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Online-RPGs andere Systeme => Gatsburg Blues => Thema gestartet von: Changeling am 07.06.2017, 12:14:03

Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 07.06.2017, 12:14:03
Die Singende Ebene, im Frühsommer

Ein sanfter Windhauch geht über den Hügel, auf dem sich die Freunde wiederfinden. Die Grashalme, die auf der Leinwand bereits wie ein Meer gewirkt haben, sehen aus der Nähe betrachtet noch viel eindrucksvoller aus: Kniehoch ragen sie dicht an dicht über dem dunklen, schweren Boden auf, von einem Grün, wie es so intensiv und satt noch keiner von ihnen gesehen hat. Die Halme sind eigenartig dick und von ovalem Querschnitt, machen aber einen sehr biegsamen Eindruck. Sie scheinen leicht feucht und spenden eine angenehme Kühle, denn die Sonne scheint warm vom Himmel auf sie herab. Die Sonne: Ein tieforangefarbener Ball in einem Feld von Azurblau, unterbrochen von weißen Schäfchenwolken, die wie gemalt dort oben hängen und die bizarrsten Formen bilden. Es ist fast wie an jenen Tagen, an denen sie noch als kleine Kinder zum Himmel schauten und alle möglichen Formen in den Wolken erkannten. Hier ist es keine Einbildung, keine bloße Fantasie: Sie sehen lachende Gesichter, anmutige Vögel, große Segelschiffe und majestätische Drachen wie aus weißer Watte weit über sich träge dahinschweben.

Über der gesamten Szenerie liegt ein leises Klingen und Tönen wie von silbernen Glöckchen. Es schwillt beständig auf und wieder ab. "Das ist das Gras. Die Halme sind hohl und haben kleine Löcher – wie Pfeifen. Wenn der Wind durch sie fährt, klingen sie. Deshalb heißt das hier auch die Singende Ebene." Eddys Stimme ist nicht ganz leicht wiederzuerkennen, denn sie wirkt dunkler als gewohnt. Und als sie sich aufrichten, erschrecken sie bei seinem Anblick: Vor ihnen ragt eine Silhouette über dem hohen Gras auf, in der man den Schüler noch wiedererkennen kann – doch er hat sich verändert. Sicherlich um einen halben Kopf größer, als sie ihn in Erinnerung haben, mit Muskeln, die sich deutlich unter einer blassen Haut mit bläulichem Schimmer abzeichnen. Eine wilde schwarze Haarmähne umrahmt die vertrauten Gesichtszüge, während die leicht spitz zulaufenden Ohrmuscheln und vor allem zwei kurze, stumpfe Hörner auf seiner Stirn einen fremdartigen Eindruck machen. Eddys Kleidung scheint sich ebenso verwandelt zu haben wie er selbst: Sie besteht aus einer Hose und einer Art ärmelloser Tunika aus grobem Wollstoff, einem breiten Ledergürtel und zwei schweren, eisenbeschlagenen Stiefeln. Nur das Buch, das ihm Phelps gab, ruht unverändert in seinem Arm. Die Art, wie er Ayleen und Ricky angrinst, wirkt auf eine schwer zu erfassende Weise überlegen, fast verächtlich, und zugleich unsicher und beschämt.

"Oooh... was ist passiert? Mir ist noch ganz schwindlig" klagt plötzlich eine Mädchenstimme und reißt sie aus ihrer Erstarrung. Als sie sich an Laura Ann erinnern und ihre Blicke einer sehr viel kleineren Gestalt zuwenden, trifft sie der nächste Schock: Auch ihre Mitschülerin hat sich sehr verändert. Ihr ovales Gesicht wirkt etwas voller, als sie es in Erinnerung haben, und auch ihre gesamte Gestalt scheint deutlich mehr gerundet und auf eine Weise weiblich, die es Ricky mit einem Mal ziemlich heiß werden lässt und selbst Ayleen nicht ganz unbeeinflusst lässt. Die Attraktivität Laura Anns wird beiden mit fast quälender Intensität bewusst. Zumal auch das Mädchen höchst exotisch aussieht: Ihre Ohren laufen noch spitzer zu als die des riesigen Eddy hinter ihnen, während die Hörner auf ihrer Stirn im Gegensatz zu seinen klein und verspielt wirken. Gekleidet ist sie in eine helle Bluse mit kurzen Puffärmeln, einem geschnürten schwarzen Mieder, das die Rundungen ihres Körpers betont, und einen kaum knielangen, ausgestellten Rock in einem satten Rot. Fußbekleidung trägt sie nicht, und wenn man ihre Beine betrachtet, erahnt man auch den Grund: Unter dem Rock schauen zwei kräftige Oberschenkel hervor, an die sich athletisch wirkende, aber eigenartig geformte Unterschenkel anschließen. Beide sind dicht mit einem weich und seidig wirkenden, langen Fell bedeckt und enden in zwei zierlichen – Hufen! "Was schaut ihr so, als hättet ihr mich noch nie..." beginnt sie und starrt die beiden und Eddy dann fassungslos an.

Kaum wagen sie, sich gegenseitig anzuschauen, denn es stellt sich die bange Frage, was sie wohl zu sehen bekommen werden...
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 08.06.2017, 06:44:20
Das Indianermädchen bleibt zunächst einen Augenblick auf dem Bauch liegen, so wie sie in der Welt gelandet ist, und genießt das Gefühl der Erde und des Grases, ebenso wie die Gerüche und Geräusche. Dann öffnet sie die Augen und dreht sich auf den Rücken, von Ricky weg. Ihr Blick ruht einige Momente auf dem Firmament und seinen Bewohnern. Ein seliger Gesichtsausdruck nimmt Platz in ihrem Gesicht, sie fühlt sich warm und zugleich fremd wie vertraut. Es ist nicht die Welt, die ihr ihre Großmutter gezeigt hatte, und doch ist es wie ein nach-Hause-kommen.

Eddys veränderte Stimme bringt sie in die Gegenwart zurück. Sie dreht sich wieder auf den Bauch, diesmal aber mit angewinkelten Beinen und Armen, um gleich darauf aufzustehen. Etwas großes, unflexibles macht die Bewegung schwierig. Als sie steht, spürt sie das Gewicht ihrer vertrauten Tasche und noch zwei anderen Dingen, die sie schon seit ihrer Kindheit nicht mehr gespürt hat - Ein Köcher mit Pfeilen und ein Bogen.

Für die anderen hat sich Ayleens Gestalt deutlich geändert. Sie ist nun so schlank, dass man es fast als dürr bezeichnen könnte. Ihr Körper wirkt androgyner und von einer sphärischen, künstlerischen Schönheit. Ihr Hautton und ihr kühler Gesichtsausdruck sind geblieben, aber die Wangenknochen sind hohler, die Nase zarter und die Ohren ungleich länger und spitzer - bis fast über den Scheitel hinaus. Das kräftige, lange schwarze Haar ist nicht mehr sorgsam geflochten, sondern hängt offen über ihren Rücken bis zu den Hüften. Ihre dunklen Augen sind mandelförmiger geworden und vor allem dunkler. Sie wirken fast wie schwarze, unergründliche Seen. Die langen Beine und Arme enden in zarten, langgliedrigen Händen und Füßen.
Sehr deutlich hat sich auch ihre Kleidung und Ausrüstung gewandelt. Sie trägt Mokassins aus Hirschleder, verlängert bis über die Oberschenkel mit dem gleichen Leder und verschnürt. Bestickt sind sie mit großflächigen farbigen geometrischen Mustern. Auf Kniehöhe geht es in einen Wickelrock aus Rehleder über, der ebenso bestickt ist. Unter allem trägt sie ein großes weißes aus Baumfasern gewebtes Tuch, gewickelt wie eine römische Toga - eine Brosche hält es über der linken Schulter zusammen, während die rechte frei bleibt. Stattdessen bedeckt ein kleines Ledermäntelchen die Schultern, verziert mit Pfauenfedern. Das Haar wird von einem breiten, bestickten Stirnband zurückgehalten, in dem eine glänzend weiße Feder steckt. Diverser Silber- und Bronzeschmuck ergänzt die Erscheinung. Über allem hängt eine bestickte lederne Umhängetasche, ein lederner Köcher und ein Bogen aus dunklem, glatten Holz, der größer ist als sie selbst.

Langsam streckt sie sich und betrachtet ihre Gliedmaßen, wirkt dabei jedoch relativ gefasst. "Danke.", erklingt ihre wesentlich hellere und sanftere Stimme in Eddys Richtung. "Kannst du uns eine Einführung geben, bitte?", während sie die anderen drei interessiert mustert. "Satyr", denkt sie bei Lauras Anblick, "und damit europäisch, nicht indianisch."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 10.06.2017, 06:38:56
Ricky ist zunächst auch erst mal von der Umgebung gefangen, in der er sich sitzend wiederfindet.
Nur knapp kann er über die sattgrünen Halme hinweg sehen. Sein Inneres lauscht dem Spiel des Windes im Gras. Instinktiv versucht er, eine Melodie oder zumindest eine System in den Tönen zu entdecken.
Dabei betrachtet auch er gedankenverloren den wolkendurchsetzten Himmel, ohne allerdings merklich die vielfältigen Formen, die über ihm dahinziehen, wahrzunehmen.

Als er von Eddys Stimme aus seinen Gedanken gerissen wird, blickt er zu dem großen Etwas, in das sich dieser verwandelt hat. Und als dann Laura Ann und Ayleen ebenfalls in neuer Form in sein Gesichtsfeld treten, muß Ricky sich erst mal selbst betrachten.
Mühsam rappelt er sich auf und stellt fest, daß es ihm deshalb so schwer fällt, weil er sich erst an seine neuen Beine gewöhnen muß. Denn auch er hat bepelzte Beine bekommen, die den Hinterläufen einer Ziege ähneln. Seine Arme sind immer noch schlank, wirken aber jetzt sehniger und die Muskeln treten deutlicher hervor, als er sie beugt. Auch sonst wirkt sein Körper athletischer, wenn auch immer noch nicht wirklich kräftig sondern eher drahtig.
Neugierig betastet Ricky seinen Kopf und stellt fest, das er ebenfalls Hörner entwickelt hat. Doch seine sind nach hinten geschwungen und wohl gute 15 cm lang. Auch seine Ohren sind erheblich länger geworden, laufen allerdings nicht spitz zu. Das schwarze Haar ist dichter. Und die Frisur durcheinander gewirbelt. Die früher angedeuteten Kotletten ziehen sich nun weiter nach unten hin und sind dichter, fast schon ein zarter Backenbart. Die Nase weist zu den Brauenwülsten über den Augen eine deutlich Verdickung auf. Durch all dies, wirkt das Gesicht auf die anderen schmaler, länger und tierhafter. Letzteres wird noch einmal verstärkt hervorgehoben, als Ricky lächelt und sich eine Reihe spitzer Zähne zeigt.
Bekleidet ist er mit einem breiten Lendenschurz, der bis zu den Knien reicht. An dem Gürtel, der ihn hält, sind einige Taschen und Beutel festgemacht. Der Oberkörper wird nur bedingt von dem ärmellosen Hemd bedeckt, da es vorne bis unter den Bauchnabel geöffnet ist.
Ein auffälliges Accessoir ist die schmale Elfenbeinflöte, die an einer Goldkette befestigt auf dem flauschigen, dunklen Brusthaar ruht.

Noch einmal schaut Ricky sich die anderen an und spürt seine Erregung wachsen, als sein Blick  über die Mädchen streift.
Er macht ein paar Schritte auf Laura Ann zu und schaute ihr tief in die Augen. "Dir steht dein neues Aussehen ausgezeichnet."
Aber schon macht er eine elegante Drehung, ging zu Ayleen um ihr durchs lange Haar zu streichen. "Eine indianische Elfe! Welch exquisiter Anblick."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 10.06.2017, 14:45:53
Laura Ann scheint sich mittlerweile von ihrem Schock erholt zu haben und ist mit einer erstaunlichen Behändigkeit aufgesprungen. Sie lüftet ihren Rock leicht und betrachtet ihre Beine, wobei sie leise vor sich hin murmelt. Den Schülern fällt auf, dass sie zwar nach wie vor schlanke Arme besitzt, doch in den Hüften ist sie recht breit geworden, und ihre weich bepelzten Schenkel wirken für ein Mädchen sogar regelrecht muskulös. Sie schaut wieder auf, blickt sich um und hebt dann die Augen zur Sonne hoch. "Man kann hier direkt in die Sonne schauen, ohne zu blinzeln..." bemerkt sie sichtlich fasziniert. Dann lässt sie den Blick schweifen und lauscht offenbar dem Klingen des Windes im Gras. "Irgendwie kommt mir das alles bekannt vor" murmelt sie zu niemand speziellem. Endlich wendet auch sie sich ihren Begleitern zu und mustert sie. Ihre Züge drücken dabei teilweise Verwunderung, teilweise aber auch Neugierde aus, und ihre vollen Lippen verziehen sich zu einem erfreuten Lächeln, wie man es bei einem kleinen Kind finden mag, das die lang ersehnte Spielzeugeisenbahn unter dem Weihnachtsbaum bewundert.

Rickys Blick erwidert sie mit blitzendem Augen und einem amüsiert, aber durchaus auch interessiert wirkenden Lächeln. "Ich wusste gar nicht, dass du so ein Galan bist" kichert sie, um gleich darauf leiser anzufügen "...und so ein hübscher Junge obendrein." Dabei klingt sie fast ein wenig verwundert. Ihr Blick streift auch Ayleen mit merklichem Interesse, und sie nickt zu Rickys Worten. Dann schaut sie zu Eddy, wobei sie ihren Kopf leicht in den Nacken legen muss. "Ja, Großer, sie hat recht" meint sie keck und stemmt eine Hand in die Hüfte – Ricky kommt nicht umhin, die perfekt geschwungene Form unter dem Stoff zu bemerken. "Wo sind wir genau, und wie sollen wir Tiffy finden?" Wie sie dabei die Muskeln des blauhäutigen Hünen mustert, wirkt alles andere als eingeschüchtert. Im Gegenteil: Sie macht einen Schritt auf ihn zu und grinst herausfordernd zu ihm hoch.

Eddy hat derweil die Szene mit verschränkten Armen beobachtet, das Buch an seine Brust gedrückt. Als er sich nun räuspert und mit seiner ungewohnt tiefen Stimme antwortet, erkennen die anderen auch, dass an seinem breiten Gürtel eine Waffe baumelt, von einer ledernen Schlaufe gehalten: Ein Streitkolben mit einem umwickelten Griff und einem kantigen Kopf, so groß und wuchtig, dass ihn wohl keiner von ihnen richtig schwingen könnte. Doch für die riesigen Hände Eddys scheint er wie geschaffen. Er weist in die Ebene hinein und sagt: "Wenn ich mich nicht täusche, sind wir nahe am südlichen Rand der Singenden Ebene. Hier ziehen Gruppen von deinen Leuten umher" meint er zu Ayleen gewandt. "Wenn wir uns noch weiter südlich halten, müssten wir an den Wolkenfluss kommen. Goibniu hat mir erzählt, dass man nur seinem Lauf folgen muss, um früher oder später zu einem ihrer Lager zu gelangen."

Er wirft noch einen Blick zu Laura Ann, und es ist seinen kantigen Gesichtszügen unschwer anzumerken, dass das Mädchen Eindruck auf ihn macht. So ist auch leicht erklärlich, dass er nur sehr zögerlich fortfährt: "Ich war selbst noch nicht oft hier und kenne mich nicht sehr gut aus." Das Geständnis fällt ihm offenbar schwer. "Aber Goibnius Buch wird uns hoffentlich leiten." Laura Ann hat begonnen, hin und her zu tänzeln, während er sprach, und nun stößt sie plötzlich ein helles Lachen aus. "Es ist herrlich hier! Los, schauen wir uns ein wenig um!" Mit diesen Worten sprintet sie los, die Arme weit ausgebreitet, den Kopf im Nacken, die dichte Haarmähne hinter ihr flatternd, und ihre bocksprungsartigen Sätze bringen sie mit atemberaubender Geschwindigkeit voran. "Was machst du da?! Wir haben keine Zeit für so etwas!" brüllt Eddy hinter ihr her, doch das Mädchen lässt sich nicht aufhalten. Just als er mit wütendem Gesicht Miene macht, ihr zu folgen, tut sie einen tollkühnen Sprung, plumpst ins hohe Gras und kollert lachend den sanften Abhang eines Hügels hinunter. "Komm zurück! Dafür sind wir nicht hier!" schreit Eddy.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 12.06.2017, 18:52:24
Ayleen muss sich eingestehen, dass Eddys Gestalt eindrucksvoll ist. Doch umso peinlicher berührt ist sie von der Tatsache, welche Gefühle die beiden Satyr-Abkömmlinge gleichermaßen bei ihr auslösen. Bisher hatte sie sich eher fern solcher Gedanken gewähnt. Entsprechend zuckt sie leicht, als Ricky mit ihren Haaren spielt, und er kann eine leichte Rötung ihrer Ohren bemerken, als sie ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue scheinbar skeptisch anblickt. Zu ihrer Erleichterung bricht Laura-Ann den Effekt und lenkt ab. Die 'Elfe' neigt den Kopf ein wenig und lächelt ein bißchen: "Danke, deine Gestalt ist ebenfalls interessant."

Sie wendet sich Eddy zu, lauscht und nickt: "Umso wichtiger, dass wir wissen, wie wir uns verhalten, ihnen nähern, mit ihnen sprechen und handeln.", fordert sie weiteres Wissen ein. Und wieder unterbricht Laura-Ann mit ihrem Betreiben den Wortwechsel. Kurz irritiert bleibt Ayleens Gesicht ernst, innerlich ist sie jedoch amüsiert und mischt sich nicht ein. Während die Gruppe dem chaotischen Geist folgt, fragt das Indianermädchen Eddy: "Welches Erbe trägst du und wieweit definieren unsere Erben uns hier?"
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 22.06.2017, 00:42:01
"Interessant beschreibt dich nicht mal ansatzweise.", haucht Ricky Ayleen ins Ohr, während er sich nah an ihr vorbeidrängt.
Er tritt einige Schritte von der Gruppe weg und genießt ebenso wie Laura Ann den Wind, das Gras und den Klang, die sie umgeben.
Den Ausführungen und Fragen der anderen folgt er nur am Rande. Viel mehr versucht er, die Umgebung einzuatmen. Sie in sich aufzunehmen. Sich dem befreienden Gefühl hinzugeben, das ihn durchströmt.

Als Laura Ann dann auflacht, schaut Ricky ihr hinterher. In ihm wallt ebenfalls der Drang auf sich zu bewegen. Und so läuft er dem Mädchen, ebenfalls lachend, hinterher. "Ja! Lass uns laufen und diese Welt erkunden!"
Auf Eddys gebrüllte Beschwerde lacht Ricky nur lauter.
"Du Miesepeter! Wir waren noch nie hier.
Geh schon vor, wenn du es so eilig hast. Wir holen dich schon ein."
Dann läßt er sich am Fuße des Hügels neben Laura Ann ins Gras fallen und beginnt diese zu kitzeln.
"Sieh nur was du angerichtet hast, du böses Mädchen. Der arme Eddy ist ganz aufgebracht und sauer auf dich. Das muß bestraft werden."


Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 22.06.2017, 10:20:15
Laura Ann ist schwer einzuholen, obwohl Ricky feststellt, dass ihn seine neuen Beine mit kräftigen Sprüngen in ungeahnter Schnelligkeit und fast mühelos vorantragen. Als er das Mädchen eingeholt hat und mit ihr den Hang hinunter kugelt, merkt er erst, dass sie doch beide keuchen. Sein Blick fällt auf ihr Mieder, das sich bei jedem Atemzug weitet, und der Geruch, der von ihrem dichten Haar ausgeht, steigt ihm in die Nase. Grinsend sieht sie ihn an, und der Junge hat das sichere Gefühl, dass eine ziemlich kecke Herausforderung in ihrem Blick liegt, als sie mit der flachen Hand über seine Brust streicht. Dann wälzt sie sich auf den Bauch, stützt das Kinn in die Hände und sieht ihn an. "Es ist schön hier" sagt sie leise, aber in ihrer Stimme vibriert eine Sinnlichkeit, die ihn erschauern lässt. Als er beginnt, sie zu kitzeln, rollt sie auf den Rücken und strampelt kreischend. Vor lauter Lachen bekommt sie kaum Luft, so dass ihre Antwort auf seine Neckerei unverständlich bleibt.

Eddy hat den beiden, die im wahrsten Sinne des Wortes mit wilden Bocksprüngen vorangelaufen sind, mit finsterem Blick zugesehen. "Tiffany ist in Gefahr, und die beiden haben nichts besseres zu tun, als wie die Kleinkinder zu spielen" schnaubt er, setzt sich aber ebenfalls in die Richtung in Bewegung, die sie gewählt haben. Dabei gibt er Ayleen einen Wink, ihm zu folgen. Sie muss feststellen, dass er zwar im Gegensatz zu ihren anderen Kameraden eher diszipliniert marschiert, aber mit seinen langen Beinen immer noch rasch vorankommt. Sie muss fast in einen Trab verfallen, um Schritt zu halten. Er wirkt verärgert, aber auch entschlossen. Im Gehen zeigt er nach vorn, zum Horizont. "Da hinten beginnt irgendwo das Gebiet, in dem sie jagen."

Auf Ayleens Fragen brummt er unwillig und zuckt dann die Schultern. "Ich weiß auch nicht allzu viel über sie. Goibniu sagte mir, dass man sich hier nach und nach an Dinge erinnert. Aber nur an solche, die mit dem eigenen Erbe zusammenhängen. Sie sind deine Leute, nicht meine, also wirst du wohl mehr wissen als ich, bis es soweit ist. Andernfalls bleibt uns noch das Buch." Dabei fasst er den Folianten fester. "Meine Vorfahren stammten aus Norwegen" erklärt er etwas mürrisch wirkend. "In ihrer Heimat wurden sie Troll genannt, und sie kamen mit den Siedlern hierher." Dann wirft er einen Blick auf seine Begleiterin hinab und meint: "Das Erbe ist hier sehr wichtig! Dein Erbe verleiht dir bestimmte Begabungen, aber auch Schwächen, und es bestimmt auch, wie andere auf dich reagieren. Es gibt viele Allianzen und Feindschaften." Inzwischen haben sie das im Gras tollende Pärchen fast erreicht.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 26.06.2017, 19:12:46
Rickys Spiel jagt Ayleen einen wohligen Schauer über den Rücken und sie hebt eine Hand, als wolle sie ihn zurückhalten oder über die Schulter streichen. Die lässt sie dann soch wieder fallen und konzentriert sich auf Eddy beziehungsweise darauf, mit ihm Schritt zu halten.

Wirklich zufrieden ist sie mit seinen Antworten nicht, denn sie hat nicht das Gefühl, mehr zu wissen als noch vor - ja vor wieviel Minuten? Das bringt sie gleich zu der nächsten Frage: "Wie vergeht die Zeit hier im Verhältnis zu unserer Geburtswelt?" Kurz lässt sie ihm Zeit zu antworten, dann fordert sie mehr Informationen: "Was sagt denn das Buch? Ich bin ungerne unvorbereitet auf die Gefahren und Begegnungen hier." Es dauert nicht lange, dann merkt sie auch, wie die Reisegeschwindigkeit ihre Muskeln anstrengt. Noch beißt sie sich durch, aber ihr Atem wird schwerer und der Schweiß beginnt zu rinnen. "Es ist doch alles viel intensiver, direkter, irgendwie wirklicher als die Traumreisen mit Großmutter."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 01.07.2017, 02:04:07
"Was denn?! Du wehrst dich ja gar nicht. Soll das bedeuten, du genießt es, wenn du so bestraft wirst?"
Ricky fährt mit dem Kitzeln fort, bis der große Schatten des Trolls auf die beiden Satyre fällt.
Dann hört er auf und blickt zu den beiden anderen Gefärhten auf.
"Oh! Sind wir aus Versehen in die richtige Richtung gerannt?" Ein breites Grinsen zieht sich über sein Gesicht.
"Wie gut, daß wir auf euch gewartet haben. Ihr hättet uns ja sonst nie eingeholt."

Weiterhin bleibt Ricky sitzen. Er zupft einen der Grashalme aus dem Boden und schaut ihn sich genauer an. Versuchsweise pustet er ein bischen daran herum, um herauszufinden, wie geanu die Töne entstehen. Dabei scheint er die anderen ganz vergessen zu haben, so sehr ist er in diese Tätigkeit vertieft.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 02.07.2017, 13:24:47
Auf Ayleens Fragen schweigt Eddy eine Weile. Sie marschieren auf die herumtollenden Satyre zu, bis er schließlich meint: "Soweit ich weiß, vergeht die Zeit hier im Wesentlichen wie dort. Aber es ist auch möglich, dass sie gelegentlich schneller oder langsamer verläuft. An einigen heiligen Orten der Stämme, die hier leben, kommt sie fast zum Stillstand. Andererseits gibt es Stellen, an denen du Jahrhunderte durchleben würdest, ehe in Gatsburg der Sommer herum ist. So erzählte es mir Goibniu jedenfalls. Ich war ein paar Male hier, habe aber nie bemerkt, dass drüben, auf der anderen Seite, mehr oder weniger Zeit vergangen wäre als hier." Mit dieser langen Rede scheint sich der Troll auf seltsame Weise verausgabt zu haben, denn er verfällt wiederum in Schweigen.

Erst als sie bei Ricky und Laura Ann ankommen, gibt er wieder einen Ton von sich – ein unwilliges Knurren. Das Mädchen hat sich derweil kreischend und strampelnd im Gras herumgewälzt, einige halbherzige Versuche machend, Ricky ebenfalls zu kitzeln. Als die Gestalten ihrer beiden Gefährten über ihnen aufragen, bleibt sie keuchend und sichtlich erhitzt auf dem Rücken liegen. Mit einem Funkeln in den Augen blinzelt sie zu ihnen hinauf. Ihre Züge zeigen eine solch ausgelassene, fast kindlich-unschuldige Heiterkeit, dass man ihr nur schwer böse sein kann, obwohl sie sich bei Eddys Anblick ihre knappen Kleider eher zweideutig als schamhaft zurechtzupft und dabei keck grinst.

Der zeigt mit einem Mal einen dunkleren Blauton um die Wangen und sagt barsch, das Buch hervorziehend: "Lasst den Unsinn! Wir sind hier, um Tiffany zu finden!" Worauf Laura Ann meint: "Stimmt ja – die arme Tiffy! Ich hatte sie beinahe vergessen." Ihr Ton ist zwar leichthin, aber seltsamerweise klingt sie ehrlich besorgt und vielleicht ein ganz winziges bisschen schuldbewusst, obwohl ihr Blick dabei recht offen und intensiv über Eddys muskulöse Gestalt gleitet. Schnell scheint sie aber wieder von den Klängen abgelenkt, die Ricky dem Grashalm entlockt. Die ersten Töne sind noch etwas schrill, doch er entdeckt rasch, dass der Halm fast wie eine natürlich gewachsene, grüne Flöte ist. Wenn man an der einen oder anderen Stelle noch mit einem scharfen Messer nachhelfen würde, könnte man daraus vielleicht sogar ein brauchbares Musikinstrument basteln...

Eddy hat sich derweil etwas umständlich im Schneidersitz niedergelassen und den großen Folianten auf seinen Knien aufgeschlagen. Er blättert darin, und die anderen sehen alte, vergilbt wirkende Seiten, die mit einer Schrift in großen, geschwungenen Lettern bedeckt sind, gelegentlich von einer Karte oder einer Zeichnung unterbrochen. "Hier ist es: 'Die Singende Ebene', ein ganzes Kapitel" erklärt er endlich. Dann liest er vor. "Hört mir zu: 'Das Königreich der Brennenden Sonne ist in seinem Herzen flach und eben. Dort, umgeben von niedrigen Bergketten wie der Boden einer großen Schüssel, findet sich die Singende Ebene. Viele Stämme leben auf der Ebene, die seit Urzeiten dort ihre Heimstatt hatten. Die meisten Stämme der Nunnehi bis auf die Dineh waren einst friedlich und lebten in festen Siedlungen. Einige waren Freund mit den Wolfsleuten des Landes. Doch viele haben mit der Ankunft der Kithain und dem Untergang der Himmlischen Jagdgründe begonnen, die Ebene zu durchwandern, immer den Herden der Bisons folgend, und sie lernten Fremden zu misstrauen.' Ich glaube, mit 'Kithain' sind wir gemeint. Wir müssen auf jeden Fall damit rechnen, dass wir nicht einfach willkommen geheißen werden, wenn wir eine Begegnung haben."

Damit verstummt Eddy und starrt mit tiefblauem Gesicht auf das Buch, denn Laura Ann ist zu ihm gegangen, während er las, hat sich neugierig über seine Schulter gebeugt, um die schöne Schrift in dem Buch zu bewundern, und dabei gedankenverloren einen ihrer schlanken Arme um seinen Nacken gelegt, während sie mit der Brust gegen seinen breiten Rücken lehnt. Er wirkt mit einem Mal unbeholfen, wie er hilfesuchend zu Ricky und Ayleen schaut.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 05.07.2017, 23:39:12
An sich froh über die Pause, die die Ankunft bei den Satyren und die anschließende Vorlesestunde mit sich bringt, verschnauft Ayleen, bleibt jedoch stehen und sieht sich immer mal wieder um, ganz, als würde sie die Gruppe bewachen. Sie hört aufmerksam zu und denkt sich ihren Teil. "Sowohl dort als auch hier hat der 'weiße Mann' also seine Spuren, seine Schäden hinterlassen.", denkt das Indianermädchen und ist zu stolz, um sich etwas anmerken zu lassen von ihrer kalten Wut.

Als Eddy nicht mehr weiterkommt, ist sie kurz versucht, ihm nicht zu helfen - einmal aus kleinlicher Rachsucht, zum anderen, um Lauras Aufmerksamkeit und die damit verbundene Wirkung nicht auf sich zu haben -, dann besinnt sie sich aber und versucht mit ruhiger, deutlicher Stimme ein wenig ihrer Vernunft zurückzugewinnen: "Laura, bitte denk an Tiff, die unsere Hilfe braucht, und schnell. Stör den Troll nicht und komm lieber rüber zu uns." Für das letzte würde sie sich am liebsten die Zunge abbeißen, gerade mit ihrer neuen Stimme klang das irgendwie - verführerisch. Immerhin kann sie ihre stolze Miene halten, auch wenn ihre Wangen und Ohren wieder eine dunklere Färbung annehmen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 06.07.2017, 18:44:48
Ricky ist sichtlich mit sich zufrieden, als er dem Grashalm die gewünschten Töne entlocken kann. Freudig grinst er in die Runde, aber irgendwie scheint es die anderen gar nicht interessiert zu haben, wie schön seine Musik ist.
Statt dessen lauschen sie dem großen Klotzkopf bei irgendeinem langweiligen Vortrag, von dem er den Anfang verpaßt hat. Das Grinsen verschwindet und weicht einem Zähneblecken, das jedoch auch nicht wahrgenommen wird.
Mißmutig wirft der Satyr den Grashalm in die Prärie, die sich um sie herum erstreckt.
Als er aber sieht wie erst Eddy und dann auch Ayleen wieder diese verräterischen Rotfärbungen zeigen, kann er sich nicht mehr halten und prustet los.
"Hahaha, schaut euch beide nur an. Wie kleine Kinder, die bei was Verbotenem erwischt wurden."
Er springt auf und eilt auf Ayleen zu, der er seinen Arm im Lauf um die Hüfte legt und sie mitschwingen läßt. Sein Weg treibt ihn zu Laura Ann, deren Arm er von Eddys Schulter nimmt und sich selber umlegt, während er sie mit seinem freien Arm ebenfalls umfaßt.
"Seht mich an! Zwei der schönsten Frauen im Arm, die ich je sah." Dann gibt er sowohl Ayleen als auch Laura Ann einen hauchzarten Kuss auf die Lippen, nur um sich dann aus ihrer Umarmung zu lösen und etwas Abstand zu gewinnen.
Neugierig schaut er seine drei Begleiter an, um sich an ihren Reaktionen zu erfreuen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 07.07.2017, 11:58:48
Bei Ayleens Worten sieht Laura an auf und fixiert das Indianermädchen. Um ihre vollen Lippen spielt ein Lächeln, während sich ihre Locken um die kleinen Hörnchen auf ihrer Stirn ringeln. "Aber ich störe ihn doch gar nicht – ich höre ja zu" schnurrt sie und neckt Ayleen gleich darauf: "Warum kommst du nicht zu uns? Eddy ist ein kräftiger Kerl, der hält uns auch alle beide, wetten?" Dabei streichelt sie über die deutlich hervortretenden Muskeln an Nacken und Schulter des Trolls. Der räuspert sich polternd und macht eine Bewegung, als wolle er Laura Anns schmale Hände abstreifen, hält aber dann inne und scheint sich nicht recht dazu entschließen zu können. Schließlich hat er sich offenbar anders entschieden und versucht den weiblichen Satyr zu ignorieren. "Jedenfalls haben wir nur eine Chance, Tiffany wiederzufinden, wenn uns die Bewohner der Ebene helfen. Also müssen wir nach ihnen suchen" meint er und pocht dann auf das Buch.

"Aber es ist nicht ganz ohne Risiko. Sie mögen unseresgleichen nicht sonderlich, das habt ihr ja nun gehört. Auch wenn wir persönlich nichts dafür können: Unsere Vorfahren haben hier wohl ziemlichen Mist gebaut, und, na ja..." Mit einem kurzen Blick zu Ayleen reibt er sich das kantige Kinn und starrt auf das Buch. "...ich schätze, heute ist auch noch nicht alles, wie es sein sollte." Sein Murmeln verklingt, während ein Windstoß durch die Ebene fährt und das Gras lauter erklingen lässt. Ricky glaubt zu erkennen, wie der Wind in einem Bogen um die Gruppe herum streift und die Halme niederdrückt, wobei er eine einfache Melodie produziert, eine kurze Tonfolge, die seinen Vorstoß zu den beiden Mädchen wie mit einem Tusch zu untermalen scheint. Als hätte der Wind seine Gedanken erfasst...

Laura Ann grinst breit und schmiegt sich demonstrativ an Ricky, während er spürt, wie sie ihm frech eine Hand aufs Hinterteil legt. Seinen Kuss erwidert sie ohne Scheu, und als er sie wieder freigibt, stemmt sie selbstbewusst die Hände in die Hüften. Eddy hat das alles zunächst mit düsterer Miene verfolgt, dann scheint er mit sich ins Reine gekommen zu sein, schüttelt den Kopf und brummt: "Ich wusste, dass es mit Satyrn Probleme geben kann, aber dass es auch noch zwei sein müssen..." Dann steht er auf, richtete sich zu seiner ganzen Größe auf und überragt den Rest der Gruppe in beeindruckender Weise. Das Buch wieder schließend, nachdem er sorgfältig die alten Seiten geglättet hat, deutet er wieder in die Richtung, in der sie unterwegs waren: "Wenn die Beschreibungen und die Karte stimmen, finden wir am Fluss früher oder später ein Dorf. Lasst uns weiterziehen. Tiffany könnte in Gefahr sein."

Bei den letzten Worten tritt ein Ausdruck von Entschlossenheit in seine Augen, der ziemlich klar macht: Eddy mag in Gatsburg ein unangenehmer Zeitgenosse gewesen sein – hier, auf der Singenden Ebene, sollte man ihm wohl besser erst gar nicht in die Quere kommen. Sogar die kichernde Laura Ann mit ihren geröteten Wangen wirkt ein wenig ernster, als sie nickt. "Ja, Tiffy darf nichts passieren" bestätigt das Mädchen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 09.07.2017, 09:45:20
Als sich Ricky über Eddys und ihre Reaktion lustig macht, versucht Ayleen alles noch weiter zu ignorieren, auch wenn ihre Röte verräterisch zunimmt, und eine geistreiche Erwiderung auf Laura zu entwerfen. Gleich darauf bereut sie ihre Entscheidung, als der Satyr sie überfällt, mitzieht und dann auch noch mit einem Kuss überrascht. Im letzten Augenblick hat sie sich abwenden wollen, wirklich gelungen ist es ihr nicht. Nun ist ihr Kopf hochrot, aber nicht mehr nur aus Scham und Aufregung, nun ist sie ehrlich wütend. Sie reißt sich los und zieht das Knie hoch, wohl auf die Weichteile gezielt. Zu ihrem Bedauern schafft er es, auszuweichen. Sie hat ihr Messer schon haöb gezogen, als sie sich besinnt, es wieder wegsteckt und sich aufrichtet. "Lass das! Und wehe dir!", ruft sie atemlos und ringt um Fassung.

Mühsam versucht sie, die bröckelige Fassade der unterkühlten Edlen wieder aufzurichten, auch wenn ihr Tränen heißer Wut drohen. Eddys Ablenkung kommt ihr gerade recht. Als er auf das Verhalten der Siedler und Amerikaner den Indianern gegenüber anspricht, nickt sie bestätigend und kann es nicht vermeiden, mit einem Seitenblick auf die Satyre sich den Mund mit dem Handrücken abzuwischen und zu murmeln: "Nein, geändert hat sich nichts - Haltung, Verhalten, Respekt, Behandlung,..." Die Dolche, die sie ihre Blicke schießen lassen wollte, bleiben allerdings aus. Abrupt dreht sie sich um und marschiert los in die Richtung, in der Eddy den Fluß vermutet. "Es ist offensichtlich ratsam, dass ich das Gespräch beginne, wenn wir auf meine Volksgenossen treffen."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 15.07.2017, 01:37:11
So sehr Ricky von dem begleitenden Tusch der Windgräser begeistert ist, so erschrocken ist er über Ayleens heftige Reaktion auf seine vermeintliche Neckerei. Beinahe hätte er noch einen bissigen Kommentar zu Ayleens aggressiven Verhalten abgegeben, erkennt dann aber ihre ihr peinliche Berührtheit und die Feuchte in ihren Augenwinkeln. Aber so ganz kann er sich nicht zurückhalten.
Ein wenig verlegen kratzt er sich am Hinterkopf und legt ein schiefes Lausbubenlächeln auf. "Komm schon, Indianerprinzessin. Es hat dir doch gar nicht wehgetan."

Kurz lauscht er noch dem sich entwickelndem Gespräch, bevor er dann hinter Ayleen hertrottet.
Eher kleinlaut versucht er sich zu verteidigen. "Hey, das ist nicht ganz fair. Laura Ann hat auch nen Kuss gekriegt. Und Eddy ist doch der Gentleman schlecht hin."
Dann wendet er sich an den eben genannten. "Eddy, sag mal, was meinst du mit unseren Vorfahren? Meine Eltern und ich sind erst vor kurzem aus Europa gekommen. So viel können die noch gar nicht angestellt haben."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 15.07.2017, 15:20:18
Der riesige Troll hat Ayleens heftige Reaktion auf Ricky beobachtet und ist einen Schritt weit vorgetreten, um sich zwischen die beiden zu stellen. Doch dann scheint sie sich wieder unter Kontrolle zu haben, und er bleibt stehen. Ein Grollen kommt aus seinem breiten Brustkasten, das irgendwo zwischen drohend und gereizt liegt, dann wendet er sich schweigend um und stapft wieder weiter voran. Laura an hat bei der Szene zunächst ein überraschtes Gesicht gezogen, grinst aber gleich darauf frech und scheint sich regelrecht über die Röte in Ayleens Gesicht zu amüsieren. Sie hopst offenkundig völlig unbeschwert weiter, umkreist den stoisch schweigenden Eddy mehrere Male und singt dabei leise und mit bemerkenswertem Talent ein Lied, das man im letzten Sommer im Internat von Gatsburg immer wieder heimlich auf den Schülerzimmern gehört hat[1]. Dazu macht sie Tanzbewegungen, die mit ihrem kurzen Rock ziemlich gewagt wirken. Ihre kräftigen Beine scheinen sich unermüdlich zu bewegen, als sei ihr die Musik ins Blut gefahren. Ayleens verächtliche Geste lässt sie nur noch breiter grinsen.

Eddy nickt zögerlich zu Ayleens Worten. Auch er bewegt sich beim Gehen rhythmisch, als würde er dabei einer Musik lauschen, die nur in seinem Kopf erklingt. Bei dem Troll denkt man allerdings eher an einen Militärmarsch, wenn man ihn so sieht mit seinen langen, mächtigen Gliedern, die gleichmäßig vor und zurück schwingen, während der schwere Streitkolben an seiner Seite baumelt. Ricky wirft er einen kurzen Blick zu und erwidert ihm, ohne anzuhalten: "Das mag schon sein. Aber hier kann dir jeder sofort dein Blut ansehen" wobei er auf die Beine und die Hörner des Satyrs weist und bedeutungsvoll nickt. "Und ich glaube nicht, dass sie einen Unterschied zwischen dir und einem deiner Vorfahren machen. Vielleicht BIST du einer deiner Vorfahren und weißt es nur nicht mehr. Goibniu erzählte mir, dass es mit uns nicht ist wie mit den Menschen. Wir werden in gewisser Weise wiedergeboren, und manche von uns können sich an Dinge erinnern, die weit vor ihrer Geburt lagen."

Gerade setzt Laura Ann an, eine – ihrem Gesichtsausdruck nach recht respektlose und vorlaute – Bemerkung einzuwerfen, als es die Schüler alle gleichzeitig spüren: Ein Beben unter ihren Füßen! Leise erst und kaum wahrnehmbar, schwillt es rasch an, bis sie es nicht nur fühlen, sondern auch hören können. Ihre Zähne scheinen in den Kiefern zu wackeln, als es zu einem dumpfen Dröhnen wird, und dann entdecken sie auch plötzlich eine riesige Staubwolke am Horizont, die zusehends wächst. In ihrem Inneren: ein breiter, ausgedehnter Schatten – etwas Dunkles, das den Staub aufwirbelt und sich ihnen zu nähern scheint. Undeutlich ist Bewegung zu erkennen, während das Dröhnen immer lauter wird und die Erde so stark erzittert, dass sie bis auf Eddy zu taumeln beginnen. Der Troll steht breitbeinig vor ihnen und beschattet die Augen mit einer Hand. Sogar die vorlaute Laura Ann ist mit offenem Mund wie angewurzelt stehengeblieben.
 1. Nämlich Girl Happy (https://www.youtube.com/watch?v=gF2RoToSNmM) – das tatsächlich erst nach 1960 erschien, aber so schön in die Szene passte ;-)
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 17.07.2017, 18:52:08
Ricks Verteidigung wird von Ayleen zunächst ignoriert, ebenso Lauras Verhalten. Nur einmal noch provoziert er ein Stehenbleiben mit herumwirbelnden Kopf und schmalen, funkelnden Augen. Dann geht sie aber weiter und schnaubt leise: "Mein erster..." und reibt sich verräterisch übers Gesicht. Eine Aussage Eddys lässt sie dann doch zögern: "Wie funktioniert das mit der Erinnerung?" Doch sie wird von Donner und Beben teilweise übertönt. Sie sieht sich um und fixiert die Staubwolke, ohne in Unruhe oder Hektik auszubrechen. Stattdessen entspannen sich ihre Gesichtzüge, lassen sogar etwas wie Freude erahnen. "Büffel! Eine ganze Herde. Welch majestätischer Anblick - und wie schade, dass sie bei uns ausgerottet worden sind." Sie versucht abzuschätzen, wohin die Gruppe sich bewegen müsste, um nicht in die Zugrichtung der Herde zu geraten. Wenn sie sich richtig erinnerte, mussten sie ansonsten nur ein möglichst großes und ruhiges Objekt darstellen, um nicht als Gefahr wahrgenommen zu werden - sprich: ruhig beieinander stehen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 21.07.2017, 05:49:20
Ricky übersieht absichtlich Ayleens weitere Reaktion auf seine Neckerei.

Er erwärmt sich jetzt auch mehr für das Gespräch mit Eddy.
"Wiedergeburt? Nicht wie Menschen?
Willst du sagen, meine Eltern sind nicht meine Eltern?
Und wer ist eigentlich dieser Goibniu, den du ständig erwähnst? Irgendwer von hier?"
Ricky sieht gerade beim Thema Eltern echt besorgt aus.
Aber dann bemerkt auch er das sich nähernde Beben.
"Ja, Rinder! Vielleicht können wir die Viehtreiber fragen, ob sie was von Tifanny gesehen oder gehört haben."
Schon will er sich in Richtung der Herde auf den Weg machen.
"Hoffentlich ist das keine Stampede."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 21.07.2017, 13:57:47
Ayleen hat das Gefühl, dass einzig Laura Ann mitbekommen hat, wie sie sich die Wange gerieben hat. Der Blick der Satyrin enthält aber nicht nur den Spott, den das Mädchen vielleicht schon erwartet hat – Laura Ann scheint ihr auch ein kaum merkliches, verständnisvolles Nicken zu schenken, und ihre meergrünen Augen strahlen dabei eine Wärme aus, die sie an ihrer Mitschülerin noch nie bemerkt hat. Eddy hingegen hat keine Augen mehr für die Szene, und ebenso wenig antwortet er auf ihre Frage. Der hünenhafte Troll hat nur zu Ricky gewandt gebrummt: "Phelps. Das ist sein wahrer Name: Goibniu[1]." Nun scheint er voll auf das fixiert, was sich ihnen da in majestätischer, aber auch bedrohlicher Größe nähert. "Schnell! Auf den Felsen dort!" brüllt er mit tiefer Stimme und übertönt gerade so das anschwellende Donnern unzähliger Hufe, das den Boden erzittern lässt.

Tatsächlich entdecken sie, mit den Blicken der Richtung seines Arms folgend, einen einsamen Findling, der knapp zwei Meter hoch aufragt. Im Schatten des Steinbrockens sprießen ein paar Büsche in die Höhe, der auf der entgegengesetzten Seite in die Höhe ragt wie eine Felsnase. Die Staubwolke nähert sich mit beängstigender Geschwindigkeit, und auch Ricky bemerkt jetzt mit Schrecken: Wenn sie noch die rettende Höhe erklimmen wollen, müssen sie schnell machen! Denn ganz gleich, ob dort hinter der Herde irgendwo Treiber sind oder nicht – diese Masse an mächtigen Leibern ist wie eine Naturgewalt, die nicht so einfach zu stoppen wäre. Laura Ann lässt sich das nun nicht mehr zweimal sagen: Mit einigen Sätzen ist das Mädchen bei dem Felsen und gewinnt seine Höhe mit zwei gewagten Sprüngen, die an eine Bergziege erinnern[2]. Eddy hingegen, der wohl zu massig wäre, als dass auf dem Felsen genug Platz für ihn bliebe[3], drückt sich an die Rückseite des Findlings, stemmt die Füße mit den schweren Stiefeln ein und winkt den beiden anderen Schülern, sich zu beeilen[4], bereit, sie zu stützen, falls es nötig wird[5].
 1. Aussprache: "govʴnʴu" → Wer sich vom Charakterhintergrund her mit europäischer Mythologie auskennt, kann Intelligence + Occult würfeln, bei Kenntnissen über keltische Mythologie sinkt die Schwierigkeit auf 5
 2. 2 Erfolge gegen 7
 3. Nur 1 Erfolg gegen 6
 4. An dieser Stelle bitte jeder einmal Dexterity (wahlweise Strength) + Athletics, um hochzukommen...
 5. ...und zwar dank Eddys Hilfe nur gegen Schwierigkeit 6. Bei Ricky wird ein Botch als 0 Erfolge gewertet, da er Satyr ist und damit Würfe auf Athletics nicht botchen kann.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 23.07.2017, 12:43:09
Ayleen rollt mit den Augen bei Rickys Fragen und beginnt hastig: "Goibniu ist Herr Phelps in der anderen Welt, das hat Eddy schon erzählt. Und das sind keine Rindviecher, sondern echte Büffel. Die leben wild in Herden und...Hey, bleib hier!" Gerade will sie den fortlaufenden Satyr aufhalten, da kommen schon die Worte des Trolls dazwischen. "Nicht nötig, wir müssen nur...", will sie ihn gerade korrigieren und wird etwas lauter, um das Hufdonnern zu übertönen, da sind auch schon alle unterwegs. Leicht verärgert schüttelt sie den Kopf und folgt den anderen zum Felsen. Sie findet geeignete Stellen zum Festhalten und kommt gut voran, mühelos ist es jedoch offensichtlich nicht. Den zur Hilfe angebotenen Arm Eddys quittiert sie nur  mit einem abschätzien Blick und besteht nonverbal darauf, alles alleine zu machen. Oben angekommen richtet sie ihre Kledung, Ausrüstung und Haare, stellt sich an einen Platz möglichst weit oben und entfernt von Ricky. Von dieser Warte beobachtet sie die Büffelherde und versnkt regelrecht in der Betrachtung.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 23.07.2017, 22:12:28
Auch Ricky wird schnell klar, daß sich ihnen hier vielleicht doch eine Gefahr nähert.
Und als die anderen sich auf den Weg zu dem einsam stehenden Felsen machen, wendet auch er seinen Lauf in diese Richtung.
Wow! Ich fühl mich großartig. Irgendwie macht die Bewegung doppelt Spaß., schießt es dem Jungen durch den Kopf, der sich sonst eher wenig für sportliche Betätigung interessiert hat.
Kurz nach  Laura Ann kommt er am Felsen an. Da er noch so richtig in Schwung ist, muß sich Eddy kurz ducken, als der Satyr mit einen großen Sprung über ihn hinweg setzt. Ricky entfährt ein lautes, lebensfrohes "Wooooohooooo!!", während er so über den Troll zu fliegen scheint. Kurz darauf muß er sich aber gleich wieder bremsen und hüpft ähnlich elegant wie Laura am Fels hinauf.[1] 
 1. 4 Erfolge gg. 7, da braucht er Eddys Hilfe ebenfalls nicht.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 24.07.2017, 16:25:09
Während Ayleen zwar nicht übermäßig elegant, doch mit sicheren Griffen den Felsen erklimmt, stellt Ricky erstaunt fest, wie schnell und kraftvoll ihn seine neuen, ungewohnten Beine vorankatapultieren. Sogar über Eddys turmhohe Gestalt trägt ihn der Schwung knapp hinweg, und seine Hufe schlagen kleine Splitter aus dem Findling, als er aufkommt. Ein Gefühl fast wie in einem Traum, in dem man fliegen kann...[1] Laura Ann, die seine artistische Einlage beobachtet hat, gibt einen bewundernden Pfiff durch die Zähne von sich, während Ayleen versucht, sich so weit von dem Satyr wie möglich auf ihrem Zufluchtsort niederzukauern – ein schwieriges Unterfangen, bietet doch der Fels den dreien gerade so Platz. Doch Laura Ann scheint nichts dagegen zu haben, dass sie damit in der Mitte zu liegen kommt, als sie sich flach an den Felsen pressen. Hinter ihnen stößt Eddy einen unterdrückten Fluch aus, reibt sich seinen mächtigen Schädel, den wohl ein Huf Rickys gestreift haben muss, und lehnt sich an die Rückseite des massiven Felsblocks.

Dann sind die Bisons heran und strömen wie eine Sturmflut links und rechts an der kleinen Felsinsel vorbei, die aus den riesigen Leibern mit den dicken Höckern herausragt wie aus einem wirklichen Gewässer. Eine scheinbar endlose Lawine dunkler, zotteliger Schemen schiebt sich voran, lässt die Erde ununterbrochen erbeben und wirbelt Staubmassen auf, die den vier Schülern Atem und Sicht nehmen. Laura Ann hustet wild herum, während Eddy den Kopf unter die Achsel schiebt und keuchend und grollend etwas von sich gibt, das über den Lärm der riesigen Herde hinweg wie Schimpfwörter klingt. Die Geräuschkulisse macht minutenlang jede Unterhaltung unmöglich, und erst als ihre Glieder in den unbequemen Positionen auf dem Felsen langsam steif zu werden beginnen, entdecken sie in der Flut der Tiere hier und da wieder erste Lücken, die größer und größer werden, bis sie schließlich nur noch einzelne Nachzügler sehen und noch einmal in eine tüchtige Staubwolke eingehüllt werden, die den Bisons folgt.

Dann, das Klingeln in den Ohren lässt nach, das Zittern der Erde schwächt sich ab, die Herde wird allmählich von einer dunklen Wand aus Leibern zu einem langgezogenen Strich am Horizont, ist es Laura Ann, die – wenig überraschend – als erste das Schweigen bricht: "Mann, so was hab' ich noch nie gesehen..!" hustet sie und reibt sich die tränenden Augen, um in trockenem Ton anzufügen: "Hoffentlich ist Tiffy denen nicht begegnet." Was nicht über ihren besorgten Tonfall und den offensichtlichen Eindruck hinwegtäuschen kann, den das Schauspiel auf sie gemacht hat. Selbst Eddys kantige Züge wirken nicht ganz so steinern und unerschütterlich wie noch einige Zeit zuvor, als er die Augen mit einer Hand beschattet und den Büffeln hinterher späht.
 1. Tatsächlich ist er für einen Moment sogar davon überzeugt, dass noch viel phantastischere Dinge denkbar wären - jedenfalls hier, wo immer das sein mag...
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 26.07.2017, 06:50:09
Angesichts der Staubwolke bleibt Ayleen lieber aufrecht stehen und balanciert den bebenden Felsen aus. Rickys akrobatische Einlage versucht sie zu ignorieren, soweit es geht. Nachdem die Herde vorbeigezogen ist, gibt sie sich einige Mühe, sich wieder herzurichten, den Staub aus der Kleidung zu klopfen und ihre Ausrüstung auf Vollständigkeit zu prüfen. Lauras Bewunderung für den Anblick teilt sie zwar, kann sich jedoch ein bissiges Kommentar nicht verkneifen: "Kein Wunder, das sowas unbekannt ist, wurden die Büffel doch bei uns alle gejagt und getötet durch eure Vorfahren - oder in deren Auftrag." Die Bitterkeit ist kaum zu überhören.

Die Indianderfee sieht sich um, ob sie Jäger oder überhaupt irgendwelche Verfolger wahrnehmen kann, bevor sie sich auf den Weg nach unten macht. Statt zu klettern rutscht und läuft sie balancierend über die rauen Oberflächen, ohne ihre stolz aufgerichtete Tänzerhaltung zu vernachlässigen. "Gehen wir weiter.", stellt sie mit Bestimmtheit in der Stimme fest.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 08.08.2017, 05:29:29
Ricky ist über die Masse an Tieren baff erstaunt. Trotz Staub und Vibration des Felsens schaut er immer wieder gebannt auf die Tierherde, die scheinbar endlos lange an ihnen vorbei rennt. Ihn überkommt ein Gefühl, als sollte er mit diesen mächtigen Büffeln über die Prärie laufen oder sie sogar reiten. Aber noch traut er sich das nicht. Vielleicht ein anderes Mal.

Als sich die Herde dann schließlich verzieht und sie wieder mit einander reden können, hüpft er vom Felsen hinunter.
"Tiffany ist bestimmt nichts passiert. Die würde den Bisons bestimmt auch ausgewichen sein.", versucht er alle zu beruhigen.
Als Ayleen dann aber ihre bissige Bemerkung fallen läßt, platz dem Jungen der Kragen. "Wie oft soll ich dir noch sagen, daß meine Eltern erst vor ein paar Jahren nach Amerika gekommen sind! Es waren wohl kaum meine Vorfahren, die deine geliebten Bisons erschossen haben!
Und warum machst du uns dafür verantwortlich, was irgendwelche Leute deinen Vorfahren angetan haben?! Wenn ich persönlich dir oder irgendwelchen anderen ein Unrecht angetan habe, dann kannst du mich dafür anklagen. Bis dahin solltest du vielleicht erst mal bei dir selbst Fehler suchen."
Auf einmal sieht Ricky gar nicht mehr so freundlich aus, als er jetzt mit gefletschten Zähnen in ihre Richtung starrt. Kurz ballt er noch die Fäuste, entspannt sich dann aber wieder. "Beeil dich lieber!", gibt der Satyr noch unwirsch von sich, bevor auch er losgeht, ohne dabei zunächst Rücksicht auf langsamere Begleiter zu nehmen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 08.08.2017, 14:19:42
Mit einem waghalsigen Sprung nimmt Laura Ann den Abstieg von dem Felsen in Angriff und kommt, dank ihrer Ziegenbeine, ohne große Probleme im Gras auf[1], wo sie sich noch einmal schüttelt wie ein nasser Pudel und mit einem sichtlichen Schauer der riesigen Herde nachblickt, die am Horizont langsam verschwindet. "Ich hoffe es" murmelt sie düster auf Rickys ermunternde Worte. "Tiffy kann ein echter Kumpel sein, aber sie war noch nie sonderlich mutig oder sportlich" erklärt das Satyrmädchen. Eddy ist derweil wieder hinter dem Findling hervorgetreten und klopft sich den Staub in großen Wolken aus seiner schweren Kleidung.

Als Ayleen und Ricky sich in die Haare geraten, sieht er mit einem Stirnrunzeln auf. Ein leises Grollen kommt aus seiner mächtigen Brust hoch, das lauter wird und sich schließlich in einem donnernden "RUHE! ALLE BEIDE!" Luft macht. Nachdem er einige Schritte auf die anderen zugemacht hat und sie so auf eindrucksvolle Weise überragt, knurrt er sichtlich gereizt: "Wir haben hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen – Tiffany hat kaum eine Chance, wenn wir sie nicht finden und zurückbringen. Also spart euch eure Streitereien auf, bis wir alle wieder zuhause sind!"
[2]

Laura Ann, die alle mit einem sehr losen Mundwerk kennen und die sonst selten etwas vernünftiges im Sinn hat, nickt nach kurzem Zögern und unterstützt den Troll: "Er hat recht: Wir müssen zusammenhalten. Wer weiß, was uns hier noch alles erwartet." Trotz ihrer Worte und eines vorsichtigen Blicks rundum zeigen sich aber im Moment weder Jäger, die den Bisons folgen würden, noch sonst jemand – sieht man von einigen Vögeln ab, die am Himmel kreisen. Sogar die wilden Tiere scheinen sich vor der Masse an zottigen Leibern vorerst in Sicherheit gebracht zu haben, und die Prärie liegt scheinbar verlassen vor ihnen.
 1. Ricky kommt nicht umhin, zu bemerken, dass sie unter ihrem kurzen Rock scheinbar nicht viel trägt – jedenfalls hat er unter dem flatternden Stoff im Augenblick ihres Sprungs für einen kurzen Moment neben einem sehr appetitlich gerundeten Hinterteil den Blick auf etwas, das verdächtig nach einem kurzen, haarigen Ziegenschwanz aussieht...
 2. Eddys Wurf auf Einschüchtern ergab einen Erfolg. D. h. vollkommen eingeschüchtert sind eure Charaktere nicht, aber so ganz ohne Wirkung ist die körperliche Präsenz des Trolls auch nicht – ihr dürft euch selbst überlegen, wie ihr darauf reagiert.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 09.08.2017, 17:36:40
Als Ayleen unten auf die anderen wartend von Ricky angefahren wird, werden ihre Augen schmaler und ihr ganzes Gesicht verzieht sich subtil in Richtung Ärger und Wut. Gerade will sie zu einer Antwort ansetzen, da brüllt Eddy dazwischen und versucht den aufflammenden Streit zu unterdrücken. So eindrucksvoll sein Erscheinen und Auftreten ist, ist Ayleen eine Menge Übles durch ihre Mitschüler gewohnt und hat ihre Selbstbescherrschung bis zur Selbstverleugnung trainiert. Sie erinnert sich wieder daran und gewinnt die Fassung zurück. Kurz wechseln sich Enttäuschung, Resignation und Bitterkeit in ihrer Miene ab - für aufmerksame Beobachter - bevor so etwas wie kalte Verachtung Platz findet. Sie schluckt ihre Worte herunter und bedenkt die Anwesenden mit diesem Blick, bevor sie sich abwendet und in dem ihr angenehmsten Wanderschritt die Reise wieder aufnimmt.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 15.08.2017, 06:40:08
Als Eddy aufbrüllt und sie anfährt, zuckt Ricky erschrocken zusammen und macht einen kurzen Satz von dem großen Troll weg. Faßt stolpert er, als er den Marsch wieder aufnimmt, kann sich aber gerade noch fangen.
Widerworte gibt er dem einschüchterndem Sportler nicht, grummelt aber leise weiter vor sich hin.
"Ich bin nicht der, der hier andere angreift."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 15.08.2017, 11:50:20
Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, brummt Eddy etwas Unverständliches und wendet sich, ähnlich wortkarg wie Ayleen, um weiter zu marschieren. Nur Laura Ann bleibt bei Ricky zurück und stößt ihm den Ellbogen leicht in die Seite. Dabei wispert sie: "Nimm's nicht so schwer... dem Großen geht's sicherlich um Tiffy. Außerdem müssen Jungs sich immer mächtig aufblasen." Bei den letzten Worten grinst sie frech und reicht dem Jungen ihre Hand. "Komm schon – sonst lassen uns die zwei beleidigten Leberwürste hier glatt stehen" meint das Mädchen leise und nickt nach vorn, wo die schlanke Gestalt Ayleens und Eddys mächtige schon einen gewissen Vorsprung haben – die eine durch ihre energischen Schritte, die andere durch die langen Beine.

Auf ihrem weiteren Marsch werden die vier begleitet von dem leisen Chor des Grases, durch das gelegentlich der Wind streicht, um es zum Klingen zu bringen. Die Sonne scheint hell auf sie und wärmt sie angenehm. Nach und nach kommt es ihnen so vor, als nehme das Gras einen tiefer grünen Ton an und würde saftiger, und schließlich fühlen sie, wie der Boden unter ihren Tritten zu federn beginnt: Es wird feuchter.

Tatsächlich sehen sie wenig später vor sich das glitzernde Band eines kleinen Flusses auftauchen, und Eddy, der wohl am weitesten schauen kann, meint unvermittelt: "Endlich! Jetzt müssten wir bald auf Zeichen einer Siedlung stoßen." Ganz sicher scheint er sich aber nicht zu sein, denn er hält nach allen Seiten Ausschau, bevor er wieder ausschreitet. Auf den ersten Blick sind keine offenkundigen Anzeichen von einer Siedlung zu entdecken
[1]. Laura Ann hat derweil im Gehen einen Strauß mit bunten Blumen gepflückt, die sich immer wieder im Gras finden, und eine davon in ihr Haar gesteckt. Sie wirkt im Gegensatz zu dem Troll recht sorglos und entspannt – offenbar genießt sie dieses Abenteuer in vollen Zügen.
 1. Wer möchte, kann Perception + Survival würfeln, Standardschwierigkeit.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 23.08.2017, 05:52:44
Der Satyr läßt sich widerstandslos mitziehen, ist er doch eh schon am Gehen.
"Ich nehm es nicht schwer.", gibt Ricky zurück. "Es ist eher so, daß ....daß Ayleen mir Leid tut. Sie wirkt so unnahbar, so einsam. Und das ist wahrscheinlich so, weil sie ... sie so denkt wie eben.
Sie verurteilt alle Nicht-Indianer deshalb, weil sie keine Indianer sind. Aber ist das nicht genau das, was ihren Vorfahren auch passiert ist? Eben nur andersrum.
Ich sag ja gar nicht, daß sie das, was vorgefallen ist, vergessen soll. Aber die Schuld soll sie denen geben, die das damals gemacht haben.
Ich bin vor ein paar Jahren auch noch in einem Land gewesen, wo die einen die anderen auf Grund ihrer Volkzugehörigkeit verfolgt haben.
Warum können wir nicht einfach alle in Frieden miteinander leben. Einander helfen, wenn es nötig ist.
Und warum können wir nicht einfach auch mal verzeihen?
Ayleen .... sollte erkennen, daß wir nicht das Böse sind. Daß wir ihre Freunde sein wollen. Daß wir sie so akzeptieren können, wie sie ist."
Ricky seufzt schwer.
Trotz des Sonnenscheins und der schönen Umgebung wirkt er niedergeschlagen und traurig.

Doch während des Marsches hellt sich sein Gemüt langsam wieder auf. Immer wieder pfeift er mit dem Gras und läßt seine Hände hindurchgleiten.
Und der weicher werdende Boden belebt seine Schritte. Ist es am Anfang nur das einfache Nachfedern werden seine Schritte dann und wann zu kurzen Sprüngen.
Als sie sich dann dem Fluß nähern, sagt er zu allen:" Wir sollten uns am Wasser etwas ausruhn. Und sehen, ob wir das Wasser trinken können. Ich bin ganz schön durstig."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 01.09.2017, 06:38:09
Auf dem Weg zum Fluss bleibt Ayleen still und marschiert erhobenen Hauptes. Sie lauscht den Worten der anderen, kommentiert aber nicht weiter, außer in Gedanken: "Habt ihr eigentlich eine Ahnung, was eure Separation von weißen und nichtweißen bedeutet? Was es heißt, die Mutter vor den eigenen Augen von selbsternannten Milizen erschossen zu sehen, nur um verurteilt zu werden für 'Unruhestiftung' und den eigenen Anwalt im Krankenhaus zu besuchen? Natürlich habt ihr und eure Eltern keinen Anteil daran, die Tatsache zu ignorieren, dass uns kaum die Luft zum Leben gelassen wird!" Eigentlich ist sie bald mehr verärgert über sich - wie hatte sie nur so viel von sich durchscheinen lassen können? Mit Verraten der Themen, zu denen sie ehrliche Emotionen hat und in denen sie anders als die dominierende Kultur denkt, macht sie sich unnötig angreifbar. Sie vermutet, dass die Veränderung und die Vielzahl neuer Informationen sie doch angestrengt hat. In Zukunft würde sie mehr darauf achten.

Die Indianerin ignoriert noch eine ganze Weile den Rest der Reisegesellschaft und wird daher durch ihre Begleiter kaum abgelenkt. Ihre Blicke schweifen umher und nehmen die grandiose Landschaft ebenso in sich auf wie die Rickys, bleiben aber, als man sich dem Fluss nähert, an einem Platz hängen, an dem das Gras niedergetreten scheint und sich nur unvollständig wieder aufgerichtet hat. Verschiedene weitere Anzeichen wie große, flache Steine nahe des Ufers und die generelle Gestalt der sanft ausgebuchteten Stelle mit ruhig fließendem Wasser lassen sie vermuten, dass hier ein idealer Platz ist, den sich traditionell lebende Indianerinnen wohl für das Waschen aussuchen würden. Und die Wäsche besorgt man immer flussabwärts von einer Siedlung.
Sie tritt hier- und dorthin und fixiert mit ihren Blicken ihre Funde, ohne sich herabzubeugen. Im Maximum schieben ihre Mokassins oder ihr Bogen etwas aus dem Weg. Unvermittelt bricht sie ab und verkündet: "In dieser Richtung liegt es." Ohne weiter auf die anderen zu achten, dreht sie flußaufwärts und nimmt den Fußmarsch wieder auf. Da sie jedoch immer noch erschöpft ist, verlangsamt sich ihr Schritt ein wenig.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 01.09.2017, 13:26:36
Während des geflüsterten Gesprächs mit Ricky kommt Laura Ann ihm immer näher, und irgendwann bemerkt er, dass sie Hand in Hand gehen. Die zwei Paare stark behaarter, muskulöser Beine streifen nebeneinander das dichte, hohe Gras beiseite, ihr Rock streift gelegentlich seine Knie, und die Haarmähne des Mädchens kitzelt seinen Arm. Tröstend streichelt sie über seinen Handrücken. Als er sie überrascht von der Seite her anschaut, dreht sie den Kopf zu ihm, lächelt – verschmitzt, herausfordernd – und wispert ihm zu: "Du hast recht. Wir sollten verzeihen und Freunde sein, das ist viel klüger. Make love not war[1]" kichert sie und entblößt dabei zwei Reihen strahlend weißer, kräftiger Zähne. Ihre Augen blitzen munter, während sie den Jungen neben sich mustert. Vorwitzig nimmt sie eine der Blumen, die sie gepflückt hat, und steckt sie ihm hinters Ohr. Dann grinst sie breit. Als sein Gang in ein Hüpfen überzugehen beginnt, tut sie es ihm gleich, und ihre Sprünge werden immer lebhafter[2] , als sie sich gegenseitig anspornen.

Eddy, der schweigsam und gleichmäßig mit seinen langen Schritten zwischen Ayleen an der Spitze der kleinen Gruppe und dem Satyrpärchen am Ende marschiert ist, hebt seinen Kopf mit den massiv wirkenden Hörnern, blickt sich prüfend um und nickt: "Ja, es ist sicher vernünftig, wenn wir etwas trinken. Und dann müssen wir sehen, ob wir Spuren von-" In diesem Moment hat das Indianermädchen schon seine Entdeckung gemacht und sich flussaufwärts gewandt. Stirnrunzelnd knurrt der Troll: "Verdammt noch mal... ich hab' keine Ahnung, woran sie das nun wieder gemerkt haben will! Kann sie nicht mal aufhören, die Beleidigte zu spielen, und uns sagen, was sie gesehen hat..?" Er kniet am Ufer nieder und schöpft mit seinen mächtigen Händen Wasser, trinkt und leckt sich über die Lippen. Das kristallklare Nass scheint ihn zu stärken, denn er wirkt energischer, als er sich wieder aufrichtet und brummt: "Na, wie auch immer... wahrscheinlich weiß sie schon, welche Richtung die richtige ist. Los, wir folgen ihr!" Und da sie bedeutend kleiner ist als der blauhäutige Hüne, hat er sie mit seinen großen Schritten bald wieder eingeholt. Kritisch betrachtet er sie, dann meint er, überraschend friedlich: "Du solltest auch einen Schluck trinken. Das Wasser ist irgendwie... verdammt erfrischend." Nach einem etwas zögerlichen Blick über die glitzernden Wellen nickt er bekräftigend.
 1. Ja, mir ist bewusst, dass dieser Spruch erst später geprägt wurde. Aber ich erlaube mir, in unserer Parallelrealität auch einige kleinere Anachronismen einzubauen, wo es mir sinnvoll für die Stimmung erscheint :-)
 2. Bitte an dieser Stelle einmal Glamour gegen eine Schwierigkeit würfeln, die ich bewusst nicht verrate.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 03.09.2017, 11:48:57
Wie sie so gemeinsam dahin sprangen, Laura Ann und er, hat Ricky gespürt, dass sich etwas in ihm aufbaute. Wie ein Welle, die größer und mächtiger wird, während sie auf das Ufer zurollt. Sie hielten sich an der Hand, und eine unsichtbare Kraft schien zwischen den beiden Satyrn, dem Jungen und dem Mädchen, zu fließen. Ihr hopsender Lauf, wie der unbekümmert spielender Kinder, wurde wilder, die Sprünge höher und immer höher. Laura Anns Haar flog ihr um die Schultern, ihr Rock flatterte bei jedem Sprung, und Ricky selbst spürte den Wind in seinem Haar, als sie zeitgleich die Gesichter einander zuwandten und sich anlächelten – keuchend, mit geröteten Gesichtern, wagemutig. Und mit einem Mal hatte er das sichere Gefühl, dass die Wolken, die über ihnen dahin ziehen, ihnen zuriefen: "Kommt! Kommt zu uns – wir warten auf euch!" Ja, er spürte irgendwie, dass sie es schaffen könnten, gemeinsam bis dort oben zu springen, zu fliegen, wie Peter Pan!

Er weiß selbst nicht, was geschehen ist, als sie irgendwann ausgepumpt und keuchend wieder beginnen, einfach hinter dem Indianermädchen und dem Troll her zu laufen. Ihre Begleiter scheinen nichts bemerkt zu haben. Doch er hat ein Gefühl des Verlusts, als er Laura Ann ins Gesicht sieht und sich erinnert, dass sie die Wolken nicht erreicht haben. Sie erwidert sein Lächeln, irgendwie entschuldigend – oder verlegen..? Es war wohl doch ein bisschen sehr kindisch, vom Fliegen zu träumen. Hier, in diesem eigenartigen Land, ist vieles wie in einem Traum, einem schönen Traum. Aber er weiß, dass er nicht träumt. Und fliegen kann man eben doch nur in Träumen. Es ist physikalisch unmöglich! Oder..? Sie wechseln kein Wort darüber und folgen Ayleen und Eddy schweigend, doch Ricky hat die eigenartige Empfindung, als ob das Satyrmädchen an seiner Seite mit diesem nachdenklichen Ausdruck, der Unterlippe zwischen den weiß schimmernden Zähnen, ebenfalls darüber nachdenkt, wieso es eigentlich unmöglich sein muss...
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 10.09.2017, 12:05:14
Als Ayleen hinter sich die verärgerten Worte Eddys hört, bleibt sie stehen und zieht die Luft scharf ein, um sich zu fangen und die verkrampften Hände wieder zu öffnen. Mit einem Seufzen dreht sie sich um und erklärt: "Dies ist ein Waschplatz und als solcher logischerweise flussabwärts vom Dorf gelegen." Dann zieht sie einen Lederbeutel aus ihrer Tasche, öffnet ihn und lässt ihn an einer Lederschnur ins Wasser gleiten. Nachdem er sich durch die seichte Strömung vollgesogen hat, zieht sie ihn wieder hoch, lässt ihn abtropfen und setzt ihn erst dann an die Lippen. So trinkt sie in kleinen Schlucken, ohne sich nass oder dreckig zu machen, und hängt sich den geschlossenen Beutel mit einem Rest an Flüssigkeit im Inneren wieder um. Prüfend schaut sie sich um, ob die anderen zumindest im Ansatz erkennen lassen, dass sie folgen würden, dann dreht sie sich wieder flussaufwärts und geht weiter.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 16.09.2017, 01:09:12
Während Ricky Hand in Hand mit Laura Ann durch die Prärie wandelt, ist er von seinen eigenen Gefühlen ein wenig überrascht. Irgendwie wirkt Laura Ann hier in ihrer verwandelten Form nicht mehr so unnahbar wie in der Schule. Irgendwie scheint sie bodenständiger, auch wenn sie nichts von ihrer kessen Art eingebüßt hat.
Nicht nur sein Herz schlägt schneller als sie sich Sprung um Sprung voranbewegen, auch an anderen Stellen regt sich was. Und so schaut er nicht nur wegen des verloren Gefühls des Fliegens beschämt zu Boden, als sie am Fluß angekommen sind.
Mit einem entschuldigenden Blick löst er landsam seine Hand aus Laura Anns und tut es Eddy nach. Er schöpft aus dem Fluß und nimmt einen tiefen Schluck. Das kühle Naß des Wassers wirkt auch auf ihn belebend. Und bevor er richtig weiß, was er tut, macht er schon einige schnelle Schritte ins Wasser. Es ist ein seltsames Gefühl, denn er hat ja jetzt Hufe statt Füssen. Doch das Gefühl des fliessenden Wasser um seine Beine ist vertraut. Spotan beugt er sich nach vorn und läßt seinen Kopf vom Fluß umspülen. Als er ihn wieder erhebt, schüttelt er ihn wie ein begossener Pudel, so daß die Tropfen um ihn herum wegspritzen.
"DAS tut so gut!"
Er grinst in Richtung Troll und Satyrmädchen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 16.09.2017, 14:51:18
Auch Laura Ann, die erhitzt, aber putzmunter wirkt, nimmt einige Hände voll von dem kühlen Nass. Jeder der vier Gefährten spürt es, kaum dass die Flüssigkeit die Kehle hinab rinnt: Dieses Wasser ist irgendwie anders als alles, was sie bisher in ihrem Leben getrunken haben! So wie alles in dieser Welt farbiger, schöner, ja, beinahe realer und mit mehr Substanz erfüllt zu sein scheint als in der gewohnten, ist auch dieses Wasser – so lächerlich sich das für die Ohren ihrer Lehrer in Gatsburg bestimmt anhören würde – einfach kühler als kühles Wasser, klarer als klares Wasser. Und... nein, dieser Gedanke ist nun wirklich bizarr... aber auf schwer zu beschreibende Weise ist es sogar nasser.

Sicher – es ist Wasser, und es schmeckt eigentlich auch nicht anders. Aber trotzdem ist da dieses Gefühl, unglaublich erfrischt zu sein, nachdem sie davon gekostet haben... nicht unbedingt im körperlichen Sinn allein. Es ist wie ein Windhauch, der schwere Wolken vertreibt, die sich um ihre Köpfe gesammelt hatten. Die Ideen fließen rascher, leichter dahin, die Lust an dieser Welt, an den Eindrücken, die sie den Sinnen vermittelt, lebt auf. Jeder einzelne der Internatsschüler hat den Eindruck, gerade jetzt in der richtigen Stimmung zu sein, um, je nach der persönlichen Neigung, ein Lied zu komponieren, ein Bild zu malen, einen Tanz vorzuführen, ein Gedicht zu verfassen!
[1] Das Singen des Grases in der Ebene – es ist kein zufälliges Spiel des Windes, kein bloßes Naturphänomen. Es hat eine Melodie, es lebt, natürlich! Wieso ist ihnen das zuvor noch nicht aufgefallen?!

Und jetzt, wo sie alle in dieser Stimmung sind, verwundert es auch niemanden, als sich vor ihnen eine kleine Landzunge zeigt, die in eine Schleife des Flusses eingebettet liegt, tiefer als die umliegenden, flachen Hügel und darum erst aus der Nähe zu entdecken. Es überrascht sie nicht, eine ganze Anzahl von Wickiups
[2] zu entdecken, zwischen denen sich mehrere Feuerstellen, Gestelle zum Trocknen von Fischen und Pferche mit Kleintieren finden. Auch menschenähnliche Gestalten kann man sehen, die sich gemächlich zwischen den Behausungen bewegen. Schwach dringt das Weinen eines kleinen Kindes an ihre Ohren, das bald vom Gesang einer Frauenstimme abgelöst wird, bei dem sie tiefen inneren Frieden empfinden...
 1. Wären wir schon so weit im Spiel, dass das regeltechnisch eingeführt wäre, würde jeder einen ausgegebenen Punkt Glamour zurück erhalten
 2. Zu Wickiups und Wigwams siehe hier (https://de.wikipedia.org/wiki/Wigwam_und_Wickiup).
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 20.09.2017, 04:54:20
Ricky taucht noch mal ins Wasser ein. Ihm ist egal, daß dabei seine komplette Kleidung nass wird. Schließlich ist gutes Wetter, also sollte sie schnell trocknen, da er eh nicht viel an hat.
Und wieder schüttelt er sich die Haare aus dem Gesicht und nimmt noch einen Schluck.
Dabei läßt er den Blick über die Landschaft streifen und entdeckt das kleine Dorf in der Nähe.
Ohne weitere Worte stapft er wieder in Richtung Flußufer, um dann Ayleen zu folgen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 21.09.2017, 07:05:51
Ayleen genießt das Wasser und die Atmosphäre still, während sie weiter geht. Als das Dorf in Sicht kommt, verlangsamt sie ihre Schritte noch weiter, bis sie fast steht. Neugierig und glücklich studiert sie den Ort. Sie vergleicht ihn mit dem, was ihr über die Vergangenheit ihrer Stämme berichtet worden ist und rekapituliert, was ihr über Kultur und diplomatisches Verhalten gelernt hat.[1] Sie ringt mit sich, ob sie den anderen noch etwas einschärft, entscheidet sich aber dagegen. Zum Einen hatte Eddy ihr in dieser Hinsicht auch nicht helfen können oder wollen, zum anderen war sie nicht sicher, ob das, was sie in ihrer Welt als Vergangenheit gelehrt bekommen hatte, hier wirklich richtig ist. "Matriarchalische Strukturen und die Trennung in Rote - Krieger - und Weiße - Priester -, bin gespannt, ob das hier noch erhalten ist, es soll bei uns ja schon vor der Ankunft der Europäer teilweise abgelöst worden sein. Ich wäre wohl eine Weiße, was Reisen eigentlich selten macht." Ihre Schritte werden schneller und sie kommt bis auf wenige Metter an die erste Behausung oder Person heran, bevor sie stehenbleibt und respektvoll wartet, bemerkt und angesprochen zu werden.
 1. Ich würde mich unter anderem hieran (http://www.powwows.com/native-american-home-etiquette/) orientieren.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 21.09.2017, 11:56:27
Auch Eddy und Laura Ann sind stehengeblieben, als vor ihnen die Landzunge auftaucht. Das Satyrmädchen deutet zu dem kleinen Indianerdorf hinunter und meint: "Da, schaut mal: Ist das nicht komisch? Die scheinen überhaupt gar keine Pferde zu haben. Ich dachte immer, Indianer halten sich eine Unmenge von Mustangs." Sie sieht sich fragend zu den anderen um, denen es leicht erklärlich scheint, woher die kesse Schülerin ihre Kenntnisse hat: Laura Ann hat sich ziemlich oft unerlaubt entfernt, wie man das im Internat nennt, und mehr als einmal hat sie nachher damit geprahlt, wie sie sich von einem jugendlichen Galan ins Kino hat führen lassen, wo Westernfilme nach wie vor zum festen Programm gehören. Da man in dem alten Schuppen, den Phelps in Gatsburg betreibt, kaum neuere Streifen zu sehen bekommt, hat Laura Ann wahrscheinlich lauter uralte Schinken gesehen, in denen die Roten für gewöhnlich als schrill schreiende Angreifer auftreten, die in riesigen Mengen im Kreis um ein Fort herumreiten, aus dem eine kleine Menge von Verteidigern in Blauröcken schießt, bis sie fast im Pulverdampf verschwinden.

Eddy runzelt die ohnehin schon gefurchte Stirn und meint trocken: "Ich würde im Buch nachsehen, das weiß eigentlich zu allem etwas. Aber ich glaube, dafür ist es schon zu spät..." Denn noch ehe Ayleen wirklich nahe an die ersten der Grashütten herangekommen ist, sind die vier entdeckt worden. Es kommt Bewegung in die Bewohner des Dorfes: Man sieht Frauen in einfachen Kleidern eine ganze Horde von Kindern einsammeln und eilig in die Wickiups befördern, während eine Anzahl von Männern sich sammelt und der kleinen Gruppe entgegengeht. Sie scheinen eher zögerlich und wirken nicht gerade übermäßig kriegerisch, haben sich aber mit Speeren bewaffnet.

Es mögen etwa zwei Dutzend Männer sein, die ihnen langsam entgegentreten und sie aufmerksam mustern. Sie sind, wie ihre Frauen, recht einfach gekleidet, doch beim Näherkommen sehen die vier Wanderer, dass ihre Kleidung kunstfertig mit Stickereien und seltsam in der Sonne schillernden Aufsätzen verziert ist. Sie zeigen einen hohen, eher schlanken Körperbau, langes, dichtes Haar, das die Schultern in schweren Strähnen umfließt, und auffällig große, glänzende Augen
[1]. Nun, da sie vor ihnen stehengeblieben sind, entsteht ein gespanntes Schweigen, während man sich gegenseitig einzuschätzen versucht.

Die Blicke der großen Augen richten sich vor allem auf Eddy, der, das schwere Buch unter dem linken Arm, die Rechte auf dem Griff seiner Waffe ruhend, seine Begleiter deutlich überragt. Die beiden Mädchen scheinen die Männer als ungefährlich anzusehen, trotz des Bogens, den Ayleen trägt. Auch Ricky wirkt offenbar in ihren Augen nicht sehr bedrohlich. Der riesige Blauhäutige dagegen wird mit deutlichem Misstrauen gemustert. Auch wirken diese Dorfbewohner trotz ihrer relativen Gelassenheit nicht gerade sehr freundlich. Eher... argwöhnisch. Entgegen Ayleens Hoffnung macht keiner von ihnen Anstalten, das Wort zu ergreifen. Hinter ihnen sind mittlerweile alle Kinder von der Bildfläche verschwunden. Von den Frauen zeigt sich gelegentlich ein Kopf, der aus einer der Hütten hervorspäht.
 1. Bitte einen Wurf auf Perception + Occult von jedem, Standardschwierigkeit
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 27.09.2017, 21:56:42
Auch Ricky ist nicht bereit, die ersten Worte zu sprechen.
Ayleen hat sich bisher hervorgetan, die Anführerin zu geben. Und sie weiß bestimmt auch am Besten, wie man diesen Ureinwohner-Feenwesen gegenübertritt.
Das sie so aussehen, als wären sie mit dem Fluß verbunden verbunden, überrascht den Jungen nur bedingt.
Schließlich hatte er Ziegenfüße und Hörner. Wie kann er da andere verurteilen, die ähnliche Merkmale vorweisen.
Allerdings achtet Ricky auch darauf, möglichst keine schnellen oder bedrohlichen Bewegungen zu machen.
Er hebt lediglich langsam seine offenen Hände, um zu zeigen, daß er Nichts zu verbergen hat.
Nur mühsam kann er sich ein "Wir kommen in Frieden." verkneifen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 04.10.2017, 20:55:00
Lauras Kommentar vernimmt Ayleen zwar, macht sich aber nicht die Mühe, darauf zu reagieren. Eddys Worte jedoch ringen ihr einige Mühe ab, nicht aus der Haut zu fahren. Sie hatte ihn mehrfach explizit um solche Informationen gebeten, auch ausdrücklich mit Hinblick auf das Buch und da er ihr nie geantwortet hatte, ist sie davon ausgegangen, dass es dazu nichts gibt. Und nun stellt er es so dar, als würde sie überstürzt handeln. War sie denn nur von Leuten umgeben, die... Sie ruft sich innerlich zur Ordnung und wartet mit gebührendem Abstand, ob die Dorfbewohner noch auf ihren Sprecher warten.

Doch es bleibt still, bis Ricky beginnt. Ayleen schürzt die Lippen und tritt vor. Sie hält den Blick zur Gruppe und erkennt bei näherem Hinsehen deren schillerndes Äußeres. "Wohl nicht von meiner Art.", denkt sie und greift, um sicher zu gehen, neben dem indianischen Dialekt auch auf Zeichensprache zurück. "Ich grüße euch, Brüder. Bitte seid nicht alarmiert, wir sind friedliche Wanderer. Ich bin eine Anitsiskwa, diese hier sind meine Mitreisenden. Uns eint die Suche nach einer Freundin, die vom Wege abgekommen ist. Vielleicht könntet ihr uns helfen?" Parallel dazu kreuzt sie zunächst die Arme vor der Brust mit geschlossenen Fäusten, neigt sich kurz vor, dann streckt sie sie von sich mit nach unten geöffneter flacher Hand. Respekt, Frieden und Zurückhaltung sollen die Zeichen zeigen. Mit einer ausholenden Geste weist sie auf die drei anderen und deutet über das Abzählen von Fingern das Fehlen der fünften Person.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 05.10.2017, 12:54:30
Einer der Männer, dessen Haar mit Streifen eines in der Sonne schillernden Materials durchflochten ist, tritt vor und sieht an dem Troll hinauf. Dass sich Ayleen als erste zu Wort meldet, scheint ihn zu irritieren[1]. Doch nach kurzem Zögern wendet er sich dem Indianermädchen zu, legt die zur Faust geballte Rechte auf sein Herz, führt sie dann zum Mund und streckt sie ihr schließlich entgegen, wobei er die Hand öffnet, mit der Handfläche nach oben. Dieses einfache Zeichen ist für sie nicht schwer zu verstehen: Der Mann will ihr bedeuten, dass er sein Herz auf der Zunge tragen, also ehrlich sein wird. Dann erwidert er mit einer überraschend hellen Stimme im Kituwah-Dialekt der Cherokee-Sprache: "Willkommen bei den yunwi amai'yine'hi[2] Wenn ihr den Frieden mit euch bringt, sollt ihr an unseren Feuern sitzen. Doch ein fremdes Weib sahen wir nicht."

Sein Blick wandert wieder über den Rest der Gruppe, ehe er sich erkundigt: "Wer ist der große Krieger mit der Haut von der Farbe des Wassers?" Einige seiner Begleiter sind inzwischen näher gekommen. Für sie ist das Palaver anscheinend das Zeichen, dass nicht unmittelbar mit Gefahr zu rechnen ist. Mehrere strecken recht unbefangen die Hände aus, um Haut und Kleidung von Ayleen, Ricky und Laura Ann zu befühlen – was zumindest die Schülerin mit einem "Hey, das kitzelt..!" kommentiert. Es scheint sie aber keiner der Männer zu verstehen. Dafür bricht ihr Gekicher anscheinend weiter das Eis: Die Dörfler beginnen zu lachen und sich um Laura Ann zu sammeln, die die Aufmerksamkeit offenbar nicht allzu unangenehm findet. Sogar einige der Frauen in den Hütten werden mutiger und strecken die Köpfe heraus. Einzig von Eddy halten die Männer respektvollen Abstand. Er sieht sich unbehaglich um und hält das Buch wie einen kostbaren Schatz an den Leib gedrückt. "Was hat er gesagt?" fragt er Ayleen.
 1. Ricky hat tatsächlich nichts gesagt. Es lag ihm nur auf der Zunge.
 2. Was Ayleen grob als "Leute im Wasser" oder "Wasserleute" übersetzen kann.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 10.10.2017, 07:14:27
Ayleen ist erleichtert, dass ihr Gegenüber ihre Sprache versteht. Auch wenn ihr sein Dialekt nicht geläufig ist, reicht es - mit ein wenig Unterstützung von Händen und Füßen - sich zu verständigen. Sie nickt und dankt, um deutlich zu machen, dass sie verstanden hat. Seine Frage beantwortet sie vorsichtig in Cherokee mit den Worten: "Er ist ein Troll von einem der Stämme jenseits des großen Meeres. Alle meine Mitreisenden sind unserer Zunge nicht mächtig, daher werde ich für sie übersetzen müssen.", erklärt sie ergänzend.

Die Griffe nach ihrer Ausrüstung und Kleidung lässt sie zwar über sich ergehen, versucht ihre Dinge aber deutlich im Blick zu behalten. Zu tief sitzt in ihr die Erfahrung mit ihren Mitschülern aus der anderen Welt. Immerhin sagt sie Ricky und Laura: "Keine Sorge, es ist nur Neugier. Sie bleiben respektvoll, solange wir dies auch sind." Dann wendet sie sich Eddy zu, um ihm zu antworten: "Ich habe sie begrüßt und mein Wort für unsere friedvollen Absichten eingelegt. Die Frage, ob sie eine fremde Frau gesehen haben, verneinten sie. Er heißt uns in seinem Lager willkommen - sie nennen sich 'Leute des Wassers' - und fragt, wer du bist."

Zum Redner des Stammes gewandt sagt sie: "Wir können euren Feuern leider nichts außer Geschichten hinzufügen, da wir in Eile aufgebrochen sind. Sind noch welche von euch unterwegs, die unsere Freundin gesehen haben könnten und könntet ihr uns andere Stämme nennen, an die wir uns wenden könnten?"
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 18.10.2017, 11:25:02
Ricky verseht kein Wort von der Unterhaltung. Aber das macht ihm auch nicht viel aus, solange keiner eine Waffe auf ihn richtet.
Als die Indianer um ihn herum schwirren, lächelt er nur und läßt sie gewähren, während er weiter die Arme oben hält. Er achtet nur darauf, daß ihm seine silberne Flöte nicht abgenommen wird.
Um aber nicht ganz untätig zu bleiben, deutet er von oben mit einem Finger auf sich hinab und wiederholt seinen Namen. "Ricky. Ricky. ....", bis vllt einer der Leute es aufnimmt.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 18.10.2017, 19:48:50
Den Blick, den Ayleens Gegenüber Eddy zuwirft, kann man nicht als ablehnend oder gar feindselig bezeichnen – doch es liegt eine gewisse Reserviertheit darin, wie sie auch die übrigen Männer zeigen. Noch immer halten sie einzig von dem Troll einen respektvollen Abstand. In der Zwischenzeit sind auch einige der Frauen durch die niedrigen Ausgänge der Hütten wieder hervorgekrochen und nähern sich langsam, einige mit Kindern auf den Armen, andere mit deren gleich mehreren am Rockzipfel. Alle wirken allmählich eher neugierig auf die Fremden, die da in ihr Dorf gekommen sind.

Laura Ann scheint schon mit mehreren der Männer Freundschaft geschlossen zu haben: Das Satyrmädchen scherzt bereits und ruft lautes Gelächter hervor, auch wenn ihre Zuhörer wohl kein Wort verstehen. Doch Laura Ann, die schon in jener anderen Welt die frechste im ganzen Internat war, versteht sich offenbar wunderbar auf Gesten, die einem jeden eingängig sind. Eddy dagegen spürt offenkundig die Distanz und steht ein wenig verloren am Rande der ganzen Versammlung.

Ricky steckt in einem Haufen durcheinander plappernder Indianer und scheint fast ebenso reges Interesse hervorzurufen wie Laura Ann. Viele deuten abwechselnd auf die beiden und wiederholen immer wieder ein Wort, das in etwa klingt wie "
u-ga-so-tsa-ne-da" – oder so ähnlich. Einer grinst ihm ins Gesicht, macht einige Versuche, die sich wie "ieh-kih" anhören, und deutet mit dem Zeigefingern zwei Hörner an. Einige der Frauen scheinen sich ebenfalls für ihn zu interessieren und kommen allmählich näher.

Der Sprecher der
yunwi amai'yine'hi übersetzt Ayleens Worte für seine Leute und wendet sich dann wieder an sie: "Geschichten sind gut. Kommt an unsere Feuer und singt uns eure Geschichten und wir singen unsre. So werden wir alle weiser." Er weist auf eine freie Fläche etwas abseits der Hütten, wo eine besonders große, im Moment erloschene Feuerstelle zu erkennen ist. Schließlich meint er noch: "Viele Stämme wohnen auf der Ebene-die-singt, aber nicht alle sind unsre Freunde. Männer von uns sind auf dem Fluss, zum Fischen. Vielleicht wissen sie mehr. Sie werden wieder hier sein, wenn die Sonne mit der Erde Hochzeit feiert." Mit einigen Worten winkt er seine Leute in Richtung der Feuerstelle. Sie versuchen Ayleen und die beiden Satyrn mit sich zu ziehen. Eddy erhält nach einigem Zögern immerhin einladende Winke.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 24.10.2017, 20:42:24
Das Indianermädchen nickt und wendet sich an ihre Gruppe: "Sie sind bereit, uns als Gäste aufzunehmen. Am Abend werden ihre Fischer zurückkehren, vielleicht haben die etwas Hilfreiches beobachten können. Bis dahin können wir an ihren Feuern bleiben und Geschichten austauschen." Sie folgt der Einladung und setzt sich an den Platz, der ihr an der Feuerstelle zugewiesen wird. Dabei passt sie ihr Tempo an Eddy an und achtet darauf, dass er nicht zu weit von ihr getrennt wird.

An den Sprecher gewendet erklärt Ayleen: "Vielen Dank für eure freundliche Aufnahme, eure Hilfe und eure Großzügigkeit, auch wenn wir diese nur so gering erwidern können. Gibt es eine bestimmte Frage, mit deren Antwort und Geschichte ich eure Weisheit bereichern kann?" Sie bemüht tatsächlich ein schwaches Lächeln auf ihre Lippen, auch wenn sie noch zwischen Ärger über sich wegen des Streits mit der Gruppe, Spannung ob der ungewöhnlichen Situation und Freude über die Reise in den ewigen Jagdgründen hin- und hergerissen ist.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 27.10.2017, 03:29:07
Anscheinend versteht der Indianer nicht so ganz, was Ricky ihm sagen will. Also versucht er es erneut.
Auf die Geste des Mannes geht er ein, indem er selbst seine Hörner mit den Fingern nachstellt.
"Saaatüüür, Saaatüüür.", versucht er es langsam. Dann legt er die Hände über seinem Herzen zusammen: "Rrrrriiiicky, Rrrrrriiiiicky." Dies wiederholt er einige Male, bis er den Eindruck hat, der andere versteht, was er sagen möchte.
Als dann aber die Frauen näher kommen, richtet sich seine Aufmerksamkeit auf diese. Sein Lächeln wird noch breiter und entblöst die spitzen Zähne, was dem Jungen aber gar nicht bewußt ist.
Als Ayleen von der Einladung erzählt, widersetzt er sich den Leuten nicht, die ihn zur Feuerstelle ziehen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 27.10.2017, 15:06:10
Nach einigen weiteren, mehr oder minder erfolgreichen Versuchen, sich gegenseitig per Zeichensprache zu verständigen, führen die Dorfbewohner die kleine Gruppe zu dem erwähnten Platz. Dort beginnt sich nach kurzer Zeit offenbar alles zu versammeln, was Beine hat – inklusive einiger langbeiniger Hunde mit sehr intelligenten Augen, die wie aus dem Nichts zwischen den Hütten hervor kommen und mit heftig wedelnden Ruten schauen, ob sich von den Neuankömmlingen etwas fressbares oder doch zumindest einige Streicheleinheiten ergattern lassen. Die yunwi amai'yine'hi verlieren zusehends ihre Scheu, und schließlich haben sich alle eingefunden, Frauen, Kinder und Alte eingeschlossen.

Zuletzt humpelt eine alte Frau in einem mit aufwendigen Stickereien verzierten Kleid zu der Feuerstelle. Ihr Gesicht und ihre Hände wirken so runzlig und ausgemergelt, dass man meinen könnte, eine Mumie vor sich zu haben – doch ihr weißes Haar ist dicht und wächst ihr in langen Flechten bis zur Hüfte, als sei sie ein junges Mädchen. Auch ihre Augen, zwei meergrünen Perlen gleich, blicken scharf und aufmerksam, als sie die vier Wanderer begutachtet. Schließlich hebt sie die Hände zum Himmel, hält in feierlichem Ton eine kurze Rede, um dann von einem zum anderen zu gehen und jeden kurz an ihre welke Brust zu ziehen. Selbst Eddy, dessen wuchtige, muskulöse Gestalt die hutzlige Alte um fast zwei Haupteslängen überragt, lässt es ohne nachzudenken geschehen, dass sie dies tut und ihm anschließend eine dürre Hand auf Stirn und Herz legt.

Ayleen fällt in diesem Moment ein, dass es bei vielen indianischen Völkern Sitte ist, den Männern die Herrschaft über alles zuzusprechen, das sich außerhalb des Dorfes und des eigenen Grundes befindet – sie jagen, fischen, reiten Pferde zu, treiben Handel mit anderen Stämmen oder führen Krieg gegen sie. Die Frauen dagegen sind Herrinnen über das, was das Heim des eigenen Stammes ausmacht: die Herdfeuer, die Hütten und die Felder, auf denen sie arbeiten und die in weiblicher Linie vererbt werden. Damit wird die Begrüßung durch die Alte verständlich: Erst wenn die Besucher im Namen der Frauen auf deren Grund und Boden willkommen geheißen sind, sind sie wirklich Gäste des Stammes. Das Mädchen kann seinen Gefährten die weitschweifige, rituelle Begrüßung in einer komprimierten Form sehr schnell übersetzen: Die alte Frau gewährt ihnen Gastfreundschaft auf dem Boden ihres Volkes, was heißt, dass sie für die Dauer ihres Aufenthalts wie die eigenen Leute behandelt werden. Dafür erwarten die
yunwi amai'yine'hi, dass die Gäste im Gegenzug denken und fühlen sollen, als seien sie auch solche.

Nachdem die Begrüßung abgeschlossen ist, wird ein großes Feuer entfacht, um das sich alle im Kreis niederlassen. Der Sprecher holt wiederum weit aus (und die Wanderer merken schon, dass die roten Leute offenbar gern und viel palavern). Während seiner Vorrede haben einige andere Männer einfache Instrumente geholt: Trommeln, Flöten und eine Art von Rasseln aus Leder. "Fremde, die ihr für heute zu uns gehört" wendet er sich dann in gemessenem Ton an die Vier
[1] "Ihr sitzt heute an unserem Feuer, und wie es die Sitte aller klugen Leute ist, wollen wir voneinander lernen. Wir wollen Lieder singen, in denen wir lernen, was ihr wisst, und ihr lernt, was wir wissen." An Ayleen gewandt, fügt er lächelnd hinzu: "Welche Lieder ihr uns singen werdet, das müsst ihr selbst entscheiden. Eure Wahl wird uns auch etwas über euch sagen." Alles hört ihm sichtlich gespannt und voller Vorfreude zu, als er darauf den Kopf zurücklegt, tief Luft holt und dann beginnt, eine sehr langsame Melodie mit tiefer Stimme zu intonieren. Die Männer mit den Instrumenten fallen nach und nach ein, und die übrigen Dorfbewohner holen kleine, sehr glatte Steine hervor – wohl aus dem Fluss – um sie im Takt der Musik leise gegeneinander klappern zu lassen.

Noch haben die Lippen des Sängers kein einziges Wort geformt, aber jeder der vier Gefährten kann spüren, wie Melodie und Rhythmus von ihnen Besitz zu ergreifen beginnen: rund um sie wippen alle im Takt mit den Füßen, nicken oder summen mit, ja, selbst die Hunde scheinen die Magie der Musik zu spüren und starren mit großen, glänzenden Auge in die Mitte des Kreises, wo sich sogar die Flammen des großen Feuers wie Tänzer zu wiegen scheinen. Es ist, als würden alle Herzen in diesem Takt schlagen – keine feindselige, gewaltsame Übernahme des eigenen Körpers durch einen fremden Willen. Eher... ein Einswerden mit allen, mit allem rund um sie herum. Laura Ann blickt den Sänger gebannt an. Sie wiegt sich zu der Melodie und hat ein leicht entrücktes Lächeln auf den Lippen, wie sie es in jener anderen, graueren Welt wohl nur ein einziges Mal hatte – das war an jenem Tag, an dem die Mädchentoilette des Internats von einem seltsamen, süßlichen Geruch erfüllt gewesen war und der Lehrkörper in einer ungewohnt hektischen Aktion die Räume aller Schüler durchsucht hatte, ohne Ergebnis... Eddy nickt vor sich hin, eine Hand auf dem kostbaren Buch liegend, die andere, zur Faust geballt, den Takt auf dem Boden mit dumpfen Geräuschen untermalend.
 1. Hierbei spricht er so langsam, dass Ayleen problemlos übersetzen kann.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 03.11.2017, 06:07:22
Die um Aufmerksamkeit bettelnden Hunde werden von Ayleen nicht weiter beachtet, der Auftritt der alten Frau sorgt allerdings dafür, dass sie sich erhebt und aufmerksam-gespannt wirkt. Nach der Rede lässt sie die Gesten und Berührungen zu, während sie gleichzeitig erklärt, dass das Lager in der Zuständigkeit der Frauen liegt und was es mit diesem zusätzlichen Willkommen auf sich hat. Anschließend bedankt sie sich im Namen aller höflich und respektvoll bei der alten Dame. Sie fühlt sich sehr an ihre eigene Großmutter erinnert.

Die Rede des Stammessprechers übersetzt sie dann schon simultan, solange es dessen Redefluss nicht stört beziehungsweise ihn nicht übertönt. Wieder hingesetzt antwortet sie mit einem elaborierten Dank, bevor sie sich mit Beginn der Musik sichtlich entspannt. Nach wenigen Takten kann man sie sogar mitsummen hören, bis sie später, kaum dass sie mit der Melodie vertraut ist, sogar mitsingt. Sie hält sich dezent zurück, gerade auch weil sie dem Text lauschen möchte, doch dringt ihre hellere Stimme auch ohne Worte durch den Chor und die Instrumente.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 08.11.2017, 05:40:48
Ricky beschließt, sich eher bei den hübschen, jungen Damen des Dorfes niederzulassen.
Der Auftritt der älteren Frau lenkt ihn aber doch von seiner Gesellschaft ab. Ihrer außergewöhnlichen Präsenz ist nicht zu entkommen. Und so läßt er sie auch gewähren, als sie ihn an ihre Brust zieht. Grad hebt er die Arme, um sie ebenfalls zu umarmen, als sie auch schon wieder losläßt.

Die Übersetzungen von Ayleen bekommt er nur am Rand mit, schließlich widmet er sich gleich wieder den Frauen um sich, als die Alte ihn willkommen geheißen hat.
Nur kurz überkommt ihn ein Gedanke: Hatten Ayleen und Eddy nicht vor kurzem noch so auf Eile gedrängt? Und jetzt saßen sie hier gemütlich am Feuer und warteten auf irgendwelche Heimkehrer des Dorfes. Sollten sie nicht lieber selbst weitersuchen und später hierher zurückkommen?
Aber Ayleen und Eddy hatten mit ihrem Verhalten klar gemacht, daß sie hier die Anführer sind.
Also beschließt er, die Zeit zu nutzen und sich mit den Einheimischen gut zu stellen.

Als dann auf einmal Musik ertönt, nimmt diese die Aufmerksamkeit des jungen Satyrs gefangen.
Schnell wippt auch er im Takt mit und sein Gedächtnis speichert die Melodie, so das auch er nach kurzer Zeit mitsummt.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 08.11.2017, 13:56:40
Ganz wie Ricky beobachtet hat, scheinen sowohl das Satyrmädchen als auch der Troll ihre Sorge um die vermisste Tiffany vergessen zu haben – oder doch für den Moment verdrängt. Der Rhythmus beginnt bald alle vier Reisenden zu erfassen. Immer mehr haben sie das Gefühl, eins mit den anderen am Feuer zu sein, deren Herzen alle im selben Takt zu schlagen scheinen. Stimmen summen die Melodie und wachsen mit dem Spiel der Flötenspieler und Trommler zu einem Ganzen zusammen, das sie regelrecht berauscht. Erinnerungen an das Ewigkeitskonzert[1] werden wach. Das Hier und Jetzt scheint mit dem zu verschwimmen, was zuvor Wirklichkeit war. Wo sind sie? Am Konservatorium? In Gatsburg? Oder doch auf der Singenden Ebene?  Das Grau in Grau ihres bisherigen Lebens,  die bunten, so viel lebendigeren Farben an den Feuern der yunwi amai'yine'hi – fließen in einem Kaleidoskop ineinander. Dann wird ihnen plötzlich klar, dass sie eine Stimme hören. Eine Stimme, die eine Geschichte erzählt, und seltsamerweise muss Ayleen nicht mehr übersetzen, was sie hören, denn es ist, als sähen sie die Bilder vor sich. Nein, als erlebten sie selbst jene Geschichte, von der der Sänger berichtet...

Am Anfang war das Land weit und eben. Der große Geist hatte Menschen und Tiere geschaffen, die es bevölkerten, Bäume und Gras, er hatte Sonne, Sterne und Mond an den Himmel geworfen, die Berge auf festen Grund gesetzt und das Feuer hervorgebracht. Viele schöne und nützliche Dinge hatte er seinen Kindern geschenkt. Da geschah es eines Tages, dass ein armer Jäger namens amaneh yuwi'int'wa auf der Suche nach Büffeln durch die Ebene wanderte. Doch als es Abend geworden war, hatte er noch keine Beute gefunden. Müde und traurig kehrte er zurück, wo sein leeres, dunkles Zelt auf ihn wartete. Doch auf einmal hörte er hinter einem Busch eine wunderschöne Stimme, die sang. Er ging dem Gesang nach und fand ein Weib, das dort saß. Ohne Kleidung, ohne Schuhe oder Schmuck, nur von seinem langen, seidigen Haar umflossen, gefiel es amaneh yuwi'int'wa sehr. Er nahm das Weib mit sich und führte es heim in sein Zelt.

Es war fleißig und schön, und mit ihm kehrten Freude und Wohlstand in das Heim des Jägers ein. Von jeder Jagd kehrte er nun mit reichlicher Beute heim, und bald schon war er der reichste Mann im Dorf. Alle Männer, die ihn zuvor ausgelacht hatten, wollten nun seine Freunde sein, und die Weiber liefen ihm nach, wohin immer er sich wandte. Das Weib aber, mit dem das Glück bei ihm eingezogen war, nannte er weyla'cha, das ist Glückskind. Unter ihren Fingern gedieh alles auf den Feldern, war fruchtbar und mehrte ihren Wohlstand weiter. Endlich wurde offenbar, dass auch weyla'cha selbst ein Kind erwartete. Als es geboren wurde, war es ein Junge von so außergewöhnlicher Schönheit, dass ihn alle um seinen Sohn beneideten. Amaneh yuwi'int'wa, der sich sehr freute, opferte dem großen Geist und nannte den Jungen amaneh aso'nanu'ka. Lange Zeit lebten er, sein Weib und beider Sohn glücklich und zufrieden.

Doch amaneh yuwi'int'wa stieg sein Glück zu Kopf. Er wurde stolz und hochmütig, und schließlich beleidigte er die Sonne, indem er sagte, sein Sohn überstrahle ihren Glanz noch. Da hielt die Sonne ihren Lauf über den Himmel an und begann unbarmherzig ihre sengenden Strahlen auf die Menschen und ihr Dorf herab zu senden. Es fiel kein Tropfen Regen mehr, die Pflanzen verdorrten und die Tiere blieben aus. Die Menschen hungerten. Viele gaben nun amaneh yuwi'int'wa die Schuld, der in seiner Verblendung die Sonne beleidigt hatte. Doch amaneh aso'nanu'ka nahm seinen Speer und versprach, er würde die Sonne mit einem Opfer wieder besänftigen. So zog er los gen Sonnenaufgang, um die Himmelsleiter zu finden, auf der die Sonne jeden Morgen hinauf klettert. Viele Tage warteten die Menschen und hofften. Da schließlich sahen sie, dass die Sonne besänftigt war, denn sie zog von diesem Tag an wieder ihre Bahn, wie sie es ehedem getan hatte.

amaneh aso'nanu'ka aber wurde nicht mehr gesehen. amaneh yuwi'int'wa war sehr traurig. weyla'cha ging hinaus in die Ebene, wo er sie gefunden hatte. Dort setzte sie sich hin und begann über ihren verlorenen Sohn zu klagen. Sie weinte drei Tage und drei Nächte lang, ehe ihr Mann zu ihr ging und sie inständig bat, doch wieder heim zu ihm zu kommen. Er versuchte sie damit zu trösten, dass sie doch noch viele Söhne miteinander haben könnten. Da lachte weyla'cha bitter und sagte ihm, dass er ein Narr war. Denn sie war aus der gütigen Erde selbst hervorgekrochen, die Mitleid mit ihm gehabt hatte. Die Frucht ihres Schoßes aber hatte alle die Gaben enthalten, welche die Erde ihren Kindern zu geben imstande ist. Nun hatte sich amaneh aso'nanu'ka geopfert, um die Menschen vor dem Tod zu retten. Als amaneh yuwi'int'wa begriff, was er getan hatte, weinte auch er bitterlich. Da hatte die gütige Erde Mitleid mit ihm und barg ihn mit seinem Weib in ihrem Schoß. Die Tränen beider aber wurden zur Urmutter aller Wässer, die durch das Land fließen. Ihnen, und damit den Tränen der Erdkinder, sind die yunwi amai'yine'hi entsprungen.

Damit endet der Gesang. Als die vier aus der traumartigen Trance aufwachen, ist alles um sie herum still, bis auf der Knistern der Flammen. Sie fühlen eine eigenartige Leichtigkeit in ihren Herzen
[2].
 1. Siehe hier (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=8638.msg1007501#msg1007501).
 2. Bitte beide mal Glamour gegen 5 würfeln.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 05.12.2017, 00:56:03
Ricky hat das Gefühl, mehr gesehen zu haben als nur die Geschichte, die die Indianer ihnen vorgesungen haben.
Immer wieder sind kurze Szenen in seinem Geist aufgetaucht, die ihn in einem mittelalterlich gestalteten Hofstaat gezeigt haben. Alles war durchsetzt mit anderen andersartigen Gestalten, vobei er Satyre, Elfen, Gnome und inzwischen auch Trolle durchaus erkannt hat. Musik und Gelächter ertönten. Es roch nach Blumen und saftigem Braten.

Die ganze Situation überfordert ihn zunehmend.
Ist er ein jugendlicher Musikschüler an der Gatsburgh Academy?
Oder dieser merkwürdige Satyr, dessen früheres Leben er gerade gesehen hat?
Und wie paßt das Alles zu dem indianischen Umfeld, in dem er sich gerade befindet?
Auch wenn ihm nach der Musik das Herz leicht ist, wird ihm der Kopf schwerer und er läßt ihn sinken.
Doch dann, mit einem Ruck, der durch seinen Körper geht, hebt er den Kopf, schiebt die Gedanken beiseite und lächelt in die Runde.
Neugierig schaut er sich um, ob von ihm etwas Bestimmtes erwartet wird und wie sich die anderen Anwesenden verhalten.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 08.12.2017, 06:18:18
Ayleen genießt den Aufenthalt und das gemeinsame Singen so sehr wie wenig anderes in ihrem bisherigen Leben. Es ist so perfekt wie ihre Großmutter ihr vor, nach und während der Unterrichtsstunden und Seancen erzählt hat. Mit der Geschichte, die besungen wird, verschwinden die Erinnerungen an das Internat immer weiter. Der Inhalt der Geschichte wird lebendig, auch wenn sie mehr mit der Frau mitfühlt als dem Jäger. Parallel hört sie die Stimme ihrer Großmutter - leise und schleppend, wie in Trance sprechend. Was sie sagt, versteht Ayleen nicht, doch es macht ihr komischerweise nichts aus. Irgendwie weiß sie es doch. Es geht um die Regeln der Gemeinschaft, sowohl mit den Stämmen, als auch den Tieren und der Natur. Lächelnd und entspannt lässt sie auch nach den letzten Tönen des Liedes dessen Wirkung für eine Weile ungestört sich entfalten.

Bevor die Stille jedoch unangenehm drückende Züge annimmt, steht sie auf, nickt in die Runde und bedankt sich für diese eindrucksvolle Erfahrung. Ihre Antwort ist höflich, angemessen und nicht lang. Sie macht sich weder die Mühe, es zu übersetzen, noch explizit im Namen der anderen zu danken. Ausschließen tut sie es aber auch nicht.

Anschließend tritt sie noch näher ans Feuer und weiter in die Mitte der Runde. Ohne Rücksicht auf die anderen Fremdlinge benutzt sie weiter die Sprache der Cherokee und kündigt an, von den Weisheiten zu erzählen, die die Vögel ihrem Volk mitteilen können. Sie wartet, bis die Stille nur vom knisternden Feuer und Tierrufen durchbrochen wird, und beginnt, aufrecht, mit geschlossenen Augen, inbrünstig zu singen. Ihre Stimme füllt schnell den Platz, obwohl sie eigentlich alleine singt. Noch singt sie ohne Worte, der Klang suggeriert bereits etwas umfassendes, respekteinflößendes, Mächtiges, aber auch nicht böswilliges. Unbewusst greift Ayleen auf ihr Feenerbe zurück[1]. Mit Höherschrauben der Stimme hebt auch die dargestellte Kraft ab, beginnt zu fliegen und von oben herabzuschauen.

Schließlich beginnt die jugendliche Indianerin, ihren Gesang mit Worten zu füllen. Sie erzählt von Donner-Blitz, dem Donnervogel, und dem Adler. Es wird gesagt, dass der Donner und der Adler enge Freunde sind. Vor langer Zeit sprach Donner mit allen wilden Kreaturen - allen, die fliegen, und allen auf vier Beinen - und zum Adler sagte er: 'Ich ernenne dich zum Herrscher. Du musst ein Treffen mit allen wilden Kreaturen veranstalten und du musst auf all ihre Wünsche Antworten. Wenn du entscheidest, wie sie sein sollten, mache sie entsprechend. Du musst sie fragen, was sie sein wollen.', sprach Donner. Also berief der Adler ein Treffen. Alle Arten von Vögeln kamen. Nachdem sie eingetroffen waren, begann das Treffen. Er fragte sie alle, was sie zu tun imstande sein wollten.
Die Wachtel, die sehr selbstsüchtig war, wann immer sie nach etwas gefragt wurde, stand sofort auf und stellte sich neben den Adler. 'Kannst du mir nicht die Kraft geben, dass wenn ein Mensch mich fliegen sieht, er sofort vor Angst stirbt?', fragte die Wachtel den Adler. 'Nein', sagte der Adler. 'Du bist absolut zu klein. Ich kann dir diese Art von Kraft nicht geben. Aber ich kann soweit gehen: Ich kann dich fliegen lassen, und wenn ein Mensch dich fliegen hört, wird er sich ängstigen.', sagte der Adler zur Wachtel. Die Wachtel antwortete: 'Alles klar.' Das ist der Grund, warum wir, wenn wir eine fliegen hören, erschreckt werden, weil sie so ein surrendes Geräusch macht. Das ist alle Kraft, die ihr erlaubt wurde.
Als nächstes kam die Diamantschildkröte, die auf der Erde kriecht. 'Ich würde gerne in der Lage sein, ein Gift zu produzieren, dass Menschen töten kann. Gewähre mir diese Kraft.', sprach sie zum Adler. 'Nein', antwortete der Adler, 'Du bist viel zu langsam und klein.' Donner und der Adler berieten sich. (Donner war der Herrscher über die ganze Welt und den Himmel. Deswegen hat er seinen Freund zum Herrscher über die Erde ernannt.)
Woran ich mich beim Wirken des Adlers besonders erinnere ist die Kraft, die er der Meise gab. Ihr war die Kraft gewährt worden so etwas wie eine Wahrsagerin bei den Menschen zu sein, da sie dorthin konnte, wo die Menschen waren, und sie diese im Voraus informieren konnte, wenn sie Gäste bekommen würden. Dies konnte getan werden, indem sie in einen Baum in ihrer Nähe flog und ein fröhliches Lied anstimmte. 'Könntest du mir diese Kraft geben?', fragte die Meise. Also wurde sie ihr gegeben. Deswegen sagen wir, wenn wir eine Meise in einen Baum fliegen sehen, 'Die Meise teilt uns mit, dass jemand kommt.' Dies is die Kraft, die ihr gegeben wurde, sagen wir.
Dann trat der Rotkardinal, der wunderschöne Singvogel, auf: 'Lass die Menschen mir vertrauen. Ich möchte fröhliche Lieder singen, wenn es bald regnen wird.' Also wurde ihm diese Kraft gewährt. Deswegen glauben die Alten meiner Stämme, dass es regnen wird, wenn sie diesen Vogel oben auf einem Baum singen sehen. Das ist die ganze Kraft, die ihm gegeben worden war.
Der Würger trat vor und sagte: 'Alles, was ich sein möchte, ist ein Experte darin, zum Tanz zu rufen.' Und so wurde ihm diese Kraft verliehen.
Es erzählten die Menschen vor langer Zeit: Der Adler war der Herr der Erde, aber Donner war der Herr des ganzen Universums, und sie traten zusammen, um zu entscheiden, ob all die von ihnen verliehenen Kräfte gut waren. So erzählen uns unsere Vorfahren.
Mit den letzten Worten verstummt auch Ayleen. Wie von ihr gewohnt, hatte auch ihre Gesangsstimme die Präzision und Perfektion von Stimmgabeln, aber immerhin klang es diesmal nicht so gefühllos wie sonst. Eher im Gegenteil, sie senkt ihren Kopf und eine leichte Rötung der spitzen Ohren ist zu erkennen in der folgenden Stille.
 1. Protocol vs. Fae with 4 successes
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 08.12.2017, 12:45:50
Bereitwillig macht der Sänger Platz für Ayleen. Ricky, der sich verstohlen umsieht, bemerkt auf den Gesichtern seiner Zuhörer einen entspannten Ausdruck stillen Glücksempfindens, ein beinahe kindlich wirkendes Lächeln hier und da – niemand scheint übermäßig ernst, obwohl die Stimmung doch würdevoll und ergreifend ist. Und wie sie dem Sänger zugehört haben, schenken sie auch dem Mädchen ihre Aufmerksamkeit, als es in die Mitte des Kreises tritt. Die alte Frau hat mehrmals zu Ayleens Worten genickt, langsam, mit einer Bewegung, die auf den ersten Blick schläfrig wirkte. Doch ihre Augen, wie glitzernde schwarze Spiegel in dem uralten, runzligen Gesicht, spiegeln die Flammen wieder und sehen hellwach aus. Mit einem Winken holt sie einen der umsitzenden Männer herbei, ehe Ayleen beginnen kann, und flüstert ihm etwas zu. Daraufhin eilt er aus dem Kreis und kehrt kurze Zeit darauf mit einem ledernen Bündel zurück, das er vor der Greisin ablegt. Die alte Frau winkt Ayleen zu sich und schnürt das Bündel auf. Darin erkennen die vier Gefährten die Felle diverser Tiere, einige kleinere, schwer erkennbare Gegenstände aus Holz, Federn und Knochen sowie etwas, das die Alte vorsichtig hervorzieht.

"Das ist das Springender-Lachs-Medizinbündel" erklärt sie Ayleen mit einer leisen, zittrigen Stimme. "Es wurde vor langer Zeit meinen Großmüttern übergeben
[1]. Sein Zauber ist stark." Dann erhebt sie sich ächzend und setzt dem Mädchen eine Art Krone oder Haube auf den Kopf, die aus weichem Leder gefertigt und mit vielen kleinen Muscheln besetzt ist. Die Muscheln bilden einfache Wellenmuster – es müssen unzählige sein, denn sie sind winzig. Über die Mitte der Haube verläuft ein leicht gezackter Kamm, der an die Rückenflosse eines Fischs erinnert. Ricky scheint es, als seien die Blicke der Dorfbewohner ehrfurchtsvoll, als sich Ayleen mit der Haube auf dem Kopf wieder aufrichtet.

Dann lauschen alle ihrem Vortrag, begleitet von den Trommlern, die ein feines Gespür für den rechten Rhythmus beweisen, welcher ihre Worte zu tragen und regelrecht zu verstärken scheint. Ayleens Geschichte gefällt den yunwi amai'yine'hi offenbar, denn nachdem sie geendet hat, ist es nur kurze Zeit still. Dann hebt der Vorsänger einen Arm. Wie auf ein geheimes Kommando springen alle auf und beginnen umherzutanzen. Die Trommler bearbeiten die gespannten Tierhäute wilder als zuvor, Flöten und Rasseln klingen lauter, Männer und Frauen tanzen gemeinsam
[2]. Paare finden sich und bewegen sich dicht beieinander, imitieren die Bewegungen von Tieren, springen ausgelassen im Kreis, stoßen jauchzende Schreie aus. Schon sehr bald ist Laura Ann inmitten der Tänzer zu entdecken. Das Satyrmädchen gebärdet sich wilder und zügelloser noch als ihre Gastgeber – ihr Tanzen wirkt voller Lebensfreude, aber auch in einer Weise lasziv, die zumindest männlichen Zuschauern fast quälend wird. Alles scheint in einem Rausch von purer Freude und Verbundenheit mit dem Rundherum. Nur die alte Frau, mit einem feinen Lächeln auf den faltigen Lippen, sitzt an ihrem Platz und nickt vor sich hin.

Eddy, der zwar auch ergriffen scheint, jedoch offenbar Hemmungen hat, sich dem Tanz anzuschließen, meint nachdenklich zu Ayleen: "Du scheinst sie ziemlich beeindruckt zu haben..." Der Vorsänger, der ebenfalls in der Masse der ausgelassenen Tänzer umherwirbelt, macht Ayleen einladende Zeichen.
 1. Ayleen erinnert sich bei diesen Worten daran, dass viele Indianer Verwandtschaftsbeziehungen anders definieren als die Weißen. Großmutter können alle älteren Frauen genannt werden, die auch nur weitläufig verwandt oder demselben Stamm zugehörig sind. Medizinbündel werden von speziell dazu initiierten Menschen aufbewahrt. Es gibt reine Männer- und Frauenbündel, die doch allermeisten werden von Mann und Frau gemeinsam gehütet, bis sie die Pflicht an ein anderes Paar abgeben
 2. Was, wie Ayleen weiß, nicht bei allzu vielen Tänzen der Fall ist – meist tanzen nur die Männer, und die Frauen singen dazu. Dies Tanz scheint nicht mehr ganz so formell zu sein – offenbar hat jetzt begonnen, was Weiße den geselligen Teil nennen würden.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 18.12.2017, 23:19:43
Auch Ricky springt kurz nach den anderen auf und beginnt zu tanzen. Er versucht, sich von der Lebensfreude, die die Indianer ausstrahlen, mitreissen zu lassen.
Doch irgendwie ist er noch in seinen Gedanken, in den Erinnerungen über sein anderes Leben gefangen und kann nicht loslassen.
Er bemerkt kaum die um ihn herumspringen und jauchzenden Tänzer. Immer noch kann er diese Eindrücke nicht einordnen, sieht Dinge, die für sein junges Gemüt und seine wohlerzogende Vergangenheit unverständlich, ja anstösig sind.
Es fällt ihm schwer all dies in Einklang zu bringen.
Schließlich werden seine Bewegungen langsamer und er wird widerstandslos mehr und mehr aus dem Kreis der Tänzer gedrängt, bis er allein am Rande steht.
Dort fällt er, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend, auf die Knie.
Was ist real?
Wer ist er?
All die Fragen von eben, brechen wieder über den Jungen ein.
Er kann nicht anders als auf einmal in Tränen auszubrechen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 02.01.2018, 13:23:55
Bei der Entgegennahme des Medizinbündels und auch mit der Krone wirkt die Feenelfe stets elegant und wie in ihrer natürlichen Umgebung. Irgendwie steht ihr die Mystik. Mit formvollendeten Worten und Gesten dankt sie und betont, dass sie das Geschenk bewahren und mehren wird, so wie sie auch die Erinnerung bewahren wird.

Bis zu der Aufforderung betrachtet Ayleen die Feier nur vom Rand aus und nickt zu Eddys Worten, dann schimmert doch ein wenig Unsicherheit durch. Sie nimmt die Einladung zunächst mit einem Knicks und einem Lächeln an, dann bewegt sie sich mit der Musik. Da ihr Gegenüber keine Anstalten macht, die förmlichen Tanzschritte der klassischen Schule anzuwenden, sondern sie eher antanzt, beginnt sie, wieder Abstand von ihm zu gewinnen. Stattdessen beginnt sie, den Rhythmus über mehrere Schritte langsamer zu interpretieren, und für sich selbst zu tanzen. Sie schließt die Augen und scheint sich im Tanz zu verlieren. Auch wenn sie dem Rhythmus folgt, so tanzt sie bald nicht mehr mit irgendjemandem, sondern allein oder für nicht sichtbare Geister. Es hat eher etwas von einer Präsentation und Interpretation eines Schamanentanzes in Extase, als von einer Anpassung an die wilde, ausgelassene Feier.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 07.01.2018, 14:44:15
So tanzen die beiden Schüler, jeder für sich, mit ihren Gedanken und Empfindungen wie kleine Schiffchen auf einer wildbewegten See inmitten der feiernden, ekstatisch springenden yunwi amai'yine'hi. Ayleen verliert sich zusehends in sich selbst, Visionen jagen einander vor ihrem inneren Auge. Die bunte, so viel lebhaftere und intensivere Welt der Singenden Ebene um sie erwacht zu einem Leben, das sie an Dinge erinnert, welche lange vor ihrer Geburt stattgefunden haben müssen. Die wilden Wogen glätten sich zusehend, und sie fühlt sich von der sanften, aber kraftvollen Macht des Stroms vorangetragen in andere Zeiten, andere Leben..

Ricky dagegen, in einem ähnlichen Strudel von Szenen, Fragmenten, kurzen Bruchstücken längst vergangener Dinge, beginnt sich instinktiv gegen das zu wehren, das da auf ihn einprasselt. Statt ruhiger und gleichmäßiger zu fließen, werden die Wogen um ihn immer höher aufgepeitscht, machen ihm Angst vor dem, das sich ihm da präsentiert. Ständig schwankt er hin und her zwischen einer wilden, kraftvollen Bejahung all dessen, einer geradezu entschlossenen Lüsternheit, mit der er den warmen Puls eines echteren Lebens genießt als jenes in der grauen Welt des Internats, und dem Zurückschrecken vor solchen Gedanken, das ihm anerzogen ist und all diese Dinge sündhaft, primitiv, roh und falsch erscheinen lässt. Endlich scheint es ihm, als stritten zwei verschiedene Persönlichkeiten in ihm, die eigentlich zusammengehören – und doch wieder nicht. Er bricht zusammen.

Um ihn herum geht der wilde Tanz weiter, jauchzen und springen Männer und Frauen, als sei die Welt um sie nicht mehr vorhanden. Der Junge kommt sich vor wie ein Vogel, der mit gebrochenen Flügeln am Boden sitzt und zusehen muss, wie der Schwarm unbeeindruckt weiter seine majestätischen Kreise am Himmel zieht, unerreichbar fern... Da plötzlich berührt ihn eine Hand sanft an der Schulter. Er hebt den Blick und erkennt Laura Ann. Ihre kleinen, niedlich wirkenden Hörner scheinen hell im Licht des Feuers auf, während ihre glänzende Lockenpracht wie eine seidene Flut über ihre Schultern fällt. Ihre großen, ausdrucksvollen Augen schimmern. Sie kniet neben dem Jungen. Als einzige scheint sie seinen Zusammenbruch bemerkt zu haben
[1]. Wortlos zieht sie ihn mit einem Mal in ihre Arme und drückt ihn an sich.
 1. Ayleen kann allerdings einen Wurf auf Perception + Empathy machen, wenn sie sich aus dem tranceartigen Tanzfieber lösen möchte.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 08.01.2018, 18:43:19
So bleibt denn die Feen/Elfen/Indianerin nahe beim Feuer und tanzt für sich, die Augen gechlossen und den Mund zu einem leichten Lächeln verzogen, der Welt entrückt. Sie passt hierher und auch wieder nicht. Sie ist größer, schlanker und bewegt sich eher wie eine Pflanze im Wind. Die anderen Tänzer bilden eine fließende, sprudelnde Masse um sie und das Feuer herum. So wird sie Teil der Szene und steht doch für sich.

In ihrem Inneren verfolgt sie träge, aber gespannt die Erinnerungen, Bilder unf Eindrücke, die auf sie einwirken. Irgendwie versteht sie immer mehr von dem, was ihre Großmutter ihr zu vermitteln versucht hatte, und doch wusste sie es auch schon selbst immer. Es schlummerte nur. Wieviel mehr lag da noch verborgen in ihrem Erbe? Sie war zu betäubt, um nachzubohren oder zu -fassen, sie ließ alles vorüberziehen und nahm nur dass, was kam.

Etwas kam ihr wieder in den Sinn, und sie hielt es fest, um es später umzusetzen: Als kleines Mädchen lernte sie, verschiedene Vogelrufe mit einfachen Mitteln nachzuahmen. Sie würde es als Gegengeschenk für den Beutel an den Stamm geben! Das war wenigstens im Ansatz angemessen und gab eine Erinnerung an ihren Besuch mit.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 22.01.2018, 05:56:19
Ohne groß nachzudenken umschlingt der Junge krampfhaft den warmen, weichen Körper des Mädchens.
Es muß schmerzhaft für sie sein, aber dies nimmt Ricky nicht wahr.
Er ist gefangen in einem Kaleidoskop aus grellen Farben und einer schrillen Kakophonie. Die Eindrücke werden immer verwaschener, während sie durch seinen Geist huschen.
Er gibt sich einfach der Verzweiflung hin, nicht zu verstehen, wohin er gehört, und die Tränen fließen und fließen.
Für ihn gibt es kein Jetzt, kein Hier. Kein Ort oder keine Zeit zu der er sich gehörig fühlt.
Das Einzige, das ihn noch vor dem Wahnsinn rettet, ist der Anker, an den er sich klammert.
Noch einmal umgreifft er den Leib von Laura-Ann und drückt seinen Kopf an ihre Schulter.

Irgendwann ....
Später...
Ricky hat keine Kraft mehr. Seine fast krallenartig verkrümmten Hände entspannen sich. Die Tränen sind aufgebraucht. Seine Kopf schmerzt.
Langsam wird ihm klar, daß sich etwas verändert hat.
Die grellen Farben, die schrillen Töne....
Sie sind weg.
Das Karusell der Eindrücke wird langsamer.
Es zeigt nun ruhigere Bilder.
Landschaften in immer noch leuchten Farben und unterlegt mit klaren Tönen. Aber keine wilden Feiern, geschweige denn Orgien.
Szenen von Gemeinschaft, von Reisen.
Und dann trauriger, düsterer.
Geschlagene Schlachten mit Freunden gegen Drachen und Monster.
Gefallene Gefährten und ihre Beisetzung.
Und auch wenn ihn diese Erinnerungen in eine entsprechende Stimmung versetzen, sind sie bei weitem nicht so weit von seinem Sein als Jugendlicher an der Akademie entfernt, wie es die ersten, wilden Eingebungen waren.
Er wird sich wieder bewußt, wo er ist und wer ihn da in den Armen hält.
Vorsichtig schaut er auf und blickt mit seinen verquollenen, vom Weinen geröteten Augem direkt in die mitfühlenden Augen von Laura-Ann.
Ein leises, fast gehautes "Danke." dringt aus seiner vom Schluchzen wunden Kehle.
Er versucht, sich ein wenig aufzurichten, und streicht sich Tränen und Rotz mit dem Ärmel seines Hemdes aus dem Gesicht.
Dann noch einmal, diesmal etwas fester, aber immer noch rau: "Danke!"
Er drückt das Mädchen vorsichtig noch einmal an sich und schaut ihr dann wieder in die Augen.
Plötzlich beugt er sich vor und preßt kurz seine Lippen auf ihre.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 24.01.2018, 10:37:15
Für Ayleen ist es ihr Körper, der sie irgendwann wieder aus dem Reich der Erinnerungen – oder der Träume? – zurückbringt. Während um sie herum noch vereinzelte Tänzer singend ihre Kreise drehen, merklich schwerfälliger geworden, zieht es ihre bleischwer gewordenen müden Glieder immer mehr zu Boden. Dort sitzen oder liegen viele yunwi amai'yine'hi, die sich offenbar beim Tanzen ebenso verausgabt haben wie sie. Eine angenehme Trägheit beginnt von ihr Besitz zu ergreifen, als ihr ein hinzuspringender Mann unter die Arme greift und sie langsam ins Gras sinken lässt.

Während sie frische Luft in ihre Lungen pumpt und in den Himmel blickt, wo Wolken bizarre Formen bildend über sie hinwegwandern, hat sie das eigenartige Gefühl, gerade ein winziges Stück von etwas gefunden zu haben, von dem sie bislang nicht einmal wusste, dass sie danach suchte. Gesichter, vornehmlich von alten, weisen Männern und Frauen, stehen nun bunt und lebendig vor ihrem inneren Auge. Namen schwirren in ihrem Kopf umher, alte Märchen und Begebenheiten – hat sie sie selbst erlebt, oder wurde ihr davon erzählt? Ja, sie glaubt einen Moment lang, wirklich zu wissen, wer sie ist, während rund um sie die letzten Tänzer zu Boden taumeln und die Trommeln verstummen.

Laura Ann erwidert Rickys Umarmung und zieht ihn fest an sich. Ein leises Keuchen löst sich von ihren Lippen, als der Junge so fest zupackt, doch sie macht keine Anstalten, sich von ihm zu lösen. Stattdessen wiegt sie sich langsam mit ihm hin und her, streichelt ihn schweigend, wartet ab. Sie lächelt weich, als er sich bei ihr bedankt. "He, du hättest bestimmt dasselbe für mich getan" sagt sie leise. Sie sieht ihm zu, wie er sein Gesicht reinigt, erwidert seinen Blick – und scheint für einen Moment überrascht, als er sie unvermittelt küsst.

Kaum haben sich ihre Lippen wieder voneinander gelöst, sieht sie ihn an, öffnet den Mund leicht, findet aber offenbar keine Worte. Lange, seidige Wimpern bedecken ihre meergrünen Augen, als sie ihn anblinzelt. Ihre Hand fährt ganz leicht die Konturen seines Gesichts nach, die Stirn des Mädchens ist nachdenklich gerunzelt, als suchte sie in ihrem Gedächtnis nach etwas. Endlich lächelt sie ihn an, ungewöhnlich verlegen, und sagt nur: "Du bist schön... Ich habe einmal einen Jungen geliebt, der so schön war wie du. Vor langer Zeit..." Fast ein wenig erstaunt über sich selbst wirkt sie, als sich die Worte von ihren Lippen gelöst haben.

Es ist Eddy, der sowohl Ayleen als auch die beiden Satyrn wieder ganz in die – Wirklichkeit? – zurückholt: Mit einem lauten Ächzen tritt der riesige Troll zu ihnen und schüttelt seinen gehörnten Kopf. "Was für ein Erlebnis..!" grollt es aus seiner breiten Brust. "Ich habe es deutlich gesehen: Die Schlacht – ich war an der Seite des Prinzen und habe... habe... Es waren so viele Feinde, doch wir kämpften! Wir waren unüberwindlich! Es war ein glorreicher Tag..!" Kurz darauf scheint seine Stimmung umzuschlagen. "So viele Tote, so viel Leid..." murmelt er betrübt. "Aber das Tor... das Siegel... sie sind nicht umsonst gefallen!" Die letzten Worte brüllt er mit einer Donnerstimme gen Himmel, bei der selbst die erschöpften yunwi amai'yine'hi aufschauen. Dann blickt er sich verwirrt um, als komme er gerade erst zu sich. Als er alle Blicke auf sich gerichtet sieht, murmelt er nur noch geistesabwesend: "Ein glorreicher Tag. Es war ein glorreicher Tag..."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 31.01.2018, 04:52:03
Während die Trägheit sie umfängt, fühlt sich Ayleen ein weiteres Mal an die Seance mit ihrer Großmutter erinnert - auch dort haben die Dämpfe der Kräuter Körper und Wahrnehmung erschwert. Bei dem hilfreichen Griff der Männer ziehen sich ihre Augen zusammen und sie setzt schon zu Protest an, da wird sie schon in Ruhe gelassen. Sie entspannt und genießt es, einfach ruhig dazusitzen, auf ihre Arme gestützt, und in den Himmel zu blicken. Ohne Zwang lässt sie ihre Erinnerungen noch einmal Revue passieren und dämmert vor sich hin.

Erst Eddys lautes Auftreten bringt sie zurück in die Gegenwart. Kurz kneift sie ihren Nasenrücken, dann beruhigt sie die Indianer in ihrer Sprache: "Keine Sorge, er ist erfreut, dass er sich an einen Teil einer alten Geschichte erinnert." Sie nimmt eine kniende Position ein, da sie ihren schweren Gliedern kein Aufstehen zutraut, und fragt mit erhobenem Haupt: "Hättet ihr ein fingerdickes, glattes Aststück?" Sie zieht einen Grashalm und beginnt, ihn zurecht zu schneiden. "Wann kommen die Fischer und Jäger zurück?", fragt sie beiläufig, während sie die Vogelpfeife bastelt, wie sie es schon getan hat, kaum dass sie laufen konnte.

In der Ruhe wird ihr langsam auch der Zustand ihrer Gruppe bewusst. An diese gewandt spricht sie mit hoher Stimme und im Englischen: "Geht es euch gut? Was ist passiert?" Eddy bringt sie einfach nur Aufmerksamkeit entgegen, die engumschlungenen Satyre blickt sie zwar kurz an, vermeidet aber weiteren Blickkontakt. Weder Unwillen noch Missfallen oder peinliche Berührtheit zeichnen ihre Züge, nur diese subtile Vermeidung und die erröteten Ohrspitzen verraten ihre Internatserziehung.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 18.02.2018, 23:49:03
Ricky ist von sich selbst erschrocken.
Und als Laura Ann jetzt noch mit dem Finger sein Gesicht entlangfährt, blickt er verlegen zu Boden. Deutlich ist auch ihm eine starke Rötung des Kopfes anzusehen.
Als ihm die Satyrdame eine halbe Liebeserklärung macht, wird er noch verlegener. Kaum weiß er, wo sein Blick hingehen soll. Aber auf jeden Fall nicht ihrem begegnen.
"Äh.....äh......ich......ich....wollte. Äh....ich.....ich." Der junge Satyr bricht ab und setzt erneut an.
"Also....äh.....nur....."
Sein Stimme wird leiser.
Von seinem gesengten Kopf verborgen schaut er sich Hilfe suchend um.
Gerade rechtzeitig für Ricky meldet sich dann der große Troll wieder. Fast kann man ihm die Erleichterung ansehen, als sein Körper sich etwas  aus der Umarmung mit Laura Ann befreit.
Gespannt und ergriffen lauscht er den Worten Eddies. Fast kommen ihm wieder die eigenen Bilder in den Sinn.
Als Eddy dann aufbrüllt, löst sich Ricky ganz aus der Umarmung mit dem Satyrmädchen, ergreift aber unbewußt ihre Hand.
Auf Ayleens Frage hin, möchte er antworten. Aber mehr als einige weitere "Ähs" und "Ähms" kommen nicht aus ihm raus.
 
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 19.02.2018, 17:43:49
Ganz allmählich fällt die eigenartige Wirkung des Tanzes und der fremden Musik von den Gefährten ab, und sie können wieder klarer denken. Die Erinnerung jedoch bleibt, bunter und lebendiger als an jedes Erlebnis in ihrem bisherigen Leben. Ganz so, als sei auf unerklärliche Weise wirklicher, was ihnen hier widerfährt... Die alte Frau lässt sich von einer jüngeren zu Ayleen führen, wo sie mit ihrer Hilfe ächzend in den Schneidersitz sinkt. Aufmerksam beobachtet sie das Mädchen, dem man ohne weiteres das gewünschte Aststück gebracht hat. Während Ayleen an ihre Pfeife bastelt, nickt die runzlige Greisin mehrmals und kichert heiser vor sich hin. Die jüngere Frau, die respektvoll schräg hinter ihr kniet, sagt: "Die Männer werden bald zurück sein – sieh: Vater Sonne dringt schon mit seinem Speer in den Schoß von Mutter Erde ein." Sie weist zum Horizont, wo das Tagesgestirn in einem satten Rot abzutauchen beginnt.

"Vielleicht erfahren wir ja dann etwas über Tiffys Verbleib" hofft Laura Ann, nachdem Ayleen übersetzt hat. Sie hockt noch neben Ricky, die kräftigen Ziegenbeine untergeschlagen, seine Hand haltend, die sie, unbewusst oder nicht, auf ihren Schoß gezogen hat. "Ich mache mir echt Sorgen um sie" murmelt das Satyrmädchen und wirft dann das Haar in einer anmutigen Geste zurück, die ihr etwas sehr feminines verleiht, was die anderen Schüler so nicht von ihr kennen – aber auch etwas wildes. Eddy schnaubt und nickt. "Hoffen wir es! Wenn wir von irgendwelchen Wesen oder Orten hören, kann uns das Buch bestimmt weiterhelfen." Der Blick, den er auf den dicken Folianten wirft, ist allerdings nicht ganz so überzeugt, wie seine Worte klingen. Man hat eher den Eindruck, dass der Troll es sich wünscht.

Auf Ayleens Frage wiegt er seinen gehörnten Kopf. "Ich bin mir nicht sicher" sagt der Blauhäutige leise. "Da waren so viele Bilder und Erinnerungen... ich weiß nicht mehr recht, ob ich träume oder wach bin" gibt er zu. Laura Ann dagegen nickt. "Ich fühle mich gut!" sagt sie und schenkt Ayleen ein Lächeln, aus dem der Schalk ebenso wie etwas anderes blitzt, das gewiss nicht bösartig ist, aber irgendwie beunruhigend für das Mädchen. "Wenn es nach mir geht, müssten wir nur noch Tiffy finden, dann wäre alles in Butter." Sie wirft Ricky einen Seitenblick zu und kichert. "He – sie hat dich was gefragt, schöner Junge!" Dabei gibt sie ihm einen freundschaftlichen Rempler in die Seite.

In diesem Moment ertönt ein Ruf, und die Bewohner der kleinen Siedlung deuten zum Fluss. Auf dem Wasser sieht man mehrere längliche, flache Schemen, die sich im Schein der untergehenden Sonne nähern. Getrieben werden sie von einfachen Paddeln in den Händen von menschenähnlichen Gestalten, die auf diese Entfernung in dem schwächer werdenden Licht schwer zu erkennen sind. Das gelegentliche Schillern von Fischschuppen scheint jedoch darauf hinzuweisen, dass es die heimkehrenden
yunwi amai'yine'hi sind. Die freudigen Rufe aus vielen Frauen- und Kindermündern würden jedenfalls dazu passen. Auf dem vordersten Boot sieht man eine einzelne Gestalt, die aufrecht steht, auf einen langen Fischspeer gestützt.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 23.02.2018, 23:44:26
Immer noch verlegen hält Ricky seinen Kopf weiter gesenkt. Und als Laura Ann seine Hand weiter festhält und sie so unbedarft in ihren Schoß zieht, wird er dadurch auch nicht gerade gelassener.
Er versteht ja selbst kaum, was hier gerade alles passiert. Und die aufkeimenden Gefühle für seine Begleiterin machen es nicht leichter.
Deshalb ist er auch mehr als glücklich, als gleich auf ihren Stupser in seine Seite die Rufe der Ureinwohner ertönen.
Er nutzt diese Gelegenheit, um aufzuspringen und sich ganz von dem fast unwiderstehlichen Satyrmädchen zu lösen.
Ohne viele Worte zeigt er ebenfalls auf die sich nähernden Rückkehrer.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 28.02.2018, 06:35:23
Das Unvermögen Rickys zu antworten erntet bei Ayleen ein verständnisvoll-mitleidiges Lächeln, dass aber sanft genug ist, nicht böse gemeint zu sein. Etwas von Ayleens Internats-Persönlichkeit scheint durchzuschimmern, wieviel auch immer darauf zu geben ist.

Zu Eddys Antwort nickt sie nur und wechselt kurz ein paar erklärende Worte mit der alten Dame, um die Arbeitsschritte bei der Flöte zu erklären. Kaum ist sie fertig und sie führt sie vor, unterbricht die Ankunft der Fischer alle Tätigkeiten. Die Vogellaute klangen tatsächlich täuschend echt, gingen aber im Trubel unter. Eine ihrer Augenbrauen zuckt, dann übergibt sie die Flöte und stellt sich neben die Alte, um auf die Jäger zu warten. Sollten sie Glück haben und mehr über die Umgebung erfahren oder gar Tiffany, würde sie einen Aufbruch vorschlagen. Andernsfalls sollten sie erwägen, hier die Nacht zu verbringen, besser konnten sie es ihrer Meinung nach nicht treffen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 01.03.2018, 14:14:02
Frauen, Kinder und Alte eilen dem Ufer entgegen, während die Boote eines nach dem anderen anlegen. Männer springen heraus und ziehen die leichten Gefährte an Land. Sie alle scheinen mit langen Fischspeeren versehen, und in den Booten können die Gefährten nun viele schillernde Fischleiber sehen: ein wahrhaft üppiger Fang, von winzigen, unscheinbaren Fischchen bis hin zu welsartigen Exemplaren von beeindruckender Größe mit langen Barteln. Die yunwi amai'yine'hi müssen hervorragende Fischer sein, oder die Fischgründe im Fluss sehr reich.

Auch Laura Ann ist aufgesprungen und mit den Frauen und Kindern aus dem Dorf zum Ufer hinuntergelaufen. Ihre Schritte sind elastische, bocksprungartige Sätze mit den kräftigen, behaarten und behuften Beinen, bei denen der Ziegenschwanz des Satyrmädchens immer wieder unter ihrem kurzen Rock hervorlugt und den anderen frech zuzuwinken scheint. Eddy hingegen ist an Ort und Stelle geblieben. Seine schiere Körpergröße erlaubt es dem Troll offenbar, die Szene über die Köpfe aller andere hinweg auch von hier aus zu beobachten.

Die alte Frau hat Ayleens Schilderungen gelauscht und dann die kleine Flöte entgegengenommen. Mit ihren knöchernen Fingern hat sie daraufhin auf ihr eigenes Geschenk gedeutet, dem Indianermädchen ihre Faust entgegengestreckt, sie dreimal geöffnet und wieder geschlossen – ein Zeichen, mit dem Tauschhändel besiegelt werden. Ein zahnloses Grinsen begleitet ihr Nicken.

Die Fischer sind indessen alle an Land gegangen. Während die meisten von ihnen mit Hilfe der anderen Dörfler ihren Fang ausladen, ist der Mann aus dem vordersten Boot in Begleitung einiger, offenbar besonders hochrangiger Jäger langsam zu den Hütten geschritten. Ricky kann – vielleicht mit einem kleinen Stich von Eifersucht? – erspähen, dass Laura Ann den Männern mit etwas Abstand folgt, wobei ihre Augen bewundernd auf dem Mann ruhen.

Tatsächlich ist es eine beeindruckende Gestalt, die da auf die unfreiwilligen Abenteurer zukommt[1]: mittelgroß, von breiter Gestalt, haben die Züge dieses Indianers etwas ehrfurchtgebietendes, obwohl er deutlich jünger sein muss als die alte Weise. Stilisierte Wellen und andere wasserbezogene Symbole, manche auch sehr abstrakt, finden sich als Tätowierungen überall an seinem Körper. In zwei schmale Zöpfe sind Jagdtrophäen in Form von Raubfischzähnen eingeflochten, er selbst hat deutlich sichtbar die Schwimmhäute der
yunwi amai'yine'hi zwischen den Fingern und weist vor allem an Rücken und Unterarmen große Stellen auf, wo seine Haut selbst wie Fischschuppen schillert.

Am Kreis mit dem großen Feuer angelangt, macht er eine ehrerbietige Geste zu der Alten hin, die ihm tief zunickt. Dann schweifen seine Blicke über die Gäste des Dorfes: Eddy, der ihm stolz entgegenblickt, die mächtigen Arme verschränkt, Laura Ann, die ihn anlächelt und bei seinem Blick zugleich grinst und errötet, Ayleen, deren Anblick ihn kurz nachdenklich die Stirn runzeln lässt, und Ricky. Als er den Satyr sieht, stutzt der Mann, dann deutet er plötzlichen auf den Jungen und ruft: "
mok'te'yanna'hi..!" Erstauntes Murmeln geht durch die Reihen der yunwi amai'yine'hi. Von den Gefährten kann sich einzig Ayleen einen Reim darauf machen: Zwar versteht sie die genaue Bedeutung des Ausrufs im Dialekt des Mannes nicht, doch sie weiß, es muss sich um einen Namen oder Titel handeln.
 1. Bild und Beschreibung finden sich wie üblich unter Dramatis Personae.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 09.03.2018, 04:50:15
Ricky betrachtet die Neuankömmlinge neugierig.
Und tatsächlich ist er kurz über den kleinen Stich verwirrt, den er fühlt, als er Laura Ann den Anführer so anhimmeln sieht. Aber verständlich ist es schon bei so einer beeindruckenden Gestalt.

Als dieser dann aber kurz nach seiner Ankunft auf den jungen Satyr zeig und etwas ruft, wird Ricky wieder nervös. Er schaut an sich herab, ob da irgendwas Auffälliges oder Ungewöhnliches, mal von seinem neuen Aussehen abgesehen, ist.
"Ich ..äh.. ich hab....gar nichts .....nichts....äh....gemacht.", fängt er wieder zu stammeln an und schaut sich hilfesuchend insbesondere in Ayleens Richtung um. Sie müßte ihm ja sagen können, womit er den Anführer verärgert hat.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 03.04.2018, 11:18:14
"mok'te'yanna'hi..!" wiederholt der Mann und nickt mehrmals. Die yunwi amai'yine'hi scharen sich um den Jungen und ihn, und Ricky mag es wohl in seiner Haut recht ungemütlich werden, auch wenn er registriert, dass Eddy an seine Seite tritt und sich finster umsieht. Der Troll hat eine Hand auf seiner Waffe, in der anderen das Buch, als sei es ein Schild. Die Angelegenheit findet erst eine Aufklärung, als der beeindruckende Krieger von den Dörflern erfährt, wie die Gefährten in das Lager gefunden haben. Ayleen kann die Unterhaltung in Bruchstücken verstehen.

Schließlich wendet der Mann sich an Ricky, auf seinen langen Fischspeer gestützt. In einem verständlichen, wenn auch gutturalen, stark von Akzent gefärbtem Englisch sagt er: "Wolkenspeer kennt Knaben mit blasser Haut. Er hat Gesicht von
mok'te'yanna'hi – Helles Auge." Der muskulöse Arm streckt sich, und ein Finger weist auf den Fluss hinaus. "Vor langer Zeit kommen fremde Männer über unser Wasser. Vier." Er hält vier Finger in die Höhe. "Wolkenspeer jung damals. Helles Auge wird Bruder mit Wolkenspeers Vater. Freund von yunwi amai'yine'hi." Damit legt er Ricky eine Hand schwer auf die Schulter und ruft der Menge etwas zu, worauf alle durcheinander zu reden beginnen. Nun glaubt Ayleen wieder verstanden zu haben: Wolkenspeer will offenbar den Bund der Bruderschaft erneuern.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 10.04.2018, 06:35:20
Während Ayleen an der Seite der Alten wartet, lässt sie sich vom Fang und den Fertigkeiten der Gastgeber mehr beeindrucken als von der Gestalt des führenden Jägers. Sein Stirnrunzeln ob ihrer Gegenwart erntet ein betont neutrales Gesicht. Das 'Erkennen' von Ricky lässt sie ihre Sinne schärfen. Sie fragt sich, ob sie sich Sorgen machen muss. Rickys Stammeln und Hilfesuchen beantwortet sie mit einer beruhigenden Geste, bevor sie der Dame neben sich erklärt, dass ihr Kamerad nicht versteht und um Aufklärung bittet. Sie hört den Worten, die der Stamm miteinander wechselt, zu, und fasst die Erkenntnisse zusammen. Dabei lässt sie auch nicht aus, das Wolkenspeer quasi die Hand in Freundschaft - in Anlehnung an die der Väter - ausstreckt. Kurz sichert sie sich mit einer Rückfrage, was diese Freundschaft beinhaltet ab, bevor sie auch dies weitergibt.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 25.04.2018, 23:22:45
Erleichtert atmet Ricky auf, als ihm mitgeteilt wird, daß er nichts falsch gemacht hat. Die große Hand auf seiner Schulter fühlt sich fast väterlich an.
Als Ayleen ihm dann noch erklärt, daß es jetzt darum gehen soll, einen Freundschaftsbund mit den Ureinwohnern zu schliessen, blinzelt er etwas ungläubig. "Mit mir?!!"
Aber es fällt dem Jungen nicht schwer sich darauf einzulassen. Denn zum Einen kann es nur von Vorteil für sie sein, Verbündete in dieser Welt zu haben. Und zum Zweiten würde es Ayleen zeigen, daß er ihr Volk und seine Bräuche respektiert.
Interessiert hört er weiter zu, was er jetzt machen soll.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 26.04.2018, 16:11:11
Rickys Verwunderung scheint allgemeine Erheiterung hervorzurufen. Dass die Gefährten nun nach der alten Weisen auch noch von Wolkenspeer akzeptiert wurden, hat offenbar die letzten Bedenken beseitigt: Jetzt lösen sich auch die ängstlichsten unter den Kindern von den schützenden Röcken ihrer Mütter, um die Besucher eingehend zu begutachten. Die Erwachsenen drängen sich danach, jedem von ihnen einen Nasenkuss[1] zu geben. Sie sehen um sich herum strahlende Gesichter. Nicht so ekstatisch wie beim Tanz, aber die Flussleute müssen dennoch ein fröhliches Volk sein, da sie sich so kindlich freuen können.

Eddy ist der einzige, bei dem es mit den Nasenküssen nicht so recht klappen will, reicht doch mit Ausnahme Wolkenspeers niemand auch nur annähernd bis zum gehörten Kopf des Trolls empor. Dafür befühlen vor allem die Kinder seine dicke, borkig wirkende Haut wie bei einem Wundertier, was er mit säuerlicher Miene hinnimmt. Laura Ann dagegen nimmt die interessante Grußgeste rasch auf und scheint sie zu genießen. Sie stößt Ricky leise an und murmelt: "Hey, die Leute hier sind ein bisschen seltsam, aber sie gefallen mir. Hast du gesehen, wie gut gewachsen sie alle sind?" Natürlich – keinen ihrer Mitschüler wundert es – gleitet der Blick des Satyrmädchens dabei vor allem genüsslich über die kleinen, schlanken, aber durchaus athletischen Männerkörper. Doch auch sie können nicht leugnen: Die
yunwi amai'yine'hi sind ohne Ausnahme hübsch, wenn man sie genauer anschaut. Sogar die Weise und die übrigen alten Weiber und die Greise haben etwas auf naive Art Würdevolles an sich und weisen weder Leberflecken, noch wirklich unschöne Runzeln auf.

Nachdem man die vier also ausgiebigst noch einmal "herumgereicht" hat, als hätte man sie nicht schon ausreichend begrüßt, werden sie zum Zelt Wolkenspeers geführt. Es ist groß, viel größer, als es die Westernfilme in dem kleinen Kino in Gatsburg immer zeigen, und besteht aus einem Innen- und einem Außenzelt. Der Innenraum ist durch herabhängende Häute in mehrere Abteilungen unterteilt, in der Mitte eine schöne, große Feuerstelle. Die Gefährten werden den sage und schreibe drei Squaws Wolkenspeers vorgestellt, die dem "Hausherrn" und seinen Gästen eiligst mit einigen schön gewebten Decken bequeme Sitzgelegenheiten schaffen. Eine von ihnen zeigt deutlich die Zeichen, dass sie ein Kind unter dem Herzen trägt, und wirkt auch sehr stolz darauf. Dann lässt er die vier bewirten – wundert es jemanden, dass es Fisch in allen Varianten gibt? Während des Essens wird wenig gesprochen, doch scheint Wolkenspeer ihre Sprache zumindest mittelmäßig zu beherrschen. Am Ende des Mahls, es geht schon auf die Nacht zu, bringt eine seiner Frauen eine kleine Schüssel mit einer dunkelblauen Flüssigkeit. Der muskulöse Mann nickt ihr zu und nimmt aus ihren Händen einen Pinsel entgegen, den sie wohl aus Bastfasern gefertigt hat. Während sie sich schräg hinter ihn kniet, die Schüssel auf dem Schoß, taucht Wolkenspeer den Pinsel hinein und winkt Ricky zu sich heran.
 1. Der hier (https://www.mittelbayerische.de/imgserver/_thumbnails/images/34/3467100/3467122/779x467.jpg) gezeigte Nasenkuss ist in unserer Realität bei den Maori Neuseelands üblich, allerdings eher bei privaten als bei öffentlichen Gelegenheiten. Da kein Spielercharakter in der Gruppe Knowledges als tertiäres Feld hat, gehe ich davon aus, dass ihre Allgemeinbildung zumindest so viel hergibt ;-)
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 06.05.2018, 21:19:17
Die Freude der Dörfler wirkt auch auf Ricky ansteckend. Schnell ist sein Unwohlsein verflogen und er beteiligt sich ausgiebig an der Begrüßungszeremonie. Das eine oder andere hübsche Mädchen wird von ihm auch gerne einige weitere Male gestupst.
Auf Laura Anns Hinweis nickt der junge Satyr und errötet leicht, als sein Blick trotzdem noch mal verstohlen über den Körper seiner Mitschülerin gleitet.

Während des Essens betrachtet Ricky sich im Zelt des Häuplings alles ganz genau. Die Kultur dieser Leute interessiert ihn. Und als er die ersten Bissen nimmt, merkt er erst wie hungrig er ist. Schließlich hat er, seit sie in dieser Welt sind, noch nichts zu sich genommen. Und so ist er auch nicht traurig, daß er sich mehr auf den Fisch als auf eine Unterhaltung konzentrieren kann.
Als Wolkenspeer ihn dann aber heranwinkt, wird er doch wieder etwas nervös. Trotzdem geht er zu dem großen Häupling und kniet bei ihm nieder.

Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 13.05.2018, 22:38:41
Bei der Inspektion durch die Kinder bleibt Aileen aufrecht stehen und zeigt ihr stolzes Wesen, lässt die Kinder aber heran und passt nur durch Hand-auf-ihre-Ausrüstung-legen auf, dass nicht abhanden kommt. Die Nasenküsse nahm sie ebenfalls hin, doch musste sie sich leicht herunterbeugen und konnte ein leichtes Unwohlsein bei dieser persönlichen Nähe nicht verbergen. Entsprechend froh ist sie, als das Ritual zuende ist und es in Wolkenspeers Zelt geht.

Die drei Squaws begrüßt sie würdevoll und spricht der Schwangeren Glückwünsche aus mit guten Wünschen für das Kind. Sie wartet, bis die Sitzgelenheiten bereitet sind und lässt sich ihre zuweisen, um an deren Position ihre Stellung in den Augen der Gastgeber abzulesen. Bei der Bewirtung greift sie höflich, aber nicht zu reichlich zu, eher versucht sie alle Speisen mindestens einmal gekostet zu haben. Auch wenn sie wie die gastgeber mit den Händen ist, schafft sie es, es irgendwqie würdevoll aussehen zu lassen und sich (und ihre Umgebung) nicht zu beschmutzen. Diplomatisch bietet sie Wolkenspeer Übersetzungshilfe an, als dieser etwas zögerlich durchs Englisch stolpert. Mit Beginn des Rituals der Freundschaft schweigt sie und beobachtet mit Zurückhaltung.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 14.05.2018, 19:42:14
Während Wolkenspeers Squaw ihm die Schüssel mit der Farbe hält, beginnt der yunwi amai'yine'hi Rickys Gesicht, Hals und Arme mit seltsamen Zeichen zu bedecken, wie man sie auch auf der Haut des Malers sieht. Einige davon stellen stilisierte Fische und Wellen dar, andere sind so abstrakt, dass man sie nur schwer deuten kann. Sehr oft kommen eine Spirale und mehrere parallel angeordnete spitze Dreiecke vor. Als Wolkenspeer mit seinem Werk fertig ist, kommt es Ayleen so vor, als würden die bläulichen Symbole schimmern, wenn sich Ricky bewegt. Es glitzert wie kleine Wellen auf einem ruhigen Teich, in dem sich ein Fisch tummelt... oder ist das nur eine optische Täuschung durch die flackernden Flammen?

Offenkundig zufrieden legt Wolkenspeer den Pinsel beiseite und winkt die Gefährten alle näher ans Feuer. Eine andere seiner Frauen legt Holzplatten mit dünnen, offenbar getrockneten Fischchen zwischen ihnen ab – eine Knabberei, wie es aussieht. Während Wolkenspeer ihr mit sichtlichem Genuss zuspricht, werden seine Gäste allerdings feststellen, dass die Spezialität sehr stark gesalzen sein muss. Die immer zu Experimenten bereite Laura Ann verschluckt sich beinahe, hustet und grinst mit schweißbedeckter Stirn eine der Squaws an, die ihr besorgt zur Seite eilt: "Schmeckt hä...hhhä... rrchch... hervorragend, echt!" keucht sie und hält einen Daumen hoch. Eddy, der seit ihrem Aufbruch in dieses seltsame Land erstaunlich bedächtig geworden zu sein scheint, hat die Leckerei nicht angerührt.

Der "Hausherr" nickt Laura Ann freundlich zu und übergeht ihre Not höflich. Stattdessen wendet er sich an die anderen: "Jetzt wir sind Freunde. Ihr erzählt, was führt euch her. Nacht ist Zeit zum Erzählen." Er weist zum Zeltdach. Bei seiner Aufforderung sieht er vor allem Ayleen an, die den Dialekt der Flussleute zwar nicht vollständig versteht, sich aber mit ihnen wahrscheinlich etwas besser verständigen kann als Wolkenspeer in englischer Sprache. Wenn sie sich umschaut, wird sie Wolkenspeers Frauen sehen, die sich gespannt um ihn versammeln, während Eddy ihr mit seinem riesigen gehörnten Schädel aufmunternd zunickt. Sportlich war er schon in Gatsburg, doch ein großer Redner ist er auch hier nicht geworden.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 23.05.2018, 22:01:40
Ayleen beobachtet fasziniert die Reaktionen der Farbe auf Licht und Bewegung und nimmt aus Höflichkeit etwas von den angebotenen Leckerbissen. Durch Lauras forsche Art und Ergebnis derselben gewarnt knuspelt sie zurückhaltend mit winzigen Bissen (und hält das Trinkwasser nahe).

Aufgefordert zu erzählen endet sie sich zunächst vom Essen ab und hebt in einem so ähnlich wie möglich gehaltenen Dialekt an zu sprechen: "Zunächst noch einmal vielen Dank im Namen meiner Gruppe für die freundliche Aufnahme, wir können es leider nicht annähernd so gut zurückgeben, aber wir werden es nicht vergessen. Zu dem Grund unserer Reise und des Besuches bei euch: Eine aus unserer Gruppe ist uns vorausgereist, leider auf einem uns unbekannten und unsicheren Weg. Wir fürchten um sie und ihre Sicherheit. Sie spricht nur die Sprache der Fremdländler und wir hofften, ihr könntet vielleicht auf eurer Jagd sie selbst, Spuren von ihr oder im Austausch mit anderen Geschichten über sie gehört haben. Habt ihr? Wir sind um jede Hilfe und jeden Hinweis dankbar." Trotz ihrer sonst sehr stolzen Haltung kann sie ihrer Stimme etwas ernsthaft besorgtes und bittendes verleihen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 04.06.2018, 03:24:57
Ricky hält während der Zeremonie still, auch wenn man ihm seinen unterdrückten Bewegungsdrang ansieht.
Als Wolkenspeer fertig ist, betrachtet er dessen Werk auf seiner Haut so gut es geht. Er traut sich nicht, über die Zeichnungen zu streichen aus Angst, sie könnten abgehen.

Auch Ricky will gerade beim Essen zugreifen, als Laura Ann sich verschluckt. Und so hält auch er sich erst mal zurück und probiert nur einen kleinen Happen, den er gleich mit Wasser nachspült. Überhaupt scheint es ihm eine gute Idee, den Fisch in seiner natürlichen Umgebung, also im Wasser, zu geniessen.

Dann hört der junge Satyr erst mal dem Gespräch zu, ohne sich einzumischen. Ayleen ist da viel besser für geeignet.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 04.06.2018, 10:13:23
Ricky hat den eigenartigen Eindruck, die Zeichnungen bewegten sich selbständig, sobald er selbst sich rührt. Kaum merklich nur, aber doch irgendwie, als seien sie lebendig. Aber dieses leichte, nicht einmal unangenehme Kribbeln auf seiner Haut... das bildet er sich bestimmt nur ein. Auf eine fremdartige Weise faszinierend ist dieser Hautschmuck jedenfalls. Wolkenspeers offenkundig jüngste Frau nickt dem Jungen lächelnd zu, als er vom Betrachten des Kunstwerks wieder aufsieht. Und Laura Anns Blicke liegen abwechselnd auf ihm und Wolkenspeer, nachdem sie sich von ihrem kulinarischen Abenteuer erholt hat – wobei der junge Satyr indes erkennen muss, dass sie dem muskulösen Körper des Kriegers deutlich mehr Zeit widmet.

Als das Indianermädchen zu erzählen beginnt, lauschen die Flussleute schweigend. Eine der Squaws sagt etwas, das auch Ayleen nicht versteht. Ihr Gesicht scheint dabei Mitgefühl auszudrücken. In einer Geste, die wohl ebendieses ausdrücken soll, berührt sie ihre linke Brust und hält Ayleen dann die flache Hand entgegen, als wolle sie dem Mädchen ihr Herz überreichen. Wolkenspeer selbst hat die Stirn gerunzelt und scheint zu überlegen, während er sich eine Handvoll der furchtbar salzigen Fische nimmt und darauf herumkaut, als seien sie nur eine Nascherei mit mildem Geschmack. Eddy beugt sich zu den anderen und flüstert: "Wenn der nichts weiß, fress' ich einen Besen! Der überlegt nur, was er uns sagt und was nicht, wetten?"

Und tatsächlich: Endlich sieht Wolkenspeer seine jungen Gäste ernst an und meint: "Beim Fischen wir haben gehört über junges Mädchen, das noch nicht Squaw ist. Wir treffen Männer von anderem Stamm. Sie haben Mädchen gesehen. Sehr jung, sehr viel Angst. Sie geben ihr Führer zu
tuts-i miuna'he'wash." Er sucht merklich nach einer Übersetzung, bis er schließlich erklärt: "Orakel, kennt alle Stämme, alle Sprachen. Dort Mädchen findet Hilfe." Auf die fragenden Blicke der Gefährten ergänzt er: "Von hier wir laufen drei Teile von vier einen Tag. Orakel wohnt, wo Vater Fluss aus den Bergen fließt." Laura Anns Augen leuchten daraufhin auf. "Super! Dann können wir Tiffy ja vielleicht da finden – was meint ihr?" Von Eddys Platz ertönt nur ein leises Rascheln: Der Blauhäutige blättert verstohlen in dem großen Buch Goibnius.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 14.06.2018, 06:11:13
Zwar sticht es Ricky ein wenig, aber spätestens wenn sie wieder unterwegs sind, wird er ihr zeigen, daß auch er
etwas zu bieten hat. So ein Fisch wird es kaum mit einem Läufer und Springer wie ihm aufnehmen können.
Und außerdem schaute ihn ja auch die hübsche, junge Frau des Häuplings lächelnd an....

Als Wolkenspeer dann die Nachricht preis gibt, von Tiffy gehört zu haben, tritt wieder mal ein breites Grinsen
auf das Gesicht des Satyr, auch wenn ihm dann an der Erzählung doch noch was auffällt.
"Toll. Wir sollten mit einem Aufbruch nicht zu lange warten. So früh wie möglich los. Wenn Tiffany sich fürchtet, sollten wir so schnell wie möglich bei ihr sein."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 27.06.2018, 05:16:27
Eddys Flüstern erntet ein kaum merkliches Nicken von Ayleen, deren Aufmerksamkeit auf dem Gastgeber bleibt. Nach dessen Antwort beugt sie sich leicht und spricht: "Habt vielen Dank für eure Hilfe, das klingt in der Tat nach der Unsrigen. Das Orakel ist uns ein Begriff. Mögt ihr uns den Stamm und dessen Lagerstatt nennen, den sie traf und der ihr half? Vielleicht treffen wir ihn oder wollen dies, für Dank oder - sollten wir uns verpassen - für weitere Fragen."

An die Gruppe und in deren Sprache gewendet meint sie: "Ja, wir sollten gleich morgen früh aufbrechen. Das Nachtlager auszuschlagen wäre weder höflich noch klug, sie kennen die Umgebung und Erholung könen wir brauchen. Vom Orakel ist mir erzählt worden, es befindet sich, wo Erde, Fels, Wind und Fluss sich treffen. Jedem, der es erreicht, beantwortet es eine Frage. Gefahrlos ist der Weg jedoch nicht."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 27.06.2018, 11:06:32
Wolkenspeer nickt, und die Sache ist beschlossen: Die vier Gefährten verbringen die Nacht im Dorf der Flussleute. Der Krieger erzählt ihnen, die Fischer hätten bei ihrer Fahrt über den Fluss Männer vom Volk der yunwi tsundsi getroffen. Die "Kleinen Leute", wie Wolkenspeer sie nennt, sollen scheu, aber sehr hilfsbereit sein, geschickte Handwerker, die eine Vorliebe für Kinder zeigen – womöglich, so deutet er an, haben sie deshalb der verirrten, einsamen Tiffany geholfen. Eine Siedlung der Kleinen Leute liegt mitten in der Singenden Ebene, wo sie mit großer Kunstfertigkeit Felder angelegt und Hütten gebaut haben.

Mit diesen Informationen (und einigen Märchen der Flussleute) legen sich die vier schließlich spät am Abend zur Ruhe. Früh am nächsten Tag rüstet man sich zum Aufbruch. Wolkenspeer gibt ihnen einen jungen Fischer mit, der auf den Namen Sonnenauge hört. Offenkundig aufgrund der sehr hellen braunen, fast gelben Augen, eine Seltenheit unter diesen Leuten. Versehen mit einigen in Gras eingeflochtenen Paketen Trockenfisch und mit Trinkwasser gefüllten Häuten ziehen sie los, hinein in die Ebene, wo sie den Lauf des Flusses abkürzen können, der am Wohnort des Orakels aus den Bergen entspringt.

Letzteres bestätigt auch Eddy nach intensiver Lektüre in Goibnius Buch. "Das Orakel sieht in die Herzen jener, die ihm gegenübertreten. Wer unhöflich oder unehrlich ist, den weist es ab, und er wird bei ihm niemals eine Antwort auf seine Fragen finden" erzählt er. "Außerdem sagt das Buch, dass es ein Volk von Felsleuten geben soll, die dort auch leben und anderen den Zugang zum Orakel verweigern, das sie seit Menschengedenken verehren. Nur Verwandte oder besondere Gäste lassen sie ungehindert zum Orakel. Und gefährliche Tiere soll es dort auch geben, vor allem Bären" schließt der Troll seine Zusammenfassung.

Laura Ann schaudert bei seiner Schilderung. "Das hört sich ganz schön gefährlich an" meint sie, wirft einen Blick auf den riesigen Troll und ihre übrigen Begleiter. Sie haben sie am Internat nicht als ängstlich kennengelernt, doch bei Felsleuten, Bären und anderen gefährlichen Tieren scheint ihr doch ein wenig unbehaglich zu werden – jedenfalls vorübergehend. Auf Dauer kann die Sorge ihre gute Laune aber nicht dämpfen: Schon bald springt sie wieder munter voran, während Sonnenauge gleichmäßig und ruhig ausschreitet. Der Flussmann ist nicht so gut zu Fuß die die beiden Satyrn und der langbeinige Troll, doch auch er wirkt wohlgemut. Er ist schwer einzuschätzen, dürfte aber nur wenig älter sein als die Schüler.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 01.07.2018, 01:41:18
Als Ricky aufwacht, muß er sich erst ma kurz zurechtfinden. Aber dann erinnert er sich an den vorherigen Tag und reibt sich noch mal die Augen und zwickt sich in den Arm, um sich davon zu überzeugen, daß dies nicht nur ein Traum ist.
Für die Gaben der Ureinwohner ist er sehr dankbar und läßt gibt sich Mühe, das Wolkenspeer wortreich mitzuteilen. Aber auch für die Versorgung gestern und die Ehre als Freund des Stammes angenommen worden zu sein, ist er dankbar.

Ohne sich lange mit einem Frühstück aufzuhalten, machen sie sich dann auch schon auf den Weg. Der Satyr kann es gar nicht erwarten, wieder durch die Prärie zu laufen. Das Gras zu spüren, wie es an seinen Beinen entlang streicht ebenso wie der Wind an seinem Gesicht.
So  läuft er die erste Stunde immer ein wenig um die Gruppe herum und schaut sich die Prärie an.

Doch irgendwann erscheint ihm die Umgebung ein wenig eintönig und er gesellt sich zu den anderen. Dort versucht er, mit Ayleen als Dolmetscherin, wenn sie denn damit einverstanden ist, mit Sonnenauge zu plaudern. Vielleicht erfahren sie ja doch noch ein wenig mehr.

Als Laura Ann sich dann aber ein wenig von der Gruppe absetzt, erfaßt auch Ricky wieder der Drang, sich zu bewegen. Fröhlich lachend spielt er mit ihr Fangen. Im wieder gleitet sein Blick dabei über ihre Rundungen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 05.07.2018, 21:01:50
Der Abend, die Nacht und der Morgen haben zwar etwas märchenhaftes für Ayleen, die ein indianisches Leben in Reinkultur nur aus Erzählungen und den traurigen Resten in der aktuellen Zeit kennt, doch fühlt sie sich sehr wohl und kann sich einfach einfügen. Mit großer Form bedankt sie sich zum Abschied für die Gastfreundschaft und Hilfe.

Auf dem Weg ist ihr Schritt dem des Flussmannes am ähnlichsten, daher bleibt sie stets an seiner Seite. Zunächst ist sie still, doch schließlich ermuntert sie ihn, von sich zu erzählen und sich Geschichten erzählen zu lassen. Als Ricky dazustößt, übernimmt sie sofort und ohne Einwände die Übersetzerposition, wobei sie in beide Richtungen ein wenig filtert und anpasst, um den Kulturen gerecht zu werden.

Zu den Informationen, die Eddy zitiert, nickt sie, wobei es unklar ist, ob sie Verständnis bestätigt oder nach Abgleich mit eigenem Wissen deren Korrektheit. Lauras Sorge teilt sie in geringerem Maße, doch lässt sie sich nichts anmerken oder kommentiert es. Anfangs ist sie noch versucht, ihr Mut zuzusprechen, aber ihre Kameradin fängt sich von selbst.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 07.07.2018, 10:47:17
Es überrascht wenig, dass das Satyrmädchen sehr bereitwillig auf Rickys Fangenspiel eingeht. Mit grazilen Sprüngen schnellt sie sich durch das immer höher werdende Gras, in dem der Wind bald wieder zu singen beginnt wie überall in der Ebene. Obwohl sie sich als erstaunlich flink und beweglich erweist, gelingt es dem Schüler erstaunlicherweise immer wieder, sie einzufangen, wobei sich seine Arme ganz unvermeidlich jeweils um ihre ansehnliche Gestalt schließen – was Laura Ann alles andere als unrecht zu sein scheint. Lachend neckt sie ihn und stachelt ihn immer wieder dazu an, den anderen weit voran zu spurten oder sie in großen Kreisen zu umspringen. Dem Jungen geht das Herz auf angesichts der puren Lebensfreude – Lebenslust? – die ihn dabei durchdringt[1].

Ayleen, die sich bei den beiden anderen hält, sieht Eddy die Augen verdrehen und leise grummeln. Er scheint die leichtlebige, fröhliche Art der Satyrn nicht sehr positiv zu beurteilen, was das Indianermädchen ein wenig verwundert. Im Internat war die Sportskanone immer einer der Schüler, denen man am ehesten leichtsinnige Streiche zugetraut hätte. Und verbotene Mädchenbekanntschaften hat man ihm auch mehr als einmal nachgesagt. Hier, in der Traumwelt, scheint der Troll jedoch auf seltsame Weise gereift oder ernster geworden. Vielleicht entspricht das dem Wesen der blauhäutigen Riesen, vielleicht ist es aber auch die Sorge um Tiffany, die ihn davon abhält, sich dem Herumtollen der beiden anderen Gehörnten anzuschließen. Obwohl sie nicht gerade sehr einfühlsam ist, durchdringt der sorgenvolle Ausdruck auf seinem Gesicht die unerschütterliche Maske, die er zur Schau trägt, doch so sehr, dass auch Ayleen ihn wahrnimmt.

Sonnenauge derweil sieht den beiden Satyrn mit einem kaum merklichen Lächeln zu. Er scheint ihre kindliche Freude am Umherspringen zwar nicht zu teilen, doch der Flussmann wirkt auch nicht, als verurteile er sie dafür. An seiner Seite gerät auch Ayleen in einen Sinnesrausch, wenn auch weit ruhigerer und romantischerer Art als Ricky und Laura Ann: Sie folgt mit den Augen seinem Finger, wenn er gelegentlich auf markante Punkte zeigt – einen flachen Hügel, einen großen Baum oder Felsblock – und ihr von den Sagen der Flussleute erzählt, die sich damit verbinden. Die Singende Ebene nimmt sie gefangen, und sie beginnt zu ahnen, nein, zu spüren, sich zu erinnern, dass es einmal eine Zeit gab, in der auch die Welt ihrer Geburt so schön war wie dieses weite, freie Land...
[2].

Gemeinsam wandern die fünf Gefährten so lange Zeit, bis sie gegen Mittag den Schatten einer kleinen Baumgruppe aufsuchen und unter einer strahlenden Sonne von den mitgebrachten Vorräten essen. Gestärkt geht es anschließend weiter. Irgendwann am Nachmittag deutet Sonnenauge nach vorn. Dort haben sich schon vor Stunden die fern und unwirklich scheinenden Form hoher Berge am Horizont abzuzeichnen begonnen. "Jetzt bald wir kommen wieder zum Fluss" erklärt der Begleiter der Schüler. "Da wir laufen noch, nicht weit, dann ist Ort, wo das Wasser kommt aus den Bergen." Und wirklich: Sie treffen bald auf den Fluss, dessen Biegungen sie über die Ebene abgeschnitten haben. Noch ein wenig später hören sie ein dumpfes Rumpeln, das allmählich anschwillt, und als sie, dem Flusstal folgend, um einen Hügel biegen, sehen sie einen Wasserfall, dessen gischtende Massen in der Sonne funkeln wie ein Vorhang aus Edelsteinen. Irgendwo dort muss das Orakel sein!
[3].
 1. An dieser Stelle gäbe es einen Punkt Glamour, wenn dir einer fehlen würde – nur um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ich mir das Wesen eines Satyrs vorstelle.
 2. Auch für Ayleen würde es an dieser Stelle ein Punkt Glamour geben, wie für Ricky. Bei ihr lediglich, aufgrund ihres verschiedenen Feenerbes, aus anderen Gründen.
 3. Hier bitte von beiden einen Wurf auf Perception + Alertness gegen 6.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 13.07.2018, 13:42:48
Sonnenauge weist nach vorn auf den glitzernden Vorhang aus Wasser. "Da wohnt Orakel!" ruft er, um das Brüllen des Wasserfalls zu übertönen, das hier, vielleicht noch zweihundert Meter entfernt, bereits eine beträchtliche Lautstärke besitzt. Bei näherem Hinsehen erkennen die Gefährten, dass der junge yunwi amai'yine'hi wohl nicht auf die brodelnden Wassermassen selbst gedeutet hat, sondern auf die linke Seite der schroffen, beinahe kalkig weißen Felsen, die den Lauf des Flusses hier einrahmen: Dort führt, erst auf den zweiten Blick erkennbar, ein Weg in die Höhe. So man es denn einen Weg nennen kann – es scheint von hier aus eher eine Aneinanderreihung steiler Risse und Kamine, unterbrochen von einigen auch nicht gerade bequem aussehenden treppenähnlichen Anstiegen. Laura Ann sieht mit glänzenden Augen an dem Bergpfad hinauf und beginnt vor Aufregung zu springen wie ein junges Zicklein.

Auch Ricky verspürt einen seltsamen Mutwillen in sich, der ihm in die kräftigen Beine zu fahren scheint. Es juckt ihn geradezu, seine Hufe beim Besteigen dieser Klippen zu versuchen! Ayleen hingegen wird auf einen Punkt weiter oben aufmerksam, einen kleinen grasbewachsenen Absatz, an dem irgendetwas ihr Auge auf sich gezogen hat, ohne dass sie es genau benennen könnte. Sonnenauge hat diesen Punkt ebenfalls im Auge, wie sie bemerkt. Und auch Eddy, der beim Anblick des Pfades unwillig geknurrt hat, wird, wenn nicht auf den Absatz, so doch auf das Spähen der beiden aufmerksam. "Was ist los? Irgendwas nicht in Ordnung?" übertönt seine hier zum Bass abgesunkene Stimme das Wasser. Ayleen späht noch einmal genauer, und jetzt meint sie zu sehen, dass einer der Felsbrocken, die dort oben liegen, ein Stück zur Seite gerollt ist. Sollten die Felsen auf dem Pfad etwa nicht stabil liegen..? Sonnenauge beschattet die Augen mit einer Hand.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 22.07.2018, 00:00:35
Während Eddy oder zumindest seine Troll-Personlichkeit von den herumtollenden Satyren sichtlich genervt ist, ignoriert Ayleen oder zumindest ihr Feenerbe die beiden - sie empfindet sich als darüber stehend. Stattdessen schwelgt sie in der Natur, der Geschichte und der Erinnerung. Die Ankunft am Aufenthaltsort des Orakels reißt sie aus dem Genuss, was ihr im ersten Moment gegen den Strich geht, dann bemerkt sie aber ihre müden Beine und ist froh, dass die Reise nicht mehr lange dauert. Sie nippt an ihrem Wasserschlauch und betrachtet den Wasserfall sowie den Pfad. Mit einem Seufzen reißt sie sich davon los, als sie nach ihren Beobachtungen gefragt wird. Laut schreien zu müssen, behagt ihr nicht. Da es jedoch notwendig ist, tut sie es: "Passt beim Aufstieg auf, ich sehe lockere Felsen!"
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 10.08.2018, 22:24:27
Auch wenn es Ricky in den Beinen juckt, bleibt er im Inneren doch auch immer um seine Begleiter besorgt.
Und als Ayleen jetzt die lockeren Felsen erwähnt, kommt ihm etwas wieder ins Gedächtnis, das gestern Abend erwähnt wurde.
Auch er brüllt, um über das Rauschen gehört zu werden. "Vielleicht sind das auch die Felsleute! Wie verhält man sich denn respektvoll?!"
Eigentlich möchte er die Antwort gar nicht abwarten, sondern sich gleich auf den Weg begeben.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 11.08.2018, 15:43:13
Eddy nickt Ayleen zu und grollt: "Dann gehe ich besser voran!" Ein langer, bläulicher Arm schiebt sich an ihr vorbei und schnappt Laura Ann am Kragen, die sich bereits mit einem Sprung und einem unternehmungslustigen Funkeln in den Augen an den Aufstieg machen wollte. "ICH gehe voran, Baby!" grinst der Troll breit, ohne weiter auf das beleidigte Satyrmädchen zu achten, das schmollend die Arme verschränkt und ihm hinter seinem Rücken die Zunge herausstreckt. Sie scheint allerdings nicht ernstlich böse zu sein, denn sie äfft seinen täuschend schwerfällig wirkenden Gang nach und zwinkert den anderen zu.

Ihre Augen werden allerdings um einige Nummern größer, als Eddy den gehörnten Kopf in den Nacken legt, an der steilen Felswand hinauf sieht, dann leicht in den Knien federt und plötzlich seinen schweren Streitkolben mit einem Ruck nach oben reißt, wobei er einen donnernden Schrei ausstößt, der von den Felsen widerhallt. Aus dem Stand fliegt er fast vier Meter senkrecht in die Höhe, als risse ihn die Waffe wie ein Aufzug mit hinauf.
[1] "Mann, habt ihr das gesehen?" versucht Laura Ann die Wassermassen zu übertönen. "Fast wie Superman..!" Auch Eddy selbst wirkt fast ein wenig überrascht von seinem Erfolg, als er von einem weiter oben gelegenen Felsenabsatz zu seinen Kameraden hinab späht und ihnen dann mit einem unsicheren Lächeln zuwinkt.

Sonnenauge indes hat den gewaltigen Sprung zwar mit sichtlichem Respekt beobachtet, scheint aber nicht sonderlich erschüttert. Er winkt den anderen und marschiert auf die Felsen zu. "Du recht vielleicht,
mok'te'yanna'hi" meint er zu Ricky. "Wenn dort Felsenleute, wir zeigen viel Respekt für Berg." Ayleen ist sich nun nicht mehr ganz sicher – sie war selbstverständlich davon ausgegangen, dass dort in der Höhe Felsen sich gelöst haben. Es wäre kein Wunder, so rissig und zerklüftet, wie die Bergflanke hier ist. Andererseits... irgendetwas sagt dem Mädchen, dass hier alles möglich ist, was ihre Fantasie nur abdecken mag. Erfahren werden sie die Wahrheit wohl nur, wenn sie sich an den Aufstieg machen.
[2]
 1. Hopscotch, 2 Erfolge.
 2. Hierzu ist eine Prob auf Dexterity + Athletics gegen 7 notwendig.

Achtung: Rickys Birthright macht es unmöglich, dass ein Athletics-Wurf bei ihm einen Botch ergibt. Er könnte auch stattdessen, wie Eddy, Wayfare 1 – Hopscotch nutzen. Das würde einen Punkt Glamour kosten und erfordert dann einen Wurf von Wits + Wayfare (also vier Würfeln) gegen eine Schwierigkeit von 7 (seine Banality + 4), minus eventuell eingesetzte zusätzliche Glamourpunkte, minus den Level des Bunks, den er verwendet. Eddys einfacher Bunk (Brüllen und Hochreißen des Streitkolbens) war Level 1.

Ihr könnt übrigens generell die Cantrips, die ihr kennt, in passenden Situationen gern nutzen. Sobald ihr euch an sie erinnert, ist der Einsatz für eure Charaktere quasi intuitiv und erfordert kein langes Besinnen, wie Radfahren. Verbrauchte Glamour-Punkte sind vergleichsweise einfach zu regenerieren, im schlimmsten Falle einfach mit der Zeit.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 15.08.2018, 23:35:45
Auch Ricky ist von Eddys Auftritt begeistert, aber so leicht läßt er sich die Schau nicht schon wieder stehlen.
Nach einem kurzen Blick auf Laura Ann, nimmt er die Felswand genauer in Augenschein.
Wie nebenbei fängt einer seiner Hufe an, ein Muster in den irdenen Boden zu zeichnen. Schon kurz darauf wird erkennbar, daß es sich wohl um eine ungewöhnliche Variante von "Himmel und Hölle"[1]handelt.
Dieser wendet sich der Satyr schließlich zu und springt sie beim dritten Versuch fehlerfrei ab.
Zufrieden nickt er sich selbst zu und springt dann mit Leichtigkeit den Weg hinauf.[2]
 1. http://www.labbe.de/zzzebra/index.asp?themaid=266 (http://www.labbe.de/zzzebra/index.asp?themaid=266)
 2. Wits + Wayfare vs 7-?: 5, 8 und 9 sollten wohl Erfolge sein, wenn Eddy für seinen einfachen Bunk schon nur gegen 6 würfeln mußte.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 21.08.2018, 09:40:56
Rickys Vorschlag und Frage beantwortet Ayleen nicht, da sie sich nicht sicher ist und Sonnenauge bereits bestätigt, das es möglicherweise Felsenleute seien. Wenn sie Lauras oder Eddys Gebaren stören oder wenn Eddys oder Rickys Kraftakte sie beeindrucken, lässt sie sich nichts anmerken, sie beobachtet still und aufmerksam. Einzig Eddys Schrei lässt sie zusammenzucken. Während die anderen unterwegs sind, fragt sie Sonnenauge in seiner Sprache: "Kommt ihr weiter mit, wartet ihr oder kehrt ihr um? Wenn ihr nicht mitkommt, habt ihr noch Rat, zum Beispiel was als respektvoll oder -los wahrgenommen wird?" Sie wartet die Antwort noch ab und überlässt damit im Zweifel Laura das Feld, den beiden Jungs zu folgen.
Erst anschließend bricht sie auf. Sie sichert ihre Ausrüstung und steigt auf den Felsen. Dabei ist sie vorsichtig, keine der beweglich wirkenden Steine zu berühren oder gar zu betreten. Sie ist nicht schnell, aber geschickt. Kaum ein Stein löst sich, sie kommt stetig voran und braucht neben den Füßen meist nur eine Hand, um sich abzustützen. Eine gewisse Eleganz vermag sie zu erhalten (und ihre Kleidung relativ sauber).[1]
 1. Für zwei Erfolge hoffentlich in Ordnung
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 23.08.2018, 19:43:07
Laura Ann hat es nach Rickys Sprung[1] auch nicht mehr gehalten: Das Mädchen jagt zwar nicht wie die beiden Schüler vor ihr mit einem einzigen Sprung in die Höhe, folgt ihnen aber in mehreren kleinen, mühelos wirkenden Hüpfern, die sie fast ebenso rasch in die Höhe tragen und einem quicklebendigen Zicklein ziemlich ähnlich wirken lassen. Ihre zierlichen Hufe finden auf den schmalsten Stellen Halt, wie sie so in kleinen Etappen nach oben strebt (und Ricky mag in diesem Moment beim Anblick ihres flatternden kurzen Rocks bedauern, dass er über ihr steht und nicht darunter...). Eddy nickt nur Ricky nur kurz zu und brüllt über das Donnern des Wassers hinweg: "Komisch, oder? Irgendwie erinnert man sich plötzlich dran, wie es funktioniert, und dann geht's einfach! Fast wie beim Radfahren!" Er bietet Laura Ann seine riesige Hand, um sie den letzten halben Meter hinaufzuziehen. Obwohl das Satyrmädchen seine Hilfe offenkundig nicht braucht, lässt sie sich mit einem breiten Grinsen an der Hüfte packen und mit einem Schwung wie beim Rock 'n' Roll auf den Absatz befördern, auf dem der Troll und Ricky warten.

Sonnenauge macht auf Ayleens Frage nur eine Geste aufwärts und beginnt wortlos ebenfalls den Aufstieg. Der Flussmann klettert wie das Indianermädchen auf ganz herkömmliche Weise. Er braucht in seiner bedächtigen Art wesentlich länger, um die Höhe zu erklimmen. Zwar wirkt er recht sicher in seinen Bewegungen und strauchelt nicht, aber man merkt ihm doch an, dass das Gebirge nicht sein Terrain ist. Auch Ayleen schafft es, nicht übermäßig elegant, aber ohne Abschürfungen und sogar ohne Risse im Rock, ihr Ziel kletternd zu erreichen
[2]. Gemeinsam suchen sich die fünf Gefährten nun einen Pfad, über den sie weiter aufwärts gelangen. Dabei dröhnen ihnen die vorbeischießenden Wassermassen in den Ohren, und zumindest für die Nichtsatyrn wird die Kraxelei auch bald recht anstrengend, so dass die Unterhaltung nur noch sehr spärlich verläuft. Ein, zwei Male haben sie das Gefühl, beobachtet zu werden, doch entdecken können sie niemanden mit Ausnahme eines einsam am Himmel kreisenden Raubvogels und einiger wirklicher Bergziegen oder ähnlicher Tiere, die die fünf nie sonderlich nah an sich heranlassen.

Endlich kommen sie, nach längerem Klettern im Zickzack, an einem großen Plateau an, das mit Geröll übersäht ist. Im Hintergrund erheben sich weitere Klippen und verlieren sich irgendwo in den Wolken. Ein großer See mit unbekannten Zuflüssen speist den Wasserfall, dessen Brüllen hier, zu einem tiefen Grollen gedämpft, wieder erträglicher wird. An seinem Rand steht, auf den ersten Blick leicht zu übersehen, eine Hütte, grob aus gewaltigen Steinen errichtet. Noch ehe sie sich miteinander darüber verständigen können, ertönen jedoch rund um sie herum knirschende Geräusche von Stein auf Stein, und eine ganze Anzahl großer, rissig wirkender Findlinge kommt in Bewegung, obwohl sie zu ebener Erde liegen... Eddy greift nach seinem riesigen Streitkolben, Laura Ann kreischt auf und Sonnenauge weicht bis an den Rand des Abhangs zurück, bleibt aber dort mit einem zweifelnden Blick in die Tiefe stehen. Seine Hand zuckt kurz zum Messer, doch er zieht die Waffe nicht.
 1. ...für den die gewürfelten Erfolge völlig ausreichend sind...
 2. Auch hier sind zwei Erfolge völlig okay.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 12.09.2018, 04:02:57
Ricky will auch unwillkürlich zurückweichen, kann sich aber gerade noch fangen. Denn wahrscheinlich sind das die Steinleute selbst. Oder sie bewegen irgendwie die Findlinge. Also keine Gefahr, wenn sie höflich bleiben.
In einer Geste, die hoffentlich auch so verstanden wird, hebt er die geöffneten Hände als Zeichen, daß er nicht bewaffnet ist und keine bösen Absichten verfolgt.
Angestrengt überlegt er, wie die Begrüßungsformel bei den Flußleuten war.
Dabei dreht er sich ein wenig zu Ayleen.
"Ich glaube, du kannst hier was ausrichten."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 13.09.2018, 18:20:00
Ayleen verbringt den Aufstieg schweigend, zu sehr konzentriert sie sich darauf, keine Fehler zu machen. Nur gelegentlich sieht sie nach den anderen, ob aus Sorge oder Neid ist ihren verschlossenen Gesichtszügen nicht zu entnehmen. Der Lärm des Wassers beginnt in ihren empfindlichen Ohren zu schmerzen, doch unterdrückt sie dies mit ihrer Willenskraft. Oben angekommen sieht sie sich aufmerksam um und beobachtet die Bewegung der Steine. Eigentlich hat sie ihre Schritte der Hütte zuwenden wollen, so belässt sie es bei zwei Schritten vom Rand weg auf dieselbe zu. So vor den anderen stehend verharrt sie still und lässt den Blick nicht von den Steinen. Ihre Arme bleiben locker an ihren Seiten und sie steht stolz aufrecht. Rickys Aufforderung quittiert sie mit einem Nicken, ohne den Blick abzuwenden. Sehr aufmerksame Beobachter könnten feststellen, dass sie ihren Körper unauffällig anspannt, um im Zweifel reaktionsschnell einem Angriff auszuweichen. Abgesehen davon wartet sie ab, wohin sich die Steine bewegen, bevor sie handelt.

Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 16.09.2018, 11:14:59
Staunend verfolgen die Gefährten ein unwirklich anmutendes Schauspiel: Die Findlinge geraten knirschend und rumpelnd in Bewegung, richten sich allen Naturgesetzen[1] zum Trotz auf und ragen endlich in Form eines Viertelkreises vor ihnen in die Höhe. Schweigend starren sie die Felsblöcke an, nur das dumpfe Rumpeln vom Wasserfall durchbricht die Stille auf dem kahl wirkenden Rand des Hochplateaus. Dann fällt ihnen plötzlich auf, wie menschenähnlich die Silhouetten der Felsen sind, und wenige Herzschläge später scheint einer der Brocken zu bersten, tiefe Risse bilden sich – um letztlich zwei Arme freizugeben, Augen, die ihre Blicke mit milchigem Glanz erwidern, einen Mund, Beine... ein Mensch steht vor ihnen. Oder doch zumindest ein Wesen, das einem Menschen sehr gleicht, sieht man von der staubgrauen Haut und den ziemlich kantigen Gesichtszügen ab. Auch die anderen Findlinge verwandeln sich nacheinander auf solch bizarre Weise, wobei die Besucher nicht unterscheiden können, ob es wirklich eine Verwandlung ist oder eher eine Art von Illusion, die sie erst jetzt durchschauen können.

Und noch immer ist es schwer, in den wahrhaftig steinernen Mienen ihrer unverhofften Gegenüber zu lesen. Auf Rickys friedliche Geste reagieren sie nicht erkennbar – aber zumindest auch nicht feindselig. Eddy nickt zu den Worten des Satyrs in Ayleens Richtung. Offenbar hat er sie als eine Art von Sprecherin für die Gruppe akzeptiert. Doch er bleibt sichtlich wachsam und sucht zugleich das kostbare Buch als auch Laura Ann abzuschirmen, die sich hinter ihm versteckt und bei weitem nicht mehr so forsch wirkt wie beim Aufstieg. Der Flussmann tritt langsam zu ihnen, vermeidet aber auch, sich in die erste Reihe zu stellen. Als sich das Indianermädchen endlich nach vorn begibt, dauert es einige Zeit, bis einer der Felsleute seinerseits auf die Gruppe zukommt. Er (oder vielleicht auch sie) ist nicht viel größer als sie, aber sehr breit gebaut. Sein Blick konzentriert sich auf Ayleen. Er gibt keinen Ton von sich, sieht ihr nur unverwandt in die Augen. Seine eigenen Augen schimmern matt und lassen keine Pupille oder Iris erkennen. Sie sehen rauchigem Bernstein nicht unähnlich. Ayleen bekommt das Gefühl, dass ihr Gegenüber sie prüfen will...
[2]
 1. Wie war das doch gleich im naturwissenschaftlichen Unterricht am Internat von Gatsburg..? Das Leben dort scheint schon Ewigkeiten her zu sein. Die Erinnerung scheint grau in grau und verschwommen wie in einem alten Kinofilm.
 2. ...und darf an dieser Stelle gern Charisma + Etiquette gegen eine 7 würfeln, ganz gleich, was sie sagt oder tut, wobei sie stattdessen auch ihren einen automatischen Erfolg nehmen darf. Ricky hat derweil Muße, sich umzuschauen, und darf auf Perception + Alertness würfeln, gegen eine 6.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 24.09.2018, 18:24:57
Bis das einzelne Steinwesen auf sie zutritt, bleibt Ayleen äußerlich vollkommen ruhig. Innerlich nimmt sie mit Zufriedenheit wahr, dass ihre Rolle als Sprecherin unbestritten ist. Ihr macht es ein wenig Sorge, dass sie mit der Situation und den Wesen unvertraut ist, ja im Grunde auch keine Parallele ziehen kann. Doch anmerken lassen will sie sich nichts.

Dem prüfenden Blick hält die Indianerfee unverwandt stand und rührt keinen Muskel. Nach einigen Sekunden hebt sie die starke Hand zum Gruß und beginnt auf der alten Sprache ihres Volkes: "Osiyo!"[1] "Ich werde Ayleen von den Anitsiskwa gerufen. Meine Kameraden und ich sind auf der Suche nach einer von uns getrennten Freundin. Man sagte uns, sie wäre hierhergekommen. Falls ihr sie nicht gesehen habt und uns helfen könnt, würden wir den Rat des Orakels suchen." Sie senkt die Hand und nimmt eine leicht abwartende Haltung ein: "Mit wem haben wir die Ehre?"
 1. Cherokee-Gruß: Etwa: Mögen dir gute Morgende beschert sein.
Ich nehme mal zur Abwechslung den automatischen Erfolg.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 01.10.2018, 23:14:24
Als Ayleen das Gespräch anfängt, entspannt Ricky sich ein wenig.
Als ihm dann die Markierungen auf den Steinleuten auffallen, kommt ihm eine Idee.
Er streckt und reckt sich ein wenig, so als wollte er nach der Kletterei seine Gliedmaßen
entspannen. Dabei versucht er seine eigenen Zeichnungen, die er vom Häuptling der Flußleute
erhalten hat, in der Sonne funkeln zu lassen, ohne das die Bewegungen zu unnatürlich aussehen.
Er hofft, daß es nicht als Affront aufgefaßt wird.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 03.10.2018, 16:15:06
Stumm starrt der Felsmann Ayleen an, die seinen Blick erwidert. Als sie endlich spricht, rührt sich kein Muskel unter der rauen, rissigen Haut des anderen. Auch nachdem sie verstummt ist, ist es für einige Herzschläge, als stehe sie doch wieder nur vor einer unbelebten, groben Statue. Doch dann nickt er langsam, zweimal. "Sho'daache" erwidert er mit einer tiefen Stimme - soweit Ayleen weiß, eine allgemeine Grußformel der Crow-Indianer. "Baláshe Daxpitcheehísshish húuk. Biiluukaalilih?" Hier allerdings verlassen sie ihre Sprachkenntnisse, und der Steinerne sagt nach einer kurzen Pause in ziemlich holprigem Englisch: "Ich bin Roter Bär. Wir wachen über Orakel. Nur Freunde stellen Fragen." Ob er absichtlich nicht auf die Erwähnung von Tiffany eingeht oder Ayleen schlicht nicht verstanden hat, ist schwer zu beurteilen.

In diesem Moment fällt sein Blick auf Rickys kunstvolle Körperzeichnungen, und das Erstaunen ist selbst auf dem kantigen Gesicht des Steinmanns zu erkennen. "Du!" sagt er und deutet auf den Satyrjungen. Auch seine Begleiter nehmen nun offenbar wahr, was er sieht, und wechseln murmelnd einige Worte untereinander. Roter Bär wiederholt: "Du – Bilder sagen, du bist Freund. Wir dich nicht kennen. Wer dein Vater?" Er bohrt seinen Blick in Rickys Augen, und der bekommt das deutliche Gefühl, dass er jetzt eine gute Antwort haben sollte...
[1]
 1. ...die ihm mit einem guten Wurf auf Intelligence + Title auch einfallen kann.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 09.10.2018, 16:50:47
Ayleen wartet die Antwort geduldig ab, doch obwohl sie die Sprache erkennt, beherrscht sie sie nicht. Mit einem entschuldigendem Lächeln macht sie universelle Gesten der Unverständnis: Hochgezogene Schultern und offene Hände. Als die englischen Worte erklingen, ist sie wieder entspannt und legt sich gerade eine Antwort zurecht, als der Rote Bär auf Ricky reagiert. Im Gespräch zur Seite geschoben zu werden ist keine neue Erfahrung für das Indianermädchen, daher konzentriert sie sich direkt auf die neuen Begebenheiten. Sie macht eine elegante Halbdrehung und gibt den Blick auf den gefragten Jungen frei. Dann fragt sie ihn: "Möchtest du selbst antworten oder wünscht du meine Unterstützung?"
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 16.10.2018, 05:38:16
Ricky ist ein wenig überrumpelt. Eigentlich wollte er doch nur darauf hinweisen, daß sie Freunde der Flußleute sind und damit das Eis brechen.
Das er jetzt in den Fokus der Aufmerksamkeit gerät, ist ihm unangenehm, schließlich hat er ja Ayleen die Bühne überlassen wollen.
Als ihn dann auch noch so viele Erinnerungen durchfliessen, wankt er kurz und wirkt abwesend.
Als er dann wieder klar denken kann, stammelt er dennoch nur ein paar kurze Worte.
"Äh ja...die Flußleute sagten....sie kennen..naja, meinen Vorfahren.
Er hieß Sturmsänger, glaub ich."
Ein wenig hilflos zuckt er mit den Schultern und schaut zu Ayleen.
"Unterstützung wäre echt toll."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 19.10.2018, 19:30:27
"Sturmsänger..!" stößt der Felsmann hervor, und trotz seiner schwer interpretierbaren Züge glauben sie alle das Erstaunen auf seinem Gesicht zu erkennen. "Machtvolle Lieder sang er!" Seine Blicke gleiten an Ricky auf und ab, während seine Kameraden hinter ihm langsam nähertreten – wohl noch immer vorsichtig und misstrauisch, aber nun auch mit deutlichen Zeichen von Interesse. Ayleen, der der Name nichts sagt, kann einen Blick von Eddy erhaschen, den es wohl in den Fingern juckt, in seinem eifersüchtig gehüteten Buch nachzuschlagen: Der Troll tritt unruhig von einem Bein aufs andere. Laura Ann macht auch nicht den Eindruck, als ob bei ihr etwas klingelt, als Sturmsängers Name fällt. Sie scheint eher zwischen Faszination und Angst zu schwanken, als sie sich so die groben Gestalten der Felsleute betrachtet. Sie hält sich auffällig nahe bei Eddy. Ihr Begleiter von den Flussleuten hingegen runzelt die Stirn und mustert Ricky seinerseits angestrengt. Seine Lippen bewegen sich leise, er scheint nachzudenken. Der Anführer der Felsleute deutet schließlich auf den Satyr und sagt mit seiner tiefen Stimme. "Wir wissen bald, ob du Sohn von Sturmsänger. Du singst, und wir fragen Orakel." Seine rissige Hand deutet zu dem hüttenähnlichen Steingebilde.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 03.11.2018, 22:01:35
Rickys positive Antwort auf Ayleens Hilfsangebot wird mit einem knappen Nicken bedacht. Nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen erweist sich emotional als zweischneidiges Schwert. Zunächst ist da Ayleens alte Persönlichkeit, die ganz froh ist, nicht beachtet zu werden, da die Beachtung meist negativ war. Doch ihre neue Inkarnation empfindet es regelrecht beleidigend, übergangen zu werden. Intuitiv beginnt sie, dies auch durch ihre Macht auszudrücken. Relativ subtil lässt sie ihre Aura wachsen, richtet sich auf und räuspert sich vernehmlich und beginnt mit wesentlich kälterem Tonfall zu sprechen, um Respekt einzuflößen[1]: "So berechtigt Sie sein mögen, diese Bedingungen zu stellen und das Orakel zu befragen, bewahren Sie doch bitte die Form. Mein Freund hier hätte durchaus das Recht, nicht darauf eingehen zu wollen." Nach diesen Worten werden die Züge der Indianerin weicher und der Ton freundlicher: "Aber wie ich ihn einschätze, wird er darauf eingehen mit der Unterstützung von uns Frauen. Unsere Führer werden sich sicherlich beraten wollen?" bei den letzten suggestiven Worten blickt sie zu den besagten Herren, deren Reaktionen ihr nicht entgangen waren.
 1. Einsatz "Sovereign + Fae" - vermutlich 2 Erfolge
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 14.11.2018, 00:44:39
"Ähm..ja...beraten. Ist ne total gute Idee. Was wir singen wollen...nämlich."
Ricky ist für den Einwurf von Ayleen wirklich dankbar. So gewinnen sie etwas Zeit.
"Allerdings weiß ich nicht, ob ich so gut wie mein Vorfahre bin. Ich meine...der hat ja auch mit
euren Leuten und denen von Fluß und Ebene gesungen.
Und Mondlied ist ja nun auch nicht bei uns."
Ricky versucht die Erwartungen niedrig zu halten, denn Singen ist nicht seine Königsdisziplin.
"Naja, wir beraten uns dann mal kurz."
Dann überlegt er noch mal.
"Möchte einer von euch mitsingen?", richtet er die Frage an die Steinleute.
"Und du vielleicht, Sonnenauge?"
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 15.11.2018, 19:40:24
Wieviel Eindruck ihr Ausbruch auf die übrigen Felsleute macht, ist schwer zu beurteilen, doch glaubt Ayleen bei dem Sprecher ein kaum merkliches Nicken zu erkennen. "Ein Mann darf Weg wählen, den er geht – aber nur ein Weg führt zu Orakel" sagt er mit seiner dunklen Stimme bedächtig. Da Ricky wenn auch recht zögerlich Zustimmung signalisiert, kommt allerdings Bewegung in die Fremden: Sie geben den Gefährten den Zutritt auf das Plateau frei, wobei sie allerdings demonstrativ die steinerne Hütte abschirmen. Immerhin können die Freunde nun von der Kante des Felsabrisses und der unangenehm dräuenden Tiefe Abstand gewinnen. Rickys Nachfrage wegen einer Beteiligung beantworten die Felsleute nicht – es sei denn, man würde einen stummen Blick als Antwort werten.

Sonnenauge dagegen nickt nach kurzem Zögern. Laura Ann scheint angesichts der positiv scheinenden Wendung ihre Angst rasch wieder zu verlieren. "Hey, vergiss mich nicht, Sonnyboy!" grinst sie. "Ist doch wohl klar, dass ich auch dabei bin, oder?" Eddy tauscht einen kurzen Blick mit Ayleen aus und begibt sich, für ein Wesen von seiner Körpergröße überraschend unauffällig, ein wenig auf die Seite, wo er verstohlen in dem großen Buch zu blättern beginnt. Die Gelegenheit scheint günstig für ihn, denn die Aufmerksamkeit ihrer Gegenüber liegt gerade auf den Beratungen. Zwar sind sie offenbar nicht gewillt, sich an Rickys Demonstration selbst zu beteiligen, doch wie es aussieht, interessieren sie sich durchaus dafür, welche Pläne die Gefährten fassen, um seine Abkunft unter Beweis zu stellen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 23.11.2018, 15:25:53
Ricky ist mal wieder verunsichert. Als Anführer hat er sich nie gesehen. Und schon gar nicht
als Nachfahre eines großen Helden, auch wenn seine Eltern im Zweiten Weltkrieg einiges
gegen die Nazis getan haben.
Und so steht er unentschlossen herum, tritt nervös von einem Fuß auf den anderen.
"Tja, äh....also....wie..wie wollen wir jetzt weitermachen?", fragt er in die Runde, wobei
sein Blick kurz zu Laura Ann rüberschwenkt und er sie aufmunternd anlächelt, um dann an Ayleen
hängen zu bleiben.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 07.01.2019, 17:58:42
Zunächst bleibt Ayleen stehen, um sich vom ordentlichen Verhalten der Steinleute zu überzeugen. Ein wenig nagt es an ihr, dass sie eine Prüfung ablegen müssen, obwohl Sonnenauge dabei ist und Tiffany auch irgendwie hier durchgekommen sein müsste. Als Bewegung in die Gruppe kommt, ignoriert sie Lauras Einwurf und nickt Eddy bestätigend zu, während sie selbst respektvoll einen gemessenen Schritt zurück macht, leicht schräg, um sich Ricky zuzuwenden.

Grundsätzlich ist sie zufrieden damit, quasi eine vorrangige Stellung in der Gruppe zu haben, doch ärgert es sie auch, sich nicht gut auszukennen. Bei Rickys Frage runzelt sie leicht die Stirn und formuliert schließlich: "Eine einfache Lösung kann ich nicht präsentieren. Meiner Ansicht sollten wir ein Stück wählen, dass wir gut beherrschen und du mit deinen Eltern verbindest - und dir selst gefällt. Von etwas anderem als Offenheit und Ehrlichkeit rate ich ab - im Angesicht des Orakels und dem Respekt, den es verdient. Vielleicht gibst du uns einen kurzen Überblick über deine Eltern und deine/ihre Vorlieben, was Musik angeht?" Inständig hofft sie, dass er nicht wieder völlig in Improvisation aufgeht, das liegt ihr selbst so fern. In einem leiseren Ton fragt sie Laura: "Könntest du bitte gleich bei Eddy vorbeischauen, ob sein 'schlaues Buch' einen Ratschlag hat?"
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 13.01.2019, 14:17:08
Sonnenauge tritt ebenfalls zu den Gefährten. Die Arme verschränkt, hört er aufmerksam zu, während die Felsleute sich etwas zurückziehen – offenbar wollen sie ihnen Raum zur Beratung gewähren. Laura Ann gesellt sich ebenfalls zu Ricky, Ayleen und dem Flussmann. Eddy dagegen blättert in den Seiten des Buches und runzelt die Stirn, während er in die Lektüre vertieft ist. Das Satyrmädchen wirft manchmal ihm, öfter aber den Felsmännern verstohlene Blicke zu – Laura Ann scheint sich nicht ganz wohlzufühlen, obwohl sie sich merklich um eine zuversichtliche Miene bemüht. Ayleen zunickend, raunt sie: "Okay, mache ich. Wenn die Typen da drüben mal nicht schauen. Die sind mir nämlich verdammt unheimlich!"

Als Ayleen und Ricky sich darüber austauschen, welches Stück man wohl am besten für den Vortrag wählen sollte, meint sie unvermittelt: "Hey, wie wär's mit dem seltsamen Teil, das wir zusammen ausprobiert haben?" Anscheinend selbst ein wenig überfahren von ihrer spontanen Äußerung, grinst sie verlegen, zuckt die Schultern und meint: "Na ja, ich meine, wenn ich auf was tippen müsste, wo diesen Steinkerlen auch die Kinnlade runterfällt..." Der junge Flussmann schaut sie fragend an. Ayleen und Ricky dagegen müssen zugeben, dass die Erinnerung an das Unendlichkeitskonzert ihnen noch jetzt so frisch erscheint, als wäre der letzte Akkord erst vor einem Herzschlag ausgeklungen. Eindruck dürfte das Werk sicherlich machen – nur ob er positiv oder negativ ausfallen würde, ist schwer zu sagen. Sie könnten ja nicht einmal in Worte fassen, welche vielfältigen Empfindungen sich für sie selbst damit verbinden!
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 23.01.2019, 18:51:25
Überraschend empathisch für ihre Verhältnisse antwortet Ayleen Laura: "Ich kann verstehen, dass die Wächter unheimlich wirken, wir treffen sie gerade zum ersten Mal. Sie sind respektvoll und bedrohen uns nicht.", versucht sie dann zu beruhigen.

Der Vorschlag, das Unendlichkeitskonzert zu verwenden, lässt Ayleen die Stirn runzeln. "Unsere Erinnerung ist frisch und eindrucksvoll ist es mit Sicherheit, aber wir wissen nicht, welchen Eindruck es machen wird. Immerhin hat uns eine Person, die sich hier besser auskennt, davon abgeraten.", gibt sie zu bedenken mit einem Seitenblick auf Eddy und sein Buch.

Dann schaut sie Ricky direkt ins Gesicht: "Im Endeffekt ist es deine Entscheidung, deine Intuition ist hier gefragt, denn sie wollen dein Erbe beurteilen. Falls du für den Vortrag dieses Stückes bist, werde ich dabei sein."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 06.02.2019, 23:26:47
Ricky blickt in die Runde und überlegt kurz.
"Das Unendlichkeitskonzert könnte Eindruck machen, allerdings haben wir kaum Instrumente. Ich weiß nicht, wie es in a capella klingt und ob es dann noch wirkt."
Er versucht sich vorzustellen, wer in der Gruppe mit seiner Stimme welches Instrument ersetzen könnte.
Schließlich verwirft er den Plan.
"Nein, ich denke Ayleen hat Recht.
Es sollte entweder was Persönliches sein oder etwas von damals.
Was von Beidem ist die Frage...."
Der Satyr horcht in sich hinein, ob er ein Echo eines der Lieder hören kann, daß sein Vorfahre Sturmsänger zum Besten gegeben hat.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 09.02.2019, 14:59:34
Während sich Ayleen und Ricky austauschen, nutzt Laura Ann eine ähnliche gemurmelte Unterhaltung bei den Felsleuten, um ziemlich leise und rasch zu Eddy hinüber zu huschen. Sonnenauge bemerkt sie dennoch und tritt unauffällig in die Lücke, die sie bei den Gefährten hinterlassen hat. Das Satyrmädchen flüstert derweil dem blauhäutigen Troll etwas ins Ohr, als er sich zu ihr hinunter beugt. Eddy war offenbar in der Zwischenzeit nicht untätig, denn er kann ihr Antwort geben, wie es scheint. Obwohl er sich sichtlich auch bemüht, seine Stimme zu senken, bohrt sich Laura Ann mit einem missgünstigen Stirnrunzeln im Ohr – die anderen haben das Grollen aus seinem Brustkasten selbst über die mehreren Meter Entfernung hören können. Auch einige der Felsleute blicken auf, doch keiner von ihnen macht Miene, den Austausch der beiden zu stören.

Endlich eilt Laura Ann wieder zu ihnen zurück, da niemand sie bedroht, wieder mutiger geworden. "Okay, Leute" meint sie atemlos. "Der Große war wohl ausnahmsweise mal nicht ganz so langsam –er hat schon in der fetten Schwarte geblättert. Scheint'n ziemlich wirres Kauderwelsch zu sein, was da drin steht, so ganz altertümliches und gedrechseltes Zeug..." Schnippisch zuckt das Mädchen die Schultern. "Er hat sich nur soviel zusammengereimt: Ricky muss wissen, was wir am besten machen. Angeblich soll's ihm irgendeiner sagen, wenn er nur richtig hinhört, oder so ähnlich war's. Wenn ihr mich fragt, klingt das ganz schön dünn für das Brimborium, das der Große um den Schmöker macht, oder?" Sie stemmt die Hände in die Hüften und sieht sich Zustimmung heischend um.

Sonnenauge allerdings scheint ihre Meinung nicht zu teilen. Er wiegt den Kopf und meint: "Ich glaube nicht, dass das sprechende Papier lügt oder wirr redet. Seine Worte haben bestimmt eine Bedeutung – man muss sie nur richtig verstehen." Laura Ann lacht auf. "Ach ja? Und wie stellst du dir das vor, Sugar? Meinst du vielleicht, 'n Geist kommt angeschwebt und sagt: 'He, Ricky, ich bin dein Ururururahn und sag' dir jetzt mal, wie’s läuft'?" Wäre die Situation nicht so ernst, es wäre ziemlich erheiternd, wie sie mit ihrem glockenhellen Organ versucht, eine tiefe Grabesstimme nachzuahmen. Aber auch jetzt wirkt Sonnenauge nicht belustigt. Im Gegenteil: Er antwortet dem Satyrmädchen nicht, sondern lächelt nur, nachsichtig, aber ernst. Und ein anderer Gefährte kann ihre Worte auch nicht lustig finden: Ricky. Der Versuch, die Sache ins Lächerliche zu ziehen, lässt in ihm nämlich erst recht eine Überzeugung wachsen, die ihm mit Ayleens Worten kam.

Wie sagte das Indianermädchen doch gleich? Es sei seine Intuition gefragt? Fast im selben Moment sieht er Sonnenauges Lächeln, und die Züge ihres neuen Freundes scheinen sich zu verändern: Runzeln erscheinen in seinem Gesicht, die blauschwarz glänzenden Haare werden dünn und grau, die Knochen treten leicht hervor, lassen ihn hager und dürr erscheinen. Aber das Lächeln bleibt. Und es macht Ricky Mut, denn die Züge, die er sieht, sind ihm irgendwie vertraut... Und als er realisiert, dass alle um ihn inklusive der Felsleute still geworden sind und ihn anstarren, ist eine Melodie in seinem Kopf. Ein Lied, ein sehr altes Lied, das von den Pferden erzählt, die über die Ebene laufen, und vom Sturmwind, der sie begleitet. Allein sich die vorzustellen, lässt bereits Bilder von Mustangs mit glänzendem Fell für ihn aufsteigen, von riesigen Staubwolken und einer unendlichen Weite voll von wogendem Gras und sanft geschwungenen Hügeln. Und die Töne drängen sich ans Licht, sie wollen über seine Lippen...
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 11.02.2019, 17:56:03
Ayleen ist zufrieden, das ihr Recht gegeben wird und ihren Vorschlägen gefolgt wird. So hält sie sich nun zurück, lässt die anderen handeln und beobachtet, wie sich die Dinge entfalten. Entsprechend wirkt sie entspannter als vorher, auch wenn sie allem aufmerksam folgt. Sie versucht, unaufffällig die Felsleute zu belauschen, selbst wenn ihr deren Dialekt nicht vertraut ist.

Lauras Art, respektlos mit den Worten ihrer Helfer umzugehen, irritiert sie. Aus leidiger Erfahrung weiß sie, wie ihre Belehrungen meist den Unwillen des Belehrten auf sie ziehen. Schließlich versucht sie es doch mit einem diplomatischen Ansatz: "Laura, das Ganze hier ist neu und nicht immer gleich erfassbar, aber wir sollten die Hilfen, die wir haben - und seien sie zunächst noch so wenig - nicht verderben. Bitte." Innerlich wollte sie sagen: "Wenn du nicht helfen und lernen möchtest, dann sei uns wenigstens nicht im Weg." Bei Sonnenauge hätte sie gerne eine Entschuldigung angebracht, wenn sie sich nicht ziemlich sicher gewesen wäre, dass das die Situation nur verschlimmert. Ihre eigenen indianisch-schamanistischen Ansichten wollte sie erst recht nicht preisgeben.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 18.02.2019, 09:53:37
Ricky nimmt erst nur die Melodie auf, die er hört, und beginnt sie mitzusummen.
Nach den ersten paar Takten öffnet er die Augen und schaut seine Begleiter auffordernd an.
Er hofft, daß sie ebenfalls in die Melodie einstimmen, auch wenn sie für sie noch neu ist.
Der Satyr ist versucht, auch gleich den Text anzustimme, aber das würde seine Begleiter in
den Hintergrund drängen. Und er  selbst hatte ja verlangt, daß sie mitmachen sollen.
Nachdem er die Melodie noch ein paar mal vorgesummt und dann auch kurz schon mal angesungen
hat, endet er und betrachtet die kleine Gemeinschaft aus jungen Leuten.
"Na, was meint ihr? Habt ihr auch etwas gespürt bei dem Lied?"
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 23.02.2019, 13:16:53
Rickys Summen klingt zunächst etwas unsicher und dünn, und er bekommt schon Angst, sich mit seinem Versuch lächerlich zu machen. Doch dann scheint sich die Melodie zu verselbständigen, und er bekommt mehr und mehr das Gefühl, dass nicht er das Lied singt, sondern dass dieses aus sich selbst heraus lebt und seine Kehle wie ein Instrument benutzt. Auch die anderen horchen auf – Ayleen sieht Bilder vor sich aufsteigen, deren Lebensnähe sie für einige Momente wanken lässt.[1] Fast glaubt sie, in eine Art dreidimensionalen, belebten Bildes hineinzufallen. Erinnerungen an das alte Lichtspielhaus in Gatsburg überkommen sie für einen Moment... Nein: Sie kann wirklich nicht leugnen, dass sie etwas gespürt hat. Ganz und gar nicht! Aus irgendeiner unbekannten Quelle fließt ihr die Erkenntnis zu, dass es sich hier um eine sehr alte Weise handelt, die von den verschiedensten Völkern mit individuellen kulturellen Färbungen weitergegeben wird – auch bei ihren eigenen Leuten ist sie bekannt.

Sonnenauge und Eddy sind sichtlich ebenfalls beeindruckt. Der junge Flussmann schließt die Augen und hört sehr konzentriert zu, während der große Troll kaum merklich den Takt mit einem rhythmischen Nicken aufnimmt. Laura Ann hat auf Ayleens Ermahnung hin erst einmal geschmollt und die Arme verschränkt. Doch interessanterweise scheint sie am empfänglichsten für die Wirkung des Liedes – oder ist es einfach ihr Naturell? Sie beginnt sich, unmerklich erst, dann deutlicher, zu der Melodie zu bewegen, wiegt sich in den Hüften, bewegt sich fast wie eine Bauchtänzerin, während ein Lächeln um ihre Lippen spielt. Der seidige, buschige Ziegenschwanz wedelt gelegentlich unter ihrem kurzen Rock hervor, als wollte er ebenso tanzen wie seine Besitzerin.
 1. Aufgrund der gewürfelten 3 Erfolge.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 01.03.2019, 06:41:52
Ayleen merkt, dass sie es anscheinend wieder geschafft hat, ihre Meinung zum Verhalten des Gegenübers nicht diplomatich genug verpackt zu haben. Sie belässt es also beim Gesagten. Zu ihrem Glück bleibt Laura still und wird schließlich von Rickys Musik abgelenkt.

Es dauert nicht lang, da hat Rickys Musik sie auch erfasst. Außer einem sich in die Ferne richtenden Blick reagiert sie äußerlich nicht, auch wenn es innerlich wesentlich intensiver ist. Die Weise ist ihr auf eine sonderbare Art vertraut, die hochkommende Erinnerung an Gatsburg und Herrn Phelps lassen andere Sorgen wieder aufflammen.

Nachdem Ricky geendet hat und seine Frage stellt, nickt Ayleen: "Das Lied ist gut geeignet. Es ist sehr alt und traditionsreich. Jedes Volk hat seine eigene Variante. Eddys, Sonnenauges und meine Interpretation werden also ein wenig abweichen von eurer. Wir sollten uns nur zurückhaltend beteiligen." Dann allerdings summt sie selbst die Melodie, um zu zeigen, dass sie sie durchaus verstanden und aufgenommen hat, auch ohne direkt mitzumachen. Ihr Mezzosopran erinnert mehr an den majestätischen Flug eines Raubvogels über die Ebene als an wilde Pferde. Was Ton und Takt angeht, bleibt sie, wie bei ihr üblich, sehr präzise.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 19.03.2019, 06:24:26
Als Ricky merkt, daß ihm das Lied immer leichter von den Lippen kommt, ja fast wie von selbst aus ihm herausfließt, schaut er sich seine Begleiter an. Es ist erstauchlich, wie auch sie von der Melodie eingefangen und mitgenommen werden. Als sich anscheinend alle mit Lied vertraut gemacht haben, sollten sie dann wohl anfangen.
"Also dann! Ich denke, wir können. Aber ich denke nicht, daß sich jemand zurückhalten sollte. Es ist ein Lied über das Leben und die Wesen, die es leben."
Er tritt auf die Steinleute zu, die weiter hinten gewartet haben.
"Wir sind soweit.", kündigt er nur kurz an.
Plötzlich, er weiß selbst nicht genau warum, stellt er ihren kleinen Chor in folgender Reihenfolge auf.
Eddy, dann Ayleen, dann Sonnenauge und Laura Ann mit ihm am anderen Ende.
Ricky beginnt mit der Melodie und sofort stimmen die anderen mit ein.
Wieder erfaßt ihn die Stimmung und die Bilder fangen an, in seinem Geist zu erscheinen.
Er fühlt sich selbst mit Laura Ann über die Ebenen jagen. Erst langsam. Aber dann schneller und schneller. Ungebunden. Sie laufen durch das Gras und schattige Haine. Über Hügel und Ebene.
Dann erscheint neben ihnen ein Fluß.
Und unwirklürchlich trennt sich Ricky von Laura Ann und springt in den Fluß. Ohne es zu merken, stimmt er in Sonnenauges eigene Interpretation mit ein.
Er ist ein Fisch, der sich der Strömung hingibt. Der fröhlich im ruhigen Verlauf des Deltas auf das Meer zuschwimmt. Nur um dann wieder umzudrehen. Durch rauschende Stromschnellen und hinauf in Richtung Laichgründe geht die wilde Wasserfahrt. Mit Sonnenauge zusammen springt er hinauf, um nach Insekten zu schnappen.
Bei einem der Sprünge verwandelt er sich plötzlich in einen Vogel. Er steigt hinauf.
Und so wie er auf einmal neben Ayleen durch die Lüfte gleitet, so nimmt er auch hier ihre Melodie auf. Wie er mit ihr singt, so fliegen und jagen sie durch die ewigen Weiten des Himmels. So frei, wie alle bisher.
Schliesslich nähern sie sich einem riesigen Berg. Umkreisen ihn und lassen sich von den Fallwinden mitziehen oder kämpfen gegen sie an.
Aber da ist jemand am Fuße der Felsformation. Ein großes Wesen. Und Ricky gesellt sich zu ihm.
Er versteht instinktiv, dies ist Eddys Version des Liedes und stimmt auch hier mit ein.
 Ein ruhiger, ewiger Fels. Einer, der nicht über den anderen steht, aber eine erhöhte Position braucht, um über sie zu wachen. Sie setzen sich in Bewegung. Der Weg führt sie nach oben. Langsam und gemächlich. Immer voran, aber sich dessen bewußt, was hinter ihnen liegt.
Fast sind sie oben angekommen, als Ricky einer Höhle gewahr wird. Und gleichzeitig vernimmt er eine neue Stimme in diesem Lied, das alles verbindet. Ein etwas rumpeliger, knirschender Unterton.
Und wieder folgt er dieser Variante.
Er ist nicht mehr nur auf dem Berg. Er ist der Berg. Der Fels. Er dringt tiefer hinab. Er wird zu den steinernen Wurzeln der Welt. Glitzernde Geoden öffnen sich ihm und geben ihre vielfarbige Pracht preis. Und dann ist da doch eine Art Fluß. Ein langsames Fliessen aus Feuer und Glut. Es drängt nach oben. Wird sich der Welt zeigen.
Eruptiv wird er hervorgegeschossen und fliegt nach oben. Immer höher und höher. Unter ihm sieht er noch einmal Alles, was er gerade erlebt hat.
Aber sein Blick erweitert sich. Es sind nicht mehr nur Einzelteile, die für sich allein Bestand haben. Es ist eine große Einheit. Alles hat seinen Platz und gehört zueinander. Ist miteinander verwoben.
Schließlich hält er weit über der Erde inne und schaut auf diese phantastische Welt hinab. Das Lied, das seine Lippen verläßt, hat sich gewandelt. Es umfaßt jetzt all die kleinen Nuancen, die kleinen Variationen, die jeder der Mitsänger eingebracht hat. Und verbindet sie so, wie auch seine Sicht auf die Dinge diese Verbindung erfaßt hat.
Nur langsam begreift er, daß er als Letztes noch singt. Er öffnet die Augen und schaut sich um. Langsam endet die Melodie und er läßt sich geistig erschöpft auf die Knie sinken. Ein fast überirdisches Lächeln ist auf seinem Gesicht zu sehen, als er die Hände in Richtung der Steinmenschen ausstreckt.
Leise fragt er: "War dies genug Beweiß für euch?"
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 20.03.2019, 19:32:35
Alle Gefährten haben in gewisser Art das gleiche Erlebnis: Stimmen sie zunächst nur in die Melodie ein, so merken sie sehr bald, wie ihr Gesang sich einem bunten Stoff aus vielen verschieden gefärbten Fäden gleich zu einem Ganzen zu verweben beginnt. Und irgendwann wird ihnen allen bewusst, dass das Lied sich zu verselbständigen scheint: Es bewegt sich, fängt regelrecht zu leben an, streckt lange Zeit vergessene Glieder prüfend und erkundet eine Welt aus tausenden und abertausenden Erinnerungen, erweckt aus langem Schlaf durch die Stimmen der Sänger. Es fließt wie ein großer Strom, der von vielen Zuflüssen gespeist auf seinem Weg immer mächtiger wird, und schließlich fühlt es sich so an, als nehme es sie mit auf seiner Reise, jeden einzelnen von ihnen.

Und sie sehen.

Sie sehen, was vor langer Zeit geschah, werden Zeuge dessen, was an weit entfernten Orten geschieht, erleben, was künftig sein mag... in dichten Wäldern, auf weiten Ebenen, auf den eisigen Höhen von Berggipfeln, am tiefen Grund von Seen. Sie sehen durch die Augen unzähliger anderer, sie haben Beine, Flügel, Fischschwänze, Federn, Schuppen, ja, Äste, Blüten, Baumrinde... und fühlen sich doch als Teil dessen, was sie wahrnehmen. Sind dies alles ihre Vorfahren? Ihre Nachfahren? Fremde? Künftige Freunde – oder Feinde? So viele Fragen, die sie bewegen, bleiben unbeantwortet. Zu rasch und zu berauschend stürmt das bunte Kaleidoskop von Gerüchen, Klängen, Farben, Gefühlen auf sie ein, als dass sie mehr als einige wenige für die Dauer mehrerer Herzschläge lang festhalten könnten.

Darum nehmen sie auch gar nicht wahr, wie sie allmählich aus diesem Strom in die Wirklichkeit zurückgleiten – sofern man ihre jetzigen Erlebnisse denn als Wirklichkeit ansieht. Was ist eigentlich mit Gatsburg, dem Internat, ihren Freunden, Familien, Mitschülern..? Doch irgendwann werden sie sich wieder ihrer selbst bewusst, der Anwesenheit der Felsmänner, des dumpfen Grollens von Wassermassen, das sie hier noch gedämpft erreicht, des Schreiens eines einsamen Adlers, der über ihnen am Himmel seine Kreise zieht. Und als sie sich gegenseitig in die Augen sehen, wissen sie alle auch ohne ein Wort zu wechseln, dass soeben jeder von ihnen eine Reise in das eigene Innerste getan hat.

Eddys mächtige Brust hebt sich unter einem tiefen, langen Atemzug. Er nickt Ricky zu, langsam, ohne ein Wort zu sprechen. Sonnenauge tut es ihm gleich. Auch wenn der Flussmann äußerlich einen gelasseneren Eindruck macht als der Troll, merkt man aber auch ihm an, wie bewegt er ist. Laura Ann, im Gegensatz zu den beiden, hat ein gerötetes Gesicht und taumelt leicht. Sie hechelt, als habe sie eine Marathonstrecke hinter sich gebracht. Doch obwohl sie die vorlaute Internatsschülerin sonst noch nie wortkarg erlebt haben, öffnet sie jetzt nur den Mund zum einem atemlos keuchend "...wow..!!" und sieht sich dann mit leuchtenden Augen unter ihren Gefährten um.

Auch die Steinmänner sind stumm. Sie bilden mittlerweile einen fast perfekten Halbkreis um die kleine Gruppe und wirken wie eine antike Statuenreihe. Keiner von ihnen zuckt auch nur mit einem Augenlid. Erst als sich Ricky an sie wendet, tritt derjenige in der Mitte, in dem man den Anführer vermuten kann, einen Schritt auf den Satyrjungen zu. Er legt eine Hand auf das Herz und hebt sie dann langsam, die offene Handfläche zu seinem Gegenüber weisend
[1] "Gruß, Sturmsänger!" sagt er weithin schallend. Darauf tritt er beiseite und nickt seinen Leuten zu.

Die Steinmänner weichen zurück und geben die Mitte des Halbkreises frei. Sie bilden eine Doppelreihe, wie eine Allee steinerner Säulen. Diese weist direkt auf den Eingang des steinernen Baus, in dem das Orakel hausen soll. Über ihnen ertönt nochmals der durchdringende Schrei des Adlers. Der Vogel ist als winziger Punkt am Himmel zu erkennen.
 1. Ayleen ist klar, was die Geste zum Ausdruck bringen soll: Er zeigt sein Herz allen offen – seine Worte kommen aus dem Innersten, ohne Hintergedanken oder Zweifel.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 26.03.2019, 05:57:33
"Tja, ich glaube, daß heißt wohl: Ja. Oder?"
Fragend schaut Ricky zu Ayleen.
Er macht sich bereit, den freigemachten Weg zu beschreiten. Zwar ist er immer noch etwas außer Atem, aber so weit ist es ja nicht.
Und ein bisschen packt ihn natürlich auch die Neugier aufs Orakel, was sein leicht wedelnder Schweif auch verrät.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 29.03.2019, 16:58:08
Ayleen lässt sich von Ricky ungerührt in die Reihe einsortieren und setzt erst im Anschluss an Sonnenauge in den Gesang ein. Wie üblich schimmert trotz höherer Stimmlage und weniger Üung mit dem Lied ihr korrektes Wesen durch. Der Rhythmus wird mit Perfektion gehalten und ein Ton wird eher ausgelassen, als das sie sih in der Stimmlage vertut. Wie immer singt sie mehr für sich als für andere. Sie genießt es, obwohl sie ewas befremdet davon ist, die anderen und deren Wesen/Erinnerungen so klar und aus der Nähe wahrzunehmen - und davon ausgehen zu müssen, dass diese auch ihr und ihrem Innersten (welches sie selbst gerade kennenlernt) so nahe kommen. Die Erinnerungen an ihre Traumreise mit der Großmutter - deren Nähe sie wesentlich weniger gestört hat - werden wach und das Lied rührt an ihrem Innersten.

Am Ende des Stückes bedeckt ein leichter Schweißfilm ihre Stirn'und lässt eine Haarsträhne kleben. Ansonsten lässt sie sich Erschöpfung und gerührt sein äußerlich nicht anmerken. Sie wahrt ihre Haltung und bestätigt: "Das war eindrucksvoll, das stimmt.' Dann nickt sie zur Bestätigung zu Ricky und dankt dem Steinwesen mit Worten und einer offenen Geste ihres Volkes. Darüber bekommt Ricky den Vortritt und sie schließt sich ihrer Gruppe auf dem Weg zum Orakel an. In anscheinend angeborener Würde passiert sie gemessenen Schrittes die Allee.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 03.04.2019, 20:11:09
Die Gefährten folgen Ricky schweigend durch das Spalier der Felsleute. Niemand sagt ein Wort – zu feierlich wirkt die plötzliche Stille auf sie alle. Selbst die vorlaute Laura Ann hält den Mund ausnahmsweise geschlossen. Standbildern aus Granit gleich säumen die Wächter des Orakels ihren Weg, als sie langsam auf die steinerne Hütte zugehen. Der Adler weit über ihnen lässt einen letzten, triumphierend klingenden Schrei hören, ehe er direkt in die Sonne zu fliegen scheint und sich ihren Blicken endgültig entzieht. Jeder von ihnen fühlt dieselbe Anspannung – nicht durch eine Gefahr, die hier drohen würde, sondern weil ihnen auf seltsame Art bewusst ist, dass sie hier vor einer wichtigen, vielleicht entscheidenden Begegnung stehen. Ein Scheideweg, an dem sich verschiedene Schicksalspfade für sie auftun mögen. Wege, Schritte im Verlauf einer langen Reise, die lange vor ihrer Geburt begonnen hat und auch noch lange andauern mag, nachdem sie nicht mehr sind.

Vor dem Durchgang ins Innere des groben Steinbaus zögern sie unwillkürlich. Sie sind sicher, es droht dort keine Falle, kein Hinterhalt oder vergleichbares – und doch: Der letzte Schritt von der sonnendurchfluteten Platte des Felsmassivs ins Innere der kaum erleuchteten Hütte erfordert eine Entschlossenheit, die aufzubringen Mühe kostet. Doch dann tun sie jenen letzten Schritt und betreten das Domizil des Orakels. Drinnen müssen sich ihre Augen zunächst an die hier herrschende Halbdüsternis gewöhnen. Ganz allmählich erkennen sie jedoch Umrisse und schließlich auch Details: Die Hütte ist, wie sie schon von außen sahen, aus großen, grob behauenen Steinblöcken aufgeschichtet. Außer dem Türdurchgang besitzt sie keine Verbindung nach außen, kein Fensterloch, nichts. Das Dach wird von mehreren Säulen aus einem alten, steinhart aussehenden Holz gestützt.

Zwischen diesen brennt ein seltsames Feuer, das ihre Blicke auf sich zieht: In einer halbkugeligen Schale, die mit der runden Seite nach unten direkt auf dem Boden ruht, tanzen rauchlos Flammen, die unablässig ihre Farbe ändern. Weiße und rote Funken züngeln zwischen grünen, blauen und gelben empor, scheinen einander zu umtanzen und können das Auge geradezu fesseln. In ihrem flackernden Licht sehen sie, an den Wänden rundum aufgestapelt, teils aber auch an kurzen Lederriemen von den Balken unter der Decke baumelnd, allerlei merkwürdige Dinge: getrocknete Pflanzen, Wurzeln, Knollen und Blüten zuhauf, einige lederne Säckchen, einfache Töpferwaren, im Flammenschein glitzernde Gegenstände, die metallener Schmuck sein, aber auch aus Bernstein oder anderen unbekannten Materialien bestehen könnten.

Auch Kultgegenstände erkennen sie: Rasseln, Trommeln, Flöten, Tonpfeifen und Medizinbeutel. Daneben Wampums und anderes Muschelgeld. Ein prächtiger Brustschmuck für Krieger, aus Röhrenknochen gefertigt, hängt neben einem kostbar bestickten und verzierten Frauenkleid mitsamt einem dazu passenden Gürtel aus bunt gefärbten, ineinandergeflochtenen Lederschnüren. Es finden sich hier alle möglichen Gegenstände aus dem Lebenskreis der nordamerikanischen Ureinwohner, die einem Anthropologen die Freudentränen in die Augen treiben würden, mit einer Ausnahme: Die Gefährten können keine einzige Waffe entdecken. Weder Pfeil und Bogen noch Speere, Beile, Schädelbrecher oder womit die Indianer sonst üblicherweise Jagd oder Krieg betreiben. Noch nicht einmal ein kleines Frauenmesser zum Ausnehmen von Tieren.

Dafür aber sehen sie rund um das Feuer mehrere flache Steine als Sitzgelegenheiten platziert, mit Fellen bedeckt. Und auf einem davon hockt eine Gestalt im Schneidersitz, vornüber gebeugt, in eine große Felldecke gehüllt. Ein alter, hutzeliger Mann, der vor dem Feuer eingeschlafen ist: So wirkt die regungslose Silhouette. Doch dann erkennen sie das volle, blauschwarz schimmernde Haar, das ohne jeden Schmuck und jede Feder wie ein dunkler Schleier den Kopf umfließt. Und als sie sich aufrichtet, blicken sie in das Antlitz eines Knaben! Dunkle, fast bronzefarbene Haut, große, ausdrucksvolle Augen in einem mädchenhaft weichen Gesicht mit hohen Wangenknochen und den typischen indigenen Zügen. Als er lächelt, zeigt er zwei Reihen perlweißer, wunderschöner Zähne. "Seid willkommen, Wanderer, und setzt euch zu mir ans Feuer" sagt er mit einer Stimme, die man fast für die eines Weibes halten könnte. Sie können alle nicht leugnen, dass er auf eine feenhafte, fast zerbrechliche Art schön wirkt. Jung, unschuldig und schön. Doch in seinen dunklen Augen liegen Ewigkeiten...
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 05.04.2019, 07:07:24
Ayleen bleibt wie die anderen kurz vor dem Eingang der Hütte des Orakels stehen, doch sieht man ihr die Nervosität nicht an. Als sie dann die Hütte betritt, schleicht sich kurz ein warmes lächeln auf ihre Lippen, bevor sie wieder ernst wird. Sie bleibt kurz hinter dem Eingang stehen und wartet, bis ihre Augen sich an die Dunkehait gewöhnt haben. Das bunte Feuer zieht ihren Blick magisch an. Nachdem ihr Blick auch den Rest erfasst hat, wirkt sie ruhig und respektvoll. Sie hält ihre Hände vor sich und öffnet sie in Richtung des Gastgebers, neigt den Kopf und formuliert einen Gruß in ihrem Stammesdialekt.

Als das Orakel seinen Blick auf die Gruppe hebt und sie willkommen heißt, kann Ayleen es nicht vermeiden, das ihr Gehirn die unwirkliche, unpassende Ansammlung von Attributen ablehnt. Sie ringt damit, es sich nicht ansehen zu lassen, neigt erneut den Kopf und dankt. Sollte er in einem indianischen Dialekt gesprochen haben, übersetzt sie für die anderen. Außerdem beruhigt sie ihre Gruppe, dass, solange sie respektvoll sind, sie sich keine Sorgen um ihr Verhalten machen müssen. Sie selbst stellt ihren Bogen und Köcher direkt neben dem Eingang ab, während ihr Messer am Gürtel bleibt. Dann nimmt sie gegenüber dem Orakel Platz.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 14.04.2019, 18:12:52
Nachdem auch Ricky sich erst an die Dunkelheit gewöhnen muß, schaut er sich neugierig um. Er ist ein wenig von der Vielzahl der Gegenstände erschlagen und findet immer wieder etwas Neues, auf dem sein Blick kurz haften bleibt.
Aber dann tritt er doch näher, als die wundersame Gestalt die Gruppe anspricht.
Er ahmt die Geste nach, die der Steinmenschenanführer ihm gegenüber gezeigt hat und hebt die Hand ans Herz, um sie dann offen in Richtung des Bewohners zu schwenken.
Sein Herz pocht ob der Schönheit seines Gegenübers ungewollt schneller und er richtet einen kurzen Seitenblick an Laura Ann.
Dann nimmt er die Einladung an und  setzt sich ans Feuer.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 18.04.2019, 11:25:49
Das Orakel wartet schweigend ab, während die Gefährten sich in dem verwirrenden Sammelsurium von Gegenständen umsehen und dann nacheinander an das Feuer setzen. Laura Ann und Sonnenauge sind recht still. Während es jedoch bei dem Flussmann der reine Respekt vor dem Orakel zu sein scheint, welches bei seinem Volk so hoch geehrt ist, kann das Satyrmädchen seine Augen offenkundig kaum von dem jugendlichen und doch uralten Gesicht wenden, das ihnen allen undurchschaubar wie eine Sphinx zulächelt. Lediglich Eddy wird kurz hörbar, als er mühsam die Beine unterschlägt, um für seinen mächtigen Körper Platz zu finden. Den aufmerksameren unter den Freunden wird auffallen, dass der Troll zum ersten Mal seit ihrem Wechsel in diese Welt seine riesige Waffe abgelegt hat – ganz von allein, ohne dass das Orakel ihn auch nur durch einen Blick oder eine Geste dazu aufgefordert hätte. Sie alle spüren: Hier ist nicht der Platz für die Attribute eines Kriegers. Entsprechend unsicher scheint sich der Blauhäutige auch zu fühlen. Goibnius Buch hat er auf die Knie gelegt, die übergroßen Hände darauf liegend, wie er es wohl auch mit dem Streitkolben tun würde.

Das Orakel nickt Ayleen freundlich zu und erwidert ihren Gruß mit einem kurzen "Willkommen, Drei-Eschen. Es ist lange her, dass du mich besucht hast."
[1] Sein Blick gleitet über die anderen. Sonnenauge neigt den Kopf in einem stummen Gruß. Laura Ann lächelt erst breit, wird dann rot und schlägt die Augen nieder, um die Lippen ein verlegenes Grinsen. Eddy hebt das Kinn an und hält dem Blick stand, wenn auch mit sichtlicher Willensanstrengung. "Auch dich habe ich schon gesehen, und es kommt mir vor, als sei es noch länger her..." sagt die rätselhafte Gestalt. Kurz bleiben die Augen auf dem Buch hängen, dann wendet sich das Orakel wieder seinen Besuchern zu. In den schwarzen Pupillen seiner Augen tanzen unzählige winzige Sternchen – Reflexionen der bunten Flammen in der Mitte der Hütte? Schließlich greift es mit einer Hand hinter sich, wo ein kleiner Kessel an einem Dreibein aus dünnen Ästen hängt. Mit einem hölzernen Löffel schöpft es Portionen einer würzig riechenden Flüssigkeit in lederne Becher und reicht jedem einen davon.

Als alle versorgt sind, streift das Orakel die Decke von seinen Schultern. Eine schmale, zierlich wirkende Silhouette wird sichtbar, gehüllt in ein Hemd aus feinem, hellem Leder mit Stickereien und bunt eingefärbten, scherenschnittartigen Tierdarstellungen. "Ihr kommt von weit her" stellt es fest. "Von sehr weit... weiter noch, als ihr ahnt. Und ihr seid auf anderem Wege zu mir gekommen als die meisten meiner Besucher. Eine..." Das Orakel schließt die Augen, über seine Züge zuckt kurz eine schmerzliche Regung. "...eine Sorge trieb euch hierher. Die Sorge um jemanden. Ganz besonders einen von euch..." Während sie unwillkürlich forschende Blicke miteinander wechseln, öffnet es wieder die Augen und lächelt erneut. "Es ist gut, dass ihr kamt. Vielen kann das Orakel mit gutem Rat helfen. Vielleicht kann es euch sogar helfen, wo ihr noch gar nicht wisst, dass ihr Hilfe braucht." Das Lächeln vertieft sich, die schmale Hand weist einladend auf ihre Becher. "Also, was führt euch zu mir?"
 1. An dieser Stelle bitte einen Wurf auf Intelligence+Alertness gegen 7, um zu schauen, ob der Name irgendwelche Erinnerungen wachruft.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 27.04.2019, 00:18:12
Zunächst hat Ayleen auf die fremde Anrede nicht reagiert, erst als sie sitzt werden ihre Augen glasig und ihr Blick verliert sich im Feuer. Unwillkürlich streicht sie sich über den Bauch und eine Träne glitzert im Augenwinkel, bevor sie sich wieder fängt. Die erste Vision ließ sie vieles erfahren, dass sie sich so höchstens hatte vorstellen können. Bei der zweiten Vision meldet sich im Nachhinein ihre moderne Erziehung. Das Konzept des Zweigeistes befremdet sie; und die Erkenntnis, dass sie dies dem Wandel auf dem Weg der Weißen zu verdanken hat, stimmt sie traurig.

So wendet sie sich mit einem ernsten Gesichtsausdruck an das Orakel: "Geehrter, ihr seid uns in diesem Punkt im Vorteil. Könntet ihr bitte Drei-Eschen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben? Ich kenne mich nur unter dem Namen ... Ayleen Anitsiskwa." Ihr Zögern ist auffällig und sie schiebt gleich schuldbewusst hinterher: "Es tut mir leid, seht es mir nach." Sie will ehrlicher und offener sein, aber ihr anderer Name ist schlicht zu persönlich.

"Bevor wir zu dem kommen, wo ihr uns noch helfen könnt, habt ihr erst einmal nach unserem Anliegen gefragt.", übernimmt sie dann wieder die Rolle der Sprecherin der Gruppe. "Wir suchen eine Freundin, die vor uns - ohne zu wissen, wie es geschehen ist - den langen Weg hierher gereist ist. Sie war entsprechend orientierungslos und ist zu euch gegangen, um um Rat zu fragen. Könnt ihr uns bitte sagen, wo sie sein könnte und was hier mit ihr gesprochen wurde? Wir wollen ihr helfen."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 03.05.2019, 05:30:04
Ricky nimmt den Becher dankend entgegen und nippt von dem, was er für Brühe hält.
Als Ayleen dann auf die Fragen des Orakels anwortet, atmet er erleichtert durch. Die Aufmerksamkeit, die man ihm geschenkt, ist ihm nicht ganz geheuer, denn noch immer ist er sich nicht sicher, was das Alles zu bedeuten hat. Diese seltsam anmutende Welt, in die sie geflüchtet sind, diese neuen Körper, die sie bekommen haben und vor allem diese Erinnerungen und Gedanken, die so plötzlich auftauchen, aber so alt scheinen.
Er hält den Blick gesenkt und erweckt den Eindruck, den Inhalt des Bechers intensiv zu betrachten.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 04.05.2019, 15:11:03
Das Orakel lächelt unergründlich. "Ihr müsst verzeihen, wenn ich manchmal ganz selbstverständlich von Dingen, Personen oder Ereignissen spreche, die euch unbekannt vorkommen. Ich lebe im Gestern, im Heute und im Morgen zugleich, während ihr durch die Zeiten wandert. Was euch unendlich fern voneinander zu liegen scheint, ist für mich am selben Ort, was ihr für ganz unterschiedlich haltet, sehen meine Augen miteinander verbunden. Es fällt mir nicht immer leicht, mich auf ein einziges Hier und Jetzt zu beschränken, doch ich will mein bestes tun." Die schlanke Hand greift in einen kleinen Beutel an der Hüfte des Orakels, kommt mit einigen getrockneten und zerriebenen Kräutern wieder hervor und wirft sie in die bunten Flammen des Feuers. Es zischt leise, und farbige Wolken steigern auf, die zwischen den tanzenden Feuerzungen ihren Weg in die Höhe suchen, wo sie verwirrende Muster bilden. Ein scharfer, würziger Geruch durchzieht die steinerne Hütte.

Ayleens Verlegenheit übergeht der Junge mit den uralten Augen so feinfühlig und subtil, dass sie sich nicht bloßgestellt fühlt: Er lächelt ihr nur kurz zu und neigt kaum sichtbar den Kopf, wodurch sie das Gefühl bekommt, von ihm verstanden zu werden. Vielleicht, so geht es ihr durch den Kopf, weiß er sogar mehr von ihren Empfindungen, als sie sich vorstellen kann... Auch auf Ricky ruht sein Blick kurz, doch scheint er hier ebenso zu ahnen oder zu wissen, was den Satyrjungen bewegt, und er schreckt ihn nicht aus seinen vorgeblichen tiefen Gedanken auf. Stattdessen beginnt das Orakel übergangslos: "Die junge Frau – ja, sie war hier. Die
Yunwi Tsundsi brachten sie. Sie war allein und verängstigt, und die Kleinen Leute helfen oftmals denen in Not. Ebenso wie ihr glaubte sie hier fremd zu sein und wusste nicht wohin. Sie weinte, denn sie sehnte sich nach ihren Freunden und ihrer gewohnten Umgebung, wiewohl sie fühlte, dass das scheinbar gewohnte gar nicht ihr Zuhause ist."

Die Flammen knacken und knistern leise, während die Gefährten der hellen Stimme des Orakels mit ihrem beruhigenden, angenehm ins Ohr gehenden Klang zuhören. "Da so viel in ihr schlummerte, das in Vergessenheit geraten war, habe ich sie auf eine große Geistreise geschickt. Eine Reise, auf der sie sich selbst begegnete – und sich erinnerte. Nun weiß sie wieder, wer und was sie ist, war und womöglich sein wird. Sie brach auf, um ihre Bestimmung zu suchen, auch wenn ihr Herz zitterte. Ein junger Krieger der Felsleute begleitete sie, um sie zu beschützen, denn ihrer Angst zum Trotz strebte sie ungestüm voran. Ich glaube, dass ein Herz zu seinem Besitzer sprach." Das Orakel lächelt auf eine seltsame Weise, während man von Eddys Platz ein dumpfes Knirschen von Zähnen hört. Der Troll starrt mit verschlossenem Gesichtsausdruck in die Flammen. "Ihre Bestimmung ist eine wichtige, daher gab ich ihr mit auf den Weg, was ich konnte, um ihr zu helfen" schließt das Orakel seine Erzählung. "Doch ist es sicherlich von Nutzen, wenn ihr der jungen Squaw ebenfalls zu helfen sucht. Es steht viel auf dem Spiel – mehr, als ihr ahnt."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 06.05.2019, 09:03:09
"Schon geschehen.", nimmt Ayleen die Entschuldigung an, als wäre es eine Selbstverständichkeit. Sein Annehmen ihrer Entschuldigung wiederum lässt sie ein wenig Lächeln, so verbunden und vertraut fühlt es sich an. Das ist ihr angenehm und ein wenig unheimlich zugleich, sie stellt fest, wie viel ihrer Selbst durch den Seelennamen bekannt ist. Sie beobachtet die farbigen Wolken und atmet den Geruch der verbrannten Kräuter tief ein.

Bei der Antwort des Orakels bezüglich ihrer Freundin hört sie aufmerksam zu und sortiert anschließend das Verstandene. Viel Gelegenheit lässt sie den anderen nicht, zuerst zu Wort zu kommen, schon setzt sie ihre Rolle als Sprecherin weiter um: "Vielen Dank, dass ihr ihr geholfen habt. Gerne möchten wir ihr auch helfen. Was steht auf dem Spiel? Wären die großen Geisterreisen auch für uns ein Weg, uns hier besser zurechtzufinden? Vielleicht vermögt ihr uns auch eine wetere Frage zu beantworten: Wir haben unsere Reise unter ungünstigen Bedingungen begonnen und eine lange Abwesenheit vom Ort des Beginns unserer Reise würde die Situation dort weiter verkomplizieren. Wann - im Sinne der dortigen Zeit - ist damit zu rechnen, dass wir unsere Dinge dort ordnen können?" Sie überlegt kurz und verlegt die Priorität ihrer Fragen erneut: "Passen wir dort noch zurück und erschwert ein längerer Aufenthalt hier eine Rückkehr? Und ehe ich es vergesse: Was ist unsere Freundin - nur um ein Wiedererkennen zu erleichtern - und wo ist sie hin?" Trotz der Fülle an Fragen bemüht Ayleen sich um einen ruhigen, unaufdringlichen Ton, auch, um sich selbst nicht als allzu unverständig darzustellen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 19.05.2019, 01:18:09
Obwohl der Satyrjunge den Blick gesenkt hat, spürt er die Augen des Orakels kurz über sich gleiten. Unwirkürlich und unverständlich durchfährt ihn ein Frösteln, trotz der Hitze des Feuers und der Brühe.

Aufmerksam lauscht er dem Gespräch der Ureinwohner. Auch wenn er nicht wirklich viel von dem versteht, worüber die beiden reden, scheint es wichtig.
Und es fällt ihm ein, dass eine, wie er findet, wichtige Frage noch fehlt.
"Es wäre vielleicht auch wichtig zu wissen, seit wann die Beiden aufgebrochenen sind, oder?"
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 19.05.2019, 13:31:08
Es ist eine seltsame Atmosphäre, in der sie sich unterhalten. Fremdartig, faszinierend, doch zugleich irgendwie heimelig und vertraut. Eddy und der Flussmann beteiligen sich nicht direkt am Gespräch – während der Troll finster vor sich hin starrt und eigene Gedanken zu wälzen scheint, hält Sonnenauge den Blick stets auf das Orakel gerichtet, in einer Weise, die ungekünstelt daherkommt, aber auf große Ehrerbietung schließen lässt. Laura Ann ist die einzige, die sich irgendwann zumindest ein Stück weit aus dem Bann löst, der sie alle unwillkürlich vor jedem Schritt überlegen lässt, als seien sie in einer ehrwürdigen Kirche: Das Satyrmädchen hat zwar die Beine seitlich abgewinkelt und sitzt so ohne ihre üblichen kokett-respektlosen Gesten dem Orakel schräg gegenüber, doch ihre Blicke beginnen irgendwann kühner durch den Raum zu wandern. Neugier und Unbekümmertheit, wie die anderen sie von ihr kennen, brechen allmählich wieder durch. Dennoch unterbricht auch sie nicht den Wortwechsel zwischen Ayleen, Ricky und dem Orakel.

Das letztere wiegt den Kopf in einer greisenhaft wirkenden Geste, die so gar nicht zu dem jugendlichen Äußeren zu passen scheint. Die Lider sinken über die dunklen Augen, in denen mit dem Schein der bunten Flammen winzige Sternchen zu tanzen scheinen. "Viele Fragen auf einmal. Und ihr habt im Gegensatz zu mir nicht viel Zeit, wenn ihr helfen wollt. Ich" erklärt das Orakel und lächelt unergründlich "habe keine Zeit, aber gerade darum mangelt es mir nie an ihr." Rasch wird es wieder ernst und fährt fort: "So will ich also versuchen, euch zu erklären, was mit Worten nicht schnell und auch nicht vollständig zu erklären ist." Eine neue Handvoll Kräuter wandert in die Flammen, von denen sich eine weitere Welle würzigen, scharfen Geruchs verbreitet. "Ihr seid Wanderer zwischen zwei Welten – so wie eure junge Freundin. Es gibt verschiedene Wege, die euch von hier nach dort oder umgekehrt führen. Mindestens einen davon habt ihr bereits kennengelernt, das junge Mädchen einen anderen. Doch über diese verschlungenen Pfade, die ganz verschiedene Gestalt haben können, schreiten nicht nur euresgleichen."

Das Knistern der Flammen wird von keinem Atemhauch übertönt, da sich alle gespannt vorgebeugt haben und dem Orakel zuhören. Nach einer kleinen Pause erklärt es: "Die Verbindungen sind auch wichtig für die Existenz beider Welten. Ohne den Austausch mit jener Welt wird diese hier sich in wirren Träumen verlieren, Substanz und Stabilität einbüßen und schließlich verwehen wie ein ferner Traum, der in Vergessenheit gerät. Die andere Welt... sie würde ohne die Tore erstarren. Sie würde an Lebenskraft, an
Farbe verlieren, bis sie ein totes Gebilde wäre, eine Maschine, deren Zahnräder sich drehen und drehen, ohne Seele, ohne Vergangenheit und damit ohne Zukunft. Beides wäre schrecklich. Wächter sind darum eingesetzt worden, welche die Tore hüten und offen halten sollen. Leider gibt es nicht mehr sehr viele von ihnen... Auch das Mädchen kam über einen verwaisten Pfad. Es hatte Glück oder wurde vom Schicksal beschützt, denn diese Pfade sind sehr gefährlich." Die Stimme des Orakels klingt traurig. "Aber als wäre dies nicht genug, gibt es auf beiden Seiten jene, die glauben, sich abzuschotten sei besser. Sie sehen die jeweils andere Welt als Hort einer ansteckenden Krankheit an, welche die ihre verdirbt."

Sein Blick geht unter den Gefährten umher. "Womöglich seid auch ihr schon einigen von jenen begegnet..."
Und wirklich, in ihnen klingt die Erinnerung an jenen Mann in Ricks Café nach, an die nichtssagenden Gesichtszüge, die seelenlose Stimme... "Eben jenes Tor, was eure Freundin hierher führte, ist bedroht – eines der letzten. Es hat keinen Hüter mehr, und darum muss ein neuer gefunden werden. Eure Gefährtin hat eine Bestimmung, die damit zusammenhängt. Mehr darf ich euch nicht sagen. Der einzige Weg, etwas über euch und eure eigene Bestimmung zu erfahren, ist die große Geistreise. Wenn ihr dazu bereit seid, will ich euch auf diese Reise schicken." Wieder trifft jeden von ihnen ein langer Blick aus den rätselhaften Augen des Orakels. "Aber seid auf der Hut: Seine Bestimmung zu kennen und ihr nicht zu folgen, kann heißen, dass man daran zerbricht – sei die Bestimmung nun eine, die man freudig begrüßt, oder nicht! Ob euch euer Pfad wieder in jene andere Welt zurückführt, wann das sein wird und was ihr dann dort vorfindet... das im Vorhinein zu wissen, wäre nicht gut für euch." Ein Lächeln stiehlt sich auf die jugendlichen Lippen. "Indes, ganz ohne klare Antworten auf eure drängenden Fragen will ich euch nicht lassen: Eure Freundin brach vor drei Tagen auf, und ihr werdet sie erkennen, solltet ihr einander begegnen. Sie trägt das Erbe der Sluagh in sich. Eine tiefe Ernsthaftigkeit und Trauer umgibt sie. Armes Mädchen... so schmale Schultern, auf denen so viel lastet!" Das Orakel verstummt mit einem leisen Seufzen.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ayleen Chepi Anitsiskwa am 21.05.2019, 17:02:12
Ayleen lauscht den Worten des Orakels mit ernsthaftem Respekt und lässt sich von Lauras Art nicht irritieren. Sie signalisiert über weite Strecken des Wortwechsels ihr Verständnis und unterdrückt den Schauer, der ihr bei der Erinnerung an die Herren in Grau über den Rücken läuft. Die Warnung des Orakels vor den Erkenntnissen, die die große Geistreise einem verschafft, lässt die junge Indianerin und Enkelin einer Schamanin innerlich sarkastisch grinsen. Wieviele Wege sie alleine in der einen Welt rund um das Konversatorium zu beschreiten versucht und wie 'einfach' das Wissen war, was sie aus ihrer ersten Reise zu den ewigen Jagdgründen mitgenommen hatte, ist ihr sehr deutlich bewusst. So sieht sie kurz bedeutungsvoll zu Eddy und vor allem seinem Buch hinüber, als der unbekannte Ausdruck Sluagh fällt. Dann fragt sie direkt: "Mit welchem Namen und welchem Ruf ist mein Erbe hier in dieser Welt verbunden? - Wenn ihr so freundlich wäret, es mir zu verraten?" Dann schaut sie noch einmal in die Runde und verkündet schließlich: "So es unsere Hilfe für unsere Freundin nicht unmöglich macht, möchte ich bitte auf die große Geistreise geschickt werden. Eine solche Hilfe zur Orientierung ist mir vertraut und ich empfinde auch ire Notwendigkeit." Dann greift sie in ihre Beutel und beginnt, ihren eigenen Medizinbeutel hervorzukramen. Den anderen teilt sie zur Beruhigung mit: v"Habt keine Sorge, was diese Reise angeht, ei Schaden wird nicht daraus erwachsen. Im schlechtesten Falle wird das Verständnis des Erfahrenen erst mit der Zeit kommen."
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Ricky am 13.06.2019, 00:05:14
Ricky bleibt nicht viel zu sagen. Er kennt sich mit den Gebräuchen der Indianer nicht aus. Also vertraut er auf Ayleens Einschätzung.
"Wenn du meinst...dann ist das wohl okay.
Also los dann."
Mit einem hoffentlich aufmunterndem Lächeln richtet er sich auf und wartet auf die Geistreise.
Titel: Kapitel II: The show must go on
Beitrag von: Changeling am 22.06.2019, 11:40:22
Auf Ayleens Frage lächelt das Orakel. "Du weißt es schon. Ich helfe dir, dich zu erinnern." Mit ihrer und Rickys – wenn auch zögerlicher – Zustimmung und nachdem auch Laura Ann, Sonnenauge und Eddy genickt haben, beginnt es mit den Vorbereitungen für eine Zeremonie, die mindestens dreien von ihnen fremd scheint: Um das Feuer in der Mitte werden verschiedene Lederbeutel und Tontöpfe gruppiert, deren Geruch zum Teil verrät, dass sie getrocknete, zerriebene Kräuter, Wurzeln und ähnliches enthalten. Eine zumindest milde halluzinogene Wirkung schwant den Gefährten nach ein paar prüfenden Atemzügen durch die Nase. Laura Ann murmelt leise etwas und schüttelt den Kopf. Gerüchten in Gatsburg zufolge steht sie beim dortigen Lehrkörper im Verdacht, schon erste Erfahrungen mit ganz ähnlichen Substanzen gemacht zu haben... Bei einigen anderen Beuteln vermutet zumindest Ayleen, dass es sich eher um Medizinbeutel handelt, die heilige Medizinen enthalten und nicht etwa im Feuer landen werden.

Dann bereitet das Orakel einen Sud vor, den sie alle trinken müssen – ein Gebräu, das zwar würzig, aber nicht gerade angenehm schmeckt und auf der Zunge ein pelziges Gefühl hinterlässt. Davon abgesehen verspüren sie zunächst keine Wirkung auf ihre Sinne. Jedenfalls keine negative. Im Gegenteil: Sie stellen erstaunt fest, wie intensiv sie den angewiderten Ausdruck auf Laura Anns Gesicht wahrnehmen, der der Sud offenkundig ganz und gar nicht zusagt. Auch die Gerüche aus den Lederbeuteln und Tontöpfen scheinen ganz von allein kräftiger zu werden. Und dann setzt ein regelmäßiges Wummern ein, das – nein, nicht von ihrem heftigen Herzschlag kommt, sondern eher umgekehrt die Herzen dazu bringt, sich seinem Takt anzugleichen. Auf einer kleinen, mit Tierhaut bespannten Trommel schlägt das Orakel den langsamen Rhythmus und wandert dabei im Kreis um die Sitzenden und das Feuer in ihrer Mitte herum.

Dichter werdende Schwaden betäubender Düfte ringeln sich zwischen ihnen in die Höhe. Und allmählich, ganz allmählich gesellt sich dem Trommelschlag auch leiser Gesang bei. Wortlos, nur ein Summen zunächst, von einer Stimme, in der sie nur mit Mühe die des Orakels wiedererkennen, weder männlich noch weiblich, aber irgendwie auch beides zugleich und vor allem von einer hypnotischen Wirkung, die ebenfalls ihren Herzschlag mitzunehmen scheint. Vor ihren Augen verschwimmt die Umgebung, ihre Körper werden leicht wie Federn und erheben sich vom Boden, um der steinernen Decke der Hütte entgegen zu schweben – oder bilden sie sich das nur ein..?
Die Erinnerung an ihr erstes Erlebnis mit dem Tor in dem alten Lichtspielhaus steigt wie aus dem Nichts auf... und dann fallen sie in ein Kaleidoskop aus Farben hinein und spüren:

Ihre Große Geistreise hat begonnen.


~ Ende des zweiten Kapitels ~