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Autor Thema: Kapitel 2: Morgensonne  (Gelesen 90533 mal)

Beschreibung: Die Geschichte geht weiter...

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Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« am: 17.12.2009, 14:17:42 »
Auf einer kleinen Lichtung im Wald schien die Sonne auf einen weißen Felsen. Der Stein war mehr als mannshoch, und lief nach oben spitz zu. In den vielen kleinen Kanten hatte sich Erde gesammelt, in der kleine grüne Pflanzen wuchsen. Verletzlich wie sie waren, reckten sie sich dem Sonnenlicht entgegen, als wollten sie eines Tages den Himmel selbst erreichen.
Vor dem Felsen hatte man ein tiefes Grab ausgehoben, in dem eine kleine, in weißes Leinentuch gehüllte Gestalt lag. Eine Halbelfe von etwa vierzig Jahren erwartete die Gruppe. Sie trug ein grünes Gewand, das mit einer einfachen Kordel zusammengehalten wurde. An der Kordel waren verschiedene Gegenstände angebunden, von Tierpfoten über Pflanzenteile bis hin zu kleinen Lederbeutelchen.
Die Frau mit ihren langen blonden Haaren stellte sich als die Druidin Teslana vor. Sie erklärte ruhig, dass Rongas Geist seinen Körper bereits verlassen hatte. Dennoch würde das Ritual seiner Seele Frieden geben, und vor allem verhindern, dass jemand in böser Absicht seine Ruhe stören würde.

Obwohl die Druidin Ronga nicht gekannt hatte, hielt sie eine kurze Ansprache, die scheinbar genau auf den verstorbenen Halbling zugeschnitten war. Sie sprach davon, wie jeder Einzelne, egal, wie viele Freunde er finden mochte, doch stets in seinem eigenen Geist alleine blieb. Und wie dennoch, im großen Geist der Natur, alle Seelen verbunden waren. Wie schwer es war, andere zu verstehen, gerade jene, die einem besonders fremd waren. Und wie leicht es dennoch sein konnte, wenn man die Sprache der Worte vergaß, und nur die Sprache des Herzens nutzte.

Das Ritual endete damit, dass der Leichnam mit Erde begraben wurde. Danach pflanzte jeder der Anwesenden einen Samen in diese Erde ein. "Dies sind die Samen der Rokash-Bäume", erklärte die Druidin. "Wenn sie wachsen, verbinden sich ihre Äste miteinander, und aus mehreren Setzlingen wird ein großer, starker Baum, der dennoch mehrere Wurzeln behält. Seine Früchte wachsen im Winter, und sie werden von Heilern genutzt, um die Krankheiten der Seele zu behandeln."

Dann geschah etwas Unerwartetes. Kaum hatte das letzte Mitglied der kleinen Gruppe einen Samen in der Erde vergraben, begann es zu regnen. Es war ein sanfter Regen, und die immer noch strahlende Sonne ließ einen Regenbogen am Horizont erscheinen.

Beldin erblickte eine Gestalt, die er schon einmal gesehen hatte. Hinter dem großen Felsen trat die schimmernde Gestalt des Einhorns hervor, die bereits bei Rongas Tod erschienen war. Das Wesen senkte seinen Kopf, als wolle es sich vor dem Toten verbeugen, und der Elf hörte den Klang einer wunderschönen Stimme in seinem Geist.

"Durch meine Macht und seinen Körper soll an dieser Stelle eines Tages ein heiliger Hain entstehen."

Kaum hatte das Einhorn seinen Satz beendet, wandte es sich ab und galoppierte davon in den Wald.
« Letzte Änderung: 07.01.2010, 21:19:23 von Sternenblut »
"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realismus." - Alfred Hitchcock

Beldin Gilvaran

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1 am: 07.01.2010, 22:53:06 »
Beldin blickte dem Waldwesen versonnen nach. "Ich bin sicher, das wird Ronga gefallen." mumelte er mehr zu sich als zu den anderen. "Ein heiliger Hain an diesem Ort...", er schaute sich um, "Ich werde zurückkommen und dir die Ehre erweisen, mein Freund."

Milan

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #2 am: 07.01.2010, 23:16:39 »
Milan beobachtete betrübt, aber auch gespannt die Geschehnisse und lauschte den Worten der Halb-Elfe. Es schien ihm, als wüsste sie mehr über Ronga als seine ehemaligen Gefährten. Eigentlich hatte er den Halbling auch nur sehr kurz kennen gelernt und doch machte es ihn traurig, zu sehen, wie schnell ein Leben ein Ende finden konnte. Mit aller Vorsicht setzte er den Samen in die Erde und überhäufte ihn mit selbiger. Überrascht vom Regen wollte sich Milan zuerst davor schützen, ließ es dann aber doch bleiben und genoss den Regen einfach nur. Ob Ronga nun einer der Geister war, von denen er gesprochen hatte? Milan konnte sich nicht vorstellen, dass er irgendwelche steinernen Hallen eines Gottes betreten würde, doch Religion lag ihm einfach zu fern, als dass er wirklich ein Bild des Lebens nach dem Tod aufbauen konnte. Stattdessen richtete er seinen Blick auf den Horizont und sah auf den Regenbogen, der sich gebildet hatte.
Wenn der Glaube vorhanden ist, kann man selbst einen Heringskopf anbeten.

Calfay Rin

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #3 am: 07.01.2010, 23:45:10 »
Ob mir auch eines Tages ein so ehrwürdiges Grab zuteil wird?
Während Rin die Zeremonie verfolgte versuchte sie sich vorzustellen wie der Stein einst mit einem aus den Rokash-Samen entstandenen Baum aussehen würde. Sicherlich hübsch. Wenn Ronga an einem solchen Ort begraben war konnten sie sicher sein dass er in der Tat friedlich ruhte und nicht auferstand um jemanden heimzusuchen. Auch der kühle Regen schien ein gutes Omen zu sein, so konnten sie alle, auch Beldin der noch immer ein wenig nach Orangen roch, erfrischt ihre Reise starten. Damit nicht noch mehr Leute starben... denn so schön ihre Grabmäler sein mochten, lebendig zu sein war noch viel besser.
Noch einmal blickte die Söldnerin hoch zu dem Loch im Blätterdach, durch das die Morgensonne schien und schnupperte die Waldluft. Schliesslich verabschiedete sie sich in Gedanken und ging, ein neuer Auftrag wartete auf seine Ausführung.

Waldemar

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #4 am: 08.01.2010, 07:14:29 »
Waldemar beobachtete die Zeremonie stumm. Ja so hätte er sich das Begräbnis gewünscht, es war würdiger Abschluss eines viel zu kurzen Lebens. In Gedanken sprach er eine Bitte an die Naturgeister ihn aufzunehmen. Seine irdische Reise endet bevor unsere Reise überhaupt angefangen hat. Noch einmal kamen die Bilder wieder in seinen Gedanken hervor, wie die Soldatin im Kerker von etwas unsichtbarem getötet wurde und wie Ronga in Kays Laden angefallen wurde. Kurz stand er den Tränen nahe, dann fasste er sich wieder. Nach der Zeremonie stand er zunächst noch einen Moment neben dem Grab in Gedanken.
Ich kann es sehen, also kann ich es auch treffen.

Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #5 am: 08.01.2010, 14:58:07 »
Auch Tryann blieb noch eine ganze Zeit schweigend vor dem Grab stehen. "Es tut mir leid", flüsterte er schließlich.

Dann wandte er sich an die Gruppe. "Ich wünschte, ich könnte noch bleiben. Doch ich muss meinen Pflichten in der Stadt nachkommen. Ich verspreche euch aber, dass ich mich um Rongas Grabstätte kümmern werde."

Ernst sah er jedem Einzelnen in die Augen. "Ich wünsche euch viel Erfolg. Auf dass ihr alle wohlbehalten nach Himmelstor zurückkehrt."
"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realismus." - Alfred Hitchcock

Milan

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #6 am: 09.01.2010, 12:38:42 »
Milan fiel es schwer, sich von Hauptmann Tryann, der ihm eine Aufgabe gegeben hatte, zu verabschieden. Er erinnerte sich an die Szene am letzten Morgen und wie der Hauptmann ihm einen kleinen Teil seines Stolzes wieder gegeben hatte. Falls sie tatsächlich irgendwann nach Himmelstor zurückkehren würden, müsste er auch noch mal zu der Halblingsfrau, dieses Mal, um ihr eine Silbermünze in die Hand zu drücken als Entschuldigung.

"Auch Euch viel Erfolg, Hauptmann. Es gibt sicher noch viel zu tun nach den Ereignissen der letzten Tage." Dann sah Milan wieder auf das kleine Grab und wollte sich auch davon nicht recht trennen, denn sobald das geschehen würde, wären sie wieder auf einem unsicheren Pfad, von dem sie nicht wussten, wohin er führen würde. Schließlich aber sah er zu Eretria: "Wollen wir gehen? Oder brauchst du noch eine Weile?"
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Eretria

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #7 am: 09.01.2010, 12:51:47 »
Eretria nahm die Beerdigung merkwürdig emotionslos wahr. Sie hatte sich mit dem seltsamen Halbling in ihrer kurzen Zeit zusammen nicht wirklich verstanden. Zu unterschiedlich waren offensichtlich ihre Anschauungen gewesen und zu verwirrend für die Priesterin waren die Gedanken, welche Ronga mitteilte. So war der Besuch der Trauerfeier eher eine Pflichtübung als ein wirkliches Bedürfnis. Trotzdem beteiligte sich die Frau in der rechten Art und Weise an dem Ritual, denn der Mann war bei der Erfüllung ihrer Aufgabe gestorben und Eretria war es dem Mann schuldig, ihn gebührend von dieser Welt zu verabschieden. Den Ritus beobachtete die Frau genau und sie gab sich Mühe den Samen richtig einzupflanzen, damit aus den Samen genau das wurde, was der Ziel des Ritus war.
Als sich der Hauptmann verabschiedete, nickte sie dem Mann freundlich zu: "Ich wünsche euch auch viel Erfolg, Hauptmann. Ich hoffe das Mutter Sonne und die zwei Monde über euch wachen und wir uns wiedersehen."
Dann trat sie neben ihren Freund. "Wir können gehen Milan. Ich fürchte für Ronga können wir nichts mehr tun und deswegen sollten wir uns auf den Weg machen."

Waldemar

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #8 am: 10.01.2010, 12:53:33 »
Als sich Hauptmann Tryann verabschiedet hatte blickte sich Waldemar um. Seine Gefährten schienen unterschiedlich stark ihren Gedanken nachzuhängen, er selbst musste sich jedoch eingestehen, dass es nichts mehr gab was er tun konnte, wofür er genau hier bleiben musste. Schließlich brach er das Schweigen: "Wollen wir dann aufbrechen?"
Ich kann es sehen, also kann ich es auch treffen.

Milan

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #9 am: 10.01.2010, 16:51:08 »
"Ja, lasst uns gehen. Ich denke, wir haben sowieso noch einen weiten Weg vor uns. Und je eher wir aufbrechen, umso besser." Dann verließ Milan das Grab und irgendwie hatte es etwas endgültiges.
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Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #10 am: 11.01.2010, 12:45:05 »
Nach und nach setzte sich die kleine Gruppe in Bewegung, und ließ das Waldstück hinter sich, in dem sie ihren kurzzeitigen Gefährten begraben hatten. Es regnete noch immer leicht, doch die wenigen Wolken verdeckten die Sonne nicht. Hell strahlte sie über das Land und wärmte die Gefährten mit ihrer Kraft.

Zu Beginn ihrer Reise unterbrachen nur wenige gesprochene Worte das Schweigen. Dies kam allerdings nicht nur durch das traurige Ritual, sondern auch daher, dass mindestens zwei Mitglieder der Gruppe noch immer übermüdet waren. Erst nach und nach weckten die Sonne und der erfrischende Regen auch die Lebensgeister von Beldin und Mika.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde, während der die Gruppe verschiedenen Reisenden und Händlern auf dem Weg zum Weißen Markt begegneten, erreichten sie ein kleines Zeltdorf: Das Händlerlager, die letzte Raststätte vor den Toren der großen Stadt. Mehr als hundert Zelte waren hier aufgeschlagen, und überall schien es Bewegung zu geben. Zahlreiche Zelte wurden gerade abgebaut, andere erst aufgebaut. Hier und da versuchte ein Händler schon, erste Geschäfte abzuschließen, und Jugendliche und alte Leute mit Bauchläden verkauften den Reisenden kleine Essenshappen, von Früchten und Beeren bis hin zu kleinen runden Broten, die in Himmelstor als "Händlerfrühstück" bekannt waren: Magenfüllend und doch schnell zu essen, damit die geschäftigen Händler schnell ans Werk gehen konnten.
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Mika

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #11 am: 11.01.2010, 21:08:43 »
Mika stand irgendwo im Hintergrund bei der gesamten Zeremonie und hoffte, dass ihr keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie fühlte sich unwohl dabei, dieser Zeremonie beizuwohnen, denn sie hatte den Halbling nie kennengelernt, der kleine Bursche war schon tot, als sie ihn das erste Mal sah.
Als dann aber alle aufgefordert wurden einen Samen zu stecken, konnte sich die Bardin nicht drücken und pflanzte ebenso einen Rokash-Baum. Doch als sie den Samen in die Erde steckte, dachte sie nicht an den Halbling sondern an die arme Mereira, die am Vortag ebenfalls getötet wurde.
Die Gedanken an die Elfe trieben Mika auch Wasser in die Augen, die kurz darauf über ihre Wangen rannen, bevor sie mit dem Regen, der eingesetzt hatte,  verschwanden.
Still und leise trottete Mika dann vom Grab weg, verabschiedete sich förmlich vom Hauptmann und band dann wieder ihr Pferd los, um auf dessen Rücken der Gruppe zu folgen.

Im Sattel erreichte Mika auch das Händlerlager, den wenn sie sich schon ein Pferd gegönnt hatte, dann wollte sie auch etwas davon haben, selbst wenn das Tier nicht ansatzweise so schnell nun laufen musste, wie es problemlos unterwegs sein konnte.
Im Händlerlager gedachte Mika eigentlich nichts zu kaufen, sie hatte alles, was sie für den Weg brauchte. Nur kurz überlegte sie, ob es nicht vernünftig wäre etwas Wegzehrung mitzunehmen.
"Wisst ihr, ob es auf dem Weg Gasthäuser gibt oder ob wir noch Vorräte für den Weg brauchen?" Fragte dann Mika, die sich außerhalb von Himmelstor gar nicht auskannte.
Mehr als du glaubst.

Milan

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #12 am: 11.01.2010, 23:16:37 »
Milan dachte darüber nach, ob sie noch etwas kaufen sollten, aber alles Notwendige hatten sie vom Hauptmann erhalten und sie mussten ihr Gold später vielleicht noch für andere sinnvollere Sachen ausgeben. Etwas in Gedanken bekam er Mikas Frage nur am Rande mit, doch dann antwortete er lächelnd: "Wenn dem nicht der Fall gewesen wäre, wäre ich mit Sicherheit unterwegs verhungert." Auf seinem Weg nach Himmeltstor war er auf eine längere Reise fast überhaupt nicht vorbereitet gewesen. Nur die Unterkünfte und kleinen Dörfer hatten ihn am Leben erhalten.

"Darum brauchen wir uns also, denke ich, keine Sorgen zu machen." Trotzdem sah das Essen der Händler verlockend aus und Milan musste sich darauf konzentrieren, die Früchte und das Händlerfrühstück nicht zu lange anzusehen.
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Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #13 am: 12.01.2010, 17:45:16 »
Die Gruppe passierte das Händlerlager ohne Unterbrechung. Die Große Straße, die von Himmelstor zur Großen Feste führte, machte den Weg unbeschwerlich. Die vier Schritt breite Straße aus Pflastersteinen, die vor langer Zeit von den Siddhai geplant und den Bürgern beider Städte gebaut worden war, erlaubte es sogar Pferdekarren, bequem mit hoher Geschwindigkeit zu reisen, ohne ein großes Unfallrisiko einzugehen.

Die Reise war keinesfalls einsam: Immer wieder traf die Gruppe auf Reisende, die nach Himmelstor unterwegs waren, oder sie wurden überholt von Reitern und Wagen, die den Rückweg antraten. Etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang erreichten sie das Gasthaus Rebenstock, ein großes, vierstöckiges Holzhaus, hinter dem - eingezäunt durch einen hohen Metallzaun - Wein angebaut wurde. Auf einem kleineren Gebäude, das an das Gasthaus angeschlossen war, prangte in geschwungenen Buchstaben das Schild Kiralins Kelterei.

Eine kleine Gruppe von Männern, zwei Menschen und ein Gnom, verließen die Gaststätte, gerade als die Gruppe ankam. Schimpfend blickte der Gnom über seine Schulter zurück ins Gasthaus. "Unverschämtheit. Ich bin doch nicht irgendwer! Es ist ja nicht so, als ob ich nicht dafür zahlen wollte, dass sie mir das Zimmer von jemand anderem geben. Ausgebucht. Pah! Eine Unverschämtheit ist das."

Aus der entgegengesetzten Richtung, noch etwas weiter entfernt, kam eine Karawane auf das Gasthaus zu. Gesang und das Spiel von Instrumenten war zu hören.
« Letzte Änderung: 12.01.2010, 17:47:16 von Sternenblut »
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Beldin Gilvaran

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #14 am: 12.01.2010, 21:28:47 »
Die Stimme des Gnomes weckte Beldins Aufmerksamkeit. Er hatte genügend Zeit unter dem kleinen Volk verbracht, um zu wissen, dass diese Zurschaustellung schlechter Laune eher ungewöhnlich für einen Gnom war. Daher war seine Neugier geweckt. Aber natürlich hätte er das niemals offen zugegeben, weswegen er seinem ersten Impuls widerstand, nachzufragen, was denn der Grund für diesen Ausbruch war. Eines allerdings störte ihn.

"Ausgebucht?! Das ist jetzt nicht das, was ich hören wollte, ich hatte mir zur Abwechselung eine etwas bequemere Nacht erhofft. Milan, ihr habt vorhin so geklungen, als kennt Ihr den Weg. Macht es Sinn, noch  ein Stück weiterzureisen, um vielleicht eine andere Übernachtungsmöglichkeit zu finden?"
« Letzte Änderung: 12.01.2010, 21:34:21 von Beldin Gilvaran »

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