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Autor Thema: [IC] In Rans Händen, in Freyrs Herzen  (Gelesen 25122 mal)

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Thorir

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[IC] In Rans Händen, in Freyrs Herzen
« Antwort #135 am: 26.09.2006, 18:08:05 »
Auch Thorir greift sich einen warmen Pelz, begibt sich mit diesem jedoch zu Solveigs Versteck hinüber.
Nach einem kurzen Blick umher reicht er das wärmende Fell hinter die Vorratskisten. Auch wenn er seine Geliebte im Dunkeln nicht erkennen kann raunt er in die Richtung in welcher er sie vermutet.
"Warte noch etwas bis die meisten Männer schlafen, dann kannst du rauskommen."
Dem Schmächtigen fröstelt und so wickelt er sich in seinen dicken Umhang. Angespannt und viel zu nervös (wie er sich selbst scheltet) wartet er auf den Klang von Solveigs Stimme...
"Kannst du mir das Messer reichen...?"

Thorir

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[IC] In Rans Händen, in Freyrs Herzen
« Antwort #136 am: 11.10.2006, 21:30:21 »
Doch plötzliche Alarmrufe schrecken den Schmächtigen auf. Ein Blick in Richtung Horizont lässt Thorir erstarren: Eine gewaltige Wolkenwand, dunkel wie im Magen des Fenriswolfs und so breit wie die Midgardschlange selbst türmt sich in unvorstellbarer Geschwindigkeit vor dem Boot auf! Und sie kommt direkt auf den Segler zu!
Panische Hektik erfasst selbst die erfahrensten Seeleute, die Segel werden gerefft, der stämmige Thorbjörn versucht das Steuer herumzureißen - doch vergebens. Ein mächtiger Sog scheint das Wasser erfasst zu haben und reißt das kleine Schiff immer näher an den nachtschwarzen Sturm. Und plötzlich ist es als ob Stimmen aus dem Grollen der Wolkenfront zu hören sind, singende Frauenstimmen, ein dreistimmiger, überirdischer Chor der nicht in den Ohren klingt, sondern direkt das Herz berührt.
Edrik bleibt mit sturmgepeitschter Mähne staunend am Mast stehen, neben ihm der Wolfsmann mit gefletschten Zähnen und der breitbeinig Halt suchende Zwerg welcher sprachlos die Stirn in Falten gelegt hat. Auch Thorir eilt nach vorn und bleibt neben seinem alten Freund Edrik stehen. Auch der mit nach vorn gelaufene Solveig, deren goldene Mähne wie ein Banner die Schulter des Schmächtigen peitscht hat es die Sprache verschlagen.
Wie unter einem Bann stehen die fünf Gefährten nebeneinander und blicken in den sich mit rasender Geschwindigkeit nähernden, überirdisch singenden Sturm. Und für einen Moment, aus dem Augenwinkel, meinen die Kinder Midgards dass sie nicht mehr nur zu fünft sind. Neben ihnen stehen der blonde Hühne Arild, offensichtlich wieder genesen, der einzelgängerische Jäger Quarion und sogar Ragnir, der verschwunden geglaubte Pfeifer.
Ein Lächeln stiehlt sich auf die Gesichter der Gefährten und Freunde, denn allen wird in diesem Moment wie von Göttermund eingegeben klar:
Dieser Sturm ist nicht das Ende, es ist ihr Schicksal - und es ist ein gutes!
Dann verschluckt sie endgültig die Dunkelheit und keiner von ihnen ward je wieder gesehen.


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"Das ist ein schlechtes Ende, Onkel!"
Der blonde Junge haute unzufrieden mit seinem Holzschwert auf den gestampften Lehmboden. Stirnrunzelnd blickte er zu dem alten Mann hoch.
"Erzähl mir ein anderes!"
Der Weißbart auf dem alten Hochsitz lachte.
"Aber wenn es doch die Wahrheit ist? Wir fuhren mitten in den Sturm hinein!"
Trotzig schüttelte der kleine Wikinger den Kopf.
"Das *kann* garnicht das Ende sein - Schließlich sitzt du ja hier, Onkel Thorir!"
Wieder lachte der alte Mann.
"Da hast du allerdings Recht. Na gut. Aber..." und der Greis fixierte den Jungen mit dem klaren Auge seiner grausig vernarbten, rechten Gesichtshälfte, "...die Geschichte wird noch sehr lang, gruselig und manchmal garnicht schön...willst du sie trotzdem hören?"
Mit zusammengekniffenen Lippen und großen Augen nickte der Zuhörer eifrig, was ein Schmunzeln des alten Mannes zur Folge hatte.
"Also dann, aber hol mir zuerst einen Becher Met. Der Asensegen ist genau das Richtige zum Erzählen von langen Wikingergeschichten!"
Und während der Junge rasch hinausrannte strich die Hand des alten Mannes versonnen über das alte, abgewetzte Schnitzwerk des Hochsitzes. Er seufzte tief und schloss, wie von einer plötzlichen Müdigkeit überkommen, die Augen.
"Jaja, das Schicksal bleibt doch die größte und unglaublichste Geschichte von allen..."
Dann, die Augen wieder aufschlagend und ein schiefes Grinsen wie in seinen jüngsten Jahren offenbarend fügte er schmunzelnd hinzu:
"Aber diese hier...kommt direkt danach!"
"Kannst du mir das Messer reichen...?"

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