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Autor Thema: [IC] Iouns Träne  (Gelesen 26271 mal)

Beschreibung: Bei Berührung Wahn

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Nebin

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #15 am: 03.02.2013, 17:02:50 »
Nebin schlang sein Essen in einer für einen Halbling unglaublichen Geschwindigkeit herunter. Es war zwar Eile geboten, doch mit leerem Magen konnte er nicht klar denken.

"Mmmpfpfpfpfmmm" - Nebin schluckte den letzten Bissen seines Mahls herunter.

"Entschuldugt. Ich nehme an dass Jared inzwischen diesen Davik gefunden hat. Und, wie wir alle wissen, können Unterhaltungen mit Jared schonmal den einen oder anderen Augenblick andauern. Ich würde ungern so lange hier untätig herumsitzen.
Nach Hammerfast kommen wir wohl nicht so schnell, Davik ist bereits mit Jared im Gespräch, Nimoranzan ist uns nach Lexis fachkundiger Meinung wohl keine Hilfe, also bleibt nur dieser Ioun Priester Jeremia Clearwater.
Was meint ihr, wollen wir nach Winterhafen aufbrechen und mit ihm sprechen?"


Nebin legte seine Hände auf den Tisch und drückte sich ab um das Zeichen zum Aufbruch zu geben.

Lexi

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #16 am: 03.02.2013, 20:22:47 »
Lexi rieb sich nachdenklich das Kinn. "Ich bin nicht sicher, ob uns das so viel weiter hilft. Wir könnten zwar den Anderen eine Nachricht hinterlassen, und Nimozaran darum bitten, sie durch sein Portal hinter uns her zu schicken - die Ritualkomponenten ließen wir ihm dann natürlich auch da, kosten 50gp. Wenn dieser Ioun-Priester aber schon wieder aus Winterhaven abgereist ist, müssten wir wahrscheinlich ohnehin auf sie warten. Wenn er noch dort ist würden wir ihn ja vielleicht wieder hierher mit zurück nehmen, denn die Möglichkeiten mächtige Rituale durchzuführen sind in den kleinen Nest begrenzt. Außerdem könnte es natürlich sein, dass dieser Davik etwas über Seelensteine weiß, wenn er mit seltenen Gegenständen handelt - oder sogar einen unverdorbenen hat, dann sparen wir uns die Mühe. Wir könnten demnach auch versuchen, den beiden nachzugehen und sie aufzuspüren, wenn ihr keine Lust habt hier herumzusitzen. Aber letztlich geht es um euren Bruder, Nebin, deshalb solltet ihr entscheiden wie wir vorgehen."

Ramar

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #17 am: 04.02.2013, 10:41:24 »
Ramar wischte sich den Bierschaum ab.
"Ich möchte Leofe und Jared nach dem Mittagessen suchen. Ich glaube zwar nicht das sie sich überrumpeln lassen, aber wenn wir aufbrechen um den alten Priester zu suchen möchte ich sie an meiner Seite haben."


Nebin

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #18 am: 04.02.2013, 19:05:00 »
"Warum sollten wir Unterstützung benötigen, um einen Priester aufzusuchen? Das bekommen wir ganz sicher auch alleine hin.

Und wo wollt ihr überhaupt suchen? Die Stadt ist groß und wir wissen von Davik fast nichts. Er ist ein Zwerg namens Davik und versucht wohl aufgrund seiner Tätigkeit möglichst unauffällig zu bleiben. Kennt ihr jemanden in den zwielichtigen Schichten dieser Stadt, der uns einen Hinweis geben könnte?

Ich werde mich auf den Weg nach Winterhafen machen. Ob ihr mitkommt oder nicht, bleibt euch überlassen"
, gab Nebin zurück.

Ramar

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #19 am: 05.02.2013, 00:52:02 »
14:00


Ramar nickte.
"Gut, dann ist das auch geschwätzt. Ich werde nach Leofe und Jared fragen - um die beiden geht es mir. Nicht um Davik."


Lexi zuckte die Achseln. "In Ordnung. Das vereinfacht die Sache insofern, als ich es euch, Ramar, durchaus zutraue Nimozarans Portal selber zu öffnen." Sie holte einen Zettel aus ihrer Gürteltasche und ließ mit einer Geste ein paar Runen darauf erscheinen. Dann reichte sie den Zettel dem Priester. "Hier ist die Runenkennnung von Winterhaven. Ich überlasse es euch zu entscheiden, ob und wann ihr nachkommen wollt. Wir beeilen uns zurück zu kommen, aber falls wir doch schnell weiter müssen hinterlassen wir euch eine Nachricht beim Portal dort."

"Gut", sagte Ramar und nahm den Zettel. Dann machte er sich ohne weitere Umschweife in die Stadt auf, während Nebin und Lexi hoch in ihr Zimmer gingen. Es war inzwischen zwei Uhr, also zu spät, um Nimozaran zu stören. Außerdem wohnte er am anderen Ende der Stadt, und beide waren sie noch sehr von der Reise erschöpft.

Wie gut, dass Winterhafen so klein ist, dachte Lexi. Erst die Wüstenwanderung, dann bis nach Crockport hoch und all das zu Fuß: so reist ein Magier normalerweise nicht!
« Letzte Änderung: 07.02.2013, 17:51:13 von Suilan »

Suilan

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #20 am: 05.02.2013, 12:31:14 »
Und wie ist es Leofe und Jared inzwischen ergangen, seit ihre drei Gefährten sie so überraschend mit dem Gepäck auf der Straße stehen ließen? Lasst uns einen Blick zurückwerfen...

12:30


Leofe und Jared lösten das Gepäckproblem, in dem Jared Ramars und Nebins Gepäck bewachte, während Leofe, die den Kürzeren gezogen hatte, mit Lexis und ihrem eigenen Gepäck losmarschierte, um zwei Zimmer im Silbernen Einhorn zu mieten. Fünf Goldstücke pro Nacht erschienen ihr zwar Wucher, aber sie hatte wirklich keine Lust, zu zweit den ganzen Krempel über den Fluss und durch die halbe Stadt zur Nentir Inn zu schleppen.

"Und", fragte Jared, als sie endlich alles in den beiden Zimmern verstaut hatten, "womit vergnügen wir zwei uns, während die anderen sich um den Seelenstein kümmern? Also, ich würde gerne herausfinden, ob Davik inzwischen wieder aufgetaucht ist, und wenn nein, nachforschen, wo er zuletzt gesehen wurde. Das schulde ich meinem alten Mentor. Wollt Ihr mit?"


"Sollten wir uns wirklich zu zweit in die zwielichtigen Regionen begeben in die uns eine solche Suche wohl führen wird?" fragte Leofe beunruhigt.
"Die anderen wären sicher bereit uns bei der Suche zu unterstützen meint Ihr nicht?"


"Nun, ich dachte, ich schau erst noch einmal bei seinem neuen Partner vorbei und frag, ob Davik sich inzwischen gemeldet hat.  Das ist so gefährlich wie ein Spaziergang im Stadtpark. Hat der aber immer noch nichts von ihm gehört, kehre ich hierher zurück und überlege die nächsten Schritte in Ruhe."

Er rückte seinen Waffengurt zurecht, schob seinen Geldbeutel sicher unter Hemd und Rüstung, und sah Leofe erwartungsvoll an.

"Ich lad Euch auch hinterher zum Essen ein", versuchte er sie umzustimmen. Trotz seiner Worte, dass es überhaupt nicht gefährlich sei, hätte er doch gern ein wenig Rückendeckung. Man konnte ja nie wissen...


"Nagut", lenkte die Elfe ein und schulterte den geliebten Bogen.

13:00

Leofe und Jared schlenderten also die breite Straße entlang, die nach Süden in die Stadt hineinführte. Jared war ungewohnt still. Sorge und Zweifel gaben sich auf seiner Miene ein Wechselspiel.

"Einbruch und Erpressung", sagte er unvermittelt. "Darin ist Davik Spezialist. Wir trafen uns, als wir zufällig zur selben Zeit im selben Haus einstiegen. Für mich war es der erste Bruch in einer größeren Stadt und ich stellte mich ziemlich ungeschickt an. Ohne Daviks Hilfe wäre ich erwischt worden. Danach hat er mich unter seine Fittiche genommen und mir gezeigt, 'wie der Seemann sein Seil knüpft', wie er es nannte. Damals wusste ich kaum, welche Seite man beim Rapier nach vorne hielt. Dafür hab ich ihm einiges über Schlösser beigebracht. Ich war nämlich Schlosserlehrling, vorher. Mindestens zweimal hat er mir das Leben gerettet, wo jeder andere unseres Métiers den Partner im Stich gelassen und sich aus dem Staub gemacht hätte. Brechen und aufbrechen, das ist seine Masche. Manchmal auch Knochen brechen, wo Einschüchtern nicht ausreicht. Aber kein Mord und Totschlag, das gab's bei ihm nicht. Ich weiß nicht, was er vorher war, aber irgendein zwergischer Ehrenkodex muss ihm in seiner Jugend eingetrichtert worden sein, den er nicht ganz vergessen hat. Mein Söhnchen, nannte er mich, halb zum Spott, halb im Ernst."

Nach diesem etwas unzusammenhängenden Wortschwall verfiel Jared wieder in Schweigen. Sie waren inzwischen am Kliff angekommen. Die Straße führte schwindelerregend steil und in drei Zacken in die Unterstadt hinab. Den Wasserfall konnte man von hier aus hören, aber nicht sehen. Immer noch schweigend machten Mensch und Elfe sich an den Abstieg. Bald schon taten ihnen die Knie weh.

"Sagt, denkt Ihr wirklich, die anderen würden mir dabei helfen, einen solchen Mann zu suchen?" fragte er, als sie mit zitternden Knien unten ankamen. "Also, ich weiß nicht. Viel eher würde man mir doch entgegenhalten, was ich selbst denke: in was für einem Schlamassel Davik auch immer stecken mag, wahrscheinlich ist er selbst dran schuld. Mich wird das allerdings nicht davon abhalten, ihn zu suchen. Notfalls allein."

"Genau das ist der Punkt - sie würden es nicht für Davik tun sondern für Euch" entgegnete die Elfe schnaufend.
"Was auch immer Ihr an Gutem über Davik erzählt habt, er verdient seinen Lebensunterhalt indem er anderen das weg nimmt was ihnen gehört, manchmal indem er sie erpresst - um seinetwillen würde ich für diesen Mann nicht eine einzige der Stufen hinab steigen. Aber Euch ist wichtig was aus ihm geworden ist und was auch immer Ihr selbst in der Vergangenheit getan habt, ihr habt es Euch verdient dass man Euch hilft. Und auch wenn Ihr immer auf Eure Verträge besteht, so denke ich dass auch die Anderen ganz ohne Vertrag dasselbe tun würden", schloß die Elfe und holte erneut Atem.


Schöne Worte dachte Jared. In aller Ernsthaftigkeit vorgetragen. Sie glaubt es tatsächlich. Ich sollte etwas Nettes antworten. Ihr für die ergreifenden Worte danken. Ihr versichern, dass ich ihr tatsächlich auch ohne Vertrag helfen würde, wenn sie in Gefahr wäre.

"Ihr habt noch nie von Eurer Familie oder Heimat erzählt", sagte er stattdessen. "Dort hat man zusammengehalten, nehme ich an?"

Sie betraten nun die Unterstadt. Leofes erster Eindruck war: Ist das voll! Eng und voll. Die Gassen waren schmal, oft nur zwei Schulter breit, und die Leute eilten emsig, teils schwer beladen, durcheinander oder standen in Trauben beisammen, zehn oder mehr, lachten, erzählten und gestikulierten, und Kinder sprangen kreischend um sie herum. Leofe fiel es schwer, sich auf Jareds Worte zu konzentrieren. Ihn dagegen schien das Chaos in keinster Weise zu stören.


"Nun, meine Familie beschränkte sich auf meine Eltern", erklärte Leofe über dem Lärm hinweg. "Wir sind von Stadt zu Stadt und kleinem Nest zu kleinem Nest gezogen, wo mein Vater seinen Geschäften nachging. Mich hat die Umtriebigkeit der Menschensiedlungen schon immer gestört und mir fällt gerade wieder ein wie sehr!" schloß die Elfe und wendete sich von dem Geschnatter der Leute ab und Jared zu.

"Die wenigen Male die wir in der Heimat waren empfand ich als Wohltat. Ich lernte etwas über den elfischen Weg und vielleicht auch etwas Zusammenhalt, da mögt Ihr recht haben.
Ich lernte aber vorallem dadurch dass ich immer wieder gezwungen war mich an neuen Orten zurecht zu finden und neue Freunde zu finden, worauf es ankam wenn man es mit anderen Leuten zu tun bekommt.
Als ich ein Alter erreichte dass es mir erlaubte meinen eigenen Weg zu gehen, durchstreifte ich die Wälder und Flure des Tals und begegnete Leuten wie Wynn in denen mein Vertrauen gut investiert war. Ich begegnette auch Leuten die kein Vertrauen verdient hatten und hin und wieder irrte ich mich auch"
, Leofe schluckte und wendete sich kurz ab bevor sie fortfuhr "Um Eure Frage zu beantworten, ich habe den Zusammenhalt nicht bei meiner Familie gelernt sondern in der Welt. Und ich habe gelernt das Taten mehr sagen als Worte und bei Euch haben wir einen der seltenen Fälle wo die Taten einen besseren Menschen vermuten lassen als die Worte."
« Letzte Änderung: 01.03.2013, 00:50:46 von Suilan »

Suilan

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #21 am: 05.02.2013, 21:05:48 »
13:25


"Tatsächlich? Das ist Euer Eindruck von mir?" fragte Jared erstaunt. "Nun, ich bin ja auch erstaunlich ehrlich, wenn ich mit Euch rede. Seit der Sache mit der Sphinx. Ja, die Sphinx ist schuld."

Jared unterbrach sich, denn das Treiben um sie herum wurde doch zu bunt und hektisch, als sie den "Grünen Markt" betraten. Ständig musste man aufpassen, wenn man nicht angerempelt werden wollte, und alle drei Schritt hielt einem ein Händler irgendetwas unter die Nase, das man kaufen solle. Der "Grüne Markt" hieß so, weil sich in seiner Mitte eine ovale Blumenwiese befand, auf der ein einzelner Kastanienbaum stand. In doppelter Reihe rund um die Wiese drängten sich Marktstände.

Leofe und Jared hielten sich am äußeren Rand des Marktes und bogen nahe einer Kneipe "Gnom im Glück" in eine Gasse Richtung Fluss ab, in der es bald auch ein wenig stiller wurde.

"Normalerweise ist das nämlich genau umgekehrt", fuhr Jared fort. "Deswegen bin ich auch nicht Daviks Partner geworden, als er mich fragte. Nicht, weil ich etwas dagegen habe, Leute um ihr Geld zu bringen, nur wegen der Methode. Statt Einbruch und Einschüchtern blende ich Leute nämlich viel lieber mit hübschen Worten und Manieren, bis sie mir ihr Geld freiwillig geben oder mir ein peinliches, gar ein pikantes Geheimnis verraten, für die Bewahrung desselbigen ich sie dann zur Kasse bitten kann.

Ich sehe auch nicht, was daran verwerflich ist. Die 'unschuldigen Leute', wie sie sich selbst gern nennen, haben ihrerseits nämlich eine viel gemeinere Methode, andere um alles, was im Leben wichtig ist, und manchmal gar um das Leben selbst zu bringen: durch hässliche Worte. Ebenso sehr Lüge wie meine hübschen, und mit weniger Sorgfalt ausgewählt. Tatsächlich ist es die Gedankenlosigkeit, was mich daran am meisten ärgert. Und dann der Eifer, mit dem die Lüge weitergetragen wird, die Gier, mit der gelauscht wird! Also, ich kann die vielbeschworene Unschuld nicht sehen. Jemand, der hässlich über seinen Nächsten redet, hinter dessen Rücken, nimmt ihm etwas wertvolleres als Geld; ein solcher hat es verdient, dass ich ihn ausnehme.

Eure Erfahrungen scheinen da ja ganz anders gewesen zu sein. Ein einzelner Verrat, wenn ich das richtig verstehe? Wir sind übrigens bald da"
, fügte er noch hinzu.

Leofe und Jared hatten die Kais der Unterstadt erreicht. Hier herrschte wieder reges Treiben: Boote wurden beladen oder entladen, Waren wurde mit Handkarren, Eseln, oder Pferdekarren herbei- oder Richtung Oberstadt davongeschafft, dazwischen standen Passagiere in kleinen Grüppchen beisammen – schweigend oder im Gespräch vertieft, oft seltsam gekleidet, aber stets im Weg – und warteten darauf, wieder an Bord ihres jeweiligen Bootes zu dürfen.

Endlich hatte man auch einen Blick auf die beiden Wasserfälle. Leofe blieb einen Augenblick stehen, um den Anblick zu bewundern. Das Tosen war hier wesentlich lauter als in der Oberstadt, obwohl sie breits 120 Schritt oder mehr entfernt waren.


Leofe beobachtete die Szenerie so genau wie die vielen ablenkenden EIndrücke das zu ließen.
Ihr viel auf dass viele 6 bis 10-jährige Jungs und ein paar Mädchen unterwegs waren. Sie waren in schäbige Kleidung gehüllt und wurden von den arbeitenden Leuten und auch von den wartenden Reisenden nicht beachtet. Mehfach glaubte Leofe einen Taschendiebstall zu beobachten doch einmal sah sie es ganz genau.
Die Kinder schienen sich alle gegenseitig zu  kennen. Es wurden kurze Blicke ausgetauscht, teilweise warnende.
DIe Elfe stupfte Jared an und deutete als gerade eines der Kinder sich an der Hosentasche eines Reisenden zu schaffen machte wärend ein anderer Junge diesen ablenkte. Jared nickte wissend.

Dann viel Leofe ein schlanker, nicht sehr großer Mann in unauffälliger Kleidung auf der sie beobachtete. Er schien schon eine ganze Weile ein Auge auf Jared und Leofe geworfen zu haben. Als er sah, dass die ELfe ihn bemerkt hatte, verschwand er rasch in eine Seitengasse Richtung Süden.
"Hast du das gesehen?" fragte Leofe Jared erstaunt. Der Mensch schüttelte den Kopf doch hastete er der Elfe nach als diese dem Mann hinterher lief, darauf bedacht den langen Fingern der Kinder nicht zu nahe zu kommen.


Als Leofe um die Ecke schoss, um die kurz zuvor der Mann verschwunden war, prallte sie zurück: außer drei Kindern, die auf der Straße Murmeln spielten, war niemand zu sehen und das obwohl man sich – so zeigte ein zweiter Blick umher – in einer kurzen Sackgasse befand.

Jared konnte gerade noch rechtzeitig bremsen, sonst hätte er die Elfe umgerannt.


Leofe zog Jared zurück um in ungestört zu fragen: "Der hat uns wohl abgehängt - egal, wo müssen wir hin um etwas über Euren Mentor in Erfahrung zu bringen?"


"Keine Ahnung", sagte Jared. Dann machte er plötzlich einen Bogen nach rechts, schnappte sich einen der Lumpenbengel am Kragen, und zog ihn hinter einen Kistenstapel, außer Sicht der Arbeiter. Leofe folgte verwirrt.

"Wir sind rechtschaffene Bürger auf der Durchreise", erzählte Jared dem Jungen. "Wir suchen einen ehrbaren Händler, mit dem wir Geschäfte machen können. Meine Freundin hier sucht dringend ein Paar neue Schuhe und was die Frauen sonst noch so an hübschen Dingen benötigen. Gerne auch gebraucht. Hättest du einen Tipp für uns?"

Der Junge schien zu überlegen. Jared ließ ihn los und hielt ihm einen Silberling hin. Der Junge betrachtete Jared und Leofe noch einmal ganz genau, dann nickte er.

"Folgt mir", sagte er, und huschte davon, um die Kisten herum, nach Süden, wo er bald in eine Gasse einbog. Jared tauschte einen kurzen Blick mit Leofe, wobei er an den Griff seines Rapiers tippte, um anzuzeigen, dass eine gewisse Vorsicht angebracht war, und eilte dem Jungen hinterher.


Den Trubel am Flussufer hinter sich lassend, liefen die drei eine Gasse nicht ganz parallel zu den Kais, sondern schräg davon wegführend, hinunter. Bald waren sie unter sich außer vereinzelt dahockenden Bettlern, von denen Leofe sich fragte, warum sie nicht in belebteren Gegenden ihr Glück versuchten. Ihre Mützen waren dementsprechend leer, ihre Positionen dagegen strategisch verteilt. Ihr gefiel das gar nicht.

Warum hab ich mich nur von dem Menschen überreden lassen, ihn zu begleiten? dachte sie.

Ihr kleiner Stadtführer steuerte ein kleines, etwas baufälliges Lagerhaus an, bog dann aber davor ab und führte sie den engen Fußweg zwischen ihm und dem Nachbarhaus vorbei, zum Hintereingang.

Auf ersten Blick entdeckte Leofe zwei Wachen: einen Armbrustschützen auf dem Dach, lächerlich schlecht versteckt -- die Sonne im Rücken, sein Kopf warf gar einen Schatten auf die Wand gegenüber! – und einen weiteren Mann, den sie hinter dem Kistenstapel fast übersehen hätte.

Die Tür stand offen. Der Junge hielt wieder die Hand auf. Jared gab ihm einen weiteren Silberling, dann war der Junge verschwunden.


"Seid Ihr sicher dass Ihr da rein wollt?" fragte Leofe skeptisch und versicherte sich dass ihr Bogen noch an der gewohnten Stelle war.


"Davik hat ein Abkommen mit den Flussratten", raunte Jared ihr zu. "Wenn er in Fallcrest ist, kommt er bei ihnen unter. Also ja, ich muss da rein." Als Leofe wenig beruhigt schien, fügte er hinzu. "Die passen doch nur auf, dass hier nicht die falschen Leute hineinmarschieren."

"Sondern nur die 'rechtschaffenen'", gab Leofe spöttisch zurück.

"Du lernst schnell!" sagte Jared erfreut. "Der Trick ist, selbstbewusst auftreten. Tu so, als gehörtest du hierhin." Dass er plötzlich ins Du verfiel, zeigte ihr aber, dass er nervöser war, als er zugeben wollte. "Wenn's hilft, stell dir vor, das wären wilde Tiere, Wölfe zum Beispiel. Da darf man doch auch keine Schwäche zeigen. Aber wenn man ruhig bleibt, selbstbewusst..."

Leofe schnaubte. So konnte auch nur ein Städter daherreden, der noch nie einem Wolf begegnet war. Aber sie wusste, was er meinte.


Mit dem Versuch, Jareds Ratschlag zu beherzigen, erreichte Leofe allerdings das Gegenteil: sie versteifte. Jemand pfiff. In der offenen Tür erschien ein Mann mit gezogenem Rapier, halb überschattet von dem Armbrustschützen auf dem Dach ihm gegenüber, der sich wohl erhoben hatte. Der Mann hinter dem Kistenstapel trat ebenfalls hervor, zwei Dolche in der Hand, und auf Seiten der Gasse kam ein Bettler um die Ecke, einen Knüppel schwingend.

"Dürften wir die Herrschaft kurz herein bitten, auf ein Gespräch?" empfing sie der Mann im Türrahmen. Er trat dabei einen weiteren Schritt nach vorn, sodass Leofe nun sein Gesicht sah: es war der Mann, der Jared und sie von der Kneipe "Gnom im Glück" bis zu den Kais verfolgt hatte. "Um uns bekannt zu machen?"

Jared, dessen Hände wie Leofes zu den Waffen gezuckt waren, hielt mit halb gezogenem Rapier inne.

"Wir sind rechtschaffene Bürger auf der Suche nach einem ehrlichen Geschäft", wiederholte er seinen Spruch.

"Und wir freuen uns sehr über Neukunden", erwiderte der Mann im gleichen Ton, doch Leofe meinte zu erkennen, dass er sich ein klein wenig entspannte. "Und wenn Ihr tatsächlich ebensolche seid und keine Spitzel, wird sich das Missverständnis schnell genug aufklären. Man kann heutzutage einfach nicht vorsichtig genug sein. Es gibt so viele unehrliche Leute auf der Welt."

Er machte eine einladenden Bewegung mit dem Rapier und von beiden Seiten traten seine Gefährten zwei Schritte näher heran. Jared sah Leofe an und nickte leicht in Richtung Tür, um seine Präferenz deutlich zu machen, aber noch bewegte er sich nicht sondern wartete, die Hand noch immer an der Waffe, auf ihre Reaktion.


Auf was hatte sie sich da nur eingelassen? Die Elfe blickte sich um und sah dann den Mann wieder an. Sie sollte in ein Gebäude gehen gefüllt mit offensichtlich gefährlichen Leuten und sich jeglichem Fluchtweg berauben. Das war die Art und Weise wie man sich sein eigenes Grab schaufelte!

Aber jetzt umzudrehen und zu gehen war sicher nicht weniger gefährlich da höchst verdächtig.

Stoisch machte Leofe einen Schritt und folgte der Einladung des Mannes.
« Letzte Änderung: 07.02.2013, 18:01:49 von Suilan »

Suilan

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #22 am: 05.02.2013, 21:06:29 »
13:50

"Ich verstehe", sagte Jared höflich. "Dann also nach Euch." Er ließ seinen Rapier zurückgleiten und folgte dem Mann ins Innere des Gebäudes.

Leofe zögerte nur kurz. Immerhin haben sie uns nicht entwaffnet, das muss ein gutes Zeichen sein, oder? Also folgte sie den beiden. Ihr Freund vom Pier bildete den Abschluss, während der Bettler zurückblieb, wahrscheinlich, um seinen Wachposten wieder einzunehmen.

Nach dem gleißenden Sonnenlicht draußen sah Leofe erst einmal nichts, gerade genug, um zu ahnen, dass man sich in einem breiten Flur oder schmalem Raum befand. Geradeaus wurde es wieder etwas heller, da kamen auch die Stimmen her, die sie vom Eingang aus schon gehört hatte. Ein Dutzend Leute oder mehr redeten eifrig durcheinander. Einzelne Wortfetzen drangen an ihr Ohr: "Wieviel?" -- "kaum gebraucht" --"extra günstig" -- "morgen schon vergriffen." Eine etwas schrillere Frauenstimme rief mit Überzeugung: "Kalte Seifenlauge, damit geht Blut am besten raus. Einfach über Nacht einweichen lassen."

Doch ihre eigene Gruppe bog links ab und betrat bald darauf einen kleinen Raum mit kleinem, vergitterten Fenster.

Nach kurzem Schreck erkannte Leofe, dass es sich wohl um das Kontor des Lagerhauses handelte. Die karge Einrichtung bestand aus einem Tisch, auf dem sich Papiere stapelten, drei Stühlen, Regalfächern voller mit Jahr und Monat beschrifteten Kistchen, und einem Wandtresor. (Anders ließ sich das hässliche Porträt hinter dem Tisch, welches den einzigen "Schmuck" des Zimmers darstellte, nicht erklären.)

Der Mann, der am Tisch saß, war nicht viel hübscher (Leofe glaubte sogar, eine gewisse Familienähnlichkeit zu erkennen): flache Stirn, wulstige Augenbrauen, eine Narbe quer über die rechte Wange, und die große, gebogene Nase saß auch noch schief im Gesicht.

"Kelson", begrüßte der vordere Mann ihn mit einem Nicken. "Hier haben wir zwei Spitzel oder Neukunden. Der da" – ein Fingerzeig auf Jared – "behauptet, sie seien rechtschaffen."

"Aber nur auf der Durchreise", fügte Jared eifrig hinzu.

Kelson betrachtete sie mit gerunzelter Stirn. "Setzt euch doch!" Er wies auf die beiden Stühle ihm gegenüber. Jared folgte der Aufforderung sofort, während Leofe einen Schubs vom Hintermann bedurfte, um sich ebenfalls – langsam und widerwillig – zu setzen. Sie nutzte die Zeit, den Raum unter die Lupe zu nehmen, besonders aber den Mann vor ihnen unter.


Leofes Nervosität ließ etwas nach und sie beobachtete die Männer mit etwas mehr Aufmerksamkeit.
Die drei Männer waren nervös, sogar Kelson.

Das kam Leofe doch seltsam vor.
Eine solche Reaktion beim Erscheinen zweier doch eher harmloser Leute wie Jared und ihr kam ihr etwas übertrieben vor. Auch Jared schien von der übertriebenen Vorsicht überrascht, das war also wohl nicht der Normalzustand.

Irgendwas war also vorgefallen!

Sie sagten man hielt sie vielleicht für Spitzel, doch für wen?
Die Stadtwache? Eine konkurrierende Bande?

Flussratten, das klangt doch eher nach einer etablierten Bande -- die werden doch nicht so leicht durch ein paar mehr Razzien der Stadtwache zu erschrecken sein?

Vielleicht handelte es sich um eine Gefahr aus unbekannter Richtung. Vielleicht eine neue, noch unbekannte Konkurrenz, die in ihr Territorium eindrang? Aber was hatte dies mit dem Verschwinden von Jareds Freund zu tun?

Leofe blieb allerdings nichts weiter übrig als ab zu warten und Jared das Wort zu überlassen, er kannte sich mit solchen Situation mit Sicherheit weit besser aus. Zumindest war die Elfe sich aufgrund ihrer Beobachtungen sicher dass man mit seinen Worten vorsichtig sein musste.


Kelsons Blick wanderte zwischen Jared und Leofe hin und eher, schien aber jeweils etwas länger bei Leofe zu verweilen.

"Ich mag keine Fremden", eröffnete er. "Was gab Euch die Idee, Ihr könntet hier einfach so hereinspazieren? Das ist privater Grund und Boden."

"Das war meine Idee, verzeiht", sagte Jared. "Wir haben nämlich einen Passanten gefragt, da wir uns nicht gut auskennen, wo man hier möglichst preiswert ein Paar gebrauchte Schuhe erwerben könne. Meine Freundin hier braucht dringend neue!"

An dieser Stelle hob Jared Leofes linken Fuß auf Tischkantenhöhe zum Beweis: tatsächlich waren ihre Sohlen fast durchgelaufen.

"Wir sind viel unterwegs, und lange Reisen überland sind ja bekanntlich ebenso teuer wie gefährlich. Deshalb brauchen wir möglichst gutes Schuhwerk zu möglichst kleinem Preis! Daher schlug ich vor, einen möglichst wohlgesinnten, verständnisvollen Händler zu suchen, der sich auch mit alternativen Geschäftsideen wie flexiblen Finanzierungsmöglichkeiten auskennt."

Und dabei hatte Jareds Rede so schön knapp, klar und überzeugend begonnen! dachte Leofe verzweifelt.

Doch Kelsons Miene, anfangs spöttisch-ungläubig, glättete sich im gleichen Maße, wie Jareds Ausführungen (in Leofes Augen) abstruser wurden.

Schließlich wandte Kelson sich an Leofe.

"Ihr seid also nicht beauftragt, uns und unsere progressiven Geschäftsmethoden auszuspitzeln, Ihr seid ganz unschuldig? Eine Dame beim Schuhkauf?"


"... Geschäftsmethoden auszuspitzeln?" wiederholte Leofe brüskiert. "Sicher nicht! Ich hab meine eigenen Probleme und interessiere mich herzlich wenig für die Geschäftsmodelle anderer. Aber mir ist sowieso komisch vor gekommen dass hier alle so angespannt wirken. Wenn wir zu einem ungünstigen Zeitpunkt gekommen sind oder unsere Unwissenheit uns an den falschen Ort geführt hat ist es unnötig Euch zu belästigen, es wird sicher noch andere Händler geben in diesem Ort. Wenn Ihr es wünscht können wir also einfach wieder gehen", entgegnete die Elfe.


"Unschuldig und unwissend, so wünscht man sich die Damen!" sagte Kelson anerkennend. "Und wenn Ihr dies tatsächlich seid, so sollt Ihr uns herzlich willkommen sein; ist's aber weder mit Eurer Unschuld noch Eurer Unwissenheit weit her, so kann ich Euch nicht einfach gehen lassen. Freund oder Feind; dazwischen gibt es bei mir nichts. So ist nun mal die Zeit, in der wir leben."


"Freund!" rief Jared eifrig. "Und ich darf das mit der 'Durchreise' noch einmal betonen. Wir sind ein Überland-Gespann und nicht daran interessiert, unsere Tätigkeiten auf die Stadt auszuweiten. Meiner Freundin hier sieht man doch an, dass sie sich mit Natur und Fährtenlesen und den Früchten des Waldes auskennt. Ich dagegen bringe den Geschäftssinn mit.

Unsere Spezialität sind Kaufmannskarawanen. Zu zweit, wie soll das gehen? fragt ihr euch sicher. Nun, wir haben da so unsere Methoden. Zum Beispiel tarnen wir uns gern als Jungvermählte und erzählen, dass wir dringend in die nächste Stadt müssten, um Arbeit zu finden, und ob wir nicht für ein geringes Entgelt in ihrem Zug mitreisen dürfen – ein Kissen unter dem Bauch wirkt Wunder, um das Entgelt klein zu halten! – und eines Nachts machen wir uns aus dem Staub.

Unsere zweite, noch beliebtere Masche ist, dass wir uns als Wachen anheuern lassen. Vor allem, wenn Banditen oder Orks oder Kobolde gerade mal wieder durch Überfälle Angst und Schrecken verbreiten, Ihr glaubt gar nicht, wie einfach es da ist, sich anheuern zu lassen! Und wieder verschwinden wir eines nachts, haben aber neben Beute auch noch Sold verdient!

Aber der letzte Clou bei all dem ist: wir nehmen nur so viel, dass die Bestohlene es noch verkraften können. Wisst Ihr warum? Weil die dann nämlich, weil es ihnen so peinlich ist, dass man sie so leicht übes Ohr gehauen hat – und weil sie Angst haben, unter ihresgleichen zum Gespött zu werden – also kurzum: sie melden den Diebstahl nicht, und wir müssen keine Land- oder Stadtwache fürchten."

Bitte verzeiht die Prahlerei. Ich wollte damit nur deutlich machen: wir haben eine gut laufende Masche auf dem Land, stehen also in keinster Weise in Konkurrenz zu Euch."


Als Jared am Ende seiner Rede angekommen war, lachte Kelson Tränen und schlug sich auf die Schenkel.

"Eine Dame des Waldes", sagte er, indem er sich wieder Leofe zuwandte. "Aber Ihr seht nicht ganz glücklich aus bei dieser Schilderung. So wie Euer Begleiter prahlt, man könnte meinen, er hätte all diese hübschen Streiche allein vollbracht! Wollt Ihr das einfach so auf Euch sitzen lassen?"


"Nun es ist halt so - Jared ist der Mann mit der kreativen Energie", erwiderte Leofe und dachte "... der Mann der sich aufs Lügen und Austricksen versteht!

So wahrheitsgemäß wie möglich führte Leofe aus dass sie tatsächlich eine Dame des Waldes war. "... aber nicht nur Fährten lesen. Dieser Ausschlag den Ihr da am Arm habt zum Beispiel, Leofe zeigte auf den Arm des Mannes der rechts von Ihr stand. "da würde ein Blatt der Stechlilie für Linderung sorgen. Gut ein Feuchter Umschlag mit Kamille hätte sicher ähnliche Wirkung."
Leofe bemerkte selbst wie sie nervös von Thema zu Thema sprang. Also schloss sie ihren Redeschwall schnell mit einem "Ich bin die Dame des Waldes und für das Spurenlesen zuständig, das ist eigentlich alles was ich sagen wollte."


"Spurenlesen, das klingt nützlich", sagte Kelson. Er schien jetzt recht entspannt. "Gelingt Euch das auch in der Stadt, oder beschränkt sich Euer Können auf Wald?"


"In der Stadt ist es schwieriger", erklärte Leofe wahrheitsgemäß. "Viele Straßen sind gepflastert, Spuren können auf Pflastersteinen nur verfolgt werden wenn es zum Beispiel leicht geregnet hatte, aber nicht zu viel, oder wenn der Betreffende vorher durch schmutzige oder schlammige Gassen gekommen ist. Zudem laufen in Städten viele Leute rum und die Spuren überlagern sich. Aber unter bestimmten Umständen kann man auch in der Stadt Spuren verfolgen.

Im Wald hingegen ist es fast unmöglich keine Spuren zu hinterlassen und diese kann man selbst Tage später noch aufspüren - sowas ist in der Stadt undenkbar!"



"Interessant", sagte Kelson, wobei er sich nachdenklich über das Kinn strich. "Es bestünde also eine gewisse Hoffnung, wenn wir Euch nur so schnell wie möglich herbeiholen könnten. Darf ich annehmen, dass Ihr uns – jetzt, da wir Freunde sind – gerne helfen würdet, verdächtige Spuren zu verfolgen?"


"Ich weiß nicht ob wir schon Freunde sind - an meinen Füßen sind immer noch die abgelaufenen Schuhe und welcher Freund würde mich weiter in diesen Dingern herum laufen lassen?

Ich denke ich werde es Jared überlassen, er kennt sich mit Abmachungen und Verträgen und derlei hervorragend aus. Wenn er mir sagt das wir Freunde sind bin ich bereit zu versuchen die ein oder andere Spur für Euch zu finden. Solange wir uns in Fallcrest aufhalten zumindest"
, entgegnete Leofe, der es insgeheim nicht passte sich vor den Karren irgendeiner zwielichtigen Organisation spannen zu lassen.
"Damit Jared seinen Freund findet werde ich diese Ausnahme machen", dachte sie bei sich. "Aber Jared bekommt was zu hören wenn das durchgestanden ist!"


Kelson warf Jared einen anerkennenden Blick zu, der wohl heißen sollte: Mensch, du hast dein Mädel aber gut im Griff!

"Wunderbar", sagte er zu Leofe. "Dann wird Tom oder Bill euch jetzt in unsere Verkaufshalle geleiten. Wir haben eine große Aktion heute: alles zum halben Preis. Als Geste der Freundschaft würde ich sogar sagen: für Euch zum drittel Preis. Darf ich zum Schluss noch fragen, unter welchem Namen Ihr hier in der Stadt auftretet?"


Leofe blickte fragend zu Jared, der mit den Achseln zuckte. "Jared Fitzroy", sagte er.

"Leofe", sagte Leofe. Wahrscheinlich kann ein Mann wie Kelson das ohnehin herausfinden...

"Ein hübscher Name", sagte Kelson. Dann nickte er zum Zeichen, dass sie entlassen waren. Er fragte nicht, wo sie untergekommen waren und wie er sie erreichen könne, wenn er Leofe zum Spurenlesen bräuchte – was ihre Vermutung bestätigte, dass er auch ihre Namen allein hätte herausfinden können.

Endlich dem Hinterzimmer entronnen, wagten Jared und Leofe dennoch nicht aufzuatmen, sondern folgten den beiden Männern schweigend. Am Eingang nahm Bill seinen Posten wieder auf, während Tom – der Mann vom Pier – nach links bog und die beiden "Neukunden" den kurzen Gang hinunter in Richtung des Stimmengewirrs führte.

Die "Verkaufshalle" war ein mit Kistenstapeln und aufgetürmten Säcken abgetrennter Bereich in der hinteren Ecke des Lagerhauses. Acht "Händler" boten ihre Waren auf Decken ausgebreitet feil. (Die Decken konnten in Windeseile zu Bündeln zusammengerafft und davongetragen werden, bevor die Stadtwache auch nur auf drei Gassen heran war.) Fast zwei Dutzend "Kunden" beguckten die Waren, feilschten eifrig, oder probierten an.

Tom deutete auf einen Schuhverkäufer auf der gegenüberliegenden Seite der "Halle" und postierte sich dann am Eingang.
« Letzte Änderung: 08.02.2013, 20:39:57 von Suilan »

Suilan

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« Antwort #23 am: 05.02.2013, 21:06:41 »
14:15

"Uff", schnaufte Jared, während Leofe und er auf den Schuhverkäufer zumarschierten. "Für einen Augenblick da drinnen dachte ich... also, ich hab mich ja nicht zu fragen getraut, aber mich würde brennend interessieren, was die Leute hier so aufgeschreckt hat! Ihr habt Euch übrigens gut geschlagen!"


"Ihr habt uns in eine furchtbare Situation manövriert", grummelte Leofe vor sich hin. "Wie soll es denn jetzt weitergehen? So nervös wie die sind könnte die Frage nach Eurem Freund tödlich sein."

Die Elfe nahm ein paar Schuhe, die einigermaßen tragbar aussahen, drehte sie lustlos um und betrachtete das Profil der Sohlen, bevor sie sie wieder zurückstellte.

"Ich bin mir nicht sicher, ob die Nachforschungen von innen der richtige Weg sind oder ob wir doch lieber die Hilfe der anderen in Anspruch nehmen sollten und wie gewohnt Nachforschungen von außen anstellen sollten", überlegte Leofe flüsternd.


"Man kann ruhig dumm sein, man muss nur Glück haben", raunte Jared lächelnd, ohne einen Funken Reumut. "Dort drüben beim Dolchhändler steht Daviks neuer Partner. Vielleicht weiß er ja, was hier los ist, oder hat inzwischen von Davik gehört. Vielleicht hängt das auch alles zusammen." Laut sagte er: "Du kommst hier zurecht, ja? Dann schau ich mal dort drüben bei den Dolchen um."


Als Leofe in der Auslage nichts fand, was ihr zusagte, wandte sie sich direkt an den Verkäufer: "Wo habt Ihr denn die ausgefalleneren Modelle?" fragte die Elfe.

Der Mann deutete Leofe an, ihm zu folgen. Er ging mit ihr die verschiedenen Schuhe durch, und Leofes Augen begannen zu leuchten. Der Mann hatte Schuhe magischer Art, von deren Existenz die Elfe noch nie gehört hatte. Da waren Schuhe, mit dessen Hilfe man sich aus fast jeder Umklammerung oder Fesseln befreien konnte, und welche, mit denen man besser klettern oder springen konnte. Wie sollte sie sich nur entscheiden?

Dann kamen sie zu Schuhen, welche sie bei Gefahr von ganz alleine einige Meter vom Gegner entfernten, ohne dass sie selbst die Verteidigung vernachlässigen musste. "Ausserdem könnt Ihr Angriffe besser abwehren und ihnen besser ausweichen, solange Ihr Euch vorsichtig bewegt, da sie Euch einen Teil des Laufens abnehmen und Ihr somit eine bessere Balance halten könnt", erklärte der Verkäufer.

Leofe versuchte sich ihre Begeisterung nicht anmerken zu lassen, als sie knapp entgegnete: "Die sind ganz schön grell von der Farbgebung her! Aber ich würde sie gerne einmal anprobieren." Die Schuhe funktionierten exakt wie der Verkäufer versprochen hatte, und so entschloss sich Leofe dieses Paar zu kaufen.

"Wieviel wollt Ihr für dieses Paar?" fragte sie den Händler.

"Mir wurde gesagt Ihr bekommt den Vorzugspreis, damit wären es 867 Goldstücke bitte."

Leofe bezahlte den Mann, wohl darauf bedacht, dass niemand die Menge der Goldmünzen sah oder gar dass Ihr Beutel noch mehr enthielt.

Dann verabschiedete sie sich und dachte im Gehen:"Ich muss diese Schuhe umbedingt umfärben, so bunt wie die sind sieht man mich ja auf einen Kilometer Entfernung!"


15:45


Anderthalb Stunden später – Jared hatte längst mit Daviks neuem Partner geredet und sich danach die Auslage jedes einzelnen "Händlers" angeschaut, wobei er zwischendurch immer wieder hoffnungsvoll zu Leofe zurückgekehrt war und gesagt hat: "Die scheinen doch gut zu sein, nimm doch die!" – anderthalb Stunden später also hatte Leofe sich endlich entschieden.

Keinen Augenblick zu früh. Kaum hatte sie bezahlt und ihre neuen Stiefel angezogen, ertönte ein trillernder Pfiff, der alle zusammenfahren ließ. Dann brach Panik aus. Die Kunden ließen stehen und fallen, was sie gerade an- oder ausprobierten und stieben in alle Richtungen davon, während die Händler (etwas weniger panisch) ihre Decken zusammenrafften und es ihnen nachtaten.

Jared und Leofe standen einen Augenblick wie erstarrt da.

"Ähm", sagte Jared. "Wir sollten auch..."
« Letzte Änderung: 24.02.2013, 13:21:56 von Suilan »

Suilan

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« Antwort #24 am: 05.02.2013, 21:06:54 »
14:00

Ramar stieg zur Unterstadt hinunter. Warum halfen ihm Lexi und Nebin nicht? Nun gut vielleicht machten sie sich einfach keine Sorgen. "Ich mache mir ja eigentlich auch keine großen Sorgen...Aber ein bischen schon..." Für hiesige Verhältnisse waren sie schon recht reich... das weckte den Neid vieler übler Gesellen.

Ramar bog um die Ecke und stand vor der Schmiede von Teldorthan. Sinnerend hörte er dem Klang der herabfahrenden Hämmer. Das war schön. Melodisch und beruhigend.
Gut gelaunt trat Ramar in die Schmiede ein. Teldorthan drehte in der Schmiede seine Runden. Immer wieder blieb der Zwerg stehen, um seine Gesellen zu schelten oder anzuweisen.

Ramar setze sich auf einen Besucherstuhl an der Theke. Ganz in der Nähe stand ein Plattenpanzer. Intensiv betrachtete Ramar die sich verschiebenden Platten und bewunderte die Perfektion. Eine wahrhaft tolle Rüstung.

"Du steht ja mehr auf so leichte Rüstungen, oder?" unterbrach eine spöttische Stimme seine bewundernde Andacht. Ramar blickte an sich herab. Er trug seine übliche schwere, schwarze Kettenrüstung.

"Moradin hat Dir wohl aufs Hirn gehämmert. Die Rüstung ist nahezu perfekt und wiegt genau 22 Kilogramm und 452 gramm. Da ist nix leichtes dran!"

Und schon waren Ramar und der Schmied, der ebendieser hatte sich da zu ihm gesellt, in einem herrlichen Streitgespräch.
"Und wie gehst Du überhaupt damit um? Keine Pflege, der Herr. Die letzte Ölung ist bestimmt schon 3 Tage her. Und hier sind einige Ringe verbogen." Ramar fluchte. "Stimmt." Wie hatte er das übersehen können? "Da wollten mir einige Teufel ans Fell... eine Geschichte kann ich dir sagen..."
Doch Teldorthan winkte ab. "Hör bloss auf, sonst verliere ich auch noch meinen zweiten Sohn wegen deiner Märchenerzählungen!"

Doch bevor Ramar wütend etwas entgegnen konnte, sah er in den Augen seines Freundes echten Kummer, verborgen hinter aufgesetztem Zorn. Ein Blick durch die Werkstatt zeigte Ramar, dass nur der jüngste Sohn des Schmieds anwesend war. Versöhnlich fragte er: "Verlieren? Was meinst Du?"

Teldorthan grummelte eine Weile lang unverständlich vor sich hin, dann platzte es aus ihm heraus: "Abgehauen ist er! So einfach im Stich gelassen hat er mich. Er will auf eigenen Beinen stehen, sein Glück in der Welt machen, nicht mehr am Zipfel meines Lederschurzes hängen. Wer ihm diesen Flaus ins Ohr gesetzt hat! Ich könnt es ja noch verstehen – würde ihn sogar dabei unterstützen – wenn er sich in einer anderen Stadt niederlassen wollte, um ein eigenes Geschäft zu gründen. Aber nein, er will kreuz und quer durch die Welt reisen!"

"Wie jetzt, ganz allein?" fragte Ramar bestürzt. Das klang gefährlich. Dumm und gefährlich. "Hat er einen Grund genannt?"

"Ach, er ist völlig übergeschnappt!" rief Teldorthan und raufte sich vor Verzweiflung das Haar. "Er faselte etwas davon, dass er die perfekte Rüstung entwickeln will. Dafür wolle er zunächst das perfekte Material suchen, dann die perfekte Verarbeitungsmethode entwickeln, zuletzt die  perfekte Verzauberung. Er wolle eine Rüstung erschaffen, die allen Krieg überflüssig machen würde, weil keine Waffe sie mehr beschädigen könne, hast du so einen Schwachsinn schon gehört?"

Auf diese Frage gab es keine richtige Antwort, also schüttelte Ramar in halbherziger Zustimmung den Kopf und zuckte dabei hilflos mit den Schultern. Dann sagte er das einzige, was ihm zum Trost seines Freundes einfiel: "Wenn du willst, halt ich auf meinen Reisen nach ihm Ausschau."

14:45

Eine halbe Stunde später verließ Ramar den Schmied. Das weitere Gespräch war zwar interessant gewesen, aber bezüglich Jared und Leofe hatte es ihn gar nicht weitergebracht. Kord sei Dank hatte er Teldorthan etwas aufmuntern können. Er hatte etwas von der Walz erzählt und dass junge Leute noch Träume hatten. Auch das Kettenhemd schimmerte frisch geölt und die Ringe waren ausgebessert.

"Wenn deine Freunde heute abend nicht auftauchen", hatte Teldorthan beim Abschied noch geraten, "wendest du dich am besten an den Fürst Kommandanten. Für vermisste Personen ist die Stadtwache zuständig."

Aber noch konnte von "vermisst" keine Rede sein. Ramar bezweifelte, dass sein "ungutes Gefühl" Fürst Kommandanten Markelhay zu einer stadtweiten Suchaktion veranlassen würde.

Also auf zum Marktplatz!

Ramar ging zwei Straßen weiter und betrat den großen Platz, auf dem, um eine kleine Wiese in dessen Mitte herum, Händler und Bauern ihre Ware feilboten. Ramar gesellte sich zu zwei Bütteln, die gelangweilt das Geschehen beobachteten.

"Kord zum Gruße! Habt ihr meine zwei Gefährten gesehen? Eine zierliche Elfenfrau mit Langbogen über Schulter?" Ramar beschrieb die beiden Gefährten.


"Tut mir leid, nein", kam die Antwort. "Aber wir stehen noch nicht lange hier. Zur zweiten Mittagsstunde ist bei uns Wachwechsel."

Auch die Händler, die Ramar ansprach, wussten von nichts. Dabei fiel ihm auf, dass sie seltsam kurz angebunden, fast ein wenig verschreckt wirkten. Daraufhin beobachtete er das Treiben auf dem Grünen Markt mit erhöhter Aufmerksamkeit.


Dabei fiel ihm etwas seltsames auf. Die beiden Büttel standen einfach bloß da, gingen nur ein wenig hin- und her, um sich die Beine zu vertreten, aber machten die normalerweise nicht Runden über den gesamten Markt?

Als Ramar sich auf eine solche begab, bemerkte er außerdem an verschiedenen Ständen seltsame Kunden, die man nie etwas kaufen sah, und die, obwohl sie es unter lockerer Kleidung zu verbergen versuchten, allesamt von athletischer Statur waren und sich mit der Gewandtheit und Selbstsicherheit ausgebildeter Kämpfer bewegten. Was waren das für Leute? Drohmänner der Unterwelt? Stadtwachen in Zivil? Eine fremde dritte Macht?

Doch halt, das Gesicht dort drüben kommt mir bekannt vor! Vor etlichen Monaten, in der Mondstein Wacht, da stand eine Gruppe blutjunger Rekruten... das war einer davon!

Stadtwache also, aber neue Gesichter. Erwartete man einen Angriff auf den Markt oder waren dies nur Beobachter, die über Aktivitäten der Unterwelt berichten sollten? Oder war dies die Vorbereitung eines in Kürze geplanten Schlages gegen dieselbe?

Leider wagte Ramar es nicht, die Büttel oder einen der (wirklich hervorragend) verkleideten Wachen anzusprechen. Falls eine Aktion geplant war, wollte Ramar diese auf keinen Fall gefährden.

Seine Sorge um Jared und Leofe stieg jedenfalls.

15:40

Ramars Gedanken arbeiteten auf Hochtouren. Was spielt sich hier ab? Ramar blieb an einem Stand stehen. Hmm. Walnüsse. Ramar sprach kurz mit der Händlerin und erstand einen Beutel mit Walnüssen. Dann setzte er sich an den Rand des Marktplatzes auf ein Mäuerchen und beobachtete das Treiben. Vor allem aber hielt er Ausschau nach Leofe und Jared.

Die Tüte mit Walnüsse war erst zu einem Drittel leer, da bemerkte Ramar, wie Bewegung in die verkleideten Wachen kam. Einige bewegten sich Richtung des nahen Unterstadt-Hafens, einige bleiben zurück, aber drückten sich in schattige Winkel oder hinter Büsche oder suchten sonstwie Deckung.

Ooooh oooh ooooh, jetzt gehts los Ramar sprang auf und blickte den Davoneilenden hinterher. Hmmm scheint ins Flußviertel zu gehen.

Aus einer Nebengasse ertönten schnelle Stiefelschritte -- ein ganzer Trupp voll -- und als Ramar zur Kreuzung vorpreschte, sah er gerade die letzten Stadtwachen -- "normale" Stadtwachen diesmal, also voll bewaffnet und gerüstet -- um die nächste Ecke biegen.

Ramar rannte hinter den uniformierten Wachen her. Hoffentlich geht das alles gut und keiner wird schwer verletzt. Ramar hielt Ausschau nach einem Anführer, der die Operation leitete.



Die bewaffneten Stadtwachen stürmten so schnell davon, dass Ramar die Rangabzeichen nicht einmal erkennen konnte, geschweige denn, dass er den Anführer unter ihnen hätte ansprechen können. Ein Teil der verkleideten Wachen folgte; der Rest war spurlos verschwunden, als Ramar sich nach ihnen umdrehte. Nur die beiden Büttel standen noch gut sichtbar am selben Platz.

Hinterher! dachte Ramar und folgte den Stadtwachen, die er gerade noch um eine Ecke verschwinden sah, in Richtung Fluss. Er rannte, was seine Beine hergaben, und kam doch nur mit größter Mühe hinterher. Gerade schon wollte er aufgeben, als man das Ziel erreicht hatte: ein Lagerhaus im südlichen Hafenviertel.

Armbrustschützen postierten sich an mehreren strategischen Punkten in der Gasse, während die Nahkämpfer sich aufteilten: die Hälfte marschierte, die vordersten davon mit Schilden, auf den Haupteingang zu, während die andere Hälfte zwischen dem Gebäude und seinem nördlichen Nachbarhaus hindurchstürmte, vermutlich zum Hintereingang.

Ramar rannte – schwer schnaufend – auf den Vordereingang zu, als sich die hinteren beiden Stadtwachen plötzlich umdrehten und ihre gezückten Schwerter auf ihn richteten.

"Stehenbleiben und erklärt Euch!" verlangte der ältere. "Was folgt Ihr uns?"

Ramar blieb abrupt stehen und hob heftig schnaufend beide Arme zu einer beruhigenden Geste.

"Richtet ... Eure Schwerter .... auf jemanden der es verdient... Ich bin Bruder Ramar. Ich bin hier um die Auswirkungen von Auseinandersetzungen abzuschwächen." Ramar sah die fragenden Blicke der beiden. "Ich bin Heiler. Ich werde euch ins Gebäude folgen und hoffentlich dafür sorgen können das niemand stirbt. Wo ist der Euren Angriff unterstützende Priester und wie ist sein Name? Wer führt den mitlitärische Teil? Und jetzt macht weiter." Ramar machte mit beiden Händen eine auffordernde Geste.


"Wir haben keine Zeit für sowas", mahnte der jüngere Stadtgardist, worauf der ältere dem nächststehenden Armbrustschützen zunickte. "Halt ihm im Auge." Ramar befahl er: "Ihr bleibt hier. Solltet Ihr tatsächlich ein Heiler seid, rufen wir Euch, wenn es Verletzte gibt. Versucht nicht zu fliehen."

Damit stürmten die beiden weiter.
« Letzte Änderung: 15.02.2013, 17:45:28 von Suilan »

Suilan

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« Antwort #25 am: 05.02.2013, 21:07:06 »
15:45

Gehetzt schaute sich Leofe um. Die mit Kisten- und Sackstapeln vom Rest des Lagerraumes abgetrennte Verkaufshalle befand sich in der Nord-Ost Ecke des Gebäudes. Jeweils an der Nordwand und der Ostwand war genug Platz, um sich zwischen Wand und Warenstapeln durch zu quetschen.

Wohin sollte sie nur fliehen? Die Stadtwache kam durch den Hintereingang herein gestürmt, doch der Vordereingang war bestimmt nicht unbewacht.

Die Elfe entschloß sich nach Osten zu rennen, um so viel Abstand wie möglich zwischen sich und den Haupteingang zu bringen.
Dabei wurde sie von einer der Wachen ins Visier genommen. Aus dem Augenwinkel sah sie dass Jared nach Norden floh, doch nun war es zu spät die Richtung zu wechseln. Das "Stehenbleiben oder ich schieße" der Stadtwachen ignorierte sie. Mit dem Rücken zur Wand quetschte sie sich durch den engen Spalt. Schon wollte sie aufatmen, als ein Dolch ihr mit voller Wucht seitlich zwischen die Rippen fuhr.  Ein magischer Dolch, denn er zog sich von allein wieder heraus, um in die Hand seines Besitzers zu fliegen.

Dann war Leofe hindurch. Eine Hand auf die Wunde gepresst – für mehr war keine Zeit – folgte sie panisch einigen der anderen Flüchtenden, die eine Leiter empor kletterten. "Hoffentlich führt die Leiter aufs Dach und damit ins Freie!" dachte die Elfe bei sich, als sie – einhändig – die Sprossen hochhetzte.


Es war erstaunlich, wieviele Gedanken Jared in dem kurzen Schreckensmoment durch den Kopf gingen.

In der Falle. Umzingelt. Es gibt kein Entrinnen. Man wird mich verhaften. In den Kerker schmeißen. Ich bin noch nie verhaften worden. Ich war immer zu schlau. Zu vorsichtig. Zu schnell. Ein Schatten unter Schatten. Da kann doch nicht sein, dass es mich ausgerechnet jetzt erwischt, wo ich gänzlich unschuldig zwischen die Fronten geraten bin, wo ich selbst überhaupt nichts unrechtes getan habe  – nicht einmal etwas eingekauft habe ich hier, trotz aller Versuchung! Hätte Leofe sich nur schneller entschieden! Wie lange konnte es denn dauern, sich für ein neues Paar Stiefel zu entscheiden?! Aber natürlich würde sie ihm die Schuld geben, das war klar wie Kloßbrühe...

Dann endlich setzte das Denken aus und der Fluchtreflex ein. Das Trampeln vieler Paar Stiefel näherte sich aus dem kurzen Flur im Nordosten. Jared drückte sich an die Nordwand, die ihm – obwohl näher der Gefahr – sicherer schien, da sie vom Flur aus nicht einsehbar war. Leofe hinter sich wähnend, quetschte er sich durch den Spalt zwischen der Wand und einigen Mehlsäcken hindurch.

Jared befand sich nun im eigentlichen Lagerhaus, das aussah, wie man sich Lagerhäuser so vorstellte: bis unter die Deckenbalken vollgestellt mit Kisten, Regalen, Säcken und Fässern. Was er nicht bedacht hatte: sein Fluchtweg hatte ihn in die Nähe des Vordereingangs geführt, aus dessen Richtung Schritte und Rufe ertönten. Panisch wandte er sich zu Leofe um – doch Leofe war nicht da.

Wenn sie schlau ist, ist sie in die andere Richtung geflohen. Hoffentlich passiert ihr nichts. Nein, sie ist schlau. Schlauer als ich, wie mir scheint. Um mich selbst sollte ich mir die Sorgen machen...

Von diesen Gedanken beflügelt, rannte Jared an der "Wand" der Verkaufshalle entlang Richtung Südosten. Noch hatte ihn niemand gesehen. Noch hatte er eine Chance. Deckung gab es ja genug. Doch die Schritte kamen näher. Von drei Seiten.

* * *

Die Leiter welche Leofe erklomm führte zum Dachboden des Gebäudes. Einige der voraus Fliehenden hatten bereits an einer Stelle die Schindeln aus dem Dach gestoßen. Vor Leofe kletterte gerade ein hagerer Mann mit sonnengegerbter Haut aus dem entstandenen Loch.
Die Elfe hechtete auf das Loch zu, so schnell es ihre verletzte Seite zuließ, und kletterte aufs Dach des Hauses.

Immer Deckung suchend rannte Leofe leichtfüßig über das Dach. Auf den umliegenden Häusern waren Armbrustschützen postiert, doch die Bogenschützin erkannte, wo sich ein toter WInkel befinden musste, und eilte geduckt weiter.

Am Rand des Dachs angekommen sprang Leofe beherzt auf die Gasse hinab. Die Landung war unsanfter als erwartet. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihre verletzte Seite, so dass sie zu Boden fiel und sich mit verzerrtem Gesicht die Wunde hielt, die nun wieder blutete.
Leise wimmernd presste sich die Elfe an die Wand hinter ihr, welches die Ostwand des Lagerhauses war.

"Nun nicht verzagen! Du bist draußen und keiner hat dich gesehen - nun nur noch weg hier und die Unbeteiligte geben", dachte Leofe, als sie sich die Gasse entlang zwang.


Durch das Lagerhaus hallten Schreie, Schritte, Waffengeklirr und die wiederholten Aufforderung, sich zu ergeben, wider. Ein Blick über die Schulter zeigte Jared, dass einige sich tatsächlich ergaben. Er rannte weiter.

Da fiel plötzlich ein Schatten vor ihm auf den Boden: ein Schatten mit erhobenem Arm, der niedersauste. Jared duckte sich im Reflex und spürte noch den Lufthauch des Hiebs auf seiner Kopfhaut. Ein zweiter Stadtgardist, dieser gar mit Zweihänder, verfehlte ihn meilenweit, und nahm fluchend die Verfolgung aufnahm. Ein dritter sprang ihn von der Seite an, wo er hinter einem großen Fass gelauert hatte, und umklammerte ihn mit beiden Armen.

"Ergib dich!" befahl er Jared, wobei er ihm einen gar fürchterlichen Zwiebelodem ins Gesicht blies. "Wenn dir dein Leben lieb ist."

Doch war er kaum mit seiner Drohung am Ende, da hatte Jared sich schon seinem Griff entwunden – nicht einen Moment zu früh, denn da war auch schon der Kollege mit dem Zweihänder heran. Abermals zischte die Waffe über seinen Kopf hinweg.

Er wird besser, dachte Jared, und nahm die Beine wieder in die Hand.


Ramar stemmte die Arme in die Hüfte. Aber er musste wohl einsehen das er hier nicht weiterkam.
"Ich werde hierbleiben!"

Ramar ging etwas zur Seite oder zurück um dem Armbrustschützen nicht die freie Schussbahn zu verstellen.

"Du da oben, wie lange ist diese Aktion schon geplant?" rief er dem Armbrustschützen zu.

[..]

Ramars Blick fiel auf das Lagerhaus. Das Lagerhaus war gut gefüllt mit Kisten, Säcken und Fässern. Teils in Regalen, teils frei gestapelt. Die Stadtwache waren dabei vorzustürmen und zahlreiche Leute flohen vor ihnen.

Nanu, was macht denn Jared da drin? Ramar hatte Jared erblickt, der auch auf der Flucht war. Du hast doch Deine Griffel hoffentlich nicht in irgendwelchen schmutzigen Dinge verstrickt? Jared floh am Rand einer Regalwand vorbei. Einige Stadtwachen, die Jared übersehen hatte, schlugen nach ihm, doch verfehlten sie ihn deutlich. Doch plötzlich wurde Jared von einer dritten Wache festgehalten. Nur mit Mühe konnte er die Wache abschütteln und rannte weiter tiefer ins Lagerhaus. Doch die Wache mit dem Zweihänder ließ nicht ab und verfolgte ihn weiter.

* * *

Doch der Armbrustschütze hatte keine Zeit zu antworten, selbst wenn er gewollt hätte: zusammen mit seinen Kollegen musste er eine kleine Gruppe aufhalten, die aus dem Lagerhaus zu fliehen versuchte. Die vier verschreckt wirkenden Gestalten ergaben sich ohne Gegenwehr. Drei Dolche, eine Schleuder und ein Kurzschwert landeten auf dem Boden, als sie der Aufforderung, ihre Waffen niederzustrecken, nachkamen.

Danach dauerte es nicht mehr lange, bis die Aktion beendet war. Gut zwanzig Leute, mit Ausnahme eines Halblings alles Menschen, waren verhaftet. Die meisten davon standen stumm und verstört da; vier oder fünf schauten trotzig; zwei versuchten ein letztes Mal zu entkommen, wurden aber gefasst. Ein Toter und drei Verwundete wurden herbeigetragen; zwei Wachen waren ebenfalls verletzt, konnten aber noch gehen.

Der ältere Stadtgardist, mit dem Ramar vorhin schon gesprochen hatte, wandte sich wieder an ihn. "Dann zeigt mal, was Ihr könnt." Er nickte in Richtung eines der Verhafteten. Ramar sah sofort, dass dieser die schwerste Verletzung davongetragen hatte: eine Schwertwunde im Unterleib.

Ramar nickte.  "Wie kam es denn zu dieser Wunde?"

Er trat vor den schwerverletzten Gefangenen. "So, dann schauen wir mal, dass Du an dieser Wunde nicht stirbst. Kord, schau auf diesen Gefangenen herab, er ist heute ein Verlierer, jedoch ist sein Kampf noch nicht zuende, und er soll auch morgen noch kraftvoll kämpfen können. Darum bitte ich Dich um die Gnade der Genesung."

Roter feiner Nebel erhob sich aus dem Boden und umhüllte den Gefangenen, unzählige rote Nebelfetzen hängten sich an die Schwertwunde und schon bald konnte man erkennen, wie sich aus dem Nebel neues Fleisch bildete. Ramar atmete auf. Die Wunde war noch nicht geschlossen, aber der Patient war schon überm Berg und würde nicht an dieser Bauchwunde sterben.

Ramar hob sein Heiliges Symbol über die Wunde und murmelte ein Gebet an Kord. Erneute füllte sich die Wunde mit rotem Nebel und nur einen Augenblick später löste sich der Nebel auf und die Wunde war mit frischer Haut überzogen.

Zart strich Ramar über die frisch entstandene Haut. Er war zufrieden. "Danke, Kord. Die Rabenkönigin muss wohl noch ein bisschen warten." Ramar blickte sich um: Die Menschenmege hatte ihn atemlos beobachtet. Ramar richtete sich auf und ein Jubelsturm brandete ihm eintgegen. Ramar lächelte und ging zu den leicht Verwundeten hinüber. Auch hier konnte er mit wenigen Gebeten eine Menge erreichen und einen Augenblick später waren alle Wunden unter dem roten Nebel verschwunden.


"Ihr könnt also tatsächlich heilen", unterbrach der Stadtgardist Ramars Fantasievorstellung. (Die wenigen anwesenden Menschen jubelten nicht etwa, sondern standen mit hängenden Köpfen und verschlossenen Mienen herum -- so es sich um Festgenommene handelte -- oder waren eifrig damit beschäftigt, diese zusammenzutreiben, nach versteckten Waffen abzusuchen, und zu beaufsichtigen. Der Jubel, den Ramar in seinem Kopf hörte, musste entweder himmlischer Jubel oder sein eigener sein.)


Ramar wandte sich an den älteren der Gardisten, dessen Bemerkung ignorierend. "Ich denke die Jungs sind alle soweit geheilt, dass die Wunden nicht mehr ihre größte Sorge sind. Sollten sich aber aber noch Komplikationen ergeben, sendet eine Nachricht an die Wirtin des Silbernen Einhorns."


"Ihr scheint tatsächlich noch nichts von mir gehört zu haben? Ich bin der Heiler einer Gruppe, die die Koboldgefahr rund um Winterhafen beseitigen konnte. Die in der Festung Shadowfell einen Orcus-Kult davon abgehalten hat durch ein magisches Portal eine Untoteninvasionsarmee zu beschwören. Wir haben zahlreiche Bauern aus der Umgebung befreit und sie vor dem grausigen Schicksal bewahrt, als Sklaven in die Unterwelt verkauft zu werden.

Dass ihr noch nichts davon gehört habt, wie wir eine Sphynx den Klauen des Bösen entrissen haben und das kleine Städtchen Crockport, keine 2 Wochen Fußreise von hier, vor der Herrschaft von Teufeln bewahrt haben, ist mir schon klar, ich denke diese Nachrichten müssen sich hierher noch verbreiten. Aktuell sind wir auf der Suche nach dem Ioun-Kleriker Jeremia Clearwater."



Der Gardist zuckte mit den Achseln. "Gerüchte, dass in Winterhafen Seltsames vorgefallen ist, gab's hier schon. Der Fürst-Kommandant wird mehr darüber wissen. Ich bin nur für das Wohl der Bürger in Fallcrest zuständig. Hauptmann Larsson der Name. Verzeiht, dass ich Euch vorhin so unfreundlich behandelt habe, aber bei diesem Schurkengesindel hier muss man mit allem rechnen. Sie würden nicht davor zurückschrecken, sich als Priester auszugeben, gar mit gestohlenem heiligen Symbol.

Wo wir gerade von gestohlen sprechen und Ihr nach einem Jeremia Clearwater fragt: der kam vor anderthalb Monaten auf die Wache und wollte einen Diebstahl anzeigen. Er verlangte, dass ich das Haus eines angesehenen Bürgers dieser Stadt von oben bis unten durchsuchen lasse. Da er jedoch keinerlei Beweise hatte, konnte ich ihm nicht helfen. Klingt das nach dem Mann, den Ihr sucht?"



Ramar zuckte mit den Schultern.

"Hochwürden Dirina Mornbrow, Hohepriesterin des Erathis, hat uns diesen Priester empfohlen. Ich kenne ihn nicht persönlich. Er ist wohl ein Wanderpriester, der ständig unterwegs ist. Ich glaube nicht, dass es soviele Jeremia Clearwater gibt, die Ioun-Priester sind und vor anderthalb Monaten in der Stadt waren, also wird er wohl derjenige sein, der bei Euch die Anzeige aufgeben wollte. Was vermisst denn der Herr und was tat er, nachdem ihr seine Anzeige abgelehnt habt? Könnt ihr mir den Namen des angesehenen Bürger geben?"


Hauptmann Larsson führte Ramar ein wenig von den anderen Gardisten und den Verhafteten fort, und sagte dann leise, damit niemand mithören konnte: "Er vermisste irgendso ein gelehrtes Buch und verdächtigte ausgerechnet den alten Nimozaran des Diebstahls. Der alte Mann mag ein wenig wirr im Kopf sein, aber er ist ein grundehrlicher Mensch. Da glaub ich eher, dass der Priester auf der Straße bestohlen wurde oder sein Buch irgendwo hat liegenlassen. Was er danach tat? Beleidigt abziehen."

Ramar kratzte sich am Bart.

"Nimozaran ist mir ein Begriff. Wir benutzen sein Portal. Meine Gefährtin Lexi kennt ihn sogar näher. Magier eben. Zwei meiner Gefährten sind heute wohl schon bei ihm gewesen und nach Winterhafen gegangen. Vielleicht kommen sie ja heute abend zurück.

Hauptmann Larsson, ich bin mir sicher, dass Ihr hier noch eine Menge zu tun habt. Ich würde mich dann ins Silberne Einhorn zurückziehen. Wenn Ihr noch Fragen habt, könnt Ihr mich dort fürs erste erreichen."


"Gut, und danke für Eure Hilfe." Mit einem Nicken verabschiedete sich der Hauptmann und kehrte zu seinen Leuten zurück.
« Letzte Änderung: 17.02.2013, 20:20:21 von Suilan »

Suilan

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« Antwort #26 am: 05.02.2013, 21:07:19 »
Leofe sah ihre Chance, als nicht weit von ihr fünf Leute verhaftet wurden, teils mit Gegenwehr, sodass die Stadtwachen alle Hände voll zu tun hatten. Niemand sah in ihre Richtung – sie huschte davon. Kurz, bevor sie die Kais erreichte, hielt sie inne, um ihre Wunde soweit zu versorgen, dass ihre Verletzung nicht so sichtbar war, dann marschierte sie, so normal wie möglich und ohne sich die Schmerzen anmerken zu lassen, denn langen Weg zur Herberge zurück. Besonders der Aufstieg das Kliff hinauf ließ sie fluchen. Immer wieder sah sie sich um, doch weder Jared noch eine der Stadtwachen folgte ihr.

16:00

Auf ihrem Zimmer in der Herberge angekommen, warf Leofe ihren Bogen und alles andere, was sie bei sich trug, aufs Bett und zog ihr Oberteil aus, um die Wunde freizulegen. Die Blutung hatte aufgehört, doch die Wunde war tief - sehr tief. Wenigstens war es ein sauberer Schnitt und es schienen keine inneren Organe verletzt. Dennoch würde sie Ramars Hilfe benötigen, wenn die Wunde sie nicht tagelang behindern sollte.

Die Elfe kramte einige Bandagen hervor und verband die Wunde, so dass die Binde um den gesamten Brustkorb ging und somit auch die Last von den Rippen und Muskeln um die Wunde nahm. Dann zog sie sich wieder an und nahm auch wieder den Bogen zur Hand.

Sie setzte sich aufs Bett und lauschte - "Hoffentlich ist Jared nichts geschehen - wo bleibt er denn nur?"

Zehn Minuten später hörte sie, wie die Tür zum Nachbarzimmer geöffnet und gleich darauf wieder geschlossen wurde.

Schnell sprang Leofe auf und öffnete leise die Tür zum Gang. Sie klopfte sachte an Jareds Tür. "Jared, seid Ihr das?" flüsterte sie hoffnungsvoll.


"Ähm, vielleicht", kam die zögerliche Antwort.


Ramar schritt schnell die Treppen nach oben. Die Wirtin hatte Leofe und kurze Zeit später Jared nach oben gehen sehen. Sie mussten also da sein.

Tatsächlich. Leofe stand auf dem Flur und klopfte an sein Zimmer an. "Leofe! Kord sei gepriesen! Da bist Du ja." Ramar schritt an Leofes Seite. "Ich habe schon befürchtet das Jared Dich in etwas verwickelt hat. Ist er drin?" Ramar deutet auf das Zimmer.


"Das scheint er selbst nicht so recht zu wissen", brummte Leofe. "Aber Ihr kommt gerade recht. Könntet Ihr Euch wohl mal die Stichwunde in meiner Seite angucken?"

"Stichwunde?" fragte Ramar. "Hat Jared Euch etwa in seine illegalen Machenschaften verwickelt? Den werd ich mir vorknöpfen. Aber erst schau ich mal, wie ich Euch helfen kann."

Gemeinsam gingen sie in Leofes Zimmer.


"Das scheint er selbst nicht so recht zu wissen", brummte Leofe. "Aber Ihr kommt gerade recht. Könntet Ihr Euch wohl mal die Stichwunde in meiner Seite angucken?"


Fassungslos starrte Ramar Leofe an. "Waaas? Er weiß nicht, ob er Jared ist? Hat der n' Hammer auf den Kopf gekriegt? Jetzt will ich es aber genau wissen." Ramar öffnete der Tür. Jared hockte mit verdrießlichem Gesicht auf seinem Bett. Ramar spürte, wie sein Puls schneller schlug, doch er versuchte ruhig zu bleiben. "Gut! Du hast es also in einem Stück bis hierher geschafft. Avandra sei gepriesen. Ich hoffe, es hat dich niemand gesehen. Besser Du lässt Dich vorerst mal nicht unten blicken. Ich habe der Stadtwache diese Adresse hier gegeben, falls sie noch Fragen an mich hat. Vielleicht würdest Du dann jemandem auffallen. Ich werde mich jetzt um Leofe kümmern, dann reden wir zwei miteinander. Oder Du kommst rüber, wenn Du erholt bist." Damit ließ er Jared sitzen und ging mit Leofe ins Damenzimmer hinüber.


Jared starrte ihm ebenso fassungslos hinterher. Der hat was? Der Stadtwache diese Adresse hinterlassen? Warum tut er sowas? Warum war er überhaupt bei der Stadtwache? Natürlich haben die mich gesehen. Ganz aus der Nähe sogar. Nasenspitze an Nasenspitze! Ich muss hier raus. Aber die anderen beiden Unterkünfte in der Stadt, da würde man jemanden wie mich ja noch viel eher vermuten. Vielleicht doch besser hier bleiben? Vielleicht kann Davik mir heute abend ja helfen. In was bin ich da nur hineingeraten?  


"Ok, dann zeig doch mal, was Du hast." Beim Anblick der Wunde verzog Ramar das Gesicht. "Du bist nicht die erste Schwerverletzte, die heute Behandlung von mir erfährt. Ich habe euch nämlich gesucht und bin dabei..." Ramar erzählte, während er die Behandlung durchführte, von seinen Erlebnissen, und dass Nebin und Lexi nach Winterhafen teleportieren wollten, um einen Kleriker namens Jeremia Clearwater aufzuspüren.

"Wenn sie bis heute abend nicht zurück sind, sollten wir hinterher", schloss Ramar. "Lexi hat mir einen Zettel mit der Runenkennung zugesteckt, ich kann uns also über Nimozarans Portal hinbringen.

Übrigens konnte ich auch etwas über den gesuchten Kleriker herausfinden.  Hauptmann Larsson, das war der Anführer der Razzia, hat mir mitgeteilt, dass Jeremia Clearwater bei ihm war und Anzeige gegen Nimozoran gestellt hat, weil Nimozaran ihm angeblich ein Buch geklaut habe. Ich werde mal nachher Lexi dazu befragen. Sie kennt Nimozoran besser."


Darauf schwieg Ramar eine Weile, um Leofe die Gelegenheit zu geben, ihm von sich aus zu erzählen, wie sie zu ihrer Verletzung gekommen ist, doch als die Elfe keine Anstalten dazu machte, fragte er etwas ungeduldig: "Erzählst du mir nun, wie und wo du dir diese Wunde zugezogen hast, oder nicht?"


"Wir waren in der Verkaufshalle, als die Stadtwache den Laden stürmte", begann die Elfe zu erzählen als Ramar die Wunde versorgte. Wir waren da um nach Davik zu suchen, das ist der Mentor von Jared von dem plötzlich nichts mehr zu sehen war.

Aber das konnten wir ja schlecht der Stadtwache erzählen - sehr glaubhaft wäre das wohl kaum gewesen. Ausserdem habe ich nicht widerstehen können und habe mir diese Schmuckstücke zugelegt. Sie werden mir sehr gute Dienste in unseren Kämpfen leisten, doch ich gehe davon aus, dass sie eine nicht ganz legale Quelle haben - daher wollten wir lieber das Gebäude verlassen, als uns zu erklären.

Dabei habe ich dieses nette Erinnerungsstück von einem der Wachen erhalten"
, schloss Leofe sichtlich niedergeschlagen.


Ramar blickte traurig. "Na dann gilt das, was ich Jared gesagt habe, auch für Dich. Ich habe Hauptmann Larsson diese Adresse hier gegeben. Ich habe ihm auch von unseren Verdiensten erzählt. Ich hoffe, er möchte nicht meine Kameraden sehen, die so viel tolles geleistet haben. Wäre echt peinlich, wenn er Euch wiedererkennen würde. Und das ganze wegen ein paar billigen Schuhen und einen verschwundenen Einbrecher, Erpresser und vielleicht Mörder..."

Ramar stand auf. "Ich werde Euch nachher etwas zum Essen und Trinken hochkommen lassen." Ramar verließ das Zimmer und ging ins Erdgeschoss, um es sich am Kamin gemütlich zu machen, eine Pfeife zu rauchen und ein Bier zu trinken.

17:25
« Letzte Änderung: 01.03.2013, 00:58:16 von Suilan »

Lexi

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #27 am: 05.02.2013, 21:18:23 »
15:45

Nebin schlief nach dem Essen ein Stündchen und Lexi versank auf ihrem Bett in eine tiefe Meditation. Am nachmittag packten sie ihre Sachen und kauften der Wirtin noch einen Kuchen für Nimozaran ab. Sie gingen davon aus in Winterhafen zu übernachten.

"Nimozaran sollte jetzt seinen Mittagsschlaf beendet haben, um diese Zeit treffen wir ihn sicher wach an", erklärte Lexi während sie zum Turm marschierten. Nebin war in Gedanken versunken und brummte nur.

Der alte Magier freute sich über den Besuch und den Kuchen. Während sie den Turm hochstiegen erzählte er Lexi begeistert von den interessanten Einsichten, die er bereits beim Studium von Emretts Büchern gewonnen hatte. Unter dem Spitzdach des Turmes angekommen schnaufte der Alte ziemlich und Lexi nutzte die Redepause um ihn zu bitten, ihre Kameraden einzulassen falls diese in den nächsten Tagen ebenfalls nach Winterhafen reisen wollten. Der Magier stimmte zu und verzog sich dann eilig wieder in seine Bibliothek, während Lexi begann das kurze Ritual vorzubereiten. Im Wesentlichen musste sie nur die sieben richtigen der unzähligen, in Nimozarans steinernen Teleportkreis gravierten Runen mit Residuum füllen und dazu magische Worte sprechen.

Die Runen begannen zu leuchten und eine wasserartige, spiegelnde Fläche erschien im Inneren des Kreises, durch die man wie am Grunde eines Teiches einen Tempelraum sehen konnte. Lexi nickte Nebin zu, und gleichzeitig durchschritten sie das Portal.
« Letzte Änderung: 07.02.2013, 14:13:58 von Suilan »

Suilan

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #28 am: 07.02.2013, 10:41:09 »
16:15

Nach einem wilden Farbentanz, einer rauschenden Symphonie an Tönen, einem Fest an Gerüchen und einem Rausch an Eindrücken, die ihre Sinne nicht zuordnen konnten, fanden Lexi und Nebin sich, leicht wankend, in einem dunklen Kellergewölbe wieder. Dunkel bis auf den Teleportkreis, der von Ewigen Laternen umringt war, damit man die Ankommenden sah, aber selbst nicht gesehen wurde.

Lexi schloss die Augen, um den magischen Strömen nachzuspüren. Jede Reisestrecke war anders. Andere Farben, andere Töne, andere Gerüche. Zwischen Fallcrest und dem Tyrtempel zu Winterhafen wurde sie immer an eine Meeresküste erinnert: Salz auf ihren Lippen, ein gewaltiges Rauschen im Ohr, ein Farbspiel aus tausend verschiedenen Blau, Grau, und Sandtönen vor den Augen, und es roch nach Seetang. Nebin stieß sie an.

Zwei Wachen waren aus dem Dunkel nahe des einzigen Ausganges – man konnte ihn nicht sehen, aber sie wusste, dass er dort war – einen Schritt auf sie zugetreten. Zwei weitere Wachen, auch das wusste Lexi, standen noch immer außerhalb des Lichtkreises.

Neue Gesichter, dachte sie und seufzte innerlich. Soviel zu der Hoffnung, gleich durchgehen zu können.

Es bedurfte etlicher Erklärungen, Beteuerungen und Nachfragen – etwas übertrieben, fand Lexi – bis die Wachen sie endlich durchließen. Als Nebin und sie die Treppe hochgeleitetet wurden, sah sie erstaunt, dass man nicht vier, sondern sechs Wachen postiert hatte.

In der Tempelhalle angekommen, bedurfte es weiterer Erklärungen, bis endlich einer der Akolythen Lexi erkannte. Danach ging plötzlich alles sehr schnell.

"Wie schön, Euch wiederzusehen!" empfing Schwester Marla sie strahlend in ihrer Amtsstube. "Seid Ihr wohlauf? Eure Gefährten auch? Stellt Ihr mir Euren neuen Begleiter vor?"
« Letzte Änderung: 07.02.2013, 15:18:01 von Suilan »

Lexi

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[IC] Iouns Träne
« Antwort #29 am: 07.02.2013, 20:15:11 »
"Seid mir gegrüßt, Schwester Marla", antwortete die Eladrin lächelnd. "Dies ist mein Kamerad und Freund Nebin Mühlstein, um dessentwillen wir heute hierher kamen. Aber lasst mich zunächst Grüße von Ramar Blutregen ausrichten, den ihr ja auch kennt. Wir sind wohlauf und ihr auch, wie ich hoffe? Die anderen drei Mitglieder unseres ehemaligen Trupps verloren leider vor ein paar Monaten bei einer unglücklichen Kampagne gegen einen üblen Hexer namens Paldemar ihr Leben." Lexi schaute beim letzten Satz ziemlich betrübt.

"Oje, das ist ja schrecklich", entfuhr es Marla. "Wollt ihr darüber reden?"

Aber Lexi winkte ab. "Vielleicht später", seufzte sie, "Zunächst haben wir dringenderes zu bereden." Und in knappen Worten berichteten Lexi und Nebin der Priesterin von Erlang und ihrer Suche nach dem Seelenstein zu seiner Rettung.

"Aber nun zu eigentlichen Grund unseres Besuches: Dirina Mornbrow von Erathistempel berichtete uns von einem Iounpriester namens Jeremia Clearwater, der vor einiger Zeit durch Winterhafen gekommen sein müsste. Habt ihr ihn zufällig getroffen, oder wisst ihr etwas über sein nächstes Ziel, falls er nicht mehr hier ist? Er soll sich ausgezeichnet mit reinigenden Ritualen auskennen." schloss Lexi den Bericht.
« Letzte Änderung: 08.02.2013, 11:47:20 von Suilan »

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