Autor Thema: Präludium: Faghira und Neriglissar  (Gelesen 6439 mal)

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Red XIV

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #15 am: 29.12.2008, 17:58:23 »
Neriglissar schließt die Augen und konzentriert sich auf die psionische Energie, die diesen Ort durchfließt. Vor seinem geistigen Auge manifestieren sich schemenhafte Bilder aus der Vergangenheit und ein starkes Gefühl von Freude und Ehre durchdringt ihn.
Die Bilder werden immer klarer und der Zerebromant findet sich an der selben Stelle wieder, an der er zuvor schon stand. Alles wirkt gleich, aber irgendwie anders, unwirklich. Die Farben wirken matt und gleichzeitig unnatürlich satt, das Licht der Sonne, die vom Osten her aufsteigt, ist matt und fahl und trotzdem ist alles in gleißendes Licht getaucht, dass es Neriglissar fast blendet.
Hinter sich kann er Stimmen vernehmen; oder ist es nur eine Stimme? Die Stimme, die in seinem Kopf unendlich oft wiederzuhallen scheint, sagt Worte in einer Sprache, die der Zerebromant nicht versteht. Wie durch Watte dringt jeder Laut in seine Ohren und ist doch klarer, als alles, was er je gehört hat.
Er dreht sich um. Seine Bewegungen sind langsam, so als wenn er im Wasser stehen würde und das Bild, welche er in seinem Kopf sieht, zieht mit einer kleinen Verzögerung, bei jeder Bewegung, die er mit seinen Augen macht, nach.
Im Kreis um das steinerne Tor am Brunnen steht eine Gruppe von Menschen mit langen, schlichten Kutten, die wenig Zeremonielles, als viel mehr Zweckmäßiges an sich haben; ihre Gesichter können unter den lange Kapuzen, die sie tief vors Gesicht gezogen haben, nicht erkannt werden. Ein kleiner Junge – gerade einmal dem Kindesalter entwachsen – steht direkt vor dem Tor und wiederholt die Worte, welche die hochgewachsene Gestalt mit einem langen Eichenstab rezitiert hat. Die Hände des Jungen berühren beide Torflügel. Nach einem kurzen Moment der Stille beginnen sich die steinernen Kletterpflanzen, die um das Tor geschlungen sind, zu bewegen. Der Junge tritt vom Tor zurück, streckt seine Arme vor seiner Brust aus und hält die Hände so, dass sich seine Handflächen einander zugewandt sind. Als er die Arme öffnet, bewegen sich auch beide Torflügel auseinander – langsam, zaghaft, aber beständig und in einer fließenden Bewegung – und geben den Blick auf ein grelles, warmes Licht frei. Die Geste scheint den Jungen große Kraft zu kosten, als wenn er die massiven Torbögen mit bloßer Körperkraft öffnen müsste.
Neriglissar fühlt die Erleichterung des Jungen und den Stolz der Gruppe, als der Junge wieder die Arme senkt. Er ist sich sogar sicher, dass er auch ohne den magischen Spruch diese Gefühle gespürt hätte, wäre er anwesend gewesen. Ohne lange zu zögern tritt der Junge durch das Tor, dass sich augenblicklich hinter ihm schließt und binnen weniger Herzschläge wieder wirkt, als wäre nichts geschehen.
Einige Zeit geschieht nichts, doch so unvermittelt, wie das Tor sich geschlossen hat, öffnet es sich wieder und der Junge tritt hindurch. Er trägt eine lange, moosgrüne Kutte und wirkt, obwohl sich an seiner Erscheinung nichts geändert hat, um viele Jahre reifer und erfahrener. Der ohnehin starke Gefühl des Stolzes erreicht seinen Höhepunkt, als der hochgewachsene Mann mit dem Eichenstab seine Kapuze abstreift, vor ihm auf die Knie fällt und ihm mit einer ehrerbietenden Geste den langen Eichenstab entgegenreicht. Der Rest der Anwesenden machen es dem grauhaarigen Mann nach und der Junge nimmt den Stab in einer feierlichen Geste entgegen. Den schlicht wirkenden Eichenstab hoch erhoben spricht er einige Worte in der Fremden Sprache, legt ihn vor sich auf den Boden und kniet sich wie die Anderen hin, während er leise etwas murmelt.
Die Vision verschwimmt und wird immer undeutlicher. Anfangs noch langsam, dann ruckartig verschmelzen die Vision und die Realität miteinander und der Zerebromant findet sich an der Seite von Faghira wieder. Wie viel Zeit verstrichen ist, weiß er nicht, doch mittlerweile ist es so dunkel, dass ein Mensch ohne Licht kaum etwas sehen kann.

Pooka

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #16 am: 30.12.2008, 00:19:12 »
Faghira, die diesen Zauber schon öfter bei Neriglissar beobachtet hat, hatte sich ins Gras neben den Burgfried sinken lassen. Während es immer dunkler wurde beobachtete sie den Zerebromanten.
Als sämtliches Tageslicht fast erloschen war, murmelte sie leise "Ashbaha mutauaheg" und der Ring an ihrer linken Hand begann hell und klar zu leuchten. Kurze Zeit danach bewegte sich etwas in ihrem Rucksack und nach ein paar Sekunden streckte der kleine, gehörnte Marder seinen Kopf aus dem nicht ganz geschlossenen Gepäckstück. Er blinzelte und schnupperte mehrmals, dann huschte er ganz aus dem Rucksack und geschwind vom Rücken des Esels herunter, auf den Schoß von Faghira.
 "Haytu du nafam, kulu shay bedagh, Da'il?" Das Wüstenmädchen lächelte und streichelte den Marder. Dieser blieb die ganze Zeit auf ihrem Schoß, zu einer kleinen pelzigen Kugel eingerollt, liegen.

Eine gute Stunde ist wohl vergangen, als Faghira bemerkt, dass Nerglissar aus der Trance des Zaubers erwacht ist. Sachte greift sie Da'il und setzt ihn zu Boden. Dann steht sie auf, ergreift den Führstrick des Esels und geht zu ihrem menschlichen Begleiter.
"Alles gut, Neriglissar?" sie sieht ihn fragend an "Du viel gesehen? Ort Böse?" während sie zu ihm gegangen war, war der Marder flink an ihrer Kleidung hoch gegklettert und hatte sich auf ihrer Schulter niedergelassen.

Ararath

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #17 am: 30.12.2008, 12:55:18 »
Sichtlich geschwächt schüttelt Neriglissar kurz den Kopf, als Antwort auf die Frage seiner Begleiterin. Den Stolz den er kurz zuvor gespürt hat, spürt er jedoch immernoch. Es fällt ihm sichtlich schwer die Emotionen von seinen eigenen zu trennen, doch nach einer kurzen Weile kommt er wieder zu sich.
"Es war ein Ritual, Faghira. Jedoch weder ein arkanes, noch ein psionisches."
Sein Blick fällt auf den Torbogen, dann schaut er gen Himmel und beobachtet das Firmament.
"Eine Zeremonie zu der Ehre eines Gottes war es jedoch auch nicht... es wirkte archaischer... und die Kleidung von ihnen hatte etwas... zweckmäßiges..."
Anscheinend fällt es dem Zerebromanten noch schwer seine Gedanken zu ordnen.
"Tut mir leid Faghira. Ich habe Druiden gesehen, die eine Zeremonie an diesem Ort abgehalten haben. Anscheinend bündeln sich hier Kraftlinien in einem einzigen Knotenpunkt, sodass dieser Ort für viele Lebewesen vom hohen Interesse ist. Ein Junge hat ein Portal in diesem Torbogen manifestiert und ist hindurchgeschritten. Nach kurzer Zeit ist er zurückgekehrt und der Meister des Zirkels hat ihm hohe Ehren erwiesen. Vielleicht war er auf einer fremden Ebene oder das Zwillingsstück zu diesem befindet sich in unserer Welt, dass kann ich dir leider nicht sagen. Außerdem haben sie in einer fremden Zunge gesprochen, die ich leider nicht verstanden habe."
Nachdem er den Sternhimmel betrachtet hatte, blickt er zu dem Wüstenmädchen.
"Entschuldige meine Ungestümtheit, ich hätte dir sagen sollen, dass ich diesen Ort nun genauer untersuche."
Er lächelt und streichelt Da'il das Köpfchen.
"Lass uns nun den Burgfried betreten, das Tor wird uns warhscheinlich nicht weglaufen."
Wenn Faghira ihn nicht zurückhält, öffnet Neriglissar die Tür zum Burgfried.

Pooka

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #18 am: 30.12.2008, 14:31:05 »
Dem gehörnte Marder scheint die Berührung Neriglissars zu gefallen.
Faghira schaut zuerst Da'il an, dann den Zerebromanten.
"Ist gut. Du nicht entschuldigen."
Sie wirft einen kurzen Blick in die Richtung des Torbogens. Dann schüttelt sie den Kopf "Wird nicht weglaufen. Morgen wir sehen genau.  Wir hinein." sie deutet auf die Tür des Burgfriedes.
"Wird Kalt hier."

Red XIV

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #19 am: 30.12.2008, 22:05:00 »
Der Zerebromant drückt die rostige Klinge mit einem leisen, aber unangenehmen Quietschen herunter und muss etwas Kraft aufwenden, um die morsche Tür des alten Burgfrieds zu öffnen. Obwohl der erste Raum recht klein ist, reicht das Licht von Faghiras Ring, welches durch die kleine Tür in den Raum scheint, nicht aus, um ihn vollständig zu erleuchten. Trotzdem können beide erkennen, dass bis auf eine dicke Staubschicht alles noch so aussieht, wie es einst ausgesehen haben muss. Die Möbel (einige Regale, eine Kommode und eine Garderobe), der Teppich und ein Gobelin, der aus der gegenüberliegenden Wand hängt, sind in einem einwandfreien Zustand.
Eigenartig ist nur, dass nichts den Anschein macht, der Verteidigung zu dienen. Anscheinend sah der letzte Herr des Hauses in dem Gebäude einen anderen Nutzen als den einer einfachen Wehranlage.

Ararath

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #20 am: 01.01.2009, 20:11:56 »
"Du hast recht Faghira, es wird wirklich kalt."
Nachdem er die Tür geöffnet hat blickt er in den Raum. Im schwachen Licht, welches unwirkliche Schatten wirft, erkennt Neriglissar nun den Wohnraum. Nicht gerade das, was er erwartet hatte, wie man an seinen Gesichtszügen unschwer erkennen kann.
"Jedes Licht wirft zu große Schatten, wir sollten nicht zu sehr darauf vertrauen. Vertrau lieber auf deine Augen."
Der Zerebromant lässt seinen Zauberstab durch die Luft sirren. Die Schrumpfköpfe blicken drohend und seine Hand wandert in eine Tasche seiner Robe, wo er eine alte vertrocknete Karotte hervorholt.
"K'litar derunuru galrdor!"
Spricht Neriglissar die Zauberworte und beißt der Karotte ein Stück ab, dann hält er es seiner Begleiterin hin, damit sie es ihm gleich tut. Nachdem sie auch ein Stück der verknorrten Karotte gegessen hat, lächelt er.
Als seine Augen nun nicht mehr die Dunkelheit schrecken blickt Neriglissar sich vorsichtig im Zimmer um. Falls sich kein gefährliches Wesen hier versteckt, geht er auf die Kommode zu und durchsucht sie.
"Vielleicht finden wir ja etwas.“

Pooka

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #21 am: 01.01.2009, 20:50:34 »
Faghira beobachtet, was der Zerebromant tut, dann ergreift sie den Rest der Karotte, die er ihr hinhält. Sie nickt Neriglissar zu und öffnet dann für einen kurzen Moment ihren Schleier um das Gemüse aufzuessen.
Nachdem sie sich die Karotte in den Mund gesteckt hat, schließt sie geschwind wieder ihren Turban. Die Karotte schmeckt nicht besonders gut, doch sie weiß, dass dieser Zauber ihre Augen in der Nacht sehen lässt.
Als das Wüstenmädchen aufgegessen hat murmelt sie leise "Taraf" und der Ring an ihrer Hand hört augenblicklich auf zu leuchten. Nun, da ihre Augen im Dunkeln ebenso gut sind, wie bei Tag, blickt auch sie sich im Zimmer um.
Da sie noch nie eine Wehranlage wie diese von innen gesehen hat weiß sie nicht, wie es hier eigentlich aussehen sollte.

Red XIV

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #22 am: 01.01.2009, 23:33:40 »
Nachdem der Zerebromant die Karotte zerkaut und heruntergeschluckt hat, weiten sich seine Pupillen und wachsen zu unnatürlicher Größe heran, sodass sie fast die gesamte Iris ausfüllen. Die Mydriasis fühlt sich ungewohnt – ja fast unangenehm – an, ganz so wie ein leichter Zug im Inneren des Auges, der von einem Kribbeln begleitet wird; ein kleiner Wehmutstropfen für das Augenlicht einer Katze.
Während Faghira die gleiche Prozedur über sich ergehen lässt, durchsucht Neriglissar bereits den Raum. Da er jedoch bis auf zwei Türen linker- und rechterhand, die seinem Blick zuvor verborgen waren, nichts neues im Raum erkennen kann, geht er zielstrebig auf die Kommode zu, um sie zu durchsuchen.
Drei Kerzenständer, vier Tabletts und Besteck, alles aus Silber, das teilweise mit einer schwarzen Schicht bedeckt ist – mehr kann in dem antiken Möbelstück nicht gefunden werden.
Kurz darauf betritt auch Faghira den Raum und blickt sich um. Sie kann zwar nichts finden, das nicht bereits dem Zerebromanten aufgefallen wäre, doch einige Dinge in diesem Gemäuer scheinen sich dem Augen zu entziehen.
Die feinen Härchen an ihrem Nacken stellen sich auf und ihr Herz fängt an, unmerklich schneller, aber dafür merklich lauter zu pochen. Dass ihr Mund ganz trocken wird und sich kalter Schweiß auf ihrer Stirn bildet, bemerkt sie zwar nicht, dafür werden ihr andere bisher verborgene Dinge gewahr: Das Brausen des Windes, das Knarren von Holz, ein Rascheln in den Gräsern... und eine leise Melodie. Faghira erschrickt ein wenig und vergisst alles um sich herum; nur der Klang einer Spieluhr in ihrem Kopf ist für sie noch existent. Ein Lied, das sie lange nicht mehr gehört hat, so lange, dass sie es nicht einordnen kann. Erst als eine Frauenstimme anfängt den Klang der Spieluhr mitzusummen, erinnert sie sich. Es ist ein altes Wiegenlied, dass ihre Mutter ihr vorgesungen hatte, als sie noch ein kleines Kind war, als sie noch keine magischen Kräfte entwickelt hatte und sie noch ein Leben hatte...
Deutlich leiser als die altbekannte Melodie, aber um ein Vielfaches gegenwärtiger hört das Wüstenmädchen plötzlich eine Stimme. Nein, es sind zwei Stimmen... oder sind es drei? Mit der freundlichen, warmen Frauenstimme im Vordergrund klingt eine fast unmerkliche, wispernde Fistelstimme. Doch es ist so, als wenn noch eine dritte Stimme mitklingen würde, eine tiefe, dröhnende Stimmte im Hintergrund, die alles überschattet. Die lockenden, anziehenden Worte, obwohl sie leiser als ein Flüstern sind, klingen deutlich in Faghiras Kopf, als wären es ihre eigenen Gedanken: „Faghira, mein Kind, komm zu mir! Sie sind bereits auf dem Weg. Sie kommen, um dich mit wegzunehmen. Komm, Faghira, schnell, bevor sie dich mit ein weiteres Mal hinfort reißen.“

Sowohl Faghira, als auch Neriglissar vernehmen plötzlich das leise, doch immer lauter werdende Getrabe von Pferden, vielen Pferden.

Pooka

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #23 am: 03.01.2009, 12:40:30 »
Nachdem Faghira die Karotte gegessen hatte, band sie den Esel draußen an und griff  in ihren Rucksack, welcher sich auf dem Rücken des Lasttieres befindet. Sie nahm eine Ledertasche mit Gürtel heraus, welche sie sich umband.
Danach begibt sich die junge Frau wieder in den Burgfried hinein um sich dort, wie ihr Begleiter, genauer umzuschauen. Da'il huscht derweil von ihrer Schulter. Der Marder wuselt durch den Raum.
Faghira sieht, wie Neriglissar einige unwichtige Gegenstände in der Kommode findet. Sie geht auf ihn zu, doch bleibt sie plötzlich, ruckartig mitten im Raum stehen.
Einen Moment scheint sie einfach nichts zu tun, doch als beide das Hufgetrappel der kommenden Pferde hören zuckt sie zusammen. Panik steigt in ihr hoch. Sie werden sie finden. Sie werden sie holen. Ihre einzige Rettung ist, zu der Stimme zu gelangen, die sie gerufen hat.
Gehetzt blickt sie sich im Raum um, dann stürzt sie zu der Tür auf der rechten Seite und versucht diese zu öffnen.

Ararath

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #24 am: 03.01.2009, 14:39:39 »
"Hm... nichts..."
Murmelt er leise, kaum verständlich vor sich hin. Doch dann scheint die ganze Situation aus dem Ruder zu geraten. Leise vernimmt er das donnern, welches die Erde erbeben lässt, dann flieht Faghira völlig überstürzt aus dem Raum.
"Was zum..."
Schnell jedoch reagiert Neriglissar und eilt zu dem Esel, den das Mädchen vor kurzem vor dem Burgfried angeleint hat. Der Zerebromant macht das treue Tier wieder los und wirkt dabei seltsam ruhig.
Seine Augen wandern zu dem Durchbruch in der Mauer. In der Dunkelheit versucht er das Licht von Fackeln zu erblicken, welche die Reiter höchstwahrscheinlich bei sich führen.
Geschwind eilt er zurück in den Raum, weiterhin mit dem Esel an der Leine und schließt die Tür. Als er sieht, dass das südländische Mädchen sich nicht mehr im Raum befindet, spricht er einen Fluch zwischen zusammengebissenen Zähnen aus. Neriglissar dreht sich zur Tür und folgt mit den Fingerspitzen der Faser des Holzes .
"Z'lik wtuq orontuk!"
Seine Stimme ist nur noch ein Flüstern. Als die Worte verklangen verwandeln sich die
Parenchyms, die Gefäße und die Holzstrahlen zu einer mineralischen Struktur, zumindest für den, der denkt, dass dies auch der Wirklichkeit entspricht.
Dann folgt der Zerebromant Faghira in den nächst gelegenen Raum.

Red XIV

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #25 am: 03.01.2009, 20:18:20 »
Faghira:
Faghira öffnet die Tür und stürmt in den nächsten Raum. Wie in Panik läuft sie zur nächsten Tür, um den nächsten Raum zu betreten. Dann eine weitere Tür und ein Korridor mit einer Wendeltreppe am Ende. Drei Stufen auf einmal nehmend stürmt sie die Treppe hinauf. Sie strauchelt, stolpert, benutzt Hände und Füße, um fortzukommen.
„Ja, Faghira, mein Liebes, komm zu mir! Schau hinaus, es sind die bösen Männer aus unserem Dorf. Sie wollen Dich wieder mitnehmen, um Dich zu Quälen. Ich will Dich nicht wieder verlieren. Schneller!“
Beim Laufen durch einen Korridor – der wievielte ist es bereits? – blickt sie durch eine Reihe von schießschartenartigen Fenstern auf den Innenhof hinab – eine Gruppe bewaffneter Männer in calimitischen Gewändern auf dunklen Rössern.
Wie von Sinnen hetzt sie weiter. Sie bemerkt nur wenig in ihrer Umgebung, sie weiß nicht, wie viele Türen, Räume oder Korridore sie bereits durchschritten hat, nur die Stimme in ihrem Kopf ist klar und deutlich und wird lediglich durch das Pochen ihres Herzens übertönt, das scheinbar aus ihrem Brustkorb zu brechen gedenkt.
„Ja, mein Kind! Ja, komm, es ist nicht weit! Bald sind wir wieder vereint, JA!“
Wieder eine Treppe und dann eine Tür. Faghira drückt den Tränen nahe die Türklinke hinunter und stößt die Tür auf, die sich wie von selbst öffnet.
„Endlich sind wir wieder vereint, MEIN KIND!“, sagen die Stimmen, nachdem das Wüstenmädchen die Türschwelle überquert und drei Schritte in den lichtdurchfluteten Raum gemacht hat. Doch die letzten Worte waren nicht mehr die ihrer Mutter, denn die tiefe Stimme im Hintergrund wuchs zu einer unglaublichen Lautstärke an, die alles andere übertönte.
Es kommt Faghira vor, als wenn sie mit einem kräftigen Ruck, aus einem Traum gerissen und in einen Alptraum hineingeworfen wäre. Der Raum ist nicht lichtdurchflutet, wie sie ihn einst  (und es scheint ihr wahrhaftig Äonen von Jahren her zu sein) wahrnahm. Er ist dunkel, dreckig und voller Staub. Was einest Möbel waren, sind nun nur noch verfallene Gebilde aus morschem Holz, an den Stoffen scheinen sich Generationen von Motten sattgefressen zu haben und Schimmel bedeckt Wände und alles was früher essbar war. Ein Vorhang von etwas, das einst ein Himmelbett war, weht hin und her wie ein grauer, löchriger Schleier im modrigen Takt des kalten Windes, zu dem die schwachen Flammen der unzähligen Kerzen tanzen, die anstelle von Licht bloß Schatten zu werfen scheinen.
Wie versteinert steht Faghira da und friert. Es ist nicht der Wind, es ist das spöttische Lachen der lockenden Stimmen das sie schaudern lässt. Die leise Melodie einer kleine Spieluhr aus Messing, die nahe bei einem Fenster steht, ist das einzige, was Faghira in diesem Moment vernimmt.

Neriglissar:
Der Zerebromant läuft in den Raum, in den Faghira zuvor geflüchtet ist, und blickt sich hektisch um. Nur eine offene Tür auf der gegenüberliegenden Wand zeugt davon, wo das Wüstenmädchen hin ist. Neriglissar läuft los. Er achtet nicht auf die kunstvollen Zierrade der Möbel oder die Jagdtrophäen, welche die gesamte Wand bedecken. Auch für den calimitische Teppich auf dem Boden des Korridors, der zu einer Wendeltreppe führt, interessiert er sich nicht.
Nur die Spur aus offenen Türen, die ihn zu seiner Gefährtin führt, hat eine Bedeutung. Ein weiterer Korridor und ein Raum, dann wieder eine Wendeltreppe. Die erste und zweite Tür auf dem Weg nach oben sind verschlossen. Drittes Geschoss, ein weiterer Korridor und ein weiterer Raum. Die kalte Luft schneidet sich in Neriglissars Lungen und eine Beine brennen wie Feuer. Wieder ein Raum, dann noch einer und noch einer; am Ende ein Korridor und eine weitere Treppe. Sechstes Geschoss – der Zerebromant läuft ohne Pause und weiß gar nicht mehr durch wie viele Räume und Korridore ihn seine Suche bereits geführt hat, doch dann sieht er am Ende der nächsten Treppe ein für seine magisch verbesserten Augen grelles Licht. Nach einem kurzen Moment - seine Augen haben sich noch nicht vollkommen an das Licht angepasst - erkennt der Magier schemenhaft eine vermummte Frauengestallt. Es ist Faghira...
Sie zittert am ganzen Leib und da ist noch etwas... ein boshaftes, fistelndes und gleichzeitig dröhnendes Lachen und der Klang einer Spieluhr

Pooka

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #26 am: 04.01.2009, 19:37:49 »
Faghira steht in dem nun scheinbar leeren Raum.
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Ararath

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #27 am: 04.01.2009, 22:11:13 »
Keuchend steht der Zerebromant im Raum. Seine Sinne spannt er vollkommen an, damit seine Emotionen keine Macht über ihn gewinnen. Diese Situation ist vollkommen unwirklich, jedenfalls zu chaotisch, als er sich gedacht hat. Hinzu kommt dieses Gelächter, welches einem Wesen zugehörig scheint, dass Neriglissar mit seinen Sinnen nicht wahrnehmen kann. Sein Verstand hat sich schon vollkommen auf die arkanopsionische Matrix eingestellt, die Fäuste sind so gespannt, dass seine Knöchel weiß hervortreten.
"Faghira! Halte ein!"
Brüllt er der verschleierten Frau entgegen, als sie noch zwei gute Schritte von der Spieluhr entfernt ist. Falls sie ihn nicht bemerken sollte und weiterhin auf die Spieluhr zugehen sollte, wird Neriglissar sie wohl unsanft von ihrem Unterfangen abhalten müssen.

Red XIV

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #28 am: 05.01.2009, 18:42:36 »
Sofort nachdem Neriglissar die Tür durchschritten hat, spürt er wie seine Pupillen wieder ihre normale Größe annehmen. Der Raum ist nun nicht lichtdurchflutet. Er ist dunkel, dreckig und voller Staub. Was einest Möbel waren, sind nun nur noch verfallene Gebilde aus morschem Holz, an den Stoffen scheinen sich Generationen von Motten sattgefressen zu haben und Schimmel bedeckt Wände und alles was früher essbar war. Ein Vorhang von etwas, das einst ein Himmelbett war, weht hin und her wie ein grauer, löchriger Schleier im modrigen Takt des kalten Windes, zu dem die schwachen Flammen der unzähligen Kerzen tanzen, die anstelle von Licht bloß Schatten zu werfen scheinen. Faghira steht wenige Schritte vor einem Fenster, bei dem eine kleine Spieluhr aus Messing steht.
Plötzlich fällt die Tür mit einem ohrenbetäubenden Knall hinter dem Zerebromanten zu und das scheußliche Lachen wird lauter und hämischer. Keinen Herzschlag später materialisiert sich vor Neriglissars und Faghiras Augen wie aus dem Nichts eine bis zur Decke reichende, widerwärtige Gestallt. Kleine Hörner wachsen schief aus der hohen Stirn des kahlen Kopfes, dessen Gesicht zu einem Ausdruck spöttischer Trauer verzogen ist. Das dämonische Wesen wirkt ausgezehrt und so kränklich blass, dass jede blaue Ader unter seiner Haut zu sehen ist, die wie dünnes Pergament wirkt, dass über ein riesiges Knochengerüst gezogen wurde – über und über mit Pusteln übersät, die hin und wieder aufplatzen und eine eitrige, stinkende Substanz absondern, welche die fahle Haut hinabrinnt. Ein schmutziger Lumpenfetzen verdeckt nur das Nötigste.
Die pechschwarzen Fledermausflügel wirken, als wenn sie soeben durch die dünne Haupt des Rückens gebrochen wären, sodass die Haut um den Ansatz der kümmerlichen Flügel, die so gar nicht zum Fliegen taugen, noch immer wund und rissig ist.
Obwohl das Wesen wirkt, als wenn es gleich vor Hunger und Elend stürbe, hält es in den klauenbewährten Händen mit einer unglaublichen Leichtigkeit eine gewaltige Glefe, deren konvexe Klinge so groß wie ein Kind ist.
„Danke, Faghira, MEIN KIND“, wieder übernimmt die tiefe, dröhnende Stimme am Ende des Satzes die Überhand, sodass die flüsternde Fistelstimme fast gänzlich übertönt wird, „DANKE, dass DU deinen Freund zu mit gebracht hast.“, nun ist es die Fistelstimme, die so fragil klingt, als wenn sie gleich zerspringen würde, welche die tiefe übertönt, „Wir werden eine Menge Spaß miteinander haben. Ich werde stundenlang mit ihm spielen... und Du darfst zugucken... und dann werden die Männer da draußen mit Dir spielen dürfen...“
Währenden es spricht, macht es immer wieder eine kleine Pause, um mit der Zunge über die gesprungenen Lippen und die zeigefinderlangen Zähne, die wie kleine, spitze Messer wirken, zu fahren.
Nachdem es zuende gesprochen hat, dringt ein sadistisches, nervöses Glucksen aus der dünnen Kehle - voller Vorfreude und Spannung, die den gebrechlichen Leib zum Zittern bring. Als wäre es ein junger Knabe, der nur noch einen Ast hinfort zu schieben braucht, um heimlich eine Gruppe Mädchen beim Baden zu beobachtet.

Pooka

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Präludium: Faghira und Neriglissar
« Antwort #29 am: 06.01.2009, 11:25:43 »
Der laute Knall, als die Tür zuschlägt, lässt Faghira in ihrer Bewegung innehalten und zusammen zucken. Sie dreht sich blitzschnell um und sieht Neriglissar, der nun im Raum steht, ungläubig an. Doch scheint sie nicht wirklich bei sich zu sein, denn in ihren Augen ist kein Erkennen zu sehen, als sie ihn anblickt.
Als jedoch plötzlich der Dämon in dem dreckigen Zimmer erscheint wendet sie sich relfexartig diesem zu und ihre Augen weiten sich, als sie das abscheuliche Wesen betrachtet.
Ekel und Grauen steigen in ihr hoch, doch das sind nicht die einzigen Gefühle. Tief in ihr spürt sie auch eine unglaubliche Traurigkeit. Traurigkeit darüber etwas verloren zu haben, von dem bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal wusste, dass sie es besessen hatte.
Wie paralysiert steht sie da und kann sich nicht bewegen. Nicht einmal als dieses ekelerregende Wesen sie anspricht. Die Worte des Dämons scheinen nicht wirklich bis in ihr Bewusstsein zu dringen. Sie steht nur da und starrt ihn an. Nachdem sie einige Herzschläge nichts anderes als dieses getan hat, sinkt sie plötzlich auf die Knie und schlägt sich die Hände vor das Gesicht.
„Kala!“ der Aufschrei kommt leise über ihre Lippen. Aus ihrer Stimme sind Verzweiflung und Entsetzen deutlich heraus zu hören.
Faghira beginnt zu schluchzen, als die Erkenntnis, ihres Handeln und der Situation in welche sie sich und Neriglissar gebracht hat, mit aller Macht über sie herein bricht.