Umfrage

Welches Szenario sollen wir wählen?

Deutsch-Dänischer Krieg (1864)
4 (33.3%)
Danelaw (954 AD)
2 (16.7%)
Amerikanischer Bürgerkrieg (1863)
0 (0%)
Schlacht vom Hemmingstedt (1500)
1 (8.3%)
Reformation (1525)
2 (16.7%)
Forgotten Kings (Eigenes Setting)
3 (25%)

Stimmen insgesamt: 8

Umfrage geschlossen: 24.01.2011, 14:14:15

Autor Thema: Die Qual der Wahl  (Gelesen 9949 mal)

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Menthir

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Die Qual der Wahl
« am: 21.01.2011, 21:36:01 »
Seid mir gegrüßt.

An alle Interessenten: Ich stelle euch nun sechs Möglichkeiten zur Verfügung, aus denen ihr wählen könnt. Jeder Teilnehmer hat zwei Stimmen, die er vergeben darf. (Man darf jeder Option jedoch nur eine Stimme geben!) Ich selbst gebe keine Stimmen ab. Sollte es am Ende ein Gleichstand zwischen zwei Runden geben, werden wir eine Stichwahl initiieren, bei der jeder Interessent dann natürlich nur eine Stimme hat.
Ich würde euch darum bitten, hier bitte noch reinzuschreiben, wie ihr eure Stimmen verteilt habt, falls Scherzkekse sich zusätzliche Stimmen ergaunern oder nicht-Beteiligte ihre Stimmen abgeben. Es ist zwar dann keine Wahl nach moderne,, demokratische, Leitbild, aber ich bin auch nicht der gewählte Kanzler, sondern der Spielleiter. ;)

Ich werde zu jedem Szenario bis morgen Mittag eine kurze Beschreibung einstellen, wie ich mir solch eine Kleinkampagne vorstellen könnte. Deswegen stelle ich gleich sechs Platzhalter ein, die ich dann Stück für Stück fülle. Die Umfrage wird für 48 Stunden offen stehen.
Ihr müsste nicht auf die Szenarienbeschreibung warten, wenn ihr glaubt, dass eure Stimmen schon feststehen.
Wartet bitte nur, bis ich die Platzhalter gesetzt habe.

Beste Grüße und möget ihr weise entscheiden!  :thumbup:
« Letzte Änderung: 21.01.2011, 21:39:36 von Menthir »
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Menthir

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Die Qual der Wahl
« Antwort #1 am: 21.01.2011, 21:36:30 »
Szenario 1 - Deutsch-Dänischer Krieg (1864)

Die Holsteiner und die deutschgesinnten Schleswiger, sie haben nicht vergessen, was in der Ripener Handfeste von 1460 verankert wurde und die Wehen des Nationalismusbestrebens haben diesen Worten neuen Nachdruck verliehen: „dat se bliven ewich tosamende ungedelt“. Obwohl der eigentliche Kontext dieser Worte den meisten nicht mehr greifbar ist, ist es ein geflügelter Satz, der sogar bis in das tiefste Dithmarschen vorgedrungen ist und eben auch dort ein Gefühl der Notwendigkeit der Einigung hervorgerufen hat. Vater der Wiedereinführung dieses Satzes soll ein inzwischen schon gestorbener Kieler Professor und Historiker gewesen sein. Sein Name: Friedrich Christoph Dahlmann.

Es ist der 5. Dezember 1863, der dritte Todestag Dahlmanns und die schlagende Burschenschaft Teutonia Kiel trifft sich unweit ihrer alma mater[1] zum gemeinschaftlichen Disput und zur Feierei. Es ist anders als die letzten Jahre, der Geschmack eines aufziehenden und erwarteten Krieges liegt in der Luft. Die Burschen streiten vortrefflich darüber, welches Szenario am wahrscheinlichsten wäre. Pessimisten verkünden mit enttäuschter Inbrunst, dass Preußen wie schon während der Märzrevolution 1848 Schleswig und Holstein schlichtweg vergessen wird, Schleswig wird jetzt ein geklautes Stück Land sein. Gestohlen vom feindlichen Dänemark. Aber selbst die Liberalen sprechen vom verbürgten Recht, welches der Vertrag von Ripen Schleswig und Holstein einräumte. Und die Optimisten träumen noch immer von einem Anschluss an Preußen und die wirklich Optimistischen träumen von der kurzzeitigen Errungenschaft Dahlmanns, Olshausens und Waitzs und somit gar wieder von einer eigenen Verfassung. Schleswig soll jedoch in seinem ganzen Ausmaß zum deutschen Bund gehören, so ist man sich einig, bis hinauf zur Königsau! Es gibt jedoch tausend Streitpunkte. Die Dänen waren doch einst auch Freunde, sollte man nicht dieser Tradition gedenken? Der aufkommende nationale Spalt zwischen Dänen und Deutschen scheint es mehr und mehr unmöglich zu machen. Lehrreiche Vorträge über die Hinterhältigkeit Dänemarks und des Streits zwischen Dänemark und dem starken Geschlecht der Schauenburger in der Vergangenheit werden gehalten. Und Geschichten, wie Dänemark Gottorf u.a. während des nordischen Krieges in den Rücken fiel. Von undankbaren Verrätern ist die Rede.

Der Abend ist von vielen Debatten geprägt und von städtischem Bier. Selbst die Burschenschaft steht vor einer Zerreißprobe. Auslöser dieser heftigen Debatten ist vor allem die sogenannte Novemberverfassung. Ein Verstoß gegen das Londoner Protokoll. Würde die Bundesexekution gar verhängt werden über das Gebiet? Der Deutsche Bund wird sich solch ein Gebaren Dänemarks nicht gefallen lassen, dessen ist man sich auf dem Feiertag sicher. Jedoch zweifelt man auch an dem noch recht frischen Ministerpräsidenten namens Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen
[2]. Die Konservativen sind erbost. Bismarck tritt als Verteidiger des Völkerrechts und Bewahrer des Londoner Protokolls auf. Wie soll man mit so einem die Einigkeit erreichen, pöbeln Studenten und Ehemalige. Dennoch: ein Krieg scheint unvermeidbar. Die Burschenschaft streitet nun auch darüber, ob man sich bewaffnen sollte oder sich direkt der Armee anschließen sollte. Der Streit wird handfester. Ist jeder Teute[3] auf der Seite der Deutschen? Ist jeder wirklich bis ins Blut vom Deutschen Bund überzeugt? Es wird gemunkelt, dass manche damit kokettiert haben sollen, dass sie sich dem dänischen General Christian Julius de Meza anschließen wollen. Es kommt zu ersten Schlägereien unter den Burschen. Es riecht nach Krieg im hohen Norden.

Grundsätzlich könnte dieses Szenario so aussehen, wie oben leicht durchscheinen mag. Die Charaktere sind Studenten oder ehemalige Studenten oder gar Dozenten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie gehören der 1817 gegründeten Burschenschaft Teutonia Kiel an. Vielleicht tragen die Charaktere tatsächlich noch die Einigung im Herzen, vielleicht ist man auch ein verkappter Revanchist und hat die Niederlagen gegen Napoleon noch nicht verwunden? Seit der Studentenzeit hat sich einiges verändert, denn vielleicht war sogar jemand auf dem Hambacher Fest gewesen.
Wie sieht die Realität aus? Kann ein Krieg ausbrechen? Ist eine Vereinigung mit dem Deutschen Bund tatsächlich möglich? In Anbetracht der Situation scheint es so, als müsste man langsam für seine Überzeugungen wirklich einstehen. Das scheint in der Burschenschaft fraglich, nachdem zuletzt ein Mitglied sogar mit dem Manifest der Kommunistischen Partei erwischt wurde. Andererseits tobt in Italien die Resorgimento-Bewegung und sie scheint erfolgreich zu enden. Wofür würden sich die Burschen entscheiden? Deutschland? Eine andere Idee von Deutschland? Utopische Freiheit Schleswig-Holsteins oder doch sogar Dänemark?

Das Szenario würde erfordern, dass die Charaktere sich zumindest grob für eine Richtung entscheiden. Für dieses recht zeitnahe Szenario würde ich gerne mindestens einen Menschen sehen. Aber würde mich auch bemühen wollen, trotzdem phantastische Elementen, wie auch fremde Rassen einzubauen.
Ich würde gerne eine Auseinandersetzung mit dem Nationalismusgedanken und mit Gedanken von Freiheit und Gleichheit sehen, aber das dürfte bei solch einem Thema klar sein.
Es ist auch nur ein kurzer Einblick in meine Gedanken dazu. :)
 1. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
 2. 
 3. Bezeichnung für einen Burschen der Teutonia Kiel
« Letzte Änderung: 21.01.2011, 21:48:16 von Menthir »
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Menthir

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Die Qual der Wahl
« Antwort #2 am: 21.01.2011, 21:36:41 »
Szenario 2 - Danelaw - Treat oder Retreat?

Er spürte das scharfkantige Geröll zwischen seinen Fingern, in seinem Gesicht und an jeder Stelle seines Körpers. Seine Lippen waren trocken und schmeckten nach Salz. Die Schreie der Silbermöwen ließen seine Sinne zurückkehren.
Es war kalt, seine Finger taub. Er öffnete die Augen, sah das Land durchmengt von Geröll, grünen Wiesen und kleinen Hügeln vor sich aufragen. Durchsetzt war das Land mit scharfen Klippen, die bis weit in die raue See standen.
Er schmeckte den Seetang auf der Zunge, er fühlte sich schwach, er fror. Seine himmelblauen Augen waren milchig, sein roter Bart war schon von grauen Strähnen durchzogen. Er war eine stämmige und doch altehrwürdige Gestalt, einem betagten und stolzen Krieger gleich. Die Härte seines Lebens lag in seinen Zügen, denn es waren solche Furchen in seinem Gesicht, tief wie die aufgesprengten Klippen, welche das Land durchzogen.
Aber das Land war härter, älter und ehrwürdiger. Und so nahm das kalte Wasser und der scharfe Wind dem angespülten Mann die letzte Kraft. Das grüne Land konnte unbarmherzig sein...

Und auch das Volk konnte unbarmherzig sein. Die Erfolge des sogenannten großen Heeres waren schon lange verblasst. Die Skandinavier, welche auf Albion lebten, waren schon längst nicht mehr in fehdeartigen Zuständen zwischen Dänen und Norweger allein verstrickt. Nicht mehr so häufig wie noch vor drei Generationen kreuzten Wikinger vor den Küsten und drangen über die Flüsse tief in das Herz Albions ein. Am liebsten über die Themse. Fast alle wichtigen Klosterschätze waren vergraben und Alfred der Große und seine Erben haben so gut wie gesiegt. Alfred hatte es geschafft, die angreifenden Wikinger zu christianisieren und sie mit festem Land zu versehen. Aus Wikinger waren wieder Skandinavier geworden. Aus Kriegern wurden wieder Bauern, Handwerker und Händler. Aus Heiden wurden Christen. Und doch schien ihre Zeit auf Albion abgelaufen. Die Sachsen wurden immer übermächtiger.

Die Reste des ehemaligen Danelags werden vom Erik Blutaxt regiert, dem ehemaligen König Norwegens, der nach nur zwei Jahren von seinem Bruder Håkon I abgesetzt wurde. Nur noch Jorvik[1] bleibt und Erik hat sich seit einiger Zeit in seine größte und wirkungsmächtige Stadt zurückgezogen. Auf der anderen Seite der irischen See lag die zweite wirkungsmächtige Stadt der Wikinger: Dublin. Aber sie war nicht unter Eriks Kontrolle, sie gehörte seinem Feind Magnus. Erik hatte eigentlich gar keine Kontrolle mehr. Northumbrien erhob sich langsam gegen seinen König, der erst 949 die Herrschaft wieder errungen hatte. Erik war inzwischen ein bitterer Mann, war als König überall, wo er hinkam, gescheitert. Hatte er dafür siebzehn seiner achtzehn Brüder erschlagen[2]? Nur um hier zu scheitern? Der Verlust Northumbriens würde das Ende der fast hundertjährigen, teils dänisch, teils norwegischen Herrschaft bedeuten.

Rohe Sitten herrschen in Jorvik, nur der christliche und dänenfreundliche Bischof Wulfstan hält noch zu Erik. Es rumort. Christliche Sitten, wie auch die alte Sitten der Nordmänner, werden ausgeübt und dann ebenso schnell wieder vergessen. Nur der angelsächsische König Eadred schaut mit Frohsinn auf den Untergang der fremden Macht. Er will Wulfstan absetzen und Erik vertreiben. Erik hat ein letztes Mal Boten ausgeschickt, die ihm tapfere Krieger bringen sollen. Sogar bis nach Hedeby[3] und in die Rus hat er sie geschickt.
Es ist früh im Jahr, es schneit und regnet meist. Irgendwo am Horizont bewegen sich die Truppen des englischen Königs, von Westen segelt Magnus heran und im Norden war der König Indulf der Schotten. Die Wikinger hatten ihn in den letzten Jahren wieder vermehrt überfall, gerade seit es Thronfolgestreitigkeiten in Dänemark gab. Der kleine Mann, unter dem sich die Schotten zu immer mehr Selbstbewusstsein formierten, sann auf Rache.

Erik blickte auf die Reste der ihm treuen Truppen. Er hat ihnen viel Gold und viel Ehre versprochen. Nur in wenigen Augen sieht er Hoffnung. Es ist ein kalter und grauer Jahresbeginn.


Meine Vorstellung der Kampagne umfasst nicht unbedingt eine homogene Gruppe. Aus allen genannten Fraktionen oder aus gar zusätzlichen (ein irischer Druide bspw) Teilgruppen kann hier eine Gruppe entstehen. Ein möglicher Beginn wäre ein zufälliges Treffen in Jorvik, ein gemeinsamer Beginn auf Seiten der Skandinavier wäre in der Truppe Eriks, vielleicht gehört man auch zu Magnus oder ist ein Wikinger und ist mit dem oben beschriebenen, scheinbaren, Schiffsbruch an die Küste gekommen und startet dort. Vielleicht gehört man auch in das sächsische Heer. Hier könntet ihr entscheiden, wo ihr zuerst gestanden habt oder ob ihr bereits als Bekannte starten wollt. Mir ist nur wichtig, dass ihr letztendlich bereit seid, eine Gruppe zu formen.
Ein Thema dieses Szenarios wären Glaubensvorstellungen aus der Edda und vor allem aus dem Christentum. Diese scheinbare Aussichtslosigkeit, welche der Text hoffentlich transferiert, zeigt in Richtung des Begriffes der Erlösung. Wie diese aussieht, das wird man sehen.

Ich bin im atmosphärischen Gefühl für diese Idee sehr geprägt von dem Film Valhalla Rising. Wer ihn nicht kennt, sollte ihn unbedingt schauen. Gibt kaum ein Film, der Menschen so zweispältig reagieren lässt. Weil jeder, den ich kenne, mich eingeschlossen, sah den Film mit mindestens zwei Empfindungen. Also nicht von der relativ geringen Bewertung beeindrucken lassen, bei diesem Film muss man sich unbedingt selbst ein Bild machen!
Wer den Film dennoch nicht sehen möchte, dem sei gesagt, dass es hier keine Wikinger wie Hägar der Schreckliche oder Wickie gibt. Das Ganze sehe ich dann doch ein bisschen ernster. Und denkt daran: Wikingerhelme haben keine Hörner!  :wink:
 1. York
 2. Die bekannteste Sage um Erik Blutaxt
 3. Haithabu
« Letzte Änderung: 21.01.2011, 22:42:37 von Menthir »
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Menthir

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Die Qual der Wahl
« Antwort #3 am: 21.01.2011, 21:36:50 »
Szenario 3 - The Battle Cry of Freedom

Zitat von: Verse 3 der Union-Version
We will welcome to our numbers the loyal, true and brave,
Shouting the battle cry of freedom!
And although he may be poor, not a man shall be a slave,
Shouting the battle cry of freedom!

Refrain: The Union forever! Hurrah, boys, hurrah!
Down with the traitor, up with the star;
While we rally round the flag, boys, rally once again,
Shouting the battle cry of freedom!

Zitat von: Verse 3 der Könfoderierten-Version
They have laid down their lives on the bloody battle field.
Shout, shout the battle cry of Freedom!
Their motto is resistance - to tyrants we'll not yield!
Shout, shout the battle cry of Freedom!

Refrain: Our Dixie forever, she's never at a loss!
Down with the eagle and up with the cross.
We'll rally 'round the bonny flag, we'll rally once again,
Shout, shout the battle cry of Freedom!

Die Emanzipationserklärung hatte loses Geröll die Black Hills[1] runterrollen lassen. Eine Steinlawine kam unter den stolzen Amerikanern, welche doch erst vor 87 Jahren nach hartem Ringen mit der Mutter England die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 veröffentlicht und sich im nachfolgenden Unabhängigkeitskrieg die Freiheit erkämpft hatten, ins Rollen. Die erste Sezession des noch jungen Landes führte zur Aufspaltung in Konföderierte und die Union. Brüder und Freunde wurden über Nacht zu Feinden, natürlich lange vor der Emanzipationserklärung. Der Konflikt schwelte seit über dreißig Jahren bereits.

Unionsgeneral Ulysses S. Grant führt gerade seinen zweiten Vicksburg-Feldzug. Er hat gerade sein Lager aufgeschlagen. Zwei erfolglose Angriffe gegen die Truppen von General John Clifford Pemberton hatten die Konföderierten zwar nach Vicksburg gezwungen, aber nun steht eine langwierige Belagerung der Stadt an. Die Stadt ist für einen offenen Angriff zu gut geschützt, also bleibt nur das Beschaffen von Kanonen und das Ausharren. Die Missisippiarmee der Konföderierten ist vorbereitet, aber Grant mit seinen Truppen zahlenmäßig überlegen.

Am Morgen des 23. Mai 1863 hat General Grant alle Offiziere und Unteroffiziere antanzen lassen. Seine Worte sind ernst, aber überzeugt. Jene, welche am nächsten am General stehen, riechen den Geruch billigen Whiskeys. Grant sieht erschöpft aus, er ist ohne Zweifel angetrunken, aber seine Befehle sind klar. Ein paar Unteroffiziere tuscheln belustigt, als Grant die Losung ausgibt, dass Vicksburg spätestens am Unabhängigskeitstag kapitulieren soll.
Die Lage ist nicht so glasklar, wie General Grant sie beschreibt. Die Versorgungslage ist unklar, die Geschütze in Vicksburg sind scharf und es geht das Gerücht herum, dass Pemberton eine ganze Horde verdammt guter Scharfschützen in seinen Reihen hätte. Und zu allem Überfluss ist es dies Jahr in Vicksburg nass und heiß und einfach nur schwül und heiß. Die Uniformen sind ein Graus. Und die Unteroffziere machen keinen Hehl daraus, dass in der nächsten Zeit das Leben aus Schanzen bauen, anderen Grabetätigkeiten und Ruhephasen bestehen wird, in denen man das Sterben der Kameraden hören kann. Die Laune ist ungewöhnlich schlecht in den Reihen, es liegt am Wetter und am pestigen Ungeziefer. Ein Teil der Tennessee-Armee ist bereits wegen Mangelerscheinungen erkrankt. Der Feldzug fordert Opfer.

Es liegt eine beißende Stille über der Tennessee-Armee und der Mississippi-Armee. Es ist früher Morgen. In der Nacht hat es Aufruhr gegeben, die Konföderierten wollten die Zivilbevölkerung evakuieren, doch diese ließen sich nicht ausweisen, stattdessen strömten aus dem Umland ganze Völkerschaften in die Stadt. Seitdem ist es trotz der vielen Menschen in der Umgebung gespenstig ruhig.
Plötzlich fängt einer in Pembertons Truppe an den Battle Cry of Freedom zu singen, sofort fallen andere Soldaten mit ein. Herausgefordert fangen die Unionstruppen an ihre Stimmen zu erheben und die Unionsversion zu singen. Der erste Schusswechsel würde bald folgen. Es ist 06:00 Uhr morgens in der früh, der Tag wird lang und blutig...


Es ist auf jeden Fall die martialischte Idee, weil sie direkt in einem Kampf beginnt und einen direkt in den Zustand einer Belagerung bringen soll. Dabei kann die Gruppe konföderiert oder unionstreu sein. Einzelne Spieler können auch fremden Ländern angehören. Spanische Interessen und auch französische Interessen Napoleons III. werden berührt. In Mexiko rührt sich auch etwas. Zudem kann das Schicksal der afroamerikanischen Bevölkerung hier verwurstelt sehen. Es gibt zwar nur zwei übergeordnete Fraktionen in diesem Szenario, aber tausend feiner Details, die ich als spielenswert betrachte. Indianer, bärbeißiger, russischer Söldner? Alles kein Problem.
Auch hier geht es letztendlich auch um Nationalismus, um Sezession und vielleicht auch ein bisschen um eine Kain-und-Abel-Metapher.
 1. Dort wird in den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts das Mount Rushmore National Memorial entstehen
« Letzte Änderung: 21.01.2011, 23:33:31 von Menthir »
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Menthir

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« Antwort #4 am: 21.01.2011, 21:37:10 »
Szenario 4 - Die Schlacht von Hemmingstedt

"WAHR DI GARR, DE BUR DE KUMT![1] WAHR DI GARR, DE BUR DE KUMT!", immer wieder hallte dieser Ruf durch die Diele der kleinen Kate[2] in der Ortschaft Kuden. Der kleine Sivert übte brav und tüchtig mit einem Holzstock das Schattenfechten, während sein Vater amüsiert den Räucherschinken aufhing. Die Kate duftete immer wunderbar nach Räucherschinken. Der kleine Sivert ist damit aufgewachsen und er wollte diesen Geruch nicht missen, gerade da er gerade acht geworden ist und bald mit in der Mühle helfen durfte.
Der Vater war nebenbei auch der Müller von Kuden und betrieb die beiden Bockwindmühlen[3], welche im Dorf standen. Sie waren älter als Sivert und sein Vater. Zweiterer hatte sie von seinem eigenen Vater übernommen.

Der Vater, ein kräftiger und bärtiger Mann, hart wie das Leben an der stürmischen Westküste selbst, packte gerade seine Sachen zusammen. Der Sohn fragte wie immer, wo sein Vater hin wollte, wenn er seinen alter Ledersack mit fester Kleidung und tiefen Stiefeln packte, eine Schaufel und eine Picke mitnahm. Der Vater lächelte und gab dieselbe Antwort, die er immer gab. Er müsse den Blanken Hans[4] bekämpfen. Sein Sohn quiekte wie immer aufgeregt und fuchtelte mit seinem Holzstock rum.

Obwohl sie fast fünf Generationen zurücklag, erfüllte die Grote Mandränke[5] die Menschen noch immer mit Ehrfurcht und tiefer Sorge. Das Meer hatte sich riesige Gebiete von Land den Menschen wie ein wildes Tier gerissen und nur mühsam gewannen sie es zurück. Wie immer musste der alte Sivert den Deich ausbessern gehen, bevor die Sturmsaison begann und es wieder "Land unter" heißen konnte.

Dass er die Deiche ausgebessert hat, ist bereits ein halbes Jahr her. Der Schinken und der Käse, welchen er seinen Kühen letztendlich abrang, wenn er Milch übrig hatte, sind längst gereift und essbar. Dies Jahr war der Schinken besonders gut, er hat von einem Kaufmann Lüneburger Salz geschenkt bekommen. Es veredelt den Schinken enorm, sagt man.
Drei starke Stürme haben seit Herbst getobt, der blanke Hans hat keinen einzigen Kampf gewonnen. Was der alte Sivert nicht wissen kann, ist, dass die diesjährige Sturmflut aus dem Osten kommt. Sie besteht nicht aus Wasser, sie besteht aus Fleisch und Blut. Die magna guardia, auch schwarze Garde genannt, ist auf dem Weg.
Es stürmt über Nacht, es ist die Nacht auf den 11. Februar. Bis vor drei Tagen hat es noch geschneit, langsam taut es nun. Der Sturm zeigt die Veränderung des Wetters an. Und eben jener Sturm und der peitschende Regen überdecken die Schritte und das so sehr, dass der alte Sievert die Männer der Schwarzen Garde nicht hört. Die sonst immer aktiven Trommler und Querpfeifer hatten ihr Spiel für den Überraschungsangriff eingestellt. Die alte Sievert schläft seelenruhig. Dann ist er bereits tot. Sein Hals steht offen. Seine Familie liegt erdolcht neben ihm.

Die Schwarze Garde ist ein teures Vergnügen, das weiß man am dänischen Hof. Deswegen haben sie beschlossen, Dithmarschen bei Tauwetter zu nehmen. Das Vorankommen ist schwer, aber die gelegentlichen Plünderungen halten die Truppe vom gerühmten Landsknechtführer Thomas Slentz zusammen und bei Laune. Sie sind 12.000 Mann, Dithmarschen scheint nicht einmal für einen Angriff gewappnet, und es gibt vielleicht viertausend Krieger im ganzen Land. Man hat aus Sicht der Garde verbündete Holsteiner auf seiner Seite, die schleswiger und holsteiner Ritter dulden den Übergriff, da die widerspenstige Bauerrepublik zwar keine Gefahr, aber ein Ärgernis ist. Die einzigen Verbündeten, welche Dithmarschen hat, die Hansestädte sowie der formelle Landesherr, der Erzbischof von Bremen, kümmern sich nicht wirklich um das Schicksal der sturen Bauern. Alles sieht nach einem schnellen und leichten Sieg aus.

Aber als Fremdling kann man auch nicht wissen, was es bedeutet, ein sturer Dithmarscher zu sein...


Dörflicher Widerstand? Ein quasi autonomer Fremdkörper im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation? Ein Mythos schleswig-holsteinischer Liebe. Obwohl Schleswig-Holstein den Fall Dithmarschen selbst zum Teil, bewundere ich diese Gegend. Denn selbst über 500 Jahre später kennt auch der letzte Dithmarscher den Mythos um die Schlacht von Hemmingstedt. Kaum ein Flecken in Deutschland ist sich seiner Geschichte so sehr bewusst, ohne dass allenthalben Denkmale und Museen zu diesem Thema zu finden sein müssen, wie die Dithmarscher. Das bewundere ich. Deswegen meine kleine Hommage an das sture Volk (Nordfriesen wissen, was ich meine. ;)).

Hier könntet ihr ein Söldner in der Schwarzen Garde sein. Hier böte sich auch am ehesten eine böse Runde an, wenn jemand sich diesen Luxus unbedingt gönnen möchte. Wie immer möchte ich jedoch auch hier Gruppenspiel sehen. Also? Seid ihr schwarze Gardisten oder gar ein treuer Aftervasall des Dänenkönigs (der momentan auch Norwegen und Schweden in Personalunion beherrscht), seid ihr stolze Dithmarscher Bauern und seid Teil des Widerstandes? Oder seid ihr doch die so dringend benötigte Hilfe, welche aus den Hansestädten oder gar vom Bischof von Bremen daselbst geschickt wurde?
Aber bei allem, was ihr tut, denkt daran, dass ihr für oder gegen Dithmarschen kämpft. Das bedeutet, dass ihr nicht nur gegen oder für die Menschen Dithmarschens kämpft, sondern dass ihr gegen oder mit dem Land selbst kämpft!
 1. Nimm dich in Acht (bzw. Wehre dich), Garde, der Bauer, der kommt. - Schlachtruf der Dithmarscher Bauern
 2. Typische Bauform kleiner Häuser
 3. Bockwindmühle
 4. Blanker Hans
 5. Grote Mandränke
« Letzte Änderung: 22.01.2011, 00:33:27 von Menthir »
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Menthir

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« Antwort #5 am: 21.01.2011, 21:38:43 »
Szenario 5 - Reformation

Spätestens seit der berühmten wie umstrittenen Reformatio Sigismundi[1] ist die Diskussion über die Entwicklung keine alleinige Domäne der Schriftgelehrten mehr. Sie bringt neuen Schwung, denn sie verschiebt die Diskussion auch in andere Gebiete. Nicht mehr nur die Priester, Mönche und theologischen Gelehrten beschäftigen sich mit Reformgedanken. Die Diskussion wird jetzt ein deutschsprachige und sie befeuert Denker aller Couleur. Auch einen gewissen Martin Luther wird diese Reformschrift nicht entgangen sein.

Vier Begriffe bringen seit Luther die katholische Welt auseinander, auch in der Reichsstadt Augsburg. Sola scriptura[2], sola gratia[3], sola fide[4], solus Christus[5]. Spätestens seit dem sagenumwobenen Thesenanschlag von Wittenberg hat jeder Bürger und jeder Einwohner von Augsburg von dem streitbaren Theologieprofessor gehört.
Es ist der 22. März 1525, ein früher und kalter Morgen in einer Zeit, welche die Historiker eines Tages kleine Eiszeit nennen werden. Unerwartet hat sich erneut starker Frost das Land überzogen und am Himmel türmen sich Schneewolken auf. Es ist bitterlich kalt, die Kirche St.Moritz in Augsburg ist heute morgen vor allem mit Armen und Mittellosen gefüllt, viele Bauern aus der Umgebung sind von ihren Höfen gekommen, aber auch Männer des Stadtrates haben sich eingefunden, . Aber nicht in der unbarmherzigen Kälte liegt der Grund ihres Besuches. Der Humanist Philipp Schwartzerdt, besser bekannt unter seinem Namen Phillip Melanchton, ist in der Stadt und unterstützt die Bemühungen der neuen evangelischen Gemeinde und stellt mit charmantem Witz Luthers Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen"[6] vor. Es ist nicht alleine der Toleranz des Stadtrates zu verdanken, dass Melanchton frei sprechen kann, denn der Stadtrat überwacht den Vorgang mit Argusaugen. Jakob Fugger, der Reiche genannt, hat Melanchton diese Chance eingeräumt, eben jener Jakob Fugger, welcher die berühmte Fuggerei gegründet hat, die wohl erste Sozialsiedlung Augsburgs, und eben jener Jakob Fugger, welcher die Kirche St. Moritz erworben hat. Die Mark Silber hat eben ein gewisses Gewicht, so munkelt man.

Gar nicht so weit von Augsburg entfernt, so heißt es, rotten sich Bauern zusammen, um gegen die Herrschaft zu wettern. Sie wettern nicht gegen die göttliche Ordnung, aber gegen den finanziellen Druck. Zu viel ist passiert die letzten Jahre, aus den Naturalienabgaben werden immer mehr reine Geldabgaben, welche sich die Bauern nicht leisten können. Mit Fürkauf verschulden sie sich weiter, denn gute Ernten bleiben aus. Gerade die Obrigkeit ist aufmerksam, kleine Aufstände der Bauern hat es die letzten Jahre häufiger gegeben. Der Arme Konrad, die Bundschuhbewegung, die gleich dreimal in Erscheinung getreten ist. Alles ist eingedämmt worden, doch seit die Zwölf Artikel[7] und die Ideen davon seit ein paar Wochen wieder kursieren, scheint alles anders zu sein. Und nun ist Melanchton in der Stadt, der Lehrer Deutschlands, und stellt diese Schrift der ganzen Stadt vor. Sicherlich wohl wissend, dass man es in Augsburg kann. Ein lebhafter Streit zwischen den Kirchengelehrten tobt in der Stadt, der Rat weiß sich nicht zu entscheiden und augenscheinlich gibt es mehr als nur theologische Interessen.
Manche sprechen davon, dass die Bauern einen Krieg wollen, andere bezeichnen es realistischer als großen Aufstand. Ritter sammeln sich auch in Augsburg mit ihren Männern und bereiten einen Kriegszug vor, sollte Karl V. dies zulassen. Schlechte Ernten, ungerechte Behandlung und sogar theologische Forderungen der Bauern paaren sich in einem Spannungsgebiet, in welchem gleich die Schriften und Ideen dreier Reformatoren sich vereinigen. Ulrich Zwingli in Zürich, Johannes Calvin in Genf und eben Martin Luther.

Die Zwölf Artikel sind in ihrer Schriftform noch keine zwei Tage alt, aber auch in Augsburg ein Thema. Die Kirche ist bis zum Bersten gefüllt. Rittersmann, Pfaff, Krämer, Handwerker und Bettler sind in stiller Vereinigung und lauschen Phillip Melanchton noch immer. So schön sich die Worte des Lehrer Deutschlands anhören, sie deuten auch an, dass eine schwere Zeit anbrechen wird. Die Weisen sehen bereits, dass es die Zeit der Konfessionalisierung werden wird. Eine Zeit des Glaubenszweikampfes. Reformation oder Revolution? Frieden und martialisches Schisma? Dieser Tage scheint vieles ungewiss...


Das Szenario der Reformation findet unter dem Anklang des Bauernkrieges statt. Die Wahl der Fraktion ist hier relativ frei. Es wäre sicherlich leichter, wenn sich die Gruppe für Charaktere entschiede, welche entweder für reformatorische Züge sind oder eben gegen sie. Aber das ist nicht unbedingt notwendig. Die Reichweite der Charaktere hier ist weit, es kann von einem Hansekaufmann bis zu einem Familienmitglied des Landesfürsten gehen. Diese Runde wäre die religiös verwurzelste und würde auf jeden Fall am meisten unterschiedliche Aspekte bedienen nach dem Grundkonzept. Handelsinteressen, machtpolitische Faktoren, tief theologische Fragen, Krieg, aber auch die klimatischen Probleme der Zeit spielen eine Rolle. Und überall, wo Aufstand, Krieg und Mangelernährung auftauchen, herrschen Krankheiten. Die Pest ist bei weitem nicht nur etwas, was von 1348 bis 1353 während des berühmten Schwarzen Todes vorkam. Die Pest ist seitdem regelmäßiger Besucher Europas. Er ist ein schrecklicher Gast. In Augsburg alleine wütete sie zuletzt 1520/21.
 1. Die wohl erste deutsche Reformschrift
 2. „Allein die Heilige Schrift“ sei die Quelle allen Glaubens an und Wissens von Gott und daher der kritische Maßstab allen christlichen Redens und Handelns
 3. „Allein durch Gnade“ ohne jedes eigene Zutun werde der Mensch von Gott gerechtfertigt
 4.  „Allein durch den Glauben“, das Geschenk (nicht: die menschenmögliche Leistung) der Annahme des Wortes Gottes in Christus, komme unser Heil zustande
 5. „Allein Jesus Christus“, der wahre Mensch und wahre Gott, schaffe durch seine stellvertretende Hingabe am Kreuz ein für allemal unsere Rechtfertigung und Heiligung, die uns im mündlichen Evangelium und im Sakrament des Abendmahls zugeeignet werde. Dies ist der tragende Grund der übrigen drei Prinzipien des reformatorischen Glaubens.
 6. Von der Freiheit eines Christenmenschen
 7. Zwölf Artikel
« Letzte Änderung: 22.01.2011, 09:18:02 von Menthir »
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« Antwort #6 am: 21.01.2011, 21:38:52 »
Szenario 6 - Forgotten Kings

Es gibt Wesen, derer soll man sich nicht erinnern. Entweder haben sie so Schlimmes getan, dass man in die Vergessenheit drängen möchte oder sie haben so wenig geleistet, dass sich die Erinnerung ihrer nicht lohnt. Könige sind in der besonderen Position, dass ich jeder ihrer erinnern mag, entweder aus Schadenfreunde über ihre Unfähigkeit oder in Ehrerbietung vor ihrer Leistung. Es gibt kein gemäßigtes Bild von Königen und so ist es auch in der Dynastie der Egadiren. Seit 1542 Jahren sind diese an der Macht und haben unzählige sagenhafte Könige hervorgebracht, wie Egadir I. oder Thuras III, welcher das Reich zu einer Großmacht ausbaute zuletzt. Sein Sohn, Thuras IV. jedoch ist ein solcher Versager, wie er schon mehrmals in der Geschichte des mächtigen Reiches vorgekommen ist.

Man hat versucht diese Könige der Vergangenheit totzuschweigen oder zu verändern. Gescheiterte Regenten, welche weniger als drei Jahre an der Macht gewesen sind, hat man die damnatio memoriae[1] aufgezwungen, das Geschichtsbild über Jahre schlichtweg verändert. Im Reich Zhuras weiß man, dass die Geschichte nicht nur von den Siegern geschrieben wird. Eine Blutsherrschaft wirkt über Tradition, aber nur über siegreiche Tradition lässt sich Prestige generieren. Daran mangelt es dem Reich Zhuras und vor allem dem jetzigen Herrscher Thuras IV. Aus einem großen, durch Bündnisse gestärkten Reich ist ein Schmelztiegel von vielen Gefahren entstanden, aus den Verbündeten sind Feinde geworden und vor allem ist Thuras IV. seit sechs Jahren an der Macht und hat das Großreich dermaßen an den Rand des Abgrunds getrieben, dass eine damnatio memoriae wohl nichts mehr bringen kann. Niemand wird einen so schwachen Herrscher je vergessen können.

Jedoch ist in Wahrheit nicht der König alleine schwach, die vielen Verwaltungsreformen der letzten Jahrzehnte haben die Position der Fürsten und Herzöge gestärkt, welche die militärische Macht im Reich inzwischen halten und ebenso durch ihre Egomanie und ihrer reichstechnischen Unfähigkeit glänzen. Der Glaube hat viele Kriege erlebt und aus dem Monotheismus des Gottes Vecor ist ein viel zersprengtes Glaubensgeflecht von aberhunderten von Provinzgöttern geworden. Die Kirche ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Und seit einigen Jahren ist die Magie, die über Jahrtausende verboten war, durch die sogenannte magische Aufklärung wieder dem einfachen Mann zugänglich. Überall sprießt magische Technologie und entwicklen sich Magieschulen. Das Reich hat diese Verbreitung schon lange nicht mehr unter Kontrolle, verliert das Monopol über diese ominöse magische Macht.
Das Reich steht vor dem Zerfall, aber es gibt noch eine letzte, zugebenermaßen schale, Hoffnung. Der Patriarch der Kirche des Vecor, der teilsenile Dhurek Farina, hat eine letzte, mehr oder weniger geniale Idee.

Dhurek weiß, es ist wie die Geschichte von Herostratos[2]. Wenn die Damnatio Memoriae von Menschen über Menschen ausgesprochen wird, werden diese zu Vergessenen nie wahrhaft vergessen werden. Deswegen erweckt er am Morgen des Neujahres 1543 die alten, fast in Vergessenheit geratenen Könige. Es weiß, ihre Geister haben seitdem nicht geruht. Er weiß, sie können damit ihr eigenes Andenken retten. Und er glaubt, dank eines prophetischen Traumes, den er nach der übermäßigen Einnahme von Weihrauch zu haben glaubte, daran, dass eben jene Versager der Vergangenheit die Helden der Zukunft und das glorreiche Reich Zhuras retten werden.


Bei dieser Kampagne wäre es an sich sinnvoll, wenn man es auf ein Volk beschränken würde. Aber durch Adoptivkinder und dergleichen wäre auch eine gewisse Diversifizierung möglich. Man würde definitiv als Untoter starten und ich müsste natürlich von jedem Wissen, was er als König alles falsch gemacht hat. Die Königsherrschaft muss mindestens 200 Jahre her sein und sie darf nicht länger als drei Jahre angehalten gedauert haben.
Der Fließtext zeigt, dass manche Elemente ins Lächerliche gezogen werden können. Aber das Szenario hat dennoch einen grundsätzlich ernsten Anspruch, soll jedoch auch mit Witz und Humor garniert werden, sofern es mir und euch möglich ist. Es wäre wohl das klassischte Dungeons&Dragons-Szenario, welches mit einem kleinen Dungeoncrawl beginnen würde und dann von den Spielern erfordert, dass sie ihr Andenken verteidigen, auch wenn sich kaum jemand an sie erinnert. Und wer sich an sie erinnert, wird sie zuerst eher verlachen.  :wink:
Es ist eine kleine amerikanische Aufsteigergeschichte, nur in eher ungewöhnlichen Gewand. ;)
 1. Damnatio Memoriae
 2. Herostratos
« Letzte Änderung: 22.01.2011, 10:08:51 von Menthir »
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Hellcat

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« Antwort #7 am: 21.01.2011, 21:53:22 »
So, ich hab mal für die beiden schleswig-holsteinischen Szenarien gestimmt.  (Welch Überraschung! :D )Meine Aussage im anderen Thread war auch nicht so zu verstehen daß nur ein rein historisches Spiel sein darf, mir sind halt nur so Sachen wie Vamipre etwas zu abgedreht...

Richard von Bregnitz

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« Antwort #8 am: 21.01.2011, 22:02:06 »
Ich habe dagegen für danelaw und Reformation gestimmt.  :D
Veni, vidi, cucurri.

Finster

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« Antwort #9 am: 21.01.2011, 23:08:26 »
Deutsch-Dänischer Krieg und die untoten Könige haben meine Stimmen bekommen ;)
Iucundi acti labores

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« Antwort #10 am: 22.01.2011, 10:09:29 »
Ich habe der Reformation meine Stimme gegeben. Danelaw hätte ich auch interessant gefunden, aber die Reformation ist mir noch lieber, - und bevor ich unbeabsichtig Danelaw zum Sieg verhelfe, lasse ich meine zweite Stimme verfallen.

Meine Charakteridee wäre ein Mönch, der durch das Geschehen in seinem Glauben erschüttert wurde. Die Dekadenz der katholischen Kirche! Der Krieg! Die Pest als Strafe Gottes? Der Protestantismus als Häresie oder Heilslehre? Wo ist Gott? Ich würde mich da ein wenig an der Pest von Camus anlehnen.

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Menthir

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« Antwort #11 am: 22.01.2011, 10:14:47 »
Ich habe der Reformation meine Stimme gegeben. Danelaw hätte ich auch interessant gefunden, aber die Reformation ist mir noch lieber, - und bevor ich unbeabsichtig Danelaw zum Sieg verhelfe, lasse ich meine zweite Stimme verfallen.

Meine Charakteridee wäre ein Mönch, der durch das Geschehen in seinem Glauben erschüttert wurde. Die Dekadenz der katholischen Kirche! Der Krieg! Die Pest als Strafe Gottes? Der Protestantismus als Häresie oder Heilslehre? Wo ist Gott? Ich würde mich da ein wenig an der Pest von Camus anlehnen.

Sehr hübsche Idee! Ja, ist sicherlich auch eine der Grundfragen der Zeit unter der Geistlichkeit. Luther hat ja genau mit denselben Gedanken gekämpft, als die Reformation zu etwas wurde, was er zwar maßgeblich beeinflusste, aber nicht mehr voll unter seiner Kontrolle halten konnte. :)
Ich würde mich sehr über solch einen Charakter freuen, besonders den für Camus wichtige Aspekt der Absurdität in diesem Szenario auszuschmücken, von Charakterseite aus, erscheint mir eine sehr reizvolle und hübsche Herausforderung,
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Lu Chieng

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« Antwort #12 am: 22.01.2011, 10:40:19 »
Meine Stimme ging an Danelaw (954 AD)
"Furchtlosigkeit ist die Tugend der Narren. Sie entsteht nicht aus Mut, sondern aus mangelnder Vorstellungskraft. Der Weise fürchtet sich und lässt sich trotzdem nicht von seinem Weg abbringen. Er wird nur vorsichtig."

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« Antwort #13 am: 22.01.2011, 10:47:33 »
Meine Stimme ging an Danelaw (954 AD)

Du möchtest also auch nur eine der zwei Stimmen nutzen?
Ich sehe, treffliches Taktieren scheint des Wählers Handlung zu diktieren.  :cool:
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Lu Chieng

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« Antwort #14 am: 22.01.2011, 10:51:09 »
Das taktieren lernen wir gerade in Chuang und schlechte Angewohnheiten legt man so schlecht wieder ab.  :D
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