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Autor Thema: Kapitel 3: Freiburg  (Gelesen 2008 mal)

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Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #105 am: 15.12.2021, 17:42:22 »
Kaum war die Auslosung beendet, startete auch schon das Viertelfinale. Ab jetzt wurde jede Partie einzeln und unter voller Aufmerksamkeit des Publikums ausgetragen, und das Los wollte es, dass Erich den ersten der Kämpfe bestreiten musste.

Diesmal wurde schnell deutlich, dass Erich, mit dem Vorteil des Schwertes, seinem Gegner nicht den Hauch einer Chance lassen würde. Wie deutlich und schnell er den Kampf für sich entscheiden würde, war nur davon abhängig, ob Erich sich absichtlich zurückhalten würde.

Die zweite Partie trug Heinrich Dray gegen Amelia Binz, die letzte weibliche Teilnehmerin des Turniers aus. Und diese startete furios und drängte den Befehlshaber von Wirsches Truppen sofort in die Defensive, konnte dabei einige gute Treffer landen. Dann jedoch schlug Dray zurück und revanchierte sich, woraufhin das Duell hin- und herwogte, ohne dass eine klare Tendenz sichtbar würde. Kurz vor Schluss jedoch, während jeder scheinbar nur auf den Fehler des Gegners lauerte, wagte Binz einen Ausfall und schaffte es, ihren Gegner völlig zu übertölpen, so dass er für einige Momente das Gleichgewicht verlor und mehrere Treffer kassierte. Wild versuchte er, in den letzten Sekunden des Kampfes noch zum Gegenschlag auszuholen, doch es war bereits zu spät. Unter dem ohrenbetäubenden Jubel des Publikums und zur absoluten Überraschung aller war das Turnier für Heinrich Dray beendet und er verließ ohne weiteren Gruß die Arena, während Amelia Binz noch eine ganze Weile den Jubel des Publikums über sich ergehen ließ, bevor schließlich mit einiger Verspätung die nächste Partie begann.[1]

Der Höhepunkt des Viertelfinals war nun sichtlich überschritten, denn das Publikum diskutierte weiter die sensationelle Niederlage Drays, so dass die weiteren Partien eher zur Nebensache wurden. Doch das hieß nicht, dass die Kämpfe weniger spannend oder hochklassig waren. Der Montaigner Le Baton versuchte tapfer, sich seinem Gegner Sägebrecht zu erwehren, doch letztlich gab wohl auch hier die Wahl der Waffe den Ausschlag: Es wurde schnell deutlich, dass der Eisen mit dem Schwert deutlich geschickter umgehen konnte als Le Baton mit dem Dreizack, und so endete der Kampf letztlich mit einer deutlichen Niederlage des Montaigners.

Das letzte Duell fand zwischen Ratjoff und Glockner statt, und auch hier war die Zulosung der Waffe ein deutlicher Vorteil für Erstgenannten, wie sich bald herausstellen würde. Zwar begann Glockner stark und überraschte seinen Gegner mehrmals mit dem Speer, doch je länger der Kampf dauerte, desto sicherer wurde Ratjoff, und mehr und mehr dominierte er den Kampf, so dass es zum Schluss eine klare Niederlage Glockners wurde. Diesmal, so erkannte auch Katharina, war kein Eingreifen des Schiedsrichter notwendig gewesen, um Ratjoff den Sieg zu bringen.

Vier Kämpfer waren nun noch im Turnier verblieben: Erich, der seine letzten Aufgabe lässig erledigt hatte; Amelia Binz, der neue Publikumsliebling; Walter Sägebrecht; und schließlich Fridjof Ratjoff.
 1. Für die Statistik: Die Runden endeten -2, +2, 0, -3, +1 Erfolge aus Sicht von Dray

Erich Janina Graustein

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #106 am: 16.12.2021, 17:02:18 »
Erich ging den Kampf stürmisch und kraftvoll an, da er seinen Gegner stärker eingeschätzt hatte wie dieser schlussendlich dann war. In den ersten Runden konnte sich Erich dadurch deutlich Vorteile erarbeiten, und sich gegen Schluss des Kampfes dann ein wenig schonen und das ohne seinen Sieg zu gefährden.

Das verschaffte ihm etwas Zeit und die Gelegenheit selbst Augenzeuge des Kampfes von Heinrich Dray und Amelia Binz zu werden. Der Ausgang überraschte Erich sichtlich. Es wunderte ihn dann doch schon das Dray sich geschlagen geben musste. Diese Amelia Binz war wirklich eine beeindruckende Kämpferin, aber Dray war zu mindestens nach seinem Ruf her dann doch noch einmal ein ganz anderes Kaliber. Also hatte Binz entweder Glück oder der Ruf von Dray war besser wie sein wirkliches Können. Falls Erich dann auf Binz treffen sollte würde er dieses Rätsel bestimmt lösen können. Nur vom Zuschauen ist es manchmal nicht ganz so einfach einen Kampf richtig ein zu schätzen; doch wenn man den Gegner dann selbst vor der Klinge hat, dann hat man ein viel besseres Gefühl für die Stärken und Schwächen des Gegner.

Nun musste Erich sich aber wieder erst einmal auf sich selbst konzentrieren und sich regenerieren und fit machen für den nächsten Kampf. Erneut setzte er sich zu seinen Freunden um sich mit diesen aus zu tauschen.

Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #107 am: 26.12.2021, 16:37:43 »
Der Höhepunkt des Turniers lag nun nicht mehr weit entfernt, denn die nächste Runde war bereits das Halbfinale, und Erich war immer noch im Rennen. Sein Ziel, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, hatte er ohne Zweifel bereits erreicht, doch sein Ehrgeiz war natürlich noch nicht gestillt. Auf Heinrich Dray würde er nun nicht mehr treffen, und es war nicht ganz klar, ob er sich darüber freuen oder doch enttäuscht sein sollte. Aus seiner Sicht war Dray immer noch der stärkste Teilnehmer des Turniers gewesen, und ohne die Leistung Amelia Binz' schmälern zu wollen, hatte er doch das Gefühl gehabt, dass Dray nicht alle seine Kampfkünste gezeigt hatte. Welchen Grund er allerdings gehabt haben sollte, sich zurückzuhalten, dafür hatten weder Erich noch seine beiden Freunde eine Erklärung.

Viel Zeit, um darüber nachzudenken, blieb ihm nicht, denn die Auslosung der nächsten Runde stand direkt bevor. Amelia Binz, Walter Sägebrecht und Fridjof Ratjoff kamen als Gegner für ihn in Frage, und bereits das erste Los bescherte ihm die Bezwingerin Drays als Gegnerin - mit der Unterstützung des Publikums konnte er wohl kaum rechnen, und auch das Los der Waffe erwies sich als unglücklich, da er mit dem Speer gegen seine schwerttragende Gegnerin antreten musste.
Auch in der zweiten Partie kämpfte Ratjoff wieder mit dem Schwert, während sein Gegner den Dreizack zugelost bekommen hatte.

Nun war es also soweit: Der Kampf gegen Binz wirkte wie das vorweggenommene Finale; und mit dem für ihn ungewohnten Speer würde dieses Duell mit Sicherheit kein Selbstläufer werden wie das Viertelfinale.

Erich Janina Graustein

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #108 am: 13.01.2022, 13:07:25 »
Erich war sich bewusst das der nächste Kampf schon eigentlich so gut wie verloren war, denn gegen Binz hatte er eine sehr schwere Aufgabe. Sie war schließlich der Liebling des Publikum. Da konnte man sich eigentlich fast nur unbeliebt machen, oder eben verlieren.

Aber vielleicht war es genau diese fast unmögliche Herausforderung die Erich nun motivierte den Kampf auf zu nehmen. Er packte den Speer fest in der Hand und betrat entschlossen den Kampfplatz. Dort verharrte er einen Moment und schaute Binz tief und lange in die Augen. Dieser Blickkontakt schien fast eine Ewigkeit zu dauern bis sich dann Binz doch zuerst rührte und einen Angriff gegen Erich startete. Sofort war das Publikum auf Ihrer Seite und feuerte Sie an. Im ersten Angriffshagel von Binz konnte sich Erich nur mit Mühe und Not halten. Doch dann erinnerte er sich an die nützlichen Tipps von Louis und lockerte seine steife angespannte Haltung um den Kampf etwas lockerer und geschmeidiger an zu gehen. Die Änderung der Taktik schien Binz auch ein wenig aus dem Konzept zu bringen. So gelang es Erich Stück für Stück die Oberhand zu gewinnen. Doch der Kampf blieb spannend bis zum Ende. Erst kurz vor Ende der letzten Runde konnte Erich den entscheidenden Siegtreffer landen. Er schaffte es geschickt mit dem Speer eine Finte zu schlagen und Binz zu Fall zu bringen.

Als der Kampf mit diesem letzten Manöver dann zu seinen Gunsten ausgegangen war reichte Er Binz sofort die Hand und half ihr wieder auf die Beine zu kommen "Verdammt gut gekämpft" sagte er dann zu Ihr "Das Land braucht mehr so starke Frauen wie dich"

Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #109 am: 16.01.2022, 10:55:45 »
Es war ein harter, aber fairer Kampf gewesen, der Erich ins Finale gebracht hatte; und das Publikum hatte zwar auf Binz' Seite gestanden, am Ende jedoch stehende Ovationen für beide Kämpfer gegeben. Als die Vorbereitungen für das zweite Halbfinale liefen, wurde Katharina auf den Rängen angespannter: Die Paarung lautete Sägebrecht gegen Ratjoff - würden sich Hinweise für eine erneute Manipulation finden?

Der Verdacht schien sich bereits zu bestätigen, als der Kampfrichter der Partie plötzlich auf den Boden kniete, sich vornüber beugte und sich erbrach - noch bevor die Partie überhaupt gestartet war. Ein Raunen ging durch das Publikum und Katharina war wohl die einzige in der Arena, deren Augen nicht auf den Kampfplatz gerichtet waren. Stattdessen glitten sie über das Publikum: Sie konnte sich nicht sicher sein, aber war dort nicht ein fetter Adliger, der zufrieden zu lächeln schien? Sie brachte sich in eine bessere Position, von der sie den Mann besser beobachten konnte, gleichzeitig einen guten Blick auf das Geschehen unten hatte.

Für Katharina wenig überraschend war es der Richter, der schon zuvor einige zweifelhafte Entscheidungen zugunsten von Ratjoff getroffen hatte, der nun den Kampf leitete. Dieser startete auch bereits und es wurde schnell deutlich, dass Ratjoff nur mit größter Mühe die Attacken seines Gegners parieren konnte. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis dieser die Defensive durchbrechen würde, und so kam es dann auch.
Ein greller Pfiff! - wieder war dem Schiedsrichter eine vermeintliche Regelwidrigkeit Sägebrechts aufgefallen (in einem Turnier, das eigentlich fast ohne Regeln bestritten werden sollte). Ein Murren lief durch die Zuschauerränge, doch der Kampf ging zunächst weiter; bald jedoch setzte Sägebrecht einen weiteren Treffer, und wieder brach der Schiedsrichter den Angriff ab.

Nun jedoch geschah etwas Seltsames. Fridjof Ratjoff selbst war es, der die Waffen zu Boden warf und begann, wütend auf den Schiedsrichter einzureden - auch wenn davon kaum etwas zu verstehen war, denn das Publikum schrie und gestikulierte nun wild. Ratjoff schien deutlich unzufrieden zu sein und nach einem Wortgefecht ging er schließlich zu seinem Gegner und reichte ihm die Hand - er gab auf!

Ein verwundertes Gemurmel erhob sich überall in der Arena, als die Zuschauer versuchten, das gerade geschehene einzuordnen, doch Katharinas Augen waren auf den fetten Adligen fixiert. Dieser schien aus allen Wolken zu fallen und schimpfte und gestikulierte wie ein Wahnsinniger. Offenbar war er überhaupt nicht einverstanden mit dem, was gerade passiert war.

Erich, Friedrich und Louis wiederum hatten das Ganze von ihrem Platz am Rande der Arena aus beobachtet. Dass Sägebrecht der Gegner Erichs im Finale sein würde, hatten die drei bereits nach den ersten Schlägen erwartet. Wie sich der Kampf dann entwickelte, war allerdings voll und ganz überraschend gewesen. Dennoch waren die drei zu fokussiert auf dem Finale, um sich größere Gedanken dazu zu machen. Sie wussten nun endgültig, wer Erichs Gegner sein würde, und hatten nun erst einmal eine Stunde Zeit zur Vorbereitung, denn bis zum großen Finale würde es eine Pause geben.

Mondragor

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #110 am: 16.01.2022, 11:17:13 »
Es war Mittag gewesen, als Werner Jagemann nach wochenlanger Reise endlich die Mauern Freiburgs vor sich erblickte - und es war ein beeindruckender Anblick, gerade für einen Mann, der um Städte sonst eher einen Bogen machte. Er war in den vergangenen Wochen durch Hainzl und Sieger gereist, doch diese Städte waren nichts gegenüber der kreisrunden Metropole, die dort vor ihm lag. Er war gespannt, was ihn dort erwartete und ob seine Sorgen dort mehr Gehör finden würden als in seiner Heimat Wirsche. Überrascht hatte er zwei Tage zuvor einen größeren Trupp Soldaten, angeführt von Heinrich Dray, an sich vorbeireiten sehen. Sie waren offenbar in die gleiche Richtung unterwegs wie er, allerdings in einem deutlich höheren Tempo unterwegs, als er es an den Tag legte. Schließlich war das für ihn auch eine Gelegenheit, andere Länder kennenzulernen, und er hatte immer wieder den Kontakt zu den lokalen Jägern gesucht, um sich auszutauschen.

Verwundert war er vor allem deshalb gewesen, weil die Merkwürdigkeiten, die er gemeldet hatte, am Hofe von Wirsche niemanden interessiert zu haben schienen - sollte Dray nun doch aus dem gleichen Grunde nach Freiburg reisen?

Schließlich, es war inzwischen später Nachmittag, durchschritt Werner die Tore der Stadt Freiburg und versuchte, nicht allzu überwältigt zu sein von den urbanen Eindrücken. Auf den Straßen war weniger los, als er erwartet und befürchtet hatte, doch er erkannte schnell, woran das lag. Direkt auf seinem Weg lag ein riesiges Amphitheater, aus dessen Innern er den Lärm tausender, wenn nicht abertausender Menschen zu hören meinte. Wenn alle in dieser Arena waren, war es wenig verwunderlich, dass hier draußen wenig los war.

Louis de Fromage Puant

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Kapitel 3: Freiburg
« Antwort #111 am: 16.01.2022, 11:19:38 »
Höchst erfreut hatte Louis Erich auf die Schulter geklopft. "Na, was 'abe iesch gesagt?" schmunzelte er zufrieden. "Ein wenig mehr Beinarbeit, eine Finte 'ier und eine da, schon 'abt Ihr die Sieg in die Beutel, mon ami!" Da sie in die Endrunde gelangt waren – und damit weiter, als er insgeheim gedacht hatte – ließ es sich der für die Klingenkunst begeisterte Montaigner nicht nehmen, das zweite Halbfinale mit anzuschauen. Was er deutlich entspannter tat, als er es bei Erichs letztem Kampf gewesen war. Der Verlauf allerdings schmeckte ihm sichtlich nicht. "Diese Kretin dort weiß niescht, wie man eine Waffe führt, mon Dieu!" schimpfte er verärgert.

Er war nicht sonderlich überrascht, dass Sägebrecht schließlich den Sieg einfuhr. Zu seinem Leidwesen hatte der Musketier nur wenige Attacken gesehen, doch er zwirbelte seinen Schnurrbart heftig, als er zu Erich meinte: "Die Finale wird eine überaus schwere Gefescht. Ah, einmal die Klingen kreuzen mit eine solsche maitre..!" seufzte er sehnsüchtig. "La Danseuse wäre siescherliesch 'öchst entzückt." Was ihn auf einen Einfall zu bringen schien. "Ah! Eriesch, wir müssen Eusch vorbereiten auf die Gemetzel. 'abt Ihr schön von die massage à la cognac ge'ört? Ein uralte tradition aus Montaigne. Es wärmt auf und lockert les muscles."

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