Autor Thema: Hennen  (Gelesen 5437 mal)

Beschreibung: Prolog

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TheOldHero

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Hennen
« Antwort #30 am: 05.03.2013, 12:27:13 »
"Ja..." Der Mann erhebt sich langsam von seinem leeren Tisch - offenbar hat er nicht einmal ein Frühstück zu sich genommen. "...ich kann es nicht erwarten, hier wegzukommen. Mein Wagen steht neben der Schenke. Geh ruhig schon einmal vor, während ich die Pferde hole." Er steuert auf den Ausgang zu, da dreht er sich noch einmal um und streckt Hennen eine Hand hin. "Mein Name ist Jensen." Sein Blick ist konzentriert.

Hennen

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Hennen
« Antwort #31 am: 05.03.2013, 18:07:52 »
"Ähm ich..." Zögerlich greift Hennen die Hand seines Gegenübers. "Ich wurde seit ich denken kann immer nur Hennen genannt." Beschämt blickt er neben Jensen ins Leere und hält inne, ehe er dessen Hand loslässt."Oh.. Gut, ich gehe dann schon mal vor. Nochmals vielen Dank!" Wer ist er? Kann ich ihm wirklich trauen? Oder spielt er nur den Netten, nur um mir irgendwo abseits von allem ein Messer in meinen Rücken zu jagen? Verfolgt von dunklen Gedankenbildern verlässt Hennen die Taverne und hält Ausschau nach Jensens Wagen.

TheOldHero

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Hennen
« Antwort #32 am: 06.03.2013, 15:06:04 »
Im Schatten der Schenke steht ein einfacher Lastenwagen mit einem Sitz für den Fahrer vorn. Die Speichen der Räder sehen morsch aus, als wären sie die Geschwister des Rades, das das Gasthaus ziert. Auf der Ladefläche liegen, wie von Jensen beschrieben, einige in Leinentücher gewickelte Krüge und Töpfe. Das einzig Auffällige sind die eisernen Streben, die unter dem Wagen hindurchlaufen und die Räder miteinander verbinden.
Hinter Hennen sind plötzlich Schritte.
"Ein gnomischer Tüftler hat mir das angebaut. Schneller, sicherer, angenehmere Fahrt... Hat nicht lange gehalten." Jensen hält zwei Pferde am Zügel. "Leider nutzt es uns also nichts, bis wir in der Hauptstadt sind. Wird dort erst repariert."

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Hennen
« Antwort #33 am: 06.03.2013, 23:24:55 »
"Ach das macht nichts.", gibt Hennen zurück und zuckt mit den Achseln. "Ich habe es nicht sonderlich eilig. Aber wie macht dieses Metalldings einen Wagen schneller..?", fragt er mehr zu sich selbst, gibt seiner Neugier aber nicht vollstängig nach. Er traut Jensen immernoch nicht über den Weg; ihn im Auge zu behalten ist wichtiger.

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Hennen
« Antwort #34 am: 07.03.2013, 09:40:41 »
"Der Gnom hat es mir erklärt..." Jensen hält kurz inne darin, die Pferde vor den Wagen zu spannen. Dann wendet er sich wieder seiner Aufgabe zu. "...und ich habe es vergessen. Irgendwie sollen die Räder bei der Fahrt die Kraft ihrer Umdrehung einander abgeben und so meine beiden Jungs entlasten." Er streichelt einem der Pferde die Stirn. "Aber momentan wirds damit nichts."
Als die beiden Tiere vor den Wagen gespannt sind, dreht Jensen sich um. "Bereit?"

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Hennen
« Antwort #35 am: 07.03.2013, 10:39:55 »
Hennen nickt und klettert hinten auf den Wagen. "Ist es in Ordnung, wenn ich es mir hier hinten etwasbequem mache? Ich bin in der vergangenen Nacht ohne Pause gereist."

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Hennen
« Antwort #36 am: 07.03.2013, 11:22:27 »
Jensen nickt und steigt auf den behelfsmäßigen Kutschbock. "Da hab ich noch was für dich. Wenn du nichts gegen Hundehaare hast."
Eine löchrige Decke segelt zu Hennen herüber, und mit ihr der Geruch nach nassem Fell.

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Hennen
« Antwort #37 am: 07.03.2013, 22:29:25 »
"Gut getroffen.." Hennen zieht sich die Decke aus dem Gesicht und hüllt sich sorgfältig ein. Der Mief ist nur unwesentlich abstoßender als sein eigener. Deshalb macht es ihm reichlich wenig aus, dass er zusätzlich zum Gestank klammer und verdreckter Kleidung nun auch noch nach nassem Köter roch. Hauptsache sie hält warm. Hennen legt sich hinter ein paar Krügen nieder und starrt gen Himmel. "Wer ist dieser Mann? Warum ist er so nett zu mir? Führt er etwas im Schilde? Plant er, mich für irgendeinen dunklen Plan zu missbrauchen?? Aber was ist, wenn nich..? Vielleicht ist er einfach so nett.. oder hat Mitleid...Freundschaft? Was hat er erlebt? Wen geliebt? Verloren?" Fragen und Zweifel rennen gegen Hennens Stirn an. Die Gedanken ziehen ebenso schnell vorüber wie die Wolken über dem Wagengespann.

Irgendwann kann er beiden nicht mehr folgen, und er versinkt in tiefen Schlaf.
« Letzte Änderung: 07.03.2013, 22:32:40 von Hennen »

TheOldHero

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Hennen
« Antwort #38 am: 08.03.2013, 12:39:32 »
Hennen erwacht davon, wie ihn etwas in die Schulter sticht.
Als er die Augen öffnet, hängt über ihm ein Sternenhimmel. Das matte Licht der Himmelskörper fällt auf einen Stock, der ihn wiederholt piekt. Jensen steht neben der Ladefläche und zieht den Stock zurück. "Da hat jemand für mehr als nur eine Nacht Schlaf nachgeholt, wie das aussah."
Der Händler setzt sich wieder - neben ein kleines Lagerfeuer, auf der Erde abseits des Weges errichtet. Die Wärme strahlt bis hoch zu Hennen.
Der Wagen steht noch halb auf der Straße, denn direkt neben dem Weg erheben sich bereits die ersten Bäume und lassen keinen Platz. Die Pferde sind an Bäume dicht am Feuer gebunden und tragen Futterkörbe. Jensen klopft einem von ihnen auf den Schenkel. "Morgen gehts weiter. Und Nachtwache hält natürlich der, der sich am Tag ausgeruht hat. Nicht wahr?"

Hennen

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Hennen
« Antwort #39 am: 08.03.2013, 18:09:37 »
Verschlafen kneift Hennen mehrmals die Augen zusammen, ehe sich langsam wieder Leben in seinem müden Leib regt. Unter heftigem Gähnen krabbelt er aus der Decke und schleppt sich von der Ladefläche herunter. "Wäre wohl nur allzu fair.. obwohl ich gut und gern noch mehr davon vertragen könnte." Er lässt sich neben Jensen am Feuer nieder und öffnet seinen Rucksack auf der Suche nach etwas Essbarem. "Abendessen?"
« Letzte Änderung: 08.03.2013, 18:10:00 von Hennen »

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Hennen
« Antwort #40 am: 08.03.2013, 19:08:10 »
"Fragst du deinen Rucksack oder mich?" Jensen legt sich eine Decke um, die ganz ähnlich aussieht wie die, die Hennen zum Gemütlichmachen bekommen hat. Nur, dass diesmal kein Geruch von nassem Tier herüberzieht. "Ich konnte mich schon während der Fahrt tagsüber nicht beherrschen und habe ein bisschen auf meinem herrlichen, zähen Reisebrot herumgekaut. Könnte fast neidisch auf Rom und Jon werden." Er nickt zu den Pferden herüber. "Aber nur noch ein paar Tage, dann hat uns die Hauptstadt wieder."

Hennen

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Hennen
« Antwort #41 am: 08.03.2013, 20:17:51 »
"Haha. Sehr witzig." Hennen fischt ein dickes Stück Pökelfleisch aus dem Proviantpaket und reißt es auseinander. "Da. Zähes Reisebrot allein nährt dich nicht. Glaub mir, ich hab's versucht... Wieviele Tage werden es denn noch in etwa sein? Ich kann es kaum erwarten, die Hauptstadt zu sehen." Mit einem Lächeln aufd en Lippen spießt er seinen Anteil an der Malzeit auf seinem Messer auf und hält es kurz ins Feuer, ehe er sich schmatzend daran gütlich tut.

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Hennen
« Antwort #42 am: 09.03.2013, 08:27:27 »
Jensen begutachtet das getrocknete Fleisch und beißt dann ein Stück ab. Sein Gesicht verzieht sich. "Das sagen alle, die die Hauptstadt noch nicht kennen. Aber es ist nur mehr von dem, was es überall gibt. Die Häuser der Reichen sind höher, die Armen sind ärmer, die Straßen dreckiger. In drei Tagen siehst du das selbst." Er reibt sich über das Gesicht. "Entschuldige. Ich bin müde."

Hennen

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Hennen
« Antwort #43 am: 09.03.2013, 09:51:06 »
"Nur zu, nur zu.", gibt er zurück, während er die zuckenden Flammen beobachtet, wie sie um die glühenden Äste der Feuerstelle tanzen.
Mehr von allem also... mehr Reichtum, mehr Armut. Mehr Häuser, aber.. weniger Freiraum? Ein Ort in dem man untergeht, jeder Mensch nichts weiter als ein Teil der großen Grauen Masse, die nur um ihrer selbst willen vor sich hin existiert. Dort falle ich wohl bestimmt nicht auf...
Hennen hebt seinen Blick bis hoch hinauf zum Nachthimmel. Schon seit er ein kleiner Junge war, übten die Sterne eine mystische Anziehungskraft auf ihn aus, wie sie stolz hoch oben am Himmel standen, und ihr silbernes Funkeln mit allen schlaflosen Wesen dieser Welt geteilt haben.
« Letzte Änderung: 09.03.2013, 09:51:39 von Hennen »

TheOldHero

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Hennen
« Antwort #44 am: 11.03.2013, 17:44:39 »
Es wird spät am Feuer. Jensen liegt unter einer Decke und in seinem Schlafsack verborgen, von den Pferden kommt nur vereinzelt ein leises Schnauben.
Hennen ist wach wie lange nicht mehr, entweder vom Licht der Sterne oder der langen Rast des Tages.
Die Stunden vergehen schleichend, und die seltenen Geräusche von vorüberziehenden Vögeln schrecken ihn längst nicht mehr.
Er gähnt gerade kräftig, da sind plötzlich Schritte neben ihm, und eine Stimme krächzt. "Schlitz ihn auf, Mann!"
Von der anderen Seite hetzt ein unkenntlicher Schemen auf ihn zu, ein kurzes Messer in der Hand. Er kann nicht mehr reagieren, doch der Arm des Manns zittert, und er setzt die Klinge geradewegs in das Holz des Wagens neben Hennen. Fluchend versucht er, die Waffe herauszuzerren.
Der andere, der geschrien hat, rennt auf Hennen zu, einen kleinen Schmiedehammer erhoben. In seinen weit aufgerissenen Augen schimmert der Glanz der Sterne.