Autor Thema: Kapitel III: Das Lied der Zeiten  (Gelesen 1739 mal)

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Laura Ann

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Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« Antwort #30 am: 15.04.2020, 13:09:50 »
Laura Ann hört Ayleen aufmerksam zu. "Du hast so scharfe Augen Ayleen und Eddy kann aus seiner Höhe bestimmt auch alle Spuren mit Leichtigkeit verfolgen. Er kann so auch Feinde in flacher Landschaft erspähen" Dass Eddy natürlich genauso leicht von Verfolgern oder Feinden zu sehen ist, entgeht der arglosen Satyrin. "Und wir sind nicht mehr so wehrlos." Eifrig nickt sie und wirbelt ihren Speer übermütig einige Male um ihren behörnten Kopf. Sie dreht sich um die eigene Achse und stößt den Speer unsichtbaren Feinden entgegen.

 Dann stockt sie und legt den Kopf schräg. "Etwas zum Transport von Flüssigkeiten..... Flaschen, Krüge könnten zerbrechen. Fellflaschen, Bälge..." Die Stimme der Satyrin wird immer leiser. Für solche Dinge bieten sich die Bälge von kleineren Tieren perfekt an. Nicht so kleinen wie Hasen oder Füchsen. Eher schon die Größe von Rehen oder - Ziegen. LauraAnn sieht sich schnell um und spürt, wie sich ihre Nackenhaare aufrichten. Der Übermut ist verflogen. Worin transportieren die Felsleute ihre Wasservorräte? In Bälgen oder Krügen?

Changeling

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Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« Antwort #31 am: 16.04.2020, 14:02:34 »
Das Angebot Ayleens bedenkt der Friedensbringer mit einem leichten Lächeln. "Ich sehe deinen Willen und danke" meint er ruhig. "Doch wenn ihr euer Ziel erreicht, dann verhindert ihr großes Unheil, das sagen mir meine Träume. Geht, findet eure junge Freundin und folgt gemeinsam dem Pfad, der für euch ausersehen ist, dann habt ihr mehr für mich und uns alle getan, als ich verlangen kann." Seine Worte klingen noch in ihrem Kopf nach, als sie sich zur Ruhe legt, und sie scheinen sie auch in ihren Schlaf zu begleiten wie die Hand eines Freundes auf der Schulter. Laura Ann dagegen und Ricky schlafen womöglich etwas unruhiger, denn tatsächlich müssen sie feststellen, dass für die Gefäße der Felsleute wohl so einige Ziegen ihr Leben lassen müssen – Ricky wechselt einen Blick mit dem Mädchen, bei dem sein schiefes Grinsen eher bemüht  wirkt. Sicher, es ist lächerlich, ihren Gastgebern böse Absichten zu unterstellen, aber irgendwie... haben auch die beiden Satyrn Gedanken, die sie in dieser Nacht noch lange durch ihren Schlummer begleiten und ihren Übermut, jedenfalls für eine Weile, etwas dämpfen. Auch Eddy wälzt sich unruhig auf seinem Lager hin und her. Einzig Sonnenauge scheint völlig ruhig und traumlos zu schlafen, zumindest rührt sich der Flussmann bis zum Morgen nicht mehr unter den Felldecken, die man ihnen gegeben hat. Die Sonne steht noch nicht hoch am Himmel, als sie von den Geräuschen des erwachenden Dorfes wieder aufgeweckt werden. Die Felsleute gehen bereits ihren Verrichtungen nach.

Auch Sonnenauge springt übergangslos erwachend auf, während der Troll seine mächtigen Glieder mit einem Gähnen streckt, das ihm den Kiefer auszurenken scheint. Als sie sich zu einem raschen Frühstück versammeln, können sie sehen, dass ihre Ausrüstung bereits von kundigen Händen zu kompakten Bündeln verschnürt wurde. Sogar Wasserbeutel, wie sie Laura Ann im Sinn hatte, sind darunter. Man stört sie nicht, doch nicken ihnen einige Dorfbewohner freundlich zu, während sie essen. Vom Friedensbringer fehlt jede Spur, wohingegen sich eine Weile nachdem sie erwacht sind der Anführer der Felsleute zu ihnen gesellt. In seiner Begleitung ist ein Felsmann von schwer bestimmbarem Alter mit verwittert wirkenden Zügen
[1]. "Dies ist Vier-Bären" erklärt der Mann ganz einfach. "Er begleitet euch. Vier-Bären war schon am Frostsumpf." Womit sich der Genannte recht unzeremoniell bei ihnen niederlässt und eine Pfeife entzündet, die aus einem plump wirkenden Tonkopf und einem kurzen hölzernen Mundstück besteht. Bedächtig zieht er an der Pfeife und stößt dann den Rauch in dünnen Kringeln aus, die in der frischen Brise hier oben schnell zerfasern. Bis auf ein kurzes "Mh", mit dem er sein grüßendes Nicken begleitet hat, hat er noch keinen Ton geäußert. Doch beide Männer geben sich ganz so, als sei seine Anwesenheit selbstverständlich und die Teilnahme an der Reise der Gefährten beschlossene Sache.
 1. Vier-Bärens Beschreibung findet sich hier.

Ayleen Chepi Anitsiskwa

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Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« Antwort #32 am: 10.05.2020, 18:33:05 »
Ayleen reagiert auf Lauras Anerkennung mit einem verhaltenen: "Wir werden sehen." So glücklich sie ist, endlich sie selbst zu sein und Anerkennung zu erfahren, so wenig ist sie es auch gewohnt. Den Speerstichen weicht sie mit einem gutmütigen Lächeln aus. Was den Flüssigkeitstransport angeht, nickt sie zustimmend.

Friedensbringers Worte nimmt sie mit einer Geste der Art "Wie es euch beliebt" entgegen. Als es anschließend zur Ruhe geht, bereitet sie ihr lager mit viel Sorgfalt vor und wünscht allen eine erholsame Nacht, wirkt aber in Gedanken. Mit ein wenig Abstand von allen kuschelt sie sich in die Decke, wobei den Bewegungen etwas Elegantes innewohnt. Falls einer der anderen Schläfer in ihrer Unruhe im Laufe der Nacht hinüberschauen, sehen sie eine entspannt schlafende Indianerelfe. Sie bewegt sich so wenig, dass sie am Morgen kaum verwuschelt aussieht.

Sie erwacht relativ früh und zieht sich für eine ordentliche Morgenwäsche zurück. Entsprechend spät kehrt sie zum Frühstück zurück, nimmt jedoch auch nicht viel zu sich. "Ich hoffe, ihr habt euch gut erholt?", fragt sie höflich und setzt dann fort: "Sobald alle bereit sind, sollten wir aufbrechen."  Sie inspziert ihr Bündel mit ein wenig Skepsis, denn sie ist sich ihrer geringen Kraft bewusst. Dabei kombiniert sie es mit ihren eigenen Sachen.

Die Steinmänner, vor allem Vier-Bären, begrüßt sie höflich: "Willkommen bei uns und vielen Dank für eure Hilfe. Habt ihr Fragen an uns oder über unsere Reise?" Sie lässt ihm eine großzügige Zeit zu Wort zu kommen, bevor sie mit ihrer eigenen Frage kommt: "Was mögt ihr uns über euch verraten im Bezug auf eure Erfahrungen mit der Reise und dem Frostsumpf? Worauf sollten wir bei euch achten und gibt es Aufgaben, die ihr gerne übernehmt?"
« Letzte Änderung: 10.05.2020, 18:33:44 von Ayleen Chepi Anitsiskwa »

Laura Ann

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Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« Antwort #33 am: 24.05.2020, 13:13:41 »
Als die  Satyrin am Morgen aufwacht gleicht ihr Äußeres ihrem Gefühl: Sie ist verwuschelt. Die Haare sind zerzaust und ihre Kleidung hat vom unruhigen Schlaf Falten bekommen.

Genau wie Ayleen nimmt sie sich die Zeit für eine kleine Morgentoilette, versucht die Haare wieder zu bändigen. Doch schnell merkt sie, dass sie heute wohl struppig aussehen wird, egal was sie versucht. Also fasst sie ihre Haare zusammen und bindet ein dünnes Lederband darum. Jetzt kann man ihre Ziegenhörner deutlich sehen. Ihren Rock streicht sie mit den Händen ein wengi glatt, das muss reichen.

Beim Frühstück sitzt sie schweigend neben Ricky, der ebenso zerzaust wie sie ist. Als sich Vier-Bären zu der Gruppe setzt neigt sie den Kopf."Willkommen. Danke, dass ihr uns begleitet. " Sie mustert ihn neugierig, während sie weiter isst. Den Fragen Ayleens hat sie nichts hinzu zu fügen.

Changeling

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Kapitel III: Das Lied der Zeiten
« Antwort #34 am: 26.05.2020, 14:39:33 »
Das Frühstück, hauptsächlich aus Trockenfleisch, ebenfalls getrockneten Beeren und einer Art Suppe mit nicht näher zu identifizierenden Wurzeln und Kräutern besteht, nimmt nicht allzu viel Zeit in Anspruch. Abgesehen von Eddy mit seinem Appetit, der seinen Körpermaßen entspricht, fällt hier niemand besonders auf. Die Sonne beginnt dennoch allmählich höher zu wandern und die hier oben sehr frische Luft ein wenig zu wärmen, bis sie die einfache Mahlzeit beendet, sich gewaschen und ihr Gepäck noch einmal nachgesehen haben. Ricky hat auf Ayleens Frage mit einem fröhlichen Grinsen genickt, Sonnenauge gemessener, während Eddy grinste: "Alles roger!" Hier scheint der Eddy aus dem Internat durch, den es sichtlich amüsiert, wie die beiden Felsleute ihn bei diesen Worten aus einer anderen Welt stirnrunzelnd anschauen. Die zwei Männer sehen ihnen ansonsten bei allem unbewegt zu, und erst als sie sich zum Aufbruch anschicken, steht Vier-Bären auf, um aus einer der nahen Hütten ein kleines Bündel, einen stabil wirkenden Speer und ein daran gebundenes Beil mit steinerner Klinge zu holen – offenbar sein gesamtes Gepäck.

Er selbst hat auf das Angebot, seine Fragen zu beantworten, nur kurz gebrummt: "Ihr wollt dorthin, wo der Winter niemals schläft, und Vier-Bären kennt den Weg." Mit dieser Feststellung hat sich das Gespräch wohl für ihn erledigt, denn als Ayleen ihn ihrerseits befragt, tauschen die beiden Felsmänner einen weiteren wohl leicht konsternierten Blick aus. Ricky beugt sich zu Laura Ann und flüstert: "Die kriegen die Zähne aber auch kaum auseinander, was?" Allzu tief scheint ihn das aber nicht zu berühren, denn der junge Satyr zwinkert ihr dabei zu. Über Vier-Bärens verwitterte Züge gleitet dagegen etwas, das man mit etwas Fantasie als nachsichtiges Lächeln interpretieren könnte, als habe sich Ayleen gerade außergewöhnlich geschwätzig gezeigt. Dennoch bequemt er sich zu einer neuerlichen Antwort: "Zweimal ging Vier-Bären in den Sumpf aus Kälte. Als Jüngling verfolgte er ein Wild und geriet hinein, ohne es zu wollen. Später holte er dies, um die Bären des Gebirges zu jagen." Damit weist er auf die Spitze seines Speers, die weder aus Metall, noch aus Stein oder einem anderen Material besteht, das die Gefährten so ohne weiteres identifizieren könnten.

Es ist Eddy, dem es nach einigen Momente des Schweigens entfährt: "Ein Reißzahn – verdammich, das ist ein
Zahn..!" Der Troll klingt beeindruckt, und wenn man die Größe des milchig weißen, fast unterarmlangen Dings bedenkt, ist das auch wenig verwunderlich. "Hast du das Tier selbst erlegt?" fragt Sonnenauge aus dem Hintergrund mit kugelrunden Augen. Doch zu ihrer Enttäuschung – oder Erleichterung? - schüttelt Vier-Bären den Kopf. "Niemand sah jemals Den, Der unter dem Sumpf ruht. Auch Vier-Bären nicht. Er betete, und so führte ihn eine Vision, damit er finden konnte, was er brauchte." Über diese Erklärungen haben sie alle ihre Bündel zusammengestellt und können sich nun auf den Weg machen. Die Felsleute verabschieden sie so einfach, wie es ihre Art ist: Ein Nicken hier, eine zum Abschiedsgruß erhobene Hand dort. Eine Frau steckt ihnen noch eine süße Nascherei aus Honig zu, ein alter Mann beschwört mit einer durchdringend klingenden Rassel Geister zu ihrem Schutz auf dem Weg – doch niemand hält lange Reden. Selbst die Kinder, die zwischen den Hütten auftauchen, sehen ihnen stumm nach, ohne lachend zwischen ihnen umherzutollen, wie das bei den Flussleuten der Fall war.

Dennoch haben sie den Eindruck, dass ihnen viele gute Wünsche folgen, wie sie sich so langsam an den Abstieg aus den Höhen des Felsreichs zurück in die umliegende Ebene machen: Ein Troll, zwei Satyrn, ein junger Flussmann, eine indianische Elfe und ein schweigsamer Felsmann.