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Autor Thema: Kapitel 2: Der Angenehme Wald  (Gelesen 6126 mal)

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Louis de Fromage Puant

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #285 am: 06.03.2021, 13:05:50 »
In der Stille - abgesehen wohl vom Keuchen diverser Lungen - trat Louis mit knarrenden Stiefeln an die Überreste ihrer Gegnerin heran und besah sie sich misstrauisch. Da sich aber nichts mehr regte und ein durchbohrtes Herz nach allem, was ein Musketier für recht und billig hielt, das Ende eines jeden Kämpfers bedeuten sollte, hob er schließlich seinen Degen senkrecht nach oben und rief: "Alors, es iest getan- 'IPP, 'IPP, 'URRA..!!!" Dann führte er den Degen grüßend in Richtung der Geister nach vorn und murmelte: "Mögen sie ihren Frieden finden, sie 'aben gekämpft treś courageux!"

Jelena Sejm Petrasowna

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #286 am: 11.03.2021, 11:40:54 »
Als sich die untote Dämonin noch einmal aufbäumte nachdem Hanna einen Großteil ihres Repertoires aufgeboten hat, überraschte die junge Kräuterkundige. Während die anderen zurückgeworfen wurden, blieb Hanna eine Schrecksekunde zulange stehen und sah sich nach einer Deckung oder etwas um, was sie zwischen sich und das Monster bringen konnte. Bevor sie richtig dazu kam, hatte sich schon Friedrich dazwischen geworfen. Mit entsprechender Sorge sah sie nach ihm und seinen Verwundungen und konnte mit Erleichterung feststellen, dass er überlebt hatte. Da Hanna sehen konnte, dass die Baronin sich nach weiteren Angriffen von Erich und Louis nicht mehr rührte, nahm sie sich die Zeit, vor Firedrich zu treten und zu sagen: "Danke für eure Hilfe. Sie wäre zwar nicht notwendig gewesen, aber nichtsdestotrotz: Danke, dass ihr den Angriff für mich genommen habt." In ihrer Haltung zeigen sich Ehrlichkeit und Selbstbewusstsein und sie wartet, bis sie sicher ist, das er die Worte verstanden hat.

Nachdem das geklärt war, erbat sie sich Leons Klinge und ging gemeinsam mit dieser und ihrer Axt auf Hals und Nacken der Monsterleiche los. Bevor jemand ihr blutiges Handwerk kommentierte, erklärte sie den irritiert Blickenden: "Was denn? Wollt ihr, dass die nochmal wiederkommt? Das hier sorgt dafür, dass sie bleibt, wo sie ist." Die schemenhaft auftauchende Frauengestalt nahm sie kaum wahr und reagierte entsprechend nicht darauf. Beim Dank der befreiten Geister winkte sie ab: "Das war nur selbstverständlich." In Louis Rufen stimmte sie zwar nicht ein, hob aber mit einem gewissen Enthusiasmus ihre Faust, um dem Jubelruf zuzustimmen.



Von den Schmerzen des letzten Angriffes benebelt, nahm Jelena wahr, wie Louis die Kette der Baronin eroberte und einsteckte. Bevor sie sich allzuviel gedanken machen konnte, hatte Hanna ihr Werk vollbracht. Als die Baronin unter diesem Zauberwerk und Erichs Angriffen zu Boden ging, ließ sich auch Jelena auf alle Viere fallen. Entsprechend rutschte sie beim letzten Aufbäumen des untoten Monsters nicht allzu weit zurück. Allerdings musste sie sich fangen, als sie deren Fratze sah. Nur allzu gut konnte sich Jelena an Matuschkas Warnung erinnern, nicht den Mut zu verlieren. Also sammelte sie sich und kanalisierte ihre gedämpften Emotionen in ein Brüllen und Aufbäumen. Doch den erhofften Erfolg, die Baronin bis zur Aufgabe einzuschüchtern, hatte sie nicht. Andere nahmen sich ihrer Vernichtung an. Jedoch nicht ohne auch noch einen weiteren der ihren zu verletzten.

Die Bärin überblickte das Schlachtfeld und stellte fest, dass die Feinde bezwungen waren. Mit einem Grumpfen wendete sie sich dem zerstörten Mobiliar zu und verbiß sich in ein Stuhlbein. Mit einem weiteren tierischen Gebet begann ihr Körper, zu zucken und zu krampfen, sich in sich selbst zu verdrehen und in sich zusammenzufallen. Nach kurzen Augenblicken einer wirbelnden Fellmasse kam Jelena in menschlicher Gestalt zum Vorschein, offensichtlich unter Schmerzen, schweißgebadet und erschöpft. Sie ließ das Stuhlbein aus dem Mund und sich auf ihr Gesäß fallen. Sie spuckte schnell noch Holzstückchen aus, um zumindest Louis': "HURRA!" noch mit einem eigenen zu begleiten.

Den Geistern dankte sie für die Hilfe und konnte ein gewisses Hochgefühl nicht unterdrücken, ihnen geholfen zu haben. Dem Schemen der Baronin nickte sie zu, bevor sie aufstand und sich Schwieß und Staub abwischte. Sie sah aus und bewegte sich, als wäre sie im ganzen Kampf unbehelligt geblieben. Bezüglich hannas Treiben murmelte sie ein: "Wenns sein muss - der Sache dient..."
Zunächst wandt sie sich Louis zu: "Woher wusstest du, dass das Amulett der Schlüssel zu ihrer Macht war? Was hat es damit auf sich und was hast du nun damit vor?"
Danach wendete sie sich Maria und Ingrid zu: "Wie geht es euch?"
Und fragte beiläufig ihren eigenen Baron: "Wie geht es nun weiter mit dieser Baronie und dieser Burg?"
« Letzte Änderung: 12.04.2021, 17:38:39 von Jelena Sejm Petrasowna »

Mondragor

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #287 am: 17.03.2021, 10:05:52 »
Baron Tristan wirkte trotz des Sieges bedrückt; ob das an der Anstrengung lag oder etwas anderem, konnte Jelena nicht erkennen. Lange betrachtete er den leblosen Körper des Monsters, bevor er sprach.
"Es war nicht der Geist der Baronin, den wir dort in der Luft haben schweben sehen; der Schemen war Roswitha von Wirsche. Perchta hat mir gegenüber angedeutet, dass sie mit der Baronin im Bunde ist, aber dass es so schlimm ist, habe ich nicht erwartet. Viele flüstern hinter vorgehaltener Hand von unnatürlichen Dingen, die in Wirsche vor sich gehen - das hier ist wohl der Beweis, dass sie damit nicht ganz falsch liegen.

Das macht die Bedrohung meines Heimatlandes nur umso substanzieller - aber immerhin haben wir ihr hier einen Rückschlag verpasst. Ihre Handlangerin ist vernichtet, und der Fluch, der über diesem Land lastet, wird hoffentlich aufgehoben.

Was die Zukunft dieses Landes betrifft: Wir werden nach Freiburg reisen und Niklas Träge Bericht erstatten. Er soll dafür sorgen, dass zumindest ein wenig Ordnung herrscht und nicht irgend ein hergelaufener Raubritter das Machtvakuum füllt. Allerdings habe ich das Gefühl, dass Perchta im Hintergrund ebenfalls dafür sorgen wird, dass die Wunden des Landes geheilt werden."


Ingrid war derweil direkt auf ihre Tochter zugestürzt und herzte diese jetzt, während Tränen des Glücks über ihre Wangen liefen. Jelenas Frage beantwortete sie nicht, doch die Ussurerin merkte schnell, dass zumindest körperlich alles mit den beiden in Ordnung war. Wie lange die Erlebnisse in dieser Burg der kleinen Maria noch Albträume bereiten würden, und ob sie jemals das Trauma überwinden würde, das war eine andere Frage.

Erich Janina Graustein

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #288 am: 21.03.2021, 08:41:28 »
Erich schnappte sich erst einmal einen der umstehenden Stühle und lies sich schwer atmend darauf nieder sinken. Rein äußerlich hatte Erich zwar keine sichtbaren Wunden, aber die schwarze Magie hatte ihn schwer getroffen und ihn innerlich zerrissen, es fühlte sich so an wie als ob die Baronin ihm direkt das Herz hätte raus reisen wollen.
Nachdem sich dann alle mehr oder weniger wieder gesammelt hatten und auch Erich wieder etwas zu Luft gekommen war nichte er zustimmend zu den Worten des Barons "Baron Tristan ich stimme Euch zu das wir zusehen sollten das hier keine weiteren Gauner hier ihr Unwesen treiben. Wir sollten dringend zusehen das hier wieder eine ordentliche Herrschaft an die Macht kommt und das Land unter gerechter Kontrolle hält. Also sollten wir möglichst bald nach Freiburg aufbrechen, aber ein wenig Erholung sollten wir uns zuvor vielleicht doch noch gönnen. Und diesen kleinen Mann hier sollten wir auch noch nach Hause bringen bevor wir dann auf weitere Reisen gehen."

Louis de Fromage Puant

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #289 am: 22.03.2021, 11:44:10 »
"Bien sûr!" nickte auch Louis. "Es steht außer die Frage, dass es 'ier mangelt an... wie sagt, man une pouvoir de l'ordre? Eine 'and, welsche sorgt für Ordnung." Der Musketier stand aufrecht und verbarg dabei mit einem nonchalanten Lächeln, dass ihm der gesamte Körper schmerzte wie eine einzige Prellung. Lediglich an seinem leichten Hinken konnte man erkennen, dass er womöglich in diesem Kampf keine ernsthaften Wunden davongetragen hatte, die älteren Datums ihm aber nach wie vor zu schaffen machten. "Alors", sinnierte der Montaigner und zwirbelte seinen Schnurrbart, während er die rührende Szene zwischen Ingrid und deren Tochter verfolgte, "ein wenig Er'olung vor der nächsten 'erausforderung iest wohl für uns alle vonnöten, en effet..."

Mondragor

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #290 am: 28.03.2021, 17:57:58 »
Eine kurze Rast war tatsächlich das, was alle nach diesem doch aufreibenden Kampf benötigten. Sie versorgten zumindest ihre Wunden, so weit es die Umstände zuließen, und ruhten ein wenig aus. Länger jedoch wollte niemand von ihnen in diesem gottverlassenen Gebäude bleiben - andere würden kommen und die Burg womöglich wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzen; oder aber, sie würde geschliffen werden, um jeden Rest des Fluches zu zerstören, der noch vorhanden sein mochte.
Stattdessen brach die Gruppe auf und schlug erst das Nachtlager auf, als die Burg außer Sichtweite war. Trotz des unheimlichen Waldes fühlten sich hier doch alle sicherer als dort, und tatsächlich schien es ihnen auch, als wäre mehr Licht und mehr Leben in den Wald zurückgekehrt.

Nach einer ruhigen und tatsächlich erholsamen Nacht besprach man nun die weiteren Schritte. Die Nachricht, dass womöglich Roswitha von Wirsche hinter dem Fluch der Baronin steckte oder ihr Einfluss zumindest bereits bis in den Angenehmen Wald reichte, hatten alle jetzt erst wirklich realisiert. Schließlich war es die gleiche Roswitha von Wirsche, die die Heimat von Baron Tristan bedrohte; immerhin gab es die Hoffnung, dass ihre Taten hier sie zumindest zu einer Denkpause zwingen würden.

Unabhängig davon waren noch einige lose Enden zu vernähen: Ingrid hatte sich in den Augen aller, auch des Barons, ihre Absolution verdient, und so begnadigte er sie, ob zuständig oder nicht, in offizieller Manier. Er verfasste sogar ein Begnadigungsdokument für sie, das er mit seinem Siegel signierte - auch wenn dies wohl eher ein symbolischer Akt war. Bald darauf trennten sich auch die Wege von Mutter und Tochter von denen der restlichen Gruppe, und nach einem kurzen, aber intensiven Abschied brach sie gen Osten auf.
Sie hatte sich sogar angeboten, Leon zu seiner Familie zurückzubringen, doch diese Ehre wollte Erich sich nicht nehmen lassen. So ritten sie einen nicht ganz kleinen Umweg und erreichten schließlich das Dorf, zu dem der Junge sie geführt hatte, nicht ohne den Atem anzuhalten, was sie dort wohl erwarten würde; schließlich war es durchaus möglich, dass der lange Arm der Baronin noch das eine oder andere weitere Opfer gefordert hatte.

Doch tatsächlich war dies nicht der Fall: Als Leon sich dem Haus seiner Eltern näherte, ertönte plötzlich ein greller Schrei, und einen Moment später rannte eine Frauengestalt wie eine Furie auf den kleinen Mann zu, um ihn mit einer Umarmung beinahe zu erdrücken, dicht gefolgt von ihrem Mann, der sich ebenfalls auf die beiden Umschlungenen stürzte.
Überströmt von Tränen des Glücks bemerkten die beiden schließlich die berittene Gruppe, mit der Leon gekommen war, während sich nach und nach von überall her weitere Dorfbewohner näherten und das Wunder beobachteten.

Es folgte eine Herzen und Umarmen, Dankesbekundungen und Lobpreisungen, die nicht abklingen wollten. Es schien, als ob jeder Bewohner des Dorfes jedem der Reisenden persönlich für das danken wollte, was sie getan hatten; so manch einer traute sich sogar, die Fremden, die so offensichtlich einen höheren Status hatten, anzufassen. Währenddessen gab Leon mehrfach, da immer wieder andere es hören wollten, seine Geschichte, die seiner Rettung und die des Sieges über die Baronin zum Besten. Und wirkte er zu Beginn noch überwältigt und ängstlich, so wurde die Geschichte von Mal zu Mal selbstsicherer vorgetragen, und stolz zeigte er das Schwert, das der Baronin den Kopf gekostet hatte.

Die zahlreichen Geschenke, die ihnen angeboten wurden, lehnten sie dankbar ab - schließlich hatten die Dorfbewohner selbst kaum etwas; dass dies keine reiche Siedlung war, hatten sie schnell erkannt. Doch zumindest ein Festmahl zu ihren Ehren konnten sie nicht ablehnen, und so kam es, dass sie auch noch den Abend hier verbrachten, an einer großen Tafel unter Mondschein, und bei gutem Essen und Getränken für einen Moment ihre sonstigen Sorgen vergessen konnten.

Doch jeder Abend geht einmal zu Ende, und nach einer zu kurzen Nacht auf weichem Stroh brauchen sie nun endlich nach Freiburg auf...

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