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Autor Thema: [IG] Prolog: Wennn einer eine Reise tut...  (Gelesen 8454 mal)

Beschreibung: Wie alles begann...

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Tzelzix

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[IG] Prolog: Wennn einer eine Reise tut...
« am: 06.07.2009, 12:58:42 »
Wilhelm Pfeiffer und Rainer Seidel

Der Vorfreude auf einen erholsamen Urlaub auf Borkum stand nun nichts mehr im Weg. Die letzten Sachen waren schnell gepackt, noch bei ein paar Freunden verabschiedet und dann konnte es los gehen. Rainer hatte in letzter Zeit viel Trubel um seine Person gesehen, so dass ihm die ärztlich verordnete Kur in mehr als einer Hinsicht gelegen kam. Manchmal konnte man meinen, er wäre jetzt interessanter für Presse und Fans als zu seinen Hochzeiten. Aber so war das nun mal im Sport, die Leute wollten nicht nur sensationelle Kämpfe sehen, auch „Sensationen“ rund um die Sportler wurden gierig aufgesogen und geklatscht.
“Willi“ zählte da nicht so richtig, er war ein Freund und hatte Rainer stets den Rücken frei gehalten. Zusammen planten sie nicht nur eine gute Zeit auf der Insel, sondern auch eine kleine Reportage über Genesung und Training. Vielleicht würde das seiner Karriere wieder etwas Aufschwung geben, die Leute liebten es einfach, wenn „einer der Ihren“ sich noch einmal aufrappelte und für Furore sorgte. Außerdem würden sie sich mit Wilhelms Bruder Friedrich und einem Freund seinerseits in Bremerhaven treffen, um von dort die Überfahrt nach Borkum zu begehen, ein echter Urlaub mit Freunden also.

Die Fahrt von München nach Emden war lang, aber zum Glück nicht allzu ermüdend, da es Rainer durch pures Glück gelungen war, ein paar bezahlbare Tickets der zweiten Klasse in einem der vielen Bäderzüge zu ergattern, in der man bereits auf gepolsterten Bänken anstatt von hölzernen sitzen konnte. Diese Tage sah man die meisten Leute in der 3. oder 4. Klasse sitzen, Inflation sei Dank. Endlich am Hafen von Emden angekommen, sehen Willi und Rainer ein buntes Treiben vor sich. Praktischerweise fährt die Bahnlinie bis Emden-Außenhafen, wo der Anleger der „Rheinland“, des neusten Dampfers der Reederei A.G. Ems, liegt. Viele feine Herren und Damen strömen aus den ankommenden Zügen, Kutschen und auch hier und da den eigenen Autos in Richtung des luxuriösen Dampfers. Nicht jeder hat das Glück, die Last der Koffer und Truhen den eigenen Bediensteten auferlegen zu können und auch die beiden tragen ihr Gepäck selbst zu einem der Schalter der Reederei, um ihr Ticket für die Überfahrt zu lösen und sich des lästigen Gepäcks zu entledigen...
« Letzte Änderung: 06.07.2009, 20:21:15 von Tzelzix »

Tzelzix

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[IG] Prolog: Wennn einer eine Reise tut...
« Antwort #1 am: 06.07.2009, 20:21:25 »
Irving C. Langmuir und Friedrich Pfeiffer

Irving und Friedrich hatten sich Tags zuvor noch zu einem entspannten Tennisspiel getroffen, um die letzten Details ihrer Reise zu besprechen und den Urlaub ein zu läuten, den sie beide sich so redlich verdient hatten. Die Forschungsarbeit war durchaus mit einigem Stress verbunden, den ein Urlaub auf Borkum mit großer Sicherheit zerstreuen würde können. Immerhin war das Nordseebad berühmt für seine gute Luft, die zahlreichen Zerstreuungen und den guten Service. Auch in Sachen Technik musste man keinerlei Abstriche machen, denn Telefon und Elektrizität waren auf der kleinen Insel selbstverständlich. Natürlich hatte Friedrich vorher ein paar Nachforschungen angestellt und nicht vermisst darauf hin zu weisen, dass Borkum dereinst Festland war!

Bequem von einem Chauffeur am Berliner Bahnhof abgesetzt ging die Reise mit einem Bäderzug von Berlin aus, erster Klasse natürlich, weiter in Richtung Emden-Außenhafen, von wo aus der luxuriöse Dampfer „Rheinland“ sie nach Borkum bringen sollte. Um Tickets und Gepäckaufnahme hatten sich Irving und Friedrich im Voraus gekümmert, so dass sie nur noch Friedrichs Bruder ausfindig machen mussten, um dann gemeinsam die Überfahrt nach Borkum, vielleicht bei einem Glas Schaumwein zu Feier des Tages, anzugehen. Auf dem Gelände der Reederei herrscht geschäftiges Treiben, viele Bedienstete bringen ganze Gepäcksammlungen in kleinen Wagen zum Schiff, während sich Offizieren und Adelsleute elegant zur "Rheinland" begeben. Der Dampfer macht schon von Außen einen imposanten Eindruck, ein stattliches Schiff, dass sicher 1000 Leute zu fassen vermag und mit modernsten Maschinen ausgestattet ist, so dass die Reise nach Borkum nur knapp über zwei Stunden dauert. Bleibt nur noch, Wilhelm und seinen Begleiter in dieser Menschenmenge ausfindig zu machen....
« Letzte Änderung: 06.07.2009, 20:38:08 von Tzelzix »

Tzelzix

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[IG] Prolog: Wennn einer eine Reise tut...
« Antwort #2 am: 06.07.2009, 20:34:27 »
Paul Zimmer und Anton Schlesinger

Paul hatte sich alles gut überlegt, wer würde ihn schon auf DER verdammten Inseln erwarten? Eigentlich konnte gar nichts schief gehen, außerdem hatte er ja noch Anton dabei, der zwar manchmal ein seltsamer Kauz war, aber auch gute Ideen beisteuerte. Angeblich wollte der sich wohl noch mit jemand anderen auf der Insel treffen, was sollts. Wenn alles gut lief, wäre Paul aus der Schusslinie und hätte endlich mal einen wohlverdienten Urlaub. Was konnte man mehr wollen?

Der Weg aus dem Pott nach Emden war eigentlich ziemlich einfach: nach Münster war es nicht sehr weit und von da aus kam man wunderbar nach Emden-Außenhafen, wo wohl das Schiff abfahren sollte, soweit Paul und Anton das wussten. Gut, die Holzbänke in der 4. Klasse waren nicht gerade eben bequem, selbst der Luxus, sich anzulehnen war einem kaum vergönnt, aber immerhin kam man „billig“ ans Ziel, der Dampfer und das Hotel würden teuer genug werden.
In Emden angekommen sehen sich Anton und Paul einem Wirrwarr von Menschen gegenüber, die aus allen möglichen Richtungen zum Schiff strömen, um die Überfahrt nach Borkum nicht zu verpassen. Für einen Moment fällt es beiden schwer, die Ordnung im Chaos zu erfassen, die Ticketschalter der Reederei sind jedoch kaum zu übersehen, so dass das ihr Ziel klar scheint...
« Letzte Änderung: 06.07.2009, 20:43:58 von Tzelzix »

Irving C. Langmuir

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[IG] Prolog: Wennn einer eine Reise tut...
« Antwort #3 am: 06.07.2009, 21:07:14 »
Schon im Zug, der Irving und Friedrich von Berlin nach Emden, zur Fähre zu ihrem eigentlichen Urlaubsziel, der Insel Borkum, bringen sollte, merkt Irving, wie sehr er den Urlaub doch gebraucht hat. Die vielen Nächte im Labor, dazu Vorlesungen, Seminare, Kolloquien - all das forderte langsam, aber sicher Tribut. Natürlich nur ein lächerlich geringer Preis im Vergleich zu dem, was sie da im Labor schufen: Die Kältemaschine, mit der sie Gase bis nahe an den absoluten Temperaturnullpunkt kühlen wollten, war vor wenigen Wochen fertig geworden und die ersten Messungen waren verheißungsvoll. Bis jetzt trat noch kein Abweichung von der theoretischen Vorhersage auf - obwohl eine solche natürlich deutlich spannender gewesen wäre. Im Moment wurde die Maschine - auf besonderen Wunsch von Walther Nernst, seinem Chef - gewartet, bevor in ein paar Wochen die nächsten Messungen anstanden. Die Gelegenheit war also für Irbing günstig, ein paar Tage Auszeit zu nehmen, und so saß Irving nun mit seinem guten Freund Friedrich in einem feinen Erste-Klasse-Abteil eines Bäderzugs von Berlin nach Emden.

Die Zeit vertrieb sich Irving vor allem mit Lesen - unterbrochen von ein paar angeregten Kartenspielen mit Friedrich. Die bevorzugte Lektüre des Physikers war, natürlich, die aktuelle Ausgabe der Annalen der Physik. Wie es schien, hatte Professor Sommerfeld in München gerade das revolutionäre Modell der atomaren Struktur der Materie von Bohr genommen und entscheidend verbessert, so dass damit nun die Anordnung der Elemente im Periodensystem erklärt werden konnte. Ein interessanter Ansatz, Irving hatte kurz vor seiner Abreise noch mit ein paar Kollegen aus dem Institut über diese Ideen diskutiert und sich vorgenommen, den entsprechenden Artikel in den Annalen aufmerksam zu lesen und selbst ein paar Berechnungen anzustellen - wann hatte man schon Gelegenheit dazu, wenn nicht auf einer so langen Zugfahrt?

In Emden-Außenhafen angekommen, ist Irving zunächst einmal fast überwältigt von den Menschenmassen, die sich vor den Ticketschaltern der Reederei drängen, hoch beladen mit Gepäck - zum Glück hatten er und Friedrich das alles schon von Berlin aus geregelt. Die Kollegen im Institut hatten nicht gelogen, Borkum war anscheinend wirklich die "deutsche Insel". Irving ist mehr als gespannt, ob die Insel auch die Erwartungen halten kann, die diese offensichtliche Beliebtheit weckt.

Abseits der Menschenmassen stellt sich Irving an die Kaimauer und schaut an den Dampfern vorbei aufs Meer hinaus. Dann blickt er verschmitzt Friedrich an.

"Borkum war einmal Festland, sagtest du? Was ist passiert, dass wir nun nicht mehr den Zug nehmen können?", fragt er ihn, halb im Scherz, halb aus Neugier. "Und wo wollten wir noch einmal deinen Bruder treffen?"
« Letzte Änderung: 06.07.2009, 21:07:41 von Irving C. Langmuir »

Friedrich Pfeiffer

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[IG] Prolog: Wennn einer eine Reise tut...
« Antwort #4 am: 06.07.2009, 21:56:42 »
Friedrich freute sich auf Borkum. Er war zwar vor zwei Wochen erst aus Ägypten zurückgekehrt, jedoch war das Wetter in Afrika derzeit derart unerträglich, dass man das kaum als Urlaub verbuchen konnte. Entspannt lehnte er sich in seinem gepolsterten Sitz zurück und ließ die Gedanken schweifen, während er die Landschaft an sich vorbeiziehen sah. Die Zugfahrt erwies sich, wie erwartet, als ausgesprochen angenehm. Freilich war nichts Geringeres für den Preis, den Irving und er hatten zahlen müssen, zu erwarten. Ab und zu holte er seine Lektüre hervor, ein Buch über Heinrich Schliemanns Troja-Ausgrabungen. Nachdem er in den letzten Monaten immer wieder selbst Ausgrabungen unternommen hatte, war er zunehmend fasziniert von dem Lebenswerk des ersten großen Archäologiepioniers.
Nach vielen Stunden Fahrt rollt der Zug endlich in Emden ein und Irving und Friedrich können sich nach draußen begeben - aber die Nordsee ist vor lauter Menschenmassen kaum auszumachen. Er hebt die Hand, um die Augen vor der Sonne abzuschirmen, und begutachtet die Rheinland, wie sie fast majestätisch über die Kaimauern aufragt. "Ein prächtiges Schiff", murmelt er.
Hinter den beiden Männern bauen sich derweil gepäckbeladene Mengen von Zuggästen auf, die aus den Abteilen der niederen Klassen strömen, und er folgt schnell seinem Freund an die Kaimauer, um nicht im Weg zu stehen. Was für ein Stress es wäre, die Koffer jetzt noch aufgeben zu müssen! Mit gemischten Gefühlen schaut er dem bunten Treiben zu. "Die Armen, ein paar Packesel wären hier wohl angebracht."

"Zu deiner Frage: Ich vermute, dass dies infolge von Meeresströmungen, hauptsächlich aber Sturmfluten geschehen ist. Die friesischen Inseln wurden immer wieder von starken Unwettern heimgesucht. Früher gab es wesentlich weniger ostfriesische Inseln, aber die Allerheiligenflut im zwölften Jahrhundert hat die damalige Insel Bant in sechs kleine, unter anderem Borkum, zerbrochen." Er hält kurz inne und ist sich nicht sicher, ob Irving wirklich so viel wissen wollte, und entdeckt dann den verschmitzten Blick auf dessen Gesicht. Er grinst zurück. "Also ich schätze mal, dass die beiden irgendwo da drüben sein werden. Ansonsten helfen nur aufmerksames Suchen und scharfe Augen." Mit einer ausholenden Geste deutet Friedrich grob in Richtung der Schalter. "Ich schätze, der Treffpunkt hätte durchaus genauer festgelegt werden können." Er zuckt entschuldigend mit den Schultern, ändern lässt es sich nun eh nicht mehr, und setzt sich in die angedeutete Richtung in Bewegung. "Wir sollten die Gelegenheit nutzen und uns nach dem langen Sitzen in der Bahn ein wenig die Beine vertreten."

Wilhelm Pfeiffer

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[IG] Prolog: Wennn einer eine Reise tut...
« Antwort #5 am: 06.07.2009, 22:19:29 »
Willi hat die Reise ein wenig rastlos verbracht. Langes Stillsitzen liegt ihm nicht, und die Sachen, die in der Zeitung stehen, sind ja schließlich alle schon passiert. Zuerst versucht er, mit den anderen Reisenden ins Gespräch zu kommen und herauszukriegen, wohin sie fahren und aus welchem Grund. Immer wieder mal steht er auf, um sich die Beine zu vertreten und nicht einfach nur herumzusitzen. Er spricht ein paar Kinder an, um sie dazu zu bringen, sich Autogramme von Rainer zu holen.

Auch verstrickt er sich in ein paar Diskussionen. Die Franzosen sollten nur aufpassen, dass sie nicht zu lange im Ruhrgebiet blieben. Cuno würde nicht ewig aushalten, und dann bekämen die Franzmänner einen auf die Nase. Der Deutsche ließ sich nicht auf Dauer unterdrücken, und wenn der Dolchstoß nicht gekommen wäre, dann würde man jetzt in die deutsche Bretagne zum Urlaub fahren. Aber bevor es zu hitzig wird, grinst Willi stets, zupft an seinem Hut und sagte »Wie sie meinen, Meister.«

Endlich am Hafen angekommen zieht Willi Rainer hinter sich her. »Komm! Mein Bruder ist bestimmt schon an Bord.« Dabei kann er nicht umhin, der einen oder anderen jungen Frau zuzuzwinkern. Allerdings gibt er sehr viel Acht auf die Umhängetäsche, in der seine Fotoausrüstung steckt. Die ist ihm lieb und teuer, und ohne Bilder ist die Geschichte mit Rainer nur halb so viel Wert.
« Letzte Änderung: 06.07.2009, 22:20:17 von Wilhelm "Willi" Pfeiffer »
"Das Ruhrgebiet der deutschen Hand entrissen – und Cuno sieht zu! Tu was, Cuno!" – Morgenpost, 21. Februar 1923

Rainer Seidel

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« Antwort #6 am: 07.07.2009, 01:20:25 »
Eine Mischung aus Gereiztheit und Belustigung ist dem beinahe schlaksigen Mann ins Gesicht geschrieben, der sich hinter dem rastlosen Reporter durch die Menschenmenge zwängt. Rainer hatte den letzten Teil der Reise schlafend verbracht und war noch nicht dazu gekommen sich eine Zigarette anzuzünden. Nicht weit der Schalter erspäht er eine Sitzbank, von der soeben eine Familie aufgestanden war, und hält inne.
"Willi. Willi! Ruhig Blut, das Boot wird schon nicht ohne uns abfahren. Besorg du uns die Tickets, ich warte dort drüben."
Ohne auf eine Antwort zu warten schiebt Rainer seine Koffer auf die Bank zu, stellt sie davor ab und macht es sich bequem. Nach den ersten, tiefen Zügen der Zigarette wendet Rainer seine Aufmerksamkeit dem Schiff zu. Naserümpfend betrachtet er das dampfende Ungetüm und die lange Schlange der Menschen, die sich beinahe überschlagen um an Bord zu gelangen. Schnell verliert er das Interesse an dem Dampfer, schnippt beilüfig den Zigarettenstummel weg und reibt sich das Gesicht. Mit einem Blick über die Schulter überprüft er, wieviele Menschen noch vor Willi in der Schlange stehen, und zieht dann den Reiseführer, den er von Willi zugesteckt bekommen hatte, aus seiner Westentasche. Gelangweilt blättert er in den zerknickten Seiten, schaut hier und da in die vorbeiziehende Menschenmenge, und wartet auf Willis Rückkehr mit den Tickets.
« Letzte Änderung: 07.07.2009, 01:24:47 von Rainer Seidel »

Irving C. Langmuir

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[IG] Prolog: Wennn einer eine Reise tut...
« Antwort #7 am: 07.07.2009, 15:05:49 »
Irving hört Friedrichs Ausführungen aufmerksam zu. Der Archäologe war was diese Themen anging wirklich eine unerschöpfliche Quelle, und Irving ist sich sicher, dass Friedrich noch lange Zeit weiterreden hätte können, wenn sie nicht in dem Gewimmel seinen Bruder finden müssten.

"Meinst du wirklich, es macht Sinn, sich in diesen Trubel hineinzustürzen und blind draufloszusuchen?", meint Irving dann beiläufig, während er seine elegant geschwungene Pfeife stopft. Im Zug hatte er aus Rücksicht auf die Luftqualität in dem doch recht beengten Raum des Abteils auf das Rauchen verzichtet, aber hier war das ja nun kein Problem mehr. Nachdem die Pfeife gestopft ist, verstaut er den Tabaksbeutel wieder in seiner ledernen Umhängetasche, in der er alle Kleinigkeiten verstaut hat, die er nicht in den großen Koffer packen wollte.

"Wir sollten uns vielleicht so postieren, dass wir die Ticketschalter direkt im Blick haben, oder woanders, wo er auf jeden Fall vorbei muss."
« Letzte Änderung: 07.07.2009, 15:14:40 von Tex »

Friedrich Pfeiffer

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« Antwort #8 am: 07.07.2009, 18:14:14 »
"Keine Sorge", meint Friedrich in ernstem Tonfall, "wir Archäologen graben auch immer einfach drauf los. Man muss nur eine gute Stelle kennen, wo man meint, die besten Chancen zu haben."

Nachdem sie ein Stück gegangen sind, lehnt er sich an eines der Geländer, die die Menschmassen ordnen und wohl portioniert zu den anscheinend überforderten Ticketschaltern lotsen sollen. Sein Jacket, dass dabei Falten wirft, streicht er sorgsam wieder glatt, während er über die Menge späht. "Von hier aus kann man gut alles einsehen. Ich würde vorschlagen, ich drehe eine kurze Runde, falls sie schon direkt am anderen Ende warten, und bin sofort wieder zurück." Er rückt seinen Hut zurecht, den eine Windböhe fast von seinem Kopf weht, und macht sich daran, einen kurzen Erkundungsgang zu unternehmen.

Tzelzix

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[IG] Prolog: Wennn einer eine Reise tut...
« Antwort #9 am: 07.07.2009, 20:47:30 »
Willi muss zum Glück nicht zu lange an einem der zahlreichen Schalter warten, bis er endlich von einem freundlichen Herren die Tickets erstehen kann. "Zwomal die Überfahrt, sehr wohl. Das Gepäck können sie dort drüben aufgeben, mein Herr. Wenn es gewünscht ist, bringt unser Personal es direkt zu ihrer Unterkunft. Die Reederei A.G. Ems wünscht einen erholsamen Aufenthalt und eine angenehme Überfahrt.", weist dieser freundlich den weiteren Weg.
Rainers gelangweilter Blick schweift zum Glück bald von seinem Reiseführer ab und überfliegt die Menge der stattlich gekleideten Herrschaften, so dass Willi alsbald seine Aufmerksamkeit erregen kann. Wenig einfaches Volk hat sich hier versammelt, stellt er schnell fest und begibt sich dann zur Gepäckaufgabe, wo mehrere junge Burschen ordentlich ins Schwitzen kommen, das gesammelte Gepäck zu ordnen, den Bestimmungsort auch ja nicht zu vertauschen und dabei auch noch stets freundlich in ihrer an eine Livre erinnernde Arbeitsmontur den Damen und Herren zu gehorchen, die nicht wenige Extrawünsche zu äußern haben. "Schön vorsichtig, junger Mann", lässt sich eine ältere Dame vernehmen, die in ihrem Pelzmantel für einen solchen schönen Tag wie diesen recht warm angezogen scheint.

Friedrich schlendert derweil durch die Menge, immer wieder respektvoll grüßend, wenn man sich wieder einmal unvermeindlich des Vortritts wegen höflich einigen muss. Der Wind trägt Gelächter vom Dampfer herüber, wo sich bereits einige Menschen das Treiben aus einiger Höhe gefallen lassen. Auch nach einer großen Runde über das Gelände findet er Wilhelm und Rainer nirgends und kehrt unverrichteter Dinge zum wartenden Irving zurück, der immer wieder zu den Farscheinschaltern hinüber blickt. Für einen Moment scheint es fast, als hätte man sich verpasst, doch dann erkennt Friedrich aus dem Augenwinkel die Silhouette seines Bruders, der gerade zusammen mit Rainer von der Gepäckaufgabe in Richtung des Schiffes schlendert.

Wilhelm Pfeiffer

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« Antwort #10 am: 08.07.2009, 00:12:16 »
Willi sucht nach einem guten Aussichtspunkt, um von da aus ein Bild von den Reisenden zu machen. Während er unter seinem Hut emporlugt, sieht er seinen Bruder, und der hat ihn auch gerade entdeckt.

»Rainer, da oben! Da sind die zwei!«

Er bahnt sich einen Weg durch die Menge. »Herrschaften, zur Seite bitte! Ich bin von der Presse!« Ein wenig hält er Ausschau nach weiteren bekannten Gesichtern.
"Das Ruhrgebiet der deutschen Hand entrissen – und Cuno sieht zu! Tu was, Cuno!" – Morgenpost, 21. Februar 1923

Paul Zimmer

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« Antwort #11 am: 08.07.2009, 06:13:57 »
Die Reise war etwas beschwerlich gewesen, vor allem war sie lang. Paul fühlte sich stehts unwohl und das obwohl sie doch dieses Mal gültige Fahrscheine hatten.
Nun aber sind sie am Hafen und Paul macht sich direkt auf die Fahrkarten für die Überfahrt zu organisieren. "Ich bleib sicher lange genuch, kannich die Kurtaxe auch jetzt gleich zahln? Gebense mir einfach son Wisch wo drauf steht, dass ichs bezahlt hab und gutt." Paul ist verständlicherweise wichtig, dass er seine Taxe so anonym wie möglich bezahlt, wenngleich sie wohl nicht sofort ins Revier telegraphieren werden, dass er hier ist. Aber ein Eintrag weniger in den preußischen Akten ist immer besser als einer mehr.
Nachdem Paul seine Taxe bezahlt hat (oder auch nicht) und seine Fahrkahrte erworben fällt es ihm gerade noch ein: "Ach Herr Schlesinger, ich bring ihnen auch gleich eine mit ne? Können Sie mir ja gleich wieder geben!" ruft er herüber und wirft der Ticket-Dealer einen auffordernden Blick zu.
"Halsabschneider" murmelt er noch in seinen Kragen, als er sich auf macht Anton seine Fahrkarte zu geben bevor sie sich gemeinsam gen Fähre machen "Wann fährtn der Kahn?" Paul atmet tief ein, es ist das erste Mal, dass er an der See ist, die frische Luft des benachbarten Industriehafens erfüllt seine Lungen "Klasse Sache hier, riecht ganz anders als in Duisburg" bemerkt er, ist er doch noch ganz andere "Frischluft" gewohnt.
Seinen Seesack wird er wohl nicht aufgeben, sondern eher versuchen diesen schön als Handgepäck geschultert zu lassen.
keine

Rainer Seidel

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« Antwort #12 am: 08.07.2009, 13:36:10 »
Die nun freien Hände in die Hosentaschen gesteckt folgt Rainer Willi in der Schneise, die sein Freund in die Menschenmenge schlägt. Seine Stimmung ist nun deutlich annehmbarer als noch vor wenigen Minuten, und selbst das in den Augenwinkeln aufragende schwarze Ungetüm, auf das sie sich bald wagen würden, konnte daran im Moment nichts ändern. Entschuldigend lächelt er die Reisenden an, die Willi empörte Blicke nachwerfen.

Anton Schlesinger

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« Antwort #13 am: 08.07.2009, 15:31:15 »
Anton atmet erleichtert auf, als sie sich endlich am Hafen wiederfinden und die anstrengend und vor allem mehr als langweilige Zugfahrt hinter ihnen liegt. Er streckt sich ausgiebig und schaut etwas verwundert über die große Menschenmenge, welche sich vor ihnen auftut.
Aber kaum ist Anton damit fertig, bemerkt er, dass sein Reisebegleiter Paul sich schon daran macht die Fahrkarten zu kaufen. Schnell will er aufschließen, aber da vernimmt Anton schon die Frage und verlangsamt seinen Gang.
„Das wäre eine sehr gute Idee.“
Antwortet er und wirft noch ein weiteren Blick über den Hafen, während er in seiner Jackentasche nach etwas zu rauchen und seinen Notizen sucht. Während er erstes aber nicht findet zu seinem Leidwesen, bekommt Anton die Notizen schnell zu fassen. Geschickt angelt er sie aus der Tasche und überfliegt sie kurz.
Kurz darauf stößt Paul wieder zu ihm und er nimmt die Fahrtkarte entgegen.
„Danke und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Aber wenn wir uns umsehen finden wir bestimmt ein Schild, welches uns das verrät.“
Sofort folgt Anton Paul und spricht weiter, während sein Blick immer wieder zu den Notizen schweift.
„Nun ich habe doch gesagt es ist eine gute Idee hierher zu kommen. Wie auch immer, machen wir das wir hier wegkommen. Ich hoffe nur diese Fahrt wird weniger langweilig als die Zugfahrt und angenehmer.“
Klagt er am Ende.
Die Feder ist mächtiger als das Schwert, aber wenn ich an den großen Krieg denke bin ich mir nicht sicher wie es mit ihr und Gewehren aussieht.

Friedrich Pfeiffer

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« Antwort #14 am: 09.07.2009, 18:49:13 »
"Mensch, Willi!", ruft Friedrich, als ebenfalls seinen Bruder erspäht und hastig beginnt, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen. "Hier drüben!", winkt er ihn strahlend mit seinem Hut herüber und umarmt ihn herzlich, als sie einander erreichen. "Na, schon kräftig in Urlaubslaune? Das Wetter sieht prächtig aus!" Dann sagt er zu dem Boxer: "Na, Rainer, wäre gelacht, wenn du dich hier nicht erholst." Er klopft ihm kameradschaftlich auf den Rücken. Dann stellt er seinen Begleiter vor. "Das ist Irving, ein sehr guter Freund von mir. Angehender Doktor der Physik von Weltklasse."

"Wollen wir schon aufs Schiff gehen und zusehen, dass wir gute Plätze auf dem Sonnendeck bekommen?"

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