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Autor Thema: Ib - Verschollen in der Ferne  (Gelesen 6834 mal)

Beschreibung: Amiras Reise nach Hakum

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Ansuz

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Ib - Verschollen in der Ferne
« Antwort #45 am: 17.11.2010, 23:57:54 »
Der Sprung stellt kein Problem dar. Amira ist ebenso beweglich, wie sie aussieht. Das mag an Jahren des Drills liegen. Die Matrosen weichen vor ihr zurück wie vor einer Giftschlange, die in ihre Mitte geworfen wurde. Einer deutet grimmig auf die Kajüte, in die der Kapitän soeben verschwand. Seine Spur wurde von etlichen kleinen Blutstropfen nachgezeichnet, die ein rotes Muster auf das Deck zeichnen.
Drinnen ist es stickig, dunkler als draußen im Sternen- und Mondlicht. Es riecht nach einer Mischung aus Schweiß und Rum, schlimmer als in der Hafenkneipe, in der sie angeheuert hatte. Marcellus (oder wie sein Name lautete) hat sich auf einem einfachen Schemel niedergelassen, den Kopf gesenkt und den rechten Arm erhoben. Einer der Matrosen besieht sich leise fluchend die Wunde. „Sieht nicht gut aus, Käpt`n! Als hätte euch einer der Haie erwischt!“
Die Antwort besteht aus einem unwilligen Murren. Langsam heben sich seine Lider, damit er seine nahende Rettung näher mustern kann. Sein Mund verzieht sich etwas, als er sich schon wieder einer jungen, willensstarken Frau gegenübersieht. Seine Stirn glänzt selbst im Dunkeln. Einer der Kerle rückt die einzige verfügbare Kerze etwas näher, damit alle besser sehen können. Ihr Geruch lässt auf billigen Talg schließen. Kein Wunder, dass die Deckenbohlen schwarz verfärbt sind.
„Heilerin?“, brummt der Hegemoniale, als bedeute die Antwort ein Problem für ihn.
Es ist eng in der Kajüte. Überall steht Tand von bestenfalls sentimentalem Wert herum. Amira hat kaum Platz, sich zu bewegen, geschweige denn ein ausreichend gutes Bild der Wunde. Zudem wird von ihr wahrscheinlich eine Art Wunderheilung erwartet.

Simue

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Ib - Verschollen in der Ferne
« Antwort #46 am: 20.11.2010, 22:13:42 »
Amira ging mit stolz erhobenem Kopf auf den Kapitän zu. Sie durfte jetzt auf keinen Fall eine Schwäche zeigen. Sie würde nur kurz hier sein, versuchen, ein paar Informationen abzufischen, und dann wieder auf ihr eigentliches Schiff zurückkehren.

Sie nickte dem Verletzten zu. "Ich verstehe ein wenig von der Heilkunst. Erwartet keine großen Wunder von mir, aber zumindest können wir davon ausgehen, dass es danach weniger weh tun wird."

Ohne auf eine Erlaubnis zu warten, kniete sie sich auf ein Bein vor den blutenden Mann, besah kurz seine Wunde, und legte dann ihre Hand auf die Verletzung. Kurz schloss sie die Augen. Sie hatte das lange nicht mehr getan.

Wer oder was auch immer du bist, ich bitte um deine Hilfe, dachte sie widerwillig. Es passte ihr nicht, auf… was auch immer hinter ihren neu gewonnenen Kräften steckte, angewiesen zu sein. Aber sie hatte gerade keine bessere Option.

Leise sprach sie einige mystische Worte. Dann spürte sie, wie die magische Energie durch ihre Hand strömte. Ein blaues Leuchten erschien, und die Wunde des Kapitäns schloss sich unter ihrer Hand zumindest so weit, dass sie nicht mehr blutete…

Die Zauberkraft verblasste, und Amira richtete sich wieder auf. Mit einem kurzen prüfenden Blick begutachtete sie das Ergebnis ihres Zaubers.
« Letzte Änderung: 20.11.2010, 22:13:59 von Amira »

Ansuz

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Ib - Verschollen in der Ferne
« Antwort #47 am: 24.11.2010, 23:56:09 »
Ebenso widerwillig wie Amiras Gebet erfolgt die Reaktion. Für einen Moment scheint es gar, als habe sie bereits jedwede göttliche Unterstützung verwirkt, obschon sie gerade erst aus unbekannten Gründen erworben wurde. Dann spürt sie eine sanfte Wärme, die irgendwo in ihrem Innern entsteht und von dort ihren Arm herab bis in die Wunde fließt, hinein in den Menschen, den zu heilen ihre Obligation ist.
Das Gebet manifestiert sich in einem blauen Schein, in dessen Licht Wundränder zusammenwachsen, Blut verkrustet, Gewebe regeneriert und beschädigte Organe geschlossen werden. Es fühlt sich sehr angenehm an, obwohl es sie sich auf der Stelle schläfrig fühlen lässt. Für den Kapitän scheint es wesentlich unangenehmer, presst er doch stöhnend die Kiefer aufeinander. Seine Untergebenen murmeln Stoßgebete, während sie zusehen.
Vier Augenpaare richten sich auf seine Seite, als das Leuchten vergeht. Von einem Einstich ist nichts mehr zu sehen. Geblieben ist lediglich eine schmale Narbe[1]. Vom Einfluss irgendeines „bösen“ Gottes war nichts zu spüren. Die haarige, äußerst streng riechende Armbeuge sieht zutiefst menschlich aus. Das einzige Rot rührt von dem vertrockneten Blut her, das lange Bahnen hinab bis zum Gürtel gezogen hat.
„Ich schulde Euch meinen Dank!“, brummt der alte Seemann, während er den Arm wieder senkt. „Wenn Ihr etwas benötigt, nennt es mir und ich werde sehen, was sich machen lässt. Doch für den Moment brauche ich Ruhe! Männer, geleitet die Dame zurück auf ihr Schiff!“
Draußen begrüßen sie die Blicke gleich zweier Mannschaften. Die Matrosen an ihren Seiten nicken ihren Kameraden zu, die sich merklich entspannen. Ihre Mienen werden gleich viel freundlicher. Einer hält ihr fragend seinen ledernen Flachmann hin. Die Armand wirken ebenso positiv überrascht, auch wenn sie es nicht derart offen zeigen. Stattdessen klopfen sie leicht mit ihren Krallen auf die Reling.
„Gut gemacht!“, raunt ihr jemand von der Seite zu. Als sie sich nach der Stimme umdreht, schaut sie direkt in das rundliche Gesicht des fremden Magisters.
 1. Heilkunde bitte

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