Autor Thema: Das Gelbe Licht  (Gelesen 1822 mal)

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Zon-Kuthon

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Das Gelbe Licht
« am: 02.12.2009, 00:11:33 »
20. Gozran, 4708 AZ

Cael war allein in Zellaras Haus. Mercutio war in die Heckenzauberei gegangen und Zanovia war wie üblich um diese Zeit in der Orisini Akademie beim Fechtunterricht. Daro zeigte der Paladin aus Magnimar, Jophiela von Friess, Altkorvosa und seine Nöte. Die Ritterin Iomedaes vermochte es die göttliche Gnade der Erbin mit ihren eigenen Händen weiterzugeben, und so versuchten die beiden Heilung und Erlösung unter den Bürgern der ehemaligen Gemeinde Arodens zu spenden.

Doch dem Halbelfen war es nicht nach arkanen Studien, Waffenübungen oder dem Kampf mit der Seuche. Cael suchte wie so oft die heilige Zerstreuung Cayden Caileans. Er wollte sich nur betrinken und mit einer schönen Frau auf dem Schoß würfeln, oder Kartenspielen.
Aber der Blutschleier hatte Korvosa in der vergangenen Woche in eine Geisterstadt verwandelt. Die meisten Geschäfte und Läden, Gasthäuser und Trinkhallen waren geschlossen; und die wenigen Leute, die sich auf die Straße trauten, wurden von den Königlichen Medikussen und den Grauen Jungfern wieder zurück in ihre Häuser geprügelt.

Es gab nur noch einen Ort im Juwel Varisias wo noch immer der normale Wahnsinn herrschte: Aals End.
« Letzte Änderung: 02.12.2009, 19:36:15 von Zon-Kuthon »

Cael

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Das Gelbe Licht
« Antwort #1 am: 13.12.2009, 23:58:24 »
Lange hatte der Halbelf auf seinem Bett gelegen und grübelnd aus der Dachluke geblinzelt. Die Ereignisse der letzten Zeit hatten ihn stärker aufgewühlt, als er es sich hatte anmerken lassen. All die Kranken, die Untoten und das Leid mussten erstmal verarbeitet werden, doch ohne die nötige Zerstreuung war ihm das bisher nicht gelungen.

Mit einem Ruck stand Cael auf und taumelte etwas durch den Raum. Die letzte Nacht hatte ihre Spuren hinterlassen. Sein Kopf wog schwer und schmerzte vom Tageslicht. Immer wieder kam ihm Galle hoch, die ihn würgen ließ. Er nahm etwas Trockenfleisch von seinem Nachtisch und aß es mit langsamen Bissen, die seinen Magen wieder beruhigten. Beinahe gleichgültig nahm er den gelben Fleck auf seinem Hemd war, der wohl von seinem Erbrochenen stammen musste. Er hatte es wirklich wieder einmal übertrieben und sich in seinem Zimmer bis zur Besinnungslosigkeit betrunken. Immer wieder war ihm dabei die eine Sache durch den Kopf gegangen: Alles würde besser werden, wenn er sich nach Aals End wagen würde, seinen Kopf frei bekommen würde und vor Allem, seinen wertvollsten Schatz wieder gewinnen könnte.

Entschlossen verließ er sein Zimmer, wusch sich kurz und ging an seinen heiligen Ort, Aals End.
« Letzte Änderung: 19.12.2009, 15:36:37 von Zon-Kuthon »

Zon-Kuthon

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Das Gelbe Licht
« Antwort #2 am: 19.12.2009, 16:21:33 »
Die Straßen Korvosas waren noch immer verlassen, die grauen Adern einer bewohnten Geisterstadt. Der Himmel war bedeckt und eine kühle Nässe war in den Juwel Varisias gekrochen, die von einem feinen Sprühregen stetig genährt wurde. Cael hatte gerade Nordend erreicht, da bot sich ihm vor der Drei Ringe Taverne ein bedrohliches Bild.

Eine Gruppe schlotternder Korvosianer, Männer und Frauen mit dürren Leibern und schmutzigen Gesichtern, war von mehreren Abteilungen der Grauen Jungfern in die Enge getrieben worden, während sich ein paar Königliche Medikusse mit ihren Vogelmasken in die Schatten einer Seitengasse stahlen. Die unbewaffneten Zivilisten hatten den schwer gepanzerten Soldatinnen nichts entgegenzusetzen. Mit grausamer Entschlossenheit bellte eine Jungfer unter ihrem Visier einen blechern scheppernden Befehl hervor:

"Macht keine Gefangenen! Wer sich dem Roten Thron widersetzt muss sterben! Dieses Quartier muss geräumt werden!"
« Letzte Änderung: 27.12.2009, 00:46:18 von Zon-Kuthon »

Cael

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Das Gelbe Licht
« Antwort #3 am: 11.01.2010, 00:30:46 »
Wie versteinert blieb der Halbelf stehen, als er das künftige Schlachtfeld erblickte. Mit zusammen gekniffenen Augen versuchte er eine Bedrohung von Seiten der Bewohner zu erkennen, um einen Grund für diesen Wahnsinn zu erkennen. Doch wie lange er auch spähte, er konnte Nichts erkennen.

Auf dem Weg zu einem Gelage bringst Du mich hier her? Deine Wege sind wirklich unergründlich und zugleich klar zu sehen wie eine Straße. Nun will ich folgen und meinen letzten Pfad beschreitet...

Mit dem ersten Lächeln seit Tagen auf seinem Gesicht, warf Cael seinen Umhang zurück und ging mit entschlossenem Schritt auf die Unschuldigen zu. Dabei hielt er das Emblem der Pseudodrachen vor sich und sprach mit einer Stimme, so warm wie Caydens Wein:

"Wir wollen doch Nichts überhasten! Ich denke es gibt für Alles eine Erklärung..."

Mit diesen Worten stellte sich das Halbblut zwischen die beiden Fronten und gebot den Jungfern mit einer freundlichen Geste, doch bitte ihre Waffen zu senken.

Zon-Kuthon

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Das Gelbe Licht
« Antwort #4 am: 11.01.2010, 23:09:59 »
Und tatsächlich folgten die schwer gepanzerten Soldatinnen den beschwichtigenden Worten und Gesten des Priesters. Scheppernd formten sie einen Wall aus Stahlschilden. Die bedauernswerten Bürger blieben noch immer wie von Angst festgefroren stehen, während sich ein Ring aus Grauen Jungfern um sie immer enger zog.

"Wir, wir... gehen hier nicht weg!", schrie ein Mann in den Mittvierzigern. Seine hohlen Wangen waren mit roten Geschwüren übersät.

Cael

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Das Gelbe Licht
« Antwort #5 am: 12.01.2010, 10:20:49 »
"Was wollt ihr denn mit diesen armen Seelen anfangen? Für wen sind sie denn noch eine Gefahr?" begann Cael seine Rede und untermalte diese mit einigen rhetorischen Gesten.

"So wie der Himmel leuchtet, habt ihr wohl eh schon jede Fluchtmöglichkeit in Brand  gesteckt.  Nun lasst ihnen doch die letzte Möglichkeit zu genesen. Ich selbst werde mich um sie kümmern! Darauf gebe ich Euch mein Wort..." , um seine Worte zu untermalen, ging der Kleriker zu der schönsten der kranken Bürger, wirkte das purpurne Licht von Cayden Cailean auf diese und heilte sie von aller Krankheit.

"Wie ihr seht, wird ihnen geholfen. Was könntet ihr nun noch gegen sie vorbringen?"
« Letzte Änderung: 12.01.2010, 11:01:47 von Zon-Kuthon »

Zon-Kuthon

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Das Gelbe Licht
« Antwort #6 am: 12.01.2010, 13:10:26 »
Eine Graue Jungfer trat aus der Formation. Der Schildwall schloss sich sogleich hinter der Soldatin wieder, die mit tanzendem Federbusch auf Cael zumarschierte. Dumpf und gefühllos erklang ihre Stimme hinter dem geschlossenen Visier ihres Helms:

"Ihr Agenten der Garde habt uns nichts zu befehlen, das wisst Ihr. Wir nehmen Euch beim Wort, Ihr mögt nun für die Heilung dieses Quartiers verantwortlich sein. Dieses Mädchen da nehmen wir mit. Im Hospiz der Gesegneten Jungfer wird Doktor Davaulus eure Heilmagie prüfen. So lange habt Ihr Euch zur Verfügung zu halten! Sollte sich herausstellen, dass Ihr das Quartier von Blutschleier befreien könnt, werden Ihr dafür sor. Sollte sich aber herausstellen, dass Ihr gelogen habt, hacken wir gemeinsam mit diesem verseuchten Pöbel in Stücke.
Wie ist denn Euer werter Name Wunderwirker?"
Der Sarkasmus in den letzten Worten der Grauen Jungfer war trotz der Gefühllosigkeit in ihrer Stimme deutlich zu spüren.
« Letzte Änderung: 15.01.2010, 22:00:02 von Zon-Kuthon »

Cael

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Das Gelbe Licht
« Antwort #7 am: 12.01.2010, 16:43:05 »
Der Halbelf verbeugte sich tief und antwortete übertrieben freundlich:

"Mein Name ist Cael, bescheidenes Mitglied der Agenten Korvosas. Es sei Euch versichert, dass ich Alles in die Wege leiten werde, um den Bürgern zu helfen. Wenn ihr mich nun entschuldigt, ich habe ein Hospiz einzurichten."

Cael macht auf der Stelle kehrt und winkt den Jungfern zum Abschied; jedoch nicht ohne sich zu versichern, dass diese ihn abziehen lassen.

"Meine Empfehlungen und Grüße an Herrn Davaulus."