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Autor Thema: Mal Gani  (Gelesen 4977 mal)

Beschreibung: Der Herr der Vertriebenen

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Lîf

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Mal Gani
« Antwort #135 am: 22.09.2021, 09:59:41 »
Mit gerunzelter Stirn verfolgt Lîf den Wortwechel ihrer Begleiter. "Nun," meint sie schließlich, "vielleicht hat Wulfgar recht, vielleicht Rogar. Aber ganz gleich, ob diese Kolkar an dem Überfall beteiligt waren oder nicht, ihn womöglich sogar selbst verübt haben, da sie ja anscheinend so harmlos nicht sind" – angesichts Rogars Schilderung von menschlichen Zuchtweibern verzieht sie das Gesicht – "ich denke, wir sollten vorerst den Spuren folgen, die wir finden. Und da scheint doch die jüngste die vielversprechendste"[1] erklärt sie. "Mag sein, dass der- oder diejenige bis auf einen Abdruck seine Spur verwischt hat – aber das kann man ja nur ein Stück weit tun, damit niemand am Ort des Interesses bemerkt, dass noch jemand da war. Wenn wir einen gewissen Umkreis um diesen Abdruck abgehen, könnte ich wetten, dass wir irgendwann auf eine Stelle stoßen, an der dieser Jemand es nicht mehr für nötig gehalten hat, jeden Hinweis auf seine Anwesenheit zu beseitigen und so im Schneckentempo voranzukommen. Was meint ihr?" Sie sieht zum Himmel. Offenbar wäre sie willens, bis zu einer abendlichen Rast das verbleibende Tageslicht noch auszunutzen und darauf zu vertrauen, dass man später auch noch einen guten Lagerplatz finden wird.
 1. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Rogar auch den einzelnen leichten Fußabdruck erwähnt.

Arnvidh Kjellson

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Mal Gani
« Antwort #136 am: 22.09.2021, 22:20:52 »
Und Arnvidh, er blickt zum Kronendach in dem sich das Licht verfängt. Würde es nicht so seltsam klingen, so kann geglaubt werden, dass er sich kaum ein Stück gerührt hat. Während die anderen Gesucht haben oder die Natur befragten, so hat er doch auf die Sachen aufgepasst, oder?

Jedenfalls aufmerksam hat er die Worte der Anderen nicht verfolgt. Dafür scheint etwas dort oben viel interessanter zu sein. Wenigstens für einen Moment. Als sich das Gespräch um die Kolkar zu drehen begann, schließt er die Augen und atmet tief durch. „Wild, stark und äußerst gerissen sind sie.“ beginnt nun er in einem erzählenden Ton entlich etwas zu sagen. Dabei rührt er sich weiterhin nicht und hält die Augen geschlossen. „Zivilisiert, was soll das heißen. Sie haben an unserer Seite gekämpft. Haben ihm die Treue geschworen wie auch wir. Haben gegen die Dämonen um ihre Heimat gekämpft. Waren sie wie Menschen oder Elben oder Dain. Nein, sie sind Kolkar und nichts anderes.“
Während er das sagt, flackern Erinnerungsfetzen an alte Tage auf. An die Zeit wo er Seite an Seite mit Kolkar kämpfte. Tricks im Kampf waren ihnen nicht unbekannt. Es war ein Mittel zum Sieg, einen Gegner in die Falle zu locken. Am Ende zählt nur das Überleben des eigenen Stammes. Uh ja, er erinnert sich ganz genau an eine Situation, wo er den Kürzeren gezogen hatte und er mit drei anderen der Lockvogel sein musste. Den Kolkar hatte er damals noch nicht vertraut aber sie kamen. Sie ließen die Falle zuschnappen und erklärten danach, dass sie ihre Mitstreiter nicht im Stich lassen würden. Nur ein schwacher Anführer würde nicht sein Wort halten können. Genau von diesem Ehrgefühl war Arnvidh beeindruckt.
„Nur die Starken überleben und können das Wohl des Stammes sichern. Wer weiß, was das für Kolkar sind aber Schwäche sollten wir definitiv nicht zeigen. Jedenfalls nicht, wenn wir gleichauf mit ihnen Reden wollen. Das Maß zu finden, um dabei nicht herausfordernd zu sein, das wird wohl schwer.“

Die Augen nun wieder offen ließ er den Blick über die Anwesenden schweifen. „Stärke ist für sie ein Attribut der Männer, oder war es das? Ich weiß nicht. Es mag so gewesen sein. Nun aber finden und befragen, ja das denke ich auch sollten wir sei. Von Angesicht zu Angesicht, frei von Vorurteilen und veralteter Überheblichkeit. Respektiert ihre Stärke und Sitten und sie Respektieren dich.“ Auch er scheint willens zu sein noch das restliche Tageslicht zu nutzen. Es war ein Anfang und wenn dieser Stamm schon länger im Wald lebte, würden ihnen die Banditen wohl aufgefallen sein.

Abdo al'Mbabi

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Mal Gani
« Antwort #137 am: 23.09.2021, 23:49:04 »
Abdo lauscht voller Faszination den Beschreibungen der anderen über die Kolkar, die er selbst noch nie getroffen hat. Klangen die ersten Erzählungen, die er in Dalaran von diesem fremden Volk gehört hat, noch ganz und gar wie das, was Rogar sagt - die Kolkar sind Wilde, fast wie Tiere, die nur morden und plündern, baut sich jetzt doch nach und nach ein komplexeres Bild dieses Stammes auf. Was Arnvidh sagt, klingt eher danach, dass es eine tiefe Verbitterung und alte Erzfeindschaft zwischen den Kolkar und anderen Rassen gibt, und weniger danach, dass dieses Volk durchweg und unrettbar dem Bösen verfallen ist. In Abdos Augen ist ohnehin jeder, der gegen die Shetani kämpft, ein Verbündeter und kann nicht durchweg verdorben sein.

"Wenn wir etwas Ruhe haben," spricht er in einem passenden Moment Arnvidh an, "kannst du mir dann von deinem Kampf gegen eure Dämonen erzählen? Und von den Kolkar?

Lasst uns jetzt aber Lîfs Rat folgen und die Umgebung nach dieser Spur absuchen!"
fügt er an alle gewandt hinzu. "Wenn wir die Spur im Tageslicht noch finden, können wir ihr sicher eine Weile folgen, bevor wir zur Nacht rasten müssen. Deshalb lasst uns keine Zeit verlieren."

Aeryn

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Mal Gani
« Antwort #138 am: 24.09.2021, 22:00:32 »
Aeryn nickt dem Dunkelhäutigen zu. "Ich sehe mich mal in der Umgebung um."

Dann zieht die Elbin los, um nach den Spuren zu suchen. Im Wald ist sie in ihrem Element und auch ihre scharfen Augen helfen natürlich dabei, etwaige Besonderheiten aufzuspüren[1].

Sollte sie nach einer halben Stunde noch nichts gefunden haben, kehrt sie allerdings ersteinmal zu den anderen zurück.
 1. Überleben 20 (Take 10)

Arnvidh Kjellson

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Mal Gani
« Antwort #139 am: 26.09.2021, 13:42:21 »
Kurz geht Arnvidh in sich nickt dann aber Abdo zu. „Ja, das wäre wohl gut.“
Während Aeryn und die anderen die Spur verfolgen, mustert er Abdo erneut von oben bis unten. Immer wieder geht dabei sein Blick zu Wulfgar. Offensichtlich scheint er beide zu vergleichen. Bei einer guten Gelegenheit teilt er den beiden Männern seine Gedanken mit. „Ich glaube, wenn wir die Kolkar finden, wird wohl einer von Euch beiden von ihnen als unser stärkster Mann angesehen. Das heißt ihr werdet wohl am ehesten angesprochen als wir anderen.“ Das ist jetzt nur eine Vermutung von Arnvidh. Vielleicht setzten dieses Kolkar nicht ihre Maßstäbe auf andere an, aber wenn doch so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, wen sie als Alpha der Gruppe ansahen.

Wulfgar

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Mal Gani
« Antwort #140 am: 01.10.2021, 14:37:59 »
"Ich stimme Euch zu. Es wird wohl bestimmt das Beste sein wenn wir gemeinsam noch etwas das Tageslicht mutzen um weitere Spuren zu entdecken bzw den Spuren der Kolkar folgen. Sie sind wohl diejenigen die uns am ehesten sagen können was hier passiert ist. Bisher können wir nur raten was los war. Aber wenn wir Zeugen finden, würde das vielleicht mehr Licht ins Dunkel bringen. Ich selbst bin zwar auch nicht unbedingt ein Freund der Kolkar, aber aktuell sind sie unsere Beste Chance hier weiter zu kommen"

Während die Gruppe sich besprach hatte Brakus sich einen Platz gesucht um sich etwas hin zu legen und aus zu ruhen und einfach die natürliche Umgebung zu genießen.

Gaja

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Mal Gani
« Antwort #141 am: 02.10.2021, 18:45:11 »
Aeryn sucht die nähere Umgebung also noch einmal gründlich ab, ob sie einen weiteren Fußabdruck entdecken kann. Lîf hilft ihr dabei, als einzige der Gefährten, mit großem Eifer, aber wenig Glück. Wulfgar – selbstsicher, bei seiner vorigen Suche alles gefunden zu haben, was sich finden lässt – hat sich mit Brakus und seinem Maultier einen Rastplatz gesucht, wo er nun lang ausgestreckt ruht. Rogar, Abdo und Arnvidh bleiben im Gespräch zurück.

Bei Arnvidhs Beschreibung der Kolkar und dem abschließenden Rat "Respektiert ihre Stärke und sie respektieren dich" hat sich Verachtung auf Rogars Miene ausgebreitet (sicherlich mehr auf die Kolkar gerichtet als den Sprecher), die nur langsam wieder wich. Er grummelt etwas in der Sprache seines Volkes vor sich hin, doch beruhigt sich schließlich.

Nach einer Weile müssen Aeryn und Lîf ihre Suche aufgeben. Da scheint einer doch ziemlich gründlich vorgegangen zu sein! Wohl konnte Aeryn einen zweiten Fußabdruck finden, und zwar ganz grob in Richtung Ansdag, doch daraus allein lässt sich nicht schließen, ob der Unbekannte tatsächlich auch von dort kam oder dorthin unterwegs war. Vielleicht wollte er auch zu einem der Höfe oder er hat nur einen Haken geschlagen oder ein wenig die Gegend erkundet oder...

Also kehren Lîf und Aeryn zu den anderen zurück. Bevor sie berichten können, ergreift Rogar das Wort.

"Gut, dass ihr zurück seid. Ich habe noch etwas herausgefunden, das alle angeht. Gestern abend nämlich habe ich, mit Uthers Erlaubnis, die weitere Korrespondenz seines Vaters durchgesichtet, ob sich dort nicht doch noch Hinweise zu beiden Karawanen aus Kromdag finden ließen. Soren hatte Fürst Ayrin ja belogen und behauptet, beide Karawanen hätten Ansdag nie erreicht. Nun, dieser Überfall hier, dabei handelt es sich offenbar um die zweite, welche Anfang Brachmond verschwand. Die erste dagegen scheint sogar Sydhavn noch erreicht zu haben und dort auf ein Schiff verladen worden zu sein, welches ordnungsgemäß Richtung Frankia in See stach, einen Monat, bevor die zweite verschwand. Am fünften Tag des Weidemonds, um genau zu sein. Nur angekommen ist sie in Frankia nie. Die Überfahrt hätte auch bei widriger Wetterlage nicht mehr als ein paar Tage dauern sollen. Aber da fragt man sich doch: Warum hat Soren das nicht einfach zugegeben? Es wäre ja nicht mehr seine Zuständigkeit gewesen? Nun, aber der Fürst von Sydhavn, wie Uther mir bereitwillig erklärte, ist Sorens Vetter...[1]

Ihr seht, was das bedeutet? Also, zunächst natürlich, dass wir uns die Mühe sparen können, einen zweiten Überfallsort zu suchen. Aber das ist Nebensache. Nein, es zeigt, dass unsere Annahme mit der Räuberbande von vorneherein nicht ganz stimmt! Denn entweder, es waren zwei verschiedene Banden am Werk: eine Räuberbande und eine Seeräuberbande, sprich: Rûngarder Piraten – schade, dass wir Tristan dazu nicht befragen können – oder aber, wir haben es mit einer Bande zu tun, die über weitaus mehr Können und Ressourcen verfügt als eine gewöhnliche Räuberbande, die also an Land als auch zur See operieren kann. Ach ja, und die Ladung war offenbar hauptsächlich Waffen und Rüstung und sonstige soldatische Ausrüstung. Also zumindest die erste. So das Manifest, welches im Hafen hinterlegt wurde."


Bei Rogars Bericht wird Lîf ganz heiß und dazu ein wenig schlecht. Weidemond! Das war doch genau die Zeit, als Hóp überfallen wurde! Als der ganz Ort niedergemacht wurde... Tristans Hof – niedergebrannt! Die alte Esja – erschlagen! Die anderen Alten – gnadenlos niedergemacht! Die jungen Weiber aber, ob Magd oder freies... so viele verschleppt! Inga, Helga, Elske! Anuk mitsamt der kleinen Siri! Auch viele der jungen Knechte... Alle, die sich nicht in den Wald flüchten konnten...

Ist es Zufall? Oder war da dieselbe Bande am Werk, die Fürst Ayrins Schiff überfiel? Die Rûngarder jedenfalls waren in der Sache mit dem Schiff ausnahmsweise mal nicht die Schuldigen. Lîf wusste von Tristan, dass das Ziel jener Fahrt – an der Lîf ihren Gatten so sehr gebeten hatte, nicht teilzunehmen – ein reiches Kloster im Norden Ferslands war, Sundheim, fast schon in Bächland, gar nicht so weit von der Gegend, in der sie selbst aufgewachsen ist. Also genau die entgegengesetzte Richtung! Und die Beute, mit der die Drachen heimkehrten, bestand auch eindeutig aus Klosterschätzen, nicht aus Waffen und Rüstzeug. Nein, die Rûngarder waren es diesmal nicht.
 1. Schon seit längerem überlege ich, wie man ZWEI verschollene Karawanen in dem kleinen Gebiet hier unterbringen soll. Im Grunde reicht ja ein Überfallort fürs Abenteuer aus und ihr habt, wegen der Nebenquest(en) eh noch so viele andere mögliche Zielorte auf der Karte. Ich hoffe, ihr verzeiht mir diesen etwas plumpen Trick des Nachreichens dieser Information. So geraten uns auch die erste und zweite Karawane gedanklich nicht mehr durcheinander.
Arnvidh: Die, welche Dein Auftraggeber sucht, war die zweite. Also genau die, welche hier verschwand.
« Letzte Änderung: 03.10.2021, 00:08:59 von Gaja »

Lîf

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Mal Gani
« Antwort #142 am: 03.10.2021, 10:55:08 »
Ein wenig ist Lîf die Enttäuschung anzumerken, dass ihre Suche nicht erfolgreich war. Dennoch wirkt die junge Frau, die man so reizbar gewohnt ist, jetzt eher nachdenklich als wütend. Fast scheint es, als könne sie in dieser Umgebung auf eine innere Kraftquelle zurückgreifen und sei ausgeglichener, als man sie kennt. Während Rogar berichtet, streicht die drudkvinde mit abwesendem Gesichtsausdruck über ihren gerundeten Bauch. Offenbar hat sie aber doch aufmerksam genug zugehört, denn als er geendet hat, murmelt sie: "Wenn sie es waren... aber wer sonst? Die Zeit passt ganz genau... Und wenn sie Waffen erbeutet haben, sind sie noch gefährlicher..."

Erst nach einer Weile, da sie an ihrer Unterlippe kauend vor sich hin gestarrt hat, sieht sie plötzlich auf und sagt in scharfem Ton zu Rogar: "Seid versichert, Herr Dain" – die letzten Worte betont sie besonders – "dass diese Bande nichts mit Rûngard zu tun hat! Ihr habt mein Wort darauf." Jetzt erst hat sich ihr Gesicht in der gewohnten Weise gerötet. Doch ihre Empörung legt sich ebenso rasch wieder, wie sie gekommen ist, oder besser gesagt, sie nimmt einen deutlich kälteren Charakter an, als Lîf langsam sagt: "Im Gegenteil, wenn diese Bande und die Piraten ein und dieselben sind, dann habe ich ihnen noch Grüße von einigen sehr guten Freunden von dort zu überbringen, die sie nicht mehr selbst aussprechen können..." Ihre Miene wirkt bei diesen Worten seltsam: Einerseits verhärten sich ihre Züge derart, dass man ihr schlichterdings alles zutrauen möchte, andererseits stiehlt sich ein feuchter Schimmer in ihre Augenwinkel.

Wulfgar

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Mal Gani
« Antwort #143 am: 03.10.2021, 19:27:08 »
Wulfgar schaute verwirrt "Verzeiht aber ich verstehe das alles nicht. Ich bin ein Mann der Natur und nicht der Politik und ich kenne mich hier in diesen Landstriche auch nicht aus. Wäre jemand so nett und würde mir die Zusammenhänge erklären? Für mich ist das alles gerade nicht wirklich verständlich. Was soll das alles miteinander zusammen zu tun haben? Ich dachte wir jagen hier einfach nur ein paar Banditen. Aber so wie ihr das erklärt scheint hier wohl was wesentlich größeres dahinter zu stecken. Vor allem etwas um das sich normal nur Stammesführer, Könige oder andere kümmern die täglich nur mit Politik zu tun haben "

Man merkt Wulfgar deutlich an das er wirklich keine Ahnung von staatsgeschäften hatte und sich absolut nicht mit Politik beschäftigt hat. Auf den ein oder anderen mag er sogar etwas hinterwäldlerisch oder sogar fast wie ein wilder wirken.

Abdo al'Mbabi

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Mal Gani
« Antwort #144 am: 05.10.2021, 15:02:24 »
Abdo lächelt Wulfgar zu, als dieser seine Verwirrung äußert. Es scheint, als wäre er nun nicht mehr allein als Unwissender in dieser fremden Welt - eine Vorstellung, die ihm sehr behagt. Schließlich ist er sich schon häufig etwas zurückgeblieben vorgekommen, wenn die anderen ihre Theorien geäußert haben und dabei Namen und Begriffe in Halbsätzen hin- und hergeworfen haben, dass ihm schwindlig wurde. Vielleicht würde er ja in Zukunft mehr verstehen, wenn es nun zwei unter ihnen gibt, die eine ausführlichere Erklärung brauchen.

"Mir würden einige Erklärungen ebenfalls helfen." stimmte er Wulfgar daher zu. "Aber so wie ich es sehe, haben wir auf die Schnelle sowieso keine Spur der anderen Karawane, oder sollen wir zur See fahren? Also lasst uns das Geheimnis des Verschwindens dieser hier lüften - vielleicht gibt uns das auch Aufschluss über die andere. Oder die beiden haben nichts miteinander zu tun, aber auch dann hätten wir zumindest eine Hälfte des Rätsels gelöst."

Gaja

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Mal Gani
« Antwort #145 am: 06.10.2021, 12:58:30 »
"Nun, alles verstehe ich auch nicht", gibt Rogar zu. "Doch wenn Frau Ragnarsdottir sich so energisch gegen eine Schuld der Rûngarder Piraten in dieser Sache stellt, dann hat ihr Wort insofern Gewicht, als dass sie und ihr Gatte, Herr Olavsson, von den Rûngard-Inseln stammen. Er sprach auch ganz offen davon, an derlei seeräuberischen Fahrten beteiligt gewesen zu sein. So gesehen ist Seeräuberbande nicht die korrekte Bezeichnung, vielmehr handelt es sich um einen Menschenstamm, der mit den restlichen Stämmen, vor allem aber den Albionern und Fersländern, seit gut einem Jahrhundert verfehdet ist, oder genauer: mit den Albionern seit gut einem Jahrhundert, mit den Fersländern dagegen bereits mehr als doppelt so lange. Fräulein Redwaldsdottir hätte euch mehr darüber erzählen können, sie stammt von Albion und ist in historischen Dingen recht bewandert."

Den noch immer ratlosen Mienen Wulfgars als auch Arnvidhs ist leicht zu entnehmen, dass sie offenbar überhaupt nichts über Rûngard wissen. Rogar räuspert sich umständlich.

"Gut, aber von Albion habt ihr schon gehört? Das ist eine große Insel östlich vom dalaranschen Festland, von der Fläche her das zweitgrößte der sechs menschlichen Fürstentümer. Die Rûngard-Inseln liegen südöstlich davon, noch ein ordentliches Stück weiter draußen[1]. Hunderte, wenn nicht gar tausende kleiner Inseln, von denen nur wenige dutzend groß genug zur Besiedelung sind, fügen sich zu einer Inselgruppe zusammen. Dort leben die rauhesten aller Menschenstämme, welche sich den Ruf des Schreckens der Meere reichlich verdient haben. An den Küsten Bächlands, Ferslands und Albions ist nichts gefürchteter als der Ruf: 'Die Drachen kommen!' Drachen, so werden die Boote der Rûngarder genannt, wegen der geschnitzten Drachenköpfe am Bug, den pfeilschnellen Bootsleibern, dem tosenden Kampfgebrüll, das Tod und Zerstörung verheißt – gerne brennen sie auch, nach vollzogener Plünderung, herauf alles nieder, sodass der Ort dann tatsächlich so ausschaut, als sei ein Drache aus einer uralten Sage über die Landschaft hinweggefegt und hätte sie mit seinem Feuerodem überzogen.[2].

Warum hat man in so langer Zeit es niemals geschafft, das Piratennest auszuheben? Nun, die Albioner haben es wohl mehrere Male versucht, aber wer sich in dem Inselgewirr nicht auskennt, hat mit mehr Gefahren als 'nur' den Piraten zu tun. Überall lauern Untiefen, messerscharfe Felsen direkt unter der Wasseroberfläche, dazu Strudel und Strömungen, dazu die Vielzahl der Inseln allein – ein wahrer Irrgarten, bestückt mit tödlichen Fallen. Es wird sogar behauptet, Seemonster hausten dort, welche mit den Rûngardern verbündet seien in einem unnatürlichen Pakt, der gar so weit ginge, dass man sich einmal im Jahr zu einer gewaltigen Orgie treffe, auf welcher Männlein und Weiblein beider Seiten dann bunt durcheinander miteinander...  äh, ihr versteht, was ich meine... was dann eben auch erkläre, warum die Rûngarder selbst halbe Monster sind..."


Ein Blick von Lîf lässt Rogar errötend verstummen. Er räuspert sich mehrmals, bis es ihm gelingt, erneut anzusetzen.

"Die glaubhaftere Version lautet einfach, dass die verschiedenen Jarle der Inseln – denn es gibt so zwischen sieben und neun davon – im Falle einer versuchten Invasion sofort alle Zwistigkeiten untereinander vergessen und ihre Drachen unter ein Kommando stellen...

Und deshalb, um wieder auf unser eigentliches Thema zurückzukommen, hätte ich bislang gedacht, dass es für ein verschwundenes Handelsschiff nur zwei mögliche Erklärungen geben kann: entweder einen schrecklichen Sturm oder eine Begegnung mit Rûngarder Drachen.

Abschließend will ich noch zugeben, dass mein Wissen trockenes Lehrwissen ist. Ich weiß nur, was mir zur Vorbereitung auf meine Mission über die politischen Verhältnisse der Menschen erklärt wurde. Da wir Dain aber seit längerer Zeit keinen näheren Umgang mit den Menschen gepflegt haben, ist unsere Information über sie frustrierend lückenhaft und zumeist schon ein paar Dekaden alt. Deswegen... wenn Frau Ragnarsdottir neuere, konkretere Erkenntnisse besitzt, so haben diese Vorrang vor den meinen.

Aber nun zu Euren Überlegungen, Herr al'Mbabi. Es ist natürlich richtig, dass wir uns nur mit der zu Land verschwundenen zweiten Karawane befassen können. Fürst Uther will indes einen Boten zu Fürst Ayrin schicken, mit der Information, dass erstere zur See verschwand. Der junge Fürst ist sehr bedacht darauf, wiedergutzumachen, was sein Vorgänger im Hinblick auf die Beziehung zu Kromdag womöglich verdarb."

 1. Auf der Karte (s. 1.5) leider nicht eingezeichnet, wäre auch jenseits des Blattrandes.
 2. Spielerwissen: Drachen gibt es in Dalaran zwar nicht "in echt", wohl aber in der Sage. Der Ursprung des Mythos liegt womöglich im Vulkanismus, der rundum Dalaran stellenweise sehr aktiv ist.

Wulfgar

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Mal Gani
« Antwort #146 am: 07.10.2021, 11:45:29 »
Man konnte Wulfgar deutlich ansehen das er nun nicht wirklich weniger Verwirrt ist wie zuvor. "Nun gut. Danke für diese Erklärungen. Doch weiß ich jetzt noch immer nicht genau was wir nun unternehmen wollen. Wenn es darum geht in der Wildnis zu überleben, einen Kampf aus zu tragen oder sich einfach nur nicht zu verlaufen, dann bin ich Euer Mann. Aber mit diesen ganzen Machenschaften von irgendwelchen anderen Stämmen oder gar Königen habe ich nicht viel am Hut. Und bisher bin ich auch immer ganz gut damit gefahren wenn ich mich aus solchen Sachen raus gehalten habe. Das einzige Gesetz was für mich gilt ist das Gesetz der Natur. Bei allen anderen Dingen versuche ich mich so gut wie Möglich raus zu halten, damit erspart man sich oft unnötigen Ärger". Bei dem letzten Satz huscht über Wulfgars Gesicht ein leichtes Lächeln das seine doch recht imposanten Eckzähne hervorblitzen lässt und zeigt das er wohl wirklich von Wilden abstammt und vermutlich wirklich die meiste Zeit auch nur mit wilden Tieren zu tun hat. Der ein oder andere würde vielleicht sogar sagen das eine Gewisse Ähnlichkeit zwischen Brakus und Wulfgar besteht, aber jeder ist sich bewusst das man diese Erkenntnis wohl lieber für sich behält.

Abdo al'Mbabi

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Mal Gani
« Antwort #147 am: 07.10.2021, 12:03:52 »
Selbst unter seiner dunklen Haut ist Abdo während Rogars Ausführungen knallrot geworden, und einige Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn. Angestrengt versucht er seine Gedanken auf ein anderes Thema zu lenken und ist erleichtert und dankbar, als Lîf den Erzählungen ein Ende setzt. Nachdem er sich einige Momente genommen hat, um wieder die Fassung zu erlangen, antwortet er auf die letzten Sätze des Dain.

"Ich muss mich wohl besser ausdrücken, Freund Rogar." ignoriert er weiterhin die förmliche Anrede des Kleinwüchsigen. "Ich meinte, dass wir unsere Kräfte nicht aufteilen können, und deshalb besser zuerst das naheliegende Rätsel lösen, bevor wir uns auf oder zum Meer begeben und uns um die zweite Karawane kümmern. Beides zugleich wird nicht möglich sein, dazu sind wir zu wenige. Dass Uther einen Boten schickt, ist natürlich sinnvoll - allerdings verstehe ich nicht, was das mit uns zu tun hat?

Für uns bleibt dennoch die Frage: Wo wenden wir uns hin? Der Überfall liegt lange zurück, und die Spuren sind verblichen. Der sinnvollste Weg ist wohl, Aeryns Vorschlag zu folgen, und zu versuchen, die Kolkar zu finden. Aber wohin müssen wir uns dafür wenden?"

Lîf

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Mal Gani
« Antwort #148 am: 07.10.2021, 15:24:14 »
Lîf zeigt bei der Erzählung Rogars über halbe Monster und Orgien doch noch einmal eine überaus gesunde Röte - anscheinend aber eher vor Empörung denn vor Beschämung. "Was wahrscheinlich unzählige Male von Mund zu Ohr gewandert ist und bei Euch irgendwann als wilde Orgie ankam, ist ein heiliger Bund mit Gaias Schöpfung! Ihr mögt das nicht verstehen, aber was zwischen Mann und Weib ist, stellt keinen Grund zur Scham dar, sondern es soll wie ein Gebet an die Große Mutter sein. Wer darin böses oder sündhaftes zu erkennen meint, sieht nur ein Spiegelbild seiner eigenen Gedanken" erklärt sie sichtlich erbost. Wohl hauptsächlich mit Rücksicht auf den verlegenen Abdo hält sie inne, um mit einem anderen Thema fortzufahren: "Und niemand auf den Inseln käme auf den Gedanken, sich mit irgendwelchen bösartigen Meeresmonstren einzulassen - unsere Männer sind tüchtige Seefahrer und Handwerker, die sich zur See auskennen, aber sie müssen ihren Zorn ebenso fürchten wie jeder andere Seemann auch."

Nachdem sie sich auf diese Weise etwas abreagiert hat, atmet sie einige Male durch und beruhigt sich wieder. "Nun, einfacher ist sicher den Spuren von Uthers Leuten nachzuspüren. Erinnert ihr euch, wie er uns erzählte, sie hätten ihn wissen lassen, dass sie dem Räuberlager auf der Spur seien? Und danach kam von ihnen keine Botschaft mehr. Das könnte bedeuten, dass die Räuber sie gefunden haben statt umgekehrt" meint der Rotschopf düster. "Aber wie herum es auch immer war: Sie scheinen sich zwar nicht sehr gut in der Wildnis ausgekannt zu haben, doch als sie suchten, war noch nicht so viel Zeit vergangen, und sie haben ja wohl auch mehrere Wochen für die Jagd nach den Banditen aufgewendet. Irgendwie müssen beide Gruppen aufeinander getroffen sein. Womöglich finden wir über die Spuren der Vermissten zumindest eine etwas brauchbarere und jüngere von den Räubern, die wir dann weiterverfolgen können. Und es wäre sicherlich auch wichtig zu erfahren, was aus diesen Männern wurde." Ihre Miene sagt deutlich, dass sie dahingehend schlimmes befürchtet.

Arnvidh Kjellson

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Mal Gani
« Antwort #149 am: 10.10.2021, 14:19:00 »
Sichtlich versteht Arnvidh die Erklärung von Rogar nicht ganz. Sie ist war hilfreich um etwas Lichts ins Dunkel zu bringen aber eigentlich verwirrt sie ihn fast noch mehr. Es reicht ihm aus, zu ahnen, dass die Küstenregionen und die See gefährlich ist. Da aber diese Karawane, oder besser gesagt das Waffenschiff, für ihn und seinen Auftrag uninteressant ist, denkt er auch nicht lange über die Erklang nach. Die Reaktion von Lif jedoch übersieht er nicht. Sie stammt also von diesen Inseln und die große Mutter scheint dort noch deutlich verehrt zu werden, als hier auf dem Festland wo Jarle gegen Fürsten getauscht wurden.

„Es sind auf jeden Fall zwei gute Anhaltspunkte.“ sagt Arnvidh und lässt seinen Blick auf Lif ruhen. „Die Kolkar laufen uns nicht weg und Uthers Leuten, gleich ihres Zustandes, sie verfolgten unser Ziel. Es ist also wie du sagtest, sehr naheliegend zuerst ihrer Spur zu folgen. Am Ende muss ich mich zumindest darauf verlassen, dass ihr der richtigen Spur folgt. Davon habe ich einfach keine Ahnung.“

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