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Autor Thema: Præludium Secundum: Lacus Brigantinus  (Gelesen 21288 mal)

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Tex

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« am: 27.10.2007, 17:54:39 »
Langsam senkte sich Dunkelheit über Gratianopel, die hufeisenförmig angelegte Stadt am Fuße der Weißalpen und Hauptstadt Raphaelslands. Der Lacdrac glitzerte, als die letzten Sonnenstrahlen seine Oberfläche berührten und der strahlendweiße Himmel der Raphaeliten war in ein goldenes Licht getaucht. Unten in der Stadt wurden nacheinander die großen Laternen angezündet, die die breiteren Straßen beleuchteten, und die auf den Feldern um die Stadt herum - auf denen hauptsächlich Arzneipflanzen angebaut wurden, die dann im Himmel der Raphaeliten und in den unzähligen Klöstern in der und um die Stadt herum zu den hochklassigen Medikamenten, für die der Orden Raphaels bekannt war, verarbeitet wurden - arbeitenden Menschen kehrten in die Stadt zurück, um den Abend geruhsam zu verbringen  oder - was weitaus häufiger war - im Vergnügungsviertel der Stadt, dem Loin, mit seinen unzähligen Tavernen, Theatern und kleinen Bühnen, ihr hart erarbeitetes Manna auszugeben. Gratianopel war eine malerische, wunderschöne Stadt am Westrand der Alpen, für die es seit der Ankunft des Ordens des Heilenden Erzengels nur bergauf ging. Die Ordensoberen ließen den Einwohnern große, in anderen Gegenden Europas fast undenkbare Freiheiten, und die Einwohner dankten es dem Orden mit unerschütterlicher Treue und glühender Verehrung. Und so wuchs Gratianopel zu der Metropole heran, die es heute ist: Zwar weitaus kleiner als etwa Roma Æterna oder der riesige Moloch Nürnberg, doch für Pilger fast genauso wichtig.

Von alledem konnte man hoch oben im Himmel der Raphaeliten wenig mitbekommen, einfach deshalb weil die Menschen, ja selbst die großen Kirchen und Bauten der Stadt von dort oben winzig klein wirkten. Ihr befandet euch in eurer Scharcella, einem kargen, im allgegenwärtigen Weiß Raphaels getünchten Raum, in dem außer den Hockern, auf denen die Engel die Nacht verbrachten, und einem großen Tisch keine besonderen Möbelstücke zu sehen waren. Dennoch war dies eine besondere Cella, denn sie lag an der Außenwand von Raphaels Leib, und so hatte man durch die riesigen Glasfenster einen atemberaubenden Blick auf Gratianopel im Vordergrund und die schneebedeckten Gipfel der Alpen, die sich bis an den Horizont erstreckten. Adomiel, der Urielit eurer Schar, blickte verträumt durch ebenjene Fenster und beobachtete den Einzug der Dunkelheit, jener Zeit, die der Erzengel Uriel besonders gesegnet hatte. Jesaiel, eure Ramielitin saß wie fast immer an dem großen Tisch, vor sich ein dickes, aufgeschlagenes Buch und war vertieft in die Lektüre. Euch erschien es immer wie ein Wunder, wie man in den kryptischen Symbolen und Strichen, die in einem solchen Buch aneinandergereiht, Seite um Seite, auftauchten, einen Sinn erkennen konnte, doch war dies die Segnung, die der Erzengel Jeremiel, der Bewahrer des Wissens, seinen Engeln mitgab. Der einzige eurer Schar, der fehlte, war Azariel, der Michaelit eurer Schar. Er befand sich gerade wohl bei Priorin Swantje, die ihn aus euch noch unbekannten Gründen zu sich gerufen hatte. Und so wartetet ihr nun auf seine Rückkehr...
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Ilael

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #1 am: 28.10.2007, 13:16:53 »
Ilael saß auf seinem Hocker, beide Hände um die Sitzfläche geschlungen, verkrampft und ein Bein über das Andere geschlagen. Er starrte zu Boden. Er war nicht ungeduldig, keine Eigenschaft lag ihm ferner als ungeduldig zu sein, aber dass Azariel von der Priorin noch nicht zurück gekehrt war, machte ihm Sorgen. Welche Aufgabe sollte ihnen zuteil werden? Wieso hatten sie nicht alle mit ihr gehen können? Wie sehr er doch die Geheimnistuerei der hohen Würdenträger hasste. Doch hatte er sich den Befehlen seines Scharführer gebeugt, waren sie ihm doch so heilig wie Gottes Wort selbst.

Er sah zu Adomiel hinüber. Der Ausblick in die Nacht schien den Urieliten zu erfreuen. Er selbst liebte das Licht und das Weiß des Tages. Auf die Erde hinab zu blicken, machte ihm dagegen keine Freude. War Gratianopel zwar ein scheinbar friedlicher Ort, so gab es doch dort unten soviel Leid, das er nicht lindern konnte. Jede Minute, die sie hier verbrachten, war eine verschwendete Minute, in der er hätte helfen können. So aber war er dazu verbannt, zu warten.

Sereniel

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #2 am: 28.10.2007, 17:06:34 »
Sereniel war gereizt. Es lag im nicht herumzuhocken und nichts zu tun. Er hatte heute zu wenig Bewegung gehabt und das merkte er nun. Nicht einmal das pedantische Reinigen seiner Waffen und seines Schulterpanzers konnte ihn ganz beruhigen. Der Himmel der Raphaeliten ging im irgendwie auf die Nerven. Alles war so lasch, so geschniegelt, so freundlich. Sereniel hätte es zwar nicht zugegeben doch der harsche, militärische Umgangston seines eigenen Himmels begann ihm zu fehlen. Dort wusste man immer woran man war und musste niemanden mit Samthandschuhen anfassen.

'Hoffentlich können wir bald weiter!' dachte der Gabrielit bei sich, während er die Reinigungsutensilien für die Waffen sorgsam verstaute und dabei gleich noch einmal den Inhalt seiner Tasche überprüfte und ordnete - zum sicherlich dritten Mal in der letzten Stunde. Dann verschloss er die Tasche und begann seine Votivbänder zu ordnen und neu umzubinden. Noch waren es nicht viele aber Sereniel war fest entschlossen, dass es bald schon mehr sein würden.
'Verdammt wo bleibt Azariel nur! Wie kann eine Besprechung so lange dauern? Besprechung! Pha!' Sereniel musste sich zusammenreissen um sitztenzubleiben, seine grossen, silbergrauen Schwingen zusammengefaltet zu lassen, den zweiten Teil seiner Seele in seiner Scheide zu lassen. Grimmig sass er auf seinem Stuhl und beobachtete seine Schargeschwister.
'Wenn man mit ihnen wenigstens einen Übungskampf absolwieren könnte...'

Tex

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #3 am: 28.10.2007, 18:41:29 »
Nach einer euch fast unendlich lang erscheinenden Zeit - draußen war es mittlerweile tiefste Nacht geworden - schlug endlich die Tür auf und Azariel platzte herein. Sofort setzte sich der kleine Michaelit auf den Tisch und ließ die Beine baumeln. Fröhlich blinzelte er euch an, wobei er jedoch die neugierigen Blicke, die ihn direkt trafen, ignorierte. Wieder einmal machte er sich einen Spaß daraus, die Worte, die er sicher zu verkünden hatte, hinauszuzögern. Als die Spannung fast knisterte und selbst Jesaiel von ihrem dicken Wälzer aufsah, begann der Michaelit endlich:

"Ich habe Neuigkeiten für euch. Die Priorin hat uns neue Aufträge erteilt. Allerdings müssen wir uns leider trennen. Sie meinte, wegen der Invasion Britanniens hätte sie viel zu wenig Scharen zur Verfügung, um alles Anstehende zu erledigen. Also: Jesaiel, du sollst in deinen Heimathimmel fliegen und dort in den Archiven deines Ordens nach einem bestimmten Buch suchen, das irgendein hochstehender Erzbischof hier im Himmel dringend benötigt. Irgendwas mit neuer Arznei und altem Wissen und so. Ich soll dich dabei begleiten. Adomiel, du sollst für Botenflüge hier in Raphaelsland eingesetzt werden, bis unsere Schar wieder komplett ist. Ilael und Sereniel, für euch hat die Priorin mir einen weiteren Auftrag mitgegeben: Ihr sollt euch morgen früh auf den Weg nach Friburgum im Silva Nigra aufmachen und im dortigen Raphaelisstift den Bericht eines gewissen Fra Valery abholen. Der hätte eigentlich schon vor ein paar Wochen hier sein müssen, aber irgendwas verzögert den Bericht. Ich weiß nicht, was euch genau erwartet, aber das werdet ihr ja schon früh genug erfahren. So, das war's. Die Priorin meinte noch, wir sollten uns ausruhen und dann beim ersten Morgenlicht aufbrechen."

Fröhlich blickte Azariel in die Runde und wartete auf die Reaktionen seiner Schargeschwister. Adomiel nahm seinen Auftrag mit der ihm eigenen, stoischen Ruhe auf und nickte nur knapp. In all der Zeit, die ihr nun zusammen verbracht hattet, konnte der hagere Urielit durch nichts aus der Ruhe gebracht werden, was waren da schon ein paar Botenflüge? Ganz anders Jesaiiel: Die Aussicht darauf, eine Zeit in den riesigen Archiven des Ramielis-Ordens verbringen zu können, schien wie ein Traum für die Ramielitin. Sie platzte schier vor Freude, was man ihr auch ohne Worte ansah.
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Ilael

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #4 am: 28.10.2007, 19:43:09 »
Ilael hörte geduldig die lange hinaus gezögerten Worte des Michaeliten an. Er sollte nach Friburgum? Einen Bericht abholen? Wurde er nun von einem Heiler zu einem Boten hinab gestuft? Eine Welt brach in ihm zusammen. Man hatte ihn abkommandiert, man wusste seine Künste nicht mehr zu schätzen. Sie waren zu wertlos, um sie noch einzusetzen. Äußerlich blieb alles an ihm ruhig. Er wartete, bis Azariel ausgesprochen hatte, beobachtete noch, wie Jesaiiel scheinbar in Freude ausbrach. Dann ergriff er endlich das Wort: "Nach Friburgum? Wieso? Wegen eines Berichtes? Liegt mein Aufgabenbereich nicht woanders?"

Plötzlich sah man ihm seine Fassungslosigkeit deutlich an. Er versuchte, seine Fassung zurück zu gewinnen. Adomiel schien es auch nicht zu kümmern, dass er nur Bote war. Vielleicht überschätzte er sich einfach. Vielleicht musste er eben auch diese Dinge erledigen, bis er für Höheres auserwählt wurde. Er atmete tief durch und nickte dann, nur um seinen panischen Fragen ein einfaches "Gut." hintan zu fügen.

Tex

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #5 am: 28.10.2007, 21:32:36 »
"Ich glaube nicht, dass es mit dem Abholen des Berichts einfach so getan ist", antwortete Azariel dem Raphaeliten. "Das hätte auch ein Monach erledigen können, oder eine Armatur Templer. Wenn sie schon zwei Engel schicken, dann muss mehr dahinter stecken, ich weiß aber beim besten Willen nicht, was. Bitte seid vorsichtig, was immer euch erwartet."
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Sereniel

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #6 am: 28.10.2007, 23:21:46 »
Sereniel war keineswegs Begeistert von seiner nächsten Aufgabe doch er hätte sich eher die Zunge abgebissen als sich etwas anmerken zu lassen. Aber andererseits war die Tatsache dass er selbst mitgeschickt wurde ein kleiner Hoffnungsfunke. Die Priorin schien zu glauben, dass seine Kampfkraft gebraucht werden könnte. Sicherlich waren Ketzer oder Traumsaat für die Verspätung der Nachricht verantwortlich! Und er, Sereniel, wurde gebraucht um Gottes reinigendes Feuer über diese Kreaturen des Herrn der Fliegen zu bringen. Schon malte er sich seine Schlacht gegen diese Kreaturen aus - riss sich dann jedoch zusammen.

"Ich höre und gehorche!" Waren seine ersten Worte als Reaktion auf die neue Aufgabenverteilung. Als Ilael Azariels Befehl hinterfragte schickte Sereniel ihm einen schneidenden Blick zu. Erst als Azariel wieder sprach, schaute der Gabrielit zu den anderen. Auf die Bitte des Michaeliten vorsichtig zu sein verzog sich Sereniels Miene zu einem halben Grinsen.
"Wann bin ich je etwas anderes als vorsichtig?" meinte er ironisch bevor er fortfuhr. "Nur keine Sorge Azariel, ich bringe Ilaels Hintern wieder ganz zurück zur Schar. Egal was uns an Hindernissen erwartet, lange werden sie uns nicht im Weg stehen."
Sereniels kurzes Streichen über sein Flammenschwert machte deutlich, dass er mit dem "uns" nicht sich und Ilael gemeint hatte.

Ilael

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #7 am: 29.10.2007, 00:40:59 »
Ilael bemerkte den stechenden Blick des Gabrieliten zunächst nicht. Erst, als er die Stimme hob, wurde ihm bewusst, dass er nicht allein würde gehen müssen. Ihm behagte der Gedanke jedoch nicht, dass er ausgerechnet mit diesem Kampfengel, wie er ihn gedanklich gerne nannte, gehen müsste. Das konnte unter Umständen Schwierigkeiten bringen.

Ilael hoffte zwar, dass so, wie Azariel gesagt hatte, mehr hinter dem Auftrag steckte, andererseits war er nicht erpicht darauf, mit dem Gabrieliten in einen Kampf mit einer Traumsaat zu geraten. Die Schar gehörte doch zusammen und ohne seinen Scharführer würde er auf sich gestellt sein. Den Befehlen des Gabrieliten zu gehorchen schien ihm nicht geheuer, waren sie doch nicht so wohl überlegt wie die von Azariel.
"Lass uns morgen so früh wie möglich aufbrechen. Je eher du wieder unter Azariels Kommando stehst, umso sicherer werde ich mich fühlen."

Sereniel

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #8 am: 29.10.2007, 11:25:50 »
Sereniel überlegte kurz ob Ilaels letzte Bemerkung als Beleidigung gemeint war - wischte dann den Gedanken aber beiseite. Dass würde sich doch niemand trauen. Nicht bei ihm. Sereniels Selbstvertrauen war wirklich unerschütterlich.
"Morgen in aller Frühe also!" Damit war für Sereniel die Sache vom Tisch. Er versuchte seine Anspannung abzuschütteln und es sich wieder bequem zu machen. In Gedanken war er wieder bei seinen Schlachten gegen Ketzer und Traumsaat und malte sich aus, welchen Gefahren er begegnen würde, was er sagen würde, wie er siegreich zurückkehren würde ...

Tex

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #9 am: 29.10.2007, 18:42:06 »
Azariel ignorierte die kleinen Sticheleien zwischen seinen Schargeschwistern. Mittlerweile hatte er sich an die kleinen Macken des Gabrieliten und des Raphaeliten gewöhnt, nichtsdestotrotz wollte er keinen von beiden missen. Dann drehte er sich zu Jesaiel und vertiefte sich mit ihr in ein Gespräch über ihre eigene Reiseroute und den Himmel Jeremiels in Prag. Währenddessen stand Adomiel, der wortkarge Urielit immer noch am Fenster und starrte in die Nacht. Keinerlei Gefühlsregung ließ sich an seinem Gesicht ablesen, und so wusste keins seiner Schargeschwister, was er über seinen eigenen Auftrag dachte.

Der Rest des Tages verlief recht eintönig: Adomiel bewegte sich kaum von seinem Fensterplatz fort, Azariel und Jesaiel unterhielten sich immer noch, nur kurz unterbrochen von kleineren Phasen, in denen die Ramielitin sich in ihre Gedankenwelt vertiefte. Ansonsten geschah nichts Erwähnenswertes und irgendwann begab sich die Schar auf ihre Hocker, um dort in Meditation zu versinken, um wieder voll zu Kräften zu kommen. Morgen würde ein anstrenger Tag werden.... Wie im Flug verging die Nacht und so wurdet ihr aus eurer Meditation geweckt durch die frühe Dämmerung. Der quirlige Michaelit war wie immer als Erster auf den Beinen und schien auch bereits länger wach zu sein als ihr, denn als ihr endlich eure Meditation beendet hattet, stand auf dem Tisch bereits ein großes Tablett mit einem Krug Wasser, mehreren Bechern und einem kleinen Haufen Mannariegel. Azariel wies grinsend auf das Manna. "Nehmt euch nur, die Priorin hat dafür gesorgt, dass wir bestens gestärkt unsere Aufgaben angehen können. Und der Monach, der uns das gebracht hat, hat mir auch gleich gesagt, dass sich Adomiel so schnell wie möglich bei den Scriptoren melden soll. Der Ab hat wohl eine dringende Nachricht für den Debellator, die so schnell wie möglich überbracht werden soll. Soweit so gut, frühstücken wir nun und dann auf!"
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Sereniel

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #10 am: 29.10.2007, 22:03:05 »
Sereniel hatte sich bereits gewaschen und seine Haare gekämmt. Wie immer perfekt ordentlich zurechtgemacht goss er sich einen Becher Wasser ein und nahm sich einen Mannariegel. Um sicherzugehen, dass er auch genau wusste wohin er zu fliegen hatte fragte er Adomiel nochmals nach den wichtigsten Orientierungspunkten für die Reise nach Friburgum. Noch zwei-drei Male wiederholte er die Angaben im Geiste während er seinen Mannariegel ass und das Wasser trank. Schliesslich griff er noch nach einigen Riegeln und steckte sie in eine Dose, die er sorgsam in seiner Tasche verstaute.
Dann schaute er zu Ilael. "Und? Kanns losgehen?" Die Frage war eher rhetorisch, denn in Gedanken war Sereniel bereits unterwegs. Allein die Tatsache, dass noch nicht alle mit dem Essen fertig waren hielt den Gabrieliten davon ab, aus der Tür zu stürmen und sich von der Flugplattform in die Winde zu stürzen.

Ilael

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #11 am: 30.10.2007, 11:36:18 »
Ilael erwachte seiner Meinung nach viel zu spät. Er hätte die ruhige Zeit, ohne seine Schargeschwister lieber noch anderweitig genutzt. Als der Gabrielit fragte, war Ilael noch dabei, seine Haare zu ordnen. Er griff zu einem Becher Wasser, leerte ihn in einem Zug und nahm sich einen Mannariegel, den er zwar nicht hinunter schlang, aber doch in einem schnellen Tempo aß. Er nahm sich fünf Riegel und steckte sie in seine Tasche. "Ja, wir können." Dann wandte er sich noch an seinen Scharführer. "Ich wünsch euch viel Glück. Ich werde es vermutlich brauchen." Er warf einen Blick zu Sereniel hinüber und folgte dann dem Gabrieliten.

Sereniel

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #12 am: 30.10.2007, 13:08:05 »
Sereniel nickte den Anderen zum Abschied noch kurz zu und stapfte dann hinaus zur Flugplattform. Bei Gabriel, war er froh endlich hier wegzukommen! Der Raphaelitische Himmel war ja so etwas von langweilig. Sorgsam darauf achtend, dass Ilael ihm folgte schaute sich der Gabrielit kurz um, bevor er sich von der Plattform in die Lüfte warf. Er mochte das Gefühl des Windes in seinem Gesicht und in den Federn, die Bewegung der Flugmuskulatur ... nur den Regen mochte er nicht wirklich. Aber egal! Auch daran hatte er sich gewöhnt.
Nun galt es Kurs zu nehmen und wachsam zu sein. Schliesslich war ja Adomiel mit seinen scharfen Sinnen nicht dabei und Gefahren konnte überall lauern ... 'Sollen sie doch kommen!' dachte Sereniel herausfordernd, während er kurz über sein Flammenschwert strich.

Ilael

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #13 am: 30.10.2007, 17:57:19 »
Ilael drehte sich auf der Plattform noch einmal um. Sein Begleiter, so er denn überhaupt daran interessiert war, würde nicht erkennen, woran er dachte. Dann wandte er sich um und stürzte sich kurz nach Sereniel von der Plattform, nur um dann umso eleganter hinauf zu schwingen. Er konnte nur hoffen, dass der Gabrielit so ein guter Führer war wie Adomiel.

Tex

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Præludium Secundum: Lacus Brigantinus
« Antwort #14 am: 30.10.2007, 18:32:58 »
Es war ein wunderbares Gefühl, sich von der kleinen, an den Leib Raphaels geschmiegten Plattform in die Tiefe zu stürzen. Der Wind in den Federn, das Rauschen beim freien Fall, der Ruck, als ihr eure Flügel ausbreitetet und begannt, mit kräftigen Schwüngen weit über dem Erdboden zu schweben. Das Wetter hingegen war kaum als schön zu bezeichnen. Die tiefhängenden Wolken, die ihre über dem Mittelmeer aufgenomme Wasserlast an den westlichen Ausläufern der Alpen in einem feinen, doch steten Nieselregen, der alles durchdrang, abluden, sorgten dafür, dass ihr relativ tief fliegen musstet. Dazu kam, dass Sereniel, der schnell die Führung über die unvollständige Schar übernahm, nicht im Ansatz ein ebenso guter Wegfinder war wie Adomiel, markante Landschaftspunkte benötigte, um sich zu orientieren. Adomiel hatte euch kurz vor der Abreise noch geduldig erklärt, woran sich Sereniel genau orientieren sollte, und so flogt ihr den ersten halben Tag gen Norden, immer die schroffen Hänge der Weißalpen zur Rechten. Etwa zur ersten Stunde nach Mittag konntet ihr in der Ferne einen großen See glitzern sehen...
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