DnD-Gate Online Games

Online-RPGs andere Systeme => Kagematsu: Was zurück bleibt => Thema gestartet von: Josei Kimiko am 02.10.2018, 07:33:01

Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 02.10.2018, 07:33:01
All die neuen ungewohnten Erlebnisse und unerwarteten Erkenntnisse schwirrten in Chúseis Kopf, solange bis ihre Gedanken sich wieder ohne Ausweg im Kreis drehten. Der junge Krieger hatte ihr eröffnet, dass er allein und ohne Fürst ist, er hatte ihre Schwerter ohne Versprechen des Schutzes irgendwo hin mitgenommen und sie hatte sich seinem Stand und der Gefahr, die von ihm ausging, gegenüber völlig unangemessen verhalten. Das sie noch lebte war das einzige, was sie Positives sehen konnte. Weiterhin von ihren Ängsten und Sorgen getrieben verließ sie ihr Haus und wanderte ziellos umher. Es reichte aber nicht, sie abzulenken .

Dann entdeckte sie einige Kinder beim Samurai-Spielen und erinnerte sich zurück an die Zeit, als ihr Mann noch da war - Wie er und die anderen Männer trainiert hatten. Plötzlich wurde ihr klar, was sie zu tun hatte - sie würde diejenigen, die damals dabei und nicht mitgezogen waren zusammentrommeln und mit allen, die den Willen dafür haben, trainieren.

Einige Zeit später konnte man die Kraftrufe einiger Frauen, Alten und Jungen hören, die sich auf einer Weide neben dem Dorf versammelt hatten. Mit langen, geraden und beschwerten Stäben wiederholen sie gemeinsam im Gleichtakt die Bewegungen, die Chúsei und einige andere Geübtere vormachen. Es waren unverkennbar  Übungen, die Ashigaru für die Verwendung von Yari oder Naginata lernten. Ein paar wirklich alte Bauern beobachteten das Schauspiel und gaben mehr oder weniger hilfreiche Kommentare, Bei den Jungen war schwer zu unterscheiden, wer mit Ernst trainierte und wer nur nachmachte beziehungsweise -spielte.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 03.10.2018, 16:17:15
Eine ganze Weile nach dem Gespräch mit Chúsei marschiert der Ronin erneut durchs Dorf. An seiner Seite prangt nun neben dem Wakizashi eine der meisterlichen Klingen, die er von der Schmiedewitwe erhalten hat. Seinem grimmigen Gesichtsausdruck ist anzusehen, dass er gereizt ist. Den Grund für diese Gereiztheit erkennt man allerdings nicht so leicht: Es ist der Ärger über sich selbst. Er hat aus seinem Ehrgefühl heraus sofort für sich beschlossen, dass die herrlichen Waffen einem guten Zweck zugeführt werden müssen, einem ehrenhaften, und nicht in die Hände von Banditen fallen dürfen. Doch er hat nicht im Entferntesten die Mittel, gleich mehrere solcher Klingen zu bezahlen – während seine Ehre ihn wiederum daran hindert, sie einfach so mitzunehmen. Zurückgeben kann er sie nach seinen Worten auch nicht mehr ohne einen Gesichtsverlust. Alles in allem eine Lage, in der er keinen rechten Ausweg mehr weiß.

In diesen düsteren Gedanken gefangen tritt er zwischen den letzten Hütten hervor und blickt dann auf das schmale Stück Weideland zwischen den Felsen des kargen Gebirgsbodens, das wohl allenfalls einigen sehr genügsamen Kleintieren ausreichen mag. Der Anblick der dort übenden Frauen, Greise und halben Kinder lässt ihn zurückprallen und ganz perplex schauen. Dann packt ihn mit einem Mal die Wut, und es flammt in seinen Augen auf. Raschen Schrittes marschiert er zu den Dörflern, reißt dem ersten besten die hölzerne Stange aus den Hände und herrscht den erschrockenen alten Mann an: "Was ist das?! Was soll das werden?!" Die stammelnde Entschuldigung des gebeugten Bauern wischt er mit einer Handbewegung beiseite, ohne sich um die betroffen schauenden "Krieger", hauptsächlich Dorffrauen, zu kümmern.

"So würde nur ein krummbeiniger Gebirgsaffe seine Lanze halten. Hier und hier fasst man zu" brüllt er, indem er den Stab packt und so blitzartig in Kampfstellung geht, dass der Stoff seiner Ärmel knallt. "So! Grundstellung! Zustoßen! Abwehr, Zurückweichen! Zustoßen!" Vor den Augen der versammelten Mannschaft exerziert der Samurai die grundlegenden Bewegungen durch, die ein Ashigaru braucht, um in einer Formation zu kämpfen. Dann drückt er dem völlig verdutzten Bauern das Holz wieder in die dürren Hände. "Nachmachen! Los!" kommandiert er laut. "Nicht so, du Tölpel! Du stößt ja deinem Nachbarn ein Auge aus! So – hier, und hier, und so! Noch mal!" Wie bei einem Rekruten packt Tsuyoshi die Unterarme des Alten und führt ihm die Waffe, bis der Bauer es begriffen hat. Dann wendet er sich an die anderen: "Wenn ihr schon kämpfen wollt, dann müsst ihr es richtig tun, sonst könnt ihr den Banditen auch gleich in die Klingen laufen!" Sein Blick wandert über die Reihen, als er sich ereifert.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 10.10.2018, 18:09:49
Bevor Chúsei auf Tsuyoshi aufmerksam wird, redet sie gerade auf eine Gruppe jüngerer Frauen ein: "Ihr habt doch die Miko bereits mehrfach zur Jagd begleitet, geht zu ihr und überzeugt sie davon, euch weiter zu unterweisen - verstecken, schleichen, Herstellung von und Umgang mit den Jagdwafffen - ihr wisst schon, Fallen, Schleuder, geworfene Waffen, Bogen. Einiges habt ihr doch schon gelernt!" Erst ist sie etwas irritiert, als sie merkt, dass die Frauen ihr nicht mehr richtig zuhören, dannbeginnt der Tumult hinter ihr und eine vertraute junge, barsche Stimme kommandiert herum.
Sie scheucht die Frauen zu ihrer Aufgabe und wendet sich um, um das Geschehen zu beobachten. Zunächst kann sie den Anblick der Trainingsbewegungen genießen, dann faltet der junge Kriger seine Schüler weiter zusammen. "Bei der Nervosität werden wir nichts mehr hinbekommen, geschweige denn unser bißchen Mut behalten.", denkt sie, traut sich aber nicht, etwas zu sagen.
Als er endlich verstummt und durch die Reihen starrt, ergreift sie - den Stab untergehakt - das Wort: "Lasst uns dem ehrenwerten Herren für seine Hilfe und Einsatz danken! Denkt daran, was passieren würde, wenn wir nicht bereit sind! Dann verliert jedes Training seinen Schrecken!" Geschickt kommt sie sich nicht vor, aber sie ist nun mal eher eine Frau der Taten als der Worte. Entsprechend tritt sie demonstrativ vor die Gruppe und führt die Bewegungen energisch und kraftvoll durch.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 11.10.2018, 19:50:41
Breitbeinig steht der Ronin vor den versammelten Bäuerinnen, jungen Burschen und Greisen und lässt seinen Blick über die Reihen schweifen – reichlich krumme Reihen, denen man in vielerlei Hinsicht ansieht, dass hier keine trainierten Kämpfer stehen. Seine Mundwinkel sind unwillig nach unten gezogen, doch er wird von dem Bild, das sich ihm bietet, offenbar nicht dazu bewegt, sich resignierend abzuwenden. Vielmehr lässt er Chúsei ihre kurze Ansprache halten, ehe er mit ausgestrecktem Finger auf sie zeigt und fordert: "So wie sie – nachmachen, alle!" Darauf beginnt für die Ungeübten eine harte Lektion, die ihnen schon bald den Schweiß auf die Stirnen treibt. Natürlich will niemand vor allen anderen zurückstehen, doch der Samurai lässt sie unerbittlich üben, nochmals üben und wieder üben, bis immer mehr Lungen sich durch lautes Keuchen und Pfeifen bemerkbar machen.

Ein alter Mann lässt sich mit einem Klagelaut zur Seite sinken. Sofort steht Tsuyoshi neben ihm und sieht auf ihn hinunter. "Erbarmen, Herr... ich bin ein alter Mann, ich kann nicht mehr..!" röchelt der Alte. "Glaubst du, die Banditen werden danach fragen, wenn sie vor euren Hütten stehen und deine Enkelin holen wollen?" Der stumme Blick des Greises sagt alles. Er lässt den Kopf hängen. Da greift der Ronin zu, zieht ihn wieder auf die Füße und drückt ihm den fallengelassenen Übungsspeer in die zittrigen Hände. "Du willst dein Dorf verteidigen?" fragt er. Der Alte blinzelt ihn an. Dann strafft er sich, so gut er kann, packt das Holz fester und bemüht sich um Haltung: "Das will ich, Herr!" Ein knappes Nicken Tsuyoshis, und er beginnt wieder die Reihen auf und ab zu marschieren, seinen Holzspeer wie einen Marschallstab unter die Achsel geklemmt. Bei jedem und jeder einzelnen korrigiert er Haltung und Bewegungen, bei Chúsei ebenso wie bei allen anderen.

Tsuyoshis Gesichtsausdruck ist undurchdringlich. Er konzentriert sich offenbar voll auf den Drill. Und für den Moment scheint es fast, als reiche die bloße Anwesenheit des Samurai aus, um alle anzuspornen: Sie leisten, was sie können.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 22.10.2018, 07:07:36
Während die meisten mit verzweifelndem Ernst bei der Sache sind, wird es einigen fast noch kindlichen Jungen und Mädchen zu viel. Vereinzelt versuchen sie sich davon zu stehlen, doch mögliche Beschämung und Aufmerksamkeit der anderen bremst die meisten. Lieber klappen sie vorzeitig vor Erschöpfung um. Chúsei, die die Korrekturen und damit verbundene Nähe des jungen Ronin kaum registriert, ist aus ganz anderem Holz geschnitzt. Wie einer der älteren, mit Respekt behandelten Männer, kommt sie zwar ins Schwitzen, wiederholt die Bewegungen aber konzentriert und kraftvoll. Ihre Ausdauer scheint kaum zu erschöpfen, ihr Fokus schwer zu brechen. Das Letzteres eigentlich mehr mit ihrem Unwillen, sich von Angst beherrschen zu lassen, zusammenhängt, weiß außer ihr keiner.

Als es endliche iene Pause gibt und die meisten einfach an Ort und Stelle niedersinken, flüchten erst die Jüngsten und beginnt Chúsei mit anderen, Wasser zu holen und zu verteilen. Schließlich kommt sie bei Tsuyoshi an und bietet ihm ebenfalls die Kelle an, von der schon die anderen getrunken haben. Eigentlich ist er wesentlich weniger von Durst und Erschößfung betroffen, aber mit vorsichtiger Zurüclkhaltung (sprich: stumm) bietet sie ihm das Wasser trotzdem an. Unabhängig von seiner Entscheidung scöpft sie sich selbst den letzten Tropfen aus dem Eimer und bleibt zunächst neben dem jungen Krieger stehen, um ihre Atmung wieder in ruhige Bahnen zu lenken.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 23.10.2018, 20:12:59
Bis zum Abschluss des Trainings bekommen die Dörfler von dem Ronin wenig mehr zu hören als Kommandos. In seinen Augen eine große Ehre für sie, werden sie doch immerhin fast genauso behandelt wie echte Kämpfer – für die meisten unter ihnen aber eher eine sehr unwillkommene Ehre, wie das pfeifende Keuch- und Japskonzert hinterher beweist. Tsuyoshi selbst hat zwar ebenfalls diverse der Übungen gemacht, allein schon zur Demonstration, zeigt aber keine erkennbaren Anzeichen von Erschöpfung außer den dunklen Schweißflecken auf dem Kimono, wie sie bei diesem heißen Sommerwetter nicht zu vermeiden sind.

Schweigend nimmt er das Wasser von Chúsei entgegen und trinkt einen Schluck, ehe er einen weiteren Blick über die erschöpften Dorfleute schweifen lässt und nach einigem Zögern laut erklärt: "Genug für heute. Morgen in aller Frühe machen wir weiter." Sie sehen zu müde aus, als dass er heute noch viel mit ihnen anfangen könnte. Dann wendet er sich der Frau zu, die bis zum Ende geübt hat, ohne aufzugeben. Sie wirkt genau betrachtet nicht wesentlich weniger angegriffen als die anderen, scheint aber willentlich gegen die Erschöpfung anzukämpfen. Lange ruht sein Blick auf ihr, während er sich auf den Übungsspeer stützt.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 01.11.2018, 07:25:21
Anscheinend bekommt Chúsei von Tsuyohis Blicken zunächst nichts mit, denn sie trinkt zunächst ungeniert vor ihm, um dann die letzten Wassertropfen zur Kühlung in ihr Gesicht zu werfen. Als der junge Krieger dann die erschöpften Dorfbwohner entlässt, kann die Frau des Schmiedes nur hoffen, dass diese wieder zurückkommen werden. Sie beobachtet die Gehenden eine Weile und versucht abzuschätzen, wie die Aussichten auf ein Wiedersehen sind.

Als der Großteil gegangen ist und ihr Atem sich wieder beruhigt hat, wendet sie sich dem neben ihr Stehenden zu und bemerkt erst, wie er sie ansieht. Nun weicht sie dem Blick aus und wirkt leicht verlegen, denn sie fragt sich, was wohl durch seinen Kopf geht. In seinen Augen muss das alles hier sehr bescheiden wirken. Da weiter kein Wort kommt, sieht sie auf und entschließt sich, den jungen Mann mit einer kleinen Geste mehr an die Gemeinschaft zu binden: "Herr, nach diesen Strapazen wäre eine kräftigende Mahlzeit sicher angemessen. Darf ich euch mein bescheidenes Haus anbieten, auch wenn die Zubereitung noch ein wenig dauern wird?"
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 02.11.2018, 19:56:52
Die Verlegenheit der Dörflerin nimmt der Ronin gelassen zur Kenntnis. Als Angehöriger einer Kaste, die von Kindesbeinen an eine klare Trennlinie zwischen sich und den niedrigeren Ständen zieht – und sei der einzelne Samurai noch so arm und abgerissen – ist er es kaum anders gewohnt. Die unerwartete Einladung Chúseis allerdings lässt ihn zum ersten Mal Anzeichen echter Überraschung zeigen: Er richtet sich auf, runzelt die Stirn, scheint zu überlegen. Seine Blicke gleiten über die einfache Frau, bis er irgendwann einmal langsam und tief nickt. "Ich nehme dein Angebot an" erklärt er in einem förmlich klingenden Ton, wie er im Allgemeinen eher zwischen Samurai üblich ist.

Ihre vorsorglichen Einschränkungen und Entschuldigungen wischt er mit einer Handbewegung beiseite. "Sei unbesorgt, Frau: Mein Vater war nicht reich, so dass ich wahrscheinlich kaum öfter geschälten Reis gegessen habe als du." Damit legt er den Speer locker auf die Achsel und mach eine halbe Wende, um sich dem Dorf zuzuwenden. Ehe er den ersten Schritt macht, erkundigt er sich allerdings noch: "Hast du denn überhaupt genug Vorräte? Du und dein Kind, ihr sollt deswegen nicht hungern müssen." Er klingt dabei wegwerfend und stolz, als wäre die Einladung für ihn nicht mehr als eine pure Höflichkeitsgeste. Seine abgetragene Kleidung spricht allerdings eine andere Sprache, was seine Versorgung mit weltlichen Gütern angeht.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 06.11.2018, 17:51:08
Das der junge Krieger ihre EInladung annimmt, freut die Frau des Schmiedes und lässt sie innerlich erleichtert ausatmen, dass sie anscheinend keine unbeabsichtigte Beleidigung ausgesprochen hat. Sie ordnet ihr leicht zerzaustes Haar und streicht ihre Kleider glatt, während Tsuyoshi sden Aufbruch beginnt. Gerade will Chùsei folgen, einen Schritt schräg hinter ihm, da sie nicht führen braucht und fern seines Standes ist, da dreht er sich um und gewährt ihr einen weiteren Einblick in sein Leben, gepaart mit einer Frage, die Aufmerksamkeit und Mitgefühl ausdrückt. Sie nickt, lächelt und geht nicht auf seine ärmlichen Verhältnisse ein, stattdessen sagt sie: "Es ist nicht üppig, doch reicht der Reis. Mit anderem Gesammeltem und Gejagtem ist es genug, das verspreche ich euch." Ihr Lächeln und ihr Blick werden frecher: "Gerade euer Geschenk an das Dorf in Form des Wildfleisches macht diese Mahlzeit für uns zu einem Ereignis" Man könnte den Eindruck gewinnen, das die Dörfler wohl auch mehr zu reden hätten über die gemeinsame Jagd der jungen Leute als nur über die Beute.

Auf dem Weg werden die beiden von vielen beobachtet, vor allem jüngeren Frauen, doch alle machen ehrerbietig Platz und behelligen sie nicht. Bei der Schmiede angekommen schlüpft Chúsei vor ihrem Gast hinein und prüft, ob Tisch und Sitzgelegenheit anietbar sind. Nach dem Eintreten bekommt Tsuyoshi ein Becher Wasser angeboten und die Frau des Schmiedes macht sich daran, die Mahlzeit zu bereiten. Über dem Feuer köchelt bald der Reis, gemeinsam mit etwas getrocknetem Gemüse, während das Wildschweinfleisch separat gebraten wird. Von sich aus beginnt die Gastgeberin kein Gespräch, ist sie doch nicht in der hohen Kunst der Konversation ausgebildet und sich dessen bewusst.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 07.11.2018, 20:00:28
Ohne sich um die Blicke der Dörfler zu kümmern, marschiert der Ronin mit demonstrativem Selbstbewusstsein hinter der Schmiedewitwe her. Auf ihre Worte hat er nur knapp genickt, worauf sein Blick sofort wieder von ihr abglitt – wobei es schwer zu sagen ist, ob das aus dem üblichen Stolz des Samurai heraus geschah, der einfache Leute nicht wahrnimmt, oder weil er keine Antwort auf ihr verstehendes Lächeln und ihrer Blicke wusste. Immerhin weiß sie nun, dass er selbst kein im Laufe des Krieges verarmter Edelmann ist, sondern von vornherein aus der Familie eines Samurai stammt, der von seinem Lehnsherrn nicht sehr reichlich bedacht wurde. Falls er verlegen ist, dann muss jedenfalls die besondere schweigende Würde, mit der er sein Wasser entgegennimmt, ebenfalls Ausdruck dessen sein:

Er sitzt mit untergeschlagenen Beinen relativ entspannt, hat das Daisho neben sich abgelegt wie jeder gute Krieger und wartet mit stoischer Geduld auf das Essen. Nur gelegentlich wandert ein ganz kurzer Blick in Richtung des Feuers, von wo ein Geruch herüberweht, der einem den Hunger doppelt bewusst macht. Schließlich meint er in beiläufigem Ton: "Das Fleisch stammt von der Jagd, aber du hattest noch genug Reis und Gemüse – sicherlich nicht einfach für eine Frau ohne Beschützer. Dein Mann muss wohl sehr zufrieden gewesen sein mit seiner Familie." Das Wörtchen "zufrieden" kommt nach einer kaum merklichen Pause über Tsuyoshis Lippen, als habe er ursprünglich etwas anderes sagen wollte. Bedächtig hebt er den Becher und setzt ihn an, um in kleinen Schlucken zu trinken, als habe er einen heißen Tee vor sich.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 16.11.2018, 07:14:08
Ohne den Blick von ihrer Arbeit abzuwenden, Chùsei ohne Zögern: "Herr, die Lage unseres Dorfes ist nicht schlecht und wir arbeiten eng zusammen. Familien mit Kindern oder Ungeborenen werden großzügiger bedacht als ihr Arbeitsanteil ist. Wobei mein Arbeitsanteil bei aller Bescheidenheit eher größer ist als den meisten alleinstehenden Frauen." Anschließend werden ihre Worte zögerlicher, ohne dem Stolz Abbruch zu tun: "Unsere Tochter ist unser ein und alles und wir...waren eine glückliche und gesegnete Familie. Mein Mann hat..te nie geklagt, eher anderen gegenüber mit uns angegeben." Nicht nur wirkt ihre Wortwahl unsicherer, auch ihre Arbeitsbewegungen sind konzentrierter.

Für ein paar Augenblicke beibt es stilll, wenn man von Chùseis Küchengeräuschen absieht. Dann teilt sie mit: "Es ist getan." und teilt das Fleisch in drei Portionen. Dem Gast gibt sie die größte, sich selbst nimmt sie die kleinste. die dritte wird zusammen mit einer großzügigen Portion Reis und Gemüse für später verstaut, wahrscheinlich die Tochter. Das sich Chùsei auch von den Beilagen wenig nimmt, bleibt genug für einen großzügigen Nachschlag für Tsuyoshi nachdem angerichtet ist. Kaum ist alles fertig, setzt sich Chùsei ihrem Gast gegenüber und wartet darauf, dass er die Mahlzeit eröffnet.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 16.11.2018, 20:13:49
Während seine Gastgeberin spricht, nickt der Ronin einige Male nachdenklich. Chúseis Worte bestätigen so ziemlich das Bild, das er sich von dieser Frau gemacht hat. Ihre Arbeit zur Vorbereitung der Mahlzeit übergeht er, gewohnt, diese Dienstleistung Angehörigen niederer Stände und dort insbesondere den weiblichen unter ihnen zu überlassen. Immer wieder nippt er an seinem Wasser – weil es so heißt ist oder um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen? Das ist seiner kaum bewegten Miene schlecht zu entnehmen. Doch scheint er sich bald anderen Überlegungen zuzuwenden, denn sein Blick wandert immer wieder einmal zu der Frau hinüber und ruht längere Zeit auf ihrem Körper. Der Ausdruck auf seinen kantigen Zügen zeugt hierbei davon, dass er über Fragen grübelt, die er sich offenbar zum ersten Mal stellt. "Ich verstehe" meint er mehr zu sich selbst. "Er war wohl mit Recht stolz auf dich."

Sein Grübeln wird gestört, als sie schließlich das Essen serviert. Mit einem knappen Nicken quittiert er, wie sie ihm seine Portion vorsetzt. Wortlos greift er nach den Essstäbchen und beginnt zu essen, zügig, diszipliniert und offenkundig nicht sehr genießerisch, als trage er sich noch immer mit schwerwiegenden Gedanken. Dann jedoch schaut er mit einem Mal auf, kaut, schluckt den Bissen hinunter und meint unvermittelt: "Es schmeckt gut – du bist eine begabte Köchin. Eine gute Frau weiß, wie sie eine Mahlzeit bereitet, auch wenn die Lage es schwierig macht." Mehrmals nickend schiebt er sich einen weiteren Bissen in den Mund. Eine Frau, die ihren Haushalt klug führt, die Mut hat – wenn auch vielleicht eher aus Verzweiflung geboren – und zugleich ohne Klagen harte Arbeit verrichtet, zu harte Arbeit für Weiberhände eigentlich... "Es ist bewundernswert" bemerkt er, als er den Mund wieder frei hat, "wie ihr euch hier in eurem Dorf behauptet, ohne den Schutz und die Arme eurer Männer. Sind eure Frauen alle so wie du?"
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 07.01.2019, 18:15:24
Nachdem Tsuyoshi das Essen begonnen hat, greift auch Chúsei nach den Stäbchen. Sie ist still und bedächtig , sodass sie trotz ihrer kleineren Portion die Mahlzeit erst nach dem jungen Krieger beendet. Als sie das Lob bekommt, versucht sie den Blick zu halten, dochZucken ihre Augen immer wieder weg. Etwas verlagen murmelt sie ihren Dank. Dann nimmt sie das Essen wieder auf, doch nach dem nächsten Lob weiß sie nicht mehr, wie sie sich verhalten soll. Zum einen ist sie stolz und froh, dass jemand ihren harten Einsatz wahrnimmt, zum anderen macht sie die Situation mit dem Mann alleine in den eigenen vier Wänden nervös. Die anschließende Frage rettet sie aus ihrer Verlegenheit.

Etwas ähnliches wie ein Auflachen entkommt ihrem Mund. Sie schüttelt den Kopf: "Nein, nein, leider nicht. Manche verlegen sich aufs Klagen, Fordern oder Beten, und einige der jungen Frauen haben...ihrer Meinung nach wichtigeres im Kopf." Trotz ihrer eindeutigen Meinung zu einigen jungen 'Gänsen', der ach-so-hohen 'Dame' und der weltfremden Miko bemüht sie sich, nicht zu bitter zu klingen. Sanfter setzt sie fort: "Alles in allem sind sie aber alle gute Menschen und als Gemeinschaft stützen und helfen wir einander. Wir kommen zurecht, auch wenn mehr Männer es leichter machen würden." Dann erinnert sie sich allerdings an die akute Bedrohung durch die Räuber und muss sich unwillkürlich schütteln. Ihre Gast hat sie beim Reden schon aus den Augen verloren.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 13.01.2019, 14:19:57
Der Ronin hört sich Chúseis Antwort an, während er isst, methodisch einen Bissen nach dem anderen in den Mund schiebend, kauend, schluckend, ohne dass er recht zu bemerken scheint, was er zu sich nimmt. Ist es Verachtung ihrer soeben gelobten Kochkunst? Wohl eher beschäftigen ihn seine Gedanken zu sehr, um auf irgendetwas anderes zu achten. "Nicht verwunderlich" sagt er beim Aufnehmen eines Gemüsestücks. "Es gibt Aufgaben, die Männersache sind. Dumm, die Dörfer von allen Männern zu entblößen... wem liegt noch an der Herrschaft über brachliegendes Land ohne Leute, ohne Reis und Reichtum." Diese ketzerischen Worte über die Kriegsherren wirken, als habe er sie mehr zu sich selbst gesprochen als seinem Gegenüber gewidmet. Endlich hat er seine Mahlzeit beendet und stellt die Schale beiseite. Schweigend sieht er der Frau zu, wie sie ebenfalls ihre spärliche Portion aufisst. Er mustert sie sehr eingehend, bis er schließlich meint: "Man kann wohl nicht von ihnen verlangen, dass sie mit der Waffe gegen die Banditen kämpfen... Würdest du es tun?"
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 24.01.2019, 13:39:06
Chúsei ist zu sehr mit ihrer eigenen Portion, ihren Gedanken und ihrer ungewohnten Pflichten als Gastgeber einem Samurai gegenüber beschäftigt, als das ihr die Diskrepanz zwischen seinem Essverhalten und seinen lobenden Worten auffällt. Seine kritischen Worte zu den Kriegsherren und dem Einziehen aller halbwegs waffenfähigen Männer quittiert sie mit einem bestätigenden Nicken. Die Ansicht, dass das Land ohne kräftige Männer brachliegt, teilt sie zwar nicht, zu einem Widerspruch kommt sie nicht - nur ihr Nicken bricht ab.

Nach dem Ende des Essens weiß sie nicht so recht, was angemessen ist, und bleibt zunächst stumm sitzen. Die Worte des jungen Kriegers lassen sie zuerst das Gesicht verziehen, dann färbt ein wenig Ärger (nicht ihm, sondern dem Dorf gegenüber) ihre Wangen: "Sie werden es von sich verlangen müssen, sonst werden wir wirklich Schafe für die Schlachtbank sein, wenn sie kommen! Jeder kann helfen, sei es halt mit Schleuder oder Bogen, wenn es sein muss! Selbstverständlich werde ich meinen kleinen Sonnenschein und mein Heim verteidigen!" Man konnte ihr ein Zittern anmerken, noch hielt ihre Leidenschaft ihre Angst im Zaum, erkennbar war sie allerdings bereits.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 26.01.2019, 20:16:08
Erstaunt hebt der Ronin die Augenbrauen. So viel Wut hat er von einer einfachen Dorffrau nicht erwartet. "Worte, die von Entschlossenheit zeugen" merkt er nachdenklich an. "Dennoch: Du würdest nicht viele von ihnen an deiner Seite haben, wenn es dazu käme, den Banditen gegenüberzustehen. Wahrscheinlich keine einzige. Dem Tod ins Auge zu blicken, ist keine Sache, die jedermann ruhigen Herzens fertigbringt. Ich wurde so erzogen, weil der Tod für den Samurai ein ständiger Begleiter ist: Der Tod, den er seinen Gegnern bringt, und, irgendwann, der Tod, der in der Klinge eines Feindes wartet." In einer schnellen Bewegung greift er nach seinem Katana stößt die Waffe mit dem Daumen der Linken aus der Scheide und zieht sie mit der Rechten vollends. Die Klinge beschreibt einen flimmernden Bogen und bleibt vor Chúsei in der Luft stehen, wenige Zentimeter von ihren Augen entfernt. "Das ist es, was sie fürchten: Das plötzliche Ende ihres Lebens. Und ihre Angst ist nichts, worüber ich lache! Würdest du standhaft bleiben, deiner Tochter zuliebe? Hättest du die Kraft..?" Seine Stimme wird leise, die Miene ausdruckslos. Die Spitze der Klinge wandert noch näher an sie heran, bis sie fast ihre Haut ritzt.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 04.02.2019, 07:19:11
Als der junge Krieger aufsteht, folgt die Frau des Schmiedes seinem Beispiel. Dann findet sie sich plötzlich der Spitze seines gezogenen Schwertes gegenüber. Sie bleibt stocksteif stehen, ihre Augen weiten sich vor Überraschung und ein Schweißfilm bildet sich auf ihrer Stirn. Sie braucht, bis sie sich fängt, solange, dass es die Kühle des Eisens an ihrer Haut ist, die sie wieder weckt. Ihre Augen werden feucht, doch nehmen sie auch den Ausdruck verzweifelter Entschlossenheit an.

Mit bebender Stimme antwortet sie: "Ja, es muss sein." Dann weicht sie seiner Klinge aus, langsam, nicht bedrohlich, und kommt um den Tisch herum. "Für-für sie, für ihre Sicherheit würde ich alles tun, alles b-bieten." Sie hockt sich, fast in Trance, vor Tsuyoshi nieder. Ihr Blick wandert an ihm herunter auf seinen Gürtel. Ihre Hände deuten den Griff danach an, das implizierte Angebot ist kaum misszuverstehen. Als der junge Krieger keine Reaktion zeigt, blitzt plötzlich eine scharf aussehende Klinge in Chúseis Hand auf. Sie muss eines der Küchenmesser in ihrem Ärmel versteckt gehabt haben. Bei ihrer körperlichen Nähe und auf der Höhe, auf der sie es hält würde dem Mann die Verteidigung seiner persönlichsten Region schwerfallen. Wessen Schneide wäre schneller? Beide lassen es nicht missen an Schärfe. "A-aber ich weiß - b-bietet man etwas, was sie sich nehmen können, w-werden sie kein Versprechen ge-geben oder halten. Des-deswegen vergifte man seine Gabe..."
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 04.02.2019, 15:20:57
Die Miene des jungen Samurai bleibt noch immer unbewegt. Seine Klinge liegt nach wie vor an Chúseis Hals, als sie ihr kleines Messer zieht. Kurz zuckt eines seiner Augenlider, doch er scheint sich angesichts drohenden Stahls besser unter Kontrolle zu haben: Entweder verspürt er keine Angst, oder, sehr viel wahrscheinlicher, er hat durch hartes Training und strenge Disziplin gelernt, diese zu bezwingen. Er senkt den Blick nicht, obwohl er wissen muss, dass sie die Schneide gegen ihn gerichtet hat. Nur seine Augenbrauen ziehen sich zusammen. Offenbar schwankt er noch zwischen Unglauben und Empörung über ihren verzweifelten Vorstoß. Seine Finger schließen sich fester um den Griff des Katana – womöglich ist er im Begriff, dem Leben der Dorffrau mit einem schnellen, gnadenlosen Hieb ein Ende zu setzen. Ein unwilliges Knurren kommt über seine Lippen. Doch gerade als er zu sprechen ansetzt, erklingt von draußen ein Ruf, der kurz darauf aus vielen Kehlen aufgenommen wird.

Jetzt wendet Tsuyoshi den Kopf, um zu lauschen, ohne dass er Chúsei aus seinem Blick lässt. Da werden einzelne Wortfetzen in dem aufgeregt klingenden Stimmengewirr verständlich: Banditen! Mit einem Zischen atmet er aus, senkt das Schwert und wendet sich ab, um nach draußen zu stürzen, sein verdattertes Gegenüber einfach stehen lassend. Bis sie sich gefangen hat und ihm nach eilen kann, sind die Stimmen draußen verstummt. Neben ihm vor ihrer bescheidenen Behausung angelangt, kann sie zahlreiche Frauen und Kinder sehen, die starr auf eine der schmalen Reisterassen oberhalb blicken, welche das Dorf umschließen. Dort sind wie eine scherenschnittartige Figur die Umrisse eines Reiters zu sehen, der auf die Hütten hinab blickt. In seinem Rücken steht die Sonne und scheint seine Silhouette mit Flammen zu umzüngeln. Der Ronin hat den Kopf in den Nacken gelegt und blickt seinerseits hinauf. Seine Klinge schimmert im selben Schein des Sonnenlichts, weithin sichtbar.

Da stößt der Reiter einen kehligen Schrei aus, hebt einen langen Speer und reißt sein Pferd herum. Seines Weges nicht achtend, treibt er das Tier durch das Reisfeld, wo es die Pflanzen niedertrampelt. Wild stößt er die Fersen in die Seiten des Pferdes, um es anzutreiben. Bald darauf ist er den Blicken der Dörfler entschwunden. Ein beklommenes Schweigen herrscht zwischen den Hütten. Viele der Frauen schauen in Chúseis Richtung – oder ist es vielmehr der Samurai, auf dem ihre Augen ruhen? Tsuyoshi steht reglos, das Katana noch immer in der Hand. "Ein Späher... nicht mehr lange, und sie werden hier sein" verkündet er schließlich. Dann wendet er sich zu Chúsei um, geht an ihr vorüber zurück in die Hütte und bleibt in der Mitte des Raums stehen, ihr den Rücken zuwendend.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Josei Kimiko am 05.02.2019, 17:22:53
Von ihren Gefühlen übermannt und sich in Lebensgefahr wähnend bleibt Chúsei ganz still und rührt sich nicht. Ihr Atem geht stoßweise, der kalte Schweiß läuft ihr übers Gesicht. Verzweifelt fragt sie sihc, wie sie sich nur in diese Situation hineinmanövriert hat und vor allem, wie sie wieder herauskommt, bevor der junge Mann zuschlägt. Erst mit etwas Verzögerung hört sie die Rufe des Dorfes, da ist Tsuyoshi auch schon draußen. Verwirrt folgt sie ihm, bleibt aber nicht weit vom Hauseingang stehen.

Der Anblick des Riters lässt sie zunächst hoffen, doch dann erklärt der junge Krieger die bittere Wahrheit. Kalte Angst umschließt ihr Herz und ihr fällt das Atmen schwer. Als er an ihr vorbeirauscht beginnt das Dorf in Panik zu verfallen. Wehklagen, laute Diskussionen und Lärm heben an. Als sie hört, wie einzelne über Flucht nachdenken, bricht sie ihr leises Bittgebet ab und wird laut: "Hey hey hey! Das ist doch genau, was die wollen! Das wir kopflos wie Schweine unsere Wertsachen raffen und vereinzelt irgendwo hinrennen, wo sie uns einsammeln können! Habt ihr heute morgen schon vergessen? Unsere beste Chance besteht darin, uns zu organisieren, wir mögen nicht stark sein, aber wir sind viele, darin liegt unsere Stärke!"

Kaum fertig, ertönt die Stimme eines alten Mannes, der ihr Recht gibt und die anderen Narren nennt. Er ruft sie auf, die Kunde im Dorf zu verbreiten und die Vorbereitungen fortzusetzen. Er würde einige organisieren, um mit ihnen das Weitere zu planen. Chúsei nutzt die Gelegenheit, das die Aufmerksamkeit nicht auf ihr liegt, um wieder in ihr Haus zu schlüpfen und die Türe zuzuschieben. Sie ist so außer sich, dass ihr erst anschließend auffällt, dass Tsuyoshi noch im Raum steht. Eigentlich hat sie gerade in Tränen ausbrechend an der Tür zusammensinken wollen, doch nach dem Auftritt eben will sie nicht hysterisch erscheinen.

Ihre Gedanken jagen einander, sie fragt sich, was sie sagen kann, um die Situation zu retten. Ihr fällt nichts ein, Redegewandheit war nicht ihre Stärke. Sie geht alles durch, was sie bisher über ihn weiß und wie er auf sie reagiert hat. Sein Kompliment bleibt hängen. Sollte sie wirklich? Ihr wird heiß und kalt zugleich, aber ihr fällt nichts ein. Innerlich bei ihrem Gatten Abbitte leistend und die Götter anflehend, ihre Tochter möge noch eine Weile fortbleiben, öffnet sie ihren Gurt.

Über das Rascheln des Stoffes hinweg findet sie ihre Stimme wieder: "Herr..., ich entschuldige mich. Ich habe mich unangemessen betragen. Vielleicht - ich - es bieten sich Dinge, die vom Missgeschick ablenken könnten? Herr?" Für ihre Verhältnisse schüchtern bleibt sie stehen, in mitten ihrer abgelegten Kleidung, vor der Eingangstür und noch im Rücken ihres Gastes.
Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 09.02.2019, 14:15:26
Schweigend starrt der Ronin die Wand vor sich an und blickt doch auch hindurch, in die Ferne. Von draußen dringen Chúseis Worte und die eines Greises zu ihm hinein. Kaum nimmt er sie bewusst wahr, eher die Stimmlage als den Inhalt registrierend. Er hebt die Hände und massiert langsam seine Schläfen, die Züge zu einer ausdruckslosen Maske erstarrt. Erst als hinter ihm ein unterdrücktes Schluchzen aufklingt, hebt er den Kopf. Hört das Rascheln hinter sich – und begreift nach einem endlos langen Moment. Tief durchatmend bleibt er für einen weiteren Herzschlag reglos stehen, noch einen, und noch einen. Besinne dich sieben Herzschläge lang, dann entscheide dich und handle! klingt in ihm die Stimme seines Meisters mit jener ersten aller Lektionen nach. Langsam atmet er ein und aus, bis die sieben Male voll sind, sucht sich zu entspannen, gar nichts zu denken. Der Weg des Zen...

Endlich wendet er sich um und sieht, was er halb erwartet hat, halb nicht glauben konnte. Sein Blick gleitet am bloßen Leib der verschämt wirkenden Frau hinab und wieder hinauf bis zu ihren Augen. Tsuyoshi macht einen Schritt auf sie zu, will ihr antworten und besinnt sich dann doch nochmals. Was er zu sagen vorhatte, erscheint ihm mit einem Mal nicht mehr angemessen. Er glaubt die Scham, die Verzweiflung und die Hoffnung zu begreifen, die Chúsei bewegen müssen. Und er realisiert: Seine beabsichtigten Worte würden ihre Geste zu einem Bestechungsversuch herabwürdigen – dabei ist sie mehr. Muss mehr sein. So tritt er auf sie zu, schaut ihr in die Augen und hebt, sehr langsam, ihren Kimono vom Boden auf. Er legt ihr den Stoff um die Schultern, dann schlingt er seinen Arm um ihre Hüfte und drückt sie vorsichtig an sich, als habe er Angst, sie zu zerbrechen.

Oder weiß er einfach nicht, wie mit der Situation umgehen? "Du hast ein mutiges Herz, und du liebst deine Tochter und dein Dorf" stellt er leise fest. "Und du bist begehrenswert." Diese Aussage treibt ihm noch keine Schamesröte auf die Wangen. Sein Gegenüber ist gesund, keine Greisin und zudem gut gewachsen: Wo wäre der Grund für Scham, dies hier und jetzt offen auszusprechen? Doch etwas anderes bereitet ihm größere Probleme, die rechten Worte zu finden. "Ich würde mit dir das Kopfkissen teilen," sagt er schließlich, "wenn ich nicht wüsste, dass deine Hingabe deinem Mädchen und deinem Mann gehört. Ich würde es tun und nicht gering von dir denken. Das sage ich, Matsunaga Tsuyoshi, und rufe meine Ahnen zu Zeugen dafür an!" Dann birgt er ihr Gesicht an seiner Schulter und hält sie fest. So stehen sie lange Zeit, während es scheint, als habe die Zeit selbst ihren unerbittlichen Lauf unterbrochen.

Titel: [Szene 8] Eine Fledermaus in einem Dorf ohne Vögel.
Beitrag von: Tsuyoshi am 09.02.2019, 14:15:47
~ Ende der Szene ~