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Autor Thema: Part I: Seelen für die Schmugglerinsel  (Gelesen 38992 mal)

Beschreibung: Der Weg der Helden - abgeschlossen.

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Kwazeel Zethuka

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1080 am: 01.08.2013, 22:43:15 »
Ungläubig sah Kwazeel zu, wie die Schlangenvolkdame von Oblivio zu Boden geschickt wurde. Wäre dies nicht so ein unheilvoller Ort und die vorangegangen Ereignisse so bedrückend gewesen, ihm wäre glatt ein Freudenschrei entfahren. Einstweilen war er nur glücklich dass es vorüber war, dass die Schuldige am Unglück der Jenivere und dem Schicksal dieser Gemeinschaft endlich ihrem gerechten Schicksal zugeführt wurde. Doch Simues Frage bedrückt Kwazeels Stimmung erneut, denn Aerys Schicksal ist weiterhin ungeklärt ... und nur wegen ihr waren sie doch eigentlich hierher gekommen? Waren all die Anstrengungen vielleicht letztendlich vergeblich?

Ein Seufzen entfuhr dem Druiden, als er Jasks Heilung spürte, welche Yarzoths finstere Magie wieder zunichte machte. Er dankte seinem Gefährten mit einem Nicken, ehe er sich an Simue wandte. "Ich weiß es nicht Simue ... vielleicht sind wir zu spät." sagte er knapp, denn genauso wie Halas erschien es ihm immer wahrscheinlicher, dass die Halbelfe an diesem grauenvollen Ort den Tod gefunden hat. Während Halas den Leichnam der Schlangenvolkfrau untersuchte, schaute sich Kwazeel noch einmal genauer in der Halle um, vielleicht gab es doch noch Hoffnung Aerys irgendwo zu entdecken. Oder zumindest ihr Schicksal zu klären und ihr ein Begräbis zu erweisen.

Ksynthral

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1081 am: 02.08.2013, 00:03:02 »
Doch aus Jask war es nicht gegeben die verschollene Aerys zu entdecken oder an diesem grauenvollen Ort noch etwas zu verrichten. Ohne große Umschweife wies er seine Gefährten darauf hin sofort zu Tolkwy zurückzukehren, da dieser alleine und verwundbar im Gang zurückgeblieben war und immer noch der Heilung und steten Pflege bedurfte. Der ehemalige Gefangene machte sich flinken Fußes auf, den anscheinend waren alle seine hier anwesenden Wegbegeleiter außer Lebensgefahr - aber Aerys war und blieb verschollen...

Einzig und allein Halas schien den richtigen Gedanken gehabt zu haben, denn nachdem der Mystiker Yarzoth machtvoll enthauptet hatte und Kwazeel gemeinsam mit Simue anfing die Halle zu durchsuchen, während Halas sich über das Hab und Gut der Schlange hermachte, wurden die anderen Beiden relativ schnell fündig:

Der schwarze Altar, welchen Halas Martain als unheiliges Objekt erkannte, von böser Magie durchflutet - er war es an dem die Gefährten fündig wurden. Hinter dem blutüberfluteten Altarstein lag ein kleiner lederner Rucksack, welcher ihnen ungewohnt bekannt vorkam. Und fürwahr deutete alles darauf hin, dass er Aerys gehört hatte - und diese, seine Besitzerin, nicht mehr hier war, vermutlich nicht einmal mehr unter den Lebenden weilte, auch wenn ein Leichnam weiterhin fehlte. Der Inhalt des Rucksacks war einfach und auf den ersten Blick von minderem Wert, doch Kwazeel und Simue erinnerten sich an ihr erstes Gemeinsames Aufwachen auf der Schmugglerinsel als Aerys sturrsinnig in ihrem Rucksack Pergamentblätter getrocknet und herausgekramt hatte - und eine leere Flasche Fussel. Die Glasflasche mit einem letzten Tropfen Hochprozentigen war auch hier vorhanden, ebenso wie ein kleiner Köcher mit ungefähr zehn meisterlich gefertigten Pfeilen[1] und einige weitere Habseligkeiten. Aber eines war auffällig, und das waren die Schriftrollen, die sie auch hier wiederfanden. Sie waren inzwischen fein säuberlich gebündelt und ergaben in ihrer vollen Pracht ein wunderbares Bild, eine lyrische Sammlung von Gedichten und Gesängen, gesammelt und verfasst von Aerys Mavato. Sie schien eine wahre Künstlerin des Wortes gewesen zu sein - und die Abendego-Gesänge, so war ihr Werk überschrieben, hatte kurz vor der Vollendung gestanden - doch schien von ihm eine Art magische Kraft auszugehen: Er würde seinen Nutzer schützen vor Zwängen und Willensbürden die andere mit Wort und Tat auf ihn auszuüben versuchten![2] Ein Jammer, dass sie hier anscheinend den endgültigen Beweis für das Schicksal der seltsam sturren, aber liebgewonnenen Aerys Mavato gefunden hatten...

Oblivio unterdessen hielt sich vorerst sehr zurück und suchte mit Kaspian gemeinsam die Kathedrale nach Fallen und weiteren Gefahren ab. Die beiden starken Kämpfer sicherten auch das Gitter im Osten ab, welches in eine Art natürlich Höhle mit Wasser gefüllt zu führen schien - es war in den Stein eingelassen und würde leichten Angriffen stand halten: Von hier konnte sie vorerst keine Gefahr oder hinterlistige Bösartigkeit dieses Tempels überraschen! Dennoch herrschte eine denkbar unangenehme Stimmung, hier unter Tage, unter dem roten Berg der Schmugglerinsel...

Halas Martain unterdessen kümmerte sich um Yarzoths sterbliche Überreste und untersuchte sie genauestens. Er wurde schnell fündig und konnte allerhand nützlich Ausrüstungsgegenstände sicherstellen.[3] Unter diesen Gütern, wie er nach einigem Ausprobieren und Überlegen feststellte auch einige magische Gegenstände, welche sicherlich von durchaus bedeutendem Wert waren. Aber ihr Nutzen überstieg vermutlich das materielle Gut an sich. Doch am interessantesten war wohl das, was sich in den zahlreichen und vor allem in der wasserdichten Schriftrollenhülse befand, die an den Ledergürteln um Yarzoths zerfetzten Leib geschnallt war: Zahlreiche relativ frisch verfasste Schriftrollen, Schreibzeug fand sich natürlich auch, auf denen fein säuberlich eine Vielzahl an Informationen versammelt war. Nach einigem Hin und Her hatten sich die Gefährten darauf geeinigt, dass die fremdartige und unbekannte Sprache wohl Aklo sein musste und die Inschriften, Abschriften und Transkribierungen zahlreicher Reliefs, Inschriften und Fresken dieses Tempelkomplexes waren! Sie waren sicherlich für einen Gelehrten von unschätzbarem Wert und sie konnten sich nicht genau sicher sein, was sich für eine Geschichte dahinter verbarg: Welches Unheil auf sie warten mochte! Yarzoth musste genau danach gesucht haben, und sich über die Inschriften in diesem inneren Tempel hergemacht haben: Nur ihre Heimreise war ungewiss - ebenso wie die, der Gefährten! Ob es wohl im Lager der Kannibalen mit der Fertigstellung des Leuchtturms voranging?!

Der Tempel des Blutes bot mit seinem unheiligen Altar, der widerwärtigen Statue Zuras, der Dämonenfürstin der Vampire und Kannibalen und seinen über und über mit fremdartigen Inschriften versehenen Alkoven einen kultistischen Ort dar. Doch Halas Martain vermochte noch mehr Magie zu entdecken, die Statue erlaubte eine fremdartige Verwandlung, so man die Lippen der Figur, wie anscheinend bereits öfters geschehen mit Blut benetzte: Doch man war sich schnell einig, diesen Zauber lieber nicht auszuprobieren: Man konnte auch nicht sichergehen, dass hier keine böse Magie oder eine Falle verborgen war, ungewiss blieb die Magie der Statue. Die Alkoven selbst hatten wohl als Meditationsräume gedient und waren mit niedrigen Holzbänken ausgestattet, die dem Verfall der Jahre anheim gefallen waren. Ein von Motten und anderem Ungeziefer durchlöcherte und ziemlich muffiger Vorhang ermöglichte es die einzelnen Abteile abzutrennen vom großen Tempelschiff. Die Inschriften waren in Azlanti gehalten und eine Mischung aus Parabeln, Gebeten und Reliefs schmückten über und über die Wände...

Die südlichste Alkove berichtete von der Geburt des Zura-Kultes in der Dschungelstadt Saventh-Yhi. Genauere Ortsangaben oder weitere Details zu dieser anscheinend sagenhaften Stadt fehlten allerdings völlig. Sie waren hier nie notiert worden, nicht offensichtlich jedenfalls. Anscheinend aber war die Stadt von Azlanti erbaut worden. Die Apside liefert als letzte identifizierbare Information die Verbannung des Zura-Kultes aus dieser Stadt und einer anschließend entbehrungsreichen und gefahrvollen Überlandreise, die an der Küste eines fernen Eilands weit entfernt von der Heimat endete...

Die nordwestliche Alkove schien die Geschichte des Kults weiterzuerzählen: Jedenfalls berichtete sie recht ausführlich von der Erforschung und Entdeckung einer kleinen Insel - offensichtlich der Schmugglerinsel - durchgeführt von den verbliebenen Anhängern des Kults. Und der Zerschlagung einer großen Splittergruppe des Schlangenvolks! Anscheinend hatten sich die Schlangenmenschen dort seit der Vernichtung ihrer Art bei Saventh-Yhi vor langer Zeit hier versteckt gehalten. Abschließend berichteten die Inschriften von der Errichtung eben jenen Zura-Tempels, in dem die Gefährten jetzt standen...

In der verbliebenen Meditationsnische ließen sich allen Anscheins nach die Zukunftspläne des Kultes ablesen. Die Mitglieder des Kultes erhofften sich anscheinend von Zura das Geschenk des Vampirismus, indem sie besonders ausschweifende und abscheuliche Rituale vollführten. Sobald sie dieses Geschenk erhalten hätten, planten sie eine Rückkehr nach Saventh-Yhi um die Stadt mit diesem Segen Zuras zu 'befreien'...

Hier ließen sich auch noch ein weiterer Rucksack, vermutlich einer der Schlangenvolkdame feststellen, der weitere nützliche und teils sogar magische Gegenstände enthielt, welche sich die Gefährten anzueignen vermochten.[4]

Saventh-Yhi: Die Gefährten hatten diesen Namen nun schon mehrmals aufgefunden - es schien eine der sagenhaften, versunkenen Dschungelstädte Garunds zu sein. Wenn nicht sogar die meistgesuchteste. Das bekannte Wissen über das alte Imperium der Azlanti könnte revolutioniert werden, wenn diese, oder ähnliche Städte wieder aufgefunden werden könnten. Und auch die hier angesammelten spärlichen Informationen über die legendäre Stadt waren schon neue Erkenntnisse ersten Grades! Die eigentliche Lage aber von Saventh-Yhi wäre von ihrem Wert her sicherlich unbezahlbar - doch der wahre Inhalt von Yarzoths eigenen Abschriften blieb ihnen verborgen, sie vermochten nicht ihn genau zu entschlüsseln. Das würde größere Reserven an Zeit in Anspruch nehmen...

Für ein kleines Detail entschied sich die Gruppe der Gefährten allerdings noch bevor sie den Tempel gemeinsam verlassen würden und zum Kannibalenlager und ihren restlichen Schicksalsgenossen zurückkehren würden: Bereit dieses Eiland endgültig zu verlassen - was hielt sie noch hier! Sie wollten gemeinsam den unheiligen Altar zerstören. Er schien ihnen der Quell allen Übels und besser als eine reine Vernichtung der Priesterin Yarzoth allemal. Die Statue Zuras wollten sie lieber nicht anrühren, der Zorn der dunkeln Götter war unberechenbar, doch dieses Relikt der bösartigen Magie hatte sein letztes Stündlein in Vollständigkeit und Erhabenheit verbracht. Besonders Kaspian und Oblivio beteiligten sich tatkräftig an der Zerstörung des Unheiligtums - sie hieben mit ihren Waffen unablässig auf den schwarzen Stein ein, bis dieser schließlich mit einem ohrenbetäubenden Krachen zerbarst und in tausend kleine, schwarze Splitter zersprang! Unmengen an Blut ergossen sich aus den Überresten des Altas und fluteten beinahe die komplette Kathedrale - ein Seufzen, Stöhnen und Heulen erklang urplötzlich und ließ die Gefährten noch ein letztes Mal die Händen an die Ohren reißen. Dann versiegte der Blutstrom, das Sprudeln ließ nach, der Schmerzenschor verstummte mit einem letzten, erlösten Heulen. Und dieser Ort, aber vermutlich auch die gesamte Schmugglerinsel ward ein anderer geworden. Ein Kräuseln unsichtbarer und sehr mächtiger Magie schien über die Gefährten und die Umgebung hinwegzuwandern und sich dann zu verflüchtigen. Man konnte richtiggehend fühlen, wie eine Last von der Insel genommen wurde, eine schwere Last, der Fluch Schmugglerinsel...

Der Fluch der Schmugglerinsel schien beendet zu sein...
 1. Aerys' Hab und Gut: 1x Lederrucksack, 1x leere Schnapsflasche, 10x Pfeile [Mrb] im Köcher, 1x vertrocknete Tinte (schwarz), 3x Federkiel (1x zerbrochen), 1x Abendego-Gesänge (Schriftrollensammlung, gebunden), 2 GM, 30SM, 14 KM
 2. Besonderer Gegenstand: einmalige Nutzung (alle können dies benutzen) 8h Lesen / permanenter +1 Bonus auf WILL gg. Zwangseffekte
 3. Yarzoths Ausrüstung: 1x unheiliges Symbol des Ydersius (golden), 1x Trank 'Wasser atmen', 2x Schriftrolle 'Vorahnung', 2x Schriftrolle 'Sprachen verstehen', 1x Schriftrolle 'Mittelschwere Wunden heilen', 2x Schriftrolle 'Fallen finden', 2x Schriftrolle 'Teilweise Genesung', 24 PM, 45 GM, 23 SM, 12 KM, eine wasserdichte Schriftrollenhülse (250 GM Wert, 20 Slots), 4x Schriftrollenbehälter, 3x Gürteltasche, Beutel mit Zauberkomponenten, Priestergewand des Ydersius, Ring der geheimen Gedanken
 4. Yarzoths Rucksack: 1x Lederrucksack, 1x Unterhalterkleidung 'Ieanas' (bekannt von der Jenivere), 1x Schriftrolle 'Weissagung', 1x Schriftrolle 'Genesung', 30 PM, 60 GM, 27 SM, 65 KM, eine einzelne Karte eines antiken Illusionskartenspiels (bildet eine seltsame, unbekannte Bestie, einer Harpie ähnlich ab), 1x Wahrheitskerze, 1x Bündel Meditationsweihrauch

Kaspian

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1082 am: 05.08.2013, 20:19:53 »
Kaspian vernichtete und ausnahmsweise versiegte der Blutstrom dabei. Seine Arbeit war noch lange nicht getan, nach dem Tode Yarzoths.
Mit dem schweigsamen Mönch, hieb er im Takt auf das Ungetüm von Altar ein, bis dieser endlich versiegte und seine unheilige Macht abrupt abbrach. Es war geschafft!

Doch teilte er seine Freude über den Sieg nicht. Wie eh und je stand er, einer aristokratischen Alabasterstatue gleich, regunglos inmitten der wuselnden Gruppe. Seine rechte Hand hielt sein großes, gebogenes Schwert mit der Spitze gen Boden, dass der letzte Blutstropfen wie in Zeitlupe zu Boden fiel. Sein Atem ging gleichmäßig und ruhig. Ruhiger, als es nach einer solchen Anstrengung normal wäre. Ein einzelner Schweißtropfen kullerte über seinen fein gezogenen, gebogenen Nasenrücken und fiel. Mischte sich ins Blut auf dem Boden.
Welch eine Ästhetik der Tod doch hatte...
Er fing wieder an sich zu regen, als die anderen Überlebenden alles durchsucht hatten und zusammentrugen. Er beanspruchte nichts. Er hatte erreicht, was zu tun war. Und erfahren, wohin es wohl weiter ging. Saventh Yhi. Ein Prickeln durchfuhr ihn, einem feinen Regen aus Goldmünzen gleich. Ein Lächeln.
"Haben wir es also geschafft." Seine Stimme klang erleichtert.
"Lasst uns eilen und endlich versuchen, diese Insel zu verlassen. Ich brenne geradezu nach Freiheit..."
cast in shadow

Ksynthral

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1083 am: 06.08.2013, 00:41:50 »
Was für ein böser Fluch oder höllischer Segen es gewesen sein mochte - es war vorbei! Die Gefährten hatten nicht nur den Spross ihres Missergehens ausgerottet, Yarzoth, die falsche Schlange, niedergestreckt, sondern auch die Wurzel der wuchernden Schlingpflanze des Bösen herausgerissen, welche die Schmugglerinsel seit Jahrzehnten, gar Jahrhunderten untergrub. Die Zerstörung des dunklen Altars hatte wahrhaftig ein neues Zeitalter anbrechen lassen auf dem Kleinod, zwar wussten die Gefährten noch nicht viel davon, doch man spürte eine gewisse Aufbruchsstimmung - die sich nach und nach auch in den Gefährten breit machte!

Kaspian war der Erste, der es wirklich aussprach - sie sollten die Insel verlassen: Freiheit! - und doch schienen seine Wegbegleiter einen Moment lang zu zögern. Die Äußerung des eigentlich totgeglaubten Gefährten war erstaunlich lebensfroh und brachte plötzlich mehr Tatendrang ins Spiel als der blinde Passagier jemals zuvor gezeigt hatte. Doch es war auch nachvollziehbar, ein großer und anstrengender Kampf, viele Entbehrungen und womöglich der nahe Wahnsinn, der Verlust tapferer Gefährten und Mitstreiter, und Wochen voller Grausamkeiten und schrecklichen sowie wahr gewordenen Albträumen auf der Schmugglerinsel: Den Schatten der zerborstenen Jenivere stetig im Rücken...

Die Zeit schien ihnen gekommen: Aerys war augenscheinlich verloren und die letzte Schlacht auf diesem Grund und Boden vorerst geschlagen. Der Feind war besiegt - vorerst! Doch hatte Yarzoth Großes angekündigt, aber was nützten die Worte einer Toten und was verhießen sie schon. Sie schlugen die festgestellten Wertgegenstände in einige Leinentücher ein und zurrten die Bündel fest an ihre Rucksäcke. Schwer beladen waren sie nun bereit für den Rückmarsch zum Basislager im Kannibalendorf...

Yarzoths enthauptete Leiche würdigten sie keines Blickes mehr und ließen den leblosen Körper verstümmelt auf dem blutüberströmten Tempelfußboden zurück. Auch weitere Untersuchungen in diesen unheilvollen Hallen ließen sie bleiben. Sie traten den Rückzug an: Oder sollte es eine Flucht werden, vor dem Bösen was womöglich kommen mochte?!

Doch bei keinem der Gefährten wollte sich ein Unwohlsein wirklich einstellen, sie waren wohlauf und siegreich - fast alle zumindest. Im Gang gabelten sie Tolkwy Rotus und Jask Derindi auf. Der Inquisitor war wieder halbwegs bei Kräften doch ward sein Bein schwer verstümmelt und er würde wohl nie wieder zu alter Stärke zurückkehren können. Doch er lebte und Jask Derindi, der ehemalige Gefangene auf der Jenivere hatte seine Todschuld des Sklaventums und dessen Befreiung daraus abgegolten. Dieses Mal war er es gewesen, der dem Halbork womöglich das Leben gerettet hatte und ihn stabilsiert hatte. Der Inquisitor hatte von Jask bereits die nötigsten Informationen zum gewonnen Kampf gegen Yarzoth erhalten und empfing seine Gefährten mehr oder weniger freudestrahlend, so es seine Verfassung und seine anhaltenden Schmerzen denn zuließen...

Gemeinsam schleppten sie Tolkwy und die errungenen Schätze aus dem Tempel unter dem roten Berg und kehrten an die felsige Küste zurück. Die natürliche Ebbe hatte eingesetzt und das Wasser sich weit zurückgezogen - der Weg zurück ans Festland lag frei, fast jedenfalls: Hier musste tatsächlich noch mehr Zauberei am Werk sein, als die Gezeiten es ohnehin schon waren für Unwissende. Doch der kluge Seefahrer sah sofort. Es war bereits kurz nach Mitternacht, als sie den Tempel verließen. Die Sterne standen starr und der weiße Mond glänzte als Sichel von oben auf sie herab. Kein Wölkchen trübte den Himmel und im fahlen Licht tänzelten die Gefährten über die Steine und Moosbänke zurück zum Ufer. Erklommen mit gegegenseitiger Hilfe den Klippenpfad und suchten, sicher oben angekommen, sofort zwei hölzerne Astgabeln, auf die Tolkwy sich stützen konnten, als auch einige Äste, welche sie zu Fackeln umfunktionierten...

Und dann begann er, der lange Marsch durch die Dunkelheit des Dschungels, hinein ins dichte Blattwerk - man konnte das saftige Grün und die prächtige und farbenfrohe Artenvielfalt zwar nicht wirklich sehen: Dafür konnte man sie riechen und vor allem hören! Die Geräusche und Laute des Dschungels und seiner Bewohner schienen sich vervielfacht zu haben und statt der sonst eher ruhigen Nächte schien pulsierendes Leben in den Urwald auf der Schmugglerinsel zurückgekehrt zu sein. Einige Vögel zwitscherten selbst zu dieser späten Stunde noch ihr frohes Lied. Insekten zirpten und surrten an ihnen vorüber, einige unbekannte Wildtiere grunzten und gurrten in einiger Entfernung vom Pfad und schließlich sprang sogar eine wilde Horde Affen direkt vor ihnen durch die Baumwipfel und überquerte den Pfad in luftiger Höhe: Die Schmugglerinsel war unter die Lebenden zurückgekehrt...

Hinter ihnen trohnte der rote Berg und seine wolkenumhangene Spitze, Ruhe war um ihn herum und in ihm eingekehrt - sie hatten die Steinpforte zum Tempel verschlossen und einen Warnhinweis angebracht: Doch würde es damit getan sein?! Die Neugier der Menschen war unberechenbar und das Schicksal unergründlich...

Gemeinsam stapften sie so Stunde um Stunde durch den Wald und näherten sich langsam aber stetig dem Basislager...

Halas Martain

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1084 am: 06.08.2013, 11:01:40 »
Mit dem Wissen, diesen Kampf erfolgreich, jedoch den Krieg gegen den Klerus der Schlangengottes noch nicht beendet zu haben, hatte Halas wie der Rest geholfen die Beute zu sichern und den Tempel zu zerstören.
Auf dem Rückweg sich befindend wurde dem Mystiker jedoch immer mehr durch seine innere Stimme bewusst, dass das Verlassen der Insel für ihn einen anderen Weg bereit stellte als für seine restlichen Mitgestrandeten und Gefährten.

Saventh Yhi würde ihr nächstes Ziel sein, jedoch nicht der Ziel des Orakels.
Zumindest konnte er dies dank seiner Göttin spüren, welche ihm auch sonst schon viel Wissen verraten hatte.

So überreichte Halas seinen Anteil der geborgenen Dinge an die restliche Gruppe, um sich mit einer letzten knappen Rede zu verabschieden:
"Freunde, so unschön sowie unpassend es gerade jetzt ist und wir unsere weiteren gemeinsamen Ziele noch vor Augen haben...meine Göttin ruft nach mir, um mich für die weitere Aufgabe auf ihrer Ebene auszubilden.
Mein Fehlverhalten vor dem Kampf gegen die Schlange darf mir nicht noch ein weiteres Mal passieren.
Seit Euch also sicher, dass es nicht noch mal passieren wird, wenn wir uns wieder sehen und die Dunkelheit und das Schlangenvolk ein für alle Mal von dieser Welt bannen...
Auf denn.
Passt auf Euch und vorallem auf Gelik bitte auf!
Ich werde Euch bis zu meiner Rückkehr ein Licht am Himmel sein..."
, um sich im nächsten Moment auch schon in eine goldene Lichtgestalt zu verwandeln, welche sich mit dem Geruch nach Honig und frischen Blüten auflöst und damit die restlichen Abenteurer mit offenen Fragen, vielleicht enttäuscht und vorallem irritiert zurück ließ.

Halas hatte die Gruppe verlassen, wenn auch ein Wiedersehen versprochen.
Für den Taldan würde nur ein neuer Pfad zu betreten und begehen sein, um den enthaupteten Schlangengott aufzuhalten.

Ein Weg über eine weitere Ausbildung - direkt im Reich von Andoletta.
Er würde als Paladin zurückkehren, wenn auch der Zeitpunkt nicht fest stand und damit für lange Zeit in den Sternen lag.
Doch zumindest die Schmugglerinsel hatte der Archäologe aus Magnimar damit als Erster hinter sich gelassen und zu einem Teil seiner Vergangenheit - und nicht zu seiner Gegenwart - gemacht.

Halas Martain - der einst so arrogante und hochnäßige Egoist, welcher alles immer besser wusste und keiner Diskussion oder Belehrung aus dem Weg ging, doch nun für einen Taldan so großväterlich und führsorglich geworden war.
Der Blick durch seine milchigen halbblinden Augen auf diese Welt hatte sich geändert.

Doch noch war er nicht am Ziel seiner endgültigen Ausbildung und Veränderung...
« Letzte Änderung: 06.08.2013, 11:05:14 von Sensemann »

Kwazeel Zethuka

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1085 am: 06.08.2013, 21:14:38 »
Der eher schwächliche Kwazeel hatte wenig tun können, um bei der anschließenden Schleifung des Altars mitzuwirken. Sein Speer wäre dabei auch keine große Hilfe, einzig seine eisigen Strahlen schleuderte er auf den Altar, was den Stein spröde werden ließ. Traurigerweise schienen sich seine Worte bewahrheitet zu haben, Aerys war nirgends aufzufinden und wahrscheinlich sogar tot, zumindest ließ der Fund ihres Rucksacks dies vermuten. Doch eine vage Hoffnung blieb, dass sie vielleicht doch entkommen konnte, ihr Hab und Gut zurückließ und in den Dschungel geflohen ist. So lange man ihre Leiche nicht fand, würde Kwazel diese Hoffnung weiter hegen.

Doch als der Altar schließlich fiel, spürte insbesondere Kwazeel wie sich ein dunkler Schleier von der Insel legte. Er lächelte fröhlich, trotz all der traurigen Umstände wie Aerys Verschwinden und Tolkwys Verkrüppelung. Sie hatten nicht nur Yarzoth ihrer gerechten Strafe zugeführt, sondern auch die Insel von dem dunklen Einfluss befreit, der wohl wahrscheinlich die Kannibalen und auch die vielen Geister hervor gebracht hatte. Wahrlich ein gutes und gerechtes Werk, nun könnten sie sich in Ruhe darauf konzentrieren die Insel zu verlassen.

Und so ließen sie den Tempel hinter sich um ihn hoffentlich nie wieder zu betreten. Kwazeel atmete die sanfte Nachtluft ein und blickte zum Mond, ehe sie die Rückreise begannen, wobei er half Tolkwy zu stützen. Doch auf dem Weg durch den Dschungel, schien Halas eine Entscheidung getroffen zu haben. Plötzlich hielt er inne und nahm abrupt Aschied von den Gefährten. Der Vorgang ließ Kwazeel völlig überrascht zurück, erst eine Minute später brachte er ein "Lebt wohl" hervor, doch da war Halas längst entschwunden.

Der Druide wand sich ab und mühte sich darum die Gefährten zurück zum Lager zu führen, während er über Halas Verschwinden grübelte.
« Letzte Änderung: 06.08.2013, 21:15:10 von Kwazeel Zethuka »

Simue

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1086 am: 07.08.2013, 00:33:06 »
Im Tempel bemühte sich Simue nach Kräften, an der Zerstörung der unheiligen Stätte mitzuwirken. Als sie ihr Werk schließlich getan hatten, lächelte sie.

Doch dann fiel ihr Blick auf das fremdartige Katzenwesen, das sie im Kampf unterstützt hatte. "Du. Du wirst nicht wieder einfach so verschwinden, ist das klar? Du kommst jetzt mit uns zurück zum Lager, und dann reden wir. Ich habe da so einige Fragen an dich."

Die Kreatur verzog ihr Gesicht, zunächst schien es Überraschung zu sein, doch dann bildete sich ein Lächeln. "Gerne, Simue. Sehr gerne."

Und so machten sich die Gefährten zurück auf den Weg ins Lager. Tolkwy munterte sie dabei so gut es ging auf: "Was auch immer geschieht, eure Stärke habt ihr nicht verloren. Und ob jemand ein großer Krieger ist, hängt viel weniger mit seinem Körper als mit seinem Geist zusammen."

Dann wandte sich Halas an sie - mit Abschiedsworten, die Simue mehr als verwirrten. Wie wollte das Orakel denn von der Insel herunterkommen? Doch die Frage beantwortete sich kurz darauf selbst: Er verschwand schlicht, gerufen von seiner neu erkorenen Göttin.

Perplex starrte die junge Frau noch eine Weile auf den Ort, an dem Halas eben noch gewesen war. Schließlich aber setzte die Gruppe ihren Weg fort - und Simue folgte. Nicht ohne ihren neuen, fremdartigen Begleiter - und natürlich Xerxes und Jonathan...

Ksynthral

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1087 am: 09.08.2013, 12:03:19 »
Ihr Marsch durch die Nacht hielt mit Halas Martain' Abschied und plötzlichem Verschwinden eine weitere Sonderlichkeit und Überraschung bereit, welche ihre Freude über die gewonnene Schlacht aber nicht im Geringsten trübte. Tolkwy blickte ziemlich verdutzt drein, als sich Halas plötzlich mit seiner kleinen Abschiedsrede an die Gruppe der Gefährten wandte:

"Halas, ihr wollt doch nicht etwa... Ich - ihr... Lebt wohl - wir werden uns wiedersehen!"

Der Inquisitor konnte sich das Vorhaben des Mystikers deutlich vorstellen und wusste ungefähr, was Halas vor hatte. Er war überrascht über die Unmittelbarkeit des Abschieds - aber dennoch war er aufrichtig traurig über den Abschied, doch er nahm ihn gefasst an. Der Halbork ward sich gewiss, dass sie den Mystiker wiedersehen würden - nur wusste weder er, noch der Rest der Gefährten, ob dies wirklich Realität werden würde, noch wann...

Simues Worts munterten den Inquisitor deutlich auf, er unterhielt sich sogar kurze Zeit mit ihr über sein neues Leid. Und über seine Zukunftspläne - er wollte unbedingt nach Eleder weiterreisen: Er hoffte, dass Dan und die Gruppe im Kannibalenlager den Leuchtturm soweit betriebsbereit hatten, dass man ein Handels- oder gar Reiseschiff auf die Gestrandeten aufmerksam machen konnte. Vielleicht würde ihnen das Schicksal ein weiteres Mal milde gestimmt entgegentreten...

Der Rest der Reiseroute durch den nächtlichen Urwald verlief relativ ereignislos und ruhig. Die Gefährten waren geschafft von den Strapazen des roten Berges und des grauenvollen Tempels in seinen Untiefen. Doch schließlich war es soweit und die Gefährten erreichten ihr neues Basislager: Das Kannibalendorf!

Vor sich konnten sie ein Leuchtfeuer zwischen den Baumwipfeln aufglühen sehen und wenige Minuten danach erreichten sie die Hütte der alten Hexe Malikadna, dann den Lagerplatz: Gelik empfing sie hüpfenden und plappernd - immer noch mutete er ein wenig verrückt an, beruhigte sich aber ein wenig, als er die Gefährten erkannte und sichergehen konnte, dass kein nächtlicher Überfall auf das Lager stattfand:

"Guten Abend allerseits! Ihr seid zurück, haha?! Wahnsinn, daran hätte ich nie geglaubt - wo wart ihr eigentlich so lang? Und was habt ihr gemacht, wo ist Halas - und habt ihr Aerys gefunden?! Was ist los, erzählt - Kwazeel, Kwazeel, erzähl mal!"

Ebenso konnten die Gefährten Dreifinger Dan sehen, der lässig zu ihnen herabwinkte und sich auf die Brüstung des Leuchtturms stütze, der in seiner vollen Pracht leuchtete. Sie hatten ihn repariert und wieder in Betrieb genommen! Die Hoffnung auf Rettung war nun also durchaus begründet - auch der Matrose schritt darauf hin hinab ins Lager und begrüßte die zurückgekehrten Gefährten! Die Freude über die siegreiche Rückkehr der Gefährten war groß, doch auch der Redebedarf war riesig - zumindest bei Einigen...

Oblivio, Kaspian und auch Tolkwy legten sich schnell zur Nachtruhe und schonten ihre müden und teils schwer verletzten Knochen - Jask begann Tolkwys Wunden abermals zu versorgen und bettete den Inquisitor, bevor auch der ehemalige Gefangene sich wieder am Lagerfeuer niederließ. Tascha Nevah schlief ebenso, sie solte die letzte Wache übernehmen und würde in einer Stunde sowieso aufgeweckt werden, um Gelik Ebberschwinge abzulösen...

Dann erschien Ischiro noch in ihrer Mitte und begrüßte sie herzlich, umarmte sie gar: Die Wiedersehensfreude war seinen leuchtenden Augen und seinem Verhalten deutlich anzumerken und  unabstreitbar! Auch er gesellte sich zu ihnen und ließ sich die Geschichte ihres Siegs erzählen - die Nacht schritt voran und das Prasseln des Lagerfeuers auf der Schmugglerinsel sollte die Gefährten einen letzten Abend lang begleiten...[1]
 1. @ all: Das InGame wird noch bis Sonntag Abend geöffnet sein, um Erzählungen und 'Einzelschicksale' am Lagerfeuer und in der Umgebung des Kannibalenlagers auszuspielen - alles Weitere postet ihr bitte im Epilog - wer hier fertig ist, darf sich dort gerne zu Wort melden...

Kwazeel Zethuka

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1088 am: 09.08.2013, 14:25:14 »
Auch Kwazeel fühlte sich erschöpft, wenngleich er nicht im gleichen Maße mitgekämpft hatte, wie der geschundene Oblivio oder auch Kaspian. Dennoch drängte es ihn nach Erholung, wenngleich er seine Gefährten nicht im Unwissen lassen wollte. Und so nahm er am Lagerfeuer Platz und erzählte von allem was geschehen war. Von dem grauenhaften Zuratempel und Tolkwys Verstümmelung, von Kaspians plötzlichem Wiederauftauchen und dem gemeinsamen Kampf gegen Yarzoth. Mit trauriger Stimme musste er berichten, dass sie Aerys jedoch nicht gefunden hatten, obschon Kwazeel die Hoffnung nach wie vor nicht aufgab, dass sie noch leben könnte.

Schließlich erbat sich der Druide etwas Zeit für sich, er musste nachdenken, über das Geschehene und seinen weiteren Weg. Der Priester Shimye Magallas ging hinüber zum nahen Strand und lauschte den sanften Wellen, als sein Blick auf ein beeindruckendes Spektakel fiel. Hatten des Nachts oft die wabernden, grünen Umrisse von Geistern die Strände der Insel heimgesucht, so konnte man nun sehen wie diese verlorenen Seelen nun zum Himmel aufstiegen. Nun da der Fluch von der Insel genommen war, konnten die zahlreichen Seeleute, die an den Klippen der Schmugglerinsel den Tod gefunden hatten, endlich aufsteigen, erlöst von ihrem verfluchten Geisterdasein.

Plötzlich näherte sich ihm einer dieser Geister, der dem Meer entstieg. Ungläubig erhob sich Kwazeel und sprach diesen an: "Du? Ich habe dich gesucht ... ich war auf dem Weg nach Eleder, nur deswegen bin ich auf dieser Insel gelandet." Kwazeel hatte dieses Gesicht noch nie gesehen, dennoch wusste er unzweifelhaft wer dort vor ihm stand "Sag bloß auch du hast auf dieser verfluchten Insel den Tod gefunden?" sprach der Mwangi erschrocken.

"Vor vielen Jahren schon ist mein Schiff an den Klippen der Schmugglerinsel zerschellt. Ich törrichter Narr glaubte ich könnte diese Gewässer meistern." sprach der Geist "Seither gehe ich an den Stränden dieses verfluchten Ortes umher, doch du mein Sohn, du und deine Gefährten ihr habt uns befreit. Ich danke dir, auch wenn ich mir schönere Umstände für unser Aufeinandertreffen gewünscht hätte." Traurigkeit schwang in der Stimme des Geistes mit.

"Dann ruhe in Frieden Vater." sagte Kwazeel und schluckte einen Kloss hinunter, während der Geist des großen Zethuka aufstieg.

Eine Weile noch saß Kwazeel am Strand und beobachtete wie weitere verlorene Seelen aufstiegen, dann begab er sich zurück ans Lagerfeuer. Er hatte in der Zwischenzeit eine Entscheidung getroffen, die Suche nach seinem Vater war beendet ... die Suche nach Saventh-Yi schien das große Ziel der Gefährten zu werden, doch Kwazeel sah einen anderen Weg vor sich ausgebreitet.

"Meine Freunde." sagte er mit warmer Stimme "Ihr habt gut daran getan das Leuchtfeuer zu entzünden, hoffentlich wird bald ein Schiff darauf aufmerksam, dass euch von dieser Insel fortholen kann. Doch ich werde hier bleiben." kaum dass er dies verkündet hatte, blickte er Simue an "Der Fluch der Schmugglerinsel ist endlich vergangen, ich werde ihr Hüter sein, die unberührte Natur dieses Ortes schützen und ein Auge auf den alten Zuratempel haben, auf dass er nie wieder seinen verderblichen Einfluss ausbreiten kann. Diese Insel wird meine neue Heimat werden."

Der Druide rechnete nicht damit, dass jemand mit ihm bleiben würde, doch sollte dies der Fall sein, würde es sein Herz erfreuen ...

Kaspian

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1089 am: 12.08.2013, 18:25:38 »
Auch auf dem Weg zurück ins Lager verblieb der krummschwertkämpfende Schurke aus Nidal still und ruhig. Erfolge genoss man besser ohne hochtrabende Worte und kopflose Handlungen. Konzentration, Ruhe, Innensicht und Aufmerksamkeit.
Sein mittlerweile gereinigtes Schwert hatte er seit langer Zeit in die schwere Scheide auf dem Rücken geschnallt und er fühlte sich für den Moment wohl dabei. Wenngleich es viel zum drüber nachdenken gab. Zura, Ydersius, Halas Martain... Seine Vergangenheit rückte er gedanklich zur Seite und blieb im Jetzt.
Verschwundene Gefährten gab es viele zu beklagen. Und er schenkte ihnen allen kurze Gebete an Aroden, den toten gerechten Gott der Menschheit. Würde ihn doch niemals jemand aus dieser Gruppe Überlebender verstehen oder gar akzeptieren. Niemals würden sie ihm vertrauen, das hatten sie gezeigt. Mehr als deutlich.
Doch seine Gebete für die Verlorenen und Versehrten waren aufrichtig. Er bedauerte auch die Verkrüppelung von Tolkwy. Doch war dafür wirklich Platz in seinem Herzen? Platz für Freunde? Gefährten? Gefühle?

Etwas frustriert folgte er den anderen.
Im Lager blieb nochjemand zurück und die Gruppe schrumpfte erneut. Er konnte den Einsiedler in Kwazeel geradezu sphärisch sehen. Es passte und war gut so. Würde er jemals seinen Platz finden? Wo? Wann?

Kaspian hielt keine Reden. Er stand immer etwas abseits, aß und trank ohne den Rest. Seine höfischen Manieren blieben jedoch jederzeit perfekt. Er wusste sofort in Gespräche einzusteigen, wenn er angesprochen wurde. Doch auch das ließ auf sich warten und war selten. Er wunderte sich mehr als einmal darüber, dass ihm kein Dank für den erfolgreichen Kampf ausgesprochen wurde. Dass er sein Blut gelassen hatte.

Er beschloss etwas. Doch weihte er noch niemanden in seine Entscheidung ein. Erst sollte man versuchen, erfolgreich von der Insel zu kommen. Gemeinsam. Vielleicht würde man ihn eines Tages würdigen. Vielleicht auch nicht, was machte es schon noch aus?

Höflich und wieder distanziert verabschiedete er sich von Kwazeel und dankte diesem für seinen Mut und die Entscheidung diese Insel zu hüten.
Unaufgeregt wartete er am Leuchtturm sitzend tag ein, tag aus auf ein nahendes Schiff am Firmament, welches ihn wirklich in die Freiheit führen würde...
cast in shadow

Ksynthral

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Part I: Seelen für die Schmugglerinsel
« Antwort #1090 am: 13.08.2013, 19:12:01 »
Die Nacht schritt voran und die Gespräche am Lagerfeuer neigten sich einem Ende zu, ebenso die Nacht: Der Morgen dämmerte bereits über sie herein...

Doch nicht nur Kaspian ergriff die Gelegenheit sich von dem Druiden zu verabschieden: Es gab noch weitere Abschiede und dieser gemeinsame Abend nach dem Sieg über Yarzoth sollte einer sein, der ihr aller Schicksal auf einen neuen Pfad bewegen würde: Die Stiefel wurden geschnürt für einen neuen Lebensabschnitt!

Es überraschte die Gefährten sehr, doch nicht nur Kwazeel wollte allen Anscheins nach auf der Schmugglerinsel zurückbleiben: Auch Ischiro und Tascha Nevah beschlossen auf der Schmugglerinsel zurückzubleiben, vorerst jedenfalls. Ischiro wusste nicht weiter wohin, seine Lebenstage waren auf weite Sicht so oder so gezählt und außerdem fühlte er sich inzwischem auf dem unwirtlichen Eiland sogar zuhause. Und Tascha Nevah? Sie witterte schlicht weitere Abenteuer auf der Schmugglerinsel und wollte bei den beiden Männern bleiben. Das Kannibalenlager schien den dreien tatsächlich ein geeigneter Startpunkt für ein Weiterleben auf der Insel und womöglich sogar die Keimzelle einer neuen und dieses Mal hoffentlich erfolgreichen Kolonie auf der Schmugglerinsel!

"Leb wohl Kwazeel, leb wohl mein Freund. Ich wünsche dir viel Spaß hier auf dieser götterverlassenen Insel - ich bin froh, wenn ich hier wegkomme, froh sage ich dir - ich geh dann mal zu Bett - machts gut, bis Morgen früh!"

Gelik Ebberschwinge schien erstaunlich lebensfroh und immer noch putzmunter, fürwahr etwas wirr - doch auch er schien zu alter Stärke zurückzufinden. Der Gnom jedenfalls herzte Kwazeel und die Anderen übermäßig: Drückte Ischiro fest an sich - vergaß gänzlich weitere Fragen zu Halas Martain und Aerys zu stellen und verzog sich zu seiner Schlafstätte. Was die Gesprächssituation abermals lockerte. Alle restlichen Details über den Sieg gegen Yarzoth und den Abschied von Halas Martain sowie Tolkwys Verwundung wurden ausgetauscht und so die gesamte Gruppe informiert...

Dreifinger Dan ließ verlauten, dass er weiterhin auf ein Schiff warten würde, welches sie abholen würde: Er hoffte auf die Gnade der See und ihrer Götter - das Wasser war sein Leben und sein Schicksal! Er wollte erneut anheuern und sehen wohin sein Herz und sein Verstand ihn segeln ließen...

Jask hatte mit Tolkwy gemeinsam abgesprochen in einen Nethys Tempel in Eleder zu reisen, um dort weitere Pflege an der Verwundung des Halborks zu vollrichten und zu erbeten. Die Beiden würden sich also auch dem wartenden Tross anschließen: Die Hoffnung auf eine Rettung von der Schmugglerinsel war groß, nun da das Leuchtfeuer wieder in Betrieb war und der Fluch von der Insel genommen war...

Geliks Entschluss stand nach wie vor offen - der Gnom war schließlich völlig überstürzt verschwunden und zu Bett gegangen: Seltsamer Kerl, ganz so wie zu Beginn ihres gemeinsamen Abenteuers...

Simue und Oblivio verhielten sich ruhig den Abend über und wollten keine überstürzten Entscheidungen treffen - ebenso setzten sie die Hoffnungen auf Rettung nicht all zu hoch an. Sie erbaten sich eine Nacht über ihre Entscheidungen schlafen zu dürfen...

Das letzte Feuer der Glut verglomm und der letzte Stern über ihren Köpfen verlor sich in der Morgendämmerung der über der Schmugglerinsel: Ein neuer Tag begann, ein Tag des Wartens auf Rettung...
[1]

Ende des ersten Teils.
 1. Outro-Musik
« Letzte Änderung: 13.08.2013, 19:29:13 von Ksynthral »

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