Autor Thema: Interludium - Ein Sturm zieht auf...  (Gelesen 1212 mal)

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Idunivor

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Interludium - Ein Sturm zieht auf...
« am: 04.10.2012, 10:57:23 »
21. Eleasias im Jahr des Aufstiegs des Elfenvolkes 1375 TZ

Ein leises Röcheln war alles, was er hörte, als er durch die dunklen Gänge schritt. Es kostete ihn nur Sekunden bis er den Ursprung des Röchelns gefunden und es mit einem schnellen Schnitt seines Dolches beendet hatte. Er war äußerst zufrieden, denn all seine Feinde waren niedergeworfen, viele Namen, die die Jäger ihren eigenen hinzufügen könnten. Er sah sich um und erblickte seine Krieger, grimmig sahen sie aus in ihren dunklen Rüstungen und mit ihren blutroten Umhängen und das waren ihre Umhänge, sie waren rot vom Blut der gefallenen Feinde. Es war schon beinahe zwei Zehntage her, dass die Truppen den äußeren Widerstand gebrochen hatten und in die Festung eingedrungen waren. Aber die Sicherung der verworrenen Tunnel unter der Feste hatte sehr viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als die Eroberung des oberen Teils. Das lag wohl nicht zuletzt daran, dass er und seine Männer die einzigen waren, die sich hier unten wirklich zurecht fanden und in der Lage waren ihren Feinden ernsthaft etwas entgegenzusetzen. Ihr Feind war in dunklen Kavernen zuhause und er jagte schon seit Jahren nach diesen Feinden in ihren eigenen finsteren Höhlen. Doch die meisten Soldaten der Armee konnten das nicht von sich behaupten, sie waren nicht darauf vorbereitet an jeder Ecke mit einem Hinterhalt und an jeder Tür mit dutzenden Fallen zu rechnen. Er und seine Männer waren anders und sie hatten triumphiert, wo andere untergegangen wären. Er wischte das Blut von seiner Klinge ab und steckte sie wieder in die Scheide, als er erneut Geräusche vernehmen konnte - Kampfgeräusche. Ein knappes Nicken ließ seine Männer ihre Waffen ziehen und sich in Richtung des Lärms bewegen. Offenbar war diese Gruppe doch nicht die letzte gewesen, obwohl er als er dem Lahmen einen Pfeil in die augenhöhle gesenkt hatte, vermutet hatte, dass er in einem letzten verzweifelten Versuch seine Krieger um sich gesammelt und den Durchbruch versucht hatte.
Er strich sanft über seinen Bogen und legte einen Pfeil auf die Sehne, beinahe erfreut, dass die Waffe noch mehr bezwungene Feinde besingen würde. Schnell huschten er und seine Krieger durchs Dunkel und gelangten schließlich an eine Kaverne, die aus drei Ebenen bestand. Von der mittleren Ebene erklangen die Kampfgeräusche und er und seine Rächer standen auf der obersten Eben um Tod auf den Feind hinab regenen zu lassen. Der Anblick, der sich ihnen bot ließ alle Männer und Frauen, die sich hier oben voll Kampfeslust versammelt hatten, zögern und ihre Bögen sanken, während sie ein wenig ratlos zu ihrem Anführer blickten. Er selbst hatte sich seit Jahren nicht mehr vor etwas gefürchtet und auch jetzt ergriff ihn nicht die Panik, aber das was er dort unten sah, beunruhigte ihn. Er und seine Soldaten mochten für den Kampf hier unten perfekt ausgestattet sein, aber damit würden sie nicht fertig werden. Irgendwie hatte ihr Feind es geschafft ihnen mehr entgegenzuwerfen, als sie bewältigen konnten. Und zum ersten Mal seit die Eroberung der Minauth-Feste begonnen worden war gab Torinkas Zoy'kinal seinen Männern den Befehl zum Rückzug.
« Letzte Änderung: 01.12.2013, 17:45:00 von Idunivor »
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« Antwort #1 am: 06.11.2012, 20:58:05 »
Er eilte durch den Wald, wie er es schon seit jeher tat. Dieser Wald war jetzt seine Heimat und nur wenn er in ihm unterwegs war, fühlt er sich wirklich lebendig - ganz besonders, wenn er allein war, wie jetzt. Dann konnte er wirklich mit seiner Umwelt verschmelzen, mit Haut und Haar spürte er sich in die Wildnis ein und ließ sich ganz und gar fallen. Seine Schritte lenkte er nicht mehr bewusst, sondern er ging, wohin seine Füße ihn führten. Er genoss diese Freiheit, nun da der Krieg gegen die Drow sich seinem Ende näherte. Endlich würde es Frieden geben, dann würde er endlich auch die Zeit haben diesen Wald so gut kennenzulernen, wie seine alte Heimat den Hochwald.
Doch noch war er Soldat. Er mochte nicht mehr Truppen kommandieren, wie unter der Führung von Daried Selsherryn in Duathamper, aber dennoch war er Soldat. Seine tagelangen Feldzüge durch die Wälder, waren so etwas wie eine Patrouille, auch wenn sie ihn oft viele Meilen von Myth Drannor fort führten. Er glaubte nicht, dass andere Elfen jemals diesen Teil des Waldes aufsuchten, denn dafür reichten die Truppen noch lange nicht aus. Die meisten Kräfte waren durch den Kampf im Elfenhof und die Belagerung der Minauthfeste gebunden und das, was übrig war schützte die Stadt und ihre Bewohner. Solange der Mythal noch nicht vollständig wiederhergestellt, musste die Truppe immer zahlreich sein. Also war es an Männern wie ihm diese entlegenen Teile des Waldes im Blick zu behalten. Es war eine unmögliche Aufgabe, aber er tat, was er konnte. Er rechnete nicht wirklich damit, hier auf ernsthafte Gefahren zu stoßen. Die Zhentarim waren geschlagen, Hillsfar war zerstört und die Drow hatten hier niemals Fuß gefasst.
Doch dann entdeckte er die Bäume und die Spuren. Es kostete ihn nur Sekunden, um zu erkennen, dass dieser Ort vor kurzem von Wesen durchquert worden war, die auf zwei Beinen gingen und ihren Spuren zu Folge, waren es keine Menschen oder Elfen gewesen, sondern etwas deutlich größeres. Er war sich unsicher, ob er direkt zurück in Richtung Myth Drannor aufbrechen sollte oder ob er besser nach den Urhebern dieser Spuren suchen sollte, um genauere Informationen liefern zu können. Doch diese Entscheidung wurde ihm abgenommen, denn das Geräusch war unüberhörbar. Es war eine kehlige Stimme, die Worte sprach, die er nicht verstand. Doch sie brachte ihn dazu sich umzuwenden. Angst breitete sich binnen Sekunden auf seinem Gesicht aus, denn, das was er sah übermittelte ihm eine deutliche Botschaft: Myth Drannor war in Gefahr, seine neue Heimat, seine Welt wurde von schlimmerem bedroht als Drow. Er wollte weglaufen, aber bevor er seine Beine bewegen konnte explodierte die gesamte Welt in brennenden Schmerzen. Dann wurde es schwarz um Raerth Jidolon.
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« Antwort #2 am: 03.02.2013, 13:54:08 »
Die Vision kam zu ihr unter dem klaren Sternenhimmel. Doch die finsternis in dieser Vivion ließ sie in Schrecken nach Luft schnappen. Etwas dunkles war auf dem Weg, etwas altes und dunkles. Ein mächtiger Feind, der den Wald in Flammen setzen und jeden einzelnen Bewohner zu Asche verbrennen würde. Sie wollte zum Tempel laufen, wollte ihre Schwestern warnen, aber diese Vision war anders. Es war nicht einfach nur eine Vision ihrer Göttin, etwas anderes war mit dieser Vision gekommen, etwas das ebenso dunkel war, wie die Gefahr, vor der die Göttin sie warnen wollte. Und dieses dunkel ergriff Besitz von ihr. Sie sah ein schemenhaftes Gesicht dessen Züge sie nicht erkennen konnte, aber sie konnte sehen, dass die Stirn dieses Wesens gespalten war und das Blut aus dieser Wunde drang.
Sie wollte laufen, aber sie konnte sich nicht von dem Anblick lösen, er durchdrang sie, schlich sich in jeden Winkel ihres innersten Wesens und begann an ihr zu nagen. Sie hörte ihre Göttin rufen, doch das finstere Gesicht verhinderte, dass sie antworten konnte. Jetzt konnte sie von der Tänzerin keine Hilfe erwarten, sie allein stand dem Gesicht gegenüber, das ihre Vision heraufbeschworen hatte und sie wusste, dass sie ihm nicht mehr lange würde stand halten können. Bereits einmal hatte sie das neue Elfenreich mit ihrer Warnungauf eine aufkeimende Gefahr hingewiesen, aber dieses Mal würde Myth Drannor ohne ihre Hilfe auskommen müssen. Eine gewaltige Gefahr rollte auf die Elfen zu, aber das finstere Gesicht würde verhindern, dass irgendeiner ihrer Götter sie davor warnen konnte. Die Elfen standen allein gegen die Dunkelheit. Doch die letzten Gedanken von Salyue gelten nicht mehr den Elfen von Myth Drannor sondern ihr selbst. Sie betet inständig zur Tänzerin, dass ihre Taten ausgereicht haben, dass sie genug Licht geschaffen hat, um den finsteren Makel ihres Volkes zu überwinden. Hoffnung und Angst befinden sich noch immer im Widerstreit, als die Finsternis die Dunkelelfe endgültig überwindet und das letzte bisschen Verstand, was sie sich noch hatte bewahren können ausbrennt.
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« Antwort #3 am: 03.06.2013, 19:50:59 »
Er schwebte in den schwarzen Wolken über seiner Armee und wusste, dass sie bereit war. Er hatte Berichte von seinen beiden Stoßtrupps erhalten und war beruhigt. Die Elfen waren von seinem Eingreifen in den Kampf mit den Drow überrascht gewesen und hatten nicht mit dieser Art von Widerstand gerechnet. Ihre Armee war deshalb noch immer damit befasst, die Reste der Drow und seine Slaadi weit im Osten zu bekämpfen. Sie würden niemals rechtzeitig zurückkehren, um ihre Stadt zu retten. Er hätte zwar gern erneut mit Fflar die Waffen gekreuzt, aber die Kriegsklinge war eine mächtige Waffe und es gefiel ihm, dass er sich ihr erst würde stellen müssen, wenn er schon gewonnen hatte. Wenn alles nach Plan verlief, dann würde ihm sein Diener eine Waffe bringen, die ihn mehr als ebenbürtig machte.
Sein zweiter Stoßtrupp war ebenso erfolgreich gewesen und hatte die Wälder gesäubert. Eine ganze Reihe an Elfenspähern hatten sie entdeckt, aber keiner war ihnen entkommen. Seine Slaadi und die Priester der Menschengötter, die er sich unterworfen hatte, hatten dafür gesorgt, dass die Elfen mit Blindheit geschlagen waren. Sie erhielten keine Warnung, niemand würde ihn kommen sehen. Also würde alles genau so ablaufen, wie er es sich erhoffte. Dieses Mal würde er nicht die Wälder plündern und dann erst das Herz des Reiches angreifen. Der Mythal war noch immer schwach und deswegen würde er dem Cormanthor und den Elfen ihr Herz aus der Brust reichen. Seine Schwingen trugen ihn weiter gen Himmel und in Richtung des Kreises, den seine Slaadi für ihn errichtet hatten. Er konnte ihn zwar nicht sehen, aber er wusste, dass ein ganz ähnlicher Kreis sich auf einer Lichtung in de Wäldern von Myth Drannor befand. Es donnerte laut und Blitze zucketen durch die Luft während der Regen sich auf seine wartenden Truppen ergoss. Pfeilschnell schoss er hinab zu dem Kreis und hinterließ einen kleinen Krater im Boden, der unter seiner Last erzitterte. Seine Stimme erklang in den Köpfen all jener, die er hier in den Drachengratbergen versammelt hatte. Dankbarerweise hatten die schwächlichen Menschen vor kurzem die Kontrolle über viele ihrer wilden Krieger verloren und einige der Wesen, die hier hausten hatten niemals unter ihrer Herrschaft gestanden. Aber jetzt gehorchten sie alle ihm. Ein jeder von ihnen hörte ihn in seiner Sprache sprechen, Ork, Goblin, Gnoll, Riese. Jedes Wesen hörte ihn: "Es ist Zeit, bringt mir meinen Preis!" Ein Johlen ging durch die versammelten Horden, die das ganze Tal füllten. Sie alle schrien ein Wort, einen Namen, seinen Namen: Aulmpiter.
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