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Autor Thema: Hakum  (Gelesen 9204 mal)

Beschreibung: Das Tor zu den Fernen Landen

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Ansuz

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Hakum
« Antwort #45 am: 10.11.2010, 23:59:48 »
Azarje:

„Aber was ist mit Ibrahim?“, ruft sie ihm noch nach, dann verlässt Azarje das Gebäude. Die zuschlagenden Türflügel klingen wie ein Sarg aus Marmor statt Zedernholz.
Sofort schlägt ihm der Rosenduft entgegen. Der jüngste der Hunde hat es geschafft, zwischen Tür und Angel durchzuschlüpfen und ihm zu folgen. Seinen Namen kennt Azarje nicht. Vieles, zu vieles hat sich seit seinem Weggehen verändert. Seine Familie ist fast vollständig tot. Es bleib lediglich, was sie geschaffen oder erworben haben, Materielles, das kaum ihre Aura an sich trägt.
Das Anwesen zu verlassen ist einfacher als es zu betreten. Es kommt einer Absolution gleich. Geh nur, Junge! Finde deinen Weg! Wir warten auf dich!
Der Friedhof liegt mehrere Meilen entfernt. Er ist komplett ummauert worden, nachdem es in den letzten Jahren vermehrt zu Grabschändung kam. Reagiert wurde erst, nachdem sich an den Pforten der Mausoleen zu schaffen gemacht wurde. Pholios´ Auge ziert inzwischen nahezu jeden Ziegelstein, um solche Schandtaten ebenso abzuwehren wie böse Geister, die der Wüstenwind heranträgt. Ob es an ihnen liegt, dass es seit Monaten keinen Frevel mehr zu beklagen gab, weiß er nicht. Die Vorstellung ist beruhigend. Das Grab seiner Ahnen geschändet zu sehen wäre wahrscheinlich mehr, als er ertragen könnte.
Hakums Straßen zu durchqueren gestaltet sich schwierig wie gewohnt. Zu lang hat er nicht mehr die unregelmäßigen Pflastersteine unter seinen Zehen gespürt. Schon bald sieht er den Hund nicht mehr. Die Einwohner, die es nicht auf oder über die See gezogen hat, entwickeln mit den Jahren eine ganz eigene Fortbewegungsmethode, die vornehmlich darauf beruht, sich von Ellbogen zu Ellbogen zu schieben und den eigenen Schwung zu nutzen, um auf der Welle der Nachströmenden zu reiten. Daraus ergab sich ein dicht gedrängtes, im konstanten Fluss begriffenes Wirrwarr, durch das hindurchzufinden selbst für Halblinge eine Herausforderung ist.
Die Gesichter ziehen an ihm vorbei wie die Häuserfronten, alle gleich, alle unbedeutend. Seine Beine schreiten von selbst aus. Kein Geruch vermag ihn zu faszinieren, keine schöne Frau seine Aufmerksamkeit zu fesseln. Er läuft einfach weiter, zu einem Ort, an dem er seine Eltern bei seiner Rückkehr wohl am wenigsten erwartet hätte.
Irgendwann öffnet sich die Enge der Gassen für den Vorplatz des Friedhofs. Die Pflastersteine bestehen aus reinem Basalt, entnommen dem Klauengebirge weit im Norden. Jeder einzelne wird täglich gesäubert, sodass der Platz strahlt wie von Göttlichkeit ergriffen. In seiner Mitte lodert eine Sonnenscheibe, gegossen aus rötlichem Gold, dass bei Sonnenuntergang wie brennend scheinen muss. Zwei Obelisken flankieren das vollständig aus kupfernen Fabelfiguren gefertigte Tor wie stumme Riesenwächter.
„Beeindruckend, findet er nicht?“, tönt es aus dem Schatten einer Gasse ein paar Schritt hinter Azarje. Die Stimme klingt unangenehm, nicht menschlich. Plötzlich überkommt ihn ein ungutes Gefühl, zweiter Gang seines seelischen Leichenschmauses.

Ansuz

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Hakum
« Antwort #46 am: 11.11.2010, 23:13:44 »
Massoud:

Gardekat dreht ganz langsam den Hals, um seinen Begleiter aus schmalen Augenschlitzen anstarren zu können. Seine Stacheln richten sich auf wie das Fell eines gereizten Wolfs. Hätte er größere Schwingen, würde er sie wahrscheinlich in einer Geste der Dominanz ausbreiten. Wie die Dinge stehen, kann er stattdessen bloß kurz mit ihnen schlagen.
Yal scheint ebenso wenig begeistert. Sie wirft den Kopf hin und her, sodass der kleine Drache ganz schön ins Schleudern kommt. Ihr Schwanz fegt derart heftig über die Straße, dass große Staubwolken aufgewirbelt werden. Der Gardist weicht zurück, senkt sogar ein wenig die Lanze. Maventhua beobachtet das Geschehen schweigend, so distanziert wie man es von einem einzelnen Goliath erwarten kann.
Schlussendlich gelingt es Massoud, sein Reittier zu besänftigen. Dennoch ist sie deutlich nervöser als gewöhnlich. Geschirre mag sie gewohnt sein, aber kein verbundenes Maul. Glücklicherweise schaltet sich keiner der Gardisten ein.
„Ein Haustier, sagst du? Würde es das selbe sagen, wenn ich es fragte?“, brummt der Veteran. Seine Kiefer mahlen, während er die Menagerie, die seine Stadt zu betreten beschlossen hat, mustert. Er lässt ungerührt einige lange Minuten verstreichen, während er grübelt. Unterdessen strömen die Menschen in absurden Mengen an ihnen vorbei. Massoud kennt keine Siedlung der Wór, in denen solch ein Betrieb herrscht. Hinter den Mauern muss es enger sein als in der schmalsten Klamm.
Bluthand sieht sich unauffällig um. Offenbar möchte er keine Aufmerksamkeit erregen. Ihm dürften die ungezählten Blicke, mit der seine Narben, Knochenwülste und Waffe bedacht werden, voll und ganz reichen. Andererseits strahlt er den Stolz eines Kriegers aus, der sich des Respekts, gar Furcht aller um ihn herum gewiss sein kann. In seiner Heimat muss er mehr als eine Jagd- und Kampfgruppe geführt haben. Wahrscheinlich genießt er es irgendwo.
„Geht hindurch!“, sagt der Gardist schließlich.
Weitere Aufforderungen braucht der Goliath nicht. Er drängt sich an dem Menschen vorbei, Massoud und seine Begleiter dicht auf den Fersen. Sie werden förmlich eingesogen von den Strom, der sich durch die Tor in die Stadt ergießt. Ihnen werden kleine Inseln der Privatsphäre innerhalb der Masse gewährt. Alle scheinen dem selben Pfad zu folgen, wie Ameisen auf dem Weg zu ihrer Nahrung, als existiere gar keine andere Möglichkeit.
Vor ihnen breitet sich ein viereckiger Platz aus. Seine Mitte wird von einem turmhohen Gebäude dominiert, dessen Form an nichts erinnert, was der Wór je in seinem Leben gesehen hat. Unten gleicht es einem Würfel, gefertigt aus einem einzigen Block weißen Steins. Darüber wird es stufenförmig kleiner[1], bis es sich an seiner Spitze zu einer goldenen Halbkugel verjüngt. Die einzelnen Stufen bestehen komplett aus Figuren, die in Beziehung zueinander stehen. Je höher man schaut, desto religiösere Züge nehmen die Darstellungen an.
Umgeben wird der Platz von weißen Häuserfronten, vor denen unzählige Stände mit den unterschiedlichsten Waren aufgebaut wurden. Auf ausladenden, zumeist überdachten Balkonen schauen Alte und Kinder auf die Menge herab, meist schwatzend. Fast jedes Fenster ist weit geöffnet. Ihre Dächer sind flach, etwas unter Wór gänzlich unübliches. Noch befremdender ist, dass sich dort oben Menschen bewegen, als wäre das das Normalste der Welt.
Die Menge bewegt sich größtenteils auf das zentrale Gebäude zu. Genaueres kann er über all die Köpfe hinweg nicht erkennen. Viele, eindeutig Ortsfremde, bleiben stehen und betrachten den Boden. Schnell kann Massoud erkennen, warum dem so ist. Um seinen Mittelpunkt herum wurde eine Spirale in den Platz eingesetzt, bestehend aus mehreren Sonnen, deren Strahlen in die vier Himmelsrichtungen zeigen, genau wie beim Tor. Diesmal bestehen sie aus Platten aus Lapislazuli, die mit Glas ergänzt wurden. Im Licht der Sonne ist der Anblick spektakulär.
 1. wie ein Ziggurat

Massoud

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Hakum
« Antwort #47 am: 15.11.2010, 08:57:36 »
Der Wór ist stolz auf Yal, da er sich, wenn auch mit einigem Unwollen und Unbehagen doch an seine Situation gewöhnt. Beruhigend krault Massoud die Echse und versichert ihr damit, dass der Zustand wahrlich nicht lange andauern wird. Noch bevor der Leonid die Stadt betreten hat, wird ihm wieder vor Augen geführt, warum diese Stadt sich anfühlt, als hätten sich eherne Bande um seine Hand- und Fußgelenke geschlossen und die strafende Geißel zerreißt ihm den Rücken, obgleich er für nichts Sühnen muss, außer existent zu sein oder an diesem Ort für einen Moment weilen zu wollen. Massoud bereut es, dass er Yal den Willen der Gardisten und damit den Willen einer Stadt aufzwingen muss, aber friedlich in die Stadt zu gelangen, das hat die Priorität für den Moment. Nochmal greift Massoud nach dem Kopf seiner Echse. Diesmal ist es eine stille Bitte um Entschuldigung.

Den Kommentar hat Massoud ignoriert und dem Gardisten nur abschließend nochmal zugenickt, als dieser sich endlich entscheidet, Maventhua und Massoud durchzulassen. Massoud stört sich dabei kaum daran, dass die Menschen und andere Besucher eher in die Stadt eingelassen werden, kann er doch die Besonderheit ihres Auftretens nachvollziehen. Langsam bringt er Yal in Bewegung.

Massoud bewundert den Anblick, der sich ihm auf dem Hauptplatz bietet. Er verdammt seine Unwissenheit über diesen Ort, kommt aber zu dem Schluss, dass dies eine Art Pilgerstätte sein muss. Vor allem die Ziggurat, ein anderer Begriff möchte dem Löwenmenschen nicht einfallen, macht ihm den Eindruck. "Sicherlich ist dieser Ort in seinem Inneren ebenso spektakulär, doch die Menge ist mir zu groß.", sagt Massoud von der Bedächtigkeit des Moments eingefangen und deswegen fast flüsternd. Er weiß nicht, ob der Goliath ähnlich von dem Anblick berührt ist, doch Massoud muss sich eingestehen, dass er solche Pracht noch nie zuvor gesehen hat und dabei sind viele Wór von Prestige, Pracht und Präsenz besessen, viele Seet und Kriegsfürsten legitimieren über die Fähigkeit, Reichtum anzusammeln, ihre Herrschaft auch noch zusätzlich, aber dies hier kennt keinen Massoud bekannten Vergleich. Voller Respekt fügt er an. "Dies stellt sogar die Pracht eines ausgewachsenen Löwen in den Schatten." Der Ausdruck ist bewusst gewählt, um auf den König der Tiere zum einen einzugehen, zum anderen um diesen Ort als sprichtwörtliche Sonne zu verstehen.

Massoud überlegt, dass es wahrscheinlich besser sein wird, weiter gen Meer zu reisen und dort eine Gaststätte zu suchen. "Wir wollen uns eine Stätte des Trunkes suchen. Lass uns zum Meer und dort suchen." Massoud blickt Bluthand an und nickt, um die Einladung nochmal zu bekräftigen, dann lässt er die erhabenen Anblick des Hauptplatzes hinter sich und versucht nicht nur Yal aufgrund der Menge von Besuchern ruhig zu halten, sondern auch sich selbst.

Ansuz

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Hakum
« Antwort #48 am: 15.11.2010, 23:08:54 »
Maedre:

Obwohl ihm argwöhnische Blicke zugeworfen werden, nachdem Maedre der Kenku-Gasse entsteigt, gesellen sich einige Menschen spontan zu ihm, um in sein Gebet einzufallen. Die Alten sprechen im überlieferten Dialekt Hakums, die Jüngeren gebrauchen die Handelssprache. Manche lauschen einfach. Sie alle blicken hinaus auf die See, wo am fernen Horizont das letzte Rot versinkt.
Es tut gut, die Stadtluft zu atmen. Dort unten fühlt man sich, als müsse man gleich ersticken. Auch das Gebet ist eine Wohltat. Pholios` Licht zu sehen wird jenen dort unten kaum gewährt werden. Sie gedeihen im Schatten, ebenso wie derjenige, den er sich zu suchen aufgemacht hat. Leider gibt es im Hafen mehr als genug davon.
Für den Weg braucht er etwa eine Stunde. Zwar könnte er schneller vorwärts, aber ein weiser Mann spart im nächtlichen Hakum seine Energie, will er auf Eventualitäten vorbereitet sein. Im Medinatim gibt es eine Menge davon, größtenteils von ungewaschener und mit Messern bewaffneter Art. Um dort das gesuchte Kontor zu finden, wird er viel Fingerspitzengefühl walten lassen müssen[1]. Gerüchte verbreiten sich schnell. Den Falschen zu fragen bedeutet, sich zu verraten.
Anuschib wäre gewiss nicht erfreut zu hören, dass jemand nach ihm sucht.
 1. Informationen sammeln, SG 17

El-Azarje

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Hakum
« Antwort #49 am: 16.11.2010, 19:49:35 »
Auf dem Weg zum machte sich eine immer größer werdende Beklemmung in ihm breit. Er hatte einige Tage Zeit gehabt, das Geschehene zu verstehen. Bisher hatte er sich jedoch mit dem 'Wer?' und dem 'Was danach?' beschäftigt und darüber den Tod verdrängt.
Die Fragen rutschen in den Hintergrund und er bereitet sich darauf vor, seine toten Eltern zu sehen. Spätestens jetzt, da er ihr Grab besucht, hatte es Bestimmtheit und er musste es akzeptieren. Er hat Angst, weiß nicht, was ihn erwartete und wie er sich verhalten würde. Er will sie nicht sehen. Er weiß nicht... . Die Gedanken drehten sich immer schneller. Fragen waren bohrender als Gewissheit.

Die Unfassbarkeit des Todes. Die Sinnlosigkeit der Existenz. Die Frage nach dem 'Warum?' im Angesicht seiner göttlichen Bestimmtheit. Er hatte versucht, Trost in den Worten Pholios zu finden, doch erschienen ihm die Gebete wie kalte, leblose Wort-Hülsen, die für ihn keine Bedeutung hatten. Eine Art gnädige Benommenheit macht sich breit und verdrängte nach und nach seine Gedanken.

Nach einer kleinen Endlichkeit kommt er am Friedhof an und sieht sich um. Der Sonnenschein ist blanker Hohn. Im nächsten Moment wird ihm bewusst, wie er Pholios gefrevelt hatte und murmel Lautlos ein kurzes Gebet. Er streicht sich den kalten Schweiß von der Stirn und fasst den Entschluss, es schnell hinter sich zu bringen. Er streckt seine Hand zum kalten friedhofstor aus.

Da erschallt der krächzende Ruf hinter ihm. Blitzschnell dreht er sich in Richtung der Stimme um und durchsucht die Gassen nahe des Friedhofstors. Seine Finger umfassen stärker den knorrigen Stab. Innerlich flucht er. Töricht hatte er vergessen, einen magischen Bannzauber zu sprechen. Natürlich hatte er ahnen müssen, dass er erwartet wurde.
Da entdeckte er einen Kenku, einen Rabenmenschen. Aasgeier, war sein erster Gedanke, hier, um sich am Unglück zu laben. Nur wenige dieser Wesen hatte El-Azarje bisher zu Gesicht bekommen und keine dieser Begegnungen war angenehm gewesen. Sie schienen ihm Boten des Unglücks zu sein.

"Tritt hervor, Rabenmensch, und sag, was Dein Begehr ist."

Ansuz

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Hakum
« Antwort #50 am: 18.11.2010, 23:16:42 »
Azarje:

Der Kenku denkt gar nicht daran, Azarjes Aufforderung Folge zu leisten, schon gar nicht, wenn sie in aller Öffentlichkeit ausgesprochen wird. Im Gegenteil klappert er missliebig mit dem Schnabel und zieht sich ein Stück weiter zurück, fort von den forschenden Blicken der Passanten.
“Vielleicht sucht er etwas?“, krächzt er leise, kaum hörbar durch das Gewirr aus Gesprächsfetzen, die durch die Gassen schweben. „Oder was könnte sonst sein Begehr sein?“
Zwar hatte Azarje durch seine privilegierte Geburt nie Kontakt zu Kenku gehabt, doch kennt er die Geschichten über ihre Art genug, um besser Vorsicht walten zu lassen[1]. Sie sind als ebenso verschlagen wie Goblins und listenreicher als Halblinge verschrieen. Derartiges lässt sich nicht einmal über die firopolesische Rektorate behaupten.
 1. Wissen (Hakum), um mehr zu erfahren

Maedre

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Hakum
« Antwort #51 am: 20.11.2010, 22:46:17 »
Maedre kommt in der anfangenden dunkelheit im Hafen an. Er hatte keine Ahnung wo sich der Kontor befindet aber er hatte sich auf dem weg hierher einen Plan gemacht. Er sah sich kurz nach einer der nächsten Pubs um in dene die Seefahrer und Hafenarbeiter so gerne die Sorgen vergessen. In so einem stellt er einem Hafenabeiter die Frage WOsich der Konntor des herren Anuschib befindet. ein Freund von ihm arbeitet da und er wollte ihn abholen um was trinken zu gehen weis aber nicht wo es ist[1]. Nach Erhalt der richtigen informationen spendiert er dem Mann noch ein bier und beeilt sich zum Kontor.
Denn kontor beobachtet Maedre dann ersteinmal eine weile. Er wusste nun mehr über diesen Anuschib, langsam drängt sich die Frage auf wieso. Der grund war eigendlich einfach, er hatte Angst. und je besser du etwas kennst um so weniger Angst hast du for ihm.
 1. Info sammeln nat 20

El-Azarje

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Hakum
« Antwort #52 am: 20.11.2010, 22:46:49 »
"Wartet...!", ruft El-Azarje dem Kenku hinterher. Fast schon will er ihm hinterherlaufen, doch dann mahnt er sich um Vorsicht. Diese Kenku sind verschlagen und nur allzu leicht kann es eine Falle sein. Vielleicht ist er auch nicht von Bedeutung und wollte mich auch nur verspotten. Herrgott, wie enervierend ist es, wie eine Wüstenmaus auf der Flucht vor dem Geier zu sein. Überall sieht man Gefahr. Wofür er sich vorhin gescholten hatte, holt er nun nach und wirkt einen Bannzauber[1]. Noch einmal sieht er sich aufmerksam um[2], und als er keine drohende Gefahr ausmachen kann, betritt er den Friedhof und sucht das Grab seiner Eltern. Der Klos in seinem Hals scheint größer zu werden.
 1. Mage Armor mit Dauer 3 h
 2. Spot: 18

Ansuz

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Hakum
« Antwort #53 am: 21.11.2010, 21:23:07 »
Massoud:

Yal zischt zwischen geschlossenen Kiefern hindurch, ein Beweis ihres Ärgers. Normalerweise anspruchslos und ruhig reagiert sie mit Aggression, sobald ihr die Freiheit genommen wird. Wie alle ihrer Art ist sie es gewohnt, frei durch das Hochland zu laufen. Niemals käme ein Wór auf den Gedanken sie einzupferchen. Nicht ohne Grund ist es per Gesetz verboten, sie in den Siedlungen zu halten. Früher oder später würde ein Unglück geschehen.
Massoud hat das Gefühl, dass Yal nur deswegen einigermaßen ruhig bleibt, weil Gardekat Einfluss auf sie nimmt. Zwar ist er nicht ruhiger als sonst, wirkt aber konzentriert. Er sieht sich nicht einmal um, obwohl ihm genug Aufmerksamkeit zuteil wird, um ihn geradezu leuchten zu lassen. Normalerweise würde er darin baden, vielleicht ein oder zwei Kindern ein Zirpen schenken. Stattdessen bleibt er stumm und unbeteiligt.
Maventhua sieht ungefähr so freundlich aus wie ein auf Berghirten zustürmender Oger. Sein Starren könnte einer Schlange Konkurrenz machen. Die Menschen sehen hastig weg, sobald er sie auch nur aus den Augenwinkeln ansieht. Selbst Halblinge machen ihm Platz, wenn auch erst auf wenige Fuß Abstand. Keiner möchte den Zorn von jemanden erregen, der hauptsächlich aus Muskeln und Unmut zu bestehen scheint. Auf Massouds Anregung reagiert er mit einem tiefen Brummen, das wohl Zustimmung signalisieren soll.
Den Hafen zu finden ist leicht. Sie brauchen lediglich den Trägern zu folgen, die schwer beladen aus den größten Häusern wanken und Fässer auf bereitstehende Wägen laden. In den gepflasterten Straßen wurden Rillen eingelassen, damit die Räder nicht steckenbleiben. Gezogen werden sie von Maultieren, die auf ihrem Weg große Kothaufen hinterlassen, denen nicht immer ausgewichen werden kann. Ärmere tragen ihre Waren an langen Stäben, die sie auf ihre Schultern geladen haben. Sie bewegen sich alle auf der selben Straße, in Richtung Salzgeruch.
Massoud und Begleiter folgen dem Strom, vorbei an dem von Menschen umwölkten Ziggurat hinein in das strahlende Weiß der Stadt. Es ist eng und laut, aber auch interessant. Unter anderem gibt es Becken, in die unablässig Frischwasser fließt, an dem sich die Hakumber gütlich tun oder waschen. Greise fegen mit Reisigbesen die Hauseingänge, während Matronen ihre nassen Gewändern auf langen Leinen über der Straße aufhängen. An jeder Ecke wird etwas angeboten, von wenig appetitlich aussehenden Happen bis zum Reinigen und Fetten von Schuhwerk. Ab und zu macht die Menge höheren Platz, die auf Sänften getragen werden. Über allem wachen die Gardisten mit ihren überlangen Speeren.
Auf den Dächern herrscht ähnlicher Betrieb wie in den Straßen, Gassen und Hinterhöfen. Immer wieder schüttet einer von dort Unrat herab, womit er lautstarken Protest hervorruft. Tabak- und Hanfrauch hängt wie eine Wolke über den Häuserschluchten. Beschwörende Gesänge schallen herab, wahrscheinlich zu Ehren jenes Gottes, dem auch der Ziggurat geweiht war. Umso zynischer wirkt das Betteln der Ärmsten, die in die Schatten der Gassen verdrängt wurden.
Einige mutige Seelen wagen sich an die beiden Krieger heran, um entweder nach milden Gaben zu fragen oder allerlei Tand anzubieten. Angebliche Reliquien finden sich neben Gewürzen, die laut den Anpreisungen ihres Verkäufers lediglich in den entlegensten Winkeln des Titanenpfads wachsen. Ihnen werde lebende Hühner ins Gesicht gehalten, Schleier angeboten und die Lobpreisungen des Sonnengotts rezitiert. Wer zu aufdringlich wird, prallt spätestens vor Yals ersticktem Fauchen zurück.
Zwischenzeitlich hat Massoud das Gefühl, trotzdem bestohlen worden zu sein[1]. Obwohl die Menschen sauberer zu sein scheinen als die Wór seiner Heimat, wirken sie größtenteils hungrig und erschöpft. Ihre Gewänder sind weit genug, um die meisten Schäden zu kaschieren und trotzdem sichtbar übersät mit Flicken. Besonders den Kindern scheint es selten gut zu ergehen. Ihre Blicke haben etwas seltsam Resignierendes, als wüssten sie bereits, dass sie die Stadt verschlingen wird.

Nach etwa zwei Stunden kommen sie an einer Taverne an, die ein ganzes, mehrstöckiges Haus zu füllen scheint. Leider ist kein Unterstand für Yal sichtbar. Nicht einmal die allgegenwärtigen Kamele wurden berücksichtigt. Einige Orks haben sich an ihre Wand gelehnt, von wo sie jeden Passanten herausfordernd anstarren. Aus den oberen Stockwerken ertönt exotische Musik, der Massoud keine bestimmten Instrumente zuweisen kann. An jedem Fenster hängt ein Büschel Weihrauch, dessen durchdringender Geruch Yal schnauben lässt.
Gardekat scheint dennoch sehr interessiert, erschnüffelt er doch bereits die einzelnen Aromen, die durch die offenen Fenster auf die Straße dringen. Die sich aufplusternden Grünhäute ignoriert er einfach. Maventhua mustert den Bau regungslos. Ihm scheint es gleich zu sein, ob sie bleiben wollen oder nicht. Arbeit findet man als Söldner überall.
 1. Entdecken bitte, SG 15, 1W8 GM sind weg

Massoud

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Hakum
« Antwort #54 am: 25.11.2010, 22:06:57 »
Der Wór hat es bereits aufgegeben, die ganzen Eindrücke, die auf ihn einströmen, aufzunehmen. Danach hat er begonnen, wahnwitzig wie ein solches Vorhaben nunmal ist, die wichtigen Eindrücke von den unwichtigen trennen zu wollen. Und dabei hat er gemerkt, dass er in diesem Versuch versagen muss und noch mehr verpasst, als er aufnehmen kann. Er hat überlegt, wie er das nun machen sollte und dann fällt ihm auf, dass ihm sogar die Worte fehlen, um diese ganzen Eindrücke zu beschreiben. Sicherlich kann er solche Hülsen wie "majestätisch" oder "erhaben" nutzen, müsste dann jedoch feststellen, dass diese Worte leer sind und nicht seine Empfindungen ausreichend wiederspiegeln. Seit dieser Erkenntnis lässt der Löwenmensch die vielen neuen Bilder einfach an sich vorbeirauschen und hält sich stattdessen an den ersten Eindrücken fest, die er beim Betreten der Stadt gehabt hat und diese sind alles andere als angenehm gewesen. Zwar ist die Architektur und die Stadt an sich beeindruckend, doch noch mehr wiegt die bedrückende Stimmung, durch die Masse verursacht. Der Löwe möchte gar nicht wissen, was passiert, wenn ein ein Rudel seinesgleichen diese Herde von Antilopen aufschreckt. Welch tödliche Bewegung in diese ungleiche und nicht zu berechnende Herde kommen würde. Das Rudel Löwen würde darin verschwinden, aus Antilopen, welche die meisten Bewohner an sich sein dürfen, würden wütende Gnus, wenn nicht gar Gauren werden. Nach wie vor, auch wenn in seiner Gesellschaft die Kraft und das Prestige des Einzelnen zählt und die Entscheidungen fällt, bewundert der Wór die unkontrollierbare Macht der Masse.

Der Anblick der Kinder jedoch zwingt den Leoniden dazu, sich wieder mit seinen Empfindungen auseinanderzusetzen, das Rauschen des Stadtlebens hat ein Ende. Er sieht in den Augen der Kinder seine eigenen Ängste, die er seit dem Anblick der Stadt empfindet. "Diese Stadt ist ein Moloch. Mir käme ein Kampf gegen die alte Vettel lieber, als noch Tage hier verbringen zu müssen."
Massoud blickt weg, denn er kann diesen Kindern nicht helfen. Sie müssen lernen, sich selbst zu helfen, sonst würden sie ewig auf Hilfe angewiesen bleiben. Das Leben ist so hart, aber das gebrannte Kind hat das selbst durchmachen müssen, auch wenn ihm die Kinder in ihrer Lebensapathie ein wenig Leid tun. Stattdessen löst Massoud die Binde vom Maul seiner Echse, damit sie sich im Notfall verteidigen kann. Massoud hat ausreichend vertrauen in seine Echse, dass sie niemanden ohne Grund verbeißt und eine Kontrolle durch die Wächter in diesem Getöse von Wesen erscheint ihm unmöglich.
Als er die Binde wegstecken will, fällt ihm auf, dass jemand seinen Geldbeutel geöffnet hat und etwas von der für Massoud kostbaren Asche rausgefallen ist. Mit einem Seufzen schließt er den Beutel wieder und steckt die Binde weg.

Wie Maventhua mustert der Wór das Gebäude und sucht dann eine Möglichkeit, Yal festzubinden. Dann stellt er sich wieder neben Bluthand, die Orks ebenso ignorierend für den Moment. "Mal sehen, was uns hier erwartet."
Mit festem Schritt betritt der Löwenmensch die Herberge.

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