Autor Thema: Flucht aus Altkorvosa  (Gelesen 3460 mal)

Beschreibung: Kapitel 3

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Daro

  • Beiträge: 115
    • Profil anzeigen
Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #15 am: 20.01.2010, 11:33:02 »
"Ihr ward es doch, die sich hinterhältig an mich herangeschlichen und Bedroht hat, so wundert euch nicht wenn ich mich verteidige. Vor euch steht Daro Phileus Falkenauge, Mitglied der Pseudodrachen und unlängst auch Mitglied der Schwarzen Kompanie. Da vorne wohne ich und ich bewache hier die Hintertür. Ihr seht, dass ich kein daher gelaufener Dieb oder Vandale bin. Wenn euch euer Leben lieb ist so nennt mir euren Namen, und weshalb ihr mich hinterrücks überfallt, sonst werdet ihr keine 10 Sekunden mehr am Leben sein."

Zahira

  • Beiträge: 10
    • Profil anzeigen
Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #16 am: 31.01.2010, 20:30:59 »
Die dunklen Augen der Klerikerin weiteten sich in plötzlicher Ekenntnis. Sie trat einen Schritt zurück, schob ihren Säbel in ihren Gürtel und verbeugte sich. "Einer der Pseudodrachen! Bei der Göttin, das Schicksal nimmt bei Zeiten recht seltsame Pfade... So bitte ich Euch um Verzeihung, doch in dieser Stadt muss man alle Zeit auf der Hut sein!
Man nennt mich Zahira Abd'al Aziz, treue Tochter der Dämmerblume. Fürst Bromathan schickte mich zu Euch, um Euch zu Rate zu ziehen, um den Königsmord aufzuklären. Und dies ist also das Quartier der Pseudodrachen, das Ihr da bewacht?"
« Letzte Änderung: 31.01.2010, 20:31:34 von Zahira »

Daro

  • Beiträge: 115
    • Profil anzeigen
Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #17 am: 31.01.2010, 22:59:18 »
Wenigstens hat die kleine Manieren. "Fürst Bromathan? Habe ihn nie persönlich kennen lernen dürfen, aber eure Entschuldigung nehme ich an und ja dies ist das Quartier der Pseudodrachen. Bei uns ist wohl ein Einbrecher im Haus, aber meine Freunde werden Ihn wohl erledigt haben, nachdem niemand aus der Hintertüre fliehen wollte. Wir sollten hinein gehen und dann könnt ihr euer Anliegen auch den anderen vor tragen."
Ohne weitere Worte zu verlieren führte Daro die Fremde in das Haus und stellte sie den anderen vor.
« Letzte Änderung: 05.02.2010, 17:03:22 von Zon-Kuthon »

Zon-Kuthon

  • Moderator
  • Beiträge: 3195
    • Profil anzeigen
Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #18 am: 05.02.2010, 17:24:10 »
Als Daro und die fremde Priesterin sich dem anderen Gast der Pseudodrachen vorgestellt hatten, erklärte Shaeznar:
"Euer Freund wird heute Abend nicht nach Hause kommen. Das wisst ihr, oder?"

Ohne auf eine Antwort zu warten, fuhr die Varisianerin fort:"Es sind diese Grauen Jungfern, die ihm das Leben schwer machen. Seine Zukunft ist noch immer ungewiss, verborgen unter dem dichten Nebelschleier der Zeit. Die Karten haben mit nichts weiter verraten. Ein richtiger Schritt wäre es sicher diese Stadt von der Seuche zu befreien. Die Wege wären den Reisen wieder geöffnet und würden nicht mehr von den wandelnden Schrotthaufen verstopft, die sich Graue Jungfern schimpfen und so tun als wären sie das frische Sahnehäubchen von Korvosas Streitmächten!"

Aus ihrer grünen Reiserobe zog sie plötzlich ein gefaltetes Flugblatt hervor und las: "Der Kampf geht weiter - Pseudodrachen gegen Imps."
Fragend blickte sie zu Zanovia und Daro, dann zu Mercutio. "Der Tintenteufel schreibt hier doch von euch! Da steht ihr seid wie ein Schwarm dieser nervigen, geschuppten Stadtbewohner über einen verborgenen Tempel Urgathoas hergefallen und habt dem Blutschleier das faule Herz herausgerissen! Habt ihr dabei irgendwelche Schriften oder andere Hinweise auf die Beschaffenheit der Krankheit gefunden, die uns bei der Zubereitung eines Gegenmittels helfen könnten?"

Mercutio

  • Beiträge: 97
    • Profil anzeigen
Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #19 am: 08.02.2010, 22:55:19 »
Mercutio zögerte kurz. Warum bei den Neun Höllen sollte er dieser dahergelaufenen Tänzerin vertrauen. Doch dann wischte er seine Bedenken beiseite, was hatten sie schon zu verlieren. "Ja, wir haben in der Tat einige Aufzeichnungen gefunden. Noch hatte ich nicht die Zeit sie mir näher anzusehen, deshalb kann ich dir nicht sagen, was darin steht. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, was du damit willst, aber wenn du möchtest, kann ich sie dir zeigen."

Zon-Kuthon

  • Moderator
  • Beiträge: 3195
    • Profil anzeigen
Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #20 am: 08.02.2010, 23:46:01 »
"Nur zu gern, Meistermagier." schnurrte die Varisianerin und machte sich auf Mercutio in den Keller zu folgen.



30. Gozran, 4708 AZ

Natürlich hatte Mercutio die Varisianerin nicht in seinen Keller gelassen gehabt. Der Magier hatte ihr die Aufzeichnungen der Anhänger Urgathoas mit missmutiger Miene in der Stube übergeben, die sogleich von der Mystikerin in eine Hexenküche verwandelt worden war.

Die ganze Nacht hindurch hatten Zahira und Shaeznar über der Formel für ein Heilmittel gebrütet gehabt. In der Lanzettenstrasse hatte es geköchelt, gezischt und gebrodelt. Am darauf folgenden Morgen waren die beiden Frauen in die Räumlichkeiten des Sarenraetempels umgezogen, um sich dort den heiligen Kräutergärten und dem Wissen des Heilenden Lichts bedienen zu können.

Und während Zanovia weiter nach einem Weg auf die Insel des abgeschnittenen Altkorvosas gesucht, Mercutio im Keller seine arkanen Studien vorangetrieben und Daro sich im Großen Turm seiner Ausbildung zum Pferdegreifenreiter unterzogen hatte, waren Zahira und Shaeznar am Morgen des dritten Tages ihrer Forschungen erfolgreich.

Den ganzen Tag über hatte die Priesterschaft Sarenraes mit Hilfe der anderen Kirchen Korvosas für die Verteilung des Heilmittels gesorgt. Es sollte noch lang dauern, da alle kranken Bürger mit Medizin versorgt waren, doch endlich war Hoffnung in die Stadt zurückgekehrt.

Um diesen Triumph mit den Helden der vergangenen, finsteren Zeit des Blutschleiers zu feiern, hatten sich die beiden Frauen und der Kater Nozmas bei Sonnenuntergang wieder in der Lanzettenstrasse eingefunden.
« Letzte Änderung: 10.02.2010, 08:41:40 von Zon-Kuthon »

Zon-Kuthon

  • Moderator
  • Beiträge: 3195
    • Profil anzeigen
Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #21 am: 04.04.2010, 12:16:57 »
3. Desnus, 4708 AZ

Die Wandelhallen Schloss Korvosas waren mit roten Rosen und grünen Girlanden geschmückt. Es war ein Festtag. Königin Ileosa hatte die Adelshäuser und Dockfamilien in den Herrschaftssitz der Arabastis geladen, um den Sieg über die Seuche zu verkünden.

Sie trug ein schimmerndes Kleid aus grüner Seide. Ihr Gesicht glich wie immer einer makellosen Porzellanmaske, während auf ihrem geflochtenen Haar eine finstere Krone saß, deren Zacken sich wie die eines dunklen Sterns erhoben.

Ein königlicher Herold verkündete den Verlust des Seneschalls Neolandus Kalepopolis und stellte seinen Nachfolger, den Magier Togomor vor.

Der mehr als üppige Leib des Mannes war in purpurfarbene Roben gehüllt auf denen sich überall dunkle Schweißflecken abbildeten. Auf seiner Schulter saß eine ebenso fette, schwarze Kröte mit dicken weißgelben Warzen. Er musste sich auf einen knorrigen Stecken stützen, als er seinen mächtigen Körper schnaufend zu einer Verbeugung krümmte.

Hinter der Königin und ihrem neuen Seneschall stand die kühle Leibwächterin Ileosas. In würdevoller, aufrechter Haltung wachte sie in der silbernen Rüstung der Grauen Jungfern. Der geschlossene Helm mit dem roten Federbusch ließ es nicht zu sie an ihrem Gesicht zu erkennen. Es war das prächtige Krummschwert an ihrer Seite, das sie als Sabina Merrin verriet.

Neben der berüchtigten Schwertkämpferin waren auch die Anführer der anderen Arme Korvosas Militär zugegen. Cressida Kroft in den blutroten Platten der Feldmarschall und Marcus Thalassinus Endrin im schwarzen Waffenrock der Pferdegreifenreiter.

„Die Seuche wurde besiegt!“, erhob Königin Ileosa das Wort.

„Rainer Davaulus gab in diesem Kampf sein Leben. Er war den Königlichen Medikussen ein guter Anführer und Berater gewesen. Der Leichnam des guten Doktors ist bereits auf dem Weg nach Cheliax, um in der Erde seiner Heimat beigesetzt zu werden.“

„Severs DiVri hat seine Höllenritter in ihre Zitadelle zurückgepfiffen. Wie ein Rudel winselnder Hunde, sind sie mit eingekniffenem Schwanz vor der Seuche geflohen!
Doch auch die Schwarze Kompanie und Korvosas Garde muss schreckliche Verluste beklagen. So ordne ich hiermit an, dass der Schutz unserer geliebten Stadt, von dieser Stunde an, der stählerne Schild der Grauen Jungfernschaft sein soll!“

Der Raum wurde von aufgebrachten Stimmen gefüllt. Königin Ileosa erhob sich über die Unruhe mit unbeugsamer Autorität:

„Meine treue Leibwächterin Sabina Merrin selbst, soll als Generälin Korvosas über das gesamte Heer unseres Stadtstaats befehlen. Die verbleibenden Pferdegreifenreiter werden der Garde zugeteilt. Die Schwarze Kompanie wird aufgelöst. Kommandant Endrin, übergebt mir Euer Abzeichen und Waffenrock, ich entbinde Euch hiermit Eurer Aufgaben und Pflichten!“

Das Antlitz des Soldaten spiegelte blankes Entsetzen und vollkommenes Unverständnis wider. Plötzlich riss er sich entschlossen das Abzeichen der Schwarzen Kompanie von der Brust und schleuderte es der Königin ins Gesicht.

Die scharfe Kante des Emblems schnitt eine blutende Wunde in die Wange der Monarchin.

Während der Schrecken die Glieder aller lähmte, zog der Soldat seine Armbrust und legte in einer fließenden Bewegung einen Bolzen ein. „Eure schandvolle Herrschaft endet hier und jetzt! Korvosa soll wieder frei sein!“, brüllte er der regungslosen Arabasti entgegen. Dann betätigte er den Abzug.

Der Bolzen schlug mit dumpfem Aufprall in Königin Ileosas Schläfe ein. Doch sie fiel nicht.

Noch bevor das Blut aus der Wunde ihre Schulter erreicht hatte, riss sich die Monarchin den Bolzen aus dem Schädel und packte Kommandant Endrin an der Kehle. Ihre Finger vergruben sich in seinem Fleisch, während sie ihn langsam anhob. Entsetzt beobachteten die Aristokraten Korvosas wie die Füße des Soldaten verzweifelt nach festem Boden strampelten, bevor die Königin mit einem mächtigen Stoss seinen eigenen, bluttriefenden Bolzen zwischen die Augen des Kommandanten rammte.

Ileosa ließ den Toten wie einen nassen Sack auf den kalten Marmorboden fallen, während sie in einer makabren, majestätischen Bewegung sein Blut von ihrer Hand schüttelte.

Mit klarer, fester Stimme verkündete sie: „Dies soll das Schicksal aller Feinde Korvosas sein! Gedenkt seinem Tod! Es ist nur der erste!

Als Panik unter den Anwesenden ausbrach, trat der Seneschall Togomor an die Seite der Königin. Während Sabina Merrin ihren schwarzen Krummsäbel zog und Befehl zum niederschlagen des Aufruhrs gab, verpufften der Magier und Ileosa, als wären sie niemals dagewesen.

Zon-Kuthon

  • Moderator
  • Beiträge: 3195
    • Profil anzeigen
Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #22 am: 04.04.2010, 13:37:36 »
Am Abend des selben Tages hatten sich Daro, Mercutio und Zanovia, wie die Priesterin Zahira und Fürst Bromathan im Kronenfalken, Korvosas feinstem Gasthaus, eingefunden. Wie die Hohe Priester der Stadt und die anderen einflussreichen Persönlichkeiten auch, waren sie der Einladung Königin Ileosas gefolgt. Die Monarchin ließ sich jedoch entschuldigen. Dringliche Angelegenheiten hatten die Herrscherin laut eines Herolds im Schloss festgehalten.

Valdur Bromathan wusste es besser. Er hatte Zahira auf dem Weg in der Kutsche berichtet was sich am Tage in den Wandelhallen zugetragen hatte. Nun saß er ungewöhnlich blass und angespannt unter den Gästen der Königin.

Zur Vorspeise gab es frisches Brot mit Thileuöl[1], gefolgt von einer schweren Alikasuppe[2]. Der Fischgang wurde von Haifisch-Mahktasha[3] abgeschlossen. Vor jedem einzelnen Gang sprach er innige Gebete an seine Göttin.[4]
Dann wechselte man zum Fleisch. Es gab in Butter herausgebratene Oliphantenohren[5], kaltes Wildbret und Trüffelpastete.
Der bläuliche, geeiste Schaumwein aus Irrisen bildete den Übergang zum Braten. Eine Heerschar von Dienern betrat den Speisesaal und hinter jedem Gast postierte sich ein Kellner mit silberner Tafelglocke.  
Wieder erhob ein Herold im Namen Ileosas das Wort: "Ihre  strahlende Majestät, Königin Ileosa Arabasti I., wünscht den werten Damen und Herren nur das Beste für die Zukunft und spricht allen Versammelten den tiefsten Dank der Krone für ihren tapferen Einsatz aus. Möge uns diese finstere Zeit eine mahnende Erinnerung sein."

Auf ein Zeichen des Mannes servierte die Dienerschaft den Braten. Als die silbernen Speiseglocken gelüftet wurden strömte unangenehm warmer Dampf über die Tafel. Von den Silbertellern starrten rotgeschuppte Pseudodrachen mit ihren toten, dunklen Augen in die Gesichter der verwirrten Gäste.
 1. Thileubäume
 2. eine Fischsuppe mit Austern aus dem Kanal der Heiligen Alika
 3. in vudranischen Kräutern eingelegte Flossen der Sägezahnhaie, gestreifte Raubfische die man an den Küsten Varisias antrifft
 4. Zauberkunde SG 15 = Gift entdecken
 5. Oliphanten sind gigantische Exemplare ihrer Verwandten, den Elefanten
« Letzte Änderung: 04.04.2010, 15:07:46 von Zon-Kuthon »

Daro

  • Beiträge: 115
    • Profil anzeigen
Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #23 am: 21.04.2010, 12:00:15 »
Daro fiel nicht das geringste auf, weder das es sich bei dem Fleisch auf seinem Teller um Pseudodrachen Fleisch handelte, noch die Irriteirenden Blicke der anderen Gäste. Gut gelaunt aber doch recht voll gefressen machte er sich daran seinen Teller zu lehren. Oh Mann, ich bin total voll, aber es wäre sicherlich unhöflich wenn ich nicht wenigstens mehr als die Hälfte verputzen würde. Gut gelaunt grinste er in sich hinein und freute sich über die besten Speisen die er je in seinem jungen Leben gegessen hatte.