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Autor Thema: Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen  (Gelesen 18372 mal)

Beschreibung: IC-Thread

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Hraun

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« am: 08.06.2012, 23:52:17 »
169. Tag im 366. Jahr des Ewigen Weges, 09:56 Uhr - Mayya Oase, östlicher Ausgang[/u]

Die Kamele waren unruhig unter der schon zu dieser Tageszeit sehr heißen Sonne. Mahlakar war der erste, der das Osttor erreichte, und er erblickte dort tatsächlich die Karawane, die bereit stehen sollte. Die beiden Ochsen vor dem Karren, der mit Nahrungsmitteln und Töpferwaren beladen war, wirkten ruhiger als die anderen Tiere und kauten entspannt das Mahl, was man ihnen vor dieser Reise serviert hatte. Wenn sie wussten, wohin es gehen sollte, ließen sie es sich nicht anmerken. Vielleicht war es dieser Tage besser, ein Ochse zu sein. Man machte sich weniger Sorgen wegen der am Himmel stehenden Sonne, die immer heißer brannte, und musste keine gefährlichen Aufträge erledigen. Die Wärter der Karawane begrüßten Mahlakar mit einer Verbeugung. Auch sie brachten einem das Gefühl entgegen, welches jeder der von dem Stammesführer Auserwählten verspürte: Niemand in der Zeltstadt wusste von ihrem Auftrag. Es gab keinen, der ihnen Glück wünschte, niemanden, der sich offen verabschiedete, wenn es nicht von ihnen ausging. Es schien, als würde dieser Auftrag offiziell nicht existieren. Auch bei den Karawanenwärtern nicht. Für sie war es ein Auftrag wie jeder andere auch. Man stellte für Reisegruppen die nötigen Mittel bereit, stellte keine Fragen – warum auch, denn die meisten Reisen waren uninteressant – und bliebt wie immer zurück in der Stadt.

Kurze Zeit nach Mahlakar erreichten auch Badawi und Tiatha den Aufbruchsort. Anhand der Sonne war es kurz vor der zehnten Stunde, man war also pünktlich und bereit. Damit alle mit den Kamelen zurechtkommen würden, erhielten die bereits Anwesenden eine erste Einweisung in den Umgang mit Kamelen. Für die meisten war dies sicherlich wichtig, denn nicht alle wussten, wie man ein Kamel behandeln musste, geschweige denn, auf welche Befehle die Kamele trainiert waren. Vor allem wusste man nun, wie man ohne Hilfe wieder auf die Kamele kam, nachdem man gerastet hatte.

Für Nuwairah war es noch ein geschäftiger Morgen. Der Weg führte sie in das Versorgungszelt, wo sie noch einige Besorgungen zu erledigen hatte. Dort wusste man schon Bescheid, dass sie kommen würde. Die dort arbeitenden Stammesmitglieder hatten allerdings auch die Anweisung bekommen, keine Fragen zu stellen. Diese Anweisung führten sie aus. Nuwairah bekam beinahe alle Gegenstände, die sie forderte. Einzig die Anforderungen, die sie an ihre Kleidung stellte, waren in der kurzen Zeit bis zum Aufbruch nicht zu bewerkstelligen. Man teilte ihr mit, dass solche Änderungen etwa einen Tag Arbeitszeit benötigen würden. Auch die Stange, nach der sie verlangte, war nicht vorrätig, aber man schaffte es, in sehr kurzer Zeit eine Stange zu organisieren, die den Anforderungen entsprach. Nachdem dies erledigt war, traf auch sie am Treffpunkt ein. Kurz bevor sie dort ankam, traf sie auf Kaveh, mit dem sie die letzten Meter des Weges teilte.

Kavehs früher Morgen war geprägt von Gesprächen mit direkten Untergebenen und Beratern von Häuptling Jamal. Es waren interessante und aufschlussreiche Gespräche, in denen er so einiges über die große Stadt des Feindes erfahren konnte. Man wusste zu berichten, dass die Wachen vor dem ersten Tor sehr speziell waren. Es waren Sonnenriesen, so sagte man sich, doch sie standen wohl nur zu repräsentativen Zwecken dort. Dennoch war es beunruhigend, dass die Stadt Zugriff auf Sonnenriesen hatte, denn wo zwei herkamen, gab es vielleicht noch mehr von ihnen. Die Sonnenriesen waren allerdings kein Hindernis, da das erste Tor der Stadt frei passierbar war. Von den Slums aus war der Marktdistrikt ohne Hindernisse frei erreichbar. Man wusste, dass die Wirtschaft ein wichtiger Aspekt der Stadt war und man auf ihn angewiesen war, wenn man weiterhin in Reichtum leben wollte.
Einer der Berater erzählte Kaveh, dass in Vecors Stolz demnächst ein großer Markt abgehalten werden sollte. Er wurde von den Stadtoberen ausgerufen und zu besonderen Ehren Vecors durchgeführt. War dies vielleicht ein Indiz darauf, dass in der Stadt etwas Besonderes vor sich ging? Ein solcher Markt ist in den letzten Jahrzehnten meistens dann ausgerufen worden, wenn ein neuer Herrscher eingesetzt wurde oder andere wichtige Veränderungen bevorstanden.
Eine letzte Information, die er noch erhalten konnte, handelte von den Verlorenen Söhnen. Eine Organisation in der Stadt, die die Ordnungshüter in Atem hielt. Es war wenig bis gar nichts über sie bekannt, aber sie waren anscheinend Adeodatus zugehörig und versuchten, religiöse Zeichen zu setzen, was unter anderem bereits Leben von Priestern gekostet hatte. Waren dies potentielle Verbündete?
Mit diesem neuen Wissen beladen, erreichte er zusammen mit Nuwairah die Karawane und die übrigen Mitreisenden. Auch die beiden Neuankömmlinge erhielten ihre Unterweisung in die Kunst des Kamelreitens.

Der letzte, der die Gruppe erreichte, war Mustafa, der in Begleitung eines Priesters erschien. Er hob entschuldigend eine Hand zum Gruße: “Eh, verzeiht, dass ich ein wenig spät dran bin, aber ich wurde noch aufgehalten. Man wollte unbedingt noch die Geschichten meiner letzten Reisen hören und ich musste den Dieners Hrâuns mit mir nehmen.“ Er grüßte die Karawanenführer und nahm sich das letzte freie Kamel, in dessen Satteltaschen er einige lose Gegenstände verstaute.[1] Der Priester war dort, um über die Reisenden den versprochenen Segen zu sprechen.
Mit fester Stimme sprach er: “Auserwählte, hier steht ihr nun und seid vor einer Reise in die Feuer der Wüste. Es wird eine Reise voller Entbehrungen, doch voller Erfahrungen und Erkenntnisse. Jedes Hindernis macht einen stärker und die Feuer reinigen Körper und Seele. Ihr werdet wiederkehren und stärker sein, als zuvor. Gehet mit dem Segen Hrâuns, dem Herrn des Wahren Feuers, dem Vater der Flammen und dem Gebieter über die Glut. Ihr reist in seinem Namen, so wird sein Auge wachsam auf euch ruhen und die Flügel des Feuervogels werden sich schützend um euch legen.
Hrâun, ich bitte dich, achte auf diese wackeren Streiter und lass sie erfolgreich ihre Heimat wiederfinden. Sie reiten in deinem Namen und deinem Segen, sie bringen dir Ehre und Ruhm!
Das Feuer ist das Herz der Welt. Im Inneren wärmt das Feuer, vom Himmel her wärmt das Feuer. Doch merke, dass es nur einen wahren Herren über dieses Element gibt! Erkenne die Macht der Flamme, ihre reinigende Wirkung, ihre zerstörerische Kraft, ihre Kraft für Neuerungen! Bewundere nur die schlafenden Riesen und du siehst, welche Macht in dem Feuer steckt. Es kann die Erde erschüttern, die Luft vertilgen und das Wasser verdampfen lassen! Und ein Vulkanausbruch verursacht alle drei Sachen zugleich. Ein Vulkanausbruch ist der Beweis, dass das Feuer das wichtigste und mächtigste Element ist! Und ich bin der Herr über Vulkan, Magma und Lava! Und damit auch ein Herr der Fruchtbarkeit! Wenn du das erkannt hast, wird dir auch Segen des Feuers zu Teil. Erfreue mich mit den Gaben, die ich dir gab. Schmiede! Werke! Erschaffe! Mit dem Feuer, für das Feuer! Und erkenne auch, dass nur das Feuer dich erlösen und befreien kann und auch nur das Feuer, dich stärken und stählen kann. Doch wehe denen, die das innere Feuer in sich selbst oder anderen auslöschen! Wehe denen, die versuchen, das Feuer zu korrumpieren! Ihre letzte Chance ist nur noch die Tilgung oder Reinigung durch das Feuer.
So spricht Hrâun, möge er mit euch sein. Habt eine gute Reise und gehabt euch in Frieden!“
Dies waren die letzten Worte des Priesters, ehe er verschwand. Es war eine geläufige Segnung, die Reisende des Stammes erfuhren, ehe sie aufbrachen. Die Gefahren der Wüste waren allgegenwärtig, sodass jeder Händler des Stammes, der länger als einen Tag unterwegs war, dieses Segen erhielt.

Am Ende stand die Gruppe alleine bei den Kamelen. Sie waren bereit zum Aufbruch und der Weg führte hinaus in die Wüste. Bereits kurz nachdem sie aufgebrochen waren, fragte Mustafa: “Wer soll eigentlich der offizielle Anführer unserer Karawane sein? Wir brauchen jemanden, der offiziell zu anderen sprechen kann. Das sollten wir rechtzeitig klären, finde ich.“
 1. Die Kamele haben einen normalen Sattel mit Satteltaschen
« Letzte Änderung: 08.06.2012, 23:52:41 von Hraun »

Nuwairah

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #1 am: 11.06.2012, 08:15:09 »
Nuwairah hatte sich für die Reise nicht sonderlich verkleidet, dies war wohl auch nicht nötig, war doch schon ihre gewöhnliche Kleidung für ihre Tarnung ausreichend. Sie hatte sich entschlossen, als reisende Schaustellerin, Gauklerin die Gruppe zu begleiten, jemand, der die Menschen auf dem Fest zu Vecors Ehren ermunterte und für Kurzweil sorgte. Derlei Wanderschausteller waren nicht selten, und es gab sie in hunderten verschiedenen Arten, von Geschichtenerzählern über Akrobaten, Feuerschlucker, Tänzer, und auch Magier, welche die Menschen unterhielten. Nichts an ihrer hellblauen Kleidung würde ihren Stand als Tänzerin des Feuers verraten, außer vielleicht ihr Krummsäbel, den sie immer noch auf dem Rücken trug. Jedoch, die Wüste wahr gefährlich, und die Stadt nicht weniger, und so würde es nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen, solange sie nicht in die Schritte des Feuertanz verfiel. Die Balancierstange und viele andere Dinge, welche sie auf ihr Kamel geladen hatte, würden die Täuschung noch verstärken, und vielleicht waren sie auch bei der Unternehmung nützlich.

Als Mustafa die Stimme erhob, konnte sie gerade noch ein Knurren unterdrücken. Sie mochte den kleinen, lästigen Schlößeröffner nicht, weniger wegen seiner Persönlichkeit, mehr weil er sich einfach so in ihre Gruppe gedrängt hatte. "Ich könnte für uns sprechen, doch dies passt nicht für eine Schaustellerin. Es wird Gelegenheiten geben, wo ich die Stimme erheben kann, doch mag zu anderen Zeiten Kaveh ein besserer Sprecher sein. Doch bezweifle ich, dass es oft nötig sein wird, dass einer von uns für uns alle fürsprechen muss.

Im übrigen.. denke ich, jeder von uns sollte sprechen und seine Gedanken aussprechen, nur weil ich meine Stimme nicht als Anführerin erheben werde, werde ich nicht schweigen."

Mahlakar

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #2 am: 12.06.2012, 04:43:09 »
Während Mahlakar so auf die anderen wartete, machte er sich daran, die Ereignisse der letzten Tage aufzuschreiben.
Natürlich ließ er wohlweislich Alles, was mit dem Auftrag zu tun hatte weg. Dennoch schrieb er so, daß er es später nachtragen konnte.

Neugierig lauschte er den Ausführungen der Tiermeister, wie sein Kamel zu lenken war.
Er überprüfte noch mal seine Ausrüstung und verstaute Essen und Wasser in Satteltaschen.

Und als der Priester Hrauns seinen Segen sprach, nahm er auch dies gelassen hin.

Kaum hatten sie die Zeltstadt verlassen, griff er in einen kleinen Beutel am Gürtel und holte ein paar kleine, dunkle Kristallinsen heraus, die er sich vor die Augen hielt.  Und als er seinen Hand wegnahm, erschiene es fast so, als hätte man ihm seine hellen Augen sauber aus dem Schädel entfernt.
Auch er selbst wurde wurde mit einem Mal ein wenig unscharf, als sich eine dunkle Aura um ihn legte[1], die seine schwarze Kleidung betonte.
Geschützt vor der Sonne und ihren Strahlen. Welt hier komme ich, um dir einige deiner Geheimnisse zu entreissen. Enttäusche mich nicht.

Als Mustafa die Führungsrolle ansprach, kam Mahlakar kurz ins Grübeln. Die Schatten um ihn herum, verflüchtigten sich schlagartig.
"Dieser einfache Mann maßt sich nicht an, für die Gruppe sprechen zu wollen. Wir sind in einem Auftrag unterwegs, da ist es nur natürlich, daß ein Anhänger Hrauns für uns sprechen sollte. Wenn die Meinung dieses einfachen Mannes für die Gruppe von Interesse ist, so würde er sagen, daß in der Wüste Badawi und in der Stadt Kaveh je als Kundiger der Umgebung sprechen sollten. Allerdings stimmt dieser einfache Mann Nuwairah zu, daß er sich nicht verbieten lassen wird, etwas zu sagen, wenn er es für angebracht hält."
 1. Shadow mask
« Letzte Änderung: 12.06.2012, 04:43:49 von Mahlakar »

Kaveh Ahangar

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #3 am: 17.06.2012, 16:05:00 »
Kaveh hatte sich mit tiefen Verbeugungen und Dankesbekundungen von ihrem Haupt verabschiedet und war darum bemüht, ihm beim Verlassen seines Zeltes nicht den Rücken zuzukehren, denn eine solche Unhöflichkeit und Respektlosigkeit geziemte sich nicht und würde einem Inquisitor auch lange anhängen. Kaveh hatte den Vorteil, dass er all diese Höflichkeitsfloskeln und Gesten aus voller Überzeugung tat und sich nicht dazu zwingen musste, doch er war sich der Spielarten gesellschaftlicher Subordination und Insubordination durchaus bewusst. Wahrscheinlich waren sich fast alle Teilnehmer dieser kleinen Gruppe sich dieser Spielarten bewusst, und wenn sie es nicht waren, waren sie sich der Notwendigkeit des Schweigens in den betreffenden Situationen durchaus bewusst. Daran glaubte Kaveh mit einiger Sicherheit, da er dem Urteil von Jamal, seiner Beratern und seiner Frauen traute.

Dankbar nahm er die Informationen entgegen, sammelte sie mit einiger Geduld und Höflichkeit und war, wie meist, damit beschäftigt, die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Übertreibungen, welche die Feinde über Gebühr dämonisierte und seine Stärken ebenso überbetonte, wo das Sprechen von Vecors Schergen von Angst oder Furcht getrieben war, waren allgegenwärtig und es bedurfte einige Erfahrung die sinnvollen Informationen zu filtern, wie das klarste und gesündeste Wasser an den Hängen eines Vulkanes nahe der Quelle zu finden war, vom Vulkangestein gefiltert. Doch Kaveh wusste, dass er in Bezug auf diese Erfahrung noch nicht auf die Lebenserfahrung der Großinquisitoren zurückgreifen konnte, doch er bemühte sich darum, gehaltvolle Informationen zu finden, die ihnen auf der Reise und bei ihrem Auftrag hilfreich sein könnten. Und seine Bemühungen zeigten einige Früchte, welche er bei der Rückkehr zu seinen neuen Verbündeten umgehend teilte[1].

Kaveh war dankbar für den Segen, der über sie gesprochen wurde und es erfüllte ihn mit der Zuversicht, dass er nicht zu früh unter dem immensen Druck, dem er ausgesetzt war, bersten würde. Die Vorsehung, die ihn seiner Ansicht nach auserkoren hatte, war allzu deutlich und obwohl er sich sein ganzes Leben mit den Visionen von diesem Tag beschäftigt hatte und in dem Glauben, dass er eines Tages eine Aufgabe von epochaler Größe schultern würde, sich darauf geflissentlich vorbereitet hatte, spürte er den Druck, die Erwartungshaltung, welches das Haupt Jamal an sie hatte und die Notwendigkeit ihrer Aufgabe. Dass das eigene Volk nicht vom dräuenden Untergang im Falle des Versagens Kavehs und seiner Gefährten wusste, sondern nur zu erahnen vermochte, schürte diesen Druck noch für den Inquisitor. Er stellte sich die Kinder seines Stammes vor und die ganzen, einfachen Männer und Frauen, die ihren Pflichten nachgingen und in der Abendsonne in Richtung des heiligen Vulkan beteten, um Schutz beteten und sich beim Ausklang des lauen Tages nicht darauf gefasst machen können, dass der Untergang über sie kommen könnte. Dass sich unter den Nichtsahnenden der Abgrund auftun konnte, das war für Kaveh ein erschreckender Gedanke, da er nur mit dem eigenen Versagen zusammenfiel. Kaveh spürte den Druck, und der Segen Hrâuns, so einer trivialer Reisesegen er für manche sein mochte, war Balsam auf die Seele Kavehs und gab ihm neue Zuversicht.

Dann kam die Frage der Führerschaft abermals auf, und Kaveh bekräftigte für sich jene Worte, die Badawi bereits gesprochen hatte. "Niemand wird dem anderen das Wort verbieten können und wollen, da Vecors Andenken uns nichts bedeutet. Das einzige, was unsere Zungen zum Schweigen bringen sollte, ist der Respekt vor Hrâun und die Vernunft, aber nicht das Wort eines der Unseren, der glaubt, er könne jede Situation besser begreifen und beurteilen als der Nächste.", versuchte er zunächst Nuwairahs und Mahlakars Bedenken, dass jemand den anderen das Wort verbieten können wollte, zu zerstreuen. "Das offizielle Wort werde ich übernehmen, auch wenn ich mir die Befähigung nicht alleine anmaßen würde. Ich maße mir jedoch an, für mein und euer Vergehen, sollten Fehler unseren Weg pflastern, Verantwortung zu übernehmen und die Konsequenzen, die daraus erwachsen, zu tragen. Ich will der Schutzschild unserer Vereinigung sein. Nach innen und nach außen, so wie es mein Credo verlangt."
Kaveh verneigte sich vor seinen Gefährten, und hatte deutlich gemacht, dass er ihnen Vertrauen entgegenbrachte, da er auch für ihre Fehler gerade stehen wollte und würde. Wenn sie Kaveh hassten oder verachteten, hatten sie damit eine mächtige Waffe gegen ihn in der Hand, dessen war Kaveh der Schmied sich bewusst, doch verachtete er den Gedanken, dass ihre Reise davon abhing, dass sie sich erst aneinander gewöhnten und austarierten, wieviel Vertrauen sie ihrem Nächsten entgegenbringen konnten. Er wollte keinen Boden für Missgunst und Misstrauen schaffen, sondern ehe Vecor den Keim der Zwietracht in diesen Böden säte, wollte Kaveh diese unwillkommenen Äcker versalzen. Sie sollten einander vertrauen, weil ihre Aufgabe und die Vernunft es von ihnen erwartete, damit sie Vecors Stolz tief treffen konnten. Persönliche Eitelkeiten waren unangebracht und Kaveh versuchte dies auszudrücken. Dann widmete sich Kaveh der beginnenden Reise und blickte zurück auf jenen Stamm, den zu retten sie gedachten.
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Hraun

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #4 am: 19.06.2012, 00:14:29 »
169. Tag im 366. Jahr des Ewigen Weges, 10:35 Uhr - irgendwo in der Wüste

Mustafa ritt langsam neben den anderen her, als diese sprachen. Er wischte sich mehrmals den Schweiß von der Stirn, während er zuhörte. Es schien ihm eine ungewohnte Handlung zu sein. Die Sonne strahlte hinunter auf die Reisegruppe, als wäre sie ein viel zu naher Feuerball. Die Hitze war annähernd greifbar, und manch einem konnte der Gedanke kommen, dass man sie mit einer ausreichend scharfen Klinge durchschneiden könnte. Nachdem ihr Begleiter sich erneut den Schweiß abgewischt hatte, sprach er Kaveh direkt an: “Es freut mich, dass der Inquisitor die Verantwortung übernehmen möchte. Aber bitte, seid nicht böse, wenn auch ich von Zeit zu Zeit meine Meinung äußere. Ich mag nicht der einzige sein, der sich hier auskennt und weiß, wie man überlebt in solch widrigen Bedingungen, aber ich will doch meine Erfahrung darin teilen. Falls Ihr nicht sicher seid, zögert nicht, mich nach meiner Meinung zu manchen Dingen zu befragen.“

Die Karawane des Hrâun, getarnt als eine Karawane des Alphestes, zog voran auf der großen Handelsstraße, die nach Vecors Stolz führte. Es hatte nicht lange gedauert, bis sie die Straße erreicht hatten – bereits eine halbe Stunde nach ihrem Aufbruch reisten sie auf dem Weg, welcher lediglich durch Markierungen zeigte, dass überhaupt ein Weg vorhanden war. Dennoch, es waren wichtige Markierungen. Es waren etwa einen Meter hohe Obelisken mit einer Sonnenscheibe drauf. Sie wiesen den rechten Weg in der Wüste und standen in einem Abstand, dass man die jeweils nächste Markierung von seinem Standpunkt aus stets erkennen konnte. Der Weg selbst unterschied sich in seiner Beschaffenheit nicht von dem Wüstensand außen herum, bloß die vielen Spuren wiesen darauf hin, dass hier einer der Wege war, welche oft benutzt wurden.
Weitere zehn Minuten später, erreichte die Gruppe eine andersartige Wegmarke. Es war eine erschreckende Markierung, welche sich von den anderen grundlegend unterschied. Kein Stein wartete, sondern eine scheinbar endlose Reihe Galgen, die am Horizont eine Linie bildeten. Es mochten hunderte sein, und das erschreckende war, dass keiner von ihnen frei war. Eine stumme Warnung inmitten all des Wüstensands, dass manche Besucher von Vecors Stolz nicht unbedingt willkommen waren. Mustafa erhob die Stimme, um das auszusprechen, was Tiatha bereits wusste: “Hier werden Feinde der Stadt aufgehängt. Dazu zählen Verbrecher und solche, die eine andere Auffassung vom Glauben und der Verehrung Vecors haben. Wahrscheinlich würden auch wir dort hängen, falls man uns ergreifen würde.“ Er schwieg, während sie langsam näherritten. Wahrscheinlich führten Mustafas Reisen ihn nicht nur in die entlegenen Gegenden der Wüste, sondern auch in die Zivilisation der Wüste. Zumindest war sein Wissen nicht gering: “Die Hinrichtung ist ein wöchentliches Ritual, welches mit einem großen Gottesdienst an Vecor durchgeführt wird. Die Hinrichtungen finden außerhalb der Stadt statt, auf einer großen Düne. Wenn die Priester gnädig sind, werden die Gefangenen durch den Strick hingerichtet. Wenn nicht, dann muss das Opfer über längere Zeit in einem Käfig vertrocknen und langsam dahinsiechen. Wenn sie grausam sind…“ Er sprach leiser und schluckte, als ob er sich nicht traute, eine solche Abscheulichkeit laut auszusprechen. Wenn sie grausam sind, geben sie den Verurteilten von Zeit zu Zeit ein wenig Wasser, um das Leiden zu verlängern.“
Er deutete in die Ferne, rechts von der Straße entlang an das Ende der Galgenreihe. “Seht, dort hinten. Man erweitert die offizielle Grenze der Stadt wieder. Kurz hinter der Grenze ist die letzte Oase vor der Stadt. Dort können wir Wasser aufnehmen.“ Am Horizont, dort, wo Mustafa hindeutete, war ein Karren sichtbar, auf dem ein kleiner Berg länglicher in Tuch eingewickelte Dinge lag. Es forderte nicht viel Scharfsinn um zu erkennen, dass es die Leichen waren, welche zwei Personen an die Galgen aufhängten. Etwas schien seltsam, vielleicht lag es daran, dass man die Gestalt an einen einfachen Pfahl band. Doch nur mit den Augen eines Adlers ließen sich Details erahnen, um festzustellen, was  genau das gewesen sein mochte.[1]
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Mahlakar

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #5 am: 24.06.2012, 01:41:21 »
"Dieser aufmerksame Mann kann erkennen, daß sich die Anhänger Vecors wohl eine neue Grausamkeit ausgedacht haben. Dieser aufmerkasame Mann kann sehen, daß sie eines der Opfer lebend an einen der Pfähle binden. Wahrscheinlich um ihn dort verdursten zu lassen, nimmt dieser betrübte Mann an."
Mehr gab es von Mahlakars Seite aus, dazu nicht zu sagen. Den Mann jetzt befreien zu wollen, hätte nur die Aufmerksamkeit der Vecorianer erregt. Und wer wußte schon, ob der Mann nicht zu Recht verurteilt worden war. Bestimmt waren die Opfer nur aus religösen Gründen ausgewählt worden.

Kaveh Ahangar

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #6 am: 25.06.2012, 13:55:49 »
Kaveh nickte Mustafa nur zu, als dieser abermals betonte, was der Inquisitor schon längst der gesamten Gruppe zugesagt hatte, Vielleicht war es des kleinen Mannes Art von Höflichkeit oder nochmal auf sich aufmerksam zu machen, vielleicht war es auch Spott oder gar Zweifel an den Worten des Inquisitors: eine halboffene Provokation oder Herausforderung, mit welcher dieser Mustafa den Gehalt der Worte des Schmieds zu prüfen gedachte. Mehr als ein freundliches und höfliches Nicken des Verständnisses bekam Mustafa jedoch nicht zur Antwort.

Kaveh nickte auch Mahlakar zu, als dieser jenes aussprach, was auch Kaveh auf diese Entfernung zu sehen in der Lage war. Tatsächlich ein weiterer dem Tode Geweihter. Obgleich dieser Via Dolorosa Vecors verdörrende Macht unter Beweis stellen sollte, fühlte der Inquisitor sich eher an die Totenhallen und Scheiterwege des Klerus des Manhêl. Gerade, da viele der Leichen hier gar nicht an diesem Ort starben, sondern an einem anderen rituellen Ort getötet wurden. Kaveh ist jedoch ganz froh darüber, dass dieser Galgenweg meist ein Weg der Toten ist und kein Weg des Wehklagens. Der Moment des Sterbens war viel furchtbarer als der Tod. Über die Art und Dauer des Sterbens gebieten zu wollen, ein furchtbarer Akt vermessener Tyrannei. Instinktiv schaute Kaveh, ob noch irgendwas an ihm an einen Hrâuninquisitor erinnerte, doch an seinem Körper war nichts, was darauf einen Hinweis geben könnte.
"Ich bin kein Freund dieser Zurschaustellung von der gesetzlichen Macht über das Leben freier Menschen. Dennoch ist es wichtig, dass wir von der Willkür des Feindes lernen, um uns darin zu schulen, was uns bei einer falschen Bewegung für ein grausiges Schicksal erwarten mag. So lasst uns mit den Männern sprechen und fragen, wofür das arme Exemplar solch ein Ende verdient haben soll. Danach ziehen wir unmittelbar weiter zur Oase."
Kaveh blickte zwischen seinen Gefährten hin und her. Würden sie verstehen, dass er von der Niedertracht des Vecorianer hören will, um den inneren Druck zu erhöhen? Vielleicht gab es auch Gründe, diesen Mann so zu quälen, aber das würde den Druck nicht mindern, denn egal, was mit diesem Mann sein mochte. Es würde helfen, diese Vecorianer zu verstehen. Entschlossen ging Kaveh los, auch ein wenig gespannt, ob wer widersprechen würde.
« Letzte Änderung: 25.06.2012, 13:56:45 von Kaveh Ahangar »

Nuwairah

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #7 am: 26.06.2012, 08:45:24 »
"Es wird wohl nicht schaden, ein paar Worte mit dem Mann zu wechseln, so er seine Zunge noch hat. Würdet ihr es für klug halten, ihn von seinem Leiden zu erlösen?" fragt Nuwairah langsam während sie ihren Weg in die selbe Richtung wie Kaveh lenkt. Sie persönlich interessierte das Schicksal des Mannes nicht sonderlich, sollte er sich nicht wider Erwarten als Gläubiger des Hraun heraus stellen. Aber wenn die Diener des Vecor sich neue Strafen ausdachten, wer weiß, was dann noch neu war.

Hraun

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #8 am: 01.07.2012, 22:25:31 »
169. Tag im 366. Jahr des Ewigen Weges, 10:36 Uhr - irgendwo in der Wüste

Auch Mustafa stimmte dem zu und wandte sein Kamel in Richtung des frisch zum sterben Aufgehängten. So machte sich die Gruppe auf den Weg, entlang der Reihen der Verstorbenen. Anhand der Anzahl der Aufgeknüpften Männer und Frauen ließ sich schon sehr leicht erkennen, wie hart die Hand der vecorianischen Herrschaft war. Es gab noch nie einen Aufstand in der Stadt, kaum Unruhen, und wenn doch, dann wurden sie schnell im Keim erstickt. Die Grenze mit den Toten bezeugte dies eindrucksvoll. Ihre Körper waren mal mehr, mal weniger gut erhalten. An einigen Knochen war kaum noch Fleisch zu finden, andere wirkten deutlich besser konserviert. Nur eines war ihnen allen ähnlich: der Geruch von Verwesung, der auch die Fliegen in Massen anlockte, ebenso wie die Geier, die im hohen Bogen über der Szenerie kreisten und darauf warteten, dass die Lebenden den Ort endlich verließen, damit sie ihr schauriges Festmahl endlich fortführen konnte.

Die Sonne, die immer höher am Himmel stieg, brannte gnadenlos herunter und trocknete die Haut der Toten aus, während die Vecorianer, die eben den noch Lebenden aufgehängt hatten, sich nun wieder den Toten zuwandten. Sie waren eben dabei, eine weitere der Leichen zu drapierten, als sie der Gruppe gewahr wurden, die sich ihnen näherte. Einer von ihnen ging der Gruppe ein Stück weit entgegen. “He!“, rief er ihnen zu. “Ihr habt die Straße verlassen, achtet darauf, wohin ihr geht, ansonsten verliert ihr euch in den Dünenmeeren und seid auf die Gnade unsere Herren angewiesen.“ Etwa fünfzig Meter von dem noch Lebenden Gefangenen entfernt blieb er stehen und verschränkte die Arme vor der Brust. Um seinen Hals hing unmissverständlich eine Sonnenscheibe, dennoch gehörte er wohl nicht zur Priesterschaft, denn seine Kleidung wirkte ihrer nicht angemessen, sie war zu verschlissen dafür, und er selbst wohl zu ungepflegt. Wahrscheinlich war es seine Aufgabe, sich um die Toten zu kümmern. “Außerdem dürft ihr hier nicht sein, entfernt euch von dem Gefangenen, hier wird ein Urteil vollstreckt. Kehrt zurück oder ladet den Zorn Vecors auf euch!“ Der Vecorianer war scheinbar unbewaffnet, auch wenn sein weißer Kaftan sicherlich genügend Versteckmöglichkeiten bot.

Kaveh Ahangar

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« Antwort #9 am: 02.07.2012, 14:12:08 »
Kaveh zeigte sich unbeeindruckt von den Worten des Henkers und näherte sich auf ein paar Ellen Entfernung, um sich demütig zu verneigen. Kurz blickte er dabei an dem Mann auf das zu vollstreckende Urteil vorbei, ehe er sich dann wieder aufrichtete und den Henker im weißen Kaftan mit den Augen fixierte. Kavehs Ausdruck war jedoch freundlich und er sprach so, als würde er sich selbst ermahnen und an die Macht Vecors erinnern und nicht den Henker in weiß. "Wir sind nicht nur im Anblick endloser Dünenmeere auf die Gnade unseres Herren angewiesen. Gnade ist ein Zeichen von Macht und was ist mehr Zeichen dieser Macht, als das Leben zu geben und das Leben zu nehmen." Kaveh deutete die Reihe der Gehängten entlang, er konnte sich dabei bildlich vorstellen, wie dieser möglicherweise einfache Henker sich als ein großes Teil dieses Ganzen, welches Vecor Macht war, fühlte. Das bestärkte ihn sicher auch in seinem Verhalten, dass er an den Tag legte: Fremden Teile der Wüste verbieten zu wollen. Kaveh begegnete ihm trotzdem mit durchdringender Freundlichkeit.

"Es tut uns allen gut, uns daran zu erinnern, wo die Grenzen unseres Handelns liegen. Daher erlaubt mir, guter Mann, die Frage, was hat dieser Mann getan, dass er Vecors Zorn auf sich lud?", fragte Kaveh freundlich und überlegte, inwieweit sie ihn umrunden müssten, um einfach weiter zu der von Mustafa beschriebenen Oase zu gehen. Wenn sie freundlich waren, würden sie auch einfach passieren können, schätzte Kaveh und vermied es an dieser Stelle noch, sich einen Namen zu geben. Sie waren nur Sandkörner in der Wüste, das musste für den Moment reichen und so würde er sie nicht vertrauter machen als es notwendig war. Die Kunst des Kitman[1] war das Gebot der Stunde."Es wäre uns eine unbeschreibliche Ehre dieser Vollstreckung beiwohnen zu dürfen, guter Mann. Dort wo Unrecht stattfindet, muss Recht sich dem entgegenstellen und dort wo Recht stattfindet, wollen Augen diesen Sieg der Gerechtigkeit sehen. Würdet ihr uns diese Ehre zuteil werden lassen?" Der Schmied musste sich selbst eingestehen, dass diese Worte in ihm den Drang aufkommen ließen, den eigenen Mund mit miteinander verkochtem Öl und Lauge den Mund auszuwaschen, aber er bemühte sich um seine Haltung der Demut und Freundlichkeit. Er, der er nun ein einfacher Händler war[2], musste das Feuer in seinem Inneren weiter schüren und jedes Wort dieses Henkers tat dies, jeder Anblick der Toten und jeder Schritt, den sie sich Vecors Stolz näherten.

Kaveh hatte den ganzen Weg die Leichen versucht näher zu betrachten und zu erkennen, ob noch immer etwas auf ihre Herkunft schließen ließ, trotz ihres Verwesungszustandes: Tätowierungen, rituelle Narben oder sonstige Anzeichen[3]. Diese Art, wie Vecors Stolz seine Grenzen mit Toten erweiterte, wurde einem Reich der Lebenden und den Lebenden nicht gerecht. Diese Art der Machtdemonstration war barbarisch und ein Zeichen, dass die Furcht vor Dissidenten und Aufständischen allgegenwärtig war. Sie würden diese Aura der Paranoia, mit welcher der Klerus unendliche Oppression befeuerte, mit den Händen in Vecors Stolz greifen können, aber sie würden sich in Acht nehmen müssen. Wenn Kaveh sich die ganzen Toten hier anschaute, war er sich sicher, dass nicht nur Unvorsicht zu ihrem Tod führen könnte, sondern auch Willkür. Als Fremde würden sie noch schneller dem Galgen zum Opfer fallen. In Vecors Stolz mussten sie sich unbedingt in Habitus und Mode der dortigen Bevölkerung anpassen.
 1. Kitman
 2. Diplomatie 35
 3. Wahrnehmung 31

Nuwairah

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #10 am: 04.07.2012, 08:44:59 »
Nuwairah betrachtete den Henker unverwandt und mit eher gleichgültiger Miene, dann zu dem Aufgehängten schauend. Eine zu starke Demut gegenüber einem einfachen Handlanger der Vecordiener schien ihr nicht angebracht. Die Warnung des Mannes war nicht gänzlich unbegründet, auch wenn dies natürlich nicht sein Bild verbesserte. Er war ein Diener der grausamen Sonne, und als solcher würde er schon noch früh genug seine Strafe erhalten. Es war aber nicht an ihr, diese auszuführen, zumindest derzeit. Sie hob ihre Mundwinkel zu einem freundlichen, ehrlich aussehenden Lächeln.

"Ich bitte euch, Freund, seid nicht so abweisend zu ein paar Reisenden, die lange Zeit durch die Wüste zogen und sich nach etwas Ablenkung und Abwechslung sehnen. Um die Gefahren des Sandmeeres wissen wir selbst, doch jeder Anblick, der die Gleichförmigkeit der Dünen durchbricht, ist uns willkommen, auch wenn es in Bälde sicherlich schönere Dinge zu betrachten gibt."

Hraun

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #11 am: 21.07.2012, 00:30:55 »
169. Tag im 366. Jahr des Ewigen Weges, 10:37 Uhr - irgendwo in der Wüste

Der sich nähernde Vecorianer hatte die Gruppe erreicht. Er blieb in einigen Metern Entfernung vor ihr stehen und betrachtete diese eindringlich, als Kaveh und Nuwairah zu ihm sprachen. Sein Gesicht trug die Arroganz derjenigen zur Schau, die sich ihres hohen Ranges bewusst waren. Es hatte allerdings den Anschein, als würden die Worte der beiden zu Hrâun gehörenden ihn besänftigen oder gar milde stimmen, denn sein Tonfall war ruhig, als dieser Antwortete. “Ihr sprecht wie ein Vecorianer!“, sagte er an Kaveh gewandt. “Und Recht habt ihr, es ist der höchste Machtgrad, wenn man Gnade walten und über das Leben bestimmen kann. Dankenswerterweise ist mir die Ehre zuteil, im Namen Vecors Urteile zu vollstrecken.“ Stolz klang bei den Worten mit.

“Das Urteil zu diesem hier ist übrigens entstanden, weil er den falschen Gott angebetet hat. Er glaubte, dass es eine gute Idee sei, Adeodatus zu verehren und dann auch noch unseren wahren Herren und Gebieter über Leben und Tod zu verspotten!“ Er spie aus, als müsse er sich reinwaschen von dem Namen des Sohnes von Vecor. “Ich habe nie verstanden, warum man Geflügel anbeten muss. Mag sein, dass es um den Sohn des Allmächtigen geht, doch in jeder Familie gibt es ein schwarzes Schaf.“ Er geriet ein wenig ins Plaudern. Wahrscheinlich war er doch froh, dass er einmal mit anderen über seine Belange reden konnte, denn hier draußen in der Wüste war es einsam, von seinen Mitstreitern einmal abgesehen, die jedoch auch nicht für besonders viel Abwechslung sorgen mochten. Außerdem konnte man vor denen nicht prahlen.

 “Man vertraut mir, wisst ihr? Ich habe erst kürzlich eine Segnung eines ranghohen Priesters erhalten, nicht, dass ich euch mit Namen langweilen wollen würde. Das hat mir dazu verholfen, die Richtsprüche hier in der Wüste verlesen zu dürfen. Man sagt, dass Vecor sie in der Stille der Wüste vernimmt und auf ihre Gerechtigkeit überprüft. Wenn er der Meinung sein sollte, dass jemand zu Unrecht hier hängt, wird er diesem die Möglichkeit geben, der Grenze zu entfliehen.“ Er schaute die Grenze entlang. “Nicht, dass das bei den meisten noch viel ausmachen würde. Aber dieser dort… Er deutete auf den frisch angebrachten, der noch immer lebte. … dieser darf bestimmt auf die Gnade Vecors hoffen. Vielleicht schickt er einen Vescoren vorbei, der sich seiner annimmt.“ Er lachte schadenfroh bei der Vorstellung. “Nur gibt es nicht mehr viel, dem ihr beiwohnen könnt. Er hängt bereits, ihr könnt bestenfalls noch seinen zum Tode verdammten Leib beim Verfaulen beobachten, wenn ihr es wünscht!“

Er ignorierte die Rufe seines Begleiters, dass er endlich zurück zur Arbeit kommen solle. Das Gespräch schien interessant für ihn zu sein. Denn als die ihm unbekannte Nuwairah auf das Thema der Stadt zu sprechen kam, glänzten seine Augen vor Stolz. “Und wie ihr schönere Dinge zu sehen bekommen werdet! Die Stadt erwartet euch in ihrem ganzen Glanz! Ihr werdet Dinge zu sehen bekommen, die euch die Augen übergehen lassen werden – und leider werdet ihr viele Dinge nicht zu sehen bekommen, wenn ihr dort kein Wohnhaus besitzt. Doch ärgert euch nicht, auch in den niederen Distrikten der Stadt werdet ihr Vecors Glanz erwarten dürfen.“

Er deutete den Weg entlang. “Die nächste Oase ist keine Stunde mehr entfernt. Dort werdet ihr andere Dinge zu sehen bekommen, als den endlosen Sand. Saugt noch die Eindrücke der Grenze in euch auf, aber verweilt nicht zu lange. Denn Vecors wachsamer Blick ist hier besonders stark! Was ist eigentlich euer Begehr? Handel in der Stadt? Oder einePilgerreise?“

Tia'tha

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #12 am: 21.07.2012, 13:30:33 »
Tia'tha  musterte die Verdammten eindringlich, dann ließ sie den Inquisitoren gewähren. Offensichtlich schaffte er es den vecorianischen Ton zu treffen und war dem Henker sympathisch.

Sie selbst verspührte den Drang die armen Seelen zu befreien. Gegen dieses Schicksal war selbst Sklaverei vergleichsweise gut. Doch hier ging es um mehr als nur das Leben einiger weniger. In ihrem Inneren hörte sie ihre innere Stimme, ihr Corazon. "Rette sie. Niemand wird davon erfahren. Das hast du doch schon mehrfach gemacht." In ihrem Inneren musste sie Grinsen. Ihr Corazon war stets voller Mut und Zuversicht. Stets forderte ihr Corazon sie auf über sich selbst hinaus zuwachsen. Dem Tode ins Gesicht zu spucken.

Dann jedoch horchte sie auf. Der Vecor Anhänger hatte etwas gesagt. Etwas wichtiges.
Binnen Sekunden traf sie eine Entscheidung, öffnete den Mund und ... hielt sich zurück. Sie konnte diese Entscheidung einfach nicht mehr alleine treffen. Verärgert über sich selbst, wies sie ihr Corazon an die Erlaubnis bei dem Inquisitor einzuholen.

In seinem Kopf vernahm dieser kurz darauf die Stimme des Corazon's, die wie eine leicht verzehrte Variante von Tia'tha's Stimme klang: "Erschrickt nicht Meister Ahangar. Doch ich will nicht eigenmächtig handeln und kann anders kaum offen sprechen. Dieser närrische Anhänger Vecors hat uns eben offenbart, dass wir uns nur mit einer Wohnung innerhalb der Mauern frei bewegen können. Er wird gewiss ein Wohnhaus im Inneren der Stadt haben. Falls er uns Pilgern erlaubt dort unterzukommen wird es schwierig für unsere Feinde uns in der Stadt aufzuspühren, da wir in keinem Gasthaus zu finden sind, und wir könnten uns ohne Probleme in der Stadt bewegen. Ich bin zuversichtlich, dass ich ihn überreden könnte uns seinen Schlüssel und sein Haus zu verleihen. Nickt wenn ihr Einverstanden seid. Schüttelt leicht den Kopf, wenn ich davon absehen soll."

Nachdem ihr Corazon die Nachricht übermittelt hatte begann es zu schimpfen. "Bin ich ein Bote, der niedere Nachrichten für dich überbringen muss? Stattdessen hätten wir schon längst die armen Seelen befreien können. Soll ich ihnen schonmal Mut zu sprechen?" Tia'tha ignorierte die Tirade des Corazon's. Sie wartete auf die Reaktion des Inquisitors und beobachtete seinen Kopf. Ihr Corazon würde sich beruhigen. Immerhin war es ein Teil ihrer selbst.

Kaveh Ahangar

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #13 am: 21.07.2012, 22:22:31 »
Der Schmied fragte sich, was seine Gefährten wohl über diese Tatsache, dass der Sterbende ein Anhänger des Adeodatus war, dachten. Sahen sie schon jetzt die Chance über diesen Mann den Widerstand des Racheengels zu finden? Konnten sie jetzt schon nicht mehr an sich halten und hielten es für eine sinnige Entscheidung diesen Mann zu befreien, gegen den Widerstand der Vecorianer? Wie mochten sie darüber nachdenken? War ihre persönliche Lebenserfahrung der Impetus ihrer Entscheidung oder ihrer Entscheidungsfindung? Der Druck musste sich in ihnen aufbauen, dessen war sich Kaveh bewusst, gleichzeitig durften sie sich keine Blöße geben, erst recht nicht, bevor sie die Stadt erreicht hatten. Die gefühlte Leere der Wüste suggerierte eine Straflosigkeit, wenn man Vecors Henkern die Schädel einschlug und den Adeodaten befragte; war das Verlockung genug, um sich dieser Torheit hinzugeben? Kaveh blickte sich mit seinen dunkelbraunen Augen um, er spürte diese Scheinheiligkeit dieses Ortes geradezu. Dieser dem selbsternannten Sol Invictus geweihte Ort war unter der Beobachtung Vecors, so wie er brennend auf sie niederstarrte. Die Geier in der Ferne waren seine unbarmherzigen Augen und Schäbel, welche die Wüste ordneten. Eine überraschende und überhastete Befreiungsaktion mochten Vecors Schergen sehen und merken, dass Unheil sich in ihre Stadt schlich und selbst wenn Vecors Augen blind für ihren Zorn war, würde der Adeodat nur falsche Hoffnung schüren, und was wäre, wenn er doch wieder erwischt würde und von ihren Taten plapperte? Diese Einmischung war zu früh und am falschen Ort. Hier war kein Schatten, und Hrâuns Lava floss an diesem trostlosen Ort nicht, noch war unter ihm Magma zu erwarten. Es war Zeit, aufzubrechen. Auch wenn ihm der Adeodat leid tat, er würde ihm nicht helfen können und zudem bezweifelte Kaveh, dass er in irgendeiner Art ein hochrangiger Widerständler war. Selbst wenn Kaveh gerne glauben würde, dass seine Feinde tumb und träge sind, niemand wäre so dumm, einen hochinformierte, gefährlichen Feind in die Obhut einfacher Henker zu geben und sie an der Sonne zu dörren. Soweit reichte wohl nicht einmal die dekadente Arroganz von Vecors Stolz.

Tiatha war die erste, welche einen Teil ihrer Gedanken offenbarte, wenn auch auf ungewöhnliche Art. Er erschrak nicht, obwohl er es gern getan hätte. Er kannte diese Art der Kommunikation, wenngleich er ihrer nicht fähig war. Ein Großinquisitor vergab so seine Aufträge, um zu verhindern, das jemand anderes dieselben Worte hörte oder mitschrieb. Kaveh hatte auch gelernt sich diesem Zugriff auf seinen Geist zu erwehren, doch er ließ Tiatha gewähren. Sie wie an einer Mauer abprallen zu lassen, würde ihren Argwohn befeuern. Eine unglückliche Entscheidung wäre dies, wo Kaveh doch aus vollem Herz versprach, ihnen zu vertrauen. Und so vertraute der Schmied Tiatha und respektierte ihre Meinung. Es gab ein anderes Bild von Tiatha nun, eine Seite, welche er nach dem Auftritt im Zelt wahrlich nicht erwartet hätte. Auch dazu würde er Vertrauen brauchen, denn auch er musste lernen, dass sie alle tiefgründiger sein mochten als der erste Anschein verriet.

Dennoch teilte er ihre Ansicht nicht, denn sie würden sich weder als Pilger noch als Händler in Vecors Stolz frei bewegen können, und selbst wenn dieser einfache Henker in einem der tieferliegenden Ebenen des Stolzes hausen würde, wären ihnen als Besucher dieser Weg versperrt. Vecors Stolz, dieser städtische Moloch, war wie ein Sinnbild eines Tyrannen höchstselbst: nur jenen, denen er vertraute, ließ er in die Nähe seines Throns. Bei diesem Manne unterzukommen, es machte sie deutlich fassbarer als im Gewirr von Händlern, Reisenden und Halunken der Stadt unterzukommen und erste Schritte in dieser fremden Stadt zu wagen. Wenn sie in Verdacht gerieten, würden sie schnell durch den vecortreuen Henker identifiziert und gefunden sein. Um seine Gastfreundschaft zu erringen, müssten sie durch Lüge oder Wahrheit etwas über sich preisgeben müssen, und das machte sie zu früh abtastbar. Ihr erstes Auftreten musste aus der Masse heraus sein. Gleichzeitig war aufgrund ihrer Reiseausstattung klar, dass sie wahrlich auch Händler sein mussten. Und zuletzt kam auch noch dazu, dass die Steuereintreiber und paranoiden Sittenwächter aus Vecors Stolz die Bewohner eines Distriktes kannten, wenn der Henker als in den ersten Ringen der Stadt lebte, brachte ihnen dieser Ort nicht viele Vorteile, wenn er hoch in der Stadt lag, kamen sie gar nicht dorthin und im Zweifelsfall verpfiffen die Nachbarn sie noch und sie mussten sich von den Sittenwächtern überprüfen lassen. Deswegen erwiderte Kaveh Tiathas Frage mit einem leichten Kopfschütteln, obwohl er ihre kreative Herangehensweise sehr zu schätzen wusste.

Kaveh Ahangar beantwortete die Worte des Henkers mit einem freundlichen Nicken und ließ sich ein seichtes, freundliches Lachen entlocken, als er einen Engel vulgär als Geflügel bezeichnete und aus jenem Geflügel dann Lamm zu machen vermochte. Und der Schmied zeigte sich beeindruckt von der segenhaften Belobigung, welcher der Henker von diesem nicht nennenswerten, ranghohen Priester bekommen hatte, obgleich er sich nicht wirklich dafür interessierte, ob diese Geschichte überzogen war oder gar der Realität entsprach. Deswegen bezog sich Kaveh bei der Antwort auf die direkte Frage des Henkers auch darauf. "Ein solcher Segen wäre eine ganz besondere Ehre und ist Triebfeder meiner eigenen Reisen. Dementsprechend muss wohl gesagt werden, dass wir sowohl Pilger als auch Händler sind. Doch die Wüste hat noch den dickköpfigsten Mann gottesfürchtig gemacht." Kaveh deutete über die Waren von Nahrungsmitteln bis zu Töpferwaren. "In Vecors Stolz zu handeln, das alleine ist für reisende Händler schon eine Ehre, doch die Stadt bestaunen zu dürfen, der wahre Grund, der uns bescheiden und glücklich zugleich macht." Kaveh lächelte dabei freundlich und bescheiden.
Der Schmied hatte die Worte des Henkers dabei nochmal überdacht. Dass er so offenkundig davon sprach, dass Vecor zu unrecht Hängenden die Chance auf Flucht geben würde, war eine Verlockung, die er offen aussprach. Ein Grund mehr, den Weg fortzusetzen, ohne darauf einzugehen.
"Seid bedankt für eure freundlichen Erklärungen. Gehabt euch wohl und möge Vecors Sonne euch ewig scheinen, mein Freund.", begann Kaveh den Aufbruch einzuleiten. Wenn sie vorhatten, den Adeodaten zu befreien, müssten sie sich so oder so in Bewegung setzen und darüber sprechen. Ein unüberlegter Angriff konnte in einer Flucht eines der Henker resultieren und Kaveh hielt eine Befreiungsaktion in Anbetracht des Ortes und der Situation nach wie vor falsch, weshalb er den Aufbruch für den Moment beschloss, sodass sie im Zweifelsfall darüber beraten konnten oder weiterzogen. Je schneller sie weiterzogen, desto weniger konnte man an ihnen zweifeln. Es wurde Zeit. Erst wartete die Oase, dann Vecors Stolz. Dort würden sie sich alle für das Unrecht rächen können, was sie an dieser Via Dolorosa gesehen hatten und das würden sie auch, dessen war sich Kaveh sicher.

Mahlakar

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Kapitel 1: Der Pfad über glühende Kohlen
« Antwort #14 am: 23.07.2012, 04:13:06 »
Bei den Worten des Henkers über Vecors Richtspruch und das Entfliehen der Grenze überlegte er kurz, ob er eingreifen sollte und somit dem Richtspruch nicht ganz so göttlich auf die Sprünge zu helfen.
Stumm musterte er seiner Begleiter.
Gab es Anzeichen dafür, daß diese planten, den Veruteilten zu befreien?
Wie würden sie wohl reagieren, wenn sie einen Ungläubigen in ihrem Lager erwischen würden, der ihren Gott verspottet? So wie sie sich bis jetzt verhalten haben wohl kaum anders als diese Henker hier.
Was kümmern mich eigentlich die Belange dieser Fanatiker?
Ich bin hier um das Ritual zu verhindern und für die Nachwelt festzuhalten. Jegliche moralische Entscheidung steht dabei nur im Weg. Besser man geht das ganze rational und ohne Gefühle an.

Er erschrack über seine Gedanke.
Was denke ich denn da? Keine Gefühle? So wie die Schatten in der Bibliothek. Die Meister haben gesagt, wenn ich anfange meine Gefühle zu verlieren, dann wird die Macht des Blutes stärker.
Er beugte sich zur Sonne empor und ließ ihre warmen, nein heißen, Strahlen auf seinen Körper scheinen. Erleichtert stellte er fest, daß er noch dazu im Stande war, sie wahrzunehmen und verblieb kurz so. Fast hatte er den Eindruck sie würden die Befleckung seines Blutes hinwegwaschen.



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