• Drucken

Autor Thema: Ia - Es lässt sich nicht kolonialisieren!  (Gelesen 23411 mal)

Beschreibung: Shaniya & Kal

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Ansuz

  • Moderator
  • Beiträge: 1085
    • Profil anzeigen
Ia - Es lässt sich nicht kolonialisieren!
« Antwort #210 am: 04.11.2010, 14:45:54 »
Es ist gar nicht so einfach, sich auf der Rinde eines laufenden Baumes zu bewegen. Bei jedem Schritt erzittern die Blätter und Äste um Kal herum, als brächen sie im nächsten Moment ab. Ohne seine Erfahrungen auf See fiele es ihm wesentlich schwerer, zu der ledrigen Blüte zu gelangen. Aus der Nähe wirkt sie noch größer, fast so hoch wie er selbst und dick wie ein Zwerg. Sie ist beinahe bis zum Rand mit klarem Wasser gefüllt, das sich wie Ambrosia auf seiner Zunge anfühlt. Bereits beim zweiten Schluck fühlt er sich seltsam gereinigt, als sei etwas aus seiner Seele getilgt worden, von dem er nicht einmal wusste, dass es da war.
Aus den Augenwinkeln kann Kal erkennen, wie eine humanoide Gestalt den Waldgeist erklimmt. An ihrer Seite schwebt eine weitere Fee. Er kann nicht genau erkennen, um was für eine Art Neuankömmling es sich handelt, aber die Statur lässt auf einen weiblichen Menschen schließen. Nicht etwa...?

Der Ausblick vom Arm des Baumhirten ist spektakulär. Shaniya kann die ganze Pracht des Waldes vor sich ausgebreitet sehen wie ein Kunstliebhaber den Gläsernen Palast von Mithrahelios. Die Kronen der Bäume weichen wie respektvolle Diener vor ihr, um ihr den Blick auf den Boden zu ermöglichen. Überall wimmelt es nur so vor Leben, von den Wurzeln bis hin zu den Wipfeln der Baumriesen. Lebendiges Grün, wohin sie auch blickt.
In der Luft hängt eine solch reiche Vielfalt an Düften, dass sie fast überwältigend wirkt. Das Moos fühlt sich warm und weich unter ihren Fingern an. Kühle Nachtluft streichelt ihre nackt baumelnden Beine. Dutzende Tierstimmen komplettieren das sensorische Ensemble, dessen sie teilhaftig werden darf. Nur am Rande bemerkt sie das gepiepste „Jaahaaaa!“ ihrer Begleiterin.
Noch später fällt ihr auf, dass sich etwas Großes in der Krone des Baumhirten bewegt. Für ein Tier sind seine Bewegungen zu zielgerichtet. Irgendwie kommen sie ihr bekannt vor.

Tael

  • Beiträge: 4647
    • Profil anzeigen
Ia - Es lässt sich nicht kolonialisieren!
« Antwort #211 am: 04.11.2010, 22:53:02 »
Egal wer es war, es musste schon jemand sein dem der laufende Baum vertraute.
Also rief Kal locker herunter:
Hier gibt es Wasser.
Natürlich hielt er sich die Möglichkeit offen sich zu verteidigen.
Der Halbling positioniert sich so das er sich gut festhalten kann und bei eventuellen Gefahren die Frau heruntertreten kann.
Dann wartet der Halbling gespannt ab was geschieht.

Ansuz

  • Moderator
  • Beiträge: 1085
    • Profil anzeigen
Ia - Es lässt sich nicht kolonialisieren!
« Antwort #212 am: 21.11.2010, 21:25:07 »
Kal erkennt, dass es Shaniya ist, die den wandelnden Baum nach ihm erklommen hat. Fast wirkt sie glücklich, mindestens aber guten Mutes. Sie schreckt etwas zusammen, als seine Stimme aus dem Blattwerk tönt. In der Dunkelheit dürfte sie ihn kaum erkennen können. Auf seinen Zuruf hin bewegt sie sich vorsichtig vorwärts, angefeuert von ihrer leuchtenden Begleiterin. Auf dem feuchten Moos ist das gar nicht einfach. Für Seemänner gilt das natürlich nicht unbedingt. Kal ist es ein Leichtes, sich zwischen den Ästen und sie umschlingenden Lianen zu bewegen. Es gibt genug Halt, die Bewegungen des Grunds sind kalkulierbar und es fällt genug Mondlicht herab, um ihn etwas sehen zu lassen. Unter anderem kann er mehrere Früchte nicht weit entfernt ausmachen.
Unter Ächzen und Stöhnen krabbelt sich über den Arm zu ihm hoch. Ein Stück muss sie balancieren, um nicht abzurutschen, einige Schritt weiter kann sie nur kriechen. Ohne die überall aus der Rinde ragenden Ästlein hätte sie die Kletterpartie nicht überstanden. Seltsam für jemanden, der mit der Natur im Einklang zu leben scheint.
Sie muss sich unter einigen herabhängenden Engelstrompeten bücken und durch eine Astgabel steigen, um an ihn heranzukommen. Als sie ihn schließlich erkennen kann, erbebt sie für einen Augenblick. Unglauben streitet auf ihrem Gesicht mit Erleichterung wider. Dann, langsam wie eine sich öffnende Blüte, breitet sich ein zaghaftes Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Immerhin besteht er aus Fleisch und Blut und befindet sich auf der selben Existenzebene. Weder atmet er Schwefel noch begleitet ihn ein flammendes Inferno. Im Gegenteil, er befindet sich in der Krone eines scheinbar wohlgesonnenen Waldgeistes, der ihn ebenso akzeptiert wie sie selbst.
„Du lebst?“, fragt sie überflüssigerweise. Wundersamerweise sieht sie unverletzt aus. Nicht einmal Quetschungen offenbart das Licht der Feen. Wie das sein kann, ist ihm völlig schleierhaft. Er hat mit eigenen Augen gesehen, wie ihr das Ding an die Gurgel gegangen ist. Sie lag wie tot darnieder.
Jetzt scheint sie quicklebendig. Neben ihm angelangt beginnt sie gierig zu trinken, als sei sie gerade der Zeitlosen Wüste entkommen.
Die beiden Feen klatschen aufgeregt in die Hände. „Jetzt sind wir alle zusammen! Ist das nicht toll!“, trällern sie wie im Chor. Kal traut seinen Augen kaum, als sie lachend aufeinander zufliegen und sich wie Schwestern umarmen, um im nächsten Moment ineinanderzufließen wie Rum und Kaffeelikör. Zurück bleibt eine einzelne Fee, unverändert strahlend und scheinbar kein bisschen irritiert.

Kal Len Brando

  • Beiträge: 31
    • Profil anzeigen
Ia - Es lässt sich nicht kolonialisieren!
« Antwort #213 am: 26.11.2010, 15:23:27 »
"Du bist tot, ich hab dich sterben sehen. Wie kommst du hierher, hast du einen Pakt mit dem Teufel geschlossen?"
Kal ist misstrauisch und ist immer noch auf einen Angriff vorbereitet.
"Die Flammen und die Monster, wie bist du da rausgekommen und warum siehst du besser aus als in dem Rattenloch in dem ich dich gefunden habe?"
Was heute noch deins ist könnte morgen schon meins sein.

  • Drucken