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Autor Thema: Mal Gani  (Gelesen 5890 mal)

Beschreibung: Der Herr der Vertriebenen

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Gaja

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Mal Gani
« Antwort #150 am: 18.10.2021, 17:28:55 »
"Ein Zwischenbericht, Herr al'Mbabi", erwidert Rogar, "ist in jedem Fall sinnvoll. Zumindest kann es eure Auftraggeber in Kromdag beruhigen, dass Ihr Fortschritte macht und noch nicht gescheitert seid, wie offenbar derjenige, den sie zuerst aussandten. Zudem dürfte ihnen völlig klar sein, dass Ihr nicht das Verschwinden eines Schiffes zur See untersuchen könnt, und Kromdag wird entsprechend handeln."

Lîfs Flammenrede dagegen lässt den Zwerg tatsächlich ein Stück kleiner werden. Fast wie eine Schildkröte zieht er seinen Kopf in den Panzer zurück und reckt ihn erst wieder empor, ganz vorsichtig, als sie geendet und vor allem sich wieder beruhigt hat.

"Nun ja, also das mit den Seemonstern und... äh... das hatte ich jetzt eigentlich gar nicht ernst genommen, sondern nur als Maß dafür, als wie gefährlich die Rûngarder hierzulande gelten. Ich wollte damit niemandem zu nahe treten. Werte Frau Ragnarsdottir, ich versichere euch: nicht die geringste Ahnung hatte ich, dass in der Geschichte am Ende doch ein wahrer Kern steckt!"

So richtig gut kann man es wegen Rogars Helm mit vorstehendem Wangen- und Nasenschutz nicht sehen, dazu kommt ja auch noch der Rauschebart, aber das wenige, das von seiner Gesichtshaut zu sehen ist, scheint sich ordentlich gerötet zu haben.

"Ja, dann lasst uns mal schnell", wechselt er das Thema, "den Spuren von Uthers Männern folgen, bevor wir das Tageslicht verlieren. Wen diese verfolgt haben, ob Kolkar oder Räuberbande, wissen wir nicht. Uther jedenfalls hielt die Kolkar für die Räuber. Ob uns also die Kolkar oder die Räuber nicht weglaufen, muss daher unklar bleiben. Wobei sie natürlich genau dies tun: weglaufen, weshalb wir sie ja auch so umständlich verfolgen müssen. Also, Spurenleser vor!"

Aeryn und Wulfgar lassen sich nicht lange bitten. Dank ihrer scharfen Augen sind die Spuren kinderleicht zu verfolgen. Der Wald ist licht, man kommt äußerst flott voran, und das, obwohl das Wetter mit schwindendem Tageslicht sich verschlechtert. Nach etwa anderthalb Stunden beginnt es zu regnen und hört nicht wieder auf, aber dank des schützenden Blätterwerks bleibt es zunächst erträglich. Weitere zwei Stunden später allerdings hängt den Gefährten die Kleidung doch ein wenig klamm am Leib. Düster wird's auch allmählich, die Dämmerung ein wenig verfrüht, was den Regenwolken verschuldet ist sowie der enger zusammenrückenden Vegetation.

Etwa gleichzeitig geben Wulfgar und Aeryn ein Zeichen zum Anhalten, und auch Brakus steht stockstill da, mit gesträubtem Nackenfell. In der Ferne haben die feinen Ohren der drei Späher Stimmen gehört.[1]
 1. Es darf auf perception gewürfelt werden, und auch eigenständig auf sonstige Skills, passend zu euren folgenden Aktionen.
« Letzte Änderung: 20.10.2021, 10:22:53 von Gaja »

Aeryn

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Mal Gani
« Antwort #151 am: 19.10.2021, 22:33:27 »
Auch wenn das Wetter immer schlechter wurde - Regen hatte ja durchaus seinen Nutzen, aber durch die Nässe zu marschieren war dennoch keine schöne Angelegenheit - Aeryn genoss es einfach inmitten der Natur zu sein.

Als sie die Stimmen hören und ersteinmal innehalten, verharrt Aeryn und lauscht zunächst einfach nur[1]. Dann deutet sie auf sich selbst und in Richtung der Stimmen und schließlich auf ihre beiden Augen, wonach sie auf Wulfgar zeigt und danach auf den Boden.

Die Waldläuferin wartet kurz ab, ob der Mischling, der die zierliche Elbin deutlich überragt, ihren Vorschlag bejaht, und schleicht sich dann langsam in die Richtung, um einen Blick zu riskieren[2].
 1. Wahrnehmung 21 +2 (Wald) evtl. +2 (Menschen)
 2. Heimlichkeit 12 +2 (Wald)

Lîf

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Mal Gani
« Antwort #152 am: 20.10.2021, 10:03:18 »
Für einen Moment weiß Lîf nicht recht, ob sie weiter zürnen oder sich besänftigt zeigen soll. Da die Reaktion Rogars aber wohl das einer Entschuldigung am nächsten kommende ist, was man von einem Dickschädel wie ihm mit seinen steifen Formen erwarten darf, entscheidet sie sich für letzteres. Mit einem versteckten Schmunzeln schüttelt sie den Kopf, die Augen auf dem errötenden Zwerg ruhend – was immerhin auch ein seltener Anblick ist. "Ist schon gut" beruhigt sie ihn. "Wahrscheinlich bin ich im Moment einfach etwas empfindlich, weil mir die Sorge um Tristan zu schaffen macht und weil..." Mit einem tiefen Durchatmen legt sie eine Hand in ihr Kreuz, als schmerze es sie gerade besonders, die andere stützt den sich allmählich vorwölbenden Bauch. Dabei lächelt sie entschuldigend, um Rogar, der offenkundig die Heilkunst im Allgemeinen studiert hat, aber wohl kaum das Wissen einer Hebamme besitzt, eine goldene Brücke und eine willkommene Erklärung anzubieten. Er muss ja nicht wissen, dass sie sich eigentlich bestens fühlt...

Wer sich seine eigenen Gedanken macht, wird allerdings unschwer bemerken, dass die "angegriffene Schwangere" sich bei dem folgenden Marsch ziemlich wacker hält und offenbar weder eine Pause braucht noch sonderlich kurzatmig wirkt. Im Gegenteil scheint sie sich hier im Wald wohler und wohler zu fühlen. Immer wieder streifen ihre Hände zärtlich über Zweige und Blätter, ihre Blicke liebkosen die Bäume, als wären es stattliche Männer. Nur die zunehmende Nässe bringt sie dazu, immerhin den Umhang enger um ihre schmalen Schultern zu ziehen, ansonsten macht die den Eindruck, als suche sie die körperliche Nähe zu einer Schönheit, die den anderen nicht recht offensichtlich wird. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – verfolgt aber auch die junge drudkvinde die Spurensuche aufmerksam. Als man zu einem Halt kommt, lauscht sie angestrengt in den Wald hinein, wobei ihre Ohren beinahe zucken wie die von Wulfgars Begleiter[1] Zugleich suchen Lîfs Augen die Umgebung nach einem alten Baum ab, der sein Fühlen mit einer Ulmentochter teilen könnte.
 1. Wahrnehmung: 28

Arnvidh Kjellson

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Mal Gani
« Antwort #153 am: 21.10.2021, 10:21:06 »
Zwischen den neuen Gefährten hin und her blickend, versucht Arnvidh das soziale Gefüge der Gruppe zu verstehen. Was ihm recht schwer fällt. Am Ende kann er eh nur mutmaßen und bleibt vorerst bei der Position es sich mit keinen der anderen zu verscherzen. Von seinen Gaben hatten die Anderen ja bis jetzt noch nichts gesehen und gerade beim Spurenlesen fühlte er sich wie das Fünfte Rand am Wagen. Nichts desto trotz hatte er sich bei der Reise bis hier hin versucht beim Lagern nützlich zu machen und, dass war durchaus interessant, wurden seine und Wulfgars Meinungen gehört. Auch wenn der Zwerg mit den Kolkar wohl nie grün werden würde.

Als es weiter ging, hält sich Arnvidh in der Nähe von Abdo auf. Ähnlich wie Lif genoss er das wandeln durch den Wald. Es war auf eine seltsame Art vertraut und dann wieder Fremd. Er konnte es nicht recht einschätzen. Sein Blick ging in Gedanken umher. Zu den Gräsern, den Rankenwerk und den alten wie auch jungen Bäumen. Ach die kleinen Schösslinge, wie frisch doch ihre Rinde ist. So zart die Knospen für die Blätter und so fein ihre Glieder. Behütet und gehegt von den Müttern, aus dessen Samen sie entstanden. Anders als Lif, sucht er jedoch nicht die Berührung der Rinden oder der Pflanzen. Außer bei einem der Schösslinge, wohl eine junge Eiche, strich er zärtlich über die jungen Triebe und murmelte etwas davon, dass der Schössling es nicht zu wild trieben sollte. In der Ruhe lag die Kraft und eines Tages, so meinte er zu der Pflanze, wenn alles gut ging, würde er den wilden Ranken der Brombeere danken, welche ihm jetzt das Licht nehmen. Schließlich schützten die Dornen der Rankenpflanze ihn vor den Zähnen von Reh und anderem größeren Getier.
Das ungemütliche Wetter scheint ihm Anfangs auch nicht wirklich zu stören. Erst als es immer stärker wurde und die Kleidung nass und kalt an seinem Leib hing, müht er sich um die innerliche Restwärme.

Der Halt der Gruppe und die Gesticken von Aeryn, Lif, Wulfgar und Barkus lassen Arnvidh aufmerksam werden. Während Aeryn scheinbar spähen gehen möchte, versucht er zu erkennen oder erlauschen was den Halt verursacht hate und was dort vielleicht wartete.[1] Zugleich, als er merkt das eher das Gehör gefragt ist, lässt er den Blick mit einem anderen Schwerpunkt über die Natur des Waldes streifen. Wie licht war er, gab es mögliche verstecke? Mulden oder Gestrüpp in denen sich etwas Verstecken konnte. Wo würde er hin, falls es jetzt zu einen Angriff kam? Irgendwie stieg die Aufregung in ihm hoch.[2]
 1.  Wahrnehmung 23 (uh überraschend)
 2. Überleben 16

Abdo al'Mbabi

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Mal Gani
« Antwort #154 am: 21.10.2021, 22:09:14 »
Den Spuren von Uthers Männern ist Abdo ja bereits ein kleines Stück gefolgt; nun also gehen sie gemeinsam in deren Richtung, hoffend, dort irgendwelche Anhaltspunkte zu finden. Das Verfolgen der Spuren übernehmen nun Aeryn und ihr neuer Gefährte Wulfgar, die darin doch noch geübter sind als der Ya'Keheter, der sich derweil versucht, in diesem fremden Wald zurechtzufinden.

Kurz darauf beginnt es auch noch zu regnen, und Abdo wundert sich einmal mehr darüber, wie oft hier kostbares Nass vom Himmel fällt. Selbst er ertappt sich inzwischen manches Mal dabei, dies nicht mehr für ein seltenes Wunder zu halten, sondern sich vielmehr über die Kälte der klammen Kleidung auf der Haut zu ärgern. Doch seine Ausbildung hat ihn nicht nur Kampfesdisziplin, sondern Disziplin auch im Umgang mit anderen Widrigkeiten gelehrt, und so verzieht er keine Miene, sondern folgt stoisch in engem Abstand den beiden Fährtenlesern und blickt sich aufmerksam in der Umgebung um (was durch die zahlreichen im Weg stehenden Bäume nicht gerade vereinfacht wird), um mögliche Gefahren zeitig zu erkennen.

Als die Gruppe dann plötzlich hält, zieht es Abdo sofort an Aeryns Seite, als diese erkennen lässt, dem, was auch immer sie wahrgenommen hat, entgegenzutreten. Er lässt jedoch davon ab, als er merkt, dass es der Elbin darum geht, ungesehen zu bleiben - das ist definitiv nicht seine Stärke. Stattdessen lauscht er angestrengt, um vielleicht ebenfalls erahnen zu können, was hier geschieht, und beginnt dann, einen Baum in Lîfs Nähe zu erklettern, um von weiter oben vielleicht einen besseren Blick zu haben - sich im Zweifel jedoch auf mögliche Angreifer hinabfallen lassen zu können, die der Schwangeren etwas zuleide tun könnten.[1]
 1. Lauschen 22, Klettern 22, Umsehen 9

Wulfgar

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Mal Gani
« Antwort #155 am: 23.10.2021, 16:30:09 »
Wulfgar und Brakus sind voll in Ihrer Rolle, beide gehen voran und führen die Gruppe anhand der Spuren denen sie folgen. Beide fühlen sich in dem Wald sichtlich wohl. Als es dann anfängt zu regnen scheint es den beiden nicht viel aus zu machen, nur das Maultier das Wulfgar an der Leine führt scheint etwas bockig zu werden und will nicht mehr ganz so zügig voran. Doch Wulfgar hat die Situation recht schnell wieder im Griff, denn mit einem kräftigen Zug an den Zügeln macht der dem Maultier klar das es weiter zu laufen hat.

Als Aeryn dann Wulfgar ein paar Handzeichen gibt ist er sich nicht ganz so sicher was sie meint, aber er geht mal davon aus das sie ihm klar machen will das er zusammen mit der Gruppe zurück bleiben soll. Er bindet das Maultier am nächstbesten Baum fest. Danach geht er noch ein paar Schritte nach vorne um sich dort hinter einem dicken Baum zu verstecken[1], in der Hoffnung das er dort erst einmal nicht gesehen wird. Von dieser Position aus beobachtet er die Umgebung und lauscht den Geräuschen und hält Ausschau nach verdächtigen Bewegungen in der Hoffnung das er irgend etwas erkennen kann das ihm weiterhilft[2].
Brakus hingegen bleibt neben dem Maultier stehen und reckt die Nase in den Wind um anhand der Gerüche zu erkennen was dort vielleicht vor ihm los sein könnte.[3]
 1. Heimlichkeit 18
 2. Wahrnehmung 25
 3. Wahrnehmung 13

Gaja

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Mal Gani
« Antwort #156 am: 01.11.2021, 20:43:33 »
Außer dem Dain in seiner lauten Rüstung hören alle die Stimmen. Worte aber kann niemand ausmachen, doch bald war den Gefährten klar, woran dies liegt: weder Suli noch Värangsk noch Khusti noch Kissa wird dort gesprochen und auch kein Elbisch. Zunächst könnte man es für Gegrunze halten, doch wird trotzdem bald klar, dass es sich um eine Sprache handelt, so wenig ansprechend diese auch für ihre Ohren klingt: kehlig, nasal, voller Bell- und Grunzlauten. Ein halbes Dutzend Sprecher scheinen dort wild durcheinander zu palavern, einige schrillere Laute könnten womöglich von Furcht zeugen, die tiefkehligen Grunzlaute dagegen klingen eher aggressiv, herrisch, drohend.

Was immer Brakus riecht – und es ist sicherlich etwas, das ihn beunruhigt – doch aus seiner Reaktion kann Wulfgar nur ersehen, was es nicht ist, das ihnen da über den Weg läuft. Denn er kennt Brakus' unterschiedliche Reaktionen auf: Mensch, Elb, Kolkar, Beutetier oder ein anderers Raubtier. Nichts davon scheint dies zu sein. Vielleicht etwas, das Brakus noch nie untergekommen ist?

Lîf hält derweil nach alten Bäumen Ausschau. Der Wald ist noch immer sehr jung, wenn auch keine Kinderstube mehr wie zuvor am Waldrand. Tatsächlich kann sie einen erwachsenen Baum in ihrer Nähe entdecken, eine stattliche Linde. Wahrheitsfinderin, Urteilsfinderin, Friedenswahrerin. Die gerechte Linde. Mittelpunkt aller Thingstätten. Umstanden, in respektvollem Abstand, von einer Schar Jungbäume, scheint es fast, als hielte sie Gericht, als lausche sie den Worten der Kläger, der Antwortrede der Verteidiger. Mahnte zu kühlen Köpfen. Zu klugem Vorgehen. Zu Weitsicht. Zur Wahrung des Friedens. Denn nichts geht über den Frieden unter den Sippen.

Abdo derweil, nichts von Lîfs stiller Zwisprache mit der Linde ahnend, klettert beherzt an ihr hinauf, denn sie ist der höchste Baum ringsum. Bald erreicht er einen Ast, der über die Wipfel aller Nachbarbäume hinausragt, und von dort bietet sich ein wahrlich grandioser Blick über den Wald. Weit in der Ferne entdeckt er das Kloster auf dem Hang des Wächters, dahinter ragt der Erlstav empor. Das Meer sieht er von hier. Im Süden, etwa doppelt so weit entfernt, die große Mauer, Bollwerk gegen die Dämonen. Gen Westen blendet ihn das Licht der Abendsonne, die just in diesem Moment durch die Regenwolken durchbrechen muss. Mit einer Hand als Schirm in die Ferne blinzelnd, erkennt er dennoch, dass dort, vielleicht noch anderthalb Tagreisen entfernt (und ziemlich genau in der Richtung, in der sie bislang unterwegs waren) die Bäume zunehmend höher werden, dichter wohl auch dichter, dunkler, älter, wilder.

Was Abdo von seiner hohen Warte aus nicht erkennen kann sind die Urheber der Stimmen. Außer den Gefährten direkt unter ihm sieht er nichts vom Waldboden, dazu sind die Kronen der Bäume und das buschige Unterholz zu dicht.

Arnvidh derweil will es wie Wulfgar halten und hat sich auch schon ein gutes Versteck ausgeguckt, in das man sich entweder weiter hineinverkriechen könnte, um einer Entdeckung zu entgehen, aus dem sich aber ebensogut zu einem Hinterhalt hervorspringen ließe. Doch er hielt inne. Die Stimmen... ist da jemand in Not? Zwar versteht er kein Wort, aber bei den Feen hat er gelernt, auf andere Dinge zu achten. Ja, je länger er lauscht, desto mehr festigt sich sein Eindruck: da ist jemand in Not! Was nun allerdings noch nicht heißt, dass man sich ihnen gefahrlos nähern könnte, vielleicht sogar eher im Gegenteil. Man stelle sich ein verletztes Raubtier war, das ließe gewiss noch weniger gern einen Fremden - eine potentielle Gefahr – an sich heran, als ein gesundes Exemplar seiner Art.

Aeryn schleicht sich unterdessen beherzt vor. Zweiglein knacken entsetzlich laut unter jedem ihrer Schritte, oder so kommt es ihr selbst vor, doch gelangt sie in die Nähe der Stimme, ohne das jemand plötzlich einen Warnlaut ausstieße oder auf sie zueilt. Zuletzt kann sie zwischen ein paar Zweigen hindurch einen Blick auf die Gruppe erhaschen. Eine Gruppe aus sieben grauhäutigen Zweibeinern, gekleidet in Felle, zwei Männer, zwei Weibchen, drei Kinder. Die beiden Männer tragen kurze Bronzeschwerter am Gürtel, die beiden Frauen Knüppel. Die Kreaturen haben kurze Beine, dafür lange, muskulöse Arme. Ihre Augen sind klein, die Ohren so lang wie Elbenohren nur weniger spitz, dafür stehen sie steil nach oben. Barfuß laufen sie herum, bekrallt sind Zehen und Finger. Ihre Münder sind grotesk breit.

Die drei Kinder scheinen zu maulen und zu meutern und eines der Weibchen kauert auf dem Boden, offensichtlich unter Schmerzen. Das zweite streitet mit den beiden Männern, während es zwischendurch immer mal wieder nach einem der quengelnden Kinder haut.

Aeryn

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Mal Gani
« Antwort #157 am: 02.11.2021, 13:10:16 »
Mit dem Wissen, dass diese kleine Truppe kaum eine Gefahr für sie sein dürfte, wenn ihre Anwesenheit nicht gerade freundlich aufgenommen würde, schließlich befindet sich ja noch so einiges an Verstärkung im Hintergrund, tritt Aeryn aus ihrem Versteck hervor und klopft mit der Faust gegen einen nahen Baum, um sich bemerkbar zu machen.

Sie zeigt ihre offenen Handflächen, als Zeichen, dass sie nicht vorhat, ihre Waffen zu ziehen oder zu gebrauchen, in der Hoffnung, dass die Bohabangai dies verstehen würden. Allein die Tatsache, dass die zierliche Elbin mit Langbogen, Langschwert und Schild doch recht schwer bewaffnet ist, sollte ihnen eigentlich auch klarmachen, dass sie alles andere als wehrlos ist, zumal auch kaum damit zu rechnen ist, dass sie hier ganz allein durch den Wald streift. Wobei das tatsächlich schon eher der Fall sein könnte.

Ebenso ist es vor allem die Hoffnung, hier etwas mehr herausfinden zu können, die sie einen Versuch der Kommunikation starten lässt.

"Versteht ihr die Sprache meines Volkes?" fragt sie in Elbisch. Nicht, dass sie wirklich damit rechnet.

"Oder die der Menschen? in Suli. Das könnte schon eher helfen.

Lîf

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Mal Gani
« Antwort #158 am: 03.11.2021, 11:28:15 »
Halb und halb in ihre stille Zwiesprache mit dem Wald versunken, wispert Lîf Abdo noch zu, er solle sich keine Sorgen um sie machen, wenn sie für kurze Zeit nicht reagiere, tritt vor die Linde und breitet die Arme aus, um den Stamm so weit zu umfangen, wie es ihr möglich ist. Sie legt die Stirn an die Rinde des Baumes und grüßt das Wesen, verglichen mit ihr immerhin in einem ehrwürdigen Alter, ehrfurchtsvoll[1] – fast wie sie vor ein Thing träte. Dann sucht sie, in dieser Haltung verbleibend, den Geist der Linde respektvoll zu befragen. Sind ihm wohl Zweibeiner ähnlich ihr selbst, nicht mit dem Wald lebend, sondern als Fremdkörper ihn durchquerend, in jüngerer Zeit aufgefallen? Da sie um die andere Zeitwahrnehmung weiß, sucht sie Orientierungspunkte wie etwa den letzten Regen vor dem jetzigen zu geben, der die Wurzeln der Bäume tränkte. Und wenn solche Wesen hier waren, zählten sie so viele wie die Bäume, welche die Linde umstehen? Mehr? Weniger? Bewegten sie sich in Richtung Sonnenauf- oder -untergang? Gab es gar mehrere Gruppen?

Auf diese Art und Weise tut sie ihr möglichstes, Wissen zu erlangen, das der Gruppe bei ihrer Aufgabe weiterhelfen könnte – doch nutzt sie ihre Gedanken weniger als gezielte Fragen denn als Vorschläge, als Möglichkeit, den Weg zu einem gemeinsamen Verstehen zu finden. Und sie richtet sich nach den Kategorien, in denen der Geist denkt, soweit sie sie zu erfassen lernt. Ganz gleich, ob sie damit einen nennenswerten Erfolg erzielt, schließt sie aber ihren Kontakt mit der Frage ab, ob es dem Baum und dem Wald gut geht und was sie, Dienerin der Großen Mutter, womöglich tun kann, um Abhilfe zu schaffen, sollte es nicht so sein. Erst nachdem sie dies getan hat, verabschiedet sie sich von der Wahrheitsfinderin und tritt zurück von ihrem Stamm, eingedenk der Tatsache, dass die Linde auch für Frieden und Versöhnung steht – ganz gewiss ein Fingerzeig der Göttin.

Noch ehe sie sich ganz aus ihrer Trance gelöst hat, dringen die fremden Laute und Aeryns Stimme in Lîfs Bewusstsein. Milde alarmiert sieht sie sich um, ob jemand in ihrer Nähe steht, den sie fragen kann, was sich während ihrer "Abwesenheit" getan hat. Da die Elbin laut redet, scheint es sich ja um eine eher friedliche Begegnung zu handeln. Was den Rotschopf nicht wundert, denn die Linde sprach ja genau dafür, dass jetzt nicht der Zeitpunkt ist, Waffen sprechen zu lassen.
 1. Fähigkeit "Ulmentochter", also Mit Pflanzen sprechen.

Arnvidh Kjellson

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Mal Gani
« Antwort #159 am: 04.11.2021, 10:27:43 »
Gefangen in den Gedanken, welche der Klang der Worte ihm eingaben, wacht Arnvidh erst auf, als er die Worte von von Aeryn vernimmt. Er steht immer noch an der Stelle, wo er seine Suche nach einem Versteck begonnen hatte. Den Gedankengang mit dem wilden Tier schob er nun bei Seite. Schließlich glaubte er nicht daran, dass die Elbin lange mit einem Tier reden würde und schon gar in diesem Ton.
Mit schweifenden Blick suchte er nach den hier gebliebenen Gefährten. Lif schien noch am nächsten zu sein und so eilte er zu ihr und dem Lindenbaum hinüber. „Ich denke, dort ist jemand in Not. So hört es sich an, glaube ich. Und da Aeryn mit ihnen redet, ist es wohl kein Angriff von Tieren.“ erklärte er kurzer Hand Lif.
Länger als diese Worte blieb er jedoch nicht bei ihr. Er eilte so dann weiter in die Richtung der Stimmen. Einen Hilferuf, und das gar im Wald, dem konnte er sich nicht entsagen. Alles in ihm drängte zu der elfischen Späherin und den Hilfesuchenden. Selbst den Gedanke, dass es unklug war so einfach loszurennen, schob er beiseite. Es könnte immer noch eine Falle von denkenden Wesen sein doch, nein das fühlte sich zu echt an. Wenigstens verlangsamte er seine Schritte etwas, als Aeryn in Sicht kam, und senkte die Spitze seines Speeres gen Boden. Schließlich wollte er nicht bedrohlich wirken.

Abdo al'Mbabi

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Mal Gani
« Antwort #160 am: 04.11.2021, 22:58:58 »
Einige Augenblicke vergisst Abdo alles, was dort unten am Boden geschieht, als er den atemberaubenden Ausblick über den Wald genießt. Einige der Plätze, die er dort erblickt, kann er zuordnen zu Geschichten, die er über diese Plätze gehört hat - wie zum Beispiel die Mauer im Süden. Andere bestaunt er nur und versucht, die Orte in seinem Geist zu einer Karte zu formen.

Dann jedoch hört er Aeryns Stimme, die zunächst in einer fremden, dann jedoch in der Sprache der Menschen spricht - und scheinbar nicht in Gefahr schwebt oder es zumindest nicht realisiert. Als auch Arnvidh sich auf den Weg macht, um ihr zu folgen, und noch dazu von einem Hilferuf spricht, hält es auch Abdo nicht. Behende klettert er wieder ein Stück nach unten, um dann, sobald die Höhe es zulässt, den Sprung nach unten zu wagen.[1]

Mit einem sich ihrer Zustimmung versichernden Blick auf Lîf folgt er dem Halbelben.
 1. Soll ich dafür nochmal würfeln?

Wulfgar

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Mal Gani
« Antwort #161 am: 08.11.2021, 16:04:46 »
Wulfgar gibt Brakus ein kurzes Zeichen das sich dieser zu ihm an seine Seite begeben soll.
Beide fühlen sich einfach wohler wenn sie Seite an Seite stehen. Doch aktuell weiß weder der eine noch der andere was sie nun machen sollen. Ein kurzer Blick über die Schulter verrät den beiden das auch die anderen wohl nicht wirklich viel unternehmen wollen.

Da man bisher nur die Stimme der Elbin hören kann und es auch nicht zu Kampflärm kommt entscheidet sich Brakus erst einmal ab zu warten. Er hat die Erfahrung gemacht das es manchmal besser ist wenn er sich etwas im Hintergrund hält und wartet bis sich gewisse Situationen beruhig haben. Wenn jetzt er und Brakus auf der Bildfläche erscheinen, könnte das die Situation vielleicht nachteilig beeinflussen.

Gaja

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Mal Gani
« Antwort #162 am: 25.11.2021, 20:51:27 »
Aeryns plötzliches Hervortreten aus ihrem Versteck lässt die Bohabangai herumfahren. Schwerter springen in Hände, der Knüppel des einen Weibes folgt etwas langsamer, die Kinder rennen kreischend hinter die nächstgelegenen Büsche. Das zweite Weib schafft es nicht vom Boden auf, kriecht jammernd den Blagen hinterher. Vergeblich versucht Aeryn, sich mit Worten zu verständigen, zu beruhigen. Bellen und Grunzen erhält sie zur Antwort, weder elbischer noch menschlicher Laut mischt sich darein.

(Da es hier in der Gegend seit gut drei Jahrhunderten keine Elben mehr gibt – der letzte verbliebene Elbenwald Ferslands liegt ein gehöriges Stück nordwestlich von Kromdag – hätte es auch sehr überrascht, wenn hier jemand heutzutage noch Elbisch spräche.)

Mit erhobenen Waffen reihen sich die drei kampffähigen der Gruppe vor Aeryn und den hinzutrenden Arnvidh auf, um die Fliehenden vor den beiden elbischen Kriegern zu schützen.

Die Linde lauscht Lîfs Fragen und raschelt eine ganze Weile lang aufgeregt mit den Blättern, während sie offenbar darüber nachdenkt, doch als sie gerade zu einer Antwort anhebt, wird sie abgelenkt. Streit, Gewalt, ein blutiges Gemetzel droht in ihrer Nähe! Meine Kinder! ruft die Linde alarmiert, und Lîf ist sich nicht ganz sicher, wen sie damit meint: die jungen Bäume um sie herum? Oder doch auch die Zweibeiner? Passt auf, ach, passt auf! Tut das denn not? Warum denn immer gleich Streit?

Auch Rogar hat schnell seine Axt parat, als auf Aeryns Worte nur drohendes Geknurre zur Erwiderung folgt. In gewohnter Vorsicht sucht er zunächst den Blickkontakt zu Wulfgar und Abdo, ob diese beiden sich auch kampfbereit machen, oder wie sie die Lage einschätzen.

Aeryn

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Mal Gani
« Antwort #163 am: 25.11.2021, 22:35:17 »
Aeryn bleibt dabei, mit beschwichtigenden Gesten zu zeigen, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Dabei tritt sie auch extra nochmal ein kleines Stück zurück, um dies zu betonen. Sie weiß allerdings auch nicht, wie es von hier aus weitergehen soll. Die Chance, dass ihre Begleiter die Sprache der Bogabangai sprechen, ist leider mehr als gering.

"Das sind Bohabangai, wirklich ungewöhnlich, sie hier anzutreffen. Ich glaube, die eine Frau ist schwanger. Mit Elbisch und Suli bin ich aber nicht weit gekommen... vielleicht kennt ihr eine Sprache, die sie zufällig sprechen?"

Lîf

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Mal Gani
« Antwort #164 am: 26.11.2021, 11:43:35 »
Ist es der Nachhall der Verbindung mit dem Geist der Linde, ist es die Sorge um das Ungeborene in ihrem Leib, oder sind es andere Gründe? Auf jeden Fall wirkt Lîf für einen Moment orientierungslos, als sie sich von dem alten Baum löst, dann ruft sie ganz entsetzt: "Meine Kinder..! Tut ihnen nichts!!" Womit der unklare Ausdruck ihrer Augen sich auflöst, ihr Blick wieder fokussiert wird und der Rotschopf offenkundig ins Hier und Jetzt zurückfindet. Kaum hat sie diesen Punkt erreicht, beeilt sie sich auch schon, den anderen nachzueilen. Am Ort des Geschehens angelangt antwortet sie direkt auf Aeryns Frage: "Lasst es mich einmal versuchen". Dann macht sie Anstalten, zwischen ihren Kameraden hindurch zu treten und auf die Bohabangai zuzugehen. Die Arme in einer alle umarmenden (oder segnenden?) Geste zu ihren Seiten ausgebreitet, macht sie einen kleinen, langsamen Schritt nach dem anderen auf die Fremden zu. Dabei scheint die Schwangere keinerlei Angst oder Sorge zu empfinden, obwohl sie offensichtlich unbewaffnet und auch nicht gerüstet wie mancher ihrer Gefährten ist.

Auf ihren Lippen liegt ein leichtes Lächeln, als sie mit beruhigender Stimme sagt: "Habt keine Angst. Die Große Mutter liebt euch wie alle Ihre Kinder, und ich bin Ihre Dienerin." Es kümmert Lîf nicht, ob die Wesen ihre Worte verstehen – dass sie den sanften Klang ihrer Stimme erkennen, darauf kommt es ihr an. Und so fährt sie fort, leise zu ihnen zu sprechen, wobei sie erkennbar ohne Vorkehrungen zu ihrem eigenen Schutz zu treffen den Abstand allmählich verringert. Sollte eines ihrer Gegenüber sie mit der Waffe bedrohen, wird sie innehalten, die Arme noch immer weit ausgebreitet, und denjenigen stumm, aber freundlich lächelnd anblicken. Ihre friedlichen Absichten liegen überdeutlich zutage. Wer sehr genau hinschaut, könnte sich höchstens fragen, wie es kommt, dass sie so unbekümmert und ohne hinzuschauen durch das Unterholz kommen konnte, ohne einmal zu straucheln. Noch nicht einmal ein kleines Zweiglein oder eine Klette haben sich in ihrem langen Kleid verfangen...

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