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Autor Thema: Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1  (Gelesen 11619 mal)

Beschreibung: Der Anfang vom Ende ...

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Taysal

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« am: 08.10.2008, 21:18:44 »
Flussland; Dachgeschoss in der Cien Nummer 10; kurz nach Schlag 7 am Abend

Die Glocke des Forellenturms hat vor wenigen Minuten zur siebenten Abendstunde geschlagen. Grind und Trixie sitzen in der kleinen, aber sauberen Mansardenwohnung des elfischen Doktors zu Tisch. In der Mitte steht ein kleiner Topf mit dampfendem Hirseeintopf, daneben ein gut gefüllter, irdener Aschenbecher. Zwei einfache Zinnteller, dazugehörige Hornlöffel und Becher mit verdünntem Rotwein komplettieren das Gedeck. An einem der schrägen Dachbalken baumelt eine einfache Öllaterne und taucht das Zimmer in warmes Zwielicht.

Die Dunkelheit hat in der Stadt Einzug gehalten und feuchter Nebel wallt von der Moors in die Straßen und Gassen des Viertels hinein. Der Nebel führt wie stets den strengen Geruch nach altem Fisch mit sich und dieser Geruch dringt auch durch die Ritzen des Hauses, um sich hier oben mit dem Duft des Eintopfes zu einer eigentümlichen Duftkomposition zu vermischen.

Das rege Treiben im Viertel kommt langsam zum Erliegen. Es wird ruhiger und während die noch funktionierenden Gaslaternen entzündet werden, ziehen sich viele Bewohner Flusslands in ihre Wohnungen zurück, um sich vom harten Tagewerk zu erholen und ein Abendessen einzunehmen - jedenfalls diejenigen, die es sich leisten können.

Hastige und dennoch leichte Schritte sind im Treppenhaus zu hören, lassen die hölzernen Treppenstufen zum Dachgeschoss des Hauses Cien Nummer 10 knarren. Die Schritte verharren vor der Wohnung, dann klopft jemand mehrmals kräftig gegen das Türblatt. Eine unbekannte Männerstimme ist zu hören die ängstlich in elfisch ruft: "Doktor? Doktor? Sind sie da? Es ist ein Notfall!"
« Letzte Änderung: 17.06.2009, 00:57:53 von Taysal »

Trixie Tollhaus

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #1 am: 08.10.2008, 22:08:52 »
"Erdbeeren wären mir lieber", sagt Trixie wie jeden Abend und stochert in ihrem Essen herum. Es ist für sie eher ein Mittagessen, da sie immer noch den Lebensrhythmus eines Nachtschwärmers pflegt: lange schlafen, lange aufbleiben. Sie ist ausnahmsweise wenig dankbar für Grinds Glimmstengelsucht, weil dieser den Geruch von Fisch und Essen übertüncht.

Als der Notfall gemeldet wird, sieht sie Grind fragend an, in der Hoffnung, nicht mitkommen zu müssen. Wahrscheinlich handelt es sich um das Opfer eines Raubüberfalls, und darüber möchte sie gleich aus zweierlei Gründen nicht nachdenken: weil sie bei Gewalt ein flaues Gefühl im Magen bekommt, und weil es sie zu sehr an ihre unmittelbare Vergangenheit erinnert. Tatsächlich ist es auch weniger ein flaues Gefühl im Magen als vielmehr ein Brennen da, wo die Wunden Narben hinterlassen haben.
"Du hast da eine Münze im Ohr. Wie kommt die denn da hin?"

Dr. Lazarus Grind

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #2 am: 08.10.2008, 23:24:31 »
Lässig und etwas verträumt kippelt Grind mit seinem Lieblingsstuhl und hat seine sauberen Stiefel auf einem Schemel liegen. Zufrieden schaut er dem Glimmstengel in seiner Hand beim verglühen zu und lächelt Trixie offen an. Er scheint sich in ihrer Gegenwart sauwohl zu fühlen und das vermag man geradezu zu spüren... bis es an der Türe klopft.
Grind hört hastig auf zu kippeln, dass das Holz lautstark aufeinanderschlägt.
"Jaja, ich komme ja schon." krächzt er mürrisch und schaut Trixie auffordernd an.
Von dem letzten, unbesetzten Stuhl schnappt er sich seine Umhänge-Arzttasche, schultert diese und zieht nach dem Schweigen seitens Trixie eine Augenbraue hoch.
"Magst heut nicht mitkommen?" Etwas zu väterlich wäre der Ton, wenn man nicht die versteckte Bitte heraushören würde, dass sie ihn doch begleiten möge.

Trixie Tollhaus

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #3 am: 09.10.2008, 00:03:47 »
Trixie zögert nicht. Grind hat ihr Leben gerettet, da gibt es keine Frage, ob sie seinem Wunsch nachkommt. Also packt sie Lederhandschuhe ein, zieht sich eine Mütze über, die ihr über die Ohren reicht und zieht einen dunklen Mantel an, der ihr so halbwegs passt. Straßenkleidung also, die unauffällig ist und auch nicht sehr an ihrer Form haftet. Sie vergewissert sich, dass ihr Messer im Gürtel steckt, und weigert sich einzusgestehen, dass sie es wahrscheinlich doch nicht verwenden würde. Anders als Grind trägt sie einfache Straßenschuhe, das äquivalent zu heutigen Turnschuhen, die ihr ermöglichen, sowohl halbwegs leise zu gehen, zu rennen und sogar zu klettern.

Die Handgriffe sind so geübt, dass sie nur wenige Momente braucht, bis sie hinter Grind an der Tür ankommt. Sie nimmt ihm die Arzttasche ab, um auch nach außen einen Grund zum mitkommen zu haben.
"Du hast da eine Münze im Ohr. Wie kommt die denn da hin?"

Taysal

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #4 am: 09.10.2008, 11:02:39 »
Als Grind die Türe öffnet, steht ein hochgewachsener und magerer Elf vor ihm. Der Mann trägt einfache und mehrfach geflickte Straßenkleidung, trotz seines ärmlichen Aussehens wirkt er sauber. Sein linkes Ohr ist knapp unter der Spitze halb eingeschnitten und nun vernarbt. Offensichtlich eine alte Verletzung. Auf der kahlen Stirn des Elfen steht kalter Schweiß.

Als der Elf Grind erblickt lächelt er ihn verzweifelt an. „Doktor Grind, ich bin Labradur Rettichstecker. Wir wohnen sieben Straßen weiter, in der Darmgasse. Meine kleine Tochter ist schwer krank, sie hat hohes Fieber, ich weiß nicht was ich machen soll. Bitte, helfen sie mir.“, fleht Labradur. Als sein Blick auf Trixie fällt nickt er ihr kurz zu, dann hängen seine schwarzen Mandelaugen wieder an Grind Lippen.

Sozialwürfe

Edit: Genauere Beschreibung.

Trixie Tollhaus

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #5 am: 09.10.2008, 15:21:55 »
(dachte, eine frische Ohrwunde könnte Zeichen von Folter sein)
"Du hast da eine Münze im Ohr. Wie kommt die denn da hin?"

Dr. Lazarus Grind

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #6 am: 10.10.2008, 00:34:33 »
"Danke." Ein kurzes und dennoch ehrliches Wort nuschelt Grind noch zwischen seinen Lippen und dem Ausatmen einer tiefgezogenen Rauchfahne seines frischen Glimmstengels. Er scheint etwas Abgelenkt und folgt dem schwarzäugigen Elfen, den er mit einer wedelnden Handbewegung vorgeschickt hat. Seine Augen wechseln unablässig, fast schon hektisch die Seiten und Grind zieht seine Schultern etwas hoch. Der schöne, entspannte Moment kurz nach dem Essen ist abrupt vorbei. Trixie fällt auf, dass Grind den anderen Elfen lange Zeit misstrauisch an dessen Hinterkopf starrt und unter seinem hastig umgeworfenen Umhang an seinem versteckten Messer nästelt als er die Strasse betritt.

Trixie Tollhaus

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #7 am: 10.10.2008, 00:55:59 »
Trixie folgt auf dem Fuße. Angesteckt von Grinds Nervosität macht sie eine Schau daraus, das Gewicht der Tasche zu verlagern, um die Hände am Gurt zu behalten und die Tasche im Falle eines Falles als Schlaginstrument nutzen zu können.
"Du hast da eine Münze im Ohr. Wie kommt die denn da hin?"

Taysal

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #8 am: 10.10.2008, 08:57:38 »
Labradur ist sehr besorgt um die Gesundheit seines Kindes und geht deswegen zügig voran. „Haben sie vielen Dank, Doktor, sie sind unsere letzte Hoffnung. Kein anderer wollte sich meine kleine Anahila ansehen, selbst im Armenhaus haben sie mich abgewiesen. Kein Geld und keine Ärzte, haben sie gesagt. Kein Platz und keine Medikamente, haben sie gesagt ...“

Zwanzig Minuten später gelangen Grind und Trixie unter Labradur Rettichsteckers Führung in die Darmgasse. Hohe, dunkle Häuser stehen aneinander geschmiegt und nur eine schmale Gasse trennt die gegenüberliegenden Häuser voneinander. In der Mitte der Gasse verläuft eine der offenen, städtischen Kanalrinnen. Eine Ratte nippt an dem stinkenden Abwasser, hebt neugierig den Kopf als die Neuankömmlinge einbiegen und tippelt dann gemütlich die Gasse hinab.

Es ist dunkel und feucht in der Darmgasse. Labradur hält auf die Hausnummer 13 zu. Bevor er die Türe aufstößt nimmt er eine Kerze aus der Tasche und entzündet sie, um Grind und Trixie den Weg zu leuchten. „Vorsicht, der Boden ist etwas feucht.“

Nun führt der Weg des Elfen in einen dunklen und muffig riechenden Hausflur hinein. Das wenige Licht lässt den nassen Boden stellenweise glänzen, während eine steile Treppe in den Keller hinabführt. Vorbei an fleckigen Wänden, aus denen stinkendes Wasser tropft, geht der Weg ein Stück noch weiter, dann stehen die Drei vor der Haustüre der Rettichstecker – ein einfacher Vorhang aus Fischhaut, unten mit bunten Glasperlen verziert.

Die Wohnung selbst besteht aus einem großen Kellerraum. Im Zentrum steht ein einfacher Holztisch, darauf eine Laterne, die nur wenig Kerzenlicht spendet. Ein altes Regal und eine morsch wirkende Kiste nehmen den Besitz der Familie auf. Zwei große Betten stehen an der Wand. Eines ist leer, in dem anderen liegt ein Elfenkind, vielleicht sieben oder achte Jahre alt, verhüllt unter zwei dünnen Decken.

Neben dem Bett stehen vier weitere Elfen, deren Köpfe zum Eingang schrecken, als Labradur mit seinen Gästen eintritt. Eine weitere Elfin sitzt auf dem Bettrand und streichelt dem Mädchen sanft über die Stirn, während sie leise ein elfisches Schlaflied singt. Ihre Augen und Ohren sind anziehend rund geformt und für elfische Maßstäbe ist sie eine Schönheit.

Sozialwürfe

Trixie Tollhaus

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #9 am: 10.10.2008, 13:05:15 »
Trixie sieht es vielleicht nicht zum ersten Mal, aber kann trotzdem nur schwer mit der Umgebung umgehen, in der diese Leute hausen. Es scheint ungewöhnlicher, dass nicht alle krank sind, als dass jemand Fieber hat. Ihre ersten Schritte in der Wohnung sind zaghaft, aber dann geht sie rasch zur Krippe herüber. Dann steht sie etwas verloren da, weil sie keine Ahnung hat, was sie tun soll.
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Dr. Lazarus Grind

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #10 am: 11.10.2008, 01:57:46 »
Grind hat keine Augen für die anderen Elfen. Wohlgeformte Ohren existieren in seiner Wahrnehmung nichtmehr. Er drängelt sich vorsichtig zu dem Bett und schaut sich erstmal das Elfenkind etwas genauer an. An Trixie gewand spricht er leise: "Eine neue Schachtel bitte und sei so gut und bereite meinen Koffer schonmal vor."
Sein Glimmstengel ist schon gefährlich weit heruntergebrannt und langsam macht sich eine kaum bemerkbare, für Trixie dennoch offensichtliche Nervosität in Grind breit. Seine Finger tippeln unablässig auf dem Bettrand während er das Mädchen erstmal oberflächlich untersucht.

Taysal

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #11 am: 11.10.2008, 08:37:45 »
Mit einem frischen Glimmstängel im Mundwinkel untersucht Grind Anahila. Die Gaumenmandeln sind geschwollen. Die typische glänzendrote Erdbeerzunge und der blasse Milchbart um den Mund herum lassen schnell erkennen, dass die kleine Elfin an Scharlach erkrankt ist. Auch das hohe Fieber und die Schluckbeschwerden sind ein sicheres Zeichen dafür.

Grind weiß, dass Scharlach eine gefährliche Krankheit ist und zum Tode führen kann, da es kein Heilmittel gibt. Ihm ist auch bewusst, dass er die Krankheit einem Magister oder der Polizei melden müsste. Und ebenso weiß er auch, dass Anahila mit ihren sieben oder acht Jahren der Seuchengefahr angeklagt würde und – sollte sie die Krankheit überleben – ins Arbeitslager käme. Nur einer der Gründe, warum Elfen lieber in dunklen Löcher zu genesen versuchen, als sich bei den Behörden krank zu melden.

Das Fieber zu senken, die Schmerzen des Kindes zu lindern und auf die Selbstheilung zu hoffen ist das Einzige, was in dieser Situation zu helfen vermag, um die nächsten drei Wochen zu überstehen.

„Doktor, werde ich wieder gesund?“ fragt Anahila während der Untersuchung hustend und ein übler Mundgeruch schlägt Grind entgegen. Er und Trixie lesen in den ängstlichen Sternenaugen der Umstehenden die gleiche Frage heraus.

Die Elfin  die beim Eintreten von Trixie und Grind am Bett stand, lehnt nun an Labradur, ihren Kopf sacht auf seine Schulter geneigt und Besorgnis schwingt in ihrer melodischen Stimme mit, als sie noch zufügt: „Herr Doktor, müssen wir meine Kleine melden?“

Dr. Lazarus Grind

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« Antwort #12 am: 11.10.2008, 15:06:59 »
Grind schaut die kleine Anhila lange und forschend an. "Weißt du Kleines, du musst jetzt viel viel Ruhe haben und immer schön die Medizin nehmen, die deine Mutter dir ab morgen geben wird. Dann wirst du auch schon wieder gesund."
Grind nimmt einen langen Zug und wendet sich an die Mutter: "Sie müsen ihrer Tochter beim Senken des Fiebers helfen und ihr viel Ruhe angedeihen lassen. Ich werde euch morgen eine Tinktur zukommen lassen, die ihre Tochter einmal täglich zum Gurgeln benutzt. Die Substanz selbst darf nicht geschluckt werden, lediglich ausspucken. Ansosnten wird ihr Kind nicht mehr gesund werden. Ausser ihnen sollte jeder den direkten Kontakt meiden, die Krankheit ist für schwächere Verfassungen sehr ansteckend."
Grind atmet langsam aus und fährt fort: "Und was das andere Thema angeht, da machen Sie sich mal keine Sorgen. Morgen komme ich nocheinmal vorbei und bringe ihnen die Tinktur. Das Medikament wird für sie auch nicht zu teuer werden."

Trixie Tollhaus

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #13 am: 11.10.2008, 21:18:22 »
Trixie nimmt sich erst zwei, dann drei Gegenstände (Stofftier? Irgendwas kleines) und jongliert für die Kleine, um dann aus dem Gleichgewicht zu geraten und slapstickartig hinzufallen. Im Liegen wirft sie einen der Gegenstände noch einmal gerade hoch. Erst danach fällt ihr auf, dass der Mantel nun doch sauber gemacht werden müsste.

Schließlich stupst sie Anahila an der Nase. "Hör gut zu, was der Doktor sagt. Der kann nämlich sogar Tote erwecken – aber nur, wenn die seine Medizin nehmen."
"Du hast da eine Münze im Ohr. Wie kommt die denn da hin?"

Dr. Lazarus Grind

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Das Schauspiel im Theater - Kapitel 1
« Antwort #14 am: 12.10.2008, 00:05:34 »
Grind lässt sich, wie oftmals, schnell von Trixies Vorführung ablenken und ist sehr glücklich darüber, das ernste Thema für kurze Zeit vergessen zu dürfen.

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