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Autor Thema: [IC] Kapitel 1: Geraubtes Land  (Gelesen 6471 mal)

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Katharina

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #465 am: 01.10.2021, 14:33:33 »
Katharina atmete erleichtert auf als die Schlacht dann doch schneller vorbei war wie erwartet. Etwas überrascht schaut sie sich um "Ist jemand verletzt? Ist der Kampf wirklich schon vorbei?"

Als Jhod alle dann auf die Veränderungen in dem Tempel aufmerksam machte schaute sich Katharina fasziniert um und beobachtete das Wunder wie sich alles veränderte und der Tempel zu neuem Leben erwachte. Sie wandte sich dann direkt an Jhod, da er vermutlich derjenige war der Ihre Fragen wohl am ehesten beantworten konnte "War es es das jetzt wirklich? Haben wir den alten Wächter besiegt? Wie geht es nun weiter? Jhod, wirst du nun der neue Wächter? Oder was passiert nun mit dem Tempel? Er kann ja wohl kaum schutzlos hier alleine gelassen werden"

Miloslav Illjitsch

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #466 am: 03.10.2021, 14:55:40 »
Milo trat langsam an das Becken heran, wobei er den Fleck, an dem der Bär – der alte Mann? – zu Staub zerfiel, nie lange aus den Augen ließ. Halb erwartete er, dass der Wächter sich dort, oder vielleicht in der Höhle, neu erhob. Schließlich hatten sich bereits so viele Klingen an ihm versucht, auch Zauberer, und keinem davon sollte es gelungen sein, das Tier zu erlegen?

"Ich verstehe nicht... wie konnte der Bär so alt werden, wenn er am Ende derart leicht zu erlegen war? Von einem Archäologen und..." Eine weit ausholende Geste umfasste seine Gefährten. "Da stimmt doch was nicht."

Dann fielen auch ihm die Veränderungen ringsum auf. Die verjüngte Kraft des Ortes war deutlich spürbar. Offenbar hatte die Übergabe an den neuen, jüngeren Wächter sich bereits vollzogen.

"Vielleicht war es Eure Anwesenheit allein, welche die Übergabe bewirkte?" mutmaßte er, an Jhod gewandt. "Und der Bär stand womöglich kurz davor, von allein an Altersschwäche zu sterben, weshalb es auch so dringend notwendig war, einen neuen Herrn für den Tempel zu finden. Das könnte die Leichtigkeit unseres Sieges erklären... Für Euch, Hochwürden, hoffe ich jedenfalls, dass der Ort nicht ganz so einsam bleibt wie in den vergangenen Jahrhunderten... Das ist die korrekte Anrede für einen Hohepriester hierzulande, oder? Hochwürden?"

Milos stirnrunzelnder Blick glitt noch einmal über die gesamte Anlage. "Ich muss wohl umdenken. Ich war mir so sicher... Also, bei den alten Osirern hätte es auf jeden Fall irgendeinen Mechanismus, Trick oder Ritual gegeben... Die Taldaner waren da wohl einfacher gestrickt als die Osirer... oder magisch und technisch weniger versiert...? Oder weniger paranoid als seinerzeit die Pharaonen..."

Worauf Milo, zur Vorsicht und rein interessehalber, zunächst das Wasserbecken, dann die Säulen ringsum mit höchster Sorgfalt untersuchte, ob sich nicht doch irgendwelche Symbole, Schriftzeichen, Hebel oder Erhebungen oder sonst etwas Auffälliges daran finden ließen. Wo nötig, befreite er den Stein von Moos oder pinselte Sand und Staub fort, tastete alles vorsichtig ab. Auch den großen Hirschkopf besah er sich näher, auch wenn dieser zu hoch für eine taktile Untersuchung hing[1].
 1. Investigation = 22
« Letzte Änderung: 03.10.2021, 15:24:33 von Miloslav Illjitsch »

Dungeon Master

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #467 am: 05.10.2021, 12:43:46 »
Jhod war vor allem erleichtert, dass es keine schweren Verletzungen gegeben hatte. So ein Bär war durchaus ein erntszunehmender und gefährlicher Gegner. Doch seine Begleiter waren offensichtlich kampferprobt und wussten sich zu wehren.

Auch er selbst blickte mit Verwunderung um sich, als der alte Schrein wieder in neuem Glanz erstrahlte.

Irgendwann hörte er auch die Worte seiner Begleiter, die natürlich vor allem viele Fragen hatten. Fragen, die er selbst auch nicht so richtig beantworten konnte.

"Habt ihr auch diese Narbe am Hals des Bären gesehen? Das kann ja kaum eine Kampfverletzung gewesen sein. Und dann noch die Tatsache, dass es sich hier ganz offenbar ja um einen verwandelten Menschen gehandelt hatte. Ich weiß nicht genau, was hier vor langer Zeit geschehen sein mag, aber das Ganze wirkte schon eher wie ein Fluch auf mich. Ein Fluch, der jetzt gebrochen ist. Die Seele des Mannes ist nun frei. Was den Bären betrifft. Das Einzige, was ich mir zusammenreimen kann ist, dass der Bär vielleicht als Opfergabe hier getötet wurde. Das würde auf jeden Fall den sauberen Schnitt am Hals erklären. Ein solches Opfer würde Erastil sicher nicht zusagen. Auch wenn die Jagd eine seiner Domänen ist, so erwartet er doch auch Respekt vor der Natur. Und ich habe in alten Texten schon das eine oder andere Mal gelesen, dass er Übeltäter bestraft hat, indem er sie in etwas verwandelt hat. Vielleicht ist genau dies hier ja auch geschehen?"

Mit einem freundlichen Lächeln wandte der Priester sich an Katharina: "Ob ich nun der neue Wächter dieses Ortes bin? Nun, vielleicht ist das so. Vielleicht hat Erastil mich deswegen hierher geleitet. Aber dieser Ort ist im Moment sicher nicht in Gefahr. Er hat schon eine ganze Weile hier gestanden und wird hoffentlich noch eine lange Zeit hier stehen. Wenn das Land hier besiedelt wird, hoffentlich in Einklang mit den Lehren Erastils, dann wäre es bestimmt eine große Aufgabe, diesem Schrein wieder zu neuem Glanz zu verhelfen und vielleicht sogar einen richtigen Tempel auf diesem Fundament zu errichten. Aber all das ist im Moment Zukunftsmusik. Aber eine Melodie an der ich durchaus Gefallen finden könnte."

Dann wandte sich Jhod auch Miloslav und seinen Fragen zu: "Wenn der Bär an Altersschwäche hätte sterben können, dann hätten wir ihn hier bestimmt nicht mehr angetroffen. Warum er vergangene Auseinandersetzungen überlebt hat, kann ich auch nicht sagen. Vielleicht waren es einfach keine größeren Gruppen gewesen, die er von hier vertrieben hat? Ich glaube, es war einfach an der Zeit, seine Strafe zu beenden. Das ist für mich wirklich die einzige Erklärung hierfür. Erastil ist ja vor allem auch ein Gott der Gemeinschaft. Und es ist bestimmt in seinem Sinne, wenn hier neue Siedlungen entstehen werden, dass es auch eine Heilige Stätte zu seinen Ehren gibt. Bislang hat das ja nicht so recht funktioniert. Vielleicht ist das hier ein gutes Zeichen für dieses Vorhaben. Was mich betrifft... Hochwürden? Hohepriester? Nein, nein, so weit bin ich noch lange nicht. Einfach nur Jhod, das ist mehr als genug."

Victor Yevgenov

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #468 am: 05.10.2021, 13:54:41 »
Es erstaunte Victor weniger, wie "leicht" der Bär gefallen war, als die Zusammenhänge, die einige seiner Mitreisenden in dem Vorfall sehen wollten. Jhod schien ihm da in positiver Weise nüchtern und realistisch zu sein. "Ich kenne mich mit solchen Dingen nicht aus, aber ich würde auch am ehesten auf eine Art Fluch tippen, den wir gebrochen haben. Natürlich muss hier irgendeine Magie im Spiel sein, aber dass der Ort oder gar die Götter nach einem neuen Wächter verlangen, halte ich doch für etwas weit hergeholt. Dass bisher niemand diesen Fluch gebrochen hat, mag tatsächlich nur daran liegen, dass es niemand ernsthaft versucht hat - wir sind vielleicht einfach die ersten, die versuchen, diese Gegend in einer größeren und kampfkräftigen Gruppe zu erforschen.

Aber jetzt fände ich es interessant, wie wir hier weitermachen wollen? Jhod, Miloslav: Ihr wolltet die Ruinen erforschen - ich selbst weiß nicht, was genau damit gemeint ist. Gibt es hier noch verborgene Hallen? Lohnt es sich, danach zu suchen?"

Katharina

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #469 am: 07.10.2021, 11:32:01 »
"Nun gut, egal ob es jetzt ein Fluch war, oder göttliches eingreifen. Das ganze scheint ja wohl nun ein Ende gefunden zu haben. Der Tempel ist wohl nun erst einmal wieder sicher und kann von jedem aufgesucht werden der hier beten möchte. Das ist meiner Meinung nach wohl mal ein guter Anfang. Ich muss Victor recht geben, hier scheint wohl nicht mehr viel zu sein was wir entdecken können. Das einzige was wir wohl noch nicht gesehen haben liegt in dieser Höhle aus der dieses Wesen uns entgegen gestürmt ist. Vielleicht sollten wir dort mal rein schauen ob es da noch etwas für uns interessantes gibt. Aber ansonst hält uns vermutlich wohl nicht mehr all zu viel an diesem Ort", meint Katharina während sie sich noch fragend umschaut und mit den Schultern zuckt, da sie keine weiteren Optionen sieht die es sich lohnt näher zu erkunden.

Miloslav Illjitsch

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #470 am: 09.10.2021, 10:36:59 »
"Bin ich ein Chirurg?" pflaumte Milo den Priester an, als dieser seine Fluch-Theorie ausbreitete und dabei nach der Narbe am Bärenhals fragte. Etwas an Jhods Erklärungen erboste ihn, aber er kam nicht sofort darauf, was es war.

"Die Narben habe ich wohl gesehen, aber daraus nur geschlossen, dass er offenbar schon viele Kämpfe überstanden hat. Also kein nobler Wächter, sondern ein Verfluchter, sagt Ihr? Verstehe ich das richtig: Da kommt ein Mann hierher, vermutlich weil er Erastils Gunst oder Hilfe erbitten will, indem er dem Gott ein Opfer darbringt, doch dieses Opfer missfällt dem Gott so sehr, dass er den armen Kerl auf Jahrhunderte verflucht? Für ein Missverständnis? Wäre es nicht sinnvoller, Erastil erstellte einfach konkrete Regeln oder Gesetze, was ihm gefällt und nicht gefällt? Also vielleicht etwas in der Art: Die Zehn Obersten Regeln. Erstens: Keine Tieropfer in meinen Tempeln? So deutlich muss man das schon sagen, ansonsten könnte ein Sterblicher in seinem einfachen Gemüt schon meinen, ein Tieropfer sei genau das, womit man einem Gott der Jagd gefallen könnte. Statt dessen lässt der seine Anhänger lieber selber herumrätseln, was wohl richtig sein könnte, und straft derart grausam, wer sich irrt?"

Warum konnten die Götter sich nicht deutlicher ausdrücken? Klare Gesetze aufstellen? Eine Art Vertrag zwischen ihnen und den Gläubigen? Damit könnte man sich doch viel Kummer ersparen. Jeder Beteiligte wüsste, was seine Aufgaben, Rechte und Pflichten wären, und auch das Strafmaß bei einer Verfehlung wäre im Vorhinein bekannt. Stattdessen gab es nichts als Vagheiten, Widersprüche, Parabeln, die sich so oder so oder nocheinmal völlig anders verstehen ließen. Ein Gott, dem es wirklich darum ging, die Welt der Sterblichen im Guten zu beeiflussen, würde sich doch um ein wenig mehr Klarheit und Verbindlichkeit bemühen – außer, er gefiel sich in seiner Willkür...

"Oder gibt es solche Gesetze in Eurem Glauben?" fragte er ein wenig kleinlauter. "Hat dieser Mann sie wissentlich missachtet?"

So oder so war Milo enttäuscht, dass der Bär doch nicht ein nobler Wächter war. Musste die Wahrheit immer so schäbig sein?

"Ich hatte mir halt etwas heroischeres ausgemalt. Noch etwas, bei dem ich umdenken sollte, solange ich hier in Brevoy unterwegs bin. Daheim wird jeder historische Fund genutzt, um die heroische Vergangenheit vor der Fremdherrschaft wiederaufleben zu lassen. Hier sind ein paar alte Steine nur ein paar alte Steine... Meine Untersuchung hat jedenfalls nichts interessantes an ihnen zu Tage gefördert."

Sein Blick geht zur Höhle hinüber. "Sollen wir da noch hineinschauen, oder lieber nicht? Nicht, dass wir uns hier in unserem Unwissen irgendwas zu Schulden kommen lassen und dann in ein paar Jahrhunderten erlöst werden müssen."
« Letzte Änderung: 09.10.2021, 10:47:51 von Miloslav Illjitsch »

Dungeon Master

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #471 am: 09.10.2021, 10:55:21 »
"Ich weiß genausowenig wie ihr, was hier wirklich geschehen sein mag, das ist lediglich meine Vermutung. Und wenn es wirklich so war, dann muss schon etwas sehr Drastisches geschehen sein, dass Erastil zu solch einem Mittel gegriffen hat. Ich bin mir aber sicher, dass wir hier nicht in Gefahr sind. Seht euch doch nur um!" versuchte Jhod zu erklären. "Ich sehe das vielmehr als Bestätigung, dass wir genau das Richtige getan haben."

Tatsächlich hatte Milo keine besonderen Zeichnungen oder Merkmale ausmachen können. Auch die Höhle birgt nicht noch weitere Geheimnisse, sondern lediglich das Lager des Bären, der hier so lange gelebt hatte.

Miloslav Illjitsch

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #472 am: 09.10.2021, 13:43:40 »
Milo sah nach dieser Einschränkung nicht glücklicher aus. Dass auch Jhod hier nur wilde Vermutungen aufstellen konnte, trotz göttlicher Vision, machte die Sache aus seiner Sicht nur noch schlimmer. Wieso wusste nicht einmal Jhod – als Priester! – mit Gewissnheit zu sagen, ob Tieropfer eine angemessene Gabe für seinen Gott waren oder aber ein gar schrecklicher Frevel? Wieso musste selbst ein Priester hier blind herumraten? Das war doch armselig. Oder war Jhod nur so gänzlich unbewandert in den Dogmen seines Glaubens? Vielleicht nicht einmal ein echter Priester? So oder so, wie sollte man einem derart unwissenden Mann die Versicherung abkaufen, dass ihnen an diesem Ort nun keinerlei Gefahr mehr drohe, weil man ja 'das Richtige' getan habe?

Milo zuckte mit den Achseln. "Gut, werter Jhod. Wenn Ihr nicht hierbleibt, wohin wollt Ihr dann als nächstes?" Worauf er sich an die Runde wandte: "Und wohin wollen wir als nächstes?"
« Letzte Änderung: 09.10.2021, 13:47:57 von Miloslav Illjitsch »

Calxu

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #473 am: 10.10.2021, 16:14:15 »
Nachdem der Mann im Bärenpels gefallen war und der alte Schrein seinen Glanz zurück gewann, hatte er sich aufgemacht den Schreinbereich abzuschreiten. Sein Schwert behielt er dabei, bereit auf mögliche Überraschungen zu reagieren, in der Hand. Dabei Danke er Iomedae für ihren Beistand und war sich gewiss, dass Wille nicht fehlte. Denn der Tempel war nun wieder gereinigt. Der Mann im Bärenpels hatte einen guten Kampf geliefert und allein ihre Schiere Anzahl hat ihnen eine gute Position gegeben. Er wollte sich nicht ausmalen, was wäre wenn sie nichts Schrein gewusst hätten und hier blind hineingelaufen wären.

„Wohin wollen wir als nächstes?“ wiederholte Calxu die Frage von Miloslav. Tief atmete er nun ein und steckte sein Schwert, nachdem er es sauber gemacht hatte, zurück in die Scheide. „Wir sollten en Wald um den Tempel erkunde. Dann können wir entweder weiter nach Nordwesten oder nach Süden beziehungsweise Südosten. Auf jeden Fall müssen wir aber auch irgendwann zurück zum Handelsposten um unsere Reisevorräte aufzufüllen. Persönlich wäre ich für den westlichen Weg, da wir ja schon in dieser Region sind.“ Nach diesen Worten wendete er sich Jhod zu und fügte an „Wenn im Sinne von Erastil nichts dagegen spricht, können wir dann hier am Schrein übernachten? Es wäre ein guter Lagerplatz und der Schrein ist schließlich jetzt wieder sicher. Wenn Ihr mögt Jhod, könnt ihr uns gerne zurück zum Handelsposten begleiten. Wir haben aber auch die Aufgabe der Schwertfürsten und müssen den Wald und die Ebenen erkunden, was unsere Rückkehr zum Handelsposten insgesamt wohl um einige Tage verzögert. Mir persönlich wärt ihr gewiss ein willkommener Gast an unserem Lagerfeuer.“ 
« Letzte Änderung: 10.10.2021, 16:14:49 von Calxu »

Victor Yevgenov

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #474 am: 10.10.2021, 17:08:33 »
Victors unklare Haltung gegenüber dem neuesten Mitglied ihrer kleinen Gemeinschaft schlug mehr und mehr in Amüsiertheit um. Dass sich jemand derart über geschriebene oder ungeschriebene Gesetze der Götter echauffieren konnte? Auf der einen Seite schien Miloslav damit ein natürlicher Verbündeter Victors zu sein, der ja schon seit geraumer Zeit immer wieder darauf hinwies, dass es klare und verlässliche Regeln geben musste, wenn sie dieses Land hier besiedeln wollten. Auf der anderen Seite jedoch war der Mann ihm doch ein wenig zu sehr götterfixiert.

"Wenn die Götter klare Regeln aufstellen würden, wären es doch nicht mehr wirklich Götter, werter Miloslav. Schließlich leben Götter doch von Ungewissheit und Mysterien. Würde sich alles Göttliche mit Logik und Wissenschaft erklären lassen, hätten doch die Menschen - und Zwerge, Elfen, und andere - keinen Bedarf mehr an Göttern, sondern könnten gleich die Wissenschaft anbeten! Ach, wäre es doch so." fügte er seufzend hinzu.

"Nein, meiner bescheidenen Meinung nach ist es genau diese Willkür, die die Götter ausmacht. Sicher, ehre mich, bete mich an, und vielleicht beschenke ich dich mit meinem Segen. Aber vielleicht habe ich auch gerade einen schlechten Tag und lasse einen Blitz herniederfahren, der dich verbrennt. Und später behaupte ich dann, es läge an der Farbe deiner Schuhe, die in meinem Glauben leider verboten ist.
Ich persönlich denke, die Götter sind wie kleine zornige Kinder, die leider zu viel Macht bekommen haben. Am besten hält man sich von ihnen so fern wie möglich, dann ignorieren sie einen womöglich. Das beste Szenario, das ich mir vorstellen kann.

Ordnung und Regeln in diese Welt bringen müssen wir Sterblichen. Und das sollten wir auch tun."
schloss er seinen Vortrag mit einem erneuten, wenn auch nur kurzen, Appell an das, was er immer noch für ihre Aufgabe hielt. Diesmal jedoch beließ er es dabei; es war weder der Ort noch die Zeit, um einen weiteren Streit um das Thema zu führen.

Da die Höhle nichts weiteres zutage brachte und weder Jhod noch Miloslav entgegen ihrer vorherigen Ankündigungen besonders erpicht darauf schienen, hier noch mehr Zeit zu verbringen, stellte sich nun tatsächlich die Frage, wohin sie sich von hier an wenden sollten.
"Da wir schon einmal hier sind, würde ich vorschlagen, wir reisen noch weiter bis zu dem Ort, an dem der tote Fallensteller liegen bzw. gelegen haben soll. Und auf dem Rückweg könnten wir uns noch etwas weiter südlich halten und den Wald dort kartographieren. Schließlich werden wir und irgendwann mit dem Hirschkönig beschäftigen müssen, und da ist es sinnvoll, wenn wir die Gegend zwischen unserem Lager und dessen Fort besser kennenlernen."

Miloslav Illjitsch

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #475 am: 10.10.2021, 20:48:36 »
"Ja, genau, die Willkür! Das ist es, was mich schaudern lässt. Und die abgründige Unverhältnismäßigkeit der Strafe zum Vergehen. Ich möchte nicht an diesem Ort übernachten", schloss Milo entschieden in Richtung Calxu.

Victors Rede, die Götter seien für ihn wie kleine, zornige Kinder, die leider zu viel Macht bekommen haben, ließ Milo nervös um sich blicken. Hoffentlich nahm Erastil keinen Anstoss an derlei Frechheiten! Mit Victors vorigem Punkt war Milo ja noch einverstanden und auch mit dem darauffolgenden (und letzten), die beide sein zustimmendes Nicken verdient hatten. Aber zornige Kinder sollte man Götter dann doch besser nicht nennen, erst recht nicht in einem ihrer Tempel. Blasphemie! Auf wieviele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte wurde man wohl dafür verflucht?

Sein Blick streifte Jhod. Nein, für Milo selbst wäre das nichts, so ein Priesteramt. Dann doch lieber einen Pakt mit einem Shaitan! Zwischen Nubnefer und ihm war wenigstens alles haargenau vertraglich abgeklärt.

"Lasst uns lieber noch das Gebiet weiter erkunden. Vorräte hätte ich noch für drei Tage. Victors Vorschlag klingt doch nicht schlecht. An der Kartographierarbeit beteilige ich mich gerne, so meine Hilfe erwünscht ist. Und wer oder was ist der Hirschkönig? Calxu erwähntet ihn einmal, aber da hatten wir uns gerade erst getroffen, weshalb es mir nicht in den Sinn kam, euch darob mit Fragen zu löchern."

Victor Yevgenov

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[IC] Kapitel 1: Geraubtes Land
« Antwort #476 am: 11.10.2021, 09:03:13 »
Zu Miloslavs Frage äußerte Victor sich gerne; endlich einmal etwas Konstruktives!
"Nun, der Hirschkönig, so nennt er sich wohl selbst, ist scheinbar eine Art Oberhaupt eines Zusammenschlusses von Räuberbanden. Wir haben eine dieser Banden ausgehoben, die Olegs Handelsposten längere Zeit jede Menge Ärger gemacht hatte. Die Räuber haben uns mehrfach damit drohen wollen, dass der Hirschkönig sich rächen werde. Mit hartnäckigem Nachfragen haben wir inzwischen eine grobe Ahnung, wo dieser selbsternannte König sein Lager, Festung, oder wie auch immer man es nennen will, hat. Früher oder später müssen wir uns mit ihm und seiner Bande beschäftigen, wenn wir den Wald sicherer machen wollen. Vorher müssen wir aber mehr erfahren: Wie viele Männer hat er? Wie viele Banden gibt es und wo treiben sie ihr Unwesen? Wie befestigt ist sein Fort? Solche Sachen halt."

Katharina

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« Antwort #477 am: 11.10.2021, 09:59:00 »
"Ich würde auch sagen das wir erst hier einmal noch alles aufzeichnen was von Interesse sein könnten und uns dann Richtung Süden halten um dort die Karte zu vervollständigen. Vielleicht geben die Überreste des vermeintlichen Jäger ja auch noch ein paar neue Erkenntnisse. Danach sollten wir dann auf jeden Fall die eingesammelten Fallen mal zum Handelsposten bringen und uns dort nach Neuigkeiten erkundigen, uns erfrischen, neue Nahrungsmittel aufnehmen und dann beraten wie wir weiter vorgehen wollen", meinte Katharina zu Victors Vorschlag.

Calxu

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« Antwort #478 am: 11.10.2021, 10:21:50 »
Aus Calxus Nasenlöchen quoll mehr und mehr rauch je länger Victor sprach. Spätestens als Miloslav ihn erwähnte, und wohl auch zu Ihm sah, viel auf wie angespannt dieser Diener einer Gottheit gerade war. „Victor …“ begann er in einem scharfen Tonfall und ließ den Schwanz über die Bodenplatten unter sich scharren „… ich hoffe du willst damit nicht sagen, dass Iomedae nur ein kleines Mädchen ist, was ihre selbst erreichte Göttlichkeit nicht verdient hat? Und damit auch, dass das Streben ihrer Diener, ihren Taten zu folgen, eine Dummheit ist?!“ Zwischen Calxus Zähnen züngelten bei den beiden Sätzen immer mal wieder kleine Flammen durch. Dann schloss er jedoch die Augen und ließ das Feuer versiegen, was an den fahler werdenden Rauch gut zu erkennen war. „Gleich ob wie Iomedae, ein sterbliches Wesen was Göttlichkeit fand, oder wie Desna, die Schöpferin der Sternen in einer Zeit wo es kein Leben gab, sie sind weder Einbildung noch Kinder mit zu viel Macht. Wer sich mit ihnen beschäftigt, was du offensichtlich nicht tust, der kennt ihre jeweiligen Regeln. Der weiß ganz genau was verboten ist, was fraglich ist und was erlaubt. Aber wie du sagst, die Ordnung und die Regeln bringen die Sterblichen. So gibt es natürlich Auslegungen von den Glaubensregeln, welche aber stark mit der Kultur der jeweiligen Sterblichen zusammenhängen. An den Grundregeln ändert dies aber nichts. Ich kann dir versprechen, dass du selbst in einem Land in dem Sklaverei zum guten Ton gehört, keinen Diener Iomedaes finden wirst, welcher seine Kampfkraft an den Sklaven testet nur weil es nach den sterblichen Regeln dort machbar wäre.“ Eigentlich hatte er versucht sich aus den Mutmaßungen um den Mann im Bärenpels rauszuhalten. Das war schließlich Jhods Territorium. Aber hier und jetzt konnte er sich auch vorstellen, dass der Mann ein Jäger war, der im Blutdurst selbst Bärenkinder tötete und so die Strafe des Jagdgottes auf sich zog. Der Jäger brauchte nicht an Erastil zu glauben um bestraft zu werden.

Den Blick von Victor abwendend, merkt er zu Katharina an "Der tote Jäger müsste von hier aus im Norden sein. Es bietet sich eher Westen oder Nordwesten an um die Gegend weiter zu erkunden. Das können wir gerne heute Abend am Lagerfeuer noch auspfeilen, solange können wir den Wald hier um den Schrein erkunden.“

Victor Yevgenov

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« Antwort #479 am: 17.10.2021, 18:49:43 »
Victor hatte offensichtlich in ein Wespennest gestochen; aber eigentlich war ihm das vorher schon klar gewesen. Der scharfe Ton in Calxus Stimme überraschte ihn daher nur wenig. Dennoch hatte er nicht vor, hier klein beizugeben.
"Ich wollte dir nicht persönlich zu nahe treten; jeder darf an das glauben, was er möchte. Es mag sein, dass manche Götter ihre Regeln klarer formulieren als andere, doch letztlich bleibt es Willkür, die sie sich nur daher herausnehmen können, da sie über eine übermenschliche Macht verfügen. Hätte ich das Gefühl, dass die Taten der Götter und ihrer Anhänger in Summe einen positiven Einfluss auf unsere Welt hätte, würde ich womöglich anders denken. So aber glaube ich, dass es für die Welt besser wäre, die Götter würden uns vollständig alleine lassen, sich um ihre eigenen Belange kümmern, und würden die Welt den Sterblichen überlassen, die auf ihr leben müssen."

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