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Autor Thema: Kapitel 2: Morgensonne  (Gelesen 121427 mal)

Beschreibung: Die Geschichte geht weiter...

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Eretria

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1980 am: 27.07.2012, 22:16:41 »
Eretria war überrascht über dieses Gefühl des ... Wohlbefindens. Sie hatte nicht damit grechnet etwas derartiges zu erleben, als sie Gamael aus dem Zelt zog. Eher am Rande nahm sie wahr, dass sie recht hatte mit ihrer Einschätzung. Es waren nicht Moandor und Arue, die dort in der Nähe des Zeltes standen. Sie stellte fast enttäuscht fest, dass sie die beiden richtig eingeschätzt hatte. Eher überrascht über ihre Gefühle bemerkte sie, dass sie sich gefreut hätte, wenn dies ihre beiden ehemaligen Begleiter gewesen wären.
Stumm folgte sie den anderen wieder zurück ins Zelt, als Gamael sich entschuldigte, nickte sie nur leicht. Sie verspürte keine Genugtuung, weil sie mit ihrer Einschätzung recht hatte. Vielmehr senkte sie kurz den Kopf und sprach zu Gamael: "Verzeiht mir auch. Ich hatte euch ganz anders eingeschätzt ..." Fast hätte sie noch " ... als ich es jetzt erfahren habe." hinzugefügt, aber die Geweihte hatte den Eindruck, dass dies dem Mann nicht gerecht geworden wäre.
Dann schaute sie sich die beiden Personen genauer an, die mit ins Zelt gekommen waren.

Djarrissa

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1981 am: 28.07.2012, 00:39:20 »
Als Dok'Hae an ihr vorbeischlüpfte, sah Djarrissa ihm kurz irritiert nach, dann drehte sich ihr Kopf zu Eretria und Gamael zurück. Am Rande nahm sie die Antwort des Jungen wahr, bevor sie die abwartende Haltung des Paares als Aufforderung verstand, vorzugehen. So folgte sie Dok'Hae und betrat geschmeidig das Zelt. Direkt hinter dem Eingang machte sie Platz für die Nachkommenden, danach schob auch sie die Kapuze zurück und öffnete den Umhang soweit, dass man neben ihrem Bogen auch ihre restliche Ausrüstung und Wesen sehen konnte.

Sie neigte den Kopf, doch glich es bei ihr eher einer spielerischen Respektbezeugung einer Person, die sich keineswegs unterlegen sah. Sie warf einem weiteren Blick in die Runde, bei dem sie etwas länger bei den Narashi verweilte. Aimerelles Anblick faszinierte sie, sie sah exotisch und eindrucksvoll aus, doch merkte sie auch, wie sich ein kleiner spielerischer Jagdtrieb meldete. "Sie ist doch kein Vogel!", schalt sie sich selbst. Elvaril beeindruckte sie auf andere Art. Seine Ausstrahlung schüchterte sie ein, doch löste er bei ihr auch Gedanken aus, die eher folgende Richtung einnahmen: "Zu ihm passt die Stimme des anderen und meine Reaktion darauf viel besser." So endete ihr Blick großäugig, fast begierig auf ihm. "Djarrissa vom Stamm der Tanzenden Tiger, Reissende und Jägerrin.", stellte sie sich ebenfalls vor.
« Letzte Änderung: 12.09.2014, 21:25:09 von Djarrissa »

Milan

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1982 am: 29.07.2012, 10:01:19 »
Vorsichtig krabbelte Milan aus seinem Gefängnis, um nicht noch mehr Asche aufzuwirbeln. Nachdem seine Zunge nun zwar abgeschwollen war, fühlte sie sich pelzig an wie sein ganzer Mund und schmeckte ekelerregend. Zum Glück konnte er nicht sehen, wie er aussah, aber das war ohnehin sein geringstes Problem. Als er sein Gefängnis verlassen hatte, stand er auf und ging zu Sil, hockte sich neben sie und versuchte ihr Gesicht von den Ascheresten zu befreien, damit davon nicht zuviel in ihre Nase und ihren Mund geriet. Ansonsten würde sie noch eine Lunge bekommen wie ein sechzigjähriger Minenarbeiter.

Nachdem er sich um sie gekümmert hatte, sah er sich noch einmal um, ob er jemanden erkennen konnte. Denjenigen, der ihn quasi befreit hatte, oder einen seiner Wärter, bevor er Sil auf den Arm nahm und sich daran machte, diesen Ort zu verlassen. Er wusste zwar nicht, wo er sich befand, aber es war alles besser, als hier zu bleiben. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, warum man ihn überhaupt hierher gebracht hatte. Mit seinem Vater hatte das aber sicherlich nichts zu tun. So sehr sie einander auch missverstanden, seinen Sohn einsperren oder ihm dasselbe antun, was man Sil angetan hatte, das würde er nie fertig bringen. Sein Vater war ein strenger, aber gerechter Mann.

"Ich muss die anderen finden. Ich hoffe, dass es ihnen gut geht. Besser jedenfalls als dir", meinte er an Sil gewandt und setzte sich in Bewegung, in die Richtung, aus der zuvor die Stimmen gekommen waren. Sicherlich war dort auch der Ausgang zu finden. Hoffte er wenigstens.
Wenn der Glaube vorhanden ist, kann man selbst einen Heringskopf anbeten.

Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1983 am: 30.07.2012, 23:25:43 »
Nachdem alle das Zelt betreten hatte, stellte sich Elvaril wie ein Wächter vor den Eingang. Mit seiner massigen Gestalt würde er jeden blockieren, der ins Zelt kommen wollte… oder auch hinaus wollte. Seiner steinernen Miene war nicht anzusehen, was davon seine Intention war.

Gamael schritt vor der kleinen Gruppe auf und ab, während Aimerelle ihn nachdenklich beobachtete. Schließlich sprach der Mann. „Das Schicksal ist ein großes Rätsel. Thaikaris hat uns gerufen, um das Schicksal, das der Welt bevorsteht, zu ändern. Doch ist das Schicksal der Welt nicht ein einzelner Strang, sondern ein Gewebe aus unzähligen Einzelschicksalen. Jeder hier, jedes Tier, jede Pflanze, jedes Geistwesen, ist ein Teil dessen, was wir Thaikaris nennen – nicht nur körperlich, auch mystisch. Wir alle, gemeinsam, wir sind Thaikaris.“

Sein Blick wanderte von einem zum anderen. „Ein Jeder in diesem Raum hat eine große Bedeutung für Thaikaris.“ Er stockte kurz, und sah zu Isabelle. „Nun, bei euch ist es noch nicht ganz klar. Vermutlich müsst ihr noch Entscheidungen treffen, bevor euer Schicksal klarer wird.“

 Er sah zu Aimerelle. „Wir, die Narashi, hatten uns entschlossen, euch nur so viel zu sagen, wie ihr braucht, um euren eigenen Weg zu gehen. Wir wissen nur, dass ihr eine große Bedeutung haben werdet, aber nicht, ob zum Guten oder zum Schlechten.“

Nun sah er direkt zu Djarissa. „Euch sehe ich zum ersten Mal, doch ihr habt die gleiche bedeutungsvolle Aura wie die anderen hier. Ihr seid… mit ihnen verbunden. Euer Schicksal wird euch auf die gleichen Wege führen, weil ihr eine gemeinsame Aufgabe vor euch habt. Und ihr…“ Nun wandte er sich an Dok’Hae. „Ihr seid der Grund dafür, dass ich mich entschlossen habe, euch diese Dinge zu erzählen. Dass ihr eine Bedeutung habt, habe ich schon gestern gesehen. Doch seit gestern hat sich etwas an eurem Schicksal verändert. Eure Schicksalsaura hat sich denen dieser Menschen angeglichen.“

Gamael machte eine kurze Pause. Er schien es nicht gewohnt zu sein, so viel zu reden, und er fasste an seinen Kopf, als hätte er Schmerzen. Seine Gefährtin Aimerelle schien ihn mit einer gewissen Sorge zu beobachten. „Diese beiden Frauen wurden vom Rest ihrer Gruppe getrennt. Jemand hat die Gruppe auseinander gerissen, um sie zu schwächen. Doch in dem Moment, in dem dieser Plan von Erfolg gekrönt war, hat sich euer Schicksal mit ihrem verbunden.“

Wieder machte er eine Pause, schien aber diesmal über etwas nachzudenken. „Es würde mich nicht überraschen, wenn jemand versucht hat, euch zu töten oder zumindest zu entführen. Eure Feinde sind mächtig, sie haben vermutlich vorausgesehen, dass sich euer Schicksal verbinden würde. Damit die Gruppe geschwächt blieb, musste man euch ausschalten. Aber etwas haben sie nicht vorher gesehen. Euch.“

Nun lag sein Blick wieder auf Djarissa. Durchdringend sah er sie an. „Etwas hat euer Schicksal verborgen vor dem Feind, und so hat eure Anwesenheit den Plan durcheinander gebracht. Ihr habt Dok’Hae vermutlich das Leben gerettet.“

Aimerelle legte ihrem Gefährten die Hand auf die Schulter. „Nicht, Gamael. Öffne dich nicht so sehr. Der Schmerz wird-“
„Es ist zu wichtig!“ unterbrach er sie. „Hier sind Mächte am Werk, die mit den Schicksalsfäden der Sterblichen spielen, und ich glaube, es sind diese Mächte, die das Gleichgewicht von Thaikaris zu zerstören suchen. Diese Sterblichen hier sind vielleicht der Schlüssel, den Großen Jäger aufzuhalten. Vielleicht sind sie auch der Schlüssel für den Untergang der Welt, das kann ich nicht sagen. Aber jemand oder etwas scheint an sie zu glauben, scheint sie vor den Manipulationen ihres Schicksals zu schützen. Vielleicht ist es Thaikaris selbst. Wer oder was auch immer es ist, hat Djarissa gebracht, um Dok’Hae zu schützen, und sie beide, um Mika und Eretria zu schützen – und ihren Gefährten Milan.“

Inzwischen hatte sich der sonst so ruhige Gamael in eine fiebrige Rede gesteigert, und der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er zitterte leicht, und schien gegen etwas in seinem Inneren anzukämpfen.

„Etwas versucht, sich Thaikaris untertan zu machen. Ich bin nicht einmal mehr sicher, ob die Siddhai wirklich etwas damit zu tun haben. Vielleicht sind auch sie nur Opfer. Ich sehe… ich…“

Das Zittern breitete sich über seinen ganzen Körper aus, und nur knapp konnte Aimerelle ihn auffangen, als Gamael plötzlich zusammenbrach. „Elvaril, schnell! Bring ihn in seinen Schlafbereich. Er muss ruhen. So weit ist er noch nie gegangen…“

Der Löwenmann ging auf Gamael zu und hob ihn hoch, als wäre er leicht wie ein Kind. Doch er hielt noch einmal an. Hielt an, als auf einmal ein donnerndes Grollen zu hören war, ähnlich einem Gewitter. Doch es kam nicht vom Himmel, sondern aus den Tiefen der Erde. Nur leicht zitterte der Boden, während von draußen erschrockene Schreie zu hören waren, die jedoch von dem Grollen fast übertönt wurden. Und dann, nur wenige Sekunden später, war es auf einmal vorbei. Sie hatten ein Donnerbeben erlebt.

Elvaril, der den bewusstlosen Gamael noch immer auf dem Arm trug, sah mit bedeutungsschwerem Blick zu Aimerelle. „Die Welt verändert sich.“
"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realismus." - Alfred Hitchcock

Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1984 am: 30.07.2012, 23:30:39 »
Der Tunnel, in dem er sich befand, schien direkt aus der Erde gegraben worden zu sein. Nur einige Holzbalken hier und da stützten das erdene Gewölbe, während an einigen Stellen die Wurzeln von Pflanzen herausragten. Und obwohl dies kaum wie ein Platz wirkte, an dem Menschen leben mochten, hatte es sich hier offenbar jemand heimisch gemacht.

Milan entdeckte einen Kleiderständer mit Mänteln, eine verschlossene, große Truhe, Kisten mit Obst und Gemüse, einen Tisch, auf dem ein benutztes Kartenspiel lag, ebenso wie einige Kästen, Beutel und Schriftrollen. Und neben einem umgestoßenen Stuhl, den es ungefähr genau so erwischt hatte wie die Gitterstäbe von Milans Gefängnis, lag ein Mann. Auch er schien noch zu atmen. Milan erkannte die Kleidung. Es war einer der Männer, die ihn überfallen und entführt hatten.

Einige Meter weiter war eine halb geschlossene Tür, die offenbar weiter in die Tunnel hinein führte.
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Djarrissa

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1985 am: 31.07.2012, 01:03:04 »
Zuerst folgten Djarrissas Augen Elvaril. Jede seiner Bewegungen, jedes Muskelspiel wurde beobachtet. Die eherne Ruhe und der Mangel an überflüssigem Mienenspiel faszinierten sie.
Gamaels Stimme zwang sie, den Blick zurück zu schwenken. Sie folgte mit unergründlichem Ausdruck seinen Ausführungen. Innerlich war sie aufgewühlt. So viel auf einmal, manches, was sie geahnt hatte, vieles, was völlig neu war. Und die Wirkung der Stimme war nicht verflogen. Innerlich wurde es ihr immer wärmer, bis sie schließlich unbewusst den Umhang und andere Kleidung lockerte.

"Sie sagen also, die Geister hätten sie gerufen. Deswegen ihr ungewöhnliches Aussehen. Durch die Geister sind wir alle verbunden.", bestätigte sie innerlich Gamaels Worte. Eine der anwesenden Frauen sollte also nicht dazugehören? Aber wer waren dann die anderen und hatten die Narashi auch andere Namen?
Als er sich direkt an sie wendete, legte sie ihren Kopf schräg und fragte sich, wie ihre Verbindung mit der Priesterin Eretria, der Mähnenfrau Mika und deren "Milan" aussah. Wobei sie sich eingestehen musste, dass sie ihre Verbindung mit Dok'Hae auch noch nicht wirklich hatte ergründen können. Und wieder tauchte die andere Erinnerung vor ihren geistigen Augen auf, die langsam erschreckende Formen anzunehmen drohte. "Zum Guten oder Schlechten? Gehöre ich am Ende etwa zum Schlechten?" Ihre Unsicherheit, die sie seit ihrem Stamm mit sich trug, schwappte wie eine Welle über sie. So verpasste sie Gamaels Pause, um etwas zu sagen.
Die Worte über ihre Bedeutung, ihr bisheriges Verborgensein, die Gefahr, in denen sie alle schwebten und die sie und Dok'Hae schon erlebt hatten, klangen in Djarrissas Ohren erschreckend wahr. Wie es sich für Schamanen gehörte, wussten sie so viel, bezahlten einen schmerzhaften Preis für dieses Wissen und wie immer hatte Djarrissa das Gefühl, nicht alles zu verstehen. "Was wiederum nichts neues ist.", stellte sie betrübt fest. Das Unverständnis betraf vor allem die genannten Feinde: "Wer ist der große Jäger? Wer will sich die Welt untertan machen?" Und die Herrenwesen der Menschen, die Siddhai, sollten möglicherweise auch nur Spielbälle sein?

Gamaels Zusammenbruch beendete ihren Gedankengang. Sie reagierte schnell, doch nicht schnell genug. Sie sprang vor, bekam aber nur einen Ärmel zu fassen und konnte den Fall nicht bremsen. Zuerst wollte sie seinen Zustand untersuchen, doch dann hob Elvaril ihn auch schon auf. Sie ließ los, kurz striffen sich ihr Arm mit seinem. Sie hatte das Gefühl, einen Schlag zu bekommen. Ihr Fell stellte sich auf und sie sah weg.
Kaum war sie wieder zu Atem gekommen, kam das Grollen der Erdgeister. Sofort hockte sich Djarrissa hin und schien sich noch kleiner zu machen. Sie stützte sich mit gestreckten Armen ab und kein Laut verließ ihr Maul. Die unverändert angespannte Haltung und ihre Stille danach zeigten aber deutlich, dass das Ereignis nicht spurlos an ihr vorübergegangen war.
« Letzte Änderung: 12.09.2014, 21:25:17 von Djarrissa »

Milan

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« Antwort #1986 am: 31.07.2012, 09:33:57 »
Milan rang mit sich, aber da er deutlich erkennen konnte, dass der Mann noch atmete, entschied er sich dafür, dass Sils Leben – und auch seines – in diesem Moment wichtiger war. Zudem musste er herausfinden, was hier vor sich ging und was mit seinen Gefährten geschehen war. 'Eretria, ich hoffe, es geht dir gut.' Seine Beine wurden ein wenig weicher, aber da spürte er Sils kleinen Körper und wusste, dass er sich jetzt nicht gehen lassen durfte. Stattdessen machte er sich auf zu der halbgeöffneten Tür und blieb dort kurz stehen, um zu lauschen, was sich dahinter befand, falls sich etwas dahinter befand außer einem leeren Gang.[1]

'Ich frage mich nur, wer hier freiwillig wohnt. Wahrscheinlich nur jemand, der Licht nicht ausstehen kann und frische Luft.' Er schüttelte den Kopf und konzentrierte sich auf den Tunnel vor ihm.
 1. Lauschen: 9
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Mika

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« Antwort #1987 am: 04.08.2012, 10:50:43 »
Mika versuchte aus den Reden der Narashi schlau zu werden und scheiterte bei jedem neuen Anlauf. Wie sich die Bardin fühlte, wurde nur Isabelle deutlich, denn dieser flüsterte Mika zu: "Ich weiß, dass die Narshi nicht zu uns gehören, aber ich habe das Gefühl, wir sehen hier ein wahnsinnig gutes Schauspiel, und ich bin mir sicher, dass das kein Spiel ist."
Mika, die lange zugehört hatte, konzentrierte sich am Ende auf eine Aussage, die sie greifen konnte und fragte: "Wenn ihr nicht wisst, welche Handlungen, welche Folgen haben, wie könnt ihr bei einem Schritt sicher sein, dass ihr wirklich dem Gleichgewicht nutzt? Ich bin mir verdammt sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind, denn wir sind zu zweit in unseren Köpfen und, im Gegensatz zu vielen anderen, die das Problem haben, noch bei Verstand. Ich frage mich nur, ob wir stark genug sein werden.
Und deshalb rede ich ständig gegen euch, denn ihr stärkt auf eurer Suche nach dem Gleichgewicht auch all jene, die diesen längst vergessenen Konflikt versuchen wiederzubeleben und das Gleichgewicht in dieser Welt empfindlich stören."
Kurz schwieg Mika und dachte nach, dann fügte sie hinzu: "Aber ich fürchte, dass unsere Ansätze grundverschieden sind. Ich habe keine Ahnung, wer dieser Jäger ist und was er macht. Ich sehe nur das Hier und Jetzt und das gerät aus den Fugen, mit dem zweiten Ich, das erwacht und Kontrolle über heutige Ich übernimmt.
Was ich mich gerade Frage ist: Könnten es nicht Eretria und Milan schaffen, ihre alten Gefolgsleute um sich zu scharren und ihnen sanft den Kopf zu verdrehen, um wieder einen Frieden zu schaffen? Schließlich sind sie die Anführer der beiden Gruppen."

Nachdem Mika die ganze Zeit über mit Aimerelle gesprochen hatte, drehte sich Mika den beiden Neuankömmlingen zu, die sie zuvor nicht wirkloich wahrgenommen hatte: "Träumt ihr eigentlich die Geschichte von anderen ... Personen." Fragte Mika Djarissa und Dok´hae, die erst während ihres Satzes mitbekam, dass die beiden Neuen im Zelt keine Menschen waren.
"Hallo." Sagte Mika und glotzte die beiden Neuen ganz unverhohlen an, denn angeblich sollten die beiden Gestalten nun den gleichen Weg gehen. Dies machte sie sogar weit exotischer, als Elvaril.
Mehr als du glaubst.

Djarrissa

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1988 am: 05.08.2012, 07:17:54 »
Als sie angesprochen wurde, straffte sich Djarrissa langsam. Sie erhob sich und sah dabei der Mähnenfrau unverwandt in die Augen. "Mika, richtig? Woher kommt diese Frage? Aber vielleicht zeichnet dass diejenigen aus, von denen die Narashi ebenfalls sprachen." "Meine Trräume haben mir den Weg hierrher in dieses Lager und an seine Seite gezeigt." - dabei wies ihre behandschuhte Pfote kurz auf Dok'Hae - "Sie zeigen mir meine Aufgabe, die ich für meinen Platzz in dieser Welt annehmen muss, doch ist meine Erinnerung bruchschstückhaft und ... nicht alles klar." Ein kaum merkliches Zögern durchbrach den zweiten Teil ihrer Antwort.

"Wie sieht diese zweite Erinnerung an ein altess Leben denn aus?", fragte sie zuerst in Mikas Richtung, dann drehte sie sich Aimerelle zu: "Ist auch in mirr etwas, das geweckt werden müsste? Wer ist derjenige, vor dem wir uns in Acht nehmen müssen?" Sie bedachte sie mit einem uneindeutigen Blick, der zwischen einfacher offener Neugier und gewisser Vorsicht schwankte. "Welchen Rat könnt ihr geben, dass ich von meinem Weg nicht abkomme?" Dies war ihr drittes Mal, dass sie diese Frage an Weise stellte, und so fürchtete sie, wieder einmal den Antworten nicht folgen zu können.
« Letzte Änderung: 12.09.2014, 21:25:27 von Djarrissa »

Amani

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« Antwort #1989 am: 05.08.2012, 16:51:41 »
Dok'Hae lauschte angespannt der Rede von Garnael. Nicht das er sich bedroht fühlte, aber irgendetwas schien tief in Dok'Hae etwas auszulösen. Ein Gefühl, ein Kribbeln, nicht unbedingt etwas unangenehmes, aber etwas das zeigte, dass er Macht über den Wandler hatte. Nicht Macht im Sinne von beherrschen, wahrscheinlich ließ es sich am ehesten mit Macht durch Verständnis beschreiben ließ. Der Wandler hielt während der Rede seine Augen geschloßen und konzentrierte sich ganz auf dieses Gefühl.

Als das Donnerbeben losging erschreckte sich der Wandler, hatte sich aber sofort wieder unter Kontrolle.[1] Er atmete kurz durch und blieb stehen, während sein Blick über die anderen im Zelt befindlichen Personen schweifte. Wie von selbst blieb sein Blick an der Katzenfrau haften. Er wandte ihn schnell wieder ab, als er das Gefühl hatte sie wurde sich seines Blickes gewahr.

"Wie sollte ich die Geschichte von Anderen träumen?" fragte der Wandler etwas verwirrt auf die Frage der Frau. "Wie solltest du die Stimmen von Anderen in deinem Kopf hören?" ertönte die Frage in seinem Kopf.

Irgendetwas schien hier vor zu gehen und um ehrlich zu sein, hatte Dok'Hae das Gefühl nur ein drittel von Allem zu verstehen. Eigentlich wollte er nur so schnell es ging weiterziehen.
 1. Willsave:20

Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1990 am: 05.08.2012, 23:14:18 »
Tatsächlich konnte Milan das Lachen zweier Männer hören. Den Tunnel herunter musste es weitere Räume geben. Die Stimmen klangen so gedämpft, dass sie vermutlich von hinter einer Tür kamen. Gerade, als Milan um die Ecke schauen wollte, hörte er ein leises Knarzen, und die vermutete Tür wurde geöffnet.

"Ich kümmere mich mal um unseren nächsten Auftrag", gab ein Mann mit jovialer Stimme von sich. "Das wird ein Fest."

Ein anderer lachte. "Aber übertreib es nicht. Ich finde diese ganzen seltsamen Aufträge in den letzten Tagen... naja, wer weiß schon, was dahinter steckt. Dieser Händlerssohn, dem wir erzählen sollten, sein Vater hätte uns beauftragt, war ja noch das kleinste Ding. Dann die anderen Sachen, dieser Auftrag jetzt... das bringt eine Menge Aufregung in die Stadt. Eigentlich können wir keine Aufregung gebrauchen. Und dass sie dieses Mädchen wollten... ich mein, wer will denn eine Verlorene entführen?"

Der erste Mann schwieg einen Moment, bevor er deutlich ernster antwortete. "Ja, das ist schon gruselig. Ich habe ja nie an Garach geglaubt, bis ich die Kleine gesehen hab. Vielleicht hast du Recht. Ich erledige den Auftrag wortgenau und übertreib es nicht."

Kurz darauf öffnete und schloss sich eine weitere Tür - der Mann war vermutlich gegangen, um seinen Auftrag zu erledigen. Danach schloss sich auch wieder die erste Tür.

Milan atmete entspannt aus, doch dann geschah schon das nächste unerwartete Ereignis. Ein Dröhnen und Zittern ging durch die Erde. Nur leicht spürte er es an den Füßen, doch umso heftiger dröhnte und grollte es, als würde die Erde selbst wütend brüllen. Es war ein Donnerbeben. Davon gehört hatte er, doch er hatte so etwas noch nie selbst erlebt.

Nur wenige Sekunden später war der Spur wieder vorbei, und das Grollen verstummte, als wäre es nie da gewesen...
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Sternenblut

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1991 am: 05.08.2012, 23:49:02 »
Nachdem Gamael zusammengebrochen war, kümmerte sich Aimerelle zunächst nur um ihren Freund, und nicht um die weiteren Fragen. Nach dem Donnerbeben sah sie Elvaril mit offener Besorgnis an. „Wir sprechen später darüber. Kümmere du dich um ihn, ja? Ich habe Angst, dass er zu weit gegangen ist.“
Elvaril nickte, und verschwand im hinteren Bereich des Zeltes.

Dann erst wandte er sich an Mika. „Ich fürchte, wir haben hier einfach andere Perspektiven. Es geht euch immer wieder darum, dass wir einzelnen Personen die Erweckung verweigern sollen. Nein, das werden wir nicht tun. Erstens, weil sie früher oder später ohnehin erweckt werden. Zweitens, weil wir uns nicht anmaßen, jemandem vorzuenthalten, was ihm gehört. Und drittens, und ich weiß nicht, ob ihr eine solche Erklärung überhaupt annehmen könnt, weil es ein Teil unseres Seins, unseres Schicksal ist, genau dies zu tun. Es gehört zu genau den Dingen, für die Thaikaris uns gerufen hat, und wir vertrauen auf den Willen der Welt.“

Sie wollte sich schon Djarissa zuwenden, setzte dann aber noch einmal an. „Und davon abgesehen ist dies nur eines der vielen Dinge, die wir tun. Es ist, was Gazriel tut, seine besondere Fähigkeit. Wir sind fünf, und jeder von uns zeichnet sich durch eigene Fähigkeiten aus. Würdest du unsere jüngste Schwester kennenlernen, glaube ich, würde sie dir sehr zusagen. Aber wir sind nicht hier, um irgendjemandem zu gefallen. Wir sind hier, weil Thaikaris uns braucht, und weil wir eine Aufgabe zu erledigen haben.“

Nach diesen Worten sprach sie schließlich zu Djarissa. „Unser ältester Bruder, Gazriel, ist gerade nicht bei uns. Er ist unterwegs, um unsere jüngste Schwester unter uns willkommen zu heißen. Er ist derjenige, der erkennt, ob eure Seele schon einmal in einem anderen Körper gelebt hat, und ob es an der Zeit ist, euch zu erwecken. Leider kann keiner von uns anderen Narashi diese Frage für euch beantworten. Einen Rat aber kann ich euch durchaus geben.“

Sie legte ihre Hand auf Djarissas Oberkörper, etwa dort, wo ihr Herz schlug. „Achtet auf das, was euer Herz sagt. Das heißt nicht, dass ihr immer darauf hören sollt, denn ihr habt auch einen Verstand, den es zu gebrauchen gilt. Aber wenn ihr verwirrt seid, wenn euch die Dinge zu viel werden, Intrigen und Lügen und Konflikte überhand zu nehmen scheinen, dann schiebt all diese Dinge beiseite, und besinnt euch auf das, was wichtig ist. Genau das werdet ihr stets in eurem Herzen finden.“

Dann wandte sie sich an die ganze Gruppe. „Der Feind, der diese Welt ins Unheil stürzen will, ist nur bekannt als der Große Jäger. Wer oder was er genau ist, wissen wir nicht. Aber er befehligt eine Heerschar von Geisterwesen, dunkler Kreaturen, die Meister der Manipulation sind. Vor langer Zeit kam der Große Jäger schon einmal auf diese Welt. Es ist nicht bekannt, was genau geschehen ist. Aber die Welt, wie man sie kannte, ging unter. Wie alt sind die ältesten Städte, die ältesten Aufzeichnungen in irgendeiner Kultur? Nur einige hundert Jahre. Für manche Rassen ist das nicht einmal eine Generation. Was war davor?“

„Davor war Krieg“, erklärte sie nach einer kurzen Pause. „All das, was einst war, ist untergegangen, in Vergessenheit geraten, als hätte es nie existiert. Und nun ist der Große Jäger zurückgekommen, um diese Welt erneut ins Unheil zu stürzen. Was er genau will? Wir wissen es nicht. Aber der Weg zu diesem Ziel wird uns alle, die wir auf dieser Welt leben, in eine schreckliche Zeit führen. Deshalb muss er aufgehalten werden.“

Sie drehte sich um, und einige Sekunden sah sie auf die Felle, die als Abtrennung aufgehängt worden waren. Dorthin, wo sich Elvaril um Gamael kümmerte. „Und offenbar ist unser Feind noch schlimmer, als wir bisher vermutet haben. Er manipuliert die Sterblichen und die Wesen der Geisterwelt nicht nur durch seine Diener, die Jäger. Er ist in der Lage, die Fäden ihres Schicksals zu greifen und neu zu verweben. Das macht ihn zu einem Gegner, wie er gefährlicher kaum sein könnte.“

Plötzlich drehte sie sich wieder um, und sah zu Dok’Hae. „Die Jäger, die einst zum Untergang beigetragen haben, sie haben ihre Opfer nicht nur begleitet. Einige von ihnen sind eine Seelenverbindung mit ihnen eingegangen. Man könnte es als eine Art… Besessenheit sehen. Als das geschah, was auch immer die letzte Ära dieser Welt beendet hat, verließen sie jedoch die Körper ihrer Opfer, und kehrten zu ihrem Herrn zurück. Nur eine Handvoll schaffte es nicht rechtzeitig. Ihre Seelen wurden auseinander gerissen. Fetzen dieser Seelen sind in ihren Opfern zurückgeblieben, sind mit ihnen verschmolzen, eins geworden. Auf Thaikaris gibt es vielleicht ganze fünf oder zehn Personen, auf die das zutrifft. Eine war Arue, die Frau, die Mika und Eretria begleitet hat, bevor sie von euren Feinden dazu gebracht wurde, sich von euch zu trennen. Eine weitere solche Person steht hier vor uns. Dok’Hae. Ich bezweifle, dass es Zufall ist, dass noch jemand mit diesem Schicksal zu dieser Gruppe gestoßen ist. Thaikaris möchte euch etwas zeigen, und im Moment stößt Thaikaris euch sozusagen mit der Nase darauf.“
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Djarrissa

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1992 am: 06.08.2012, 08:00:18 »
Als Aimerelle ihre Worte an die Anwesenden richtete, sog Djarrissa jedes einzelne gierig auf. Offensichtlich gab es Punkte, in denen die Mähnenfrau und die Narashi uneins waren. Das verschaffte ihr mehr Informationen. Ein wenig beneidete sie die Narashi um deren Wissen, wofür sie existierten. Oder zumindest wofür sie glaubten, zu existieren. Sie selbst fühlte sich so unsicher. Aber immerhin schien sie eine Spur zu haben.

Aimerelles Berührung kam unerwartet. Sie zuckte nicht zurück, nur wechselte ihr Ausdruck kurz in etwas Gieriges, bevor er von einem konzentrierten abgelöst wurde. "Hör auf!", schalt sie sich selbst und verdrängte das Bild eines Jagdspiels. "Sie tragen also Namen und haben verschiedene Aufgaben. Was der Große wohl für eine hat?", dachte  sie weiter. "Schade, das der Älteste nicht da ist." "Ist es abzusehen, wann Gazriel zurückkommt oder wie ich mit ihm Kontakt aufnehmen kann?", fragte sie. Der Rat, ihrem Herz zu folgen, quittierte sie mit einem leichten Lächeln. Er war nicht so konkret, wie sie sich es gewünscht hätte, aber auch nicht zu kryptisch. Und ihrem Volk wurde nicht selten vorgeworfen, eben dies zu tun.

Die Lücke in der Kenntnis der Vergangenheit war ihr nicht wirklich aufgefallen, war es doch schon so lange her und so natürlich, da sie alle betraf. Aber jetzt wurde sie neugierig. "Was damals wohl vorgefallen ist und ob die wiedererlangten Erinnerungen Klarheit schaffen können?" Die Erklärungen über den Feind halfen ihr weniger, die Worte über Dok'Hae weckten ihr Interesse. Sie warf ihm einen längeren Blick zu: "Wie sich das wohl anfühlt?"

Abschließend richtete sie ihre Worte an Mika und Eretria: "Wenn ihr mehrr über mich wissen wollt, fragt. Wo isst euer Gefährte Milan? Wie sehen eure Pläne aus und kann man euch dabei unterschstützen?" Es ergab sich eine kurze Pause, dann setzte sie fort, an alle Anwesenden gerichtet: "Dok'Hae und ich haben gestern einen Zusammenstoß mit Karaks Schlägern verrmieden. Dabei ist aber jemand an unserer schstatt verletzt worden. Einer weiteren unserer Wohltäter ist die Tochter entführrt worden und sie ist ihnen gefolgt. Ich würde gerne helfen und mich revanchieren, doch brauche ich dabei sselbst Hilfe. Ist dahingehend etwas möglich?" Sie wirkte dabei ruhig und gefasst.
« Letzte Änderung: 12.09.2014, 21:25:33 von Djarrissa »

Eretria

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1993 am: 06.08.2012, 22:14:59 »
Eretria war durch Gamaels Worte gefangen. Sie hörte dem Narashi zu und zum ersten Male erschien es ihr, als verstünde sie etwas von dem, was diese Wesen antrieb. Sie hörte die düsteren Worte des Mannes und als er zusammenbrach, war dies für die Geweihte fast als wäre dies nur ein logischer Schritt in seinem Tun. Doch im Gegensatz zu Djarissa unternahm sie keinen Versuch den Sturz zu verhindern. Eher interessiert nahm sie die sichtbare körperliche Reaktion wahr und während sich Elvaril um seinen Gefährten kümmerte und Aimerelles Anweisungen ausführte, sagte sie leise zu der Katzenfrau:
"Ihr habt es auch gespürt." Es war eine Feststellung und keine Frage. Aber dann schwieg die Geweihte wieder und erst als Aimerelle geendet hatte, setzte sie wieder an, doch unterbrach sie sich noch einmal und die beiden Neuankömmlinge im Zelt konnten sehen, dass sich die Frau sichtlich bemühte ruhig zu bleiben. Erst als Djarissa gesprochen hatte, setzte sie erneut an und diesmal ließ sie sich nicht unterbrechen.
"Vielleicht habe ich euch nun besser verstanden, Aimerelle, obwohl ich noch immer nicht von eurem Weg überzeugt bin. Ich möchte euch Dok'Hae und Djarissa zunächst erzählen, was es bedeutet, wenn man zwei Erinnerungen in sich hat. Lasst mich über eine dieser Erinnerung berichten.

Sie sprach die rituellen Worte, die Einstimmung auf das Ritual der Hohen Weihe. „Im Namen der Sonne, ich höre den Ruf.“
Ein Mann trat neben Eretria. Er trug Gewänder, die den ihren ähnlich waren, aber doch einen anderen Status verrieten. „Im Namen der Sonne, ich höre den Ruf“, sprach auch er. Sie warf ihm einen Blick zu. Tellion, den sie seit ihrer Kindheit kannte, der ihr näher war als irgendjemand sonst. In den wenigen Momenten ihres Lebens, in denen sie nicht einsam war, war sie bei ihm.
„Das Feuer des Glaubens erfüllt mich“, fuhr sie mit dem Ritual fort. „Und ich schwöre, auf ewig…“
„Priesterin Aliya!“
Sie erstarrte. Wer würde es wagen, die Zeremonie zu unterbrechen? Sie wandte sich um. Ein Mann stand vor ihr, in der Kutte eines Tempeldieners. Wieso hatten die Wachen ihn nicht aufgehalten?
Dann zog er eine Klinge. Das Metall reflektierte das Licht der Sonne, blendete sie für einen kurzen Moment, dann wurde sie vom Schmerz überwältigt…

In dieser Erinnerung sah ich meinen Tod und mein Mörder war der Mann den ich liebe ..."
Die Frau sank in sich zusammen und  es war klar wie schwer diese Erinnerung an ihr zerrte. Doch dann richtete sie sich auf und ein Leuchten trat in ihre Augen.
"Lasst euch nicht beherrschen von diesen Erinnerungen, sollten sie über euch kommen. Aimerelle hat Recht. Folgt eurem Herz. Die Liebe hat mich zu Milan geführt und die Erinnerungen einer anderen Person werden diese Liebe nicht zerstören. Folgt eurem Verstand und eurem Herzen und ihr werdet auch nicht dem Wahnsinn anheim fallen wie es anderen passiert ist, die von Erinnerungen überrollt worden sind. Ihr müsst verstehen, dass Gazriel nicht notwendig ist, um diese Erinnerungen freizulegen. Sie werden kommen, wenn ihr sie tatsächlich habt. Bei uns war es auch so." Kurz lächelte sie Mika an, aber es war nur Trauer in dem Lächeln und keine Freude.
"Doch ich glaube wir sollten dieses sehr interessante Thema zunächst ruhen lassen, auch wenn ich verstehe, dass das Interesse daran sehr hoch ist, denn es gibt Wichtigeres zu tun!
Eretria trat in die Mitte des Zeltes und begann einen Rundgang durch die Versammlung. "Milan ist entführt worden und ich vermute, dass dies von den gleichen Leuten betrieben wurde, die uns schon vorher schädigen wollten. Wir haben Hinweise die diese These unterstützen. Dieser Karak ist der Anführer und ich habe ihm noch einen Schlag ins Gesicht zurück zu geben. Isabelle hier hat uns geholfen, so dass ich guten Mutes bin, dass wir nun eine Chance haben gegen Karak und seine Leute. Wenn ihr uns helfen wollt, seid ihr Djarissa und euer Gefährte gerne eingeladen." Kurz deutete sie auf Dok#Hae, den sie offensichtlich für Djarissas Partner hielt, so wie Milan ihr Verlobter war. Dann wandte sie sich an Aimerelle.
"Ich würde mich freuen, wenn ihr uns auch unterstützen würdet, Aimerelle. Denn ich glaube inzwischen, dass uns doch mehr verbindet. Es wäre eine Freude für mich und auch eine Bestätigung eurer Absicten."

Mika

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Kapitel 2: Morgensonne
« Antwort #1994 am: 07.08.2012, 17:40:04 »
"Schön, dass euch Eretira langsam versteht. Das hilft ein wenig." Sagte Mika, die auf das Urteil ihrer Gefährtin vertraute - wenn auch ein ganzes Stück weit, weil sie sich dies vorgenommen hatte. "Aber eine Frage habe ich: Wer glaubt ihr, will diese Erinnerungen haben?
Ich weiß von einem totunglücklichen Kanalarbeiter, der inzwischen als Auftragsmörder über Thaikaris wandelt. Dieser Mann, der sicherlich mal von der Stärke und der Eleganz seines alten Ichs beeindruckt war, kommt mit dem Handeln seines alten Ichs nicht klar und beginnt offenbar langsam an zu sterben. Glaubt ihr, dass dieser Mann das will? Glaubt ihr, dass ich meine Erinnerungen will?
Die Geschichte von Shemiya ist schön. Ich habe die Träume an sie genossen. Ich habe sie geliebt. Aber für mich waren und sind es nur Geschichten. Ein zweites Ich, will ich nicht. Ich bin mit mir selbst oft genug überfordert. Und jenem Kanalarbeiter wird es kaum anders gehen als mir. Nur er hat keine Wahl mehr. Er war den Verführungen des alten Ichs verfallen, wie es scheint, und bezahlt dafür bitter. Er bezahlt mit seinem echten Leben, in dem er Frau und Kinder hat. Und wenn er es manchmal noch in das Hier und Jetzt schafft, dann spürt er all das.
Denkt mal darüber nach, was ich euch gerade erzählt habe."
Sagte eine sehr ernst gewordene Bardin.
"Ich hoffe, dass ich eure Schwester bald kennenlernen werde, wenn ihr glaubt, dass ich sie verstehen könnte. Ich wünsche euch einen schönen Tag, aber jetzt sollten wir gehen, da hat Eretria recht. Wir haben - für uns persönlich - wichtigere Aufgaben zu erledigen."
Dann wandte sich Mika der Priesterin Eretria zu und sagte: "Entschuldige bitte, ich habe mich mitreißen lassen."
An Djarrissa und Dok´hae gewandt fügte sie hinzu: "Wenn ihr bereit wäret uns zu helfen, wären wir sehr dankbar dafür. Wir können jede Hilfe gebrauchen. Mein Name ist übrigens Mika." Kurz schüttelte die Bardin, die bei der Wahl ihrer Gefährten nicht wählerisch sein durfte, den beiden Fremden die Hand und wies dann auf ihre Kollegin hin: "Und dies ist Isabelle, eine Freundin von uns."
Mehr als du glaubst.

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