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Autor Thema: Kapitel 2: Morgensonne  (Gelesen 128032 mal)

Beschreibung: Die Geschichte geht weiter...

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Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1935 am: 20.04.2012, 07:27:27 »
Mit offenem Mund starrte Mika einige Sekunden auf den schlafenden Seher. "Verdammte Scheiße, hast du das gehört?"

Sie ließ sich auf den Boden sinken und setzte sich hin. "Also hat jemand versucht, unsere Gruppe auseinander zu reißen. Und derjenige hatte Erfolg."

Dann runzelte sie die Stirn, und es war förmlich zu sehen, wie sich eine Frage in ihrem Kopf bildete. "Aber wer ist eigentlich dieser Ronga?"
"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realismus." - Alfred Hitchcock

Eretria

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1936 am: 25.04.2012, 13:27:05 »
Die Geweihte war angespannter, als sie sich selbst eingestehen würde. Während der Vision des Sehers ballte sie die Hände zu Fäusten und erst als der Mann offensichtlich mit seiner Vision am Ende war, entspannte sie sich etwas. Verblüfft blickte sie auf ihre Handinnenflächen. Die Abdrücke ihrer Fingernägel zeichneten sich deutlich ab.
Langsam nickte sie mit dem Kopf bevor sie ihren Blick auf die Bardin richtete. "Ja, ich habe es gehört. Schade, dass keine Namen gefallen sind. Wir wären einen Schritt weiter." Mit großer Sorgfalt legte sie die Decke über den Seher und versuchte es ihm so behaglich wie möglich zu machen, ohne ihn zu wecken. "Dass wir Feinde haben, war uns ja vorher klar. Aber bisher dachte ich, es wären mehrere Gruppen mit ganz unterschiedlichen Zwecken. Jetzt wirkt es so, als hätten wir jemanden sichtlich verärgert, der nun alles gegen uns auffährt, was er entbehren kann. Das ist sehr beängstigend."
Die Frau ging ein wenig von dem schlafenden Mann weg und drehte sich dann zu Mika um. "Aber wir haben auch einiges erfahren. Wir müssen sehen, dass wir Milan befreien und den Schild wiedererlangen. Aber bevor ich am Morgen nicht neue Wunder erbete, wird dies hoffnungslos sein." Sie hielt einen Moment inne, bevor sie weiter sprach:
"Vielleicht können wir bei deiner Aufführung noch Helfer finden. Wer auch immer gegen uns plant, darf keinen Erfolg haben." Dann wurde ihr Blick traurig. "Ronga war ein Halbling. Wir kannten ihn kaum. Er starb in Himmelstor und bisher dachte ich dies alles hätte nichts miteinander zu tun. Ich scheine unrecht gehabt zu haben."

Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1937 am: 29.04.2012, 19:11:47 »
Mika dachte über Eretrias Worte nach. "Vielleicht helfen uns sogar die Schausteller selbst, oder sie kennen jemanden. Umso wichtiger ist es wohl, dass ich tatsächlich heute abend auftrete."

Bei ihren letzten Worten wurde ihre Stimme ein wenig nervös, aber die Bardin schluckte die Gefühle herunter.

"Aber noch etwas. Mir ist da was aufgefallen bei dieser... Unterhaltung. Ein einzelner Satz. Sie sind austauschbar."

Sie dachte noch einen Moment darüber nach, bevor sie weiter sprach. "Und der Seher sagte etwas von einem Zweck, den Ronga hatte. Vielleicht... haben wir alle einen Zweck? Die Personen sind austauschbar, aber die Gruppe ist wichtig. Nicht für uns, sondern für eben die Leute, gegen die wir angehen wollen."

Der Gedanke machte der jungen Frau sichtlich Angst. Sie dachte an die Geschichten von Intrigen und Verschwörungen, die sie von anderen Barden gehört hatte. Steckten sie mitten in einer solchen Verschwörung?
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Eretria

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1938 am: 29.04.2012, 21:31:12 »
Eretria zuckte mit den Schultern.
"Ehrlich gesagt verstehe ich dies nicht so, Wenn wir für diese Leute als Gruppe wichtig sind, warum sollten sie uns dann töten oder behindern?" Die Geweihte wirkte hilflos und einmal mehr sehnte sie sich nach Milan. Ohne ihn war dies alles nur noch unvollständig und auch sinnlos. Dann schüttelte sie den Kopf. Sie durfte sich nicht entmutigen lassen.
"Vielleicht wollen diejenigen, die wir belauscht haben, dass wir durch unsere Aktionen etwas in Bewegung setzen, was ihnen bei ihren Plänen hilft. Sie brauchen uns, um ihr Ziel zu erreichen, aber sie müssen verhindern, dass wir sie vorher entdecken?" Die Worte klangen nicht sehr überzeugt, aber wie sollte sie auch zuversichtlich klingen, wo sie nur noch zu zweit waren.
"Lass uns zu den Schauspielern gehen. Wir haben nichts mehr zu tun hier und ich habe keine Lust mehr herum zu laufen."

Milan

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1939 am: 01.05.2012, 09:48:03 »
Sil. Milan verstand nicht, was das heissen sollte. Andererseits konnte er von dem Mädchen, das offensichtlich unter Drogen gesetzt war, wohl kaum eine vernünftige Antwort erwarten. Er bewegte den Kopf, liess ihn kreisen, obwohl dies schlimme Schmerzen verursachte und dachte darüber nach, was sie ihm zu sagen versuchte. Vielleicht war auch ihre Zunge geschwollen und es sollte Still heissen. Aber er konnte jetzt nicht still sein, er musste reden und herausfinden, wo und in welcher Lage er sich befand. Er musste hier raus. An die vergangene Minuten - oder waren es Stunden, Tage? - konnte er sich nur bruchstückhaft erinnern. Er fragte sich, was aus seinen Freunden geworden war. Lebten sie noch? Lebte Eretria noch? Suchten sie ihn?

Er keuchte, als der Schmerz wieder zunahm und seine geschwollene Zunge sich ekelhaft an seinen Gaumen presste, Übelkeit wallte wieder auf. Er musste noch einmal versuchen, mit dem Mädchen zu sprechen. "Dal Lame icht Sil?" Er fluchte. Das würde sie nie verstehen. Er versuchte sich noch einmal vernünftig zu äußern. "Deil Name iz Sil?" Es war nicht viel besser, aber vielleicht begriff sie ja. Dann lehnte er sich wieder zurück und hoffte, sie würde mit ihm reden.
« Letzte Änderung: 02.05.2012, 12:43:36 von Milan »
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Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1940 am: 01.05.2012, 22:13:20 »
Mika seufzte, und nickte dann. "Also gut."

Auf dem Weg durch die Stadt schwiegen die beiden Frauen eine Weile, bis Mika - nach mehreren Anläufen - wieder etwas sagte. "Es tut mir leid, dass wir Milan nicht... du weißt schon. Ich werde alles tun, damit wir ihn zurückbekommen. Damit du ihn zurückbekommst. Versprochen."

Dann zeigte sie plötzlich auf jemanden weiter die Straße hinunter. "Da vorne ist Isabelle! Wenn ich das richtig einschätze, macht sie gerade Werbung für das Stück heute abend. Oh Mann, worauf hab ich mich da eingelassen..."

Zweifelnd sah sie zu der Priesterin. "Es werden bestimmt ganz viele Leute kommen, wenn sie solche Werbung dafür macht." Die Verzweiflung in ihrer Stimme war deutlich zu hören.
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Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1941 am: 01.05.2012, 22:16:32 »
Das Mädchen sah kurz zu Milan, beobachtete seine sich bewegenden Lippen, als wären sie ein fremdartiges Insekt. Schließlich nickte sie. "Sil. Aber er nennt mich anders. She'tach. Ich weiß nicht, was das heißt. Aber es macht mir Angst." Sie sah wieder nach vorne. Ihre Stimme hatte selbst jetzt noch keine Gefühle gezeigt, ebenso wenig wie ihr Gesicht. "Jedenfalls glaube ich das."

Dann sah sie wieder zu Milan. "Wann werden uns die Männer gehen lassen? Ich muss wieder auf die Straße. Es wird erwartet, dass ich dort spiele."
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Milan

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1942 am: 02.05.2012, 12:54:39 »
Milan öffnete den Mund, um etwas zu antworten, aber seine Zunge war einfach zu geschwollen, um vernünftig reden zu können. Der kühle Luftzug, der beim Öffnen seines Mundes allerdings über seine Zunge strich, war angenehm und so blieb er eine Weile ruhig sitzen, bis er spürte, dass er sie wieder besser bewegen und spüren konnte. Ein leichtes Prickeln breitete sich aus. Es gelang ihm, wieder besser zu atmen, aber das Sprechen fiel ihm weiterhin schwer. Mit Mühe gelang es ihm, etwas zu erwidern.

"Sil, ein söner Name." Es klang albern, aber es klang so, dass sie ihn verstehen würde, also machte er weiter. "Is bin Milan. Weis du, wo wir sin? Wer ha unch gefangen?" Vorsichtig, immer vorsichtig. Nur nicht überanstrengen, sonst würde seine Zunge womöglich gleich wieder anschwellen. Er schwieg eine Weile und genoss die modrige, aber kühle Luft im Mund. Er versuchte, soweit es ihm gelang, die klebende Kruste um seine Augen wegzuwischen, aber sein Körper fühlte sich noch immer nicht so an, als gehöre er ihm. Schließlich lehnte er sich zurück und betrachtete das Mädchen. Er war sicher, dass jedes andere kleine Mädchen in dieser Situation geweint oder geschrieen hätte, aber sie äußerte ihre Gefühle nur durch Worte. Worte, die ohne jede Intonation gesprochen wurden. "Was spielst du, Sil?" Er sprach die Worte klar, aber langsam aus und versuchte zu erkennen, ob sich in ihren Augen ein Gefühl widerspiegelte.
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Eretria

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1943 am: 12.05.2012, 10:24:51 »
Eretria schaute irritiert zu Mika. Sie hatte wenig Vorstellung von Barden, aber irgendwie konnte sie wenig erstehen, dass jemand wie Mika, die ja vor Publikum auftreten wollte, gleichzeitig Angst davor hatte. Die Geweihte konnte offensichtlich nicht verstehen, dass Mika Lampenfieber hatte.
"Mika, natürlich werden Leute kommen, um dies zu sehen. Je mehr Zuschauer kommen, desto mehr Geld verdient ihr doch." Dann legte sie freundschaftlich ihren Arm um die Bardin, während sie weitergingen. "Du wirst großartig sein, Mika. Dies wird der Beginn deines Aufstiegs zu einer bekannten Künstlerin. Ich weiß, dass du es schaffen wirst." Die Geweihte war überzeugt von ihren Worten und dies klang aus jedem ihrer Worte heraus. Dann übelegte sie weiter.
"Ich bin mir sicher, das es auch andere Künstler gibt, die aufgeregt sind, wenn eine Aufführung ansteht. Vielleicht kannst du die anderen vor Beginn der Vorstellung fragen, was sie dagegen machen. So erhälst du Unterstützung." Eretria schaute Mika auffordernd an, so als erwartete sie eine Antwort auf dieses Angebot. Dann blickte sie aber wieder nach vorn und nahm auch wieder den Arm von der Hüfte der Frau. "Du wirst es schaffen und wir werden es auch schaffen! Das Gesicht der Geweihten hatte den freundlichen Ausdruck verloren und war entschlossen geworden. Die Frau kochte vor Wut und Enttäuschung wegen des Verlaufs des Tages und sie schien mehr Mühe zu haben sich zu beruhigen, als es bei den aufmunternden Worten den Eindruck hatte.

Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1944 am: 13.05.2012, 10:29:05 »
Während Mika und Eretria sich unterhielten, wurden sie von Isabelle entdeckt, die ihnen freudig zuwinkte und gleich auf sie zukam. "Hallo ihr Zwei! Wo habt ihr denn den Rest gelassen? Wir haben schon jede Menge Werbung gemacht, ich glaube, es werden viele Leute kommen!" plapperte sie gleich drauf los - sie schien selbst etwas aufgeregt zu sein, aber eher aus Vorfreude denn aus Angst.

Dann stockte sie, und ihr Gesicht wurde ernst. "Ihr seht nicht so aus, als wäre alles in Ordnung. Mika, bitte sag mir nicht, dass du absagst. Was ist denn los?"
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Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1945 am: 13.05.2012, 10:43:55 »
Sil sah wieder hinaus auf den Gang, emotionslos wie zuvor. "Karaks Gauner. Mama sagt immer, sie sind gefährlich. Ich soll ihnen aus dem Weg gehen. Aber sie wollten mir nicht aus dem Weg gehen. Sie sagten, jemand wolle mich sehen und mit mir sprechen. Aber bisher war niemand da."

Die Art, wie sie sprach, die Leere in ihrer Stimme, die weder Angst noch Unsicherheit, nicht einmal ein Gefühl der Liebe, als sie von ihrer Mutter sprach, ausdrückte, sorgte bei Milan für eine Gänsehaut.

Dann sah sie ihn wieder an. "Ich spiele, was von Kindern in meinem Alter erwartet wird zu spielen. Ball, Seilspringen, und so. Früher auch mit anderen Kindern. Aber heute will keiner mehr mit mir spielen."

Selbst ihren letzten Satz sagte sie so, als würde sie darüber sprechen, dass in den nächsten Tagen Regen zu erwarten ist. Und doch verlor sie zumindest für einen Moment die völlige Emotionslosigkeit aus ihrer Stimme.
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Milan

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1946 am: 14.05.2012, 16:08:07 »
Milan versuchte die innere Stimme in ihm zu bekämpfen, die alle seine Muskeln und seinen ganzen Willen dazu aufrief, einfach zu fliehen, was angesichts seiner Situation schlicht unmöglich war und ihn deshalb direkt in die arme eines Panikanfalls trieb. Er brauchte ein paar Minuten um das alles zu verstehen. Um zu verstehen, wo er hin geraten war, um zu verstehen, was ihm bevorstand. Wenn Sil tatsächlich auf dieselbe Weise gefangen worden war wie er, blühte ihm auch ihr Schicksal. Das hieß im Ernstfall, hier nicht mehr heraus zu kommen. Andererseits gab es dabei einen kleinen logischen Fehler, der ihm aber erst auffiel, nachdem er sich mit Mühe hatte davon abhalten können, in seinem Käfig zu randalieren - was unzweifelhaft nur zu Verletzungen geführt hätte.

Sil war früher mit Sicherheit ein ganz normales Mädchen gewesen. Ein Mädchen, deren Stimme die Intonation beherrschte, deren Herz sich für ihre Mutter und ihre Freunde erwärmen konnte. Ein wenig davon war noch spürbar. Aber man hatte das Mädchen anscheinend förmlich von der Straße weggelotst und hierher gebracht. Danach, so behauptete sie wenigstens, sei niemand mehr gekommen. Aber es musste jemand gekommen sein, denn zwischen dem kleinen Mädchen, das sie einmal gewesen war, und dem, das ihm nun gegenüber saß, gab es einen Unterschied. Und hatte sie nicht gesagt, sie werde von IHM She'tach genannt? Meinte sie damit diesen Karak? Wie lange war sie hier schon gefangen und an wie viel davon konnte sie sich noch erinnern?
"Thie lange bith du thon hier?" fragte er und bemerkte glücklich, dass seine Zunge ihm inzwischen mehr Sprachfreiheit ließ. "Und ther itht Karak?"
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Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1947 am: 14.05.2012, 20:58:55 »
"Ich weiß nicht genau", antwortete Sil auf Milans erste Frage. "Vielleicht eine Stunde."

Sie hob den Kopf, als wäre ihr etwas eingefallen. "Mir ist langweilig. Das ist doch ein guter Satz, oder?"

Dann sackte sie wieder in sich zusammen, eher desinteressiert als hoffnungslos. "Karak ist ein böser Mann, sagt Mama. Er hat eine Gaunerbande voller böser Männer.  Mama hat sich oft über sie aufgeregt, weil jeder weiß, dass sie Böses tun. Aber keiner hat bisher Beweise gehabt oder sich getraut, sie anzuklagen. Deshalb können sie immer weiter machen."

Wieder wandte das kleine Mädchen ihren Kopf zu Milan. "Ich vermisse Mama. Das sollte ich, oder? Ja, das ist ein guter Satz."

Wie zuvor sprach sie ihre Worte ohne jedes Gefühl.
« Letzte Änderung: 14.05.2012, 20:59:18 von Sternenblut »
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Eretria

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1948 am: 27.05.2012, 15:16:20 »
Eretria machte sich nicht die Mühe ihr Gefühlsleben zu verbergen. Wie sollte sie auch etwas vor einer professionellen Schauspielerin verbergen können? "Es ist absolut nichts in Ordnung! Eigentlich ist alles schlecht gelaufen, nach dem wir uns getrennt haben. Aber Mika und ich können daran nichts ändern, also wird Mika für euch Theater spielen und ich werde darauf warten, dass sich allles zum Guten wendet."
Die Geweihte hatte einen sarkastischen Ton angeschlagen. Sie war weit davon entfernt irgendetwas positiv zu bewerten. Vielmehr war sie sicher, dass sie alles verloren hatte.
"Mein Verlobter ist entführt worden. Meine Freunde waren der Meinung, dass ich dagegen nichts unternehmen könnte und haben die Stadt verlassen. Mika hier ist wahrscheinlich nur deswegen noch hier, weil sie euer Engagement angenommen hat."

Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1949 am: 30.05.2012, 00:08:17 »
Mika starrte Eretria einen Moment entsetzt an. "Wie kannst du-"

Doch Isabelle unterbrach sie, und hinderte die Bardin damit vermutlich daran, Eretrias Spitze für den Beginn eines Streits zu nutzen. "Entführt? Und die anderen sind weg? Das..."

Sie sah kurz um sich, dann wieder zu Eretria und Mika. "Das hier ist nicht der passende Ort. Wir gehen zu unseren Zelten, die sind nicht weit von hier. Und dann reden wir."

Die sonst so mädchenhafte Isabelle war ungewöhnlich bestimmt, und ihre Worte schienen keinen Widerspruch zu dulden. Sie schob die beiden anderen Frauen vor sich her, und positionierte sich selbst somit in deren Mitte. Nach wenigen Minuten erreichten sie ein kleines, mit bunten Tüchern abgeschottetes Zeltlager inmitten dieser Stadt aus Zelten. Bunte Wipfel prangten auf den Zelten, Girlanden zogen sich von einem zum anderen, und die Zeltplanen waren mit bunten Figuren und Szenen aus fantastischen Geschichten bemalt.

"Seid ihr verletzt? Braucht eine von euch beiden einen Heiler?"

An ihrem Zelt, einem schlichten weißen Zelt, das nur einige wenige Bemalungen aufwies, angekommen, schlug Isabelle die Plane zum Eingang zurück. Mehr als drei Personen würden in dieser kleinen Behausung kaum Platz haben, doch es sollte reichen, um sich in Ruhe zu unterhalten.

Nachdem Eretria und Mika ihrer Aufforderung, hineinzugehen, nachgekommen waren, setzte sich die Sängerin im Schneidersitz vor ihre beiden Gäste. "Also, was genau ist passiert. Wer hat deinen Verlobten entführt? Und warum? Und eure anderen Freunde sind doch nicht einfach so abgehauen, oder? Was hat sie dazu gebracht?"

Bevor Eretria antworten konnte, setzte Isabelle noch einmal an. "Ich will euch nicht ausfragen. Aber vielleicht kann ich helfen. Als Künstler hört man vieles, und man muss zu vielen Leuten Kontakte pflegen, auch solchen, die man lieber meiden würde. Außerdem sind einige hier in der Truppe, die durchaus schlagkräftig sind, und die auf meine Bitte sofort zum Kampf bereit wären."
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