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Autor Thema: Kapitel 3: Freiburg  (Gelesen 1330 mal)

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Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #45 am: 24.06.2021, 21:48:20 »
Die Frau schien nur wenig beeindruckt von seiner Vorstellung zu sein - hatte denn in dieser Stadt niemand Respekt vor dem Adel? Sie blickte ihm direkt in die Augen, statt sie, wie es jeder auf diese Weise angesprochene in seiner Heimat getan hätte, zu senken, und antwortete ihm.
"Ich würde mich bei Euch entschuldigen, werter Gentilhomme" sagte sie ruhig. "Doch ich habe Euch ja gerade nicht für Banditen gehalten. Daher ja meine Frage, die Ihr noch nicht beantwortet habt."

Jelena Sejm Petrasowna

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #46 am: 25.06.2021, 15:24:22 »
Im Gegensatz zu ihren Begleitern war Jelena mit großer Aufmerksamkeit bei den technischen Errungenschaften bezüglich der Spritzen. Als ihr jedoch klar wurde, dass ihre vertiefenden Fragen keine hinreichenden Antworten bekommen werden, zog sie die Besichtigung nicht weiter in die Länge.

Das Viertel, in das sie auf dem Weg zu ihrer Tante gelangten, sagte der Halbnomadin trotz einer gewissen Enge zu. Das ihr Klopfen unbeantwortet blieb, enttäuschte sie nur mäßig. Ruhig wandte sie sich an die anderen: "Dann fragen wir die Nachbarn und versuchen es später noch einmal." Bevor sie den Plan in die Tat umsetzen konnte, wurden sie angesprochen. Sie fuhr herum und betrachtete die Sprecherin intensiv. Irgendwie hoffte sie, Ähnlichkeiten mit ihrer Mutter oder zumindest ihrem Volksstamm zu finden. Es blieb ernüchternd wenig.

Ein wenig nervös fingerte sie ein kleines, altes und feingeschnitzes Holzkästchen Schnupftabak hervor. Sie wollte gerne das traditionelle Begrüßungsritual des Tabaktausches, so wie es die Familie ihrer Mutter stets gehalten hat, anbieten, doch war sie unsicher, ob es wirklich angebracht war. Sie kam sich wie ein naives kleines Mädchen vor. Nach kurzem Zögern erinnerte sie sich daran, das Furcht ihr Handeln nicht bestimmen durfte und mit einem gewinnenden Lächeln bot sie das Kästchen an. Dabei beruhigte sie in Louis Richtung: "Bitte, es ist nichts Persönliches, nur eine Redensart." Wieder in Richtung der älteren Dame begann sie in einem Ussurisch mit östlichm Akzent: "Tetya Galinda Susdal' Mikhaylova, ili vy by predpochli, chtoby vas nazyvali Galindoy Akhternbush? YA Yelena Seym Petrasovna, srednyaya doch' vashey sestry Ksenii. Poka my znayem drug druga tol'ko cherez vashu perepisku. YA ... my tol'ko chto pribyli v gorod i nuzhdayemsya v znaniyakh i pomoshchi kogo-to, kto znayet eto mesto po razlichnym voprosam? No, mozhet byt', nam sleduyet vernut'sya k ayzenlandskomu yazyku iz vezhlivosti ko vsemu, chto moim tovarishcham razresheno slyshat'."[1]

Sie trat nahe genug heran, dass die Dame das Kästchen ergreifen konnte, ohne weitere Begrüßungsgesten anzukündigen. Die Familie ihrer Mutter war immer zurückhaltend mit Herzlichkeit gewesen. Außerdem ließ sie ihrem gegenüber genug Zeit, etwaige Missverständnisse zu ihrer Person auszuräumen. "Dies ist Hanna Waldeck.", stellte Jelena kurz die dritte im Bunde vor: "Ich habe ihn und sie auf der Reise hierher kennen- und schätzen gelernt und in einem Anliegen arbeiten wir auf das gleiche Ziel zu. Aber bevor wir dazu kommen, wollen wir dir unser herzliches Beileid für den Verlust von Georg bekunden. Wie geht es dir und dem Rest deiner Familie?", erkundigte sie sich freundlich.

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« Letzte Änderung: 25.06.2021, 15:27:55 von Jelena Sejm Petrasowna »

Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #47 am: 28.06.2021, 03:01:08 »
Mit einem Lächeln wandte sich Friedrich seinem Freund zu und nickte. "Ja, ich denke, wir können weiter. Ich komme mit dir, wenn du dich bei dem Turnier anmelden willst. Danach möchte ich mein Glück beim Adel versuchen oder aber dem Präsidenten der Universität. Ich denke, das ist eher mein Fachgebiet." Er strich sich mit einer Hand durch den Bart. "Gehen wir zuerst zum Turnier. Wir haben ja genügend Zeit." Mit diesen Worten setzte sich Friedrich wieder in Bewegung.
« Letzte Änderung: 28.06.2021, 03:01:25 von Friedrich Alfred von Dent »

Louis de Fromage Puant

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #48 am: 29.06.2021, 11:03:51 »
Die selbstbewusste Antwort der Frau ließ Louis zwar kritisch die Augenbrauen in die Höhe ziehen, doch immerhin: Man konnte ihre Worte mit einiger Großzügigkeit als einer Entschuldigung ausreichend ähnlich verstehen, um seinem Ehrgefühl genüge zu tun. Da dasselbe Ehrgefühl ihm auch Galanterie gegenüber dem weiblichen Geschlecht gebot, räusperte er sich und deutete eine kurze Verbeugung an. "In diese Fall iesch akseptiere Eure Erklärung, madame. Die werte demoiselle Schelena 'at Eusch soeben erzählt, worum es geht - wie iesch vermute" merkte der Montaigner ob des ihm unverständlich Wortschwalls der Ussurerin an. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Iesch darf Eusch auch meine Mitgefühl für die Verlust versieschern, die Eusch getroffen 'at, madame..!"

Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #49 am: 30.06.2021, 01:00:55 »
Die ältere Frau stutzte kurz, als sie die Schnupftabakdose sah und schien dann wie vom Donner gerührt, als Jelena ihre Geschichte erzählte. Einen kurzen Augenblick blieb sie reglos stehen, dann griff sie nach der Dose, überlegte kurz und schlang dann ihre Arme um die junge Frau, die ihre Nichte war.

"Yelena! Kseniya dochka! YA mogu dozhit' do togo, chtoby uvidet'! Vy nastoyashchaya ledi."[1]
Sie ließ Jelena wieder los, trat einen Schritt zurück und begutachtete ihr Gegenüber von oben bis unten, dann lächelte sie deren zwei Begleiter an.
"Verzeiht mir bitte, Herr Fromahsch! Aber wenn Ihr so aufgewachsen wärt wie ich, wärt Ihr auch vorsichtig, wenn ein adlig Gekleideter vor Eurer Pforte warten würde. Doch wenn Ihr ein Begleiter meiner Nichte seid, dann kann ich Euch wohl vertrauen.
Aber Jelena, wieso diese formale Anrede? Wir sind doch Familie! Ja, ich weiß, Ksenja hatte immer einen Stock im Hintern, wie man hier sagt. Aber bei mir musst du nicht so vorsichtig sein.

Aber kommt doch herein, wir trinken einen Vodka zusammen! Ich muss gestehen, ich habe in den meisten Dingen die Gebräuche meines verstorbenen Gatten und dieses Landes angenommen. Aber ich habe immer eine Flasche echten ussurischen Vodkas im Haus. Ich kenne einen Händler, der ihn mir direkt aus der alten Heimat besorgen kann."
sagte sie mit einem Zwinkern.

"Wen oder was suchst du denn? Ich kann dir sicherlich behilflich sein; ich denke, ich kenne die Stadt beinahe wie meine Westentasche."
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Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #50 am: 30.06.2021, 01:19:28 »
Währenddessen verabschiedeten sich die beiden Kreuzritter von ihrem Ordensbruder und gingen von dort aus zum Reinhagen, in dem sich das große Amphitheater befand. Das Viertel lag direkt nördlich des Steins, so dass sie schnell dorthin gelangten, und das Theater selbst war nicht zu verfehlen. Vor dem gewaltigen Oval, das rundum von Tribünen umschlossen war, befand sich ein großer, von Bäumen beschatteter Platz, auf dem zumindest zu dieser Tageszeit nicht allzu viel Betrieb war. Hier fand allerdings auch kein Markt statt, sondern es schien eher eine Flaniermeile zu sein, die sich dann füllte, wenn eine große Veranstaltung im Reinhagen stattfand. 

Insgesamt war dem Viertel anzumerken, dass hier vor allem Künstler, Ateliers und Schauspielhäuser ihr zuhause hatten. Die Architektur war ein wenig ausgefallener, die Schilder an den Häusern ein wenig kreativer, und die Hektik des Alltags in den anderen Vierteln war hier ein wenig weniger ausgeprägt.

Leer war der Platz jedoch nicht: An einer Stelle fand sich eine kleine Menschenmenge, und es war dort, wo die Anmeldungen für den Wettkampf entgegengenommen wurden. Die meisten, die hier warteten, schienen jedoch selbst nicht teilnehmen zu wollen, sondern beobachteten nur interessiert die Teilnehmer. Jedesmal, wenn eine Person an den Tisch trat, hinter dem ein streng blickender Mann die Namen in eine Liste eintrug, erhob sich unter den Zusehern ein Applaus und es wurden recht offen die Siegchancen diskutiert.

Wenige Meter daneben hatte eine geschäftstüchtige Eisenländerin einen kleinen Grill aufgebaut, auf dem eine Reihe von rotbraunen Würsten zischten und knapp vor dem Bersten zu sein schienen. Als Erich und Friedrich sie passierten, rief sie ihnen zu: "Grillwurst im Brötchen, die beste in Freiburg!"

Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #51 am: 02.07.2021, 06:04:17 »
Zum Glück lag ihr Ziel nicht weit entfernt und sie konnten es innerhalb kurzer Zeit erreichen. Das Viertel gefiel Friedrich sehr. Er sah sich neugierig um und nahm sich ein bisschen Zeit, die kunstvollen Verzierungen und Gegenstände anzusehen. "Schade, dass wir so viel zu tun haben. Ich würde mich hier gerne mal genauer umsehen.", kommentierte er den kleinen Spaziergang. Vielleicht hatte er dafür Zeit, wenn das alles vorbei war. Für den Moment gab es wichtigeres zu tun.
Sie erreichten einen schattigen Platz auf dem anscheinend die Anmeldung für den Wettstreit stattfand und das unter ziemlichem Zuspruch und Applaus. Na das war mal eine nette Aufnahme. Kaum näherten sie sich der Menschenmenge, da wurden sie von einer Frau auf die besten Grillwürste der Stadt aufmerksam gemacht. Friedrich hob eine Augenbraue. "Das werden wir sehen. Ich nehme zwei, gute Frau." Er nickte Erich dabei zu. Er würde sicherlich nichts dagegen haben.

Jelena Sejm Petrasowna

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #52 am: 04.07.2021, 09:56:24 »
Der überraschend herzliche Empfang löst bei Jelena ein kurzes, aber herzliches Lachen aus, mit dem sich die ganze Anspannung löst. Sie erwidert die Umarmung und meint: "Ledi? Skazhem, vyrosli. A mama vse yeshche v poryadke, ty mozhesh' schitat', chto tebe povezlo s ottsom, kogda on otkryl rot dlya chego-to drugogo, krome pit'ya, yedy ili kryakhteniya."[1]

Sie gab ihrer Tante Gelegenheit, mit den anderen zu sprechen, bevor sie die Einladung vernahm. Die Aussicht auf Alkohol ließ sie wieder ein wenig nervös werden. Hoffentlich reichte ein Gläschen aus Höflichkeit, sie durfte nicht die kontrolle verlieren. Trotzdem sagte sie: "Danke für das Angebot, es ist zu gütig! Wir wollen dir aber so ein klares Wässerchen nicht wegtrinken, ein Glas zum Genuß vielleicht? Danach können wir uns über unser Anliegen unterhalten." Gleichzeitig versuchte sie ihren Begleitern zu signalisieren, dass es üblich war, zunächst den Alkohol zu teilen, bevor man ins Geschäft kam - und das Vodka ordentlich Wirkung hatte.

Nachdem sie es sich drinnen gemütlich gemacht, den Schnaps genossen sowie ein wenig über Familie und Reisen ausgetauscht hatten, fing Jelena an, zu ihren Anliegen zu kommen: "Nun, nochmal danke für dein Hilfsangebot, aber hör erstmal, worum es geht. Das erste ist politisch, und nicht ungefährlich: Wir sind den finsteren Plänen Roswitha von Wirsches mehrfach in die Quere gekommen und haben uns einer Gruppe angeschlossen, die eine Allianz von Eisenländern gegen sie schmieden möchte. Welche Persönlichkeiten müsste man hier in Freiburg überzeugen, um die Stadt gegen Wirsche einzunehmen?" Sie gab Galinda Zeit, das Gesagte zu verdauen und beobachtete ihre Reaktion.

Erst später kam sie mit ihrem eigenen Anliegen um die Ecke: "Das andere ist privater Natur: Du kennst nicht zufällig eine Valerija, die in den Diensten von Liljia von Fahrenbach aus dem sarmatischen Bund steht? Ihre Familie hatte den Kontakt zu ihr verloren und nun ist Valerijas Mutter verstorben, deretwegen sie seit über zehn Jahren in Lilijas Schulddiensten steht. Ich wollte Valerija informieren und nachschauen, wie es ihr ergangen ist." Mit einem gewissen Hintergedanken an ihren inneren "Gast" fügte sie hinzu: "Vielleicht reicht es auch schon zu wissen, wo man Sarmaten hier in der Stadt findet, könnte ja sein, dass sie zu denen Kontakt pflegt."

Irgendwann schob sie auch noch die folgende Frage ins Gespräch: "Wir würden uns gerne einen positiven Ruf und ein wenig Kleingeld verdienen. Wüsstest du, wo ein paar Kämpfer mit Wildnis- und Tierkunde, Heilkunde, Fahrkünsten, akademischer Ausbildung oder charmantem Auftreten sowas erringen könnten?" Bei der Aufzählung ihrer Fähigkeitn hatte sie ein Schmunzeln im Gesicht.
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Erich Janina Graustein

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #53 am: 04.07.2021, 10:49:10 »
Nach dem kurzen Weg durch die Stadt hatten Friedrich und Erich den gesuchten Ort ohne Probleme gefunden. Als Friedrich anbot sich um das leibliche Wohl zu kümmern nickte ihm Erich anerkennend zu "Ja etwas zu essen könnte ich jetzt auch gebrauchen. Halte mir auf jeden Fall eine Wurst warm bis ich mich angemeldet habe."

Mit diesen Worten wandte sich Erich dann von seinem Freund ab und ging zur Anmeldung rüber "Bin ich hier richtig wenn ich mich für das Turnier anmelden möchte?"

Louis de Fromage Puant

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #54 am: 04.07.2021, 11:13:11 »
Es kam Louis sichtlich schwer an, sich so wenig an dem Gespräch beteiligen zu können, doch wahrte der Musketier eine stramme Haltung. Den Hut hatte er kurz gelüftet, die Linke ruhte wieder auf dem Griffstück der Danseuse. So hörte er mit würdiger Miene zu, reimte sich zusammen, was die ihm unverständlichen Teile der Konversation wohl in etwa beinhalteten, und begnügte sich mit einem bestätigenden Nicken an den passenden Stellen von Jelenas Vortrag. "Wir wären für 'ilfreische Ratschläge in der Tat dankbar, madame" fügte er hinzu.

Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #55 am: 04.07.2021, 23:35:49 »
Friedrich stand nach dem Austausch einiger kleinerer Münzen mit einer duftenden Wurst in jeder Hand da, denn Erich wollte wohl nicht riskieren, dass ihm die fettige Tunke auf das Hemd tropfte, bevor er sich zu dem Turnier angemeldet hatte. Friedrich hingegen nahm einen vorsichtigen Bissen, und sein Herz machte einen Sprung. Sicherlich hatte er auf Banketten schon köstlichere Gaumengenüsse gekostet als dies hier, doch nach den doch eher kargen Rationen, die sie seit ihrem Aufbruch aus Naumburg unterwegs zu sich genommen hatten, erschien ihm diese saftige Wurst mit einer würzigen Soße wie der Himmel auf Erden!
Sicher, das Essen bei Perchta war ebenfalls hervorragend gewesen, doch der Besuch bei ihr erschien ihm inzwischen beinahe wie ein Traum zu sein und manchmal zweifelte er daran, ob sie tatsächlich dort gewesen waren.

In Windeseile war seine Wurst verputzt, und er blickte auf seine andere Hand, in der er die zweite für Erich hielt. Eine würde sicher noch in ihn hineinpassen, und schließlich war die Verkäuferin ja noch da.

Erich schritt derweil unter dem Jubel der Menge, die sofort registriert hatte, dass dort ein weiterer Aspirant auftrat, auf den Mann mit der Liste zu.
"Ah, ein weiterer Recke, der sich mit den Besten messen will!" begrüßte ihn dieser und zückte die Feder. "Wen darf ich eintragen?"

Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #56 am: 05.07.2021, 00:09:31 »
Die vier versammelten sich im Haus der Tante um einen kleinen Tisch, der sich in der Küche befand. Sie stellte jedem ein kleines Glas hin und füllte es mit einer klaren Flüssigkeit, wobei Louis sich fragte, was für ein Aufhebens sie um solch eine winzige Menge machte. Er erklärte sich die Größe des Glases damit, dass es sich wohl um Frauenportionen handeln musste, und kippte den Vodka mit einem einzigen Schluck herunter, nur um einen Moment später mit den Tränen zu kämpfen, als seine Kehle in Flammen stand - oder so schien es ihm. Jelena, die wusste was kam, näherte sich dem Getränk deutlich vorsichtiger und nippte zunächst nur, um ihre Tante nicht vor den Kopf zu stoßen.

Dann jedoch kamen die Anliegen Jelenas zur Sprache, und Galinda hörte aufmerksam zu. Auf die erste Frage antwortete sie zunächst mit einem Schulterzucken. "Die große Politik ist nichts für mich, und auch wenn ich schon lange in den Eisenlanden lebe, ist mir der Streit zwischen den Eisenfürsten fremd - ich bin froh, wenn ich meinem Geschäft nachgehen kann, immer genug zu essen habe und ein Dach über dem Kopf. Wer irgendwo wem den Kopf einschlägt, ist dabei für mich zweitrangig.
Allerdings ist es kein Geheimnis, dass in Freiburg nichts gegen den ausdrücklichen Willen von Wilma Probst geschieht. Und auch der Rat hat einiges zu sagen, doch weiß ich nicht viel über die Ratsmitglieder.

Einer von ihnen ist jedoch Thomas von Fahrenbach, und da komme ich auf deine zweite Frage. Was immer du von seiner Gattin Lilija willst, überleg es dir zweimal! Ich kann dich nur vor diesen beiden warnen, es sind keine guten Menschen. Von einer Valerija weiß ich nichts, aber wenn sie in deren Diensten steht, dann ist es womöglich das beste, wenn du sie nicht mehr findest, weil sie nicht mehr unter den Lebenden weilt. Das könnte das leichtere Schicksal sein."


Die Farbe vollends aus ihrem ohnehin schon bleichen Gesicht gewichen, und sie schien ernsthaft um Jelenas Wohl besorgt zu sein. Sie schenkte sich - und jedem, der nicht ablehnte - erneut ein und leerte ihr Glas in einem Zug. Erst dann kehrt wieder etwas Farbe in ihr Gesicht zurück und sie antwortete auf das dritte von Jelenas Anliegen.
"Ich weiß nicht, wen du da beschreibst, aber ein solches Multitalent findet sicherlich überall eine Anstellung. Freiburg ist eine prosperierende Stadt, allenthalben werden hier Männer und Frauen für alle möglichen Anstellungen gesucht. Durch mein eigenes Metier kann ich dir sagen, dass jemand, der in den Heilkünsten bewandt ist, sich an das Krankenhaus der Universität wenden kann - dort werden immer wieder helfende Hände benötigt, und man kann dort außerdem noch einiges lernen."

Erich Janina Graustein

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #57 am: 10.07.2021, 10:11:05 »
Erich streckte sich ein wenig um noch etwas größer und beeindruckender aus zu sehen "Ihr dürft vermerken das Alfred Jelena Stein beabsichtigt am Turnier teil zu nehmen. Doch sagt mir noch an wen kann ich mich wenden um die genauen Regeln dieses Turnier zu erfahren? Es gib schließlich unzählige Varianten eines Turnier. "

Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #58 am: 15.07.2021, 14:13:17 »
"Die Regeln!" seufzte der Angesprochene, und es hatte den Anschein, als ob ihm die Frage unglaublich lästig wäre.
"Alle wollen immer die Regeln kennen. Kunst kennt keine Regeln! Sind es nicht Regeln, die die Kreativität des Geistes beschränken und uns von der wahren Entfaltung abhalten?"
All das zeterte der Mann eher vor sich hin, als dass es an Erich gerichtet wäre. Jetzt jedoch schien er sich wieder an seinen Besucher zu erinnern.
"Entschuldigt bitte, manchmal gehen die Gäule mit uns durch. Ursprünglich planten wir Spiele in einer anarchischen Ursprünglichkeit: Die Gräuel des Krieges sollten dem Publikum ohne einen Schutzfilter dargebracht werden. Wir wollten eine Schlacht darstellen, bar jeder Regeln!

Kurz gesagt: Es gab Widersprüche. Niklas Träge befürchtete wohl, dass eine solche Veranstaltung ein schlechtes Licht auf Freiburg wirft. Natürlich! Wie kann auch ein Politiker die Freiheit der Kunst verstehen!
Wir mussten das Konzept komplett neu entwickeln, und dann kamen noch die Duellantenschulen mit ihren Bedenken, dass wir auf keinen Fall sanktionierte Duelle durchführen dürfen.

Nun, wir haben uns nun für einen anderen Weg entschieden: Wir werden die Gladiatorenkämpfe der Antike wieder aufleben lassen. Es wird ein rundenweises Ausscheidungssystem geben. Jeweils zwei Teilnehmer treten in Begegnungen (Duell dürfen wir es nicht nennen) gegeneinander an, der Sieger kommt eine Runde weiter. Die Begegnungen werden ausgelost. Das ganze wird weitergeführt, bis am Ende die letzten verbliebenen Kämpfer im Finale stehen.
Die Waffen werden in jedem Duell den beiden Gegnern zugelost aus einer Auswahl typischer antiker Gladiatorenwaffen, wie zum Beispiel der Dreizack. Die Waffen sind ausnahmslos abgestumpft, um schwere Verletzungen weitgehend auszuschließen.

Ich hoffe, das hat die meisten Fragen beantwortet."

Erich Janina Graustein

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #59 am: 16.07.2021, 11:44:28 »
Erich hörte sich den Vortag des Mannes an und nickte zwischendurch immer mal wieder bestätigend. "Nun gut das soll für den Anfang ausreichend sein. Dann weiß ich ja was auf mich zukommen wird. Eine letzte Frage hätte ich dann aber doch noch. Wie viele Kämpfer haben sich angemeldet? Und wann genau muss ich mich wo melden damit ich erfahre welches Los ich gezogen habe?"

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