunächst, zu seinen Gefährten zurückzukehren und sicherzustellen, dass alle unverletzt und in Ordnung sind. Warum jedoch die Mönche sie einfach angegriffen haben, erschließt sich ihm nicht. Selbst unter der Annahme, dass der Abt von der mysteriösen Krankheit befallen ist und die anderen Mönche den Mann schützen wollen, ist ihr Verhalten doch äußerst mysteriös für Abdo.

Als die drei schließlich die Bibliothek erreichen und die erleichterte Stimme Aeryns hören, glaubt der Kämpfer für einen Moment, alles sei in Ordnung, bis er sich an die Helligkeit wieder gewöhnt hat und den blutüberströmten Körper Tristans erblickt. Während Lîf sich verständlicherweise sofort um ihren Gatten kümmert, weißt Abdo ihn in ihren heilenden Händen am sichersten aufgehoben und blickt fragend Aeryn, Freydis und Talahan an: "Was ist hier passiert? Haben sie euch auch angegriffen? Wir konnten den Angriff unten abwehren, aber zwei konnten fliehen. Wieso bist du so nass?"
Die letzte Frage richtet er an Talahan, der aussieht, als sei er in einen Brunnen gefallen. Irgendwelche merkwürdigen Dinge müssen hier oben vorgefallen sein.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 02.05.2017, 10:53:53
"Diese Monster verspritzen dieses widerliche Zeug, wenn sie sterben," erklärt Aeryn dem Fremdländer.

"Im Scriptorium haben sie eine ganz schöne Sauerei veranstaltet. Es waren ja einige von ihnen dort, die wir erlegt haben. Das müssen irgendwelche Pilzwesen sein, oder soetwas."

Die Elbin zuckt mit den Schultern.

"Besser kann ich es auch nicht erklären. Jedenfalls besitzen sie offensichtlich die Möglichkeit, die Körper anderer Wesen in Besitz zu nehmen. Wie ein Parasit. Das würde passen, meint ihr nicht? Wir sollten auf jeden Fall einmal den Raum genauer inspizieren, den ich vorhin entdeckt habe. Vielleicht liefert dieser uns einige Antworten. Allerdings rechne ich mit einem nicht sehr schönen Anblick dort, wir sollten auf einiges gefasst sein."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 02.05.2017, 11:57:17
Hjalmarrs Augen verengen sich, als sie den Rest ihres Trupps mit dem blutüberströmten Mann der Drudkvinde im Schlepptau entdecken. Er bleibt im Durchgang zur Bibliothek stehen, während sein Blick der Frau folgt, die in Sorge und Angst um ihren Liebsten ihre derzeitigen Umstände völlig vergessend nach vorne hastet. Verärgert über sich selbst beißt er die Zähne zusammen. Es ist klar gewesen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen vor sich geht, doch hat er es ignoriert. Schon vor ihrer Abreise hätte er etwas sagen müssen. Jeder ist für sein eigenes Schicksal verantwortlich und wenn diese Frau davon überzeugt ist, an der Seite ihres Mannes sei es am Sichersten, dann würde Hjalmarr normalerweise nicht einmal auf die Idee kommen, dies zu hinterfragen. Doch das hier ist nun etwas anderes. Wie kann sie nur die Gesundheit ihres Ungeborenen so aufs Spiel setzen? Sicher, es geht ihn nichts an, doch kann er seine Gedanken nicht so einfach verbergen. Immer wieder sieht er nach hinten und behält den ins Dunkle führenden Durchgang im Auge, als er etwas näher zu der kleinen Gruppe tritt.

"Er wurde stark verletzt, meint ihr nicht es wäre besser zum Dorf zurückzukehren? Der Rest von uns wird herausfinden, was mit den Mönchen wirklich geschehen ist." Der Mann spricht diese Worte ruhig, doch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit aus. "Ihr konntet euch gegen diese Männer, oder Wesen, gut zur Wehr setzen, doch dies ist wahrlich kein Ort für eine Schwangere!" Vorsichtig und eindringlich versucht er dieses Thema anzuschneiden, weiß jedoch um ihr besonderes Temperament und ist auf einen entsprechenden Sturm vorbereitet.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 02.05.2017, 13:11:05
Abdo würde nicht leugnen, dass ihm zunächst ebensolche Gedanken wie Hjálmarr in den Sinn gekommen sind, doch hat er den Gedanken bereits ein Stück weiter gedacht. Bevor Lîf Zeit hat, den Vorschlag entrüstet zurückzuweisen - und er ist sicher, dass sie das tun würde, ergreift er selbst das Wort:

"Nein, niemand kehrt zum Dorf zurück!" entgegnet er dem Nordmann. "Ich weiß nicht, was hier vor sich geht, aber wir müssen zusammenbleiben. Was, wenn die beiden unterwegs von diesen Mönchen überfallen werden? Eine Schwangere und ein Verwundeter? Nein, am sichersten sind wir alle, wenn wir zusammenbleiben.
Aber wir müssen herausfinden, was hier vor sich geht - und wenn das, was Aeryn sagt, nur im Ansatz stimmt, müssen wir diese Abscheulichkeit hier beseitigen."


"Pilzwesen?" Abdo kann kaum fassen, was die Elbin hier erzählt hat. Die Mönche wirkten nach außen doch völlig normal, bis auf ihre schroffe Art.

"Ich würde mir die Leichen gerne ansehen - bevor wir diesen verräterischen Jarus suchen, und den Abt."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 03.05.2017, 00:19:40
Freydis wirkt nachdenklich.
"Ich frage mich ob das "wiederliche Zeug" auch für die Vergiftung der Gärten verantwortlich ist.
Prinz Uther sprach von einer toten Herde Schafe als Ursache, vielleicht war mit den Tieren das Gleiche geschehen wie mit diesen Mönchen? Auf jedenfall sollte ihr euch reinigen Talahan. Und jetzt keine Notwendigkeit mehr Besteht meine Gabe zu verheimlichen kann ich dabei helfen."

Nachdem sie sich überzeugt hat, dass Talahan weit genug von den nächsten Büchern entfernt steht, verfärben sich Ihre Augen von neuem himmelblau als sie den Gottesstreiter fixiert und mit beiden Händen eine Geste vollführt  als würde sie erst etwas fangen und es dann Talahan zuwerfen.
Aus dem Nichts durchnässt den Paladin ein Schwall von Wasser und spült zumindest einen Teil des wiederlichen Zeugs ab."[1]
Ein freudloses Lächeln umspielt die Lippen der Berührten. Diesen Trick hat sie in ihrer Jugend wahrlich oft genug verwendet umd sich gegen die Streiche-Spieler und Quälgeister aus der Dorf und Burg-Jugend zu wehren.
"Besser als das hiesige Trinkwasser zur Zeit." meint sie trocken. "Braucht ihr mehr?"
 1. Cantrip: Drench
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 10.05.2017, 17:38:34
Talahan, von drei Leuten gleichzeitig angesprochen, weiß gar nicht, auf wen er zuerst antworten soll, da zieht Freydis ihn mit spitzen Fingern am Ärmel Richtung Ausgang zum Hof—er lässt es geschehen, vielleicht weil er denkt, sie wolle ihm etwas wichtiges zeigen—doch statt dessen überschüttet sie ihn auf halbem Weg dorthin mit einem Schwall Wasser.

"Ähm", sagt der Gotteskrieger. Und nach einigen Schreckmomenten dann: "Danke." Der Blick, den er ihr zuwirft, als er sich umdreht und zu den anderen zurückkehrt, ist allerdings misstrauisch, ein wenig auch missbilligend. Zumindest interpretiert Freydis sein Stirnrunzeln so.

Abdo hat die Ablenkung Talahans genutzt, um einen Blick in das verwüstete Skriptorium zu werfen. Sofort sieht er, was Aeryn mit "die Monster verspritzen dieses widerliches Zeug, wenn sie sterben" meinte: das Wesen, das ihnen als Bruder Edgar präsentiert wurde, schien es regelrecht auseinandergerissen zu haben und in einem Umkreis von zwei Schritt um die Hauptmasse seiner Überreste herum war alles mit einem dunklen, teils ölig glänzenden Schleim bespritzt. Die anderen sechs "Mönche" zeigen dieses Phänomen aber nicht; sie sind lediglich säuberlich in Stücke gehauen worden oder ihnen wurde der Schädel eingeschlagen (ohne, dass sich menschliches Gedärm oder Hirn erkennen ließe) oder von Pfeilen durchbort. Einer zeigt keine äußeren Verletzungen, außer dass ihm eine zähflüssige, orangerote Flüssigkeit aus den Ohren läuft.

"Pilzwesen?" spricht Talahan dann aus, was Abdo denkt, als sie beide zu den anderen zurückkehren. "Wir kommt Ihr auf Pilzwesen, Aeryn? Aber was Euren Vorschlag angeht... hm, einerseits wären wir im Hof exponiert, andererseits, je nachdem, wie die Lage sich darstellt... einen anderen Fluchtweg haben wir nicht. Ich frage mich, wo die ganzen Mönche hinsind. Ich meine, wieviele davon jetzt... grundgütiger Gott, lass es nicht alle sein! Wenn es alle sind, dann sollten wir schnell hier raus. Sonst sehen wir uns gleich..."—er überschlägt kurz im Kopf, mithilfe einiger Finger—"von an die hundert Parasiten umstellt."

Er überlegt kurz, dann ergänzt er etwas hoffnungsvoller: "Vielleicht konnten einige Brüder entkommen? Es wirkte doch auf den ersten Blick alles so verlassen hier, vielleicht ist es das auch? Warum hat es dann keiner bis nach Ansdag geschafft? Oder halten sich bloß alle versteckt? Vielleicht macht ihnen das Tageslicht zu schaffen und wir wären draußen sicherer als drinnen. Bis zum Sonnenuntergang. Also gut, aber lasst uns erst einmal zur Krankenstube vor, wie Aeryn vorschlägt. Alles ist besser, als hier herumzustehen, und dann können wir immer noch entscheiden", endet er mit einem Nicken in Richtung Abdo, welcher vorgeschlagen hat, den verräterischen Jarus wie auch den Abt zu suchen.

Lîf derweil hat nur Augen und Ohren für Tristan. Zunächst untersucht sie seine Verletzung. Die vor kurzem erst gerichtete Nase: schon wieder zerschlagen! Der Kiefer auch, gar ein offener Bruch. Das wird wehtun. Doch sie zögert nicht lange. Bevor sie die Große Mutter bitten kann, durch sie hindurch die alles erneuende Kraft der Natur in Tristans Körper fließen zu lassen, müssen die Dinge in die Position gebracht werden, in der sie verheilen sollen: erst die Nase, dann der Kiefer. Tristan bemüht sich sehr, keinen Laut von sich zu geben—was ihm umso besser gelingt, als er nach ungefähr der halben Prozedur das Bewusstsein verliert. So, geschafft, was nun? Ein Zahn locker, der muss nur zurechtgerückt werden, aber zwei rausgeschlagen? Schon will Lîf aufspringen und diese im Nebenraum suchen, da bemerkt sie, dass Tristans Hand zur Faust geschlossen ist. Nachdem sie seine Finger einzeln aufgebogen hat, entdeckt sie tatsächlich die fehlenden Stücke. Nun, es ist ja nicht das erste Mal, dass sie ihm Zähne wieder einsetzen muss; er kennt sich aus. Hurtig eingesetzt und schon begutachtet sie ihr Werk ein letztes Mal, bevor sie dann ihre Göttin um Hilfe bittet.[1]

Tristan kommt wieder zu sich. "Lîf", murmelt er, während seine Hand die ihre sucht. "Lîf, du er der... du er ikke ... er ikke.. de fyre har dig ikke..."[2] Die Worte sind kaum zu verstehen, denn er bewegt den Mund nur so wenig wie möglich. Das Sprechen scheint ihm noch wehzutun. Dann weiten sich seine Augen plötzlich und sein Blick zuckt zu Hjálmarr. Lîf erinnert sich, vorhin mit halbem Ohr dessen Vorschlag gehört zu haben, Tristan und sie sollten doch ins Dorf zurückkehren, hier wären eine Schwangere und ein Verletzter nur eine Last für die Gruppe. Nun, dazu ist eigentlich nichts mehr zu sagen, denn sie hat ja wohl gerade das Gegenteil bewiesen: dass sie hier sehr wohl etwas beizutragen hat, und Tristan, nach ihrer Hilfe, auch. Hoffentlich fängt Tristan jetzt keinen Streit an! Sie drückt ihm beruhigend die Hand. Sein Blick kehrt zu ihr zurück, unverändert erschrocken.

"Du musstest dich zur Wehr setzen? Bist du verletzt? Was haben die Schweine dir angetan?"
 1. Lîf, schwere Verletzung behandeln, 10min, heilen vs. 20, ihr reicht ein take 10.
 2. Värangsk: "Lîf, du bist da... du bist nicht... bist nicht... die Kerle haben dich nicht..."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 10.05.2017, 21:53:12
"Pilzwesen..." wiederholt Aeryn nochmal den wesentlichen Teil von Talahans Frage. "Naja, zum einen ist da dieser Geruch, nach Wald, Feuchtigkeit, eben pilzig. Und zum anderen nisten sich viele Pilze doch in anderen Pflanzen oder Lebewesen ein, wie ein Parasit."

Sie zuckt mit den Schultern.

"Es ist nur so eine Vermutung, nicht mehr. Im Endeffekt ist es auch egal. Gehen wir mal in der Krankenstube nachsehen, vielleicht klärt sich dort auch ein Teil der Frage, wo die ganzen Mönche hin sind. Ich fürchte allerdings, dass uns die Antwort nicht besonders gefallen wird. Ich gehe vor!"

Die Elbin versichert sich, dass alle aufbruchsbereit sind, und wartet ansonsten ab, ehe sie schließlich den Weg in den Hof antritt und die Gruppe zu der anderen Türe führt, die sie vor Kurzem schon einmal geöffnet hatte.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 10.05.2017, 23:07:10
"Wenn dies das Werk von Pilzen war, dann habt ihr hier andere Pilze als wir in meiner Heimat." murmelt Abdo eher abwesend als Reaktion auf Aeryns Worte. Dieses Land schien ganz andere Probleme zu haben als nur Dämonen - was für eine Abscheulichkeit hat sich in diesem Kloster nur eingenistet? Denn das, was er dort im anderen Raum gesehen hat, war beinahe genug, um seinen Mageninhalt der Sauerei noch hinzuzufügen. Glücklicherweise hatte zur harten Ausbildung in seinem Orden das Ideal der vollkommenen Körperkontrolle gehört, das ihm nun, wenn er auch nicht die absolute Vollkommenheit erreicht hat, immerhin dazu verhalf, den Würgereflex zu unterdrücken.

Stattdessen denkt der Ya'Keheter nun über das beste Vorgehen in dieser Situation nach. Dass Freydis ein magisches Talent offenbart hat, ist dabei auf jeden Fall hilfreich, wenn es ihn auch nicht sonderlich überrascht hat. Schließlich wurde die gesamte Gruppe für diese Mission ausgewählt, und es lag auf der Hand, dass auch Freydis eine Gabe hat, die für den Erfolg der Mission wichtig sein würde. Tristan scheint nach der Behandlung seiner Gattin immerhin wieder halbwegs auf den Beinen zu sein, wenn auch noch geschwächt. Insgesamt bilden sie eine schlagkräftige Gruppe, wenn sie nicht zu unvorsichtig und überstürzt handeln.

"Was immer es ist, wir müssen diese ... Parasiten nennt Ihr sie, Talahan? ... wir müssen sie zerstören, bevor sie sich noch weiter ausbreiten können. Außerdem müssen wir die Verseuchung des Wassers stoppen, denn nun ist wohl gesichert, dass die Mönche sie nicht beseitigt haben. Stattdessen stammt sie vermutlich auch von diesem Schleim hier. Es wird uns nichts übrig bleiben, als diese Gemäuer Raum für Raum zu durchsuchen, in der Hoffnung, Überlebende zu finden, und im Anschluss bis auf die Grundmauern niederzubrennen. Danach müssen wir weitersehen und hoffen, dass sie das hier nicht schon weiter verbreitet hat.
Unterwegs finden wir dann hoffentlich auch Jarus."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 11.05.2017, 10:54:53
Lîfs Gesicht ist ausdruckslos, während sie Tristans schlimmste Wunden behandelt. Keine Träne schimmert in ihren Augen, und ihre Handbewegungen wirken routiniert, ruhig – fast emotionslos tut die rothaarige Heilerin ihre Arbeit. Nur wer sehr genau hinschaut und über ein gewisses Maß an Empathie verfügt, wird die kleinen Anzeichen bemerken, dass ihr das Schicksal dieses Mannes alles andere als gleichgültig ist. Die Berührungen, mit denen sie beim Richten der Knochen seine Stirn streift, sein Haar beiseite streicht, für einen winzigen Moment seine Lippen berührt, sind zärtlich. Und um ihre Mundwinkel hat sich ein harter Zug eingegraben, der von ihrer Wut auf das kündet, was ihn so zugerichtet hat.

Endlich hat sie ihr Werk vollendet, und der Segen der Großen Mutter tut ein Übriges dazu, Tristan wieder ins Reich der Lebenden zurückzuholen.[1] Erleichtert lässt sie sich wieder auf ihre Knie sinken und beugt sich über ihn. "Intet er sket for mig... ophold liggende, kæreste!"[2] (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1028291#msg1028291) flüstert die junge Frau leise. Zum Beweis fasst sie seine Hand, legt sie flach auf ihren Bauch und nickt ihm beruhigend zu. Den Seitenblick Tristans zu Hjálmarr übersieht sie geflissentlich. Stattdessen schaut sie auf und sucht Abdos Blick, als sie dessen Worte hört. "Das ist wahr. Wir müssen verhindern, dass sich diese Seuche ausbreiten kann – sie ist von einem Übel, das mir einen Schauer über den Rücken treibt!" Fürsorglich stützt sie schließlich ihren Mann, als sie den Eindruck hat, dass er wieder aufstehen kann.
 1. Leichte Wunden heilen: 8 Punkte geheilt.
 2. Vaerangsk: "Mir ist nichts passiert... bleib liegen, Liebster!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 11.05.2017, 11:36:34
Hjalmarr steht mit verschränkten Armen, den Bogen geschultert, ein paar Schritt von Tristan und Lif entfernt. Die Miene missmutig und die Stirn gekräuselt beobachtet er, wie die junge Frau die offenen Wunden ihres Geliebten behandelt. Sie ist gut, ihre Handgriffe sind sicher und präzise. Sie arbeitet konzentriert, keinerlei Furcht ist ihr anzusehen, wie man sie doch erwartet hätte. Sie weiß was sie tut.

Tristans plötzliche Bewegung reißt Hjalmarr aus seinen Gedanken und fast fühlt er sich schon in seiner Beobachtung ertappt, doch wendet er sich nicht ab, sondern erwidert den vor Zorn nur so strotzenden Blick des Mannes, der seinen Vorschlag scheinbar doch verstanden hat.

"Es gibt wahrlich viele Ahnengeister, welche die Länder Dalarans durchstreifen, und nicht alle haben Gutes im Sinn. Ob diese Vorkommnisse hier tiefgründiger sind, als wir alle glauben? Jedenfalls sollte niemand mit ihren Körpern in Berührung kommen, wir wissen nicht ob diese Parasiten oder diese Krankheit übertragbar ist." Sein Blick schweift kurz hinüber zu Talahan. Keiner seiner Muskeln macht Anstalten sich zu bewegen. Tonlos fügt er hinzu "Gebt Acht darauf, falls wir auf weitere ihrer Art stoßen. Diese engen verwinkelten Gemäuer bieten nur all zu viele Verstecke. Und nun lasst uns den Verletzten versorgen, ich habe das Gefühl von allen Seiten beobachtet zu werden."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 12.05.2017, 17:08:47
Ein Schauer geht auch Tristan über den Rücken, allerdings vor Ehrfurcht in Gegenwart Gajas, die ihn mit warmem Atemhauch zurück ins Leben holt, als sein Geist schon in den Schoß der Erde zurückfließen will. Wie klein fühlt man sich vor solcher Macht! Wie beklommen bei dem Gedanken, die Große Mutter habe einen angeblickt und berührt! Dass sein Schicksal sie überhaupt rührt, sie ihn ihrer Aufermkersamkeit, ihres heilenden Segens überhaupt für wert erachtet! Nur eine Mutter hilft dem Kind, das sich selbst in Schwierigkeiten gebracht hat, der Vater würde sagen: 'Fehler müssen wehtun, sonst lernst du nichts aus ihnen!'

Aber vielleicht ist Tristan da noch zu sehr dem Denken verhaftet, das ihm die Mönche von Gotburg in jungen Jahren eingeprügelt hatten. Dass nur der Demütige, der täglich auf den Knieen vor seinem Herrn herumrutscht und buckelt und fleht, dessen göttlicher Hilfe wert sei. Die Erdmutter aber verlangt keine Gegenleistung für ihre Hilfe. Sie liebt alles Leben und jeden, wie er ist. Und wenn sie selbst Hilfe braucht, dann bittet sie darum, fordert nicht sondern lenkt sanft. Lieber lobt sie dich dafür, dass du auf dem rechten Weg bist, statt dir bei jedem Schritt zu drohen: wage es ja nicht, davon abzukommen!

"Wir sind da, wo Gaja uns hingeführt hat", stimmt er seinem Weibe zu, als sie ihm aufhilft. "Wo sie uns braucht."

"Und ob Ahnengeister etwas gutes oder schlechtes im Schilde führen, ist nicht immer auf den ersten Blick offensichtlich"
, kommentiert er Hjálmarrs Vermutung, schon wesentlich munterer. Sogar die Farbe kehrt schon in seine Miene zurück. "Die einen wie die anderen wollen besänftigt werden, sonst machen sie einem das Leben schwer. Von ihnen ermahnt zu werden ist so schön wie die Ohrfeige vom Vater, der einen damit zu Anstand erziehen will, und der rechte Weg, auf den die Ahnengeister einen bringen wollen—nun, ob es für einen selbst und die Menschen um einen herum auch der rechte Weg ist, hängt sehr von den Absichten und dem Wesen des Ahnengeistes ab. Man stelle sich vor, Alberich Einhand wollte ausgerechnet Lîf dazu bringen, sich wie ein rechter Seeräuber zu benehmen."

Tristan überlegt und fährt etwas ernsthafter fort. "Bei uns auf den Inseln macht man 'die Vergessenen' für jegliches Unglück verantwortlich, das aus heiterem Himmel über einem zusammenbricht und für das man sonst keine Erklärung findet. Genauso wenn ein Mensch sich plötzlich so ganz anders benimmt, als man es von ihm gewohnt ist, wenn einer auf einmal Dinge tut, die niemand, auch der engste Vertraute, ihm je zugetraut hätte, dann heißt es: ein Vergessener hat ihm des Nachts zugeflüstert. Sagt man das auf dem Festland auch?"[1]

Es ist das erste Mal, dass Tristan offen zugibt, von den Inseln zu sein, wie zumindest Freydis auffällt, welche es allerdings auch vorher schon stark vermutete. Von den 'Vergessenen' dagegen hat sie noch nie gehört, was damit zusammenhängen könnte, dass solcherlei Aberglaube ihr dermaßen zuwider ist, dass sie ihn bislang so gut es ging ignorierte. Immerhin erfreulich, dass es neben 'Hexerei' offenbar noch andere Dinge gibt, die das Volk für sein Unglück verantwortlich machen kann!

Lîf dagegen nickt. Ja, sowas gibt's bei ihr daheim auch. Ebenso auf Albion, wie Abdo bestätigen könnte. Über jeder Türschwelle in Leifs Haus hing ein Talisman, der die Vergessenen abwehren sollte und das Haus vor allem Unheil schützen, und Hilda hatte ihm erzählt, dass es einmal im Jahr ein großes Fest gebe, zu Beginn des Winters, auf dem man große Funkenfeuer anzündet und den Vergessenen Opfer bringt, um sie zu versöhnen.

Doch Hjálmarr, Aeryn und Talahan schütteln die Köpfe, deshalb erklärt Tristan, während die Gruppe sich bereits auf den Ausgang zum Hof zubewegt[2]: "Das sind die Geister der Ahnen, die in Vergessenheit geraten sind. Nur wenige Ahnengeister gelangen je zu einer solchen Bedeutsamkeit, dass ihre Namen und ihre Geschichte von Generation zu Generation weitergeben werden. Hrothgar, Freska, Askyr oder bei uns auf den Inseln eben auch Aldrich Einhand, unser erster Jarl: seit ungezählten Generationen kennt jedes Kind sie. Doch überall gibt es auch jene, die nur in einem kleinen Kreis verehrt werden, die nur der Generation der Großeltern noch bekannt ist, und wenn letztere dann sterben, so werden die Ahnengeister vergessen. Einige von ihnen—nicht alle, Gaja sei Dank—nur einige von ihnen wollen sich damit nicht abfinden. Sie wollen sich dafür rächen, dass wir Lebenden es gewagt haben, sie zu vergessen."

Trotz der Eile, zu der die Gefährten gerade noch angetrieben haben, bleiben sie an der Tür stehen, um dem Rest der Geschichte zu lauschen.

"Auch wohlmeinendere Ahnengeister können einem Dinge zuflüstern—dann ist einem über Nacht oder aus heiterem Himmel eine Idee gekommen, auf die man von allein nicht gekommen wäre, und man ahnt zumeist auch schon dabei, in wessen Sinne diese wohl ist, wer sie einem wohl eingeflüstert haben könnte—aber die Vergessenen... zumindest auf den Inseln sagt man es so... können mit Gewalt in einen Menschen hineinfahren und für kurze Zeit seinen Körper übernehmen, während er hilflos zusehen muss, was sie damit anstellen. Nur... der Körper verändert sich dadurch nicht", endet er nachdenklich.[3]
 1. knowledge (local) = 19 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1028681#msg1028681);
Nur Lîf und Abdo haben den DC von 10 geschafft und schon einmal davon gehört.
 2. Wenn von euch kein Widerspruch kommt, schiebe ich euch mit dem nächsten SL-Beitrag ins Infirmarium, wie Aeryn vorgeschlagen und Talahan befürwortet hat.
 3. Abdo fühlt sich evtl. an etwas erinnert. Wenn er mag, darf er bei Gelegenheit mal auf Dämonenwissen würfeln.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 13.05.2017, 19:05:28
Freydis hält viel von dem was Tristan da von sich gibt eher für Abgerglauben, aber sie weiß es besser als solche Dinge zu diskutieren. "Wenn es ihnen ihr Leben leichter macht, lass sie besser glauben was sie wollen, besonders so lange Du nicht beweisen kannst, dass sie unrecht haben. Und selbst wenn, schadet doch auch dann nichts." hatte die alte Undis ihr erklärt und den Kopf geschüttelt. "Du wärest erstaunt an was für Sachen die Seeleute auf deines Vaters Schiffen glauben. Aber wenn ich versucht hätte einer Manschaft das auszureden hätten die mich glatt über Bord geworfen. Nein mein Kind, Du wirst genug Ärger haben durch das was Du bist, versuch nicht Leuten vorzuschreiben was sie zu glauben haben."
Und die alte Berührte hatte recht gehabt.
Ausserdem hat Freydis selbst auch keine bessere Erklärung für die Vorgänge hier im Kloster und unten im Dorf.
Aber eins ist klar. "Lív hat recht. Ob Vergessene oder Dämonen, was immer hier vorgeht ist von eindeutig von übel und muss gestoppt werden. Und wir sollten Prinz Uther über das informieren was wir hier gefunden haben. Er sollte sich selbst ein Bild machen ehe wir das Kloster abbrennen." Meint sie mit Blick auf Abdo. Beim nächsten Satz ist der sarkastisch-zynische Unterton  ist zurück in ihrer Stimme. "Sonst glaubt uns in dieser Gegend doch kein Mensch wenn wir ihnen erklären warum wir ihr  ach so heiliges Kloster abgefackelt haben."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 14.05.2017, 11:41:41
Je offensichtlicher wird, dass sich ihr Mann erholt, desto mehr entspannt sich auch die junge Heilerin wieder. Schließlich stemmt sie sich ein wenig schwerfällig von den Knien hoch und klopft ihr Kleid ab. Sie weicht Tristan nicht von der Seite, als sich alle in Richtung Hof bewegen, und bittet ihn leise um das Sax, das sie ihm gegeben hatte. Überlässt er es ihr erneut, verstaut sie es wieder in ihrer Schürzentasche, den Griff so nach oben gerichtet, dass sie es rasch in der Hand haben kann. Ihr kurzes Abenteuer mit den Mönchen hat ja bewiesen, dass es nicht ratsam ist, an diesem Ort die Selbstverteidigung zu vernachlässigen.

Dennoch wirkt es nicht gerade beruhigt, wie sie im Gehen ein Zeichen gegen böse Geister vor ihrer Brust in die Luft malt und sich misstrauisch umsieht. "Mutter, bewahre uns vor dem Zorn der Vergessenen" murmelt der Rotschopf dabei leise. Zu Freydis' Worten wiegt sie nachdenklich den Kopf und meint schließlich: "Jedenfalls wird es besser sein, wir lassen die Mannsleute vorangehen. Wer weiß, wie viele der Mönche noch von diesem Fluch befallen sind." Beim Überlegen fällt ihr auf, wie wenig sie eigentlich über solche Klöster weiß, und sie wendet sich an Tristan und Talahan: "Wo mögen sie sich wohl am ehesten aufhalten?" Ihre Hand fährt zur Schürze, als sie sich erneut umsieht[1].
 1. Wahrnehmungswurf, falls nötig: 18, siehe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1028767#msg1028767)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 15.05.2017, 15:00:01
Überall war es gleich. Voller Ehrfurcht spricht jeder von den alten Göttern, ob Bauer oder Hochadel. Nur die Dummen oder die, die glauben unter dem Schutz des neuen, einen Gottes zu stehen, wagen es an der Existenz der Alten zu zweifeln. Doch sie alle leben und handeln nach den Bräuchen oder Überlieferungen ihrer Kulturen, nur Wenige und scheinbar keiner seiner Gefährten hat die Präsenz einer solchen Kraft jemals miterlebt. Manchmal wünscht Hjalmarr sich genau das. Nichts von alledem erlebt zu haben, seine Vergangenheit ungeschehen zu machen, und dann wiederum würde er es für nichts auf Dalarans weiten Ländereien eintauschen. Der Drang einen Blick auf die nebulöse Zukunft zu erhaschen und seinen Platz in der Welt zu finden, treibt ihn voran. Doch Tristans Worte haben einen beunruhigenden Schluss, der dem jungen Lesdager nicht so einfach aus dem Kopf geht, während er der Gruppe als Schlusslicht folgt. War es damals wirklich er, der das Boot vom Steg gelöst hatte, um seinem jugendlichen Leichtsinn freien Lauf zu lassen, oder hatten die Schwestern schon zu diesem Zeitpunkt die Fäden in der Hand. Diese Vorstellung ist beunruhigend und Hjalmarr streift sie krampfhaft ab, zumindest fürs Erste.

"Ich befürchte das Schlimmste, doch haben wir eine Art Gebetskammer noch nicht gefunden. Vielleicht finden wir dort mehr Hinweise?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 16.05.2017, 13:51:54
Tristan wirft einen erstaunten Blick über die Schulter. "Gebetskammer? Der Mönche? Wir sind doch an der Kapelle vorbeigekommen, die war wirklich nicht zu übersehen!" Kann es sein, dass jemand so wenig über die Anhänger des Einen Gottes weiß, dass er nicht einmal ein Gotteshaus als solches erkennt oder das Wort 'Kapelle' auch nur gehört hat? An Lîf gewandt, fährt er fort: "Und wenn das hier echte Mönche wären, dann träfe man sie dort noch beim Vespergebet an[1]. Aber so? Was weiß ich." Er zuckt mit den Achseln.

Und so bleibt den Gefährten nichts anderes übrig, als Abdos Vorschlag zu folgen: das Gemäuer Raum für Raum zu durchsuchen, nach überlebenden Mönchen und weiteren dieser Wesen. Doch wie das eine vom anderen unterscheiden?

Zunächst jedoch folgen alle der Elbin, als diese sie—inzwischen leicht ungeduldig—hinaus in den Klostergarten führt. Dieser sieht auf den ersten Blick noch genauso hell und freundlich aus wie vorhin, doch verfehlt er diesmal seine Wirkung. Nicht länger ein geschützter, stiller, friedlicher, heilender Ort, sondern ein feindlicher: misstrauisch gehen die Blicke zu den schmalen Fenstern hoch, zu den anderen Türen und Toren, nach hinten, sogar zum Brunnen hinüber. Die Ohren sind gespitzt, die Hände an den Waffen, die Herzen hämmern in der Brust. Lîf meint, kurz ein Gesicht an einem Fenster im dritten Stock des Gästetrakts zu sehen, genauer im Turm, denn das Gebäude selbst hat nur ein Stockwerk über dem Erdgeschoss (und auch im Turm dürfte die dritte Etage die letzte bewohnbare sein; darüber läuft er spitz zu). Aeryn dagegen erblickt eine Bewegung im Hauptgebäude, an derselben Stelle wie zuvor.[2]

Doch die Gefährten durchqueren den Klostergarten ohne Zwischenfälle. Kaum wieder im dunklen Gemäuer, hält Lîf ihren leuchtenden Kamm hoch. Vor ihnen liegt ein großer, verwinkelter Raum, still und in seinen Tiefen dunkel. Weiter hinten, wo er sich weitet, scheint es zwar ein Fenster zu geben, doch da dies nach Osten geht, erhellt es nicht viel. Eine Reihe von Pritschen ist zu erkennen, doch auch ohne diese wäre klar, dass man sich im Infirmarium befindet, denn soviel verrät schon der warme Kräuterduft, der ihnen entgegenschlägt. Nach rechts geht ein schmaler Gang ab, der noch schmaler wirkt, weil die Außenwand mit hohen Regalen vollgestellt ist; an seinem Ende befindet sich eine Tür. Aeryn aber steuert schnurstracks auf die Tür linkerhand, nur ein Stück weiter voraus zu, welche offenbar nur angelehnt ist, denn sie schlägt leise gegen ihren Rahmen.[3] Aeryn wartet nicht lange: sie stößt die Tür auf.

Oder vielmehr: schiebt die Tür auf, denn bald trifft sie auf Widerstand und muss sich dagegen stemmen. Offenbar hat jemand versucht, die Tür von innen zu verbarrikadieren, wozu er eine schwere Holztruhe und zwei Regale davorschob, was ihm aber wohl nichts genutzt hat, denn das Möbiliar ist zerschlagen, der Türriegel natürlich auch, und das gesamte Zimmer verwüstet, als hätte hier ein Kampf stattgefunden.[4]

Äußerst seltsam machen sich daher die beiden Knabenleichen aus, die lang ausgestreckt, fast schon friedlich—die Augen geschlossen, die Hände auf der Brust überkreuzt—auf dem großen Bett liegen. Das einzige, was das friedliche Bild stört, ist das ganze Geschmeiß, die Fliegen, Maden und sonstigen Krabbeltiere, die schon fleißig zugange sind, denn die Leichen liegen wohl schon an die vier Tage da. Und natürlich das inzwischen getrocknete Blut, das Kissen und Felldecke tränkt. Die beiden sind nicht in einem Kampf gestorben, so viel ist klar: fein säuberlich hat jemand ihnen die Kehlen durchschnitten. Tatsächlich findet Lîf neben dem Bett ein dünnes Messer, wie ein Heiler es benutzt.

Ein zweiter Blick durch den Raum zeigt, dass es sich um die Kammer des "Bruder Infirmar" handeln muss, wie Tristan verkündet. Allein das imposante Bett zeigt die Wichtigkeit des Bewohners: massiv, doppelt so breit, wie ein Mensch benötigt, mit vier Pfosten und Baldachin, und Schubkästen unter der Liegefläche. (Auf diese Weise war es leider zu schwer, um vor die Tür geschoben zu werden.) Die Kleidung in der Truhe offenbart, dass ihr einstiger Träger ein korpulenter Mann gewesen ist.

Die beiden Knaben auf dem Bett bezeichnet Tristan als "Novizen".

Den Geruch darf sich jeder selbst ausmalen.
 1. aktuelle Uhrzeit etwa 18:45.
 2. d.h. 2. Stock
 3. Bei Aeryn war das vorher nicht, aber sie hatte auch die Tür zum Hof nicht so lange offen wie jetzt, da sieben Leute hindurch müssen.
Da ich zwischenzeitlich einmal glaubte, an drei oder gar vier Orten käme es gleich auf einmal zum Kampf, gibt es sogar eine
battle map (Anzeigen)
vom Infirmarium. :wink:
 4. Es handelt sich um Raum 3D. In der battle map oben links.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 16.05.2017, 14:51:55
Abdo hat durchaus häufiger Probleme, den Gesprächen der anderen zu folgen, insbesondere dann, wenn es um solch abstrakte Gegenstände wie ihre Religionen handelt. Soviel hat er inzwischen verstanden: dass es hier zwei verschiedene Glaubensrichtungen gibt: Zum einen den Glauben an den einen Gott (wobei dieser Gott sich von Aris in einigen mehr Dingen zu unterscheiden schien, als er zunächst geglaubt hatte), zum anderen an eine Art Kraft der Natur, die Gaja genannt wird. Doch worin genau die Essenz letzteren Glaubens besteht, da scheinen sich selbst seine Anhänger nicht ganz einig zu sein - Abdo als Ausländer ist nicht einmal klar, weshalb dies etwas anderes sein soll als der Glaube an Aris. Würde man Gaja Aris nennen, worin bestünde dann der elementare Unterschied? Niemand in Ya'kehet glaubt doch an einen bärtigen Mann im Himmel, der die Geschicke der Welt steuert - vielmehr ist auch Aris eine Kraft, die alles umspannt. Doch um die Widersprüche tatsächlich zu verstehen, fehlen dem armen Mann wohl einfach die Hintergründe und Details.

Das Gespräch, das die anderen über die Ursprünge der Krankheit - oder wie sollte man das nennen, was hier vor sich ging - führen, verfolgt er daher auch nur mit mildem Interesse, bis Freydis Dämonen ins Spiel bringt. Hier horcht der Ya'Keheter doch auf, denn dies ist ein Feld, bei dem er durchaus Erfahrungen beitragen kann.
"Einem Dämon, wie ihr sie nennt, wäre es schon zuzutrauen, so etwas hier anzurichten." wirft er daher ein. "Ich habe Fälle erlebt, in denen Menschen den Einflüsterungen von Dämonen erlegen sind und abscheuliche Taten begangen haben - und Menschen, die zu lange unter dem Einfluss von Dämonen stehen, verändern sich auch körperlich. Aber das dauert lange, lange Zeit; ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas hier geschehen ist.
Doch Freydis hat recht: Wir müssen das Übel aufhalten, egal was es ist. Die Ursache ist im Moment zweitrangig."




Als sie endlich aufbrechen, um die Krankenkammer aufzusuchen, hält sich Abdo in Lîfs Nähe, um die Schwangere so gut es geht bei einem möglichen Angriff schützen zu können. Dabei lässt er sich auch von Tristans kritischen Blicken nicht beirren: Wenn der Verletzte seine Eifersucht sogar über die Sicherheit seiner Frau und seines ungeborenen Kindes stellen würde, würde Abdo ihm schon zeigen, was er davon hält.
Doch ausnahmsweise scheint der Nordländer seinen Stolz einmal herunterschlucken zu können, und so durchqueren sie ohne Zwischenfälle den Klostergarten und betreten den Raum, den Tristan das Infirmarium nennt.

Als Aeryn sie zielstrebig zu einem Nebenraum führt, hilft Abdo ihr, die verklemmte Tür aufzudrücken, die, wie sie hernach sehen, von innen verbarrikadiert worden war. Doch der Anblick der Kinderleichen, der sich ihnen hinter der Tür bietet, lässt dem Ya'Keheter das Blut in den Adern stocken.
Plötzlich stößt er ein beinahe animalisch klingendes Brüllen aus, stürzt aus dem Raum und beginnt, die Einrichtung zu zertrümmern: Er packt das Bett direkt vor dem Eingang und schleudert es mit voller Kraft gegen die Wand, wirbelt das nächste Bett durch die Luft und reißt schließlich eins der Regale auf den Boden, an denen sie gerade vorbeigekommen sind. Erst dann beruhigt sich der Dunkelhäutige wieder - statt jedoch in den Raum zu den anderen zurückzukehren, setzt er sich auf eins der verbliebenen Betten und starrt schweigend, fast apathisch, vor sich hin, während eine einzelne Träne an seiner Wange herabkullert.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 19.05.2017, 20:44:44
Die Worte Tristans lassen Lîf wieder einen misstrauischen Blick in die Runde werfen. "Aber irgendwo müssen sie sein" beharrt die junge Druidin leise. Im Garten des Klosters scheint sich ihre Anspannung ein wenig zu legen – im Gegensatz zu den anderen vermag sie aus dem Anblick der gepflegten Beete mit all den blühenden Geschenken der Großen Mutter Kraft und Ruhe zu ziehen. Erst als sie beim Herumschauen das Gesicht am Gästetrakt entdeckt, zieht sie ihren Mann am Ärmel und deutet auf das betreffende Fenster. Schließlich betreten die Gefährten das Infirmarium, und sie hält sich dicht an Tristans Seite, während sie mit dem verzauberten Kamm versucht, ein wenig Licht zu spenden. Tief atmet sie den Duft der Kräuter ein, die hier verwendet wurden. Doch viel Zeit bleibt ihr nicht, die Atmosphäre von etwas gewohntem in sich aufzunehmen, denn die Elfe eilt den übrigen Gefährten voraus, und wer würde nach den letzten Erlebnissen dafür sein, die Gruppe noch einmal aufzuteilen?

Als sie die beiden Leichen entdeckt, senkt sie den Kopf und macht über ihrer Brust das Zeichen des Rades, das auf den ewigen Kreislauf verweist. "Nimm sie in Deinen gnädigen Schoß auf, Herrin allen Lebens..." murmelt sie dabei leise. Voller Abscheu denkt sie an die Kreaturen, die dies getan haben müssen! Zwei unschuldige Knaben, noch nicht einmal in das Alter gelangt, in dem sie sich ein Weib suchen und der Natur zurückgeben hätten können, was sie ihnen schenkte: Leben. Das Messer berührt der Rotschopf nicht, doch sie weist die anderen mit einer stummen Geste zu den Wunden der Toten darauf hin. Auf Abdos unvermittelt einsetzendes Gebrüll fährt sie zusammen und weicht unwillkürlich einen Schritt von dem Tobenden zurück. Erst nachdem sein Anfall vorüber scheint, geht sie vorsichtig auf ihn zu und blickt ihm prüfend ins Gesicht. Wortlos setzt sie sich neben ihm auf das Bett, nestelt an ihrer Schürze und zieht etwas hervor, das sie ihm anbietet[1].
 1. Hier kommt es darauf an, was unsere SL mir als Inhalt der zahlreichen Taschen von Lîfs Kräuterschürze zugestehen würde. Ich gehe davon aus, dass sie nützliche Blüten, Wurzeln und Beeren ohne echte spieltechnische Auswirkungen immer mal einsammelt, wenn sie am Wegesrand etwas sieht. Ob sie aber nun einen Sud dabeihat, der die Nerven beruhigt, oder doch nur ein leckeres Kräuterbonbon als Trost, da beuge ich mich gern dem Bescheid des Schicksals oder dem Ergebnis eines Würfelwurfs.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 20.05.2017, 19:25:19
Als sie die Leichen im Infirmarium finden wird Freydis noch blasser als ohnehin schon und es bedarf einiger Willensanstrengung für die Albionerin sich unter dem Einfluss des starken Geruches nach Verwesung nicht zu übergeben.[1]
Dem Gebet der Drudkvinde folgend zeichnet Freydis ganz automtisch ihrerseits Gajas Rad.
Der alte Glaube ist noch immer stark auf Albion.
Aber trotzdem behält die berührte einen klaren Kopf, offenbar im Gegensatz zu Abdo.
Mit einem traurigen Blick auf die offenbar vergeblichen Versuche die Tür zu verbarikadieren weist sie auf die beiden Kinderleichen. "Ich fürchte, das war der Bruder Medicus." meint sie leise nachdem der Südländer sich beruhigt hat. -"und es kümmert ihn wirklich, interessant."-"Um sie vor noch schlimmerem zu bewaren als ihm klar wurde das die Tür nicht halten würde. Hoffentlich hatte er sie vorher betäubt. Dann hatten sie wohl einen friedlicheren Tod als die meisten anderen. Auf jedenfall wurden sie nicht verwandelt oder ersetzt oder was immer mit den Schreibern und Bruder Edgar passiert ist."
 1. Will Save: 19
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 22.05.2017, 15:24:48
Es war sicherlich kein schöner Anblick, aber wenn sie ehrlich ist, hatte sich Aeryn noch Schlimmeres ausgemalt, so dass die Enthüllung schon fast mit einer gewissen Erleichterung einhergeht. Insofern ist sie auch einigermaßen gefestigt und lässt sich nicht allzuviel anmerken, als die Gruppe den Raum betritt, um nachzusehen, wo der strenge Geruch und das Gesumme der Insekten herkommt.

"Eine interessante Theorie," meint sie zu Freydis Ausführungen. "Da könnte was dran sein. Mir fällt jedenfalls keine bessere Erklärung ein."

Allzulange hält sich die Elbin allerdings auch nicht in dem Raum auf. Angenehm ist wirklich anders und so sucht sie sich schnell eine Position im Hauptraum des Infirmariums, von wo aus sie einen guten Überblick vor allem auf die Türen hat, und sich dazu auch möglichst weit von diesen entfernt befindet.

"Ich fürchte, es ist nicht damit zu rechnen, dass wir hier noch jemanden finden, den wir retten können. Die größte Frage ist, was machen wir nun? Wir haben noch keine wirkliche Erklärung dafür, was hier vorgefallen ist. Und es gibt hier laut Talahan noch etwa einhundert "Mönche"."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 22.05.2017, 16:00:06
Es braucht eine Weile, bevor Abdo sich wieder fasst; das Angebot der Heilerin lehnt er dankend ab - was immer es ist, was sie ihm anbietet, man muss sich dem Schmerz stellen, so hat er es gelernt, und nicht versuchen, ihn zu betäuben.

Freydis' Erklärung klingt auch für ihn logisch, und vermittelt ihm etwas Trost: Der Tod solch junger Menschen war schlimm genug, doch die Aussicht, dass sie zumindest vor dem, was hier vor sich ging, nicht befallen wurden, hat zumindest den Ansatz von etwas Positivem. Mehr noch, wenn offenbar einer der Mönche sich dem Übel widersetzt hat - wenn auch auf diese verzweifelte Weise - so besteht vielleicht noch Hoffnung, Überlebende zu finden, die nicht von der Krankheit, oder was immer es ist, betroffen sind.

"Wenn du recht hast", wendet Abdo sich nun an Freydis, "wurde der Infirmar entweder danach von der 'Seuche' selbst befallen, oder er konnte fliehen. Sein Leichnam ist auf jeden Fall nicht hier. Und es besteht zumindest Hoffnung, dass vielleicht nicht alle Mönche dem Übel zum Opfer gefallen sind, sondern welche fliehen oder sich versteckten konnten. Sieht einer von euch Spuren, die ahnen lassen, wohin der Infirmar von hier aus gegangen sein könnte?"

Auf seine Worte hin sieht sich auch der Ya'Keheter nochmals im Raum um.[1]
 1. Survival 19, Perception 13
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 22.05.2017, 18:32:47
Hjalmarr zieht es beim Anblick der toten Jungen die Muskeln in den Backen zusammen. Schnell verdrängt er den Gedanken an die wohl letzten Stunden, die sie noch unter den Lebenden weilten und wendet sich ab. Sein Puls wird schneller und – wie betäubt – beobachtet er Abdo's ungezügelte Wut, die mit voller Wucht auf die hölzernen Möbel trifft. Seine Fäuste ballen sich unweigerlich und er kann den Südländer nur all zu gut verstehen. Dies sind noch Kinder gewesen, wehrlos und unschuldig. Sein Gesicht wird heiß und der Druck auf den Ohren größer, als er sich zwingt wieder in den Raum und auf die Leichen zu blicken.

Den Tod eines Mannes oder einer Frau hatte er schon oft beobachtet. In den eisigen Zellen Lesdags kamen viele um, sei es durch die Gezeiten und die Klinge eines betrunkenen Wärters, der nach einer verlorenen Wette seine Wut an denen ausließ, die sich nicht mehr wehren konnten. All das berührt ihn selbst jetzt, während er darüber nachdenkt kaum, doch beim Anblick der Jungen bildet sich ein dicker Kloß in seinem Hals und nur mit aller Kraft überwindet er sich schließlich, alles Übel in dieser Kammer auszublenden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Auf dem steinernen Boden Spuren zu entdecken, scheint für Hjalmarr so unmöglich, wie die beiden Kinder ins Leben zurückzubringen, doch einen Versuch ist es allemal wert[1].
 1. Survival 13, Perception 9
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 22.05.2017, 23:23:27
Auf Abdos Frage hin, blickt sich Aeryn auch nochmal nach Spuren im Raum um, kann auf dem festen Untergrund aber nicht allzuviel erkennen[1].

Nach kurzer Suche kehrt die Waldläuferin daher auch in ihre Wachposition zurück und hält die Türen weiter im Blick, so gut es geht.
 1. Survival 10
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 23.05.2017, 13:47:45
"Vergessener, Dämon oder finsterste Magie am Werk", fasst Tristan die bisherigen Vermutungen zusammen, "wahrscheinlich werden wir's nie erfahren." Mit diesen Worten gibt er Abdo recht, dass jegliche Spekulationen, wer die Plage wohl verursacht haben könnte, in ihrer jetzigen Lage bestenfalls müßig sind, schlimmstenfalls eine Zeitverschwendung, die sie sich nicht leisten können.

Auf dem Weg über den Hof fällt ihm auf, dass der dunkelhäutige Fremde auf einmal schützend in Lîfs Nähe bleibt, bemüht, ihr Deckung zu geben. Offenbar hat zumindest einer in der Gruppe erkannt, wie wertvoll es ist, eine Heilerin dabei zu haben. Vielleicht wusste er nicht, was eine Drudkvinde ist, bevor er Lîfs Fähigkeiten mit eigenen Augen gesehen hat. Überhaupt weiß man nie so recht, wieviel er eigentlich von unseren Gesprächen versteht. Manchmal schaut er ja verwirrt, aber Fragen kommen von ihm nie. Ob das gegen die Sitten seines Landes ist? Oder lässt es bloß sein eigener Stolz nicht zu, durch Unwissen aufzufallen?

Diesen letzten Verdacht gibt Tristan gleich wieder auf, als er—äußerst befremdet—Abdos Reaktion auf den Leichenfund beobachtet. Völlig gehen lässt der Mann sich, als einziger von ihnen, während die drei Frauen es schaffen, sich zusammenzureißen und den Anblick zu ertragen. Übermäßiger Stolz kann also kaum sein heimliches Laster sein. Ein fragender Blick in Talahans Richtung zeigt, dass der Gotteskrieger genauso überrascht über Abdos Wüten im Nachbarraum ist wie Tristan selbst. Es kracht, klirrt und scheppert, als Möbel zerschlagen werden nebst den Tiegeln und Tonkrügen, die daraufstanden, und eiserne Töpfe durch die Gegend fliegen. Die beiden Männer atmen erleichtern auf, als Lîf loseilt, den empfindsamen Ya'Keheter zu beruhigen—offenbar mit Erfolg.[1] Plötzliche Stille kehrt ein.

Als Abdo kurz darauf wieder zu ihnen tritt mit der Vermutung (oder der naiven Hoffnung?), dass es vielleicht doch Überlebende geben könnte, antwortet Tristan ein wenig zweifelnd: "Lîf hat vorhin im Turm des Gästetrakts jemanden am Fenster gesehen." Damit gesellt er sich zu Aeryn und teilt sich mit ihr die Wacht: er behält zwei der Eingänge zum Infirmarium im Auge, sie die anderen zwei. Doch die hundert Mönche, die Talahan angekündigt hat, bleiben vorerst aus. Vielleicht konnten ja doch einige entkommen.
 1. @ Lîf: Alle Mittel, die keinen Heilbonus geben oder irgendwelche sehr speziellen, fürs Abenteuer relevanten Dinge heilen (bzw. "Zustände" oder "Krankheiten" mit tatsächlichen spieltechnischen Effekten aufheben), hast Du stets ausreichend dabei. Also auch alles, was man für erste Hilfe braucht, das halte ich wie mit den Rationen und gehe davon aus, dass Lîf sich ständig ums Auffüllen kümmert. Für ein Heilerpack, das einen Bonus gibt, müsstest Du aber im Status aufführen, wieviele <uses> Du noch hast.
Apropos: Du kannst gerne auf perception und heal würfeln, ob Du in den Vorräten des Infirmars, die Abdo allerdings größtenteils zerschlagen hat, noch etwas nützliches findest.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 23.05.2017, 13:48:06
Als für einen Moment alle still sind, meint Abdo, im Stock über sich schlurfende Schritte zu hören.[1] Außer den Kampfspuren im Zimmer des Infirmars entdeckt niemand einen Hinweis darauf, was aus diesem geworden sein mag. Im Bereich vor seinem Zimmer ist außerdem alles zerschlagen; Tonscherben knirschen unter ihren Schritten.

Das Kloster ist groß. Wo könnten Überlebende sich versteckt halten? Wo die falschen Mönche?[2]

"Überlebende", unterbricht Talahan die anderen in ihren Gedanken. Ein wenig Hoffnung hat sich in seine grimmige Miene zurückgeschlichen. "Vielleicht habt Ihr recht. Immerhin gab es Widerstand. Und offenbar geschah das ganze doch nicht über Nacht, sonst lägen die Leichen schon etwas länger hier."

Die verhängnisvolle Sturmnacht, in der man Pater Halfir bis ins Dorf hinunter hatte schreien hören, ist genau eine Woche her, während alle Anwesenden, die etwas davon verstehen, sich in ihrer Schätzung einig sind: die beiden Leichen auf dem Bett liegen erst seit etwa vier Tagen da.

"Vor zehn Jahren lebten etwa hundert Mönche hier", präzisiert Talahan seine vorherige Aussage. "Nehmen wir an, daran hätte sich nichts geändert... und ziehen die zehn Wesen ab, von denen wir wissen, dass sie tot sind... Damit unsere Chancen gut stünden, müssten schon sehr viele davon entkommen oder beim Widerstand gefallen sein. Doch woher Hilfe holen? Sorens Soldaten sind unterwegs und bis wir in Kromdag waren und mit Soldaten wieder zurück... Nein, wie man's auch dreht und wendet, es wird nicht besser. Er denkt eine Weile lang nach und kommt endlich zu einem Entschluss. "Meine Pflicht ist klar. Aber dies ist nicht mehr die Aufgabe, für die Ihr Euch habt anheuern lassen. Ich kann Euch nicht befehlen, Euer Leben für meine Glaubensbrüder zu riskieren, ohne euch auch nur einen Lohn dafür in Aussicht stellen zu können."
 1. Ich weiß nicht, was ich mit den ganzen Survival Würfen anfangen soll, das ist für Überleben in der Wildnis bzw. dem Verfolgen von Spuren in der freien Natur (allenfalls noch in Höhlen) gedacht, nicht für innerhalb eines Gebäudes. Ich habe das jetzt mal in einen Perception umgedeutet und Abdo hat dabei am besten gewürfelt.
Also: innerhalb von Gebäuden Spuren bitte mit perception suchen.
 2. Ihr könnt nat. frei entscheiden, was ihr als nächstes untersuchen wollt; damit das Erkunden sich aber nicht zu sehr in die Länge zieht, werde ich gewissen Bereiche dann nur zusammenfassend beschreiben. Wenn ihr euch also demnächst wieder in Bewegung setzt, würfelt entsprechende Perception Würfe gleich mit. Ggf. auch Stealth.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 23.05.2017, 14:44:52
Auf die dankende Ablehnung des Ya'Keheters reagiert die drudkvinde mit einem Nicken und verstaut ihre Kräuter wieder sorgfältig. Dann drückt sie dem Mann mit der dunklen Haut die Hand und sagt ernst: "Ich ahne, wovor du mich vorhin gerettet hast. Wann immer du Heilung für Körper oder Geist brauchst – ich werde mein möglichstes tun." Mit diesem Versprechen steht sie auf, blickt sich noch einmal kurz im Infirmarium um[1] und kehrt zu ihrem Mann zurück. Die Worte der anderen hört sie mit verschlossener Miene an, bevor sie düster meint: "Ich fürchte auch, dass wir hier kaum jemandem mehr helfen können. Die Mönche, die nicht getötet wurden oder ein schlimmeres Schicksal hatten, sind sicherlich geflohen. Fragt sich nur, wohin..."

Da erwähnt Tristan das Gesicht am Fenster, das sie über das Grauen in dem dunklen Gewölbe schon fast wieder vergessen hatte, und sie hält inne. "Vielleicht ja doch ein Überlebender? Eines dieser verfluchten Wesen hätte doch jetzt gewiss keinen Grund mehr, sich vor Entdeckung zu fürchten!" Sie fasst Tristans Hände und blickt ihm in die Augen. "Mand, hvis nogen har overlevet, skal vi hjælpe ham! Jeg beder dig i navnet på den Store Moder!"[2] Sie schaut auch zu Aeryn, die neben Tristan steht, und zu den anderen Gefährten. "Wenn wir mehr erfahren können, dann von einem, der es miterlebt hat!" behauptet sie in beschwörendem Ton.
 1. Die Würfe auf Wahrnehmung und Heilkunde habe ich gemacht, waren 13 respektive 25, siehe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1029328#msg1029328).
 2. Vaerangsk: Mann, wenn jemand überlebt hat, müssen wir ihm helfen! Ich dich bitte im Namen der großen Mutter!
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 23.05.2017, 16:20:49
"Wenn wirklich Mönche entkommen wären, dann hätten sie doch Hilfe gesucht. Ich kann nicht glauben, dass sie sich einfach so aus dem Staub machen, wenn sie das hier miterlebt haben, ohne zumindest eine Warnung für andere zu hinterlassen. Nein, ich fürchte, hier ist niemand entkommen," schlussfolgert Aeryn nüchtern.

"Und was diese Frage angeht, Talahan. Wir sind vielleicht nicht konkret hierfür angeheuert worden, allerdings stehen wir in diesem Kampf doch alle auf derselben Seite. Die Dämonen, oder wer auch immer hierfür verantwortlich ist, müssen gestoppt werden, damit es nicht noch schlimmer wird."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 24.05.2017, 14:53:06
Der Ya'Keheter nickt Lîf dankbar für ihr Angebot zu; auch wenn er selbst noch immer nicht weiß, was es war, das sie dort unten im Keller angegriffen hat. Er nimmt sich jedoch vor, ab sofort ein wachsames Auge auf die Heilerin zu werfen, die sicher nicht wehrlos ist, aber dennoch von ihnen allen am ehesten Schutz zu benötigen scheint - insbesondere in ihrem Zustand, auch wenn die Schwangerschaft sich bisher kaum auf ihrem Bauch abzeichnet.

Das Angebot Talahans, ihn mit dem Grauen hier allein zu lassen, weist auch Abdo entrüstet von sich:
"Wir setzen unser Leben nicht für deine Glaubensbrüder auf das Spiel, sondern für alle Menschen. Und andere." fügt er mit einem Seitenblick auf Aeryn hinzu. "Was immer das hier ist, es muss gestoppt werden, bevor es nicht mehr zu stoppen ist.
Aber seid kurz ruhig - ich glaube, ich habe oben etwas gehört!"


Als Schweigen herrscht, konzentriert sich der Dunkelhäutige auf jegliche Geräusche, und erneut glaubt er, über sich Schritte zu hören. Er deutet nach oben und flüstert Talahan zu: "Wie kommen wir da hinauf? Kennst du einen Weg?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 24.05.2017, 15:40:26
Talahan legt den Kopf schief und lauscht in Richtung Decke. Seine Miene bleibt zweifelnd.[1] Dennoch senkt er die Stimme, als er Abdos Frage beantwortet: "Die einzige Treppe, die in die oberen Stockwerke des Hauptgebäudes führt, befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite, durch die Bibliothek durch. Etwa dort, wo ihr vorhin mit Jarus verschwunden seid." Abdo erinnert sich. Die Wendeltreppe, über welche sie in den Keller gestiegen waren, führt auch nach oben. "Hier auf dieser Seite gibt es keine. Der Turm über dem Infirmarium hat als einziger keine Treppe bis ins Erdgeschoss, man muss über den ersten Stock."

"Lass mich raten", wirft Tristan ein. "Die Quartiere der Novizen befinden sich in diesem Turm?"

Talahan nickt mit verdrossener Miene und versagt sich jeglichen Kommentar.[2]
 1. Perception = 7.
 2. Momentan stehen zwei Orte als nächstes Ziel zur Auswahl: Lîf hat sich für den Gästetrakt+Turm ausgesprochen, wo sie ein Gesicht am Fenster gesehen hat (6B/C), Abdo für den ersten Stock des Hauptgebäudes, wo er schlurfende Schritte gehört hat und Aeryn zuvor vom Hof aus eine Gestalt am Fenster sah. Um dahin zu gelangen, ist der Weg zwar weit (Treppe links neben 4B), aber von dort gelangt man außerdem in den Turm der Novizen (blaues Rechteck über 3A-C). Bitte besprecht euch ggf. ooc, um euch über die Reihenfolge zu einigen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 29.05.2017, 20:39:15
Lîf verzieht bei Talahans Erklärung das Gesicht. "Verzeiht, wenn ich das so offen sage, aber dieser Weg kommt mir recht lang vor. Beides könnten welche von diesen Wesen gewesen sein oder auch Menschen, die Hilfe brauchen. Ich finde, wir sollten mit demjenigen unser Glück zuerst versuchen, zu dem wir rascher gelangen können." Damit schaut sie ihre Begleiter drängend an. "Auf jeden Fall stimme ich zu, dass wir handeln sollten – dies ist keine Frage der Belohnung mehr, Talahan. Es geht hier um ein Übel, das den Menschen und dem Land schadet, also lasst uns eilen!" fügt sie hinzu.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 29.05.2017, 20:58:50
Abdo hat zwar das Verlangen, den Geräuschen nachzugehen, doch Lîfs Argument lassen ihn einsichtig werden.
"Na gut, gehen wir Lîfs Weg. Egal wie, wir sollten uns beeilen."

Seinen Worten Taten folgen lassend, geht der Ya'Keheter vor in den Innenhof und durchquert diesen zügig, wartet dann jedoch an der gegenüberliegenden Tür auf die anderen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 30.05.2017, 10:31:38
Hjalmarr nickt zustimmend.

"Ich bilde die Nachhut, Abdo, geht ihr voraus, ich sichere unsere Rücken. Die Frauen und die Verletzten bleiben zwischen uns." Weiterhin ist der Lesdager nicht begeistert davon die Schwangere und ihren verletzten Gemahl weiter mit zu nehmen, doch was bleibt ihnen anderes übrig. Immerhin hat er sich mittlerweile damit abgefunden, dass andere die Führung übernehmen und mit seinem Weib sprechen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 30.05.2017, 16:25:20
Aeryn stimmt der allgemeinen Meinung ebenfalls zu.

"Der kürzere Weg ist in unserer aktuellen Lage der bessere Weg," bestärkt sie Lîf's Vorschlag. "Da wir uns in jedem Fall in unbekanntes Terrain begeben müssen, sollten wir es uns nicht unnötig schwer machen. Es ist auch so gefährlich genug hier."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 30.05.2017, 21:38:52
Während die Gefährten—sein Weib inklusive—Talahan mit großer Überzeugung ihre Unterstützung andienen und darüber in Diskussion verfallen, ob es hier im Kloster Überlebende geben könne und wo man nach diesen, oder aber nach den Verursachern, als erstes suchen solle, begreift Tristan erst so richtig, was Lîf da eben zu Abdo gesagt hat. 'Ich ahne, wovor du mich vorhin gerettet hast...'

Allmächtiger, wie knapp ist sie denn entkommen? Hätte sie um ein Haar das Schicksal des Bruder Infirmars geteilt, welches ihm so schrecklich deuchte, dass er dafür gar sein Seelenheil zu opfern bereit war, nur um seinen beiden Schutzbefohlenen mit einem Schnitt durch die Kehle dies Schicksal zu ersparen? Ich hätte sie niemals mit dem Mönchlein[1] mitziehen lassen dürfen! Allein! Unbewaffnet!

Am liebsten würde er Lîfs inbrünstige Bitte ausschlagen und sie aus dem Kloster zerren, so schlecht ist ihm bei dem Gedanken, in welcher Gefahr sie hier schwebt, aber dazu ist es zu spät. Wer weiß, wie viele der falschen Mönche sich da draußen herumtummeln? Und inzwischen dürfte auch der letzte von ihnen die Anwesenheit der sieben Fremden mitbekommen haben. Nein, hier drinnen hätten die Gefährten wohl noch am ehesten eine Chance, sei es, indem sie sich irgendwo verschanzten oder aber sich zum Ursprung der Plage vorkämpften und diese beseitigten.

Und so sagt Tristan statt dessen in die Runde: "Ja, wir sind dabei." Die Ironie an der Sache aber entgeht ihm nicht.

Vor wenigen Wochen habe ich mit meinen Fahrtenbrüdern ein Kloster fast so groß wie dieses geplündert und niedergebrannt, einem halben Dutzend Mönchlein meine Klinge in den Leib gerammt, auch ein eifriger Novize war dabei, nicht viel älter als die beiden dort auf dem Bett, auch wenn ich dafür zwei jüngere gerettet habe, die's mir irgendwann vielleicht sogar als gute Tat anrechnen werden, als Befreiung... und jetzt soll ich dabei helfen, ein Kloster zu retten? Oder, falls es nichts mehr zu retten gibt, die Mönche zu rächen? Oder vielmehr, Gerechtigkeit für sie zu finden, wie sie es nennen würden?

"Måske er det Gajas idé om retfærdighed?" fragt er Lîf leise. "Måske de ønsker hermed at etablere en slags ligevægt?"[2]

"Gerechtigkeit" ist ein Konstrukt der Pfaffen, welches Gaja-Anhängern gerne Kopfzerbrechen bereitet, deshalb hat Tristan sich auch schnell verbessert. "Gleichgewicht" heißt im alten Glauben die vergleichbare Größe. Bislang hat Tristan sich nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht, doch jetzt erscheint ihm auf Anhieb das Gleichgewicht tatsächlich als das einfachere, leichter anwendbare Konzept. Um Gerechtigkeit zu verstehen oder zu erklären, braucht es Philosophen oder Priester; was Gleichgewicht ist, erkennt jedes Kind auf einen Blick. Zweimal schon hat das Schicksal mich verschont, hat mir meine Lîf gelassen, obwohl es anderen ihre Liebsten nahm. Von diesem Glück muss ich nun meinen Teil zurückzahlen in den Schicksalstopf, muss Fremden helfen, so wie Fremde meiner Lîf halfen! Sonst nimmt sich bald von mir das Schicksal selbst, was zum Gleichgewicht ihm fehlt. Das leuchtet einem sofort ein, ganz ohne kompliziertes Philosophieren, ohne lauthals Gerechtigkeit, Buße oder Sühne zu fordern, oder was den Pfaffen sonst noch so alles einfällt. Wenn sie es richtig kompliziert machen wollen, dann fragen sie nach den Motiven. Schlimm ist's laut ihrer Vorstellung, wenn einer das Richtige tut aus falschem Grund!

Tristan Blick gleitet zu den beiden toten Novizen hinüber. Seltsam ist es ja schon, wie wenig ihn der Anblick rührt im Gegensatz zu seinen Gefährten und insbesondere zu Abdo. Da fragt er sich nicht zum ersten Mal: Empfinde ich weniger als andere Leute? Ist's mir wirklich alles gleich? Aber warum? Bin ich ein Unmensch? Ist das normal? Dass mir die Menschen so fremd vorkommen, so furchtbar fern? Ach, manchmal spüre ich mich selbst nicht mehr!

Wie anders als er ist dagegen sein Weib. Sofort bereit zu helfen, das eigene Leben für die Mitmenschen zu riskieren. Wie ihre Stimme dabei vor Leidenschaft bebt, ihre Augen vor Überzeugung glühen! Ist es da nicht ein Wunder, muss man sich fragen, dass sein Weib, dass dieses wilde junge Geschöpf mit dem Herzen reiner als ein Bergquell, ihn überhaupt lieben, ihn zärtlich berühren und in ihrem Schoß empfangen kann, obwohl sie weiß, was auf seinem Gewissen lasten müsste, wenn sich ein solches in ihm regen würde? Achtzehn Jahre lang hat er mit seinen Fahrtenbrüdern die Küsten und Gewässer Dalarans heimgesucht auf Jagd nach leichter Beute. Leichte Beute wie sie und ihre Heilerinnenschwestern vor zwei Jahren. Wie das Kloster zu Sundheim vor wenigen Wochen. Wie es Ansdag genausogut hätte werden können.

In diesem Augenblick tritt Lîf zu ihm. Vielleicht hat sie seiner Miene abgelesen, welch ernste Gedanken ihm durch den Sinn gehen. Indem sie die Hand auf seinen Arm legt, will sie ihn trösten oder zum Aufbruch mahnen? Einerlei ist's, denn plötzlich fühlt er sich ganz nah. Plötzlich schlägt ein warmes Herz in seiner Brust, so voll von Gefühl, dass es ihm übergeht, dass er selbst, Leib, Herz, Verstand und Seele, damit überfließt. Impulsiv zieht er sie in seine Arme—gerade als sie etwas von eilen spricht—und drückt sie an sich, als wär's das letzte Mal.

"Die Taten eines Mannes sind's, die zählen, nicht seine Gründe", murmelt er an ihrem Ohr und endet still bei sich: Dass ich's nur ihr zuliebe tu—was macht das schon, wen soll das kümmern?

Unter den Gefährten scheint inzwischen Einigkeit zu herrschen. Tristan blickt rechtzeitig auf, um Talahan entschlossen nicken zu sehen, worauf der Gotteskrieger und Abdo auch schon zusammen zur Tür schreiten, durch die man gekommen ist.

Tristan gibt sein Weib wieder frei und die beiden folgen den anderen. Auch Lîf hat dabei die Hand am Griff ihrer Waffe, wie Tristan zufrieden bemerkt. Den Abschluss bildet Hjálmarr. Dass der Lesdager Tristan mit acht knappen Worten den Frauen und Kindern zuordnet, scheint dieser überhört zu haben, zu Lîfs großer Erleichterung.

"Eine Sache versprich mir noch", bittet Tristan rasch, bevor sie den Hof betreten. "Falls wir es je bis zu deiner Familie hinaufschaffen, lass uns deinem Vater nichts hiervon erzählen. Wenn er fragt, wie war die Reise, lass uns sagen: länger als erwartet, denn wir mussten uns noch ein wenig Geld verdienen, ansonsten aber ohne Zwischenfälle."

 1. gemeint ist Jarus, nicht Abdo. Dass der ein Mönch ist weiß Tristan ja gar nicht, und Abdo hat ja auch nicht wirklich viel Ähnlichkeit mit den hiesigen Mönchen.
 2. Värangsk: "Vielleicht ist das Gajas Vorstellung von Gerechtigkeit?" - "Vielleicht will sie damit eine Art Gleichgewicht herstellen?"
Damit meint er natürlich: seine Taten gegeneinander aufwiegen, das geplünderte Kloster mit dem geretteten/gerächten verrechnen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 31.05.2017, 10:30:20
Dass sich alle nach und nach den Argumenten anschließen, die sie vorgebracht hat und die ihr selbst logisch erscheinen, sieht die Heilerin weniger als Folge ihrer Überzeugungskraft an, weiß sie doch, wie leicht und schnell sie andere vor den Kopf stoßen kann in ihrer impulsiven Art. Lîf sieht hier vielmehr das Wirken der Großen Mutter, die, wie eine gewöhnliche Mutter auch, eine große Versöhnerin ist. Dem Mann mag die Kraft gegeben sein, die Seinen mit starkem Arm zu schützen, doch dem Weib fällt es zu, ihm und allen diese Kraft zu erhalten und sie zu einen! denkt sie, als sie mit einem stummen Dankgebet andächtig zu Boden sieht – die Richtung, in der sie den Schoß und den Quell Gajas weiß. Dann nickt sie entschlossen und stellt sich neben Tristan. Dass ihr Mann zu den Weibern in die Mitte und damit an die am besten geschützte Position gehen soll, würde ihr normalerweise ebenso wie ihm selbst einen Stich versetzen, denn sie ist bei aller gelegentlichen Sorge um ihn stolz auf seinen Mut. Doch diesmal scheint die Göttin ihnen einen klaren Wink gegeben zu haben: Einmal schon wurde er schwer getroffen, und der Rotschopf spürt, dass es sie Kraft gekostet hat, seine Wunden zu schließen.

Sie ergreift seine Hand und drückt sie sanft. "Må ikke bekymre dig: Hun ved alt og dirigerer ostil det bedre."[1] flüstert sie ihrem Mann zu und nickt bekräftigend. Seine Umarmung hat sie genauso fest erwidert, wie sie bei diesen Worten den Druck ihrer Finger verstärkt, um ihn ihrer Zustimmung zu versichern. An Tristans Seite, umgeben von anderen, die demselben Ziel folgen, fühlt sie wieder Zuversicht, trotz des erdrückenden Anblicks der dicken Mauern aus totem, hartem Stein. Als er sie nochmals anspricht, lächelt sie. Gewiss würde ihr Vater Tristan schwere Vorwürfe machen, er habe sein Weib nicht beschützt und sei überdies ein Habenichts, der sie auch nicht ernähren könne. Doch auch wenn sie es ihm noch niemals in aller Deutlichkeit gesagt hat – zu oft hat ihr Temperament sie in Streitgespräche mit ihm geführt: Lîf hat längst für sich entschieden, dass er auch nach den Bräuchen ihrer Heimat ihr Mann werden wird! Und die Familie wird sich dem beugen müssen, ob es ihnen passt oder nicht. Genauso wie Tristan selbst. Die junge Frau hat noch immer bekommen, was sie sich in den Kopf gesetzt hat, und sie ist überzeugt davon, dass das auch dieses Mal so sein wird. Daher nickt sie ihm nur zu, als sei seine Bitte eine Selbstverständlichkeit, die kaum der Erwähnung wert ist.
 1. Värangsk: "Hab keine Sorge: Sie weiß alles und lenkt uns zum Guten."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 31.05.2017, 22:33:22
Auch Freydis nickt bei Abdos Worten zustimmend. Inzwischen muss sie sich anstrengen um die stärker werdenden Kopfschmerzen zu ignorieren. Sie zahlt den Preis für die Magie die sie beim Kampf im Skriptorium genutzt hat. Sie kann nur die Zähne zusammenbeissen und hoffen, dass sie diesmal keinen schlimmeren Preis bezahlen muss.
"Solange wir uns nicht nochmal aufteilen. Falls tatsächlich jemand hier im Kloster seit der Sturmnacht überlebt hat wird er es wohl auch noch etwas länger können."
Noch schafft die Albionerin es, sich nichts anmerken zu lassen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 31.05.2017, 23:06:21
Auch Talahan scheint durch den allseitigen Zuspruch neuen Mut zu schöpfen. Seine Haltung strafft sich, als würde eine Zentnerlast von ihm abfallen. Heiliger Zorn lässt seine Augen leuchten, Entschlossenheit seine Züge verhärten. Ein völlig anderer Mann steht plötzlich vor ihnen. Erweckte er in der vergangenen Woche auch mehrfach den Eindruck, ein Mann zu sein, der seinen Weg verloren hat, so strahlt er nun die Gewissheit eines solchen aus, der keinen Zweifel kennt. Auf Dankesworte verschwendet er keinen Atem, doch der Blick, den er in die Runde seiner Mitstreiter schickt, sagt genug. Nicht weniger als seinen Glauben an die Menschheit (und andere kulturschaffende Völker) haben sie ihm zurückgegeben, und diese zurückgewonne Zuversicht strahlt er auf jeden einzelnen von ihnen zurück.[1]

Der Gotteskrieger schreitet also mit Abdo voraus. Draußen liegt der Klostergarten nun komplett im Schatten, auch der schmale Ostzipfel, den die Gefährten hastig überqueren, denn inzwischen ist die Sonne endgültig hinter der Bibliothek versunken. Die beiden Schildträger geben dem kleinen Trupp vorsorglich Deckung nach beiden Richtungen, in denen man zuvor Bewegung gesehen hat, doch der befürchtete Angriff bleibt aus. Abdo und Aeryn schlüpfen als erste durch die (aufgebrochene!) Tür des Gästetrakts und finden sich in einem dämmrigen, verwüsteten, aber verlassenen Raum wieder, wie Aeryn mit ihren scharfen Elbenaugen sofort erkennt. Auf ihren leisen Ruf drängen Freydis und Lîf, als dritter Hjálmarr herein, und als letzte ducken sich auch die beiden Schildträger hinterher.

Die sieben sehen sich hastig um. Das gesamte Erdgeschoss besteht aus einem Raum, leicht verwinkelt, mit einer halbhohen Trennwand zwischen dem größeren Schlafbereich und dem kleineren Ruheraum, der von einer stattlichen Feuerstelle beherrscht wird. Vor letzterer stehen ein paar Sessel, ein einzelnes Regal an der Wand, ein zweites liegt in Trümmern über dem Boden verteilt. Das wenige Licht, das sie überhaupt etwas sehen lässt[2], fällt durch vier schmale Fenster, welche sich, je zwei im Osten und zwei im Norden, in etwa anderthalbfacher Mannshöhe befinden. Die Decke ist, wie bislang in allen Räumen, verschwenderisch hoch. Gut und gern zwei Stockwerke würden in dem einen Platz finden. Etwa in der Mitte der Nordwand, direkt vor der Trennwand zum Schlafbereich, öffnet sich ein Durchgang zu einer sehr engen Wendeltreppe. Im ganzen Zimmer gibt es, wie drüben in der Kammer des Infirmars, reichlich Kampfspuren. Der Schlafbereich sieht etwa so aus wie drüben das Infirmarium—nachdem Abdo damit fertig war.[3]

Im Stockwerk über ihnen ertönt plötzlich eifriges Scharren und Räumen. Möbel werden über den Boden geschoben, offenbar in Richtung der Wendeltreppe.
 1. Paladin Aura und so... allerdings ohne spieltechnische Auswirkung.
 2. Lîfs Kamm dürfte inzwischen erloschen sein
 3. Noch einmal der Hinweis: Ich beschreibe zunächst immer eher oberflächlich. Wenn euch etwas näher interessiert, schreibt bitte, dass ihr es untersucht. Ggf. mit Perception-Wurf (bes. wenn unter Zeitdruck).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 01.06.2017, 11:26:52
Lîf zögert für einen Moment, als sie die seltsame Aura spürt, die von Talahan ausgeht. Die Art, wie er Zuversicht auszustrahlen scheint und sie auf seine Reisegefährten überträgt, erinnert sie frappierend an die Empfindungen, die sie beim Gebet zur Großen Mutter hat, wenn sie an einem heiligen Ort ist. Der dunkle, warme Schoß der Mutter, der Ihre Kinder schützend und behütend umgibt... schießt es dem Rotschopf durch den Kopf, während sie den schwer gerüsteten Mann verwundert mustert. Dieses warme Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen hat seinen Ursprung eindeutig bei ihm, der doch äußerlich wirklich nichts Mütterliches an sich hat. Das Weltbild der jungen Druidin, die so klar zwischen männlichem und weiblichem Prinzip, zwischen Anhängern Gajas und solchen des Anderen Gottes, zwischen dualen Gegensätzen aller Art unterscheidet, ist für einen Moment ins Wanken gebracht. Sie kann sich nicht erklären, was sie gerade erlebt hat, und es beeindruckt sie mehr, als sie zeigt.

Beim Vormarsch der kleinen Gruppe hält sie sich dicht hinter Tristan, eine Hand am Griff des Sax, die andere stets an seinem Gürtel, um weder seinen Schwert-, noch seinen Schildarm zu behindern. Sie mag keine Kämpferin sein, aber sie hat bereits gelernt, wie sie ihrem Mann am wenigsten im Wege ist, wenn es zu einer Konfrontation kommt. Die Dunkelheit in dem Raum, den sie dann betreten, lässt sie die Augen zusammenkneifen. Rasch greift sie erneut nach ihrem Kamm und spricht leise ein Gebet[1], um den Kamm dann kurzerhand in ihr dichtes rotes Haar zu stecken, so weit über ihrer Stirn, dass es sie nicht blendet. Auf diese Weise behält auch sie ihre Hände frei. Nachdem sie sich nun umsehen kann, blickt sie automatisch zu Abdo, an dessen kurzen Kontrollverlust sie sich beim Anblick des zertrümmerten Regals erinnert. Aufmerksam sieht sie sich um[2] und hebt dann den Blick, um zu flüstern: "Jemand hat uns gehört und versucht uns den Zugang nach oben zu versperren!" Ob es ein Feind ist oder nur ein verängstigter Mönch, bleibt allerdings die Frage. Abwartend sieht sie zu Tristan, dann zu Talahan.
 1. Wieder den Zauber Licht (http://prd.5footstep.de/Grundregelwerk/Zauber/Licht) auf den Kamm
 2. Wahrnehmungswurf: 22, siehe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1029711#msg1029711).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 01.06.2017, 22:11:17
Noch während Líf sich ihren Kamm ins Haar steckt, hört sie Freydis hinter sich flüstern; "Lys!"[1] und es wird merklich heller im Raum. Die Berührte hat ihren Streitkolben gezogen und fixiert dessen Spitze, die mit einem Male ein sanftes Licht ähnlich dem vom Kamm der Druidkvinne von sich gibt, mit eisblauen Augen.[2] "Besser wir haben mehr als eine Lichtquelle."
flüstert die junge Albionerin während sie zu der Wand mit den Regalen geht um dann erst das noch hängende dann das herabgestürzte in Augenschein zu nehmen.
 1. Varänsk: Licht!
 2. Cantrip: Light
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 02.06.2017, 10:38:08
"Dann sollten wir uns beeilen..." sagt Aeryn, "... oder einen anderen Weg suchen, so es denn einen gibt."

Die Waldläuferin wirft daraufhin einen Blick in die Feuerstelle, vielleicht gibt es hier ja einen Kamin, der breit genug ist, um darin hochzuklettern. Vielleicht nicht der beste Weg, aber zumindest eine Möglichkeit könnte es sein.

Als die verschiedenen Lichtzauber gewirkt werden, zaubert dies ein Lächeln auf das Gesicht der Elbin. Licht war für sie stets etwas wundervolles und sie fühlte sich in seinem hellen Schein besonders wohl.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 02.06.2017, 17:12:32
In dem Moment, als die Entscheidung gefallen ist, gemeinsam loszugehen, und niemand auch nur einen Moment darüber nachzudenken scheint, das Kloster zu verlassen, scheint es Abdo, als ob ein Ruck durch die Gruppe geht: Jeder wirkt plötzlich wild entschlossen, das Übel aus dieser Welt zu verbannen - allen voran Talahan, der zuvor beinahe apathisch gewirkt hat.
Abdo ist zwar nicht sicher, was gerade passiert ist, doch er lässt sich von dem neuen Schwung tragen und stößt nur wenige Momente später die Tür des Nebengebäudes auf. Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass auch hier gekämpft wurde, doch die Aufmerksamkeit des Kämpfers wird im nächsten Augenblick bereits von Geräuschen gefesselt, die aus dem oberen Geschoss zu hören sind - dort wo Lîf eine Gestalt erblickt haben will.

Jemand versucht offenbar, die Tür zu verbarrikadieren, was darauf hindeutet, dass derjenige Angst hat. Die seelen- und ausdruckslosen "Mönche", die sie angegriffen haben, schienen zu so einer Emotion kaum fähig zu sein. Jarus dagegen ist geflohen; er könnte es also sein. Gleichzeitig keimt ein Hoffnungsschimmer auf, denn verstecken würde sich natürlich auch jemand, der vor dem ganzen Unheil geflohen ist.
Während all diese Gedanken dem Ya'Keheter durch den Kopf schießen und die anderen in den Raum eintreten, handeln seine Beine bereits instinktiv und rennen so schnell sie können in Richtung der Treppe und nach oben, wo sie trotz der Enge zwei Stufen auf einmal nehmen.
Abdo macht sich keine Gedanken darüber, dass sein Aussehen ihn für Unschuldige, die sich womöglich dort versteckt halten, wahrscheinlich sofort zum Dämon machen werden - sein einziges Ziel ist es, die Tür zu öffnen, bevor sie verbarrikadiert ist. Wenn sich Flüchtlinge dort verstecken, wird sich die Situation schon aufklären - ist es jedoch Jarus, so wird er lernen, was es bedeutet, sich mit einem Mpiganaji Takatifu[1] des Ordens von Ekdal anzulegen.
 1. Heiliger Kämpfer
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 04.06.2017, 14:48:50
Lîf bemüht sich, wie ein Krieger zu denken—oder wie ihr Gatte auf einer seiner Fahrten. Man dringt in feindliches Gebiet ein, worauf muss man achten? Dass man nicht in einen Hinterhalt gerät! Lîfs Blick zuckt also in alle Richtungen auf der Suche nach versteckten Gegnern oder nach Fallen[1], die mögliche Verteidiger des Turmes aufgestellt haben mochten, um die falschen Mönche abzuwehren—und die nun genau die Falschen treffen könnten. Sie denkt da zum Beispiel an Öllampen, die jemand per Stolperdraht zum Sturz vorbestimmt hat, um so einen ölgetränkten Boden in Flammen aufgehen zu lassen. Genauso huscht ihr Blick aber auch zur Decke, ob von dort gleich etwas auf die Eindringlinge herunterfällt. Sie erstarrt vor Schreck, als sie auf einer (offenbar zur Deckung) hochkant gestellten Pritsche ein seltsames Gebilde mit vielen auf sie selbst gerichteten Spitzen entdeckt, die vielleicht jeden Augenblick auf sie losgeschleudert werden. Doch nichts passiert. Ohne sich von der Stelle zu rühren, reckt sie ein wenig den Hals, bis sie sich sicher ist, dass dort keine Person hinter der Apparatur lauert. Ganz beruhigt ist sie noch nicht, weil sie statt dessen einen seltsam geformten Metallbottich dort entdeckt, an dem irgendwelche Stangen befestigt sind und der wer weiß was für eine Funktion haben könnte. Sie tut ein paar Schritte und noch immer passiert nichts.[2]

Derweil geht Freydis zum Wohnbereich hinüber, zunächst vielleicht, um den (getrockneten) Blutlachen zu entkommen, die bei der Tür und zwischen den zerschlagenen Betten großflächig den Boden zieren. Der Wohnbereich ist weitgehend frei davon, auch wenn sich im Durchgang zur Treppe ein blutiger Handabdruck findet. Zunächst untersucht Freydis das Regal, welches gegenüber des Kamins an der Wand steht, lässt aber schnell wieder davon ab. Hier finden sich, wie zu erwarten, religiöse Texte zur Erbauung der Pilger. Der über den Boden verstreute Inhalt des zerschlagenen Regals ist da schon wesentlich interessanter: Werkzeug, das offenbar dort aus dem umgeschlagenen, noch halbvollen Ledergurt gefallen ist (Hammer, Zange, Meißel, aber auch etliche, von denen Freydis nicht sagen könnte, wozu sie dienen); eine dicke Ledermappe, wie sie zur Aufbewahrung von Schriftstücken dienen könnte; dazu aber, obwohl die Mappe fest verschlossen scheint, bestimmt zwei Dutzend verstreute Blätter. Freydis hebt eines auf: es ist eng beschrieben mit komplizierten Runen, die sie noch nie gesehen hat, dazwischen Zeichnungen von komischen Apparaturen.[3]

Aeryn dagegen marschiert zielstrebig zur Feuerstelle, oder vielmehr: in die Feuerstelle hinein, welche hoch genug ist, dass die Elbin dazu nur leicht den Kopf einziehen muss. Der Kamin, den sie hinaufspäht, ist nicht sehr hoch: schon etwa neun oder zehn Schritt über sich sieht sie ein Rechteck blauen Himmels.[4] Dieser Teil des Gebäudes hat, wie man von außen sehen konnte, nur einen Stock über dem Erdgeschoss. Ob dort wohl auch eine Feuerstelle angeschlossen ist? Dann könnte sie sicherlich hier hochklettern, denn der Schacht ist nicht ganz so tief, wie ihre Beine lang sind.[5] Und dann bräuchte sie allerdings noch eine Ablenkung, damit die Leute dort oben nicht auf ihre (hoffentlich existierende) Feuerstelle achten...

Als sie den Kopf wieder herausstreckt und den Mund öffnet, um ihren Vorschlag zu unterbreiten, sieht sie Abdo wild entschlossen auf der Wendeltreppe verschwinden—Talahan nur einen Schritt hinterdrein.[6]
 1. wie Lîf hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8875.msg1029731#msg1029731) im Drachen ergänzt
 2. Bitte einen knowledge (local) Wurf, um eine Ahnung zu bekommen, was das für seltsame Gegenstände sind.
 3. Bitte einen Int-Wurf (= Wissenswurf, untrained)
 4. Zur Erinnerung: 2 Schritt = 1,5m
 5. Klettern DC 12, bzw. 10 wenn ihr jemand für das erste Stück Räuberleiter gibt.
 6. Die anderen haben das Äquivalent von zwei Runden Zeit, um noch etwas zu tun, bis Abdo und Talahan die Wendeltreppe erklommen haben.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 05.06.2017, 13:13:46
Misstrauisch beäugt die rothaarige drudkvinde die eigenartigen Dinge, die sie da entdeckt hat. Ohne ihren Blick abzuwenden, drängt sie sich enger an Tristan und flüstert: "Tristan, hvad er det..?"[1] Ihrem Tonfall ist anzuhören, dass sie sich bei dem eigenartigen Anblick sehr unwohl fühlt. Auch wenn sie, als Bauerntochter geboren und nunmehr Weib eines Seefahrers, sich nicht entsinnen kann, mit solchen Dingen schon jemals in Berührung gekommen zu sein[2], so erscheinen ihr die Gerätschaften doch unterschwellig bedrohlich. Sie fasst nach einer der Fibeln, die ihr Kleid halten, und berührt sie, indem sie mit der Fingerspitze erst einen Kreis im Uhrzeigersinn, dann einen gegenläufigen darauf zeichnet – ein altes Schutzzeichen, mit dem sie sich der Großen Mutter anbefiehlt. Als ihr Mann sich die Dinge näher anschauen will, hält sie ihn für einen Moment zurück, berührt mit demselben Finger ihre Lippen und macht dann das Zeichen über seinem Herzen. "Være forsigtig!"[3] bitte sie ihn leise.

Dann schaut sie sich um, wobei ihre Hand nervös am Griff des Sax spielt, das ungewohnt schwer an ihrer Schürze zieht. Freydis' Fund lässt sie verächtlich die Lippen kräuseln – Mönche..! Alles vertrauen sie totem Pergament an, statt es von Mund zu Mund weiterzugeben und das Wissen leben zu lassen! Was Aeryn treibt, interessiert die junge Frau dagegen schon eher. Sie kneift die Augen zusammen, späht zu der kleinen, irgendwie knabenhaft wirkenden Gestalt hinüber und öffnet ihren Mund schon, um zu fragen, ob sich dort womöglich ein gangbarer Weg nach oben findet, als ihr einfällt, dass die meisten von ihnen entweder zu massig sind, um durch einen engen Kamin zu passen – die Mannsleute – oder zu unbeweglich, so wie sie selbst mit dem Kind unter dem Herzen. Also höchstens eine Möglichkeit, die Elbin allein zum Spähen vorzuschicken. Doch nach den letzten Erlebnissen widerstrebt ihr der Gedanke, jemanden von den Reisegefährten aus dem Schutz der Gruppe zu lassen, ganz besonders eines von den Weibern.

Während sie zwischen den kleinen Frau und Tristan hin und her blickt, presst sie nachdenklich die Lippen zusammen und legt gedankenverloren eine Hand auf ihren unter der Kleidung noch kaum sichtbar gewölbten Bauch. Vielleicht sollten sie... Doch sie kann ihren Gedanken nicht zu Ende führen, denn zwei der Mannsbilder stürmen bereits die Treppe hinauf. Leise seufzt die Heilerin. Männer sind manches Mal einfach zu ungestüm... Doch sie zupft Tristan eilig am Ärmel und weist auf die beiden, die man wohl kaum ohne Unterstützung ins Ungewisse laufen lassen kann – so sehr auch beide den Rotschopf mit ihren Kampfkünsten beeindruckt haben mögen.
 1. Värangsk: "Tristan, was ist das..?"
 2. Wurf auf Wissen (Lokales): 11, siehe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1029851#msg1029851).
 3. Värangsk: "Sei vorsichtig!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 06.06.2017, 11:01:51
"Der Kamin ist ziemlich breit, ich könnte dort sicherlich hinaufklettern, um mal einen Blick zu riskieren," meint Aeryn auf Lîfs fragenden Blick hin, als sie von ihrer kurzen Erkundungstour zurückkehrt und gerade noch sieht, dass ein Teil bereits die Wendeltreppe hinaufstürmt. "Aber wahrscheinlich ist es besser, wenn wir momentan zusammenbleiben."

Von daher verwirft die Elbin ihre Gedanken an den Kamin auch schnell wieder und huscht in Richtung der Wendeltreppe. Sie konnte schon verstehen, dass Eile geboten war, auch wenn der andere Weg ihnen mit etwas Glück einige hilfreiche Informationen einbringen hätte können. Den Bogen bereithaltend schließt sie zu den beiden Männern auf und folgt ihnen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 07.06.2017, 22:28:27
Freydis ist von ihrem Fund fasziniert. Zwar kann sie die Runen nicht entziffern, jenseits von Värangsk und Suli haben Sprachen sie nie so sehr interressiert, aber sie erkennt die Schrift zumindest wieder.
Lange bevor Menschen Albion besiedelten lebte ein Volk von kleinwüchsigen Personen auf der Insel. Noch immer kann man dort einige steinerne Ruinen und Gräber mit Inschriften finden.
Und die Schrift dieser Inschriften ist eindeutig von der Schrift in der dieses Dokument geschrieben ist abgeleitet. Auf Albion glauben sie, dass die alten Albioner das Schreiben von einer anderen Rasse lernten und bislang war Freydis davon ausgegangen, dass Schüler wie Lehrer schon lange ausgestorben sind. Aber dieser Text ist auf Papier geschrieben, einer recht neuen elbischen Erfindung, nicht auf Pergament. Es scheint somit zu beweisen, dass wer auch immer die alten Albioner schreiben lehrte noch immer in Dalaran gefunden werden kann.[1]
Aber sie wird Zeit brauchen um dieses Blatt und was immer sich sonst in der Mappe verbergen mag zu entziffern, falls das überhaupt möglich ist. Den Ein-Gott-Gläubigen mit ihrer Attitüde zu "unnötigem" Wissen darf dieser Schatz jedenfalls nicht in die Hände fallen!
Erst als Aeryn spricht bemerkt sie, dass ihre Gefährten gerade die Treppe hinauf verschwinden. Sie zögert kurz, dann sammelt die Berührte rasch die anderen losen Blätter und die Mappe ein und verstaut beides in ihrem Rucksack. "Erst mal nur zur Verwahrung. Wenn der wahre Eigentümer noch lebt kann ich sie ihm wiedergeben und die Gelegenheit für eine lange Unterhaltung über das Wissen in diesen Dokumenten nutzen." beruhigt sie ihr Gewissen.
Dann hebt die Albionerin ihren leuchtenden Streitkolben, den sie achtlos abgelegt hatte um beide Hände frei zu haben, auf und folgt den anderen die Treppe hinauf.
 1. Ergebnis zum Wissenswurf, s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1029910#msg1029910). (Edit Gaja)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 08.06.2017, 23:22:27
Als Lîf ihn auf ihre Entdeckungen aufmerksam macht, schiebt Tristan sie erst einmal in Richtung Nebenraum und aus der Schusslinie, denn dass es sich hierbei um irgendeine Form der Schießvorrichtung handelt, ist ihm sofort klar. Es selbst duckt sich dann in den Schlafraum hinein und nähert sich der aufgestellten Pritsche in einem Bogen. Dahinter angekommen, erkennt er dann allerdings, dass es weniger eine "Vorrichtung" ist, auch wenn sie dort wie zur Verteidigung liegt, als vielmehr ein Behälter, gefüllt mit pfeilähnlichen Geschossen. Neugierig zieht er eins davon heraus und hält es seinem über die Zwischenwand spähenden Weib zur Begutachtung hin. Was für ein seltsamer Pfeil! Viel zu kurz, als dass selbst ein kleiner Junge, der gerade seinen ersten Bogen bekommen hat, ihn damit verschießen könnte. Gerade einmal ein knapper Fuß lang ist der Schaft, mit einer aufgesetzten Metallspitze am vorderen Ende—einfach, aber sehr spitz—und am hinteren statt einer Befiederung rundum nur zwei gegenüberliegende Metallscheiben.

"Oh, ich glaub', ich weiß, wozu das gehört. Sven Blutaxt hat sowas mal erbeutet. Um das zu verschießen, brauchst du einen komischen Bogen mit ganz kurzen Armen, den du zum Laden auf den Boden stellen musst, um dann mit beiden Füßen und Händen und aller Kraft, die du hast, die Sehne zurück zu ziehen und einzuhaken, bevor du so einen kurzen Pfeil hier einlegst und das ganze zum Schießen dann quer hältst statt aufrecht. Eher unpraktisch im Ansturm, aber ganz nützlich aus einer Befestigung heraus. Der, dem Sven das Teil wegnahm, war ein komischer kleiner Kerl—Arme wie'n Holzfäller, aber die Beine reichten kaum von der eigenen Hüfte bis zum Boden. Ein richtiger Bogen war dem Kerlchen wohl zu lang."

Bevor Tristan sich nach dem passenden Bogen umschauen kann, macht Lîf ihn auf Abdos und Talahans Vorpreschen aufmerksam. Sofort will Tristan mit einem Satz über die Trennmauer hechten und den beiden hinterher, da bleibt im letzten Moment sein Blick an Lîf hängen und er unterdrückt den Impuls. Aeryn und Freydis sind den beiden Eifrigen bereits gefolgt, da kann Tristan sein Weib nicht allein zurücklassen, wo jederzeit ein Angriff vom Hof her erfolgen könnte. Wenn es sich bei den Möbelrückern um Überlebende handelt, wird Abdo sie schon von den eigenen guten Absichten überzeugen. Sind es aber noch mehr von den falschen Mönchen, die sich dort oben verbarrikadieren, dann wäre ein fünfter Mann auf der engen Wendeltreppe mehr im Weg als eine Hilfe. Die Waffe zu diesen Pfeilen könnte ihnen dagegen einen einen echten Vorteil bringen, falls ihre Stellung hier angegriffen würde, doch leider fördert ein eiliges Durchwühlen der zerstörten Schlafstätten und verstreuten Habe keine solche zutage.

Dafür hebt Tristan den Metallbottich mit den merkwürdigen Stangen auf und stülpt ihn sich ohne zu zögern auf den Kopf. Das Ergebnis hat etwas von einem kleinen Jungen, der sich einen Kochtopf überstülpt und seiner Mutter stolz verkündet, er sei nun der Jarl.[1] Nicht nur ist das Teil ihm viel zu groß, es ist auch viel zu... eckig. Wenn das tatsächlich ein Helm ist, drängt sich die Frage auf: was für einen Quadratschädel muss man haben, damit der einem passt? Und wozu sind die Stangen da? Die größere erhebt sich darüber wie ein aufgestellter Hahnenkamm, die kleinere drückt Tristan die Nase platt. Doch bevor Líf fragen kann, erkennt Tristan den Nutzen und demonstriert sogleich, indem er sich vorneüber beugt (eine Hand am Helm, damit der nicht herunterfällt) und mit dem Kopf zuerst gegen die aufgestellte Pritsche rennt.

Sie hat keine Chance gegen seinen Sturmangriff.[2]
 1. Rûngarder tragen selten Helme. Metallhelme sind noch seltener. Auf Hóp hatte nur der Jarl Gisle einen. Auf dem Festland sind Lederhelme häufiger zu sehen, aber auch hier findet man Metallhelme nur auf den höchsten Häuptern. Deswegen hat Lîf noch nie einen gesehen.
 2. Uh, ist ein wenig lang geworden, für die Zeit, die ihr eigentlich habt, bis Abdo oben anlangt. Das ist die gewürfelte 20 (knowledge (local) = 26 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1029872#msg1029872)) schuld.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 08.06.2017, 23:37:20
Inzwischen erklimmt Abdo die enge Wendeltreppe, dicht gefolgt von Talahan und mindestens einer weiteren Person. Die Stufen sind steil und zu schmal für den ganzen Fuß, sodass man sich sehr darauf konzentrieren muss, nicht zu stolpern; außerdem gerade breit genug für eine Person. Nach den überproportionierten Dimensionen des Ergeschossraumes mit der hohen Decke und der riesigen Feuerstelle ist die Treppe ein unübersehbarer Stilbruch. Tatsächlich fällt Abdo auf, dass das Mauerwerk ganz anders wirkt: jünger, kleinere Steine, andere Farbe, gröbere Fugen. Ein Anbau? Aber eigentlich interessiert ihn das im Augenblick wenig.

Zumal er sich der letzten Windung vor Erreichen des ersten Stockwerks nähert. Dort werden noch immer eifrig Möbel gerückt. Scharren, Schnaufen, Knirschen, aber sonst hört man nichts. Licht fällt durch ein winziges Fenster eine halbe Windung unter ihnen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 09.06.2017, 17:50:46
Aus sicherer Entfernung beobachtet die drudkvinde, wie ihr Mann die seltsamen Artefakte untersucht. "Eine Waffe?" fragt sie ihn und runzelt die Stirn. Nun, er muss sich ja damit auskennen. "Ein Bogen für kleine Männer?" Da die anderen sich bereits in Bewegung zu setzen beginnen, setzt sie rasch hinzu: "Kannst du damit umgehen? Dann ist dieses Ding vielleicht nützlich." Damit sieht auch sie sich suchend um. Sie ist zwar nicht kriegserfahren, aber soviel weiß sie als Weib eines Kämpfers immerhin: Ein Bogen ist innerhalb geschlossener Räume nicht sinnvoll. Aber wenn diese seltsame Waffe, von der Tristan ihr erzählt, für einen Kleinwüchsigen gedacht ist und die Pfeile, die sie verschießt, so kurz sind wie diese hier... Sie sieht wieder auf, und ihr Blick trifft den Tristans. "Hab keine Angst um mich und versuch den anderen zu helfen" sagt sie mit fester Stimme und legt eine Hand auf ihren Bauch. "Ich bleibe hinter euch und bin gut genug geschützt. Irgendjemand muss euch ja nachher wieder zusammenflicken." Dass von hinten womöglich auch ein Angriff drohen könnte, ist ihr als Heilerin nicht recht klar.

Die junge Frau wähnt sich von den Kämpfern der Gruppe behütet und will Tristan kein Klotz am Bein sein. "Pass nur auf dich selbst auf!" Diese Mahnung kann sie sich aber nicht verkneifen. Das Kind unter ihrem Herzen ist seines so gut wie ihres, und sie kann trotz aller Streitigkeiten den Gedanken nicht ertragen, dass ihm etwas zustoßen könnte. "Ich kann mich ja auch hier nützlich machen und nach diesem Bogen suchen" bietet sie an und wirft einen Blick Richtung Treppe, wo die anderen gerade verschwinden. Dann macht Tristan seine Vorführung mit dem eigenartigen Helm. Der Rotschopf unterdrückt mit Mühe einen Aufschrei, als er sich gegen die Pritsche wirft, schneller als sie reagieren kann. "Mand, hvad-?!"[1] stößt sie noch hervor, da kracht er gegen die Pritsche. Sie rafft ihr Kleid und eilt zu ihm, um zu sehen, ob er schwer verletzt ist. Als sich scheinbar unversehrt aufrichtet, prallt sie überrascht zurück.
 1. Värangsk: "Mann, was-?!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 12.06.2017, 00:44:21
Abdo hat keine Augen für die ganzen Eindrücke, die sich ihm bieten, und auch das Fenster ignoriert er komplett. Sein Unterbewusstsein registriert, dass die anderen unten irgendwelche Gespräche führen, aber seine ganze Aufmerksamkeit ist auf ein Ziel gerichtet: Die Tür oben zu öffnen, bevor sie verbarrikadiert ist! Während er die letzten Stufen der Treppe hinauf sprintet, verfestigt sich der Eindruck, dass die mit-was-auch-immer infizierten Mönche sich nicht so verhalten haben, als würden sie sonderlich Angst vor irgendetwas haben.
Vielleicht ist es auch nur die Hoffnung, aber Abdo ist sich sicher, dass dies hier oben nur Flüchtlinge vor dem Grauen, das sich ausgebreitet hat, sein können.
"Wir wollen euch helfen!" ruft er deshalb in Richtung der Tür. "Wir wollen euch vor den Schleim-Mönchen beschützen, macht uns auf!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 12.06.2017, 06:55:10
Rogar verliert sich kurz in Gedanken, während er mit einer Hand den Anhänger um seinen Hals berührt. Das Zeichen der Gunst seiner Dame fühlt sich selbst durch den Handschuh rau an, so sehr ist der Schmuckstein mit Runen überzogen. Seit nun eineinhalb Wochen kommt er immer weiter von seinem ursprünglichen Auftrag ab und wird immer tiefer in komplizierte Ereignisse verwickelt. Aber er würde alles durchstehen, wie es sich für einen Dain gehört, und nicht vor Erfolg der Mission den Rückweg antreten. Mit leeren Händen darf er nicht zurückkehren, das würde seine Gilde, seine Familie und schlussendlich auch seine Dame entehren. Er hatte seine Glück kaum fassen können, überhaupt angenommen zu werden. Als alles wieder zur Ruhe und die Zukunft gesichert gewesen war, nahm er die nächste Mission für sein Volk an, die ihn möglicherweise viel weiter wegführen würde als die anderen.

Nun sitzt er hier und kämpft an der Seite von Menschen, diesem Jungvolk, auf dem so viele Hoffnungen ruhen. Bisher hatten sie sich nicht gerade bewährt. Zugegeben, er hatte ihnen auch wenig helfen können, aber sie schienen Wunschdenken ordentlicher Recherche vorzuziehen. "Wahrscheinlich, weil sie so jung sind und nicht alt werden können.", grummelt Rogar. Die unerklärlichen Phänomene, das seltsame Verhalten der anderen, die geringen Vorräte und der schlechte Umgang miteinander treiben sie nicht nur in eine schwierige, sondern in ihren Augen verzweifelte Lage. Er tut, was möglich ist, zu helfen, im Zweifel würde er es hundertmal eher schaffen, durchzukommen, als sie. Kampf, Tod und Wahnsinn sind im vertraut, und seine anerzogene Disziplin wappnete ihn wesentlich besser.

Die Neuankömmlinge, die er beobachtet hatte, haben sich eine Weile nach undurchsichtigem Muster verhalten. Sie schienen nichts von den Vorgängen zu wissen und nach dem Kampflärm und ihrem anschließenden Auftritt kompetenter, als es vermutet hätte. Oderhat er die Fähigkeiten der Mönche überschätzt? Wahrscheinlich hatte sich nur eine kleine Gruppe ihrer angenommen, sie ebenfalls unterschätzt, überlegt Rogar. Und nun dringen sie unten in ihren Turm ein. "Was haben die ein Glück, das der Schütze gestern aus dem Weg geräumt wurde, das hätte sonst ein Blutbad gegeben.", spekuliert er, "Um die Frauen hätte es mir allerdings Leid getan." Deren großer Anteil an der Gruppe überraschte ihn. Das er gestern auch einen Mann verloren hatte, berührt ihn weniger. "Er hatte seine Wahl getroffen."

Schließlich rafft er sich auf. Es war Zeit, zu handeln, oder sich zumindest die Option offen zu halten. "Kampflos lasse ich mich nicht niederringen. Die werden sehen, wie ein echter Zwerg zu kämpfen weiß.", denkt er grimmig und wendet sich von der Beobachterposition ab. "Fräulein Astrid, wenn ihr bitte so gütig wäret, die Wache hier oben wieder zu übernehmen und uns alle Entwicklungen auf dem Hof mitzuteilen?", fragt er auf dem Weg nach unten. "Es gibt eine Gruppe Neuankömmlinge, die gerade in unseren Turm eingedrungen sind, ich möchte sie gebührend empfangen. Wenn sich der Staub gelegt hat, seht, ob euch nun ein Weg freisteht." Auch wenn es eine Menschenfrau ist, weiß er sie doch lieber an der sichersten Stelle. "Bei der kurzen Lebensspanne lernen die nicht richtig kämpfen!", denkt er bedauernd über seine Mitmenschen, "Gleiche Anzahl Zwerge, und die wären keine Herausforderung."

Unten angekommen stößt er zwei weitere Menschen an: "Herr Ingolf und Herr Orren, wenn sie bitte so freundlich wären, mir an der Barrikade zur Hand zu gehen." In Wirklichkeit duldet er keinen Widerspruch und schleppt beide bemitleidenswerten Gestalten dorthin. Angekommen spricht er den Wachehaltenden leise an: "Herr Halfdan, Fräulein Astrid hat meinen Posten übernommen. Unten sind die Neuankömmlinge eingedrungen, von denen ich vorhin Mitteilung machte. Wir werden die Barrikade daran anpassen müssen. Ich bin nicht willens, die ganze Angelegenheit dem Zufall zu überlassen und eine Chance wie diese kommt so schnell nicht wieder. Wenn ich bitte meine Waffe haben könnte?" Er bekommt sie, und während er leise Anweisungen zur Anpassung der Barrikade erteilt, spannt er sie zu Ende und legt den nächsten Bolzen ein: "Der Erste in Reichweite wird eine tödliche Überraschung erleben. Mal sehen, wer es ist."

Als alles bereit ist schickt er Ingolf und Orren, Astrids Vater zu holen. Nachdem sie weg sind, flüstert Rogar zu Halfdan: "Wenn wir sie hören, warten wir drei Atemzüge, dann überraschen wir sie. Ich übernehme wieder den Sturm, ihr konzentriert euch darauf, die anderen zu koordinieren. Nutzt im Zweifel die Gelegenheit, raus zu kommen, das sie euch nicht kriegen." Rogar greift mit der freien Hand nach seinem Fläschchen, wobei er seinen Anhänger berührt. Er konnte seine Chancen gut einschätzen: "Ihr Vorväter, schenkt mir die Kraft, meine Aufgabe zu bewältigen und heißt mich Willkommen, sollte es zum Schlimmsten kommen."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 12.06.2017, 19:37:53
Hjalmarr hat seine Aufmerksamkeit nur schwer von ihrem Rückweg abwenden können, doch bei dem Fund der seltsamen Waffe hört er Tristans Beschreibung aufmerksam zu. Eine Art Bogen mit Spannwerkzeug klingt für ihn jedoch wenig flexibel und dennoch interessiert ihn die Bauart. Da es jedoch wichtigeres zu erledigen gibt, belässt er es vorerst dabei und folgt Abdo die Stufen hinauf. Gerade noch erkennt er Tristans Demonstration des merkwürdigen Metallhelms, doch mehr als eine erhobene Augenbraue bringt er im Moment nicht zu Stande.

Der junge Lesdager hat in diesem Kloster mit vielem gerechnet, doch mit merkwürdigen Parasiten, die die Mönche des Einen in Schleimmonster verwandeln und abstrusen Gegenständen, die scheinbar auch für diese Lande nicht alltäglich erscheinen, bestimmt nicht.

Oben angelangt blickt er über die breiten Schultern des dunkelhäutigen Mannes, die Finger der Rechten an der Sehne, bereit ihn sofort zu spannen, sollte es nötig sein. "Die Mönche konnten sich verständigen und nur ihr Verhalten hat uns stutzig gemacht. Wenn dort drin Überlebende sind, dann werden sie das wissen und uns so nicht einfach einlassen." unterbricht Hjalmarr die Stille mit gedämpfter Stimme. Dann räuspert er sich und ruft etwas lauter. "Wir kommen aus Kromdag auf Geheiß Fürst Ayrins um die Umstände Ansdags und dieses Klosters zu ergründen! Öffnet die Türen, euch droht keinerlei Gefahr durch uns."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 13.06.2017, 00:21:15
Abdo hat nicht vorgehabt abzuwarten, bis die Tür ihm geöffnet wird, sondern wollte mit seinen Worten nur verhindern, dass diejenigen hinter der Tür ein wenig ihrer Angst verlieren und es möglichst nicht zu einem vermeidbaren Kampf zwischen Leuten kommt, die auf der gleichen Seite stehen. Dass Hjálmarr ihm zur Seite springt, nimmt er dankend an, denn noch immer fällt es ihm nicht leicht, sich für die Einheimischen verständlich auszudrücken.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 13.06.2017, 10:29:46
Da die Gefährten auf der Treppe deutlich hörbar nach oben drängen und man ihre Stimmen gedämpft auch noch hier hört, drängt Lîf ihren Mann: "Wir dürfen sie nicht allein lassen!" Leiser fügt sie hinzu: "Die Große Mutter möge sie vor allzu viel Unvorsicht bewahren..." Dann greift sie in die Schürzentasche und zieht das Sax hervor, das ihr Tristan geliehen hat. Die Waffe liegt nach wie vor ungewohnt schwer in ihrer Hand, gibt ihr aber ein Gefühl von Sicherheit. Entschlossen geht sie bis zum Absatz der Treppe und versucht die Windung hinauf zu spähen, indem sie ihren Hals verrenkt. Ungeduld und Sorge sind dem Rotschopf anzusehen, als sie sich umdreht und Tristan mit einer einladenden Geste die Hand bietet, um die Stufen gemeinsam zu erklimmen. Sie hat zwar das dumpfe Gefühl, dass es weiter oben eng werden wird, falls ihre Gefährten auf ein Hindernis stoßen, doch dieser Ort macht sie trotz allem nervös. Und einen Nutzen sieht sie nun nicht mehr darin, hier zurückzubleiben und abzuwarten. Die bizarre Waffe, von der ihr Mann sprach, war nirgends zu entdecken, und der nicht weniger seltsame Helm mutet ihr auch nicht sonderlich nützlich an.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 13.06.2017, 20:01:31
Runde 1   -  Kampf 2: Keine Pilger im Pilgerturm

"Nein, warte!" ruft Tristan seinem Weib nach, das ihn erst vorausschicken will und dann, impulsiver Hitzkopf der sie ist, doch lieber selbst den anderen hinterherjagt. "Es muss doch auch jemand nach hinten sichern!"

Ob Lîf das noch gehört hat? Schon ist sie auf der Treppe verschwunden. Tristan zögert, doch dann beschließt er bei seinem Plan zu bleiben. Mit fünf Leuten vor ihr dürfte Lîf auf der Treppe nicht in akuter Gefahr sein, egal ob Freund oder Feind dort oben Möbel rückt, und hier unten sollte wirklich einer an der Tür zum Hof Wache stehen. Also stellt er sich dort auf und späht durch einen Spalt in den Hof hinaus. Leider gibt es einen kleinen toten Winkel, den er nicht einsehen kann: den ganzen östlichen Zipfel vom Tor bis zum Infirmarium.[1]

Inzwischen hat Abdo die oberste Stufe erklommen und bemerkt mehrere Dinge gleichzeitig. Die Treppe endet auf diesem Absatz; links und voraus liegt nichts als Wand. Rechts dagegen befindet sich nicht die von ihm erwartete Tür, sondern nur—genau wie unten—ein Durchgang. Anders als unten ist dieser allerdings bereits zur Hälfte mit querliegenden Pritschen, einem Lehnstuhl und zwei Regalen verbarrikadiert. Gerade wird eine weitere Pritsche, diesmal hochkant, vor die Öffnung gestemmt.[2]

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12958)
Links davon steht ein auffallend kleiner, aber kräftig gebauter Mann mit ebenso auffallender Haarpracht: blond, wallend, mit Zöpfchen verschönt, der blonde Bart eine gepflegte Zierde. Am auffallendsten aber ist die Waffe, mit der er durch das noch offene Viertel des Durchgangs auf Abdo zielt: wie ein kleiner, querliegender Bogen. Hinter ihm ahnt man eine Bewegung, die Umrisse mehrerer hagerer Gestalten.[3] Von unten brüllt Hjálmarr den Verteidigern ähnliche Versicherungen entgegen wie Abdo selbst. Daraufhin lächelt der kleine Mann. Fast sieht es freundlich aus. Erleichtert. Einladend. Fast. Doch Abdo rutscht auf einmal das Herz in den Magen.[4] Er hört noch ein Klicken und Zischen, dann bohrt sich ein dicker, kurzer Pfeil in seine linke Schulter.[5]

Abdo blickt noch an sich hinab und wartet auf den Schmerz, da zieht Talahan ihn bereits hinter sich selbst zurück. Mit der anderen Hand reißt er Abdo außerdem den Pfeil heraus. Formelhafte Gebetsworte perlen von seinen Lippen, beruhigen, lindern, wärmen und jagen gleichzeitig Schauer durch den Verletzten.[6] Dann wendet der Gotteskrieger sich wieder dem Gegner zu, wobei er ein Amulett aus dem Kragen seines Obergewandes zieht und es ihm wie eine Waffe entgegenhält. Die folgenden Worte spuckt er förmlich.

"Kriech zurück zu deinem Gebieter Urian, du elendes Gezücht. Der Herr schützt mich und die meinen. Du kannst uns nichts anhaben!"

 1. Die Treppe zu erklimmen dauert 2 Runden. Wenn Lîf jetzt ohne Unterbrechung nach oben klettert, wäre sie zu Beginn der 3. Runde dort. (Sie hat ja doch zwei Runden hier unten agiert.) Tristan könnte euch theoretisch auch von hier unten mit seinem Bardenlied unterstützen—"inspire courage" hat keine Reichweitenbeschränkung, ihr müsst es nur hören. Ihr könnt auch runterrufen, wenn ihr Verstärkung braucht. Hjálmarr kommt in der 2. Runde an.
 2. aktuell nötiger Stärke-Wurf vs. 16, s. Kampffaden unten ("Besondere Bedingungen").
 3. Nur Abdo und Talahan sehen den Armbrustschützen und die drei Gestalten (nur als Bewegung, noch nichts genaues). Aeryn sieht nur den Armbrustschützen. Der Rest sieht nichts.
 4. Nur für die korrekte Beschreibung gewürfelt: Gegner blufft mit 12 vs. Abdos sense motive 15.
 5. Perception 11 vs. 15 hat nicht gereicht für eine kleine Vorwarnung (sprich Reflexwurf).
Angriff  (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1030217#msg1030217) trifft eine 23 (vs. AC 16 = flat-footed, aber +4 Deckung) => 8 Schaden.
 6. move action: Abdo und Talahan tauschen Plätze. standard action: lay on hands => heilt 4 TP. swift action: bastion of good => alle Verbündeten innerhalb 2 Kästchen Entfernung von Talahan nehmen von allen Angriffen Zs nur halben Schaden - für die Dauer des gesamten Kampfes. (Variante von smite evil des Archetypen sacred shield (https://www.d20pfsrd.com/classes/core-classes/paladin/archetypes/paizo-paladin-archetypes/sacred-shield/)).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 14.06.2017, 09:11:57
Für einen kurzen Moment keimt soetwas wie Hoffnung in Aeryns Gedanken auf, als ihre Begleiter den Leuten in dem Raum Worte zurufen. Die Barrikaden könnten darauf hindeuten, dass hier vielleicht wirklich jemand überlebt hatte. Doch der Bolzen in Abdos Schulter reißt die Elbin schnell wieder in die Realität zurück. Hier gab es keine Verbündete. Nur Feinde.

Routiniert legt sie selbst einen Pfeil auf die Sehne und zielt genau auf den Zwerg hinter der Deckung[1]. Dann fliegt selbiger zielsicher in seine Richtung[2].
 1. Bullseye Shot
 2. Angriff gegen RK 27 mit 8 Schaden
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 14.06.2017, 10:24:55
Die junge drudkvinde ist voll darauf konzentriert, die schmalen Stufen schnell zu nehmen, ohne sich auf den Saum zu treten. Die Rufe und der Lärm von oben klingen, als ob die Gefährten auf ernstliche Hindernisse gestoßen sind. Feinde, eine Falle... jedenfalls etwas Bedrohliches. Die Weisen Frauen, deren Schülerin sie war, haben ihr beigebracht, sich selbst in der Rolle einer Mutter für die Ihren zu sehen. Eine Mutter nährt und tröstet aber nicht nur: Sie schützt außerdem die, welche ihr anvertraut sind, nach Kräften. Und da sie nun schon eine Weile miteinander gereist sind, fühlt sich Lîf verantwortlich. Keuchend hastet sie die Treppe hinauf, in der einen Hand den gerafften Stoff ihres Kleids, in der anderen das Sax.

Da erreicht Tristans Ruf sie und lässt sie zögern. Er ist jetzt allein dort unten in dem Raum, und was sagte er gerade? Sichern..? Richtig, von draußen könnten ja ebenfalls weitere dieser widerlichen Pilzkreaturen auftauchen! Mit hämmerndem Herzen steht sie mitten auf der Treppe. Über ihr scheinen die Geräusche anzudeuten, dass die anderen in einen Kampf verwickelt werden. Unter ihr wartet Tristan mutterseelenallein. Der Mann, den sie liebt... Sie beißt sich auf die Lippen, zögert einen weiteren Herzschlag – dann eilt sie weiter voran, obwohl sie sich um ihren Geliebten große Sorgen macht.[1] Ein leises Gebet geht zu Gaja, ihren Mann zu schützen.
 1. Ich nehme gern die Auswirkungen von Lîfs Nachteil "Zuneigung" in kauf.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 15.06.2017, 00:51:24
Als Abdo oben ankommt, ist er kurz entmutigt, dass die Barrikade offenbar schon fortgeschrittener ist als erhofft. Nur einen Augenblick später jedoch übertönt eine Explosion von Schmerzen aus seiner Schulter alle Gedanken, und er hat kaum Zeit, den Mann wahrzunehmen, der das Geschoss auf ihn abgefeuert hat.

Doch sofort kümmert sich Talahan um die Wunde, und Abdo spürt heilende Magie seine Lebensgeister stärken. Ein kurzes Kreisen des Arms zeigt ihm, dass die Bewegung der Schulter nicht eingeschränkt ist, und so tut er das einzige, was ihm seiner Situation sinnvoll erscheint: Er schiebt mit all seiner Kraft gegen die Barrikade und nickt dem Paladin zu, es ihm gleichzutun. Und tatsächlich: Mit vereinten Kräften gelingt es den beiden Gotteskriegern, die Barriere Stück für Stück nach hinten zu verschieben.[1]
 1. Stärke: Erfolg gegen 16. Ich hatte ohnehin vor, Talahan um Unterstützung zu bitten - deshalb behalte ich das auch bei, obwohl ich die Probe alleine geschafft hätte.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 15.06.2017, 16:15:58
Astrid reibt sich den Schlaf aus den Augen und blinzelt ein paarmal, als wisse sie nicht so recht, wo sie ist, aber dann springt sie auf und nickt Rogar zu. Einen kleinen Schluck—den letzten!—aus ihrer Wasserflasche gönnt sie sich, denn unter dem Dach ist es heiß, selbst um diese Uhrzeit noch. Angst spricht aus ihrer Geste, mit der sie instinktiv Rogars Schulter ergreift, doch gleich reißt sie sich wieder zusammen. "Der Herr beschütze Euch", wünscht sie ihm, bevor ihr zweifelnder Blick auf die Brüder Ingolf und Orren fällt, welche sich, wie immer, beim ersten Anzeichen von Gefahr auf die Knie geworfen haben und nun mit dem Oberkörper vor- und zurückwippen, die Arme vor der Brust überkreuzt, und den Herrn gesenkten Hauptes um Hilfe anflehen.

Nur der ältere der beiden, Ingolf, lässt sich dazu bewegen, Rogar zur Hand zu gehen. Ein Zwerg mag sich in diesem Augenblick versucht fühlen, dem jüngeren einen Tritt in den Hintern zu versetzen. Bringt man Menschenmännern nicht bei, dass sie ihre Frauen zu beschützen haben? Offenbar haben die Menschen einfach zu viele davon, dass es ihnen auf eine mehr oder weniger nicht ankommt! Nicht nur hat Astrid, die sich ja schon um den kranken Vater kümmern muss, von Orren keinerlei Hilfe zu erwarten, der Kerl wäre ihr auf der Flucht vielmehr ein weiterer Klotz am Bein. Fast will man hoffen, sie wäre im Zweifelsfall so vernünftig und ließe den nutzlosen Kerl zurück mitsamt seiner nutzlosen Gebete.

Doch da ist Rogar schon vor der Barrikade im zweiten Stock angelangt und Halfdan vermeldet, während er Rogar bereits die Armbrust aushändigt: viel Lärm unter uns, aber keiner zu sehen. Schnell und effizient hilft der schweigsame Artejer Rogar bei den nötigen Umbauarbeiten und auch Ingolf verräumt halbwegs geschickt hinter ihnen die Sachen, damit sie nicht im Weg liegen. Daraufhin leert auch Rogar den Wasserschlauch an seinem Gürtel—ein erbärmlicher, schaler Rest, um nicht zu sagen: pisswarm—und tauscht noch mit Halfdan, der es ihm unaufgefordert gleichtat, einen grimmig entschlossenen Blick. Beide packen ihre Waffen fester.

Das ist unsere letzte Chance, geht es Rogar durch den Sinn. So gerne er es auch leugnen würde: Hunger und Durst schwächen bereits seine Kampfeskraft. Zu allem Überfluss liegt sein Helm im Erdgeschoss und den Schild muss er hier oben zurücklassen, da es auch ohne diesen schon ein wahres Kunststück werden würde, sich durch die Öffnung in der Barrikade zu quetschen.[1]
 1. Rogar, du bist fatigued (http://www.d20pfsrd.com/gamemastering/conditions/#TOC-Fatigued): -2 to Str und Dex => -1 auf Angriff, Schaden und Reflex- und Kampfmanöverwurf, bzw. -2 auf die KMV. Außerdem kein Sturmangriff möglich. Du brauchst aber nur eine kurze Rast, Wasser und ein kleines Mahl, um den Zustand zu beheben, keine 8 Stunden. Und du musst deinen Schild oben zurücklassen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 16.06.2017, 22:55:50
Trotz seiner Verletzung, ganz zu schweigen von seiner Überraschung (ist er doch so fest davon überzeugt gewesen, dass es hier Unschuldige zu retten gibt), erlaubt Abdo sich keinen Moment zum Verschnaufen. So schnell, wie er die Barrikade in den Raum hineinschiebt, kann Talahan ihm gar nicht zur Seite springen. Links poltert etwas zu Boden, rechts bricht etwas krachend entzwei, und die beiden Mönche, die eine weitere Pritsche heranschleppen, müssen sich mit einem Satz zur Seite retten, um nicht umgestoßen oder von gesplitterten Möbelteilen getroffen zu werden.[1] Endlich kann Abdo den ganzen Raum überblicken. Aufteilung und Einrichtung gleichen dem unteren nahezu vollkommen, nur fehlt zum einen links die Trennwand, zum anderen befindet sich direkt gegenüber (dort, wo unten die Tür in den Hof führt) eine weitere Treppe, die nach oben führt. Außer dem kleinen bärtigen Schützen und den beiden Mönchen sieht der Ya'Keheter sich nun drei weiteren Kreaturen gegenüber, die vor allem aus Krallen und gefletschten Zähnen zu bestehen scheinen.

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12954)
Zwei davon—ihnen hängen noch zerrissene braune Kutten, wie die Mönche sie hierzulande tragen, am ausgemergelten Leib, die Adern schwarz unter bleicher Haut—jagen fauchend auf Talahan und ihn zu; die dritte—eine nackte, ausgemergelte, ausgesprochen hässliche Frau mit den hängenden Brüsten einer Greisin, um den Hals eine Kette aus Knochen, statt Nase nur zwei längliche Schlitze im Gesicht, die langen, spitzen Ohren so schwer mit eisernen Ringen besetzt, dass sie herunterhängen—legt den Kopf in den Nacken und heult. Sie heult so markerschütternd laut, dass es wahrscheinlich bis nach Ansdag zu hören ist. Und plötzlich versteht Abdo, warum die Bewohner dort solche Angst haben. Neben ihm wird Talahan, mit Biss und Klauen, von den beiden Mönchskreaturen angefallen; geifertriefende Reißzähne schnappen ins Leere, aber Krallen ziehen tiefe Bahnen auf des Kriegers ungeschütztem (da schildlosem) Schildarm.[2]

Ein saftiges tock, gefolgt von einem Aufheulen, verrät Aeryn, dass sie trotz ihrer ungünstigen Position—die Wendeltreppe hinauf, an zwei Verbündeten vorbei und durch die Barrikade der Gegner hindurch—den feindlichen Schützen getroffen hat. Doch der Triumph währt kurz: schon mischt sich in das Schmerzgeheul ein zweites, ganz anderes Heulen ein, wie von einem Raubtier, nur hat Aeryn schon viele Raubtiere gehört und dies klingt wie keins davon. Was lauert dort auf sie? Ist es ein Dämon oder ein wandelnder Toter? Zerfressen von Hass klingt sein Schrei, nach Blut und Rache dürstend, seelenlos, gequält bis zur Unkenntlickeit, sein Hunger unstillbar.

So weit kommt Aeryn in ihren Gedanken, als ihr bewusst wird, dass sie Hals über Kopf die Treppe hinabflieht. Einen einzigen Grund gibt es, warum sie nicht mit Freydis, die gerade noch hinter ihr stand, oder eine halbe Windung später mit Hjálmarr zusammenstößt und in einem um sich schlagenden Knäuel aus Armen und Beinen die Stufen hinabpurzelt: beide haben im gleichen Moment wie sie und in ebenso heller Panik die Flucht ergriffen.[3] Lîf dagegen kann sich gerade noch rechtzeitig flach an die Wand drücken, als der Lesdager, dem sie glaubte zu folgen, ihr wieder entgegengeschossen kommt.
 1. Reflexwürfe geschafft.
 2. Talahan nimmt 5 Schaden (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1030329#msg1030329)
 3. Aeryn (6), Hjálmarr (7) und Freydis (9) schaffen ihre will saves gg. 13 nicht und fliehen 5 Runden lang panisch (http://www.d20pfsrd.com/gamemastering/conditions#TOC-Panicked). Hjálmarr kommt in Runde 2, die beiden Damen in Runde 3 wieder unten bei Tristan an.
Aeryn beginnt ihre tatsächliche Flucht natürlich erst in ihrem nächsten Zug, aber die Beschreibung schon mal hier, weil's so gut passt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 16.06.2017, 22:58:34
Runde 1 - Block 4

Kaum hat Tristan seinen Wachposten bezogen, da lässt ein animalisches Kreischen das gesamte Gemäuer erzittern. Was für ein Wesen kann so einen Schrei ausstoßen? Hungrig klingt es, wütend, und irgendwie... leer, als trüge es statt einer Seele nichts als Hass in sich. Ruft es nach Verstärkung? Tristans sorgevoller Blick pendelt zwischen Hof und Wendeltreppe hin und her. Dann passiert etwas seltsames: er antwortet auf den Schrei. Ein Instinkt. Ohne zu wissen, was ihn dazu treibt oder was er damit erreichen will, richtet er sich auf, öffnet den Mund und singt.

~~~

Das Echo des Kreischens ist noch nicht verhallt, da steigt aus der Tiefe ein Sang empor, der ebensowenig menschlich klingt wie ersteres, dem Hörer vielleicht gar einen ähnlichen Schauer über den Rücken jagt, doch statt mit Furcht füllt er das Herz mit Mut, statt Hass klingt Liebe aus des Sängers Mund, statt Tod, Verzweiflung, Häßlichkeit besingt er die Schönheit und das Leben, Gajas Schönheit, ihren warmen Puls, die Mitgeschöpfe an eines jeden Seite, die Verantwortung für seinen Nächsten, die Verbundenheit, Gemeinschaft, das vereinte Streben. Hoffnung richtet gebeugte Gestalten auf, lässt sie die Waffen mit neuer Zuversicht heben: zusammen schaffen wir's. Niemand ist allein. Also auf in die Schlacht, auf, auf mit Gebrüll![1]
 1. Standard action: inspire courage => alle bekommen +1 auf Angriff und Schaden.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 17.06.2017, 15:46:33
Auf Astrids Geste weiß Rogar nicht wirklich zu antworten, schweigt und weicht ihrem Blick aus. Da er nichts daran ändern kann, regt er sich nicht über die nutzlosen Handlungen der Pilger auf und konzentriert sich auf seine Aufgaben. Der menschliche 'Glaube', ihre eigenartigen 'Erinnerungen' an ihren Vorvater, erschließt sich nicht dem Dain nicht. "Da sind sie schon so jung, aber mangels Niederschriften scheint viel Wunschdenken Einzug gehalten zu haben. Im Großen und Ganzen klingen sie wie Kinder, die noch immer auf ihre Eltern und deren Perfektion hoffen." Während er den Ausfall vorbereiten lässt, nimmt er noch einen Schluck aus seinem normalen Trinkgefäß. Im Gegensatz zu den anderen hatte er schon ab dem ersten Tag all seine Trinkvorräte weitergegeben, da er ahnte, wie wenig die anderen durchhalten würden (und vor allem seine Art abgegebene Flüssigkeiten wiederzuverwenden). Es gibt dort unten schlimmstenfalls zwei Kämpfer, die es mit ihm aufnehmen können, er ist sich sicher, dass seine Überlebenschancen gut sind, aber mit seinen Schützlingen im Schlepptau ist es etwas anderes.

Mit Bedauern muss Rogar feststellen, dass das Schussfeld nicht frei ist. So legt er die geladene Armbrust ab für Astrid und greift seine kleinere Axt. Mit der anderen Hand zieht er einen Flachmann hervor und schüttet sich den Inhalt in den Rachen, nach einem Blickaustausch mit dem Menschenkrieger, der von stillem Einverständnis geprägt ist. Er beginnt zu husten, denn das Zeug ist ziemlikch übel.[1] Mit weitaufgerissenen Augen und einem extrem breiten Grinsen wird er still, schaut auf und zieht die zweite, größere Axt. Er wendet sich um und rennt die Treppe herunter.[2]

Von der Treppe ertönt ein tiefes Grollen, fast Brüllen: "uuaaAAHHH!" Scheppernd poltert etwas herunter - Ein kleingewachsener Humanoider, fast komplett in Metall gehüllt, wird sichtbar. Sein Kopf wird von zerzaustem, dunkelbraunem Haar umrahmt, die tellergroß aufgerissenen Augen und der Mund, in der Mitte zwischen Grinsen und Schreien, ist aufgerissen, Speichel wie Schaum blubbert hervor. Beide Streitäxte, die er schwingt, sehen groß und brutal aus. Mit einem "Hah!" fokussiert sich der irre Blick auf die Kolkra. Mit ungebremster Wucht schwingt der Mann die kleinere Axt und lässt sie in Richtung des Monsters sausen.[3] Mit krachendem Lärm schlägt sie in die Barrikade neben ihr ein und zertrümmert große Teile.

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12952)
Hinter ihm stolpert ein Mensch, leichtgerüstet, und mit gespanntem Bogen. Er lässt die Sehne los und leise zischt der Pfeil los - um im Rücken eines Mönches einzuschlagen.[4] Dann lässt er seine Waffe fallen und greift an kurze Schwerter am Gürtel. Er sieht erschöpft, aber konzentriert aus.
 1. free: go into berserker rage
 2. Move: down the stairs (I-10)
 3. standard: throw attack vs. Kolkra, trifft RK 9 für 13 Schaden
 4. Move: stairs down (I-11); standard: attack vs. monk, trifft RK 13 für 3 Schaden
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 18.06.2017, 12:03:04
Runde 2

Für einen kurzen Moment sieht es so aus, als stünden Talahan und Abdo zu zweit einer Übermacht von Feinden gegenüber, da poltern zwei Männer die gegenüberliegende Treppe hinunter und mischen sich ohne jeglichen Zuruf gleich ein. Der vordere—ebenso kleinwüchsig und bärtig wie der feindliche Schütze und auch ähnlich gerüstet—schießt mit demselben komischen Bogen auf die hässliche Kreischerin, verfehlt jedoch. Der großgewachsene Mann hinter ihm schießt einfach über den Kopf des Kleineren hinweg und trifft einen der Mönche gleich neben Abdo. Dieser wendet sich darauf prompt dem neuen Gegner zu, der sich unter dem wuchtigen Knüppelhieb jedoch leicht wegducken kann. Auch der feindliche Schütze macht einen Schritt zur Seite und legt auf den kleinen Neuankömmling an, mit wesentlich mehr Erfolg. Ein zweiter Mönch versucht sich knüppelschwingend an Abdo und scheitert kläglich.[1]

Abdo fällt wieder der Pilzgeruch auf und ihm kommt der merkwürdige Gedanke: Hat mein Gegenüber Angst? Riecht er deswegen plötzlich so viel stärker als gerade eben noch?

Talahan fasst das Schwert mit beiden Händen (für seinen Bidenhänder sind die Verhältnisse zu eng) und hackt wie ein Metzger auf die Kreatur vor ihm ein.[2] Jeder andere wäre unter diesem Hieb zu Boden gegangen—eine der Pilzkreaturen hätte er mit Sicherheit säuberlich zerlegt!—doch dieser ausgemergelte Mönch, von dem man nicht so recht sagen kann: "Lebt er überhaupt noch?", dieser Mönch steht noch da und faucht Talahan an wie eine verwundete Raubkatze aus Abdos Heimat.
 1. Zwerg : 5ft step, Armbrust nachladen (free action), Angriff auf Rogar, trifft mit 20 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1030423#msg1030423) für 4 Schaden;
Mönch4: 5-foot step; Angriff auf Abdo, daneben.
Mönch5: move (4) auf I9, Angriff auf Rogar, daneben.
 2. Talahan: SA: power attack auf R2, trifft eine 19 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1030432#msg1030432) für 13 Schaden (Tristan Bonus im Würfelfaden vergessen).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 18.06.2017, 12:48:31
Während sie noch die Stufen hinauf hastet, durchfährt Lîf das Heulen, das durch Mark und Bein geht. Doch der Rotschopf, von Natur aus starrköpfig und wild, beißt die Zähne zusammen und eilt weiter voran, weiß sie doch die Große Mutter auf ihrer Seite – und was kann eine Kreatur, so grauenvoll sie auch klingen mag, im Vergleich zur Schöpferin aller lebenden Dinge sein? Entschlossen umfasst sie das Sax und will ihren Kameraden zu Hilfe eilen, als auch schon Hjálmarr ihr entgegengestürzt kommt und die eher schwächlich gebaute Lîf sich mit Müh und Not noch zur Seite drücken kann, um nicht von ihm über den Haufen gerannt zu werden. Auch Aeryn und Freydis passieren die junge Frau mit allen Anzeichen von Panik, und sie schaut mit kleinen Schweißtröpfchen auf der Stirn nach oben.

Soll sie weiter vorrücken, sie, ein Weib, wenn selbst Hjálmarr geflohen ist, ein Mannsbild? Sie zögert für einen Herzschlag, doch dann erinnert sie sich an Talahan und Abdo. Der dunkelhäutige Fremde hat sie vor einem Schicksal bewahrt, an das sie kaum zu denken wagt. Nein, ihn im Stich zu lassen hieße, sich der Mutter aller unwürdig zu erweisen – keine Mutter verlässt ihre Kinder! Also kämpft sie sich weiter die Treppe hinauf, kaum dass der Weg wieder frei ist. Und als der unirdische Gesang aus Tristans Kehle an ihren Ohren dringt, gibt sie alle Zurückhaltung auf, öffnet den Mund zu einem lauten Schrei und stürmt voran, ein wildes Funkeln in den Augen, trotz ihrer sichtlichen Unbeholfenheit das Bild einer rächenden Furie.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 18.06.2017, 17:30:37
Vor wenigen Augenblicken war Abdo noch vollen Mutes, verbarrikadierte Flüchtlinge befreien zu können, schon steckt er mitten im Kampf gegen verschiedenste Kreaturen, von denen einige Rassen anzugehören scheinen, die er noch nie gesehen hat. Doch der Ya'Keheter wurde nicht umsonst sein gesamtes Leben über im Kampf gegen die Shetani ausgebildet: Sofort übernehmen seine Kampfinstinkte, und wie in Zeitlupe spielt sich das Geschehen vor ihm ab, während er die Situation in sich aufnimmt.

Hinter der Barrikade, die er mit einem Kraftakt in den Raum drückt, springen sogleich zwei menschliche (oder zumindest sehen sie menschlich aus - was nicht viel bedeutet, wie ihm beim Gedanken an die Schleimleichen im anderen Gebäude einfällt) Mönche dahinter hervor und versuchen, ihn anzugreifen. Gleichzeitig springen zwei Wesen Talahan an, die auf den ersten Blick wie Shetani auf ihn wirken - näheres kann er in der Kürze der Zeit jedoch nicht erkennen.[1] Im Hintergrund zieht sich gerade der kleingewachsene Mensch ein Stück zurück, der Abdo bereits mit zwei Armbrustbolzen getroffen hat - bevor der Ya'Keheter sich dem Mann widmen kann, muss er jedoch zunächst einmal an den Shetani-ähnlichen sowie den Mönchen vorbeikommen.
Als würde Aris ein bösartiges Spiel mit ihm spielen, stößt auch noch ein Wesen einen unmenschlichen Schrei aus, auf das die Beschreibung eines Kolkar[2] zu passen scheint - Abdo hat zwar noch keine dieser Kreaturen getroffen, jedoch schon einige Erzählungen gehört. Die Schallwellen brechen wirkungslos über ihn und Talahan hinweg, doch als hätte er es befürchtet, muss irgendeine Art von Magie dahinter stecken, denn er nimmt schwach war, dass die hinter ihm postierten plötzlich Reißaus nehmen; und Feiglinge waren Aeryn und Hjálmarr ganz gewiss nicht. Er notiert sich die Kreatur als weiteres wichtiges Ziel, doch auch dieses ist im Moment noch nicht zu erreichen.

Schließlich doch ein Hoffnungsschimmer, den Abdo mit einem stillen Dank an Aris und einer demütigen Entschuldigung für seinen Zweifel hinnimmt: Auf der gegenüberliegenden Seite erscheinen plötzlich zwei Männer, die die Feinde ebenfalls angreifen, so dass diese nun in der Zange sind! Offenbar lag er mit den Flüchtlingen doch nicht so falsch wie angenommen.

Durch die Neuankömmlinge sortiert sich das Schlachtfeld erheblich: Einer der Mönche wird durch sie abgelenkt, so dass Abdo sich nur noch einem von ihnen gegenüber sieht, dessen Kampffertigkeiten wohl nicht der Rede wert scheinen. Abdo entscheidet sich, zunächst den Mönch aus dem Weg zu räumen (oder zumindest es zu versuchen), um dann die mächtigeren Gegner im Hintergrund anzugehen. Talahan wird so lange sicherlich mit den beiden Kreaturen fertig werden - und im Notfall kann Abdo ihnen dann in den Rücken fallen.
Also konzentriert er sich auf seine erlernten Kampftechniken, spannt seinen Körper bis zum äußersten an, und lässt dann einen Faustschlag auf den Mann (Das Wesen? Das Ding?) los,[3], der den Gegner sofort fällt. Flugs bewegt er sich ein Stück nach vorne, um mehr Platz zum Manövrieren zu haben (und den hinter ihm hoffentlich folgenden Platz zu machen), wendet sich dann um und versetzt Talahans Gegner ebenfalls einen Schlag[4], dem dieser jedoch ausweichen kann, als hätte er am Hinterkopf Augen.
 1. Knowledge (Planes): 17
 2. Abdo kann die Feinheiten der Sprache, ob Singular, Plural, weibliche oder männliche Form, nicht unterscheiden.
 3. Auf M4: Att 13, Dmg 10
 4. R2: Att 16, Dmg 6
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 18.06.2017, 23:52:04
Das animalische entsetzliche Kreischen dringt Freydis in den ohnehin schon schmerzenden Kopf
wie ein glühendes Messer und ihr Verstand setzt schlicht aus.
Ohne zu wissen wie sie dorthin gekommen ist findet sie sich im unteren Raum bei Tristan wieder.
Der Schrei hat ihre sonst so diziplinierten Geist gebrochen und sie hat nicht mehr die Kraft die Schmerzen und
die Panik wieder zurückzudrängen. Mit einem Wimmern geht sie vor Tristan zu Boden. Beide Hände gegen die pochenden Schläfen gepresst und die das Gesicht zu einer Grimasse verzerrt wird sie nichts und niemanden mehr wahrnehmen bis der Anfall vorbei ist.[1]
 1. zwei drastisch gescheiterten Will Saves
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 21.06.2017, 07:45:51
Hjalmarr ist bis in das untere Stockwerk geflohen. Das was ihnen dort oben entgegen getreten ist, war nicht von dieser Welt. Dieses urtümliche Geschrei, dass durch Brust und Gebein ging, war nicht auszuhalten. Hals über Kopf hat der Lesdager die Flucht ergriffen und sitzt nun zusammen gekauert in der am weitesten von der Treppe entfernten Ecke, die Arme um die Beine und Knie geschlungen. Ab und zu wagt er einen Blick, doch jedes kleine Geräusch lässt ihn erstarren und wie ein kleiner Junge beginnt er leicht zu wippen, während er den Kopf auf die Beine drückt.[1]
 1. Siehe Freydis, schlimm der Würfelbot hier  ::)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 21.06.2017, 16:27:31
Runde 2 - Block 3 und 4

Gerade hat Abdo neue Hoffnung geschöpft, da wendet sich für ihn das Blatt. Erst stürzt die Kolkra sich auf ihn, wild nach ihm schnappend und schlagend, und erwischt ihn mit einer Kralle am Arm, da folgt auch schon eine weitere der Hungerkreaturen und verbeißt sich in seiner Kehle. Er spürt noch das warme Blut, das über seine Brust fließt, und sich selbst—Körper und Geist—fallen.[1]

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12970)
Sanfte Arme fangen ihn auf, betten ihn weich. Seidiges Haar streift seine Brust, während zarte Frauenhände ihm Schweiß und Sorgen von der Stirn streichen und duftende Frauenleiber sich warm und weich an ihn schmiegen. Noch balsamischer als all dies aber ist der Gesang, der ihn einhüllt, ihn trägt wie ein Boot auf leise plätscherndem Wasser. Reinere Klänge hat er sein Lebtag noch nicht gehört. Welch Liebreiz! Welch Sehnsucht! Kaum wagt er, die Augen zu öffnen. Wird alles wie ein Trugbild verschwinden? Doch dann erträgt er es nicht mehr, zu machtvoll wird die eigene Sehnsucht: den Liebreiz zu schauen. Drei Frauen sind es, die sich über ihn beugen, eine reizender als die andere. Die Jugend ist ihnen als einziges gemein, verschieden alles andere. Schlank ist die eine, üppig die zweite, die dritte scheint kaum mehr ein Mädchen. Von reinstem Weiß ist die Haut des Mädchens, himmelblau die unschuldigen Augen, ihr schwanenweißes Haar fließt federleicht bis hin zum Boden; sonnenverwöhnt bronzefarben ist die Haut der üppigen Frau, ihr lockiges Haar wild und füllig und flammendrot, Geheimnisse und süße Versprechen locken tief in smaragdgrünen Augen; die dritte könnte aus seiner Heimat stammen, so dunkel sind Haut und Augen, so schlank ist sie, so hungrig, so drahtig muskulös, einem Panther gleich, und schwarz glänzend wie sein Fell ist ihr Haar, durch kompliziertes Flechtwerk gebändigt, wie die Frauen in Ya'Kehet es gerne tragen, um die Männer davon träumen zu machen, es zu öffnen, zu entknoten, die Hände hindurch gleiten zu lassen und darauf den erwartungsvoll zitternden Körper hinab, dort weitere Knoten zu entzerren, bis alle Hüllen abgestreift sind und sie in nichts außer dem eigenen Haar gekleidet vor ihm steht... In was ist die dunkle Frau eigentlich gehüllt, das bewegt sich ja! Das ist nicht der spinnfädenzarte Stoff, für den er es zunächst hielt, sondern Nebel, der ihren Körper umwabert. Alle drei Frauen sind in Nebel gekleidet, und Tautropfen perlen auf ihren nackten, ihren bebenden, ihren bezaubernd schönen Leibern...[2]

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12669)
Lîf müht sich weiterhin mit den steilen Stufen ab, als unter ihr Tristan plötzlich ganz andere Töne anschlägt. Plötzlich klingt sein Lied so süß wie in ihrer Hochzeitsnacht. Einen Moment lang vergisst sie, wo sie ist und träumt sich zurück in jene Nacht, zurück in die Arme des Mannes, für den sie alles, alles tun würde. Wie kann sie nur immer mit ihm schimpfen, ihm widersprechen und das Leben schwer machen? Wo er doch der liebste, der schönste, der zärtlichste aller Männer ist und sie das glücklichste Weib auf Erden! Ihn anschauen, berühren, herzen und küssen zu dürfen, gar ihr eigen nennen—beneiden würde jede andere sie darum! Für ihn zu sorgen, ihm ein Heim zu bereiten, seine Kinder zu gebären—was könnte ein Weib sich mehr vom Leben wünschen? Wohin soll sie nur mit all der Dankbarkeit, all der Liebe für ihn, die ihr schier das Herz sprengt? Ach, wo ist er, dass sie sich ihm um den Hals werfen kann, ihn auf das weiche Lager ziehen, mit Armen und Beinen umschlingen...[3]

Dann kommt sie, Gaja sei Dank, wieder zu sich und hastet weiter die Treppe hinauf. Oben angekommen, sieht Lîf gerade noch, wie eine schreckliche Kreatur—ein verhungerter Mensch in zerrissener Mönchskutte—Talahan mit Krallen und Reißzähnen anfällt und sich dabei kurzzeitig in dessen Oberarm verbeißt, bevor der Gotteskrieger sich losreißen kann.[4]

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12972)
Aeryn stürzt noch immer die Stufen hinab, ein einziges Gefühl in ihrem Herzen: Angst! Angst vor der schrecklichen Kreatur, deren Schrei in ihren Ohren nachhallt, sie verfolgt, bis sie meint, den faulen Atem der Kreatur in ihrem Nacken zu spüren. Doch dann verstummt der Schrei, wird übertönt durch eine singende Männerstimme. Und mit einen Mal lässt nicht mehr die Angst ihr Herz wild schlagen sondern heiß entbrannte Liebe. Tristan! Wieso erkennt sie es erst jetzt? Seit einer Woche zieht sie schon mit ihm durch die Lande und hat ihm noch nicht gestanden, wie es um ihr Herz steht, wie sehr sie ihm zugetan ist! Was sie für ein einziges Lächeln von ihm geben würde! Wenigstens gesorgt hat sie für ihn, hat das erjagte Wild mit ihm geteilt und jedes Mal ein dankbares Nicken von ihm als Lohn erhalten—wie ihr Herz dabei höherschlug! Und wie sehr es ihr Herz zerreißt, wenn sie daran denkt, wie er und dieses rothaarige Luder Arm in Arm auf dem Dorfplatz erschienen, wo die beiden vorher doch nur gestritten haben. Dieses Weibsstück hat ihn doch gar nicht verdient, so wie sie mit ihm umspringt, zickt und keift und sogar seine Hand wegschlägt, wenn er sie doch liebkosen will. Sie, Aeryn, würde ihn niemals so schäbig behandeln! Wenn er sie nur sehen würde! Wenn es ihm nur einfiele, endlich mal von seinem undankbaren Weib abzulassen und sich seine Mitreisenden lange genug anzuschauen um zu erkennen, dass hier jemand vor ihm steht, der ihn wirklich liebt, der alles für ihn tun würde, wirklich alles! Mit dem eigenen Leib würde sie ihn schützen! Sogar der schrecklichen Kreatur will sie sich entgegenwerfen, um ihn zu schützen und damit er sieht, wie mutig sie ist—nur für ihn![5]

Und schon stürmt Aeryn die Stufen wieder hinauf, Tristans Stimme im Ohr, seinen Namen im Herzen, vor allem aber wild entschlossen, dieser kreischenden Kreatur den Garaus zu machen.[6]

Freydis und Hjálmarr dagegen erreicht Tristans Sang nicht. Beide sind in ihrem jeweils eigenen Kerker gefangen: Freydis in einem aus gleißendem Schmerz, Hjálmarr in bodenloser Verzweiflung und Einsamkeit. In der Ferne meint er zwar ein Lied zu hören, das die Schwestern auch gesungen haben, aber ach, das kann nur eine Illusion sein! Eine Erinnerung! Überhaupt, die Sehnsucht, die nicht einmal einen Namen kennt, zerreißt ihm das Herz, stürzt ihn nur tiefer in den lichtlosen, schwindelndleeren Abgrund. Auch Freydis erinnert der liebliche Sang nur an all das, was ihr entgeht, weil sie mit diesem Fluch geboren wurde, den kein Mensch erträgt—warum, ach warum kann sie nicht so wie ihre Schwester sein, einfach nur frei atmen, lieben, leben?[7]

Von all dem bekommt Rogar nichts mit. Irgendwas summt und säuselt da im Hintergrund. Klingt ja ganz nett, aber mal ehrlich. Wie kann man zu so einem Zeitpunkt singen?
 1. Kolkra: 5-foot step und voller Angriff auf Abdo, 1 Krallentreffer für 3 Schaden; R1 move auf I-4 (kein 5-ft step wg. Gerümpel, aber Talahan bekommt keinen GA wg. "um die Ecke rum" Deckung), 1 Beißangriff auf Abdo, trifft für 7 Schaden.
 2. Auswirkung von Tristans Sirenensang; dazu Abdos will save verhauen (s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1030373#msg1030373)) und er auch noch bewusstlos und am Sterben; außerdem hat er irgendwann zu Beginn mal etwas von einem Gelübde der Ehelosigkeit erwähnt... Hatte neulich mal ooc fragen wollen, ob das auch Enthaltsamkeit beinhaltet; vielleicht finde ich es ja so heraus... Tristan - standard action: Bardenlied wechseln zu Sirenensang (countersong); perform (sing) = 27 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1030361#msg1030361). Im Bild nur die jüngste der drei Damen (und noch etwas zu sehr bekleidet...).
 3. Auswirkung von Tristans Sirenensang und Lîfs misslungenem will save (keine spieltechnischen Auswirkungen), nur für die Atmosphäre.
 4. R2 voller Angriff auf Talahan, der Biss trifft für 8 Schaden.
 5. Aeryn hat ihren 2. Willenswurf geschafft; normale Wirkung des Sirenensangs—der Angstzauber wird gebrochen, indem der Verzauberte (kurz, nur während des Sangs) Tristan verfällt. (Keine weiteren spieltechnischen Auswirkungen außer der Bannung des Furchteffektes.)
 6. Ankunft in Runde 4.
 7. @ alle: Bitte verzeiht mir, dass ich hier so großes Aufheben um Tristans Sirenensang mache. Erstens ist's beim Schreiben mehr geworden, als geplant; zweitens ist's das erste Mal, dass er den Sang anwendet, es wird nicht jedes Mal so breit dargestellt werden; drittens hatte ich mich zu Khenubaals Zeiten natürlich genauso sehr wie ihr darauf gefreut, die besonderen Fähigkeiten meines Chars ausprobieren und ausspielen zu dürfen, und letztens hoffe ich, dass es dem ein oder anderen auch Spaß machen wird, darauf zu reagieren...
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 21.06.2017, 18:47:46
Der kleine Gerüstete scheint in den Kratzer, der ihm zugefügt wurde, zunächst nicht wahrzunehmen. Dann zieht er kurz dorthin und verengt die Augen zu gefährlichen Schlitzen. Mit einem Ruck richtet seine Axthand seinen Schild.

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12952)
Die Gelegenheit nutzt der hagere Mensch, der ihn begleitet, und tritt hinter ihm hervor, obwohl es eher ein an ihm vorbeischieben ist.[1] In der Bewegung zieht er zwei kurze Schwerter und schwingt sie nach dem angreifenden Mönch. Der erste Schlag ist noch sehr hoch und zu kurz, sodass der Kuttenträger ausweichen kann. Danach folgt aber ein weiterer mit der anderen Hand von der Seite nach oben, deutlich raumgreifender. Dieser findet das Ziel und versenkt sich tief in den Bauch. Der Mönch keucht, zuckt und kippt hintenüber, als der Mensch sein Schwert durch einen Fußtritt aus ihm herauszieht.[2]

Der Gerüstete bekommt einen extrem begeisterten Blick in sein Gesicht, als er erkennt, dass die Bahn zur Kolkra frei ist. Abdos Sturz scheint ihn nicht zu beieindrucken, der Gesang auch nicht wirklich. So richtig anwesend scheint er nicht zu sein. Er wirft den Kopf hoch und beginnt lauthals zu lachen, um gleich darauf im Laufschritt auf die Kreischerin loszustürzen.[3] Mit massiver Wucht prallt er mit ihr zusammen und versenkt seine Axt tief in ihrer Schulter. Es knackt deutlich und beim Zurückziehen der Waffe besudelt der Kleinwüchsige seine Metallhaut mit ihrem Blut.[4] Sein Lachen überschlägt sich fast vor gesteigertem Vergnügen.
 1. Move: through I10 to H10
 2. Standard: Full attack at 5, one hit with 9 damage
 3. Move: to I6 while equip shield
 4. standard: power attack with 22 at 3 with 10damage
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 21.06.2017, 19:59:59
Runde 3
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 22.06.2017, 09:57:39
Wie mit nackten Sohlen auf weichem, kühlem Moos laufend fühlt sich die junge drudkvinde, während Tristans Gesang sie in eine Welt entführt, in der sie am liebsten für immer und ewig wandeln würde. Sie fühlt sich eins, eins mit ihrem Mann, mit dem Kind unter ihrem Herzen und der Natur um sich herum – alle ihre Träume scheinen für wenige Herzschläge in Erfüllung zu gehen, und sie bereut bitter ihre allzu rasche, scharfe Zunge und ihren Widerspruchsgeist, mit denen sie ihn wohl manches Mal vor den Kopf gestoßen, ihn vielleicht gar vor seinen Kameraden zum Schwächling gestempelt hat, dem das eigene Weib über den Kopf wächst. Jetzt würde sie sich nur zu gern mit ihm versöhnen, sich und ihm die Kleider vom Leib reißen und gemeinsam unter ein großes Bärenfell schlüpfen, um sich mit ihm nach Gajas Wunsch zu vereinen, wieder und wieder...

Dann findet sie in die Wirklichkeit zurück, erinnert sich wieder der offenkundig bedrängten Gefährten, der beiden, die in wahnwitziger Furcht an ihr vorbei stürmten, hört den Kampfeslärm und beißt die Zähne zusammen. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, die sanfte Mutter, die Geliebte eines Mannes zu sein – es ist der Moment, die schützende Mutter zu sein, die für die Ihren streitet mit allen Kräften, die ihr zu Gebote stehen! Ohne zu zögern nimmt sie die letzten Stufen, überblickt mit einem Mal Teile einer grausigen Szene, hört den Rest und zögert für einen Sekundenbruchteil. Soll sie Talahan zu helfen versuchen, der in Bedrängnis scheint? Sie, das unerfahrene Weib, dem erfahrenen Kämpfer, dem sie womöglich eher im Wege sein wird? Da sie sich außerstande sieht, an dem mit seinen Gegnern ringenden Mann vorbei zu gelangen, atmet sie tief durch und beginnt leise ein Gebet an die Große Mutter zu murmeln, die Hilfe gewähren soll...[1]

Daraufhin beginnen sich über den Köpfen der Kämpfenden winzige Staubteilchen zu sammeln und umeinander zu wirbeln, als sei ein wirbelnder Strudel mitten in der Luft aufgetaucht. Einen Herzschlag später schälen sich die Umrisse eines Raubvogels aus dem Staub, der zusehends an Substanz gewinnt, bis er vernehmlich mit den Flügeln schlägt, einen lauten Schrei ausstößt und sich mit den Fängen und seinem scharfen Schnabel auf den Gegner stürzt, der vor Talahan steht.[2]
 1. Aktion: Verbündeten der Natur herbeizaubern I (http://prd.5footstep.de/Grundregelwerk/Zauber/VerbuendetenderNaturherbeizaubernI): Adlergeist
 2. Angriff auf R Nummer 2, Ergebnisse siehe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1030648#msg1030648)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 22.06.2017, 13:16:16
Doch dem Kämpfer, den Lîf hier so bewundert, schwinden die Kräfte. Mit beiden Händen umklammert er sein Schwert, indes was zuvor noch imposant aussah, wirkt jetzt, als sei ihm die Klinge einfach zu schwer geworden, als dass er sie mit einer Hand heben könnte. Lîfs Heilerinnenblick erkennt sofort: nicht die körperliche Anstrengung lässt von der Stirn dieses Mannes den Schweiß in Strömen fließen, sondern ein Fieber. Und so geht sein fieberhafter Schwerthieb auch hoffnungslos fehl.[1]

Als der gerüstete kleine Mann in den Raum vorprescht, geschehen mehrere Dinge. Erstens: der Zwerg, der einmal Maduk war und offenbar dessen Vorsicht geerbt hat, zögert und überlegt, indem er mehrmals zwischen Rogar und Talahan hin und herschaut, als könne er sich nicht entscheiden, ob er auf sein neues oder sein altes Ziel schießen soll. Die Entscheidung fällt endlich, als sich aus dem Nichts oder vielmehr aus dem wirbelnden Staub ein geisterhafter Adler formt und sich mit dem entrüsteten Schrei geschundener Natur mehrmals auf die Kreatur vor dem Gottesdiener stürzt und dieser eine tiefe Krallenspur über das Gesicht zieht—der nächste Bolzen gilt wieder Talahan. Und geht ein Schritt weit fehl.[2]

Zweitens fällt Rogar selbst etwas auf, gerade wie er auf die Kolkra einschlägt: sie sieht gar nicht mehr so richtig wie eine Kolkra aus (Krallen! Reißzähne! Ausgemergelt bis auf die Knochen, die Züge eine geifernde Totenmaske) und sie bewegt sich ganz anders, kämpft ganz anders. Wie ein Tier. Tatsächlich sieht er in ihren Augen kaum mehr als tierische Intelligenz. Aber sie trägt noch die Knochenkette einer Schamanin.

Drittens stürzen sowohl die Kolkra als auch eine der beiden anderen Kreaturen zähnefletschend auf ihn. Sie scheinen gemeinsam zu handeln, oder so kommt es ihm vor. Eine Krallenhand schlägt seinen Schild beseite, zwei weitere finden Lücken in seiner Rüstung und graben sich tief in sein Fleisch. Dann packen scharfe Zähne ihn im Genick und reißen ihn zu Boden. Vor seinen Augen wird es schwarz.[3]

Die letzte Kreatur aber, obwohl der wilde Angriff des Adlers sie ein Auge gekostet hat und sie sich kaum noch auf den Beinen halten kann, stürzt sich nun gänzlich wie von Sinnen Galle und Geifer spuckend, auf Talahan, ein letztes Mal mit allem, was sie hat. Zwei Angriffe kann der wackere Streiter abwehren, doch ein Krallenhieb erwischt ihn am Kinn: fast wäre es die lebenswichtige Ader im Hals gewesen. Danach klappt die Kreatur röchelnd zusammen. Schaum tropft von ihrem Maul, als sie ein letztes Mal zuckt und dann still liegen bleibt.[4]

Was Rogar, der sich so heldenhaft in die Schlacht gestürzt hat, nicht mehr mitbekommt: seiner Aktion ist es zu verdanken, dass endlich der Weg von der Wendeltreppe in den Raum hinein frei ist.

Pünktlich in diesem Augenblick taucht die Elbin auf dem Absatz wieder auf.
 1. Talahan (swift) lay on hands auf sich selbst (4 hp geheilt). Angriff auf R1 daneben (nat. 1).
 2. Zwerg verzögert nach Block 3. Schuss auf Talahan geht fehl.
 3. Kolkra und R1 (5-ft step) beide vollen Angriff auf Rogar, vier Treffer (19, 19, 20, 22) für zusammen 20 Schaden. Rogar auf -10 hp, bewusstlos, sterbend. Bitte einen Con-Check vs. DC 20.
 4. R2 auf Talahan, voller Angriff, ein Treffer für 5 Schaden. Die Kreatur war auf 0 (aber volle Aktion wg. bes. rage Konditionen), nimmt aber 1 Schaden. => TOT.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 22.06.2017, 17:48:12
Ratlos schaut Tristan auf die beiden kauernden, man könnte sagen: vor Angst schlotternden Gestalten, die sich einfach nicht beruhigen lassen wollen. Mit diesem Lied hat er schon so manchem Jüngling auf seiner ersten Fahrt die Angst vertrieben, ob bei rauer See oder kurz vor einer Schlacht, aber was immer die beiden da oben gesehen haben, hat sie derart verschreckt, dass sein Lied, obwohl es ihm süß perlend von den Lippen geht (denn er denkt an seine Lîf dabei) seine Wirkung versagt.

Er wendet sich wieder seinem Wachtposten zu. Irgendwas tut sich beim Nordtor. Auch ein toter Winkel, den er nicht einsehen kann, aber er hört etwas: knirschende Schritte im Kies, einen erstickten Schrei, einen Schlag. Kurz sieht er zwei strampelnde Beine in seinem Blickfeld auftauchen, als wird jemand gegen seinen Willen von einem anderen wie ein Sack über die Schulter geworfen.

Dann ertönen aus dem oberen Stockwerk fürchterliche Schmerzenschreie. Er schwankt. Eigentlich will er das Erdgeschoss nicht ohne Wache zurücklassen, andererseits, wenn die anderen oben unterliegen, gibt es nichts zu bewachen. Und Lîf ist dort.

In drei kurzen Sätzen schildert er Freydis und Hjálmarr noch rasch seine Beobachtung aus dem Hof. Erstere scheint mehr an Schmerzen denn an Angst zu leiden, vielleicht begreift sie ja, was er sagt.

"Reißt euch zusammen, ja? Einer von euch übernimmt meine Wache an der Tür, ja?"[1]

Dann stürzt auch er die Treppe hoch, zwei Stufen auf einmal nehmend. Wäre er mit den Fahrtenbrüdern unterwegs, würde er jetzt ins Horn stoßen. So singt er wieder von Heldentaten und Schlachtenglück. Habt Mut, haltet durch, Unterstützung naht, sagen die herannahenden Klänge.[2]
 1. Freydis, Hjálmarr: Bitte einen will save vs. DC 10 von beiden, ob sie sich soweit zusammenreißen können, um durch einen Türspalt in den Hof zu spähen. Bei Erfolg bitte gleich einen perception Wurf (mit -2 Malus) hinterher. Ihr seid dann noch immer verängstigt, aber nicht mehr panisch.
 2. Standard action: Bardenlied wieder zu inspire courage => alle bekommen +1 auf Angriff und Schaden (sowie gg. Furcht und Verzauberung). Move: die Treppe rauf.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 22.06.2017, 23:04:03
Der Gerüstete schlägt ungebremst um sich, während seine Gegner ihm Wunde um Wunde zufügen. Schmerzen scheint er überhaupt nicht wahrzunehmen. Aus vielen Wunden quillt sein Blut zwischen den Panzerplatten hervor, als sein Lachen in ein rötliches Blubbern übergeht und er mit einem leicht erstauntem Ausdruck klappernd in sich zusammenbricht. In flacher werdenden Stößen fließt der rote Lebenssaft und überströmt den Gefallenen.

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12952)
"Sch...", flucht der leichtgerüstete Mensch, der ihm gefolgt ist. So schnell wie möglich stellt er sich schützend über den kleineren Krieger[1] und sticht wacker nach der Kolkra[2]. Flehentlich sieht er den Gotteskrieger an: "Bitte helft uns! Oben gibt es noch weitere Überlebende, Pilger, einen erkrankten Alten und seine Tochter!" Die eigenartigen Vorgänge auf dem Schlachtfeld ignoriert der Veteran, um nicht die Nerven zu verlieren.
 1. Move: to I6
 2. Standard: attack K3 with 24 and 5 damage
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 23.06.2017, 00:16:09
Runde 4
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 24.06.2017, 10:21:00
So langsam lichten sich ihre Sinne wieder, da ist noch der Nachhall des Schreis, der sie kurzzeitig in Panik verfallen lassen hat, und immer wieder wirft Aeryn einen Blick über die Schulter, hört auf die Schritte, die hinter ihr auf der Treppe zu hören sind. Verwirrt wählt sie den Weg, den sie offensichtlich gekommen war, zurück die Stufen hoch. Oben angekommen fällt ihr Blick auf Lîf und ihre Augen verengen sich, doch schnell wechselt ihr Blick auf die Szene hinter der Heilerin. Dort schienen die Kreaturen langsam die Oberhand zu gewinnen. Alles andere musste ersteinmal warten und so fokussiert die Elbin sich wieder auf das Kampfgeschehen.

Aeryn zielt auf die Bestie in der Mitte der Gegner[1] und feuert kurz darauf auch einen Pfeil auf sie ab[2].
 1. Bullseye Shot
 2. Angriff auf K3 gegen RK 20 mit 9 Schaden
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 24.06.2017, 11:54:38
Den Gesang Tristans in den Ohren, stürzt sich die jung Heilerin weiter nach vorn, schlängelt sich dank ihrer schmalen Gestalt an Talahan vorbei und will sich todesmutig auf den Feind stürzen, als ein Pfeil an ihr vorüber jagt und das grässlichste der Wesen fällt. Keuchend hebt sie das Sax, um den übrigen Unbekannten im Raum zu drohen, das glühend rote Gesicht zu einer Maske von Wut und Entschlossenheit verzerrt. Da fällt ihr Blick auf Abdos reglose Gestalt am Boden, und die Zeit scheint für einen Moment still zu stehen.

Die Große Mutter selbst scheint zu ihr zu sprechen. Lass ab vom Kampf – dein Leben ist der Heilung von Wunden gewidmet, nicht dem üblen Handwerk, sie zu schlagen hallt es in ihrem Kopf wieder, und die Wut weicht mit einem Mal von ihr. Sie erinnert sich an das werdende Leben, das sie in sich trägt, an Tristan, den sie liebt, und an ihren feierlichen Schwur, den sie leistete, als sie den Pfad der Weisen Frau betrat. Der fremde Krieger hat ihr geholfen, unten in dem verliesartigen Gewölbe, nun ist es an der Zeit, seine Güte zurückzugeben!

Obwohl der Kampf noch um sie tobt, duckt sich der Rotschopf, um möglichst von niemandem beachtet zu dem Bewusstlosen zu eilen. Dort wirft sie sich neben ihm auf die Knie, beugt sich über ihn und legt ihm beide Hände auf die Brust. Indem sie die Augen schließt und zur Schöpferin und Bewahrerin allen Lebens betet, fühlt sie ihre Fingerspitzen sich erwärmen und leicht kribbeln, als Kraft sie durchströmt und in den zerschundenen Leib vor ihr fließt[1]. Lîf fühlt sich eins mit der Mutter und nimmt ihre Umwelt nicht mehr wahr, während ihr Geist durch blühende Wiesen und lichte Wälder wandert.
 1. Abdo mit 1 Standard-Aktion automatisch stabilisierten, dank Vorteil "Göttliche Berührung"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Urian am 24.06.2017, 15:18:33
Als die Kreatur vor ihm zusammenbrach, hätte Talahan eigentlich sofort in den Raum hineindrängen müssen; statt dessen stand er da, schwankend und blinzelnd, als wisse er nicht so recht, was da passiert ist und was es als nächstes zu tun galt. Erst, als die zweite Kreatur durch Aeryns Pfeil getroffen fällt und dann auch noch die junge drudkvinde allein und ohne Deckung aufs Schlachtfeld läuft, reißt Talahan sich zusammen.

In vier raschen Schritten hat er das Gerümpel überwunden und die letzten beiden Gegner vor sich. Mit einem verzweifelten Kraftakt schwingt er seine Klinge beidhändig quer über den Bauch des Zwerges und weiter durch den Unterleib der letzte Kreatur. Für einen Moment sieht es so aus, als würden beide zu Boden gehen—der Zwerg ist schon auf die Knie gesackt—doch die Kreatur bäumt sich unter fürchterlichem Kreischen ein letztes Mal auf, dass ihre Krallen nur so auf Talahan einprasseln und Zähne sich in Stoff und Fleisch verbeißen. Dann erst bricht sie, grünlich-gelben Schaum vorm Maul, gurgelnd zusammen. Im selben Moment explodiert der Zwerg in einem schwarzen Schleimregen. Talahan kann nicht ausweichen und bekommt, ein zweites Mal, die volle Ladung ab.[1]

Zitternd und keuchend steht Talahan da und schaut sich gehetzt in alle Richtunge um, ob noch mehr Gegner heranstürmen. Vielleicht ist es gut, dass Halfdan sich schützend über Rogar geworfen hat, um diesen vor der Schleimexplosion zu bewahren, sonst hätte Talahan ihn vielleicht—so irre, wie der Blick des Gotteskriegers gerade ist—für einen Feind gehalten.

Plötzlich ist es still. Wer die Ohren spitzt, dem hallt noch immer der furchtbare Schrei der Kolkra in selbigen. Von dem falschen Zwerg ist nichts übrig außer einer Lache zähen, ölig glänzenden Schleimes und darin der seltsame kleine Bogen und ein Kettenhemd.

Kampf beendet.
 1. Talahan - move (4) auf H4; SA:  Cleave (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1030734#msg1030734) auf Zwerg, danach R1: trifft Zwerg für 11 Schaden und R1 (kritisch!) für genau 16.
R1: fällt in rage. Kann deshalb trotz 0 hp vollen Angriff auf Talahan starten: 3 Treffer für 9 Schaden. Bricht danach sterbend zusammen.
Talahan: schafft seinen Reflex gegen den Schleimangriff des sterbenden Zwergen nicht; Fort ja.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 26.06.2017, 10:54:53
Während sich Aeryns Sinne nach und nach weiter von den Verwirrungen der letzten Sekunden lösen, die Panik und die Gedanken um Tristan, und wieder Klarheit in ihren Geist einzieht, überblickt die Elbin die Lage. Der Zwerg, den sie zu Beginn des Kampfes attackiert hatte, war ebenfalls so ein Schleimwesen. Dieses Monstrum, dessen Schrei noch immer in ihrem Hinterkopf nachhallt und nur langsam verebbt, sowie einige weitere Gestalten liegen tot am Boden. Ausgemergelte Kreaturen, die noch Fetzen von Mönchsroben trugen. Ob dies auch einmal Mönche gewesen sein mochten? Der Gedanke liegt zumindest nahe. Ein weiterer Zwerg liegt am Boden, der nicht so ganz in das Bild passt, ebensowenig der Mensch, der sich schützend über ihn geworfen hat. Diesen beiden gilt im Moment Aeryns volle Aufmerksamkeit. Es schien offensichtlich, dass sie nicht zu den Gegnern gehören, jedoch hatten die Mönche ihnen unten bereits etwas vorgespielt, daher war nachwievor Vorsicht geboten.

"Wer seid ihr? Wer ist der Zwerg?" spricht sie den Menschen an. "Und was ist hier geschehen?"

Den Bogen hält die Elbin weiterhin in den Händen und sie steht zumindest zwei Schritt entfernt, für den Fall der Fälle. Unterbewusst hat sie sich auch ein wenig von Talahan entfernt. Aber ihre Haltung deutet dennoch an, dass sie die beiden am Boden für den Moment nicht als Feinde ansieht, und auch in ihrer Stimme klingt eher Besorgnis mit als Misstrauen.

"Können wir euch helfen?" ist dann auch ihre nächste Frage, ehe sie den Menschen schließlich zu Wort kommen lässt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 27.06.2017, 15:17:49
Abdo blinzelt verwundert, als er die drei Grazien erblickt. War er nicht eben noch woanders gewesen? Für einen Moment tänzeln verblassende Fragmente von Erinnerungen an monströse Mönche am Rande seines Bewusstsein, doch dann verschwindet das diffuse Gefühl, hier nicht hinzugehören. Nein, dies ist der Ort, an dem er sein soll!

Die Berührungen der Frauen jedoch treiben dem Gotteskrieger Schweißperlen auf die Stirn. Der Kampf ist ihm vertraut, gegen Shetani und korrumpierte Menschen hat er ihn ausgefochten, doch dies hier war eine andere Art von Kampf, fremd und unheimlich. Verkrampft liegt er dort, den Blick starr geradeaus gerichtet, um der Peinlichkeit zu entkommen, doch den drei Schönen scheint nichts peinlich zu sein. Erschrocken zuckt er zusammen, als er die sanfte Berührung von Händen auf seinen Schenkeln spürt, und plötzlich wird ihm bewusst, dass seine Blöße nur von einem dünnen Seidenlaken bedeckt ist.

Ist dies vielleicht eine Belohnung Aris' für ihn? Kann ein solcher Liebreiz Sünde sein? Verstohlen wagt Abdo zaghafte Blicke aus den Augenwinkeln, noch immer ist sein Körper steif und verkrampft, doch die Gesichter der Frauen zeigen keine Missbilligung für seine unverschämten Blicke, sie fordern ihn im Gegenteil dazu auf, ihre nackten Körper ausgiebig zu betrachten, während ihre Hände nun auch seinen Oberkörper liebkosen, über seine glänzenden Muskeln streifen. Nach und nach schwindet Abdos Verkrampfung, und wird abgelöst durch ein fast noch schmerzhafteres Gefühl der Begierde: Angestachelt von den Liebkosungen legt er seine Zurückhaltung ab und saugt die so unvertrauten Eindrücke der prallen Weiblichkeit begierig in sich auf.

So unterschiedlich die drei Grazien sind, so verführerisch ist jede auf ihre Art. Die eine erscheint vertraut mir ihrem muskulösen Körper, wie die Kriegerinnen aus seinem Orden, doch um ein Vielfaches anziehender. Die andere wie ein unschuldiges Mädchen, liebreizend und zerbrechlich, das seinen Beschützerinstinkt weckt. Doch seine Blicke haften besonders an der dritten Schönheit: Alles an ihr scheint perfekt zu sein, eine Frau, nicht schwach, nicht zerbrechlich, sondern selbstbewusst und eigenständig; dabei jedoch nicht wie die Frauen in seiner Heimat, wo das Leben und die Shetani sie dazu gezwungen hat, hart zu werden und unnahbar.
Die Spitzen ihres roten Haares umspielen verführerisch ihre üppigen Brüste, und die sanfte Bewegung ihrer perfekten Hüften bringt den ebenholzfarbenen Mann beinahe um den Verstand.

Die Makellose scheint die hungrigen Blicke zu bemerken und beantwortet sie mit immer zärtlicheren Berührungen. Bald beugt sie sich tief über ihn, die Spitzen ihrer Brüste seinen Oberkörper liebkosend, während ihre Hand seinem Schoß immer näher kommt. Die letzten Gedanken an seine Pflicht zur Enthaltsamkeit sind ohnehin längst verschwunden, doch jetzt siegt endlich Abdos Begierde über seine Zurückhaltung: Endlich will er sie fühlen, will sie anfassen, und seine Hände, die eben noch zitternd auf dem Boden lagen, sind nun überall, erforschen ihren Körper, streicheln die ihm so unbekannten Rundungen, landen schließlich auf den vollen Brüsten; erst sanft, dann mit festem Griff knetend, was ihr ein leises Stöhnen entlockt.

Abdos Körper handelt nun instinktiv, seine starken Hände umfassen ihre Hüften und ziehen dieses wunderbare Wesen auf seine längst pralle Männlichkeit. Rhythmische Bewegungen lassen sie laut aufstöhnen und .... das Stöhnen geht über in einen markerschütternden Schrei! Abdos Hände zucken zurück, als sie schuppige Haut unter sich spüren. Die Kreatur, die er eben noch für eine vollendete Grazie gehalten hat, entpuppt sich als eine grauenhafte Kreatur der Hölle, die nur von den Shetani gesandt worden sein kann.[1]

Der Kämpfer versucht, das Wesen abzuschütteln, doch gegen dessen übermenschliche Kräfte ist er chancenlos. Mit dornenbewehrten Krallen drückt es Abdos Hände zu Boden, das Becken weiter auf seinem Schoß auf- und abbewegend. Ihm wird übel bei dem Gedanken, was hier gerade geschieht, doch kann er die Kreatur nicht abschütteln. Zwei - nein, drei! - vertrockneten, schuppigen Beuteln gleich lässt das Biest die Brüste in Abdos Gesicht baumeln; er dreht den Kopf von rechts nach links, doch es gibt kein Entkommen vor den ledrigen Gehängen. Immer lautere Schreie ausstoßend bewegt sich das Wesen schneller und schneller auf ihm und beugt sich dabei immer tiefer über ihn. Plötzlich klappt der Kopf des Monsters nach oben ab und ein blutiger Spalt öffnet sich dort, wo eben noch der Hals war. Eine blutige, zappelnde Zunge mit gespaltener Spitze schießt aus der Öffnung und nähert sich seinem Mund, während die Kreatur weiterhin den langgezogenen Schrei ausstößt. Panisch versucht Abdo, seine Lippen aufeinanderzupressen, doch die spitzen Ausläufer der Zunge stoßen dazwischen und mit unvermuteten Kräften schiebt sich das zuckende Stück Fleisch tiefer und tiefer in seinen Hals. Mit vor Todesangst weit geöffneten Augen versucht der Krieger ein letztes Mal, sich gegen das Unvermeidliche zu stemmen, bevor er das Bewusstsein verliert.


~~~

"Abdo? Hörst du mich?"

Schwach blinzelt der Ya'Keheter mit den Augen, die ihm sofort wieder zufallen. Im zweiten Versuch schafft er es, sie so lange zu öffnen, um die weibliche Gestalt wahrzunehmen, die sich über ihn beugt. "Flammende Haare ..."

Mit einem Ruck, die man dem knapp dem Tode Entronnenen nicht zugetraut hätte, schiebt er sich ein Stück nach hinten und blickt Lîf an, als wäre sie ein Geist. Den pikierten Blick der Heilerin nimmt er kaum wahr, als tausend Impressionen in seinem Kopf umherschwirren. "Ein Traum ... es war nur ein Traum" versucht er sich selbst zu sagen, doch vollends daran glauben kann er nicht. Es hat sich so echt angefühlt. Ein neuer Gedanke schießt ihm in den Kopf, und vor Schreck rutscht er ein weiteres Stück von Lîf weg, gleichzeitig läuft sein Gesicht puterrot an, was jedoch aufgrund seiner Hautfarbe nur ein sehr guter Beobachter erkennt.
"Wie lange hat sie so über mir gebeugt zugebracht? Habe ich sie etwa ...?" Nein, das sicherlich nicht. Abdos Hand versucht möglichst unauffällig - was misslingt - seine Leistengegend zu kontrollieren. Feucht. Aber nicht steif. Nicht mehr. Immerhin.
Diesen Gedanken kann Abdo gerade noch fassen, als seine Lebensgeister, von dem Schrecken kurz geweckt,  ihn wieder verlassen und er in eine erneute Ohnmacht abgleitet.
 1. Meine eigene Interpretation des Endens des Sirenengesangs, nach dem Abdo wieder "normal" wird, also fixiert auf alles Dämonische.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 27.06.2017, 17:59:12
(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12952)
Mit dem spektakulären Sterben der Monstren entspannt sich der leichtgerüstete Krieger. Nach einem kurzen Kontrollblick über das Schlachtfeld und ein Anstoßen der nächsten Leichen mit dem Fuß will er sich zunächst dem Gotteskrieger zuwenden, als die schmale Schützin ihn anspricht. Kurz sieht er irritiert zu ihr, dann bleibt sein Blick auf Talahan gerichtet. Er deutet ein Nicken an, während er hastig Satz an Satz reiht: "Vielen Dank für eure Hilfe, wir wären sonst wohl verloren gewesen. Ich heiße Halfdan und war Pilger in diesem Kloster, bis die Monster uns einschlossen. Wer seid ihr und warum seid ihr hier? Oben sind noch ein paar weitere Überlebende, aber lasst mich vorgehen, nicht dass was danebengeht und jemand verletzt wird."

Er streicht seine Waffen flüchtig sauber und steckt sie weg, bevor er sich, Aeryns Pfeil und Bogen misstrauisch aus dem Augenwinkel beobachtend, über den Gerüsteten beugt und murmelt: "Oh Mann, Rogar, tu mir das nicht an!" Etwas ungeschickt, eher wohl ungeübt, fingert er an einigen Verschlüssen der Metallrüstung herum. Dann greift er besorgt hinein und sein Blick wird erst hart, dann erstaunt. "Wie jetzt? Blutest kaum noch, aber atmest? Du müsstest tot sein!", gibt er leise, verdattert von sich. Er sieht zur anderen Frau hinüber: "Ihr seid heilkundig? Bitte, helft ihm und seht, ob er es schaffen kann. Ohne ihn hätte es keinen Überlebenden gegeben." Irgendwie klingt es weniger respektvoll als dem Rogar oder Talahan gegenüber.

Er steht auf und fixiert den dunklen Mann: "Was ist dem denn passiert?" Dann schüttelt er den Kopf und dreht sich langsam um. "Sir, würdet ihr mit mir nach oben kommen, den anderen die gute Nachricht überbringen? Ich meine natürlich nur, wenn ihr könnt und jemand nach unten sichert.", ergänzt er hastig.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 27.06.2017, 20:12:29
"Überlebende, das ist gut zu hören. Wir hatten die Hoffnung beinahe aufgegeben, noch auf Überlebende zu treffen. Fürst Ayrin schickt uns, um hier nach dem Rechten zu sehen. Eigentlich wegen einiger Überfälle, aber wir trafen schnell auf einige Ungereimtheiten, die alle in Richtung des Klosters wiesen. Daher sind wie hergekommen, um uns selbst ein Bild von der Lage zu machen. Diese... Wesen..." Dabei wandert der Blick der Elbin auf die Überreste des Zwergengegners, der hier gefallen ist. "... sie haben uns zunächst als Mönche getarnt versucht eine heile Welt vorzuspielen, aber als wir ihnen auf die Schliche gekommen sind, haben sie ihr wahres Gesicht gezeigt. Jetzt jagen wir sie."

Als Halfdan sich in Richtung der rothaarigen Heilerin wendet, um ihre Hilfe zu erbeten, bestätigt Aeryn seine Vermutung: "Lîf ist in der Tat in der Heilkunde bewandert, und auch Talahan, ..." sie nickt dabei mit dem Kopf leicht in Richtung des Paladins. "... hat bereits gezeigt, dass er in der Lage ist, Wunden zu versorgen."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 28.06.2017, 10:31:19
Nachdem sie die Kämpfenden um sich einmal ausgeblendet hat, kann sich Lîf voll auf ihre Arbeit konzentrieren. Die Angst um ihr Leben ist zu einem abstrakten Ding geworden, das irgendwo in ihrem Hinterkopf steckt und ihr Herz jagen lässt, doch ihre Hände zittern nicht mehr. Haben ihre Gefährten Erfolg, ist sie sicher, ebenso wie ihr Patient. Werden sie überwältigt, dann reichen die Kräfte der rothaarigen Heilerin auch nicht aus, einen gegnerischen Krieger oder gar mehrere abzuwehren. Jeder tut an seiner Front die ihm auferlegte Pflicht, und sie kämpft um das Leben des fremdländischen Faustkämpfers. Als er sich leise regt und zu stöhnen beginnt, runzelt sie die Stirn und beeilt sich, seine Wunden zu notdürftig versorgen, damit sie nicht durch zu heftige Bewegungen wieder zu bluten beginnen.

Dann fährt er urplötzlich hoch und starrt sie an wie eine Erscheinung. Die junge Frau kennt die Reaktionen von Menschen, die dem Tode knapp entronnen sind und denen der Blutverlust den Geist verwirrt. Wirklich, er scheint ihr auffällig blass – Abdo muss sehr viel Blut verloren haben. "Still... du bist in Sicherheit. Beruhige dich... ich versorge deine Wunden, aber du musst dich schonen" versucht sie ihn in einem freundlichen Ton zu besänftigen, in einem leisen Singsang, wie man ihn auch bei kleinen Kindern oder nervösen Tieren anwenden würde. Dabei lächelt sie ihm zu und nickt beruhigend. "Die Große Mutter hat Ihre Hand über dich gehalten" versichert sie dem dunkelhäutigen Mann.

Das Geschrei und das Waffenklirren hinter ihr ebben kurz darauf ab, und ein kurzer Blick überzeugt sie davon, dass ihre Seite gesiegt hat – der Herrin sei Dank! "Talahan..!" entfährt es ihr allerdings beim Anblick des Gotteskriegers, der völlig wirr und noch zudem schwer verwundet aussieht. Lediglich Aeryn macht den Eindruck, als habe sie die Heilerin nicht nötig, weshalb sie nicht weiter auf die spitzohrige kleine Frau achtet, ebenso wenig auf den Mann, mit dem sie spricht. Bis sie sich Abdo wieder zuwendet, ist er erneut in Ohnmacht gefallen. Grimmig nickt Lîf. Besser so, als dass sie versuchen müsste, die Kräfte dieses Muskelmanns zu bändigen, damit er sich nicht selbst schadet.

Über Abdo gebeugt nimmt sie schließlich wahr, wie der Fremde sie anspricht und um Hilfe bittet – auch wenn die "Bitte" ihr nicht gerade übermäßig höflich klingt. Dennoch sieht sie auf und meint: "Ich werde nach Eurem Gefährten schauen, sowie ich die schlimmsten Wunden dieses Mannes hier versorgt habe." Da sie das unterschwellige Gefühl hat, dass er sie als eine Art Anhängsel oder Dienerin Talahans betrachtet, reckt sie ihr Kinn stolz und verkündet mit erhobener Stimme: "Was, wie auch die Versorgung der anderen Verwundeten, schneller gelänge, wenn ihr alle mir zur Hand gingt. Es eilt – ich weiß nicht, wer von ihnen in Lebensgefahr schwebt!" Die drudkvinde sieht zwar ein, dass es die anderen drängt, sich auszutauschen, doch solange einigen der Männer der Lebenssaft zusehends aus den offenen Wunden rinnt, hat für eine Heilerin alles hinter ihrer Rettung zurückzustehen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 28.06.2017, 21:11:30
Wie immer weiß sie nicht wie lange es dauert, aber schließlich lässt der Schmerz so weit nach, dass Freydis sich zusammenzureißen und tastend bis zur Tür vorkämpfen kann. Sie hat immer noch stechende Kopfschmerzen. Ein kreisendes Rauschen erfüllt ihre Ohren und gleißende Lichtblitze zucken vor ihren Augen, trotz fest geschlossener Lider. Erst an der Tür zwingt sie diese mühsam auseinander, um hinauszuspähen.

Sehen tut sie nichts, dafür hört sie um so mehr. Angestrengt lauscht die Berührte, bemüht die Kampfgeräusche von oben zu ignorieren, bis sie sich sicher ist: an der nördlichen Pforte wird ebenfalls gerungen. Vor ihrem geistigen Auge formen die Geräusche—das Scharren, Keuchen, Fauchen—sich zu einem Kampfgeschehen, das sie fast so deutlich vor sich sieht, als spielte es sich vor ihren richtigen Augen ab. Zwei Kreaturen bewegen sich geschmeidig wie Raubkatzen: rastlos, angespannt, sprungbereit; zwei Wesen sind das Gegenteil davon: ruhig, bedacht, emotionslos, langsam. Dazu mindestens ein geknebelter Mensch, der sich verzweifelt wehrt. Doch er hat keine Chance, denn bald löst sich das Getümmel auf. Ob die Beteiligten durchs Nordtor hinaus oder durch die Tür zur Schreibstube hineindrängen, kann Freydis nicht mit Gewissheit sagen.

Auf jeden Fall muss sie die anderen warnen. Mit noch immer schmerzendem Kopf sammelt die Berührte ihr inzwischen erloschenes Zepter ein und tastet sich in Richtung der dunklen Treppe vor. Erst als sie die Stufen erreicht hat und ausser Sicht der Tür ist, konzentriert sie sich kurz um die Waffe erneut zum leuchten zu bringen.

Oben angekommen verschafft sie sich erstmal einen Überblick. "An der nördlichen Pforte gab es gerade ein Handgemenge. Ich konnte sie nicht sehen sondern nur hören, also weiß ich nicht ob sie kamen oder gingen, aber so wie es klang waren es zwei Raubtiere, Wölfe oder dergleichen, und zwei von diesen Pilzwesen." Sie deutet auf den schwarzen Schleim zu ihren Füßen. "Und es klang als hätten sie einen Gefangenen. Jemand der zappelte und geknebelt war. Was geht hier vor?" Nur ganz knapp vermeidet sie es die Worte "bei der Großen Mutter", als sie die letzte Frage an den ihr unbekannten Kämpfer richtet.[1]
 1. EDIT Gaja: Perception = 23 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1030793#msg1030793). Hab das mal lesbar gemacht, da der Text ja sowieso fast komplett von mir stammte. Hier noch der alte Beitrag.
Alte Version (Anzeigen)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 29.06.2017, 16:41:34
Aeryns Miene verfinstert sich, als Freydis von ihren Beobachtungen berichtet.

"Das ist nicht gut. Wir werden sie in unserem Zustand kaum aufhalten können. Immerhin heißt es wohl, dass wir hier nicht mit allzuviel Gegenwehr mehr zu rechnen haben, denn sonst würden sie ja kaum fliehen. Dennoch würde ich es wagen wollen, zumindest nachzusehen, vor allem, um zu wissen, wer der Gefangene ist. Der Abt womöglich? Hoffentlich können wir ihren Spuren dann später noch folgen."

Daraufhin wendet sich Aeryn auch bereits der Treppe zu, mit der Absicht hinabzusteigen und entweder zu einem Fenster mit Blick nach draußen oder einem Tor zu gelangen. Der Turm wäre auch eine Möglichkeit, schießt ihr durch den Kopf, oder die Mauer, um einen guten Überblick zu erhalten. Schnelligkeit war hier geboten, daher entschließt sie sich, den kürzesten Weg zur Nordpforte zu nehmen, wo sie auf jeden Fall etwas zu sehen bekommen sollte.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 29.06.2017, 20:06:20
Als der Fremde sich ihm als Halfdan und als Pilger vorstellt, gelingt es Talahan, seinen noch immer hektisch im Raum umherirrenden Blick auf den Mann zu konzentrieren. Er muss mehrmals blinzeln und schließlich mit den Fingerkuppen von außen gegen seine Brauen drücken, bis sein Blick sicher auf dem Mann landet. Dieser sieht im übrigen nicht so aus, wie man sich landläufig einen Pilger vorstellt, außer man stellt sich einen Pilger gerüstet, bis an die Zähne bewaffnet und von Narben vergangener Schlachten gezeichnet vor. Vielleicht blinzelt Talahan deswegen so misstrauisch. Lîf, die den Gotteskrieger besorgt beobachtet, bemerkt allerdings den Fieberglanz in seinen geröteten Augen.

"Ja", beginnt der Gotteskrieger, während er ein wenig hilflos mit der Linken den Schleim aus seinem Gesicht und von seiner Rüstung wischt. "Ja", setzt er abermals an, nur um von den eigenen Gedanken unterbrochen zu werden. Was tun mit der schleimtriefenden Klinge? überlegt er ganz offensichtlich. Nach gefundender Lösung bringen ihn zwei Schritte zu einer zerschlagenen Pritsche, an deren strohgefüllten Matratze er sein Schwert notdürftig säubert und danach erst einmal wieder einsteckt. "Unten sind...", fährt er fort, nur um abermals unterbrochen zu werden, als erst Tristan, dann Freydis aufgeregt hereinstürmen, ... ist noch einer meiner Leute."

Daraufhin lauscht er erst einmal Freydis Bericht und folgt Aeryn dann zu den Fenstern, die hier oben ein wenig breiter sind als im ersten Stock und vor allem auf normaler Höhe. Aeryn schaut nach Norden, Talahan nach Westen in den Hof hinunter. Der Pfad, der vom Tor gen Norden führt, liegt verlassen in den letzten Strahlen der Abendsonne. Außer ein paar windzerzausten Büschen und dem ein oder anderen windgebeugten, hageren Baum gibt es auf etliche hundert Schritt keine Deckung. Ebenerdig führt der Weg entlang des Kammes, bis er nach einer geschätzten halben Wegstunde in einem dunklen Wäldchen verschwindet.

"Nichts zu sehen", berichtet Talahan von seinem Posten aus. Aeryn, die sich da lieber auf sich selbst verlässt, beugt sich auch aus dem Westfenster und entdeckt tatsächlich nichts—außer einer einzelnen Sandale im Kies. Als sie sich wieder umdreht, findet sie Talahan zusammengesunken auf der nächsten Pritsche wieder, seinen Wasserschlauch an den Lippen, den er begierig und auf einen Zug fast bis zur Neige leert. Danach besinnt er sich erst und schaut zu den Verletzten hinüber, die vielleicht auch Wasser benötigt hätten. Er blinzelt verwirrt und zuckt dann mit den Achseln.

"Überlebende", murmelt er. "Das ist gut. Auch wenn unsere Nachrichten nicht ganz so gut sind wie erhofft."

Nach diesen Worten lehnt er sich gegen die Wand zurück und schließt die Augen. Schweiß rinnt über sein verschmutztes Gesicht und zieht helle Bahnen durch den trocknenden Schleim.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 29.06.2017, 20:08:21
Derweil sucht Tristan lautlos die Seite seines Weibes. Mit der Wundversorgung kennt er sich nicht aus, kann ihr daher nicht helfen, doch als sie sich dem zweiten Verletzten zuwendet—einem kleinen Mann in massiver Rüstung wie Tristan sie in achtzehn Raubfahrten an drei Küsten des Kontinent und dem stolzen Albion erst zweimal bei einem Gegner gesehen hat—kniet er neben ihr und hilft ihr, den Mann aus den Teilen seiner Rüstung zu schälen. Sie beginnen mit dem linken Arm, welcher noch immer per Ledergurt am Schild festgebunden ist. Es folgen Schulterschützer, Armschienen, Halsschutz, dann die zwei Teile des Brustharnischs, die zu beiden Seiten und über den Schultern mit mehreren Gurten gesichert sind. Zum Vorschein kommt ein kurzes, stämmiges Kerlchen mit Muskeln so imposant wie ihr dunkelhäutiger Gefährte, der wenige Schritt daneben liegt. Seine Unterkleidung ist blutdurchtränkt und teilweise zerfetzt.

Tristan holt zwei Pritschen herbei und hebt die Verletzten mit Lîfs Hilfe darauf. Dann hockt er sich einen Schritt abseits, damit er ihr nicht im Weg ist, aber sofort zur Stelle, falls sie weitere Hilfe benötigt. Kein einziges Wort spricht er bei alledem. Nur einmal kurz drückt er zwischendurch ihre Hand.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 29.06.2017, 20:21:50
Schweigend, aber mit einem dankbaren Blick für Tristan tut die rothaarige Heilerin ihre Arbeit. Nachdem sie sich davon überzeugt hat, dass Abdos Atem ruhig und gleichmäßig geht und er nicht mehr in unmittelbarer Gefahr schwebt, wendet sie sich dem kleinen, aber erstaunlich breiten Mann zu, froh, dass Tristan sich um die Schnallen und Gurte der schweren Rüstung kümmert, mit denen sie sich nicht auskennt. Dann tut sie ihr bestes, ihm beim behutsamen Befördern der Verwundeten auf die Pritschen zu helfen. Nachdem sie glücklich dorthin verfrachtet sind, zieht sie dem kleingewachsenen Mann recht unzeremoniell die Unterkleidung bis zum Gürtel aus, um den Oberkörper auf Wunden zu untersuchen, mit ihren schmalen Händen die Rippen auf Brüche abzutasten und nach Anzeichen von Blutungen zu sehen. Ihr Gesicht hat dabei den Ausdruck völliger Versunkenheit angenommen. Im Moment ganz Heilerin, ist der Fremde für sie ein Patient wie jeder andere. Auch für seine beeindruckenden Muskelberge hat sie jetzt keinen bewundernden Blick übrig.

Sobald sie zu wissen glaubt, wo und wie schwer der Mann getroffen wurde, beginnt sie auch ihn vorläufig zu versorgen, um seinen Zustand zu stabilisieren. Dazu zählt, dass sie – wie auch bei Abdo – die offenen Wunden reinigt, vor allem von möglichen Spritzern des widerlichen Schleims, die im Kampf umhergeflogen sind, und eventuell gebrochene Knochen richtet, solange der Bewusstlose keine Schmerzen spüren kann. Die Hände des Rotschopfs bewegen sich dabei sicher und entschlossen, und sie nutzt auch das Gewicht ihres Körpers, um an den Stellen Druck auszuüben, an denen die Kräfte eines Weibes womöglich nicht ausreichen. Sie scheint für nichts außer ihren Pflegebefohlenen Augen zu haben. Bis sie schließlich doch aufschaut und ruhig sagt: "Ihr solltet mir erlauben, auch Euch zu versorgen, Herr Talahan. Meine Erfahrung sagt mir, dass Ihr Hilfe benötigt." Ihre Stimme klingt dabei sanft, aber ihr Blick zeigt, dass sie nicht gewillt ist, wirklichen Widerspruch zu dulden. Nicht, wenn es um die Pflicht geht, die ihr die Große Mutter auferlegt hat. Man merkt ihr an, dass sie davon überzeugt ist, hier mit der Autorität der Göttin zu sprechen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 29.06.2017, 22:17:44
Talahan antwortet nicht auf Lîfs Ansprache. Sein Atem geht schwer, seine Lider flattern. Das Gesicht ist trotz seiner vorangegangenen Bemühung noch immer zu verdreckt, um etwas zu erkennen außer seinen Lippen, welche rissig sind.

"Die Handschuhe", sagt Tristan, der abermals lautlos hinter sie getreten ist. "Dafür hat Solveig sie dir doch gegeben."

Lîf zögert. Mit Handschuhen wird sie nicht feststellen können, ob er wirklich ein Fieber hat.


(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=12952)
"Was hier los ist?" antwortet Halfdan derweil verspätet auf Freydis' Frage. "Woher soll ich das wissen? Nach der Sturmnacht wurden erst etliche Leute krank, dann verwandelten sie sich in diese Monster da. Ein paar Mönche sahen wir noch durchs Nordtor fliehen, aber da waren wir schon abgeschnitten und es blieb uns nichts übrig, als uns hier zu verbarrikadieren. Seit vier Tagen harren wir hier aus in der Hoffnung, Bruder Meirik ist entkommen und holt Hilfe. Wir waren mal drei Kämpfer, jetzt sind wir nur noch zwei. Astrid oben ist auch noch ganz patent, der Rest nutzlos."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 30.06.2017, 13:59:05
Das Entfernen der Rüstung von dem 'Zwerg' provoziert bereits erste Regungen, anscheinend kann er jetzt - im Gegensatz zum Kampf - Schmerzen spüren. Aber außer Zuckungen und flachem Atem zeigen sich keine weiteren Reaktionen. Erstaunlich wenig Blut sickert aus der Vielzahl von Wunden, die die meisten Menschen längst getötet hätten. Die Untersuchung ergibt, das er für den Moment stabil ist. Etwas anderes fällt bei der Kontrolle des Atems auf: Er riecht ziemlich übel. Was auch immer er zuletzt zu sich genommen hat, mit Sicherheit war es verdorben oder zuindest vergoren. Wie auch immer die Lage gewesen war, die ihn dazu gebracht hat, das zu sich zu nehmen, es dürfte üble Folgen haben.

Gerade ist die Versorgung des Patienten fast abgeschlossen, da flattern seine Augenlider unter den dichten Augenbrauen. Er murmelt etwas auf einer unverständlichen, harten Mundart. Dann macht er unkoordinierte, jedoch immer noch kräftige Abwehrbewegungen, bevor er still wird, nun mit offenen Augen. Völlig ermattet kneift er die Augen zusammen und scheint Mühe zu haben, Lif und Tristan zu fokussieren. Dann wandert sein Blick wieder und er fragt mit schwerer Zunge etwas auf seiner Sprache. Schließlich reckt er seine Arme und versucht in einer schwachen Bewegung, nach deren Wasserschläuchen zu greifen. Die nächsten Worte, die von einem trockenen Husten begleitet werden, klingen bittend.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 30.06.2017, 15:52:39
Als Abdo zum zweiten Mal erwacht, ist der Schrecken kleiner als zuvor. Zwar braucht er einen Moment, um zu erfassen, wo er ist, doch diesmal kniet niemand über ihm, als seine Lider sich zaghaft öffnen. Die drei Frauen ... es war nur ein Traum - die Realität war der Kampf gewesen. Noch immer kraftlos, schließt der Ya'Keheter die Augen wieder und lauscht zunächst den Gesprächen der anderen. Den Kampf haben sie offenbar gewonnen, doch hört er auch unvertraute Stimmen - es gab also doch Überlebende, die sie gefunden haben. Und wenn er alles richtig deutet, scheint niemand auf ihrer Seite im Kampf gefallen zu sein.

Neue Kraft schöpfend durch die Erleichterung darüber, stemmt Abdo sich auf seine Ellenbogen und richtet den Oberkörper so weit auf, dass er die Lage etwas besser überblicken kann. Sein Kopf bedankt sich mit einem wummernden Schmerz für diese Anstrengung, doch mit großer Willensanstrengung schafft er es, nicht sofort wieder zurückzusacken. Schmerz ist kein Unbekannter für ihn, und wer in Ya'kehet nicht schnell wieder auf die Beine kommt, wird schnell Opfer der Shetani. Und auch hier macht sich der Kämpfer keine Illusionen darüber, lange Zeit zur Erholung zu bekommen. Dieser Kampf hat dem Unheil sicherlich noch kein Ende gesetzt, und es bleibt ihm nichts anderes übrig, als schnell auf die Beine zu kommen - auch wenn er sich kaum stark genug fühlt, um aufzustehen.

In der Nähe sieht Abdo Lîf, wie sie einen kräftig gebauten Mann behandelt - Talahan? Nein, ihr Anführer ist dort drüben, zwar ebenfalls mitgenommen, aber auf den Beinen. Einer der Geretteten? Plötzlich sieht Lîf in seine Richtung, und schnell wendet er seinen Blick ab - er kann ihr nicht in die Augen blicken. Ob er es nach diesem Traum jemals wieder können wird?
Stattdessen hört er dem fremden Mann zu, der nun davon erzählt, wie er und seine Gefährten ausgeharrt haben. Schließlich spricht er selbst mit noch brüchiger Stimme:
"Wisst ihr, wieviele von diesen Kreaturen es hier noch gibt?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 30.06.2017, 16:24:11
Männer..!! Mit wachsendem Ärger registriert Lîf die geringe Beachtung, die ihre Anordnungen als Heilerin finden: Talahan reagiert noch nicht einmal auf ihre Worte – wobei in seinem Fall auch ein Fieber mitschuldig sein könnte – der unbekannte Kämpfer hat sich schon wieder von ihr abgewandt, sein breit gebauter, kurzer Freund regt sich und behindert damit ihre Arbeit, und zu alledem macht Abdo auch noch Anstalten, sich aufzurichten, was seine Wunden wieder aufbrechen lassen könnte! "So – nun ist es aber genug!" blafft sie ihre Patienten unvermittelt an und wirft ihr rote Haarmähne in einer aufgebrachten Kopfbewegung zurück. "Talahan, Ihr setzt Euch dorthin, und ich wasche Euch zunächst diesen Schleim ab, bevor er Euch krank macht. Ihr da bleibt gefälligst liegen und lasst uns bringen, was Ihr braucht" wendet sie sich an den Zwerg und meint leise zu ihrem Mann: "Venligst give ham vand."[1] Und an Abdos Adresse schnappt sie: "Und Ihr legt Euch schleunigst wieder hin und bleibt liegen, bis ich etwas anderes sage." Nach diesem Ausbruch zieht sie die von Tristan erwähnten Handschuhe an, ergreift einen Wasserschlauch und ein Tuch, um sich mit Talahan zu beschäftigen. Sobald sein Gesicht gesäubert ist, wird sich gefahrlos prüfen lassen, ob er fiebert, wie sie hofft.
 1. Värangsk: Gib ihm bitte Wasser.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 30.06.2017, 17:47:46
Wie vom Blitz getroffen sackt Abdo bei den Worten der Heilerin wieder in sich zusammen; sein Körper reagiert auf die Anweisung, noch bevor sein Geist wirklich aufnehmen kann, was sie gesagt hat - allein der Tonfall macht deutlich, wer hier die Befehle erteilt, und der Ya'keheter ist weise genug, sich nicht mit Lîf anzulegen, die immer deutlicher macht, dass sie nicht allein das Anhängseln Tristans ist, für das einige sie zu Beginn gehalten haben.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Hjálmarr am 03.07.2017, 10:19:25
Irgendwann in den vergangenen Minuten war Hjalmarr, nachdem er seinem Schockzustand entrinnen konnte, im Raum des Turmes erschienen. Mit finsterer Miene beobachtet er lautlos die Unbekannten und das Treiben um sie herum. Leger im Türrahmen lehnend kreisen seine Finger gedankenversunken über die Spitze eines Pfeiles. Für diesen ganzen Mist riskiert er sein Leben, Ärger brodelt in ihm. Ärger über diese verdrießliche Situation, in der er sich befindet, Ärger über seinen gekränkten Stolz, nachdem er Hals über Kopf vor der drohenden Gefahr geflohen ist und Ärger über ihr Unwissen, was hier jetzt genau vor sich geht. Erst als Lif sich bückt, um Tristan dabei zu helfen die Verletzten auf die nahestehenden Barracken zu heben, setzt der junge Mann sich in Bewegung. Wortlos tritt er neben Sie und greift ruhig an die Arme des Verletzten, um ihr zu zeigen, dass er ihren Platz einnimmt. Kurz nur sieht er auf ihren Bauch, um ihr sofort zu verstehen zu geben, dass eine Diskussion zwecklos wäre.

Danach wendet er sich dem Fenster zu und beobachtet die Wege vor dem Kloster.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 03.07.2017, 13:39:44
"Ich kann auch nichts sehen," bestätigt Aeryn mit Blick in Talahans Richtung. "Und eine Verfolgung ist leider ausgeschlossen."

Die Elbin tritt vom Fenster in den Raum zurück und überblickt die Lage. Ihre Gruppe ist, zumindest vorläufig, um zwei weitere Kämpfer gewachsen. Das ist gut. Allerdings sind mindestens zwei von ihnen, der dunkelhäutige Mann und der Zwerg, so schwer verletzt, dass sie im Moment nichtmals richtig stehen können. Sie weiß nicht, wieviel Heilmagie Lîf und Talahan besitzen, aber wahrscheinlich wird es einige Zeit brauchen, bis sie wieder stark genug sind, um sich den Gefahren dieses Ortes entgegenzustellen.

Für den Moment brauchten sie vor allem Ruhe, und somit einen Ort, an dem sie sich eine ganze Weile aufhalten konnten. Offensichtlich hatten die Überlebenden, von denen noch mehr im Turm sein sollen, das hier schon ganz gut hinbekommen. Es lag also nahe, sich weiter hier im Turm zu verschanzen. Genug Material, um die Eingänge zu blockieren hatten sie auch.

"Es sieht wohl so aus, als würden wir eine Weile hierbleiben müssen. Können die Verletzten bewegt werden? Hier im Eingangsbereich sind sie nicht sicher. Oben gibt es noch mehr Überlebende?" meint sie in Halfdans Richtung. "Wir sollten ihnen zumindest bescheidgeben, dass die Lage für den Moment ersteinmal ruhig ist, und natürlich, dass ein paar mehr Leute hier sind. Was meint Ihr, Halfdan, ich denke Ihr könnt euren Freund guten Gewissens für einen Moment in den kundigen Händen unserer Heilerin belassen."

"Danach sollten wir zusehen, dass wir anständige Lager für die beiden herrichten. Wie sieht es oben aus, gibt es da Liegen? Und dann den Zugang wieder versperren und natürlich bewachen, so dass es keine bösen Überraschungen gibt."

Dann macht die Elbin Anstalten, nach oben zugehen, wartet aber ab, ob Halfdan sie begleitet.

"Ich bin übrigens Aeryn," sagt sie schließlich, als ihr auffällt, dass sie sich selbst in dem vorherigen Trubel noch garnicht vorgestellt hatte.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 04.07.2017, 13:04:43
Mit Wundversorgung kennt sich Freydis zwar nicht aus, aber auf anderem Wege vermag sie zu helfen. Als der
Vorat in Lív`s Wasserschlauf zu Neige geht tritt Freydis hinzu. "Wenn ihr erlaubt, Druidkvinne.".
Trotz der noch immer pochenden Kopfschmerzen fixiert sie das Gefäß mit Augen die sie einmal mehr blau verfärben und vollführt sie mit der linken Hand eine Geste,  als würde sie etwas aus der Luft greifen und dann von ihrer flachen Hand fließen lassen. Wie von Geisterhand füllt sich der Schlauch mit kühlem, klarem Wasser.  Und nur ein kurzes Stirnrunzeln und eine unwillkühliche Bewegung der  freien Hand in Richtung Schläfe lassen den Preis Ahnen den die Berührte für den Zauber zahlt.[1] "Sagt bescheid wenn ihr mehr davon braucht oder ich anders helfen kann." ergänzt sie leise.
Bei Aeryns Worten nickt sie zustimmend. "Freydis Redwaldsdottir" stellt sie sich, dem Beispiel der Elbin folgend ebenfalls vor.
 1. drench
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 04.07.2017, 22:41:41
"Von den Viechern da?" Halfdan deutet auf eine der Hungerkreaturen. "Neun war'n das mal, als die ganze Scheiße hier anfing. Einen haben wir gleich in der ersten Nacht erwischt und ich mein, Uldrig hätt' gestern einen zweiten mitgenommen, bevor er selbst draufging. Die Kolkra da, keine Ahnung, wo die herkommt, oder ob außer ihr in den letzten vier Tagen noch andere dazugekommen sind. Kolkra dürfte es hier an der Ostküste gar nicht geben, außer südlich von Jongot. Aber der hier", Halfdan beugt sich über die Kreatur in zerrissener Kutte neben der Kolkra, "ja, der ist von hier." Er tritt zum zweiten und denkt kurz nach. "Bruder Gottwin, tät' ich sagen. Da, der kleine Finger fehlt. Das macht also neun weniger vier, und eine nicht bekannte Anzahl Neuankömmlinge..." Er schnalzt missbilligend mit der Zunge.

"Aber Aeryn hat recht, wir sitzen wohl doch die Nacht hier noch mal fest, also lasst uns später quatschen. Rogar kann eh besser erklären, was es mit diesen Viechern auf sich hat, er war die ganze Zeit mit Bruder Wulfhart in der Krankenstube zugange. Du und du", er zeigt auf Tristan und Hjálmarr, "helft mir, neue Barrikaden aufzurichten. Ich hoffe, ihr habt noch mehr Wasser dabei, als Rotlöckchen da gerade als Waschwasser über euren Talahan entleert hat. Wir sind hier alle ziemlich durstig."[1] Er ruft noch kurz in den oberen Stock hinauf, dass alles in Ordnung sei, dann nickt er Aeryn zu, wie um zu bestätigen, dass er ihrem Rat damit hinreichend gefolgt ist, und verschwindet dann auf der Wendeltreppe nach unten.

Tristan hat derweil, auf Lîfs Anweisung, dem kleinen Mann Wasser eingeflösst, und sich weder am Gespräch noch an der allgemeinen Vorstellung beteiligt. Wozu soll das gut sein, wenn einer der beiden Fremden im Raum bewusstlos ist und der Rest ihrer Gruppe im Stockwerk drüber? Gescheiter wär's, man wartet, bis alle beisammen sind, dann spart man sich, alles wiederholen zu müssen. (Auch hat Tristan sich sein Lebtag noch keine fünfmal bei irgendwem vorstellen müssen, die Notwendigkeit dazu ergab sich einfach selten—Verzeiht, ich bin Tristan Olavsson, ich raub euch jetzt aus und dann erschlag ich euch!—daher fehlt ihm jeglicher Reflex dazu.) Als Halfdan ihn mit "Du" anredet und gleich herumkommandiert, hat Tristan gar kein Problem damit—genau dasselbe hätte er jetzt auch vorgeschlagen. Er folgt den Anweisungen des Mannes wortlos. Die abfällige Bemerkung über seine Frau entlockt ihm allerdings ein Zähnefletschen. Nicht, dass seine Fahrtenbrüder nicht genauso daherredeten. Aber das waren seine Fahrtenbrüder. Der Kerl hier... sollte ein wenig dankbarer über die Unterstützung sein.

Hjálmarr hat die Zeit genutzt, um aus allen vier Fenstern zu schauen. Aus dem Westfenster sieht man in den Hof, die Türen zu Bibliothek und Schreibstube, den Platz vor dem Nordtor. Aus dem Südfenster sieht man den restlichen Hof, inklusive der Tür zum Infirmarium und dem Osttor, durch das der falsche Bruder Jarus sie einließ. Der Hof liegt verlassen da, die Schatten verlängern sich zunehmend, erobern ihn immer schneller. Nach Süden hin schaut man auf den Weg, der in einem Rechtsbogen um das Kloster herum zu der Steige führt, die sie heraufgekraxelt waren. In etwa hundert Schritt Entfernung beginnt lichter Wald und, nach kurzer Senke, eine weitere Steigung, diesmal bis in schneebedeckte Höhen, die in den letzten Sonnenstrahlen leuchten. Der Blick nach Norden zeigt dieselbe, trügerische Abendstille. Von der Nordpforte führt ein Weg ebenerdig entlang des Kammes, bis er sich in weiter Ferne im Wald verliert. "Ein paar Mönche sahen wir noch durchs Nordtor fliehen", hat Halfdan vorhin gesagt. Dann fordert der Mann Hjálmarr auf, ihm beim Barrikadenbau zu unterstützen. Nichts leichter als das.

Aeryn, die Halfdans Bericht aufmerksam gelauscht hat, bemerkt erst als er fort ist, dass hinter ihr die beiden Verletzten längst auf Pritschen gebettet sind. Es hat noch vier weitere unzerschlagene und unbesudelte Pritschen in diesem Raum, der bis auf die fehlenden Trennwand zwischen Schlafbereich und Aufenthaltsbereich—und den vier Fenster in Sichthöhe—dem unteren gleicht.

Die drei Männer sind also auf dem Weg ins Erdgeschoss, während die drei Frauen bei den Verletzten zurückbleiben. Erst jetzt tritt Freydis zu Lîf und bietet Hilfe an. So ganz, wie sie sich das vorgestellt hat, will ihr die Sache aber nicht gelingen. Das war früher schon immer das Problem gewesen... die Ströme zu kontrollieren... kanalisieren... nicht einfach wild losplatschen zu lassen... Aber am Ende erreicht sie doch ihr Ziel—es landet ausreichend Wasser im Schlauch, um ihn prall zu füllen. Dazu ist Talahan wesentlich sauberer als zuvor, was schließlich Ziel der Übung war. Natürlich ist außerdem die ganze Pritsche nass. Und Lîf auch.[2]

Nach dem etwas unerwarteten Bad ist Lîf sich sicher, dass sie Talahan gefahrlos ohne Handschuhe berühren kann, und als sie dies tut, setzt ihr Herz kurz aus: Talahan Stirn glüht wie ein Kessel überm Feuer. Seine Wangen sind aufgedunsen, die Lippen rissig, seine Augen sind so blutunterlaufen, dass man kaum noch Weißes erkennen kann. Ihr erschrockener Blick trifft den seinen. Er lächelt müde.

Darauf erhebt er sich und begibt sich schwankend zu den beiden anderen Verletzten, vor deren Pritschen er kniet. Zunächst legt er die Hand auf den Fremden, dann Abdo, dann wieder den Fremden.[3] Sein Gebet murmelt er mit so heiserer Stimme, dass man ihn kaum verstehen kann.

Sobald sein Werk vollbracht ist, lässt er sich von Lîf wieder Anweisungen geben, die er stumm befolgt.

Schließlich kommen Halfdan und Hjálmarr wieder hoch und beginnen, auch den Zugang zur Wendeltreppe zu verbarrikadieren. Zwischendurch schnappt Halfdan sich zwei der Seile, die jeder der "Mönche" um die Hüfte geschlungen trägt, knotet sie zusammen, verschwindet damit in der Feuerstelle, in deren Inneren er das eine Ende wohl irgendwo befestigt, bevor er sich so richtig in den Abzug hineinreckt und das andere Ende in den Schacht hinablässt.[4]

Gerade als aus dem oberen Stockwerk eine besorgte Frauenstimme wispert: "Alles in Ordnung? Können wir 'runterkommen?" regt sich der kleine Mann auf der Pritsche.[5]

Draußen ist inzwischen sternklare Nacht.
 1. Es ist genug Material da, beide vorgeschlagenen Stellen zu verbarrikadieren (Tür zum Hof; Wendeltreppe zum 1. Stock). Bis Rogar zu sich kommt und sein Zeug unten bergen kann, vergehen gut zwei Stunden. In der Zeit könnte unten ja schon wer eindringen. Ihr könnt euch gerne bei der Einteilung der Wachen für die Nacht dann noch einigen, welche Barrikade ihr bemannen wollt. So oder so müssen immer zwei Leute Wache halten, da man von keiner Barrikade aus viel sehen kann.
 2. Übertrieben? Ich kann's ändern, abmildern, wenn's Dir zuviel des Guten ist, Freydis... Aber drench means drench, um T. May zu paraphrasieren. Das ist nicht Create Water, wie Du selbst richtig anmerktest. :wink:
 3. Lîf, ich bin davon ausgegangen, dass Rogars Wunden zu diesem Zeitpunkt schon per Treat Deadly Wounds versorgt sind.
 4. Aeryns ursprüngliche Idee aufgreifend...
 5. Gut zwei Stunden sind seit dem Kampf vergangen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 05.07.2017, 11:38:51
Lîf hat sich nicht weiter um die Gespräche gekümmert, sondern schweigend ihre Arbeit getan. Nur bei den verächtlichen Worten Halfdans hat sie kurz aufgeschaut und geschnappt: "Mein Name ist Lîf! Und wenn Ihr wollt, dass er krank wird und uns womöglich ansteckt, dann sagt nur bescheid!" Danach hat sie in ihrer typischen Art das Haar zurückgeworfen und sich verächtlich von ihm abgewendet, um Talahan weiter zu waschen. Denn das kennt sie schon von den Kumpanen ihres Mannes: Die Männer haben sie nie ganz ernst genommen – doch wenn sie nach einem ihrer Raubzüge verwundet waren, dann kamen sie stets zu ihr und den anderen heilkundigen Weibern gekrochen und jammerten, man solle ihnen doch helfen! Wenn es um die Behandlung Verwundeter, Kranker, Alter oder schwangerer Frauen geht, haben sie alle keine Ahnung, daher lässt sie sich auch nicht beirren.

Nach Rogar und Abdo hat sie ebenfalls noch einmal gesehen und Tristan leise gesagt, worauf er achten und wann er sie rufen soll. Doch den Hauptteil der Arbeit hat sie selbst erledigt, zumal die Mannsleute sich schließlich alle um die Verteidigung kümmern – wo sie der Meinung des Rotschopfs nach auch besser aufgehoben sind und weniger Unheil anrichten können. Die Hilfe Freydis' hat sie natürlich gern angenommen, aber überrascht aufgeschrien, als sie plötzlich samt Talahan und Pritsche mit einem Wasserschwall übergossen wurde. Leise seufzend hat sie sich jedoch beherrscht und nur versucht, sich Haare und Kleider notdürftig auszuwringen, bevor sie sich neben Talahan gekniet hat, um ihm mit einem nassen Tuch (daran mangelt es ja nun nicht mehr) die Stirn zu kühlen und mit einigen Kräutern aus ihrer Schürze einen Absud vorzubereiten.

"Heißes Wasser brauchen wir noch, damit ich ihm einen Trank bereiten kann, der das Fieber senkt." murmelt sie und wendet sich dann an die Gezeichnete. "Freydis, bitte frage doch die Weibsleute hier, ob sie uns etwas von dem Wasser heiß machen können. Ich brauche es, um Talahan zu behandeln, und auch von den Leuten hier mögen einige krank sein." Denn just glaubt sie von oben eine Weiberstimme gehört zu haben. Sie selbst konzentriert sich allerdings, nachdem sie sich von dem stabilen Zustand ihrer beiden anderen Patienten überzeugt hat, ganz auf Talahan. Dabei versucht sie ihn beruhigend anzulächeln und ihre Sorge nicht mehr zu zeigen. Auch die zunehmende Müdigkeit versteckt sie sowohl vor ihm als auch vor den anderen. Nur wenn sie sich unbeobachtet glaubt, lehnt sie sich gelegentlich zurück, hockt auf ihren Fersen und hält eine Hand auf ihrem gerundeten Bauch, um tief und ruhig durchzuatmen. Um zu vermeiden, dass die Ermattung ihre Hände zittern lässt, geht sie mit energischen Bewegungen vor. Wie viel Zeit vergangen ist, hat die junge Frau gar nicht bemerkt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 06.07.2017, 06:47:31
Lifs deutliche Worte und Anweisung wird von dem kleinen Patienten mit einem dankbaren, schmalen Lächeln und Nicken quittiert, bevor er sich soweit zurücklegt wie möglich, ohne den Kopf aus einer aufrechten Position kommen zu lassen, die das Einflößen von Flüssigkeit gefahrlos macht. Zumindest Instinktiv scheint er zu wissen, wie man sich zu verhalten hat. Nachdem er eine ganze Menge Wasser vorsichtig von Tristan entgegen genommen hat, legt er sich zurück und flüstert: "Diolchir." Kurz dreht er den Kopf noch kraftlos in Lifs Richtung und murmelt: "Mae gan dân fel Rika." Dabei greift er nach dem Amulett, das er um den Hals trägt und einen vielzerkratzten Edelstein beherbergt. Gleich darauf ist sein Bewusstsein wieder weg, die Hand bleibt um sein Amulett verkrampft.

Beim Umbetten mit Hjálmarrs Hilfe erwacht der Kleinwüchsige erneut und hilft. Er wirkt schon wesentlich kräftiger und erholter. Entweder hatte ihn zu Beginn noch etwas anderes zu schaffen gemacht oder seine Erholungsrate ist außergewöhnlich. Er nickt und lächelt seinen Versorgern zu. Als dann Aeryn und Freydis sich vorstellen, scheint er es zu verstehen, und gibt ein heiseres: "Rogar, Alcemydd." von sich. Freydis Magie scheint er nicht mitbekommen zu haben. Und Talahans verschläft er später.



Die Stunden der Versorgung gehen vorüber, ohne das der Kleingewachsene lang genug zu Bewusstsein kommt, um noch mehr halbwegs Verständliches zu tun. Mit der Frauenstimme von oben wacht er endgültig auf. Ohne hektische Bewegungen richtet er sich vorsichtig auf und sieht sich aufmerksam um. Dabei trifft sein Blick Halfdans und mit einem stummen Nicken scheinen sie etwas nonverbal geklärt zu haben. Er wendet sich zur Treppe und antwortet: "Im Moment ist alles in Ordnung, Fräulein Astrid, wir sind unter Freunden." Sein Suli hat eine schwache Färbung der anderen Sprache, die er in seiner Semibewusstlosigkeit verwendet hat, ist aber wohlgesetzt und problemlos verständlich.

Er schiebt sich seine Bettstatt zurecht, damit er halb gelehnt sitzen kann und sieht dann in die Runde. Sein breiter, aber untersetzter Körper ist neben den frischen Verbänden übersät mit alten Narben, von denen einige tödlicher aussehen als die neuen, die einfach durch ihre schiere Masse seine unmenschliche Zähigkeit unterstreichen. An sich wirkt er dick, was der Unmenge an Muskeln geschuldet ist. Seine Haut ist bleich, als hätte sie nicht viel Sonne gesehen, was dazu passt, dass er eine Metallhaut trug, die fast alles bedeckt. Mit einem immer noch müden Lächeln beginnt er: "Wir schulden euch Dank, ihr habt uns aus einer misslichen Lage befreit. Wir waren oben durch die Verdorbenen eingeschlossen, da der größere Teil keine Kampfausbildung aufgewiesen hat und auch wenig Talent dafür. Leider können wir weder mit Lebensmitteln oder unverdorbenen Wassermengen dienen, die waren uns schon zur Neige gegangen mangels Einhaltung der Rationierung." Die letztere Information gibt er mit Blick auf Lifs letzte Worte, wobei er kurz irritiert die Augen zusammenkneift, als er sie betrachtet.

"Ich unterstelle euch dreisterweise mal, keiner beherrscht die Sprache der Dain, daher wiederhole ich meine Vorstellung noch einmal: Mein Name ist Rogar, ich gehöre der Gilde der Apothekarie an.", setzt er fort und neigt den Kopf leicht. Mit scharf eingezogener Luft richtet er ihn wieder auf und ignoriert die Schmerzen. "Zu unserer Ausbildung gehören Heilkunde, Pflanzenkunde, Anatomie und Alchemie, um die Gesundheit unserer Volksgenossen effektiv wiederherzustellen und zu erhalten." Halfdans gemurmelter Einwurf, dazu gehöre wohl auch, die Gesundheit anderer 'effektiv' zu verringern, quittiert der Dain mit leichter Unverständnis: "Nein, Kämpfen gehört zur Grundausbildung aller Dain."

Danach lässt er der Runde Zeit, sich vorzustellen, wobei er bei Aeryn aufstrahlt: "Eine Elbin unter den jungen, es ist mir eine besondere Freude. Bei Gelegenheit erzählt mir doch, wie es euch hierher verschlagen hat." Lif erntet einen besonderen Dank und ein Lob ihrer Heilkünste, die 'für eine so junge Dame schon weit fortgeschritten wären'. Talahan erhält gleich einige weiterführende Fragen: "Ihr kommt nicht vom Kriegerkloster her, oder? Dafür wäret ihr zu schnell gewesen. Habt ihr fliehende Mönche getroffen? Was ist der Grund eurer Anwesenheit, so ihr den uns eröffnen könnt?" Abdo erntet einen skeptischen Blick, Rogar verkneift sich aber die offensichtlichen Fragen, wohl, um nicht unhöflich zu sein.

Anschließend bietet er an: "Ihr habt sicherlich eine Menge Fragen, ich werde versuchen, sie euch nach bestem Wissen zu beantworten. Aber ich würde das gerne mit Nützlichem verbinden." Er sieht mit Bedauern auf seine immer noch verdreckte und chaotisch zusammengeworfene Rüstung. Dann wendet er sich an den Menschen in seiner Begleitung: "Herr Halfdan, wäret ihr so freundlich, und könntet mir bitte meine Ausrüstung bringen? Meine Armbrust samt Bolzen von oben, was von meinem Gepäck noch übrig ist, und meinen Schild." Aus dem Stockwerk bittet er um seine Rüstung und Äxte und als die Frage, ob das untere Stockwerk erreichbar wäre, bejaht wird, fragt er: "Sind meine Aufzeichnungen noch da? Ihr wisst schon, die Lederrolle voller Papyrus. Mein Helm, mein Kochgeschirr und Handwerkszeug ist hoffentlich auch noch da?" Sobald er die Mittel hat, beginnt er, seine Rüstungsteile routiniert, aber sorgfältig zu säubern und zu prüfen.

"Ich hätte auch noch eine Frage: Wie lange war ich ohne Bewusstsein? Ein ehemaliger Kamerad Maduk - ein blonder Dain - war noch immer unter den Belagerern. Ist er erneut entwischt oder wenn nicht, was ist mit seiner Leiche und Ausrüstung geschehen?"`Seine erschöpfte Stimme passt gut zu seinem Gesichtsausdruck, der eine Mischung aus Trauer und Hoffnung widerspiegelt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 06.07.2017, 13:56:21
Immer noch geschwächt, war Abdo nach seinem Erwachen mehrfach in einen leichten Schlaf hinein und wieder heraus geglitten, so dass er von den Gesprächen der anderen nur Bruchstücke mitbekam. Als er schließlich endgültig aufwacht, weiß er daher nicht, was von dem Gesagten Traum gewesen ist und was Realität. Bevor er sich noch richtig orientieren kann, kniet der Gotteskrieger schon neben ihm und legt ihm, einige schwer verständliche Worte murmelnd, die Hand auf.

Plötzlich weiten sich die Augen des dunkelhäutigen Mannes, und ein weiteres Mal richtet er sich abrupt auf. Diesmal jedoch hämmert kein Schmerz in seinem Kopf, denn was auch immer Talahan gerade gemacht hat, es war, als bräche eine Welle reiner Energie über Abdos Körper herein. Seine Sinne scheinen geschärft, seine Schmerzen gelindert, und seine Kräfte wiedererweckt. Verwundert greift er an seinen Hals, an dem er gerade noch einen pochenden Schmerz fühlte, der sich nun zu einem warmen Kribbeln gewandelt hat. Vor seinem inneren Auge sieht er noch einmal die Kreatur, die sich in ihm verbeißt, spürt sein warmes Blut aus der Wunde strömen. Vorsichtig tastet er nach dem Kräuterverband, den Lîf ihm aufgelegt hat und hebt ihn an, um nach der Wunde zu tasten, nur um einen Moment später zurückzuzucken: Dort wo eigentlich tiefe Bisswunden sein sollten, spürt er nur noch leichte Spuren, als hätte die Wunde auf einen Schlag zwei Wochen Heilung erhalten!

Er legt den Verband, von dem er nicht mehr sicher ist, ihn überhaupt zu brauchen, dennoch wieder an - mit der Heilerin möchte er sich nicht noch einmal anlegen. Ehrfürchtig tippt er Talahan, der sich inzwischen dem kleinen Mann zugewandt hat, von hinten an die Schulter: "Was ... was war das? Wie hast du das gemacht?"

~~~

Einige Zeit später hat sich auch der Kleinwüchsige deutlich erholt und erklärt den Versammelten, was sich hier zugetragen hat. Abdo lauscht den Worten von seinem Lager aus - sein Glück möchte er nicht zu sehr auf die Probe stellen, und die Heilerin sieht ihn jedes Mal streng an, wenn er Anstalten macht, aufzustehen - und stellt sich vor, als er an der Reihe ist, wobei er die skeptischen Blicke des Mannes durchaus bemerkt. Doch auch er selbst hat allen Grund, Rogar neugierig zu mustern, denn so langsam erkennt er, dass der Mann nicht einfach ein kleinwüchsiger Mensch ist - dazu passen die Proportionen einfach nicht. Sind die Dain, von denen der Mann spricht, etwa ein eigenes Volk, so wie es Menschen und Elben gibt? Immerhin hat er hier bereits die Bekanntschaft mit einer der Kolkra gemacht, die es in seiner Heimat ebenfalls nicht gibt. Zumindest hat er nie von solch Kreaturen gehört.

Als Rogar schließlich geendet hat, beschließt Abdo, mögliche Vorurteile schnellstmöglich aus dem Weg zu räumen: "Ich habe Fragen, aber vorher will ich mein Aussehen erklären. Nein, ich bin kein Dämon, auch wenn viele mich hier wohl für einen halten. Ich bin ein Mensch - doch dort, wo ich herkomme, hat niemand so helle Haut wie ihr hier. Dort brennt die Sonne stärker und länger vom Himmel als hier, und so wie Fleisch erst im Feuer seine goldbraune Farbe erhält, glaube ich, ist die fehlende Wärme der Grund für eure fehlende Farbe.

Wie dem auch sei, wir kämpfen auf der gleichen Seite, und die Farbe soll keinen Keil zwischen uns treiben. Ebenso wenig wie die Größe - denn in meinem Land kennt man keine Erwachsenen eurer Größe. Ist es das, was Dain bedeutet?

Aber um zu dem zu kommen, was hier passiert ist. Wir haben drüben im anderen Gebäude einige Kreaturen erschlagen, die zunächst wie Mönche aussahen. Ich glaube nicht, dass es nur neun waren. Am wichtigsten aber ist: Was ist mit den Mönchen passiert? Sie haben sich offenbar verwandelt - was hat dazu geführt? Und wer wird sich noch alles verwandeln? Wenn es ansteckend ist und welche entkommen sind, was dann?"


Er mag gar nicht daran denken, dass sich auch in dem Dorf schon Menschen verwandelt haben sollen. Wie soll man diese Seuche kontrollieren - vor allem, wenn unbekannt ist, was sie hervorruft?
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 07.07.2017, 11:37:26
Lîf hat, trotz ihrer intensiven Bemühungen und Talahans Wunder, verschiedentlich ungläubig den Kopf geschüttelt. Obwohl sie sich eigentlich wohler fühlt, wenn sie für Schwangere sorgen kann – immerhin steht dann ein freudiger Anlass hinter ihrem Tun – kennt sie sich dank Tristans früheren Gefährten und ihrer brutalen Profession mit Schnittwunden, Knochenbrüchen und ähnlichem besser aus, als ihr lieb ist. Und wie gut der kurz geratene Mann seine Blessuren überstanden hat, bleibt ihr da ein kleines Rätsel. Er muss über eine bemerkenswerte Konstitution verfügen, soviel ist klar. Jedenfalls macht sie sich bald um einen ihrer Patienten keine allzu großen Sorgen mehr. Und nachdem auch Abdo deutliche Anzeichen der Besserung zeigt, beginnt die Anspannung für den verbissen gegen den Tod kämpfenden Rotschopf nachzulassen.

Nur Talahan selbst bereitet ihr noch Kummer. "Tristan, jeg har brug for varmt vand" meint sie müde über ihre Schulter, ehe sie realisiert, dass ihr Mann ja gar nicht mehr bei ihr steht, sondern sich mit den anderen Mannsleuten um die Barrikaden kümmert. Mit einer fahrigen Bewegung wischt sie sich über die Augen, unterdrückt ein Gähnen und wiederholt murmelnd ihre Worte für alle verständlich: "Ich brauche heißes Wasser..." Ihr wird ein wenig schwindlig, und sie muss sich neben dem Gotteskrieger hinsetzen. Die Erschöpfung macht sich trotz ihrer Zähigkeit langsam bemerkbar. Die Gedanken der jungen drudkvinde beginnen sich zu verwirren. Hatte sie vorhin nicht noch jemanden wegen des heißen Wassers angesprochen..? Freydis..? Sie glaubt sich dunkel zu erinnern.

Sicher ist jedenfalls, dass Talahan ihren fiebersenkenden Absud braucht! Daher stemmt sie sich mühsam wieder hoch, streicht sich gedankenverloren das Kleid über dem Bauch glatt und sieht auf den Verwundeten hinab. Die lobenden Worte ihres neuesten Patienten quittiert sie mit einem schwachen Lächeln. Zu mehr reicht ihre Aufmerksamkeit nicht aus. Nicht einmal die Erwähnung der Heilkunde, die sie sonst hätte aufhorchen lassen, reißt sie aus der beginnenden Lethargie. Ihre Glieder fühlen sich schwer an, und sie hat das Gefühl, als sei sogar das heranwachsende Kind in ihrem Leib erschöpft. Schwerfällig und träge ist sie, zum ersten Mal so sehr, seit Tristan ihr das Geschenk seiner Manneskraft gemacht hat. Bislang fühlte sie sich eigentlich sogar sehr gut.

Fast gleichgültig beobachtet sie, wie Abdo sich bei Talahan bedankt. Ihre Mundwinkel kräuseln sich kurz. Bei dem Gotteskrieger ist es ein Wunder, für das die Leute dankbar sind. Ruft sie allzu offen die Große Mutter an, um deren zauberische Kraft zu wirken, läuft sie Gefahr, von den nächstbesten Bauern an einen Pfahl gebunden und als Hexe verbrannt zu werden... Wie haben es die Anhänger dieses neuen Gottes nur geschafft, die Schöpferin allen Lebens von Ihrem Platz zu verdrängen? Zu müde, um im Moment wegen dieses Gedankens gegen die Umstände aufzubegehren, sinkt sie wieder neben Talahan nieder und versucht ihm mit einem feuchten Tuch die heiße Stirn weiter zu kühlen, die Augenlider mühsam offenhaltend.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 09.07.2017, 16:37:49
Lívs Aufforderung folgend macht sich Freydis auf ins dritte Stockwerk. Dort kann Astrid zwar mit einem kleinen
Kochtopf dienen, aber das Wasser ist den belagerten schon lange ausgegangen und in den oberen Stockwerken des Turmes gibt es keine Feuerstellen die man zum erhitzen nutzen könnte.
Also nahm die Berührte den Topf wieder mit hinunter nur um einen rußverschmierten Halfdan vorzufinden,
der gerade dass Seil im Schornstein installiert hatte um dem Wachposten im Erdgeschoss einen raschen Rückzug an der Barrikade vorbei zu ermöglichen.
Also ist auch diese Feuerstelle derzeit nicht für ihren eigentlichen Zweck zu gebrauchen. Aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten. Freydis plaziert den Topf auf der ohnehin schon durchnässten Pritsche und
fokussiert und wiederholt die Gesten von vorhin. Diesmal gelingt es ihr schon etwas besser, die Ströme zu kanalisieren und den Wasserschwall auf Topf und Pritsche, und die Wand dahinter zu beschränken.[1]
Der zweite Teil wird weniger kompliziert sein. Der Anflug eines Lächelns stielt sich auf das Gesicht der Berührten als sie sich an die zahllosen kleinen Übungen erinnert, die die alte Undis sie absolvieren hat lassen,
immer und immer wieder, damit es ihr in Fleisch und Blut überginge Konzentration und Fokus zu bewahren und
die Energien nach ihrem Willen zu formen. Aber es ist lange her, dass sie diese besondere Übung das letzte mal durchgeführt hat.
Sie kniet sich vor der Pritsche auf den Boden und fokusiert den Topf und seinen Inhalt vor sich mit Augenn die wieder beginnen sich blau zu verfärben. Dn schließt die Augen und beginnt Energie zuerst zu einem sanften warmen Nebel zu formen und diesen dann weiter zu erhitzen und schließlich in das Gefäß zu leiten. Dieser Strom ist viel sanfter und lässt sich so viel leichter kontrollieren. Dafür dauert es aber auch eine ganze Weile, während der Freydis  nur vor der Pritsche zu knien scheint, die Augen geschlossen und die Hände ausgestreckt wie um den Topf zu ergreifen, ehe Dampf aus dem Gefäß auf steigt und schließlich das Wasser zu kochen beginnt.
Erst da öffnet die Berührte die wieder fast grauen Augen und reibt sich die schmerzenden Schläfen. Gerade rechtzeitig um Lívs erneute Frage nach heißem Wasser zu hören.
"Hier" sie deutet mit einem erschöpften Kopfnicken auf den dampfenden Topf."Tut mir leid, dass es solang gedauert hat. "Sie muss ganz schön erschöpft sein wenn sie mich nicht bemerkt hat. Oder konzentriert auf ihr Handwerk." denkt sie bei sich. "Wahrscheinlich beides. Dir geht es ja auch nicht anders wenn die Schmerzen zunehmen und die kleinste Unachtsamkeit einen Zauber katastrophal scheitern lassen kann.



Freydis hat in ihren Büchern von den Dain gelesen und auch in einigen der Geschichten die man sich auf Albion erzählt kommen Zwerge, klein, bärtig, übellaunig und zäh vor. Aber Rogar ist der erste dem sie in Fleisch und Blut begegnet und natürlich weckt er ihre Neugier so dass sie sich immer wieder dabei ertappt ihn anzustarren.
Aber erst als der Apothekarius sich formal vorstellt wird ihr klar, dass er der Besitzer und anscheinend sogar Autor jener Schriftstücke ist, die sie vor einer gefühlten Ewigkeit im Erdgeschoss an sich genommen hat.
Sie braucht eine Weile ehe sie ihren Rucksack wieder findet, den sie achtlos abgestellt hatte um Lív zur Hilfe eilen. Mit der ledergebundenen Mappe in der Hand zögert sie nervös und aufgeregt.
Der Apothekarius wird gewiss in seiner eigenen Sprache schreiben, und wenn dies wirklich seine Aufzeichnungen sind, dann müssen es die Dain gewesen sein, von denen die alten Albioner das schreiben gelernt haben und vieleicht noch mehr. Sie weiß, das die alten Albioner Magie gekannt haben, höchst wahrscheinlich mehr als die heutigen Bewohner der Insel. Es gibt Berichte und Gerüchte von Funden und es heißt sogar, dass die Zwartjod einen ganzen Hort solcher Funde sicher verwahren sollen.
Aber haben die alten Albioner auch Magie von den Zwergen gelernt? Und was wissen die heutigen Dain über die Magie der Berührten? Tausend Fragen gehen ihr durch den Kopf und wenn Rogar tatsächlich all das Wissen besitzt, das er sein Gilde zuschreibt dann wird er viele davon beantworten können. Aber soll sie die Antworten als Preis für die Rückgabe seiner Notizen verlangen, oder das Buch zurückgeben und auf seine Dankbarkeit hoffen? Oder die Aufzeichungen für sich behalten um sie eines Tages, wenn sie die Schrift der Dain gelernt hat selbst zu entziffern, während sie ihn in dem Glauben lässt, die Angreifer hätten die Mappe entwendet?
Schließlich verstaut sie ihre Beute wieder im Rucksack. Sie will erst mehr über den kleinen Bärtigen Apothekarius lernen ehe sie entscheidet. Dafür entnimmt sie dem Gepäckstück mehrere ihrer sorgfältig in gewachstes Tuch eingewickelten Rationen.
"Wir haben noch Rationen, und für frisches Wasser kann ich sorgen." bietet sie an.
 1. drench
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 11.07.2017, 11:05:44
Da Halfdan sich erstmal um die Sicherung des Eingangs kümmern will, bleibt Aeryn bei den Verwundeten und hält dort Wache. Lîf scheint die Verwundungen soweit im Griff zu haben, hoffentlich würden ihre Patienten bald wieder auf die Beine kommen. Sie würden ihre Kampfkraft noch brauchen.

Als der Dain, Rogar, nach einigen Stunden wieder zu Bewusstsein kommt, jedenfalls in einer Form, dass er auch ansprechbar wirkt, ist Aeryn in der Nähe und lauscht seinen vielen Fragen. Sie stellt sich ihm natürlich ebenfalls vor, als sich die Gelegenheit bietet, und lächelt als er sie anspricht. "Es ist mir ebenfalls eine Freude, einen Vertreter der Dain hier anzutreffen. Auch ihr seid fern eurer Heimat, nehme ich an. Wir haben schon lange nichts mehr von eurem Volk gehört."

Die Elbin lauscht weiter seinen vielen Fragen und versucht sie so gut es geht zu beantworten.

"Wir kommen alle aus Kromdag, jedenfalls seit wir gemeinsam unterwegs sind. Fürst Ayrin hat uns beauftragt, hier unten nach dem Rechten zu sehen. Es war von Banditen die Rede, die die Händler überfallen. Dann sind wir bei unseren Untersuchungen hierher gelangt und über... das hier... gestolpert. Wir hatten unten schon das Vergnügen mit einigen der falschen Mönche. Wir wissen von niemandem, der entkommen ist, aber Halfdan hatte etwas erwähnt."

Als Rogar sich dann nach Maduk erkundigt, wird der Blick der Elbin traurig. Was sie berichten kann, wird sicherlich nicht das sein, was der Dain sich erhoffte.

"Ihr seid bestimmt zwei Stunden im Delirium gewesen. Wenn Maduk der Dain war, der uns hier angegriffen hat, dann fürchte ich, ist von ihm nicht mehr viel übrig. Als er zu Boden ging, hat sich sein Körper in einer Explosion aus Schleim aufgelöst. Seine Ausrüstung könnte noch da sein, das weiß ich nicht genau."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 12.07.2017, 16:28:31
Als Aeryns Blick gegen Ende ihrer Rede unbewusst zu den Überresten des blonden Zwergen hinüberzuckt, wird auch Rogar darauf aufmerksam. Seine Augen weiten sich, als er Maduks Kettenhemd und seine Armbrust erkennt. Oder vielmehr, das Kettenhemd könnte sonstwem gehören, so wie es da unachtsam dahingeworfen in der Schleimlache liegt, aber die Armbrust erkennt Rogar ohne jeden Zweifel. Es ist die leichtere—und leichter handhabbare—Variante der Waffe, die Rogar selbst besitzt. Beide Waffen stammen vom selben Hersteller, nämlich von Maduk selbst.[1] Und ich hab sie ihm noch nicht einmal ganz abbezahlt! schießt es Rogar aus unerfindlichem Grund durch den Sinn.

Die Gespräche und Rogars lange Rede (vielleicht aber auch Freydis' forsches Vordringen auf der Suche nach Topf und Feuerstelle) locken endlich zwei der Überlebenden aus dem Turm herbei: eine bäuerlich gekleidete kräftige junge Frau mit strohblonden Zöpfen, wohl das erwähnte "Fräulein Astrid", und ein etwa doppelt so alter Mann in grob gewobener Pilgerrobe—hager, grauhaarig, das Gesicht wettergegerbt, der sich mit Ingolf aus Kromdag vorstellt. Beide bitten, sobald der Höflichkeit Genüge getan ist, um Wasser. "Auch für meinen Vater", fügt Astrid hinzu. "Und meinen Bruder", fällt Ingolf daraufhin ein. Leicht verdrossen geht sein Blick zur Treppe nach oben, als genau in diesem Moment von dort großes Gejammer und weinerliches Wehklagen ertönt. Auch Rogar schließt kurz die Augen. Mit seiner ständigen Beterei hat Orren ihn in den letzten vier Tagen bereits des öfteren an den Rand seiner Geduld gebracht.

Halfdan, der die letzten beiden Stunden mal am West-, mal am Südfenster in den Hof hinausgelauscht hat und dazwischen immer wieder besorgt an Rogars Krankenlager trat, ist sichtlich erleichtert, als der Zwerg zu sich kommt und fast sofort in die gewohnte Geschäftigkeit verfällt. Eine Mahnung, Rogar solle doch bitteschön nicht gleich wieder übertreiben und sich verausgaben, leistet der Mann aus dem hohen Norden sich noch, dann begibt er sich via Kamin ins Erdgeschoss. Eine geraume Zeit später taucht statt dessen Tristan auf und zieht, kaum in der Feuerstelle angelangt, mithilfe des Kletterseils ein klapperndes Bündel hoch, welches offenbar sehr schwer ist, denn er muss sich richtig hineinlehnen und einen Fuß gegen die Rückwand stemmen, bis ihm der ganze Krempel dann so plötzlich entgegenfällt, dass er fast hintenüber fällt. Scharrend zieht er darauf den in eine Deckel gewickelten Hausrat über den Boden und lädt ihn mit einem "Gruß von Halfdan!" vor Rogar ab.

Kurz darauf ist ein rußverschmierter Tristan gerade rechtzeitig zur Stelle, sein Weib zu stützen, welches vor Erschöpfung schwankt.

"Du er helt våd!" murmelt er besorgt und will sie erst einmal gar nicht loslassen. "Og udmattet! Kom nu, du har brug for at hvile!"[2] Und er wagt es tatsächlich, sie in Richtung einer unbenutzten Schlafstatt zu bugsieren.

Derweil ringt Rogar mit sich: soll er erst überprüfen, ob er seine Sachen endlich wieder beisammen hat, oder den erkrankten Kämpfer untersuchen?[3] Wo ist denn seine Heilertasche, liegt die noch oben? Nein, schau, Fräulein Astrid hat sie dabei und reicht sie, kaum dass ihre Blicke sich treffen, als könne sie seine Gedanken lesen!
 1. Leichte Armbrust MW; Köcher für 15 Bolzen (Inhalt 10 Bolzen); normales Kettenhemd in Zwergengröße. Falls es jemand aus der Gruppe anziehen will, müsste es angepasst werden. Ohne Anspruch auf Realismus, würde ich sagen: 8h Arbeit, verteilbar auf zweimal Rasten. Die korrekten Zangen vorausgesetzt. (Die Ringe sind nur zusammengebogen, nicht genietet.) Take 10 ausreichend, da Routinearbeit.
 2. Värangsk: Du bist ja ganz nass! – Und völlig erschöpft! Lass nach, du musst dich ausruhen!
 3. 
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Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 12.07.2017, 17:59:00
Nebenher beschäftigt mit der Pflege an seiner Ausrüstung hört Rogar Abdo zu. Er wirkt aufmerksam, auch wenn er ein wenig mit den Zähnen knirscht. Dann antwortet er in aller Ruhe, während er weiter seinen Tätigkeiten nachgeht: "Ich habe euch nicht für einen Dämon gehalten, dazu bin ich schon zu vielen begegnet." - Ihm scheint es wichtig zu betonen, den Fremden nicht einmal in Gedanken beleidigt zu haben. - "In den Aufzeichnungen meiner Feste werden nur keine dunkelhäutigen Menschen erwähnt, zumindest nicht explizit. Das warf für mich die Frage auf, wo ihr herstammt oder ob ihr einem Unglück zum Opfer gefallen seid. Danke für eure Antwort, ich möchte euch nichts schuldig bleiben." Er räuspert sich, bis er ein schmerzhaftes Husten unterdrücken muss. "Wir Dain sind eines der alten Völker, die wie die Elben und Riesen vor einiger Zeit - für euch wird es eine lange sein - die Welt bevölkerten und unter sich aufgeteilt hatten." Es sprach Betrübnis aus seiner Stimmlage, aber keine Bitternis.

"Um die anderen Fragen volständig und korrekt zu beantworten, bräuchte es meine Aufzeichnungen. Ich werde sie suchen müssen.", beginnt er zu erzählen und wirkt ernsthaft verärgert, dass alles andere noch dagewesen ist, nur dieser Teil seiner Ausrüstung fehlt. "Als kurze Übersicht kann ich euch berichten, dass ich vor neun Tagen eingetroffen bin. Soweit ich es beurteilen kann, gab es zu dem Zeitpunkt nichts Ungewöhnliches am Kloster zu bemerken. Die Räuberbande, die seit einiger Zeit Kaufmannszüge ohne Überlebende überfiel, war die größte Sorge. Etwa 100 Mönche taten das, was sie als ihren Dienst ansahen. Vor nu fast sieben Tagen gab es ein kräftiges Unwetter, dass sich quasi über dem Kloster sammelte und Schäden anrichtete. Ein besonders ausdauernder Blitz schlug in die Westseite der Kapelle ein. Dabei war ein unmenschlicher Schrei zu hören. Anschließend halfen wir, die Verletzten aus der Kapelle zu versorgen, zumeist Schnitt- und Verbrennungstraumata."

Rogar verstummt kurz und scheint weiteres zu rekapitulieren, bevor er fortsetzt: "Der Abt und die Brüder Jarus, Edgar und Wieland, Empfangsmeister, Bibliothekar und Lehrmeister schienen auch betroffen gewesen zu sein, aber in ihren Stuben versorgt zu werden. Ich bekam sie nicht zu sehen. Gerade schien sich die Situation zu bessern, auch wenn man mir Antworten zu meinen Fragen zur Sturmnacht schuldig blieb, da trafen neue Patienten ein. Neun dieser Mönche begannen mit starkem Fieber und gingen über Erbrechen, Durchfall, eitrige Wunden schließlich zu ausgetrocknet mit Teerblut über. Sieben allerdings begannen mit Schüttelfrost und Schwindel, um dann über Durst und Appetitlosigkeit extrem anzuschwellen. Letztere starben am dritten Abend und wurden in den Keller gebracht. Der Krankheitsverlauf war ungewöhnlich." In den letzten Worten schwingt Resignation mit, ein richtiges Eingeständnis seines Unvermögens im Bezug auf ihre Rettung will der Dain wohl nicht geben.

"Vor dann fast vier Tagen entdeckten wir, dass die Leichen der sieben geplatzt waren und ihre lebenden Ebenbilder wieder herumwandelten. Die normalen Mönche begannen sich am Nordtor zu sammeln für eine Evakuierung, ich kam hierher, um die Gäste des Klosters zu warnen und mitzunehmen. Leider wurde uns von bewaffneten Mönchen und den ehemailgen Fieberkranken der Weg abgeshnitten. So verbarrikadierten wir uns hier. Die Rationierung wurde nicht eingehalten und die meisten waren kampfunfähig und überfordert, so endete auch ein Ausfall im Tod von einem von uns. Aber om Turm hatten wir eine gute Übersicht, das Geschehen zu studieren, zumindest, nachdem ich den Scharfschützen vom anderen Dach geholt hatte. Sie waren meist in Dämmerung und nachts aktiv. Die meisten späterkommenden Besucher waren einzeln, wurden überwältigt und in Kloster verschleppt. Manchmal auch einzelne Gefangene von außerhalb. Einmal gab es jedoch etwas Bemerkenswertes: ein Reicher kam mit Begleiter zu Besuch, holte etwas von Jarus ab und ritt unbehelligt weiter. Schließlich seit ihr aufgetaucht." Er hustet und ergänzt dann: "Das war sicher nicht vollständig und ihr habt weitere Fragen - stellt sie gerne und ich werde antworten, soweit ich es noch ohne Aufzeichnungen kann."



Während er so die Fragen beantwortet, unterbricht er, als sein Blick erneut auf die Szene mit der Druidin und dem Gotteskrieger fällt. Er runzelt deutlich die Stirn, stellt seine Sachen ab und steht auf. Es wirkt bedächtig, was wahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass er noch nicht vollständig geheilt ist. Er greift nach seiner Axt und den Taschen mit Handwerkszeug, tritt neben Lif und stellt sie ab. Dann unterbricht er ihre Tätigkeit: "Frau Lif, auch wenn es sicher keine Art ist, bestehe ich darauf, mich hier einzumischen. Ihr müsst euch erholen. Was eure Männer euch hier zumuten, ist zuviel!" Er wendet sich an Aeryn und Freydis: "Ist eine von euch heilkundig? - Nein?" Auf die Verneinung seufzt er und schüttelt den Kopf. "Dann sorgt bitte dafür, dass sie sich wäscht, zur Ruhe begibt, isst und trinkt. Und wenn sich ihr Zustand verschlechtert, macht mich darauf aufmerksam." Zurück an Lif gewandt sagt er: "Ich werde euch nachher untersuchen, so ihr keine Einwände erhebt. Jetzt kümmere ich mich erstmal um euren Sir, wenn die Symptome nämlich die gleichen wie vorher bei den Klosterbrüdern sind, kann ich dies am besten erkennen und weiß, welche Behandlungsmethoden keinen Erfolg versprechen." Diesmal schleicht sich eine Spur Bitterkeit in seine Stimme.

So übernimmt er es, Talahan zu untersuchen und zu pflegen. Dabei spricht er leise mit ihm: "Sollten sich meine Befürchtungen bewahrheiten, was ich nicht hoffe, welche Wünsche hättet ihr?" Es könnte auffallen, das er die Axt innerhalb Armesreichweite abgestellt hat, ansonsten verhält er sich ruhig und kümmert sich nach Kräften um seinen Patienten. Nachdem er seinen Abriss über die letzten Tage gegeben hat, ist er mit der Untersuchung fertig und beginnt, seine Fläschchen, Kräuter und Pulver auszubreiten, offensichtlich in Vorbereitung einer Zubereitung eines Trankes oder Absuds.



Als der Zwergenkrieger Gelegenheit bekommt, Freydis magisches Wirken zu beobachten, kommentiert er dies nicht, bedenkt sie nur seitdem mit einem bemitleidendem Blick. Ihr Angebot für Nahrung nimmt er höflich dankend an und knabbert es langsam in kleinen Stücken, wenn sein Tun und Reden ihm eine Atempause gönnt. Als er mit der Zubereitung des Trankes beginnt und einige alchimistische Utensiien ausgebreitet hat, wendet er sich an die Berührte: "Fräulein Redwaldsdottir, wäret ihr bereit und in der Lage, für einige Minuten eine Flüddigkeit dieser Menge auf einer Temperatur zu halten, die einer so großen Flamme rein durchsichtigem und blauem Feuer entspricht?" Dabei zeigt er eine kleine Schüssel und einen Fingerabstand, um ihr die Dimensionen zu verdeutlichen. Je nach Antwort überlässt er ihr das Gefäß während seiner Arbeit oder bittet sie nur, mit einer bestimmten Kraft und Geschwindigkeit umzurühren, während er die Zutaten dazugibt - und die Flamme mittels einer Art Öllampe produziert. Seine Arbeit ist ruhig und gewissenhaft, allerdings immer wieder von kurzem Keuchen oder Zähneknirschen begleitet, wenn eine Bewegung Schmerzen verursacht.



Die Worte der Elbin beantwortet der Dain mit einem freundlichen Lächeln: "Das mit der Entfernung von meiner Heimatfeste mag sein, je nach Betrachtung. Und das wir so wenig voneinander hören, ist zu bedauern, aber gut erklärlich bei den ständigen Bedrohungen durch Kolkar und Dämonen und eingedenk der Tatsache, das die Srecke zwischen uns lang und mit Jungvolk bevölkert ist." Er wird ernst, als Aeryn weiter antwortet: "Wenn ich richtig informiert bin, seid ihr dann aus der anderen Richtung über das Dorf gekommen. Die Mönche wollten durchs Nordtor des Klosters über die andere Strecke zum Kloster der Gotteskrieger fliehen." Bei den weiteren Worten wandelt sich seine Miene schließlich zu Trauer und Nachdenken. "Das ist...ungewöhnlich und sehr schade. Er war der Leiter meiner Gruppe. Unter anderem das Verschwinden zweier Händler, mit denen wir häufiger Kontkat hatten, hat uns hergeführt.", formuliert er sich vorsichtig, als ihm ein unangenehmer Gedanke wegen des von ihm abgeschossenen Scharfschützen kommt. Er lenkt sich ab: "Ich bitte um Übergabe seiner Überreste, und sei es eben der Ausrüstung. Ich werde sie mit der Nachricht der Famillie zukommen lassen, wennner sie schon anders nicht mehr unterstützen kann." Mit einem langgezogenen Atemzug rafft er sich wieder auf und widmet sich seiner Heilertätigkeit.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 12.07.2017, 19:58:21
Fahrig wirkend schreckt Lîf auf, als Freydis sie anspricht, nickt aber dann und dankt der Gefährtin. "Es ist nicht deine Schuld – wir sind alle erschöpft" gibt sie zurück und macht sich dann daran, aus ihren Kräutern den fiebersenkenden Absud zu bereiten, den sie Talahan einflößen will. Die Gespräche zwischen Freydis, Aeryn und dem Mann namens Rogar bilden dabei eine Geräuschkulisse im Hintergrund, von der die übermüdete drudkvinde nur den Eindruck eines gleichförmigen Plätscherns hat, wie von einem beständig fließenden Bach. Lediglich Fräulein Astrid schenkt sie einen längeren Blick – sie erinnert den Rotschopf an die eigene Vergangenheit als Bauerntochter, was Lîf kurz lächeln lässt, ehe sie sich müde über die Augen wischt. Astrids Begleiter fasst sie nur kurz ins Auge, ehe sie sich wieder dem Absud und dem Gotteskrieger zuwendet. Halfdans und Tristans Aktivitäten rauschen wiederum an ihr vorbei, da sie sich voll darauf konzentriert, die Kräuter in der rechten Reihenfolge und weder zu lange, noch zu kurz in dem siedenden Wasser auszukochen. Endlich verraten ihr Farbe und Geruch, dass die Arznei bereit ist, und sie atmet auf. Noch ist sie nicht so unkonzentriert, dass ihr ein Fehler unterlaufen wäre!

Tristans Arme umfangen sie, als sie kurz wankt, und sie lehnt sich dankbar gegen seine Brust, schenkt ihm ein schwaches Lächeln und streichelt ihm anstelle eines Dankes kurz über den Handrücken. "Han skal drikke det"[1] sagt sie mit einem Blick auf Talahan und hebt den Napf mit dem Absud an. Schwach wehrt sie sich gegen die Bemühungen ihres Mannes, sie selbst zu einer der Pritschen zu verfrachten. "Tristan, det er vigtigt!"[2] sagt sie eindringlich. Da erfassen ihre Augen und Ohren, wie Rogar ihren Platz einnimmt und sie mit einem Mal selbst zur Patientin degradiert, und weiten sich völlig perplex. "Hvad..? Jeg er her healeren..."[3] protestiert die junge Frau matt, nicht bedenkend, dass sie außer Tristan wohl kaum jemand verstehen wird. Sie will sich aufraffen und ihre Worte lauter wiederholen, den Kurzwüchsigen in seine Schranken verweisen und das Ruder wieder an sich reißen, taumelt aber erneut und muss die Augen schließen, eine Hand auf ihren Bauch gepresst. "Ich... muss mich nur kurz ausruhen. Gebt Talahan... den Sud... gegen das Fieber..." murmelt sie immer leiser werdend. Ihr Wille, sich gegen Tristans Fürsorge zu wehren, lässt sichtlich nach.
 1. Värangsk: Er muss dies trinken
 2. Värangsk: Tristan, es ist wichtig!
 3. Värangsk: Was..? Ich bin hier die Heilerin...
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 13.07.2017, 14:42:15
Es dauert eine Weile, bis Rogar die Fragen Abdos beantwortet, und währenddessen beobachtet der Ya'Keheter das Geschehen um ihn herum schweigend, aber aufmerksam. Auf der einen Seite stellt sich nach und nach eine seltsam beruhigende Geschäftigkeit in dem Raum ein: Es wird aufgeräumt, Barrikaden werden neu errichtet - normale Tätigkeiten, die ihm etwas Halt geben in einer Welt, in der scheinbar normale Menschen plötzlich zu Schleim zerplatzen.

Dann jedoch bemerkt er Freydis, die plötzlich aus dem Nichts Wasser entstehen lässt und es im Anschluss offenbar nur mittels ihrer Gedanken erhitzt!
"Was ist hier los?"
In welche Art von Welt ist er hier geraten? Gut, auf den ersten Blick übernatürliche Dinge gibt es auch in Ya'Kehet, und besonders die Alchimisten haben in der Vergangenheit erstaunliche Entdeckungen gemacht, die auch heute noch im Kampf gegen die Shetani von großem Nutzen sind. Doch all das lässt sich rational erklären, während hier die Menschen mit Kräften zu hantieren scheinen, die er noch nie zuvor gesehen hat, und die zumindest in seiner Heimat unbekannt sind.
"Ist das der Grund, weshalb die Shetani hier bis heute nicht Fuß fassen konnten? Kann hier am Ende sogar jeder solche Wunder vollbringen?"
Für den Augenblick stellt Abdo seine Fragen zurück - zwar fühlt er sich plötzlich wie ein Floh unter Riesen, so inadäquat erscheinen ihm seine eigenen Möglichkeiten gegenüber dem, was hier scheinbar jeder beherrschte, doch hält er es nicht für ratsam, dies hier und jetzt zu thematisieren. Die Gefahr ist noch nicht gebannt, und ihre aller Konzentration gefordert, um nicht unterzugehen. Ab jetzt wird er jedoch genauer darauf achten, was seine Mitstreiter an Fähigkeiten offenbaren.

Schließlich schildert Rogar seine Erlebnisse, und langsam scheinen sich die Brocken zu einem Gesamtbild zu formen - was jedoch immer noch zahlreiche Fragen offen lässt.
"Hat sich jemand die Stelle angesehen, an der der Blitz eingeschlagen hat?" fragt Abdo und erhebt sich schließlich von seinem Lager, um sich besser am Gespräch beteiligen zu können. "Wenn die durch den Einschlag verletzten nicht die gleichen Mönche waren, die die Krankheit bekommen haben, dann muss es durch irgendetwas anderes ausgelöst worden sein. Etwas, das mit dem Blitz zusammen gekommen ist? Was den Schrei ausgestoßen hat?"

Abdo blickt nachdenklich zu Talahan hinüber, der weiter von Lîf versorgt wird. Es ist ihm nicht verborgen geblieben, dass das, woran der Krieger leidet, weniger seinen Verwundungen geschuldet ist, und vielmehr wie ein Fieber wirkt. Rogars Blick zeigt ihm, dass der kleine Mann ähnliche Gedanken hegt.
"Was ist mit den normalen Mönchen passiert, die sich gesammelt haben? Konnten sie fliehen? Und wieso wurde euch von einem Teil dieser Mönche der Weg abgeschnitten - oder habe ich das falsch verstanden? Haben sie etwa mit diesen Wiederkehrenden gemeinsame Sache gemacht? Ist Jarus einer von ihnen, oder ist er ein Wiedergänger?"

Noch etwas anderes, was der Dain gesagt hat, weckt Abdos Interesse:
"Der Reiter, von dem du gesprochen hast: War es ein junger Mann, buschige Augenbrauen, brauner Vollbart? Auf einem schwarzen Pferd?" Der Kämpfer fährt damit fort, Rogar den Sohn des Fürsten zu beschreiben, bevor er weitere Fragen stellt:
"Hat er nur mit Jarus gesprochen, oder auch gesehen, was hier vor sich geht?"



Als Rogar beginnt, sich um den Verwundeten zu kümmern und Lîf zu entlasten, seufzt Abdo erleichtert. Es ist gut, noch einen Heilkundigen bei sich zu haben, und die junge Frau scheint fast im Stehen einzuschlafen, so sehr hat sie sich verausgabt, während er und Rogar geruht haben. Die Weise, mit der der Dain darauf besteht, dass sie sich ausruht, erinnert Abdo in erstaunlicher Weise an die Heilerin selbst - vermutlich kam so etwas mit dem Beruf.

Als sie schließlich der Schlaf übermannt, wendet er sich wieder Rogar zu. "Hast du eine Theorie, was den Ursprung der Krankheit betrifft?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 14.07.2017, 23:25:46
Trotz ihrer Müdigkeit hört Freydis den Ausführungen des Apothekarius mit Interesse zu. Endlich erhalten sie ein paar vernünftige Antworten und Auskünfte über dass, was hier in den letzten Tagen vor sich gegangen ist.
Als Rogar sie direkt anspricht  dauert es aber einen Moment ehe die übermüdete Berührte realisiert, dass sie gemeint ist. Jarlsdottir, mein Kind, Sturmkrähe, Freydis, die andere Scgwester, sie ist ist schon vieles genannt worden, aber "Fräulein Redwaldsdottir" ist neu.
Sie nickt, atmet tief ein und schließt kurz die Augen um die Kopfschmerzen zurückzudrängen. "Ich weiß nicht ob ich das so präziese kann, aber ich werde es versuchen." In Gedanken dankt sie der alten Undis dafür, dass diese damals so ausdauernd auf diesen kleinen Übungen beharrt hatte. Sie stellt die Schüssel auf eine der Pritschen und kniet sich wie schon vorher auf den Boden.
Was der Zwerg erbeten hatte war schwieriger, als die Flüssigkeit einfach nur zum kochen zu bringen, aber mit ein wenig Mühe schafft Freydis es den Energiestrom richtig zu dosieren und zu kanalisieren.[1]Nach einigen Minuten, die der Berührten wie eine Ewigkeit vorkommen unterbricht sie den Energiestrom lehnt sich mit einem Seufzen zurück und reibt sich die pochenden Schläfen.
 1. Cantrip: Prestidigitation
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 15.07.2017, 10:13:49
Während er weiter arbeitet, beantwortet Rogar Abdos Fragen ruhig und sachlich: "Ich kann niemand anwesenden benennen, der den Einschlagsort des Blitzes gesehen hat, und meine Fragen wurden abgewehrt. Zutritt zur Kapelle wurde auch kaum jemandem gewährt und die Verletzten redeten nicht viel. Anschließend lenkten die anderen Kranken alle Aufmerksamkeit auf sich."
Dann bestätigt er die Feststellung des Dunkelhäutigen: "Zwischen den Verletzten und den Erkrankten gab es keine Überschneidung, korrekt. Was allerdings die Klosterführer angeht, weiß ich nicht sicher, was sie arbeitsunfähig machte. Sollte der Blitz eine Person getroffen haben und aus - vermutlich magischen Gründen - das Ziel nicht getötet haben, könnte sie der Ursprung des Schreis gewesen sein. Um auf das Thema Ansteckung zu kommen: Die Erkrankten erschienen je nach Erkrankung etwa zeitgleich und keiner von uns Behandelnden ist bisher betroffen, allzuleicht gehen diese Effekte nicht von einem zum anderen über." Aufmerksame Beobachter können jedoch bemerken, wie er dabei grübelnd den vom Schleim und nun vom Fieber betroffenen  Gotteskrieger mustert.
Die nächsten Worte scheint der Dain gut zu überlegen, bevor er sie ausspricht: "Die Mönche, die noch keine Symptome gezeigt hatten, hatten sich begonnen zu sammeln am Nordtor, als ich den Hof passierte. Danach bin ich in diesem Turm eingeschlossen worde, kann also keine sichere Auskunft geben. Da wir in den folgenden Tagen aber eher wenig Mönche gesehen haben und keinen, den wir bei der evakuirenden Schar kannten, dürften nicht mehr alle auf dem Gelände sein. Unter denen, die uns hier einschlossen, waren Bruder Jarus, der Empfangsmeister, und Bruder Edgar, der Bibliothekar, beide waren Personen, die wie gesagt seit dem Blitz auf ihren Stuben behandelt worden waren. Inwieweit der Rest Untote waren, kann ich nicht beschwören, da sie sich wenig von anderen Mönchen unterschieden, mit denen ich ebenfalls wenig Kontakt hatte. Für normale Untote wirkten sie sehr unauffällig, daher kann ich über Jarus eigentlichen Zustand keine Aussage machen."
Die Beschreibung des Reiters lassen Rogar seine Stirn in noch tiefere Falten ziehen, sodass die dichten Augenbrauen schon fast die zum Schlitz gepressten Augen überdecken. "Ja, die Beschreibung trifft auf den Reichen zu, wenn sie auch kein eindeutiges Merkmal enthält. Ich meine - Gibt es nur einen jungen Menschen mit buschigen Augenbrauen, braunem Vollbart und einem schwarzen Pferd, oder kennt ihr ihn?" Kurz scheint er nach einer Zutat zu suchen und gerät dabei wie 'zufällig' direkt neben seine abgestellte Axt. "Der Knabe hat zumindest draußen nichts von den ungewöhnlichen Vorgängen wahrgenommen, er ist aber Jarus ins Innere gefolgt."
Bei der letzten Frage reagiert der Kleinwüchsige ein wenig gereizt: "Theorien ja, aber woher sollte ich Beweise bekommen? Ich hatte mit den meisten Erkrankten nur zwei Tage maximal zu tun und genug mit deren Pflege, da die normalen Maßnahmen nicht anschlugen. Zeit für Analysen hatten wir keine. Und hier im Turm weder das Material noch einen Freiwilligen!" Damit scheitn er fürs erste alles gesagt zu haben, allerdings könnte auffallen, dass er Talahan sehr methodisch untersucht und sowohl sein Blut als auch den Schweiß diverser Experimente unterzieht.



Höflich bedankt der Dain zwischendurch für Freydis Magie und Mühen, wobei er sie erneut mit dem mitleidsvollen Blick bedenkt. Was er im einzelnen tut, erklärt er nicht, aber immer wieder gibt es etwas zu erhitzen oder zu verdünnen oder umzurühren / -schütten. Nach anfänglicher Höflichkeit werden seine weiteren Bitten immer kürzer, bleiben aber präzise. Der jungen Berührten dürfte vieles wie ritualisiert erscheinen, während Abdo die Ähnlichkeit zum Vorgehen seiner Alchimisten auffallen könnte. Bei der Untersuchung Talahans achtet Rogar sehr darauf, selbst immer gewaschen zu sein beziehungsweise sich immer wieder abzuwaschen, um alles hygenisch zu halten. Sollte Talahan noch ansprechbar sein, versucht er mit ihm leise zu kommunizieren.



Als er zumindest fürs Erste mit dem Gotteskrieger fertig ist, packt der Dain seine Materialien weg und stapft hinüber zu Lifs Bettstatt. Sollte sie noch ansprechbar sein, fragt er sie höflich: "Fräulein, in Ermangelung einer angemessenen Heilkundigen bin ich im Moment eureeinzige Wahl. Erlaubt ihr mir eine Untersuchung eurer Gesundheit? Ich würde euch im Angesicht der Umstände - eurer und der tödlichen Krankheiten, die hier aufgetreten sind, sehr dazu raten." Sollte sie nicht mehr antworten, entschuldigt er sich im Voraus für sein Handeln bei ihr und beginnt, ebenso nach Erlaubnis. Dabei geht er langsasm und extrem vorsichtig vor, anders als mit Talahan, den er recht rauh angepackt hat - oder liegt es einfach an einer großen Menge Körperkraft und normalerweise zäheren Patienten, dass er sich so zurückhält? Er stellt einige Fragen, tastet, prüft Reflexe, vieles, was Lif kennt. Seine Augen weiten sich, als er Lifs Zustand erkennt. "Ihr seid mit Kind und habt euch verausgabt - Essen, Trinken und Ruhe sind nun oberstes Gebot, Aufregung ist zu vermeiden.", gerade seine ersten Worte klingen fast ehrfürchtig, der Rest klingt wie eine Aufzählung von Fakten. Dann starrt er vor sich hin und schüttelt ungläubig den Kopf. Mit einem Seufzen massiert er seine Stirn.



Nach der Druidin stapft Rogar zu der Lache und der Ausrüstung seines ehemaligen Volkgenossens. Er lässt sich daneben plumpsen und starrt einen Augenblick darauf, bevor er sich die Augen wischt, aufrafft und die gesamte Ausrüstung einsammelt. Leicht schwankend, wohl nicht wegen des Gewichts, kehrt er an seine Bettstatt zurück, setzt sich schwer und seufzt. Er lässt die Glieder des Kettenhemds durch seine Hände gleiten, putzt es und greift schließlich nach seiner Ölflamme, einem in seinen Händen winzigen Metallkeil und einem Hämmerchen. Nach Erhitzen eines Rüstungschiene des Kettenhemds setzt er den Keil an und beginnt nach einigem Zögern mit dem Hammer und dem Keil einige kleine Zeichen einzuhämmern. Dabei blinzelt er immer wieder, wobei seine Augen im Widerschein des Lichts verräterisch schimmern.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 15.07.2017, 15:22:35
"Det er i orden, honning, jeg vil give ham dette til at drikke", beruhigt Tristan die erschöpfte Lîf. "Du har gjort nok for i dag. Du har fået os alle gennem dette. Jeg er stolt af dig!"[1]

Als der Dain, wie er sich nennt, so plötzlich dazwischen drängt, schwillt Tristan erst einmal der Kamm. Die Dain kommen in den Worten des Propheten mehrmals vor, aber nicht gut weg. Uneinsichtig, unbelehrbar, so noch das mildeste Urteil. Normalerweise müsste Tristan sich ihnen also verbunden fühlen, aber was zuviel ist, ist zuviel. Hat der kleine Kerl mich da gerade beschuldigt, ich kümmerte mich nicht gut genug um mein Weib? Mutete ihr zuviel zu? Was weiß der schon? Ich tu meinen Teil und sie den ihren, und wenn ich sie den ihren nicht tun ließe, würde ich eine Schelte zu hören bekommen, dass mir die Ohren wackeln. Doch er schluckt diese Worte hinunter. Was soll er sich aufregen, wenn man morgen eh wieder getrennte Wege gehen wird? Und überhaupt, er ist niemandem eine Erklärung schuldig.

Doch Lîf fühlt sich ebenfalls angegriffen, als der Dain ihr so brüsk das Ruder aus der Hand reißt. Leider hat sie aber nicht mehr genug Kraft, um dem kleinen Mann eine wahre Kostprobe ihres Temperaments zu geben, daher fasst Tristan ihre Hand. "Det er godt at have hjælp", beschwört er sie leise. "Godt, at du ikke behøver at gøre alt alene. Giv i gang!"[2]

Er nimmt den Napf aus ihrer Hand und drückt sie sanft auf die letzte freie (und trockene) Pritsche. Dann macht er sich sogleich zu Talahan auf und reicht ihm Lîfs Absud, den der Gotteskrieger mit soldatischem Gehorsam bis zur Neige leert.

~~~

Später[3] sitzt Tristan mit Lîf zusammen auf der Pritsche—er gegen die Wand gelehnt, sie gegen seine Brust—und birgt sie in beiden Armen. Trotz ihrer Erschöpfung ist sie zu unruhig, um Schlaf zu finden. Den anderen geht es ähnlich, besonders den Überlebenden aus dem Turm. Entmutigt, noch eine weitere Nacht an diesem Schreckensort ausharren zu müssen, zucken sie beim kleinsten Geräusch zusammen. Dabei sind Wachen aufgestellt[4] und die Kampfspuren im Raum so gut es ging beseitigt, vor allem die Leichen der Hungerkreaturen und der falschen Mönche. Pritschen wurden aus dem oberen Stock herbeigeholt und auch Astrids Vater kam, von Ingolf gestützt, die Treppe heruntergehumpelt und liegt nun bereits wieder friedlich atmend in der Nähe seiner Tochter, als einziger schlafend. Den anderen gelingt es einfach nicht, ein Auge zuzutun. Und dieses Gejammer von Orren... Tristan bemüht sich, die Ohren dagegen zu verschließen, indem er das Gesicht in Lîfs kräuterduftendem Haar vergräbt und an nichts denkt außer an sie, hier, jetzt, in seinem Arm. Doch auch so lässt sich die Unruhe nicht vertreiben. Die Stimmung erinnert ihn an seine Fahrten, wenn etliche junge Männer das erste Mal dabei waren, abends im Lager, wenn man wusste, der nächste Tag sieht ihre erste richtige Schlacht. Es war nicht direkt Angst, oder jedenfalls nicht nur.

"Wenn eh keiner von euch ein Auge zumachen kann", spricht Tristan daher in die Runde, "dann können wir uns geradesogut die Zeit mit einer Geschichte vertreiben." Er winkt Astrid und die beiden Pilgerbrüder heran und wer immer sonst ihm noch lauschen mag. "Kennt ihr schon die Geschichte von Jesper Olsen, einem braven Fischersmann in einem kleinen Ort an Ferslands Küste?" fragt er, als die kleine Zuhörerschar sich um ihn und Lîf versammelt hat. Man bekundet ihm Nein. Köpfe beugen sich vor, Augen glänzen erwartungsvoll.

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=13005)
"Jesper Olsen, unser braver Fischer, sammelte also eines Tages Muscheln am Strand. Sein Eimer war schon fast voll und er wollte bald heimkehren. 'Nur noch bis zu dem Felsen da vorne', dachte er sich und watete weiter durch das eiskalte Wasser, das seine Waden umspülte, wobei er sich hier und da nach einer Muschel bückte, die sich im schlammigen Grund versteckte. Beim Muschelsammeln besaß er einen siebten Sinn, auch wenn der junge Mann ansonsten in seinem Leben noch nichts umsonst bekommen hat außer Kummer. Die Eltern waren ihm früh weggestorben, Bruder und Schwester auch. Hunger litt er zwar nicht, denn er hatte Boot und Hütte des Vaters geerbt und war leidlich geschickt bei seiner Arbeit, doch sein sehnlichster Wunsch blieb ihm unerfüllt: obwohl längst über dreißig, besaß er weder Weib noch Kinder. Obwohl er sein Auskommen hatte, obwohl er ein ehrlicher, rechtschaffener Mann war, obwohl er gar nicht mal schlecht aussah, wollte ihn doch keines der Mädchen aus seinem Dorf zum Gatten haben. Ja, er hatte bereits mehr als eine gefragt und erhielt jedesmal nur Spott zur Antwort. Denn Jesper Olsen war mit einem Klumpfuß geboren. 'Hexenkind' und 'Wechselbalg' nannten die alten Weiber des Dorfes ihn gern und sie mussten es ja wissen, denn so hässlich und bösartig wie sie waren, hätten sie selbst Hexen sein können, die Kinder aus der Wiege stahlen, um sie zu verspeisen, und dafür die eigene Brut ins gemachte Nest zu legen. So etwas sagte man unserem braven Jesper nach, einzig wegen seines Klumpfußes! Es gibt nun einmal kein abergläubischeres Volk auf der Welt als das Fischervolk.

Und so humpelte Jesper also am Strand entlang, sammelte Muscheln, und haderte mit seinem Schicksal. Da hörte er plötzlich ein gar klägliches Wimmern. Es kam von hinter dem großen Felsen, direkt am Wasser. Rasch setzte er seinen Eimer am nahen Land ab und eilte hinüber. Und traute seinen Augen kaum. Ein junges Ding saß da, zitternd vor Angst und Kälte an den Felsen gedrückt, splitterfasernackt! Ihre Haut war weiß und rein, ihre Rundungen üppig, ihr braunschwarzes Haar... 'Bei Gaja!' dachte Jesper, 'Wer hat ihr das angetan?' Keine Handbreit über der Kopfhaut hatte jemand ihr das Haar abgeschoren, fast könnte man meinen ausgerupft, so ungleich war das Messer zu Werke gegangen, bis die Büschel in alle Richtungen abstanden, mal länger, mal kürzer. Auch die Hände, Knie und Fußsohlen der jungen Frau waren zerschnitten, wohl von den scharfen Felsen. Und sie weinte gar bitterlich.

Jesper reagierte sofort. Seine Jacke riss er sich vom Leib und hüllte das arme Mädchen darein. 'Hab keine Angst', redete er auf sie ein. 'Alles wird gut. Ich kümmer mich um dich!' Mit großen Augen sah sie ihn da an und plapperte etwas in einer gurgelnden Sprache, die er nicht verstand, und er wiederholte nur immer wieder: 'Hab keine Angst, bei mir bist du in Sicherheit', was sie wohl ebensowenig verstand und doch schmiegte sie sich schon bald vertrauensvoll an ihn, und er nahm sie mit zu sich nach Hause. Dort entfachte er als erstes ein Feuer und richtete ihr ein Lager davor, auf dass sie sich dort wärmen könne, doch das Mädchen hatte Angst vor den Flammen und kroch lieber zu ihm ins Bett. Und obwohl Jesper in seinem ganzen Leben noch niemals die Notlage eines Menschen oder einer Kreatur ausgenützt hatte, wurde er von unbändiger Lust übermannt und nahm die schöne Fremde in Besitz, ohne zu fragen, die ganze Nacht, wieder und wieder. Anfangs sträubte und zierte sie sich wohl ein wenig, doch mit jedem Mal fügte sie sich ihm williger, zuletzt gar freudigst."


An dieser Stelle verirrt Tristan sich dann ein wenig zu sehr in Details, welche zudem, so könnte man ihm vorwerfen, für den Verlauf der Geschichte ohne jeglichen Belang sind. Doch auf seinen Fahrten war es nun einmal so, dass die Brüder, welche sich nach ihren Weibern in der Ferne verzehrten, die sie oft seit Monaten nicht mehr gesehen hatten, stets nur nach den deftigsten Zoten verlangten und ein jedes Mal lautstark protestierten, wenn es in Tristans Geschichten nicht möglichst rasch (und möglichst heftig) zur Sache ging. Und so verfällt Tristan auch jetzt ganz unbewusst in dieses Erzählschema, obwohl er doch so brav begonnen hat. Ihre Wirkung versagt die wort- und bildgewaltige Schilderung der stürmischen Liebesnacht, in der Jesper Olsen und das schöne Mädchen hemmungslos wie die Tiere übereinander herfielen, allerdings auch in dieser Runde nicht.[5]

Astrid, obwohl schamesrot im Gesicht, hängt mit großen, glänzenden Augen an Tristans Lippen und muss immer wieder erregt kichern; Ingolf, trotz seines gesetzten Alters, hat einen verträumten, einen ganz und gar fernen Ausdruck auf seinen Zügen, als dächte er an eigene Erlebnisse, als sähe er eine ganz andere Frau als die geschilderte vor seinem inneren Auge; sein fast zwanzig Jahre jüngerer Bruder Orren dagegen vergisst ausnahmweise das Beten ganz und wohl auch seinen Gott. Ihm steht der Mund sperrangelweit offen, dazu geht der Atem ihm stoßweise, keuchend, es treten am Hals die Muskelstränge hervor, der gesamte Körper steht unter Anspannung: deutlicher könnte seine Haltung und Miene nicht zeigen, dass Tristans Schilderung vor seinen Augen Welten öffnet, die ihm bislang vorenthalten wurden.

Und Tristan selbst? Nun, er zieht an dieser Stelle vielleicht sein Weib ein wenig enger an sich als zuvor und dabei bemerkt sie wohl, wie gerne er momentan ein Mann der Taten statt der Worte wäre.

Irgendwer räuspert sich schließlich. Der Verdacht fällt rasch auf Talahan, der mit geschlossenen Augen daliegt, kopfschüttelnd, derweil sich auf seiner Miene ein Schmunzeln ausbreitet, das so gar nicht zu seinem aufgedunsenen, fieberglänzenden Gesicht passen will. "In einem Kloster...", murmelt er und fast klingt es entzückt. "Guter Gott, wenn Wände Ohren hätten!"

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=13007)
"Am nächsten Morgen fragte Jesper das Mädchen dann, ob sie sein Weib werden wolle", fährt Tristan unbeirrt fort (aber immerhin fährt er fort), "und er las die Antwort in ihren Augen. Und so wurde bald darauf geheiratet und die beiden lebten viele Jahre glücklich beisammen. Ein Kind nach dem anderen gebar sie ihm, alle zwei Jahre eins. Seine Sprache hatte sie bald gelernt, auch die Gebräuche seines Dorfes, obwohl sie von sich aus keinen Kontakt mit den Leuten suchte, sondern am liebsten mit Mann und Kindern alleine blieb. Vielleicht, weil die Leute im Ort gern über sie lästerten: wie sie spricht (ihren gurgelnden Akzent), wie sie geht (einladend die Hüften schwingend, wie kein braves Weib es wagen würde), vor allem aber über ihr kurzgeschorenes Haar, das sie niemals länger wachsen ließ, als wie ein Mann es trägt[6]. Eine Verbrecherin müsse sie sein, eine Diebin, entlaufene Sklavin, gar eine Kindsmörderin! Warum sonst hätte ihr jemand das Haar geschoren? Warum sonst schnitt sie es seither immer wieder selbst—wenn nicht wegen des schlechten Gewissens? Keine Frau würde sich freiwillig so hässlich machen! Und die Männer im Dorf riefen Jesper nach: 'Bei dir daheim hat wohl das Weib die Hosen an! Leg' sie mal ordentlich übers Knie, bis sie einsichtig wird: eine Männerfrisur macht noch keinen Männerverstand!'

Die Vorwürfe trafen Jesper sehr. Er wollte doch, dass jeder sein Weib so sah, wie er sie sah: gutherzig, fleißig, wunderschön! Beneiden müsste alle Welt ihn eigentlich um sie! Den Spott der Männer aber ertrug er noch weniger. Also fragte er eines Abends: 'Weib, musst du dir denn immer das Haar so kurz schneiden? Wieviel schöner könntest du sein mit langem Haar!' Darauf fragte sie erschrocken: 'Ja, findest du mich denn nicht schön, so wie ich bin? Liebst du mich nicht so, wie ich bin?'—'Doch, natürlich', versicherte er, 'aber die Leute! Sie lästern über dich und über uns, erfinden die gemeinsten Lügen, während sie darüber rätseln, warum ein Weib sich auf diese Weise den Liebreiz verschandelt. Warum tust du das? Ich selbst begreife es nicht. Warum willst du nicht... mir zuliebe... dein Haar wachsen lassen!' 'Ach, geliebter Mann', sprach sie darauf, den Tränen nahe. 'Warum, das kann ich nicht sagen, das darf ich nicht, aber glaube mir bitte, dass ich's dir zuliebe und nicht zum Trotze tu!' Doch Jesper bat und schalt und räsonierte und gab nicht nach, bis sie es schließlich tat, wenn auch mit größtem Widerwillen.

Und so kam es, dass Jespers Weib in dem Jahr, da ihr Leib sich sanft über seinem sechsten Kind wölbte, eines frühen Morgens vor ihm stand, nackt wie an dem Tag, da er sie das erste Mal erblickte, diesmal aber von ihrem seidig glänzenden braunschwarzen Haar umflossen, welches ihr nun bis zur Hüfte reichte. Sie war so schön, dass ihm die Tränen kamen. Auch ihr Blick war tränenverschleiert.  'Du warst ein guter Mann', sagte sie. 'Ich werde dich vermissen. Leb' wohl.' Und schon eilte sie davon in Richtung Strand, ohne weitere Erklärung, und unser Jesper humpelte hinterdrein so schnell er konnte, doch bekam sie nicht zu fassen. Am Meer angekommen, stürzte sein Weib sich ohne Zögern hinein. Bis zu den Knieen reichte ihr das Wasser, da klebte das Haar ihr bereits nass am Leib, ihre Blöße völlig bedeckend; die Hüfte aber umsprudelte das salzige Nass, da verschmolzen Haar und Haut zu einem Pelz; die Brust erreichte das Meer, da war des Fischers Weib verschwunden mitsamt des Kindes, das sie unter dem Herzen trug. An ihrer statt durchpflügte eine Robbe die schaumgekrönten Wellen. Jesper aber blieb am Strand zurück und heulte seinem Weib und Kind wehklagend hinterher.

Noch gut zwanzig Jahre lebte unser braver Fischersmann, aber sein geliebtes Weib sah er nie wieder. Selbst kurz vor seinem Tode kamen ihm noch die Tränen, wann immer er den Robben am Strand zuschaute."


~~~

"Eine Selkie!" ruft Astrid und klatscht erfreut in die Hände. "Wusst' ich's doch!" Doch sogleich empört sie sich: "Aber warum ist sie nicht geblieben, wenn sie Jesper doch so sehr liebt? Es hat sie doch keiner gezwungen, ins Meer zurückzukehren, bloß weil sie es nun konnte? Es blieb doch trotzdem ihre Wahl, nicht anders als zuvor, wenn sie sich selbst die Haare schnitt! Warum ist sie nicht einfach bei ihrem Mann und ihren Kindern geblieben? Wenn sie sie wirklich geliebt hätte, wäre sie geblieben!"

Astrids Eifer lässt ein Lächeln über Tristans Gesicht huschen, doch seine Stimme ist ernst, als er ihr entgegenhält: "Wenn Jesper sie wirklich geliebt hätte, hätte er ihr nicht so zugesetzt, sich doch das Haar wachsen zu lassen, bloß weil andere Frauen es lang tragen. Wenn er sie wirklich geliebt hätte, wäre es ihm egal gewesen, was die Männer in seinem Dorf redeten und erst recht die Weiber! Von Kind auf wusste er doch, dass die Leute nur dummes Zeug schwätzen und nichts die bösen Zungen je verstummen lässt. Er hätte einfach bloß zu seinem Weib halten müssen und ihr vertrauen!"

"Es begreift der Mensch sein Glück nicht, bis er es verliert", bringt Ingolf auf den Punkt, was er für die Moral der Geschichte hält.

Oh, aber ich begreife es, denkt Tristan sich, indem er Lîf über Haar und Wange streicht. Und Jesper hatte es auch begriffen. Und trotzdem ist's ihm zerronnen wie Sand unter den Fingern.
 1. Värangsk: Es ist gut, Liebes, ich werde ihm das zu trinken geben. – Du hast für heute genug getan. Du hast uns alle durchgebracht. Ich bin stolz auf dich!
 2. Värangsk: Es ist gut, Hilfe zu haben. Gut, dass du nicht alles allein tun musst. Gib einmal nach!"
 3. Zeitpunkt: nach dem Gespräch mit Rogar, wenn sich die meisten zur Nachtruhe bereitmachen. Hier schon gepostet in Vorbereitung der bald folgenden Überleitung zur Rast. Wer noch Fragen an Rogar hat, kann das Gespräch weiterführen (oder sich die Fragen auf den Morgen aufheben); wer keine Fragen mehr hat, kann schon auf Tristans Gute-Nacht Geschichte eingehen bzw. einfach seine eigenen Vorbereitungen für die Nachtruhe treffen.
 4. Die erste Wache übernehmen Halfdan und Hjálmarr.
 5. Neuer Skill auf Stufe 2: perform (oratory) = 26 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1032022#msg1032022) (für die ganze Geschichte). Außerdem Bardenlied/fascinate (nur die Schilderungen der Liebeshandlungen): Astrid, Ingolf, Orren sind davon hin und weg (alle will saves missglückt, Orren nat. 1);
Spieler dürfen, wenn sie wollen, gegen DC 15 würfeln, oder selbst entscheiden, wie sehr die Geschichte (bzw. die expliziten Schilderungen) sie faszinieren.
@ alle: Wer auf sowas Lust hat bzw. Wert legt, dem sei ans Herz gelegt, die erste Anwendung eines neu erworbenen Skills im folgenden Spiel durch entsprechende Beschreibung ein wenig hervorheben, gerne auch mit Hinweis in einer Fußnote, dass SL und Gruppe auf den neuen Skill/Feat/Zauber aufmerksam werden.
 6. Also schulterlang.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 16.07.2017, 11:07:29
Widerstandslos lässt sich Lîf von ihrem Mann auf die Pritsche befördern und liegt dort vorerst reglos und völlig erschöpft. Immerhin kommt sie hier, mit geschlossenen Augen, langsam wieder zu Atem und kann ihren schmerzenden Rücken ein wenig schonen. Den Absud für Talahan weiß sie bei Tristan in guten Händen, weshalb sie versucht, eine Weile lang ihre Gedanken von der Verpflichtung für Kranke und Verwundete zu lösen. Es fällt ihr allerdings nicht leicht, zu verdrängen, wozu sie sich als drudkvinde mit heiligen Eiden bekannt hat. Da sie schon nichts mehr von dem ganzen Elend sieht, horcht sie wenigstens auf die Stimmen der anderen, sucht die von Tristan und Talahan herauszufinden – trinkt der Gotteskrieger die Medizin auch wirklich? Und worüber reden Abdo und Freydis mit dem neuen Bekannten? Gelegentlich zwingt sie ihre Augenlider in die Höhe, um einen Blick in die Runde zu werfen, spürt aber die Schwere in ihren Gliedern, eine bleierne Müdigkeit, gegen die eines sehr viel besser helfen würde als jedes von der Großen Mutter erbetene Wunder, wie sie ahnt: eine tüchtige Portion Schlaf... mehrmals nickt sie kurz ein.

Aufgestört aus ihrer Ruhe wird die junge Frau erst wieder, als Rogar sie unvermittelt anspricht. Lîf öffnet die Augen, richtet ihren Oberkörper halb auf und starrt ihn verblüfft an. Er ist Heilkundiger, will sie gar untersuchen..?! Der Rotschopf zögert sichtlich. Schwangere werden für gewöhnlich von anderen Weibern betreut, nicht von Mannsleuten... noch dazu völlig fremden! Andererseits wecken seine Worte eine gewisse Neugier bei ihr. Er versteht sich also auf die Heilkunde? Gewiss ist er kein Schüler einer Weisen Frau, denn deren Wissen und Künste werden stets nur an Schülerinnen weitergegeben, die von Gaya besonders gezeichnet wurden – ein Mal, das nur eine andere Heilerin zu erkennen vermag. Er muss also anderswo in die Lehre gegangen sein. Mit einem knappen Nicken gibt sie ihm schließlich die Erlaubnis, schaut ihm dabei aber sehr aufmerksam zu, nachdem sie sich mit dem Rücken leicht gegen die Wand gelehnt hat, um einen besseren Überblick zu haben. Seine Fragen beantwortet sie ohne großes Aufhebens, sind doch der Körper und die Gesundheit natürliche Dinge, mit denen sie tagtäglich zu tun hat.

Erst als er sich über sie beugt, um ihren Leib abzutasten, weicht sie unwillkürlich zurück. Nur sehr zurückhaltend lässt sie zu, dass er weitermacht. Doch auf seine Mahnung lächelt sie kurz, mit einer Mischung aus Stolz und Amüsement. "Wo ich herkomme, Herr Rogar, gehen die Weiber zum Gebären auf die Seite, und wenn sie ihr Kind auf die Welt gebracht haben, arbeiten sie auf dem Feld weiter" meint sie und fügt an, bemüht, die Müdigkeit in ihrer Stimme zu verbergen: "Da werde ich es schon auch überstehen." Immerhin wird er feststellen, dass sie gesund und durchaus widerstandsfähiger wirkt, als man auf den ersten Blick meinen würde.

Als sich später wieder Tristan zu ihr setzt und sie in die Arme nimmt, lässt sie sich allerdings doch etwas mehr gehen und lehnt sich müde, mit geschlossenen Augen, gegen seine Brust. Ihre Hände liegen schlaff auf ihrem Schoß, ihr Kopf ist leicht zur Seite gesunken und liegt an seiner Schulter. Um ihre Lippen spielt allerdings ein glückliches Lächeln, während sie seiner Geschichte lauscht, halb in einem schlafähnlichen Zustand versunken, der ihr seine Worte als faszinierende Wirklichkeit vorgaukelt[1]. Während er sich in einer längeren und mehr als eindeutigen Passage der Handlung verliert, seufzt sie verschiedentlich leise, rutscht auf seinem Schoß hin und her und scheint sich in seiner Umarmung träge zu räkeln wie eine schlafende Katze, ohne ihre Augen ein einziges Mal zu öffnen. Tristan selbst mag es wohl scheinen, als ginge ihr Puls ein wenig rascher, und sein Weib strahle eine merkliche Wärme aus, während er den Faden seiner pikanten Geschichte weiterspinnt. Auf Astrids Fragen nach den Beweggründen der Protagonistin murmelt sie leise und wie selbstverständlich: "Es war ihre Natur...", als sei damit alles hinreichend erklärt.
 1. Aufgrund von Lîfs Hintergrund und der Bindung zu Tristan verzichte ich auf einen Rettungswurf an der Stelle.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 16.07.2017, 16:12:53
Nachdem er sich nun deutlich erholt fühlt, packt Abdo selbst ebenfalls bei den restlichen Aufräumarbeiten mit an, auch wenn die meiste Arbeit bereits getan ist. Dabei lässt er sich die Informationen des Dain noch einmal durch den Kopf gehen: So interessant sie auch sein mögen, wirklich erhellend sind auch sie nicht. Welche Art von Krankheit bringt Menschen dazu, nach ihrem Tod als Wiedergänger wieder aufzustehen? Was führen die anderen Mönche im Schilde, die nicht krank waren, aber dennoch mit den Untoten gemeinsame Sache machen? Und die wichtigste Frage von allen: Wie lässt sich dies alles aufhalten, und verhindern, dass das ganze übergreift - wie in dem Ort, aus dem sie gekommen sind?
Auf eines kann sich die versammelte Gruppe jedoch zumindest einigen: Eine Ruhepause ist notwendig, wollen sie dem Feind am nächsten Tag in voller Kraft entgegentreten.

In Abdos Gedankengänge platzt plötzlich die Geschichte Tristan herein, und dankbar für die Ablenkung tritt der Ya'Keheter näher heran, um sie sich anzuhören. Mag es auch eine Flucht vor der Realität mit den Shetani sein, er ist schon sein Leben lang begeistert gewesen von alten Geschichten, und ist gespannt, welcher Art diejenigen in diesen Landen sein würden.

Schnell ist Abdo gebannt von der Erzählweise Tristans; wohl hat er mitbekommen, dass Lîfs Ehemann sich als Sänger bezeichnet hat, doch nun muss er anerkennen, dass der Mann sein Handwerk außerordentlich gut versteht. Die Geschichte selbst, so erkennt der Kämpfer, ist weder sonderlich komplex noch geht die Handlung über eine schlichte Botschaft hinaus. Doch die Art und Weise, in der Tristan sie erzählt, haucht allem eine Seele ein und lässt die Zuhörer in die Welt eintauchen, die er beschwört.
Nun, den obszönen Teil müsste er vielleicht nicht so ausschmücken, wie er es tut, und Abdo schießt sofort wieder das Blut in den Kopf, als er versucht wegzuhören,[1] doch schließlich geht auch diese Episode vorüber.

Eine Sache, auch wenn es nur ein Detail ist, geht Abdo nach der Geschichte nicht aus dem Kopf. Er hatte sich zunächst erklären lassen müssen, was ein Klumpfuß ist. Eine solche Art von Fehlbildung ist natürlich auch in Ya'Kehet nicht unbekannt, und gerade in der heutigen Zeit ein schweres Los, denn viele Methoden der Behandlung sind nicht mehr bekannt oder können nicht mehr durchgeführt werden. Aber der enorme Aberglaube, der die Menschen hier dazu bringt, eine einfache Fehlstellung, wenn sie auch noch so schwer zu therapieren sein mag, als übernatürliches Übel zu sehen, steht in solch Kontrast zu den magischen Fähigkeiten, die hier so verbreitet zu sein scheinen. Und dazu: Können die Leute hier ein solches Leiden mit Hilfe ihrer Magie nicht einfach heilen?

Er wird aus dieser Welt einfach nicht schlau.
 1. Rettungswurf geschafft
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 17.07.2017, 19:06:05
Obwohl sie ihm aufmerksam zusieht ist Freydis ist klug genug - und zu müde- um Rogar mit Fragen in seiner Konzentration zu stören, zumal sie sich ernsthafte Sorgen um Talahan macht. Zu groß scheint ihr die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Paladin durch den Schleim mit dem infiziert hat, was an diesem Ort anscheinden schon so viele andere in schaurige Kopien ihrer selbst verwandelt hat. Sie kann nur hoffen, dass der Apothekarius weiß was er tut und ihm nach Kräften helfen.



Freydis ist trotz ihrer erschöpfung zu nervös um schnell einzuschlafen. Auch die Entspannungsübungen die Undis sie gelehrt hat wollen nicht wirken und so ist die Berührte zuerst genervt als Tristan zu seiner Geschichte anhebt.
Aber der Rungharder versteht sein Handwerk und da sie ohnehin nicht schlafen kann, kann sie ihm ebensogut zuhören und schnell zieht Tristan sie mit seiner gekonnten Erzählweise in den Bann. Nichteinmal die obzöneren Szenen schrecken sie ab. Der Geschmack der Albioner unterscheidet sich diesbezüglich nicht besonders von dem ihrer Rungarder Cousins und die wenigsten teilen die verklemmten, moralinsauren Ansichten der Anhänger des Einen.
Das Leid und die Einsamkeit des Fischers kann sie trotz ihrer viel nobleren Geburt nur zu gut nachvollziehen, schließlich hat ihr Vater sie ihrer Gabe wegen aus der Öffentlichkeit verbannt, viele der gleichaltrigen auf der Burg haben sie schlimmeres als blos Hexe genannt und selbst ihre eigene Zwillingsschwester war ihr mit Angst und Eifersucht begegnet.
Um so entäuschter ist sie, dass Jesper sein Glück, nachdem er gefunden hat  nicht hartnäckiger gegen die  verteidigt und so leichtfährtig aufs Spiel setzt. Sie teilt Astrids Verurteilung des Fischers aber nicht die seiner Frau. Wenn ein Mann nicht zu seiner Frau steht, darf er sich nicht wundern wenn sie ihn verlässt. Ihr tun nur die Kinder leid, die nun ohne Mutter werden aufwachsen müssen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 18.07.2017, 16:34:36
Lifs Worte lassen Rogars Miene sichtlich verfinstern und er hält kurz inne, bevor er weitermacht. "Und es wird auch erwartet von ihnen - keine gute Idee, aber wer nur so kurz lebt, verkürzt es gerne...", brummelt er, offensichtlich hat er noch wesentlich mehr Gedanken dazu, schweigt nur aus Höflichkeit.

Ansonsten setzt er später seine Arbeit mit der Ausrüstung des anderen Dain fort. Nach dem Kettenhemd bringt er auch Zeichen an der Schusswaffe, dem Köcher und jedem einzelnen Bolzen an. Metallbearbeitung scheint ihm ebenfalls vertraut zu sein. Immer wieder unterbricht er sie, um nach Talahan oder den Ergebnissen seiner Experimente und Analysen zu sehen. Einmal sieht er auch nach Abdo, da Lif diese Aufgabe hoffentlich nicht mehr wahrnimmt. Hier fragt er weniger.

So wird es immer später und Tritans Erzählung beginnt, während Rogar noch nicht fertig ist mit den Bolzen. Zunächst wundert er sich über die Neigung der Menschen, so viel mündlich wiederzugeben, was sicherlich weniger fest in den Fakten ist wie Geschriebenes vorzulesen. Eigentlich will er weiterarbeiten, sowohl mit dem Handwerk als auch der Betreuung der Patienten, aber er kann sich der Wirkung von Tristans Stimme nicht entziehen. So bleibt er sitzen und starrt ihn an. Warum die Menschen kein Problem in der Verbindung mit einem magischen Wesen sehen, ist ihm schleierhaft, aber so langsam dämmert ihm, dass es Tristan war, dessen Gesang das Schlachtfeld erfüllt hat. Mit dem Ende der Geschichte fällt ihm auf, dass er die ganze Zeit nichts produktives mehr getan hat. Er runzelt die Stirn und funkelt den Erzähler an, verkneift sich aber eine Bemerkung, um seine eigene Schwäche, ihm auf den Leim gegangen zu sein, nicht offenkundig werden zu lassen. Zusätzlich macht sich Rogar sorgen, wie es ihren Wachen ergangen ist. Wenn sie genauso durch die Stimme abgelenkt worden sind, hatten sie in einiger Gefahr geschwebt. Verärgert packt der Dain seine Sachen zusammen, dreht sich um und versucht, etwas Ruhe bis zu seiner Wache zu finden beziehungsweise seinem nächsten Blick auf die eigenen Wunden und die anderen Patienten.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 20.07.2017, 19:03:25
Rogar hat noch ganz andere Gründe, sich zu ärgern und zu sorgen, als Tristans bestensfalls unnötige, schlimmstenfalls schädliche erzählerische Ablenkung. Zum einen ist da Maduk. Natürlich war das da nicht wirklich Maduk gewesen, dessen sterbliche Überreste hier irgendwo achtlos herumliegen dürften, vielleicht im Keller? Außerdem hat Rogar, seit er von seinem unglückseligen Erkundungsgang zum Lager zurückkehrte und nur noch Kampfspuren und Verwüstung vorfand, eigentlich nicht mehr damit gerechnet, einen seiner Gefährten lebend wiederzusehen. Und ist Gewissheit nicht besser als Ungewissheit? Trotzdem...

Und dann ist da noch Talahans Zustand, der ihm ganz und gar nicht gefällt. All seine Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Mann an demselben Fieber leidet wie die neun Patienten, die trotz bester Pflege nicht gesundeten, sondern sich vielmehr innerhalb von zwei Tagen in reißende Bestien verwandelten, die sich ausgehungert auf ihre ehemaligen Mitbrüder stürzten und ihnen das Fleisch von den Knochen rissen. Die Seuche, oder was immer das hier ist, breitet sich also aus. Eine Übertragung zwischen Infizierten ist also möglich. Seltsam allerdings... der falsche Maduk stirbt in einer Schleimexplosion... und Talahan hat Fieber? Müsste er nicht vielmehr an Schüttelfrost leiden, wenn er von Maduk angesteckt wurde?[1]

~~~

Sanft gleitet Lîf in den Schlaf hinab, geborgen in liebenden Armen. Gefahr? Nein, hier droht ihr nichts, hier ist sie in Sicherheit. Erleichtert lässt sie sich tiefer, immer tiefer sinken. Im Halbschlaf wird ihr gerade noch bewusst, dass Tristan ihr behutsam die nasse Kleidung vom Leibe schält und sich darauf zu ihr bettet, dann liegt sie bereits mit ihm am Meeresstrand, seufzt und räkelt sich im warmen Sand unter seinen warmen Händen, seinen Küssen, seinem Drängen. Wie sorglos und leicht ist ihr Herz, frei von jeder Scheu, jeder Scham, unschuldsrein! Denn was sie hier tut, ist gut und schön und richtig und von Gaja so gewollt. Und in welcher Fülle es geboten wird! Und wie gut es tut! Quellwasser in durstiger Kehle! Einfach nur die ganze Last, die Erschöpfung, alle Mühen und Gefahren der Straße von sich abfallen lassen; einfach nur fühlen und genießen dürfen; sich ihm öffnen und anvertrauen, seine Liebe in sich aufnehmen und sich daran laben dürfen und durstig nach mehr verlangen.

Freydis' Pritsche steht ein wenig abseits. Sie selbst hat sie so aufgestellt. Bisher hat niemand etwas zu ihren Zaubern gesagt, doch Abdos entgeisterter Blick ist ihr ebensowenig entgangen wie Rogars mitleidiger. Ein wenig neidisch beobachtet sie die traute Zweisamkeit Tristans und Lîfs oder auch Astrid mit ihrem Vater: zusammengesunken sitzt die Bauerntochter vor seinem Bett, das Gesicht an seine Schulter gelehnt, und schläft. Weder diese tiefe Elternliebe hat Freydis je erfahren noch rechnet sie damit, irgendwann einmal einen Gatten oder Gefährten zu finden, der ihren Lebensweg teilen will. So etwas gibt es nur in den Geschichten der Sänger und der alten Mütterchen und Väterchen, abends am Feuer, in den Stuben der einfachen Leute. Neidisch schaut sie auf das Treiben der anderen. Wie fröhlich und ungezwungen ist ihr Spiel! Wie spielerisch ihr Necken! Wie neckisch ihr Umgang miteinander! Wann immer sie bisher versucht hat, sich dazu zu gesellen, hat sie sich ungeschickt angestellt, tolpatschig, sich im Ton vergreifend, und selbst schnell beleidigt. Und so bleibt sie meist am Strand, während die Robbenkinder draußen tollen und toben, und grämt sich und grübelt und fragt sich betrübt: 'Werde ich den Vater je wiedersehen? Die lieben Geschwisterlein? Oder muss ich auf immer alleine bleiben, beim Volk meiner Mutter, obwohl ich ganz anders bin als alle hier?'

Rogar kann einfach nicht nachlassen in seinem rastlosen Tun. Vier Tage lang hing alles an ihm, musste er an alles denken, sich um alles kümmern. Das lässt sich nicht einfach abschütteln! Einer nach dem anderen um ihn herum begibt sich zur Ruhe und noch immer schnitzt und ritzt und werkelt er. Schließlich sind nur er und die beiden Wachen noch auf. Doch irgendwann wachen Halfdan und Hjálmarr allein.

Rogar läuft. Er läuft, so schnell ihn seine kurzen Beine tragen, sein Herz pumpt mächtig in seiner Brust, und die Lungen brennen. Läuft er vor etwas davon? Jemandem hinterher? Er lauscht in sich hinein: Angst ist da, ja, aber die Angst um jemand anderen, nicht um sich selbst; als zweites ein Gefühl von Sehnsucht und Verlust. Er sucht jemanden, der spurlos verschwunden ist. Nein, nicht spurlos: da vorne sieht er sie noch davoneilen, nackt wie die Natur sie erschaffen hat, gehüllt einzig in ihr wallendes, ihr braunschwarzes Haar. Er eilt hinterher, doch sie ist schneller. Schon entschwindet sie seinen Blicken! Er verdoppelt abermals seine Anstrengung und erreicht doch nichts, als dass ihm die Luft ausgeht, erst nach und nach, dann immer schneller, dann jappst er wie ein Fisch an Land. Nein, umgekehrt: im Wasser ist er plötzlich, es schlagen Wellen über seinem Kopf zusammen, und bevor er anhalten und umkehren kann, sackt ihm der Boden unter den Füßen weg und er versinkt wie ein Stein. Kalt. Nass. Drückend. Leer. Kehle und Lunge wollen ihm bersten, die Sinne vergehen... Da rauschen Stimmen an seinem Ohr vorbei, Bilder an seinem inneren Auge; weder das eine noch das andere kann er deutlich ausmachen... noch festhalten... noch sich erklären... wo ist hier oben? wo unten? wo Licht? wo Dunkel? Gibt es denn kein Entrinnen?

Auch Freydis verliert plötzlich den Boden unter den Füßen, als sich unter ihr eine Grube auftut. Ein alter Brunnen? Warum hat sie nicht besser achtgegeben? Nein, halt, es war nicht ihre Schuld: jemand hat sie hier hereingestoßen! Aber ach, es wird sie schon jemand vermissen und suchen und finden, nicht wahr? Die Schwestern, die Freunde! Doch halt, was ist das für ein schabend-knirschendes Geräusch? Warum wird es plötzlich so dunkel? So stickig? Warum rieselt feuchtes Erdreich auf sie herab? Warum hallt ihr Hilfeschrei so dumpf, so matt, so kläglich?

Trunken vor Freude und Lebenslust jauchzt Lîf derweil ihr Glück in die Welt hinaus—da wird es ihr plötzlich entrissen. Zwei Männer in dunklen Roben haben ihren Tristan gepackt und von ihr herunter gerissen und schütteln und treten und schlagen ihn jetzt, mit Fäusten oder Stöcken. Sie selbst wird von zwei weiteren auf die Füße gerissen, in groben Stoff gewickelt, geknebelt und verschnürt wie ein Sack, und wie ein solcher wirft ein fünfter Mann sie über seine Schulter und trägt sie davon. Sie weiß nicht, wie lange sie so getragen wird, eine enge, sich windene Straße entlang, zuletzt enge, sich windende Gänge, bis sie schließlich unsanft auf dem Boden abgeladen wird, der Knebel gelöst, die Fessel nicht. Ein Metallgitter schließt sich, ein Schlüssel knirscht im Schloss. Ihren Liebsten bringt man als nächstes, doch lässt man ihn nicht zu ihr. Man bindet ihn draußen fest, über einer Art Tisch gebeugt, die Arme über den Kopf gestreckt, die Beine auf dem Boden. Dann schlägt man ihn wieder mit Stöcken und einer dünnen Lederschnur, bis sein Rücken von blutigen Striemen überzogen ist und er selbst ganz heiser vor lauter Schreien und Bitten und Flehen. Und die ganze Zeit wird auf ihn eingeschimpft und auch auf sie: weil sie beide sich der Fleischeslust hingegeben hätten, der Sünde, der Versuchung, ihren perversen Gelüsten; auf ihn, weil er sein Gelübde als Mönch gebrochen habe; auf sie, weil sie ihn dazu verführte; auf beide, weil sie weder Moral noch Anstand kennten und schlimmer noch: weil sie in ihrer Sündhaftigkeit den Dämonen Tür und Tor öffneten, ihnen die Herzen weit aufrissen in ihrer schamlosen Gier, einen fruchtbareren Boden als ihre ungezügelte Triebhaftigkeit könne die Saat des Bösen gar nicht finden! Und auf all diese Weisen würden sie beide der Menschheit schaden, ihr die Ewigkeit im Paradies verwehren, denn das Paradies könne auf Erden erst herrschen, wenn sie alle fromm und gut und standhaft seien. Keine dieser Anschuldigungen ergibt irgendeinen Sinn in ihren Ohren, doch Lîf erinnert sich: hat Tristan sie nicht einst gewarnt? Hat er ihr nicht in ihrer ersten Nacht beisammen gesagt: für die Mönche ist es Sünde, was wir hier tun, dreimal Sünde?


Lîf fährt aus dem Schlaf hoch, das Herz schlägt ihr bis zum Hals. Ein erschrockener Blick umher, ein tränenblindes Tasten: sie ist nackt, in eine Decke aus groben Stoff gewickelt, in einem großen, von Morgenlicht gefüllten Raum. Tristan ist nirgends zu sehen.

(http://games.dnd-gate.de/index.php?action=dlattach;topic=7636.0;attach=13019)
Freydis' und Rogars Erwachen ist weniger schreckhaft. So überzeugend der Traum sich auch in seinem Verlauf anfühlte, sie wussten doch stets, dass es einer war. Ein Bild bleibt ihnen besonders klar in Erinnerung, ein schluchzendes Wort hallt in ihrem Kopf noch nach, da sie längst beide wach sind. Das seltsame daran: im Traum kam weder das eine noch das andere vor. Das Bild passt noch dazu so gar nicht dort hinein, eher könnte es aus Tristans Geschichte stammen:


Das Wort dagegen ist nicht schwer zu verstehen. Hilfe.[2]

~~~

Abdo und Aeryn
haben, anders als die Gefährten, gut geschlafen. Abdo erwacht erfrischt, Aeryn ein wenig schlaftrunken. Sie hat sich mit Freydis die unbeliebte mittlere Wache geteilt. Dabei bezog sie ihren Posten am Westfenster und Freydis übernahm das Südfenster, weil sie beide sich zuvor nicht einig wurden, wer sinnvoller unten im Erdgeschoss, wer im ersten Stock aufzustellen sei, und dann gemeinsam beschlossen, dass keine von ihnen unten viel ausrichten könne, sollte der Feind tatsächlich zum Sturm ansetzen. Da wäre es doch besser, den Hof zu jeder Zeit und so gut wie möglich im Auge zu behalten. So still und verlassen man diesen vom Tage her kannte, so geschäftig wurde hier nachts das Leben. Überall schlichen Schatten herum, wurde geatmet, geschnauft, gefaucht und drohend gezischt, es gab stapfende und schlurfende Schritte, ein Scharren und Schaben, als noch zweimal das Tor geöffnet und wieder geschlossen wurde (das Nordtor, wie schon zuvor), bisweilen auch ein Kratzen und Schnüffeln unten an ihrer Tür. Doch der befürchtete Sturm blieb aus. Was ebenfalls keiner der Wachen je hörte, trotz des regen Treibens im Hof: Stimmen.

Als die Gefährten sich umschauen, fehlt neben Tristan auch Astrid. Ihr Vater, Halfdan, das ungleiche Bruderpaar und auch Talahan schlafen noch.[3]
 1. Habe deine Heilwürfe jetzt nicht im einzelnen aufgeschlüsselt. Eigentlich stecken hier höchstens zwei Würfe drin: Diagnose und der Rückschluss bzgl. der irregulären Ansteckungsweise (man holt sich Fieber von einem ehemaligen "Schüttelfrostpatienten"??). Mehr Info gab es nicht zu holen, mehr Heilung nicht zu bewirken. Verwahre Dir Deine Heilerkit-Anwendungen lieber für "richtige" Behandlungen.
Talahan hat sich übrigens schon bei Edgar angesteckt, der aber auch zu den "falschen" Mönchen zählte. Für diejenigen, die sich erinnern und aufpassen: eigentlich hatte Talahan seinen Rettungswurf damals geschafft. Im Sinne des Spielflusses und um die Gruppe unabhängig zu machen, ignoriere ich den ersten Wurf und lege fest, dass er ihn NICHT geschafft hat. Dies zur Beruhigung: normalerweise heißt ein gelunger fortitude save, dass man sich nicht ansteckt.
 2. Geträumt hat, wer sich auf Tristans Geschichte einließ und den will save vermasselt hat (ob freiwillig oder nicht). Ein weiterer will save (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1032322#msg1032322) galt dem Traum; Lîf hat ihn nicht geschafft, deswegen erkennt sie beim Träumen nicht, dass sie träumt; Rogar und Freydis haben ihn geschafft, deswegen wussten sie es und haben die beiden bleibenden Eindrücke zum Schluss noch mitgenommen.
 3. Lîfs Heilwurf ist nicht vergessen. Ein Blick in Talahans Richtung genügt und ich schreib kurz was dazu.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 21.07.2017, 14:01:19
Als sie aus dem Schlaf hochschreckt, ist die junge drudkvinde noch mehr als erregt. Denn da waren zunächst die leidenschaftlichen Momente in Tristans Armen, die sie aufgewühlt haben und das Feuer in ihr hoch auflodern ließen – Momente, die für sie die Erfüllung ihrer Sehnsüchte und zugleich das inbrünstigste Gebet zur Großen Mutter darstellten, das sich denken lässt: Die Vereinigung von Mann und Weib, jene einzige Form, in der der Mensch, das unvollkommene, schwache Geschöpf, der göttlichen Vollkommenheit nahe genug kommt, um sie zu erahnen! Ihr Herz hat unter den stürmischen Liebkosungen so stark gepocht wie seit langem nicht mehr, ihr Körper wurde, äußeres Zeichen des Urweiblichen, des ewig Gebärenden, heiß wie eine Flamme. Er glühte und war in süßen Schweiß gebadet, umhüllte auch ihren Liebsten, dessen Manneskraft in ihren Schoß einschlug wie der Blitz, Ausgeburt des Urmännlichen, in den jungfräulichen Schoß der Erde. Und dann kamen die dunklen Männer in ihren Roben, rissen Lîf aus Tristans Armen, banden die schreiende, kämpfende Heilerin, erstickten die Gebete, mit denen sie Gayas feurigen Zorn auf die Frevler herab beschwor, mit einem Knebel, verschleppten sie an einen dunklen, kalten Ort... Wo sie zusehen musste, wie sie ihren Tristan quälten, den Menschen, der ihr nebst ihrem Ungeborenen Kind, seinem Kind, der wichtigste auf der Welt ist!

Die Tränen sind ihr über die Wangen gelaufen, geboren aus dem Leid, das Tristan durchlitt, und dem Hass, der Wut auf die Schergen, die ihr Glück zerstört haben. Geschrien hat sie, bis sie heiser war, sich in ihren Fesseln aufgebäumt, bis sie ihr die Haut blutig schrammten. Und als sie schließlich einsehen musste, dass sie nichts tun konnte, schlugen Schmerz und Hilflosigkeit über ihr zusammen wie eine Woge. Die Tränen flossen so heiß wie zuvor ihre Leidenschaft. Die Stimmen der Peiniger gellten in ihren Ohren, mit falschen Anklagen um erdachte Sünden – als könnte Sünde sein, was die Herrin selbst Ihren Geschöpfen zum Geschenk und zum Gebot gemacht hat! Nun endlich kommt sie wieder hoch, kann Tristan nicht finden und springt auf, mit einem wilden Schrei auf den Lippen: "TRISTAN..!!" Ihr Herz schlägt wie besessen, als sie sich mit einem wilden Ausdruck in den Augen umblickt, die feuerrote Mähne wie ein zerzauster Schleier um ihren nackten Oberkörper. Dann, noch halb betäubt, wird sie sich der Tatsache bewusst, dass ihre Fußsohlen auf kaltem Boden stehen, dass rund um sie Schweigen herrscht – betretenes, erstauntes Schweigen..?

Diverse Augenpaare sind auf sie gerichtet, die sie dort inmitten des Raumes steht, wie die Große Mutter sie schuf, denn die wollene Decke ist ihr beim Aufspringen unbeachtet von den Schultern gerutscht. Völlig verwirrt blinzelt sie einige Male, fühlt die Glut des Feuers in ihrem Herzen langsam immer weiter in sich zusammensinken, ihren Zorn verrauchen, bis nur noch pure Ratlosigkeit übriggeblieben ist und sie überlegen muss, wo sie überhaupt ist. Endlich fasst sie in einer schnippisch wirkenden Geste nach der Decke, hüllt sich wieder darin ein und fragt mit deutlich ruhigerer, wenn auch immer noch leicht zitternder Stimme: "Wo... wo ist mein Mann?" Man sieht ihr an, dass sie noch nicht endgültig wieder in der Realität angekommen ist. Ganz erstaunt befühlt sie ihre Handgelenke, die völlig unversehrt erscheinen. Wo sind die Male der Stricke geblieben, die blutigen Striemen, wo die Blutergüsse von den groben, rücksichtslosen Männerfäusten, die sie brutal fesselten..?!
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 22.07.2017, 13:07:50
Als Abdo aus seinem traumlosen Schlaf aufwacht, fühlt er sich erfrischt wie schon lange nicht mehr. Zwar spürt er noch die eine oder andere Blessur aus dem Kampf des Vortages, aber was immer Talahan mit ihm gemacht hat - fast scheint es seine Lebenskraft insgesamt erhöht zu haben!
Der Gedanke an Talahan lässt ihn sich zu dem Gotteskrieger umdrehen: Welche Heilmagie auch immer er besitzt: Gegen das, was ihn befallen hat, scheint sie nicht zu wirken. Talahan sieht im Gegensatz zu den anderen nicht erholt aus - im Gegenteil, sein Fieber scheint eher noch schlimmer geworden zu sein.

Gerade als Abdo aufstehen will, um sich ein Bild von ihrer Lage nach dieser Nacht zu verschaffen, hört er den Schrei Lîfs. Sofort dreht er sich zu der Heilerin um, und seine Augen weiten sich erschrocken! Einen kurzen Moment des Schocks lang haftet sein Blick an ihrem splitternackten Körper, bis er sich entsetzt umdreht und die Augen abwendet. Entsetzt nicht über das, was er dort zu sehen bekommen hat, sondern über sich selbst und die unzüchtigen Gedanken, die ihn bei dem Anblick befielen. Plötzlich wird ihm sein Traum vom Vortag wieder gegenwärtig, doch diesmal behält der Dunkelhäutige sich besser unter Kontrolle. Ruhig und tief atmet er ein und aus und zählt dabei seine Atemzüge; als sich sein Brustkorb zum fünften Mal senkt, ist sein Zittern vorüber und seine Gedanken in der Lage, sich zu fokussieren.

"Habt Ihr Eure Blöße bedeckt?" fragt er flehend an die sich hinter ihm befindliche Lîf gerichtet, wobei er automatisch die distanzierte Anrede benutzt, die er eigentlich schon abgelegt hatte.
"Hat ihn irgendjemand aufstehen oder den Raum verlassen sehen? Wer hatte die letzte Wache?" fährt er an den ganzen Raum gewandt fort. Was in Aris Namen hatte den Mann bewogen, die relative Sicherheit dieses Zimmers zu verlassen?
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 24.07.2017, 11:54:20
Noch am Vorabend hatte Aeryn weiter den Erzählungen von Rogar gelauscht. Ihre Befürchtung, ob seines Berichts des Besuchers, der kurz vor ihnen eintraf und von den Mönchen normal empfangen wurde, wurde offensichtlich auch von Abdo geteilt und wenig später vom Dain bestätigt. Allerdings, nachdem ihre ersten Gedanken einmal gewichen waren, musste dies nicht wirklich etwas bedeuten. Die falschen Mönche waren offensichtlich gerissen und den Sohn des Fürsten zu verschleppen mochte ihnen mehr Ärger einbringen als es wert war. Vielleicht hatte er doch die Wahrheit gesagt, als er vom Kloster zurückgekommen war. Interessant war auch nachwievor die Antwort auf die Frage, was mit dem Abt passiert war, aber leider konnten sie diese bislang noch nicht beantworten. Auf jeden Fall deckten sich die Erzählungen Rogars mit denen von Frida, der tapferen Bäuerin aus dem Dorf, die ihnen berichtet hatte, was sich in den letzten Tagen und Nächten zugetragen hatte.

Tristans Geschichte lauschte sie aufmerksam und mit Spannung. Er hatte eine Gabe, die Zuhörer mit seinen Worten in den Bann der Erzählung zu ziehen. Lebhaft und beinahe vor ihrem inneren Auge lebendig werdend, spielte sich die tragische Geschichte von Jesper und seiner schönen Frau aus dem Meer ab. Nachdenklich grübelt die Elbin noch eine ganze Weile über die beiden, ehe es schließlich darum geht, die Nachtwachen einzuteilen.

* * * * *

In der Nacht, während ihrer Wache zusammen mit Freydis, wirkt die Elbin besorgt. Die Geräusche klingen so, als ob es durchaus noch eine beachtliche Anzahl an Feinden im Kloster geben muss. Immerhin gibt es keine Versuche, in ihren verbarrikadierten Bereich vorzudringen. Im Gegensatz zu den meisten anderen ist für sie das Erschaffen von Wasser, welches die Berührte am Vortag gezeigt hatte, nichts vollkommen Ungewöhnliches. In ihrem Volk gibt es einige, die Gayas Gaben besitzen. Sie selbst hat schon seit ihrer Geburt eine solche Gabe. Daher geht sie auch nicht weiter darauf ein, selbst wo sich jetzt eine gute Gelegenheit dazu ergäbe.

* * * * *

Am nächsten Morgen ist ersteinmal Aufregung, da Tristan und auch das Fräulein Astrid verschwunden sind.

"Schaut erstmal oben nach? Vielleicht brauchte Astrid nur etwas Hilfe mit irgendwelcher Ausrüstung, die sie noch dort gelagert haben ..." versucht die Elbin die Situation ersteinmal zu beruhigen.

Nichtsdestotrotz wartet Aeryn die Antwort nicht ab. Sie macht sich sofort daran, sich nach Spuren umzusehen. Dabei beginnt sie an der Lagerstätte von Lîf und Tristan, in der Hoffnung etwas herauszufinden, was ihnen weiterhelfen würde[1].
 1. Survival (Track) 23
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 24.07.2017, 18:39:40
Die Sorgen des Dains werden nicht geringer. Zum einen ist nicht klar, was eigentlich seinen Gefährten wiederfahren ist, zum anderen bestätigen sich seine Befürchtungen, was Talahans Zustand angeht. Er ist an dem gleichen Fluch erkrankt, wie einige seiner alten Patienten, die er nicht retten konnte. Diesmal hat er mehr Ruhe zur Untersuchung, aber die Zeit läuft gegen ihn. Und er muss seinen geschundenen Körper Ruhe geben, um mit voller Kraft helfen zu können - ohne Dain sind die hier doch verloren. So legt er sich hin und geht schnell über in einen geräuschvollen Schlaf.

Rogar zweifelt nicht an dem, was er sieht und tut. Er macht sich Vorwürfe für seine ungeschickten Taten und Worte und will es wieder gut machen - ja, er muss es einfach, das gebietet seine Ehre. Doch bevor er dazu kommt, versagen seine Kräfte - wieder einmal, wie er denkt. Er versinkt und droht zu ersticken, Panik droht ihn zu erfassen, obwohl ihm dämmert, das es nicht real ist. Gerade wacht er auf, da schiebt sich etwas anderes in seine Wahrnehmung: Das Bild der menschlich aussehenden Frau und ihr Hilferuf. Irritiert erwacht er vollständig und prüft seine Sinne. Das ihn Tristans Geschichte bis in den Schlaf verfolgen würde, hätte er nicht gedacht. Viel träumen tut er selten, und vor allem nicht so intensiv, soweit er sich erinnern kann. Ob er wohl etwas Vergleichbares erfahren hat wie die Seher, von denen geschrieben steht?

Gerade beugt er sich wieder über seine Experimente und zu bearbeitenden Bolzen, um in der Ruhe und Konzentration nachzudenken, als die Heilerin aufschreit und sich umsieht, anscheinend etwas verwirrt. Er schaut sie irritiert an. Selbst als Apothekarius bekam er wenig Gelegenheiten, Frauen so zu betrachten, zu getrennt sind ihre Welten. Allerdings ist sie auch recht dünn - ihm ist klar, dass Aeryn mit Sicherheit noch zerbrechlicher ausschaut, aber auch so beherrscht er sich und macht eine demonstrative Geste, als würde er seine Lederweste zusammenziehen, um sie auf ihren Zustand aufmerksam zu machen. Dann sieht er sich nach dem Erfragten um und kann ihn ebenfalls nicht finden. Mit gerunzelter Stirn greift er seine Axt und meint: "Vielleicht oben im Ausguck, geht jemand nachschauen?" Dabei wandert sein Blick zu Halfdan, Abdo, Aeryn und Freydis.

Nachdem die Suchenden aufgebrochen sind und der Rest sowieso wach ist, wendet er sich an ebendiesen: "Guten Morgen. Gestern bin ich nicht mehr dazu gekommen, also hole ich nach, was sich gehört: Vielen Dank für eure Hilfe. Selbst wenn es im Zuge eures Auftrags geschehen ist, schulde ich euch trotzdem etwas. Im Moment gewinne ich den Eindruck, ein weiterer Heilkundiger und ein Axtarm könnten von nutzen sein, daher biete ich diese an. Meine anderen Handwerke kann ich mangels Ausrüstung und Notizen nicht anbieten, da die Ergebnisse mich beschämen würden." Bei seinen Worten bleibt er ruhig und anscheinend offen ehrlich. "Die weitere Untersuchung des Klosters und der Räubergeschichte unterstütze ich gerne, decken sie sich doch auch mit meinen Aufgaben. Vor allem muss ich den Verbleib meines anderen Kameraden ausfindig machen, meine Aufzeichnungen bergen und unsere Ausrüstung."

Etwas später rüttelt er bei einer weiteren Untersuchung und Behandlung Talahan wach: "Sir, ich muss mit euch sprechen. Wie ihr sicherlich ahnt, habt ihr das Gleiche wie die Mönche und eure Prognose ist schlecht. Sollte ich recht behalten, welches Wissen, Verantwortlichkeiten oder anderes sind weiterzugeben? Wie wünscht ihr, dass mit euch verfahren wird oder wer soll es entscheiden?" Wie selbstverständlich hat er ein Stück Leder zur Hand genommen und eine Nadel erhitzt, um die Antwort niederzuschreiben.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 26.07.2017, 13:09:00
In der Tat ist Talahans Anblick erschreckend, das Gesicht aufgedunsen, die blutunterlaufenen Augen tief in ihren Höhlen, das Haar schweißnass. Und doch scheint es ihm besser zu gehen, als Rogar erwartet hätte: am ersten Abend in der Krankenstube waren die Fieberpatienten bereits kaum noch ansprechbar gewesen und nur der widerborstigste unter ihnen hatte noch genug Willenstärke aufbringen können, sich von seiner Lagerstatt zu erheben und am Fenster Abkühlung zu suchen. Talahan dagegen setzt sich, nachdem er längere Zeit geblinzelt und sich über die Augen gewischt und endlich wieder orientiert hat, ohne größere Mühe auf und lauscht Rogars Worten. Was ist das nur für ein Absud gewesen, den die rothaarige Heilerin dem Mann gebraut hat? Jedes normale Fieber hätte vor diesem Trank kapituliert!

Oder täuscht der Schein? Trotz des verständigen Blicks beginnt Talahans Antwort konfus. "Lîf", sagt der Mann, ohne zu bedeuten, auf welche der Fragen er sich bezieht. "Der graue Barnas", geht's unverständlich weiter. Wer ist der graue Barnas? Ist der Gotteskrieger doch so fieberwirr im Kopf wie die anderen Patienten, obwohl die Hand an seiner Stirn sagt, dass sein Fieber erstaunlich weit zurückgedrängt wurde? "Was der Mann sagte", erklärt Talahan zwischen zwei keuchenden Atemzügen. "Lîf oder Solveig sollen's tun, wenn's nötig wird... wann's nötig wird. Bis dahin kann ich noch..." An dieser Stelle erhebt er sich, will gar nach seiner Waffe greifen, doch statt dessen greift er lieber nach seinem Kopf, während er von einem Schwindel erfasst schwankt und beinah stürzt. "Ah...", macht er enttäuscht.

Dann legt zur Abwechslung mal er die Hand auf Rogars Stirn und murmelt ein Gebet dabei. Jetzt kann Rogar auch die Worte verstehen. Seinen Gott bittet der Mann um Hilfe, fleht, dieser möge auf den Glauben seines Dieners blicken und seine Taten und die Wahrheit des Herzens und nach dem, was er dort fände, entscheiden, ob er die Bitte dieses seines ergebenen Dieners erhören will und sein Heil durch ihn weiterleiten, auf dass die hier Versammelten sich mit neuer Kraft wieder an ihr heiliges Werk begeben könnten, den Kampf gegen das Böse, zum ewigen Ruhm Gottes.

Irritiert oder fasziniert, so leicht sind die beiden Empfindungen gar nicht auseinander zu halten, lauscht Rogar dem Gemurmel und ahnt zunächst nicht, was der Mann damit bezweckt—bis ihm plötzlich auffällt, wie unglaublich erfrischt er sich fühlt, wie voller Kraft, wie frohen Mutes! Talahan aber—sein Patient!—schwankt und droht vor Schwäche zusammenzusacken. Und doch lässt er sich nicht zu seiner Pritsche zurückdrängen. "Abdo", sagt er bestimmt. Und das nicht nur, um die nächsten Schritte in dessen Richtung zu lenken, sondern vielmehr in Antwort auf die zweite Frage: "Abdo soll die Führung übernehmen. Wissen... wissen tun wir alle... so wenig wie der andere... aber Abdo... wird das rechte tun..."

Sobald man den Ya'Keheter erreicht hat, legt Talahan auch diesem die Hand auf die Stirn, wiederholt sein Gebet, und auch Abdo fühlt sich danach wieder gänzlich erfrischt und beinah—gesegnet.[1]

Bei den letzten Worten des Gebetes legt Talahan die Hand auf die eigene Brust, doch eine Verbesserung seines Zustandes ist nicht erkennbar: am Ende seiner Kräfte scheint er vielmehr zu sein. Freiwillig setzt er sich auf die nächstgelegene Pritsche und hat nur eine Bitte: "Wasser!"

~~~

Derweil werden die beiden Fehlenden gesucht. Halfdan ist auf Rogars Befehl, oben im Ausguck zu schauen, ob sich dort einer befände, sofort aufgesprungen und dorthin verschwunden. Aeryn geht anders an die Frage heran. Sie hat ihr bisheriges Leben im Wald verbracht. Das ist bei ihrem Volk so. Elben verbringen fast ihr ganzes Leben im Freien: sie kochen, speisen und arbeiten dort, sie unterrichten die Kinder oder studieren selbst—das gesamte öffentliche wie auch das private Leben findet im Freien statt. Vom Frühjahr bis zum Herbst schlafen sie auch im Freien. Sie lieben sich im Freien. Ihre Behausungen sind klein und eng und nur für den Schutz vor Sturm, Feind und der schlimmsten Kälte gedacht. Bei ihnen gibt es weder kalte Steinfliesen noch gepflasterte Wege. Wird jemand vermisst, sucht man den Boden nach Spuren ab.

Wie Aeryn jetzt. Dabei lässt sie sich nicht davon beirren, dass es hier weder Laub noch Erdreich noch Unterholz gibt, welches aufgewirbelt oder abgeknickt werden könnte, statt dessen eben bloß den harten, von Menschenhand gehauenen Stein, auf dem sich normalerweise keine Fußspuren fänden. Und doch findet sie reichlich davon! Bei Lîfs und Tristans Lagerstatt beginnend, wo sie ihn zuletzt bei der Wachübergabe sah—bis er sich die Rüstung angezogen hatte, schlief sie selbst allerdings schon—bemerkt sie zunächst, dass er Schwert und Horn offenbar dabei hat. Dann geht's aber schon an die Fußspuren. Davon gibt es zwei verschiedene Paare in diesem Raum und sie führen kreuz und quer, nur immer schön um die an den Rändern bereits ausgetrocknete Schleimpfütze herum, und insgesamt vor allem zum Kamin hin. Rußschwarz sind die Spuren, ein schmaleres Paar mit langem Schritt, ein breiteres mit kürzerem. Halfdan trägt schwere Reitstiefel und ist einen Kopf kleiner als Tristan, welcher außerdem in Proportion zum Körper die längeren Beine hat; Halfdan dagegen ist ganz muskelbepackter Oberkörper auf kurzen Beinen. Also steht schon einmal fest, welche Spur zu wem gehört. Danach muss die Elbin nur noch herausfinden, welche Spur wann von wem... und wie verwischt... und wieviele sind danach noch da herüber getappst... und welche führt hin, welche weg... und kommt zum Ergebnis: Tristans letzte Spur—eigentlich mehr ein Verwischen alter Spuren als eine eigene, rußklare Spur—führt zum Kamin.[2]

"Astrid ist oben im Ausguck", berichtet Halfdan hinter ihr.

~~~

Talahan zupft Abdo am Ärmel; es erschreckt den Ya'Keheter, wie schwach der Griff des Mannes ist.

"Mit dem zusammen", ein Nicken geht in Richtung Halfdan, "und vielleicht noch einem zweiten Mann, der ein Schwert halten kann... da könnt' ich entweder hier die Stellung halten, zum Schutz der Pilger... oder wir wagen den Versuch und schlagen uns nach Ansdag durch... einer sollte wenigstens berichten... Nur für den Sturm ins Innere, da fürchte ich, so viel taug' ich nicht mehr, am Ende fall ich euch im entscheidenen Moment zur Last... gefährde den Erfolg... Ha, so glaubt man als Krieger nicht, dass man einmal zu Grunde geht, nicht wahr? Mein Gott wird mich wohl so oder so recht empfangen, er schaut in die Herzen und sieht unsere gute Absicht. Wär ich vom alten Glauben, müsst' ich allerdings um meinen Platz im Kriegerhimmel fürchten!"

So fasst der Gotteskrieger seine Frustration in Worte, an der heiligen Aufgabe zu scheitern, während andere ohne ihn weiterkämpfen müssen.
 1. Abdo, Rogar: lay on hands für 15 hp, ihr beide voll geheilt, für Talahan selbst blieb dann noch 1 hp.
Abdo: Special effect, so von Wahrem Gläubigen zu Wahrem Gläubigen an einem Ort Wahrer Gläubiger: Abdo strahlt für die Dauer des heutigen Tages (bzw. bis zum Verlassen des Klosters, sollte das früher geschehen) eine Aura of Courage (http://www.d20pfsrd.com/classes/core-classes/paladin/) aus (wie Paladin Stufe 3): er selbst ist immun gegen Angst und alle Verbündeten innerhalb (ich verdoppele auf) 20 ft erhalten einen +4 dagegen.
 2. Aeryn: Survival = 23. Eigentlich lasse ich survival (track) in Gebäuden nicht zu, wie schon erwähnt. Ich hätte jetzt einfach sagen können: ok, ich interpretier den Wurf als perception (damit kann man Gebäude untersuchen), aber so hat's mehr Spaß gemacht... und vielleicht bleibt's dadurch ja besser in Erinnerung oder verdeutlicht besser, warum ich survival (track) als für die freie Wildbahn vorbehalten sehe.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 26.07.2017, 21:29:21
Unwillig und übermüdet hatte sich Freydis nach der viel zu kurzen und durch den intensiven Traum gestörten ersten Runde Schlaf mit Aeryn die mittlere Wache geteilt. Zum Glück hatte sie die Elbe überreden können gemeinsam an den Fenstern des ersten Stockes zu wachen. Alleine im Erdgeschoss unterhalb der Barrikade wäre eine Wache weder sicher noch besonders sinnvoll gewesen. Solange sie beide je ein Fenster im Auge hatten konnte ohnehin niemand unbemerkt die Tür zu den Gästequartieren erreichen.
Die Geräusche vom Hof waren alles andere als beruhigend und mehr als einmal musste sich Freydis daran erinnern, dass Nacht und Nervosität alle Geräusche lauter und bedrohlicher erscheinen lassen.
Ihre Positionen machten es auch unpraktisch sich zu unterhalten wollten sie die Schlafenden nicht wecken, was Freydis, übermüdet und darauf bedacht den Hof nicht aus den Augen zu lassen, nur recht war.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten sie schließlich Tristan und Astrid wecken und sich endlich wieder schlafen legen können. Allerdings war Freydis eingeschlafen kaum das ihr Kopf auf der abseits gelegenen Pritsche lag und hatte nicht mehr mitbekommen wo die beiden Posten bezogen hatten.

****

Trotz des Traumes schläft Freydis zumindest in der zweiten Hälfte der Nacht tief und fest und wird erst durch Lívs Schrei geweckt. Auch sie ist zunächst überrascht, dass weder der Rûngarder noch Astrid zu sehen sind, aber schnell übernimmt der wache Verstand der Berührten: Es ist schlicht unmöglich das die falschen Mönche lautlos beide Wachen überwunden, dann abe alle anderen in Ruhe gelassen haben. Es muss eine andere Erklärung geben. Entweder haben sich die beiden Wachposten wo anders im Turm gesucht, etwa in einem der oberen Stockwerke. Oder sie haben etwas bemerkt und sind dem nachgegangen. Aber im letzteren Fall hätten sie sicher jemanden geweckt und Bescheid gesagt.
Rasch ist sie auf den Beinen, denn beim zweiten mal war sie einfach zu müde gewesen ihr Obergewand abzustreifen, so dass sie sich jetzt lediglich die blonden Haare neu flechten und den Schlaf aus den Augen wischen muss. Sie folgt Halfdan die Treppe hinauf. Selbst wenn sie oben niemanden finden sollten, will sie die Gelegenheit nutzen die oberen Stockwerke und die erwähnte Aussichtsplattform zu sehen. Von der Aussicht ganz zu schweigen. Ausserdem ist das eilige Treppensteigen ein guter weg den letzten Rest Schläfrigkeit zu vertreiben. 
Sie ist erleichtert, wenn auch nicht wirklich überrascht zumindest Astrid oben anzutreffen. Der "Ausguck" entpuppt sich als eine sehr unbequeme Sache: direkt unter dem Dach liegt die junge Frau bäuchlings auf einem Balken und späht durch ein Loch etwa eine Armlänge tiefer, wo einige Schindeln herausgefallen sind oder extra zu diesem Zweck entfernt wurden, in den Hof hinab.[1] Von Astrid erfahren sie auch, das Tristan wohl im Erdgeschoss Stellung beziehen wollte.
Nach einem Rundumblick aus den vier Turmfenstern auf das Kloster und seine Umgebung im Morgengrauen folgt sie Halfdan wieder nach unten. Zeit für ein Frühstück und eine Lagebesprechung. Ausserdem wollte sie wissen wie es Talahan ging. Der Paladin war für sie alle ein Quell der Stärke und Zuversicht gewesen und so hoffte sie, wieder besseren Wissens, dass er sich in der Nacht wenigstens etwas erhohlt hatte. Aber sein Aussehen und die ernsten Mienen der umstehenden machen jede Hoffnung zu nichte.  Sie schließt kurz die Augen hohlt tief Luft um diesen letzten Tiefschlag zu verdauen. Aber die Art in der der Talahan nicht aufgibt sondern noch immer die Gruppe organisiert und offensichtlich bis zum letzen Atemzug für seine Überzeugungen kämpfen will erinnert sie auch an ihre eigene Erziehung.
Es ist die Pflicht eines jeden Adeligen, besonders in Zeiten der Krise, zu führen und optimistisch und in Kontrolle zu erscheinen denn zurecht erwarten die kleinen Leute Führung von jenen die herrschen wollen.
 So hat man es sie gelehrt seit sie ein kleines Mädchen war. Andernfalls halten Panik, Verzweiflung und Chaos Einzug, so wie in Ansdag. Natürlich sind die meisten der hier anwesenden nicht gerade einfache Leute, aber das Prinzip scheint ihr trotzdem zu gelten. "Also, sei stark, sei optimistisch, und wenn es nur für die anderen ist." "Auf jedenfall sollten wir alle was essen und trinken. Wir werden die Kraft brauchen. Wer ist für Frühstück?" fragt sie und schaft es um einiges hoffnungsvoller und optimistischer zu klingen als sie sich fühlt.[2][3]
 1. EDIT Gaja: Habe nur den "Ausguck" genauer beschrieben—keine "Plattform". Zweitens: oben den Rûngarder. "Runhager" ist eine andere Runde... Drittens unten den Rundumblick (>> Turmfenster).
 2. Bluff: 16
 3. Edit: Lediglich Grammatik korrigiert
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 26.07.2017, 23:35:20
Nachdem sie sich sicher ist, welche Spuren zu Tristan gehören und wo sie hinführen, geht Aeryn zunächst zu Lîf herüber.

"Tristan ist durch den Kamin gegangen," erklärt sie der Heilerin. "Ich folge den Spuren weiter. Er wird schon nicht allzu weit weggegangen sein."

Im Anschluss begibt die Elbin sich wieder zum Kamin, den sie am Vorabend schon auf seine Tauglichkeit als Weg untersucht hatte, und klettert hinab[1]. Unten angekommen, blickt sie sich ersteinmal um[2] und schaut weiter nach Tristans Spuren[3].
 1. Take 10 für Climb 17
 2. Perception 18 (20 bei Menschen)
 3. Take 10 für Survival (Track) 18 (20 bei Menschen)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 27.07.2017, 07:41:10
In welche Nöte sie Abdo bringt, bemerkt die drudkvinde erst, als er sie mit einem eigenartig drängend klingenden Unterton anspricht, ohne sie anzuschauen. Für einen kurzen Moment schmunzelt sie, schüttelt leise den Kopf – Wie seltsam: Manches Mannsbild ist hinter allen Röcken her, und dieser hier scheint den bloßen Anblick eines Weibes zu scheuen – zieht die Decke enger um sich und ruft: "Du musst deine Augen nicht bedecken, Krieger, es ist gut!" Dann wird sie wieder ernst und blickt sich besorgt weiter nach Tristan um. Aeryns Worte können sie offenkundig nicht recht beruhigen. Dennoch nickt sie automatisch, während sie zurück zu dem Lager geht, das sie mit ihrem Mann geteilt hat, um sich hastig ihre Kleider über den Kopf zu streifen. Dabei behält sie das Tun der Elbin im Auge und seufzt schließlich: "Die Herrin gebe es!" während sie ihr nachblickt, wie sie den Kamin hinab klettert.

Danach erinnert sie sich, trotz der nagenden Sorge um Tristan, an ihre Pflichten und tritt zu Rogar, der gerade Talahan untersucht. Während sie noch ihre rote Haarflut mit ihrem Kopftuch bändigt, mustern ihre Augen den Gotteskrieger, und sie nagt an ihrer Unterlippe. Der Absud hätte jedes Fieber, jeden Keim der Krankheit heilen sollen, sie war sich so sicher..! Dann kniet sie sich neben Talahan, fasst seine Hand und befühlt seine Stirn. "Ihr müsst ruhen..." versucht sie es sanft, erschrickt aber sichtlich bei seinen Worten und dem erfolglosen Versuch, sich aufzurichten. "So dürft Ihr nicht reden – ich habe den Kampf noch nicht aufgegeben!" fährt sie auf, fast ein wenig zornig. Mit zusammengepressten Lippen sieht sie zu, wie Talahan einen Segen seines Gottes auf den Zwerg, dann auch auf Abdo herabruft. Und es fällt ihr zwar schwer, das zu akzeptieren, doch die Wirkung ist nicht zu übersehen – der Mann aus Ya'Kehet scheint nun gar etwas auszustrahlen, das sie regelrecht fühlt...

Dadurch besinnt sie sich auf die Kräfte der Großen Mutter, fasst noch einmal Talahans Hand und flüstert: "Gebt nicht auf – ich werde um Euch kämpfen!" wobei ihre Augen feucht schimmern. Man kann schwer sagen, ob es Tränen der Trauer oder des trotzigen Zorns sind. Jedenfalls steht die Schwangere vorsichtig auf und geht zu ihrem Lager zurück. Dort kniet sie sich hin und beginnt sich in inbrünstige Gebete zu versenken, die Göttin möge ihr die Kraft schenken, den kranken Mann zu retten[1]. Es fällt ihr angesichts der Sorge um Tristan schwer, sich zu konzentrieren, doch ihre Eide binden sie, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um Talahan nicht an die grässliche Seuche zu verlieren. Darüber hinaus will sie nicht die Segnungen  seines Gottes allein strahlen lassen, sondern allen beweisen, dass die Gnade der Großen Mutter ebensolche Wunder zu tun in der Lage ist.
 1. Gebet, um ihre Zauber zu erneuern
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 28.07.2017, 14:20:02
Das Verhalten von Rogar bestätigt Abdo in seiner Befürchtung, dass Talahan die gleiche Krankheit (oder was in Aris' Namen das sein soll) ereilt hat, an der auch die anderen Opfer gestorben sind (und danach wiedergekehrt). Dennoch nutzt der Gotteskrieger seine wundersamen Heilkräfte an Rogar und ihm selbst, worauf erneut eine Welle reiner Energie den Ya'Keheter zu durchströmen scheint. Doch diesmal ist noch etwas anderes dabei - Abdo spürt auch neue Zuversicht und ein neues Vertrauen in seine Kräfte - plötzlich löst sich seine Beklemmung ob der bedrückenden Situation, als er Mut schöpft und das Gefühl gewinnt, niemand könne sie aufhalten, wenn sie zusammenarbeiten!

Gleichzeitig jedoch erlegt Talahan ihm die schwere Bürde auf, die kleine Gruppe an seiner statt zu führen, worauf Abdo zunächst erschrocken schweigt. Wieso gerade er, der nicht einmal der Sprache richtig mächtig ist, der keine wundersamen magischen Kräfte hat wie andere hier? Und würde ihm überhaupt jemand zuhören? Schon will er die Verantwortung zurückweisen, doch was würde dann geschehen? Die Entscheidung Talahans, jemand anderen mit dieser Aufgabe zu betrauen, zeugt von Weisheit: Er selbst braucht all seine Kräfte, um sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Jemand anderes muss den Kampf hier anführen - und vor allem die Leben der Menschen beschützen.

"Ich ... ich werde mein Bestes tun." verspricht der Ya'Keheter daher dem Mann. Dann blickt er sich in der Runde um und überlegt, wie man nun vorgehen soll. Die Lage ist nicht sehr viel anders, als er sie auch schon in der Heimat erlebt hat. Immer wieder geht es um die gleichen Fragen: Wie schützt man diejenigen, die sich nicht selbst schützen können? Geht man in die Offensive, oder verwendet die Kämpfer, um die Fliehenden in Sicherheit zu geleiten?
Bei diesen Gedanken spürt Abdo ein schwaches Zupfen am Ärmel, erneut hat Talahan einige Worte für ihn - und ein Angebot.

Schließlich kommt der Ya'Keheter zu einer Entscheidung. "Ihr müsst versuchen, Ansdag zu erreichen." sagt er mit leiser Stimme zu Talahan. "Nein, nicht versuchen, Ihr müsst es tun. Und die Pilger nehmt Ihr mit und führt sie in Sicherheit. Halfdan werde ich Euch zur Seite stellen, und vielleicht kann ja doch der eine oder andere der Pilger ein Schwert halten. Wir anderen werden die Quelle dieser Verseuchung im Kloster suchen und beseitigen. Wir führen euch vorher noch zum Tor, ab dort müsst ihr euch selbst durchschlagen.

Eure Heilmagie ... könnt Ihr sie nicht für Euch selbst aufsparen? Vielleicht kommt Ihr doch ein wenig mehr zu Kräften - und könnt das Unvermeidliche etwas länger herauszögern. Die Pilger, sie brauchen Euch! Und wenn Ihr in Ansdag angekommen seid, geht zur Heilerin, die wir dort getroffen haben - Solveig. Erzählt ihr alles, was wir hier gesehen haben; sie scheint die einzige in dem Ort, die den Verstand hat, damit etwas anzufangen. Vielleicht ist noch nicht alles verloren. Und wenn es doch so kommen soll: Glaubt mir, Eure Tapferkeit wird nicht geschmälert, solltet Ihr Euer Leben im Kampf gegen diese Seuche verlieren - eher im Gegenteil, denn sie ist ein Feind, mächtiger als die meisten. Ich habe Euch kämpfen sehen, und ich kenne nur wenige Krieger, die Euch ebenbürtig sind. Wenn diese alten Götter, oder was immer sie sind, dies nicht sehen, dann sind sie blind!
Und wenn Ihr die Menschen heil nach Ansdag bringt, soll man Lieder über Eure Tapferkeit singen!"

Anschließend geht Abdo zu Halfdan, der inzwischen Astrid gefunden hat, und bespricht mit ihm den Plan, den er eben Talahan mitgeteilt hat. "Ich kann Euch nicht befehlen, ihn zu begleiten. Aber jemand muss die Pilger beschützen, und hier im Turm sitzen sie auf Dauer in der Falle. Und dazu kommt:" An dieser Stelle wird Abdos Stimme zu einem Flüstern. "Unsere Chancen, hier zu überleben, wenn wir den Ursprung dieser Seuch bekämpfen wollen, sind gering. Schaffen wir es nicht, sind die anderen verloren, wenn sie nicht bis dahin aus dem Kloster verschwunden sind.

Und eine letzte Sache noch: Wenn Talahan es nicht schaffen sollte ... Ihr wisst, was Ihr zu tun habt; er darf nicht wiederkehren."


Anschließend ruft der Ya'Keheter alle im Turm verbliebenen zusammen - auch Tristan ist hoffentlich inzwischen gefunden worden - und schildert sein Vorhaben.

"Ihr seht also, es ist gefährlich. Ich kann niemandem etwas befehlen, denn wir sind alle freiwillig hier. Aber ich werde hier nicht weggehen, ohne zumindest zu versuchen, das Übel auszurotten. Und ich würde mich geehrt fühlen, wenn ihr euch mir anschließt. Gemeinsam haben wir eine Chance.
Rogar, ich weiß, deine Aufgabe war es, die Pilger zu beschützen. Dennoch hoffe ich, dass du dich uns ebenfalls anschließt. Talahan und Halfdan werden die Pilger sicher nach Ansdag bringen, und deine Hilfe wird für uns hier im Kloster wichtig sein.

Und ihr!"

Bei den letzten Worten spricht Abdo die Pilger an. Auch wenn er in manchen der Augen die Furcht vor seinem fremdländischen Äußeren zu sehen meint, hält er nicht inne; für solche Dinge ist keine Zeit.
"Bewaffnet euch mit allem, was ihr finden könnt. Glaubt mir: Jeder Mann und jede Frau können kämpfen, wenn es darauf ankommt. Ich habe große Hoffnung, dass der Weg nach Ansdag frei ist und die meisten dieser Monster noch hier im Kloster sind, aber wenn euch dennoch eins davon begegnet: Kämpft! Gemeinsam seid ihr stark!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 29.07.2017, 16:36:40
Während Talahan spricht, kritzelt Rogar auf dem Leder Dain-Runen. Früher hatte er versucht, von Menschen gesprichenes in Suli niederzuschreiben, doch hat er festgestellt, das ihm die Übung fehlt und ihre Zeichen viel ineffizienter sind. Er hält ihn nicht von seinem Versuch, aufzustehen ab, da er so am ehestens zu spüren bekommt, das er nicht mehr leistungsfähig ist. Als er allerdings seine Heilwunder wirkt, ist er leicht irritiert. Die Nicht-Dain teilten ihre Berührten in verschiedene Stände ein oder beziehen ihre Kraft aus Verbindungen mit Nichtmenschen. Diese Unklarheit und der ungleiche Umgang mit nahezu gleichem macht die Situation nicht übersichtlich. Da der Nutzen deutlich zu erkennen ist, dankt Rogar ihm trotzdem. Seine Wahl für den nächsten Anführer kommt in Rogars Augen wenig überraschend, selbst wenn der dunkle Mensch unter den hellen ein Fremdling ist. Er konnte tapfer kämpfen und wirkte zu sinnvollen Entscheidungen fähig. Der Bitte nach Wasser folgt der Dain und gibt dem Glaubenskämpfer welches. Sein Lamentieren über seine Situation, vor allem in Kontext seines Glaubens, quittiert Rogar mit einem Seufzen. Was hatte er denn erwartet, er ist immer noch jung und wenig erfahren, da können die Dinge schieflaufen, erst recht, wenn man es mit solch widernatürlichen Gegnern zu tun hat. Trotzdem spendet er ihm auf seine Weise Trost: "Ich bin sicher, alle die von euch hören und lesen, werden von euren Taten beeindruckt sein, nicht hiervon enttäuscht."

Der muntere Ton und die Tapferkeit, die die Berührte ausstrahlt, ringen Rogar Respekt ab. Auch wenn sie im Moment nicht durch Tun half, wären hoffnungslose Worte wie die der Pilger schädlich gewesen. So stimmt er ihr zu: "Definitiv.", packt die Notizen zu Talahan weg und wendet sich wieder seinen Gebräuen zu. Parallel ist er, schmeckt ab und scheint zufrieden. Schließlich ringt er sich doch noch eine Frage ab: "Fräulein Redwaldsdottir, habt ihr neben eurer Zauberei noch andere Ausbildung begonnen? Welche wäre das?"

Was die Suche nach dem Vermissten angeht, schätzt er, dass die Elbin (neben ihm vielleicht) die kompetenteste ist, sowohl was das Aufspüren, als auch das unentdeckt bleiben, angeht. Das Aussehen der Elben täuscht über ihr Alter und ihre Erfahrung hinweg, soviel hatte er gelernt. Leider nutzen sie es nur selten und waren leicht ablenkbar, aber er würde sie nicht aufhalten, dazu sieht er sich nicht imstande oder zuständig.

Als Lif sich erneut dem Patienten zuwendet, beobachtet er ihr Handeln genau. Neben der Tatsache, das er sich für ihre Gesundheit mit verantwortlich fühlt, interessiert ihn, was ihre Ausbildung ihr im Bezug auf diese Krankheit oder Fluch rät. Und ob sie ausreichend sicher geht, sich nicht anzustecken. Erscheint sie ihr in diesem Punkt sorglos, würde er energisch dazwischen gehen. Immerhin scheint es sie von ihrer Sorge um ihren Mann abzulenken. Womit sein Verdacht nach dem Verhalten der beiden am Vorabend klar wird. Er hofft nur, dass seine Vermutungen bezüglich Tristan nicht der Wahrheit entsprechen, es täte ihm um die Frau und das Kind leid.

Der dunkle Mensch gibt sich einige Mühe, den Gotteskrieger wieder aufzubauen und die Dinge zu ordnen, Rogars Ansicht durchaus vernünftig. Vielleicht würden seine Worte besesr durchkommen. Bei seinem Versuch, die Pilger zum Kampf zu motivieren, hat er nur ein abschätziges Schnauben übrig. Deren Nutzen für die Gesellschaft würde ihm immer ein Rätsel bleiben. Daher macht er einen Alternativvorschlag: "Ihr beiden, helft wenigstens eurem Mitgläubigen. Fräulein Astrids Vater wird Hilfe auf dem Weg brauchen, stützt ihn. Beten könnt ihr auch im Laufen." Abdos Worte an Rogar selbst ernten ein Stirnrunzeln. "Herr al'Mbabi, da liegt ein Missverständnis vor. Es war nicht meine Aufgabe, die Pilger zu beschützen. Ich habe es nur getan, da sie ohne meine Hilfe nicht überlebt hätten. Meine Aufgaben sind andere, unter anderem muss ich den Verbleib meines Kameraden klären, meine und seine Ausrüstung bergen. Das Kloster und die Räubergeschichten zu untersuchen passt auch. Deswegen habe ich meine Heilkünste und meinen Axtarm angeboten. Damit gehe ich davon aus, dass ihr sie annehmt."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 29.07.2017, 23:01:21
Aeryn klettert also den Kamin hinab und entdeckt unten erfreut weitere Fußspuren aus Ruß, sehr deutlich trotz der alten Kampfspuren überall... da tappsen sie über eine mit seltsamen Zeichen bekritzelte Seite... Am Vorabend hat Aeryn beobachtet, wie Freydis solcherlei Seiten aufsammelte... diese hier hat sie offenbar übersehen... wahrscheinlich lag das gute Stück unter den Trümmern des Regals, die hat nämlich jemand aus dem Weg geräumt... nein, eher aus dem Weg getreten, da liegen sie... und da... überall verstreut... Den Spuren nach zu urteilen, war es Tristan, und überhaupt scheint er in jeder Ecke der beiden Zimmer gewesen zu sein... alles durchsucht zu haben... alles sieht noch ein wenig durchwühlter aus als zuvor... So, so, man war also auf der Suche nach Beute... na ja, viel wird man nicht gefunden haben...[1] So, und wo endet die Spur nun?

An der Wand. Aeryn blickt auf und entdeckt ein Paar Füße direkt vor ihrer Nase. Sie blickt weiter auf. Tristan steht vor ihr auf der schulterhohen Wand, die den Schlafbereich vom Aufenthaltsraum trennt, und späht aus dem viel zu hohen Fenster Richtung Norden.[2]

Nachdem sie ihm berichtet hat, dass sich oben alle bereit machen zum Aufbruch—und wie sehr Lîf sich sorge, weil niemand wisse, wo ihr Mann bloß sei—lässt er sich dazu überreden, ihr in den ersten Stock zu folgen.

"Dabei wäre jetzt normalerweise die beste Zeit für einen Angriff", murmelt er. "Na ja, wenn es Menschen wären. Menschen würden jetzt angreifen, wenn sie auch nur ein bisschen von derlei Dingen verstünden."

~~~

Kurz darauf purzeln erst eine Elbin, dann ein Mensch inmitten einer Rußwolke aus dem Kamin im Obergeschoss. Tristan eilt gleich zu seinem Weib hinüber, doch erkennt sofort, dass man sie jetzt nicht stören darf. Daher legt er ihr nur wortlos, um sie seiner Anwesenheit zu versichern, die Hand auf die Schulter—einen schwarzen Abdruck hinterlassend—bevor er sich zu der um Talahan versammelten Gruppe gesellt.

"Was ist der Plan? Können wir bald los?"
 1. Mit perception = 4 (nat. 1) (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1032667#msg1032667) findet Tristan tatsächlich keinerlei Beute außer... einer heiligen Schrift ("Die Worte des Propheten"), die dort dutzendweise für die Pilger ausliegt. Er hat sich davon eine eingesteckt. Wer weiß, wann man das mal zum Bluffen braucht.
 2. Spurenlesen = 20, Perception = 20
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 30.07.2017, 11:59:06
Den kurzen Moment, die Papiere aufzulesen und so gut es geht vom Ruß zu befreien, hat Aeryn sich noch genommen, ehe sie mit Tristan zusammen zurück zu den anderen gekehrt ist. Sie klopft sich den Ruß von der Kleidung, soweit es eben geht, und schaut sich dann ersteinmal um.

Die Blätter übergibt die Elbin Freydis mit den Worten: "Die habe ich unten gefunden, vielleicht steht dort noch etwas Wissenswertes niedergeschrieben?"

Dann fragt sie in die Runde: "Also dann, wie machen wir jetzt weiter?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 30.07.2017, 22:20:54
Freydis hat ihren Worten Taten folgen lassen und ist dabei Rationen aus ihrem Rucksack zu hohlen als
Rogar nach ihren Fähigkeiten ausserhalb der Magie fragt.
Sie dreht sich zu dem Dain richtet sich hoch auf und es liegt Stolz in ihrer Stimme als sie antwortet.
"Ich bin eine Adelige von Albion, Dain. Wie alle Freien Albions kann ich hiermit.", ihre Hand berührt das Langmesser in seiner Scheide an ihrer linken Hüfte, "und damit", sie deutet auf den Streitkolben der neben ihrem Rucksack an der Wand lehnt, "umgehen. Und wie alle Kinder von Stand hat man mich Reiten, Sitte und Benehmen und Lesen und Schreiben gelehrt."

***

Mit Erleichterung, die sie sich allerdings kaum anmerken lässt nimmt sie zur Kenntnis wie Aeryn mit Tristan zurückkehrt. Also war der Skalde tatsächlich im Erdgeschoss gewesen.
"Meint ihr nicht wir sollten erst einmal frühstücken? Ich denke wir alle könnten die Stärkung brauchen."
Sie wirft einen bedeutungsschwangeren Blick auf Lív, "und wer weiß wie lange der Tag heute wird."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 31.07.2017, 07:21:37
Der Dain registriert ebenfalls mit Erleichterung, dass sich die Abwesenheit des Sängers diesmal als mangelnde Kommunikation ohne gefährliche Konsequenzen herausstellt. Den Fragen des Menschen und der Elbin antwortet er hilfsbereit: "Euer Sir Talahan hat seine Pflichten auf Herrn al'Mbabi übertragen, da er selbst diese nicht mehr vollständig erfüllen kann. Herr al'Mbabi hat euch freigestellt, sich mit den Kampfuntauglichen ins Dorf zurückzuziehen oder ihm dabei zu helfen, dem Übel hier vor Ort auf den Grund zu gehen, wenn möglich zu beseitigen. Nach der Mahlzeit, zu der ich raten würde, werden wir noch ein paar Augenblicke zum Packen brauchen, dann kann es losgehen. Wobei wir am besten zunächst den sich zurückziehenden den Rücken decken." Während er das meiste wegkippt, landet ein Teil seiner alchemistischen Experimente in einer kleinen Metallflasche, die anschließend in einer Innentasche seiner Kleidung verschwindet.

Freydis Antwort verfolgt er mit Interesse, nur um prompt weitere Fragen zu haben: "Nur die Freien bekommen eine Ausbildung an der Waffe, lasst ihr da nicht kämpferisches Potenzial brachliegen? Statt das sich die Unfreien selbst schützen können, müsst ihr das für sie übernehmen? Benehmen, Lesen und Schreiben lernen bei euch nur ein Teil der Menschen? Wie vermeidet ihr dann Unordnung und ständige Fehden wegen mangelndem Gemeinschaftssinn? Gehört zu euren Pflichten den anderen gegnüber, vorzulesen?" Schon hatte der Dain, neben seinem nächsten Bissen im Mund, auch Schreibzeug zur Hand. Offensichtlich fanden ein Teil der Antworten Wege in seine Notizen.

Bei der Übergabe des Blattes aus seinen Aufzeichnungen durch Aeryn an die neben ihm stehende Freydis wird der Krieger aufmerksam und sagt: "Hey, sehr schön, das ist eine Seite von meinen Schriften! Waren da noch mehr? Vielen Dank,  ohne die hätte ich nur meine Erinnerung zur Verfügung gehabt." Während er nach dem Papier greift, ändert sich sein sonst mitleidiger Blick Freydis gegnüber allerdings in Misstrauen, auch wenn er seinen Verdacht noch nicht ausspricht. Will er ihr Gelegenheit bieten, selbst aus der Reserve zu kommen oder ist er unsicher?

Als Rogar mit der Mahlzeit fertig ist, packt er seine Sachen, zusammen mit denen des anderen Dains. Mit Halfdans Unterstützung legt er seine Metallschutzkleidung an. Zusammen mit den Waffen und dem großen Rucksack wirkt seine Figur noch kleiner und überladen, aber er bewegt sich, als wäre er kaum beschwert.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 31.07.2017, 10:26:43
Lîf, die völlig in ihre Gebete vertieft ist, bekommt von den Gesprächen hinter ihrem Rücken nur ein leises Murmeln mit. Ihre Gedanken schweifen durch grüne Auen, entlang silbrig glitzernder Bäche und über Felder, auf denen die Halme sich schwer unter den Ähren neigen – Gayas Schöpfung, erfüllt von Leben auf zwei oder mehr Beinen, getragen von Schwingen, durch die kühlen Fluten schwebend oder tief im Schoß der Großen Mutter verwurzelt. Die Verbindung mit der Gesamtheit all dessen umgibt sie wie der Leib der Mutter das ungeborene Kind, und sie atmet tief ein und aus, während ihr all die Kräfte wieder zufließen, welche einer Weisen Frau zu Gebote stehen. Der junge Rotschopf, den die Reisegefährten im Laufe ihres Beisammenseins schon als überaus stolz und impulsiv, manchmal gar hochfahrend erlebt haben, kniet während des Betens am Boden, den Kopf ehrfürchtig geneigt, während ihre Lippen leise Worte formen, die seit grauer Vorzeit von Lehrerin zu Schülerin weitergegeben werden.

Als Tristans Hand sich auf ihre Schulter legt, nimmt sein schwangeres Weib die Berührung nicht voll bewusst wahr. Sie zuckt nicht zusammen, wirkt nicht überrascht. Doch ihre Lippen verziehen sich zu einem kaum merklichen Lächeln, weil sie spürt, dass nun auch die letzte kleine Wunde in ihrer Seele, die Sorge um ihren Mann, sich geschlossen hat. Woher sie weiß, dass er es ist... sie könnte es wohl selbst nicht erklären. Doch das Gefühl der Vollständigkeit durchströmt sie und lässt sie noch ruhiger atmen. Endlich hat sie ihre Gebete beendet, stützt sich mit einer Hand auf der Pritsche ab und steht etwas schwerfällig auf. Dann dreht sie sich zu den anderen um, wo Rogar gerade den Neuankömmlingen erklärt, was während ihrer Meditation geschah.

Sie geht zu Talahan, kniet sich neben seinem Krankenlager nieder und legt ihm eine Hand auf die Brust, während die andere eines ihrer Amulette umfasst. "Herr Talahan" sagt sie leise. "Grämt Euch nicht, wir werden dem Unheil hier ein Ende bereiten. Für Euch wird ein anderer Tag kommen, an dem Ihr wieder Euer Schwert schwingen werdet. Heute ist Euer Kampf ein anderer – gegen den Feind in Euren Adern! Dafür braucht Ihr all Eure Kräfte – Wollt Ihr mir erlauben, Gayas Segen für Euch zu erflehen?" Damit wartet sie auf die Antwort des Gotteskriegers. Denn auch wenn sie eine starke Abneigung gegen seinen Glauben hegt, hat er sich ihren Respekt verdient, weshalb sie nicht auf die Idee käme, ihm die Kraft der Großen Mutter gegen seine Überzeugung zukommen zu lassen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 31.07.2017, 14:59:38
Führung ist schwer, das wusste Abdo bereits vorher, dennoch ist er etwas entmutigt von der Reaktion auf seinen Vorschlag - Anweisungen würde er es nicht nennen. Es scheint ihm, als würden alle durcheinander sprechen, und niemand hätte so wirklich zugehört, was er eigentlich gesagt hat - niemand außer dem Dain zumindest, denn der versucht, in ruhiger Sprache noch einmal das Wichtigste zu wiederholen.

Während um ihn herum gesprochen wird, überlegt der Ya'Keheter, wie er dem Wunsch Talahans besser entsprechen kann; doch während er erneut einen Blick auf den Gotteskrieger wirft, der gerade von Lîf angesprochen wird, hinterfragt er unwillkürlich seine eigene Entscheidung, nur Halfdan mit ihm ins Dorf zurückzuschicken. Die Reaktion der Pilger auf seine Aufforderung war mehr als zurückhaltend, und auch wenn er deren Einstellung innerlich verurteilt, ist doch der Schutz von Menschenleben das hehrste Ziel seines Ordens, und die Gefahr, die auf dem Weg in die Stadt droht, schätzt er zu hoch ein, um nur einen Kämpfer und einen Schwerkranken auf den Weg zu schicken.

"Freydis hat recht, lasst uns etwas essen! Aber beeilen wir uns, denn was immer der Feind vorhat - es ist besser, ihm nicht zu viel Zeit dafür zu geben."
Während alle mehr oder weniger hungrig auf ihren Rationen herumkauen, geht Abdo zu Hjalmarr, der etwas abseits von den anderen sitzt. Ohnehin war der Bärtige seit dem Kampf am vergangenen Tag noch in sich gekehrter als üblich.
"Hjalmarr, ich möchte dich um etwas bitten. Sicherlich brennst auch du darauf, das Übel in diesem Kloster zu vernichten - aber ich habe eine Aufgabe für dich, die ebenso wichtig ist. Die Pilger müssen in Sicherheit gebracht werden, und die Kunde um das, was hier passiert ist, muss sich verbreiten und auch nach Kromdag gelangen. Halfdan wird Talahan und die Pilger nach Ansdag begleiten, und ich möchte, dass du mit ihnen gehst. Talahans Zustand ist schlimmer als ich dachte, und sollte ein Angriff erfolgen, wird Halfdan alleine die Gruppe nicht beschützen können.
So sehr uns deine Kampfkraft hier fehlen wird, der Schutz dieser Menschen ist mindestens ebenso wichtig. Wirst du sie begleiten?"


An alle gerichtet erhebt er noch einmal das Wort, als durch das gemeinsame Mahl relative Ruhe herrscht.
"Wenn wir uns gestärkt haben, werden wir die Pilgergruppe, Halfdan, Hjalmarr und Talahan zum Tor begleiten; ab dort seid ihr auf euch gestellt. Wir übrigen werden zunächst die Kapelle untersuchen, dann den Turm, und schließlich das Kellergeschoss. Unser Ziel ist es, alle falschen Mönche zu eliminieren, mögliche Überlebende zu retten und den Abt und die Brüder, von denen Rogar gesprochen hat, zu finden. Denkt daran, dass Jarus uns betrogen hat! Es steht zu vermuten, dass dem Abt und den anderen Brüdern das gleiche wie ihm zugestoßen ist; wir müssen also vorsichtig sein und niemandem trauen, den wir treffen."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 01.08.2017, 22:37:02
Bei Rogars Frage—ist das eine Frage? Sie klingt sehr rhetorisch—schnaubt Tristan halb amüsiert, halb verächtlich.

"Den Knechten Waffen in die Hand drücken? Was, vielleicht den Mägden gleich auch noch! Ha, was wollten die auch damit anfangen? Und warum nicht auch noch gleich unsere Weiber mit ins Gefecht schicken! Und wer kümmert sich dann um die Kinder? Wer um die Felder? Sollen die in der Zeit brachliegen? Wer füttert das Vieh, wer melkt, wer hütet es, wer drischt und mahlt das Getreide, wer pflügt den Acker, wer fährt den Mist aus, wer kocht und wäscht, wer sticht den Torf? Es ist doch nicht so, als wären die, die keine Waffen tragen, derweil untätig! Aber es hat nun einmal nicht jeder das Herz, die Todesverachtung, die es braucht, sich mit Schwert und Schild in die Schlacht zu stürzen. Es soll doch ein jeder die Arbeit tun, für die er am besten taugt—nur so ist am Ende allen gedient."

Er stutzt. "Willst du damit sagen, bei euch Dain lehrt man die Knechte im Schwert?"

~~~

Talahans Miene verschließt sich bei Lîfs Vorschlag und seine Rechte zeichnet reflexartig ein Schutzzeichen vor seiner Brust, ein Kreuz in einem Kreis—das Reifkreuz des Einen Gottes, ewig währe seine Herrschaft auf Erden. Ebenso unbedacht gehen ihm die Worte von der Zunge: "Bleib mir mit deinem Heckenzauber vom Leib, Weib!"

Woraufhin er sichtlich erschrickt und zu stottern beginnt: "Spar ihn dir auf für die, die auf eurem weiteren Weg verletzt werden. Gegen das Übel, das mich befallen hat, helfen weder meine Gebete noch deine. Pack es an der Wurzel, das Übel, das dem Einen ebenso ein Greuel ist wie Deiner großen Mutter; reiß es mit der Wurzel aus, Lîf, keine Gnade!"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 02.08.2017, 16:57:55
Da sie es ohnehin nicht lesen kann, übergibt Freydis Rogar ganz selbstverständlich das Blatt. Seinen misstrauischen Blick nimmt sie zur Kenntnis, ignoriert ihn aber vorläufig.
Gerade will sie auf seine Frage eingehen als ihr Tristan zuvorkommt. Sie bedenkt den Sänger ob der Selbstverständlichkeit mit der er sich einfach so in anderer Leute Gespräch einmischt mit einem verärgerten Blick. "Ich kann nicht für die Rûngarder sprechen, aber auf Albion sind die meisten Menschen Freie und jeder  Freie, ob Mann oder Frau lernt sich selbst zu verteidigen. - Zum Beispiel gegen Rûnländer Piraten." meint sie eisig zu Tristan.  "und hat das Recht das Langmesser zu führen." setzt sie dann wieder dem Dain zugewant fort: Die wenigen Unfreien sind entweder ehemalige Gefangene, haben sich verschuldet und so ihre Freiheit an ihren Gläubiger verloren bis die Schuld bezahlt oder abgeleistet ist oder sind von Jarl oder Thing für Verbrechen zu ihrem Stand verurteilt worden. In jedem Fall dürfen sie keine Waffen tragen. Nicht einmal Messer mit mehr als einer Handbreit Klingenlänge. Tun sie es trotzdem sind sie des Todes." erklärt sie ihm während sie sich über ihr Frühstück hermacht.
Bei Abdos Worten nicht die Berührte nur zustimmend. Schon aus Pflichtgefühl würde sie ihre Gefährten jetzt nich so einfach im Stich lassen wollen, davon abgesehen ist ihre Neugier erwacht. Zu gern will sie wissen, was es mit den Ereignissen im Kloster auf sich hat.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 02.08.2017, 20:50:05
Rogar beobachtet immer wieder die Interaktion zwischen Lif und Talahan, einmal ihrer Sicherheit wegen - auch gegen Ansteckung - zum anderen, um Veränderungen am Wesen des Gotteskriegers mitzubekommen und im Zweifel einzugreifen. Ihn erstaunt der unfreundliche Umgang der Menschen miteinander immer wieder und er fragt sich, ob er sich würde anpassen müssen. Er hofft nicht, denn irgendwie würde er etwas von sich selbst verlieren, meint er.

Abdos Worte quittiert er zunächst mit Zustimmung, um dann doch noch etwas nachzuschieben: "Weitesgehend bestätige ich eure Darstellung, Herr al'Mbabi, in Einzelpunkten möchte ich aber noch etwas ergänzen: Gute Vorbereitung ist besser als überstürztes Handeln und unsere Feinde haben schon viele Stunden ungestört gehabt - sie sind eher nachts als tagsüber aktiv - so werden einige Minuten zum Stärken, Packen und Vorbereiten keinen Unterschied machen. Was das Töten angeht: Vielleicht sollten wir ein paar der eher normal wirkenden nur außer Gefecht setzen, um sie zu befragen?"

Tristans Worte, vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der er die Realität des Dains angriff, fordern Rogars Langmut. Mit krauser Stirn und zusammengezogenen Augenbrauen lauscht er hüflich bis zum Ende und antwortet betont ruhig: "Ich stimme zu, dass es wünschenswert wäre, wenn Frauen und Kinder nicht kämpfen müssten. Aber das gilt eigentlich auch für Männer. Aber ein Kolkar, Untoter, Dämon oder anderer bösartig Beseelter wird sich von diesem hehren Zielen nicht abhalten lassen. Also sollten sie in der Lage sein, sich zu verteidigen. Und was die anderen Dienste angeht: Gibt es Menschen, die allein vom Kämpfen leben und nichts anderes beherrschen, quasi Kriegshandwerker?" Er schüttelt ungläubig den Kopf - so eine Gesellschaft konnte in seinen Augen nicht zur Ruhe kommen. Dann beantwortet er doch noch die hinterhergeschobene Frage: "Alle Dain erhalten die ersten Jahrzehnte ihres Lebens eine Grundausbildung, zu der gehören Waffenkunst, Minenarbeit, Lesen und Schreiben und ein paar weitere, je nach Talent. Erst danach beginnen sie die Lehre in ihrem Handwerk."

Freydis Ausführungen klingen für ihn nach einer besser funktionierenden Gemeinschaft, wenn auch nur ein wenig. Mit Sorge hört er allerdings von den offensichtlichen Spannungen zwischen Albionern und Rungarder. Nicht einmal die beiden großen Bürgerkriegsparteien der Menschen scheinen geschlossen zu handeln, sondern ihre Energie auf interne Spannungen aufzuwenden. Gerne hätte er gefragt, aber seine Zurückhaltung verbot es ihm. "Die Unfreien haben also der Gemeinschaft geschadet und werden damit bestraft, der Gewalt anderer hilflos ausgeliefert zu sein. Bekommen sie Gelegenheit, ihren Schaden wieder gut zu machen, oder bleiben sie eine Bürde?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 03.08.2017, 11:14:19
Bei Talahans Reaktion zuckt der Rotschopf zurück wie nach einer Ohrfeige. Ihre Züge verdüstern sich, sie beißt sichtlich die Zähne zusammen. "Der Segen der Herrin ist kein billiger Zaubertrick!" zischt sie aufgebracht. Dass der Gotteskrieger seine Worte gleich darauf zu bedauern scheint, lässt sie zögern – doch sie zeigt einen stolzen und abweisenden Ausdruck, als sie ihm mühsam beherrscht erwidert: "Da braucht Ihr keine Bedenken zu haben: Jede Mutter kämpft mit aller Macht gegen jene, die ihre Kinder bedrohen – so, wie sie jene tröstet, die sich in ihre Arme flüchten." Die letzte Spitze hat sich die drudkvinde doch nicht verkneifen können. Sie steht auf, sieht auf Talahan hinab und sagt nach einiger Zeit: "Möge Sie Euch verzeihen und trotzdem Ihre Gnade spenden, auch wenn Ihr mir nicht vertraut." Sie wirkt zwar, als schwanke sie noch für einen Moment, doch allein ihr verletzter Stolz ist ein Hindernis, das die stolze junge Frau nicht so einfach überwinden kann.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 03.08.2017, 13:03:16
Abdo lauscht den Gesprächen um sich herum mit wachsender Unruhe, während er seine karge Mahlzeit verdrückt. Bis auf den Dain scheint sich niemand wirklich mit der aktuellen Situation zu beschäftigen; stattdessen diskutieren sie über irgendwelche religiösen Belange oder die Ausbildung zum Kampf. "Vielleicht auch einfach nur zur Ablenkung, um nicht über das nachdenken zu müssen, was sie möglicherweise erwartet." Abdo selbst hat sich in seinem Leben in einem einzigen, endlosen Überlebenskampf befunden, und die Aussicht seines bevorstehenden Todes ist mit der Zeit zur Routine geworden, schreckt ihn nicht mehr wirklich. Diese Leute hier, die aber in relativer Sicherheit aufgewachsen sind, für sie mag es eine neue Erfahrung sein.

Rogar jedoch hat sich ebenfalls einige Gedanken gemacht, und Abdo entgegnet ihm: "Wie sollen wir uns vorbereiten, wo wir nicht wissen, was uns erwartet? Ich würde gerne, aber ich weiß nicht, was wir tun können außer uns zu stärken. Ausgeruht sollten wir nach der Nachtruhe hoffentlich alle sein.
Zum Umgang mit den Mönchen habt Ihr mich womöglich falsch verstanden. Es scheint zwei Arten zu geben: Diejenigen, die vorher tot waren. Sie scheinen geistlos und verwandeln sich nach ihrem Tod in Schleim. Ich glaube nicht, dass wir einen solchen befragen können. Und diese meinte ich mit "falsche Mönche". Dann diejenigen, die wie Bruder Jarus normale Menschen geblieben zu sein scheinen, aber aus welchem Grund auch immer zum Bösen gewechselt sind. Diese sollten wir befragen."


Während des Essen hat Abdo aber auch dem Gespräch zwischen Freydis, Tristan und Rogar gelauscht. Obwohl er sich nicht ablenken lassen wollte, ist ihm das nicht wirklich gelungen. Folgen konnte er der Diskussion jedoch nicht, denn mit vielen der Wörter kann er einfach nichts anfangen. Deshalb schiebt er seiner Ausführung noch eine Frage nach, die ihn beschäftigt, seit er das Wort gehört hat:
"Was sind Unfreie? Gefangene?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 03.08.2017, 21:55:28
"Jahrzehnte, sagst du? Und dann erst die Lehre? Womöglich danach noch ein Gesellentum? Wieviel länger dauert das? Ja, und wann heiratet ihr, wann bekommt ihr Kinder?"

Tristan findet das höchst interessant, was der Dain erzählt, obzwar einiges davon schon arg seltsam ist. Was, Männer sollen seiner Meinung nach nicht kämpfen? Wer dann? Auch das Unwissen des Dain über hiesige Verhältnisse lässt Tristan die Augen aufreißen. Dass Abdo, ihr neuer Drachenführer, dieselben schon verdreht, weil sie nicht bei der Sache bleiben, bemerkt Tristan sehr wohl, aber über die Sache ist ja alles gesagt und es kann nicht schaden, mit dem neuen Kampfgefährten ein wenig vertraut zu werden, bevor man sich in die Schlacht stürzt. Außerdem stärken sich ja alle nebenher und packen ihre Sachen zusammen. Nicht, dass Tristan etwas zu packen hätte, und sein Mahl ist auch bereits verschlungen—er könnte los! Aber so schnell schien der Dain nicht bereit zu sein. Offenbar hatte ein Dain immer mehr Zeit als ein Mensch.

"Ihr Dain werdet wohl sehr alt, was, dass ihr soviel Zeit habt? Da lägen wir Menschen längst unter der Erde, bis wir der Lehrzeit entronnen wären. Meine erste Lehre begann an der Mutterbrust: die des Sanges. Mit sieben kam ich zu den Mönchen, die mir den Sang austreiben und statt dessen den Kopf mit ihrem Unfug vollstopfen wollten, das war die zweite Lehre. Mit vierzehn entkam ich ihr endlich und wurde darauf von Olav im Schwert ausgebildet. Die dritte Lehre, in Recht, Rhetorik und der Verskunst, lief nebenher. Mit sechzehn ging's dann zur See und in die Schlacht und als ich von beidem zurückkehrte, war ich Herr über Olavs Haus und Hof und all seine Knechte und Mägde, denn er selbst war gefallen. Auch übernahm ich von ihm das Amt des Skalden für alle vier Inseln. Bei jedem Rechtsfall, den man unserem Jarl antrug, musste ich mich an die rechten Gesetze und Fälle erinnern und diese vortragen, damit die Gemeinschaft zu einem gerechten Urteil kam. Ein Jahr älter, als ich hätte sein müssen, wohlgemerkt. Mit fünfzehn ist bei uns ein freier Mann ein Mann und ein freies Weib darf heiraten und herauf ihre Rechtsgeschäfte tätigen. Ein Mann von zwanzig aber ist entweder verheiratet oder die Leute schieben ihm von links und rechts die Töchter vor die Nase und rufen verzweifelt: jetzt such dir endlich eine aus! Hat man mit dreißig noch kein Weib, setzen einem sogar die Fahrtenbrüder zu, deren Ställe längst voller Kinder sind. Gut, dass ich zwei Jahre später meine Lîf getroffen hab, drauf hatt' ich endlich Ruh'. Und sie, nach zwei Jahren Lehre bei unserer drudkvinde neben all der anderen Arbeit auf dem Hof, folgt der alten Esja, als diese stirbt, im Amte nach als oberste Heilerin und Weise Frau, Lîf selbst noch keine zwei Jahrzehnte alt."

Nach dieser Rede, die vielleicht ein wenig angeberisch klingt, tritt er zu seinem Weib hin, auf die er momentan stolzer ist als auf alles andere, das er in seinem Leben erreicht hat—das dürfte sein Blick deutlich verraten. Doch als er ihr gerade die Hand auf die Wange legen will, springt Lîf empört auf und giftet ihren Patienten an. Verwirrt hält Tristan inne und benötigt erst einmal eine ganze Weile, um zu begreifen, was hier vorgefallen ist. Dann lacht er. Ungläubig klingt es. Ja, so redet man auch nicht mit seiner Lîf! Oder mit einer Weisen Frau! Oder auch nur mit einem Rotschopf! Doch gleich wird er wieder ernst. Wenn Lîf so aufbraust, dann tut und sagt sie Dinge, die sie später gerne zurücknähme, und solange dies möglich ist und nicht mehr als eine Entschuldigung oder eine Versöhnungsnacht kostet, so ist kein Schaden entstanden. Aber das hier, das wird sie bitter kosten, wenn sie nicht ganz rasch auf ihre bessere Stimme hört.

"Lîf", spricht er, an ihre Seite tretend, leise an ihrem Ohr. "Der Mann ist erschöpft, verletzt, aus ihm sprechen Fieber, Enttäuschung, die Scham vor seiner Schwäche, der Neid auf uns, die sich weiter in die Schlacht stürzen können, Wut auf sich selbst und den Schicksalsmoment, der ihm das Ruder aus der Hand riss! Hast du mich nicht in einer ähnlichen Situation ganz furchtbar gescholten, als ich dem Mann die Zähne ausschlug, die du ihm hättest ziehen sollen, für seine Frechheit, dir unter den Rock zu fassen? Kranke Männer nähmen sich halt so einiges heraus, hast du mir erklärt, du wüsstest dich da schon zu wehren! Nichts anderes ist das hier, nur dass es dich schlimmer trifft, wenn jemand an deiner Entschlusskraft, deinen Fähigkeiten oder deiner Göttin zweifelt. Das verletzt deinen Stolz, nicht wahr? Das andere nur den meinen. Jetzt hol' tief Luft und denke nach: wir ziehen gleich in die eine Richtung, er in die andere. Nun stell' dir vor: wir überleben das hier und kommen nach Ansdag zurück und Talahan ist tot. Was wirst du dann von dir selbst halten?"[1]
 1. Auf Abdos Frage bzw. zum Thema Unfreie allgemein, auch zu der Sache mit den falschen Mönchen, würde Tristan ebenfalls gerne noch seinen Senf dazugeben, aber das passte hier in diesen Post nicht mehr so gut hinein. Da würde ich erst Lîfs Reaktion abwarten wollen. Deshalb tu ich hier so, als wäre Abdo hier noch nicht mit seiner Rede am Ende.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 04.08.2017, 12:15:40
Nachdem sie sich wutentbrannt von Talahan abgewandt hat, geht Lîf langsam zu den anderen zurück, die Arme um ihren Oberkörper geschlungen, den Blick mürrisch zu Boden gerichtet. In ihr widerstreiten der Wunsch und ihre Eide, den Kranken zu helfen, mit dem Stolz, den der Gotteskrieger verletzt hat. Sie hört dem Gespräch zu, nimmt wohl auch einige Schlucke Wasser und ein paar Bissen zu sich, und steht dabei schweigend hinter Tristan. Erst auf Abdos Worte zu den Mönchen reagiert sie, indem sie einfällt: "Wenn es tatsächlich so ist, wie du gesagt hast, dann dürfen wir die echten Mönche aus zwei Gründen nicht einfach erschlagen: erstens, weil sie uns vielleicht wirklich etwas sagen können, und zweitens, weil es immer noch Menschen sind – Menschen, die erkrankt sind, wofür sie nichts können! Die anderen..." sagt sie leise, wobei ihr Blick sichtlich düsterer wird "...sollen den Zorn der Großen Mutter zu spüren bekommen..!" Und so warmherzig und fürsorglich, wie sich die junge Frau um die Verletzten gekümmert hat, so eiskalt wirkt sie bei diesen Worten. Tristan kennt diesen Ton an seinem Weib: Er verheißt Lîfs bleibende Feindschaft, die weitaus gefährlicher ist als ihr oftmals aufflammender, aber stets rasch wieder besänftigter Jähzorn.

Zu der Diskussion um die Unfreien schüttelt sie halb ungläubig, halb spöttisch den Kopf und nickt, um die Worte ihres Mannes zu unterstreichen. "Wenn jedermann bewaffnet wäre und geübt im Umgang mit Kriegswerkzeug, wie würden dann wohl einfache Streitereien zwischen betrunkenen Knechten enden? Und wie sollte ein Fürst die Herrschaft über sein Reich ausüben, wenn sich jederzeit die Dörfer gegen ihn erheben könnten? Ein Faustrecht wäre die Folge, ständiges gegenseitiges Misstrauen und sicher auch viele Tote." Dann lacht sie hell auf und fährt fort: "Und dann gar noch Weiber in Waffen?! Seht doch selbst einmal, wie ein Mann und ein Weib beschaffen sind." Womit sie den kräftigen Oberarm Tristans mit der Hand mühsam umspannt und dann ihren eigenen dagegen hält. "Glaubt ihr nicht, die Schöpferin hätte ihren Töchtern dieselben Vorzüge geschenkt wie ihren Söhnen, hätte sie gewollt, dass sie es ihnen gleichtun? Wir Weiber haben unseren Platz im Herzen der Familie, der Sippe, des Clans! Wir sind ihr Rückgrat, nicht ihre Faust! Unsere Aufgabe ist nicht das Verletzen, sondern das Heilen."

Als sie an diesem Punkt ihrer Rede angelangt ist, verstummt sie plötzlich, als habe sie sich selbst damit an etwas erinnert, eine wunde Stelle berührt. Sie presst sichtlich die Lippen zusammen und wendet sich brüsk ab, um ihre Unsicherheit zu verbergen. Es überrascht sie nicht, dass Tristan kurz darauf neben sie tritt und den Arm um sie legt. Er dürfte mittlerweile gelernt haben, ihre heftigen Gefühle zu ergründen. Stumm hört sie ihm zu, den Blick auf Talahan gerichtet. Dann sieht sie zu Boden und kämpft mit sich. Schließlich kommt ihr ein entnervt klingendes Seufzen über die Lippen, und sie erwidert ebenso leise wie er: "Wenn er die Hilfe der Herrin will... Sie ist gütig zu all Ihren Kindern – selbst denen, die Sie verleugnen. Er muss nur ein Wort sagen, und ich... ich gehorche Ihrem Gebot." Sie nagt an ihrer Unterlippe und bittet schließlich ihren Mann: "Sprich du mit ihm und erkläre es ihm." Und Tristan wird es schon ahnen, weil es stets so ist: Lîf ist bereit zu verzeihen, doch ihre ungestüme Art macht es ihr schwer, den ersten Schritt zu tun.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 04.08.2017, 15:52:47
Von Lîf derart vor den Kopf gestoßen, verharrt Tristan erschrocken. Abermals muss sein Weib vor allen Leuten sich ihm gegenüber bockig zeigen. Will nicht einlenken, wo er sie doch darum bittet. Schickt ihn vor, er solle die Sache richten. Er schaut die anderen nicht an, wähnt sich unter ihrem spöttischen Blick. Wie, Lîf verletzt lieber seinen Stolz, als dass sie den ihren überwindet? Am liebsten will er insistieren, aber vor Zuschauern wird sie gewöhnlich nur noch bockiger, und ihm ist dies bereits peinlich genug. Wahrlich, hier steht ein Mann, der sein junges Weib nicht in den Griff bekommt...

Vielleicht habe ich auch nur vergessen, um wieviel schwerer es als junger Mensch ist, seinen Stolz zu überwinden, denn als einer, dem das Leben schon so manche Lektion in Sachen Stolz erteilt hat...

Trotzdem, auch Tristan ringt noch mit dem seinen. Da kommt ihm gerade recht, dass Abdo bittet, jemand möge ihm das Wort "Unfreier" erklären. "Die Unfreien, das sind die Knechte und Mägde, die auf den Höfen ihrem Herrn dienen, welcher über sie richten und bestimmen darf wie über die eigene Familie. Als Unfreie dürfen sie keine Waffen tragen und auch nicht vor den Jarl oder die Thingversammlung treten, um einen freien Mann oder eine freie Frau anzuklagen oder Recht von ihm verlangen oder bei einer Abstimmung die Hand zu heben." Nach dieser Rede steht Tristan zwar schon fast vor Talahan, weiß aber noch nicht, was er zu diesem sagen soll, daher wendet er sich noch einmal an Abdo.

"Und was du vorhin über die Mönche sagtest, du warst ja bei unserem Kampf nicht zugegen: es war Bruder Edgar, der zu Schleim zerspritzte, und der schien zuvor doch ganz normal und gesprächig. Dass die sechs Schreiber aber geistlos gewesen seien, das können wir nicht wissen: in einem Skriptorium herrscht Redeverbot. Hätten sie zu uns gesprochen, wäre der Täuschungsversuch aufgeflogen. Und sagte Rogar nicht vorhin, die echten Mönche wären vor vier Tagen geflohen?"

Er seufzt. Jetzt muss er sich um die andere Sache kümmern, bevor sein Zögern auffällt. Wenigstens ist man ja schon fast beim Thema.

"Deine Glaubensbrüder reden immer viel von der Wahrheit", wendet Tristan sich also an Talahan. "'Gott ist die Wahrheit', sagen sie. Und doch fällt mir immer auf, wieviel Angst sie vor der Wahrheit haben. Dass Lîfs Heckenzauber ebenso viel wie Deine frommen Gebete bewirken könnten, davor hast du Angst, nicht wahr? Vor den Zweifeln, die dir da kommen könnten. Nun kann ich verstehen, dass jemand Angst vor dem Zweifel hat, denn an seinen Zweifeln wird ein Mann getestet und nicht jeder besteht einen solchen Test. Aber darf man als Anhänger des Einen Angst vor der Wahrheit haben?"[1]

Doch bei seinen Worten wird Talahans Miene so bockig wie Lîfs. Wie die Kinder, alle beide! Aber auch die väterliche Geduld kennt ein Ende. So tritt Tristan also vor Talahan hin, die Hand locker auf den Schwertknauf gelegt, und verlangt mit lauter Stimme: "Du hast meine Frau beleidigt, dafür verlange ich eine Entschuldigung. Oder wollen wir uns unter den Fichten verabreden?"[2]
 1. Diplomacy = 11 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1032908#msg1032908).
 2. Intimidate = 21. "Unter den Fichten verabreden" ==> die Aufforderung zu einem Duell, oft wegen der Frauen, aber immer der Ehre wegen. Gute Gründe, jemanden unter die Fichten zu bitten, wären: Beleidung, Betrug(sversuch), Diebstahl, freche Lügen, Verbreitung böser Gerüchte, aufgesetzte Hörner. Wer seinen "Zapfen unter Nachbars Fichte fallen lassen" hat, der war mit des Nachbarn Weib im Heu.)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 05.08.2017, 02:03:42
Abdo ist gerade noch dabei, Tristans Information über die Unfreien zu verarbeiten, als Lîfs Gatte wieder einmal einen seiner Ausraster bekommt. Normalerweise hat der Ya'Keheter sich inzwischen an dessen aufbrausende Art gewöhnt, aber hier und jetzt ist nicht der richtige Moment für solche Extravaganzen.

"RUHE!" brüllt er in den Raum, und sofort wenden sich alle Augen erstaunt ihm zu, während die Gespräche zumindest für den Moment zum Erliegen kommen.

Abdo geht einige Schritte auf den Barden zu, und beginnt mit harter Stimme, die keine Spur von Freundlichkeit enthält, zu sprechen.
"Niemand wird hier mit niemandem unter irgendwelche Bäume gehen!

Wie kannst du es wagen, so mit einem Mann zu sprechen, der sich für UNS aufgeopfert hat? Der in vorderster Front die Schrecken dieses Ortes hier bekämpft hat, damit du, ich und deine Ehefrau einen neuen Tag erleben können! Der, wenn nicht noch ein Wunder geschieht - und ich bete zu Aris, dass dies passieren wird - nur noch wenige Tage erleben wird.
Und warum das alles? Weil Lîf sich beleidigt fühlt? Ich gestehe, ich verstehe vieles nicht, was eure Götter betrifft. Und ich verstehe nicht, weshalb man so ein Aufhebens macht um die Frage, wie man Gott nennt. Für mich ist es eins, ob ich in ihm eine Naturkraft sehe oder ob ich ihn Aris nenne; ich glaube, es handelt sich letztendlich um die gleiche alles umspannende Kraft."


Der Kämpfer zögert einen Moment, und wendet sich dann Tristans Weib zu.

"Aber das ist einerlei. Jetzt zu dir, Lîf! Auch wenn Talahan dich vielleicht etwas grob behandelt hat: Schluck es runter! Bisher hat er es noch nicht einmal an Respekt fehlen lassen - und beim ersten Mal reagierst du beleidigt und schickst deinen Mann vor wie ein kleines Mädchen? Wo ist denn die starke Frau, die sich nichts sagen lässt und selbstbestimmt handelt? Hast du sie noch schlafen lassen?

Verdammt nochmal, wisst ihr nicht, was hier passiert? Wir stehen hier einer Macht gegenüber, die furchtbar ist und es ungewiss macht, ob irgendjemand von uns das Kommende überlebt. Und ihr habt nichts besseres zu tun, als euch gegenseitig zu bekämpfen? Wenn wir auch nur den Hauch einer Chance haben wollen, müssen wir zusammenarbeiten, und jeder muss sich blind auf den anderen verlassen können.
Ihr habt den Luxus, dass weitgehend Friede in euren Landen herrscht. Könnt ihr damit etwa nicht umgehen? Glaubt mir, ich spreche aus eigener Erfahrung: Wenn jeder Tag ein Überlebenskampf ist, dann ist man verloren, bekämpft man sich auch noch untereinander. Es gibt Shetani - Dämonen - die schlau sind und heimtückisch. Nicht die dumpfen Monster, die als deren Frontsoldaten dienen. Nein, diese Art geht anders vor: sie versuchen, den Geist der Menschen zu verführen, Keile zu treiben zwischen die Menschen. Und wenn ihnen das gelingt, dann fällt jeder Widerstand in sich zusammen. Aber hier, hier hätten sie ihre wahre Freude: Ihr nehmt ihnen ihre Arbeit selbst ab!

Und noch eines: Was für ein Menschenbild hast du, dass du denkst, einfache Knechte könnten sich nicht beherrschen, drückt man ihnen eine Waffe in die Hand? Hältst du dich für etwas besseres, oder deinen Mann? Gerade Tristan? Oder uns andere? Ich bin der einzige unter uns, der keine Waffe trägt, und bisher gab es kein Blutbad unter uns. Wieso sollte es bei Knechten anders sein? Und was für ein Herrscher ist jemand, dessen Dörfer sich nur deshalb nicht gegen ihn auflehnen, weil es ihnen an Waffen mangelt? Der sollte sich schleunigst hinterfragen. Im Übrigen kann auch ein Messer oder eine Mistgabel tödlich sein, bei manchen sogar die bloße Faust.
Und ich kenne in meiner Heimat viele Frauen, die genauso gegen die Shetani kämpfen wie ich und andere Männer auch - und die besserer Kämpferinnen sind als ich. Nur weil DU keine Muskeln besitzt, heißt das nicht, dass das für alle Frauen gilt."


Abdo scheint nun selbst zu merken, dass er etwas vom Thema abgekommen ist, und blickt reihum nochmals jeden der Anwesenden an.
"Ich weiß, wir alle sind angespannt; und unter Anspannung tut man Dinge, die man später bereut. Trotzdem und gerade deshalb will ich jetzt kein Wort des Disputs mehr hören. Wir werden JETZT unsere letzten Vorbereitungen treffen, und dann gehen wir los."

Noch einmal blickt der Ya'Keheter alle durchdringend an, als ob er sie herausfordern wollte, sich ihm entgegenzustellen.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 05.08.2017, 23:29:24
Bevor Talahan auf Tristans Ansprache reagieren kann, geht Abdo dazwischen, als hätte ihn jemand zum Jarl ernannt. Und was für einen Unsinn der Mann daherredet! Talahan soll sich aufgeopfert haben für sie alle? Das Schicksal oder der Zufall wollte es, dass Talahan und nicht Tristan oder Freydis, die auch in vorderster Reihe standen, von Edgars Schleimregen erfasst wurde. So ist das nun mal in einer Schlacht: den einen trifft's, den anderen nicht. Aufopfern, weiß Abdo überhaupt, was das heißt? Alle fünf Jahre am Disenthing, von jeglichem männlichen Wesen fünf Stück: Hahn, Hund, Pferd, Rind, Schaf, Schwein und Mensch.[1] Und wie schön für ihn, dass es ihm einerlei ist, wer von ihnen welche Gottheit anbetete: den frommen Brüdern hierzulande ist es nicht egal. Überhaupt, im nächsten Moment entlarvt Abdo sich selbst: nur einen Gott gibt es nach seiner Meinung—den einzig wahren, den seinen!—und wer ihn nicht unter demselben Namen anruft wie Abdo es tut, nun, der ruft dennoch denselben Gott an und nennt ihn bloß anders. 'Aris ist der Eine, der Schöpfer...' sagte er auf der Reise. Dieser typische Hochmut der Gottesbrüder, dieser Neid, gar Hass auf das Weib! Ein flüchtiger Moment männlicher Lust ist ihnen Schöpfungsakt, nicht die zehn Monde, in denen das Weib die Brut von ihrem Leben nährt. Es wird immer deutlicher, dass der Fremde, und kommt er von noch so weit her, ein Bruder im Geiste der hiesigen Pfaffen ist.

Und jetzt beginnt er zu spotten, nennt alles falsch, was hierzulande anerkannte Ordnung ist, redet mit Lîf wie mit einem kleinen Kind, das ihm zu gehorchen hätt'. Und fordert, was Anhänger des Einen so gerne fordern: Seid doch vernünftig, nicht so störrisch, was spielen unsere Streitpunkte für eine Rolle, solange wir gemeinsam gegen die Dämonen kämpfen müssen! Also schluckt die Beleidigungen und auch das Unrecht herunter, von dem ihr meint, das wir euch antun, es sind am Ende doch eh Lappalien. Ihr Kleinmütigen, ihr Unvernünftigen, die ihr hier Unfrieden stiftet, den Dämonen zum Gefallen. Ihr müsst doch einfach nur alles so machen wie wir, dann ist Ruh' und alles wird gut. Und während Tristan diese Beleidigungen noch verdaut, setzt Abdo bereits dem ganzen die Krone auf—und befiehlt allen das Schweigen.

Und zunächst schweigt Tristan auch. Seine Ohren klingeln. Hallende Leere verschluckt ihn, als er die Augen schließt. Vor ihm steht der Novizenmeister mit der Birkenrute. Die unreinen Gedanken wolle er ihm damit schon austreiben, versprach der feiste Mönch, und auch die lästerliche Rede. Denn die Anhänger des Einen ertragen es nicht, wenn irgendwer anders denkt oder spricht als sie.

Als Tristan die Augen wieder öffnet, schaut er Lîf an. Sein Blick wandert an ihr hinab, bis er auf der leichten Rundung ihres Leibes zu ruhen kommt. Noch nie hat er in seinem Leben den Tod gefürchtet, doch heute will er nicht sterben. Und Lîf soll nicht sterben. Sein Kind wenigstens will er noch geboren sehen. Und außerdem: Abdo sagte soeben, dass er keine Waffen trüge. Nach hiesigem Recht könnte Tristan ihn also gar nicht herausfordern, selbst wenn er dies wollte.

"Du weißt wenig über unser Land, unsere Sitten, Gesetze und Gebräuche", entgegnet er Abdo in, wie er meint, windstiller Stimme. "Oder über die Kämpfe, die wir auf unserem Boden austragen. Und wenn du allen um dich herum das Schweigen befiehlst, wirst du wohl auch nicht viel mehr darüber erfahren." Gemeint ist dies als Warnung, nicht als Drohung: dass Abdo nämlich mit solchem Verhalten eher früher denn später einmal an den Falschen geriete. "Jeder freie Mann hat bei uns eine Stimme—und jede freie Frau. Niemand kann ihnen diese verbieten, weder Drachenführer noch Hersir noch Jarl noch Konr.[2]"

Hier sucht er Freydis' Blick, weil er hofft, dort Zustimmung zu finden. Zu spät erinnert er sich daran, dass sie ihn kurz zuvor erst einen 'Rûngarder Piraten' nannte. Rasch fährt er daher fort.

"Es tut mir leid, dass deine Landsleute in Ya'Kehet täglich um ihr Leben kämpfen müssen, doch auch wenn du es nicht sehen willst: wir haben hierzulande unsere eigenen Kämpfe auszutragen, unsere eigenen Grenzen zu verteidigen. Für dich mag das Überleben das Wichtigste sein, für uns ist es die Freiheit, denn ein Leben ohne sie ist keines und man wäre besser tot. Wer von uns verlangt, dass wir unseren Glauben, unsere Gesetze, Gebräuche, unsere Ahnen und Vorbilder, ja, sogar die eigenen Namen ablegen und uns als Knechte vor ihrem Herrn in den Staub würfen, der halte uns besser keine Unvernunft vor und meine auch nicht, die Todesfurcht müsse uns dazu bewegen, zu tun wie er sagt. Meine Lîf fühlt sich nicht nur beleidigt, sie wurde beleidigt, und den Schaden, der in solcher Rede liegt, wie Talahan sie im Munde führt, kannst du gar nicht ermessen. Oder vielleicht doch: wie viele, sag, haben sich in Ansdag getraut, Rat bei der ansässigen Heilerin zu suchen? Drei! Und woran liegt das? Weil die Anhänger des Einen unsere Weisen Frauen erst als Kräuterweiblein belächeln, dann als Heckenzauberin verleumden, dann als Hexe denunzieren—und dann wird sie eines Nachts vom Volk davongejagt, wenn nicht gar erhängt, erwürgt oder ersoffen. Wie soll man da gemeinsam gegen das Unheil hier kämpfen?"

Tristan verkneift sich den Nachsatz: 'Dazu müsste man sich ja erst einmal darüber einig sein, was das größere Übel hier ist!' Er spricht auch lieber von 'Unheil' als von 'Dämonen'. Erstens ist noch längst nicht klar, dass Dämonen hier am Werke sind; Talahan zumindest vermutete zuletzt noch einen einfachen Zauber. Und zweitens blicken Astrid, ihr Vater und die beiden Pilger—Halfdan ausgenommen, den kann offenbar nichts erschüttern—äußerst erschrocken. Abdo redet aber auch sehr unbedacht daher. Kann er sich nicht denken, dass die vier im Dorf alles haarklein erzählen werden? Ausgeschmückt natürlich? Oder darf man hoffen, dass sie die Hälfte von Abdos wirrer Rede nicht verstanden haben? Sein Akzent ist ja an manchen Stellen sehr schwer zu verstehen.

Entschlossen wendet er sich wieder an Abdo.

"Warte!" murmelt Talahan da. "Lass nach, du hast ja recht!" Er schaut zu Lîf hinüber. "Es tut mir leid, dass ich so unbedacht dahergeredet habe. Ich bin alt genug und müsst es besser wissen, als Worte nachzuplappern, die man mir in der Jugend eingeredet hat, die Zeugenschaft meiner eigenen Erfahrung ignorierend. Du bist ein tapferes und ein gutes Weib. Bitte verzeih'."
 1. Die "Disen" sind weibliche Wintergeister, die es zu besänftigen gilt, sonst hört der Winter nicht auf. Alle fünf Jahre werden im Disenmond den Wintergeistern Tieropfer gebracht, in besonders rückständigen Gegenden sogar Menschenopfer (s. auch Schriftrollen, 1.3 Zeitrechnung. Den Kalender habe ich leicht überarbeitet, um mehr Dalaran-Feeling hineinzubekommen.)
Freydis & Lîf: Ihr dürft euch selbst überlegen, ob es auf Albion bzw. in Fersland noch Menschenopfer gibt. Vielleicht hat Haus Kuijt ja dafür gesorgt, dass nur Tiere geopfert werden dürfen und keine Menschen mehr, wie nach alter Sitte.
 2. Herrschertitel auf Albion und den Rûngard-Insel: Hersir etwa = Fürst, Jarl etwa = Herzog, Konr = König.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 06.08.2017, 15:09:50
Abdos barsche Worte lassen Lîf völlig perplex den Mann mit der dunklen Haut anstarren. Sie, die unter den Händen gläubiger Anhänger des Einen schon unschuldige Kräuterweiber, Hebammen und andere Weiber hat sterben sehen, muss schwer schlucken bei den Behauptungen des Fremden, der da redet, als wüsste er, wie die Menschen in diesem Land sind. Empört schnaubt der Rotschopf: Männer mit Waffen in ihren Händen, die dennoch Frieden halten? Muskelbepackte Weiber? Alle gleich, die ungleich geboren wurden? Nun wird er ihnen gleich noch erzählen, dass in seiner Heimat der Regen aus dem Boden in den Himmel schießt, die Stiere Milch geben und die Fische durch die Luft schwimmen, während die Schafe in den Flüssen und Seen weiden! Sie setzt zu einer geharnischten Antwort an, als Tristan ihr zuvorkommt. Lîf atmet tief durch und lässt ihn sprechen – ihn jetzt auch noch zu unterbrechen, so weit gedenkt sie sein Ansehen nun doch nicht zu untergraben. Immerhin musste er sich schon von seinen Kameraden auf den Inseln stets anhören, sein Weib habe in Wahrheit die Hosen an. Zudem stimmt sie dem, was er sagt, aus vollem Herzen zu. Und er kann, im Gegensatz zu ihr, sein Temperament besser beherrschen. Sie muss ihre Wut zügeln, Vernunft walten lassen, sagt sie sich immer wieder stumm!

Und dann, noch ehe sie weiter gekommen ist, unterbricht Talahan ihren Mann und findet versöhnliche Worte. Das erinnert die junge Frau daran, dass sie eine Ulmentochter ist, und es entwaffnet ihren Zorn. Sie nickt, atmet langsam aus. Darauf wendet sie sich an den Gotteskrieger: "Ich verstehe und ich verzeihe dir deine Worte, Herr Talahan. Die Große Mutter will nicht, dass Ihre Kinder streiten – und auch du bist Ihr Kind, das sie liebt" sagt sie leise und gemessen. Ruhe macht sich in ihr breit, nachdem ihre Erregung überwunden ist, und es erscheint ihr wie ein Wink der Herrin, als ihr auch zu Abdo eine Erleuchtung kommt. Sie berührt Tristan am Ärmel und sagt ruhig: "Lad det gå... Den Store Moder har taget hans sind til sig selv.[1]" Damit ist für Lîf alles einsichtig: Abdo mag verwirrt sein, doch das macht ihn nicht zu einem Mann, den man geringer achten sollte als andere. Mit jenen, denen die Große Mutter keinen klaren Verstand geschenkt hat, hat Sie besondere Pläne. Die Narren sind Ihr sehr liebe Kinder, und darum muss man ihren Torheiten mit Geduld und Verständnis begegnen. Gewiss glaubt er alles, was er sagt, Wort für Wort selbst. Mit einem an Tristan gerichteten Nicken kniet sie sich hin, legt Talahan eine Hand auf die Brust und schließt die Augen für ein inbrünstiges Gebet, das die Kraft der Großen Heilerin in den geschwächten Körper des Mannes fließen lassen soll[2].
 1. Värangsk: Lass es gut sein... Die Große Mutter hat seinen Geist zu sich genommen.
 2. Leichte Wunden heilen: 6 Punkte, siehe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1033000#msg1033000)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 06.08.2017, 19:15:38
Lívs -und Tristans - Worten zur Rolle der Unfreien kann Freydis gerade noch so stehen lassen. Die meisten Unfreien auf den Inseln sind sicher Opfer des ein oder andern Beutezugs der Rúngarder und denen gibt natürlich niemand eine Waffe. Schon weil Aber das auch die freien Frauen sich nicht selbst verteidigen können mag sie kaum glauben. Und hält der Rotschopf sie vielleicht für ein Manweib, nur weil sie Langmesser und Streitkolben zu gebrauchen weiß? Dabei ist sie, aus Mangel an Übung und Talent noch nichteinmal besonders gut im Umgang mit den Waffen. Ihre eigene Zwillingsschwester zum Beispiel war ihr stets überlegen gewesen.
"Und was", fragt sie die Druidkvinne, "soll deiner Meinung nach eine Frau machen, wenn ihr Mann zu See oder sonst abwesend ist und sie, ihre Kinder oder ihr Haus angegriffen werden?" - Seeräuber, Kolkar und der gleichen lassen sich durch Gebete und Bitten eher selten von ihrem tun abbringen." ergänzt sie sarkastisch, "Du oder ich mögen durch unsere Gaben geschützt sein, andere müssen sich da schon selbst zu wehren wissen."

Von Abdos Rede ist sie beeindruckt und überrascht. Anscheinend ist der dunkelhäutige Fremde willens sich der Verantwortung zu stellen, die ihm Talahan übertragen hat. An seinen Fähigkeiten als Streitschlichter muss er aber noch arbeiten, auch wenn sie seiner Kritik an Lívs Frauenbild voll und ganz zustimmt. Und nach dem wenigen, was er bislang über die Zustände in seiner Heimat berichtet hat, überrascht es sie nicht, dass auch dort die freien Frauen lernen sich selbst zu verteidigen, anstatt sich nur auf die Männer zu verlassen.
Allerdings hat auch Tristan recht. Abdo ist erst viel zu kurz in Dalaran um die hiesigen Verhältnisse zu begreifen. Bei den Ahnen, sie selbst wundert sich schließlich oft genug über die Festländer und dabei sind es doch nur ein bis zwei Tagereisen mit dem Schiff zwischen Fersland und Albion.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 07.08.2017, 07:22:47
Den Beginn der Eskalation zwischen Lif und Talahan nimmt Rogar zunächs nur am Rande wahr, zusehr ist er mit seinen Vorbereitungen und Gesprächen beschäftigt. Abdos Frage, wie man sich vorbereiten könnte, überrascht ihn etwas, dann grübelt er, wie er es ihm sagen kann, ohne seine frischgewonnene Autorität zu gefährden. Schließlich gibt er auf und beginnt in direkter Art: "Wir sollten unsere Stärken und Schwächen austauschen, um Taktiken im Kampf aufeinander abzustimmen. Für mich gilt: Über große Entfernungen verwende ich meine Bolzenschleuder, nähere Feinde bedecke ich mit Wurfwaffen und im Nahkampf verursache ich größtmöglichen Schaden. Daher überwinde ich die Entfernung ´zum Feind so schnell wie möglich." Eigentlich will er seine Worte fortsetzen, doch es kommt anders.

Tristans Frage beantwortet er, als wenn es offensichtlich wäre: "Das habt ihr richtig verstanden. Wir leben wesentlich länger als ihr." - Mit einem Seitenblick streift der Dain die Elbe. - "Natürlich kann sich an eine Lehre ein Gessllentum und eine Meisterschaft anschließen, die Dauer kommt auf das Talent und den Fleiß an, je anchdem dauert es Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Manche verlassen nie den Lehrlingsstand. In die Ehe geht man sekbstverständlich, sobald man eine Familie versorgen kann." Er ist selbst überrascht, wieviel er ihm verrät, aber sich seiner Wirkung zu entziehen fällt Rogar schwer. Die Beschreibung seines eigenen Lebens lässt den Dain nachdenken. Sollte er die Wahrheit erzählt haben, passt es nicht in das Bild, dass die Schriften über Feen beziehungsweise Feennachkommen zeichnen. Aber woher sonst sollten seine Kräfte stammen? Seine Worte zur Beruhigung seiner beleidigten Frau klingen halbwegs vernünftig.

Lifs Einklinken in das Gespräch über den Vergleich der Kulturen beschwört ein schreckliches Bild herauf. Die Menschen scheinen keine geistige Reife zu erlangen in ihrer kurzen Lebensspanne, wenn sie dank ein bißchen Alkohols die Kontrolle verlieren und mit Tötungsabsicht auf ihre Mitmenschen und Vorgesetzten losgehen. Da kann keine Ordnung entstehen und die waren ihre Hoffnung, ja leider ziemlich einzige, dem Dämonenproblem Herr zu werden?! Rogar hofft inständig, dass sein Volk Wege findet, die Menschen nützlich in den Krieg einzubinden, ohne eigene Kräfte darüber zu verlieren. Einiges aus Lifs Worten über Mann und Frau und deren Aufgaben kling teinleuchtend, vor allem, wenn man bedenkt, wie viel schwächer Menschen sind, und anscheinend ihre Frauen erst recht. Nur ist der Dain es langsam leid, dass ihm offensichtlich nicht richtig zugehört wird. Hatte er nicht ausdrücklich gesagt, dass er davon spricht, allen die Möglichkeit zur Verteidigung zu geben? Hatte er jemals davon gesprochen, dass es auch nur einen Dain gäbe, der allein über sein Soldatendasein definiert wird? Wenn die Menschen so aufmerksam zuhören, wundert ihn deren Unbelehrtheit (/-barkeit) wenig.

Tristans Erklärungen zu den Unfreien wirft ein weiteres Schlaglicht auf die Struktur der menschlichen Gesellschaft. Auch wenn Rogar es durchaus versteht, dass nicht jeder bei allem mitreden sollte, ist er verwirrt davon, dass es so klingt, als würden nicht nur Fähigkeit und Wahl die Position der Anführer ausmachen. Wie sollten die Unfreien dann vertrauen haben, dass diese ihre Interessen verteidigen oder vernünftige Kompromisse im Sinne der Gemeinschaft finden? Was dann allerdings geschieht, schockiert ihn regelrecht. Natürlich hat sich Talahan danebenbenommen und eigentlich verlangt das eine Wiedergutmachung, doch geht es zunächst um etwas Kleinliches, und hatte er nicht im Einvernehmen mit dem Sir festgestellt, dass seine urechnungsfähigkeit getrübt ist, so sehr, dass er seine Aufgaben abgeben muss? Und so verständlich es ist, das einMann die Ehre seiner Lady und Familie verteidigt, so peinlch ist es, dass er einen kampfunfähigen Totkranken mit Duell bedroht, in einer Form, die vor Beleidigung selbst sinnvolle Entschuldigungen erschwert. Rogar kann nur den Kopf schütteln - was für Barbaren.

Immerhin zeigt sich - wie von Rogar erhofft - der dunkle Mann als in seine Anführerrolle wachsend. Er mischt sich ein und klärt den Streit- zumindest augenscheinlich und für den Moment. Das die Prioritäten bei der Bekämpfung von Dämonen und Unheil liegen sollten, sieht er auch so. Allerdings lässt ihn etwas anderes Aufhorchen: Dort, wo er herkommt, sein Menschenklan lebt, haben die Dämonen anscheinend schon viel mehr gewonnen. Im Anbetracht der Tatsache, das sie auch keine Dain kennen, diese also dort nicht sind, wenig verwunderlich. Aber es bedeutet auch, dass sie selbst bei einem Sieg hier Expeditionen dorthin ausrüsten müssten, um die Dämonen entgültig zu schlagen und deren Einfluss und Flüche zu brechen. Keine guten Nachrichten. An den anderen Teilen war herauszuhören, dass er noch nicht viel Erfahrung hat und seine Kultur viel verloren hat durch ihren Krieg, deren Ehrverständnis wirkt geschwächt.

Abdos herausforderndem Blick hält er zwar stand, aber ohne Widerworte einzulegen. Fast könnte man seinen Gesichtsausdruck als müde deuten. Leider untergräbt Tristan prompt die Position des neuen Anführers. Offensichtlich muss hier noch Respekt und Vertrauen erarbeitet werden, sind die Kommandostrukturen nicht klar beziehungsweise eindeutig. Rogar hofft, dass dies nicht gerade im schlechtesten aller Momente zu einem Versagen der Gruppe führen würde. Aber er war nicht in der Lage, im Moment daran etwas zu ändern, geschweige denn die Führung an sich zu reißen. Sie kennen einander besser als ihn und umgekehrt genauso. Und so sehr er seine Kräfte für den Erfolg der Mission einsetzen würde, di Verantwortung für eine Menschengruppe, die er wenig kennt und daher kaum führen könnte, will er nicht übernehmen.

Der Gotteskrieger entschuldigt sich, womit der Dain unter den gegebenen Umständen nicht gerechnet hätte. Er beweist entweder die Fähigkeit, sich über die Situation hinaus zu versetzen, oder schlicht geringere Ehre. Im Endeffekt kann es ihm gleich sein, solange die Menschen miteinander auskommen. Er fürchtet allerdings, dass dieser Streit bereits gefährliche Klüfte gerissen hat, die später zutage treten und schwer zu überwinden sein werden.

Zum Schluss gibt es noch eine positive Überraschung für Rogar, ausgerechnet ausgehend von der Berührten. Sie scheint zugehört zu haben und den Verteidigungsgedanken  hinter der Waffenausbildung zu sehen. Auch die prakmatische Haltung gegebnüber Gebeten und Flehen wirkt vernünftig.

Immerhin kann er so noch ein paar Notizen über seine neugewonnenen Informationen und Beobachtungen machen, alles andere packen und mit Rüstung, Waffen, vollem Rucksack mit Anhängseln das Bild eines überladenen Lasttieres machen. Trotzdem steht er wie ungerührt auf, spannt seine schwere Armbrust mit der Kurbelmechanik und sieht sich um, ob alle aufbruchbereit sind. Da er, vor allem, wenn die Kampfuntauglichen samt ihrem Schutz Richtung Dorf unterwegs sind, der mit den besten Ortskenntnissen ist, setzt er sich wie selbstverständlich an die Spitze. Seine Panzerung tut das übrige zu dieser Zuversicht.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 07.08.2017, 23:51:54
Aeryn war für einen Moment überrascht, als Rogar das Blatt nahm, welches sie eigentlich Freydis überreichen hatte wollen, aber als der Dain erklärt, dass dies ein Teil seiner Aufzeichnungen sei, hat sie selbstverständlich nichts dagegen. Ganz im Gegenteil, sie verspricht ihm, wenn sie noch weitere Blätter finden sollte, dass er sie natürlich bekomme.

Bei den Geschichten über Lehrjahre und wer bei einem Volk Waffen führen dürfe oder nicht musste die Elbin schmunzeln. Die jungen Völker waren immer so flüchtig und ungelenk in diesen Dingen. Bei den Elben war es nicht wichtig, ob man als Mann oder als Frau geboren worden war, beide hatten dieselben Rechte und Pflichten. Jeder Elb würde seine oder ihre Heimat verteidigen, wenn es nötig war. Manche waren geübter im Umgang mit Waffen, andere wiederum hatten andere Talente. Aber Aeryn hatte kein wirkliches Interesse daran, dass an diesem Ort zu besprechen, daher hielt sie sich aus der Unterhaltung zurück.

Als es dann lauter wurde und beinahe ein Streit begann, wurde sie hellhörig, aber zum Glück schienen sich alle nocheinmal zu beruhigen. Was sie wirklich nicht gebrauchen konnten, war Streit untereinander. Sie hatten genug schwierige Aufgaben vor sich, ohne dass sie sich selbst noch weitere aufbürdeten.

Sie ist froh, dass Rogar dann ein wenig in eine praktischere Richtung denkt und antwortet dem Dain daher: "Nun, ich bin vornehmlich Bogenschützin und auch recht zielsicher damit. Natürlich beherrsche ich auch die verschiedenen Klingen und andere Waffen, aber ich trage sie eher für den Notfall, wenn es keine andere Möglichkeit gibt."
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Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 08.08.2017, 13:00:55
Tristan scheint ihn offenbar missverstehen zu wollen. Scheint viel zu verbohrt in seinem Hass, als dass er verstehen will, auf was es Abdo ankommt: Dass sie hier und jetzt einander vertrauen müssen, wollen sie eine Chance haben, dies lebendig zu überstehen. Wann hat er Tristan das Wort verboten? Als er gesagt hat, dass er jetzt keine Worte des Streits mehr hören möchte?

Eigentlich müsste der Ya'Keheter den Mann nun zum Kampf herausfordern: Auch wenn er die Anführerrolle nicht haben wollte, kann er einen solchen Angriff auf seine Autorität eigentlich nicht zulassen. Doch in diesem Fall siegt seine Weisheit: Zum einen kann er kaum glaubwürdig Zusammenhalt einfordern, wenn er selbst dann die wertvolle Zeit im Zweikampf vergeudet. Zum anderen sieht Abdo seine Rolle ohnehin nur als temporär an. Wenn ihm die letzten Stunden eines gezeigt haben, dann, dass er gegenüber seinem eigentlich Ziel hier nur seine Zeit vergeudet. Natürlich wird er, auch wenn der Ursprung nach allem, was er weiß, nicht bei den Shetani liegt, dabei helfen, dieses Übel hier zu beseitigen. Schließlich ist es seine Aufgabe, die Menschen zu beschützen. Doch gilt seine Treue vor allem seinem eigenen Land, und wenn diese Menschen sich lieber untereinander bekämpfen wollen, als dass sie die Shetani zurückdrängen, bleibt ihm nur, zu denen zu gehen, die das tun - was bedeutet, dass er in die Berge gehen wird, sobald diese Episode hier vorüber ist.

Eines jedoch muss er Tristan noch sagen, bevor er die Sache hoffentlich begraben kann. Er tut dies in einem hoffentlich versöhnlichen und durchaus freundlichen Ton:
"Ich habe dir nicht und auch niemand anderem das Wort verboten. Allerdings erfordert die Situation, dass wir uns nicht untereinander zanken. Diese Disziplin wird sicherlich auch auf deinen Schiffen eingefordert.

Aber du sagst, jeder freie Mann und jede freie Frau kann die Stimme erheben - niemand kann sie ihnen verbieten. Doch wer bestimmt, wer frei ist und wer nicht? Wird nicht den Unfreien die Stimme verboten? Waren nicht auch sie einst frei, bis jemand daherkam und sie zu Unfreien erklärt hat? Was würdest du tun, wenn es dich treffen würde?
Ist es nicht eine doppelte Moral, dass ich Rechte für mich selbst einfordere, die ich anderen verwehre?


Doch sollten wir uns nun wirklich vorbereiten auf das, was da kommen mag. Um Rogars Vorschlag aufzugreifen: Ich kämpfe von Mann zu Mann, im Zweikampf. Zwar trage ich keine Waffen, aber das heißt nicht, dass ich nicht wehrhaft bin."


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Beitrag von: Gaja am 08.08.2017, 17:18:28
"Als Knecht oder Magd wird man geboren[1]", stellt Tristan klar, "genau wie jemand als Mann geboren wird oder als Frau. Wer bestimmt das? Gaja, sagen wir. Der Eine, sagen die Pfaffen. So oder so ist es die Ordnung der Welt. Ein Mann kann nicht die Aufgaben einer Frau erfüllen; ein Knecht nicht die eines freien Mannes. Zu jedem Recht gehört eine Pflicht."

Während sich nun alle erheben und ihre Schilde oder Wanderstäbe ergreifen und sich ein letztes Mal umschauen, ob niemand etwas hat liegenlassen, antwortet auch Tristan noch auf Rogars Frage. "Schwert und Schild und ins Horn stoßen", fasst er seine kämpferischen Fähigkeiten zusammen. Da auch die Zwerge ähnliche Signale in der Schlacht verwenden, weiß Rogar, was er mit letzterem meint: dass er der ist, der zum Angriff bläst, der als einer der ersten vorstürmt, die anderen mitreißt, sie in die rechte Kampfeslust versetzt, ihnen mit dem eigenen Todesmut Vorbild ist. "Und am Abend zuvor den jungen Kämpfern, die das erste Mal dabei sind, Mut zusprechen, ohne dass irgendjemand bemerkt, wie sehr sie einer solchen Zusprache bedurften, am wenigsten sie selbst."

Dann ist man endlich unterwegs.

~~~

Nachdem soeben noch alle laut und erregt durcheinander sprachen, mutet es seltsam, fast schlafwandlerisch an, wie leise sie jetzt gemeinsam erst die Treppe hinuntersteigen, dann in den Hof hinaus—natürlich hat man vorher sehr genau ausgespäht, dass dort alles ruhig ist—und weiter zum Osttor, durch das der falsche Jarus sie gestern nachmittag hineinließ. Kein Laut ist zu hören außer dem schnaufenden Atem der Kranken und Verängstigten—und dem Knirschen und Schaben und Scheppern des schwerbepackten Zwergen. Doch kein Mönch zeigt sich. Kein Schuss fällt aus dem Hinterhalt. Niemand stellt sich ihnen in den Weg.

Draußen übernimmt Talahan die Führung. Lîfs Zauber hat ihn doch sichtlich gestärkt. Er geht aufrecht und sein Blick ist etwas klarer. Als die beiden Gruppen sich schon trennen wollen, hat er eine Idee. "Begleitet uns noch bis zur Wegkreuzung kurz vor dem Abstieg", schlägt er vor. "Bestimmt werden wir beobachtet. Vielleicht können wir sie so täuschen, dass sie denken, wir zögen uns alle zurück?" Darauf sieht Aeryn sofort: "Und dann schlagen wir uns dort in die Bäume und schleichen uns in einem Bogen wieder heran und kommen fast bis an die Seite der Kapelle." Also ist die Sache so beschlossen.

Gott sei Dank, wie sich herausstellt. Diesmal ist es Lîf, die—wie schon bei Betreten des Pilgerturms—versucht, wie ein Krieger auf feindlichem Gebiet zu denken und dabei entdeckt: "Wenn ich jemanden daran hindern wollte, dass er entkommt und anderen berichtet, was hier los ist: ich würde mich da drüben auf die Lauer legen und warten, bis der Feind unter mir auf dem steilen Hang marschiert, und eine Erdlawine lostreten, die ihn unter sich begräbt oder in die Tiefe reißt." Und wie man gemeinsam dort nachschaut, Hjálmarr bei den Pilgern zurücklassend, da scheucht man tatsächlich einen falschen Mönch und zwei Hungerkreaturen aus dem Gebüsch und macht, dank der Überzahl, kurzen Prozess mit ihnen.

Dann ist wirklich Zeit zum Abschied.


~~~

Auch Aeryns Plan geht auf. Nur auf den letzten hundert Schritt finden sich weder Baum noch Strauch noch Fels, die Deckung geben könnten. Man muss daher hoffen, dass der Gegner nicht in diese Richtung schaut. Schon beim Näherhuschen fällt ihnen der verbrannte Geruch auf, der durch die Fenster des Gotteshauses dringt. Ein vorsichtiges Spähen durch den Türspalt, ein Wink mit der Elbenhand—die Luft ist rein!—dann stehen sie alle im kühlen Inneren und betrachten, nach kurzer Gewöhnung der Augen, die Verwüstungen der Sturmnacht.

Selbst die hintersten Bänke sind umgestoßen, als die zum Nachtgebet versammelten Mönche offenbar erschrocken aufsprangen und zu fliehen versuchten. Rogar deutet auf die schmale Tür im Eingangsbereich gleich rechts und erklärt leise: "Die führt am Speisesaal vorbei zur Krankenstube." Ab etwa der Mitte des Schiffes finden sich dann die ersten Blutspritzer, eingetrocknet auf Bank und Boden, und deren Verursacher: Glas- und Holzsplitter. Denn auf der westlichen Stirnseite der Kapelle muss sich ein großes Glasfenster befunden haben—Zwergenarbeit, zweifellos!—kreisrund bis auf die vier Eckpunkte eines Kreuzes, die über den Kreisrand hinausragen. Doch von der ganzen Pracht sind nur noch einige bunte Glassplitter übrig, die in ihrem Rahmen stecken wie abgebrochene Zahnstümpfe und unter den Füßen der langsam weiter vordringenden Gefährten knirschen.[2]

Freydis fällt noch etwas auf. Nicht nur das Glasfenster ist zerstört: jedes Zeichen des Einen wurde verschandelt. Sie hebt eines der verstreuten Gebetsbücher auf: tatsächlich! Das Reifkreuz auf dem Ledereinband ist zu Unkenntlichkeit verbrannt—zielgenau. Der silberne Kerzenhalter dort—zerschmolzen zu einem unförmigem Klumpen. Die Stoffe, die an den Wänden hingen und sicherlich mit heiligen Symbolen oder Bildern bestickt waren: verbrannt bis auf einige rußige Fetzen. Die Sache scheint ihr eindeutig: hier hat jemand seine Wut auf den Einen und seine Anhänger hemmungslos ausgetobt.

Schließlich erreichen sie das Chorhaupt. Der Boden hier besteht aus einem Mosaik, das—wen wundert's, ein Reifkreuz zeigt. Die Endpunkte des Kreuzes liegen hier auf dem Kreis und reichen nicht—wie im Fenster—darüber hinaus. Vielleicht, weil er sich von den Brand- und Blutflecken ablenken will und dem fauligen Geruch, welcher sich hier dem Brandgeruch beimengt—jedenfalls fällt Abdo dieser Unterschied auf und er fragt nach seiner Bedeutung.

"Das Symbol nennt sich Reifkreuz", erklärt Tristan bereitwillig. "Der Kreis steht für das Jenseits, das Kreuz für das Diesseits, und zusammen steht das Kreuz im Kreis für die ewige Herrschaft Gottes auf Erden. Wenn aber die Eckpunkte den Kreis durchstoßen, so steht das Reifkreuz für die Aufgabe aller Gläubigen, das Wort Gottes in die Welt hinauszutragen und es so unter sämtliche Völker zu bringen, bis sich die ganze Welt zu Gottes Wahrheit bekennt und überall Frieden einkehrt." Dies sagt er erstaunlich neutral, ganz ohne seine sonstigen Seitenhiebe auf die Behadrim. Es klingt allerdings auch wie etwas, dass ein Schüler einst hat auswendig lernen müssen.

Und wie Abdo dann auf seine weiteren Entdeckungen zeigt—"In der Mitte des Kreuzes muss einer gestanden haben und von dem Blitz, den Rogar erwähnte, getroffen worden sein und seht, wie die Brandspuren das Kreuz nachzeichnen, als sei der Blitz von der Mitte zu allen vier Eckpunkten gesprungen"—so eilt ihm Tristan abermals erklärend zur Seite, das Reifkreuz abschreitend und dabei mit dem Finger deutend:

"Hier in der Mitte wird Abt Halfir gestanden haben. Die Mitte des Kreuzes repräsentiert das Element Luft, im höheren Sinne die Seele, oder auch Gott. Vertreten durch den Abt, als obersten Gläubigen des Klosters. Hier das Fenster geht nach Westen und dort ist bei den Behadrim die Kälte zuhause, aus keinem anderen Grunde, als dass im alten Glauben hier das Reich der Feuerriesen liegt. Also wird unser Freund Jarus hier gestanden haben, denn er lädt die Pilger ins Haus und lässt sie nicht in der Kälte stehen. Das Feuer aber sehen die Behadrim im Norden, denn Norden ist für sie gleich oben und oben am Himmel steht über allem die Sonne. Hier wird Edgar, der Bibliothekar seinen Platz haben, denn damit das Feuer des Glaubens sich ausbreitet, muss die heilige Schrift und das heilige Wort verbreitet werden, aufdass die Wahrheit Gottes allerorts die Herzen entflamme. Hier im Osten dann das Wasser, also der Novizenmeister, denn Wasser ist ein formloser Stoff, so wie die Novizen in seiner Obhut noch formlos in ihrem Denken sind. Oder vielleicht soll's auch für ihren Wissensdurst stehen, den er zu stillen gedenkt. Und zuguterletzt: hier auf dem Südpunkt wird der Infirmar gestanden haben, denn für die Behadrim ist die Erde das niedrigste der Elemente. Vermutlich konnte er sich mit einem Sprung in den Treppenaufgang retten, denn laut Rogar war er nicht unter den Opfern der Sturmnacht und hier auf der Treppenstufe, schau, da hat er sich die Hand aufgeschlagen."[3]

Tatsächlich sieht man auf der sechsten Stufe der Wendeltreppe zum Turm einen Handabdruck aus getrocknetem Blut. Im Norden dagegen ist der Boden fast vollständig von Blut- und Rußspuren bedeckt. Tristan bemerkt, wie seine Gefährten ihre Blicke nicht davon losreißen können. "Zum Nachtgebet müssen nur die älteren Novizen erscheinen, die schon fast für die Priesterweihe bereit sind. Die jüngeren... dürfen die Nacht durchschlafen."

Auch hier weiß Rogar zu sagen, wohin die Tür führt: "Einige Schlafkammern, danach die Treppe in den Keller und nach oben, dann die Bibliothek."
 1. Das ist in ganz Dalaran so. Selbst die Kinder eines Hausherrn mit seiner Magd werden als Unfreie geboren (s. hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8876.msg1020722#msg1020722), unter "3. Gesellschaftsordnung" der Abschnitt "Die Unfreien"). Tristan unterschlägt hier lediglich, dass Kriegsgefangene (oder Beute Rûngarder Seeräuber) zu Unfreien werden. Einen zweiten Punkt hat Freydis erwähnt: wer verschuldet ist, kann sich vorübergehend in die Unfreiheit begeben, bis er die Schuld abgezahlt hat. Ihre Behauptung, jemand könne für ein Verbrechen zum Unfreien erklärt werden, stimmt nicht ganz, aber: wer eine Schandtat gegen ein Mitglied der eigenen Sippe begeht, wird aus dieser ausgestoßen, wodurch er auch seine Rechte und den Schutz der Sippe verliert. Er wird "friedlos" (= in etwa 'vogelfrei', s. "Blutschande" unter "3.1 Sippengemeinschaft, Schicksalsgemeinschaft" in den Schriftrollen). Will nur sagen: Tristan lügt hier nicht. Er lässt nur die letzten juristischen Feinheiten aus.
 2. Perception: Aeryn 12, Freydis 13, Rogar: 13, Abdo (passiv) 17, Lîf 18
Zur Erinnerung für den, der auf die Karte blickt: die große Tür in der Mitte, zwischen 1A und 2A, existiert NICHT. Nur die beiden kleinen, seitlichen (Ost bzw. West). Die Treppe in den Turm ist VIEL kleiner als eingezeichnet: eine schmale Wendeltreppe in der Südwestecke.
 3. Im alten Glauben steht die Erde im Mittelpunkt des Kreuzes, das Feuer links (West), Frost rechts (Ost), Wasser unten (Süd), Luft oben (Nord). Feuer und Frost sind gegensätzliche Elemente, ebenso Wasser und Luft. Feuer und Wasser sind rein weibliche Elemente; Frost und Luft (Elektrizität) rein männliche; die Erde verbindet alle vier. Dies ist hier durch gegenüberliegende Position auf den vier Eckpunkten angezeigt - und die Erde ist das verbindende Element in der Mitte. So, wie der neue Glaube die fünf Elemente auf dem Kreuz positioniert, geht diese ganze Ordnung verloren.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 08.08.2017, 18:59:42
Auf Freydis' Erwiderung reagiert Lîf nur mit einem kurzen Kopfschütteln und meint trocken: "Wem sagst du das... daher sind Seeräuber und ähnliches Gelichter ja auch darauf aus, Siedlungen zu überfallen, deren Männer unterwegs sind." Leiser fügt sie hinzu: "Ihr müsst bei euch jedenfalls viel Zeit und gute Böden haben, dass das Essen für alle die Waffenschmiede und Kampfesgeübten reicht..." Danach braucht sie ihre Konzentration für das Gebet an die Große Mutter, weshalb sie der Diskussion erst mit einiger Verzögerung wieder folgen kann. Als sie sieht, dass es Talahan besser zu gehen scheint, nickt sie ihm zu und stemmt sich wieder in die Höhe. Da sie Rogars Vorschlag mitbekommen hat, äußert auch sie sich, als sie an der Reihe ist: "Wie ich schon sagte, lernen die Weiber bei uns selten, mit Waffen umzugehen. Doch ich vermag Gayas Segen zu erbitten und auch Ihren Zorn auf Feinde herabzurufen." Wie sie dabei schaut, scheint anzudeuten, dass sie angesichts der jüngsten Erlebnisse im Moment eher willens ist, letzteres zu tun.

Als man sich dann auf den Weg macht, hält sie sich dicht bei ihrem Mann, versucht aber vor allem auch Talahan im Auge zu behalten, der auf die Heilerin nach wie vor den Eindruck macht, als sei die neugewonnene Kraft des Gotteskriegers nichts, dessen man sich allzu lange wird erfreuen können. Mit der Ankunft am Gotteshaus dann mag aufmerksamen Beobachtern auffallen, dass der Rotschopf wiederum zögert. Das Betreten eines ummauerten Ortes, jetzt, nach dem Gang durch die Natur, bei dem sie die Kraft der Großen Mutter direkt unter ihren Füßen gespürt hat, scheint der drudkvinde noch immer wenig verlockend. Doch da man mit einem festen Ziel hier ist, bezwingt sie ihre düsteren Gefühle beim Anblick dieses Ortes der Verehrung für jenen Gott, dessen Anhänger ihre Religion mal als bloßen Aberglauben, mal gar als Hexerei zu geißeln gewohnt sind. Sie fühlt sich definitiv unbehaglich, wie ein Eindringling in verbotenem Feindesland, denn sie mag ihrerseits wenig Achtung vor der Lehre des Einen empfinden – dass hier ein Ort seiner Macht ist, lässt sich schwer leugnen.

Die Zerstörungen im Inneren schocken die junge Frau dann aber doch. Die Mönche hängen einem Glauben an, den sie ablehnt, doch sie sind immerhin Gläubige. Die absichtliche, umfassende Schändung eines geweihten Ortes und aller heiligen Zeichen ist eine Tat, die ihr als einer Dienerin der Göttin Grauen einflößt, und sie macht vor ihrer Brust ein Schutzzeichen gegen Sünde und Frevel[1]. Dann folgt sie den Erklärungen Tristans und fragt sich einmal mehr verwundert, wie es eigentlich kommt, dass die Herrin ihre Schritte und die eines ehemaligen Schülers der Mönche zusammengeführt und ihre Herzen aneinander gefesselt hat. Es ist ihr direkt unangenehm, wie viel er über die Rituale und Zeichen hier weiß... Allerdings muss auch sie stumm zugeben, dass seine Kenntnisse im Moment mehr als nützlich für die Gruppe sind. Sie hätte sich viele der Spuren hier nicht oder nur durch vage Vermutungen erklären können. "Mit welch finsterer Raserei hier gewütet wurde..." sagt sie leise, immer noch erschüttert von dem, was sie sieht.
 1. Dazu beschreibt Lîf mit Zeige- und Mittelfinger einen dreifachen Kreis über ihrem Herzen – was allen Anhängern des Alten Glaubens vertraut sein dürfte.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 08.08.2017, 23:54:56
Der Weg mit Talahans Gruppe zum Tor hat seine Tücken, doch letztlich erreichen die im Kloster verbliebenen die Kapelle, wo sich ihnen ein schauriger Anblick bietet. Abdo ist dennoch erleichtert, denn Tristan scheint seinen Groll für den Moment vergessen zu haben und erklärt freigiebig die Gebräuche der Mönche beim Gebet. Die Folgerung jedoch treibt dem Ya'Keheter den Schweiß auf die Stirn. Gut, dass der Blitz in der Sturmnacht nicht rein natürlichen Ursprungs war, das hat er sich schon vorher zusammengereimt. Doch die Präzision, mit der gerade die heiligen Symbole zerstört worden waren, hat etwas Schreckliches an sich. Welche Macht verfügt über solche Mittel, nicht nur einen solchen Akt der Zerstörung zu verursachen, sondern dabei offenbar auch noch die getroffenen Mönche ihrem Willen zu beugen?

"Was kann so etwas verursacht haben?" flüstert er fast ehrfürchtig, während er mit den Fingern die Richtung der Einschläge nachzeichnet. "Freydis, du hast Fähigkeiten, die ich in meiner Heimat noch nie gesehen habe. Kann das hier durch eine solche Magie entstanden sein?" formuliert er seinen Verdacht. Gleichzeitig fürchtet er jedoch die Antwort. Hirnlose Wiedergänger waren eine Sache - aber ein intelligentes Wesen, das über eine solche Macht verfügt: Wie sollte so etwas zu besiegen sein?
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 10.08.2017, 17:05:21
Rogar ist ein wenig amüsiert, ohne es sich anmerken zu lassen, von Tristans Worten zur Vererbung des Standes. Wie oft hat er diese 'Weltordnung' von seinen Lehrern, Archivaren und Volksgenossen gehört. Nur das diese damit etwas vollkommen anderes meinen, zum Beispiel die Gildenzuordnung, de sich nach Talent und Bedarf der Gemeinschaft richtet.

Draußen lässt der Dainkrieger seine Armbrust locker in den Armen liegen und sieht sich aufmerksam um. Er ordnet sich dem aktuellen Anführer unter und sucht immer eine Position zu halten, die ihm zum ersten Ziel eines Angriffs machen würde. Ansonsten ist er schweigsam und wirkt, als würde er vor sich hin brüten. Zu Talahans Vorschlag nickt er stumm und folgt. Lifs Warnung überrascht ihn ein wenig, aber er macht sich gleich an die Umsetzung. Als sie die Gebüsche untersuchen, gibt er Astrid seine Armbrust und wappnet sich mit Schild und Äxten. Kaum brechen die Kreaturen hervor, saust auch schon seine Wurfaxt, dicht gefolgt von einem erstaunlich behänden Dain. Wenn der Aufprall im Kampf nicht so eine heftige Wirkung entfalten würde, sähen seine Bewegungen fast lustig aus. Ein paar wuchtige Schläge später ist das Scharmützel überstanden und Rogar säubert und pflegt seine Waffen. Zum Abschied richtet er ein paar höfliche Worte an alle, die nun den Weg ins Dorf antreten.

Im Kloster führt er mit Zurückhaltung, wobei er kurze Informationen zur Orientierung gibt. Die Kapelle inspiziert er mit skeptischem Blick und lauscht den anderen, bevor er eine Position neben der kleinen Seitentür einnimmt, so, dass er auch das Eingangsportal im Blick- und Schussfeld hat. Vieles wusste er schon, nur das Bild des Innenraumes hatte noch gefehlt. Er überlegt, was seine Lehrgeschichten über Dämonen und ihre Taten ihm beigebracht haben.[1] Passte etwas ins Bild der das Leben verdrängenden Fremdweltler? Irgendwelche Spuren seiner Volksgenossen oder der Ausrüstung fehlten, daher hat er schnell den Eindruck, alles gesehen zu haben, was er will, und ist bereit, weiterzugehen.
 1. Dämonenwissen 20
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 11.08.2017, 16:18:44
Soweit es Freydis betrifft hat sie Rogars Frage nach ihren Fähigkeiten längst beantwortet soweit es Waffen betrifft, und bei dem anderen weiss sie schließlich selbst nicht allzugenau, wo ihre Grenzen liegen.

Draussen hält sich die Berührte zurück und in Liv nähe und lässt den besseren Kämpfern den Vortritt.
Die drei Gegner aus dem Busch sind so rasch niedergermacht, das Freydis dankbar darauf verzichtet ihre Magie gegen sie einzusetzen. Sie hat zwar das Langmesser gezogen aber Abdo, Tristan und Rogar machen den Gegnern so schnell ein Ende das sie gar nicht dazu kommt die Klinge einzusetzen. Von der Behändigkeit des Dain ist sie sehr überrascht, macht er doch in seiner schweren metallenen Rüstung und den kurzen Beinen eher schwerfällig. Ein Eindruck der offensichtlich täuscht.

Bei der Kapelle angekommen ist die Berührte trotz Rogars Bericht geschockt von dem was sie vorfinden. Völlig automatisch führt sie, genau wie Lív neben ihr das Schutzzeichen der Göttin vor ihrer Brust aus, wie man es sie und fast jeden anderen Albioner von Kind auf lehrt.
Bei Abdo frage schüttelt sie den Kopf. "Ich glaube nicht. Wer oder was auch immer das hier getan hat hatte es auf das Reifkreuz abgesehen. Seht", sie hält dem Dunkelhäutigen das Gebetbuch hin das sie aufgehoben hat, "selbst auf den Büchern wurde es ausgebrannt. Ich habe Geschichten gehört und gelesen von Berührten, die mächtig genug waren um sowas hier zu tun. Aber mit einer solchen Raserei gegen das heilige? Und dann sind da diese Hungerkreaturen." sie schüttelt wieder den Kopf. "Nein, hier sind Dämonen am Werk, keine Berührten." Aber ganz so sicher wie sie klingt ist sie sich nicht. Aus den Geschichten die sie gelesen und Gehört hat und von der alten Undis weiss sie, das es kaum Grenzen gibt in dem was Berührte mit der rohen macht des Feuernetzes tun können. Zwar scheinen die Fähigkeiten der einzelnen Berührten begrenzt, die meisten berührten auf Albion zum Beispiel können das Feuer des Netzes nur als die Kraft des Blitzes manifestieren, wie Undis und sie selbst, aber die Geschichten wissen von Berührten zu berichten, die Wände, Bälle und gar Lanzen aus Feuer erschaffen haben sollen. Nur die Kraft der Heilung, so stimmen die Quellen überrein ist allein Gajas Segen und liegt jenseits der Macht des Feuernetzes.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 13.08.2017, 13:26:26
Nachdem sie sich von dem Anblick einigermaßen erholt hat, beginnt die drudkvinde die Räumlichkeit etwas näher in Augenschein zu nehmen. Dabei hält sie einen respektvollen Abstand von allem, was nach einem heiligen Symbol aussieht, und seien es auch nur noch Überreste. Den Boden hingegen und die Spuren des Blitzes betrachtet sie eingehend. Und trotzdem es ein wenig schwerfällig erscheint, ist sie sich nicht zu schaden, auf die Knie zu gehen, um auch unter den umgestürzten Bänken nachzuschauen, ob sich etwas ungewöhnliches findet, das darauf schließen lässt, welche finstere Macht hier am Werk war - oder auch etwas, das ein persönlicher Gegenstand gewesen sein könnte, der von Wert für seinen Besitzer wäre. "Sofern er noch lebt..." murmelt der Rotschopf durch die zusammengebissenen Zähne. Vor allem der Gedanke an die Novizen, die hier waren, lässt sie einen hilflosen Zorn empfinden. Sie waren noch kaum Männer, eher Knaben, nach Tristans Worten zu schließen. Was werden ihre Mütter fühlen, wenn sie vom Schicksal ihrer Söhne erfahren..?
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 14.08.2017, 16:25:59
Auf seinem Wachposten, von dem er die ganze Kapelle einsehen kann, grübelt Rogar darüber nach, ob das Bild der Verwüstung zu dem passt, was er über Dämonen gehört, gelesen oder mit eigenen Augen gesehen hat. Freydis scheint zu meinen, es müssen Dämonen gewesen sein, die hier die heiligen Symbole des Einen zerstört hätten—nun, damit kennt Rogar sich nicht aus. Bei den Zwergen gibt es weder den Einen noch Gaja, deren Segen die rothaarige Heilerin zu erbitten meint oder vielleicht tatsächlich erbittet. Und trotzdem setzen die Dämonen den Zwergen zu. Sie hassen das Leben, alles Leben, gleichermaßen—was sollten sie sich um Göttersymbole scheren? Nein, Rogar glaubt nicht, dass hier Dämonen am Werk waren. Zumindest nicht direkt. Falls nämlich einer von denen hier gewütet hätte, und sei es auch nur einer ihrer läppischsten Fußsoldaten, dann wäre alles an diesem Ort verdorben, dann hinge ein noch viel fauliger Geruch über allem, dann wären draußen die Büsche ums Gemäuer verdorrt oder krankhaft verwachsen, dann sprösse und kreuchte und fleuchte dort alles, was widerlich ist, alles was sich aus Verderbnis nährt, während alles schöne, alles heilsame überwuchert, erdrückt, verdurstet oder vergiftet wäre. Daher sein Schluss: wenn Dämonen dies verursacht haben, dann indirekt.

Und darin sind sie Meister. Die zwergischen Annalen enthalten mehrere dutzend historischer Berichte, wie Dämonen willenschwache Zwerge durch Einflüsterungen—im Traum, wie gerne behauptet wird, oder wie darf man sich das vorstellen? Jedenfalls aus der Ferne—dazu gebracht haben, sich gegen die Gemeinschaft zu wenden und die schrecklichsten Taten zu begehen, die Täter selbst stets im Glauben, aus eigenem Antrieb zu handeln, den eigenen Wünschen nachzugehen. Nicht umsonst sind seit gut zwei Jahrhunderten jede Wohn- und Arbeitshöhle durch Runensteine geschützt: um diese perfiden Einflüsterungen zu unterbinden. Gibt es bei den Menschen hier einen ähnlichen Schutz?[1]

Doch auch Freydis ist sich, kaum dass sie ihre Behauptung in den Raum geworfen hat, gar nicht mehr so sicher, dass es sich hierbei um Dämonenwerk handelt und nicht doch um Berührtenmagie. Zum einen, weil, wenn sie ehrlich in ihrem Inneren nachforscht, sie da doch einen brennenden Hass auf die Anhänger des Einen findet—und das, obwohl sie von Hexentötungen[2] nur gehört hat, aber nie eine mitansehen musste. Und auch wenn sie nicht die geringste Ahnung hat, wie ein Berührter das hier bewirkt haben sollte oder ob es machbar wäre—ihre eigenen Zauber sind lächerlich kraftlos dagegen—so weiß sie zumindest eines: So wie der Sturm die elementaren Kräfte der Natur entfesselt, so entfesselt er auch die magischen Kräfte in einem Sturmgeborenen. Es braucht allerdings viel Mut und eine eherne Geisteskraft, sich mitten in diesen Orkan aus widerstreitenden Elementen zu stellen. Vor vier Jahren hat Freydis einmal vorsichtig versucht, während ein Sturm mit aller Macht gegen die Ravensklippe schlug, einen winzigen Funken zu entfachen—und hätte fast die gesamte Feste abgefackelt samt Dorf drumherum. Einzig dem Wolkenbruch war ihrer aller Rettung zu verdanken. Und die Schuld wurde offiziell einem Blitzeinschlag gegeben. Alles andere hätte zu Freydis' Ausstoß aus der Sippe geführt, Fürstentochter hin oder her. Und ob sie als Friedlose lange überlebt hätte, wo jeder sie hätte schänden, versklaven oder erschlagen können, ohne dass ihre Familie hätte Buße fordern können oder auch nur wollen...[3]

So schweifen Freydis' Gedanken ab und dies mag erklären, warum sie ihre Erkenntnisse zunächst verschweigt.

Derweil sucht Lîf im hinteren Teil der Kapelle, wo die Verwüstungen sich in Grenzen halten, nach Hinweisen, was hier passiert sein könnte, oder nach persönlichen Besitztümern der Mönche. Von letzteren findet sie einige, zum Beispiel ein gutes Dutzend verlorener Sandalen, was ihr eines deutlich zeigt: die Mönche müssen von dem, was sie hier in der Sturmnacht erlebt haben, so entsetzt gewesen sein, dass keiner von ihnen sich später noch einmal hier herein traute, um diese doch höchst wichtigen Stücke zu bergen. Denn wer besitzt schon mehr als ein Paar Schuhe oder allenfalls eins für den Sommer und eins für den Winter? Das zweite, was sie findet, ist ein eiserner Ring—ein Schlüsselring, nur ohne Schlüssel—um den ein vor einer Woche wohl noch frischer, jetzt vertrockneter Efeuzweig gewickelt ist. Statt Schlüssel hängt ein einzelnes Amulett am Ring, nämlich ein Holzplättchen mit einer darein geritzten Rune, doch handelt es sich um keine Druidenrune. Das Andenken eines Mönches an seine verstorbene Frau?

Ihr dritter Fund dagegen stellt Lîf vor ein Rätsel: gleich mehrere Ketten findet sie auf dem Boden, bestehend aus verschieden großen Holzkugeln, die man auf einem Lederband aufgereiht hat. Das ganze ist aber zu eng, als dass sie es über den Kopf streifen könnte, als Armschmuck dagegen viel zu weit. Jede der Holzkugeln trägt eine Kerbe, die Lîf versteht, weil jedes Kind in Fersland sie verstehen würde: die kleinen Kugeln sind mit einem | wie "eins" versehen, die mittleren mit einem + wie "fünf", von den beiden großen aber ist die erste mit einem - als "zehn" markiert, die zweite mit einem = als zwanzig. Genauso wird auf dem Kerbholz markiert, wieviele Mann oder Schafe oder Kornsäcke man den Amtsmännern des Fürsten schuldig ist. Doch was zählen die Mönche während ihrer heiligen Riten? Lîf wendet sich fragend an ihren Mann.

"Damit zählt man seine Gebete", erklärt dieser achselzuckend, doch als sein Weib ihn weiterhin verständnislos anblickt, nimmt Tristan sich eine der Ketten. "Schau!" Die Kette in beiden Händen haltend, beginnt er, monoton vor sich hinzumurmeln. Weil er so leise und so monoton spricht, versteht Lîf nur einzelne Worte: Gnade, Vergebung, Demut, Sünden, Sühne, Herrschaft auf Erden, in alle Ewigkeit. Große Worte, aber durch die Weise, in der sie aufgesagt werden, und weil sie alle viel zu dicht aneinander gedrängt stehen, um ihre Bedeutungen tatsächlich zu entfalten, rauschen sie nur so am Ohr vorbei, ohne die ihnen eigentlich gebührenden großen Gefühle zu erwecken. Irgendwann schiebt Tristan eine der kleinen Kugeln zur Seite. Lîf begreift nicht sofort, warum, doch dann fällt ihr auf, dass seine Sätze begonnen haben, sich zu wiederholen. So richtig sicher ist sie sich aber erst, als Tristan die zweite Kugel verschiebt: ja, hier beginnt das Ganze von vorne. Und es warten noch siebzehn Kugeln darauf, verschoben zu werden!

"Wenn Novizenmeister Holmgot mich fragte, welche Strafe mir lieber sei: zwanzig mal von der Birke gestreichelt werden oder hundert mal das Glaubensbekenntnis beten", sagt Tristan trocken, "dann hab' ich immer nach den Schlägen verlangt."

~~~

Als sich die Gefährten einig werden, dass man alles gesehen habe, was es in der Kapelle zu sehen gibt, führt Rogar sie durch die westliche Seitentür in einen kurzen Gang, dann links durch eine weitere Tür. Geradeaus befinden sich beiderseits je eine Tür. Aeryn huscht vor und, nachdem sie an den Türen gelauscht hat, untersucht in fliegender Eile die stillen Kammern dahinter. Die erste, linkerhand, ist wohl das Zimmer des Abtes: ein mächtiges Bett steht hier an der östlichen Stirnseite, ein Pult gegenüber beim Fenster, und allerlei Truhen und Regale hier und dort, dazu hängen bestickte Stoffe an den Wänden und der fünfarmige Kerzenständer ist aus Silber und die Karaffe mit fünf Trinkgefäßen aus buntem Zwergenglas. Offen auf dem Pult steht ein Kästchen mit Schmuck: Halskette, zwei Ringe, eine Gewandfibel, alles mit dicken Edelsteinen besetzt. Neben dem Bett hängt ein einzelnes Regalbrett an der Wand, darauf stehen zwei Phiolen, ebenfalls aus kostbarem Zwergenglas. Die Korken sind beschriftet. "Quellwasser", entziffert Aeryn mühsam die Menschenrunen. Das Bett selbst untersucht Aeryn nicht, denn es ist zu arg besudelt. Offenbar hat man hier nach der Blitzschlag den verletzten Abt gebettet. Auch das Zimmer gegenüber ist wenig interessant. Wesentlich kärger eingerichtet, aber immer noch üppig, wenn man es mit einem Bauernhaus vergliche, stehen hier acht Betten. Unter der herumliegenden Habe sticht Aeryn jedoch nichts als nützlich ins Auge.[4]

Und weiter geht's. Als die Gefährten vor der gegenüberliegenden Tür links abbiegen, erkennen Lîf und Abdo den Gang wieder: direkt vor ihnen liegt die Treppe zum Keller, welche aber auch nach oben führt. Mit besonders wachen Sinnen rücken sie weiter vor und gelangen—mit klopfenden Herzen, aber unbescholten—ins Obergeschoss.

Dort herrscht dieselbe Totenstille wie in der Kapelle und den Schlafkammern des Abtes und seiner handverlesenen kleinen Schar. Im oberen Stock gibt es hauptsächlich lange Gänge mit vielen Türen. Freydis und Abdo machen sich die Mühe, eine jede davon zu öffnen, ob sich dahinter ein Feind oder ein Überlebender verbürge, doch sie finden nichts außer einer Schrift (ursprünglich unter der Matratze versteckt, doch das Bett war umgestoßen) mit äußerst anzüglichen Geschichten, wie Freydis auf einen Blick erkennt, und diverse Verstecke mit vergammelten Leckereien. Novizenkammern, so viel steht fest.[5] Und dann steht man auch schon vor der Treppe, die höher in den Novizenturm hinaufführt. Ob es weise sei, mag man sich fragen, sich in eine vom Feind derart leicht abzuschneidende Stellung zu begeben—und vielleicht bleibt auch jemand hier zurück, um zu verhindern, dass der Feind dies ausnutzt—doch Lîf und auch Abdo drängt es auf jeden Fall weiter hinauf. Doch auch hier sind alle Kammern leer. Dann steht man schließlich unter dem Dach—mit leeren Händen, unschlüssig, enttäuscht, denn entgegen aller Vernunft hat man doch gehofft...

Da fällt Lîf etwas auf. Die Wand des obersten Turmzimmer ist an einer Stelle ganz nass, von der Decke bis zum Boden, auf welchem sich eine kleine Pfütze gebildet hat. Ein scharfer Geruch steigt ihr in die Nase.[6]
 1. Dämonenwissen 20
 2. Verbrennungen kommen auch vor, vor allem wenn Priester dies offiziell veranlassen. Wehrt das Volk sich eigenmächtig in nächtlicher Aktion, wird die "Hexe" öfters einfach nur rasch erwürgt, am nächsten Baum aufgehängt, ertränkt oder im Moor versenkt.
 3. Wissen (Arkanes) 19. S. auch die Geschichte von Askyr, dem Sturmboten in den Schriftrollen, Beitrag 5.5.
In Stürmen, besonders in Sturmnächten, kann auch Freydis auf ihre Kräfte verstärken (wie durch die passenden metamagic feats, nur ohne höhere slots) abhängig von der Stärke des Sturmes, was allerdings auch enorme Gefahren birgt. Da es aber unwahrscheinlich ist, dass dies im Abenteuer vorkommt, weise ich dem jetzt keine Werte zu. Falls Freydis doch einmal während eines Unwetters zaubern sollte, tät ich mir dann etwas geeignetes (samt Gefahren + Einschränkungen) überlegen.
 4. Aeryn Perception = 29; es dürfen aber auch andere mit ins Zimmer und ihr beim Suchen zuschauen; das gilt auch für die noch folgenden Untersuchungen.
 5. Abdo, Freydis perception 10; Rogars Wurf war 7, das reicht für nix. Er hat halt keine Zeit, Sachen zu untersuchen.
 6. Lîf perception 22
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 15.08.2017, 11:38:06
"Nach Schätzen scheinen sie jedenfalls nicht her zu sein," bemerkt Aeryn und weist die anderen auf die prunkvollen Schmuckstücke hin, die sich in dem Kästchen neben der Lagerstatt des Abts befinden.

"Mir ist nachwievor völlig unklar, welche Motivation diese Wesen antreibt und welche Ziele sie hier verfolgen. Aber wenn sie, wie wir vermuten, dämonischen Ursprungs sind, ist es sicherlich etwas höchst Verderbliches."

Im Novizenturm übernimmt die Elbin zunächst die Rückendeckung, folgt den anderen nur langsam und achtet darauf, dass ihnen keine Dämonen oder "Mönche" unbemerkt in den Rücken fallen können. Angespannt rechnet die Waldläuferin jederzeit mit einem Angriff oder Hinterhalt, doch sehr zu ihrer Beruhigung bleiben diese bislang aus.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 15.08.2017, 11:56:09
Abdo verwundert Freydis' Reaktion nur wenig: Es ist einfach, die Shetani - Dämonen - für alles Übel verantwortlich zu machen. Ein leichter Ausweg, der es einem erlaubt, böse Taten als von Aris gegeben hinzunehmen, anstatt sich aktiv dagegen zu stellen. Doch dies hier sieht ihm viel zu zielgerichtet aus, als dass Shetani dahinterstecken könnten[1] Natürlich ist es möglich, dass deren Einflüsterungen den Verstand der Verantwortlichen korrumpiert haben, doch die eigentliche Tat und die Wahl der Mittel muss anderen Ursprungs sein.

"Nein!" entgegnet er deshalb scharf. "Dies hier ist nicht das Werk von Dämonen. Zumindest nicht das direkte. Etwas oder jemand aus unserer Welt muss dies getan haben. Jemand, der einen besonders innigen Hass auf diesen Gott uns seine Symbole hegt."
Abdos eigentliche Frage jedoch hat Freydis beantwortet: Sie hat von Menschen gehört, die solche Kräfte besaßen. Wenn solche korrumpiert worden sind, kann eine derartige Zerstörung also möglich sein. Aber auch das Wiedererwecken von Leichen?

Schließlich verlässt die Gruppe, auch auf Abdos Drängen hin, die Kapelle und stößt weiter in das Hauptgebäude vor. Dank Rogars Ortskenntnissen finden sie sich gut zurecht und erreichen schnell das offensichtliche Zimmer des Abtes. Der Raum steht in einem krassen Kontrast zur ansonsten eher schlichten Klostereinrichtung, denn hier herrscht ein fast schon prunkvoller Luxus. Sein Blick fällt zunächst auf das Bett, von dem sich Aeryn deutlich wahrnehmbar fern hält. Der Ya'Keheter kann es ihr kaum verdenken, so wie es aussieht. Doch er selbst betrachtet es sich genauer - gibt es irgendwelche Hinweise darauf, was mit dem Abt geschehen ist? Augenscheinlich hat er hier nach dem Gewitter tatsächlich gelegen, doch wo ist er hin?
Erst danach nimmt er die Einrichtung des Zimmers genauer in Augenschein, öffnet die Truhen und sucht nach Hinweisen auf irgendetwas Ungewöhnliches.[2]

Schließlich zieht er einen der größeren Behänge von der Wand, breitet ihn auf dem Pult aus und beginnt, die augenscheinlich wertvollen Stücke darauf zu legen.
"Wir sollten die Sachen nicht Plünderern hinterlassen." erklärt er sein Vorgehen, als er beginnt, die juwelenbesetzten Stücke und andere Dinge von Wert zu sammeln. Dann verknotet er die Enden, so dass sich ein geschlossener Beutel ergibt, und packt diesen in seinen Rucksack. Dabei macht er klar, dass er die Sachen nicht für sich selbst behalten will.
Als Aeryn die Beschriftung auf den Phiolen vorliest, stutzt Abdo. Wieso sollte man Quellwasser, was in diesen Gegenden wohl keine Rarität darstellt, in solch wertvollen Phiolen aufbewahren? Er nimmt sich vor, auch diesem Geheimnis auf die Spur zu gehen und wickelt die beiden Glasbehälter sorgfältig in Stoff von der Wand ein. Sollte keiner der anderen signalisieren, die beiden Behälter nehmen zu wollen, packt er auch diese in seinen Rucksack.

Schließlich setzt die Gruppe ihre Suche fort und nimmt den Weg nach oben, von wo Abdo am Vortag noch Geräusche gehört hat - wenn auch auf der anderen Gebäudeseite. Doch der Novizenturm scheint leer zu sein - bis Lîf die nasse Stelle entdeckt. Was immer sich dahinter - oder darüber - verbergen mag, Abdo ist entschlossen, das Geheimnis zu lüften, und betastet zunächst die Wand, um dann seine Finger zu beschnüffeln.
 1. Das schließe ich aus den Antworten auf meine bisherigen Wissenswürfe, die ja in eine ähnliche Richtung gingen
 2. Durchsuchen des Zimmers und Betts: 17
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 15.08.2017, 12:19:00
Ratlos schüttelt die junge Frau den Kopf, als ihr Tristan den Gebrauch der seltsamen Kugelkette erklärt. "Glauben sie etwa, ihr Gott hört sie eher an, wenn sie ihm ihre Gebete wiederholen wie einem Schwerhörigen?" meint sie spitz, aber doch leise – immerhin will sie an diesem Ort keine Lästerung äußern. Dennoch nimmt sie den fremdartigen Gegenstand an sich. Vor ihrem inneren Auge steht das Bild eines jungen Burschen, dem diese einfachen kleinen Holzkugeln vielleicht viel bedeuten. Und eine, die der Mutter aller lebenden Wesen dient, darf keinen jungen Menschen verletzen, nur weil er hier mit Irrlehren auf einen falschen Pfad geführt wird. Eine Mutter zeigt Liebe gegenüber allen Kindern.

Sie verwahrt den Kultgegenstand daher in ihrer Schürze, wo sie ihn sicher, aber griffbereit hat – sollte man wider Erwarten auf den Besitzer stoßen. Auch den Schlüsselring mit der Rune nimmt sie an sich und schiebt ihn tief in eine der aufgenähten Taschen, nachdem sie ihn kurz Tristan gezeigt hat, um diesen nach der Bedeutung des unbekannten Zeichens zu fragen. Der Bund zwischen einem Mann und einem Weib ist ihr erst recht heilig, ganz gleich, nach welchem Ritus besiegelt. Männliches und weibliches Prinzip müssen stets die Vereinigung finden, damit das große Rad des Lebens sich weiter drehen kann. Sie sind füreinander geschaffen, weshalb dieser Bund, wenn es sich denn um ein Symbol dafür handelt, zu ehren ist.

Im Zimmer des Abtes nimmt der Rotschopf an der Durchsuchung von Truhen und Regalen teil, um eventuell weitere Hinweise zu finden, greift aber nach keinem der Schmuckstücke und sonstigen Wertgegenstände. Um in einer solchen Situation zur Diebin zu werden, ist sie viel zu stolz. Dass Abdo die Dinge einpackt, lässt sie kurz die Augenbrauen heben, aber Einwände erhebt sie nicht. Sie will sich hier keines Frevels schuldig machen – doch es ist kein Ort, der der Großen Mutter geweiht wäre, also muss der dunkelhäutige Mann selbst wissen, was er tut.

Beim Weg nach oben verlässt sie sich auf den Schutz durch die Mannsleute und konzentriert sich lieber auf ihre Umgebung. Der Anblick der Treppe nach unten, wo sie entführt werden sollte, lässt sie kurz erschauern, und sie fasst nach der Hand ihres Mannes, um sie fest zu drücken, schweigt aber. Unter dem Dach schließlich sieht sie sich mit gerunzelter Stirn um. Dann geht sie auf die nasse Stelle zu, beugt sich leicht nach vorn und fächelt sich mit der flachen Hand vorsichtig Luft zu, um den Geruch genauer zu prüfen, ohne eine volle Ladung davon abzubekommen. "Seltsam..." murmelt sie und versucht sich zu besinnen, ob der Geruch sie an etwas Bekanntes erinnert[1]. "Vorsicht – das könnte ätzend oder giftig sein!" versucht sie Abdo noch zu warnen, kommt aber wohl zu spät, als er die Finger in die Substanz taucht. Dann schnuppert sie, überlegt und fügt hinzu: "Nein, es scheint ungefährlich." Seltsam nur, dass die Mönche hier das Rezept für die Warzentinktur kennen, die sie auch verwendet...
 1. Kein Erfolg mit einer 9 bzw. 10 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1033403#msg1033403)...
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 15.08.2017, 14:28:14
Als er die Substanz schmeckt, verzieht Abdo sofort das Gesicht und spuckt aus.
"DAS IST PISSE!" entfährt es ihm, doch sofort hält er sich die Hand vor den Mund, erschrocken darüber, wieviel Lärm er gerade verursacht hat. Nach einem kurzen Moment fasst er sich wieder.

"Naja, giftig hoffentlich nicht. Aber ich würde gerne wissen, wie es dort oben an die Decke kommt."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Rogar, Apothekarius am 15.08.2017, 17:09:36
Eigentlich hatte Rogar schweigen wollen, da er nicht viel zu den untersuchungen beitragen konnte, aber Freydis Antwort war in seinen Augen zu irreführend, als man sie stehen lassen konnte. So erhebt er noch in der Kapelle das Wort: "Wenn ich etwas ergänzen dürfte, Fräulein Redwaldsdottir? Vielleicht ist das Suli in diesem Punkt ungenau, aber das hier kann eine fremdweltlerische Entität nicht direkt gewesen sein, also kein Dämon im engeren Sinne. Es mag sein, das ihr auch anderes so bezeichnet, aber die Außenweltler hinterlassen immer auch andere Spuren - Verderbnis, Fäulnis, Lebensverneinend. Das fehlt hier. Gut möglich ist jedoch, dass ein Mensch unter Einfluss eines Dämons dies angerichtet hat. Wrden den Reif-Symbolen bestimmte Abwehrwirkungen nachgesagt?"

So oder so führt der Dain die Gruppe weiter, scheint sich aber votnehmlich darauf zu konzentrieren, Spuren seiner Kameraden, seiner und deren Ausrüstung zu finden. Und natürlich die Gruppe zu bewachen. Erst als sie in der Kammer des Abtes sind, untersucht er flüchtig die Truhen und Regalflächen, was sie beherbergen, und überprüft zum Schluß, welche Spuren die Behandlung des Abtes hinterlassen haben, um auf den Zeitraum, die Verletzungen und Behandlungsmethoden zu schließen. Abdo bittet er, ihm die beiden Quellwasserphiolen zu überlassen.

Oben im Turm angekommen erinnert sich Rogar daran, dass die Pilger und er von dort unter Feuer genommen worden waren, bevor er das Problem 'entschärft' hat. Mit mulmigem Gefühl sucht er fieberhaft und gründlich, bis er irgendwelche Hinweise auf die Leiche des Schützen hat. Er hofft, das er einen Gegenbeweis findet, dass es sich um seinen anderen Kameraden handelt.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 18.08.2017, 02:35:34
Freydis ist nicht gerade glücklich als Rogar, wie höflich auch immer, ihre Aussage in Zweifel zieht.
Sie ist so schon unsicher genug.  "Unter Einfluss eines Dämones? Wie geht das vor sich? Überedet der Dämon jemanden einfach nur oder können sie sich gar nicht dagegen wehren zu tun was immer der Dämon will?" fragt sie einerseits weil sie es wirklich wissen will, andererseits um abzulenken. Sie hat nicht die Absicht von jener Nacht vor vier Jahren zu erzählen, oder warum es doch möglich ist, dass ein Berührter die Kapelle angegriffen hat, besonders bei Sturm, ob unter dem Einfluss eines Dämons oder aus freien Stücken.
Sie will nicht, das ihre Fähigkeiten in den Augen ihrer Gefährten noch unberechenbarer und gefährlicher erscheinen als es wohl ohnehin schon der Fall ist.
Die Albionerin ist einerseits erleichtert, als die Gefährten auf dem Weg nach oben keine weiteren Leichen und auch keine falschen Mönche oder Hungerkreaturen finden, andererseits ist sie entäuscht, weil es hier anscheinend auch keine weiteren Hinweise gibt.
Als Abdo beginnt die Wertsachen des Abtes zu verpacken will sie erst einschreiten - das letzte was die Berührte braucht ist von den Anhängern des einen des Diebstahls oder gar des Frevels beschuldigt zu werden - aber sie erkennt rechtzeitig, das der Mönch die Dinge nur in Verwahrung nimmt.
Über die Verwunderung der Elfe und des Yakheters kann sie nur bitter lächeln. "Ist bestimmt von einer heiligen Quelle. Der Wasserfall muss ja irgentwo oben auf dem Berg entspringen.""und offenbar hat Rogar die Wahrheit gesagt. Der Abt war hier." denkt sie mit Blick auf das blutige Bett. "oder zumindest hat hier irgentwer eine Menge Blut verloren. Aber wo ist er hin?"

Oben angekommen wendet Freydis angewiedert den Kopf ab, als Abdo die Flüssigkeit probiert. Als ob der Geruch nicht gereicht hätte! Ihr Blick folgt dem des Mönches zur Decke.
"Da oben muss jemand gewesen sein. Jemand der große Angst hatte. Oder keine andere Möglichkeit seine Notdurft zu verrichten." schlussfolgert sie und musstert die hölzerne Decke auf der Suche nach einer Falltür oder etwas ähnlichem.
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 18.08.2017, 14:11:43
Auf Abdos angewiderten Ausruf schaut Lîf erst erstaunt, dann, als sie begreift, wie sehr sie sich geirrt hat - tatsächlich enthält die Tinktur auch Urin - muss sie ein Grinsen unterdrücken. Da die Große Mutter aber lehrt, dass Schadenfreude keine gute ist, senkt sie ein wenig beschämt ob ihrer Anwandlung den Kopf und überlegt. "Geister können in einen Menschen schlüpfen und ihn zu allen möglichen Taten veranlassen - guten wie bösen. Meist sind es leider böswillige Geister, die solches von sich aus tun" wendet sich die junge Frau schließlich an Freydis. "Wir nennen sie zwar nicht Dämonen, aber es sind sicherlich die, welche er meint" fügt sie mit einem Nicken in Rogars Richtung hinzu.

Dann folgt sie den Blicken der anderen zur Decke und nickt mehrmals langsam. "Vielleicht einer, der fliehen konnte und sich nicht mehr hinab traut. Er hätte Grund, sich ganz still zu verhalten" meint sie, bevor sie einen halben Schritt zurück tritt, eines der Amulette fasst, die um ihren Hals hängen, und leise ein Gebet zu murmeln beginnt[1]. Darauf hebt sie den zweiten Arm, streckt die Finger weit aus und schwenkt ihn wie eine Wünschelrute hin und her, während sie die Augen fest geschlossen hält und sich zu konzentrieren scheint.
 1. Magie entdecken
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Tristan am 19.08.2017, 16:55:39
Rogars Frage nach einer etwaigen Abwehrwirkung, die Anhänger des Einen dem Reifkreuz zuschrieben, beantwortet Tristan ebenso ausführlich und bereitswillig wie zuvor in der Kapelle Abdos Frage. So schnell kann der Zwerg gar nicht mitschreiben, wie Tristan erzählt, flüstert wohlgemerkt und in den richtigen Momenten, in denen man die äußere Lage nicht gut überblickt, verstummt, bis feststeht, dass kein Feind in der Nähe ist. Das eigentliche Schutzsymbol sei der Kreis, welcher aber im Reifkreuz ja auch vorhanden sei, auch wenn er natürlich nur in der nicht durchstoßenen Variante Sicherheit versprechen kann.

Als Rogar nachhakt, weil ihm dies noch zu obskur ist, holt Tristan aus und erklärt die fünf zentralen Symbole des Wahren Glaubens im Detail: das Kreuz, den Kreis und das Reifkreuz in seinen drei Varianten: geschlossen, durchstoßen, gebrochen. Das Kreuz symbolisiert das Diesseits wie auch den Menschen; der Kreis das Jenseits wie auch die Seele des Menschen oder, auf einer noch geistigeren Ebene betrachtet: für Vollkommenheit, Wahrheit, das Absolute, Gott. Das durchstoßene Reifkreuz, wie bereits gesagt, für die Missionierungsaufgabe, das geschlossene für die ewige Herrschaft Gottes auf Erden, genauer: für das Ende der Zeit. Wenn nämlich eines Tages alle irdischen Völker Gottes Wahrheit erkannt hätten und das Böse dadurch besiegt würde, würde der Himmel auf Erden einkehren und der Kreislauf von Leben und Sterben durchbrochen und alle lebten in Frieden und vollkommener Glückseligkeit auf immerfort.

Und falls Rogar dann immer noch nicht genug hat, erklärt Tristan auch noch kurz das gebrochene Reifkreuz, dem rechts oben ein Bogen des (durchstoßenen) Kreises fehlt: dies sei nämlich Symbol für die Unvollkommenheit der heutigen Welt, den Einfall der Dämonen, die Versuchung durch das Böse, also für Urian selbst—und damit aber auch, in der Hand eines Gläubigen, für den Kampf gegen das Böse.[1]

"Um auf Abwehr gegen das Böse zurückzukommen, dazu braucht es im Glauben der Mönche drei Dinge: Willenskraft, den rechten Glauben und ein Herz frei von Sünde. Und wenn man ganz sicher gehen will, zeichnet man einen Schutzkreis um sich herum, denn der Kreis steht für Gott, und nur mit Gottes Hilfe kann Urian besiegt werden."

All dies klingt wieder sehr auswendig gelernt.[2]
 1. Wissen (Religion) = 26 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1033654#msg1033654) => Alles, was diesbezüglich in den Schriftrollen unter 5.3 steht, im Fall Kreis und Kreuz nur aus Sicht des neuen Glaubens, darf nun jedem, der zuhört, als bekannt gelten. Im Text oben habe ich alle fetten Stichworte zusammengefasst.
 2. An die Gaja-Gläubigen: Sorry, zum Jenseitsglauben des alten Glaubens habe ich leider noch nichts für die Schriftrollen stehen außer dem Bild in 5. 2. Der Grundgedanke: jeder, der sich im Leben bewährt, steigt in eines der entsprechenden himmlischen Reiche auf (s. insbesondere "Halle des Wissens", "Halle der Heiler", "Halle der Erbauer", "Halle der Krieger") in denen sie ihre Fertigkeiten weiter üben und verbessern und auf den Tag warten, da sie wieder gebraucht werden. Die Welt selbst ist nämlich dem selben Zyklus aus Geburt und Tod unterworfen wie alles Leben auf ihr. Das heißt, es wird eine Endzeit geben, komplett mit epischer Schlacht. Die Erde wird vergehen und neu geboren und die Überlebenden aus der Schlacht werden die neugeborene Welt neu besiedeln. Der Gedanke eines statischen Paradieses, von dem die Anhänger des Einen träumen, ist... seltsam, denn schließlich muss man die Welt um sich herum nur beobachten, um die Prinzipien des Lebens (und Vergehens) zu erkennen und um zu begreifen, dass sie für alles und für jeden gelten.
@ Rogar & Aeryn: Ich nehme an, dass die Zwerge diesbezüglich näher am Gaja-Glauben stehen als am neuen Glauben, oder zumindest kennen so grob die Ansichten der Elben diesbezüglich, welche wiederum dem menschlichen Gaja-Glauben über große Strecken gleichen - evtl. mit Ausnahme der Endzeitschlacht - aber sicherlich insoweit, dass man sein Leben gut leben soll, um zu den Heldar aufzusteigen und mit ihnen in die Neue Zeit zu ziehen (die nächste Inkarnation Erde, wie auch immer...)
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Gaja am 19.08.2017, 18:01:53
Während Tristan im ersten Stock den Treppenaufgang sichert, zunächst unterstützt durch Aeryn[1], untersuchen die anderen das oberste, nahezu leere Turmzimmer.

Rogar, der schon auf dem gesamten Weg vergeblich nach Spuren ausgeschaut hat, die auf die Anwesenheit eines Zwergen hindeuten, stürzt sich oben zuerst auf die am Boden verstreuten Wachstafeln und entziffert die (leider nur menschlichen) Runen darauf. Auf der ersten Tafel steht achtmal in großer, krakeliger Schrift: "Ich darf beim Beerenpflücken nicht jede zweite Beere selber naschen", auf der zweiten in kleinerer, wesentlich ordentlicherer Schrift, etwa zwanzig Mal: "Ich darf nächtens nicht Hand an mich legen, denn Wollust ist Sünde und wer der Sünde nachgibt, gibt Urian nach." Da begreift der Zwerg endlich, wozu dieser Raum offenbar dient: karg, mit nichts als einigen weit auseinander plazierten Pulten, diese von einfachster Art in verschiedenen Höhen, jeweils ein Schemel davor, dazu die Fleißarbeiten auf Wachstafeln und, nicht zu vergessen, draußen an der Tür das aufgebrochene Schloß—es muss sich hierbei um eine Art Strafkammer handeln.

Lîf erfühlt derweil ihre Umgebung auf eine Art, wie nur eine Dienerin Gajas sie erfühlen kann, und tatsächlich: da ist etwas hier ganz in der Nähe, das zehnmal so machtvoll vor Leben pulsiert wie alles gewöhnliche. Und, noch näher, in Griffweite—an ihrem Körper!—ist etwas fremdes. Lîf erschrickt und verliert die Konzentration und muss erneut ansetzen. Diesmal blickt sich gleich an sich herab und kramt rasch alles hervor, was sie in den vielen Taschen ihrer Schürze verstaut hat und entdeckt recht bald, dass eine der drei Gebetsketten, die sie in der Kapelle aufgelesen hat, eine ihr fremde Aura verströmt—nicht feindselig, aber doch so anders, dass ihr der Anblick unangenehm ist. Vielleicht in etwa so, als würde ein fremder Mann sich vor ihr zum Bad entblößen, zwar ohne böse Absicht und er selbst von angenehmer Gestalt, aber trotzdem ist es eine Nähe, die ihr aufgezwungen wird. Sie schaut auf und fühlt sich sofort ein wenig besser. Die zweite, für sie wesentlich angenehmere Aura, geht von Rogar aus und ist so wohltuend, so heilkräfitg, so göttlich, dass Lîf vor Entzücken aufseufzt, während sie den Zwergen mit offenem Mund, aber noch immer geschlossenen Augen bewundert.

Freydis' Blick sucht die Decke ab. Einfache Holzbretter, unbehandelt, mit zahlreichen Astlöchern versetzt, liegen hier auf den Dachbalken, nicht immer ganz sauber aneinandergefügt. Teilweise müssen sich sogar die Nägel gelöst zu haben, oder sind vom Rost zerfressen worden und gebrochen, denn an etlichen Stellen scheinen die Bretter nur noch lose aufzuliegen. Ihr zweiter Blick geht zum Boden mit der Frage: wie könnte jemand dort hinaufgelangt sein? Auch hierauf findet sie schnell Antwort: obwohl dieser Raum ebenfalls verwüstet wurde und kaum ein Pult oder Schemel noch ordentlich an seinem Platz steht, fällt doch auf, dass da drüben zwei Pulte direkt nebeneinander liegen, ineinander verkeilt, als hätte jemand sie aufeinander gestellt. Dann mag ein halbwegs mannsgroßer Novize darauf gestiegen sein und einen jüngeren, oder mehrere, hochgehoben haben, denn genau darüber liegen die Bretter lose. Und weiter? Irgendwie muss er den oberen Pult ja heruntergetreten haben. Wie ist er selbst hochgelangt? Ob die Novizen wohl ihre Roben auch mit Seilen gürteten? Dann könnte man ein Seil hinuntergelassen haben. Ja, dort ist ein Abdruck an der Wand, da könnte sich jemand mit dem Fuß abgestützt haben.

Zufrieden mit ihren Beobachtungen wendet Freydis sich an die anderen.[2]
 1. Du schreibst etwas von Rückendeckung, aber nicht genau wo und wie lange, deshalb bleib ich hier auch vage
 2. Perception = 23
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 21.08.2017, 10:58:38
Zwar scheint sich hier niemand einer Zauberei bedient zu haben, um sich vor fremden Blicken zu verbergen, wie Lîf vermutet hatte, und auch was Freydis zu berichten hat, deutet eher auf jemanden hin, der sich mit ganz profanen Methoden versteckt hat. Doch dafür zieht der Rotschopf überrascht die Luft ein, als die nicht erwarteten Auren für die Sinne der Gayadienerin spürbar werden. Als sie die Augen wieder öffnet, liegt noch immer der verzückte Ausdruck auf ihrem Gesicht. Erst mit der Erkenntnis, dass sie nun Rogar ganz offen und mit einem leicht zu missdeutenden Blick anstarrt, errötet sie leicht und schließt den Mund wieder. Dann erinnert sie sich an die zweite Ausstrahlung, die sie wahrnahm, und hält die betreffende Gebetskette mit spitzen Fingern am ausgestreckten Arm von sich. "Tristan..." spricht sie ihren Mann leise an. "Ich glaub', das ist ein heiliger Gegenstand. Er ist von etwas durchdrungen – vielleicht von ihrem Gott." Sie wirkt nicht direkt abgestoßen, ist die Kette doch ein offenkundiger Beweis von Frömmigkeit, aber es scheint ihr doch unangenehm, das kleine Utensil zu halten. Fast wirkt es als biete sie es ihrem Mann zur Verwahrung an. Zudem ist sie noch immer durcheinander. Was war ist dieses herrliche, wundervolle Etwas, das sie an Rogar gespürt hat..?
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Freydis am 22.08.2017, 19:40:16
"und wenn sie seit der Nacht des Angriffs dort oben ausharren dürften sie mittlerweile sehr hungrig, durstig und verzweifelt, wenn nicht gar bewusstlos sein." schließt Freydis nachdem sie den anderen ihre Beobachtungen und Schlussfolgerungen berichtet hat. "Hat jemand eine Idee wie wir sie überzeugen können, dass wir nicht zu den falschen Mönchen gehören?"
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Aeryn am 23.08.2017, 12:32:06
Aeryn hatte sich eine Etage unterhalb der Gruppe postiert, um den Weg nach unten abzusichern. Nach einer Weile betritt die Elbin aber auch das Turmzimmer, um nachzusehen, wie die Nachforschungen vorangehen, als Freydis gerade nachfragt, wie man wohl einen verängstigten Novizen überzeugen könne, keine Gefahr für ihn zu sein.

"Naja, zumindest sehen wir alles andere aus als Mönche, würde ich sagen. Aber einen richtigen Beweis können wir kaum bieten. Wir können es nur versuchen, vielleicht lässt er ja mit sich reden, falls sich ein Novize wirklich dort oben versteckt hält. Sprechen wir ihn doch einfach an, vielleicht reagiert er ja. Wenn sich dort jemand versteckt hat, dann wird er sicherlich Hunger und Durst haben, wir sollten also ein paar Vorräte bereithalten."
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Lîf am 25.08.2017, 14:45:03
Nachdem sie einen Blick in die Runde getan hat und niemand anderer Meinung zu sein scheint, legt Lîf den Kopf in den Nacken und stellt sich direkt vor die Stelle, an der die Pulte wohl als Kletterhilfe verwendet wurden. Sie hebt ihre leeren Hände offen sichtbar bis über die Schultern, so dass man sie auch erkennen kann, falls man durch einen Ritz in den Brettern von dort oben herab späht. "Hallo, ihr da oben" ruft sie leise. "Wir sind Wanderer, die hier von denselben bösen Kreaturen bedroht wurden wie ihr - doch wir konnten sie abwehren. Wir wollen euch helfen. Seht ihr? Ich habe keine Waffen und trage keine Rüstung. Und..."

Sie nimmt einen beinernen Zahnstocher, der mit ihren anderen privaten Besitztümern an einem Kettchen von einer der kleinen Buckelfibeln an ihrer Schürze baumelt, hält eine Hand flach nach oben und ritzt sie mit dem spitzen Stäbchen, bis einige winzige Blutstropfen aus der Handfläche hervor quellen. "...wir sind keine von denen. Wir sind Menschen!" ruf der Rotschopf eindringlich, in der vagen Hoffnung, wer immer dort oben steckt, weiß um das widerwärtige "Innenleben" der falschen Mönche. Sie wartet kurz ab, bevor sie sanfter fortfährt: "Ihr habt bestimmt Hunger und Durst, nicht wahr?" Mit beiden Händen fasst sie ihren Wasserschlauch und streckt ihn in die Höhe[1].
 1. Diplomatiewurf: 16, siehe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8881.msg1033929#msg1033929).
Titel: Der Weihort
Beitrag von: Abdo al'Mbabi am 26.08.2017, 17:04:06
Abdo sieht diesmal davon ab, eigenhändig das Versteck der möglichen Flüchtlinge stürmen zu wollen. Das Desaster von der letzt