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Nachrichten - Changeling

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Gatsburg Blues / OOC
« am: 21.02.2020, 10:58:53 »
Kurzer Bericht zur Lage bei mir: Dass ich bei höherem Tempo als 1 bis maximal 2 Posts pro Woche aus beruflichen Gründen nicht mithalten kann, wird sich leider vorerst nicht ändern (und meine Runde gefallen mir derzeit, so dass ich auch ungern eine verlassen würde). Ich wollte aber bescheid geben, warum ich im Moment gerade besonders lange auf mich warten lasse: Derzeit sitze ich zuhause, und zwar wegen drohender Sehnenscheidenentzündung... d. h. Computer, Maus und Tippen sind nicht ganz schmerzfrei und mit einem gewissen Risiko behaftet, wenn ich es übertreibe. Ich hoffe aber, jetzt übers Wochenende in allen meinen Runden einen ordentlichen Beitrag hinzubekommen.

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Gatsburg Blues / OOC
« am: 16.02.2020, 14:37:53 »
In der kurzen Downtime, die wir nun IG haben, wird Eddy in Goibnius Buch nachlesen und der Friedensbringer für Ausrüstung sorgen. Wenn ihr besondere Ausrüstungsgegenstände haben möchtet, äußert den Wunsch bitte hier, ansonsten stellt er für euch etwas zusammen. Ebenso bitte kurz hier, falls Eddy nicht nur allgemein nach dem Frostsumpf, sondern auch nach bestimmten Dingen suchen soll. Eddys und Sonnenauges Angebot, euch ein paar Tricks im Umgang mit dem Speer zu zeigen, könnt ihr annehmen oder auch allein trainieren. Für viel mehr bleibt bis zum nächsten Morgen nicht Zeit, wenn ihr euch noch eine Nacht Schlaf gönnen wollt.

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 16.02.2020, 14:29:35 »
Der Friedensbringer macht sich auf den Weg, bei den Felsleuten für die Dinge zu sorgen, welche die Gefährten seiner Ansicht nach für ihre nächste Reiseetappe benötigen werden. "Ein netter Kerl" meinte Ricky, der ihm nachblickt, ein wenig respektlos, macht aber mit seinem fröhlichen Grinsen klar, dass der hochgewachsene Fremde ihm wohl wirklich sympathisch ist. Eddy brummt dazu nur und nickt. Er sagt zu Ayleen gewandt: "Das werde ich tun. Ich sage euch nachher, was ich so rausfinden konnte. Schätze, dass uns alles nutzt, was wir an Wissen über dieses Eis-Sumpf-Ding kriegen können." Auf Laura Anns Frage an den Satyrjungen kratzt der sich wieder im Nacken und meint, nachdenklicher geworden: "Ich weiß es gar nicht genau – ich erinnere mich einfach daran. Wenn das stimmt, was das Orakel gesagt hat, dann war ich wohl schon mal da – oder einer von meinen Vorfahren. Oder ich werde noch hinkommen... oder, mh... irgendwie so?" Hier wird sein Grinsen verlegen. So recht scheint er mit der Viel-Einheit der Erinnerungen noch nicht zurechtzukommen. Sonnenauge wirft an dieser Stelle ein: "Es ist verwirrend, du hast recht. Aber ich denke, wir sollten fürs erste einfach dankbar dafür sein, dass du es weißt. Warum und woher, das können wir klären, wenn wir Zeit dafür haben."

Eddy, der ebenfalls aufgestanden ist, das Buch unter dem Arm, überragt nun wieder alle mindestens um Haupteslänge. Er mustert Laura Ann, dann Ayleen und meint zu den Mädchen: "Ihr habt nicht viel Kraft – die beste Waffe für euch wäre ein Speer. Damit könnt ihr viel durch Technik und Beweglichkeit ausgleichen." Der Flussmann wendet sich daraufhin ebenfalls an Laura Ann und Ayleen: "Meine Leute fischen und jagen schon immer mit dem Speer. Wenn ihr wollt, kann ich euch zeigen, wie man damit umgeht." Ricky, den Laura Anns Geständnis offenbar nicht beleidigt hat, scheint im Gegenteil von dem Eifer des Satyrmädchens angesteckt zu werden. "Hey, vielleicht wäre es am besten, wenn wir
alle üben? Dann können wir es den Viechern zeigen, die in diesem Eisloch hausen!" Seine Beine beginnen leicht zu zucken wie bei einem Hund, der dringend Auslauf benötigt: Offenbar verspürt er ebenfalls einen starken Drang, sich zu bewegen. Eddys Gesicht verzieht sich zum ersten Mal, seit sie ihn als Troll kennen, zu so etwas wie einem Grinsen. "Nun gib mal nicht so an, du halbe Portion" meint er eher gutmütig. "Lernt erst mal, euch nicht gegenseitig zu erstechen, dann sehen wir weiter. Wenn es wirklich ernst wird, stehen Sonnenauge und ich vorn, klar?" Ein klein wenig erinnert er die Gefährten gerade wieder an den Sportunterricht im Internat – das einzige Fach, in dem die Sportskanone immer geglänzt hat, während die übrigen Schüler zumeist wie Sandsäcke am Barren hingen.

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 02.02.2020, 13:27:05 »
Der Friedensbringer neigt leicht den Kopf und erwidert Ayleen: "Viel kann ich nicht mehr hinzufügen, womit euch gedient wäre. Zum Frostsumpf habe ich die Sage gehört, dass dort ein Eisdrache von titanischer Größe tief unter der Erde schlummert. Sein Atem soll es sein, der der ganzen Gegend seinen Stempel aufprägt. Doch es erinnert sich wohl kaum jemand so weit zurück, um sagen zu können, was hiervon wahr ist und was nicht. Allenfalls vielleicht der Gemahl der Königin im Immergrünen Wald..." Eddy fällt an dieser Stelle ein: "Goibnius Buch weiß auch viele Dinge! Ich werde gleich nachher suchen, ob ich was zu diesem Drachen oder dem Sumpf finde." Der Friedensbringer nickt. "Das wäre sicherlich weise. Ich will dafür sorgen, dass ihr an Ausrüstung bekommt, was ihr braucht. Auch Waffen werdet ihr vielleicht brauchen. Und womöglich findet sich unter den Felsleuten ein Führer, der euch begleitet."

Als man über die möglichen Reiserouten diskutiert, wiegt Eddy bedenklich seinen gehörnten Kopf. Es ist dem großen, massigen Troll anzusehen, dass ihm ein Marsch über sumpfiges Gelände gar nicht behagt. Dennoch nickt er widerstrebend. "Schätze, du hast recht" murmelt er in Ayleens Richtung. Während Sonnenauge die Arme verschränkt und mit gleichmütigem Gesicht verkündet: "Ich werde euch begleiten, gleich welchen Weg ihr wählt", reibt sich Ricky einige Zeit lang an der Schläfe und scheint intensiv nachzudenken. Dann räuspert sich der Satyrjunge. "Ich glaube, ich erinnere mich auch dunkel an was, das mit diesem Sumpf zu tun hat..." Als ihn alle anschauen, grinst er verlegen, kratzt sich im Nacken und erklärt: "Na ja... es geht um so eine Art Quelle oder Teich irgendwo mitten drin. Und an dem Wasser soll was ganz besonderes sein. Ich weiß leider nicht, was, aber wenn ich in die Nähe komme, finde ich auch den Weg dahin."

"Und wozu soll das gut sein, wenn wir noch nicht mal wissen, was an dem Zeug so besonderes ist? Wozu sollen wir's denn dann verwenden?!" wirft Eddy knurrend ein. Der Friedensbringer runzelt die Stirn und scheint antworten zu wollen, doch diesmal ist es Sonnenauge, der sich zu Wort meldet: "Wenn es mit diesem Wasser eine besondere Bewandtnis hat, kann es uns sehr nützlich sein. Einer Königin kann man nicht einfach so gegenübertreten. Wir sind weder berühmte Krieger noch große Medizinleute. Bestimmt würde es sie freundlich stimmen, wenn wir ihr ein Geschenk mitbringen." Hier hakt der Friedensbringer wieder ein: "Das denke ich auch. Wenn ihr mit Hilfe eures jungen Freundes hier einen Quell ausfindig machen könnt, aus dem ein wundersames Wasser entspringt, dürfte sie ein wenig davon wahrscheinlich erfreuen. Nicht viele wagen sich ohne Not in den Sumpf, also ist sicherlich sehr schwer an dieses Wasser zu kommen. Ich selbst weiß leider nichts darüber zu sagen."

Ricky, der zunächst noch etwas verlegen gewirkt hat, scheint bei dieser Reaktion ein wenig zu wachsen. Mit einem vorsichtigen Lächeln, in das sich jetzt auch Stolz mischt, schaut er sich unter den Gefährten um. Seine Hand gleitet um Laura Anns Hüfte. Er hält sie nun, wie er es in Gatsburg von den Jungs gesehen hat, die ihr Mädchen an den Sonntagen ausführen, und wirkt etwas selbstsicherer. "Okay," meint er sichtlich erfreut, "ich werd' mein bestes tun!" Der Friedensbringer schaut in die Runde. "Nun,, mir scheint, ihr habt euch für eine Route entschieden. Ich würde vorschlagen, ihr ruht euch noch einmal aus, ehe ihr den Marsch antretet. Auch brauche ich etwas Zeit, um von den Felsleuten zu erbitten, was ihr braucht, und nach einem Begleiter zu fragen."

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 02.01.2020, 15:14:04 »
"Phelps, na klar!" Eddy nickt, ohne den Friedensbringer aus den Augen zu lassen. "Er hat mir ein paar Sachen erzählt, die ich nicht verstehen konnte. Jetzt wird mir einiges klar: Er muss selbst schon hier gewesen sein. Er... Teufel!!" Der Troll schüttelt verwundert den Kopf. "Leute: Ich glaube, wenn alles stimmt, was er mir gesagt hat, muss er wahnsinnig alt sein! Das waren alles Sachen, die er selbst erlebt hat. Nicht so wie wir bei diesem Geistreise-Ding – er selbst, versteht ihr?!" Sonnenauge wiegt den Kopf. "Es könnte sein. Unsere Sagen erzählen, dass die Wächter ganz besondere Leute sind." Der Friedensbringer lächelt unergründlich. "Oh ja. Ihr habt die Große Geistreise gemacht, also wisst ihr, dass Zeit nicht einfach nur ein einzelner Pfad ist, auf dem man immer vorwärts wandert. Sie verzweigt sich, es gibt Gabelungen und Irrwege, Stellen, an denen sie auf sich selbst trifft... Ein Wächter steht, ein kleines bisschen, neben dem Fluss der Zeit. Aber dennoch: Kein Wächter lebt ewig." Ricky hört stumm zu, mit offenem Mund. Er hält Laura Anns Hand fest und scheint kaum mitzukommen bei all dem, was er hört.

Der Friedensbringer schaut in die Runde, lächelt dann erst dem Satyrmädchen und darauf Ayleen zu. "Fragen, die zeigen, das ihr über einen Sinn für das Praktische wie auch über Weitsicht verfügt" fasst er dann die unterschiedlichen Begehren der Mädchen zusammen. "Nun, was die einfachste Frage angeht: Das Mädchen, das ihr vermisst, trägt das Erbe derer in sich, die sich
Sluagh nennen. Sie sind stille Leute und tragen oftmals große Trauer in sich. Doch durch ihre Art, alles aufmerksam zu beobachten, besitzen sie manche Weisheit, an der es anderen mangelt. Es heißt, dass sie am höchsten Zurückhaltung und Höflichkeit, Stille und Heimlichkeit schätzen." Er stößt einen Ast tiefer in das Lagerfeuer, das daraufhin heller auflodert, ehe er fortfährt: "Was ihr Plan ist, das liegt vor meinen Augen verborgen. Doch ich weiß, dass sie ebenso wie ihr die Große Geistreise angetreten und dabei womöglich etwas über ihr Schicksal erfahren hat, dem sie mit ihrem Handeln zu folgen oder auch zu widerstreben versucht. Ein Krieger der Felsleute hat sich erboten, sie zu begleiten. Sie wandten sich nach dem Sonnenaufgang und wollten den Immergrünen Wald erreichen. Doch der Weg dorthin führt entweder um die Ausläufer der Berge herum und über einen Teil der Singenden Ebene, in dem kriegerische Stämme wohnen, oder durch den Frostsumpf – ein sehr viel kürzerer, aber auch gefährlicher Weg. Es soll dort unheimliche Wesen geben...
[1]"

"Und die grauen Männer? Sie hat recht" wirft Eddy ein und deutet auf Laura Ann. "Was können wir gegen die machen?" Darauf wiegt der Friedensbringer langsam den Kopf. "Nun, ich weiß nicht genau, was für Männer das sind, doch ich ahne es. Vielleicht könnt ihr mir mehr über sie erzählen?" Er stochert weiter im Feuer herum und blickt nachdenklich in die Flammen. "Sind sie, was ich glaube, dann habt ihr hier, auf dieser Seite des Tores, wenig von ihnen zu befürchten. Sie sind sozusagen das Gegenteil all dessen, was diese Welt ausmacht, und würden hier vergehen, einfach verlöschen wie eine winzige Flamme in einem Meer aus feuchten Nebeln. Doch auf der anderen Seite haben sie mehr Macht. Sie formen eure Welt nach ihrem Sinn, ganz allmählich, aber unermüdlich. Ihr tut gut daran, ihnen auszuweichen, wann immer ihr könnt. Ist es gar nicht anders möglich, müsst ihr euch eurer Kräfte besinnen und sie weise einsetzen, um ihnen zu entkommen. Noch besser ist es, wenn ihr Freunde findet, die euch helfen! Man sieht es nicht jedem ohne weiteres an, doch es gibt immer noch manchen bei euch, der nicht zwischen den Welten wandert, aber tief in sich die Sehnsucht nach dem spürt, was die Menschenkinder sonst nur noch in ihren Träumen erlangen können. Findet solche Leute und sucht in ihnen die fast erloschene Flamme neu zu entzünden! Helft ihnen, die Schönheit dieser Welt zu erfahren, damit sie sie in ihrer verteidigen helfen! Nur wer weiß, wofür er streitet, wird den Mut finden, sich so schrecklichen Gegnern zu stellen, wie ich sie in euren grauen Männern vermute."
 1. Wenn ihr schauen wollt, ob euch mehr über diese Gegenden einfällt, könnt ihr entweder auf Int+Occult würfeln (Sagen, Legenden, alte Geschichten) oder Int+Survival (praktisches Wissen über Landschaft und Bewohner), Schwierigkeit jeweils 7.

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Gatsburg Blues / OOC
« am: 17.12.2019, 14:12:10 »
Kein Ding. Wir gehen es in dieser Runde ohnehin relativ gemächlich an :)

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 03.12.2019, 19:23:20 »
Laura Anns Knicks scheint den Friedensbringer zu überraschen. Er schaut sie verwundert an, ehe er diese für sie alltägliche, hier aber vermutlich eher unbekannte Geste begreift und kurz lächelt. Ein kaum merkliches Nicken begleitet dieses Lächeln, da sein Blick auf die ineinander verschlungenen Hände der beiden Satyrn fällt. Erst als Eddy sich ziemlich hörbar räuspert und Ayleen ihn anspricht, weist er mit einer Hand auf das Feuer. "Setzt euch, wärmt euch am Feuer" sagt er schlicht und nimmt auch selbst wieder mit untergeschlagenen Beinen Platz. Dabei können sie an seinen nackten Armen ein Spiel perfekt geformter Muskeln sehen – wenn ihnen dabei ein Gedanke kommt, dann am ehesten der an eine der klassischen griechischen Statuen, die ihnen in der Schule Direkter Morten, mit Leib und Seele Humanist, gelegentlich in schönen Bildbänden gezeigt hat. Die Gesichtszüge des Friedensbringers allerdings weisen nur teilweise europäisch wirkende Merkmale mit merklichen indianischen Spuren auf. Nachdem die Gefährten sich rund um das Feuer niedergelassen haben, lässt der Felsmann sie und ihr eigenartiges Gegenüber allein und zieht sich zu seinen Leuten zurück, die der Gruppe nunmehr auch kaum noch große Beachtung schenken.

Ricky scheint ähnlich beeindruckt wie Laura Ann. Der Junge flüstert ihr zu: "Ich glaube nicht, dass er zu ihnen gehört. Er wirkt wirklich ganz anders." Der Erwähnte hört das Tuscheln der Satyrn nicht, oder er gibt es zumindest höflich vor. Aufmerksam lässt er den Blick seiner hellen Augen über jeden einzelnen streifen. Etwa länger bleibt er an Eddy und insbesondere an dem Folianten Goibnius hängen. Schließlich aber sagt er mit Betonung: "Willkommen nochmals dir, Ayleen Anitsiskwa, und deinen Gefährten." Dann zieht ein rasches Schmunzeln über seine Lippen, und jetzt erst bemerken sie alle mit Erstaunen, dass sie ihn auch ohne die Übersetzung des Mädchens verstehen: Der Friedensbringer spricht, und ihnen allen ist klar, was er zum Ausdruck bringen will. Welcher Sprache er sich allerdings bedient, das ist schwer zu sagen... es wirkt fast wie in einem Traum, völlig klar und doch nicht mit Händen zu greifen. Bedächtig verschränkt er seine Arme, nickt noch einige Male und erklärt dann: "Ich wusste, dass ihr kommen würdet. Die Geister sandten mir Träume." Das klingt so natürlich und selbstverständlich, als habe er gerade erklärt, Wasser getrunken zu haben.

"Oh ja," fügt er nach einer kurzen Pause hinzu, ohne dass man ihm so etwas wie Überraschung anmerken würde, "ihr meint das tapfere junge Mädchen, das nichts von seinem Mut weiß... ja, mir wurde berichtet, dass sie hier war. Sie brach auf, kurz ehe ich eintraf. Ihr Schicksal ist eines von großer Bedeutung, das weiß ich – doch welche ihre Rolle genau sein wird, vermag ich nicht zu erkennen. Noch nicht. Die Nebel der Zukunft sind schwer und dicht!" Er deutet auf das Buch auf Eddys Schoß, das der Troll nach wie vor hütet wie seinen Augapfel. "Wie ich sehe, seid auch ihr mit dem Wächter bekannt." Eddy schreckt hoch und fasst das Buch unwillkürlich fester. Sein Gesicht zeigt Überraschung, wohingegen die Mienen von Ricky und Sonnenauge die reinen Fragezeichen sind. Sie verstehen offenbar nicht, was der Friedensbringer meint. "Wie meinen Sie das?" stößt Eddy endlich hervor, und die schlanke Gestalt neigt leicht den Kopf. "Allüberall hat der Wächter Feinde, denn viele wünschen die Tore auf immer geschlossen zu sehen. Dass er aber Freunde hat, die noch nicht einmal um seine schwere Bürde wissen, verwundert mich. Hat er euch denn nicht mehr von sich erzählt? Von seinen Aufgaben, von dem Pfad, den er bewacht?" Sonnenauge fasst sich trotz seiner Jugend recht schnell. Er raunt den anderen aufgeregt zu: "Der Wächter, von dem das Orakel sprach – ihr müsst ihm schon begegnet sein, auf der anderen Seite des Tors!" Eddy dagegen scheint mit einem Mal sehr nachdenklich.

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 18.11.2019, 14:45:01 »
Ricky grinst immer breiter, reibt sich allmählich rot werdend verlegen an der Wange, kann sich aber die geflüsterte Erwiderung nicht verkneifen: "Mir sind flauschige Mädchen sowieso viel lieber!" Und Laura Ann hat den Eindruck, dass sich seine Hand, als er den Arm freundschaftlich um sie legt, für einen Moment auf ihr Hinterteil verirrt, ehe sie ihre Hüfte findet. Ihre Hand zwischen seinen Hörnern scheint der Satyr regelrecht zu genießen. Sie meint eine Aufwallung von Wärme von dem nur halb menschlichen Körper neben sich ausgehen zu spüren. Zum Glück hat Eddy offenbar nichts davon mitbekommen, denn der Troll macht nicht gerade den Eindruck, als hätte er im Moment Verständnis für eine harmlose kleine Schäkerei... Sonnenauge hingegen mag durchaus bemerkt haben, wie eng aneinander geschmiegt die beiden nun gehen, doch der Flussmann verhält sich schweigend.

Der Anführer der Felsleute geht voran, mit langsamen, bedächtig wirkenden Schritten, die ihn aber mit ihrer beachtlichen Länge dennoch so zügig voranbringen, dass zumindest Ayleen und Sonnenauge ein wenig schneller ausschreiten müssen, während Eddys lange Beine und die Ziegenbeine der Satyrn keine Probleme haben, mitzuhalten. Auf diese Weise bewältigt die Gruppe in kurzer Zeit einen verschlungenen Pfad zwischen großen Findlingen hindurch, über unwegsam erscheinende Geröllfelder und durch kleine Hohlwege, den ein Ortsfremder wohl niemals finden könnte. Schließlich gelangen sie an eine Stelle, an der sich dieser Pfad recht steil ins Gelände absenkt und zu einem kleinen Talkessel erweitert. In diesem sehen sie eine Reihe einfacher Hütten, die zum überwiegenden Teil aus den Steinen der Umgebung gebaut und mit einfachen Dächern aus Holzknüppeln gedeckt sind.

Zwischen den Hütten regt sich ein Lagerleben, das dem im Dorf der
yunwi amai'yine'hi gleicht, wenn sich auch in den Details einiges davon unterscheidet. So hängen hier anstelle von Fischen Fleischstreifen zum Trocknen über hölzernen Gestellen – Laura Ann und Ricky sehen sich gleichzeitig mit einem mulmigen Gefühl im Bauch an, denn die Felle, die sie ebenfalls vielfach in Gebrauch sehen, stammen recht eindeutig von Bergziegen... Auch unterscheiden sich Handwerkskunst, Kleidung und andere Dinge von dem, was sie bei den Flussleuten gesehen haben. Dennoch ist dies eine ganz vergleichbare dörfliche Gemeinschaft, die schlicht von einer anderen Umgebung geprägt scheint. Und tatsächlich haben auch die Felsleute Kinder, wie sie bald bemerken. Diese wirken deutlich menschenähnlicher als die Erwachsenen. Offenbar bilden sich die felsähnlichen Züge und die raue Haut erst im Laufe des Lebens aus.

Einen Gegensatz zu Sonnenauges Leuten bildet allerdings auch die größere Zurückhaltung, die sie hier sehen: Zwar werden sie allseits beäugt, doch niemand eilt auf sie zu oder macht Anstalten, sie mit Fragen, Willkommensgrüßen und ähnlichem zu empfangen. Die Steinleute lassen sie passieren, bis sie an eines der Feuer zwischen den Hütten gelangen, an dem eine einzelne Gestalt sitzt. Diese hebt den Kopf, und sie erblicken einen Mann, dem man selbst im Sitzen ansieht, wie hochgewachsen er ist. Schlanke, sehnige Glieder von beinahe perfekt wirkenden Proportionen, ein ebenmäßiges, von einer bis zu den Ellbogen reichenden silbrig schimmernden Haarmähne umgebenes Antlitz und eine Haut, die wie heller Marmor schimmert, ergeben ein beeindruckendes Gesamtbild. Die Augen, die sich auf die Gefährten richten, sind von einem hellen Blau, ihr Blick ist hell, klar und sehr eindringlich. Als sie nähertreten, steht er auf, und bis auf Eddy überragt er alle – wobei seine Gestalt im Vergleich zu dem Troll und den Felsleuten umso graziler wirkt.

"
Mahe'o" grüßt der Felsmann ihn, und der Jäger – das wunderschöne lederne Gewand und der neben ihm am Boden liegende lange Bogen weisen ihn als solchen aus – neigt den Kopf. "Ich grüße euch" sagt er an die Neuankömmlinge gewandt. "Wie kann ich euch helfen?" Als er ihr Erstaunen sieht, huscht ein Lächeln über seine edlen Züge. Ganz selbstverständlich erklärt er: "Wer mich aufsucht, braucht stets Hilfe – es ist mir so bestimmt." Seine Stimme klingt angenehm und sonor.

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 09.11.2019, 20:25:07 »
Ricky nickt und meint ebenso leise: "Stimmt. Die scheinen mir sehr verschlossen zu sein. Bestimmt lassen die nur Leute in ihre Dörfer, die sie wirklich gut kennen. Oder wo sie auch immer sonst leben." Der Satyrjunge musterte die kantige Gestalt, der sich Ayleen und Eddy gerade nähern. "Was meinst du," fügt er hinzu, und ein leises Grinsen fliegt über seine Lippen, in dem sich Verlegenheit und Schalk mischen, "ob es bei denen wohl auch Mädchen gibt, und wie die dann aussehen?" Sein Seitenblick zu ihr zeigt, was ihn auf diesen Gedanken gebracht haben dürfte.

Eddy, der zwar rein äußerlich am beeindruckendsten in ihrer bunten Truppe wirkt, aber auch in seiner Gestalt hier kein großer Redner ist, überlässt Ayleen sichtlich gern die Initiative. Der Felsmann hört deren Worte mit unbewegtem Gesicht, ehe er langsam erwidert: "Was das Orakel sagt, trifft stets ein." Mit dieser lakonisch klingenden Antwort scheint die Sache für ihn erledigt. Dabei hat Ayleen sonderbarerweise nicht den Eindruck, kühl oder respektlos behandelt worden zu sein. Erinnerungen regen sich in ihr, ein Bild der Felsleute nimmt in ihrem Kopf Gestalt an, das auf früheren Begegnungen beruhen muss: Es ist einfach die Art dieses Volkes, selten einmal viele Worte zu machen. Ihr Seelenleben findet in ihrem Inneren statt, während sie nach außen hin die Unnahbarkeit echter Felsen zeigen.

Und tatsächlich brauchen die Gefährten nicht lange zu warten, bis sich die Worte von Ayleens Gegenüber bewahrheiten, wie es aussieht: Der zweite Felsmann kehrt mit dem Oberhaupt oder Sprecher zurück, mit dem sie bereits Bekanntschaft gemacht haben. Jedenfalls sind sie ziemlich sicher, dass es sich um ihn handelt. Als sie ihm schildern, was das Orakel ihnen verkündet hat, sagt er ohne zu zögern: "Kommt. Ich führe euch zum Friedensbringer." Er muss ein besserer Beobachter sein, als seine steinartigen, reglosen Züge verraten, denn er schwingt sich zu der wortreichen Erklärung auf: "Lange Zeit lagen unsere Stämme im Krieg. Der Friedensbringer hat den Hass aus unseren Herzen verbannt." Damit wendet er sich um und winkt ihnen, ihm zu folgen. Die beiden anderen Felsleute lassen sie an sich vorbeigehen und beschließen den kleinen Zug.

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 06.11.2019, 11:14:24 »
Wirklich ist die schmale Gestalt des Orakels völlig reglos und scheint ohne Leben. Doch als Laura Ann ihre Arme um sie legt, meint sie für einen kurzen Moment ein Lächeln auf den androgynen Zügen zu sehen – eine verständnisvolle Mutter, ein Vater, dem man vertraut, ein wenig von beidem liegt darin... sie fühlt sich jedenfalls gestärkt, ermutigt, als hätte das Orakel ihre Geste erwidert. Und tatsächlich geht es den Gefährten samt und sonders so: Sie sehen eine große Herausforderung vor sich, und dennoch erfüllen Tatendrang und frischer Mut sie[1]: Rickys zaghaftes Lächeln wird breiter, und auch Sonnenauge strafft sich. Eddys massive Gestalt reckt sich in die Höhe, und der Troll nickt den anderen entschlossen zu. "Also lasst uns gehen!" dröhnt er und macht nach einer ehrerbietigen Verneigung gegen das Orakel den Anfang mit dem Verlassen der Hütte.Im Freien angelangt merken sie nun auch erst, wie rauchgeschwängert und von schweren Kräuterdüften die Luft in dem kleinen Steinbau wirklich war.

Hier draußen ist sie kühl, aber frisch. Eine leichte Brise weht, die Sonne steht hoch über ihren Köpfen und scheint mit ihrer Strahlkraft nur die tatendurstige Stimmung unterstreichen zu wollen, die sie erfasst hat. Von den Felsleuten sind nur mehr zwei zu sehen, die in einiger Entfernung auf einfachen Decken sitzen und offenbar den Eingang der Hütte unter Beobachtung gehalten haben. Als die fünf auftauchen, erheben sich die beiden verwittert wirkenden Gestalten. Während der – oder die? – eine sich in einen schwerfällig aussehenden Trab versetzt und bald hinter einigen Felsformationen ihren Blicken entschwunden ist, bleibt der zweite Felsmann stehen und scheint sie zu erwarten. Sie könnten nicht sagen, welcher von ihnen es ist, denn für ihre Augen sehen die seltsamen Wesen fast alle gleich aus. Die Gefährten können bei genauem Nachdenken noch nicht einmal mehr sagen, warum sie ganz intuitiv angenommen haben, die steinernen Leute seien allesamt männlichen Geschlechts. Vielleicht der kantigen Formen wegen... Eddy marschiert zielstrebig auf die einsame Gestalt zu, wirft aber Ayleen über die Schulter einen fragenden Blick zu. Sonnenauge hält sich bei den beiden Satyrn, Ricky dicht bei Laura Ann.
 1. Alle erhalten einen temporären Glamour-Punkt, auch über den permanenten Wert hinaus – habe ich schon eingetragen.

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 01.11.2019, 20:05:47 »
Auch Ricky kommt taumelnd auf die Füße. Er scheint noch reichlich verwirrt, sieht jedoch Laura Anns Tränen und geht unsicheren Schrittes auf sie zu. Offenbar fehlen ihm die Worte, denn nach einem kurzen Zögern lächelt er verschämt und legt ihr die Hand auf den Unterarm, ohne ein Wort zu sagen. Die Wärme und die Berührung selbst geben dem Satyrmädchen jedoch auf eine seltsame Art Halt. Sie findet wieder ganz in die Wirklichkeit zurück – jedenfalls in eine Wirklichkeit... Eddy und Sonnenauge tauschen einige leise Sätze aus, die Ricky und die beiden Mädchen nicht ganz verstehen können. Lediglich die etwas grollende Stimme des Trolls hebt sich für Augenblicke, und sie meinen ein leises "...verdammtnocheins..!" zu hören – Eddy ist sich in gewisser Weise auch in dieser Gestalt treu. Auch die beiden treten näher und beäugen das Orakel. Doch die schmächtige Gestalt rührt sich nicht, noch gibt sie Antwort auf Ayleens Fragen. Leider findet diese auch bei angestrengtem Nachdenken keine Erinnerung an einen "Friedensbringer" im neuerworbenen Schatz ihrer Vergangenheit, und auch die anderen zucken nur ratlos die Schultern. Lediglich Sonnenauge wirft ein: "Vielleicht wissen die Felsleute mehr? Es hätte keinen Sinn, uns einen Namen zu nennen, wenn wir damit gar nichts anfangen könnten."

Eddy nickt. "Klingt vernünftig. Ich könnte auch in Goibnius Buch nachsehen" durchdringt seine tiefe Stimme die Stille und hallt von den Wänden der steinernen Hütte wider. Tatsächlich stellen sie bei einem kurzen Umschauen fest, dass noch immer keiner der Felsleute sich innerhalb des kleinen Raums aufhält – wie viel Zeit auch immer vergangen sein mag. Die Wächter des Orakels haben offenbar Abstand gehalten. Dieses selbst ist völlig reglos: Falls es atmen sollte, so tut es dies so flach, dass man es mit den Augen nicht wahrnimmt. Auch ansonsten gleicht es eher einer Statue mit täuschend echter Hautfarbe. Sie alle haben das sonderbare Gefühl, als ständen sie nur mehr vor einer Hülle, die von etwas zurückgelassen wurde. Etwas, das womöglich mit den Schwaden scharf duftenden Kräuterrauchs aufgestiegen ist..? Es ist Eddy, der sich als erster aus der nachdenklichen Stimmung löst, in der die Große Geistreise sie alle zurückgelassen hat. "Also, was sollen wir tun?" fragt der Blauhäutige ungeduldig. "Was auch immer uns erwartet: Wir haben auf jeden Fall einen Auftrag. Und ich für meinen Teil habe das Gefühl, dass wir langsam loslegen sollten!" Sonnenauge nickt, wenn auch nicht ganz so unternehmungslustig wie der Troll. Ricky scheint unentschlossen und blickt die Mädchen fragend an.

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Gatsburg Blues / OOC
« am: 26.10.2019, 13:52:48 »
So, ich habe nun doch einmal den ersten IG-Post eingestellt - ihr könnt also loslegen.

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 26.10.2019, 13:51:33 »
...langsam, ganz allmählich verblasst ein Reigen aus Szenen, aus Farben, Gesichtern, Liedern – Erinnerungen und Visionen. Die Gefährten kommen wieder zu sich, umgeben vom flackernden Widerschein des Feuers an den Wänden der steinernen Hütte, die inzwischen von einem fast beißenden Geruch nach verbrannten Kräutern erfüllt ist. Und die Erinnerung an das zuletzt Vorgefallene kehrt auch wieder zu ihnen zurück: Das Internat, die eigenartige Musik, das Werk, auf das sie stießen, Tiffanys Verschwinden, die Begegnung mit den seltsamen Fremden in Ricks Cafe. Dann: Elias Phelps, das alte Lichtspielhaus, die Flucht in eine andere Welt, wo sie bizarre, im erzkonservativen Mief der USA in den 50er Jahren niemals erahnte Begegnungen hatten. Schließlich der lange Weg zum Orakel, und endlich die Große Geistreise, die sie gemeinsam antraten. Sie wechseln ratlos, unsichere Blicke. Haben sie sich verändert? Sie alle sehen noch so aus wie zuvor: Ricky und Laura Ann, die beiden Satyrn, das Indianermädchen Ayleen, der große Troll, zu dem Eddy wurde, und Sonnenauge der Flussmann, ihr Begleiter. Auch fühlen sie sich kaum anders als vor dem Antritt dieser Reise durch ihr eigenes Inneres. Und doch... sie wissen nun vieles, oder besser gesagt, sie wissen vieles wieder, das ihnen lange Zeit entfallen schien. Und wie der benebelnde Rausch der eingeatmeten Dämpfe sich zusehends löst, ihre Augen wieder klarer blicken, so kehren auch die vielen Fetzen und Fragmente zu ihnen zurück. Bei weitem nicht alle in ihren bewussten Gedanken verfügbar, das fühlen sie, aber doch dicht unter der Oberfläche des Bewusstseins schwebend, jederzeit bereit, hervorzubrechen, wenn der geeignete Moment ist, sich zu erinnern.

Vor ihnen hockt das Orakel, tief vornübergebeugt, und macht einen erschöpften Eindruck. Trotzdem lächelt es leicht, als es den Blick hebt und sie anschaut. "Die Große Geistreise ist beendet, und viel habt ihr erfahren" stellt es so selbstverständlich fest, als stünde es ihnen auf die Stirn geschrieben. Und obwohl ihnen der beißende Rauch fast die Tränen in die Augen treibt, wirft es nochmals trockene Wurzeln und Kräuter ins Feuer. "Die Tore sind die Pfade, auf denen die Träume zwischen den Welten umher eilen. Ohne Träume sind wir nichts als wandelnde Leichname." Das schmale, androgyne Gesicht, weder Mann noch Frau und doch beides, sinkt wieder nach vorn, die Augen starren in eine Ferne jenseits der knisternden Flammen. Fast scheint es, als ob das Orakel zu sich selbst spricht. "Der Wächter, er fühlt seine Zeit kommen. Der letzte seiner Gefährten verließ ihn vor vielen Wintern, und nun kommt seine Kraft zu einem Ende. Er ruft, ruft nach einem, der fortan seinen Pfad der Träume bewacht. Und diese eine ist auf dem Weg... doch gefahrvoll wird sein Amt sein. Feinde stellen sich dem Wächter entgegen, diesseits des Tores und jenseits. Auch er braucht Hilfe – treue Gefährten, die an seiner Seite stehen. Denn wenn er scheitert, ist alles verloren, und das Tor wird sich für immer schließen." Die Augenlider des Orakels sind immer weiter hinab gesunken. Nun sind seine Augen ganz geschlossen, doch es ruft mit einem Mal laut: "Geht! Geht und findet den Wächter. Bringt ihn zum Tor, ehe der alte Wächter seine letzte Reise antritt..." Immer mehr verklingt die melodische Stimme, wird leiser, bis sie fast nicht mehr hörbar ist. "Geht... der Friedensbringer weist euch den Weg..." Damit erstirbt die Stimme, das Orakel erstarrt, als sei es mit einem Mal aus Stein. Die Flammen, die alle Kräuter und das meiste Feuerholz verzehrt haben, sinken flackernd in sich zusammen.

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Gatsburg Blues / Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« am: 20.10.2019, 13:06:45 »
~ Zwischenspiel ~

Leise knisternd züngelt das Feuer über die dürren Zweige in der Mitte des großen Tipis, umgeben von einem Ring flacher Steine. Das Spiel der Flammen erhellt die Decken, mit denen die Ränder des Zelts abgeteilt sind, sein Schein flackert über die Stangen, welche die schweren ledernen Häute zum Schutz vor der winterlichen Kälte tragen. Es tanzt über lederne Beutel mit Vorräten, über einen Bogen mit Köcher, über Weidenkörbe und Schlafstätten mit Decken und Fellen. Und es zaubert helle Reflexe auf die Gesichter der Kinder, die sich eng zusammengedrängt haben und mit großen, gespannten Augen an den Lippen der Indianerin hängen, die sich mit ihnen an dem Feuer wärmt. Dunkel und rissig wirkt ihre Haut, fast wie das Leder ihres Kleids – eine Frau, der das harte Leben als Squaw eines Jägers, eines Nomaden mit der endlosen Wanderung auf der Spur der Bisonherden frühzeitig die Spuren des Alters aufgeprägt hat. Und dennoch: Ihre Stimme ist kräftig, der Blick klar, fest und sicher der Griff, mit dem sie das Jüngste, ein kleines Mädchen, auf ihrem Schoß hält. Gemächlich legt sie Holz nach und nickt den Kindern zu. "Geh noch einmal in die Traumlande und erzähl uns von dort! Erzähl uns mehr von den einsamen Wächtern, ina!" schallt es ihr aus vielen Mündern entgegen. "Also gut," lächelt die Squaw. Dann schließt sie die Augen, legt den Kopf in den Nacken und wiegt sich mit dem Kind auf ihrem Schoß, als habe sie ihr eben gegebenes Versprechen schon wieder vergessen. Schweigen legt sich über die kleine Gruppe. Nur die Hölzer im Feuer knacken gelegentlich, und die Kinder beginnen ungeduldig zu wispern. Ein unterdrücktes Lachen hier, ein prüfender Blick in das entrückte Gesicht der Squaw... Da plötzlich fängt sie an zu sprechen, zu singen, mit leiser Stimme, wie in Trance.

"Lange ist es her, dass der Große Geist die erste der Welten schuf. Er machte das Land und die Flüsse, die Berge, die Wälder und die Seen, und auch die weite Ebene. Doch weil es so kahl und tot war, gab er dem Land Bäume, Gras, viele Blumen und andere lebende Dinge, die es bewohnten. Auch Tiere dachte er sich aus, den großen Bären und den flinken Fuchs, den Lachs und sogar die kleine Ameise. Und zuletzt erdachte er die Menschenwesen, große und kleine, helle und dunkle. Jedem von ihnen wies er eine Wohnstatt zu. Weil die Menschenwesen nun so unterschiedlich waren, gab er jedem von ihnen einen Teil der Welt, den er durchstreifen konnte. Einige wohnten nahe beisammen, denn sie waren sich ähnlich und vertrugen sich gut. Andere dagegen waren sich so fremd, dass sie nicht die Gesellschaft ihrer Brüder suchten. Für sie machte der Große Geist schließlich weitere Welten, damit kein Zank zwischen ihnen aufkäme. Doch weil er jedem Menschenwesen in seiner Weisheit eine Gabe gegeben hatte, die kein anderes von ihnen hatte, konnten sie auch nicht ohne einander auskommen. Deshalb baute er Brücken zwischen all den Welten, so dass sie sich besuchen konnten und voneinander lernen. Und immer, wenn sie sich besuchten, kamen die Dinge wieder ins Lot, die sich nicht gut entwickelt hatten in den Welten, weil ihren Bewohnern die Gaben fehlten, welche ihre weit entfernt lebenden Brüder besaßen.

Die Menschenwesen besaßen aber nicht die Weisheit des Großen Geistes, und so dachten viele von ihnen, dass sie die aus den anderen Welten nicht brauchten, um glücklich zu sein. Für sie waren die Brücken von Übel, denn stets kamen über sie solche zu ihnen, die ihre Welten veränderten. Sie wollten nicht einsehen, dass es heilsam war, was ihnen gebracht wurde. Darum verschmähten sie das Geschenk der Vielfalt, das allein sie ihrem Schöpfer nahebringen konnte, von dem alle Gaben stammten. Manche forderten sogar, dass man die Brücken abreißen sollte, damit keine Fremden mehr in ihre Welten kommen könnten. Das aber hätte bedeutet, dass jede Welt für sich bleiben würde, ohne jemals wieder alle Gaben des Großen Geistes vereinen zu können. Die bunten Farben würden aus allen Welten verschwinden, bis alles Grau in Grau wäre – aber ihre Bewohner würden es nicht bemerken, denn auch aus ihnen wären alle Farben gewichen. Das große Werk des Schöpfers wäre für immer verloren. Also gab der Große Geist jeder Brücke einen Wächter, der sie durch die Zeiten bewahren sollte, damit sie immer offenstände. Diesen Wächtern verlieh der Große Geist dazu viel Wissen, und er lehrte sie machtvolle Lieder. Doch auch so war die Aufgabe schwer, und sie lastete auf den Auserwählten. Immer, wenn ein Wächter seine Zeit kommen und seine Kraft schwinden fühlte, bestimmte er daher einen Nachfolger und lehrte ihn seine Lieder, damit seine Aufgabe weiter erfüllt würde.

So gibt es auch Wächter an den Brücken zwischen unserer Welt und anderen. Und weil ihre Pflicht eine ist, die große Einsamkeit mit sich bringt, ist es ihnen erlaubt, sich Helfer zu bestimmen. Groß ist die Ehre eines Stammes, dessen Kind ein Wächter wählt, um ihm beizustehen. Denn ein jeder Wächter erwählt sich sein Auge, das ihm Kunde aus den Welten bringt, deren Teil er niemals mehr ganz sein kann. Er wählt sich seine Hand, welche für ihn streitet, seinen Mund, der seine Worte den Menschenwesen bringt, sein Herz, in dem er das Wissen um viele Dinge bewahrt, und seine Stimme, welche die Lieder zum Klingen bringt, die ihn der Große Geist lehrte." – "Und wie, wie wählt er sie aus, seine Helfer? Wie findet er sie?" kräht eines der Kinder und unterbricht den monotonen Singsang der Squaw. Langsam öffnet sie die Augen und lächelt erneut. " – "Das muss er nicht. Immer ist es so gewesen, dass sie ihn fanden, denn der Große Geist hat alle Dinge sehr weise eingerichtet."


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Gatsburg Blues / OOC
« am: 19.10.2019, 15:12:20 »
Ich habe nun die Punkte für Laura Anns Feennatur verteilt - nur bei den Backgrounds fehlt noch ein wenig, die sind noch nicht vollständig definiert. Ihr könnt den Charakterbogen dann gern formatieren.

Zu den Punkten, die du noch selbst verteilen darfst, schicke ich dir eine PN. Den Einstiegspost fürs neue Kapitel versuche ich bis morgen Abend hier einzustellen.

Edit: Einen richtigen Einstieg halte ich noch zurück, bis wir Laura Ann soweit komplett haben. Dafür habe ich euch aber vorab schon mal einen kurzen Text eingestellt, damit wir wieder ein wenig in die richtige Stimmung kommen.

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