• Drucken

Autor Thema: Die vergessene Gruft  (Gelesen 14021 mal)

Beschreibung: IC-Thread - Kapitel 1

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Menthir

  • Moderator
  • Beiträge: 4051
    • Profil anzeigen
    • Enwe Karadâs
Die vergessene Gruft
« Antwort #165 am: 06.06.2012, 00:18:42 »
10. Jantus 1214 - Die vergessene Gruft - 12:06 Uhr - Im Schlafhaus der Söldner

Der Alb spuckte einen letzten Klumpen Blut aus, dann schien sein Mund weitestgehend von dem Blut, welches durch die freigesetzte Kraft in ihm hochstieg, befreit. Er hustete ein paar mal, um dieses widerliche Kratzen zu verbannen. "Ich weiß nicht, was »wünschen« in eurer Sprache heißt, Nicos der Verdammte. Aber in meiner Sprache ist es ein hoffnungsvolles Begehren auf etwas, welches man nicht mit eigener Kraft erringen kann. Das Wort Hoffnung gibt es aber in meinem Wortschatz aber nicht mehr und ihr besitzt nichts, was ich mir von euch wünschen könnte." Der Alb striff sich das nun zerschnittene und äußerst teure Elbenseil ab, was der Alb mit einem Lächeln quittierte. Langsam rappelte er sich auf, was ihm wegen seiner Schmerzen nur mühevoll gelang. Alben waren seit jeher nicht für regen Frohsinn und ihre verbale Gutmütigkeit bekannt, was Môr Tahâs deutlich unterstrich. Er blickte auf die hellen Hautstellen, auf jenen ehemals die Tätowierungen prangten. Der Alb fokussierte Nicos jetzt deutlich, der jetzt langsam der Ansprechpartner des Alben zu schien sein. Entweder mochte er die mehr oder weniger schroffe Art des Nekromanten oder er war gar eine Art Chauvinist, dass er ein Gespräch mit Mephala nicht gleichermaßen reizbar fand.
"Dann stimmte, was der Archivar sagte, wirklich. Ihr seid vergessene Versager und damit stimmen auch die Visionen...", murmelte er jetzt, nachdem er sich Nicos Geschichte aufmerksam anhörte. "Zumindest erkenne ich keine Lüge in euren Worten und er ist mir unklar, warum jemand sich selbst in eine Tasche lügen sollte, damit er als der Schwächste und Dümmste aus einem Wortgefecht herausgeht."

Er drückte langsam den Rücken durch und blickte in das Schneetreiben vor der Tür und bewegte sich ein paar Schritte darauf zu, obwohl er offensichtlich fror. Er ließ es sich nicht anmerken und ging bis an den Türrahmen, ohne Anstalten zu machen aus der Tür fliehen zu wollen. Stattdessen lehnte er sich entspannt dagegen und blickte nach draußen als er sprach. "Ich glaube, ich habe im Brunnen jenes gesehen, was auch Dhurek sah. Aber mein Geist ist nicht so ungeschlacht wie jener des senilen Priesters." Er machte eine Pause. "Deswegen formuliere ich das, was ich euch gesagt habe, nochmal in euren Redewendungen, in der Hoffnung, dass eure verdorrten Hirnrinden wieder wallen: Egal, um was ihr mich bittet oder was er mir droht, oder was ihr mir an den Kopf werft: All euer Streben ist irrelevant, solange ihr nicht wisst wieso und wozu. Grund und Zweck. Das Reich hat sich in den letzten zighundert Jahren eures Ablebens stark verändert. Die Männer und Frauen, die ihr gekannt habt, sind fast alle zu Staub zergangen, die Struktur des Reiches hat sich geändert und vor allem ist das Reich viel größer als zu euren Lebzeiten. Die Städte sind gewachsen, das Rad der Zeit hat sich weitergedreht. Ihr schmiedet Schwerter heute aus mehreren Metallen und nicht mehr plump aus Eisen und Stein. Es gibt neue Stoffe, sogar die Magie hat sich gewandelt. Freie Magienutzung ist dieser Tage in Zhuras verboten -  es sei denn man ist ein Priester und kann sich als solcher ausweisen...Ach, ich könnte euch gar nicht sagen, was ihr allein alles wissen müsstet, um nur unlebend in die Hauptstadt zu kommen."

Langsam drehte sich wieder um, da ihm wahrscheinlich etwas schwindelig war. "Zumindest wenn ihr die Route eines Soldaten nehmt, also den Weg dorthin marschieren wollt." Er blickte zu Alvanon. "Eure Schlüsse sind nicht so falsch, wenn auch nicht richtig. Ihr könnt die Gründe der Drachen, Elben und anderer Völker auch schlecht bewerten, schon gar nicht von einem Grab aus. Der Grund, warum das Reich zerfällt, ist die Spaltung der Kirche Vecors. Sie war ein ungeheurer Segen für dieses Reich und für den albischen Wald. Ohne die Sonne wird dieser Wald nicht mehr im ewigen Schatten liegen, das seht ihr ganz recht, Unlebender. Aber die Völker fallen auch übereinander her. Menschen über Menschen, Elben oder Elben, Zwerge über Zwerge. Vecors Glaube ist tief in ihre Völker vergedrungen und spaltet auch sie. Dhurek hat seine Prophezeiung deshalben wohl falsch gedeutet. Ihr seid es wahrscheinlich nicht, die das Reich retten sollen, denn das Reich ist nur ein Mosaik der Sonnenmacht." Der Alb gab fast ein ziegenhaftes Lachen von sich. "Vielleicht ist das auch alles eine falsche Prophezeiung oder eine Illusion der Vergeltung?" Immerhin Môr Tahâs schien sich jetzt prächtig zu amüsieren. "Stellt euch nur vor, ein Vecorarchivar verstößt gegen seinen eigenen Glauben, um das Zerrbild des Lebens zu erwecken - ein Feindbild des Sonnengottes wohlgemerkt - welches dann angeblich das Reich und/oder die Kirche retten soll? Zhuras existiert nur durch die Kirche Vecors, ihr werdet es nicht retten können ohne sie. Aber niemand in der Kirche Vecors wird euch auch nur ein Wort glauben. Mir deucht, dass dessen Sohn - ein Vergelter - euch mit voller Wonne wiederbelebt hat und euch auf eine Odyssee schickte, eure Seele von den Sünden eures vorherigen Lebens zu reinigen, in den Feuern des brennenden Zhuras: Ihr sollt die Kirche zerstören und nicht retten. Und jetzt frage ich mich, welchen Göttern ihr Alten wohl anhängt?" Jetzt prustete der Alb mit seiner ganzen, letzten Kraft und musste sich stark zurückhalten, um nicht noch schallend loszulachen. Nach einer Weile fing er sich wieder. "Eine göttliche Kömodie. Welch ein Spaß wäre das, würden nicht so viele eurer geliebten Landsmänner sterben, die ihr nicht einmal kennt. Mein Vorschlag an euch wäre also, dass ihr den Geist des gewaltsamen Todes aufsucht und fordert einen Schluck des Brunnen zu trinken. Ihr habt das Wissen und das Verständnis aus Jahrhunderten verpasst, was wäre eine naheliegendere Methode dieses Wissen in kürzester Zeit zu gewinnen?"

Der Alb wandte sich jetzt wieder Richtung Tür. "Meine Kraft wird bis zu meinem Weiler reichen, sobald der Schneesturm aufhört. Beratet also meinethalben darüber, wie ihr fortzufahren gedenkt. Doch zwei Dinge gebe ich euch mit, selbst wenn ihr keine Fragen mehr haben solltet. Erstens: Geht mir nicht auf die Nerven mit Drohungen. Dank der Barriere wird mein Tod ziemlich sicher in eurem endgültigen Tod enden. Und Zweitens: Sagt noch einmal, dass ich euch helfen soll, dann gehe ich und befehle ebenso euren Tod. Die Verhandlungen sind in diesen Punkten abgeschlossen. Wenn ich euch irgendwie mit Antworten nützlich sein kann, stellt kluge Fragen. Vom Weiler aus, werde ich euch den Weg weisen zum Geist."
Dann verließ er Alb den Türrahmen und setzte sich an den Tisch und aß erst einmal, was die Söldner in ihrer Eile übrig gelassen hatten.
« Letzte Änderung: 06.06.2012, 00:21:53 von Menthir »
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Nicos

  • Beiträge: 339
    • Profil anzeigen
Die vergessene Gruft
« Antwort #166 am: 06.06.2012, 17:25:50 »
Der Alb hatte wirklich einige Beleidigungen für Nicos übrig, doch irgendwie kam bei dem Nekromanten keine Gefühlsregung auf. Disziplin war offenbar schon immer eine Stärke von Nicos, auch wenn es keine Stärke war, die ihm letztlich irgendwie das Leben vor hunderten von Jahren retten konnte. Nicos schaute dem Alben immer bloß genau hinter und beobachtete genau, was er so tat. Nicos überlegte, ob man bei einem Schluck aus dem Brunnen als Untoter vernichtet werden würde. Etwas misstrauisch war er schon. Aber warum sollte der Alb eine so komplizierte Methode anwenden, um sie vernichten, wenn er einer riesigen Horde von Alben befehlen könnte, sie zu vernichten? Vielleicht war der Schluck aus dem Brunden doch keine Falle? Es konnte gut möglich sein, auch wenn man bei Alben immer etwas vorsichtig sein musste. Nicos würde mit großen Bedenken durchaus einen Schluck aus dem Brunnen nehmen, wenn es sein musste. Môr Tahâs wollte die Vecor-Kirche vernichtet sehen. Deswegen wollte er alle vergessenen Könige in diese Richtung lenken. Einem Alb konnte man nie vollständig trauen. Aber Nicos war es letztlich egal, ob er ein Reich völlig in den Untergang führen würde durch die Zerstörung der Vecor-Kirche oder einen schwachen König zum Wohle des Reiches töten würde mit Hilfe der Vecor-Kirche. Es war schon seltsam, aber es war einfach die Wahrheit.

Mit gewohnt emotionloser Stimme spricht der Nekromant dann weiter mit dem Alb: "Schade, dass wir nicht mehr in längst vergangenen Zeiten leben. Ich hätte vielleicht noch ein Ass im Ärmel gehabt, um die Barriere zu entfernen. Die tiefste Dunkelheit verleiht einem ungeheure Macht, wenn man sie zu nutzen weiß. Aber diese Zeiten großer magischer Kraft sind einfach vorbei. Ich muss mit der Macht auskommen, die ich jetzt noch habe, und mich so verhalten, wie es die derzeitige Situation erfordert. Aber aus einem Fehler aus der Vergangenheit habe ich jetzt schon gelernt: Ich werde nie mehr König sein wollen, selbst wenn man mich auf Knien anflehen würde und mir allen Reichtum Enwes dafür geben würde. Wenn ich Zeit dafür habe, werde ich meinen magischen Forschungen hauptsächlich bloß noch nachgehen.

Ihr habt ansonsten wirklich eine sehr gute Ausgangsposition das muss ich schon sagen, Môr Tahâs. Es könnte durchaus einen Grund geben, warum Ihr uns nicht auf jeden Fall, sondern nur unter bestimmten Bedingungen vernichtet sehen wollt. Vielleicht zeigt sich irgendwann warum genau.

Die Theorie, dass wir die Vecor-Kirche vernichten sollen, ist durchaus interessant. Aber auf der anderen Seite würde Ihr nie etwas sagen, was für Euch von Nachteil wäre und würdet wahrscheinlich immer das vorziehen, was für Euch von Vorteil wäre. Ist es überhaupt denkbar, dass wir Vergessenen genau das sehen, was Ihr gesehen habt? Das wäre noch eine interessante Frage. Wenn ich jetzt außerdem kein völliger Dummkopf bin, habt Ihr uns noch nicht gesagt, was genau Ihr gesehen habt. Ihr habt lediglich das interpretiert, was Ihr gesehen habt. Außerdem habt Ihr auf manches, was ich gesagt habe, noch nicht reagiert, aber er werdet schon einen Grund dafür haben, warum Ihr nicht darauf reagiert habt."


Nicos strich sich etwas über das Kinn und machte eine kurze Sprechpause bis er dann noch folgendes sagte: "Ihr Alben wünscht Euch doch die Unsterblichkeit zurück, sehe ich das richtig? Denkt eigentlich jeder so ablehnend über den Untod wie Ihr, Môr Tahâs? Gab es keinen mächtigen albischen Magier, der sich in einen Leichnam verwandelt hat? Leichname sind mächtige Wesen und wenn man es geschickt anstellt, kann man tatsächlich ewig leben. Warum lehnen die Alben es ab, das Leben durch den Untod zu betrügen? Ich weiß wenig über das Wesen der Alben und würde gerne mehr darüber erfahren. Aber wenn Ihr nicht darüber reden wollt, dann ist das halt so."       


Alvanon

  • Beiträge: 207
    • Profil anzeigen
    • Mein Blog
Die vergessene Gruft
« Antwort #167 am: 19.06.2012, 23:54:25 »
Alvanon ließ die Worte der anderen auf sich wirken. Er hatte einst gelernt, zuzuhören. Er hatte gelernt, das von anderen Gesagte in sich aufzusaugen und zu verarbeiten, um schnell die nötigen Schlüsse daraus schließen zu können. Eine Reaktion war in diesem Fall nicht notwendig, aber seine Reflexe ließen ihn so handeln. Dies hatte ihn während der Zeit seiner Herrschaft über das Reich mehrere Male davor bewahrt, aufzufliegen. Er wusste, aus den Worten anderer viel herauszuholen und zu interpretieren.

Und schließlich klingelten doch die Alarmglocken bei Alvanon. Als Nicos davon sprach, dass sie den Glauben von Vecor zerstören sollten, überlegte der Elb, ob dies wirklich der Fall und auch notwendig war, oder ob der Alb ihnen dies suggerieren wollte, damit sie sich um eine Schwächung des Reichs kümmerten und den Alben somit Arbeit ersparten und einen mächtigen Feind beiseite räumten. Wer konnte schon ahnen, wie weitreichend die Intrigen der Alben verliefen. Im Moment gab es jedoch keinen großen Anlass, Zweifel laut zu äußern, denn es gab bloß seine Vermutung. Was er brauchte waren Beweise, die er entweder für oder gegen seine Vermutung verwenden konnte. Die würde er bekommen, wenn er weiterhin mit dem Alben reiste, tief in das Herz des Albenreichs hinein. “Wundervolle Aussichten!“, dachte er bei sich und schüttelte den Kopf.

“Eure Warnungen sind nicht verkehrt, wir wissen wahrlich nicht besonders viel über die derzeitigen Zustände und Gesetze in diesem Reich. Allerdings finde ich es ebenfalls interessant, dass wir die Kirche Vecors auslöschen, oder zumindest entmachten sollen. Es wäre ein wahrlich interessantes Machtvakuum, welches dadurch entstehen würde, und noch viel interessanter wird es, wie es danach wohl gefüllt werden würde. Das Reich Zhuras selbst würde sich wohl nicht halten können und zerbrechen. Ob die umliegenden Reiche wohl darauf zugreifen würden? Ich ahne selbst, dass wir Probleme haben werden, unser Anliegen den Vecorianern vorzutragen, aber wenn wir die Kirche zerstören sollen, können wir auch einfach nichts tun nach unserem aktuellen Informationsstand. Es wird sicherlich eine interessante Zeit, in der die Sonne am Himmel bloß schwach scheinen wird. Einfach der Sonne zu entsagen klingt nach einem sehr schwierigen Vorhaben. Der Maskierte war gespannt, wie – oder vielmehr ob – der Alb darauf antworten würde. Er gab sich Alvanon gegenüber eher reserviert, was vielleicht auch an seiner eigenen Art mit dem Alb zu sprechen lag. Er hatte seine Worte zu sehr mit Bedacht gewählt und den Alb somit wie ein unwissendes Kind dargestellt. Auch wenn er den Alb nicht mochte, es war wohl besser, ihn anders zu behandeln, oder Nicos das sprechen zu überlassen, der scheinbar einen besseren Zugang zu dem Brudermörder hatte. Kunststück, bei dem Konflikt zwischen Elben und Alben.

An Nicos gewandt wusste Alvanon noch zu antworten: “Der Untod und die Unsterblichkeit sind zwei grundverschiedene Dinge. Der Untod selbst ist nur die Überlistung des Todes unter gewissen Opfern. Was würdet ihr wählen, Nicos, ewiges Leben mit all seinen Vorzügen, welches nicht von Verfall geprägt ist, oder den Untod welcher körperlich und vor allem äußerlich Tribute fordert? Die Erhabenheit des Seins vergeht im Untod, und wenn man den Untod erstrebt, verliert man die letzte Möglichkeit, die Unsterblichkeit wiederzuerlangen.“

Menthir

  • Moderator
  • Beiträge: 4051
    • Profil anzeigen
    • Enwe Karadâs
Die vergessene Gruft
« Antwort #168 am: 20.06.2012, 00:25:14 »
10. Jantus 1214 - Die vergessene Gruft - 12:11 Uhr - Im Schlafhaus der Söldner

Der Alb lachte leise in sich hinein, während er sich stärkte und nachdem Nicos und Alvanon zu ihm gesprochen hatten. Amüsiert erwähnte er. "Ihr seid albischer als ihr glauben mögt. Euch wird eure Zeit an diesem Ort gefallen. Ihr missachtet mehr meiner Fragen und verlangt gleichzeitig, mal offen, mal gedungen, dass ich eure Fragen beantworte oder in eurem Sinne handele. Obzwar dies wahrscheinlich nicht eurem Kalkül oder eurer Erfahrung entspringt, sondern vielmehr euer ehemals königlichen und nun allein existierenden Ignoranz geschuldet ist. Erlaubt mir also, dass ich meinen Worten ihren Zweck beraube und eure drängensten Fragen nicht mehr beantworte und geradezu ignoriere." Der Alb erhob sich wieder, er hatte nur einen Bruchteil gegessen, wahrscheinlich war ihm schon ein paar Tagen die Nahrungsaufnahme verweigert wurden und er beging nicht den Fehler, sich sofort vollzustopfen, als er die Möglichkeit dazu bekam. Mit steifen Fingern klaubte er die restliche Nahrung zusammen und umwickelte sie provisorisch mit etwas Leder. Lange würde er nicht an dem Proviant haben, da er schnell verfrieren dürfte, doch er wusste, dass er seinen Magen nicht überanspruchen durfte. Dabei sprach er jedoch weiter. "Ich werde euren untoten Augen und eurem maroden Geist, oder was auch immer davon in euren neuen Zustand magisch transzendiert sein mag, zeigen, was ich ansonsten mit Worten beschrieben hätte. Ihr werdet sehen, warum die Alben den Untod verneinen und was ich mit meinen Worten meine."

Der Alb sammelte sich Stofffetzen zusammen und begann seinen Oberkörper damit zu bedecken, so es ihm möglich war. Dabei kümmerte er sich darum, dass vor allem seine Nieren mit einer schützenden Schicht Stoff bedeckt war. "Wenn ihr jedoch etwas braucht, dass eure niemals rastlosen Geister auf dem Weg beschäftigt, dann lasst mich Nicos Feststellung aufnehmen und euch sagen, dass es tatsächlich einen Unterschied gibt. Todlosigkeit und Unsterblichkeit sind zwei unterschiedliche Wege etwas scheinbar Gleiches zu beschreiben. Aber Unsterblichkeit umfasst mehr als nur die Gunst, nicht das Zeitliche zu segnen. Die Untoten stützen sich auf Todlosigkeit, aber nie auf Unsterblichkeit. Darauf solltet ihr auf eurer Reise achten."
Der Alb humpelte etwas, das wurde mit jeder Bewegung deutlicher. Sein rechtes Bein wurde wahrscheinlich besonders übel von seinen Wärtern behandelt. Er humpelte zur Tür und blieb im Türrahmen stehen. "Gehen wir. Wir haben ein paar Stunden Marsch vor uns."
Der Alb hatte angekündigt, dass sie dann losgehen würden, wenn der Schneesturm nachlassen würde. Es war schwer zu sagen, ob seine entfesselte Magie noch einen Einfluss darauf hatte, oder ob er einfach unverschämtes Glück hatte, doch als er die Hütte verließ, verlor der Schneefall schon deutlich an Kraft. Da standen sie, keine fünfhundert Schritt vom letzten Rand des Waldes entfernt und doch deutete der Alb nach Nordosten, beinahe zurück des Weges, den sie gekommen war, weg von Izhar, der belagerten Stadt, welche vor wenigen Minuten noch Aufklärung für das Handeln Dhureks versprach, doch stattdessen stellte sich ein sonderbarer Gefangener in ihren Weg, der keine Fragen abschließend beantwortete, sondern stattdessen neue aufwarf. Und von was einer Posse sprach er, dass sie angeblich von Adeodatus[1] wiederbelebt wurden? Der Alb klapperte mit den Zähnen als er in die Schnee stapfte. Ein Gefangener machte Gefangene. Was war das für eine Situation? War ein Brunnen eine Lösung? Alles, was passierte, klang phantastisch und unwirklich, wie das orangene Licht der Barriere, die alles in das Licht eines langen Sonnenuntergangs tauchte...

Weiter geht es im nächsten Kapitel - Ein langer Sonnenuntergang.
 1. Adeodatus
« Letzte Änderung: 20.06.2012, 00:34:22 von Menthir »
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

  • Drucken