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Autor Thema: Das liederliche Spiel  (Gelesen 40272 mal)

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Menthir

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Das liederliche Spiel
« am: 27.07.2010, 22:14:14 »
01.01.1042 - Tag des Skorpions - Früher Morgen

Der Volksmund sagte, dass der Tag des Skorpions seinen Namen erhalten hätte, weil der erste Tag der Woche stets mit einem Gefühl der Schwäche begann. Mit dem Gefühl, als hätte ein Skorpion einem in den Rücken gestochen und man würde sich deswegen schwach, dreckig und lustlos fühlen. Die wirkliche Bedeutung des Tags des Skorpions kannten nur noch die Wissbegierigsten oder so mancher Bauer in der Peripherie des Reiches, eben jene Männer, welche nach dem alten Wissen leben durften oder mussten und nicht dem Verlauf der Sterne für das alltägliche Leben nutzten. Doch wie auch immer die wahre Bedeutung dieses Tages gewesen sein mochte, der Stich in den Rücken beschrieb die Gefühlslage eines jeden Gefangenen mit höchster Wahrscheinlichkeit akkurat. Es lag mitnichten nur an dem harten Holz oder dem harten Boden, auf welchen Mann und Frau schliefen, sondern auch an den Umständen. Die erste Nacht der Gefangenschaft war rum, sie war hart und sie war wenig erkenntnisreich gewesen, sie war in allen Belangen unbequem gewesen.

Roter Marmor umfasste einen, auch wenn es noch dunkel war, war sein Abbild noch gut in der Erinnerung greifbar. Ein leicht bleiches Rot mit Einschlüssen, welche leicht vertrocknet wirkten. Vielleicht war es nur eine Einbildung, aber sah der Marmor nicht aus wie langsam gerinnendes Blut an einem warmen Sommertag? Die nächste Lichtquelle, oder ein erfahrener Schlachter, hätte vielleicht darüber Aufschluss geben können, doch Licht gab es nicht, kein Fenster, welches zumindest spärlich die mehr oder wenig kalte Wintersonne in den Raum ließ. Es war stickig, es roch nach Gewölbe und Feuchtigkeit und somit auch ein wenig nach Schimmel. Die Geräusche mehrerer Personen, welche schwer oder pfeifend atmeten, drangen mühevoll durch den Raum. Man war nicht alleine in diesem Gefängnis.

Gefängnis, es war eine merkwürdige Form Gefängnis. Keine Gitterstäbe, kein Lehmhaus am Rande eines Dorfes mit gelangweilten Wächtern und Beamten, welche in Ermangelung irgendwelcher Karriereambitionen an diesen Orten gelandet waren. Der rote Marmor war zu luxuriös. Seine Berührung war kalt und glatt, nur ganz eben ließen sich Unebenheiten in diesem wertvollen Gestein ertasten. Aber dass der Marmor den Boden, die Wände und gar die Decke schmückte, das ließ es doch wie ein gewisses Gefängnis wirken, und dass es wie altes Blut aussah, machte die Situation nicht angenehmer.
"Innerhalb dieses Gefängnis ist man frei.", hatte der blauäugige Wärter gesagt, welcher einen jeden von euch in das Gefängnis bugsierte. Stolzer Gang, fast sechs Fuß groß und von gestriegelter Gestalt war der Mann gewesen, eine Person, welche ihre Arbeit mochte und von ihr überzeugt war. Eine olivfarbene Leinenuniform trug er nur, nicht einmal eine Waffe. Er fürchtete sich nicht, wirkte gar ein wenig gescheit mit seinen klaren Augen und der zerfurchten Stirn, und doch nutzte er eine scheinbar witzlose Bemerkung. Wie konnte man innerhalb eines Gefängnisses frei sein? Zumindest waren die Türen zu euren kleinen, kargen Zimmern nur von euch zu verschließen. Ein Riegel trennte einen jeden vom Rest des Gefängnisses, welches doch eher eine alte Räumlichkeit für Gäste zu sein schien. Es roch feucht und Spinnweben hingen überall herum, dieser Ort war zwischendrin bestimmt auch ein Lagerraum gewesen, vielleicht deswegen der Geruch von Schimmel? Oder mochten hier einst Tote gelegen haben und der leichte Geruch von Fäulnis ist das, welches übrig blieb von dieser Tat?
Einsame Gedanken in steinernen Mauern mochten einiges beschwören; Wahres wie Unwahres gleichermaßen.

Der Name des Wärters, welcher einen jeden von euch zu unterschiedlichen Zeiten einquartierte, blieb ein Geheimnis. "Je weniger ihr habt, desto freier werdet ihr euch fühlen.", mit solcherleich Prophezeiungen, welche für einen einfachen Gefängniswärter wohl kaum mehr als Binsenweisheiten sein dürften, glänzte er bei der Abnahme eurer Besitztümer, bis nicht mehr viel blieb bis auf Schreibzeug, Bücher, ein wenig Kleidung. Werkzeuge waren tabu, wie es auch die Flucht war.
"Jeder Fluchtversuch zwingt mich dazu, euer Leben enden zu lassen. Seid euch gewiss, dass ihr die Klinge führt dabei, solltet ihr es wagen." Die Stimme des Wärters, welcher bartlos und im mittleren Alter zu sein schien, verriet keine Schadenfreude, allerdings auch keine Emotion. Ein einfacher Hausdiener war er nicht, sein Auftreten war zu brüsk, zu direkt, zu stolz, seine Worte standen in einem gewissen Kontrast dazu. Eine merkwürdige Kombination.
"Eure Räume werden jetzt noch leer sein, wie die Steppe in einer Dürre. So werdet ihr euch fühlen. Aber es gibt Wege.", deutete er an und zeigte immer dann, wenn er diese Worte sagte, auf eine Matratze, welche vor der Gefängnistür direkt an der Wand lehnte.
"Ihr werdet sie erkennen. Nur die Weisen teilen diesen Ort." Seine letzten Worte zu einem jeden von euch. Die Tür schloss sich, die Nacht senkte sich nieder und schwer lastete das Verbrochene oder nicht Verbrochene auf den Schultern, ehe der Schlaf gewann.

...

Schritte klangen taktvoll über den Marmor, welcher auch den Zugang zum Gefängnis pflasterte und so ein Erkennen von Besuch erleichterte, aber auch eine lautlose Flucht unmöglicher scheinen ließ. Ein Schlüssel wurde gerüttelt und gedreht, das Schloss klemmte ein wenig, eine der einzig beiden verschlossenen Türen des Gefängnisses öffnete sich. Schritte traten über die Schwelle, sechs Füße in Stiefel, Metallglieder rasselten, der Schritt war militärisch, sorgfältig.
Doch eine sehr sanfte Stimme, welche weder tief, noch wirklich hoch war, erhob sich in der Nähe der Tür, während das Geräusch eines sich legenden Vorhanges die Stimme kurz begleitete.
"Seid mir Willkommen, meine Gäste." Die Stimme war angenehm, doch wenig definierbar. Sie klang zumindest warm. "Macht euch keine Mühe und bleibt liegen. Es ward euch versprochen, dass das Frühstück zur achten Stunde käme, soweit sind wir noch nicht. Doch lauschet mir, während ihr eure Augen geschlossen haltet." Sie hatte etwas hypnotisches, einflüsterndes, man mochte ihr gern und lange folgen.
"Stellt euch vor, der Himmel ist blau, wenige dunkelblaue Wolken sind am Horizont zu sehen, von der prächtigen Sonne beschienen. Regenbögen werden über das weite und bald wieder blühende Land getragen." Leise erklang das Spiel einer Guzheng[1]. Der Mann mit der sanften Stimme machte eine Pause und ließ ein paar der Klänge für sich sprechen, versuchte die beschriebenen Bilder zu beschwören.
"Kleine und große Tiere tollen gleichermaßen durch das erste grüne Gras, Frösche hüpfen durch die kleinen Teiche, welche sich in den Senken bilden und kosten das Leben."
Weitere Minuten ausgiebigen Spiels folgten, welches eine fließende Harmonie war. Etwas selten Schönes, voller Anmut und Würde, es ließ einen träumen.
Plötzlich ein Misston. "Und dann hören alle, der Kaiser ist tot." Und das Lied war vorüber. Die Luft vibrierte noch leicht, und wenn man noch versuchte sich an die angenehme Stimme oder die Melodie zu erinnern, schien sie wie ausgelöscht. Einem Peitschenknall gleich, ertönte eine ruppige, wüste und brummende Stimme.
"Ihr! Ihr habt ihn umgebracht, ihr Barbaren!"
Die Worte schienen wie surrende Pfeile in einer Schlacht, Stille folgte nach dem Einschlag.

"Li, alter Freund, nicht so stürmisch. Beginnt keinen Krieg, ehe die Zeit dazu gekommen ist." Ein Schnipsen hatte kurz zuvor die Stille zerschnitten, die sanfte Stimme erklang wieder und sie sprach langsam und deutlich leiser weiter, sodass man sich anstrengen musste, zuzuhören. "Zumindest einer von ihnen ist der Mörder. Das muss nicht bedeuten, dass sie alle es sind." Die Stimme, eben noch ruhig und rein, lachte jetzt gehässig und fügte dann wieder in alter balsamartiger Sanftheit an. "Es würde uns Mühe ersparen, Li, das mag ich wohl einsehen, dennoch lasst uns doch erstmal vorstellen."
"Ich werde sie alle richten lassen, wenn mir der Mörder nicht präsentiert wird! Am Tag des Drachen[2]!" Die Stimme war es gewohnt, militärisch und straff zu sein, jetzt bebte sie vor Wut und Trauer zugleich.
"Sssch!", die sanfte Stimme sprach mit den Bären wie mit einem Kind, "Seid nicht so grob, Li."
Eine dritte Person, die anwesend war, sog hörbar die Luft ein für einen Moment, ehe die sanfte Stimme sich wieder anhob.
"Ich bin Shǎzi, Herr dieses Hauses und in meiner Begleitung sind die ehrenwerten Chuang Li, Chuang An und Zázhǒng."
Die sanfte Stimme machte eine kunstvolle Pause, welche keine der anderen drei Personen so recht ergreifen mochte, so sprach der Hofweise weiter.
"Ich bin ein Meister der Lehren und der Leeren, wenn ihr mit diesen Worten zu spielen versteht. Und da meine Begleiter brüsk, schüchtern oder weise genug sind, nicht zu viele Worte zu verlieren, denn das tun nur Narren, werde ich euch erklären, wieso ihr hier seid."

Schritte gingen im Raum umher, eine Person schien die Räumlichkeiten intensiv zu mustern und sog immer wieder die Luft scharf ein, diese Person wurde von lauten Schritten begleitet. Es schien, als würde der Hofweise seinen Schritt verbergen können. Zwei andere Personen murmelten nun, kaum zu verstehen[3]. Der Hofweise schwieg den Moment, bis die beiden Stimmen verebbt waren, als würde er selbst lauschen. Jemand sog abermals scharf die Luft ein, die sanfte Stimme Shǎzis sprach weiter, er erhöhte die Tonlage seiner Stimme und sprach im reimenden Singsang.

"Der Tod holte den alten und geliebten Kaiser,
der Mörder war leider nur halb ein Weiser,
war er zwar in der Lage, mit Taten zu lügen,
so konnte er nicht alles und jeden betrügen,

Zwar konnte dieser Schuft sich verdrücken,
sich zwischen viele hängende Hälse bücken,
doch entkam er dem Himmel nicht ganz und gar,
wird sich nun hoffentlich der Gefahr gewahr,
dass er nun sitzt mit jenen, die nur Kleines taten,
und alsbald nun auf ihre Freiheit warten.

So ist es aller Aufgabe gemein,
zu finden das list'ge Schwein.
Doch die Zeit will einem die längsten Beine machen,
der General euren Kopf am Tag des Drachen,
darum flehe ich euch bitterlich,
findet den Mörder nicht nur für mich,
sondern rettet auch euch, die unschuldig sind,
und führt zur Schlachtbank das kranke Rind."


Zwei leise Töne, der höchste und der tiefste Ton der Guzheng, folgten diesem Gedicht, welches der Hofweise aus dem Ärmel geschüttelt zu haben schien. Noch ein wenig wollte er es nachklingen lassen.
"Am Morgen des zehnten Tages köpfe ich jeden, wenn sie den Mörder nicht unter sich gefunden haben. Entweder sie finden ihn, oder sie sterben alle!", brüllte Chuang Li, der älteste Sohn des Kaisers und trampelte nach draußen, wohl damit Shǎzi keine Widerworte geben konnte.
Jemand sog pfeifend die Luft ein und dann war Shǎzis Stimme viel näher, als würde er vor den Türen direkt stehen, während die anderen vier Stiefel den Raum verließen.
"Ich weiß, ihr seid fähig. Ich weiß, ihr wisst wenig. Doch verzaget nicht in Anbetracht dessen. Vertraut eurem Wissen, so gering es sein mag, vertraut eurer Kunst, so unperfekt sie sein muss, und vertraut der Zeit, die Licht in das Dunkel bringen kann, wenn ihr sie weise nutzt." Die Stimme hörte auf zu sprechen und nur noch das Einrasten des Schlosses zeugte davon, dass ihr wieder allein in eurem Gefängnis ward. Alleine mit dem Mörder des Kaisers. Waren eure Untaten nichts mehr wert? Wie standen eure Untaten damit in Zusammenhang? Wer von euch war es?
Die Lust zu Schlafen war endgültig dahin, der Tag begann mit einem Skorpion, der einem in den Rücken gestochen hatte. Wie war der Kaiser gestorben, wo war der Kaiser gestorben? Viele Fragen mochte es nun geben und doch war es klar, so wie der General diese Situation forcierte, gab es nur eine Erkenntnis in diesem Moment. Ein liederliches Spiel hatte begonnen...
 1. Eine chinesische Zither
 2. Das ist der zehnte und letzte Tag der Woche
 3. Lauschenwurf
« Letzte Änderung: 27.07.2010, 22:17:28 von Menthir »
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Lu Chieng

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Das liederliche Spiel
« Antwort #1 am: 28.07.2010, 11:33:28 »
Mühsam öffnete Lu Chieng die Augen. In seinem Rücken stach der Schmerz, der ihn geweckt hatte. Langsam öffnete er die Augen und starrte verwirrt an die rote Decke und die Wände. An die Decke starrend versuchte Lu Chieng seine Gedanken zu ordnen. Wo war er und warum? Mit wachsender Kontrolle über seinen Körper kamen auch die Erinnerungen wieder.

"Richtig, das Neujahrsfest" ... ... ... "Dieser Spinner aus Na Gûn."

Langsam hob er seinen Kopf und schaute sich; überall dieser rote Marmor. Ein kleiner Raum. Irgendwo war auch noch ein Vorraum gewesen.

Mühsam richtet Lu Chieng sich auf und lehnt sich sitzend gegen eine Wand. Nach einigen Minuten oder Stunden, so genau konnte er es nicht bestimmen erklang eine Stimme. Wie von selbst schließt er, wie gewünscht, die Augen. Langsam driftet sein Geist in das beschriebene Land immer weiter vertieft sich sein Geist, sogar sein schmerzender Rücken verschwindet.

Wie ein Paukenschlag verschwindet der blaue Himmel, das Gras, die Teiche. Lu Chieng war sich nicht sicher ob er sich nicht doch noch im Prozess des Aufwachens befindet: "Tot? Der Kaiser? Umgebracht? Wir?" - Anscheinend gab es also noch mehr Leute hier unten.

Verstört ging Lu Chieng den gestrigen Tag nochmal im Kopf durch. Nein, er war sich ziemlich sicher, dass er den Kaiser nicht umgebracht hatte, er hatte ihn noch nicht einmal gesehen. Langsam schloß er erneut die Augen, in dem sicheren Glauben, sobald er sie erneut öffnete wäre er dann richtig wach und würde in seinem angemieteten Zimmer aufwachen. Das konnte doch alles nicht stimmen.

Behutsam schlug er die Augen erneut auf; aber sowohl der rote Marmor, alsauch die Stimmen waren wieder da. Langsam hob Lu Chieng seine Hände und massierte sich die Schläfen, nun schmerzte nicht nur sein Rücken, sondern auch sein Kopf war mit einem pulsierendem Schmerz durchzogen. Die gebrüllte Drohung auf seine Hinrichtung trug nicht dazubei, die Schmerzen abklingen zu lassen.

Langsam schob Lu Chieng sich mit dem Rücken an der Wand hoch, ein leichter Schwindel erfasste ihn und ließ ihn tief einatmen. Auch wenn ihm das Reimmuster nicht zusagte musste Lu Chieng sagen, dass es für eine anscheinende Improvisation nicht schlecht war und die Intonation sehr gut. - "Merkwürdig, ein Gedicht über deinen Tod und du machst dir Gedanken über das Versmaß." - er schüttelte den Kopf, auch wenn er sofort merkte, dass das nicht seine beste Idee gewesen war, sofort traf in der stechende Schmerz in seinem Kopf.

"zehn Tage und die Zeit spielt für uns?" - Auch wenn er in letzter Zeit nie stark geträumt hatte verlor er die Hoffnung nicht ganz noch aufzuwachen, das Geschehen war einfach zu merkwürdig um wahr zu sein, es konnte einfach nicht sein. Nachdem er den Schlüssel im Schloß sich hatte drehen hören, sank Lu Chieng erschöpft wieder an der Wand herunter, er legte seinen Kopf vorsichtig auf die Kniee und schloß die Augen. Langsam wartete er darauf das der Schmerz verebbte...
« Letzte Änderung: 29.07.2010, 16:31:41 von Lu Chieng »
"Furchtlosigkeit ist die Tugend der Narren. Sie entsteht nicht aus Mut, sondern aus mangelnder Vorstellungskraft. Der Weise fürchtet sich und lässt sich trotzdem nicht von seinem Weg abbringen. Er wird nur vorsichtig."

Xū Dǎnshí

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« Antwort #2 am: 28.07.2010, 13:39:58 »
Xū Dǎnshí wachte von den Stimmen auf und konzentrierte sich darauf, dem Gespräch zu lauschen. Er hatte viel meditiert und hatte scharfe Sinne, wenn er sich darauf konzentrierte.

An Schlaf war nicht zu denken und so zog er sich an, trat aus seiner Zelle und setzte sich im Lotussitz auf den Teppich in der Mitte des Raums, bereit die anderen Insaßen kennenzulernen. Seine alten Knochen schmerzten vom harten Bett, doch darüber hinaus kümmerte es Danshi nicht, dass er unter so widrigen Umständen eingekerkert zu sein. Es war seine freie Wahl gewesen, sich von der göttlichen Ordnung abzuwenden, er hatte das irdene Glück erfahren, dass er in den Menschen gestiftet hatte, und spürte einfach, dass dies der richtige Weg war, den er zur Not mit seinem Leben verteidigte. Dies war eine Sache, die größer war als er selbst.

Für einen kurzen Moment wog er ab, ob es überhaupt der Wahrheit entsprach, dass der Kaiser tot war. Doch dazu würden die Worte, die sein feines Gehör erhascht hatten und die nicht den Ohren der Gefangenen galten, nicht passen: "... wenn jemand erfährt, dass der Kaiser tot geblieben ist.", langsam wiederholte er ein paar Mal das Satzstück, dass seine Aufmerksamkeit geweckt hatte. Dies bedeutet, dass der Kaiser schon einmal tot war und man versucht hatte, den Tod wieder rückgängig zu machen. Das ergab keinen Sinn. Vielleicht war es aber auch metaphorisch gemeint gewesen, dass sich der Kaiser lange aus den Geschäften des Reichs zurückgezogen hatte und, ob seines Todes, auch nie wieder in die Regierungsgeschäfte zurückkehren wird.
Und dann war da noch etwas, das ihn störte. Der Kaiser hatte mit seinen etwa 82 Kirschblüten schon ein mythisches Alter erreicht und nachdem er sich zurückgezogen hatte, war abzusehen, dass er bald sterben würde. "Es musste einen politischen Grund gegeben haben, das Wagnis einzugehen, ihn zur Dämmerung seines Lebens zu ermorden - außer natürlich der Mord geschah im Zorn, der die Tugend schwächt", murmelt er gedankenverloren. War der Kaiser mit etwas beschäftigt gewesen, dass jemandem missfallen hatte? Schnell überlegt Dansi, ob ihm etwas einfällt[1].
Es war nur verständlich, dass seine Söhne seinen Tod geheim hielten, schließlich erlebte das Reich schwere Zeiten. Einige der Provinzen wagten gar, sich offen vom Kaiser loszusagen und auch am Hof gab es genügend Intrigen gegen den Kaiser. Zu leicht könnte jemand die Gunst der Stunde nutzen, um die Dynastie zu beenden, so lange die Thronfolge ungeklärt war. War nicht immer der älteste Sohn der Nachfolger des verstorbenen Kaisers?, fragt sich Danshi[2].
Und warum war es so wichtig, den wahren Mörder zu finden, außer um die Rachsucht  seiner Söhne zu befriedigen? Für alle anderen Dinge hätte man auch einen Sündenbock benennen können - am besten natürlich einen, der sich politisch gut nutzen ließe, z.B. ein Beamter von Qinlong.

Fragen über Fragen, die weitere Fragen nach sich zogen. Danshi seufzt. Er wußte einfach zu wenig, um sich auf alles einen Reim machen zu können. "Ich bin aber aus anderem Grund hier. Es geht hier um meine Sache - und ich werde mich nicht für dieses groteske Spiel nutzbar machen lassen!, flüstert er entschieden[3].
 1. Knowledge (local) 29
 2. Wissen (Nobility & Royality): 9 (natürliche 1)
 3. Ihr könnt ja lauschen, ob Ihr meinen Ausspruch hören könnt.
« Letzte Änderung: 13.08.2010, 22:20:30 von Xū Dǎnshí »

Mako Jinsei

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Das liederliche Spiel
« Antwort #3 am: 28.07.2010, 15:01:36 »
Seit Jahren hatte Mako Jinsei nicht mehr so schlecht geschlafen wie diese Nacht. Aber er hatte es sich selbst zuzuschreiben, dass er nun hier war. Er war einfach zu unvorsichtig gewesen. Hatte es sich wenigstens gelohnt?, fragte er sich, während er sich den Schlaf aus den Augen rieb. Es hätte sich gelohnt, wären wir zum Ende gekommen., antwortete er sich selbst und seufzte leise.
Dann erklang eine Stimme, die wirres Zeug erzählte und danach eine Guzheng.
Immerhin etwas Kultur. Auch wenn ich schon besseres Zitherspiel gehört habe: Meines., dachte er selbstgefällig und versuchte durch den beruhigenden Klang vielleicht noch einmal Schlaf finden zu können. Aber dann wurde die Melodie von einer Dissonanz zerissen. Mako verzog schmerzhaft das Gesicht. Das hätte der Foltermeister sich sparen können.
Erstaunt weitete er die Augen als er kurz darauf die Neuigkeit erfuhr. Tot? Der Kaiser? Wir ihn umgebracht? Warum? Wieso?
Vielleicht folgt Erklärung, dachte er bei sich und lauschte weiter. Aber keine wirkliche Klärung folgte. Nur weitere Verwirrung. Wieso sollten die Verdächtigen selbst den Täter ermitteln? Zumindest er selbst wusste nichts darüber, wie könnte er sich dann anmaßen einen völlig Fremden zu beschuldigen?

Er legte die Hände vor sein Gesicht und ging in sich.
Hatte er den Kaiser umgebracht? Nein, zumindest nicht bewusst.
Wie wahrscheinlich war es, dass er ihn unbewusst getötet hatte? Sehr unwahrscheinlich. Er hatte in den letzten Tagen nicht zu viel getrunken und meinte auch sonst sich an jede Minute erinnern zu können. Wie verlässlich war das? Schon jetzt konnte er allein mit seiner Singstimme Leute manipulieren, wenn auch nur leicht. Kaisermord hätten diese nicht zu Stande gebracht. Aber wenn jemand wie er seine Fähigkeiten trainierte, oder schlimmer: wenn einer dieser "Magier" die verbotene Kunst betreiben ihn manipuliert hätten. Aber warum ausgerechnet ihn?

Er setzte sich auf und stieg aus dem Bett. Ich mache mir zu viele Sorgen, ich sollte erstmal sehen, was noch für potentielle Mörder hier eingesperrt sind. Er schob den Riegel zurück und ging in den Gemeinschaftsraum. Dort saß ein älterer Mann und dachte nach. Irgendwie kam er Mako bekannt vor, er wusste nur noch nicht genau woher.

"Ich wünsche einen guten Morgen.", begrüßte Mako ihn höflich und ging ohne zu zögern in den Waschraum. Er überprüfte sein Spiegelbild im (noch) klaren Wasser des Zubers und spritzte sich dann zwei handvoll Wasser ins Gesicht. Mit den Fingern ordnete er notdürftig seine Haare und ging wieder raus.
Er setzte sich neben dem Alten auf den Teppich und sah ihn an.
"Seid Ihr der Mörder, alter Mann?", fragte er freundlich und ohne anklagend zu klingen.
"An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." -Konfuzius

Xū Dǎnshí

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Das liederliche Spiel
« Antwort #4 am: 28.07.2010, 15:59:07 »
Danshi war amüsiert über die Frage des kecken Jünglings. "Ich bin aus einem anderen Grund hier,", und gibt mit einem schiefen Lächeln zurück, "doch würdet Ihr es mir glauben?". Er ließ die Frage im Raum stehen, bis die Stille schon unangenehm wurde. Dann entgegnete er "Vielleicht seid ihr es aber auch gewesen? Lasst mich Euch ansehen. Ja ihr seid ein schöner junger Mann, ihr könnt nicht älter als 24 sein. Doch schmal seid ihr, ihr wart bestimmt kein Bauer. Wart Ihr vielleicht ein Beamter? Hm..., ich glaube eher, dass ihr ein Höfling gewesen seid.". Wieder eine Pause, "Lasst mich sagen, dass ich nicht daran interessiert bin, ob Ihr der Mörder seid. Ich habe weder die Kraft noch den Willen, es herauszufinden. Vielmehr interessiert mich, welche ungewissen Zukunft dem Reich bevorsteht, jetzt da der Kaiser gestorben ist. Doch so weit sind wir noch nicht; mein Name lautet Xū Dǎnshí und ich war Militär und zuletzt Provinzhalter in Cui Bao. Wie lautet Euer Name, junger Mann?", seine Stimme zeigt, dass er amüsiert ist, aber ansonsten klingt er ruhig und gesetzt. Er sitzt fast reglos da.
« Letzte Änderung: 13.08.2010, 22:21:17 von Xū Dǎnshí »

Lu Chieng

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Das liederliche Spiel
« Antwort #5 am: 28.07.2010, 17:38:28 »
Nachdem die Kopfschmerzen einigermaßen abgeklungen waren und Lu Chieng Stimmen im Vorraum hörte konnte er seine Neugier kaum noch zähmen. Schnell erhebt er sich und macht ein paar Schritte in Richtung Tür. Im letzten Moment besonn er sich anders und schaute an sich herunter.

"Verdammt, diese Barbaren." - Seine Kleidung war von seiner Festnahme noch dreckig: "Das Niederschmeißen, hätten sie sich ruhig noch sparen können." dachte er bei sich, bevor er sich umdrehte und in seinen Sachen noch einer Kleiderbürste suchte und sich daran machte den gröbsten Dreck zu entfernen. Bei der sorgsam Überprüfung seiner Kleidung fielen ihm sogar einige kleine Risse auf. Nachdem er sorgsam seine Kleidung wenigstens gebürstet hat öffnet er seine Tür und betrachtete den Raum der vor ihm lag.

Sorgfältig betrachtete er seine beiden Mithäftlinge vor ihm auf dem Teppich sitzend. Leicht deutet er eine Verbeugung an, wie immer wenn er den Rang von Personen nicht ganz zuordnen konnte. Wenigstens der Alte schien einen höheren Rang zu bekleiden, seiner Robe nach zu urteilen und seiner Ringe zu Folge konnte er nicht ganz arm zu sein. Den anderen konnte er nicht ganz einschätzen, solange er nicht mehr erfahren würde, würde er wohl unter Schönling laufen.

"Lu Chieng." stellt er sich mit einer erneuten leichten Verbeugung vor. Er stellte sich an die nördliche Wand gelehnt, wer wohl sich wohl in den anderen Zimmern aufhielt? Naja sie würden früh genug herauskommen.

Irgendwie kam sich Lu Chieng unbehaglich vor. Die Wand war kühl, wie nicht anders zu erwarten bei einem unterirdischen Raum, aber er würde sich nicht die Blöße geben jetzt direkt von der Wand wegzutreten.
"Furchtlosigkeit ist die Tugend der Narren. Sie entsteht nicht aus Mut, sondern aus mangelnder Vorstellungskraft. Der Weise fürchtet sich und lässt sich trotzdem nicht von seinem Weg abbringen. Er wird nur vorsichtig."

Mako Jinsei

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Das liederliche Spiel
« Antwort #6 am: 28.07.2010, 18:06:55 »
"Mein Name ist Mako Jinsei, erfreut euch kennen zu lernen.", stellte er sich vor und überlegte wie viel er in dieser Situation vo sich erzählen sollte, als eine der Zellentüren aufging und ein weiterer Mann den Raum betrat. Ihn konnte Mako nicht einordnen, aber er schien auch kein armer Wicht zu sein.
Haben die Prinzipiell jeden, der Verbindung zum Kaiserhof hatte hier reingeschteckt und meinen einer von denen müsse es ja sein?
Bevor er sich mit Lu Chieng befasste wandte er sich wieder zu dem Alten.
"Ich bin Künstler. Musiker, um genau zu sein. Mein Gesang und mein Yueqinspiel erfreute die Reichen und Adligen. Ich denke nicht ernsthaft, dass ihr der Mörder seit, aber auch ich glaubte aus anderem Grund hier zu sein, man sollte keine Voreiligen Schlüsse ziehen."
Dann sah er zu Lu Chieng, der am kalten Marmor lehnte.
"Und ihr? Seid ihr der Mörder?"
"An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." -Konfuzius

Lu Chieng

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Das liederliche Spiel
« Antwort #7 am: 28.07.2010, 18:33:56 »
"Mörder?" - Lu Chieng zog seine linke Augenbraue fragend nach oben. Dies war eine Bewegung, welche er sich vor urzeiten mal bei einem kaiserlichen Beamten abgeschaut hatte und seit dem immer wieder in sein Repertoire einbaute.

"Ich habe noch nie in meinem Leben jemanden umgebracht." - Der Mörder würde wohl sowieso bis zum letzten Tag warten, wenn er sich offenbaren wollte und darauf hoffen, dass der Verdacht auf jemanden anderen fällt, der sich vielleicht für das Leben der Anderen opfert.

"ich habe dem Kaiser stets gedient und versucht seine Wünsche so gut es geht zu erfüllen. Doch ich hatte nie das Glück den Kaiser zu erblicken. Nun scheint es so als wäre es auch nicht mehr möglich. Nun denn spare ich es mir euch die gleiche Frage zu stellen, die ihr mir stelltet, denn selbst wenn ihr der Mörder wäret würdet ihr es wohl kaum zugeben oder?"
"Furchtlosigkeit ist die Tugend der Narren. Sie entsteht nicht aus Mut, sondern aus mangelnder Vorstellungskraft. Der Weise fürchtet sich und lässt sich trotzdem nicht von seinem Weg abbringen. Er wird nur vorsichtig."

Hong Gil-dong

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Das liederliche Spiel
« Antwort #8 am: 28.07.2010, 19:07:57 »
In ein Loch geworfen zu werden, hatte Hong Gil-dong schon erwartet. Doch noch mit anderem Gesindel? Und dann noch beschuldigt werden, man sei schuld am Tod des Kaisers? Moment. Der Kaiser ist tot, das Reich stürzt ins Chaos und Hong Gil-dong sass eingekerkert um auf den Tag des Drachens zu warten, damit er hingerichtet wird. "Da hättest du besser darauf achten sollen, dass man dich nicht zurückbringt du Idiot " schalt er sich leise murrend selbst. Von der Strohmatte aufstehend umspielte sein Mund ein lächeln. "Es scheint, als ob der ehemalige Provinzhalter oder der dumm rum fragende 'Künstler' sich auch daran gewöhnen müssen, wie ein Hund zu schlafen."

Kurz lockerte er die Muskeln und lässt sein Nacken knacken um die Unannehmlichkeit des Harten Bodens abzuschütteln. Kurz streifte er sich ein paar Strohhalme von der Weste bis er auf etwas weiches, klebriges stiess. "Ah, eine Nudel von gestern Abend." schloss er und warf den kleinen Überrest der letzten Mahlzeit auf den Boden. Der Wand entlang tastend begibt er sich zur Türe und öffnet diese.

Betont gemächlich trat er aus seiner Zellentür hinaus, verschränkte die Arme vor seiner Brust und liess mit leicht wechselnder Muskelanspannung den tätowierten Drachen um seinen Bizeps herum tanzen, als ob er leben würde. Hong Gil-dong warf einen finsteren Blick zu demjenigen der drei anwesenden, hinter dem er den lästigen Fragesteller vermutete. Eigentlich wäre es ein bedrohlicher Anblick gewesen, hätte in seinem Haar nicht noch Stroh von seiner Schlafstätte gesteckt, wäre seine Hose nicht mit dem Staub der Strasse bedeckt und seine Rote Weste nicht gespickt von Flecken des Sake gewesen, der seinem Mund entwischte, um an seinem Oberkörper zu versickern. "Kommt erst gar nicht auf die Idee, ich könnte ein Mörder sein. Denn in unserer gegenwärtigen Lage müsste ich Euch dann umbringen", spottete er und begab sich zur Tür hinter der er den vermuteten Waschraum entdeckte.
Bitterer Tee, mit Wohlwollen dargeboten, schmeckt süßer als Tee, den man mit saurer Miene reicht.

Sūn Ai

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Das liederliche Spiel
« Antwort #9 am: 28.07.2010, 19:44:55 »
Mit einer gewissen Qual mühte sich Sūn Ai auf, nachdem die Männer vor ihrer Tür verschwunden sind. Ganz, ganz leise musste sie lachen. Es war kein Lachen, dass man wirklich gut einordnen konnte. Es wirkte nicht so, als würde sie die Männer vor der Tür auslachen oder gar sich darüber freuen, dass der Kaiser tot ist. Dadurch das es für viele Leute an so einer merkwürdigen Stelle kam, machte es nur noch seltsamer. In Wahrheit lachte Sūn Ai nur, weil sie zunächst nicht wusste, was sie sonst tun sollte. Die gesamte Situation kam ihr so absurd vor. Das Lachen, welches schon so leise Anfing, in der Hoffnung, dass die Wände es vor den anderen Insassen bewahren, wurde noch leiser.

Das junge Mädchen beruhigte sich und atmete tief durch. Irgendwie würde sie es schon schaffen. Irgendwie würde sie schon lebend diese Zellen verlassen. Irgendwie hatte sie bisher immerüberlebt. Es floss ihr eine Träne aus dem Auge. Hastig wischte sie sie weg, obwohl niemand da war, der sie hätte bemerken können. Wieder atmete sie tief durch und sah sich dabei in dem Raum um. Der gestrige Abend, Neujahrsfest. 'Normalerweise soll doch ein neues Jahr neues Glück bringen, aber wenn das Jahr schon so begann, was wird mich da noch erwarten. Sie setzte sich wieder auf das Bett und taste es ab.  'Eigentlich bin ich es doch gewohnt ohne viel Luxus zu schlafen. Wieso tun mir also ausgerechnet heute auf einmal alles so weh.' Ihre Hand geht zu ihrem Rücken und sie streckt sich, während sie versucht sich zu erinnern. Was hatte sie gestern Abend mitbekommen? Wo war sie noch einmal? Viel aber kam ihr nicht in den Sinn, zu aufgebracht ist sie gewesen um sich zu konzentrieren. Hätte sie sich Konzentrieren können, wäre sie ja vielleicht gar nicht einmal hier. Sie stand wieder auf und betrachtete sich selbst. Ihre Kleidung weißt überall Risse auf. An ein paar Stellen, an Armen und Beinen, waren sogar größere Flecken ihrer haut zu sehen. Auch war die Kleidung recht stark beschmutzt. Sie wollte gar nicht erst in den Spiegel schauen. Es hatte ihr gestern Abend geholfen, geholfen zu überleben, aber jetzt, jetzt hatte sie erfahren, dass sie vielleicht doch nicht weiter leben würde. 'Wieso machen die das eigentlich? Wollen sie Staatskosten sparen? Brauchen sie ein bisschen Unterhaltung?' Sūn Ai war fest davon überzeugt, dass es bessere Wege gibt einen Mörder zu überführen, als ihn mit anderen zusammen zu sperren. "Nie im Leben würde sich der Mörder freiwillig stellen und zusammen gesperrt mit anderen Verdächtigen, braucht er ja nicht einmal zu suchen um einen Sündenbock zu finden. Ja, der Mörder bräuchte ja nicht einmal ein besonders schlechtes Gewissen zu haben, da der anderen Gefangene ja auch irgendetwas verbrochen haben muss, damit er hier festsitzt." Sūn Ai Gedanken gingen auf die anderen Gefangen über. Die waren wohl im Moment das wichtigste. Hastig eilt sie zur Tür und lehnt ihr Ohr heran, um zu lauschen, was draußen vor sich ging.

Sie verweilte so einen Moment, dann hatte sie vorerst genug gehört. 'Die scheinen ja zu einer der höheren Schichten zu gehören.' So wie Sūn Ai momentan aussah, würde man sie wohl für eine Straßenbettlerin halten. Hastig geht sie zu ihrem Rucksack. 'So kann ich nicht bleiben, so nett die da draußen auch vielleicht sein mögen.' Innerlich ging sie noch einmal die Namen durch, die sie gerade gehört hatte. 'Wahrscheinlich würden die mich sofort abstempeln.' Aus ihrem Rucksack zog neue frische Kleidung und legt sie auf das Bett. Rasch zog sie sich um. Mit der neuen Kleidung kam auch etwas Frische und Mut in ihr auf. Danach strich sie sich noch durch die Haare. Für die Männer da draußen brauchte sie sich nicht besonders hübsch machen. Wahrscheinlich war es sogar von Vorteil möglichst natürlich zu wirken, damit sie einem nicht etwas falsches unterstellen. Als sie fertig ist kramte sie noch einmal kurz in ihrer Tasche und holte einen kleinen Handspiegel hervor, mit dessen Hilfe sie ihr Ergebnis noch einmal betrachtet. Zufrieden damit, wie sie aussah, unzwar recht natürlich - Sie hatte ihren sauberen Hanfu an und ihr Haar hing offen und glatt herunter - ging sie wieder zur Tür. Wahrscheinlich würde man ihr allein weil sie eine zierliche Frau war nicht zu muten, den Kaiser umgebracht zu haben. Auf der anderen Seite, würde sie man aber bestimmt für Gefährlich halten, wenn man heraus findet, was sie kann. Bei ihrer Herkunft war sie sich noch nicht ganz sicher. Jemand von der Straße würde man bestimmt einfacher zutrauen zu Morden, aber gerade weil sie aus niedrigeren Verhältnissen kam, hat sie nichts mit den Machtkämpfen der hohen Häuser zu tun, die viel mehr Grund haben für einen Mord am Kaiser. Noch einmal wurde ihr bewusst was geschehen ist. 'Der Kaiser wurde ermordet. - So hat man es uns zumindest mitgeteilt.'

Vor der Tür atmete sie noch einmal tief durch. 'Wie sollen wir in so kurzer Zeit, bestehend aus einer Gruppe von Fremden unter uns einen Mörder ausfindig machen. Was ist, wenn der eigentlich Mörder gar nicht unter uns ist oder was ist, wenn es vielleicht sogar mehr als einer war? Wie viele wir wohl sind?' Es war an der Zeit die ganzen Fragen und Spekulationen sein zu lassen und heraus zu treten aus ihren Versteck. Sūn Ai öffnete ihre Tür und blieb erst einmal stehen. Da sie vorher gelauscht hatte, wusste ungefähr, wo sich wer befindet. Nur der vierte Mann im Raum verwirrte sie für einen Moment, da sie von ihm noch nichts gehört hatte. Sie machte einen zögerlichen Schritt aus ihrer Kammer und verbeugte sich mit zusammen geschlossenen Händen. Dabei zeigte ihr Körper in die Richtung des alten Mannes. Sie hatte Respekt vor dem Alter und zollte diesen auch. Nach der Begrüßung ging sie weiter mit kleinen Schritten in Richtung des Teppichs. Dort angekommen, fragte sie in einem höflichen Ton an Xū Dǎnshí.
"Ist es mir gestattet, mich zu setzen. Mein Name ist Sūn Ai."

Zhào Làn

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« Antwort #10 am: 28.07.2010, 20:27:59 »
Als sie die Schritte vernahm war Zhao Lan bereits hellwach. Zum einen weil es eine Angewohnheit war bereits vor dem Sonnenaufgang aufzustehen und zum anderen weil das harte Bett keinen langen und erholsamen Schlaf zuließ. Aufmerksam hörte sie den Stimmen und dem Spiel der Guzheng zu, welche aus dem Vorraum heraus zu hören waren. Je mehr sie hörte, desto mehr fragen kamen ihr in den Sinn. "Der Kaiser wurde ermordet? Von einem der hier inhaftierten? Oh mächtiger, ist dies eine weitere Prüfung auf meinem Weg? Wurde ich hier hin geführt um bei der Aufklärung dieses Verbrechens zu helfen? Aber wie soll ich das anstellen? Wie soll ich herausfinden wer die Schuld trägt? Und was ist wenn der wahre Schuldige nicht einmal unter uns Gefangenen weilt?"

Nachdem die Personen den Vorraum verlassen hatten hing Lan noch einigen Minuten lang ihren Gedanken nach, bis sie sich schließlich aus dem Bett erhob.
Aber leider tat sie dies zu schnell, ihr wurde schwarz vor Augen und ihr Orientierungssinn schien komplett verrückt zu spielen. Sie hatte jegliches Gefühl in ihren Körper verloren, und ihr Verstand schien unglaublich langsam zu arbeiten. Die junge Frau versuchte sich wieder auf das Bett zu setzen, aber durch den Kontrollverlust wurde aus dem "setzen" eher ein fallen. Die Landung war unsanft und hätte Lan etwas gespürt bestimmt auch schmerzhaft. Aber immerhin war sie jetzt dort wo sie hinwollte und konnte im liegen darauf warten das sich ihr Zustand bessern würde.
Es dauerte etwas bis Lans Kreislauf sich erholt hatte und die Schwärze verschwunden war. Kurz hielt sie ihren Handrücken an ihre Stirn um ihre eigene Temperatur zu überprüfen. Sie war erleichtert als sie daran nichts ungewöhnliches feststellte und erhob sich erneut aus dem Bett, diesmal allerdings etwas bedächtiger. Kurz streckte sich die Priesterin um die durch den harten Untergrund hervorgerufen Verspannungen zu lösen und machte sich anschließen daran sich anzukleiden.

Eine Weile lang sah sie sich die Kleidung an die sie zur Verfügung hatte und musste feststellen dass kein einziges Stück davon zu ihrer derzeitigen Situation passen wollte. Kurz musste sie Lachen, als sie die Pompösen Kleidungsstücke genauer betrachtete und ihr der Grund  warum sie hier war wieder einfiel. "Tja Song Meng, so war das wohl nicht geplant, oder? ..." kam es ihr schließlich noch über die Lippen, als sie sich wieder etwas gefangen hatte.

Am Ende entschied Lan sich dafür die Gewänder des Schreines anzulegen, da ihr die anderen Sachen zu unpassend erschienen. Langsam öffnete sie ihre Tür und trat hinaus in den Vorraum, wo sich schon einige ihre Mitgefangen aufhielten.  Kurz wanderte ihr abschätzender Blick von dem älteren Herren, zu der jungen Frau , anschließend zum "Schönling" und schließlich zum an der Wand lehnenden Mann.
"Einen schönen guten Morgen wünsche ich." Mit ausdrucksloser Miene begrüßte sie ihre neuen Mitbewohner und ließ ihren Worten eine tiefe Verbeugung folgen.
Das Gesicht eines Menschen erkennst du bei Licht, seinen Charakter im Dunkeln.

Oda Zektau

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« Antwort #11 am: 28.07.2010, 23:37:03 »
Schmerz, tiefer Schmerz und dieses Gefühl die Kontrolle verloren zu haben. Oda erwacht. Hastig sieht er sich um und hält seine offenen Hände vors Gesicht um tief durch die Nase einzuatmen. Lampenöl... Er nimmt die Hände langsam vom Gesicht und atmet aus, seine Lunge von dem schrecklichen Geruch reinigend. Beruhigen, atmen. Nichts anderes zählt.. 10, 9, 8.. Sein Zählen wird von Geräuschen verdeckt. Von Gesang und Musik, erzählend das schrecklichste Schauspiel das er jemals gehört hatte. Geistesabwesend hat sich Oda seine Decke genommen und Stroh, sowie das Lacken genommen und begonnen, mit starrem Blick eine Puppe zu fertigen. Sie wirkte Bedrohlich, wie eine Puppe die man auf Feldern aufstellt um Vögel zu verjagen. Als die Stimmen abklingen atmet der Gnom noch einmal durch und hält die Puppe locker in der Hand. Was geschehen ist, ist vergessen.

"Also du kannst den Kaiser schon einmal nicht umgebracht haben. Außer er hat sich vor deiner Puppe zu Tode erschreckt.", Oda sieht auf und entdeckt einen weiteren Gnom der gegen die Tür lehnt. In schwarze Kleidung gehüllt, mit einem lässigen Blick und einem hintergründigen Grinsen auf den Lippen. Er zuckt zusammen und drückt die Puppe an sich. Dann atmet er durch und überlegt sich seine Antwort genau. "Ich sehe auch keinen Grund zur Annahme das ich den Kaiser getötet haben sollte. Immerhin war ich den ganzen Abend in meiner Werkstatt beschäftigt.", das Grinsen verschwindet nicht von der Person.

Gespräche dringen von außen an sein Ohr. Offenbar hatte seine kleine Arbeit länger gedauert als er dachte, obwohl sie jämmerlich wirkt, als er sie erneut betrachtet. Wie mag er wohl aussehen? Er hat sich keine wirklichen Gedanken darüber gemacht bisher. Vermutlich sind seine Haare zerzaust und seine Kleidung sieht jämmerlich aus. "Ein Gefängnis haben die uns hier gemacht. Roter Marmor an der Decke, aber nicht mal blank poliert als Spiegel" Er hört er Wasser plätschern. Eine Möglichkeit sich sauber zu machen, kommt ihm jetzt gerade Recht.

Er klettert von dem Übergroßen Bett und läuft zur Tür um sich nach oben zu lehnen und den Riegel zu entfernen. Kurz streicht er seine Robe glatt und läuft dann mit starrem Blick in Richtung der Zuber, erst einmal alle ignorierend. Er stellt sich auf die Zehen, so würdevoll es ihm in seiner Robe möglich ist und greift eine Hand voll Wasser, mit denen er sein Gesicht und seine Haare wäscht. Dann sieht er in die Runde. Gerade wurde eine Vorstellungsrunde gestartet. Sein Blick streift ruhig umher. "Kontrolle, ein Spiel um unser aller Leben. Lasset die Spiele beginnen!" Die dunkle Gestalt klettert in den Badezuber, für alle unsichtbar, nur Oda sieht fast ärgerlich angewiedert zum Zuber als die Gestalt sich darin badet und Wasser in seine Richtung spritzt. Noch in voller Montur versteht sich. Das niemand ihn warnimmt, irritiert Oda nicht. Er weiß schließlich nicht das die Gestalt nicht exsistiert.

Er hält eine respektvolle Zeit die Verbeugung an. "Mein Name ist Oda Zektau, meines Zeichens Spielzeugmacher. Ihr habt sicherlich schon von mir gehört.", langsam erhebt er den Blick wieder. "Ob es mir eine Ehre ist, muss ich mir noch länger überlegen.", ein abscheu zeigender Blick wandert zum Zuber. "Doch dieses...", er macht eine untermalende Geste. "Spiel in das wir hinein geraten sind... hat einige interessante Spielregeln." Er legt langsam beide Hände zusammen, dazwischen befindet sich immer noch die kleine Puppe, doch fast verborgen von seinen Händen.

Mako Jinsei

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« Antwort #12 am: 29.07.2010, 02:38:50 »
"Wer weiß, was im Kopf eines Kaisermörders vorgeht?", antwortet Mako Lu Chieng.
Er wandte seinen Blick zum Neuankömmling, der ihn finster musterte und aussah, als hätte er ähnlich schlecht geschlafen wie Mako. Mit halb offenen Mund und zusammen gezogenen Augenbrauen beobachtete er das Muskelspiel.
Auf seinen Kommentar erwiderte der Barde besser nichts. Wer weiß zu was so ein Kraftpaket in dieser Lage tatsächlich fähig ist?

Erneut öffnete sich eine Tür und eine recht hübsche junge Dame erschien.
"Guten Morgen, Sūn Ai.", begrüßte er sie lächelnd. "Zumindest ich habe nicht dagegen, dass Ihr euch zu uns gesellt, und auch der Provinzhalter wird freundlich und höflich benug sein um euch einen Sitzplatz zu gewähren, denke ich.", beantwortete er ihre Frage, bevor Xū Dǎnshí es tat.
Wieder erschien eine schöne Frau, die anscheinend elfisches Blut in sich trug. Mako wollte sich gerade überlegen mit welchen Worten er ihre Schönheit mit honigsüßer Stimme am besten huldigen konnte, als ihm einfiel in welcher Situation sie sich alle befanden, und so erwiderte er einfach:
"Einen noch viel schöneren Morgen wünsche ich Euch."

Leicht amüsiert beobachtete Mako, wie der kleine Gnom zum Waschraum lief und wiederkam.
"Seid gegrüßt Oda Zektau. Es freut mich Euch kennen zu lernen, aber das Spiel von dem Ihr sprecht ist bereits beendet", begrüßt er ihn mit wissendem Lächeln. "Es ist doch eindeutig, dass Ihr der Kaisermörder seid."
"An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter." -Konfuzius

Lu Chieng

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« Antwort #13 am: 29.07.2010, 09:45:31 »
"Oder ich werde euch umbringen müssen." murmelt Lu Chieng vor sich hin während sich der tätowierte Mann im Waschraum aufhält.

"Wahrscheinlich schlägt er in seiner Freizeit Kinder zusammen, die ihn fragen ob er bitte den Ball zurückwerfen könnte. So ein Barbar." dachte er bei sich.

Als die beiden Damen eintraten verbeugte sich Lu Chieng erneut leicht: "Lu Chieng mein Name. Es ist mir eine Ehre."

"Hm also ein Künstler dem es augenscheinlich an Finesse fehlen würde den Kaiser umzubringen. Ein Schlägertyp der sich wohl keine 5 Meter im Palast bewegen könnte ohne jedwede Wache auf ihn aufmerksam gemacht haben würde. Ein Provinzverwalter, bei dem sollte ich mich lieber in acht nehmen. Immerhin scheint er weise genug, nicht wie dieser Musikernarr, sofort drauf los zu reden als würde sein Leben davon abhängen und wenn er wirklich ein Provinzverwalter ist könnte er sogar die Gelegenheit gehabt haben an den Kaiser heranzutreten." Lu Chieng war interessiert was die beiden Frauen wohl für Charaktere sein würden, in dieser Drama.

Gelangweilt schüttelte Lu Chieng den Kopf als dieser unglaublich subtile Mensch den Gnom beschuldigte. Immerhin wenn er so weiter machen würde, gäbe es sehr schnell einen Verdächten weniger. Bei diesem Gedanken umspielte ein Lächeln sein Gesicht.
« Letzte Änderung: 29.07.2010, 11:10:00 von Lu Chieng »
"Furchtlosigkeit ist die Tugend der Narren. Sie entsteht nicht aus Mut, sondern aus mangelnder Vorstellungskraft. Der Weise fürchtet sich und lässt sich trotzdem nicht von seinem Weg abbringen. Er wird nur vorsichtig."

Xū Dǎnshí

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« Antwort #14 am: 29.07.2010, 17:26:39 »
Danshi begrüßte alle Personen, die den Raum betreten hatten. Zu Oda sagte er, "Ich habe Euren Namen schon einmal gehört, Odakun[1]. Ich glaube, jemand am Hof bemerkte ihn und auch Euer erstaunliches Spielzeug. Stellt Ihr es immer noch her?". Tatsächlich war ihm Oda unbekannt, doch wollte er das Eis brechen, das den Gnom umgab.

Dann schwieg und beabachtete er wieder. Das Spiel der Wärter ging auf. Obgleich sich noch immer Spott unter die Stimmen der Männer mischte, waren die Männer schon eifrig bemüht, sich gegenseitig abzutasten. Die Frauen konnte er noch nicht abschätzen. Sie wirken noch sehr jung und ich traue ihnen kein Verbrechen zu. Durchaus könnten sie Konkubinen und Teil des Spiels sein. Obwohl ich nicht gedenke mitzuspielen muss ich sehr vorsichtig sein, um mich nicht verdächtig zu machen. Einige Momente lang betrachtet er eingehend die Männer, dann fragt er sich doch, wem er einen Mord zutrauen würde. Vielleicht Hong, Lu oder sogar Oda, obgleich letzterer es durch List getan haben könnte. Wenn ich nur wüßte, wie der Kaiser gestorben ist.
Und dann mischte sich wieder Zweifel am Tod des Kaisers in seine Gedanken. Hatte nicht sogar schon der alte Sun Tsu vom Prinzip des 'Teilens und Herrschens' gesprochen? Wenn jeder der Gefangenen hier eine schweres Vergehen begangen hatte, so war es doch sicherlich einfacher, sich die Gefangenen gegenseitig zermürben zu lassen, als die Geheimnisse selbst aus ihnen herauszupressen. Sicherlich würden sie ein fremdes Geheimnis einfacher preisgeben, ebenso wie eines, dass verglichen mit dem Mord am Kaiser, bedeutend kleiner erschien. Ein verruchtes Spiel ist dies und ich kenne die Spielregeln kaum. Ich muss mehr über die Ereignisse in jüngster Zeit erfahren und insbesondere über die Umstände des Kaisers Tod. Danshi geht einige Möglichkeiten durch, aber wie er es dreht und wendet, er wird die Hilfe der Gefängniswache brauchen. Ich muss ihn für mich gewinnen, aber behutsam, so dass er nicht misstrauisch wird. Ob ich seinen Worten trauen kann? Bestimmt wurde er unterwiesen, uns in einer bestimmten Weise zu behandeln. Aber, ich brauche ihn ohnehin, wenn ich Briefe an die Kaisersöhne senden will.

Während all dieser Gedanken sitzt Danshi nur ruhig da und lauscht den Worten der Männer und Frauen. Vorerst wird er sich nicht in die Gespräche einmischen. Er weiß um seine beruhigende Wirkung und hofft, sie ausbreiten zu können. Später, so nimmt er sich vor, wird er mit den Häftlingen sprechen und mehr über sie in Erfahrung bringen, denn es ist sicherlich gut zu wissen, mit wem er es zu tun hat.
 1. -kun: höfliche Bezeichnung für einen Fremden. Etwa "Mein Herr".
« Letzte Änderung: 13.08.2010, 22:26:03 von Xū Dǎnshí »

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