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Autor Thema: Kapitel 2: Der Angenehme Wald  (Gelesen 2532 mal)

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Mondragor

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #165 am: 08.05.2020, 13:55:34 »
"Hm?"
Der Baron schien erst jetzt die Anwesenheit der anderen zu bemerken.
"Wir tun weiter, was wir geplant hatten: Wir gehen zur Burg und befreien diesen Landstrich von der Baronin und ihren düsteren Machenschaften. Danach, sollten wir erfolgreich sein und noch leben, reisen wir nach Freiburg."

Friedrich wartete, ob noch mehr kommen würde, doch das schien für den Moment alles zu sein, was Baron Tristan offenbaren wollte.

Mondragor

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #166 am: 16.05.2020, 18:00:37 »
Nach einer ganzen Weile kehrte Hannah mit einem zufriedenen Ausdruck auf ihrem Gesicht wieder zurück zu den anderen. Auch wenn alle die Ruhe und den Frieden dieses Ortes genossen, war ihnen doch klar, dass der Zeitpunkt des Abschiedes von Perchta nun gekommen war, und auch Perchta selbst machte keine Anstalten, sie in irgendeiner Weise aufzuhalten.

Es war eine kleinere Gruppe, die sich nun aufmachte, die Burg Düster aufzusuchen, und jeder von ihnen hatte bei der alten Frau irgendeine Veränderung erfahren, manche mehr, manche weniger. Am ausgeprägtesten schien dies bei Ingrid der Fall zu sein, die plötzlich aufrechter ging und die es nun an die Spitze der Gruppe drängte. Außer ihr waren es noch Louis, der Montaigner, die beiden Kreuzritter Friedrich und Erich, und Jelena und Hannah, die sich inzwischen als magiekundig offenbart hatten. Und natürlich war der Baron Tristan immer noch bei ihnen, wegen dem sie die Reise ja eigentlich unternahmen.

Finnegan O'Dougal, Don Tristan de la Verde und Juan Felipe Fernandez jedoch ließen sich nicht mehr umstimmen und blieben tatsächlich bei Perchta. Ob sie dort Tage, Wochen oder sogar Jahre verbringen würden, wusste noch niemand so genau. Der Abschied fiel einigen bereits jetzt schwer, obwohl sie sich alle noch nicht lange kannten, doch letztlich verlief er kurz und schmerzlos und bald fanden sich die übrigen Reisenden wieder auf einem schmalen Waldweg.

Vielleicht hatte Perchta ihnen zum Abschied noch eine Art Zauber mitgegeben, vielleicht lag es auch an etwas anderem, aber sie hatten nun keine Mühe mehr, ihren Weg beizubehalten und bald erkannte Ingrid die Umgebung wieder.
"Es ist nicht mehr weit bis zu der Burg." sagte sie schließlich. Vielleicht noch eine Stunde, und bald sollten wir sie hinter diesen Hügeln dort sehen können.

Tatsächlich erhob sich dicht vor ihnen eine kleinere Hügelkette, der sie sich nun in der langsam anbrechenden Dämmerung näherten. Auf ihrem Weg fanden sie sich kurz darauf vor einem offensichtlich lange verlassenen Friedhof. Die Gräber waren inzwischen überwuchert und die Grabsteine teils geborsten. Doch auch eine kleine Kapelle befand sich auf dem alten Gelände, und merkwürdigerweise drangen von dort plötzlich Stimmen zu ihnen durch und übertönten das Krächzen der Krähen auf den Bäumen.

Louis de Fromage Puant

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #167 am: 17.05.2020, 13:37:44 »
Louis hatte sich vor dem Aufbruch in aller Form bei Perchta bedankt und sich dabei sogar zu einem Handkuss nach allen Regeln der Kunst überwunden, so die alte Frau diesen denn akzeptiert hatte. Er hatte seinen alten Degen mit aller Sorgfalt in eine Pferdedecke gewickelt und hinter seinem Sattel festgeschnallt, denn das Wehrgehänge des sichtlich stolzen Montaigners zierte nunmehr "La Danseuse". Zwar hatte der Musketier die Geschenke Perchtas an seine Begleiter ebenfalls zur Kenntnis genommen und teilweise angesichts der Grozügigkeit staunend die Augenbrauen gehoben, doch es konnte kein Zweifel darüber bestehen, dass er den Wert der Klinge an seiner Seite bei weitem am höchsten taxierte.

Ihm schien es wenig überraschend, dass man jetzt so zügig vorankam, wo sich der Wald zuvor als geradezu unüberwindliches Hindernis präsentiert hatte, denn, wie er seinen Schnurrbart zwirbelnd mit einem Lächeln bemerkte: "Diese Begegnung war eine Zeischen, Mesdames et Messieurs! Wir können über'aupt niescht scheitern, mein Wort darauf!" Als man in Höhe des einsamen Friedhofs angelangt war und von dort unvermittelt Stimmen aufklangen, legte er die Hand unternehmungslustig auf den Griff seiner neuen Waffe, ließ aber den Blick zu seinen Begleitern schweifen. "Wir sollten womögliesch nachsehen, was siesch dort tut, bevor wir irgendwelsche 'alunken in unsere Rücken 'aben, n'est-ce pas?" fragt er munter.

Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #168 am: 18.05.2020, 04:08:02 »
Es war offensichtlich, dass der Baron mit dem, was Perchta ihm gesagt hatte, zu kämpfen hatte. Friedrich war zwar mit der Antwort nicht wirklich zufrieden aber er ließ den Baron in Ruhe nachdenken. Die Gruppe hatte ein Ziel und dank Perchtas Zauber fanden sie auch endlich den Weg durch den Wald. Obwohl der Besuch bei der alten Frau kurz gewesen war, hatte er sie alle auf die ein oder andere Weise verändert. Nur in welchem Umfang, das würden sie wohl noch herausfinden. Leider war die Gruppe um einiges kleiner geworden, was in Anbetracht ihrer Aufgabe wirklich nicht gut war aber die Geschenke Perchtas würden diesen Nachteil hoffentlich etwas ausgleichen. Friedrich hatte das Buch Myrddins sorgfältig mit einem Tuch umwickelt und mithilfe einer dünnen Kette an seinem Gürtel befestigt - so wie sein anderes Buch auch.
Sie waren eine Weile unterwegs, bis sie endlich wieder auf etwas anderes als den Wald trafen. Ein Friedhof samt Kapelle. Während der Friedhof verlassen und nicht sehr gepflegt aussah, waren definitiv einige Personen in der Kapelle. Seltsam. Louis hatte recht. Sie konnten nun nicht vorsichtig genug sein. Ihre Aufgabe war tödlich und sie konnten sich keinen Fehler erlauben. Mögliche Gegner, die ihnen in den Rücken fallen konnten, waren das Letzte, was sie brauchten. Er nickte also. "Ja, wir sollten sichergehen, dass keine Gefahr von diesen Personen ausgeht." Sicherheitshalber lud er einen Bolzen in seine Armbrust und behielt diese außer Sichtweite in seiner linken Hand. Er hatte kein gutes Bauchgefühl bei dieser Sache.

Erich Janina Graustein

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #169 am: 19.05.2020, 08:23:14 »
Voller neuem Tatendrang und stolz auf sein neues Schwert schwang Erich sich auf sein Pferd und folgte der Gruppe dann in Richtung Burg.
Als sie dann zusammen auf dem Friedhof angekommen waren und die Stimmen aus der Kapelle hörten, nickte Erich nur und stieg dann von seinem Pferd ab. Er zog sein Schwert und deutete den anderen an das sie ihm leise folgen sollten, denn es war ein guter Plan sich erst einmal in der Kapelle um zu sehen.

Jelena Sejm Petrasowna

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #170 am: 22.05.2020, 17:42:34 »
Jelena hörte Louis Erklärung aufmerksam zu und verlangte dann, auch wenn sie nur bruchstückhaft schien, keine weiteren Details. Es war seine Entscheidung. Die Montaigner schienén Frauen noch seltener in stehende Truppen aufzunehmen als Ussurien. Und aus Sarmatien war sie auch andere Standards gewöhnt. Was umgekehrt bedeutete, die Dame muss wirklich vortrefflich gewesen sein. Anerkennend meint sie: "Dann haben wir umso mehr Glück, das sie zu uns gekommen ist." Kurz war sie versucht, ihn daran zu erinnern, dass sie mit vergleichbaren Motiven den Diervas geborgen hatte, doch wurde ihr schnell klar, dass der Vergleich hinkte.

Perchtas Bitte um Hilfe beim Abräumen nahm sie gerne an und nutzte anschließend die Zeit, die die weise Frau mit Hannah fort war, um ein wenig mit den Kindern zu spielen oder ihnen, falls sie es woünschten, eine Geschichte zu erzählen.

Auch Friedrich bekam Dank für seine erklärenden Worte. Als der Test misslang, wirkte sie ein wenig enttäuscht. "Hoffentlich wird die Antwort, die die Aufzeichnungen in einer solchen Notsituation gibt, nicht zu kryptisch sein. Da verlassen wir uns ganz auf dein Wissen, Freund."

Jelena schloß sich Friedrichs Frage an den Baron an und reagierte sogar verhalten, als das nächste Ziel genannt wurde. Zunächst beliße sie es bei einem: "Das passt doch gut, die Baronin ist uns auch wichtig." Mit etwas Zögern bekannte sie dann: "Zu Freiburg habe ich einige - wenig angenehme - Gerüchte gehört und es ist mein Reiseziel hier in den Eisenlanden. Zu einem geeigneteren Zeitpunkt sollten wir unser Wissen vergleichen und sehen, ob meine persönliche Mission kompatibel ist mit unserer."

Bei der Verabschiedung von Perchta und Tristan ließ Jelena ehrliches Bedauern erkennen, bei Finnegan und Juan eher höfliches. Auf dem Weg überließ sie nun Ingrid die Führung, achtete aber darauf, dass sie im Zweifel den Weg auch finden würde. Sie hielt sich in der Nähe von Hannah auf und fragte rundheraus: "Da ihr nun mit uns weiterreist, wiederhole ich meinen Vorschlag, nein, meine Bitte: Können wir uns über unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten austauschen? Insbesondere, wenn ihr einen bestimmten Schrecken jagt, können wir sicher helfen, falls nciht, biete ich meine Hilfe trotzdem an, ein paar meiner Künste könnten euch eure Aufgabe erleichtern."

Mit Ankunft am Friedhof verkündete Jelena leise: "Sollte die Toten hier nachts aufstehen, ist mir etwas bekannt, womit ich sie in meiner Nähe schwächen kann. Bleibt dann am Besten bei mir." Zur Untersuchung der Stimmen in der Kapelle nickte sie nur, rutschte elegant vom Pferd und nahm die Zügel von anderen an, die ihre Hände frei haben wollten. Dann folgte sie leise mit wenigen Schritten Abstand den anderen auf dem Weg zum Gemäuer.

Mondragor

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #171 am: 24.05.2020, 10:24:07 »
Erich führte die kleine Gruppe an, dich gefolgt von Louis, und ging vorsichtig auf die Kapelle zu. Hinter ihnen folgten Friedrich und Jelena, während Hannah und der Baron die Nachhut bildeten. Als Erich sich dem offenen Eingang näherte, erblickte er ein schauriges Bild.

Es handelte sich um eine ehemals vaticinische Kapelle, doch jegliche derartige Symbolik war mit verdrehten Runenschriften verdeckt. Die Kirchenbänke waren zertrümmert und zur Seite geworfen, nur der Altar stand noch. Um ihn herum standen Figuren, die in einer fremdartigen Sprache sangen, die niemand von ihnen zuordnen konnte. Louis, der knapp hinter Erich folgte, durchfuhr es wie ein Blitz: Die Roben der Figuren waren von grüner und gelber Farbe, und er erkannte mit einem Schlag, dass er diese Szene bereits einmal gesehen hatte.[1]

Doch das schaurige an der Szene war der Junge, fast noch ein Kind, der an den Altar gebunden war und nun flehend zu schreien begann. Über ihm gebeugt stand eine weibliche Gestalt, die offensichtlich nichts Gutes im Schild führte.
 1. Louis und auch Jelena erhalten für die folgende Szene eine zusätzliche Steigerung.

Hannah Waldeck

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #172 am: 24.05.2020, 13:42:05 »
Hannah war mit dem Unterricht bei Perchta sehr zufrieden. Mehrere kleine Gefäße mit dem Produkt des Lernens waren in den Taschen ihres Gürtels verstaut. Sie verabschiedete sich von Perchta mit einer tiefen Verbeugung. "Ich danke Euch, dass ihr mich an Eurer Weisheit und Eurem Wissen teilhaben lassen habt. Ich verspreche, alles was ich gelernt habe nur zum Wohle der Lebenden einzusetzen." Die Eisenländerin fühlte sich erfrischt und frohen Mutes, als sie aufbrachen.

Während des Rittes sprach sie mit Jelena. "Die Eisenlande leiden unter den Folgen der Vergangenheit. Schatten bedrohen die Lebenden, verfluchte Gestalten quälen das Land. Es gibt tapfere Männer , die mit Schwertern und Wissen das Böse bekämpfen." Sie deutete auf Friedrich und Erich. "Doch auch Frauen stellen sich dem Kampf. Wir sind nicht so auffällig wie die Krieger. Wir reisen oft unerkannt durch die Lande, bringen Heilung. Manche sind Hebammen, manche einfache Kräuterfrauen. Doch unser Wissen geht weiter, tiefer. Wir nutzen unser Wissen, um die Toten in ihren Gräbern zu halten." Über die genauere Natur ihrer Magie schwieg Hannah sich aus.

Als sie die Kirche erreichten sprang auch sie vom Pferd. "Genau das ist auch mein Ziel, die Toten sollen ruhen und bleiben wo sie sind." sagte sie entschlossen und folgte hinter den beiden Kriegern in Richtung der Kapelle. Sie hielt sich so hinter den  beiden, dass sie deren Rücken deckte, so dass sie nicht sehen konnte, was sich im Altarraum abspielte.

Mondragor

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Kapitel 2: Der Angenehme Wald
« Antwort #173 am: 24.05.2020, 18:41:20 »
Noch ehe Erich und Jelena handeln konnten, hob die weibliche Gestalt den Kopf und blickte die Eindringlinge lächelnd an.
"Heute werden wir gut schmausen, meine Kinder. Bringt sie zu mir, in Stücken!"
Es war Agathe Baderbaasch, die dort gerade dabei gewesen war, unsägliches mit dem Jungen anzustellen!

Doch noch während ihre Worte erklangen, verschwand sie an Ort und Stelle in einem Nebel - und ihre Anhänger wandten sich Erich und den anderen zu.

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