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Online-RPGs D&D 5E => Forgotten Realms - Storm King's Thunder => Thema gestartet von: Idunivor am 19.04.2018, 12:04:01

Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Idunivor am 19.04.2018, 12:04:01
Mirabar, die rechste Stadt des Nordens. Wenn man sie sich ansah, dachte man jedoch nicht an Reichtum. Man dachte vielmehr an eine Festung. Denn diesen Eindruck erweckten die hoch aufragenden Bauten, die in einer Gabelung des Flusses Mirar gelegen waren. An zwei Ufern erstreckte sich die Stadt und zwei große steinerne Brücken verknüpften den nördlichen und den südlichen Tei. Schnell floss das kalte Wasser, das aus allen Teilen des Grats der Welt hier zusammenkam, unter den Bögen der Brücken hindurch in Richtung Luskan. Selbst der Flusshafen - denn neben der Straße ist der Mirar die wichtige Lebensader der Stadt - ist schwer befestigt. Anders als viele der kleineren Siedlungen und selbst Städte hier in der Wilden Grenze, hatte Mirabar die letzten hundert Jahre mit all ihren Umwälzungen beinahe unberührt überstanden. Das verdankte es sicherlich nicht zuletzt seinen hoch aufragenden Mauern, dem Reichtum, der in den tiefen Minen verborgen lag und der Axt von Mirabar, der wehrhaften Miliz aus Schildzwergen, die so schnell nicht ins Wanken geriet.
Einige Vertreter dieser Axt bewachten immer die Tore zur Stadt. Gewaltige Türflügel mit Eisen und Silber beschlagen, die selbst den Hieben von Riesen standhalten sollten. Wachsam blickten die Zwerge von oben herab auf die Straße. Doch ansonsten sah man hier in den Straßen sehr viel mehr Menschen als Zwerge, auch wenn die Architektur hier mit lauter Stimme zwergisch sprach. Das alles war auch kein Wunder, schließlich lag unter den sichtbaren Mauern noch eine zweite Stadt, die Unterstadt in der die Zwerge lebten und nach Reichtümern schürften. Es hieß dort sollen sogar Zugänge zum Unterreich verborgen sein, so tief führten die Tunnel Mirabars in die Eingeweide Torils.
Aber hier oben war davon nicht viel zu sehen. Hier gingen Menschen ihren Geschäften nach und auch wenn die Axt von Mirabar überall gegenwärtig war, so konnte man doch klar erkennen, dass alles hier auch für die größer gewachsenen Menschen errichtet worden war. Zahlreiche Händler füllten die Straßen und allerlei Volk war hier unterwegs. Außer Zwergen und Menschen sah man jedoch nur wenig andere Völker in Mirabar. Vereinzelt Elfen aus den großen Wäldern, den ein oder anderen Halbling und von Zeit zu Zeit auch einige Uthgard-Barbaren, die in die Stadt kamen um Felle und Geweihe, die sie erbeutet hatten, gegen all das einzutauschen, was ihnen die Wildnis des Nordens nicht zu bieten vermochte.
Doch die heutigen Gäste waren nicht von solch komerziellen Interessen getrieben, als sie durch die Tore der Stadt traten. Sie machten sich zielstrebig auf zu einem anderem Ziel, dem Sitz von Marquis Selin Ramur, dem menschlichen Herrscher Mirabars, der sämtliche äußeren Angelegenheiten der Stadt händelte und sie unter anderem in der Fürstenallianz vertrat. Er hatte diese illustre Gruppe fremder, die an diesem Tag ihren Weg nach Mirabar fand hierher versammelt. Oder besser gesagt, er würde dem Treffen vorstehen, das hier anberaunt worden war. Keiner der Fremden wusste bisher so genau worum es hier gehen sollte. Sie waren von ihren Vorgesetzten gebeten worden, sich an diesem Tag, dem 4. Kythorn im Jahr der Rückkehr des Sternenwanderers 1490 TZ, hier in Mirabar im Anwesen des Maquis einzufinden, um einen neuen Auftrag zu erhalten. Für manche von Ihnen war das eher ungewohnt, da sie üblicherweise ihre Zeit eher in der Wildnis verbrachten, aber es klang dringlich, also würden sie diese Ausnahme machen.
Ihre Schritte führten sie also zu dem Sitz des Maquis, ein großes Anwesen am Südufer des Mirar, das von Milizionären der Axt von Mirabar bewach wurde. In diesem Fall Menschen und nicht Zwerge, aber sie sahen deshalb nicht weniger wehrhaft aus. Ohne viele Fragen ließen sie die Fremden vor und ein Diener brachte sie in einen kleinen Empfangssaal, der sich im Erdgeschoss des Hauses befand. Auf mehreren Tischen verteilt stand hier reichlich Speis und Trank. Der Maquis wollte seine Gäste offensichtlich mit diesem Angebot vom Reichtum seiner Stadt überzeugen, denn nicht nur die Verpflegung war luxuriös, sondern die Einrichtung sprach dieselbe Sprache. Vorhänge aus feiner Seide neben gläsernen Fenstern, gepolsterte Sessel und Sofas. Außerdem Gemälde von früheren Herrscher der Stadt an den Wänden. Ein Diener informierte die Gäste darüber, dass es noch einen Moment dauern würde, bis der Maquis eintraf, da ihn die Geschäfte der Stadt gebunden hielten. Er forderte aber ausdrücklich dazu auf, sich an den Speisen und Getränken zu bedienen, während er selbst sich zur Tür zurückzog, um für eventuelle Fragen zur Verfügung zu stehen.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Dolgrim Frostbart am 19.04.2018, 19:32:23
Dolgrim hatte einen anstrengende Reise hinter sich als er, kaum zurück gekehrt, in die Halle von Durnik gerufen wurde, dem Befehlshaber der Dachläufer, wie viele Zwerge sie nannten, weil sie statt unter der Erde herumzulaufen, meist an der Oberfläche waren. Früher einmal wurde dieser Begriff mit abfälligem Ton benutzt, heute jedoch eher mit einem ironischen. Denn die Zeiten hatten sich geändert und die Zitadelle war heute ein fester Teil der Oberflächenwelt, ja sogar einer Oberflächenallianz, den Silbermarken. Lange konnte keiner der Zwerge glauben, dass sie einmal dazugehören würden, doch nun war auch das schon wieder Geschichte. Für viele Zwerge, auch für Dolgrim, war das normal.

Er hatte also sein Gepäck in einer Ecke abgesetzt, hatte sich schnell die Hände und das Gesicht gereinigt und war losgegangen. Auf dem Weg hatte er nur kurz beim Steinbeißer angehalten und einen kleinen Krug Bier geleert, doch dann stand er vor dem alten Zwerg. Dolgrim hatte nach Bier gerochen und Durnik hatte darüber hinweg gesehen. Schließlich war Dolgrim fast drei Wochen unterwegs gewesen, war hoch in die Berge gestiegen, dort wo der Winter das Land noch in seinen Klauen hielt, da war so ein kleines Bier auf dem Weg zu einem wichtigen Gespräch zu verzeihen. Aber dann hatte der Alte klar gemacht, dass es heute kein Bier mehr geben würde. Dolgrim sollte unverzüglich nach Mirabar reisen, um dort als Klinge, Ohr und Auge der Zitadelle und der Smaragdenklave an einer wichtige Aufgabe zu übernehmen. Mehr hatte er nicht gesagt und Dolgrim vermutete, dass er selbst auch nicht mehr wusste. Aber das war egal, wenn Durnik ihn aus schickte, dann würde er gehen.

Und Mirabar, ja Mirabar war eine wunderbare Stadt. Er war nur ein oder zweimal dort gewesen und es war schon lange her. Sehr lange. Er freute sich darauf, die starken Mauern der Zwerge wiederzusehen. Schnell hatte er sein Gepäck zusammen, er brauchte nicht viel, das Pony gesattelt und, ohne ein weiteres Bier, die Zitadelle verlassen. Die Reise war sehr viel angenehmer gewesen als die Zeit in Eis und Schnee, meist hatte er im Freien oder in einfachen Rasthäusern geschlafen, Bier hatte es überall gegeben und dann war er angekommen. Einen Tag zu früh, er hatte sich extra beeilt, sein Pony nicht geschont, denn er wollte noch eine Nacht in Mirabar schlafen. In einer der wenigen verbliebenen Zwergen-Tavernen, die von den Menschen wegen den kleinen Räume und den dicken Mauern mit den wenigen Fensterlöchern gemieden wurden. Sein Pony hatte die Strapazen auf sich genommen, Dolgrim war dafür regelmäßig mehrere Stunden selbst gelaufen, so dass das Tier ihn nicht auch noch tragen musste. Dafür bekam es nun die beste Pflege, die man in Mirabar kaufen konnte.

Und so waren beide, Tier und sein Reiter, bestens gelaunt, als die Sonne aufging. Dolgrim ließ das Pony im Stall, der Weg zum Sitz des Marquis war nicht weit. Er war früh dran, also marschierte er einmal kreuz und quer durch die Stadt und bewunderte die prächtigen Bauten. Eigentlich mochte er, anders als die meisten Zwerge, Städte nicht so sehr. Aber Zwergenstädte waren für ihn eher eckige Berge, man fühlte sich anders als in den Städten der Menschen. Und dann war es soweit, er stand in diesem Raum, zusammen mit einigen anderen. Und er war neugierig, was genau sie hier sollten. Es war eine sehr unterschiedliche Gruppe. Er, der Zwerg, klein im Vergleich zu den anderen, in einfacher Kleidung, einer starken Rüstung und einer recht ansehnlichen Axt, naja, da waren noch zwei kleine Äxte, die an seinem Gürtel hingen. Den Bogen hatte er in der Taverne gelassen, er war schließlich nicht hier, um zu kämpfen. Auch den schweren Reiserucksack hatte er nicht mit gebracht. Auch hatte er seine Kleidung vor diesem Treffen gesäubert, er war schließlich im Haus des Marquis, und sich einen ordentlichen Mantel über gezogen, nicht den warmen, aber zerschlissenen Reiseumhang. Er war zufrieden gewesen, bis er die anderen gesehen hatte. Aber dies hatte ihn nur kurz beschäftigt, er war schließlich nicht hier, um auf einen Ball zu gehen.

Als er dann die Leckereien sah und sie auch noch angeboten wurden, konnte er sich nicht mehr zurück halten. Er bedankte er sich bei dem Diener und wollte schon loslegen. Aber kurz besann er sich noch eines besseren und stellte sich vor. "Dolgrim Frostbart, aus den Silbermarken." Das musste genügen und dann kümmerte er sich um das Buffet.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 20.04.2018, 09:51:48
"Das soll eine Stadt sein?" fragte Skip, als Mirabar am Horizont auftauchte, aus seiner Enttäuschung keinen Hehl machend. Darauf hatte er sich auf den langen Tagen ihrer Reise, dem endlosen Wandern durch die Wildnis, gefreut, mit diesem Gedanken hatte er sich ermuntert: Halt durch, Junge, bald seid ihr da? (Natürlich waren die beiden der Straße gefolgt, die auf kürzestem Weg von Tiefwasser nach Mirabar führte, gut befestigt und rege bereist war, und so konnte Azrim unterwegs nur müde lächeln, wenn Skip über die "Wildnis" klagte.) "Was soll's", tröstete er sich, als man sich eine Weile später dem Tor näherte, "es zählen die inneren Werte." Er zwinkerte Azrim zu.

Durch die Gassen reitend, auf der Suche nach einer Herberge, fiel ihm so einiges auf. Erstens, die Straßen und Gebäude waren so ordentlich gebaut, breit, solide, ohne Schnörkel und Winkel, dass sich Schlupflöcher, anders als in Tiefwasser (wo die Qual der Wahl das größere Problem war), nur mit Mühe finden ließen. Die Bewohner schienen auch ordentlicher zu sein und weniger herumstehen oder –liegen zu lassen; Abfall sah er gar keinen, aber auch Kistenstapel, Fässer und dergleichen kaum oder nur an Orten, wo sehr viel Platz drumherum war, weswegen sie aus seiner Sicht nichts taugten; ha, selbst die Wäsche hing hier so weit aus dem Weg (zumeist hoch über den Köpfen), dass man sich nicht einmal kurz hinter eine Leine ducken konnte. Deprimierend!

Zweitens sah er auf den ersten Blick nur Menschen und Zwerge. In seiner Heimatstadt drängte sich ein bunt gemischtes Volk aus aller Herren Länder in den Gassen, hörte man an jeder Straßenecke eine andere Sprache, führte man Gespräche auch schon einmal in zwei oder drei verschiedenen, man half mit Händen und Füßen nach, wenn Worte zur Verständigung nicht ausreichten... Aber hier? Hier fielen Azrim und er auf wie bunte Hunde. (Ja, sogar er selbst, als Viertelelf, mit seinen nur leicht spitzen Ohren und den etwas zu scharf leuchtenden Augen, und Azrim erst!) Skip fiel nicht gerne auf.

"Vielleicht sollte ich was wegen der Ohren machen..." Mit der richtigen Frisur, dem richtigen Hut oder Kappe, ging Skip leicht als Mensch durch. (Die Augen, wie gesagt, blickten etwas zu intensiv, aber da konnte man gegensteuern, indem man die Lider halb schloss oder den Blick unstet schweifen ließ oder den Augenkontakt auf andere Weise minimierte.)

Drittens fiel Skip auf, nun, das war jetzt nicht wirklich eine einzelne Beobachtung, sondern ein zusammenfassendes Gefühl: er kam sich fremd vor. Eine banale Feststellung, mag man denken, aber Skip, der Tiefwasser noch nie verlassen hatte, war nicht darauf vorbereitet. Wie ein ganz anderer Mensch kommt man sich da vor: verunsichert, wo man Selbstsicherheit gewohnt war, verletzlich, weil einem jegliches Wissen fehlt, aus welcher Richtung Gefahr drohen könnte, und einfach so richtig unwohl in seiner Haut.

"Na das kann ja spaßig werden", murmelte er, von den vielen neuen Eindrücken überwältigt.

~~~

Das Haus des Marquis betrat Skip natürlich in seinem besten Gewand gekleidet, mit den dazugehörigen Manieren. Auch Gestik und Körpersprache waren angepasst. Die Krempe des Hutes verbarg die spitzen Ohren, zumindest auf den ersten Blick. (Die wenigsten Leute blicken zweimal.) Er hätte ein Kaufmann sein können, mit recht gut gehenden Geschäften. Sein Lächeln war offen, seine Stimme eine Spur zu laut, sein Schritt entschlossen. Der Rapier baumelte derart elegant an seinem Gürtel, an mit Samtschleife verziertem Lederband, dass Zweifel aufkommen mussten, ob sein Träger denn auch wisse, wie damit umgehen.

Während man auf den Marquis wartete, sah Skip sich im Empfangssaal um. Verstohlen nahm er Bestand auf. Was lag hier alles herum, das sich einzustecken lohnte? Wohin führten die Türen? Wie war es um die Fenster bestellt, boten sie Einstiegsmöglichkeiten? Fluchtwege? Gab es Verstecke?[1]

Die angerichteten Speisen interessierten ihn erst einmal weniger. Die Arbeit ging vor.

Als der Zwerg sich vorstellte, wandte Skip sich ihm aufmerksam zu, vermeinend, er gehöre hier dazu und man würde durch ihn jetzt weitere Instruktionen erfahren. (Von den Silbermarken hatte Skip noch nie etwas gehört, deshalb war ihm das kein Hinweis, dass es sich bei Dolgrim Frostbart um einen Fremden handelte. Auch dessen Aufmachung hätte normale Zwergenkleidung sein können.) Doch da dieser sich statt dessen ans Essen machte, blieb nur der Schluss, dass es sich bei ihm um einen weiteren "Gast" handelte.

"Langweilig!" maulte Skip einige Zeit später, als der Marquis noch immer auf sich warten ließ.
 1. Perception = 12 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=9119.msg1045960#msg1045960)
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 20.04.2018, 11:02:29
Es war schon eine seltsame Begebenheit, dass sich Gaston auf den Weg in das verschneite Mirabar gemacht hatte. Es fühlte sich ein wenig falsch an. Gerade da es dem Gastons so schlecht ging wie nie, überließ er es seinem Souschef, um irgendwelchen Gildenaufträgen nachzujagen. Doch momentan brauchte Gaston vor allem zwei Dinge: genügend Geld, um die laufenden Rechnungen zu bezahlen, und ein paar neue Rezepte, um wieder ins Gespräch zu kommen. Vor allem aber brauchte er eine neue Zutat. Eine Zutat, die man in Tiefwasser nicht bekommen konnte, die aber auch leicht zu transportieren war. Etwas, das man im Essen nicht identifizieren konnte. Vielleicht ein Gewürz oder ein Stück aromatischen Käses. "Verfluchter François!", murmelte Gaston und zog den Pelzmantel enger um die Schultern, "Schimmel und Kakerlaken sollen ihn holen! Ihn und seine magischen Betrügereien!"
Der ganze Vorfall ärgerte Gaston maßlos, wie auch die reichen Banausen, die sich mit Glitzer und Glanz beeindrucken ließen. Wenn er ehrlich war, so musste Gaston zugeben, dass er den Adel verabscheute, ja er hasste ihn geradezu. Jedenfalls die meisten Adeligen hasste er, denn es gab durchaus Ausnahmen, nämlich Feinschmecker, die einen 1378er von einem Rotwasser unterscheiden konnten (nicht dass Gaston gerne Wein trank - es ging hier nur um die gustatorische Fähigkeit). Aber die meisten seiner Gäste gingen ins Gastons, weil es chic war und fraßen seine Speisen in sich hinein und soffen seine Vorräte alle. Doch das Problem war, dass Gaston auf sie angewiesen war. Er brauchte, so banal es klang, einfach ihr Geld. Thunfisch und Rehwild waren teuer, Safran und Chillis waren noch teurer und der beste Anisée kostete ein Vermögen. Solchermaßen war Gaston durch eine... Zweckgemeinschaft mit den Adeligen verbunden, die seine Speisen bezahlen konnten. Ihm selbst hätte es genügt, nur für sich selbst zu kochen. Und für Freunde.

~~~

In Mirabar war Gaston zunächst zum Marktplatz gegangen. Die Stände wurden bereits abgebaut und er hatte kaum noch Zeit. Mit fachkundigem Blick betrachtete er das Angebot. "Stockfisch? Ein brachialer Geschmack und sehr dominant. Ich hätte Lust, damit zu experimentieren. Vielleicht mit... hm... hm... Vielleicht doch keine so gute Idee. Was sollte man wohl dazu trinken...?". Auf diese Weise verbrachte Gaston noch etwa eine Stunde auf dem Marktplatz. Und war damit schon viel zu spät für die Verabredung.

~~~

Gaston band Lucie vor dem Haus an und betrat das Gebäude. Schon im Flur strömten ihm gute Gerüche entgegen. Obwohl Gaston an sein eigenes Essen höchste Ansprüche stellte und mit kaum etwas zufrieden sein konnte, war er kein Kostverächter, was das Essen anderer anging. Mit höchst gespannter Miene stieß Gaston die Tür auf - und blieb erst einmal stehen.

"Malcolm?!", fragte er fassungslos in den Raum hinein. "Was machst Du denn hier?
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Azrim Greycloak am 20.04.2018, 14:16:52
Zufrieden war Azrim von Süden her in Richtung Mirbars gezogen und hatte dabei Skips Begleitung genossen. Also weniger den Redefluss des Halbmenschens, oder dessen ununterbrochener Suche nach Abwechslung und Unterhaltung, sondern die Tatsache das sich jemand um die Gespräche mit den unzähligen Menschen entlang ihres Weges kümmerte. Stallburschen, Wirtsleute, oder Personen die sie vor gefährlichen Teilstücken ihres Weges gewarnt hatten. Er, der Hochelf, hatte geschwiegen und alles auf sich wirken lassen.

Und so wie jedes mal bevor sie eine Siedlung oder Stadt betreten hatten, war mit wenigen Handgesten das meiste an Grind und Straßenstaub aus der Kleidung und den Stiefeln der beiden Reisenden verschwunden. Eine Methode mit der Azrim überhaupt viele Kleinigkeiten im Alltag löste wie es schien.

Die Stadt mit ihrer fremden Architektur fesselte den Magier so sehr, dass er Skips Sorge – um? - für? - wegen? - seiner Ohren nicht so recht nachvollziehen konnte...

~~~

Am nächsten Tag, mit einem erstaunten Seitenblick auf seinen Begleiter, oder dessen Hut um genauer zu sein, war auch Arzim in seiner besten Kleidung und seinem eleganten Elfenschwert an der Seite gegürtet erschienen. Eine braune Zwergeule (https://b-content.com/projects/davinci/version2/images/Otus-scops_DIA54-122_TTrilar-PMSL.jpg) saß zu Beginn auf seiner behandschuhten Hand, ehe sie sich in die Giebeln des Raumes zurück zog und nicht mehr gesehen ward.

Der Hochelf (https://pre00.deviantart.net/ec33/th/pre/f/2017/020/8/4/commission__alec_surana_by_inar_of_shilmista-daw28ul.jpg), mit seinen tiefen, grünen Augen, rotblonden Haarschopf mitsamt der auffallend spitzen Ohren fiel natürlich bei Schritt und Tritt auf. Sein blauer Wams mit zwei streitenden Raubvögel an der linken Schulter und dem Oberarm verstärkten dies noch, selbst als er etwas so alltägliches machte wie das Buffet zu betrachten und den Duft der Speisen einzuatmen. Menschliche Küche war ihm immer noch fremd und so bot sich ihm heute eine gute Möglichkeit um sein Wissen über sie zu erweitern.

Zufällig neben Skip stehend, als ein gerade dazu stoßender Halbling jemanden grüßte, blickte der Magier aus seinen Gedanken gerießen auf und versuchte neugierig zu erkennen wer dieser Malcom war.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 20.04.2018, 16:33:02
Auch Skip, der sich so gar nicht angesprochen fühlte, blickte suchend umher. War der Marquis endlich eingetreten? Halt, hieß der nicht Selin mit Vornamen oder Ramur, je nachdem, welchen Teil eines Namens man in dieser Gegend zuerst nannte? Aber vielleicht hieß ja einer seiner Männer Malcolm? Doch außer ihm, Azrim und dem Zwergen befand sich niemand im Raum. Skip suchte nach einer anderen Erklärung. Es begann zu dämmern. Zweifel folgten. Nein, er kann doch nicht gemeint sein! Es gab doch nur eine einzige Person an der gesamten Schwertküste, die ihn so nannte, und die war daheim in Tiefwasser. Was für ein absurder Gedanke, der kleine Meisterkoch habe seine Küche im Stich gelassen und triebe sich hier in Mirabar um, gar als Agent der Fürstenallianz! Trotzdem nahm Skip den Eingangbereich noch einmal genau unter die Lupe, den Blick tiefer gerichtet als beim flüchtigen ersten Erkunden. Tatsächlich! Da, halb verdeckt von der Zimmerpflanze und dem Polsterstuhl, stand er.

"Gaston! Du hier? Wie geht denn das? Ha, auf die Erklärung bin ich schon gespannt!"

Azrims fragenden Blick auffangend, führte er aus. "Das ist Gaston, ein alter Bekannter aus Tiefwasser und der beste Koch in der ganzen Stadt. Wir kennen uns schon seit Jahren. Offenbar erinnere ich ihn an seinen seit der Kindheit verschollenen kleinen Bruder, deshalb besteht er darauf, mich Malcom zu nennen, so oft ich ihm auch widerspreche und sage, mein Name ist Skip!" An den Halbling gewandt fährt er fort: "Gaston, das ist Azrim Greycloak. Er ist der Grund, weshalb ich mein geliebtes Tiefwasser verlassen habe, oder vielmehr seine Schwester. Denn schau, lieber Gaston, ich habe mir deine Ratschläge wohl zu Herzen genommen und wollte mir endlich etwas Anständiges aufbauen, so mit Frau, Familie und allem, und so wirst du mit Freude vernehmen, dass ich mich verlobt habe! Das kam so: ich machte mich auf die Suche nach etwaigen Verwandten väterlicherseits, wurde fündig, wie du siehst—ein Vetter zweiten Grades steht hier neben mir—und dessen Schwesterlein ist ein entzückendes Wesen, ich kann gar nicht erwarten, sie dir vorzustellen, aber leider, leider, ist es bei den Elfen so üblich, dass ein Mann, bevor seine Werbung erhört werden kann, sich erst beweisen muss. Das heißt, als begnadeter Künstler oder Handwerker, als geschickter Jäger oder todesmutiger Krieger. Da ich die ersteren drei Dinge nicht bin, auch wenn man beim Thema 'Künstler' unterschiedlicher Meinung sein kann, so muss ich mich an letzterem versuchen. Daher bin ich hier."

Er lachte und umarmte den Halbling. Ein wenig verärgert raunte er ihm allerdings ins Ohr: "Im Ernst, Gaston? Du siehst mich in der Fremde, in derart gutem Aufzug, und gibst mir nicht einmal die Gelegenheit dir rasch zu stecken, als wer ich eigentlich unterwegs bin? Willst du mich unter die Erde bringen?" Doch lauter, und mit ehrlicher Herzlichkeit, fügt er hinzu: "Es tut gut, dich zu sehen!"

Zum Schluss wies er in Richtung des Zwergen am Büfett. "Das ist übrigens Dolgrim Frostbart, aus den Silbermarken." Letzteres sagte er in gewichtigem Ton, als müssten die Silbermarken jedem ein Begriff sein, auf dass jene, die noch nie davon gehört hatten, sich im stillen schämten—und es daher nicht wagten, Fragen zu stellen, zu denen Skip selbst keine Antwort wusste.

"So", sagte er zufrieden. Jetzt, da alle einander vorgestellt waren, konnte es doch losgehen, oder? Er sah erwartungsvoll in die Richtung, aus der er ein Erscheinen des Marquis vermutete.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 20.04.2018, 18:40:30
Eigentlich weniger an meinen verschollenen Bruder, denn mehr an seinen verschollenen Bruder.“, erwiderte Gaston ungerührt. “Und ich weiß, dass es Dich ärgert, mit Malcolm angesprochen zu werden - und darum tue ich's ja auch. Immerhin hattet ihr so viel gemeinsam, wozu leider auch der Frauengeschmack gehörte. Ich frage mich, wie es Malcolm wohl gehen mag. Seine Abreise nach Turmish war doch recht plötzlich - und unfreiwillig auch. Recht heiß soll es da unten sein. Aber gutes Essen gibt es dort. Das heißt, wenn man Knoblauch mag. Und ich liebe Knoblauch! Das habe ich immer gesagt! Sag mal, Skip, hast Du schon meine kleinen Putenröllchen mit Knoblauchcreme probiert? Das sollten wir dringend nachholen.

Und nun, meine Herren,
“ Gaston verbeugte sich theatralisch, “bedarf es ja keiner weiteren Vorstellung mehr, denn Skip hat dies ja zur Genüge getan und mir geschmeichelt, dass ich es schon obszön finden muss. Doch es interessiert mich natürlich, wer sie sind. Und lassen Sie es sich gesagt sein, ich bin ein furchtbar oberflächlicher Halbling! Ja, sehr wohl, ich beurteile andere nach ihrem Geschmack. Daher, wenn ich Ihnen diese feine Spielchen vorschlagen darf, nennen Sie mir doch ihr liebstes Gewürz, Gemüse und Getränk!

Ich verrate Ihnen natürlich auch die meinen.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 22.04.2018, 18:02:44
"Knoblauch, Gaston, nein, so leid es mir tut, das ist so gar nicht mein Ding. Nicht nur erzeugt er einen Odem, der die Damen vertreibt, nein, man wird den Geruch ja auch tagelang nicht los. Haut, Kleidung, alles riecht nach Knoblauch! Nun stell dir vor: ich schleiche da friedlich meines Weges und plötzlich brüllt die Wache: 'Halt, wer da? Ich seh' dich zwar nicht, und hör' dich auch nicht, aber stinken tust du gar fürchterlich!' Du siehst das Problem?" So, den Hieb hatte der Halbling verdient für den Schreck, den er Skip eingejagt hat, als er Skips verschollenen Bruder ins Gespräch brachte. Für einen Moment hatte Skip tatsächlich geglaubt, er habe Gaston in jener weinseligen Nacht nicht nur die wahre Geschichte seiner Herkunft erzählt, nebst Geburtsnamen und Beruf der Mutter, sondern ihm auch von seinem Halbbruder verraten. "Also, wenn du mich unbedingt auf ein Gewürz festlegen wolltest, das mir das liebste sei, so wäre dies am ehesten der Zimt. Und ich denke hierbei nicht an Süßspeisen! Nein, im Fleischtopf habe ich ihn gern, oder an Reis, mit Mandeln und Rosinen zusammen, oder über einen guten Tee gestäubt. Ja, selbst im Wein schmeckt er fein, solange es ein Roter ist! Zimt scheint mir einfach das Vielschichtigste aller Gewürze, süß-herb, warm, holzig, er ist schwer zu durchschauen und nicht mit einem Wort zu beschreiben, lässt sich nicht kategorisieren, wehrt sich gegen jede Eingrenzung! Und fast noch lieber als er ist mir die Zimtblüte. Sie kann alles, was er kann, doch ist sie ungleich subtiler, fast will man sagen: ätherisch. Gemüse? Ach, auch da fiele es mir schwer, mich auf eines festzulegen. Da würde ich einfach sagen: alle die, die du in deinen Gemüseeintopf mit dem affektierten Namen schmeißt, wie heißt der doch gleich? Irgendwas mit Mäusen... Nein, halt, Ratatouille! Das ist mein liebstes Gemüse. Und Getränk, nun du weißt, wie sehr ich deinen Weinkeller schätze, und überhaupt die Geselligkeit, die man mit diesem herrlichsten aller Fruchtsäfte verbindet, aber im Leben überwiegt ja doch die Arbeitzeit die Muße, und da ist mir Schwarztee das liebste. Gerne mit Zimt!"

Skip warf einen besorgten Blick auf Azrim, dem ein wenig schwindelig zu werden schien. Er beschloss, doch zum eigentlichen Thema zurückzukehren.

"So, aber mit deinem Spielchen, Gaston, bist du schlau meiner Frage aus dem Weg gegangen: was, bei allen Meisterköchen im Elysium, führt dich hierher?"
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Azrim Greycloak am 25.04.2018, 11:34:03
Überrascht darüber, wenn Skip so alles kannte, nickte der Hochelf dem scheinbar berühmten Halbling grüßend zu und reichte ihm freundlich die Hand - ganz nach menschlicher Sitte - als sein Name genannt wurde.

Den Redeschwall des Halbelfen nicht weiter unterbrechend - wer wollte schon gegen den Strom schwimmen? - staunte er aber nicht schlecht, als ihm eine Schwester angedichtet wurde, die er gar nicht hatte. Aus seiner Verwunderung keinen Hehl machend, wäre es für Gaston und Dolgrim ein leichtes seine Miene zu lesen, wenn er den zu Azrim blickte.

Als die Rede auf das Essen kam, so lächelte der Elf frohgelaunt und verriet mit fester Stimme von sich: "Gemüse pflanzen wir keines an, den die Früchte des Waldes stillen stets unseren Hunger und Appetit. Besonders schmecken mir die wilden Beeren meiner Heimat, aus denen sich zum Beispiel auch ein exzellenter Wein kelchern lässt.

Auch Wildbret mit Thymian und Rosmarin, so heißen sie doch bei euch?, und einer Kruste aus Nüssen und Wacholderbeeren erfreuen meinen Gaumen."
fügte er hinzu, wobei Azrim anzumerken war, dass dies ein Spiel für ihn war und er keinen echten Ehrgeiz besaß sich hier hervor zu tun, oder daran glaubte, einen Charakter anhand seiner Lieblingsspeisen beurteilen zu können.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 27.04.2018, 09:49:09
"Einfach wunderbar, Skip!" Gaston klatschte in die Hände. "Von allen Gewürzen suchst Du Dir den Zimt aus. Und tatsächlich gibt es kaum ein Gewürz, das so vielseitig ist. In einem Gewürzensemble, um einen Vergleich zu bringen, wäre der Zimt vielleicht die Violine. Ja, der Vergleich scheint mir angebracht. Zimt kann zwar die Solistenrolle wohl einnehmen, denn er ist kräftig und warm, je nach Sorte, aufregend und anregend oder auch verführerisch und elegant. Aber auch in ein Orchester passt er sehr gut, kann sich einfügen und mit feinen Noten zum Ergebnis beisteuern. Skip, Du weißt, was Du gesagt hast, nicht wahr? Und trefflicher hättest Du es nicht ausdrücken können. Ebenso was Dein Gericht Ratatouille angeht. Ein Arme-Leute-Essen aus Gemüse-Abfällen, über Stunden eingeköchelt. Nur ein echter Küchenmagier kann, mit Finesse und Kenntnis der Zutaten, daraus einen erinnerungswürdigen Genuss machen. Und Du beherrscht Deine Kunst, das will ich Dir sagen. Doch nun genug der Schmeicheleien." Gaston wandte sich dem Elfen zu und zeigte ein breites Lächeln. "Azrim Greycloak, ich bin hocherfreut Ihre werte Bekanntschaft zu machen und kann Ihnen versichern, dass wir uns sehr gut verstehen werden. In einer Zeit, in welcher bis zu 80 Zutaten allein schon in der Vorsuppe Verwendung finden, sind mir Leute sympathisch, die die reinen und ursprünglichen Aromen und traditionellen Zubereitungsarten noch zu schätzen wissen. Es würde mir eine sehr große Freude bereiten, wenn wir gemeinsam in der Wildnis nach Zutaten suchten. In den Nördlichen Gefilden wächst unter anderem die Eisbeere. Sie trägt ihre Frucht, da es noch oder schon friert. Der Saft zieht sich in der Beere zusammen, während das Wasser an der Schale auskristallisiert. Die Beere sieht dann schrumpelig und unansehnlich aus. Aber - Himmel! - probieren Sie mal eine dieser kleinen Köstlichkeiten! Sie werden keine Süßspeisen mehr bestellen, sondern nur noch diese Beeren, für mindestens eine Woche." Gastan gestikulierte mit ausladenden Bewegungen um seinem Genuss auch visuell Raum zu verschaffen.

Irgendwann kam er zu Besinnung. "Kommen wir zurück zu den ernsthaften Themen. Ich fürchte, Skip, den Grund meiner Anwesenheit bei dieser Expedition werde ich Dir später erklären müssen. Wichtig ist mir, etwas anderes anzumerken. Und zwar, dass ich keinen Wein genieße. Ja, meine Herren werden erschrocken sein, haben Sie doch erwartet, dass ich ein richtig feiner Weinkenner bin. Und das bin ich auch! Man sagt, man könne bis zu 1.000 unterschiedliche Weinaromen aus einem guten Wein herausschmecken. Ich habe mich des Verkostens fleißig geübt und kann ihnen verkünden, 783 verschiedene Aromen identifiziert und benannt zu haben (wo die restlichen 217 Aromen sein sollen, nebenbei gesagt, kann ich ehrlicherweise nicht sagen). Das sind sehr viele Aromen, die kaum noch differenzieren sind. Und dort liegt das Problem. Es ist mir schlichtweg zu anstrengend, Wein aus Genuss zu trinken. Sicherlich, es befriedigt, einen steilen Berg unter viel Anstrengung erklommen zu haben - und genauso ist es mit einem exzellenten Wein. Aber ich trinke nicht, um mich Meisterleistungen hinzugeben, sondern um zu schwelgen und zu genießen. Sie verstehen, meine Herren? Ich trinke daher lieber süßen Likör mit einer überschaubaren Anzahl exzellenter Geschmacksstoffen. Und am liebsten trinke ich Anislikör. Ich habe, nebenbei bemerkt, einen ganz exzellenten im Gepäck. Wir werden sicherlich darauf zurückkommen."
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 28.04.2018, 22:33:55
Gastons lange Rede, ihre Seichtigkeit, der begeisterte Überschwang, brachte Azrim Greycloak hoffentlich zu der Einsicht, dass er seinem bisherigen Reisegefährten Skip Unrecht getan hatte, als er ihn in Gedanken ein Plappermaul nannte. Redefluss oder Redeschwall hatte er Skips knappe Äußerungen genannt. Ja, knappe Äußerungen waren es auf der Reise gewesen, verglichen mit seiner Rede über Zimt, und geradezu wortkarg im Vergleich zu dem redseligen Halbling. So leidenschaftlich, wie Skip auf einmal über kulinarische Genüsse redete, müsste man ihn für einen Schlemmer halten, und doch war dem Elfen in ihrer mittlerweile sechswöchigen Bekanntschaft eine entsprechende Neigung nicht aufgefallen. Weder ist Kochen oder Speisen je Gesprächsthema zwischen ihnen gewesen noch schien Skip allzu sehr darauf zu achten, was er sich morgens und abends, zumeist hastig, zwischen die Zähne schiebt. Oft genug aß er seinen Teller kaum zur Hälfte leer, aus keinem besseren Grund—soweit Azrim ausmachen konnte—als dass ihm die Tätigkeit des Kauens langweilig wurde. Besonders morgens drängte Skip nach wenigen Bissen, dass man endlich wieder los wolle. Und hier, im Gespräch mit einem Meisterkoch, wurde er plötzlich zum Feinschmecker und Weinkenner! Da könnte es einem einfallen, zurückzudenken: worüber hatten sie, Skip und er, während der Reise eigentlich so alles geredet? Doch stets, so wurde ihm plötzlich bewusst, über Themen, die ihn, Azrim, interessierten.

Er passt sich an seinen Gesprächspartner an, war der logische Schluss. Im Gespräch mit einem Schwätzer wird er selbst geschwätzig, mag's der andere aber lieber knapp, gibt er sein Bestes, sich kurz zu fassen. Zwecks Themen fühlt er so vorsichtig beim Gegenüber vor, dass der es gar nicht merkt, und redet ihm auch sonst ganz nach dem Mund.[1]

Als der Halbling verstummte, war es erst einmal still. Selbst Skip fiel nicht gleich etwas ein, zu sehr beschäftigte ihn noch die Frage, ob Gaston in seinem Leben wohl schon einmal einen steilen Gipfel erklommen hätte, und eine ganze Weile lang amüsierte er sich beim Versuch, sich dies bildhaft vorzustellen. Zum Schluss überwog jedoch das Unverständnis.

"Aber genießen kann man doch nur, was man nicht völlig durchschaut", sagte er kopfschüttelnd. "Etwas, das einem Rätsel aufgibt, innerlich beschäftigt, nachgeht, unter die Haut geht! Stell dir vor, du bettest eine Frau—verlockend schön, geheimnisvoll, vielleicht gar gefährlich—und statt mit allen Sinnen einfach nur zu genießen, versuchst du, sie zu entschlüsseln, in ihre einzelnen Geschmacksnoten zu zerlegen, zu demaskieren! Statt dich einfach auf sie einzulassen! Dich an ihr zu berauschen! Ihren Duft einzuatmen, bis dir schwindelig wird! Nein, also, da kann ich verstehen, dass dir auf die Art kein Wein schmeckt. Weißt du, was dein Problem ist: du willst die Dinge zu sehr kontrollieren. Alles um dich herum bis ins kleinste Detail willst du durchschauen, unterwerfen, nach deinem Willen ordnen! Vielleicht ist es das, was François hat, das du an ihm hasst und doch auch neidest, weil du es auch einmal besaßest, aber es ging dir verloren: Spontaneität! Leidenschaft! Mut zur Imperfektion! Die ungezügelte Lust zum Experimentieren, einer stürmischen Laune folgen, wohin ihre Winde dich auch wehen, ohne die Richtung vorgeben zu wollen, dich treiben lassen, selbst aufgeben, in ihr aufgehen!"

Nach dieser Rede trat Skip auch rasch zum Büfett hin. Wer es wagte, jenen Namen mit F zu erwähnen, musste mit einem Wutanfall Gastons rechnen, da suchte man besser Schutz. In der Nähe all dieser appetitlich angerichteten Speisen würde Gaston keinen allzu großes Ausbruch riskieren, welcher womöglich Tische umstürzen ließe oder Schüsseln zu Boden fliegen. So stand zu hoffen.

"Warum essen wir nicht alle ein wenig, bis der Marquis endlich kommt?" lud er die beiden Gefährten ein. "Der Zwerg hier macht's richtig. Zuerst dachte ich ja, er gehört zur Einrichtung. So statt Topfpflanze oder Jagdtrophäe an der Wand, ihr wisst schon, um dem Raum etwas Lokalkolorit zu verschaffen. Jetzt erst erkenne ich, dass er einem ganz anderen Zweck dient! Also, ohne mich mit den hiesigen Gewohnheiten auszukennen, scheint er mir ja wohl einen ähnlichen Zweck zu erfüllen wie bei uns daheim die hübschen Damen! Welche nämlich die Gäste eines Hauses zu spendablerem Umgang mit der Börse animieren sollen. Nur statt uns zu teureren Getränken und waghalsigerem Glücksspiel zu verführen, will der gute Mann hier uns dazu bringen, endlich die Klappe zu halten und zu speisen."

Er zwinkerte dem Zwergen, der sich bislang so gründlich aus ihrem Gespräch herausgehalten hatte, dass man meinen könnte, nichts wäre ihm unlieber, als ihre Bekannschaft zu machen, konspirativ zu.
 1. 
@ Azrim (Anzeigen)
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Dolgrim Frostbart am 29.04.2018, 19:30:20
Es war geschwätziges Volk, das sich hier versammelt hatte. Zuerst hatte er gehofft, dass sie nur durch Zufall im selben Raum waren, aber schnell wurde klar, dass sie wohl aus demselben Grund hier waren.
"Warum sollte ich zur Einrichtung gehören, ich bin doch kein Möbel". Er wusste nicht genau, was dieser junge Kerl ihm sagen wollte. War es ein Scherz, und falls ja, ein netter oder ein böser? Er wusste es nicht. Und mit jedem weiteren Wort verstand er immer weniger, um was es hier ging. Er kaute weiter auf einem Stück Wildschweinbraten herum und überlegte. Was sollte er darauf antworten, sollte er überhaupt darauf antworten - wurde überhaupt mit ihm gesprochen, oder eher über ihn.

Und als er dann noch angezwinkert wurde, wusste er erst recht nicht mehr, was er tun sollte. Er war die Gesellschaft von so vielen Leuten nicht gewohnt. Wenn er mal in einer Stadt war, dann nicht lange und in Tavernen, die überwiegend von Reisenden besucht wurden., Dort kümmerte sich jeder um seine Dinge. und draußen, nun, da war er sowieso meist alleine unterwegs. Aber selbst wenn sie zu zweit auf Patrouille waren, blieben die Abende meist ruhig. Zwerge neigten nicht zur Geschwätzigkeit, und Dolgrim war ein Zwerg.

Aber irgendwie musste er reagieren. Also brummte er zunächst nur etwas. Dann, als er den Mund fast leer gegessen hatte, sagte er. "Schmäckt guut", oh war wohl doch noch nicht leer gegessen. Er schluckte also den letzten Bissen schnell herunter. "Schmeckt gut. Ist genug für alle da."

"Das sollte reichen". Er nickte zufrieden und wendete er sich wieder dem Buffet zu.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Idunivor am 30.04.2018, 15:29:49
Es dauerte eine ganze Weile, bis die vier Gäste ihren Gastgeber trafen. Fast eine Stunde ließ er sie warten, bevor er endlich zu ihnen stieß. Aber schließlich öffnete ein Diener eine andere Tür, die in den Raum führte. Heraus trat ein Mann in einem grünen Gewand auf dessen kleinem Bäuchlein eine große goldene Kette ruhte, die ihn als den Marquis auszeichnete. Sein Haar zeigte zwischen kräftigem Schwarz bereits einige graue Strähnen, doch sein Blick war scharf und entschlossen, ohne irgendein Anzeichen von Altersmüdigkeit: "Sehr gut, ihr seid alle hier. Verschwenden wir keine Zeit: ihr seid hier, weil es beunruhigende Berichte aus dem gesamten Norden gibt. Es sind bisher in erster Linie Gerüchte, aber wenn sie war sind, dann haben wir ein großes Problem. Es heißt die Risen im Grat der Welt befänden sich im Marsch. Etwas hat sie aufgeschreckt. Wir wissen nicht was genau, aber die Fürstenallianz wird es herausfinden. Unsere Agenten sind überall aktiv, für euch haben wir allerdings eine besondere Aufgabe. Ihr werdet euch von hier aus gen Norden aufmachen. In die kalte Öde jensiets des Grads der Welt, die man Eiswindtal nennt. Hier in den Städten hat die Allianz genug Agenten, um zu erfahren, was vor sich geht, doch dort oben, dort bekommen wir keine Nachricht. Aber wenn die Riseen auf dem Marsch sind, werden sie dort oben in der Kälte sicherlich auch zu sehen sein und zwar schneller und mutiger als im Rest des Nordens. Denn die Region ist schwach besiedelt und der Grat der Welt ist nicht fern.
Da viel auf dem Spiel steht, werden einige, die die Wildnis ihr heum nennen euch zur Seite stehen."
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Azrim Greycloak am 02.05.2018, 09:36:16
Etwas verblüfft, sagte Azrim Gaston gerne zu, mit ihm gemeinsam eines Tages nach Beeren zu suchen. Eisbeeren waren ihm keine bekannt, aber natürlich der Eiswein, direkt während des ersten Frostes gebrockte Trauben, die zu einem sehr intensiv-süßem Trinkerlebnis verführten. Warum also keine Beeren? Bestätigend nickend, war dem Magier anzusehen, dass er durch den Halblingschef ehrlich neugierig auf diese Erfahrung geworden war.

Mit dem Zwerg, Dolgrim Frostbart also, wusste der Eladrin nicht so recht etwas mit ihm anzufangen. Aber dies war ja erst das erste Treffen und bald schon würden sie einander etwas besser kennen lernen. Und so beließ es Azrim bei einem sachten, grüßenden Nicken.

Sich beim Essen auf einige wenige kleine Portionen beschränkend, sah der Magier dann auf als der Marquis endlich den Raum betrat und ihnen den Grund für ihre Reise verriet.

Riesen jenseits von Eiswindtal zu beobachten? Mit so etwas hatte er nun wahrlich nicht gerechnet. Aber warum nicht? Man musste der Gefahr begegnen wo sie sich zeigte und nicht erst wenn sie bereits an den Toren der Heimstatt anbrandete. Eine bitter gelernte Lektion seines Volkes...

Und so nickte der Magier aus den Graumantelbergen zustimmend.

Details auszuhandeln wie Ausrüstung, Reit- und Packtiere, eine Belohnung und vieles mehr überließ er vorerst Skip der zweifelsohne überzeugender war als er selbst.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Dolgrim Frostbart am 02.05.2018, 16:56:15
Als der Marquis den Raum betrat stellte Dolgrim seinen Teller zur Seite, wischte sich den Mund ab und wartete gespannt, was nun kommen würde. Er konnte sich nicht vorstellen, was diese Gruppe hier gemeinsames erledigen sollte.

Als er das Wort Riese hörte, verengten sich die Augen und er ballte eine Faust. Er konnte sich gerade noch zurück halten, lauf auf den Tisch zu schlagen, aber er spürte sofort das Verlangen, in den Kampf zu ziehen. Dennoch wartete er, bis der Mann fertig gesprochen hatte, musste jedoch bei seinem letzten Satz nach Luft schnappen. "In der Wildnis zur Seite stehen, was denkt der Kerl?"

Aber er war ein Zwerg und daher neigte er nicht zu überstürzten Reaktionen, wie es die Menschen oft taten. Also brummte er erst einmal vor sich hin und nickte. Der Elf tat es ihm gleich, aber er brummte dabei nicht. Naja, das war wohl nicht die Art der Elfen.

"Also, bei uns südlich des Grates ist es noch ruhig. Ich war bis vor wenigen Tagen noch in den Bergen unterwegs, habe aber keine Spuren von Riesen entdeckt. Und ja, ich habe nach oben geschaut", versuchte er gleich die typischen Witze im Keim zu ersticken. Dabei schaute er grimmig, aber nicht böse - auch wenn er nicht wusste, ob die anderen Gäste und der Gastgeber das unterscheiden konnten.
"Aber wie ihr schon gesagt habt, das Eiswindtal ist weiter im Norden und weniger eng besiedelt, es ist also der bessere Ort, um ins Tiefenland vorzudringen. Riesen sind gefährlich und gehören verjagt. Können diejenigen, die unserem Stadtvolk hier in der Wildnis helfen sollen, uns unterwegs alles wichtige erzählen? Damit wir zügig los gehen können sind wir vermutlich nicht richtig ausgerüstet, habt ihr da etwas für uns vorbereitet?"
Der Marquis war zwar kein Zwerg, aber vielleicht hatte er ja in den Jahren hier von den Zwergen gelernt und hatte voraus gedacht. Dolgrim hielt es nur für Recht und Billig, dass der Mann für ihre Ausrüstung sorgte.

Dann nickte er zufrieden. Sie hätten ihn nicht hergeschickt, wenn er nicht helfen sollte. Eine wichtige Aufgabe, einen Gegner, der es Wert war und ein paar Leute, die sich in der Wildnis auskannten und sicher eine etwas stillere Gesellschaft waren, er war soweit zufrieden.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 02.05.2018, 17:47:46
Seinen Erfolg, den Zwerg in ein so ergiebiges Gespräch verwickelt zu haben, feierte Skip mit einem breiten Grinsen. Zu Gaston rief er über die Schulter: "Siehst du, in solchen Kategorien denkt und urteilt der Mann aus dem Volk, wenn's ihm schmeckt: ungekünstelt, ehrlich, gerade heraus. Diese Reaktion willst du bei deinen Gästen erzeugen, und eben keine Debatte darüber, aus wie vielen Einzelnoten sich das Bukett eines Weines zusammensetzt."

Dann machte auch er sich ans Essen. Da ihm darüber bereits nach wenigen Bissen langweilig wurde, und der Marquis noch immer nicht erschien, vertrieb Skip sich die Zeit damit, ein Zwerg zu sein. In Tiefwasser hatte er eine ganze Reihe zwergischer Kontakte und suchte sich nun für seine Zwecke einen Herrn namens Murgran Bulbarek heraus, auch 'Eisenfaust' genannt, ein hervorragender Schlosser und guter Bekannter. Und schon machte Skip sich auf zwergische Art, nur wenig feiner als Dolgrim Frostbart—immerhin war Murgran ein Stadtzwerg—über die Speisen her: er schmatzte wie ein Zwerg, rülpste wie ein Zwerg, schlug sich auf den Schenkel wie ein Zwerg (oder wahlweise mit der Faust auf die Brust) und verteilte großzügig Soße und einzelne Gemüsebrocken in seinem dafür eigentlich viel zu kurzen Bart, dass man die dafür notwendige Kunstfertigkeit bewundern musste. Dazwischen gab er vereinzelt Kommentare ab, in sonorer Basstimme, obwohl selbst allenfalls Bariton: "Schmeckt gut!" etwa oder, "Schmeckt noch besser!" Ja, wie er diesen vollen Brummton hinbekam, ohne eine Brust gleich einem Alefass aufzuweisen, war ein Rätsel! Und was grummelte er da gerade in seinen (noch immer viel zu kurzen) Bart? Es klang verdächtig nach (und zwar auf Zwergisch): "Beim Barte Moradins, was bist du für ein Plappermaul, Skip, da wird einem ja schwindelig, wenn man dir folgen will!"

So ganz zufrieden war Skip mit seiner Darstellung Murgrans nicht. Wer diesen aber nur flüchtig kannte, der könnte (bei geschlossenen Augen) zu dem Trugschluss gelangen, der alte Schlosser weilte leibhaftig unter ihnen.[1]

~~~

Skips erste Reaktion auf die Rede des Marquis war es, den Mund zu öffnen. Und wieder zu schließen. Er blickte zu Azrim. Dann zu Gaston. Dann kratzte er sich am Kopf, bevor er den Mund ein zweites Mal öffnete. "Wie verzweifelt muss die Fürstenallianz denn sein," wollte er fragen, "um jemanden wie mich auf eine solche Mission zu schicken? Wildnis? Eiswindtal? Riesen? Und Gaston? Soll er die Riesen bekochen, damit sie uns ihre Pläne verraten?" Wobei—ein misstrauischer Blick streifte den Halbling—womöglich hatte dieser ja all die Jahre, in denen man sich kannte, ein geheimes Doppelleben geführt? War schon die ganze Zeit für die Fürstenallianz unterwegs, als Informant oder gar, noch naheliegender, als Giftmörder?

Da bemerkte Skip, dass ihm der Mund noch immer offenstand. Er schloss ihn wieder.

Fragen drängten in seinen Kopf, von denen er die meisten nicht zu stellen wagte, denn sie bezeugten mit blamierender Unverkennbarkeit, dass Skip weder etwas von Kundschaften verstand noch in der Wildnis zurechtkam noch die allergeringste Ahnung von Riesen hatte. Erdkunde war auch nicht seine Stärke. Etwas konnte er aber sehr gut: die Lücken und Vagheiten in den Argumenten oder Äußerungen seiner Mitmenschen erkennen, welche zeigten, dass der Redner nicht halb so viel Ahnung von der Sache hatte, wie er vorgab, oder dass er absichtlich Information zurückhielt, oder dass er sie gar gleich übers Ohr hauen wollte.[2]

"Eine besondere Aufgabe, sagt Ihr, werter Marquis?" erkundigte Skip sich daher, mit wohldosierter Skepsis in der Stimme. "Verratet Ihr uns auch noch, worin diese besteht? Bis jetzt sind wir noch nicht weiter im Text als 'Begebt euch ins Eiswindtal!' Fürwahr, mehr habt Ihr uns noch nicht aufgetragen, wenn Ihr Euch Eure Worte in Erinnerung rufen wollt. Was also, klärt uns bitte auf, sollen wir im Eiswindtal tun?"
 1. Deception = 19 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=9119.msg1046479#msg1046479)
 2. Insight = 16 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=9119.msg1046491#msg1046491)
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 03.05.2018, 15:36:04
Als Skip über seine Kochkunst sprach und in diesem Zusammenhang auch noch über "F" sprach, würde Gaston augenblicklich still schien die Luft anzuhalten und lief rot an. Er glich nun mehr einem Teekessel als einem Halbling - einem Teekessel, der kurz vor der Explosion stand. "Wie kannst Du es wagen... ?! Oh, Skip, so redest Du nicht mit mir! Ich habe schon Hühner gerupft und Spargel geschält, da kanntest Du noch nicht einmal Deinen eigenen Namen, geschweige denn den einer Deiner Personae. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht, habe unzählige Kartoffeln zerkocht und Rehrücken trocken werden lassen und habe mich beständig weiterentwickelt. Was ich heute bin, bin ich durch harte Anstrengung und zähen Ehrgeiz geworden - aber ohne Leidenschaft wäre ich nichts. Also erkläre mir nicht, dass ich... HALLO?! Skip, ich REDE MIT DIR!? Gaston rannte um den Tisch, um Skip wieder ins Gesicht sehen zu können, dass dieser wohlweißlich abgewandt hatte. "GLAUB JA NICHT, DASS ICH DIR DAS VERZEIHE, MIT "F" VERGLICHEN ZU WERDEN! Dieser Panscher und Scharlatan kommt daher, KOPIERT meine Rezepte - das will ich nur mal deutlich gesagt haben - und wirft mit Illusionszaubern um sich! Das hat nichts - ich betone NICHTS - mit Kochen zu tun. ALSO, ERWÄHNE NIE WIEDER DEN NAMEN VON "F" IN MEINER GEGENWART!"

In diesem Moment wurde Gaston glücklicherweise durch den Marquis unterbrochen. Dies half Gaston, sich einigermaßen zu beruhigen. Er konnte nur Skip nur noch leise zuraunen: "Glaube ja nicht, dass ich noch ein Wort mit Dir wechsel, bevor Du Dich nicht entschuldigt hast!"

Die Worte des Marquis erreichten Gaston kaum. Er war zu sehr damit beschäftigt, sich im Zaum zu halten. Er überlegte hin- und her wie er es Skip heimzahlen konnte. Doch im Zweifel, würde er noch eine ganze Reise Zeit haben und der Gedanke verschaffte ihm etwas Erleichterung, so dass er wieder etwas mehr dem Gespräch folgen konnte. Ja, er schaffte es sogar, ganz betont, sich von dem Buffett zu bedienen und biss in ein Stück Hammelbein.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Idunivor am 07.05.2018, 10:33:23
Der Marquis war in der Beantwortung der Fragen vergleichsweise kurz angebunden: "Es ist ganz einfach. Begebt euch ins Eiswindtal, haltet die Augen offen und seht, ob es dort genaueres zu den Gerüchten über den Marsch der Riesen zu erfahren gibt. Dann, erstattet Bericht an die Fürstenallianz. Ein Boot, das euch den Mirar hinab nach Luskan bringen wird, steht bereits bereit. Dort solltet ihr alles nötige für die Weiterreise nach Norden erhalten können. Wir haben im Winter keine Berichte aus Zehnstädte erhalten, schließlich sind sie auch nicht Mitglied der Allianz. Also werdet ihr das für uns erledigen.
Ihr werdet entsprechend entschädigt, sobald ihr mit einem Bericht zurückkehrt und eine Aufwandsentschädigung für die Reise erwartet euch auf dem Boot."
Der Marquis machte keinerlei Anstalten Platz zu nehmen oder gar selbst etwas zu essen, stattdessen schien er es ziemlich eillig damit zu haben, die vier Gäste wieder auf den Weg zu schicken: "Wenn es dann nichts weiteres gibt. Das Boot erwartet euch im Hafen und einer meiner Diener wird euch dorthin bringen."
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 08.05.2018, 05:19:19
Nach Gastons Geschmack machte der Marquis überdeitlich, wie er zu der Gruppe stand. Weder mit ihnen essen noch mehr als nötig Worte verlieren wollte er. Der Marquis betrachtete sie wohl als nicht mehr als Boten und Diener, so dachte Gaston. Trotzdem hellte sich seine Stimmung deutlich auf, als er den Namen Zehnstädte hörte. Gaston war noch nie dort gewesen und sehr neugierig, die dortige Kultur kennenzulernen. Vornehmlich Ess- und Trinkkultur. Und das passte ja auch: “Wir nehmen Euren Auftrag an! Wir machen uns auf den Weg und hören uns um, wo Reisende, Kaufleute und Beamte zusammenkommen. Fürwahr!, lasst uns die Zehnstädter-Restaurants unsicher machen!
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 08.05.2018, 09:53:27
"Hmpf!" kommentierte Skip, noch ganz in seiner Zwergenrolle, die Worte des Marquis.

Es war ein sehr beredtes Hmpf. Skip selbst überraschte es sehr, wie viel Bedeutung man in diesen einen, einfachen Laut stecken konnte. Nie wieder, so schwor er bei sich, wolle er sich über die mangelnde Wortgewandtheit der Zwerge lustig machen! In einem Hmpf drückte sich zunächst ja einmal die Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation aus, aber es lag auch eine Rüge darin, die das Spezielle betraf, gemischt mit einer Prise Unglauben. "Musstest Ihr das wirklich so handhaben, wie Ihr es tatet? Nun, auch wenn's jetzt nicht mehr zu ändern ist, so muss ich doch anmerken: das war recht dumm." Übertragen auf unseren Fall also: "Das war alles, Marquis? Dafür mussten wir hier antanzen? Hätte man uns das nicht schon daheim in Tiefwasser sagen können?" Ja, vielleicht ging die Bedeutung des Lautes sogar noch weiter, wenn man den Kontext von Skips eigener Person bedachte: "Wenn die daheim in Tiefwasser nämlich gewusst hätten, für welcher Art Mission Ihr Leute benötigt, dann hätten sie vielleicht solche geschickt, die sich in der Wildnis auskennen, oder vielleicht tapfere Krieger, oder meinethalben auch einen Gelehrten, der sich mit Riesen auskennt, aber sicherlich nicht mich!"

"Ich bin zu gut angezogen", fasste er die Lage zusammen.

Und daran zeigte sich, dass vielleicht doch ein paar Nuancen verloren gingen, wenn man sich ausschließlich in Höhlenlauten ausdrückte.

"Aber gut, lasst uns aufbrechen."
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Azrim Greycloak am 09.05.2018, 09:35:57
Skip und Gaston innerlich recht gebend, machte sich auch Azrim daran los zu ziehen. Der Auftrag war klar, auch wenn er nicht einfach würde, und die Reisevorkehrungen bis auf weiteres getroffen.

So erhob sich der Hochelf anmutig, hielt dann aber im letzten Moment vor dem endgültigen Aufbruch inne um fragend anzumerken: "Wohin sollen wir zurück kehren wenn wir unsere Beobachtungen gemacht haben? Hier her, oder haben wir einen Kontakt in Luskan?" Sollte dem so sein, so interessierte sich der Tel-Quessir noch für den Namen, die Adresse und dergleichen des Kontaktes. War vielleicht eine Kennung notwendig um mit ihr oder ihm ins Gespräch zu kommen?

Wenn diese Fragen geklärt waren, so war auch der Magier bereit sich zum Mirar zu begeben um rasch nach Luskan zu fahren.

Ein Abenteuer lockte und mit etwas Glück konnte er seine magischen Fähigkeiten erproben und erweitern. Eine durchaus reizvolle Vorstellung.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Dolgrim Frostbart am 09.05.2018, 14:32:21
Für ihn war alles gesagt. Also nickte er dem Marquis zu und wartete darauf, dass die anderen soweit waren, damit sie gehen konnten.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 10.05.2018, 11:30:35
Während man sich also in Richtung Ausgang begab (nicht ohne sich rasch noch ein paar Vorräte vom Büffet für den morgigen Tag zu schnappen), grübelte Skip über eine Sache, die der Marquis nur im Nebensatz erwähnte: Zehnstädte... War das der Name einer Stadt oder tatsächlich ein zehn einzelne Städte? Ja, gab es denn tatsächlich so viele Städte hier in der Gegend? An der gesamten Schwertkünste kannte Skip nicht mehr, als er Finger an der Hand besaß (Mirabar noch nicht mitgezählt, aber da stand sein Urteil auch noch aus, ob man dies eine Stadt nennen konnte): Tiefwasser, Niewinter, Baldurs Tor, Dolchfurt und ja, auch von Luskan hatte er schon gehört.[1] Moment mal, sind wir nicht mit Luskan verfeindet? Und da sollen wir hin?[2]

Aber ZEHN Städte in oder in der Nähe eines einzigen Tales? Das konnte nicht sein! Er hatte einmal eine Weltkarte gesehen, über die Schulter eines Gelehrten hinweg, der furchtbar viel mit den Händen fuchtelte, hierhin und dorthin zeigte und in einem fort dabei brabbelte, und Skip hatte, um so kundig zu wirken, wie es zu seiner damaligen Rolle passte, immer nur wissend "Genau!" oder "Meine Rede!" einwerfen können, und so hatte er leider bei der ganzen Sache nichts gelernt. Außer einem. Es gab Punkte auf der Karte, die stellten Städte da. (Leicht zu erkennen, weil bei einem dieser Punkte Tiefwasser stand, bei einem zweiten ganz in der Nähe aber Niewinter.) So etwa acht Punkte hatte er an der gesamten Schwertküste gezählt, und noch einmal so viele nördlich des großen Binnenmeers, und dann mal so im Kopf überschlagen und geschätzt und war auf etwa dreißig Städte auf der ganzen Welt gekommen. Davon konnte sich nicht ein Drittel an einem Ort namens Eiswindtal befinden. Es musste sich also doch um einen einzelnen Ort handeln. Vielleicht, dass dort eine Handelsstraße entlangführt, die zu zehn Städten führt? Ja, das war eine gute Erklärung.

Derart in Gedanken hätte Skip in der Nähe der Tür fast den kleinen Halbling übersehen. Ein Zusammenstoß konnte so gerade eben noch verhindert werden. Gaston warf ihm einen bösen Blick zu und stolzierte ohne ein Wort davon. Skip malte sich die bevorstehende Reise aus: ein Begleiter, der nur das nötigste redete, einer, der am liebsten gar nicht redete, und der dritte, der sich geschworen hatte, nicht mehr mit ihm zu reden und sollte er auch an den ungesagten Worten ersticken. Es würde eine sehr lange Reise werden.

Er eilte Gaston nach in der vagen Absicht, ihn eloquent um Verzeihung zu bitten, wenn's ihm denn so wichtig war, und danach wäre alles wieder beim Alten.

"Warte, Gaston!" rief er also, doch die nächsten Worte aus seinem Mund waren, zu seiner großen Überraschung, keine glattzüngige Entschuldigung, sondern ein zweiter Hieb in dieselbe Kerbe. "Mir willst du nicht verzeihen, mit 'F' verglichen zu werden? Du vergleichst dich doch ständig mit ihm. Ein Dutzend Mal schon musste ich mir deine Tirade anhören! Leidenschaft, harte Anstrengung, Ehrgeiz, glaubst du, ich spräche dir irgendwas davon ab? Aber in letzter Zeit hast du dich verrannt, Gaston, hängst dich zu sehr an Rezepten auf, an exotischen Zutaten, deren Name kein Mensch aussprechen kann, und ja, alles dreht sich bei dir nur noch um François: was er macht, was er nicht macht, was man über ihn sagt, was er selbst über sich sagt, was er über dich sagt, was man über euch sagt... das ist nicht gesund! Davon musst du dir endlich mal den Kopf freimachen!"

All dies hatte er wohl schon einmal gedacht, aber normalerweise war Skip jemand, der sich noch ärger als die Katze vorm Wasser davor hütete, seine Gedanken über andere laut auszusprechen. Aber jetzt, da die Worte schon einmal aus ihm herausbrachen, jetzt war er noch lange nicht fertig.

"Und wenn du schon Kartoffeln erwähnst: wann hast du denn das letzte Mal ein einfaches Kartoffelgericht gekocht? Wann das letzte Mal den Mut besessen, Pellkartoffeln beim Namen zu nennen, statt sie deinen Gästen als pommes de terre en robe de chambre anzudrehen? Ist das denn weniger Augenwischerei als ein Illusionszauber? Und bin ich nicht jemand, der sich mit Augenwischerei auskennt? Habe ich diese Kunst nicht von Kindesbeinen an erworben, mit harter Anstrengung und zähem Ehrgeiz, mit Leidenschaft und nur allzu oft trotz Todesgefahr? (Übrigens bin ich mir sicher, dass du noch in den Windeln lagst, als ich mich schon auf der Straße alleine durchschlagen musste, aber das nur nebenbei.) Und deshalb sage ich dir: auch bei dir im Restaurant wird immer mehr auf den schönen Schein gesetzt statt auf die Substanz. Leugne es oder verschließe die Augen davor, das ändert nichts daran, dass es Tatsache ist. Aber ob das nun daran liegt, dass die Leute es tatsächlich so wollen oder dass du dich zu sehr bemühst, François zu übertreffen und dabei zu ähnlichen Mitteln greifst wie er, das kann ich nicht erkennen, da bist du der Fachmann. Und wenn jemand, der es gut mit dir meint, dir diese Dinge nicht sagen darf, dann... dann..."

Skip wusste nicht, was dann wäre. Eine solche Rede wie gerade hatte er noch nie gehalten. Welcher Teufel ritt ihn da gerade? Warum war ihm nicht, wie er beim Öffnen seines Mundes selbst noch glaubte, eine ebenso charmante wie unehrliche Entschuldigung von der Zunge geperlt?

"... dann gehörst du eben auch zu den Leuten, die lieber belogen werden und die nicht einmal von einem guten Bekannten ehrliche Worte ertragen, so gut dieser sie auch meint!"
 1. Int-Check = 6 (http://games.dnd-gate.de/index.php?topic=9119.msg1046770#msg1046770). Pro Punkt über 10 hätte Skip eine weitere Stadt dem Namen nach gekannt.
 2. Ist das noch immer so? Sonst hat Skip vielleicht einfach jemanden von damals reden hören und gedacht, der spräche von heutigen Verhältnissen.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 13.05.2018, 19:20:31
Was Skip in den kommenden Sekunden zu Gesicht bekam, hätte jeden Theater-Regisseur in Verzückung versetzt. Es war, als wechsle er in Sekundenbruchteilen von einer Rolle in die nächste, dass es einem Angst machen konnte. Zunächst schien Gaston jedes Wort in sich aufzunehmen und in weiß-glühende Wut zu verwandeln. Mit dem Blick eines Uthgard-Barbaren starrte er Skip an und schien jeden Moment auf diesen losgehen zu wollen. In etwa als Skip seine Rede beendet hatte, veränderte sich der Gesichtsausdruck urplötzlich. Die Wut machte einer plötzlichen Erkenntnis Platz und Gaston starrte durch Skip hindurch, wie ein Hellseher, der durch den dünnen Schleier der Wirklichkeit hindurchzublicken verstanden hatte und die verstörende Gestalt von Zeit und Raum und dem namenlosen Willen dahinter erkannte. "Das hast Du nicht...", murmelte er ungläubig und stolperte ein paar Zentimeter nach hinten. Seine Hände gestikulierten wirr und griffen nach einer Stuhllehne, die Halt versprach.

So ging es einige Sekunden, in denen Gssaston sichtlich mit sich rang. Dann aber schien sich Gaston wieder in den Griff zu bekommen und wurde mühsam ruhig. Er atmete tief ein und aus und sagte dann zu Skip: "Also gut Skip, ich verstehe jetzt, was Du tust und auch ich habe eine Entscheidung getroffen. Doch genug davon, ich habe es jetzt sehr eilig. Wartet auf dem Schiff auf mich. Ich brauche eine halbe Stunde und komme dann nach. Meine Reaktion erfährst Du morgen Abend." Dann verschwand Gaston in Windeseile und ließ Skip einfach stehen. Gaston eilte atemlos durch das Gebäude, erbat sich vom privaten Sekretär Federkiel und Papier, verfasste eilends zwei Briefe, ließ sie notariell beglaubigen und kam gerade in letzter Sekunde im Hafen an, bevor der Kapitän ungeduldig wurde.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 16.05.2018, 23:09:25
"Hmpf!" machte Skip, dem davoneilenden Gaston nachblickend. "Dann wollen wir mal hoffen, dass er nicht vergisst, was er mir alles später noch erzählen will: ob er noch mit mir redet, was er hier macht..."

An letzteren Gedanken knüpfte er in der Herberge, als Azrim und er dort ihre Siebensachen abholten (und Skip auch rasch in wesentlich praktischere Reisekleidung schlüpfte), nahtlos an:

"Was mache ich eigentlich hier?" fragte er auf Elfisch.

Es klang seltsam aus seinem Mund. Zum einen, weil er ein halbes dutzend verschiedener Akzente zu einem ganz eigenen Gemisch vereinte wie eben jemand, der die Sprache von einer Vielzahl an Lehrmeistern unterschiedlichster Herkunft erlernt hatte. (Ein ziemlich alter Elf muss darunter gewesen sein, denn manchmal überraschte Skip seinen Begleiter mit den altertümlichsten Wendungen, Seite an Seite mit heutigen, was sich aus dem Mund eines gerade einmal 45-jährigen doppelt so ulkig ausnahm.) Vor allem aber klang es seltsam, wenn Skip Elfisch sprach, weil er doch sonst in allen Dingen so durch und durch Mensch war, dass man wohl letztlich einfach nicht von ihm erwartet hätte, sich überhaupt mit der Sprache ausreichend befasst zu haben.

Als Azrim nicht sogleich antwortete—noch bevor er vielleicht erst begriff, dass dies eine ernst gemeinte Frage und dazu an ihn gerichtet war—setzte Skip nach: "Im Ernst, was kann er sich dabei gedacht haben, dass er mich auf eine solche Mission schickt? Ist's derart schlecht um eure kostbare Allianz bestellt, dass man niemanden zur Hand hatte, der ein wenig geeigneter wäre? Riesen? Wildnis? Eiswindtal? Na klar, da schicken wir Skip! Herrje, was mischt der Mann sich bloß in seinen Tee?"

Sollte Azrim an dieser Stelle etwas zu sagen eingefallen sein, so müsste er nun feststellen, dass die zu Beginn verpasste Gelegenheit zu einer Erwiderung so schnell nicht wiederkehren würde.

"Ich meine, wozu werde ich hier gebraucht, das würde ich gern wissen!" tönte Skips Stimme gedämpft durch das Wams, welches er sich gerade überstreifte. "Welches meiner Talente, welche meiner Rollen ist gefragt? Er muss sich doch irgendwas dabei gedacht haben, oder? Hat er dir keinen Grund genannt?" Ein fragender Blick tauchte in der Kragenöffnung auf. "So verzweifelt kann die Lage doch gar nicht sein! Also, dann sag mir bitteschön, wer ich sein soll, dann will ich zusehen, diese Person zu werden, bis wir das Eiswindtal erreicht haben."


Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Azrim Greycloak am 17.05.2018, 15:17:09
Überrascht sah Azrim auf, als Skip ihn auf Elfisch ansprach. Soweit er sich erinnern konnte, hatte er noch nie ein Gespräch mit dem Halbmenschen geführt, dass zur Gänze in der Muttersprache des Magiers geführt worden war. Sicherlich, hier und da eine Redewenung, oder ein Begriff der auf Elfisch besser vermittelte was gemeint war, aber ein ganze Sätze?

Ein amüsiertes Glinzern tauchte in den leicht schräg gestellten Augen des Eladrins auf als er die Vielzahl von Akzenten vernahm und für einen Herzschlag sein Kopf versuchte diese einzuordnen, ehe er verstand das dies erfolglos bleiben würde.

Dem jungen Cha'Tel'Quessir zuhörend, konnte sich der Zauberwirker bereits denken um was es sich drehen würde. Die ständigen Zweifel und Beschwerden seines Weggefährtens! Wozu? Welches Talent? Es muss einen Grund geben! So kann das nicht sein! Und dann als krönenden Abschluss: Wer soll ich sein? Eine Frage die sich Skip scheinbar im Minutentakt ständig stellte, nun einmal laut ausgesprochen und damit fassbar.

Am liebsten hätte Azrim freundschaftlich gelacht und geantwortet: Sei einfach du selbst! Wer sonst sollst du sein? Wer sonst kannst du wirklich sein?

Doch dafür kannte er den wendehalsigen Halbmenschen bereits zu lange. Dieser würde es als Herausforderung sehen und nicht verstehen was Azrim damit zu Bewegen versuchte. U

Und so nahm er sich Zeit ein angestrengtes, ja nachdenkliches Gesicht aufzusetzen und einige Herzschläge bedeutsam zu schweigen um dann mit ernster Stimme - den Blick gewichtig in die Ferne schweifen lassend - zu antworten:  ""Sei mutig. Sei ohne Furcht und Klage. Setze dein gesamtes Talent und Können ein um diese Gruppe gut und sicher ihrem Ziel entgegen zu bringen."

Dann wandte er sich ab - scheinbar in tiefe elfische Einsichten und Weisheiten gehüllt - und ließ Skip mit diesen Worten zurück. In Wahrheit hatte Azrim damit zu kämpfen nicht zu lachen oder verräterisch mit seinen Schultern zu zucken. Hoffentlich tauchte Gaston bald auf!
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 19.05.2018, 11:54:27
"Ich habe keine Angst!" empörte sich Skip. "Und beklagen tue ich mich auch nicht, oder hast du auf der ganzen Reise bisher auch nur ein einziges Wort der Klage von mir gehört? Wer sich erwischen lässt, dazu noch auf derart dämliche Weise wie ich mich habe erwischen lassen, der muss eben büßen, so ist das. Was mich nur stört ist, dass ich so gar nicht weiß, auf was wir uns da mit diesem Auftrag einlassen, und deshalb überhaupt nichts planen oder vorbereiten kann. Das ist nämlich eins meiner größten Talente. Die Zusammenarbeit in einer Gruppe dagegen... halt, lass es mich andersherum sagen: die Sache mit dir gemeinsam gegen deine komischen Kultisten neulich, das war das erste Mal, dass eine solche Zusammenarbeit weder für mich noch für die anderen ein bitterböses Ende nahm."

Und dann sagte Skip nichts mehr. Für eine ganz erstaunlich lange Zeit. Nicht einen Ton. Denn er war jetzt ein Elf. Er bewegte sich wie ein Elf, blickte wie ein Elf, schwieg wie ein Elf. Fast hätte man meinen können, es mit zwei Azrims zu tun zu haben, oder zumindest mit Azrim und seinem Zwillingsbruder.

Dann aber stieß man auf Dolgrim und Skip wurde unschlüssig, was besser sei: ein Elf zu sein oder doch lieber ein Zwerg? Die Unterschiede waren, von der Körperform (inklusive Bewegungsabläufen) und der Behaarung einmal abgesehen ja durchaus subtil. Wer schwieg besser: Elf oder Zwerg? Wessen stiller Blick schaute grimmiger? Wer sagte mehr mit einem Wort? Wer konnte schöner die Augenbrauen zusammenziehen und damit alles sagen, was er zu sagen hatte, ohne auch nur den Mund aufzutun? Skip testete es aus. Während er mit Dolgrim und Azrim zum Hafen marschierte, war er eine Gasse lang Zwerg, die nächste Elf. Und wer nicht gänzlich blind war, wusste stets, mit was davon man es gerade zu tun hatte: allein am Gang, der Körperhaltung, Mimik, Atemweise, oder auch welche Dinge seinen interessierten Blick anzogen, ließ sich der Zwerg oder der Elf erkennen.[1]

Als ihr Boot in Sicht kam, war Skip endlich zu einem Entschluss gekommen: nicht, was besser war, nur, was für ihn leichter. "Der Elf liegt mir doch mehr", sagte er. "Zwerg, das ist ziemlich anstrengend so auf die Dauer. Der tiefere Körperschwerpunkt und so. Das geht mächtig in die Knie."

Übergangslos wandte er sich an Dolgrim, der vor dem Marquis angedeutet hatte, sich mit Riesen auszukennen. "Also, sie sind furchtbar groß, ziehen raubend und brandschatzend durch den Norden und schmeißen gerne mit Felsbrocken nach einem. Gibt es sonst noch was, das ich über Riesen wissen sollte, bevor ich einem begegne?"[2]
 1. Deception = 27 (https://games.dnd-gate.de/index.php/topic,9119.msg1047260.html#msg1047260)
 2. Habe den Absatz mal hierher verlegt. Wenn Dolgrims Spieler aber vor seiner Abwesenheit nicht mehr zu einer Antwort kommt, lösche ich ihn einfach, damit die Frage nicht in der Luft hängenbleibt.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Idunivor am 19.05.2018, 15:25:38
Auch der Hafen der Oberstadt, den die neu gebildete Erkundungstruppe jetzt erreichte, war offensichtlich mehr auf Zweckmäßigkeit und Wehrhaftigkeit als auf Schönheit ausgelegt. Die steinernen Piere hatten flache Mauern, damit man nicht zu leicht von einem Boot aus an Land springen konnte und immer wieder waren Ketten angebracht, die man bei Bedarf über große Räder aufrollen konnte, um bestimmte Teile vollständig zu blockieren. Auch hier gingen viele Menschen ihren Geschäften nach und zahlreiche Waren wurden auf Schiffe verladen oder von solchen in die Lagerhäuser gebracht, die das Flussufer säumten.
Ein kleines Boot erwartete die Agenten zwischen den anderen Flussschiffen und ein mürrischer alter Mann, der auf einem Grashalm herum kaute schien der Kapitän zu sein. Er sagte nicht viel, als er seine Gäste sah, hatte sie aber offenbar bereits erwartet, denn er machte sich sofort daran abzulegen, sobald sie alle da waren - Gaston kam als letzter mit leicht gerötetem Gesicht herbei geeilt.
Was die vier Fremden allerdings überraschte war, dass neben dem Kapitän und zwei jungen Männern, die wohl zu Besatzung gehörten, noch jemand auf dem Boot war. Eine Halbelfe mit schwarzem Haar, die offensichtlich nicht immer auf diesem Boot unterwegs war. Tatsächlich deuteten ihre Haltung und ihr Aussehen eher darauf hin, dass sie im gleichen Geschäft tätig war wie die anderen vier Passagiere des Bootes.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Dolgrim Frostbart am 19.05.2018, 16:29:56
Dolgrim war irritiert, als plötzlich elfisch gesprochen wurde. Aber so war immerhin klar, dass er nicht gemeint war, er konnte zu den Gesprächen der anderen sowieso nichts beitragen - und wollt es auch nicht. Bei dem Gedanken an das Boot war ihm ebenfalls etwas mulmig. Dort konnte er dem eifrigen Geschwätz noch weniger entkommen. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen als er plötzlich wieder verstehen konnte, was Skip erzählte. Und dann dauerte es einen Moment, bis Dolgrim verstand, dass Skip mit ihm sprach.

"Hmm, naja, das wichtigste ist das weg rennen, aber das hatten wir ja schon. Hmm. Ja und groß sind sie, und böse. Hmm. Und Keulen haben manche, andere auch Äxte, groooße Äxte. Wenn's nur einer ist, hut, geht, wenn man schnell ist. Also, wenn man kämpfen kann. Aber wenn es mehr sind. Hmm. Also, am besten nicht so schnell auf sie treffen." Dann brummte er wieder vor sich hin und als Skip überlegte, ob er beim Laufen eingeschlafen war, kam noch ein Satz.
"Nicht dumm sind sie. Manche schon, aber nicht alle. Fies, groß, gefährlich. Nicht gut, wenn sie sich zusammen rotten. Nicht gut, wenn es Gerüchte gibt, dass sie ins Tal kommen. Nicht gut."

Klatschend schlug er die Hände zusammen "Genau das richtige für uns, was Junge!" Mit einem breiten Grinsen, für Nichtzwerge sah es allerdings eher wie eine Grimasse aus, schaute er Skip an. Nickte dann mehrmals und marschierte weiter.

Als sie dann am Hafen ankamen, suchte er nach dem Boot, das für sie bestimmt war.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 20.05.2018, 10:21:25
Verschwitzt und keuchend kam Gaston am Hafen an und nahm sogleich seinen Platz im Boot ein. Als er an Skip vorbeiging, nickte er ihm zu und lächelte. Er stellte sich sowohl dem Kapitän vor als auch der jungen Elfendame, die hier genauso fehl am Platz wirkte, wie der Rest der Gruppe: "Guten Tag, ich bin Gaston. Ich und meine Gefährten sind auf dem Weg ins Eiswindtal. Es wird grausam kalt werden, habe ich gehört. Seid Ihr auch dorthin unterwegs?"
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Fiona am 20.05.2018, 11:16:03
Die Augen der Halbelfin folgten den Neuankömmlingen, während sie sich nach und nach auf das Boot begaben. Dabei nickte ihr Kopf ein paarmal in Gedanken.

Ja, das müssen sie sein...

Als der Halbling dann noch vom Eiswindtal sprach, war die Sache endgültig klar.

"Ah, sehr schön, sehr schön. Da seid Ihr ja endlich. Der Kapitän wird schon ungeduldig, ich glaube er ist lieber draußen auf dem Wasser." Sie zuckte leicht mit den Schultern.

"Aber kommt doch erstmal an, Ihr seid ja noch ganz außer Puste, Gaston. Hier."

Mit einer leichten Handbewegung und einigen Worten, die offenkundig dazu dienten, arkane Magie zu wirken, fächerte die gut gekleidete Frau Gaston etwas Luft zu und ein leichter Rosenduft begleitete den angenehmen Windhauch[1].

Sie öffnete dann die andere Hand und darin offenbarte sich ein rotes und ein grünes Tuch mit einer goldenen Kette darauf, eine offensichtliche Illusion und deutlich kleiner als das Original, welches der Marquis um den Hals trug, um seinen Stand darzustellen. Das Bild verschwand auch einen Augenblick später wieder.

"Ich habe Euch bereits erwartet. In der Tat, wir haben das gleiche Ziel. Denn ich werde Euch begleiten. Ihr dürft mich Fiona nennen."

In den Worten der Halbelfin konnte man deutlich den Akzent der nördlichen Schwertküste heraushören. Und man hatte auch nicht den Eindruck, dass es sich bei ihr um eine Abenteurerin handelte, vielmehr eine höhergestellte Dame, deren üblicher Umgang Adelige und ähnlich einflussreiche Personen waren.

Dann war erstmalig eine leichte Andeutung eines Lächelns auf ihren Lippen zu erkennen während ihre Stirn sich ein wenig in Sorge zusammenzog. Sie seufzte leicht.

"Und ja, ich fürchte es wird kalt werden. Ich hoffe, Ihr habt warme Kleidung eingepackt."
 1. Prestidigitation
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Azrim Greycloak am 22.05.2018, 11:51:29
Skip durchaus zuhörend, wie er so einen Schritt hinter ihm ging und dabei auf elfisch vor sich hin redete, war Azrim über sich selbst erstaunt wie wohlwollend er dem jungen Halbmenschen eigentlich gegenüberstand. Andere wären bei einem ähnlichen Verhalten schon längst in Ungnade gefallen, doch der dunkelhaarige Cha'Tel'Quessir wusste einfach instinktiv wie man die Zeit kurzweilig gestaltete. Und sei es nur mit Behauptungen und offensichtlichen Unwahrheiten. O-Ton: Ich habe mich noch nie beklagt!

Die Wandlung hingegen beobachtete der Zauberer interessiert und fragte sich auch nach dem Grund für die sich stetig veränderte Weise sich fort zu bewegen. Bis auch hierfür Skip eine - für ihn wohl logische - Erklärung lieferte.

Den Worten des Zwergs - Dolgrim! - hingegen lauschte er interessiert. Mit Riesen hatte er noch nie etwas zu tun gehabt und von daher konnte es nicht schaden einem erfahrenen Zwergenkämpfer zu lauschen. Als er dann dem zappeligen Skip erfreut Hände reibend versicherte, dass dies genau das Richtige für sie war, hätte Azrim am liebsten laut über den Gesichtsausdruck des Diebes gelacht.

Der offenkundig begabten Frau mit dem elfischen Blut, stellte er sich höflich als "Azrim Greycloak" vor und versicherte ihr, dass er sehr erfreut sei ihre Bekanntschaft zu machen. Dann musterte er sie für eine zeit lang um sich ein Bild von ihr zu machen.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Fiona am 22.05.2018, 14:10:13
"Ach, wo ich gerade von warmer Kleidung sprach. Der Marquis war so vorausschauend, dass er für jeden von uns einen warmen Fellmantel hat bereitlegen lassen, ihr findet sie gleich hier."

Damit deutete die Halbelfin auf eine Kiste, die sich an Bord befand, worin sorgsam gefaltet einige Fellmäntel in verschiedenen Größen lagen, so dass für jeden ein passendes Stück dabei war. In einer Tasche des Mantels fand jeder zudem einen Beutel mit 100 Goldmünzen vor, die dann wohl die versprochene Aufwandsentschädigung für die Reise sein dürften.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 22.05.2018, 23:13:21
"Riesen, nicht gut", fasste Skip Dolgrims Erklärungen zusammen. "Und schnell muss man sein, verstanden. Schnell, das bin ich." Im Weglaufen hätte man ergänzen können, oder man ließ es bleiben. Es war nicht Skips Schuld, wenn das Gegenüber diese Aussage dann—von sich auf andere schließend!—auf den Angriff bezog.

Und so erreichten die drei ungleichen Weggefährten das Boot in einträchtiger Stimmung. Während Zwerg und Elf schon an Bord gingen, warf Skip dem Burschen, den er von der Straße weg angeheuert hatte, ihm sein Pferd am Halfter nachzuführen (und dem Dolgrim dann wortlos sein Pony an die andere Hand gab) noch rasch einen Silberling zu.[1] Dessen Miene leuchtete auf—etwas mehr, als sie hätte dürfen. In Mirabar galten offenbar etwas niedrigere Preise als in Tiefwasser. Sei's drum. Dafür brachte der Bursche die Tiere dann auch aufs Boot und kümmerte sich darum, dass sie ordentlich untergebracht wurden.

Skip betrat also als letzter den Kahn. Dies hatte eine erstaunliche Wirkung: er fühlte sich sofort wie zuhause. Boote kannte er. Auf Booten war er daheim oft unterwegs gewesen. Boote waren überall gleich. Noch ehe er seine Reisebegleiter erreichte, hatte sich sein Schritt schon dem Wogen des Wassers angepasst. Hier kam ein echter Seemann. Also ein Schmu... äh, Flussfischer. Jedenfalls jemand, der sich wohl in seiner Haut fühlte, als wäre er ganz in seinem Element. Selbstsicher war Skips Gang, zum ersten Mal seit sie Tiefwasser hinter sich gelassen hatten, und den Daumen der Rechten hatte er lässig am Gürtel eingehakt.

Dann erblickte er die Dame, die bereits von Gaston und Azrim umringt wurde. (Erstaunlich, wie zwei Männer eine Frau umringen konnten, man hätte meinen sollen, dazu braucht es wenigstens drei, besser noch vier, aber so war es tatsächlich.) Und sie gab auch gleich eine Vorstellung. Köstlich. Der ganze Salon hätte applaudiert. Aus Höflichkeit, mag sein, oder weil die Dame gar so hübsch war. (Oder weil ihre rosenduftende Brise in einem Salon wesentlich besser zur Geltung gekommen wäre als hier im Hafen, wo es eh anständig zog.) Einerlei. Sein erster Gedanke jedenfalls war:

Genau die hat uns noch gefehlt! Jetzt kann Gaston die Riesen bekochen, diese Fiona kann ihnen Rosenduft zuwedeln, und ich... ich verkaufe ihnen die Mirabarsche Händlerbrücke als Alteisen, zum günstigen Sparpreis, weil sie demnächst ja abgerissen und verschrottet werden soll!

Da allerdings zeigten sich die leicht angespitzten Ohren in der wohlfrisierten dunklen Haarpracht und Skips Herz setzte erst einmal aus—vor Schreck. Eine Halbelfe! Nichts wie weg hier!

Die Reling ließ ihn innehalten. Da erst bemerkte Skip, dass er tatsächlich auf dem Absatz kehrgemacht hatte und sich mitten in einem Fluchtversuch befand. Was soll das? rief er sich zur Räson. Sie ist nicht Verity. Es wird ja wohl kaum zwei Halbelfendamen auf der Welt geben können, die so durchtrieben sind wie dieses Miststück! Außerdem, schau sie dir an. Nein, schau genau hin. Und? Setzt dein Verstand aus? Kannst du an nichts anderes denken, als über sie herzufallen? Zupfen deine Finger schon an deinem Gürtel, deinem Halstuch, deinem Hemd? Nein? Dann bist du auch nicht in Gefahr.

Er machte also abermals kehrt und trat zu der plaudernden Gruppe. "Skip", stellte er sich vor, worauf er sich galant verbeugte, mit einem imaginären Hut wedelnd, zwecks mehr Flair. "Aus Tiefwasser. Ihr dürft mich Skip nennen."

Ihm fiel auf, dass Azrim die Dame gar nicht aus dem Blick ließ. Musste er sich Sorgen um den Elfen machen? War es um ihn schon geschehen, so wie's um Skip geschehen war, als er Verity das erste Mal erblickte? Oder war der Kamerad nur deshalb an Fiona interessiert, weil sie dieselbe Kunst beherrschte wie er? (Und diese im übrigen auch für jede Kleinigkeit heranzuziehen schien, genau wie er?) Obwohl... genauso fing es ja an, nicht wahr? Mit Bewunderung für das Können der Dame... Ah, er würde ein Auge auf Azrim halten müssen.

"Hmpf", war Skips Kommentar zum Fellmantel—Wahrscheinlich nur geliehen, so wie ich den Marquis einschätze—und ein wesentlich erfreuteres: "Das lasse ich mir doch gefallen!", als er in dessen Tasche den Geldbeutel vorfand. (Selbstverständlich hatte er sofort die Taschen des Mantels untersucht. Wie von allein waren seine Hände in eine jede hineingefahren und hatten sie, nach vorsichtigem Vorfühlen, bis in die letzten Ecken ausgetastet. Wie, die anderen nicht? Das war nicht ihr natürlicher Reflex?)

"Sehr erfreut über ihre werte Begleitung, meine Dame Fiona", fuhr er seinen ganzen Charme auf. "Ich hatte schon arge Sorge, dass ich, von gelegentlichen Einwürfen des lieben Gaston abgesehen, auf der gesamten Reise meiner eigenen Stimme lauschen müsste. Das wäre mir doch auf die Dauer entsetzlich langweilig geworden, von daher bin ich heilfroh über die unverhoffte Unterstützung!"
 1. Ich darf mich mal um beide Tiere kümmern. Azrim hat keins, sehe ich das richtig?
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Fiona am 23.05.2018, 12:37:07
Naja, zumindest haben sie ja Manieren. Da habe ich schon Schlimmeres gesehen... dachte sich Fiona mit einem leichten Seitenblick zu dem zwergischen Abenteurer. Und das muss dann wohl der angekündigte Wildniskundige sein! Keiner der anderen passte in das Bild, daher war diese Überlegung tatsächlich recht offensichtlich.

"Es freut mich, Eure Bekanntschaft zu machen," sagte sie an alle gewandt.

Azrim beobachtete die junge Halbelfin und für einen kurzen Moment lief dem Elfen ein kalter Schaue über den Rücken, als sie ihre Magie wirkte, um Gaston etwas dabei zu unterstützen, wieder zu Atem zu gelangen. Es war nur ein winziger Augenblick, aber er konnte förmlich spüren, wie sie Kraft aus den umliegenden Schatten zog, um ihre Magie damit zu nähren. Dies war keine gelernte Magierin wie er selbst, sie hatte die Magie regelrecht im Blut. Und die Schatten waren dabei ihre Verbündeten.

Skip antwortete sie dann noch: "Aus Tiefwasser also. Eine prächtige Metropole. Ich bin vor einigen Wochen noch dort gewesen. Auch wenn es mich, seit ich einmal dortgewesen bin, immer zum Edelstein des Nordens hinziehen wird, aber welche Stadt kann sich schon damit vergleichen. Ich wünschte, ich hätte noch mehr Zeit dort verbringen können. Es braucht wahrscheinlich ein ganzes Leben, um die volle Schönheit dieses Ortes zu erfassen. Aber ich schweife ab... Zudem hat auch Tiefwasser seine Besonderheiten und sicherlich mehr als genug davon. Beeindruckende Bauwerke und dieses schiere Ausmaß der Stadt. Ich habe gute Erinnerungen an meine Aufenthalte dort. Soviel Leben und Bewegung. Es ist wahrlich ein gigantischer Ort."

"Überhaupt bin ich lieber in Städten unterwegs als in der Wildnis, und lieber unter zivilisierten Personen als unter wilden Bestien, aber das geht wohl den meisten von uns nicht anders. Man kann es sich nicht immer aussuchen, und so wie es aussieht, werden wir uns wohl in unzivilisiertere Gebiete wagen müssen, um mehr über diese drohende Gefahr herauszufinden. Aber keine Angst, auch auf diesem Parkett werde ich mich durchaus zu bewegen wissen."
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 24.05.2018, 15:42:02
Nachdem Gaston sein Pony auf das Schiff geführt hatte, stand er etwas unschlüssig da. Die hübsche Elfendame versprach eine angenehme Begleitung zu werden. Aber er war gerade etwas kribbelig und nicht unbedingt zu Smalltalk aufgelegt, bis dass vollendet war, was er angefangen hatte. Daher tippte er Skip an und fragte ihn: “Kann ich kurz mit Dir unter vier Augen sprechen?
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 24.05.2018, 17:04:52
"Oh, aber wilde Bestien gibt es auch in Tiefwasser, nur laufen sie dort auf zwei Beinen herum. Die meisten von ihnen jedenfalls..." Nur dürften diese Herren, und einige wenige Damen, Fiona bislang entgangen sein, denn man traf sie bis auf wenige Ausnahme nicht in den beeindruckenden Bauwerken vor, deren Bewohner sich über gewienertes Parkett bewegten. "Aber ich liebe sowohl die schönen als auch die dreckigen Seiten meiner Heimatstadt. Deswegen bin ich auch hier."

Ja, es klang heroisch, dieser Zusatz, als stünde hier jemand, der seine Heimat zu verteidigen gedenke, auf Leben und Tod. Die Wirklichkeit war prosaischer: Ohne die Begnadigung, welche der maskierte Herr von der Fürstenallianz ihm verlockungsvoll vor der Nase baumeln ließ, könnte Skip sich in Tiefwasser für zwanzig, dreißig Jahre nicht mehr blicken lassen. "Immehrin kenne ich dort die Bestien. Und die vertraute Bestie macht einem weniger Angst als die unbekannte." Da erblickte er Gaston, der ihn mit zielbewusster Miene ansteuerte, und seufzte. "Wo wir da gerade beim Thema sind..."

Schon tippte der Halbling ihn an und bat ominös um ein Gespräch unter vier Augen. Skip, schicksalsergeben (denn er wollte sich nicht auf der ganzen Reise das Essen selber kochen müssen), nickte zu den Reittieren hinüber: dort schien man vor Zweibeinern weitgehend sicher.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 24.05.2018, 17:39:40
Gaston nickte und führte Skip zu den zugewiesenen Fleck hinüber. "Eigentlich wollte ich erst morgen Abend mit Dir sprechen. Aber es ist alles ausgemacht und abgeschickt und ich kann auch nichts mehr ändern. Daher kann ich es Dir genausogut heute sagen. Also, es verhält sich so: Wie Du genau weißt, steckt mein Geschäft in großen Schwierigkeiten. 'F' hat meine Rezepte und auch Kundschaft gestohlen. Ich bin verärgert über diesen verblödeten Adel, der sich von Blendwerk und magischen Zaubertricks an der Nase herumführen lässt. Tatsächlich war ich so stinksauer, dass ich nicht begriffen habe, was vor sich ging. Denn immerhin muss 'F' ja meine Zutaten irgendwie erkannt haben. 'Hat er sie etwa herausgeschmeckt?', habe ich mich gefragt. Sicherlich nicht! Denn 'F' kann ein Hühnerei nicht von einem Entenei unterscheiden. Daher muss er meine Rezepte von jemandem bekommen haben. Und wer geht bei mir ein und aus?" Gaston machte eine unbestimmte Geste in Richtung Skip.

"Leugne es nicht, ich glaube Dir sowieso nicht! Viel wichtiger ist, warum Du es getan hast. Du warst nicht müde geworden, mich zu ärgern und das Können von 'F' hervorzuheben, die höfischen Lackaffen zu erfreuen. Verrätst Du mich und weidest Dich dann noch an meiner Niederlage? Irgendwie kann ich es nicht glauben. Ich will glauben, dass Du mir alles genommen hast, um mich zu einem Neuanfang zu zwingen. Mich auf mich selbst zu besinnen und nicht mehr den flüchtigen Geschmack zu bedienen."

Plötzlich hatte Gaston einen Umschlag in der Hand. "Heute ändert sich unser beider Leben. Ich bin frei, mich weiterzuentwickeln und neue kulinarische Höhen zu erobern. Und Du bist Besitzer des Gastons. Herzlichen Glückwunsch! Du kannst damit machen, was Du willst. Das Buch mit den Rezepten findet sich - ach!, was rede ich da? Du weißt, wo es sich befindet. Du kannst die Rezepte oder das ganze Restaurant verkaufen. Mir ist es gleich. Ich koche nur noch für mich. Und vielleicht für eine kleine, ausgewählte Zahl von Menschen."

Und diese letzten Worte gesprochen habend, machte sich ein derart breites Lächeln auf Gastons Gesicht breit, wie es Skip noch nie an ihm gesehen hatte.
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Skip am 24.05.2018, 19:02:14
Mehrere Atemzüge lang starrte Skip den Halbling sprachlos an. (Sein Mund stand sogar offen, aber das darf man niemandem weitererzählen.)

"Dir hat doch ein Vogel ins Hirn geschissen", sagte er endlich. "Ob's ein Huhn war oder eine Ente kann ich leider nicht unterscheiden, jedenfalls war's keine Wachtel." Er schnappte sich den Umschlag und steckte ihn ein. "Schön, wenn's dir egal ist, dann verkaufe ich den Laden an François, sobald ich mich wieder in Tiefwasser sehen lassen kann." Wenn die Obrigkeit das Restaurant nicht sofort konfiszieren würde, um die von Skip Betrogenen zu entschädigen. "Du glaubst auch, du bist der einzige mit Problemen, nicht wahr?"

Skip schnaubte verächtlich und machte sich auf den Weg zurück zu den anderen. Auf halber Strecke wandte er sich noch einmal kurz um. "Weißt du, was das Traurigste ist? Ich habe mich wirklich verlobt. Aber das wirst du vorhin gewiss als die absurdeste meiner Behauptungen abgetan haben, hab' ich recht?"

Und deshalb gab Skip sich mit der Wahrheit nicht ab: sie war immer das letzte, was andere bereit waren zu glauben.

"Jetzt ist's passiert", berichtete er Azrim. "François hat dem armen Gaston komplett den Verstand gekostet. Labil war der kleine Kerl ja schon immer..."
Titel: Prolog - Eine Versammlung in Mirabar
Beitrag von: Gaston am 27.05.2018, 16:31:44
Gaston blickt Skip hinterher, ohne dass sein Lächeln verschwunden wäre. "Natürlich hat er alles geleugnet und sich entrüstet. Natürlich muss er die anderen überzeugen, was für ein einen Unsinn ich rede. Aber den Briefumschlag hat er trotzdem genommen. Und das spricht für sich, mehr als alles, was er sagte. Meine Einsicht war richtig. Aber das soll jetzt nicht mehr wichtig sein. Ich vergebe Dir Deine Lügen, Skip. Dank Dir führe ich jetzt das Leben eines Abenteurers! Meine Güte, ich fühle mich wieder wie ein 17-jähriger Vierteling, der zu seiner ersten Reise aufbricht! Also auf zu neuen Taten!"