Autor Thema: Flucht aus Altkorvosa  (Gelesen 3520 mal)

Beschreibung: Kapitel 3

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Zon-Kuthon

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Flucht aus Altkorvosa
« am: 02.01.2010, 22:28:31 »
27. Pharast, 4708 AZ

Es hatte den ganzen Tag geregnet. Gozreh selbst schien den Blutschleier von der Stadt spühlen zu wollen. Die Straßen Korvosas waren überschwemmt, überall hatten sich Rinnsaale und Pfützen gebildet. Daro war seit dem Morgengrauen mit seiner Ausbildung zum Pferdegreifenreiter beschäftigt gewesen und so schmerzte ihm jeder Schritt des Heimwegs in die Lanzettenstraße.

An diesem Tag hatten Schwertkampf und Fechtkunst auf dem Stundenplan gestanden. Den anderen Kadetten war die Disziplin mit der Klinge auf der Militärakademie eingebläut worden, während Daro den Nahkampf in den finsteren Gassen Korvosas gelernt hatte, eine Tatsache die auch seinen Ausbildern nicht entgangen war. Mit mißbilligenden Blicken hatten sie seine Erfolge gegen die begabtesten Fechter des Jahrgangs gemustert.

Auch Zanovia war gerade auf dem Heimweg durch den Regen. Die Varisianerin war die Länge des Kanals von St. Alika mehr als einmal abgeschritten. Sie hatte Daro versprochen gehabt für die Dauer seiner Ausbildung den Posten an der Grenze zu Altkorvosa zu übernehmen. Doch die Grauen Jungfern wachten eisern über den Kanal und die einzig verbliebene Brücke.

Selbst Mercutio hatte seinen Keller verlassen gehabt. Den Magier hatte eine Botschaft mit blauem Siegel in den Unterschlupf bestellt. Dort hatte ihm eine gerobte Frau ein Angebot unterbreitet: ein weiteres Duell gegen eine Beschwörungsformel aus der Bibliothek der Halle der Beschwörungen. Eine Zauberformel die einen Imp aus den Neun Höllen emporrufen und einen magischen Bund der Treue zwischen dem Beschwörer und dem Teufel schmieden würde.



Völlig durchnässt bog Daro in die Lanzettenstraße ein und sah die beiden anderen Pseudodrachen streitend in der Gasse neben dem Haus von Zellara stehen. "Der Teufler" erzählte ihm davon, dass "die Tänzerin" ein blaugrünes Licht in der Stube gesehen habe. Beide waren sich jedoch sicher alle Lampen vor dem Gehen gelöscht zu haben.
« Letzte Änderung: 02.01.2010, 23:26:10 von Zon-Kuthon »

Daro

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #1 am: 03.01.2010, 01:26:05 »
"Glaubt ihr etwa da ist jemand in unser Haus eingebrochen? Wartet kurz ich schau mal eben nach."
Vorsichtig schlich Daro an ein Fenster um einen Blick in das Innere zu erhaschen.
« Letzte Änderung: 03.01.2010, 11:44:51 von Zon-Kuthon »

Zon-Kuthon

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #2 am: 03.01.2010, 11:49:05 »
Zunächst bemerkte Daro keine Ungewöhnlichkeiten. Dann huschte plötzlich ein dunkler Schatten durch die Wohnstube, gefolgt von einem Klirren von der Feuerstelle.

Daro

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« Antwort #3 am: 03.01.2010, 12:37:56 »
Er wartete weiter ab ob sich noch etwas tut. Nachdem sich nach einer Weile nichts mehr regt kehrte er zu den anderen zurück um Ihnen zu Berichten was er vorfand und fragte wie sie weiter vorgehen sollten.
« Letzte Änderung: 03.01.2010, 13:44:47 von Daro »

Mercutio

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #4 am: 06.01.2010, 14:24:25 »
"Lasst uns reingehen. Ansonsten finden wir nie raus, wer uns da einen Besuch abstattet. Daro, du gehst zum Hinterausgang, falls jemand fliehen will", antwortete Mercutio auf Daros Frage. Ungeduld war dem Magier deutlich anzusehen, schließlich hatte er noch wichtige Dinge in seinem Labor zu tun.

Daro

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #5 am: 06.01.2010, 23:20:30 »
Daro nickte dem Teufler zu und machte sich unverzüglich auf den Weg nach hinten. In sicherer Entfernung, versteckte er sich in einer Gasse und zielte mit seiner schweren Armbrust auf die Türe, bereit auf alles zu schießen was dort hinaus kommen sollte.
« Letzte Änderung: 07.01.2010, 09:01:19 von Zon-Kuthon »

Mercutio

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #6 am: 07.01.2010, 10:16:45 »
Mercutio ließ Daro etwas Zeit und tauschte dann einen Blick mit Zanovia aus. Dann öffnete er vorsichtig die Tür und betrat das gemeinsame Heim. Sogleich zauberte der Magier einen Lichtzauber um die Stube zu erhellen.

Zon-Kuthon

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #7 am: 07.01.2010, 18:45:11 »
Der magische Lichtschein teilte die undurchsichtige Dunkelheit. Ein schwarzer Kater stand frech auf dem Küchentisch und stieß eine Flasche Wein um, als er überheblich auf den Teppich sprang und in den Schatten verschwand.
Da fiel den Pseudodrachen die Silhouette einer Frau auf, die weit zurückgelehnt in dem alten Ohrenbackensessel neben dem Fenster zum Hinterhof saß.

Zanovia

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #8 am: 07.01.2010, 18:52:34 »
 Zanovia ergriff den kleinen schwarzen Kater, kraulte ihn unter dem Kinn und stellte die Gerobte im Ohrensessel zur Rede:" Was erlaubt Ihr Euch, wer seid Ihr und wieso seid Ihr hier einfach eingedrungen?"

Zon-Kuthon

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #9 am: 07.01.2010, 20:13:15 »
Mit genussvoll zusammengekniffenen Augen schnurrte das Tier in den Händen der Schwertkämpferin, während die rauchige Stimme der Sitzenden antwortete:

"Ist es war? Dies ist nicht mehr das Haus von Zellara der Seherin? Ich hätte es wissen müssen die Karten lügen nicht." Die Unbekannte stützte sich auf einen langen Stab, als sie sich aus dem Sessel erhob und fortfuhr. "Sie nennen mich Shaeznar und der Kleine da ist Nozmas. Ich bin die Tante von Zellara. Lange Zeit habe ich bei den Familien in Ustalav gelebt, und eigentlich bin ich nur aus Zufall, wenn es so etwas überhaupt gibt, nach Korvosa gekommen."

Langsam schälte sich die Varisianerin aus den Schatten des magischen Lichts von Mercutio. Ihr langes Haar war schneeweiß und sie trug die farbenprächtigen Gewänder des Fahrenden Volks: grüne Reiseroben, türkisfarbene Lederstiefel mit blauen Stickereien und einen purpurfarbenen Schal aus Silberbrokat. Es waren komplizierte Muster auf allen ihren Kleidern zu erkennen, doch die Haut der Varisianerin zeigte die verworrensten Verzierungen: mitternachtsblaue Tätowierungen mystischer Runenbänder auf allen unverhüllten Körperstellen.

"Zellara weilt nicht mehr unter den Lebenden, habe ich Recht? Doch die Karten verraten mir auch, dass sie noch nicht in Pharasmas Reich angekommen ist. Wisst Ihr mehr über das Schicksal meiner kleinen Nichte zu verraten?"
« Letzte Änderung: 08.01.2010, 10:56:37 von Zon-Kuthon »

Daro

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #10 am: 08.01.2010, 15:47:40 »
Nachdem keiner aus der Hintertür kam, beschäftigte sich Daro damit, mit möglichst wenig Bolzen Steinbrocken aus dem umliegenden Mauerwerk zu schießen.

Zanovia

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« Antwort #11 am: 09.01.2010, 15:38:17 »
Zanovia fragte sich was nur Daro noch auf der Straße trieb, ließ den schwarzen Kater Nozmas wieder auf den Teppich vor dem Sessel.

Sie räusperte sich und war in einer sehr angespannten Stimmung. Schließlich musste sie der alten Dame nun den Verbleib  Zellaras erklären. Die Schwertkämpferin setzte sich auf den Ohrensessel und berichtete über den schrecklichen Fund, den sie damals am Westpier 17, in der alten Fischerei gemacht hatten. Sie erzählte der anderen Varisianerin auch von der ersten Begegnung der Pseudodrachen, wie Zellara diese Gemeinschaft von Gleichgesinnten das erste mal zusammengerufen hatte. Gerufen um Rache an Gaedren Lamm zu nehmen.

Alle hatten sie einen Grund gehabt den alten Verbrecher zu hassen. Lamm hatte Daro als Kind missbraucht und auf den Straßen von Korvosa zum Stehlen gezwungen, ihn fast totschlagen lassen und dann wie Abfall entsorgt. Mercutio hatte wegen einem Mitglied von Lamms Bande seinen Platz an der Acadamae verloren und war von seiner Familie verstoßen worden. Und Zanovias kleine Schwester Zerina war von Lamms Lämmern entführt worden. Die Familie gab Zanovia die Schuld für ihr Verschwinden, und obwohl sie Zerina wieder sicher nach Diebesnest gebracht hatte, war sie nicht mehr so willkommen wie zuvor.
Aber sie musste Shaeznar auch berichten, wie sie den Kopf ihrer Nichte in der Hutschachtel gefunden hatten. Denn Zellara wollte nicht nur Rache für ihren toten Sohn. Lamm hatte auch der Seherin selbst das Leben genommen gehabt.

Doch der Geist von Zellara lebte weiter in den Karten, die sie den Pseudodrachen vermacht hatte. Eben jenen Karten die sie auch vor dem Blutschleier gewarnt hatten.
« Letzte Änderung: 11.01.2010, 23:31:05 von Zon-Kuthon »

Zon-Kuthon

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #12 am: 11.01.2010, 23:50:38 »
Daro machte noch immer Zielübungen auf die Rückwand eines benachbarten Lagergebäudes, da spürte er eine Schwertspitze im Rücken.



Nur wenige Augenblicke zuvor, wanderte eine verhüllte Gestalt durch die verregnete Nacht. Sie sprang geschickt über die rutschigen Pflastersteine und gurgelnden Pfützen, Schritt für Schritt näher der Lanzettenstraße 3. Zahira hatte mit Fürst Bromathan verabredet, dass der Adelsmann mit den anderen Aristokraten und Würdenträgern der Stadt sprach, während sie sich weiter nach der verurteilten Königsmörderin Trinia Sabor umhörte. Sie hatte mit den Mitgliedern der Abteilung gesprochen, die Trinia über den Dächern von Mittland gefasst hatte. Doch die Pferdegreifenreiter der Schwarzen Kompanie haben sich als ziemlich verschlossen herausgestellt. Nachdem sie das Mädchen gefasst hatten, haben sie sie sogleich im Schloß den Grauen Jungfern übergeben. Allerdings hatte sie von ihrem Anführer erfahren, dass eine Gruppe von Agenten der Garde vielleicht mehr über die Malerin wusste.

Zu eben jener Gruppe, die in Mittland nur die Pseudodrachen genannt wurde, war sie unterwegs, da vernahm sie verdächtige Geräusche.  Jemand feuerte Bolzen um Bolzen auf eine Ziegelwand. Zahira hatte beschlossen den schiesswütigen Kerl da mit Sarenraes Säbel wieder zu Vernunft zu bringen.

Daro

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #13 am: 12.01.2010, 13:45:15 »
Im ersten Moment wagte sich Daro nicht sich zu bewegen, doch im nächsten Augenblick entging er durch eine geschickte Drehung der Schwertspitze und nun zielte er mit seiner Armbrust auf die Person die die Schwertspitze auf ihn gerichtet hatte. mit einem Auge, die andere war durch seine Augenklappe verdeckt musterte er sein Gegenüber.

Zahira

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Flucht aus Altkorvosa
« Antwort #14 am: 19.01.2010, 19:24:48 »
"Im Namen der großen göttin Sarenrae! Lasst Eure Waffe fallen! Was fällt Euch ein, mich zu bedrohen!" schrie die Klerikerin und machte einen forschen Schritt auf den jungen Mann zu. Sie schien ziemlich unbeeindruckt davon zu sein, dass er seine Armbrust direkt auf ihr Herz gerichtet hatte. Ihren Krummsäbel hielt sie immer noch vor ihrem Körper. "Was treibt Ihr hier für ein lärmendes Spektakel mitten in der Nacht? Ihr stört die heilige Ruhe!" Ihre dunklen Augen musterten währenddessen ihr Gegenüber. Warum nur diese Augenklappe?