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Autor Thema: Kapitel III - Söhne des Gruumsh  (Gelesen 19476 mal)

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Vaêl

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Kapitel III - Söhne des Gruumsh
« Antwort #480 am: 17.11.2012, 13:14:49 »
Von Müdigkeit gezeichnet, blickt Vaêl zu Haravar und setzt ein mildes Lächeln auf. Trotz allem war es seine Pflicht, Hoffnung auszustrahlen und er würde diese Bürde tragen.

"Danke, Haravak. Es ist immer schwer, Freunde an Kelemvor zu verlieren. Das ihr Anteil nehmt, ohne sie groß gekannt zu haben, ehrt euch. Setzt euch zu uns. Wir müssten inzwischen genügend Abstand haben, um unsere müden Glieder bei einem kleinen Feuer ein wenig wärmen zu können. Würdet ihr euch darum kümmern, Bolmur?"

Dann legt Vaêl seinen Waffengurt ab, legt ihn neben Kalokins Ausrüstung und setzt sich.

"Ja, Thrull ist gefallen. Leider. Er konnte sich nicht davon abbringen lassen. Aber die Vermutung Meister Petrovs hatte sich bewahrheitet. Der Kriegshäuptling war nur eine Marionette dämonischer Mächte. Melvaunts Zukunft ist also weiterhin ungewiss und unser Sieg nur ein kleiner Lichtblick, der von der drohenden Nacht verschluckt werden könnte.

Wir werden nach Melvaunt zurück kehren, aber ich weiß nicht, ob die Oligarchen uns dort Glauben schenken werden. Wir bringen Kunde vom einstigen Schrecken Nabthatoron und ich fürchte, man wird unsere Warnung als Legende abtun. Aber vielleicht besteht Hoffnung in Phlan und bei den Druiden vom Zirkel des weißen Sterns."
« Letzte Änderung: 04.02.2013, 21:24:52 von Vaêl »

Jegor Petrov

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Kapitel III - Söhne des Gruumsh
« Antwort #481 am: 17.11.2012, 13:26:06 »
Jegor schaut unwirsch zum Ork und dann zu Vaêl. Die Anstrengungen der vergangenen Ereignisse forderten ihren Tribut und die Glieder des nicht mehr ganz so jungen Magiers schmerzten.

"Also rasten wir? Gut. Ich will in den nächsten Stunden nicht gestört werden."

Der Rote Magier schlägt in ein paar Schritte hinter Vaêl sein provisorisches Nachtlager auf, versiegelt seine Ohren mit Kerzenwachs und versucht, ein wenig Schlaf zu finden, auch wenn sein Kopf zu Bersten scheint. Orks, Nachtvetteln, Dämonen, Nabthatoron. Es gab viel zu tun, wenn er zurück in Melavunt war, auch wenn er bezweifelte, dass die Bibliotheken etwas hergeben würden. Vielleicht in Mulmaster?

Wie gerne er jetzt einen Schluck von Fürst Bruils Geheimbrand hätte. Oder eine Pfeife, aber sein Tabak war längst leer.

Nachdem er sich einige Zeit hin und her gewälzt hat, fällt dem Magier ein, dass der Halbling selber Pfeife rauchte. Jegor richtete sich auf und sah verstohlen auf die Hinterlassenschaften Kalokins, die hinter Vaêl lagen. Der Magier beugte sich vor und griff in die Umhängetasche des Halblings, um kurz darauf den wohlig duftenden Geruch von edelstem Luirener Krauts zu riechen.

Jegor schielte kurz nach Vaêl und den anderen, bevor er den Tabak an sich nahm, seine eigene Pfeife stopfte, um sich dann gemütlich in sein Nachtlager zu betten, während er nun wesentlich entspannter den Rauch einatmete und in den bereits flüchtigen Nachthimmel blies.

« Letzte Änderung: 17.11.2012, 14:39:34 von Jegor Petrov »

Sylvain

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Kapitel III - Söhne des Gruumsh
« Antwort #482 am: 17.11.2012, 14:14:31 »
Sylvain setzt sich zu seinen Gefährten ans langsam immer kleiner werdende Feuer. Langsam rollt er den blutbedeckten Verband an seinem Arm von der Wunde.
Angst vor Schmerzen konnte er sich als Dämmerklinge nicht leisten. Als junge Knappe musste er drei Tage ohne Nahrung und Wasser die kompliziertesten Formen durchlaufen. Seine Arme und Beine sind gespickt von Narben vom eisernen Training mit seinen Ordensmitgliedern. Er ist vertraut mit Schmerzen; man könnte fast sagen er hat sich an sie gewöhnt.
Mit etwas heißem Wasser spült er die Wunde abermals aus und versiegelt sie schlussendlich erneut mit einem Verband. Endlich aus der Hölle entkommen schließt er zufrieden die Augen.

Obwohl er, gequält von Alpträumen, immer nur wenige Stunden rasten kann, treibt ihn die Erschöpfung doch wieder zurück in den Schlaf.
« Letzte Änderung: 17.11.2012, 14:16:24 von Sylvain »

Ultan

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Kapitel III - Söhne des Gruumsh
« Antwort #483 am: 17.11.2012, 14:55:54 »
Haravak scheint erst zögerlich, setzt sich aber dann zu Vaêl. Rastlos blitzen die Augen des Halborks eine Zeit lang zwischen den Gefährten hin und her, doch schließlich bleiben sie auf Vaêls ebenmäßigen Gesichtszügen ruhen.


"Nabthatoron sagt ihr? Nie etwas von ihm gehört. Doch wenn er wirklich ein Dämon ist werden die hohen Herren Melvaunts euch wohl besser Glauben schenken! Eine derartige Kreatur sollte nicht in der Thar verweilen dürfen!
Ihr sprecht vom Zirkel des weißen Sterns. Ich kenne den Zirkel von meinen Streifzügen durch den Sumpf. Es sind scheue Menschen, ganz anders als die Städter. Ich glaube nicht das sie sich mit Melvaunt einlassen. Dennoch sind sie nicht für Untaten bekannt und ihr scheint eine weise und freundliche Person zu sein. Vielleicht helfen sie euch."


Der Waldläufer krault seinen Wolf geistesabwesend hinter dem Ohr und lässt seinen Blick über das provisorische Lager schweifen. Die Anspannung aus seinem Gesicht hat nachgelassen und als er sich wieder Vaêl zuwendet, huscht ein flüchtiges Lächeln über seine Lippen.



"Wisst ihr, es ist lange her dass ich das letzte Mal so friedlich mit Menschen beisammen saß. Es tut gut beizeiten ein Gespräch zu führen und in Augen zu blicken die nicht voller Hass oder Furcht sind.

Ihr seid nicht von hier, stimmts? Ich kenne die Menschen der Mondsee. Nicht alle sind schlecht, dass sagt mir mein Verstand. Doch ihre Herzen sind hart und ihre Mienen versteinert. Vielleicht ist es dieses Land, dass so hart zu ihnen ist, vielleicht sind es die Monster von denen nicht alle vor den Mauern zu finden sind.
Sie werden euch nicht akzeptieren, auch wenn ihr ihnen helft. Sie haben die Hoffnung auf ein anderes, ein besseres Leben längst begraben. Solange sie überleben ist ihnen jedes Mittel recht.
Solange ihr für sie gewinnt werden sie jubeln doch wenn ihr versagt, wird man sich gegen euch wenden.
Ich denke ihr könntet anderswo viel Gutes tun. Ihr seid stark und wortgewandt, es sollte leicht für euch sein die Mondsee zu verlassen. Warum also bleibt ihr und nehmt Teil in diesem Spiel an dessen Ende nur der Tod warten kann?"


Thalorn

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Kapitel III - Söhne des Gruumsh
« Antwort #484 am: 18.11.2012, 15:17:03 »
Thalorn hebt seinen Blick und schaut dem Waldläufer entgegen. Er hatte zuvor am Feuer gesessen und seine Hände gewärmt.

"Ihr habt Recht, die Menschen sind zwiegespalten, chaotisch und ohne Ziel vor Augen. Ihre Städte sind korrupt und beherrscht von Machthungrigen, so dass es wahrscheinlich ungefährlicher ist in den Einöden Vaasas einen Stein umzudrehen als dort. Doch kann ich es nicht verantworten sie den Klauen des Bösen zu überlassen. Wie ihr selbst gesagt habt, die Menschen sind nicht von Natur aus böse aber doch sicher leicht beeinflussbar. Man muss sie lediglich von der Geisel befreien und ihnen den rechten Weg weisen. Nicht die Anerkennung und der Dank sind meine Beweggründe, sondern für das Gut einzustehen. So fürchte ich nicht den Tod, wenn ich im Namen der Gerechtigkeit falle."
« Letzte Änderung: 18.11.2012, 16:55:21 von Thalorn »

Vaêl

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Kapitel III - Söhne des Gruumsh
« Antwort #485 am: 18.11.2012, 16:40:04 »
Vaêl lacht und will gerade zu einer Antwort ansetzen, als Thalorn seinen Standpunkt formuliert. Die Worte des Zwergen lassen Vaêl inne halten und nachdenklich werden. Es war noch nicht ganz so lange her, da wäre seine Antwort wahrscheinlich ähnlich ausgefallen. Den richtigen Weg weisen. Die Erhabenheit und Güte Amaunators erkennen und durch die Einsicht in dieselben gerecht handeln.

Es klang schön. Die Lehren des alten Gottes waren umfangreich und regelten bis ins kleinste Detail jedwede soziale Interaktion. Jedes Wesen müsste nur den Inhalt erfahren, dann wäre Toril eine gerechte und geordnete Welt; so glaubten zumindest seine Lehrer. Die Wirklichkeit gestaltete sich schwieriger, wie Vaêl schmerzlich erlernen musste.

Für das Gute einstehen. Heißt das, den Dieb zu bestrafen, der einem anderen das Essen stielt? War das nicht zu leicht? Musste man nicht wissen, warum der Dieb nahm? Was es bedeutet, in Melvaunt zu leben? Konnte dann nicht jeder, jede Entscheidung entschuldigen. Wie verantwortlich war man für die Umstände, in denen man lebt? Wie verantwortlich, für alles, was man tut, wenn man nicht weiß, welche Konsequenzen aus einer Handlung erwuchsen? Sie arbeiteten für die Oligarchen Melvaunts? Stärkten sie damit nicht die Position der Unterdrücker? Steht man für das Gute ein, wenn man allen Bösen in offener Feindschaft gegenüber tritt?

Vaêl lächelt.

"Aufgewachsen bin ich unter Menschen in einem Kloster in Federtal, aber woher ich stamme, weiß ich nicht. Vielleicht ist es aber auch die falsche Frage. Es gibt nicht die Meinen, einen Clan, eine Familie, ein Land oder eine Nation, der ich die Treue geschworen habe. Ich stehe in keiner Schuld und bin niemandem Rechenschaft schuldig. In soweit habt ihr Recht. Nichts bindet mich an die Mondsee.

Aber ich habe die Mondsee gewählt. Weil ich jetzt, hier, gebraucht werde. Weil ich Leid sehe und es in meiner Macht steht, etwas daran zu ändern. Weil die Völker der Mondsee ohne Hoffnung sind. Ich weiß nicht, was ich erreichen kann. Ich kenne keinen Weg, den ich sie lehren kann. Ich kann ihnen nur helfen, selbständig Entscheidungen treffen zu können. Ohne Angst und ohne Hass."

Ultan

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Kapitel III - Söhne des Gruumsh
« Antwort #486 am: 19.11.2012, 03:54:00 »
Haravads raubtierhafte Fänge werden kurz sichtbar, als er sein Gesicht zu einem Lächeln verzieht.


"Ihr seid wahrhaft stark. Nicht nur an Körperkraft sondern auch im Geist. Ihr beugt nicht euer Haupt vor dem was ihr seht, dieser Schlag von Männern ist wahrhaft selten geworden in der Mondsee.
Dennoch werdet ihr merken das ihr euch praktisch gegen Alles stellt für das die Mondsee steht. Melvaunt, Mulmaster oder Hillsfar sind Orte an denen ihr auf taube Ohren stoßen werdet. Herrische Despoten und selbstgefällige Heuchler regieren dort. Ein stolzes, edles Herz wird dort vergehen, ob durch schleichendes Gift oder kalten Stahl.
Ich bin nicht sehr gut im hegen von Hoffnung, hat sie mich doch schon so oft betrogen. Doch würde es meinem Herz gut tun euch Glück zu wünschen."


Vaêl

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Kapitel III - Söhne des Gruumsh
« Antwort #487 am: 19.11.2012, 10:54:37 »
Vaêl schaut zum Sternenhimmel empor und rezitiert als Antwort einen der Grundsätze seines Glaubens.

"Vertraut in Selûnes Schein. Sie ist die rettende Hoffnung, das schwache, aber immer vorhandene Licht in der Dunkelheit. Sie ist die Gewissheit, dass es keine immer währende Nacht gibt."

Dann wendet sich der Aasimar dem rötlichen Licht, des sich ankündigenden neuen Morgens zu.

"Vertraut in das warme Morgenlicht Lathanders. Er ist die aufkeimende Hoffnung, die Erneuerung und der Zauber, der jedem Anfang innewohnt. Kein Zustand ist ewig, auch die Tyrannei der Mondsee nicht."

Schließlich hebt er vorsichtig eine Hand und hält sie dem Wolf hin, damit dieser daran schnuppern und sich mit Vaêl vertraut machen kann.

"Vertraut in Sune. Sie ist die reine Hoffnung. Sie betont nicht den vergänglichen Aspekt, sondern den Moment der Annäherung. Sie kennt keine Zweifel und keinen Verlust. Sie fordert alles und auch wenn sie alles nimmt, wurde man immer beschenkt und nie bestohlen. Man hat ihre Gunst erhalten. Man hat gelebt. Ohne sie wäre alles nichts. Sie macht die Hoffnung erstrebenswert."

Der Kleriker lacht und kramt in seinen Sachen seine Wegrationen hervor, um sie mit Haravak und seinem Wolf zu teilen.

"Nehmt einem Priester das Predigen nicht übel. Und nehmt von meinem Brot. Es ist nicht gerade üppig, aber ich teile gerne alles. Und erzählt mir von euch, Haravak."

Vaêls Müdigkeit war beinahe schon verflogen. Er genoss die Stille und Geborgenheit, die die Nacht und der noch junge neue Morgen mit sich brachte. Die Anspannung der vergangenen Stunden wich einer innerern Ruhe, die ihm Kraft gab. Er wusste nicht, ob es die Gunst seiner Götter war, die ihn stärkte, doch er würde wachen, bis die Nacht dem Tag wich. Er freute sich aufrichtig, den Halb-Ork noch einmal getroffen zu haben und würde solange am Feuer mit ihm zusammen sitzen, wie dieser ihm Gelegenheit gab.




Ultan

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Kapitel III - Söhne des Gruumsh
« Antwort #488 am: 19.11.2012, 13:03:38 »
Der Waldläufer lauscht Vaêls Worten und nickt dann andächtig. Dankbar nimmt er das von dem Kleriker angebotene Mahl entgegen und teilt es in zwei Hälften, von der er die eine seinem Wolfsgefährte hinwirft. Grunwar schlingt die Ration mit einem Happen herunter und rollt sich dann zufrieden auf die Seite.
Haravak streift den derben Lederhandschuh ab und hält seine Rechte eine Zeit lang in Richtung des prasselnden Feuers. Sein wacher Blick verrät keinen seiner Gedanken doch Vaêl spürt das der Halbork mit sich ringt.


"Dies ist das erste Mal das ich derartige Freundlichkeit erfahren, verzeiht wenn ich verstockt wirke, Vaêl. Ihr sagt gute Dinge und eure Worte wärmen mich mehr als jedes Feuer es vermag.
Ich werde euch nun ein wenig von mir erzählen, Dinge die ich längst vergessen glaubte und die mein Herz mit Trauer und Wut erfüllen.
Ich bin, wie ihr unschwer sehen könnt, kein Mensch und auch kein Ork sondern ein Bastard beider Völker. Mein Vater ist Tharnuk, Häuptling der Bruchfänge, einer der ältesten Stämme der Thar. Meine Mutter... ich habe sie nie kennengelernt. Ich weiß nicht ob sie eine Sklavin war oder ob mein Vater sie als Gefährtin betrachtet hat, er hat nie darüber gesprochen. Die Niederkunft war der Beginn meines Lebens und das Ende des ihren, folglich war ich von Geburt an ein Halbwaise.
Mein Vater... ich glaube er ist kein schlechter Mann. Doch es fiel im schwer mich zu akzeptieren. Die Orks dulden keine Menschen, wie ihr nur zu gut wisst. Für euch mag ich aussehen wie einer von ihnen doch sie erkennen in mir nur das Menschenblut meiner Mutter. Als ich alt genug war einen Speer zu halten, setzte mein Vater mich in der Wildniss aus."


Haravak macht eine Pause und starrt regungslos in die Flammen des Lagerfeuers. Vaêl fällt es schwer die Gefühle seines Gegenüber zu lesen, teils wegen seiner groben Mimik, teils wegen der Gleichgültigkeit in seiner Stimme.

"Versteht das nicht falsch, Kleriker. Ich schätze wenn mein Vater mich beim Stamm behalten hätte, hätten mich die übrigen Orks über kurz oder lang erschlagen. Für sie war ich ein Mensch und Menschen hassen sie.
Wenn ihr so wollt war es ein Zeichen von Liebe, dass mein Vater mich der grausamen Thar überließ. Er wusste das ich nur hier, auf mich allein gestellt überleben könnte.

So bin ich also wahrhaft ein Kind dieses unwirtlichen Landes. Ich habe überlebt, habe Sommer um Sommer, Winter um Winter um mein Leben gekämpft, habe getötet um nicht getötet zu werden. Immer wieder stieß ich auf Menschen. Karawanen, reisende Händler, Patrouillen, all die Menschen die dumm oder mutig genug sind die Thar zu durchqueren. Mir wurde schnell klar, dass auch die Menschen nicht an meiner Gesellschaft interessiert waren. Für sie war ich ein Ork, eine blutrünstige Bestie, ein wilder aus dem Sumpf. Wenn sie nicht wegrannten, versuchten sie mich zu töten. Nun, so war es zumindest mit den meisten.

Auch unter euch Menschen existieren Außenseiter und Einelgänger. Männer und Frauen weniger Worte mit hartem, rastlosem Blick der ständig in die Ferne schweift. Ihr Menschen nennt sie Waldläufer.
Diese Leute kennen die Natur und sie wissen um ihre Gefahren. Sie sahen mich und rannten nicht. Einige drohten mir, doch kein einziger von ihnen erhoben seine Hand gegen mich. Irgendwann hatten wir uns einander gewöhnt. Ich würde nicht sagen das man mich als Freund sieht, aber ich kenne die meisten Waldläufer der Thar beim Namen. Von ihnen lernte ich eure Sprache, sie lernten mich lesen und schreiben. Immer mal wieder ein wenig, hier ein kleines Buch, dort ein paar Zeilen. Sie sagten es wäre besser wenn ich die Handelssprache beherrsche, sonst würden mich weiterhin alle für einen Wilden halten.

Die Waldläufer schätzen mein Geschick im Fährtenlesen. Das Orkblut in mir schärft meine Sinne, dass Leben in der Thar machte mich wachsam und hart. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich nützlich. Ihr könnt euch nicht vorstellen was für ein Gefühl das war.
Nun, dass war es im großen und Ganzen. Nun bin ich selbst ein Waldläufer, reise endlos durch diesen unwirtlichen Sumpf, der meine Heimat ist. Gelegentlich nehme ich Aufträge entgegen von den wenigen Menschen die nicht direkt ihre Schwerter auf mich richten oder eben von den anderen Waldläufern. Wir sind alle einsame Wölfe, doch unter uns besteht eine lose Gemeinschaft.
Nicht so stark wie eure Gruppe hier, doch mir genügt es. Schließlich habe ich ja noch einen anderen Wolf an meiner Seite."


Haravak lacht schallend und klopft behutsam auf den Grunwars Kopf, der ein zustimmendes Jaulen von sich gibt.
« Letzte Änderung: 19.11.2012, 13:06:24 von Ultan »

Jon Faust

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« Antwort #489 am: 19.11.2012, 19:42:41 »
Bolmur horcht bei dem Worten Haravaks auf.

"Ihr sagt der Name eures Vaters ist Tharnuk, Häuptling der Bruchfänge? Dann habe ich wohl schlechte Nachrichten für euch. Er ist im Kampf gefallen, ich sah es mit eigenen Augen, ebenso meine Gefährten.

Doch denkt nicht falsch, er starb nicht durch unsere Hand. Vaêls Worte machten ihm klar, dass Thrull ihn und seinen Clan unter seinem unehrenhaften Banner in den Tod führt. Euer Vater zweifelte an Thrull und seinen Vorgehensweisen. Er bewies seinen Mut und stellte sich gegen die anderen. Er kämpfte an unserer Seite und starb mit Würde. Aufrecht kämpfend und nicht vor Thrull gebückt fiel er mit Würde für die Freiheit seines Stammes."


In das prasselnde Feuer blickend schweigt der Barbar für einen Moment.

"Welch bewundernswerter und schöner Tod."

Ultan

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« Antwort #490 am: 20.11.2012, 14:56:51 »
Haravak reißt die Augen auf. Ungläubigkeit und dann Zorn wallen im Gesicht des Halborks hervor und beinah springt er auf. Dann jedoch erschlaffen seine Glieder und die gleichgültige Ruhe legt sich wieder auf sein Gesicht.


"Mein Vater... ist also tot. Das schmerzt mich. Es verband uns kein starkes Band, es sollte mich also nicht kümmern. Dennoch war er die einige Familie die ich hatte. Ich schätze Blut ist Blut, nicht wahr?
Nun bin ich der einzige der dieses Blut noch teilt.

Ich mache euch keinen Vorwurf. Selbst wenn er durch eure Hand gestorben wäre. Ich weiß wer er war und auch wenn er weiser und menschlicher erschien als vieler seiner Artgenossen, war er doch ein Ork.
Im Gegenteil, es erfüllt mein Herz mit Freude, dass es Mut und Ehre waren die seinen Tod verschuldeten und nicht Zorn und Hass.
Entschuldigt mich bitte, ich würde nun gerne ein wenig allein sein. Komm Grunwar."

Der Wolf springt auf, als sich sein Herr erhebt und das ungleiche Paar verschwindet in der Dunkelheit der Nacht.
« Letzte Änderung: 20.11.2012, 16:58:12 von Ultan »

Vaêl

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« Antwort #491 am: 20.11.2012, 16:48:47 »
Vaêl blickt dem Halb-Ork hinterher. In dieser Gegend aufzuwachsen und nicht abzustumpfen, schien eine zu schwere Bürde zu sein. Inständig hoffend, ihm diese wenigstens ein bisschen erleichtert zu haben, wendet sich Vaêl seinen verbliebenen Gefährten zu. Immer noch nicht müde und erschöpft, bietet er an, die Nachtwache zu übernehmen.

Während seine Gefährten schlafen, legt sich Vaêl seinen Langbogen zurecht und spricht seine Gebete der aufgehenden Sonne zugewandt. Bald schon würden sie wieder ihre Klingen ziehen müssen und Feinden gegenübertreten, die das Schicksal der Welt bedrohten. Aber nicht jetzt. Jetzt genoss Vaêl den Frieden der schwindenden Nacht.

Jon Faust

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« Antwort #492 am: 20.11.2012, 22:30:40 »
Bolmur sitzt noch immer an der Glut in Gedanken versunken. Da fällt sein Blick auf die nachtschwarze Klinge, die Thrull geführt hatte. So viel hatten die Gefährten bereits erlebt, Stoff aus dem Geschichten und Lieder sind so wie er sie einst von seinem Stammesführer gehört hatte.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht beginnt er in seinem Rucksack zu kramen und holt den Stachel des Lindwurms hervor, den er erschlagen hatte und betrachtet diesen im roten Licht der Glut. Nach weitern Errungenschaften suchend stößt der Hüne auf einen mittlerweile zerknickten Briefumschlag, der sich weit unten in seinem Rucksack befindet. Verwirrt öffnet er diesen und erinnert sich, warum er eigentlich auf dem Weg nach Melvaunt war.

Hastig fährt er auf und stupst Thalorn an, sodass dieser aufwacht und wirft ihm den Brief hin.

"Diese Runen sind doch zwergisch oder etwa nicht? Sagt, was bedeuten sie?"
« Letzte Änderung: 20.11.2012, 22:31:24 von Bolmur »

Ultan

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« Antwort #493 am: 21.11.2012, 03:23:55 »
Thalorn nickt und ließt Bolmur den Brief vor:

@Geschätzter Freund des Klan Schildspalter,

was Ihr uns mitgeteilt habt wühlt unsere Herzen auf. Schon vor zu langer Zeit gaben wir die Hoffnung auf, unseren Sohn wieder in die Arme schließen zu können. Euer Anliegen ist töricht, denn Ihr wühlt Erde auf, wo seit langem nichts mehr zu finden ist!

Trotz dieser Worte ist die Trauer noch nicht vergessen und in mir wurde ein winziger Funke der Hoffnung entfacht das Schicksal könne betrogen werden. Nehmt diesen Talisman, er gehörte einst dem Verlorenen und vielleicht bringt er euch mehr Glück als ihm..

Auch wenn wir es nicht wagen nach all den Jahren erneut zu hoffen, wünschen wir Euch viel Glück bei eurem Unterfangen, möge es auch zum Scheitern verdammt sein.

Moradin möge über Euer Heim wachen.

Khelan Schildspalter

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