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Autor Thema: Devil's Night  (Gelesen 12380 mal)

Beschreibung: Das Ingame

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Devil's Night
« am: 08.03.2012, 22:59:32 »
Vögel singen in einer Welt,
die krank,
lieblos,
ungerecht ist.
Vielleicht haben sie recht.
[1]

Freitag, der 31.10.1980

Deputy Chief Egon Bittner schüttelte wiederrum den Kopf, als er auf die Interstate 96 nach Detroit auffuhr. Im Polizeipräsidium würde viel Arbeit auf ihn warten, das wußte er jetzt schon. Er hatte es bereits heute morgen während des Frühstücks in der Zeitung gelesen. Auf der ersten Seite prangte ein großes Foto von einem ausgebrannten Gebäude, das auf einem großen Firmengelände verloren wirkte und Bittner irgendwie an einen schwarzen Zahnstummel in einer leeren Mundhöhle denken ließ. Das Gelände war mit dem bekannten gelben Absperrband abgesperrt worden. Ein Police-Officer stand davor und hielt die Hand in Richtung der Kamera ausgestreckt. "Hat keinen Zweck,", dachte sich Bittner, "die Reporter haben das Blut bereits gerochen." Die Schlagzeile lautete: "Wütender Mob steckt Kohler Industries Verwaltungsgebäude in Brand". Der Untertitel lautete: "Firmenbesitzer Kohler in Feuer umgekommen?". Bittner hatte schnell den Artikel überflogen und hatte ein kleines Resümee gezogen. Es fiel ihm nicht schwer, sich die Not vor Ort vorzustellen: Drei Officer, vier von der SpuSi[2], dazu zwanzig Reporter und hundert Verdächtige.

Doch im Grunde hatte Bittner schon so etwas erwartet. In der Nacht war Devil's Night[3] gewesen und das bedeutete jedes Jahr Ärger. Zumal das DPD[4] auch alljährlich zu wenig Officers zur Verfügung hatte. Und auch alljährlich mockierten sich die Zeitungen und schmähten die angeblich schlechte Polizeiarbeit. "Wie sollen wir denn eine solide Polizeiarbeit liefern, mit diesen geringen Mitteln?", verteidigte sich Bittner in Gedanken. Doch es war, wie es war. Er würde eine SoKo[5] einrichten, die sich Brandes annehmen würden. Vier oder Fünf Mann, mehr konnte er für die Aufgabe nicht freistellen.

Bittner bog ab in die Innenstadt. Seine Gedanken kreisten noch immer um die Zeitungen. Die Stimmung war aufgeheizt. "Zu viel Kriminalität in Detroit, zu viele Morde in den Staaten." Er dachte an die verabscheuungswürdigen Taten von John Wayne Gacy[6], Ted Bundys[7], der noch immer auf die Vollstreckung der Todesstrafe wartete, und schließlich an den Zodiac Killer, von dem erst im letzten Monat vier Opfer in Kalifornien gefunden wurden[8]. Bittner fragte sich, ob die Presse auch hier einen Serienmörder vermuten würde. Doch er merkte, dass seine Gedanken abschweiften. Er würde sich jetzt konzentrieren und die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Zügig ging er die Namen der Inspectors durch, die sich der Sache annehmen könnten, und nachdem er alle mit offenen Fällen ausgeschloßen hatte, blieben eben noch genau fünf übrig.

Bittner erreichte den Parkplatz des DPD. Er stellte den Motor aus und blickte auf die Uhr. Es war 7.30 a.m. und schon jetzt hatte er Kopfschmerzen. Er blieb noch einen Moment sitzen, um sich die Schläfen zu massieren. Dann stieg er aus.

Kalter Wind peitschte ihm Schneeregen ins Gesicht. Zwar war es erst Ende Oktober, doch war es jetzt schon bitter kalt. Der Winter war unmittelbar auf den Sommer gefolgt, ohne dass dazwischen Herbst gewesen war. Die kalten Temperaturen und die gestiegenen Ölpreise[9] deuteten schon jetzt eine große Not in der ärmeren Bevölkerung an. Bittner fluchte. Der Regen würde die Spurensicherung nur schwerer machen.

Er betrat das DPD und wurde sogleich von Elisabeth, der Empfangsdame, abgefangen.
"Guten Morgen, Deputy Chief!", trällerte diese unbekümmert.
"Guten Morgen, Lisbeth. Ich weiß bereits von dem Brand auf dem Kohler-Firmengelände. Schon irgendwelche Termine?", fragte Bittner mit einer gewissen Vorahnung.
"Ja, wasfür eine fürchterliche Sache. Der Bürgermeister hat sich für 8:15 Uhr angemeldet. Er hat eben angerufen, vermutlich noch von zu Hause."
Bittner seufzte. "Hab' ich mir schon irgendwie gedacht. Nun gut, schicken Sie ihn dann in den Besprechungsraum im oberen Stock. Ach und Lisbeth, legen sie Doherty, Macallan, Marshall und Brown ein Memo auf den Schreibtisch. Treffen um 8:30 Uhr im Besprechungsraum. Neuer Fall! Ich jedenfalls sehe mir jetzt die ersten Erkenntnisse an.", sagte er und war schon im Trubel des DPD verschwunden.
 1. Andrea Schwarz, österreichische Publizistin
 2. = Spurensicherung
 3. An Halloween ist Detroit alljährlich Schauplatz schweren Vandalismus und Brandstiftung.
 4. = Detroit Police Department
 5. = Sonderkommission
 6. 
genannt der Killer-Clown (Anzeigen)
 7. 
Theodore „Ted“ Robert Bundy war ein US-amerikanischer Serienmörder (Anzeigen)
 8. Tatsächlich gehen diese Morde auf das Konto von David Carpenter
 9. wegen der Ölkrise Ende der 70er
« Letzte Änderung: 12.03.2012, 18:51:34 von List »
"Man muss auch das Allgemeinste persönlich darstellen."
- Hokusai

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Devil's Night
« Antwort #1 am: 12.04.2012, 11:28:14 »
Die Zeiger der Uhr hinter Lisbeth rückten beständig auf 8.00 Uhr zu und nach und nach trudelten die Beamten des Tagdienstes ein und das DPD belebte sich. In dieser Zeit hatte Lisbeth schon Kaffe aufgesetzt, zahllose Anrufe von der Presse angenommen und einen Fassadenreiniger beauftragt, das 2x1 Meter große 'ACAB'-Graffity[1] zu entfernen, das ein Unbekannter in der vergangenen Nacht auf die Front gesprüht hatte. Elisabeth war erstaunt gewesen, als man ihr erklärt hatte, was dieses Akronym bedeute: "Das sind ja nur die Anfangsbuchstaben! Und das verstehen die Jugendlichen? Also, ich weiß nicht. Bei uns hatte die Polizei noch ein Ansehen."

Als die genannten Beamten eintrafen fanden sie die Memo auf ihren Schreibtischen im Großraumbüro:

Zitat
Guten Morgen!

Der Chef möchte Sie sprechen, denn es gibt einen neuen Fall. Sie haben wahrscheinlich schon in der Zeitung davon gelesen.

Besprechung um 8:30 Uhr im Besprechgsraum.

MfG, Elisabeth

Als es Zeit war, fanden sie sich auch vor dem Besprechungsraum ein. Die ganze Zeit über hatten sie sich gefragt, mit wem sie zusammenarbeiten würden, und jetzt wußten sie es. Sie kannten sich, zumindest vom Sehen her, manche auch näher. Ein Schild an der Klinke deutete ihnen, dass der Raum noch belegt war. Ein aufgeregter Wortwechsel war undeutlich durch die Tür zu vernehmen. Bittners Stimme konnten sie eindeutig ausmachen. Die andere mochte wahrscheinlich dem Oberbürgermeister Friday[2] gehören.

Sie könnten an der Tür lauschen, wenn sie wollten. Doch wenn sie plötzlich aufgerissen werden würde, wäre das ein peinlicher Fauxpas.
 1. ACAB = All Cops are Bastards
 2. Notizblock
« Letzte Änderung: 12.04.2012, 11:46:59 von List »
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Devil's Night
« Antwort #2 am: 12.04.2012, 11:55:48 »
Einzig James Brown war noch nicht eingetroffen. Er stand mit seinem Auto auf der Auffahrt zur 52sten Interstate und wartete darauf, dass die Kollegen die Straße wieder freigeben würden. Die Straße war von zwei ausgebrannten Autowracks versperrt, die der Teufelsnacht zum Opfer gefallen waren. James wurde ungeduldig; es war nicht mehr lange hin bis zum Dienstbeginn und er war erst vor Kurzem hierher (straf-) versetzt worden. Dies war sein gewohnter Arbeitsweg, an den er sich gewöhnt hatte. Es war noch keine Not gewesen, einen anderen zu fahren, und so gut kannte er sich in Detroit noch nicht aus[1]. Würde er noch warten oder auf gut Glück einen anderen Weg nehmen?
 1. Aspekt angespielt: Neu in der Stadt
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James Brown

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Devil's Night
« Antwort #3 am: 12.04.2012, 12:52:03 »
Es war wieder einer der Tage gewesen, an denen sich James in seine Heimatstadt zurückversetzt wünschte. Er war rechtzeitig aufgestanden. Seine Kinder waren rechtzeitig in die Schule gekommen und er hatte, wie jeden Tag seit er in diesem gottverlassenen Ort gelandet war, die selbe Straße genommen, um zur Arbeit zu gelangen. Nie hatte er sich Gedanken machen müssen.

Verärgert schlug er mit der Hand auf das Lenkrad seines 1980er Charger. Schwarz, wie meine Seele dachte er, als er über das Lenkrad des Wagens streichte. Und dennoch hatte ihn das Schicksal nicht vollständig aus dem Spiel genommen. Er hatte eine zweite Chance bekommen, auch wenn ihm das Spielfeld, auf dem er diese austragen musste, nicht leiden konnte. Alles ist hier so anders. Selbst der Regen. dachte der Cop bei sich, als er das Radio etwas lauter drehte. Und ja, sogar die Musik. Als sich eine Lücke auftat, versuchte James diese zu nutzen, dies brachte ihm jedoch gerade einmal ein, zwei Meter weiter vorne zu stehen als gerade eben noch. Dann sah er die Seitenstraße. Er hatte den Anruf bekommen, pünktlich im Büro zu sein. Und irgendwie waren ja doch alle Städte in den USA gleich aufgebaut. Also: eine Straße weiter, und dann später einfach wieder auf diese hier zurück. Es müssten noch ein zwei Kreuzungen kommen, bis zu dem Diner, an dem er immer abbog.

Und so setzte James den Blinker, und bog in die Seitenstraße ab. Sein Blick fiel dabei kurz auf das Buch, welches neben seinem Mantel auf dem Beifahrersitz lag: The Lords of Discipline[1], gerade erst erschienen. Und auch er war gerade dabei, in einem fremden Umfeld zu Recht kommen zu müssen.
Angespannt und nach einem Blick auf die Uhr bereitet sich James darauf vor, erneut von dieser ihm so fremden Stadt überrascht zu werden, als er auf die Parallelstraße einbiegt.
 1. The Lords of Discipline

Marguerite Moulin

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Devil's Night
« Antwort #4 am: 12.04.2012, 14:38:38 »
"Wenigstens haben sie bei den meisten nicht ganz unrecht." dachte sich Ian als er das Graffity an der prominenten Stelle passierte. Er streckte sich nocheinmal und atmete tief ein bevor er durch die Tuer trat und damit sein Arbeitstag unwillkuerlich begann.

Auf seiner Etage angekommen fuehrte ihn sein erster Weg wie jeden Morgen zur Kaffemaschine. Dunkel, stark, das brauchte er jetzt. Wie jedes Jahr hatte Ian sich freiwillig fuer die Streife waehrend der Devil`s Night einteilen lassen. Irgendwie war es fasst seine Lieblingszeit im Jahr. Es gab Action wie in keiner zweiten Nacht und als Bonus schienen die braven Buerger von Detroit auch nicht soviel dagegen zu haben wenn der Idiot, der gerade dabei ist ihr Auto anzuzuenden, bei der Verhaftung ordentlich einen aufs Maul bekommt; eine von Ians Spezialitaeten. Drei Verhaftungen hatte er in dieser Nacht vorgenommen, zwei davon unter Gewaltanwendung. Ein gar nicht mal so schlechter Schnitt. Er waere nur zufriedener, wenn er nicht noch die Berichte fuer die Festnahmen schreiben muesste. Aber wie hiess es? Erst das Vergnuegen dann die Arbeit oder wenigstens so aehnlich.

Seine Laune fiel schlagartig in den Keller als er das Memo auf seinem Tisch fand. Die letzten paar Male, als er zu einem netten Plausch mit Bittner geladen wurde, war es kein Zuckerschlecken fuer Ian gewesen, die Meisten wuerden sagen zurecht. Einen Vorteil hatte die Sache, die Berichte konnte er getrost hinten anstellen. Mit diesem Gedanken trotete er langsam, mit seinem Kaffee in der Hand, in Richtung des Bueros des Cheffes. Entweder war er als Einziger bestellt worden oder die Anderen waren noch nicht.

Alles halb so wild, solange nicht die Idioten von der Inneren auftauchten war alles im Lot.
« Letzte Änderung: 12.04.2012, 16:57:15 von Ian Marshall »
„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“

James Doherty

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Devil's Night
« Antwort #5 am: 14.04.2012, 13:49:59 »
Dieser Anruf war merkwürdig. James legte das Telefon auf, der war übernächtigt und hatte er beim siebten oder achten Klingeln abgenommen. Das nervtötende Klingel in seinen Ohren hallte noch immer nach. "Kommen Sie heute ins Büro.", hatte die kurze Nachricht gehießen und die Anruferin machte kein Hehl daraus, dass James im Polizeibüro erscheinen zu habe. James wurde nach dieser Nachricht wach, die Ungewöhnlichkeit ließ ihn aufhorchen. Die Informationen waren jedoch karg, er wusste nur, dass er zu erscheinen hatte. James rieb sich die Augen mit der rechten Hand, während er den Hörer wieder einhing.

Die Kaffeemaschine, ihr rödeln und ihr unrundes Laufen, rissen den Journalisten, der noch immer, aber verdeckt, für die Polizei arbeitete, aus der Lethargie. Er zog sich an und blickte auf die Uhr, die ihre Zahlen in digitalen Lettern anzeigte: 7:25 Uhr. Ihr schwaches, rotes Leuchten waren neben der Kontrollleuchte und das schwache Morgenlicht durch das Küchenfenster, das einzige Licht, welches sich in die Behausung von James zog. Im Zwielicht zog er sich an und steckte sich die erste Zigarette des Tages an. Er spürte das flaue Gefühl der Zigarette auf nüchternen Magen, es ekelte ihn a. Wie immer nahm er sich vor, zumindest eine halbe Scheibe Brot zu essen, bevor er sich die erste Zigarette ansteckte.

Jetzt hatte er keinen Hunger mehr, hastig trank er einen Kaffee zu der restlichen Zigarette und füllte den restlichen Kaffe in die Thermosflasche um. Die Uhr zeigte inzwischen 7:35. Um 3:00 war er erst ins Bett gekommen. Es war eine der nervigen Abend gewesen, denn als Journalist bekam er Geld für das Ablichten der bedeutenden und wenigen schillernden Personen Detroits und Umgebung, aber nicht für seine investigativen Arbeiten, welche dafür kritisch gewürdigt waren. Irgendein unwichtiger Empfang eines aufstrebenden Industriellen war es gewesen, der mit ein paar Tausend Dollar aus dem Osten oder Süden kam, und Aufschwung versprach, um nur innerhalb zweier Jahreszeiten von der Realität Detroits zerdrückt zu werden. Erst um 2:30 konnte sich James verabschieden. Und jetzt schon wieder hoch, er fühlte sich erschöpft. Er nahm sein Sakko vom Stuhl und ging zu seinem Auto.

Holpernd sprang der Ford Falcon[1], Baujahr '60, an. Es war Zeit sich durch die dunklen Straßen Detroits zu walzen und sich diesen Dreck anzuschauen. Überall wehten Zeitungsseiten im Wind über die feuchten Straßen. Aber die Fahrt war ruhig, James kämpfte mit seiner Müdigkeit. Zweimal hielt er an, um einen Schluck Kaffee zu trinken.

James Schreibtisch war verwaist und wie immer, fand er fremde Papiere darauf, wenn er in das Büro kam. Er blickte auf die Memo. Immer noch keine neue Erkenntnisse. James fiel jetzt erst auf, dass er gar nicht das Autoradio angemacht hatte, er hatte nicht einmal eine Zeitung gekauft. Eigentlich wollte er um 9:15 bei seiner Zeitung sein und den Artikel über den neuen Kleinindustriellen schreiben. Er rieb sich die Augen und strich sich über das Gesicht. Schweigend setzte er sich kurz und blätterte die fremden Papiere durch, welche den anderen Polizisten gehören musste. Einer seiner Kollegen kaufte wohl gerade ein Haus in der East. Maklerunterlagen. James legte sich zurück, nahm die Memo mit und ging zum Besprechnungsraum.

Nur Ian war bisher da. James hob die Hand zur Begrüßung und stellte sich, selbst einen Kaffee in der Hand, einfach dazu und lehnte sich gegen die Wand. Die Augenringe von James waren beachtlich. Er nickte Ian nur nochmal zu und hielt sich zurück. Ob Ian inzwischen wusste, dass sie eine gemeinsame Geschichte hatten? Er blickte auf Ians Umfang, ein ganzer Jugendlicher musste sie im Gewicht trennen. Es wunderte James nicht, dass Ian diesen Ruf hatte. Selbst wenn er wahr ist, verstärkte seine Gestalt dieses nur. Aber jetzt wollte James nicht weiter darüber nachdenken. Er war müde, er roch an seinem Kaffee. Er war etwas dünn. Nicht mehr genug Pulver dagewesen. Es schmeckte nach Brackwasser. Aber es war schon ungewöhnlich. Er und Ian zu einem Fall gerufen? Kurz blickte James zu Ian. Mafiageschichten, die seine Anwesenheit erforderten? Er lehnte sich wieder zurück und schloss die Augen. Besser nicht drüber nachdenken, bevor man nicht ein Indiz hat.
 1. Ford Falcon
"Der Scharfsinn der Polizei ist die Gabe, alle Menschen eines Diebstahls für fähig zu halten, und das Glück, dass sich die Unschuld mancher nicht erweisen lässt." - Karl Kraus

Rex Macallan

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Devil's Night
« Antwort #6 am: 16.04.2012, 00:28:30 »
Rex war heute schon etwas früher im Büro. Er war zeitig aufgestanden, um auf Umwegen, durch die Straßen kreuzend, gemächlich zur Arbeit zu fahren. Er tat dies häufig. Andere lasen morgens lang in der Zeitung oder tranken einen zweiten Kaffee, rauchten Zigaretten, doch Rex fuhr auf Umwegen zum DPD. Er brauchte das, manchmal mehr, manchmal weniger, um sich auf die Arbeit einstimmen zu können. Ein abrubtes Eintauchen in das Polizistendasein war ihm unangenehm und im Umkehrschluss würde er heute abend auch einen gehörigen Umweg nach Hause fahren, bis er sich wirklich angekommen fühlen konnte.

Heute hatt er diesen Übergang in die Arbeitswelt ungewohnt schnell vollziehen können und saß deshalb viel zu früh an seinem Schreibtisch. Eine leider viel zu gute Gelegenheit um etwas mit dem verhassten Papierkram aufzuholen, der dem Chef so wichtig war. Also kramte er in seinen Papierstapeln und Schreibuntensielien, bis er alles hatte was er brauchen würde und schaltete die Schreibtischlampe an.

"War ja klar." kommentierte er das leise Knacken mit dem die Glühbirne ihren Dienst aufgab. Seufzend stand er auf und schraubte das Leuchtmittel aus dem Gewinde und machte sich daran ein neues zu erlangen. Die Schreibtische des Büros waren so früh am Morgen kaum besetzt und so sparte Rex sich ein wenig Zeit indem er seine defekte Glühbirne mit der hoffentlich funktionierenden eines Kollegen austauschte.

Als er an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte, erwartete ihn dort ein Memo. Wenig daran interessiert schob er es in den Stapel der zu bearbeitenden Papiere und führte die Glühbirne zunächst ihrer Bestimmung zu. Von ihrem schwachen Schein angestrahlt machte sich Rex an die Arbeit. Eine dreiviertel Stunde und zwei Berichte später lag das beinahe vergessene Memo nun ganz oben auf seinem Stapel, der nur kaum spürbar geschrumpft war. Nun doch für eine Ablenkung dankbar, nahm er es zur Hand.

Er blickte auf die Armbanduhr "8:29 Uhr." und dann wieder auf das Memo "wahrscheinlich schon in der Zeitung davon gelesen..." "Hm..." Rex wog das in Kauf genommene Zuspätkommen, um noch schnell einen Blick in eine Zeitung zu werfen gegen ein ahnungsloses aber pünktliches Auftreten ab. Eigentlich mochte er es nicht sich uninformiert in irgendeine Situation zu begeben, aber vermutlich waren die Zeitungen heute voller Dinge, wegen der Bittner ihm einen neuen Fall aufbrummen wollte. Bis er sich einen Überblick verschafft hätte, würde er wohl deutlich zu spät bei dem Alten sein.

Also begab sich Rex ohne Umweg und annähernd pünktlich zum Besprechungsraum, vor dem schon zwei Kollegen herumlungerten. James kannte er seit er für Bittner arbeitete, wenn auch nicht gut, er hatte den Mann wegen Mordverdacht festgenommen. Anscheinend war er unschuldig gewesen, zumindest war er nicht in den Knast gewandert. Rex hatte natürlich des Öfteren mitbekommen, wie sich die Mäuler über James zerissen wurden. Rex hatte das nie interessiert. Er konnte sie nur festnehmen und nicht auch noch verurteilen und richten. Angeblich war die Tatsache, das Rex nicht Polizist, Richter und Henker in einer Person sein konnte auch ein Beweis für die Großartigkeit dieses Landes, aber auch das war Rex egal, er erledigte nur seinen Job.

Jedenfalls hatte er mit James nach dessen Verhaftung kaum ein Wort geredet, zumindest konnte er sich nicht daran erinnern es getan zu haben. Dennoch empfand er ein gewisses Maß an Verbundenheit mit dem Mann, dessen Los hier im DPD zumindest teilweise dem von Rex ähnelte, waren sie doch beide auf ihre Weise Ausgestoßene.

Den anderen Kollegen kannte Rex noch weniger. Das bedeutete, er hatte Ian bisher noch nicht verhaftet und ebenfalls kaum mit ihm geredet.

"Scheint ja etwas wichtiges zu sein, wenn drei Beamte herbestellt wurden.", überlegte Rex und  lehnte sich etwas Abseits der beiden an die Wand. Auf einen Gruß hatte er verzeichtet. Er rechnete einfach nicht damit, dass es einen Kollegen interessierte, ob Rex Macallen ihm einen Guten Morgen wünschte.

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Devil's Night
« Antwort #7 am: 19.04.2012, 14:37:50 »
James betätigte den Blinker, machte kehrt und fuhr stattdessen die 26th Avenue entlang, in der Erwartung, dass sie parallel verliefe und er bald wieder auf die Interstate auffahren könnte. Doch es zeigte sich, dass die Straße im weiten Bogen nach Westen verlief und er immer weiter von der Interstate weg führte. Nach einer kurzen Weile beschloß James Brown, nach südosten in eine Seitenstraße abzubiegen und den Weg zur Autobahn zurückzusuchen. Dicker Schneeregen fiel platschend auf seine Windschutzscheibe und er stellte den Scheibenwischer auf höchste Stufe. Schon bald hatte er die Orientierung in den immer gleich aussehenden Straßen verloren[1]. Was für ein scheiß Start in den Tag!



Währenddessen warteten die drei Beamten Doherty, Macallan und Marshall darauf, dass ihre Besprechung anfing. Im Besprechungsraum waren immer noch Bittner und Oberbürgermeister Friday. Das Gespräch dauerte an und auch wenn sie den genauen Wortlaut nicht verstanden, war es eine handfeste Meinungsverschiedenheit. Als sie schon fünf Minuten überfällig waren, öffnete sich abrupt die Tür und herausgetreten kam der Oberbürgermeister, "Das ist Ihre Sache, wie sie das machen, Bittner. Ich erwarte, dass Sie die Sache bald geklärt haben." über die Schulter rufend. Als er sich der wartenden Beamten gewahr wurde, schien er überrascht. Doch er nickte ihnen zu und ging an ihnen vorbei zur Treppe.

Auch Bittner erschien nun in der Tür und deutete den Beamten, einzutreten. "Entschuldigen Sie, dass Sie warten mussten. Der Bürgermeister war wegen derselben Sache hier wie Sie und wie Sie gesehen haben, hat er seine Vorstellungen, wie der Fall aufgeklärt werden wird. Ich schätze, Sie sollten sich darauf einstellen, dass es nicht leicht wird.", sagte er grimmig und schloß die Tür hinter ihnen.
Drinnen war die Luft stickig und das dämmrige Licht des Morgens erhellte den Besprechungsraum nur spärlich, sodass zusätzlich das kalte Licht von Neonröhren den Raum erforderlich war. In mehreren Reihen waren hier Stühle mit kleinen Schreibflächen aufgestellt und vorne stand ein Tisch und ein Rednerpult. Dieser Raum wurde nämlich auch für Schulungszwecke und für Pressekonferenzen genutzt.
Bittner gebot den Beamten, dass sie sich in die erste Reihe setzen sollten, während er selbst stehen blieb. "Wahrscheinlich haben Sie schon in der Zeitung gelesen, dass auf dem Gelände von Kohler Industries ein Gebäude in Brand gesteckt wurde." Schon an diesem Satz zeigte sich zweierlei: zum einen nämlich, dass Bittner ein feines Gespür dafür hatte, wann es nötig war, wohlfeile Worte zu verlieren, - und es ansonsten vermied - und zum anderen, dass er es einfach voraussetzte, dass seine Beamten genauso informiert und gewissenhaft waren, wie er es auch war. Er nahm die Zeitung auf, die auf dem Tisch gelegen hatte und reichte sie herum:



Wütender Mob steckt Verwaltungsgebäude von Kohler Industries in Brand.


Ohne darauf zu warten, dass jeder den Artikel betrachten konnte, fuhr er fort. "Das Ganze ist heute Nacht etwa gegen 2.00 Uhr passiert, während der alljährlichen 'Devil's Night'. Offensichtlich hatte der Fabrikbesitzer, Mr. Georg Kohler, noch gearbeitet, als sich ein Mob um das Gebäude sammelte und es ansteckte. Mr. Kohler gilt seitdem als vermisst und ist wahrscheinlich in dem Feuer umgekommen. Die Feuerwehr und das Eintreffen der Polizei zerstreute den Mob - wir haben nur eine Handvoll Personalien. Der Brand konnte erst gegen frühen Morgen gelöscht werden. Die Spurensicherung und wenige Streifenbeamte sind vor Ort. Es ist nur wenig veranlasst.", fasste er die Situation kurz zusammen. "Ich möchte Sie damit beauftragen, dass Sie den Fall bearbeiten. Sie haben schon genügend Erfahrung in anderen, schwierigen Fällen gesammelt und zudem gerade keinen anderen, wichtigeren Fall. Der Oberbürgermeister wies noch einmal explizit darauf hin, dass 'Fingerspitzengefühl' gefragt ist, denn die Angelegenheit hat gewisse politische Brisanz. Sie kennen ja die Bemühungen, dass Schwarze und Weiße in jederlei Hinsicht gleichgestellt werden, und andererseits leidet die Wirtschaft schon seit einigen Jahren an den vielen Firmenschließungen und Entlassungswellen, von denen überdurchschnittlich viele Ausländer betroffen waren. Worauf ich hinaus will, ist, dass Sie den Täter wahrscheinlich in diesem Milieu suchen werden, doch darf es nicht den Anschein haben, dass Sie eine bestimmte Gruppe diskriminieren. Der Oberbürgermeister macht sich dafür verantwortlich und immerhin sind bald Wahlen.", deutete er das Offensichtliche an. "Ach und noch etwas: Ich weiß, dass Sie sich zum Teil schon aus anderem Zusammenhang kennen. Dazu muss nichts gesagt werden, aber ich erwarte, dass Sie gut zusammenarbeiten."

"Wenn Sie keine Fragen mehr haben, dann würden wir gleich gemeinsam zum Tatort fahren.", endete er und wirkte, als würde er keine Frage mehr erwarten.



Als James Brown schließlich und völlig entnervt in DPD ankam war es schon 8.45 Uhr. Er eilte die Stufen hoch und durch die Tür und wollte gerade an seinen Platz gehen, als ihn die Empfangsdame zurückhielt.
"MR. BROWN, Mr. Brown, warten Sie! Ich habe eine Nachricht für Sie. Heute morgen war eine Besprechung, an der Sie leider nicht teilgenommen haben.", kein Vorwurf lag in ihrer Stimme, "Der Chef lässt Ihnen ausrichten, dass Sie einem neuen Fall zugeteilt sind und dass Sie sich bitte unverzüglich zum Firmengelände von Kohler Industries begeben sollen. Dort werden sie eingewiesen."
 1. Nötig ist eine mässige Ortskenntnis.
Würfeln auf Gassenwissen: Würfelergebnis = -1 - Misserfolg!
1 Schicksalspunkt erhalten.
« Letzte Änderung: 19.04.2012, 16:03:50 von List »
"Man muss auch das Allgemeinste persönlich darstellen."
- Hokusai

James Brown

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Devil's Night
« Antwort #8 am: 20.04.2012, 12:50:05 »
Ja, mehr als einmal hatte James auf der Fahrt zu DPD überlegt, einfach umzudrehen und dass ihm alles doch zu viel ist. Die ganze Vergangenheit, die er in Chicago zurücklassen musste. Die Freunde und Bekannte. Doch seine Familie hielt noch zu ihm, das war wichtig.
Als er erneut an einer der Ampeln stand und gerade dabei war, umzudrehen, fiel sein Blick auf das Buch, das noch immer neben ihm lag. Nein, so leicht würde ihn diese Stadt nicht unterkriegen.

Der Schnee bließ vermehrt gegen die Windschutzscheibe, ganz so, als wolle sogar die Natur ihn davon abhalten, ins Büro zu kommen. 'Und vielleicht war das auch besser so.', dachte James. Doch Elisabeth belehrte ihn wie so oft eines besseren. Er hatte eine Besprechung verpasst. Und nun durfte er erneut durch das Schneetreiben an einen Ort fahren, von dem er noch nie etwas gehört hatte... James legte den Kopf schief. 'Kohler Industries. Heute morgen in der Zeitung? Hatte er da nicht etwas gelesen?'
An Elisabeth gewandt, antwortete er nur kurz: "Haben sie eine Karte dieser verdammten Stadt?" Er hätte auch schon früher auf die Idee kommen können, eine Straßenkarte zu besorgen, aber bisher war er einfach zu faul gewesen, hatte die Zeit mit seinen Kindern verbracht oder wollte einfach nicht einen Fuß auf den Asphalt Detroits setzen.

Von Elisabeth lies er sich zeigen, wo der Tatort war, zeichnete den Ort sowie das Polizeipräsidium in die Karten - und weil er dabei war auch gleich seine Wohnung. Dann faltete er die Karte zusammen. Es würde sicherlich niemandem auffallen, wenn er noch schnell einen Kaffee trinken würde. James machte bereits den Schritt in Richtung der Kaffeeküche, doch irgendwie fühlte er sich unwohl. Er war bereits zu spät gekommen, jetzt würde er nicht auch noch Zeit totschlagen. So drehte er sich um, schlug den Kragen seines Trenchcoats hoch und eilte die Meter zu seinem Auto, welches das letzte in der Reihe war - eine Art Strafe für das verspätete Eintreffen.

Wie er diese Stadt hasste...

Langsam setzte James zurück, blickte auf die bereits leicht verwaschene Karte und versuchte sich den Weg zu Kohler Industries einzuprägen. Die Scheibenwischer erneut in den Kampf gegen den Schneesturm schickend, nutze er die Möglichkeit, als Polizist das einzelne Blicklicht auf sein Dach zu setzen, um diesmal schneller an seinem Bestimmungsort an zu kommen. Ohne Kaffee, aber unterstützt von dem  Gedanken, dass der Held in dem Buch auch nicht aufgegeben hatte, fuhr James los.

James Doherty

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Devil's Night
« Antwort #9 am: 22.04.2012, 16:42:48 »
James rieb sich die Augen. Er hatte ein ungewöhnlich großes Aufkommen an Feuerwehrwagen auf dem Heimweg festgestellt, aber müde und erschöpft, hatte er sich in der Devil's Night keine besonderen Gedanken darüber gemacht, doch dass es die Kohler Industries erwischt hatte, ließ James doch einen genaueren Blick über den Artikel schweifen. "Lange Nacht, Chief, hatte noch keine Zeit für eine Zeitung.", sagte er kurz angebunden, ehe er sich die Zeit nahm, um den ganzen Artikel zu lesen. Die Mundwinkel des Journalisten waren nach unten gezogen, als Bittner feststellte, dass er angeblich nichts Besseres zu tun hatte. Wahrscheinlich hatte er recht, aber James mochte diese Endgültigkeit in der Stimme seines Vorgesetzten nicht, zumal auch ausgerechnet Ian Marschall am selben Tisch mit ihm saß. James musterte ihn kurz über die Zeitung hinweg und dann noch Rex Macallan, der Polizistenschreck der DPD. James blickte mit hochgezogener Augenbraue zu Bittner und nickte ihm dann zu, legte den gelesenen Artikel wieder weg und unterließ das Lupfen der rechten Augenbraue. "...aber ich erwarte, dass Sie gut zusammenarbeiten.", wiederholte James die Worte im Kopf. Warum hatte Bittner ihn zurück in das Präsidium geordert? Nur, um ihn mitzuteilen, dass er zu dem Ort kommen sollte? Das hätte er auch machen können, ohne dass James zum Präsidium musste, zumal er offiziell kein Polizist mehr war. Er wollte eindeutig, dass er wusste, dass er mit Rex Macallan und Ian Marschall zusammenarbeitete. Ein innerliches Schulterzucken, mehr ging James nicht durch den Kopf, außer der Feststellung, dass das Schicksal manchmal einen perfiden Sinn für Humor haben musste. James letztes Zusammentreffen mit Ian war, als dieser sich mit Whiskey besoff, und der Polizistenschreck Rex hieß auch noch wie ein Whiskey[1]. Wenn das mal kein Wink des Schicksals war...

"Irgendwelche ersten Spuren, die auf Mobaktivitäten verweisen oder eher die Erwartung, dass Gangs verwickelt sind?", fragte James spröde, obwohl er gehört hatte, dass Egon Bittner auf die Milieus verwiesen hat. Er fragte trotzdem und beobachtete aus dem Augenwinkel Ian für einen Moment. "Oder sollen wir erstmal die ersten Eindrücke abwarten? Dann wären unsere Fragen eh vergebens."
James war müde und trank seinen Kaffee weiter. Das Koffein wirkte nicht wirklich. Er blickte unentschlossen auf den Artikel vor ihm.
 1. The Macallan
"Der Scharfsinn der Polizei ist die Gabe, alle Menschen eines Diebstahls für fähig zu halten, und das Glück, dass sich die Unschuld mancher nicht erweisen lässt." - Karl Kraus

List

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Devil's Night
« Antwort #10 am: 22.04.2012, 19:37:01 »
Bittners Ausdruck blieb unverändert, als Doherty erwähnte, dass er den Artikel noch nicht gelesen hatte. Es war bekannt, dass er informierte Mitarbeiter schätzte, was er manchmal auch mit einem beiläufigen Lob auszeichnete. Was er wohl gerade denken mochte? Er betrachtete einen Moment den lesenden Doherty und sagte dann: "Sie befassen sich schon mit dem Fall. Das ist gut.", sagte er. War das Zynismus? Nichts in seiner Art wies darauf hin. "Doch auch wenn wir den Tatort noch nicht untersucht haben, bezweifel ich persönlich, dass das Verbrechen organisiert war. Doch wir sollten jetzt aufbrechen. Marshall, würden Sie mich bitte bei sich mitnehmen?", fragte er mit großer Selbstverständlichkeit und unterband gleichzeitig weitere Fragen.



Bittner stieg umständlich in Marshalls Auto und dieser startete den Motor. Auch Bittner hatte diese seltsame Angewohnheit, die manche, vor allem ältere Menschen haben, sich am Griff oberhalb des Fensters festzuhalten, während der Fahrt. Eine Zeit lang fuhren sie schweigend. Marshall bog auf die Interstate auf und fuhr in Richtung Industriegebiet. "Wissen Sie, Marshall, mein Posten macht es nötig, dass ich eine Menge politischer Details berücksichtigen muss. Ich habe als Streifepolizist angefangen und später als Sergeant und Lieutnant meinen Dienst getan. Auch war es noch eine etwas andere Zeit. Ich hatte Kollegen, die der Auffassung waren, dass man zuweilen hart durchgreifen muss, wenn die Bürger nicht kooperieren. Sie rechtfertigten dies damit, dass nur die Störrenfriede diese Behandlung verdienten und ein 'aufgeräumter' Bezirk wäre den Bürgern mehr wert als die Einhaltung der Dienstvorschrift.", sagte er in einem Ton, der es wahrscheinlich werden lies, dass er einer solchen Auffassung nicht abgeneigt war. "Gerade heute kann man wieder erkennen, dass unser Job viel komplizierter geworden ist. Die Gesellschaft ist im Umbruch. Man hat die Rassentrennung aufgehoben und man spürt, dass es danach angefangen hat, dass es in der Stadt brodelt. Weil diese bewährten Schranken aufgehoben wurden, müssen wir uns nun mit Mobs auseinandersetzen, die die Fabriken ihrer Arbeitgeber anzünden. Ich verstehe dieses Land nicht mehr."

Der Schneeregen peitschte noch immer auf die Windschützscheibe, als sie von der Interstate in das Industriegebiet abbogen. Längst bot dieser Stadtteil einen Anblick der Trauer: Viele Fabriken waren geschlossen worden, die Gebäude lagen verwaist da. Jugendliche machten sich einen Spaß daraus, die Scheiben einzuwerfen.

"Als man sie damals in der Sache mit Watson dranbekommen hatte, hatte ich mich vor sie gestellt. Dass sie degradiert wurden, lies sich nicht verhindern, aber sie sind nicht entlassen worden. Sie sind bekannt dafür, dass Sie hart durchgreifen. Aber man guckt uns heutzutage sehr auf die Finger. Was ich sagen will, ist, dass Sie sich nicht bei vorschriftswidrigem Verhalten erwischen lassen sollen.", deutete Bittner vielsagend an.
« Letzte Änderung: 22.04.2012, 19:47:08 von List »
"Man muss auch das Allgemeinste persönlich darstellen."
- Hokusai

Marguerite Moulin

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Devil's Night
« Antwort #11 am: 22.04.2012, 21:38:27 »
"Verdammt!" schimpfte Ian und schlug auf das Lenkrad seines Wagens als Bittner seine Rede hat enden lassen: "Wenn man keine Ergebnisse liefert zerreißen einen die Spinner von der Presse, wenn man Ergebnisse liefert um Menschen zu schützen und dabei den 'effektiven' Weg geht weil man sonst nicht weiterkommt zerreißen einen die Spinner von der Presse."

Hupend wechselte er ohne zu blinken und zu gucken die Fahrbahn, der Wagen geriet einen kurzen Moment ins Schlinger, Ian fing ihn aber sofort wieder: "Manchmal denke ich diese Idioten haben keine Ahnung was es bedeutet Verbrechen aufklären zu wollen. Verdammt manchmal muss man auch die Samthandschuhe ausziehen um Resultate zu bekommen um die Verbrecher von der Straße zu holen." Ian schien fast sich seinen Frust von der Seele reden zu wollen, während der Schneeregen auf die Scheibe niederging.

Er neigt seinen Kopf leicht nach links und dann nach rechts. Jedesmal entfuhr seinem Genick ein Knacken: "Ich werde mich zurücknehmen." sagte er als als er auf den Parkplatz einbog, vor dem Gebäude mit den Ruß geschwärzte Mauern den Gurt löste und aus dem Wagen ausstieg.
« Letzte Änderung: 22.04.2012, 21:42:50 von Ian Marshall »
„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“

List

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Devil's Night
« Antwort #12 am: 22.04.2012, 23:08:56 »
Die Beamten parkten ihre Autos auf dem Firmengelände und stiegen aus. Die schwere Lederjacke der Cops machte nicht nur Eindruck, sondern sie schützte auch gegen Wind und Wetter (ebenso wie gegen Faustschläge und Messerstiche) und sie waren froh, dass sie Teil der Uniform war. Sie gingen hinüber zum Verwaltungsgebäude. Es war komplett ausgebrannt und dicke Rauchschwaden stiegen aus den Ruinen auf. Um das Gebäude herum war weiträumig ein Absperrband gezogen worden. Vor dem Absperrband tummelten sich etwa zwei dutzend Reporter, die durcheinander riefen, um die Aufmerksamkeit eines Beamten auf sich zu ziehen, und Bilder schoßen. Dazu einige Schaulustige, die wohl in der Zeitung von dem Brand gehört hatten: hauptsächlich Schwarze und Ausländer, vereinzelt auch sozialschwache Weiße - die normale Bevölkerung hatte zu arbeiten.

Hinter dem Absperrband waren noch einige Feuerwehrleute, die die Löschgeräte zusammenpackten, drei Police Officers und drei von der SpuSi, in ihren typischen weißen Overalls. Die Beamten kämpften sich durch die Reporter und traten zu der Spurensicherung. "Hey, Mann, wo bleibt Ihr? Wir sind schon seit einer halben Stunde hier und die Aasgeier da drüben machen uns die Arbeit schwer.", echauffierte sich der Beamte und deutete auf einen Journalisten, der sich gerade unter dem Absperrband durchbückte. "HEY, DU AFFE! WAS DENKST DU WARUM DAS BAND DA IST? VERZIEH DICH!", schimpfte er und wandte sich dann wieder an dier Ermittler. Dann erschrack der Mann, denn er hatte erst jetzt Bittner entdeckt. Dieser blieb ruhig und wies ihn lediglich an, kurz die Ereignisse zusammenzufassen.

"Also, viel ist eigentlich noch nicht zu berichten. Der Notruf ging um etwa 02:30 Uhr in der Zentrale ein. Als die Feuerwehrleute hier eintrafen, haben sie den Mob, der um das Gebäude herumlungerter, zerstreut. Sie konnten auch erst gar nicht so viel tun, so heiß hat es hier gebrannt. Auch hier haben sich wohl die Akten gestappelt. Die Feuerwehrleute haben dann einfach gewartet, bis das Gebäude ein wenig runtergebrannt ist und haben dann gegen frühen Morgen mit den Löscharbeiten begonnen. Seit etwa 2 Stunden sind die Flammen erstickt. Doch das Gebäude kann noch nicht betreten werden: einsturzgefährdet. Wir haben hier noch nichts herausgefunden, sind ja auch erst vor einer halben Stunde eingetroffen und waren bisher damit beschäftigt, die Werkzeuge herzurichten und den Tatort abzufotografieren. Die Leiche haben wir noch nicht gefunden. Wenn sie tatsächlich da drinnen ist, werden wir eh nur noch Knochen finden - wenn überhaupt.", fasste er zusammen und wartete, ob man ihm noch weitere Fragen stellen würde.

"Was ist mit den Personalien? Man richtete mir aus, dass welche aufgenommen wurden.", fragte Bittner.

Der Beamte zuckte mit den Schultern, "Hmm..., davon weiß ich nichts. Doch fragen Sie mal die Officers da drüben. Die waren als erste hier.", antwortete er ohne viel Hoffnung in der Stimme. Bittner empfahl sich und ging hinüber, um mit dem Officer zu sprechen. Dieser zuckte ebenfalls mit den Schultern und schüttelte den Kopf. Es war ein dicker Mittedreißiger mit Schnautzer und Stiernacken. Er fror sichtlich und wirkte so, als würde er am liebsten wieder zu Hause im Bett sein.
« Letzte Änderung: 22.04.2012, 23:24:06 von List »
"Man muss auch das Allgemeinste persönlich darstellen."
- Hokusai

Rex Macallan

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Devil's Night
« Antwort #13 am: 24.04.2012, 00:48:49 »
"Na sowas aber auch." dachte Rex während er durch Detroits Straßen kurvte. Was erhoffte sich Bittner davon ihn mit Marshall und Doherty zusammenzustecken? Hörte sich für ihn jedenfalls nicht wie ein kriminalistisches Dreamteam an. Doherty war, soweit Rex das wusste gar kein echter Bulle mehr. Würde das nicht mit irgendeiner Vorschrift kollidieren? Über Ian wusste er nicht allzu viel, aber wenn einer so alt und immer noch Sergeant war, dann hatte das sicher was zu sagen. Andererseits wusste Rex darum, dass es zu wenige Beamte gab, vermutlich waren sie wirklich Bittners letztes Aufgebot, die Letzten, die beim Basketball ins Team gewählt wurden. Der kränkliche Kerl mit der Brille, der Dicke und der den keiner mag. Rex musste schmunzeln, so schnell kam man wohl doch nicht aus der High School heraus.

Er bog rechts ab und fuhr auf das Firmengelände von Kohler Industries. Die Luft war geschwängert vom Gestank des Brandes und ließ Rex die Nase rümpfen. Stumm trottete er hinter den Anderen her und sah sich unverholen um, verschaffte sich einen Eindruck von der ganzen Sache. Ruhig hörte er den Ausführungen des Kollegen zu und wartete bis Bittner abtrabte. "Ist schon etwas über Kohler selbst bekannt? Wer kann bestätigen, dass er überhaupt hier war und weiß man warum er so spät noch arbeitete?" fragte er den Officer gelassen und betrachtete dabei die Reporterschar. "Ihr gierigen Idioten. Alles ist verbrannt, hier gibt es wirklich nichts mehr zu sehen..."

James Brown

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Devil's Night
« Antwort #14 am: 24.04.2012, 13:08:32 »
Es war überraschend: so sehr er in dem Verkehrschaos noch vor einigen Minuten steckte, als ihn der Auftrag in diesen - ihm unbekannten Bezirk - führte, waren die Straßen leerer als noch vor wenigen Minuten.
James wartete an der Ampel, aber an den Lichter in der Entfernung konnte er den Tatort bereits ausmachen. Und auch die leichten Rauchsäulen, die sich langsam im Morgengrauen verzogen, deuteten ihm langsam den Weg.
Und da waren auch schon wieder die Schaulustigen, wie sie in jeder Stadt zu finden waren. "Wenigstens etwas ist in jeder Stadt gleich - die Neugier der Menschen blieb unerschütert." dachte der Polizist bei sich, als sein Wagen langsam auf die Menschenmenge zurollte.

Einer der Officers hob die Absperrung hoch, die für die Presse aufgebaut wurde um James auf den abgesperrten Bereich zu lassen, nachdem dieser ihm seine Polizeimarke gezeigt hat. Der Polizist nickt James zu, als sich dieser unter der Absperrung durchbückt und dann in Richtung der anderen Beamten geht. Aufmerksam blickte er sich um, wer alles von Bittner geschickt wurde und so fiel sein Blick der Reihe nach auf die verschiedenen Beamten, die am Tatort waren. Doch zu aller erst begab sich Brown zu Bittner: "Deputy Chief, verzeihen sie die Verspätung. Ich wurde vom Verkehr aufgehalten. Werde mich sofort an die Arbeit machen." Wenn dieser ihn lies, wendet sich Brown sofort an einen der Beamten der Spurensicherung.

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