Autor Thema: Die Youling Gui  (Gelesen 570 mal)

Beschreibung: Kapitel 04

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Li Yan

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Die Youling Gui
« Antwort #15 am: 04.01.2021, 23:54:08 »
Offenbar ist Airun bereits fündig geworden. Schön, soll er das Messer behalten. Sie ist recht zuversichtlich, sich aus dem Lager noch etwas Brauchbares herauszufischen. Selbst ein solider Stock wäre besser als nichts...Die Kleidung des stinkenden Barbaren lässt sie da wo sie sind. Es würde ohnehin zu viel Zeit kosten, auch wenn sie wenig erpicht ist weiterhin auf diese Weise umherzugehen. Weiter zum Lagerraum findet sie mehr oder weniger das, was sie erwartet hat. Ein Bootshaken...Damit kann sie etwas anfangen. Einen richtigen Speer kann sie hier nicht verlangen und weiter ins Schiffsinnere vorzudringen erscheint ihr zu riskant. Sie nimmt ihn mit sich und führt ihn mittig zu ihrer Seite, sodass sie nicht noch gegen etwas stößt. Ihr Retter ist ihnen nicht gefolgt, muss sich um seine eigene Sicherheit sorgen. Nur gut, dass sie sich einige Tage zuvor geduldigt hat. Das ist der Moment, sie weiß es! Der Khoraner bewegt sich indes geschickter als erwartet. Er wird die Worte des Mannes mit der Robe nicht verstanden haben, aber sie ist sich beinahe sicher er weiß auch so was zu tun ist. Andererseits ist es ein Fremder, der schnell die Beherrschung verliert...
" Wachen umgehen. Boot stehlen. Dann Südwesten." Flüstert sie ihm vom Nahen zu und überlässt ihm vorerst die Führung. 

Cerebro

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Die Youling Gui
« Antwort #16 am: 05.01.2021, 11:09:18 »
Airun antwortet Yan nicht. Die Taikangerin erkennt, wie er die Leiter erklimmt - sein tiefschwarzer Schemen hebt sich im Dunkel der Quartierräume minimal ab. Sie hört den Khoraner leise ächzen, doch trotz noch immer fiebrigem Zustand sowie zwei fehlender Finger an der linken Hand bewegt er sich recht sicher. Oben angelangt hebt er sachte die Falltür an und schielt ins Freie. Beinahe wie eine Spinne krabbelt er dann bäuchlings hinaus - Yan ist nur wenige Sprossen hinter ihm und tut es ihm gleich.

Draußen an der frischen Luft erkennt sie endlich wieder mehr von ihrer Umwelt, denn der Nachthimmel ist klar und wird trotz eines eher schmalen Mondes von vielen Sternen erhellt. Jenseits des Schiffes hört sie leise die Klänge von gespielter Musik und in Richtung Heck ist der Schein von Fackeln zu erkennen; ein Gespräch zwischen mehreren Personen ist dort zu hören, doch die hinteren zwei Masten sowie einige Fässer und Kisten blockieren von ihrer Position aus die Sicht. Während sie lautlos die Falltür hinter sich schließt, wandert ihr Blick weiter. Unmittelbar zu ihrer Linken ist der vorderste Mast - unfertig. Das Holz wirkt frisch, also muss der alte Mast nach Beschädigung im Sturm wohl erneuert worden sein. Herumliegendes Werkzeug, Baumaterialien sowie die Spuren verrichteter Arbeit untermauern diese Vermutung. Sie erinnert sich an fortlaufendes Gehämmer und ähnliche Geräusche... Yan schielt um den Mast herum in Richtung Bug und erkennt nahe der Balliste (mit zugekehrtem Rücken) einen Seemann an der Reling stehen. Airun, der geduckt nur zwei Schritte vor Yan kauert, hat ihn ebenfalls bemerkt. Sie sieht, wie der Khoraner die Klinge zückt und sich anschleichen will...
« Letzte Änderung: 05.01.2021, 12:31:19 von Cerebro »

Li Yan

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Die Youling Gui
« Antwort #17 am: 05.01.2021, 16:06:37 »
Als Airun die Falltür geöffnet hat, schiebt Yan leise ihren Bootshaken nach draußen und folgt seinem Beispiel. Erst als sie den Zugang wieder verschlossen hat, hebt sie ihre behelfsmäßige Waffe wieder auf und sieht sich genauer um. Endlich wieder frische Luft...Wie lange ist das her? Doch sie bleibt wachsam. Mehrere Personen sind hinten versammelt und unterhalten sich. Ob dort die Beiboote zu finden sind? Links von ihr ein neuer Mast im Aufbau. Die Reperatur ist also noch für eine Weile im Gange. Ein Blick nach vorne und sie erkennt eine einsame Wache. Was Airun als Nächstes vorhat, liegt auf der Hand. Trotz seines Zustandes scheint er geschickt zu sein und zögert nicht lange. Was sie zu dem Schluss bringt, dass er wahrscheinlich ebenfalls ein Pirat und kein einfacher Seemann oder Händler ist. Sei es drum...Sie verhält sich vorerst nur still und wartet hinter dem unfertigen Mast ab, bis er die Wache ausgeschaltet hat. Das hier scheint sein Element zu sein. Während sie auf den Khoraner wartet, lässt sie den Blick über das Werkzeug schweifen. Vielleicht ist etwas davon doch noch nützlich, sobald sie weitergehen. Noch hebt sie aber nichts auf, um keine Geräusche zu riskieren.
« Letzte Änderung: 05.01.2021, 16:07:10 von Li Yan »

Cerebro

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Die Youling Gui
« Antwort #18 am: 05.01.2021, 19:30:06 »
Während Yan zurückbleibt, erreicht Airun den Seemann gerade in dem Moment, als dieser sich umwenden will. Der Khoraner presst ihm sofort die bandagierte linke Hand auf den Mund und rammt ihm mit der Rechten die Klinge in den Hals. "Na, wie gefällt dir das, Schlitzauge?!" zischt der Pirat humorlos und rührt brutal mit dem Messer in der Wunde herum, nur um es dann ruckartig herauszuziehen und immer wieder in Hals und Oberkörper seines Opfers fahren zu lassen. Der gestoppte Schrei des Taikangiers entkommt als leises Gurgeln durch eine klaffende Kehle und zerschnittene Stimmbänder. Airun hört nicht auf zuzustechen...

Yan beobachtet die Bluttat aus sicherer Entfernung. Ob sie die Aktion für notwendig hält oder nicht - sauber ist sie in keinem Fall, immerhin jedoch leise genug. Irgendwann hat Airun dann doch genug. Er lässt den leblosen Körper zu Boden sacken, wischt sich mit dem linken Unterarm über die Stirn und verweilt eine Weile mit Blick auf sein Werk. Dann spuckt er auf den Toten und kommt endlich halb geduckt zurück zum Mast. Erst jetzt aus der Nähe fällt Yan auf, wie besudelt der Khoraner ist - Hände und Gesicht sind voller Blut, das dem getöteten Seemann in Schüben aus dem Hals gesprudelt ist. "Einer weg.." flüstert er ihr auf Bhangarisch zu und bleckt die Zähne zu einem finsteren Grinsen.
« Letzte Änderung: 05.01.2021, 19:37:26 von Cerebro »

Li Yan

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Die Youling Gui
« Antwort #19 am: 05.01.2021, 22:44:58 »
Mit nichts Anderem zu tun beobachtet Yan die lautlose Ausschaltung. Doch schon nach wenigen Sekunden fragt sie sich, was sie von Airun erwartet hat. Er geht äußerst blutig vor und lässt sich von seinem Zorn beherrschen. Ihr Mitleid für den Piraten hält sich in Grenzen, aber sie findet diese Sauerei unwürdig und unnötig. Vielleicht geht es diesem Barbaren nun wenigstens etwas besser? Als er wiederkommt, bestätigt sich ihr Eindruck von einem wildgewordenen Hund. Über mit Blut befleckt und sein Ausdruck will ihr auch nicht recht gefallen. Die Miene der Taikangierin bleibt kühl. "Ja. Hinten noch mehre. Bei Mast drei. Besser...umgehen." Flüstert sie nüchtern mit möglichst simplen Worten zurück. Von ihrer Position aus blickt sie nun in Richtung Heck und vergewissert sich, dass bei den Kisten links zu ihr niemand steht. Dann bewegt sie sich leise und geduckt vorwärts, um sich zwischen sie zu begeben.
« Letzte Änderung: 06.01.2021, 12:04:38 von Li Yan »

Cerebro

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Die Youling Gui
« Antwort #20 am: 07.01.2021, 08:02:43 »
Airun nickt, doch Yan glaubt ein wildes Funkeln in seinen Augen zu erkennen, als er Richtung Fackelschein am Heck des Schiffes blickt. Selbst er dürfte aber sicherlich einsehen, dass einer gegen viele ihre Flucht im besten Fall gravierend erschweren würde. Jeglicher Alarm und sie haben ein gewaltiges Problem, zumal der Standort der Boote noch nicht in Erfahrung gebracht ist...

Leise schleicht sie nach Steuerbord[1] und drückt sich zwischen einige herumstehende Kisten und Fässer, um von vorne und hinten vor Blicken geschützt zu bleiben. Die Reling ist nah und ein Blick darüber hinaus offenbart ihr das dunkle Meer und den klaren Nachthimmel. Weiter entfernt türmen sich dunkle Schatten auf: eine Insel. Doch ist es jene, von denen ihr Retter gesprochen hat und die sie ansteuern sollen? Yan ist sich nicht sicher. Sie schaut am Schiffsrumpf herunter und sieht Wasser, doch der Strand muss nah sein, denn sie spürt keinen Wellengang. Vermutlich sitzt die Youling Gui nur seicht auf einer Sandbank, die vom Festland aus noch leicht erreichbar ist. Längere Bootsfahrten dürften für umfassende Reparaturarbeiten eher hinderlich sein, auf der anderen Seite wäre es durch Menschenkraft allein aber kaum mehr möglich, das Schiff bei einer kompletten Strandung wieder ins Wasser zu bekommen. Kurz fokussiert sich die Taikangierin auf die Musik. Irgendwer zupft auf einer Sanxian[2] - die Klänge kommen aus Richtung Bug des Schiffes, wo sie jenseits davon auch die Ansätze eines Strandes erkennt.

Plötzlich spürt sie Airuns bandagierte und verkrüppelte Hand auf ihrer nackten Schulter. "Feier... Strand," flüstert er ihr entgegen und deutet Richtung Bug. "Ich gesehen. Ein Boot, aber viele Feinde." Er zeigt ihr Mittel- und Zeigefinger. "Schiff zwei Boote. Anderes vielleicht hinten." Er deutet zum Heck des Schiffes und dem Schein der Fackeln.
 1. Mit Blick von Heck nach Bug die rechte Seite des Schiffes.
 2. Eine Art von Laute.
« Letzte Änderung: 07.01.2021, 08:09:33 von Cerebro »

Li Yan

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Die Youling Gui
« Antwort #21 am: 07.01.2021, 17:58:25 »
Der Kopf des Khoraners ist nicht ganz richtig. Sie kann sich denken, wonach ihm der Sinn steht. Die Kampfkünstlerin sieht zwei Wege. Entweder er reißt sich zusammen - oder sie nutzt die Gelegenheit, wenn er durchdrehen sollte. Er ist und bleibt eine Gefahr, aber vorerst findet sie sich damit ab. Zwischen den Kisten kann sie bereits eine Insel ausmachen. Es könnte sogar diejenige sein, die sie ansteuern sollen. Im Zweifelsfalle dürfte ihr unfreiwilliger Piratengefährte besser wissen, wo Südwesten liegt. Als dieser seine Hand auf ihre Schulter legt, wischt sie diese prompt beiseite, dreht sich aber zu ihm um. Zwei Boote insgesamt. Eines davon können sie bereits abschreiben, wenn sich dort so viele Gestalten tummeln. Sie nickt und zeigt in die Richtung, in der sie die Insel gesehen hat. "Dort Südwesten? Weiter weg eine Insel." Berichtet sie knapp und blickt hinter die Kiste Richtung Heck. Kurz wartet sie seine Antwort ab. "Dann weiter. Keine Toten. Leben wichtiger..." Ihr nächstes Ziel sind die von ihr aus gegenüberliegenden Kisten. Dicht an der Reling bis zur nächsten Deckung, dann sehen wie viele sich ihnen in den Weg stellen...[1]     
 1. Heimlichkeit: 2 Erfolge
« Letzte Änderung: 08.01.2021, 13:34:17 von Cerebro »

Cerebro

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Die Youling Gui
« Antwort #22 am: 08.01.2021, 13:48:39 »
Airun schaut in Richtung der erwähnten Insel und dann in den Sternenhimmel. Mehrere Sekunden lang wandert sein Blick umher, um sich Orientierung zu verschaffen. Schließlich schüttelt er den Kopf. "Südwesten," sagt er und deutet mit einer Handbewegung zum Heck des Schiffes.

Als sich Yan dann weiter vorwärtsbewegt, versteht sie die Stimmen der noch ungesehenen Männer etwas besser. Satzfetzen wie "Mach schon," "Verdammt" oder "Glückspilz" dringen an ihr Ohr, gemischt mit Lachen, milden Flüchen sowie belanglosem Plausch. Als sie an der Reling entlang den zweiten Mast passiert, um sich kurz darauf hinter einer weiteren Deckung zu verkriechen, kann sie zwischen den hinteren beiden Masten zur gegenüberliegenden Seite des Schiffes spähen. Auf den untersten Stufen der hinteren Treppe dort sind drei Männer zu sehen - zwei sitzen, einer steht. In der Nähe aufgehängte Fackeln spenden ihnen Licht und sie scheinen sich mit einem Würfelspiel zu beschäftigen. Die zwei Sitzenden würfeln abwechselnd, während der dritte aktuell nur zusieht. Leicht deplatziert wirkt eine verkorkte Flasche, die eine Armlänge abseits einfach auf dem Boden steht. Vielleicht der Preis, um den sie spielen?!

Airun folgt Yan in kurzem Abstand. Die Taikangierin bemerkt nicht, wie er dabei für wenige Sekunden abgelenkt auf ihren nackten Hintern starrt...
« Letzte Änderung: 08.01.2021, 15:40:31 von Cerebro »

Li Yan

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Die Youling Gui
« Antwort #23 am: 08.01.2021, 17:17:36 »
Es ist doch eine andere Insel gemeint? Immerhin ist sie jetzt klüger. "Gut." Gibt Yan leise zurück. Drei weitere Piraten blockieren ihre mögliche Flucht. Offensichtlich sind sie in ein Spiel vertieft, aber so kurz vor dem Ziel will die Taikangerin nichts riskieren. Als sie sich nach Airun umdreht, hebt sie drei Finger hoch. Schnell erwägt sie ihre Möglichkeiten. Dann legt sie eine Hand auf die Reling. "Piraten spielen. Wir...außem rum gehen zu Boot. Umgehen Piraten. Dann klettern hoch." Schlägt sie vor. So nahe an der Küste dürfte das Wasser sicher sein. Falls Airun nicht noch etwas Klügeres einfällt, macht sie den Anfang und greift den Bootshaken nahe der Spitze, um ihn als Kletterhilfe zu benutzen. Hinter ihrer Deckung lässt sie sich lautlos über die Reling gleiten und sucht auf der anderen Seite einhändig sicheren Halt mit den Füßen. Dann hangelt sie sich stetig weiter Richtung Heck, die freie Hand voran, den Haken als leise Absicherung hinterher...[1]
 1. Bewegung: 1 Erfolg
« Letzte Änderung: 08.01.2021, 17:44:23 von Li Yan »

Cerebro

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Die Youling Gui
« Antwort #24 am: 08.01.2021, 18:54:13 »
"Aye," knurrt Airun auf Susrahnisch in sich hinein, als Yan die drei Finger hebt. "Ich seh' die Ficker auch... Verfluchte Bastarde..."

Als sich die Taikangierin kurz darauf ans Klettern macht, verzieht der Khoraner den Mund und blickt ihr einige Sekunden hinterher. Dann schaut er auf seine verkrüppelte linke Hand. "Aklathu," murmelt er erneut. "Du blöder kleiner Scheiß-Zwerg... Verlass mich jetzt nicht!" Damit steckt er sich das Messer quer zwischen die Zähne und windet sich zwischen zwei Sprossen der Reling hindurch ins Freie - die gesunde rechte Hand an eine davon geklammert. Genau wie Yan muss auch er schnell feststellen, dass es für die Füße nur wenig zu finden gibt - ihre Hände und Arme müssen über weite Strecken genügen. Die Taikangierin ist zwar noch von den Monaten in Ketten gezeichnet, doch nichts kann ihr das jahrelange Training nehmen, das sie unter Meister Shu Wen zu einem eisernen Kämpfer geformt hat. Ebenso wenig wie die Piraten ihren Geist brechen konnten, vermochten sie auch nicht ihren Körper zu brechen! Und so hangelt sie sich verbissen vorwärts - eine Hand nach der anderen...

Airun folgt in einigem Abstand - zu weit, als dass sie ihm schnell helfen könnte, sollte er den Halt verlieren. Ihr Gesicht ist an den Rumpf des Schiffes gepresst und ihr Blick nach vorne gerichtet, dennoch hört sie den Khoraner hinter sich einige Male leise ächzen und sich quälen. Airun hat es mit nur einer gesunden Hand schwerer als Yan, doch Stolz und Zorn verleihen ihm Mut. Dann rutscht ihm die verkrüppelte Hand ab. Im Schock öffnet sich sein Kiefer ein Stück und das Messer stürzt in die Tiefe, wo es kurze Zeit später leise ins Wasser platscht. Yan hört, dass etwas passiert ist - nicht so laut, um allgemein Aufsehen zu erregen, doch für sie deutlich genug. Sie wendet den Kopf nach hinten und sieht den Khoraner an einer Hand hängen, mit frei baumelnden Füßen und den Blick nach unten gerichtet. Wenn er jetzt abrutscht und fällt, wird der Schlag ins Wasser sicher genug Lärm veranstalten, um an spitze Ohren zu dringen. Und wenn man dann über die Reling blickt, wird man mit etwas Pech auch sie leicht ausmachen. Noch ehe sie überlegen kann, ob sie lieber schnell weiter und vielleicht außer Sicht kommen oder zur Airans Hilfe zurückeilen soll, schwingt sich der Khoraner wieder in Position und greift mit den drei Fingern der Linken erfolgreich zu. Wie an eine Wand gepresst verweilt er eine ganze Weile bewegungslos und schnauft mehrere Male tief durch. "Aklathu," wispert er halb außer Atem zu sich selbst. "Du blöder... kleiner... Pisser!" Als er die zusammengepressten Augen wieder öffnet, sieht er den Schatten von Yan in seine Richtung gewandt. Er nickt ihr zweimal deutlich zu und setzt sich wieder in Bewegung...

Als sich Yan ihrerseits weitermacht, erreicht sie kurz darauf jene Stelle, an der jenseits der Reling die Treppe zum Hüttendeck beginnt. Sie kann sich noch eins, zwei Meter weiter und dann nach oben auf die Treppe hangeln oder zum hinteren Teil des Hecks weiterklettern...
« Letzte Änderung: 08.01.2021, 20:33:41 von Cerebro »

Li Yan

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Die Youling Gui
« Antwort #25 am: 08.01.2021, 19:11:50 »
Auch ohne seine Sprache zu sprechen ist es nicht schwer zu erraten, was der Khoraner da vor sich hinmurmelt. Als sie ihre Kletterei beginnt, sieht sie noch wie er ihr folgt, danach ist ihre Konzentration hauptsächlich auf den Weg vor ihr gerichtet. Ihre Füße finden nicht den erhofften Halt und die Druckstellen um ihre Handgelenke erinnern sie an ihre langen Entbehrungen. Aber es funktioniert alles noch so wie es soll. Heute enden die Tage ihrer Gefangenschaft! Die Aussicht auf blinde Rache ist es ihr nicht wert auch nur eine Minute länger auf diesem Schiff zu verweilen als nötig. Ihre Muskeln erinnern sich, trotz der langen Zeit. Sie hat Entbehrungen und Schande durchlitten, aber ihr Körper würde standhalten. Wie immer. Verglichen mit den quälenden Übungen ihres Meisters ist diese Hürde leicht. Doch der Khoraner dagegen wird von seinen Verletzungen eingeholt. Er baumelt...Sie wird ihm von hier aus nicht helfen können. Was soll sie tun...Einfach weiter? Ein wenig unerwartet fängt er sich schließlich. Yan atmet lautlos aus. Besser für sie beide wenn er nicht ins Wasser fällt...

Vor der Treppe angekommen braucht die Tai nicht lange zu überlegen, sondern klettert ohne Zögern weiter zum hinteren Teil. Einer der Drei muss sich nur bei der Treppe zufällig umdrehen und sie wird gesehen. Keine Risiken! Sobald sie als Erstes oben ist, kann sie ihrem ehemaligen Zellengenossen vielleicht sogar helfen. 
« Letzte Änderung: 08.01.2021, 19:12:09 von Li Yan »

Cerebro

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Die Youling Gui
« Antwort #26 am: 10.01.2021, 16:41:26 »
Yan arbeitet sich weiter in Richtung Heck vor. Wie sie mit einem Blick nach oben und um die Ecke schließlich feststellen kann, ist die dortige Konstruktion für das Beiboot leer und ihre Hoffnungen erhalten einen Dämpfer. Der über Seile und Winden funktionierende Mechanismus fasst allerdings nur ein Boot und so bleibt die Frage, was mit dem anderen ist. Vielleicht ziehen es die Piraten sonst nur am Seil hinter der Dschunke her? Doch wo ist es jetzt? Sie schaut nach unten - nichts außer Dunkelheit und leicht im Sternenschein glimmende Reflektionen auf dem Wasser. Bleibt wohl nur noch die andere Seite des Schiffes...

Als Yans schweifender Blick auf den Khoraner fällt, sieht sie ihn mittig an jener Stelle, wo weiter oben und jenseits der Reling die Treppe zum Hüttendeck liegt. Airun hat dort eine dringend benötigte Verschnaufpause eingelegt. Sein Arme sowie Finger der linken Hand brennen und sind drauf und dran zu verkrampfen. Jeder weitere Griff schmerzt und ist ein Risiko. Mit Anstrengung macht er einen Klimmzug nach oben und umschlingt mit der linken Armbeuge eine der Sprossen an der oberen Reling. Ob er nur einen Moment ausruhen oder an dieser Stelle dann auch an Bord klettern will, ist für Yan nicht ersichtlich. Sie selbst blickt erneut hinauf. Das Heck der Dschunke hängt leicht schräg über, was einen Aufstieg entsprechend erschwert.[1] Wenn sie es weit genug schaff, kann ihr auf dem letzten Stück immerhin eines der Seile von der Boothalterung helfen...
 1. Bitte erneute Probe auf Bewegung.
« Letzte Änderung: 10.01.2021, 16:54:34 von Cerebro »

Li Yan

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Die Youling Gui
« Antwort #27 am: 12.01.2021, 21:44:05 »
Das wäre auch zu einfach gewesen...Die Halterung für das Beiboot ist leer. Wenn eines davon irgendwo bei der feiernden Meute war...Gehört das Boot also hierhin? Dann könnte das Andere noch immer auf der anderen Seite sein. Noch gibt es keinen Grund, um aufzugeben. Airun scheint derweil seine Schwierigkeiten zu haben. Sie bezweifelt fast, dass er den gleichen Weg wie sie so ohne Weiteres schafft. Aber solange er niemanden alarmiert, ist es ihr ziemlich gleichgültig, welchen Weg er nun nimmt. Emsig klettert sie weiter. Die Betätigung allein spornt sie ein, die Aussicht auf Freiheit noch viel mehr. Sie ist nach wie vor erleichtert, dass ihre Muskeln ihren gewohnten Dienst tun. Wenn sie sich auf etwas in dieser Fremde verlassen, kann sie selbst. Yan bemerkt die Seile und klettert langsam aber sicher darauf zu. Das jahrelange Schuften hat sich letztendlich bezahlt gemacht. Trotz ihrer langen Gefangenschaft sieht sie aus, als wäre diese Kletterei reine Routine...[1]
 1. Bewegung: 2 Erfolge

Cerebro

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Die Youling Gui
« Antwort #28 am: 12.01.2021, 23:55:36 »
Wie eine Spinne klettert Yan am Rumpf der Dschunke empor und muss sich zuletzt von dem Bootshaken trennen, um mit einem kalkulierten Sprung eines der aktuell ungenutzten Seile für das Beiboot zu greifen. An diesem hangelt sie sich hoch zur Verankerung der Haltekonstruktion und erreicht von dort schließlich das Hüttendeck. Als ihre nackten Füße endlich wieder festen Boden berühren, spürt sie zwar die vollbrachte Kraftanstrengung in ihren Gliedern, ist aber weiterhin fit und beherrscht - ihre Atmung bleibt gleichmäßig und ihr Geist fokussiert. Rasch sieht sie sich um und erkennt in der Dunkelheit keinen offensichtlichen Feind. Eine über wenige Stufen erreichbare niedrige Plattform in der Nähe zeigt den Steuerstand: Das zum Lenken verwendete Ende der Heckruder-Konstruktion ragt dort aus einer Öffnung in den Holzdielen heraus.[1]

Sonst gibt es hier nichts zu finden - auch nicht Airun von Khora, von dem jede Spur zu fehlen scheint. Immerhin herrscht weder Alarm noch Aufruhr, denn von jenseits einer der beiden Treppen nach unten hört Yan noch immer die Taikangier in ihr Glücksspiel vertieft...
 1. Für ein Steuerrad sind wir in dem Setting technisch noch zu weit entfernt - bitte beachten.
« Letzte Änderung: 13.01.2021, 23:33:34 von Cerebro »

Li Yan

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Die Youling Gui
« Antwort #29 am: 13.01.2021, 23:29:30 »
Ihren Bootshaken hat sie verloren, aber dafür ist sie dort, wo sie sein will. Die Taikangerin atmet geräuschlos aus und verliert keine Zeit. Ihre Seite hat nichts hervorgebracht, also bleibt sie geduckt und begibt sich an das hinterste Ende des Schiffes, um von dort aus erst nach unten und dann Richtung Strand zu spähen. Irgendwo muss dieses zweite Boot ja zu finden sein. Sicherlich ist es hier in der Nähe, für den Fall dass die anderen Piraten ebenfalls übersetzen müssen...