Autor Thema: Ein langer Sonnenuntergang  (Gelesen 12447 mal)

Beschreibung: IC-Thread - Kapitel 2

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Menthir

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #30 am: 14.09.2012, 13:05:37 »
10. Jantus 1214 - Ein langer Sonnenuntergang - 17:26:24 Uhr

Mephala ging zu Alvanon und sagte zu ihm: "Vielleicht könnt Ihr Euch mit diesem Zauber erfolgreich an die Feinde anschleichen, wenn er näher kommt. Ein Angriff macht Euch allerdings wieder sichtbar und die Vecorianer könnten Gegenmittel haben. Passt bitte auf!"

Nicos sagte zu Clavius: "Ich glaube Elyana hat ihren Wert verloren. Sie will auch bestimmt nicht mehr weiter reden. Tötet sie bitte, bevor sie dem Feind noch irgendetwas wichtiges verrät, Clavius." Der Tod dieser Vecorianerin würde Nicos sehr befriedigen und in Nicos Augen spiegelt sich das Gefallen an ihrem möglicherweise schon baldigen Ableben. So eine Närrin hatte nichts anderes verdient. Nicos entschloss sich, während er immer mal wieder zur Elbin schaute seine Position etwas zu ändern. Er positionierte sich nördlich von Môr Tahâs. Er erwartete Fanatiker und bereitete einen Zauber vor, der den ersten Feind in Reichweite schwächen würde.

Alvanon verstand die plötzliche Aufregung nicht, denn er hatte nichts mitbekommen, was auf einen Angriff oder eine Gefahr schließen lassen würde, die über die Alben hinausging. Er selbst hatte nichts gehört, aber den anderen war anscheinend etwas zu Ohren gekommen, weswegen er sich von Mephala ohne Widerstand unsichtbar machen ließ. Für ihn war dies ein Segen, da er im Kampf wenig machen konnte. Seine Fähigkeiten bezogen sich mehr auf das Reden. Schöne Worte waren sein Stil, doch wenn es zu einer Auseinandersetzung kommen sollte, wusste er zumindest, welchen Teil seiner Waffe er nach vorne halten musste. Leise raunte er Mephala zu: “Ich werde in der Nähe sein, auch wenn ihr mich nicht seht oder hört.“

Ihm gefiel weniger, was Nicos mit der Vecorianerin vorhatte. Ihm fiel noch ein Mittel ein, mit dem man Informationen aus der Gefangenen herausbekommen konnte. Er hoffte, dass die Gefangene am Ende dieser Begegnung noch immer ihre Gefangene sein würde, dann würde er es mit dem Wahrheitsserum versuchen, welches er stets mit sich herumtrug. Dann hörte auch er die Schritte. Schwer gepanzert und laut im Nebel. Er versuchte, die Anzahl der Angreifer zu erlauschen, um sich halbwegs auf das einstellen zu können, was ihn erwartete[1]. Er war sich nicht ganz sicher, raunte den bei ihm stehenden allerdings leise zu: "Es sind mindestens fünf Angreifer!" Weiterhin zog er seine Klinge und harrte der Dinge, die dort kamen. Er befürchtete, dass die Angelegenheit wieder eskalieren und einer von ihnen dabei seinen Körper verlieren würde.

Auch wenn sich das noch nicht so offensichtlich zeigen sollte, hatte Clavius ganz andere Pläne als Nicos. Clavius wollte der Elbin alledings beweisen, dass er nicht davor zurückschrecken würde eine Frau zu verletzen, falls es darauf ankam. Ein Angriff würde sie womöglich noch mehr einschüchtern und Clavius' Macht zeigen. Clavius wollte die Frau nicht töten, aber etwas verletzen war sicherlich nicht so schlimm. Er überließ es seiner Gottheit Iben, ob die Verletzung erfolgreich sein würde und probierte die Elbin mit negativer Energie anzugreifen.
 1. Wahrnehmung: 11
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Menthir

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #31 am: 14.09.2012, 13:07:06 »
10. Jantus 1214 - Ein langer Sonnenuntergang - 17:26:30 Uhr

Im Nebel waren weiter Schritte zu hören, sie näherten sich, doch durchstießen nicht die Nebelwand. Irgendwo in der grauorangen, wabernden Tristesse hörte man das Einrasten von metallenen Riegeln. Sollten diese Männer auch so eine monströse Armbrust haben, wie schon Rokers Männer sie mitführten oder was bereiteten sie vor? Wer scharfe Ohren hatte, konnte Stimmen ausmachen. Eine davon war beißend, bellend. Es war die Stimme eines älteren Mannes, er gab Befehle als war es das natürlichste der Welt. Die Schritte hielten inne. Auch die Gegensatz unternahm Vorbereitungen, bevor sie die Lichtung stürmten.

Clavius legte seine Hände auf die malträtierten Schlüsselbeine der Elbin, welche diesem Griff vor Schmerz nicht ausweichen konnte. Sie lag ermattet auf dem Boden, als Clavius seine dunklen Energien in die Inquisitorin fließen ließ. Sie schrie ihren Schmerz raus, und Clavius spürte, dass in diesem gebrochenen Körper ein wahrlich trotzender Geist steckte. Ihr Aufbegehren im Trotz war keine gespielte Reaktion gewesen. Mit einer gewissen Zufriedenheit konnte er trotzdem sehen, wie diese unheilige Kraft ihre Wirkung zeigte. Blut troff aus der Nase der Elbin, welche sich vor Schmerzen auf dem Boden wand, aber noch lebte sie. Wie viel würde sie noch aushalten?

Môr Tahâs sah sich die Szene entspannt an, auch wenn die Lippen auffällig kräuselte. Vielleicht war er verwundert, warum die Untote keine Deckung gegen einen noch nicht sichtbaren Feind suchten und somit nicht im Haus, sondern außerhalb des Hauses die Verteidigung beginnen wollten. "Ich und meine Alben decken eure Flanken.", sagte er bestimmt, aber bewegte sich dabei nicht von der Stelle. Dann schwieg er und lauschte dem Wind, während die beiden Alben ihre Bögen spannten. Wann kam der Feind?

Nicos überlegte etwas und er versuchte sich eine Taktik zu überlegen gegen eine Vielzahl von Gegnern. Hatten sie in ihrer momentanen Position wirklich eine Chance gegen ihre Feinde? Vielleicht war ihr Feind arrogant und sie konnten womöglich den Kampf zum Hauseingang verlegen. Dort hatte man Nicos' Meinung nach ein paar taktische Vorteile. Nicos sagte letztlich zu seinen anderen Verbündeten: "Vielleicht sollten wir uns demnächst alle in das Haus zurückziehen und dessen taktische Vorteile nutzen. Bitte wartet aber noch bis ich einen Zauber zu Ende gewirkt habe. Ich werde mich mit diesem Zauber selbst um die Elbin kümmern. Es reicht schon, wenn Mauron vorgegangen ist."

Dann wirkte Nicos einen Zauber, der Oger-Zombie beschwören sollte, der sich um die Elbin kümmern sollte, während sich die anderen in das Haus demnächst zurückziehen würden.

Mephala war absolut nicht feige und obwohl sie jetzt einen schützenden Illusionszauber auf sich wirken würde, ging sie nicht vorzeitig in die Hütte. Sie zeigte keinerlei Angst. Das geziemte sich ihrer Meinung nach für eine Untote nicht und außerdem hatte sie ihren Stolz. Der Zauber, den sie letztlich auf sich wirkte, war ein Spiegelbild-Zauber.

Zunächst war Mauron von der plötzlichen Betriebsamkeit der anderen überrscht, hatte er doch gerade mehr oder weniger interessiert die Befragung der Elbin verfolgt und sich Gedanken über die mögliche Nutzung des neu erlangten Wissens gemacht. Nachdem dann auch in sein Gehirn durchgesickert war, dass sich ihnen Feinde näherten, handelte er umso rascher. Alte Gewohnheiten legte man eben doch nicht so schnell ab.

Mit bedachten aber schnellen Schritten entfernte er sich zunächst von der Front und zog sich zur der Hütte zurück, bis er die Wand in seinem Rücken spüren konnte. Wenigstens würde ihn so kein Feind von Hinten angreifen können. „Zumindest kein Feind mit dem ich rechne.“ durchzuckte es ihn, als er wieder an all die Geschichten über den Verrat der Alben denken musste.

Als nächstes spielte er auf seiner Flöte einen kurzen Walzer und führte selbst ein paar Tanzschritte aus. Bei jeder seiner 6 Drehungen dieser kurzen Darbietung entstand an genau der Stelle ein Duplikat seiner Selbst. Diese schlossen sich darauf seiner Darbeitung an und am Ende war nicht mehr ersichtlich, wer Original und wer Kopie war. So würde er hoffentlich einen gewissen Schutz vor direkten, gezielten Treffern durch was für Geschosse auch immer haben.
Diese Illusionen würde ein paar Minuten anhalten, er konnte sie also direkt jetzt verwenden, auch wenn es noch ein paar Augenblicke dauern würde, bis sich der erste Feind zeigen würde.
Bei seiner nächsten Verteidigungsschicht konnte er sich diesen Luxus leider nicht leisten und so beschränkte sich Mauron darauf, sein geliebtes Horn aus seinem Beutel zu holen und gebannt auf den Nebel zu starren. Sobald sie sich zeigten, würde er bereit stehen.

Mit einem zufriedenen Lächeln sah Clavius auf die Elbin hinab. "Ihr habt noch eine Rolle zu spielen, meine Liebe. Eure Zeit ist noch nicht gekommen. Das Dunkle ist nun auch in euch, ebenso wie das Licht", flüsterte er ihr zu.

Kurz warf er noch einen Blick zu Nicos. "Lasst die Elbin. Ihre Zeit ist noch nicht vorbei."

Die Augen nach vorne gerichtet, zog sich Clavius in Richtung der Hütte zurück und zog dabei sein Schwert. Er würde die Hütte nicht betreten, wollte sich aber die Möglichkeit eines schnellen Rückzugs sichern.

Die Situation verschärfte sich. Die Feinde kamen näher und eine Konfrontation stand unmittelbar bevor. Der Vorschlag, in die Hütte zurückzukehren, schien Alvanon allerdings wie eine Falle, aus der sie im Zweifelsfall nicht entrinnen konnten, wenn sich das Kampfglück gegen sie wandte. Nach einem kurzen Überblick über das Gebiet des Kampfes entschied er sich dafür, eine andere Deckung zu suchen, die allerdings erst durch seine Unsichtbarkeit wirklich Wirkung entfaltete. Leise ging er zum Rand der Hütte[1], und versuchte, auf das Dach zu klettern[2], um von dort den Feinden in den Rücken stoßen zu können.
 1. Heimlichkeit: 24
 2. Klettern: 22
« Letzte Änderung: 14.09.2012, 13:07:26 von Menthir »
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Menthir

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #32 am: 14.09.2012, 13:08:36 »
10. Jantus 1214 - Ein langer Sonnenuntergang - 17:26:36 Uhr

Und so positionierten sich die ehemaligen und inzwischen untoten Könige vor dem Haus und trafen ausreichende Vorbereitungen, um dem Feind zu begegnen. Alvanon kletterte behände auf das Dach des Hauses kletterte. Die Hütte bot seinen geschickten Füßen ausreichend Halt, sodass er die Szenerie in aller Ruhe aus einer Höhe von etwas mehr als drei Metern beobachten konnte. Während Mephala und Mauron ihre Spiegelbildern wirkten, um sich vor plötzlich auftauchenden Feinden, zusätzlichen Schutz zu verschaffen, sah auch Nicos, dass er nach all den Jahrhunderten - wie durch ein Wunder, ein Segen Menthirs - den Einsicht in die Mächte Dagurs nicht verlernt hatte. Aus dem Nichts erschien ein drei Meter großes Ungetüm, dessen Fleisch in Fetzen von seinem Gesicht und seinem Körper hing. Ein starker Geruch der Verwesung ging von seinem massiven Körper aus. Die Haut, wie wahrscheinlich einmal helle Gelbtöne hatte, war inzwischen in ein gesprenkeltes Schwarz verödet. Sein massiver Kopf schnaubte und sein übriggebliebendes Auge fixierte die Elbin fleischlüstern, die sich gar nicht getraute, ihren Kopf zu wenden. "Uuuuuaaaaaahhhhh", ließ das massive Wesen mit stumpfen und abgebrochenen Zähnen verlauten, während sich zum Abschluss des Beschwörungszaubers noch ein massiver Baumstamm in den Händen des Wesens, welches wohl mal ein Oger war, manifestierte, den es wie eine Keule schwingen würde. Die Elbin wurde bleich.

Mauron reagierte zuerst, in dem er das Horn spielte, als Gestalten aus dem Nebel traten. Fünf Männer in Leinenumhängen, welche von grauer Farbe waren, machten die ersten Schritte aus dem Nebel. Es waren Menschen, alle um die sechs Fuß hoch groß, von meist schlanker Gestalt. Sie trugen schwere Armbrüste bei sich, welche aus dunklem Holz gearbeitet waren. Ihre körperumschlingenden Umhänge verbargen sonst fast alles, was sie an ihrem Körper trugen. Nur die breite des Umhanges ließ darauf schließen, dass die Männer darunter sehr wohl gerüstet waren. Einzig die Brosche, welche den Umgang zusammenhielt, zeugte von Schmuck, denn es war eine stilisierte Sonne, welche über einen Horizont stieg. Eines der vielen Zeichen Novarals: der neue Tag. Hinter ihnen kam zwei auffälligere Gestalten aus dem Nebel gestiegen. Ein blonder Mann ohne diesen Umhang, aber mit gräulicher Metallrüstung, welche mit schmuckvollen Intarsien aus Bronze veredelt war. Über den Schultern trug er einen Zweihänder, dessen Spitze abgetrennt worden war, mit einiger Absicht: ein zwergisches Henkersschwert, nur eine Nummer größer. Das Schwert gab ein leichtes Summen von sich und schien den Nebel hinter sich sogar zu verstärken. Seine kantigen Gesichtszüge waren nachdenklich, als er die vorbereiteten Wesen vor sich erblickte.
Doch dann trat noch ein älterer Mann aus dem Nebel, dessen langes, braunes Haares bis auf seine Schultern reichte. Sein Gesicht war von einem Vollbart und seiner zerfurchten Stirn geprägt. Er trug die typische Kleidung eines Kardinals, nur dass sein Talar nicht wie bei Vecorgläubigen üblich, in farbiger Pracht erstrahlte, sondern in einem ernsten und biederen Grau, welches jedoch mit Goldfasern durchwirkt war. Um den Hals trug er eine stilisierte Sonne, halb Sonne, halb Auge. Eines der vielen Sonnensymbole Vecors. Mit der linken Hand umschlossen trug er einen hözernen, knorrigen Stab an dessen Kopfende pures Sonnenlicht zu scheinen schien.

Er runzelte seine zerfurchte Stirn, als er die Inquisitorin auf dem Boden zwischen den Beinen des Ogerzombies hindurch sah und die Verteidigungshaltung der untoten Könige. "Ergebt euch, Wesen Dagurs.", sagte er mit entschlossener und erstaunlich erhabener Stimme, welche an die eines alten Gelehrten erinnerte. "Und Novarals Jünger werden euch nicht in tausend Sonnenstrahlen vertilgen. Wehrt euch, und ihr vergeht wieder dorthin, woher ihr entkrochen seid. So wahr ich Sir Cairnat d'Moira bin." Scheinbar verlangte der alte Priester tatsächlich, dass die Untoten sich einfach ergaben. Môr Tahâs lächelte nur, hielt sein Schwert quer vor sich in einer ungewöhnlichen Verteidigungshaltung, aber schwieg. Genauso wie die Alben noch nicht ihre Bögen zum Einsatz brachten, wohl aber spannten. Der Alb erwartete interessiert, wie die Untoten darauf reagieren würde und eröffnete den Angriff nicht. Wahrscheinlich noch nicht.

Nicos Einschätzung nach sollte man es in dieser Situation erst einmal mit der Kraft der Worte probieren, bevor man weiter mit Waffengewalt vorgehen würde. Denn die Kraft eines vecorianischen Priesters Untote mit positiver Energie zu vernichten, war dem Nekromanten nicht fremd. Es war eine heikle Situation, aber vielleicht würde eine gute Lüge sehr hilfreich sein. Nicos Meinung nach musste er einfach alles auf eine Karte setzen. Mit kalter Stimme und emotionlosem Gesicht sagte er zu dem Vecorianer, der sie zuvor ansprach: "Und was bringt uns eine Kapitulation? Werden wir dann für alle Zeiten eingesperrt in einer Zelle verrotten? Ist es das, an was Ihr gedacht habt? Damit bin ich nicht einverstanden. Diese elbische Schlampe dort auf dem Boden weiß ja längst nicht alles. Der Alb, der rechts neben mir steht, sagte uns vor dem Treffen mit der Elbin, dass dieses Gebiet von Alben umstellt ist und wir keine Dummheiten anstellen sollten. Der Nebel und Unsichtbarkeit verbergen sie. Die Alben sind außerdem die Meister der Schatten. Das sollte Euch doch bekannt sein. Kämpft gegen uns und Ihr werdet in einem Pfeilhagel sterben oder zieht Euch zurück und lebt weiter."

Mephala verzog derweil auch keine Miene. Sie zog sich nicht ins Haus zurück und versteckte sich dort. Die Magierin war allerdings gespannt, ob Nicos Worte überhaupt irgendetwas bei diesen Vecorianern brachte. Bevor sie jemand attackieren würde, würde sie einen Schritt gen Nordosten gehen und einen sengenden Strahl auf Sir Cairnat d'Moira zauber, bevor dieser angriff.

Da standen sie nun, die Häscher sie zu töten. Noch hatten sie nicht angegriffen, aber das würde nur eine Frage von Sekunden sein, sollten sie sich nicht direkt ergeben. Für diese Vecorianer waren sie doch nur Abominationen des Lebens, keine Wesen die man gern als Nachbar haben möchte. Und wenn sie noch nicht angriffen, dann wohl nur weil sie die Lage zuvor besser analysieren wollten. Vielleicht hingen sie auch an der Elbin und wollten diese nicht gefährden. Obwohl das wohl kaum zu dieser Art von Personen passen würde. Sie waren Fanatiker, dumm genug sich freiwillig in den Albenwald zu begeben, nur um ein paar auferstandene Könige zu vernichten. Bereit ihr Leben für ihren Glauben und diese Mission zu opfern. Auf Verhandlungen würden sie sich wohl kaum einlassen.

„Besser also ich führe den ersten Streich aus. Das ist die Gelegenheit, meinen neuen Trick auszuprobieren“

Mit möglichst ausdrucksloser Miene führte er langsam seine Panflöte an den Munde und began ein weiteres mesmerisierendes Muster zu spielen. Einem aufmerksamen, in der Musik nicht vollkommen unbewanderten Beobachter, würde auffallen, dass hierin Teile der von Mauron im Haus geübten Melodie enthalten waren.

Nun den Mann mit dem Zweihänder fixierend, konzentrierte sich Mauron auf seine Erinnerungen an Marionetten und formte für den Rest unsichtbare, silberne Fäden. Zu seinem großen Missfallen lösten sich diese jedoch direkt wieder auf, ohne ihm auch nur eine Sekunde der Kontrolle zu ermöglichen.
Vielleicht hätte er diesen Trick doch erst ausgiebiger testen sollen.

Kaum oben angekommen vernahm der Elb das Geschehen unter ihm. Er hatte gehofft, dass die Situation ohne einen Kampf auskommen würde, doch das schien nun schwer zu werden. Er wusste um seine eigene Zunge, mit der er sich bereits aus vielen Situationen herausgeredet hatte, und spürte, die Zeit gekommen war, ein wenig Silber ins Spiel zu bringen. Kurz trauerte er noch der Anstrengung nach, die ihn das Klettern zu Lebzeiten sicherlich gekostet hätte, und sprang dann herunter vom Dach, um sich unten behände abzurollen und auf die Beine zu kommen. Er nahm die nichtbenutzte Maske in seine linke Hand. “Mephala, löst bitte den Unsichtbarkeitszauber.“

Er wartete zwei Sekunden und sprach dann, ohne das Ergebnis seiner Bitte abzuwarten, schaute dabei auf seine Maske: “Ein Drama, freilich, so würde man diese Situation einordnen, wenn man auf der Seite des Friedens stünde – eine Komödie hingegen, würde derjenige sagen, der dieses improvisierte Stück aus reiner Unterhaltungssucht anschaut. Oh sprich zu mir, Geist in dieser Maske, wie gedenkst du diese Situation zu beurteilen? Du lachst, und doch weinst du. Sind es Tränen der Heiterkeit? Oder weinst du, weil du bereits siehst, was die tapferen Ritter unseren Körpern antun werden?“

 Der Elb wandte sich den Rittern zu und verbeugte sich, wie ein Künstler nach getaner Vorstellung, hielt dabei die Maske hinter seinen Rücken, um klarzustellen, dass die Ritter nun auch seine Aufmerksamkeit genießen durften. “Mein Name ist Alvanon, Auferstanden durch eine Handlungswendung in den Regieanweisungen des Lebens. Gebt mir einen Augenblick, unser Verhalten zu erklären und entscheidet dann, wie ihr verfahren wollt.“ Er wagte es, einen Augenblick lang seinen Blick auf seine Füße zu richten um zu schauen, ob er seine Aufführung nur für sich selbst machte, oder auch für alle anderen.

Clavius war sich nicht sicher wie gut diese Ablenkung von Alvanon funktionieren würde. Bestenfalls würde sie ihnen nur ein kleines bisschen Zeit verschaffen. Von den Taten seiner Mitstreiter war er nicht ganz begeistert. Vielleicht konnte man mit diesem Sir Cairnat d'Moira doch verhandeln. Wenn er ein Vecor-Kleriker war, hatte er bestimmt effektive Waffen gegen Untote. Ein Kampf mit ihm würde also gefährlich werden. Clavius vertraute daher erst einmal auf die Kraft der Worte und rief zu Sir d'Moira:

"Werter Sir Cairnat d'Moira, ich muss mich für das Verhalten meiner Männer, wenn man so sagen will, entschuldigen. Ich übernehme dafür voll und ganz die Verantwortung, wenn es sein muss, aber bitte hört mich erst an, was ich weiter zu sagen habe. Denn Drohungen, Lügen und Ablenkungen sind meiner Meinung nach der falsche Weg. Wie genau habt Ihr Euch denn unsere Gefangenschaft vorgestellt und warum genau wollt Ihr uns gefangen nehmen? Wir kommen doch durch die magische Barriere sowieso nicht aus dem Albengebiet heraus. Ich weiß zwar nicht wie viele Alben momentan in der Nähe dieses Kampfgebietes hier sind wegen dem Nebel, aber da es- wie schon gesagt- ihr Gebiet ist, werden hier in dem ganzen Gebiet, das durch die Barriere begrenzt ist, schon einige Alben sein. Das soll keine Drohung sein, sondern nur eine Feststellung. Wir sind momentan eigentlich Gefangene der Alben und wir können nicht weg wegen der Barriere. Hat Euer Auftrag denn irgendeinen Sinn, wenn wir eh schon gefangen genommen worden sind und hier festsitzen?

Ihr haltet Dhurek für seine Taten und seine Worte bestimmt für einen Verräter an seiner Gottheit Vecor, aber glaubt mir bitte eines: Dhurek starb in einem hellen Sonnenschein. Er muss also doch im Auftrag Vecors gehandelt haben, so paradox es auch klingt. Wenn Ihr glaubt, dass ich Euch anlüge, überprüft das bitte mit Magie, ich habe nichts zu verbergen. Was haltet Ihr außerdem von Thuras IV? Meint Ihr nicht auch, dass er eine Gefahr für das Reich ist? Ich würde hierüber gerne mit Euch sprechen, wenn Ihr nichts dagegen habt."
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Menthir

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #33 am: 14.09.2012, 13:40:04 »
10. Jantus 1214 - Ein langer Sonnenuntergang - 17:27 Uhr

Alles, wirklich alles schien für einen Angriff zu sprechen. An Sir Cairnat d'Moiras Gesicht war es abzulesen gewesen, als der untote Nekromant versuchte, eine nur halbgare Behauptung aufzustellen, welche den Vecorianer nicht wirklich beeindruckte. Sein Gefährten blickten sich zwar zweifelnd und vorsichtig um, aber mit wenigen Handbewegungen ermahnte sie d'Moira zu Ruhe und trotz dieser durchaus möglichen Gefahr strahlten alle Vecorianer eine gefährliche Ruhe aus. Das änderte sich nicht einmal, als Mauron versuchte die Kontrolle des Zweihandwaffenträgers zu übernehmen, der als Reaktion jedoch nicht angriff, sondern lediglich auf den Boden ausspuckte, als würde er Mauron reizen wollen. Doch auch hier hatten des Priesters Handbewegungen den Mann von eigenen Taten abgehalten. Man konnte im Blick des Mannes sehen, dass er mit Cairnats Entscheidung unzufrieden gewesen war, aber die Hierarchie in der Gruppe war augenscheinlich sehr klar geregelt.

Derweil hatte Alvanon sich mit einem kunstvollen, wenn auch ungesehenen, Sprung vom Dach wieder auf den Boden der Auseinandersetzung bewegt und die Vecorianer schauten, nun da Alvanon wieder sichtbar war, seiner Aufführung zu. Allerdings verstanden sie dieses, so kunstvoll es war, eher als Gefahr, weshalb sie die Umgebung und die Bewegungen Alvanons genau im Auge ließen. Wieder konnten sie sehen, dass die Novaraljünger sich dabei mit Handbewegungen verständigten. Und dann waren dort noch die Bitten Alvanons und die Clavius, sich auf einfacher Ebene auseinanderzusetzen.

D'Moira erhob seine betagte Stimme, während er nicht dazu passende Gestiken nutzte, welche wohl wieder Kommunikation mit seinen Untergebenen bedeutete. "Verhandlung?" Er blickte zu Clavius und zuckte mit den Schultern. Scheinbar hatte seine Worte etwas bei dem alten Mann bewegt zusammen mit Alvanons kunstvollen Vorführung. "Doch dafür gibt es paar Voraussetzungen. Erstens soll das untote Ungetüm von der Inquisitorin weggehen und sie uns übergeben werden. Zweitens sind alle Angriffe jeglicher Art, ob magisch, physisch oder psychisch auf mich und meine Männer während unser Unterhaltung zu unterlassen. Drittens hört dieses furchtbare Geflöte auf. Kein Wunder, dass dieser Wald so ausgestorben wirkt."[1]
Seine Männer lachten bissig, vor allem jener Mann, der den Zweihänder trug und besonders Mauron in der Art fixierte wie ein wütender Stier ein rotes Tuch wahrnahm. Aber die Handbewegungen d'Moiras, die er permanent im Auge behielt, ließen ihn stillstehen wie einen Zwergen.

Es war augenscheinlich, dass der Priester den Untoten nicht traute und nicht vollkommen trauen würde, schon gar nicht mit dem Hintergrund ihrer Auseinandersetzung, den unterschiedlichen Idealen und den gescheiterten Versuchen, die Vecorianer hinter das Licht zu führen oder sie zu beherrschen. Cairnat gab sie dennoch erhaben über die Situation. Ein Verhalten, was zu diesem Mann passte. Er war es gewohnt, Befehle zu geben und dass andere ihm zuhörten. Aber im Gegensatz zu Môr Tahâs ging diesem Priester Arroganz ab. Vorsicht bestimmte sein Handeln.
"Eure Gefangennahme mag durch diese merkwürdige Barriere für den Moment gesichert sein, aber da sie nicht unserem Werk entspringt, kann ich kaum sagen, wie dauerhaft oder sicher diese Barriere ist. Der Grund einer Gefangennahme liegt vor allem in der Ankündigung des von euch benannten Dhurek Ghassor. Der Archivist Ghassor hatte am Ende seiner Amtszeit den Wahnsinn für sich entdeckt und drohte vor versammelter Ratskammer mit der Auslöschung der alten Strukturen. Wir hatten in Erfahrung gebracht, was dieses Auslöschen bedeutet: er meinte es wörtlich. Zumindest legen dies seine Aufzeichnungen nahe. Was also eure Motive, Ziele und Wünsche sein mögen. Wir müssen euch an einem Ort festsetzen oder zumindest fernhalten von der Hauptstadt." Er räusperte sich. "Aber dass Dhurek in hellem Sonnenschein starb, muss kein Segensspruch für den Einzelnen sein. Wenn ihr euch dazu entschließen solltet, meine Bedingungen nicht anzunehmen, würdet ihr auch in hellem Sonnenschein vergehen. Was ich durchaus dann als Segen wahrnehmen würde, solltet ihr angreifen, würdet ihr wahrscheinlich weniger als Segen wahrnehmen, sondern als Ende eures Unlebens. Ghassor war definitiv ein Verräter an seinem Glauben, denn was ein Vecorianer auch macht und welcher Sekte oder welchem Sonnenpfad er folgt, er würde niemals die Mächte des fahlen Hand nutzen." Seine Stirnt furchte sich wieder, als er über seine nächsten Worte nachdachte. Nach zwei, drei knappen Gesten mit der Hand schulterten die Novaraljünger ihre Armbrüste nur noch und zielten nicht mehr auf die Untoten. "Was Thuras angeht, das ist eine andere Geschichte. Aber sicher seht ihr richtig, dass wir eine geächtete Verbindung sind. Ihr seht, sehr viele Wesen beanspruchen Vecors Segen für sich. Es sind so viele, dass Vecors wahre Segen dieser Tage nur schwer zu sehen ist. Aber sagt, was wollt ihr darüber reden?"

Môr Tahâs Gesichtszüge zuckten kurz und unvermittelt[2], doch dann zuckte er mit den Schultern und verschränkte die Arme, das Zwergenschwert noch immer in der Hand haltend. "To Rhi'in", rief er nur in die Hütte zurück und man hörte darauf keine Bewegung. Der Befehl bedeutete nichts anderes als wachsam zu bleiben und so hielten die beiden Alben die Situation im Auge. Môr Tahâs wurde derweil immer passiver, während sich zwischen Vecorianern und untoten Königen ein Gespräch auf Augenhöhe zu entwickeln schien.
 1. Bis hierhin ging der Beitrag im Herausforderungsthread.
 2. 
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Nicos

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #34 am: 14.09.2012, 14:52:31 »
Nicos ist auch nicht begeistert davon, dass der Kampf zu Ende gegangen ist. Er hielt die Gegenseite immer noch für Fanatiker und Feinde. Clavius hat ihnen nur etwas Zeit erkauft und mehr nicht seiner Meinung nach. Besonders ärgerlich war es, dass er wohl nun den Zombie am besten entlassen musste.

Nicos blickte dann zuerst zu Môr Tahâs. Er konnte zwar seine Stimmung nicht deuten, aber es war seltsam, dass er nicht das Wort ergriff und sogar passiv blieb. Das war eine ganz andere Art von ihm. Aber Nicos Meinung nach hatte der Alb zu Recht sein Schwert nicht weggesteckt. Nicos plante derweil schon den nächsten Schachzug, falls der Kampf weiterging. Er würde die Untoten durch seine unheilige Kraft verstärken, falls Sir d'Moira wirklich versuchen würde sie mit der Kraft der Sonne Vecors zu zerstören.[1]

Nicos rief als nächstes zu dem Oger-Zombie: "Geh dorthin zurück, wo du hergekommen bist, mein untoter Oger!", daraufhin verschwand der Zombie, weil ihn Nicos mit diesen Worten entließ. Dabei verschrenkte Nicos seine Arme und schaute missmutig drein. Danach ruhte Nicos Blick auf Clavius. Was würde er wohl als nächstes sagen?

 1. Das ist eine vorbereitete Aktion: Bevor Sir d'Moira versucht höheres oder normales "Untoten vertreiben" einsetzen, verstecke ich Untote mit Rebuke Undead (siehe dazu näheres im Regelnwerk) eventuell wird ein Hero Point eingesetzt.

Robin Brighthide

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #35 am: 18.09.2012, 07:44:54 »
Clavius nickte. "Es spricht nichts dagegen, dass ihr eure elbische Gefährtin zu euch holt", gestand er seinem Gegenüber zu. "Ich ließ einen Götterspruch über ihr Schicksal entscheiden, und es zeigte sich, dass selbiges hier noch nicht sein Ende finden sollte."

Was er mit dem Götterspruch meinte, ließ Clavius offen. Es würde ihm nur zugute kommen, wenn die Vecorianer etwas mystischeres vermuteten, als tatsächlich geschehen war.

Nachdem D'Moiras Männer die Elbin geholt hatten, rammte Clavius demonstrativ sein Schwert in den Erdboden. Es war eine Geste, die das Ende des Kampfes symbolisierte. Aber er achtete auch darauf, dass er das Schwert ganz schnell wieder aus dem Erdboden herausziehen könnte, sollte es nötig werden.

"Es freut mich, endlich mit einem Mann von Vernunft zu sprechen. Derer scheint es im Augenblick nur wenige zu geben", begann er das eigentliche Gespräch dann mit ein wenig verbalem Honig. "Dass Dhurek wahnsinnig war, darüber muss man wohl nicht diskutieren. Er brachte uns zurück, ohne dass wir darum gebeten hätten, und gab uns eine Mission, an der wir kein Interesse haben. Würde es nur um ihn selbst gehen, wäre sein Vorhaben gescheitert. Ich selbst bin diesem Reich zutiefst verbunden, aber das gilt nicht für jeden meiner Gefährten. Die meisten von uns würden ihr unerwartetes Unleben schlicht in Freiheit genießen, wenn wir die Möglichkeit hätten."

Clavius ließ die Worte einen Moment wirken. Er achtete darauf, die untoten Könige nicht als gefährliche Monstren darzustellen, sondern als harmlose Männer und Frauen, die nichts weiter wollten, als ihr beschauliches - zufällig untotes - "Leben" zu führen.

"Doch im Anschluss an Dhureks Ritual ist etwas geschehen, dass er wohl selbst nicht erwartet hat. Die Zah'rah sind erschienen, und sie machten mehr als deutlich, was geschehen würde, wenn wir uns der Mission verweigern würden. Wir verfolgen ein Ziel, das uns von eurem Gott vorgegeben wurde. Und dieses Ziel ist das Ende von Thuras IV."

Nicos

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #36 am: 03.10.2012, 13:00:30 »
Mephala

Mephala konnte gut einschätzen, was Môr Tahâs wohl in etwa dachte. Ob sie von Alben wohl mittlerweile umzingelt waren? Môr Tahâs und seine Alben hatten hier große Macht. Mephala hielt nicht viel von Vecorianer, aber der Meinung der Magierin nach könnte es so oder so ein Kampf geben. Entweder gegen die Vecorianer oder gegen die Alben. Aber Mephala hatte keine Angst. Sie würde sich allem stellen, was da kommen würde. Aber das Wissen, was Môr Tahâs anbot, war sehr verlockend. Hoffentlich würde sie noch irgendwie an dieses Wissen kommen. Aber sie tat nun endlich das, was Alvanon wollte. Mit konzentriertem Gesicht sorgte sie dafür, dass der Zauber aufhörte zu wirken und Alvanon wieder sichtbar wurde.

Alvanon

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #37 am: 03.10.2012, 16:24:12 »
Sein Auftritt endete so jäh, wie er begonnen hatte. Noch als er die Reaktion seiner Gegenüber abwartete, sprang bereits Clavius ein und begann die Verhandlungen mit den vermeintlichen Angreifern und es entwickelte sich ein interessantes Gespräch. Er beschloss, dabei eher die Ruhe zu bewahren, denn so wie zu viele Köche den Brei verdarben, so konnten zu viele Diplomaten auch den Frieden gefährden, oder zumindest den kurzzeitigen Waffenstillstand. Im Endeffekt ist ja nun egal, wer von uns seine rhetorischen Künste anbringt, solange wir die nächsten paar Stunden überstehen.

Gleichzeitig verstimmte es den Elb jedoch, dass sie ihr Druckmittel gehen ließen. Ohne die Elbenfrau in ihrer Gewalt zu haben gab es nichts mehr, was die Vecorianer von einem Angriff abhalten würde, bis auf die schwarzgefiederten Pfeile der Alben, die aus dem Dickicht hervorschießen würden. Es lag wahrscheinlich an der erst kürzlich erlebten Situation, doch Alvanon achtete stets darauf, dass ihnen die Situation nicht erneut entglitt. Es mochte so sein, dass sich die Tür der Alben geöffnet hatte, als sich die Tür der Söldner schloss, doch muss der Raum hinter jeder Tür erst neu erkundet werden. Keine Bühne ist wie die andere, so sagt man, und jedes Publikum ist anspruchsvoller als das vorherige. Der Elb ertappte sich einen kurzen Moment dabei, wie er sich die Tage zurücksehnte, an denen er in seinem Thron einfach nur bedienen ließ, ohne Angst um sein Überleben haben zu müssen. Ebenso vermisste er die friedlichen Tage seiner Jugend, die er in den Wäldern seiner Heimat verbrachte. Er erlaubte sich einen Moment der Unachtsamkeit und blickte sich um. Hier fühlte er sich, trotz des Waldes um sie herum, kein bisschen heimisch. Es war mehr die verzerrte Version, die grotesk entstellte Version seiner Heimat aus Kindestagen, und er betete, dass es zu Hause anders aussehen mochte, wo auch immer dieses zu Hause nun sein mochte.

Er wurde von dem Geräusch des Schwertes, welches in den Boden gerammt wurde, wieder in die Szenerie geholt. Wehrlos? Ich lasse mich ja gerne auf Verhandlungen ein, aber das wird mir zu viel des Guten. Erst geben wir die Geisel ab und nun unsere Waffen? Braves Hündchen, sieh mal, dieser leckere Bolzen. Er schüttelte ungläubig wirkend den Kopf, sabotierte die Bemühungen von Clavius allerdings nicht, denn noch bestand die nicht geringe Möglichkeit, dass dies unblutig gelöst werden konnte, vor allem nach den Worten des kühnen Ritters, die jedoch einen unangenehmen Beiklang hatten. Alvanon hörte deutlich aus den ritterlichen Worten heraus, dass sie eine geächtete Organisation waren, was in seinen Ohren nicht von Vorteil für die Untoten war. Denn obwohl sie geächtet waren, machten sie Jagd auf die Könige und befolgten somit den Willen Vecors. Scheinbar wollten sie ihre Reputation zurückerlangen, und das war ein Punkt, der bewirkte, dass Alvanon sich lieber nicht entwaffnen ließ. Er fragte sich nur, wie er dies den anderen mitteilen sollte. Vorerst sah er keine Möglichkeit, ohne eine eventuelle Eskalation zu verhindern. Erst, wenn Rüstungen ausgezogen würden, würde Alvanon sich zu Wort melden und dies unterbinden.

Menthir

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #38 am: 03.10.2012, 20:41:15 »
10. Jantus 1214 - Ein langer Sonnenuntergang - 17:29 Uhr

Die Blicke eines Menschen konnten Bände sprechen, kaum ein anderes Volk lies sich so gut aus dem Gesicht lesen. Sir Cairnats Gesicht zeigte dementsprechend auch mehr als eine Reaktion, während der untote König Clavius sprach. Clavius, der jüngste der noch unlebenden Könige, sah besonders deutlich diesen Wechsel von Zufriedenheit oder zumindest einer Form der Genugtuung, was sich in einem milden Blick ausdrückte, als Clavius sein Schwert in den Boden stieß, zu einer Unzufriedenheit, die sich in einer zuckenden Augenbraue und einem Augenwinkel äußerte, sobald Clavius wieder einmal auf einen göttlichen Auftrag verwies.

Wer Môr Tahâs im Auge behielt, vermochte auch in seinem Blick eine gewisse Unzufriedenheit zu entdecken. Seine Stirn wurde von Falten des Zweifels geziert, als Clavius sprach. Wahrscheinlich hätte es den Alben nicht wundern sollen, dass er letztendlich einer Gruppe von Opportunisten begegnen musste in den gefallenen und weitestgehend vergessenen Königen. Doch der Alb hielt sich weiter zurück, während Sir Cairnat seine Mimik langsam wieder in den Griff bekam und einen nüchternen und neutralen Blick aufsetzte. Wieder sahen sie die merkwürdigen Handbewegungen und zwei der Männer mit Armbrüsten gingen vorsichtig ein paar Schritte vor, um Elyana zu packen und hinter ihre Reihen zu ziehen. In den vorsichtigen Blicken der Männer und dem vorsichtigen Tasten war zu sehen, dass jede Seite noch immer einen Angriff fürchtete und für äußerst realistisch hielt und wer wusste schon, wie die Alben letztendlich reagieren würden? Einfach auf beide Seiten schießen?

"Habt Dank für eure Einsicht.", sagte Sir Cairnat, als Elyana endlich vor Schmerzen stöhnend und fast im Delirium seiend hinter die eigene Linie getragen wurde. Er ließ das Licht auf seinem Stab als Zeichen des Entgegenkommens ebenfalls erlöschen, was den Mann mit dem Zweihänder einen sehr kritischen, fast fassunglosen Blick abrang. "Aber lasst mich noch einmal betonen, dass ich nichts von den Worten halten, wenn irgendjemand dieser Tage behauptet, er wäre im Auftrag der unbesiegbaren Sonne unterwegs. Diese heilige Formel wurde profansiert, in diesen Tagen der Krise herabgewürdigt zu etwas wie eine simple Begrüßung." Clavius stieß mit den Worten eines göttlichen Auftrags wiederholt auch wenig Gegenliebe durch den Jünger Novarals, dessen freundliche Fassade den innerlichen Ärger nur oberflächlich kaschieren konnte. Selbst der gemeinsame Feind, der Thuras zweifelsohne war, schien daran nichts zu ändern.
"Kennt ihr die Geschichte der Zah'rah?" Sir Cairnat ließ keinen Zweifel daran, dass er diese Geschichte unabhängig der Antwort erzählen würde. "Die Zah'rah sind benannt nach dem Propheten Zah'rah Alibasa. Er war der Anführer der ersten Vecorianer, welche sich in das heutige Gebiet von Zhuras vorkämpften, also die alten Elben, Alben und Riesen verdrängten. Er war ein sehr gewalttätiger Mission. Berühmt war er für die Gottesurteile, durch die er Ketzer richtete. Jeder Häretiker oder Gläubiger eines anderen Glaubens, der ihn herausforderte, wurde von ihm dazu gezwungen, ein geringe Menge Quecksilber zu trinken. Und was bedeutet dies? Sie sind Diener der alten Kirche. Ist das, wir ihr euch die Welt vorstellt und warum ihr euch für einen göttlichen Auftrag ausgewählt seht? Muss ich euch nur wieder Vecors Sonnenlicht unter die Nase halten, und schon haltet ihr es für einen göttlichen Auftrag und sucht für mich den Imperator[1]? Pah!" Er hatte sich jetzt in Rage gebracht und sein freundliches Gesicht war nun deutlich verzerrter. "Wenn wir eine Welt der Gewalt wollten, in der wir dem Leben eine geringere Rolle zugestehen als dem Unleben, ob nun Metal oder Knochen, dann könnten wir den Zah'rah oder Dhureks Schergen folgen. Die Zah'rah sind Konstrukte, Maschinen, und als solche gibt es jemanden, der sie steuern oder beeinflussen kann. Wir bleiben Freunde des Lebens, deswegen muss für das Leben ein neuer Morgen anbrechen."

Sir Cairnat kam einen Schritt näher und setzte wieder einen versöhnlicheren Blick auf. "Aber ihr wollt sicher davon sprechen, dass ihr gegen Thuras in Feld ziehen wollt. Darüber können wir gerne reden. Doch es bedingt dreierlei. Erstens, dass ihr euch dieser Sache verschreibt und nicht nur durch Druck, Folter und Zah'rah solches durchführt. Zweitens, dass ihr mir genaustens sagt, was ihr als Gegenleistung dafür wollt. Drittens, einen Schwur!" Er ließ das Wort wirken. "Einen richtigen Schwur[2]. Ein Schwur, der sicher gehen wird, dass ihr das Land nicht mit jenen Schrecken überzieht, die ihr selbst seid, und dass ihr keine Unschuldigen willentlich töten werdet. Und wenn ihr das einseht, können wir Auge zu Auge, ehrlich und wahrhaftig reden."
Das erste Mal entspannte der Mann mit dem Zweihänder ein bisschen, ohne seine Verteidigungshaltung aufzugeben. Die Könige im Blick behaltend, ging er nun zu Elyana rüber und flüsterte ihr etwas zu.
 1. Wissen (Arkanes) SG 10
 2. Wissen (Arkanes oder Religion) SG 15
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." - Jean-Jacques Rousseau, Du Contrat Social

Robin Brighthide

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #39 am: 03.10.2012, 21:43:52 »
Clavius hörte seinem Gegenüber aufmerksam zu, und verzog dabei keine Miene. Als Sir Cairnat geendet hatte, sah er ihn einen Moment lang nachdenklich an, und drehte sich dann einmal langsam im Kreis, um jeden der anderen untoten Könige anzusehen. Schließlich fiel sein Blick wieder auf den Vecorianer.

"Seht uns an. Jeder von uns war zu seiner Zeit ein Herrscher. Kein besonders guter, wie wir heute wohl alle einsehen müssen, aber das ist nebensächlich. Stellt euch vor, ihr müsstet eine Gruppe anführen, die nur aus Männern und Frauen besteht, die nicht nur eben so stark und fähig sind wir ihr, sondern auch einen nicht minder starken Willen haben. Wenn ihr ein Versprechen oder eine Zustimmung von uns als Gruppe wollt, dann müsst ihr es von jedem einzelnen einfordern. Weder ich noch irgendjemand sonst kann für die anderen bestimmen. Was ich euch aber sagen kann, ist folgendes."

Er deutete auf die elbische Vecorianerin, der er die Freiheit geschenkt hatte. "Ich habe zu meiner Zeit große Fehler begangen. Fehler, die ich heute einsehe. Doch trotz meiner Fehler hatte ich für das Reich stets nur das Beste im Sinn. Was ich damals tat, würde ich nie wiederholen, denn ich habe hinzugelernt. Was sich nicht geändert hat, ist meine Liebe zum Reich. Ich kämpfe, wenn es nötig ist, und ich töte, wenn es nötig ist. Aber ich empfinde keinen Spaß daran, Unschuldige zu töten. Trotz dem, was ich heute bin, bin auch ich ein Freund des Lebens, und ein Freund des Reiches, über das ich einst herrschte."

Dann drehte er Sir Cairnat den Rücken zu. Er fühlte sich nicht besonders wohl dabei, aber es war eine notwendige Geste. "Wir werden uns unterhalten müssen, und zwar ungestört. Nur dann könnt ihr eine gemeinschaftliche Antwort von uns erwarten."[1]

Langsam drehte er sich wieder um. "Und noch etwas möchte ich anmerken. Die Rolle der Zah'rah war mir in dem Ausmaß tatsächlich nicht bewusst. Aber es spielt auch keine Rolle. Ihr seid ein gläubiger Mann, nicht wahr? Mir geht es nicht anders. Und ich selbst habe heute genug erlebt, um zu wissen, dass die Zah'rah nichts weiter waren als ein Anstoß. Ihr könnt mir glauben oder nicht, aber der Weg, der von uns liegt, wird von der Sonne beschienen."[2]

Er hoffte, dass Sir Cairnat die kleine Lüge schlucken würde. Und er hoffte, dass seine Gefährten verstanden, was er vorhatte, und dass die Alben an nichts vom dem, was er sagte, zu sehr Anstoß nehmen würden.
 1. Diplomatie: 31
 2. Bluffen: 19

Mauron

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #40 am: 04.10.2012, 21:40:57 »
Dum.

Dum.

Dum.

Wie Paukenschläge machten sich wütende Gedanken in seinem Kopf bemerkbar. Jeder Schlag lauter und eindringlicher als zuvor. Schon sorgten sie dafür, dass andere Instrumente aus dem Takt gerieten. Es strauchelten die Violinen und verspielte sich der Flügel. Die Harfe hatte bereits ganz ausgesetzt und bemühte sich auch nicht, wieder das Spiel aufzunehmen.
Ein weniger begabter Dirigent hätte wohl in einer theatralischen Bewegung seinen Taktstock hinfort geworfen und seinen Dienst quittiert. Nicht so jedoch der fleißige Arbeiter in Maurons Kopf, der solche Situationen nur zu gut kannte und mit ihnen umzugehen wusste.  
Fließend integrierte er die Pauken in das Stück, unwillig ihnen auch nur ein einziges Solo zu gewähren und tatsächlich, schon nach wenigen Augenblicken waren wieder alle anderen Instrumente im Einsatz.
Manche lauter als zuvor, andere dagegen leiser und subtiler.

Auf solche Dinge konnte der Dirigent jedoch keine Rücksicht nehmen, wollte er nicht das ganze Stück gefährden.


Von alle dem war Mauron jedoch kein Bisschen anzusehen, mit ausdrucksloser Miene starrte er den alten Mann an.
Sollte dieser doch spotten, so viel er wollte.
„ICH bin der Entdecker des kosmischen Klangs. Durch ihn kann ich Kräfte erlangen, von denen du nicht einmal ansatzweise träumen könntest. Was kannst DU schon vorweisen? Armer schwächlicher Narr, du wähnst dich über mir und bist doch nichts weiter als eine kleine Made, die von dem lebt, was andere wegwerfen. Befiehlst über andere Maden und wähnst dich Herrscher? Was weißt du schon vom Flug der Raben? “

Auch der Mann mit dem Zweihänder erreichte mit seinem Gebaren nicht mehr als ein müdes Lächeln.
„Der Schoßhund der Made. Noch unbedeutender als die Made und doch voller Stolz ob deiner Leistung. Dümmlicher Tölpel.“

Die Arme nun mehr vor der Brust verschränkt, verfolgte er die weiteren Verhandlungen.Würde es jedes Mal das gleiche Spiel sein, wenn sie auf andere trafen? Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, das sie sich viel zu sehr von anderen herum stoßen ließen. Jede Gruppierung schien sich der ihren an Macht überlegen zu fühlen und sich somit in der Position ihnen ihre Bedingungen zu stellen. Wäre es nicht an der Zeit, dass sie das Zepter in die Hand nahmen?
In einer ruhigeren Minute würde er auch darüber mit den anderen Königen sprechen müssen. Selbst wenn es bedeutete, dass er rücksichtslos an seinen Kräften arbeiten musste, so konnte es nicht weitergehen.

Trotz seiner sehr doch recht aufmüpfigen Gedanken beteiligte sich Mauron nicht an dem Gespräch. Mit diesen Leuten zu diskutieren wäre wohl eine reine Zeitverschwendung.
Nur als Sir Cairnat den Imperator erwähnte, konnte er ein Schnauben nicht unterdrücken. „D'as kraa ssar korr, dro krata nir do'ir srassar.“ zitierte er den Spruch eines von ihm favorisierten Gelehrten in Drakonisch.[1]

„Da glaubt er nicht an solche Sachen und doch fordert er einen „richtigen“ Schwur und glaubt auch noch, der Kosmos würde ihn dabei unterstützen...“
 1. In der freien Übersetzung etwa: „Es gibt mehr Dinge im Dies- und Jenseits, als ein Sterblicher erahnen kann.“
« Letzte Änderung: 04.10.2012, 21:43:50 von Mauron »

Menthir

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« Antwort #41 am: 05.10.2012, 21:08:51 »
10. Jantus 1214 - Ein langer Sonnenuntergang - 17:31 Uhr

Die Männer begannen im Hintergrund Elyana heilkundlich zu versorgen. Es war erkennbar, dass sie sich jetzt den Schmerzen hingab und in eine Bewusstlosigkeit gefallen war. Die beiden Männer entspannten dafür sogar ihre Armbrüste und banden sie auf den Rücken, um die Hände frei für die Wundversorgung zu haben. Vorsichtig entfernten sie die in den Schlüsselbeine eingedrungenden Albenpfeile, was Môr Tahâs mit einem listigen Lächeln von seiner Position aus begleitete. Leicht zog der Wind in diesen Minuten an und brachte eine gewisse Frische in die Umgebung und lichtete den unnatürlichen Nebel, der den Schauplatz im festen Griffe hatte, etwas. Es roch nach nach erloschenem Feuer, glimmenden Rauch. Es waren verbrannte Nadelhölzer.

Sir Cairnat kräuselte die Lippen und sein Blick verdunkelte sich zusehens je mehr Clavius sprach. Er griff sich schließlich mit der rechten Hand in die Augen und rieb sie scheinbar inzwischen genervt. "Ich erkläre es ein letztes Mal. Es gibt tausende von Menschen und anderer Wesen in diesem Reich, die glauben, dass sie Vecors Segen auf ihrer Seite hätten. Ich habe es jetzt zweimal gesagt und nun ein drittes Mal. Hört auf mit diesem Segensgesäusel. Ihr wisst nichts von Vecor und seinen Heiligen, also haltet euch mit euren nichtssagenden Segensdeutungen zurück, Aberration."
Sir Cairnat bekam zum wiederholten Male einen wütenden Blick des Zweihänderträgers und sie tauschten sich per Handgesten aus. Es dauerte diesmal über eine Minute, ehe die Männer sich in den Wald zurückzogen und die bewusstlose Inquisitorin mit sich nahmen. Cairnat und der bewaffnete Mann blieben zurück und der ältere Priester blickte schließlich wieder zu den Untoten, um sie als gesammelte Masse anzusprechen.
"Ihr verlangt viel von meiner Geduld und meiner Nachsicht. Ich werde sie euch trotz eures provozierenden Gebarens gewähren. Ich gebe euch eine Viertelstunde, um euch zu beraten und zu entscheiden. Sollte jedoch eine Falle vorbereiten werden in der Zeit oder nach dieser Zeit ein Angriff auf meine Männer erfolgen, wird Vecors Segen euch wahrlich noch an diesem Tag treffen."
Als er von provozierenden Gebaren sprach, schaute er eindringlich Clavius und Mauron an. Der Zweihänderträger stellte sich vor den Priester und mit zuerst zögerlichen, vorsichtigen Rückwärtsschritten zogen sie sich zurück in den Nebel. Die Viertelstunde lief.

Ein paar Sekunden waren vergangen, da klatschte der Alb langsam in die Hände. "Welch eine Meisterleistung.", sagte er, es klang zuerst spottend. "Eine Meisterleistung, dass sie euch trotz eurer Worte und eurer Art noch nicht umgebracht haben. Zeigt mir deutlich, dass sie selbst verzweifelt nach irgendwas anderem suchen und nicht nach eurer Zerstörung. Quasi ein Segen Vecors." Der Alb fing an zu lachen und ließ seine Männer die Bögen senken, die dennoch weiterhin misstrauisch in den Nebel starrten. Der Alb behielt sein Schwert in der Hand und sein Gesicht wurde ernst. "Ich bin gespannt, wie ihr diese Situation lösen wollt. Mein Volk verkaufen? Mich als Verhandlungsmasse nutzen? Oder weiter zerbrechen, wie ihr es den Söldner gegenüber getan habt?" Der Alb schaute die Untoten an, die einen Moment Zeit hatten, sie auszutauschen ehe die Jünger Novarals ihnen wieder auf den knöchernen Pelz rückten.
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Nicos

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #42 am: 05.10.2012, 22:23:05 »
Nicos hörte die ganze Zeit aufmerksam zu und blieb wie angewurzelt stehen. Der Nekromant verzog keine Miene. Er war innerlich hin- und hergerissen. Auf der einen Seite war das Rachegefühl, das er gegenüber einem Volk hatte, dass ihn mit der Vergessenheit bestraft hat. Auf der anderen Seite wollte er keinen leichtfertigen Verrat an Clavius begehen. Falls Clavius irgendwie an die Macht käme, könnte er ein mächtiger Mann im Hintergrund werden, der dann seine Fäden entsprechend spinnt. Er musste alles nur ganz geschickt anstellen. Clavius hatte sich ihm zumindest ein bisschen schon genähert. Er schätzte seine Kraft der Nekromantie. Außerdem konnte Nicos Clavius Beschädigungen an seinem Körper mit negativer Energie wieder magisch entfernen. Er war so etwas wie ein effizienter Heiler für diese Gemeinschaft.

Nicos konnte sich letztlich nicht so recht entscheiden. Sollte er den Weg der Zerstörung oder den Weg der Herrschaft wählen? Doch eines war ihm klar: Diese Vecorianer waren aus verschiedenen Gründen schwach. Noch schwächer als alle einst gefallenen Könige zusammen. Hatten die Vecorianer wirklich eine bedeutende Rolle im Reich verdient? Nicos wünschte sich eher ihren Fall. Sie hatten nur die positive Energie auf ihrer Seite, um Untote zu zerstören, aber mehr nicht. Wenn das ihr einziger Vorzug war, war das wahrlich nicht viel.  

Als Nicos endlich seine Worte in seinem Kopf formuliert hatte, waren die Vecorianer schon weit fort und er wollte ihnen nicht hinterherbrüllen oder nachlaufen. Wahrscheinlich hätte seine Worte eh nur zu einem vorzeitigen Kampf mit den Vecorianern geführt. In Nicos Gesicht formte sich kurzzeitig ein unheimliches Lächeln als er in den Nebel schaute, doch der Blick, den er Môr Tahâs neben sich zuwendete, war emotionlos wie eh und je zu und sprach die folgenden Worte etwas leiser zu ihm, nachdem er seine anderen Gefährten näher zu ihnen hingewunken hat: "Ich hatte mir schon gedacht, dass solche Worte kommen würden, Môr Tahâs. Diese Worte entstammten nicht wirklich einer großen Unberechenbarkeit, um es einmal so zu sagen. Diese Vecorianer haben den Untergang verdient, wenn Ihr meine Meinung dazu wissen wollt. Wisst Ihr auch wieso, Môr Tahâs? Ich will es Euch einmal sagen: Wenn es eine Armee von Untoten bräuchte, um Thuras IV. zu stürtzen, ich würde sie erschaffen. Wenn man Hunderte von Leuten opfern müsste, um eine Millionen zu retten, dann würde ich das tun. Dass die Vecorianer solch einen Begriff wie 'Unschuldige' verwenden, zeugt von großer Dummheit. Wer ist schon wirklich 'unschuldig'? Vielleicht sogar ein einfacher Bürger, der nur aus Angst Thuras IV.-Anhänger ist, uns aber trotzdem auf jeden Fall verraten würde? Diese Vecorianer denken zu sehr schwarz-weiß und in blumigen Begriffen. Das ist ihr großer Fehler und dieser wird ihnen irgendwann einmal zum Verhängnis werden, wenn er es denn nicht schon längst bei ihrer momentanen Lage geworden ist.

Dieser Sir Cairnat könnte ein Kleriker von Vecor sein. Der Typ mit dem Zweihänder könnte ein Paladin der Tyrannei sein. Diese beiden Personen könnte uns zu Asche verwandeln. Ich will versuchen meine Gefährten gegen die Kraft der Sonne mit meiner Macht so gut es geht zu schützen, aber diese Vecorianer sind Spezialisten im Kampf gegen Untote. Eure Alben haben es da besser gegen die Vecorianer. Aus dem Hinterhalt oder erhöhter Position könnten sie viele von ihnen töten. Ich halte Euch für sehr mächtig Môr Tahâs, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir diesen Kampf hätten gewinnen können. Sir Cairnat und der Zweihänderträger hätten schnell ausgeschaltet werden müssen, aber dafür waren auf dem Schlachtfeld zu wenig Mann, um das zu bewerkstelligen. Ich halte beide nämlich für sehr mächtig. Ich bin auf Eurer Seite, aber wollt Ihr denn immer noch ein Bündnis mit uns? Könnt Ihr uns so lange einen schützenden Unterschlupf gewähren bis Ihr die Vecorianer besiegt habt mit Euren Alben? Wenn Ihr unbedingt darauf besteht, dass wir selbst mitkämpfen, dann versuche ich meine untoten Gefährten mit all meiner Macht vor der vecorianischen Kraft der Sonne zu beschützen. Allerdings wird das ein sehr harter Kampf werden für uns Untote. Selbst wenn diese zwei Alben hier im Hintergrund wahrhafte Meisterschützen sind, bräuchten wir noch mehr Alben im Kampf gegen die Vecorianer. Wäre ein Hinterhalt und Unterstützung durch mehr Alben möglich? Gibt es einen Ort hier, den man noch besser verteidigen kann?"


Bevor Môr Tahâs antworten konnte, sagte Nicos noch- weiterhin leise- zu Clavius: "Entschuldigt Môr Tahâs, ich will noch schnell etwas zu Clavius sagen: Mit diesen Dummköpfen ein Bündnis einzugehen, ist meiner Meinung nach nicht so klug, Clavius. Ich habe schon dargelegt, warum ich nichts von diesen Vecorianern halte. Aber bitte lasst Euch nicht auf diesen Schwur ein. Es muss getan werden, was getan werden muss und irgendwelche Schwüre könnten uns dabei nur im Weg stehen. Durch ihr falsches Ehrgefühl sind die Vecorianer doch erst in ihre momentane Lage gekommen. Wenn wir nun durch einen mächtigen Schwur dieselben Grundsätze wie sie haben werden, wird ein Sturz Thuras IV. einfach scheitern. Gegen die Konsequenzen bei einem Schwurbruch sind ein paar Jahrhunderte in der Vergessenheit in der Zwischenwelt fast schon so etwas wie eine Belohnung. Und wir einst gefallene Könige kennen uns mit der Strafe des Vergessens schließlich aus."

Alvanon

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #43 am: 10.10.2012, 19:59:44 »
Ein Schwur wurde also gefordert, um einen Waffenstillstand zu erhandeln. Ein Schwur, um unsere Treue zu erkaufen, und wofür? Dafür, dass wir uns an die Vecorianer ausliefern, die uns als Werkzeug benutzen und hinterher entsorgen, weil wir außerhalb der Barriere wieder eine Sünde am Dasein darstellen. Vielleicht gar, um uns zu Handlungen zu zwingen, die wir ohne diesen Schwur niemals durchführen würden. Sollen die anderen doch ihre Lippenbekenntnisse abgeben, ich werde mich weigern! Er sah vor seinem inneren Auge, wie sie allesamt nacheinander diesen Schwur leisteten, auf den Namen Vecor am Ende noch, und sich dabei nicht wehren konnten, weil sie hilflos vor dem Schwurmeister knieten und sich in ihr Schicksal ergaben. Es war amüsant, sich vorzustellen, wie man sehenden Auges in diese ausweglose Situation tappte, die vielleicht eine Falle war, ganz sicher aber nicht förderlich für das Wohlergehen der untoten Könige. Alvanon verstand wenig von magischen Dingen, doch er verstand, dass Magie ein mächtiges Instrument sein konnte. Er war misstrauisch genug, einem Fremden in Sachen Magie nicht zu vertrauen und lehnte diesen Schwur innerlich bereits ab.

Zudem war es ein Schwur in einer delikaten Angelegenheit. Es ging noch immer um den Tod von Thuras IV, den inoffiziell scheinbar niemand wirklich positiv betrachtete. So fragte Alvanon sich, wie dieser überhaupt an die Macht gekommen und bei dieser verblieben ist. Je mehr er darüber nachdachte, desto unsinniger erschien es dem Elb, helfend in dieser Angelegenheit einzugreifen. Sollten die Dinge ihren Lauf nehmen, so erwartete Alvanon einen Bürgerkrieg, welcher wie eine reinigende Katharsis das Land überfallen wird. Aus der entstehenden Asche wird dann ein gestärktes Reich erstehen, da die schwachen Triebe vom Stamm entfernt wurden. Ist es nicht auch im Sinne Vecors, dass Stärke erhalten bleibt? Wahrscheinlich tun wir den Vecorianern den größeren Gefallen damit, dass wir abwarten und nichts tun. Handeln durch Nichthandeln. War da nicht einmal irgendwas in den Lehrbüchern zu dieser Weisheit? Wahrscheinlich brauchte das Reich einen Wechsel, denn festgefahrene Strukturen führen zu großer Sicherheit, welche wiederum zu unachtsamen Augen führt. Der positive Nebeneffekt am Nichthandeln ist dazu noch, dass der eigene, allzu fragile Körper dabei nicht in Gefahr geraten würde. Ein nicht zu vernachlässigender Effekt der ganzen Angelegenheit. In einem Theaterstück hieß es zwar, dass der heißeste Platz in der Hölle für all diejenigen bestimmt war, die in Krisenzeiten – und von diesen Zeiten konnte man aktuell wohl ohne schlechtes Gewissen sprechen – neutral blieben. Allerdings wusste Alvanon beim besten Willen nicht, für wen er Stellung beziehen sollte. Auf der einen Seite waren die Alben, deren Pfeile der Elb fürchtete, auf der anderen Seite die Vecorianer, deren Hass auf den Untod er fürchtete. Als untoter Elb wurde er von beiden Seiten nicht besonders gemocht, weshalb es ihm besonders schwer fiel, sich für eine der beiden Parteien zu entscheiden.

Überraschenderweise fand er dennoch schnell Zustimmung für Môr Tahâs Worte. Es war wirklich bewundernswert und zudem noch erstaunlich, wenn nicht gar ein Wunder, dass sie noch lebten. Er hatte bereits in mehreren Momenten Gedacht, dass es gleich zuende gehen würde. Aber sie lebten noch, und dieser Zustand sollte auch weiterhin erhalten bleiben. Es würde nur schwerer werden, wie die Fragen des Alben bewiesen, denn auch er hatte sich schon die Fragen gestellt, die die Weichen für eine lebendige Zukunft stellen würden. Allerdings waren die Fragen recht leicht zu beantworten. Sich gegen die Alben zu stellen war reiner Selbstmord. Es lauerte eine unbekannte Anzahl in den Schatten dieses Waldes, und Alvanon spürte die Pfeilspitzen schon förmlich auf seinem Körper. Dieses Gefühl trug nicht unbedingt zu seiner Beruhigung bei. Allerdings waren sie die besten Verbündeten, da die Könige sich auf deren Territorium befanden und selbst herzlich wenig von den hiesigen Gegebenheiten kannten. Die Vecorianer gaben sich zwar souverän, doch waren auch sie nur Blinde in einem nebelverhangenen Wald, deren einziger Schutz vielleicht ein oder zwei Zoll Stahl darstellte. Es war nur fraglich, wieso die Alben die Vecorianer in ihrem Gebiet duldeten.

Er folgte dem Wink von Nicos und trat in einen kleinen Kreis, der ihn stilistisch an eine Verschwörung erinnerte. Eine Gruppe von Verschwörern im Haus des Feindes, den sie als Verbündeten nutzten, um einen anderen Einbrecher zu vertreiben. Er hörte auf Nicos Worte und wartete, bis er ausgeredet hatte, ehe er antwortete: “Eine interessante Ansicht von Unschuld, die ihr da habt, Nicos. Ihr meint also wirklich, dass es keine Art von Unschuld gibt und dies nur von Dummen so gesehen wird? Dieser Bürger, den ihr erwähnt, hat gar keine Wahl, als sich eine Form der Schuld aufzuladen, die allerdings sehr subjektiv wahrgenommen wird. Wenn er Thuras nicht die Treue hält, ist er ein Verräter aus seiner Sicht, wenn er uns nicht die Treue hält, ist er ein Verräter aus unserer Sicht? Interessante Ansicht, dass ihr die Farbe weiß komplett streicht und lediglich das Schwarz in unterschiedlichen Schattierungen stehen lasst. Ich fühle mich inspiriert zu einer tragischen Geschichte über einen Philosophen, der auszog, um einen einzigen guten Menschen auf der Welt zu finden.
Aber zurück zu unserem Thema, ich schweife in letzter Zeit so schnell ab. Was meint ihr, was passieren wird, wenn untote Horden durch Zhuras streifen? Ich persönlich habe da so meine Zweifel, dass die sonnigen Gemüter des Vecor lange zuschauen, ehe sie eingreifen. Wir sollten sie nicht zu sehr auf die Probe stellen, ihre Geduld ist mit uns schon überstrapaziert, mein Freund.“
Er sprach das Wort Freund ohne Spott und Hohn, sondern mit aller Aufrichtigkeit, die in ihm steckte. “Und auch das Opfer von Hunderten würde wenig Anerkennung finden. Wahrscheinlich sollten wir immer noch schauen, dass Aufwand und Ertrag nicht aus der Waage geraten. Wir können nicht das Land verhehren, um unser Ziel zu erreichen, das würde nicht zu Wohlwollen uns gegenüber beitragen.

Im Übrigen – und nichts gegen euch und eure Alben, Mor Tahas – ich habe Sorge davor, mich in den Nahkampf zu begeben, wenn die Alben aus dem Hinterhalt heraus Pfeile abschießen. Ich will niemandem die Treffsicherheit absprechen, aber ich habe die Befürchtung, dass mindestens ein Pfeil einen der unseren Niederstrecken würde. Das muss nicht einmal Absicht sein, ein Versehen kann stets passieren. Allerdings stimme ich in zwei Dingen zu. Ohne Hilfe werden wir keine Chance haben, die Vecorianer zu besiegen. Und nichts anderes kann unser Ziel sein, denn ich werde mich ebenfalls auf keinen Schwur irgendeiner Art einlassen.“


Robin Brighthide

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Ein langer Sonnenuntergang
« Antwort #44 am: 14.10.2012, 23:14:18 »
Clavius fluchte innerlich, als der Vecorianer seinen Bluff erkannte - jedenfalls einen Teil davon. Dennoch ging sein Plan auf, und er sah dem Abzug der Vecorianer befriedigt zu. Schließlich wandte er sich dem Alben zu.

"Für jemanden mit eurer Lebensspanne seid ihr erstaunlich kurzsichtig. Erkennt ihr gar nicht die Chance, die sich uns hier gerade bietet? Diese Fanatiker sind für uns ein möglicher Schlüssel, um unsere Ziele zu erreichen." Er stoppte kurz, und sah den Alben einen Moment nachdenklich an. "Wobei ihr euch über eure wahren Ziele natürlich noch ausgeschwiegen habt. Wenn ihr wollt, das wir in die gleiche Richtung agieren, wäre es hilfreich, wenn ihr uns in der Hinsicht ein wenig mehr eröffnen würdet. Tut ihr es nicht, werden wir bei unseren Verhandlungen mit den Vecorianern nur unsere eigenen Ziele im Auge haben. Das könnte euch nicht passen, und das wollen wir doch vermeiden."[1]

Dann wandte er sich an seine untoten Gefährten. "Wenn wir es schaffen, die Vecorianer zu unseren Bündnispartnern zu machen, erhöht das unseren Zugriff auf das Reich enorm. Ein paar einfache Worte haben gereicht, um uns die Möglichkeit eines Gespräches in aller Ruhe zu geben. Wäre ich an seiner Stelle, hätte ich mich ganz sicher nicht zurückgezogen. Sicher werden wir aus ihm und seinen Mannen keine Marionetten machen, und das will ich auch gar nicht, aber wir können ihn dazu bringen, Aufgaben zu erledigen, die für uns selbst schwierig oder sogar unmöglich durchzuführen sind."

Kurz sah er in die Richtung, in die Sir Cairnat verschwunden war, als wolle er sich vergewissern, dass der feindliche Anführer es sich nicht doch plötzlich anders überlegt hatte. Dann wandte er sich wieder an die Könige. "Dieser Mann steht selbst am Rande eines Abgrunds. Er kämpft für seine fanatischen Überzeugungen, aber sein Einfluss und seine Möglichkeiten schwinden. Ich bin überzeugt, dass er sich auf einen Kompromiss einlassen wird."

Dann sah er Nicos an, und lächelte. "Sir Cairnat sprach davon, dass wir das Land nicht mit Untoten überziehen sollen. Tatsächlich glaube ich, dass wir davon absehen sollten, sonst werden uns am Ende doch noch die Zah'rah oder andere machtvolle Wesen im Dienste Vecors auf den Hals gehetzt. Das Land nicht mit Untoten zu überziehen heißt aber nicht, keine Untoten zu beschwören. Und was die Unschuldigen angeht - das ist ein kritisches Thema, wie Alvanon ja eben schon bewiesen hat. Wer ist unschuldig? Was passiert, wenn wir jemanden für schuldig halten, er sich aber im Nachhinein als unschuldig erweist? Alles, worauf wir uns einlassen können, ist das Versprechen, niemanden zu töten, den wir für unschuldig halten. Leisten wir den Schwur aber als Gruppe, trifft dieser Zustand nur ein, wenn keiner von uns die betreffende Person für schuldig hält. Etwas, was wohl nur selten eintreten wird."

Er sah sich in der Runde um, und beobachtete die Umstehenden. "Ich bin kein Magier, aber wenn ich mich recht entsinne, geht es bei Zaubern dieser Art doch stets um die Erfüllung des Wortlauts, oder?"
 1. Diplomatie: 34, damit der Alb ein wenig mehr über seine wahren Ziele verrät