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Autor Thema: Kapitel 3: Der hungrige Sturm  (Gelesen 8173 mal)

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Solitaire

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #225 am: 31.08.2020, 14:18:27 »
Solitaire kehrte wieder zurück in das Turmzimmer, als Tunuak gerade zu Boden ging. Erleichtert atmete die junge Frau auf. Das war nochmal gutgegangen. Hoffentlich waren die beiden Wachen des Häuptlings noch am Leben. Viel für sie tun konnte sie allerdings nicht, das würde Rumar schon übernehmen.

Daher ging sie zunächst zu Bard und sagte ihm: "Es tut mir leid, dass ich Dich mit meinem Zauber geblendet habe, aber der Raum war zu klein, um uns alle zu verschonen. Und ich musste ihn sichtbar machen. Er ist jetzt besiegt und die Blendung hält auch nur kurz an und wird gleich vorrüber sein."

Dann wandte sie sich an Häuptling Nalvanaq. "Jetzt habt Ihr mit eigenen Augen gesehen, wozu er fähig ist. Wir können Euch später auch noch die Höhle zeigen, aber ich bin mir auch jetzt schon sicher, dass Ihr nun nicht mehr an unseren Worten zweifeln werdet. Mit Eurer Erlaubnis würde ich mich hier gerne etwas näher umsehen, vielleicht finden wir noch Hinweise darauf, was ihn in die Arme seiner finsteren Herrin getrieben hat, auch wenn seine eigenen Worte ja schon sehr aufschlussreich waren. Ich weiß nicht, wie man erwarten kann, dass solche Wesenheiten einem Schutz bieten, wo sie doch nur korrumpieren und verderben wollen. Wie man nicht erkennen kann, dass ein solcher Weg Iqaliat auf Dauer nur zugrunderichten wird, ist mir schleierhaft."

Während sie auf eine Antwort des Häuptlings wartete, wirkte sie einen einfachen Zauber, um sich in dem Raum noch etwas umzusehen[1].
 1. Detect Magic

Mondragor

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #226 am: 31.08.2020, 18:13:58 »
Häuptling Nalvanaq stand mit verstörtem Blick vor seinem früheren Freund und konnte offenbar immer noch nicht glauben, was dieser gerade von sich gegeben hatte.
"Wir haben soviel gemeinsam durchgemacht; was hat dich nur dazu gebracht, dich gegen Iqaliat zu wenden? Was hat deinen Geist dermaßen verwirrt?" murmelte er, bevor er auf Solitaire reagierte.

"Ja, durchsucht diesen Ort, vielleicht findet ihr etwas, was sein Verhalten erklärt. Nehmt alles, was ihr brauchen könnt; ich will nichts hier im Dorf behalten, was an diesen Verräter erinnert. Die Höhle, von der ihr gesprochen habt, möchte ich jedoch sehen - vor allem die Zeichnungen, die ihr erwähnt habt.[1] Doch er sagte etwas davon, dass er den Drachen gegen uns gehetzt hat! Wie hat er das gemacht? Werden die Angriffe jetzt enden?" fragte er hoffnungsvoll.
 1. Ich nehme mal an, dass ihr das nicht verschwiegen habt.

Solitaire

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #227 am: 31.08.2020, 18:58:01 »
"Das kann ich nicht sagen. Ich hatte ja bereits das Drachenei erwähnt. Es wird von eben jenem Drachen stammen. Tunuak muss es irgendwie gestohlen haben und dafür verwendet haben, den Drachen gegen Eure Stadt aufzuhetzen, damit er einen Grund hat, von seinem 'Zorn der Windgeister' zu predigen, natürlich mit dem Hintergedanken, alle Erutaki hier in die Finsternis zu führen. All das war erfunden und gelogen. Es tut mir wirklich sehr leid. Es muss schwer sein, zu sehen, was aus Eurem ehemaligen Freund geworden ist. Wir können nur versuchen, mit den Resten des Eis, die wir in der Höhle gefunden haben, zum Drachen zu gehen, in der Hoffnung, dass er uns anhören wird. Vielleicht lässt sich die ganze Situation ja diplomatisch lösen. Das hatten wir ja ohnehin vor, nur dass wir jetzt mehr darüber wissen, was dahintersteckt."

Mugin Sanderbarrel

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #228 am: 02.09.2020, 20:19:08 »
"Wir müssen auch entscheiden was mit Tunuak nun passieren wird," sagte Mugin. "Die Entscheidung solltet wohl ihr treffen, Nalvanaq. Doch auch wenn er ein alter Freund von euch ist, glaube ich nicht das er noch zu klaren Verstand kommen wird. Tunuak ist äußerst gefährlich und ihn nur einzusperren wird ihn nicht davon abbringen weiterhin seiner dunklen Götze zu dienen."

Das Eidolon das den bewusstlosen Mann im Auge hielt meldete sich zu Wort: "Am sichersten wäre es ihn hier und jetzt zu töten." Man hörte die kalte Logik aus ihr sprechen.
« Letzte Änderung: 02.09.2020, 20:21:19 von Mugin Sanderbarrel »

Bard Windwärts

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #229 am: 03.09.2020, 16:03:49 »
Bard versuchte, sich zu orientieren. Tunuak musste nah sein, vielleicht sogar direkt vor ihm. Laut den Kampfgeräuschen war das Geschehen möglicherweise nur eine Armlänge entfernt. Komplett sicher konnte Bard nicht sein. Doch er wagte es nicht, zurückzuweichen - denn nun über einen der am Boden liegenden Wächter zu stolpern oder sogar die Treppe hinunterzufallen, würde seine Lage noch misslicher machen. Es blieb, darauf zu hoffen, dass Tunuak von Garridan genug beschäftigt wurde, dass er nicht dazu kam, Bards Angreifbarkeit auszunutzen.

Quälend langsam verstrichen die Sekunden, in denen Bard damit rechnete, jederzeit neuen Verletzungen zu erfahren oder niedergestreckt zu werden... in denen Bard bei jedem Geräusch zusammenzuckte. Allerdings kam das Ende des Konflikts so schnell wie er angefangen hatte. Das flaue Gefühl in der Magengegend verschwand, die Schmerzen und die Blindheit blieben jedoch, was Bard nicht gerade beruhigte. Erst als er Solitaires Stimme neben sich vernahm, die ihm versicherte, dass der Zauber bald verfliegen würde, brachte ihn dazu, zumindest zu versuchen, sich zu entspannen.
      „Schon gut“, murmelte Bard als Antwort auf ihre Entschuldigung. „Tunuak musste aufgehalten werden.“ Übel nahm er es ihr wirklich nicht, aber es wäre ihm lieber gewesen, sie hätte einen anderen Weg gefunden. Es war schon erstaunlich, wie absolut hilflos man sich ohne den Sehsinn fühlte. Bards innerer Wunsch nach Ruhe und Frieden war mit diesem Erlebnis definitiv noch zusätzlich gewachsen.
      Nach einigem weiteren Blinzen kehrte Bards Augenlicht tatsächlich zurück – und dafür war er wirklich dankbar. Der Anblick des Schadens, den Tunuak angerichtet hatte, war allerdings furchtbar genug, dass Bard sich nicht darüber freuen konnte, dass der Schamane besiegt war.
      „Ein Käfig oder Fesseln halten nicht davon ab, Magie zu wirken“, kommentierte Bard die laufende Diskussion. Bard wich möglichen Blicken, die auf ihn wechselten, aus. Er wusste, wovon er redete.
      „Nicht unbedingt, jedenfalls“, fügte er nach einer geringfügigen Pause hinzu und sank dann auf die Knie, um seine Aufmerksamkeit den am Boden liegenden Leibwächtern zuzuwenden. Lebten sie noch? Bard prüfte das mit sichtlicher Sorge und seine eigenen Wunden ignorierend, während er weiterredete. Er hatte sich zwar nicht darauf vorbereitet, heilende Magie zu wirken, aber ein bisschen Ahnung von Heilkunde hatte er durchaus, sodass er vielleicht zumindest ein bisschen helfen konnte, sie von der Schwelle des Todes fernzuhalten.[1]
      „Tunuak wird immer eine Gefahr sein, wenn er bei Sinnen ist. Solange wir nicht feststellen können, dass auch er besessen von einem Dämon ist, müssen wir davon ausgehen, dass sein eigener Verstand durch äußere dämonische Einflüsse verdreht wurde. Dämonen suchen Schwächen. Sie suchen Wünsche, seelische Wunden und Groll und verstärken und verdrehen das alles, bis ihr Opfer dem Wahnsinn verfällt und an die verdrehte Logik glauben, die ihnen eingetrichtert wurde. Das können wir nicht rückgängig machen – zumindest gehe ich davon aus, dass niemand von uns so mächtige Magie wirken kann. Ich kann es leider nicht.“
 1. Heal 22, um die Wachen zu stabilisieren, wenn möglich/nötig.

Solitaire

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #230 am: 03.09.2020, 16:35:33 »
"Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der alte Tunuak nocheinmal ans Licht kommt. Das hier ist nicht das Werk von Tagen oder Wochen, sondern von Monaten oder Jahren. Es muss schon ziemlich lange in ihm gebrodelt haben. Unzufriedenheit, die Suche nach Macht. Er ist wahrscheinlich in offene Arme gerannt, als er diese Katiyana gefunden hat, wer auch immer das sein mag. Und sie hat ihn ins Verderben gezogen. Aber es obliegt nicht uns über ihn zu richten. Das ist die Aufgabe seines Häuptlings."

Mondragor

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #231 am: 03.09.2020, 23:29:39 »
Nalvanaq stand immer noch nachdenklich da, während der Halbling nun die beiden Wachen des Häuptlings untersuchte. Für den ersten der beiden, so musste Bard schnell feststellen, kam leider jegliche Hilfe zu spät - er war tot. Doch der andere hatte noch einen leichten Puls, wenn auch er von dem Zauber des Schamanen heftig erwischt worden war. Bard handelte schnell und sachkundig, und nach einigen Minuten hob er den Daumen: Der Mann würde wohl überleben, wenn auch knapp. Doch er musste Nalvanaq auch die schlechte Nachricht vom Ableben der anderen Wache mitteilen.

Erst jetzt schien der Häuptling langsam zu sich zu kommen und nickte ernst. "Tunuak hat das schlimmste aller Verbrechen begangen. Nicht nur hat er sich in seinem Wahn gegen sein eigenes Volk gewandt, was bereits viele Leben gekostet hat. Nun hat er auch noch mit eigenen Händen kaltblütig einen Mord begangen, und dafür wird er büßen müssen. Doch ich kann nicht zulassen, dass ihr ihn hier und jetzt tötet. Er wird von der Gemeinschaft gerichtet werden, wie es bei uns Brauch ist. Das Ergebnis kann nur der Tod sein, doch ich kann diese Entscheidung nicht vorwegnehmen.
Ich bitte euch, uns noch einmal zu helfen und Tunuak festzuhalten, bis ein Urteil gefällt ist. Ich werde für den heutigen Tag die Gemeinschaft einberufen."

Mugin Sanderbarrel

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #232 am: 04.09.2020, 20:22:36 »
"Dann sollten wohl Solitaire und Garridan vor Ort sein, sollte er nochmal versuchen sich unsichtbar zu machen. Hm, eine Versammlung könnte gefährlich sein, immerhin wissen wir nicht wieviele eurer Leute von Dämonen besessen sind. Wir haben auch leider keinen Weg dies zu bestimmen, zumindest nicht das ich wüsste. Dämonologie ist leider nicht mein Fachgebiet, oder vielleicht ist das auch besser so." Mugin lächelte schmal. Er dachte über eine Lösung des Problems nach, doch fiel ihm dann etwas anderes ein. "Es könnte sich aber auch als gute Gelegenheit entpuppen. Seine Diener werden sicher versuchen ihm zu Hilfe zu eilen. So könnten wir herausfinden wer bessesen ist."

Solitaire

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #233 am: 06.09.2020, 14:40:28 »
"Selbstverständlich werden wir Euch zur Seite stehen, Häuptling. Wir werden dafür sorgen, dass er seine gerechte Strafe erhalten kann und Eure Bräuche eingehalten werden. Wenn wir ihm seine schamanistischen und dämonischen Symbole abnehmen und ihn fesseln, dürften seine magischen Fähigkeiten bereits stark eingeschränkt sein. Ich könnte, wenn es soweit ist, auch noch ein oder zwei von uns mit dem Schutzkreis belegen. Sie könnten sich dann durch die Reihen der Erutaki begeben, um vielleicht herauszufinden, ob noch mehr von ihnen besessen sind, wie Naquun es war. Bei ihm zumindest war es genug, ihn in den Wirkungsbereich des Schutzkreises zu bringen, um den Dämon aus ihm zu verbannen und ans Licht zu bringen. Es ist zwar keine absolute Gewissheit, aber zumindest eine Chance, um sicherzustellen, dass es nicht noch mehr von ihnen unter Euren Leuten gibt."

Mondragor

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #234 am: 11.09.2020, 00:37:29 »
Garridan und Solitaire ließen Tunuak keine Sekunde aus den Augen, während der Häuptling Vorbereitungen für die Verhandlung traf. Auch die anderen blieben bei ihnen, mit Ausnahme von Bard, der sich endlich auf die Suche nach Astrid begeben wollte, danach aber wieder zu ihnen stoßen würde - schließlich konnte es sein, dass er die Untaten Tunuaks bezeugen musste.

Für die anderen verlief der Tag recht unspektakulär. Unter der intensiven Bewachung hatte der ehemalige Schamane keine Gelegenheit, auch nur an Flucht zu denken, und so fanden sich alle schließlich später am Tag auf dem Hauptplatz des Dorfes ein, wo Nalvanaq zur Versammlung gerufen hatte.
"Bürger Iqaliats!" begann er und fuhr dann fort, sämtliche Schandtaten Tunuaks, von denen er wusste, den erschütterten Bewohnern vorzutragen. Während der Rede des Häuptlings bewegte sich Solitaire mit ihrem Schutzkreis langsam durch die Zuhörerschaft, doch an keiner Stelle geschah irgendetwas, was darauf hindeutete, dass Tunuak noch weitere Bürger der Stadt unter die Kontrolle eines Dämons gebracht hatte.

Die Rede Nalvanaqs war leidenschaftlich, und es dauerte eine ganze Weile, bis er alle Schandtaten des Schamanen in den ihm bekannten Details vorgebracht hatte. Immer wieder ließ er auch Bard oder einen der anderen zu Wort kommen, um ihre Erfahrungen und Sicht der Dinge darzulegen. Die Zuhörer hingegen wurden immer stiller, so entsetzt waren sie von dem, was sie zu hören bekamen. Am Ende war es Sonavut, die ebenfalls ihre Stimme erhob und die Worte des Häuptlings bestätigte. Beide bezeugten, dass Tunuak seine Sünden nicht nur gestanden hatte, sondern auch stolz darauf zu sein schien und in seinem Wahn keine Reue zeigte.

Schließlich trat Stille ein, aus der heraus sich erneut Nalvanaqs Stimme erhob: "Ihr habt nun gehört, was vorgefallen ist. Mir als Häuptling fällt es zu, ein Urteil zu fällen, über das ihr alle abstimmen müsst. In Anbetracht der Anschuldigungen kann es nur ein Urteil geben: Den Tod! Doch Tunuak war nicht immer dem Wahn des Bösen verfallen, und früher ein wichtiges Mitglied unserer Gemeinschaft. Daher soll ihm ein schnelles Ende mit der Klinge zuteil werden statt der grausame Tod am Galgen.
Wer sich diesem Urteil anschließt, der hebe nun den Arm!"


Überall hoben sich nach und nach die Arme der Anwesenden, bis nur noch wenige unten blieben. Das Ergebnis war deutlich. Ehe die Reisenden sich versahen, hatte Nalvanaq seine Klinge gezogen, war die wenigen Schritte zum gefesselten Tunuak gegangen und hatte ihm das Schwert mitten ins Herz gestoßen. Seine Rede mochte lang gewesen sein, doch bei der Vollstreckung des Urteils gab es kein Zögern. Die gesamte Dorfgemeinschaft beobachtete, wie der leblose Körper des Schamanen zu Boden sackte. Nur wenige Momente darauf leerte sich der Platz unter dem Schweigen der Leute; es gab weder Jubel noch offene Trauer. Nur einige wenige Wachen verblieben, um den Leichnam wegzuschaffen, doch ihm würde kein feierliches Totenritual zuteil werden wie der von ihm getöteten Wache, das am späteren Abend stattfinden würde.

"Kommt." sprach Nalvanaq nun die Abenteurer an, als er gemeinsam mit Sonavut auf sie zutrat. "Nun zeigt mir diese Höhle."

~~~

Wenige Minuten später standen sie alle zusammen am Grund der großen Höhle und sahen sich staunend die Wände und den Altar an. Schließlich kam Sonavut zu einem Schluss: "Diese blau leuchtenden Türme müssen die Namenlosen Spitzen sein. Das ist eine Ruinenstadt am Nordpol, wo unserem Glauben nach die Windgeister wohnen. Es ist ein gefährlicher Platz, doch auch eine Quelle großer Visionen für diejenigen, die mutig genug sind, den Gefahren zu trotzen. Tunuak selbst hat vor Jahren eine Pilgerreise dorthin unternommen."

Solitaire

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« Antwort #235 am: 11.09.2020, 08:46:09 »
"Vor Jahren? Dann könnte es gut sein, dass er auf dieser Reise Katiyana getroffen ..." mutmaßte Solitaire. "... und seinen Glauben verloren hat."

"Der Turm in dem mittleren Bild sagt Euch nichts?"

Rumar Endan

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #236 am: 17.09.2020, 05:30:29 »
Noch immer war Rumar von den Ereignissen, die sich um das Dorf herum ergeben hatten, geschockt. Tunuak hatte mit seinen Taten viel Leid und Schmerzen über die Bewohner des Dorfes gebracht. Doch nicht nur über sie, auch über Bard und die Gruppe. Den Drachen und die gesamte Natur, wenn man dem Halbling glauben durfte. Rumar war erleichtert, dass der Mann gestoppt worden war und verzog während der Versammlung am Hauptplatz und der anschließenden Hinrichtung keine Miene. Auch wenn er der Meinung war, dass es schlimmere Strafen als den Tod gab, so fand er das Urteil hier gerechtfertigt. Es wurde schnell vollstreckt und Tunuak musste nicht leiden. Die Dorfgemeinschaft nahm das alles sehr passiv auf. Wahrscheinlich brauchten sie Zeit, um das alles überhaupt zu realisieren und dann zu verarbeiten.
Anschließend betraten sie wieder die Höhle und betrachteten vor allem die fünf Piktogramme an den Wänden. Die Namenlosen Spitzen wurden die Türme also genannt. Eine Ruinenstadt, welche auch Tunuak besucht hatte. War er vielleicht dort korrumpiert worden? Sie konnten nur mutmaßen. Einer der Türme nahm einen besonderen Stellenplatz im dritten Bild ein und wurde zusammen mit einem schwarzen See gezeigt. Rumar wartete geduldig ab, was der Häuptling zu der Frage bezüglich dieses Turmes antworten würde.

Mondragor

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #237 am: 17.09.2020, 17:52:27 »
Sonavut überlegte eine Weile, doch dann antwortete statt ihrer der Häuptling.
"Ich kenne den Turm nicht, aber die Berge dort im Hintergrund können eigentlich nur die Alabastergipfel sein. Das ist eine Bergkette nördlich von hier, vielleicht 200 Meilen vom Pol entfernt."

Solitaire

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #238 am: 17.09.2020, 18:24:28 »
"Das ist doch ein Anhaltspunkt. Diese Orte werden eine wichtige Rolle in all dem hier spielen, soviel ist sicher. Wir werden sie also finden müssen, um die Stürme zu beenden, die höchstwahrscheinlich nicht zufällig aufgetaucht sind. Aber eins nach dem anderen. Besuchen wir erstmal den Drachen und sehen, ob wir da weiterkommen," schlug Solitaire vor.

Bard Windwärts

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Kapitel 3: Der hungrige Sturm
« Antwort #239 am: 21.09.2020, 15:13:55 »
Bard verabschiedete sich, um nach Astrid zu suchen, sobald der Häuptling die Rede vor dem Dorf gehalten und Tunuak exekutiert hatte, und machte mit den anderen aus, wo er sie finden könnte. Vielleicht würde er Stunden unterwegs sein, aber er wollte auf jeden Fall zurückkehren, und helfen, mit dem Drachen zu verhandeln und der dämonischen Verseuchung der Natur ein Ende zu bereiten.
      Man konnte nur hoffen, dass die Seele des Schamanen im Jenseits ihren Frieden fand. Wie bitter und erschreckend musste für die Erutaki die Botschaft sein, dass ihr weiser Mann und Beschützer gegen sie geplottet hatte?
      Hätte Bard auch nur eine geringe Möglichkeit gesehen, Tunuak von seinem Wahn zu befreien, hätte er versucht, dem alten Mann zu helfen und ihm den Tod zu ersparen. Hinrichtungen waren zwar auch in Bards Heimat üblich, aber er hatte sie noch nie gutgeheißen. Auch wenn der Tod ein Teil des Naturzyklus war, war das Hier und Jetzt, das Leben, etwas Schützenswertes. Selbst wenn dieses Leben einem Mörder gehörte. Um so jemanden aufzuhalten (was man unbedingt musste!), sollte man sich nicht selbst auf sein Niveau hinabbegeben und es „Gesetz“ und „Tradition“ nennen. Nicht immer, jedenfalls. Man sollte es vermeiden, fand Bard. In diesem Fall hatte er allerdings keinen anderen Weg gesehen. Gefährliche Magiewirker konnte man nicht einfach in eine Zelle sperren.
      Doch handelte es sich bei diesem Mörder wirklich um einen Mörder? Hatte Tunuak Schuld an seinen Missetaten oder hatte allein Katiyanas dämonischer Einfluss aus ihm gesprochen? Es war nicht festzustellen. Bard konnte deshalb nicht anders, als Mitgefühl und Bedauern für Tunuak zu empfinden – obwohl er selbst zum Opfer von Tunuaks Treiben geworden war.

Gedanken an Bards Tortur in der Höhle begleiteten ihn, während er aus Iqaliat hinaustrat. Wie viel Zeit hatte er dort eigentlich verbracht? Bard hatte sein Zeitempfinden vollkommen verloren. Fröstelnd schlang er seinen Mantel enger um sich. Es war nicht die Kälte, die ihn zittern ließ (immerhin sorgte Solitaires Zauber immer noch für angenehme Wärme), sondern eine eklige Kombination aus Erschöpfung, Schmerzen, Schuldgefühlen und üblen Erinnerungen an all das, was ihm widerfahren war, seitdem er hier am Rand des Hohen Eises angekommen war. Es war ihm als höre er immer noch das Flüstern des Abyss – besonders, als er nach der Ley-Energie der Wildnis tastete, um sich den Weg durch die verschneite Landschaft zu erleichtern.[1] Und er hatte keine Ahnung, wo Astrid abgeblieben war. Sie konnte sich zwar selbst mit Nahrung versorgen, war also nicht direkt von seiner Anwesenheit, um zurechtzukommen, aber er fürchtete, ihr könnte dennoch etwas zugestoßen sein. Eine Rieseneule wäre für Erutaki-Jäger vielleicht eine Bedrohung und für einen herumstreifenden Drachen bestimmt keine unattraktive Mahlzeit.

Die Landschaft war weit und weiß. So nah am Nordpol fand man nicht so viel Vegetation wie in Bards wald- und moorreicher Heimat, den Landen der Linnorm-Könige, aber für eine Schnee-Eule, selbst wenn sie so groß war wie Astrid, war die Umgebung dennoch ideal zum Jagen und Sich-Verstecken. Ihr weißes Gefieder tarnte sie gut in der eisigen Landschaft, also machte Bard sich geringe Hoffnungen, sie zeitnah zu entdecken. Sie würde ihn ohnehin eher erblicken als andersherum – zumindest, wenn sie wohlauf war, was er inständig hoffte. Es blieb Bard nicht viel anderes übrig, als durch die Gegend zu streifen, immer wieder ihren Namen zu rufen und in die Signalpfeife zu blasen, deren Ton sie gut kannte. Für Bard klang das Signal wie ein leises, schrilles Kratzen, aber für Vogelohren war es weithin vernehmbar.[2]
 1. Bard nutzt 2 investierte Fokuspunkte für Terrain Stride (Su), um seine Geschwindigkeit in der eisigen Landschaft zu erhöhen. Das bedeutet nun nicht, dass er durch die Gegend sprintet, aber wo schwieriges Terrain herrscht, wird er dadurch nicht wirklich behindert.
 2. Beast Whistle (Avian). Perception DC 0 bis eine Viertelmeile (ca. 1300 ft oder 400 m), für jede weitere Viertelmeile gibt es eine Malus von -2 auf Perception.

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