Autor Thema: [Szene 12] Es ist besser, etwas zu erwerben, als es geschenkt zu bekommen.  (Gelesen 166 mal)

Beschreibung: Yumis 4. Szene

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Miko Yumi

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Seit der letzten Begegnung mit dem jungen Krieger, die dramatisch mit seiner Traurigkait begann und über das fröhliche Spiel am Wasser mit dem Auftauchen des verletzten Gauls endete, hat die junge Miko einige Zeit gehabt, nachzudenken. Was ihren Schwächeanfall, ihr Suchen nach Worten und ihre Hitze anging, hat sie es schlussendlich auf den heißen Tag, die schwere Arbeit vorher und den Einfluss ihrer Schäfchen geschoben. So häufig, wie sie dieser Tage den Mädchen und Frauen des Dorfes zuhören durfte, wie sie von ihm schwärmen und sich Hoffnungen machen, muss davon einfach etwas hängen geblieben sein. Aus ihr selbst sind solche Gedanken natürlich nicht gekommen, sie lebt nur für ihre Aufgabe, davon hat sie sich überzeugt.

Damit verdrängt sie diesen Gedankengang und wendet sich dem Räuberproblem ihres Dorfes zu - beziehungsweise der hoffentlichen Lösung durch Tsuyoshi. Yumi ist sich sicher, gegen einen echten Samurai haben die Schurken keine Chance, aber was, wenn er ernsthafte Verletzungen davontragen würde? Natürlich hat sie eine Ausbildung genossen und einige im Dorf Erfahrung mit Wundversorgung, jedoch hatten sie es bisher nicht mit Verletzungen durch Waffen zu tun gehabt. Sie sieht ein, dass sie vielleicht etwas zu seinem Schutz tun sollte - kannte sie geeignete Segnungen?

So in Gedanken verloren nutzt sie die frühe Stunde und die Abwesenheit aller Gläubigen, das Heiligtum zu betreten und die Reliquie zu reinigen, unter Segenssprüchen und allen notwendigen Ritualen. Durch die Sichtschlitze, durch die die Betenden ins Heiligtum schauen können, driftet kein Geräusch. Es ist ein weiterer schwüler Tag, diesmal jedoch mit tiefhängenden Wolken. Es ist ein wenig kühler ohne die strahlende Sonne, dafür drückt die feuchte Luft umso mehr, selbst die Insekten sind still.

Tsuyoshi

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Langsamen Schrittes nähert sich der Ronin dem kleinen Schrein. Seine Sandalen mit ihren Sohlen aus einfachem Reisstroh verursachen kaum mehr als ein gelegentliches leises Rascheln im Gras, und doch erscheint es ihm, als trample er weithin hörbar voran. Denn um ihn herum herrscht eine Totenstille, verursacht von der drückenden Schwüle, in der sich nichts regt, vom gemächlichen Lauf der schweren Gewitterwolken am Himmel abgesehen. Ohne auf seinen schweißverklebten Kimono zu achten, geht er auf die heilige Stätte zu. Dort angelangt neigt er den Kopf in einem stummen Gruß für die ruhmbedeckten Ahnen, welche hier verehrt werden.

Dann zieht er sein Daisho unter dem Gürtel hervor, geht erst auf ein Knie, um die beiden Waffen neben sich zu legen, und kniet sich dann in das Gras, auf den Fersen hockend, die Hände locker auf die Oberschenkel gestützt. So verneigt er sich nochmals vor den Ahnen, ehe er ein wortloses Zwiegespräch mit ihnen beginnt. Sein Gesicht wirkt verschlossen, ernst, mit deutlichen Zeichen von Sorge und einer Unrast, die sich mit aller eingeübten mentalen Disziplin nicht ganz unterdrücken lässt. Anscheinend hat er die Miko nicht bemerkt, denn er wirkt gänzlich in sein Gebet vertieft, als er die Augen zu der alten Kriegsrüstung auf einem Gestell vor dem Schrein hebt, deren lackierte Holzteile zu funkeln beginnen, wann immer ein Sonnenstrahl die Wolkendecke durchbricht. Sein Blick ruht auf dem Mon, dem Wappen, das die Front des imposanten Kabuto ziert.

Miko Yumi

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Vertieft in ihre Gedanken und ihre Aufgabe überhört und -sieht Yumi die Ankunft Tsuyohis. Erst als sie mit den wesentlichen Teilen des Ritus fertig ist, alle Rüstungsteile in die richtige Aufhängung uzurückgetan hat und sie auf Sauberkeit kontrolliert, tritt sie hinter die Rüstung und bemerkt über die Schulter den jungen Mann. Ein überraschtes Quietschen später versteckt sie sich hinter der breitschultrigen Rüstung. Wie weggeblasen sind all die Gedanken und Entscheidungen und Pläne, sie fragt sich nur, seid wann er da ist und was er mitbekommen hat.

Da es still bleibt, schafft sie es schließlich, sich zu sammeln und, soweit es bei diesem schwül-feuchten Wetter möglich ist, sich wieder herzurichten. Sie schlüpft durch die versteckte Tür in den hinteren Wandpanelen des Heiligtums hinaus und kommt leise um den Schrein herum. Schüchtern und zögerlich nähert sie sich dem Betenden von seitlich hinten und bleibt kaum einen Meter entfernt stehen. Sie wartet geduldig, bis er sie bemerkt beziehungsweise seine Zwiesprache mit den Göttern beendet hat. Irgendwie weiß sie nicht einmal mehr, wie man Gäste des Schreines begrüßt, so aufgeregt ist sie. Nach außen schimmert davon noch nicht viel durch - was aber, wenn sie versuchen würed, zu sprechen?

Tsuyoshi

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Man sieht es ihm nicht an, dass er die Miko bemerkt hat, und er weiß auch selbst nicht, wann es geschah. Doch irgendwann sagte dem Ronin sein immer wieder trainierter Instinkt, vielleicht aber auch sein Gehör, dass sich ihm jemand von hinten genähert hat. Er weicht dennoch nicht von der Stelle und bleibt reglos vor dem Schrein, den Blick unverwandt auf das Mon gerichtet. Erst nach einer ganzen Weile klatscht er dreimal in die Hände, lässt das Daisho wieder unter seinen Gürtel gleiten und steht auf. Gemessen dreht er sich um. Da er nun einmal weiß, dass er nicht allein ist, überrascht es ihn nicht, dass es sich um Yumi handelt, die abwartend hinter ihm steht. Für einen Moment huscht ein Lächeln über seine ernsten Züge, ehe er den Kopf kaum merklich neigt und sagt: "Konnichi wa, kleine Götterdienerin. Bist du schon lange hier?"

Miko Yumi

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Bis sich der junge Krieger erhebt, pocht der jungen Frau ihr Herz bereits bis in den Hals. Als er sie anspricht, kann sie den Blick nicht halten und verbeugt sich lieber schnell. "K-Konnichi-wa, ver-geehrter Gast. ...Ich-ich war, äh, bin nicht fort gewesen. Ich meine, also, ich bin, ähm, war seit gestern - gestern abend hier.", stottert sie, während ihr Kopf innerhalb kürzester Zeit vor Röte und Hitze zu kochen scheint.

Entsprechend braucht sie ein wenig, überhaupt weitere Worte zu finden: "Ich-ich hoffe, du-ihr habt wieder...zu euch gefunden? Die Sorgen, sie...die unsere letzte Begegnung begannen sind...ähm...fort, ja, fort?" Sie beißt sich auf die Lippen, sie kann sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal so nach Worten gesucht hat. Als Mädchen in ihren ersten Prüfungen vielleicht. Und mit jedem Stammeln wurde ihre Unruhe und Scham nur größer. Sie soll doch Stab und Stütze der Gläubigen sein! Sie konnte über das Rauschen des Blutes in ihren Ohren nichts mehr wahrnehmen, aber schon ihr Blick auf seine verschwitzten Hände ließen Bilder des Ganges zum Teich hochkommen - und sie wünscht sich, im Boden zu versinken. "Wenn-falls mein Betratragen letztes Mal - am Teich, meine ich - ähm...ich euch zu nahe, ich meine, unangemess-nehm war, so entschuldigt.", krächzt sie mit erstickender Stimme.

Tsuyoshi

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"Ah, ich verstehe" nickt der Ronin. Zunächst amüsieren ihn die Verlegenheit und das Stottern des Mädchens so, dass er grinst: "Nun, sie sind nicht weg, aber es gibt Tage, an denen die Regenwolken weniger schwarz erscheinen als an anderen, neh?" Je länger sie sich windet und immer mehr verhaspelt, desto weniger breit wird das Grinsen jedoch, bis er sich schließlich räuspert und mit einer Hand im Nacken kratzt, um den Mangel an rechten Worten zu überspielen, den er gerade verspürt. "Ach was," meint er mit gespieltem Unwillen, "es ist ja gar nichts passiert, das unehrenhaft gewesen wäre!" Sein Blick gleitet über das rot glühende Gesicht, die Augen, die ihm ausweichen, die nervösen Hände, und er räuspert sich nochmals. Vage Zweifel steigen in Tsuyoshi auf. "Hör mal..." fängt er an und verstummt gleich wieder. Indem er in den Himmel hinaufstarrt, sucht er sich eine gute Formulierung zurechtzulegen. "... ich weiß nicht, ob dir dein Dienst strengere Regeln zur Sittsamkeit auferlegt als andere, mh... Jungfrauen sie befolgen müssen. Wenn wir etwas getan haben sollten, das die Ahnen beleidigt, werde ich mich in aller Form entschuldigen." Hierbei weist er auf den Schrein, der sozusagen Augen und Ohren der Ehrwürdigen sichtbar repräsentiert. Dann hebt er die Hand, als wollte er ihr über das Haar streicheln, lässt sie aber wieder sinken und kaut auf der Unterlippe. "Dich trifft jedenfalls keine Schuld, Mädchen, falls sie wirklich beleidigt wurden."

Miko Yumi

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Offensichtlich braucht die junge Miko, bis die Worte des Kriegers bei ihr ankommen - rauschenden Ohren und im Kreis rennenden Gedanken sei Dank. Zunächst erhellt sich ihr Gesicht weiter, als er davon spricht, dass er nciht mehr so niedergeschmettert ist. Selbst die Aufregung legt sich ein wenig, als er meint, es wäre nichts unehrenhaftes geschehen. Es versetzt ihr einen kleinen Stich, den sie aber mangels Verständnis ignoriert.

Als er seine Sorge kundtut, ob sie etwas getan hätten, was ihren Pflichten widersprach, protestiert sie sofort: "N-nein, das haben wir, also, das hst du-ihr nicht, ich meine, einen Ahn beleidigt! Dazu wären wir, dank ihrer Leitung, garnicht fähig!", verkündet sie mit der Inbrunst der Überzeugung. Als ihr Blick jedoch zwischen dem jungen Krieger und der Rüstung hin- und herwandert - und ihre Gedanken um ihre priesterliche Rolle, ihre Gefühle und den Ahn des Schreines kreisen - bricht sich plötzlich eine Ahnung, eine Erkenntnis Bahn. Er ähnelt dem Ahnen und steht, wie man es von ihm erwarten würde, dem ihm empfohlenen Dorf in seiner Not zur Seite. Hatte der Ahn ein geeignetes Gefäß hergeführt? Es würde auf jeden Fall ihre Gefühle erklären. Kurz fragt sie sich, wie sie das prüfen konnte, dann wurde ihr klar, dass sie es garnicht durfte - Zweifel haben. Der Glaube ist das Wichtigste.

Mit diesen Gedanken kehrt die Ruhe wieder im Herzen Yumis ein und sie strahlt Tsuyoshi an: "Womit können die Geister und Ahnen - oder ich als bescheidene Dienerin - helfen? Habt ihr Fragen oder Sorgen oder wollt erneut üben? Vielleicht warten und sehen, wieweit die Dorfbewohnerinnen mit ihren Übungen gekommen sind?" Schließlich blitzt - nach einem weiteren Blick zur Rüstung im Schrein - so etwas wie Frechheit in ihren Augenwinkeln: "Falls man fragen darf: Darf man euch einmal in voller Rüstung sehen?"

Tsuyoshi

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Der Ronin blickt forschend in die jugendlichen Züge der Miko. Er wirkt zwar nicht ganz überzeugt, scheint sich aber angesichts ihrer nachlassenden Aufregung ebenfalls wieder etwas zu entspannen. Offenbar ist ihm die Sache mit den Ahnen durchaus sehr ernst. "Eine Anleitung durch die Ehrwürdigen selbst ist mehr, als ein einfacher Krieger erhoffen darf" murmelt er mit einem langen Blick auf den Schrein. Dann wendet er sich Yumi wieder zu und hebt erstaunt, fragend die Augenbrauen. Ihr plötzlicher Überschwang ist ihm nun auch wieder nicht erklärlich – bis er so recht begreift, was sie da gesagt hat. "Mich..?!" echot er ganz perplex und macht dazu wohl nicht gerade das klügste Gesicht, das man je von ihm sah.

Als die Erkenntnis so langsam in sein Bewusstsein sickert, macht er unwillkürlich einen Schritt zurück. Sein Blick wandert zwischen der herrlichen Rüstung und dem Mädchen hin und her. "Das... das ist die Rüstung eines hohen Herrn. Ein Stück, das ein Taishō tragen könnte!" Trotzdem man ihm den Respekt vor dem Höherrangigen anmerkt, der dem Samurai von Kindesbeinen anerzogen ist, bleiben seine Augen aber regelrecht an dem metallverstärkten hängen, dem größten und neben demKabuto prachtvollsten Stück der Panzerung. "Was sollte der rechtmäßige Besitzer denken, wenn..?" Er beendet den Satz nicht. Das Vertrauen, das die Worte der Miko ausstrahlen, macht ihn offenbar in seinen Bedenken wankend.
« Letzte Änderung: 14.03.2020, 14:43:58 von Tsuyoshi »